Unser Ausflug an den griechischen Nachthimmel mit seinen Sternen hat seine Halbzeit erreicht. Waren die Sternbilder mit 3 und 5 Sternen noch eher etwas für den unambitionierten Astrologen, drehen wir nun das Teleskop auf einen ersten sideralen Höhepunkt: den Metaxa 7 Stars. Inzwischen wissen wir ja, dass der Name bedeutet, dass wir hier eine 7 Jahre gereifte Weinbrandbasis vor uns haben – das ist schon ein ordentliches Alter für einen Weinbrand, bei Cognac hätten wir vor 2016 hier bereits von der Qualitätsstufe XO gesprochen.
Wir beginnen mit dem leider etwas wenig Starhaften. „Zuckerkulör“ – mehr muss ich inzwischen für regelmäßige Leser meines Blogs nicht sagen. Für alle anderen: Die schöne Farbe ist getürkt, ich halte mich also nicht allzu lang damit auf.
Um so länger könnte ich dann aber dafür am Geruch hängen bleiben. Ein sommerliches Blumenbeet. Rosen, Jasmin, dazu gibt es Unterstützung von Vanille, Feigen und reifen Bananen; Zitronenfrische etwas später. Eine leichte Schwefelnote kommt aus der Weinbrandbasis.
Und, ah, butterzart ist der Metaxa 7 Stars, mit einem Anflug von Kribbeln. Weich und rund, leicht schwefelig im Verlauf. Vanille. Karamell. Milchschokolade. Rosinen. Ansonsten kommt hier die Rosennote zum ersten Mal in der Produktreihe richtig schön zur Geltung. Sie liegt nun im Vordergrund, mit einer kräftigen, aber unaufdringlichen traubig-saftigen Süße – als würde man eine Rosenblüte essen. Immer mehr Kanten sind abgeschliffen, die uns im 3- und 5-Sterne-Metaxa noch störten.
Der Abgang bleibt eher kurz und trocken, dafür würzig und warm im Mund, weich im Rachen und in der Kehle. Da ist nun überhaupt kein Kratzen mehr, das läuft runter wie warmes Öl. Eine leicht klebrige Süße bleibt am Gaumen. Die blumige Komponente hängt noch eine Weile im Mund nach, mit einem milden Brandy-Schwefel.
Wir bewegen uns hier im Bereich dessen, was ich schon gern pur trinke. Gut handwarm, in einem großen Cognacschwenker. Darüber hinaus ist das die Fassung des Metaxa, die bei mir als Standard für Cocktails gilt – beispielsweise im Democritus. Ein Alleskönner also, und die Qualität, die ich einem Einsteiger in die Welt des Metaxa empfehlen würde. Mit einem sehr guten Preisleistungsverhältnis – für um die 15€ pro 700ml ist es auch keine große Investition, während man eine sehr schöne Spirituose als Gegenleistung erhält.
Democritus 5 Minzblätter ½ oz Limettensaft Zusammen vorsichtig muddeln. 2 oz Metaxa 7 Stars ½ oz Rye Whiskey (z.B. 1776 Straight Rye Whiskey) 1 oz Ananassaft ½ oz Orgeat 2 Spritzer The Bitter Truth Jerry Thomas‘ Own Decanter Bitters Auf Eis gut shaken.
[Rezept nach Ryanimo]
Ich nutze diese Variante des griechischen Weinbrands, um mal darauf hinzuweisen, dass man sie auch in allerlei Größen bekommt – den 7er-Metaxa beispielsweise habe ich als 5cl-Miniatur, als 20cl-Flachmann und in der 70cl-Amphorenflasche zu Hause. Gerade die Mittelgrößen, wie 20cl und 35cl sind in Deutschland nicht flächig erhältlich; in griechischen Supermärkten, insbesondere dort, wo Touristen unterwegs sind, dagegen schon.
Und natürlich ist sich der Hersteller von Metaxa nicht zu schade, hin und wieder Sonderaktionen durchzuführen, bei denen eine Flasche zusammen mit einem Gimmick verkauft wird. Mitte des Jahres 2016 beispielsweise war Metaxa 7 Stars zu einem sehr günstigen Preis zusammen mit einem sehr formschönen Tumbler beim Supermarkt Real erhältlich. Ein echter Fan wie ich konnte da einfach nicht widerstehen, insbesondere, da diese Art von Markenglas allein gekauft schon oft 5€ und mehr kosten kann.
Wer sich unsicher ist, sollte bei seinem griechischen Restaurant der Wahl einfach nach dem Essen mal statt dem Standard-Ouzo diesen Metaxa bestellen. 7 Stars sollte in jeder Taverne, die etwas auf sich hält, auf der Karte stehen. So ein schönes Glas Metaxa ersetzt einen Nachtisch, und lässt einem die Zeit, nach einem üppigen Mahl nochmal ein bisschen zu schwelgen und träumerisch an den Nachthimmel Griechenlands zu denken.
Der hellenische Sternenhimmel wird im nächsten Teil ergänzt um den großen Bären der Sterne-Metaxa-Himmelsbilder: Wir sehen uns nächsten Monat, wenn der Metaxa 12 Stars an die Reihe kommt, in meiner Reihe „Sterne über Griechenland“ verkostet zu werden.
Alte Rezensionen… man sollte sie nicht mehr lesen, wenn man sich nicht für sich selbst fremdschämen will. Doch wenn man sich verbessern will, muss man in den sauren Apfel beißen und verstehen, warum sich frühe Besprechungen so anders lesen als die neueren. Man sammelt Erfahrung im Verkosten, man verändert seine Sichtweise auf Dinge, man schraubt an seinem Schreibstil – all das ist einfach nötig, denn von Anfang an hat kein Rezensent goldene Eier gelegt.
Ich publiziere hin und wieder hier auf meinem Blog auch ältere Besprechungen aus meiner Amazonzeit. Oft poliere ich sie etwas auf, damit sie zu meinem neuen Stil passen; ich dachte mir aber, dass es auch mal wertvoll sein könnte, eine Rezension als Ausgangspunkt für eine Metadiskussion herzunehmen. Beginnen wir einfach damit, dass ich eine Rezension vorstelle, so wie ich sie damals am 12. Juli 2015 bei Amazon veröffentlichte, einige Zeit, bevor ich den Blog schlimmerdurst.net startete. Natürlich noch ohne Fotos, damals, für das Samuel Smith’s Imperial Stout. Lassen wir den alten Rezensenten, damals noch „Nunc est bibendum“ genannt, sprechen.
„Die Zeiten, in denen man in Deutschland außer Pils und Hefeweizen kaum etwas kannte, sind vorbei: IPA und Stout beginnen so langsam, sich einen Weg über die Craft-Beer-Szene auch in die eher konservativen Haushalte und Bars zu bahnen. Bei mir in der Provinz dauert alles immer ein bisschen länger, daher ist dies eines der ersten Imperial Stouts, die ich verkoste.
Pechschwarz fließt die Flüssigkeit ins Glas, eine feinperlige dünne Schaumkrone bildet sich schnell. Von der Konsistenz her erkennbar dickflüssiger als unser typisches deutsches untergäriges Bier, und mit vergleichsweise wenig Kohlensäure ausgestattet, ist es auch herrlich dunkel-aromatisch im Geschmack: Bitterschokolade, Kakao, Kaffee und ein Touch von herben Früchten, dazu ein Hauch Gewürz, Röstnoten und Nüsse. Ich werde dieses Bier bei der nächsten Party als Nachtisch servieren, da braucht man weder Käse noch Süßspeisen, obwohl es ganz sicher auch dazu passt. Trotz der ausgesprochenen Bitterkeit und für ein Bier etwas erhöhten Alkoholgehalts ist Samuel Smith’s Imperial Stout sehr weich und rund im Mund, und dabei nicht so supermalzigsüß, wie man es vielleicht vom irischen Guinness kennt. Der Drittelliter, so interessant und angenehm sich dieses Bier auch trinken lässt, ist dann aber auch genug für einen Abend – mehr muss nicht sein. Auch als Durstlöscher taugt es nur sehr bedingt.
Die Aufmachung ist sehr schick, ungewöhnlich und mit einem beeindruckenden Etikett versehen. Da dieses Stout beim Mixology-Test auch auf einem respektablen 8. Platz mit wohlwollenden Kommentaren gelandet ist, sollte man selbst auch mal einen Schluck davon riskieren. Und ich werde weiterhin noch das eine oder andere Stout probieren, das steht fest.“
Grundsätzlich finde ich diese Review auch heute noch nicht schlecht, wenn auch etwas fortgeschritten amateurhaft – es fehlt mir die Angabe des tatsächlichen Alkoholgehalts (7%), der Malzsorten und eine Geruchsverkostung. Was mir stilistisch rückblickend auffällt, ist, dass die Rezension einfach so ins Blaue startet, mit einer nur kurzen Hinführung. Durch diese kurze Hinführung wird aber schon deutlich, dass ich damals mehr im Sinn hatte, als einfach nur Geschmacksnotizen oder Kaufhinweise zu geben – ich will den Leser auf eine Lesereise mitnehmen. Spannungsbogen, Story Telling und Einbettung in ein interessantes Rahmenthema: Das war mir damals noch alles fremd. Was mir schon immer lag, war ein Bonmot für den Titel der Rezension zu finden; die Verbindung eines Imperial Stouts mit der kaiserlichen Meerescomicfigur The Submariner, dessen Wahlspruch „Imperius Rex!“ auch von der Wortwahl her passt, schien mir ein kleiner, nerdiger Hinweis auf meine Comicbegeisterung zu sein.
Darüber hinaus muss man aber festhalten, dass es nicht allein an mir lag. Amazon ist ein denkbar schlechtes Portal für schön gestaltete Reviews – ein schlecht implementierter Editor, man kann Fotos nur an den Artikel hängen, nicht an eine bestimmte Stelle einbetten, Hyperlinks sind kaum möglich, man kann keine typografischen Änderungen wie Kursiv- oder Fettschreibung vornehmen, und man muss aufpassen, welche Worte man verwendet, um nicht im automatischen Content-Filter hängen zu bleiben. Die teilweise tagelange Wartezeit, bis die Besprechung veröffentlicht oder nach Änderungen geupdatet wurde, ist ein Ärgernis. Mir missfiel auch immer schon, dass man eine Sternebewertung abgeben muss (ich bezweifle bis heute deren Sinnhaftigkeit), und die Zuordnung von Rezensionen zu Produkten ist bei der grauenhaften Qualität des Amazon-Produktkatalogs, der vor Dubletten und Doppeltzuordnungen nur so strotzt, nur eine gewisse Weile gewährleistet. Von der anonymen Abklickerei mit dem unsäglichen „Nicht-Hilfreich“-Button will ich gar nicht erst anfangen (diese Rezension ist bis heute glücklicherweise davon verschont geblieben).
Warum hatte ich bei Amazon rezensiert? Erstens ist Amazon eine natürliche erste Anlaufstelle für dahingehend Interessierte, und auch eine, an der man schnell ohne viel Aufwand Artikel veröffentlichen kann. Der enorm große Rezipientenkreis hat auch seinen Reiz. Doch dieses Makeup verblasst schnell, wenn man beginnt, semiprofessionell zu arbeiten. Dann ist der eigene Blog die einzig richtige Wahl, auch wenn der Beginn nicht stolpersteinfrei ist.
In meiner ursprünglichen Rezension hatte ich auch noch kein Cocktailrezept für das Samuel Smith’s Imperial Stout angegeben. Die Idee, zu jedem Bier eine Mixempfehlung anzugeben, kam mir erst später, als ich das Potenzial von Bier dafür erkannte. Bis heute ist dies allerdings ein Nischenthema in der Mixologie; ich bin dennoch sehr stolz darauf, dass man auf meiner Seite inzwischen eine erkleckliche Anzahl von Biercocktails für jede Art von Bierstil passend abrufen kann. Nun reiche ich auch ein Rezept für das damals besprochene Bier nach – The Outlaw Czar soll mit seinem Namen wahrscheinlich an die russische Verbindung eines Imperial Stouts hinweisen, denn diese Art Bier wurde als Hofbier des russischen Zarenhofs seit Katharina der Großen berühmt. The Outlaw Czar hat aber auch so etwas Royales an sich. Und er ist mit Sicherheit einer der besten Biercocktails, die ich bisher genießen durfte. Ausprobieren ist Pflicht!
The Outlaw Czar 2 oz Rye Whiskey (z.B. 1776 Straight Rye Whiskey) ¾ oz Orangenlikör (z.B. Grand Marnier Cordon Jaune) 3 Spritzer Angostura
Auf Eis shaken, dann aufgießen mit… 6 oz Imperial Stout (z.B. Samuel Smith’s Imperial Stout)
[Rezept adaptiert nach Rock & Rye]
Soweit also mein etwas rosig gefärbter Rückblick auf das wie und warum meines Blogs. Ich hoffe, ich habe mich seit dieser Zeit verbessert; verändert habe ich mich auf jeden Fall, auch persönlich, durch das Schreiben. Allein durch das Verfassen von Rezensionen setzt man sich viel intensiver mit einem Produkt oder Gedanken auseinander, man muss Disziplin und Konsequenz lernen, seine Gedanken ordnen und in Form bringen. Das bringt einem auch im Privat- und Berufsleben etwas, wie ich glücklicherweise erfahren durfte. Außerdem ist dieser Blog ein sehr praktischer Tagebuchersatz für mich geworden, über den ich Gedanken niederschreiben kann und der manchmal auch als Ventil dient.
Ich weiß, dass hin und wieder auch Bloggerkollegen hier mitlesen; wie seht Ihr das? Ging es Euch ähnlich? Was sind Eure Anfänge und Gründe? Traut Ihr Euch, Eure alten Rezensionen nochmal auszupacken und zu analysieren? Gern würde ich von Euch hören, wie auch von den reinen Lesern, die meinen Blog schon seit längerer Zeit verfolgen.
Ich beneide manche Schnapsblogger. Sie haben immer höchstexklusive Spirituosen zum Ausprobieren und Rezensieren, 25 Jahre alte Enmore-Rums, Pappy Van Winkles, Spezialabfüllungen aus den 80er Jahren oder 50-Jahre-Sherrys. Das ist ein tolles Leben, wenn man sowas probieren darf. Der Sinn, solche Raritäten dann aber ausführlich zu rezensieren, geht allerdings streng gegen Null. Die Zielgruppe für derartige Artikel ist winzig, da es meist nur ein rein akademisches Interesse befriedigt – wer kann oder will sich schon derartige High-End-Spirituosen leisten? Viele der Käufer öffnen die teuer erstandene Flasche darüberhinaus sowieso nie, da sie sie als Spekulationsobjekt oder als Schatz für einen besonderen Anlass, der dann nie kommt, aufbewahren. Da bleiben nur die Hardcore-Fans übrig, die wissen, dass eine Spirituose nicht fürs Handeln auf Ebay und Begaffen in einer Vitrine gemacht wurde, sondern fürs Trinken – diese kennen sich aber dann oft genug eh schon soweit aus, dass sie nur wenig Hilfestellung benötigen.
Daher schreibe ich auch gern Rezensionen über Produkte, die weit gestreut erhältlich sind, und, ja, sogar im Discounter. Denn interessanterweise ist die Anzahl von Reviews über Discounterprodukte stellenweise genauso niedrig wie die der Besprechungen der „Einhörner“, also superseltenen Abfüllungen, der Spirituosenwelt – entweder denken die Blogger, dass es sich nicht lohne, sich mit so niedrigwertigen Produkten abzugeben, oder sie tauchen gar nicht erst auf deren Radar auf. Dabei gibt es genug Verbraucher, die jeden Cent umdrehen müssen (oder wollen), und trotzdem nicht auf Qualität verzichten sollten. Und wenn es dann noch um eine in Deutschland eh stiefmütterlich behandelte Spirituosenkategorie wie Portwein geht, ist mein Interesse doppelt geweckt. Daher schauen wir uns heute mal ein Saisonprodukt des Discounters Aldi an, das meist im Herbst oder in der Vorweihnachtszeit als Aktion erhältlich ist: Den Bellman Tawny Port.
Direkt zu Beginn wird man erstmal überrascht. Hat man den Echtkorken gelöst und sich ein Glas eingegossen, glitzert einem der Port rubinrot an. Das könnte man für einen Ruby halten – eigentlich geht ein Tawny oft eher ins Braune.
Gibt es weitere unerwartete Ereignisse, wenn man die Nase ins Glas hält? Eher nicht. Säuerlich und holzig ist der erste Eindruck, nach trockenem Rotwein. Eine leichte Kakaonote, dazu Vanille gleichen das etwas aus. Man meint, vorausahnen zu können, wie dieser Portwein schmecken wird…
…und wird eines anderen belehrt. Der Geschmack ist überhaupt nicht weinig und sauer, sondern extrem süß, fast schon pappig, zuckrig. Das Mundgefühl ist sehr dicht und vollmundig, dabei weist der Bellman aber nur enttäuschend wenig Komplexität auf. Die Süße erschlägt alles andere. Nur Rosinen, Piment und Kardamom können im Hintergrund noch etwas beitragen.
Ein mittellanger Abgang, nun doch weinig und adstringierend, mit schokoladigen Noten am Gaumen, dazu ein leichter Eisenton. Der Port hinterlässt einen Belag im gesamten Mundraum, und ein Hauch Alkohol entströmt dem Rachen nach dem Genuss – 19 Volumenprozent sind halt schon eine Marke, die man vertragen können muss, vor allem, wenn sie so durch Süße verdeckt werden.
Nun, wer auf süße Sachen steht, wird hier glücklich werden: das ist von Körper und Süße her eine Bombe. Wer seine Ports aber eher trocken und komplex mag, sollte einen Bogen um Aldi in der Zeit machen, wo es diesen Porto in der Sonderfläche zu kaufen gibt. Tatsächlich mag der Bellman aber dennoch als Dessertbegleiter in jedem Haushalt gute Dienste leisten. Bei 6€ pro 750ml-Flasche kann man mit diesem Portugiesen diesbezüglich ein Schnäppchen machen.
Ein dermaßen süßer und dabei dichter Portwein ist natürlich eine exzellente Wahl als Cocktailzutat – laut manchem Kenner ist es verpönt, für Cocktails hochwertige Vintage-Ports heranzuziehen (den Grund dafür konnte man mir nicht wirklich erklären, ich vermute, es ist das übliche wie-kann-man-es-wagen-Gejammere), dann muss eben der billige Stoff dafür her. Und der Bellman macht sich entsprechend auch ganz hervorragend als Helfer in Mixturen, in denen Portwein eine Nebenrolle spielt. Dass er auch die Hauptrolle gut ausfüllen kann, zeigt der Port Cobbler. Ein ganz typisches DeGroff-Rezept – gemuddelte Fruchtstücke sind seine Signatur, das mag ich nicht immer, hier kombinieren sie sich aber herrlich mit dem Port.
Port Cobbler ½ Orange (gestückelt) ½ Zitrone (gestückelt) 2 Stücke Ananas ¾ oz Curaçao (z.B. Grand Marnier) 1 oz Wasser Diese Zutaten muddeln. 4 oz Portwein (z.B. Bellman Tawny Port) Auf Eis shaken. In ein Glas mit Crushed Ice geben. Mit Orangen-, Zitronen- und Ananasstücken dekorieren.
[Rezept nach Dale DeGroff]
Der Bellman Tawny Port kann als Einstiegsprodukt vielleicht den einen oder anderen dazu bringen, sich diese in Deutschland oft zur Kochzutat degradierten Spirituosenkategorie etwas genauer anzuschauen. Er weist dazu ein Niveau auf, das im Gegensatz zu manch anderer Discounterspirituose durchaus als akzeptabel bezeichnet werden kann. Natürlich ist es ein Basisprodukt, das den Kenner nicht befriedigen kann – logische weitere Schritte für den Einsteiger, die sich nur unwesentlich preislich äußern, wären dann beispielsweise der Porto Cruz Reserve, oder, wenn man sich farblich verändern will, der Niepoort White.
Ich für meinen Teil habe mir jedenfalls 3 Flaschen dieses portugiesischen Süßmonsters gesichert. Für die trockene Zeit zwischen den Aktionsangeboten bei Aldi, wenn man Lust auf was Schmeichlerisches hat, oder für den milden Port-Cocktail am Abend.
Die Welt stürzt sich gern auf gereifte Spirituosen. Je dunkler, je älter, desto besser, so scheint das Credo zu sein. Bei Scotch geht es soweit, dass alles, was weniger als 10 Jahre gereift ist, von so manchem selbsternannten Kenner als minderwertig abgetan wird – und NAS-Abfüllungen ohne Altersangabe als der Untergang der Whiskykultur betrachtet werden. Bei Rum überschlagen sich die Hersteller mit Pseudoaltersangaben, die meist reine Augenwischerei sind – große zweistellige Zahlen, prominent auf dem Etikett, für ein Produkt, das rein technisch schon kaum so ein Alter erreichen kann (zumindest nicht zu dem ausgeschriebenen Preis). Die Ausnahme unter den braunen Spirituosen ist der Tequila, der sich nicht an dieser Hetzjagd nach möglichst großen Zahlen beteiligt. Selbst die längstgereifte Standardkategorie bei Tequila, der Añejo, wird meist unter 3 Jahren gereift. Tequila hat natürlich den Vorteil, dass die Pflanze, aus der er destilliert wird, nicht jährlich komplett neu heranwächst, wie das bei Gerste, Mais, Zuckerrohr oder Kartoffeln der Fall ist, sondern über mehrere Jahre hinweg Zucker und Aromen aufbauen kann – da wäre es ja eine Sünde, diese mühevolle Arbeit der Agave zunichte zu machen, indem man diese Aromen durch Fassholzgeschmäcker überdecken würde.
Für mich persönlich jedenfalls sind die weißen, ungereiften Varietäten von Spirituosen (ganz besonders bei Rum und Tequila) unabhängig davon eh immer die interessantesten. Sie zeigen den wahren Charakter des Destillats, unbeeinflusst von externen Effekten. Bei langgereiften Spirituosen schmeckt man oft nur noch das Fass – bei weißen dagegen die Essenz der Basismaterialien, oder wie Guillermo Sauza von Fortaleza Tequila in dem nachfolgenden Video etwas romantischer sagt, „the true blood of the destillery“. Selten genug sind mittelamerikanische Spirituosenhersteller so freigiebig mit Informationen über ihre Herstellungsmethoden und -lokalitäten wie Don Sauza, daher sollte man dies hoch schätzen.
Er hat aber auch nichts zu verbergen, im Gegenteil: der Fortaleza Tequila Blanco ist einer der wenigen Tequilas, die noch in kompletter Handarbeit hergestellt werden. Schon in der Flaschengestaltung weist der Hersteller darauf in Details hin: das handgeerntete Agavenherz, die piña, ziert als Stöpsel die Flasche. Gekocht wird die piña bei Fortaleza in klassischen hornos, also Steinöfen, nicht in modernen Autoklaven. Besonders herauszuheben ist die Zerkleinerung der geernteten und gekochten Agavenherzen in Vorbereitung für die Fermentation: industrieller Tequila nutzt Schredder-Maschinen, die traditionelle Methode allerdings ist die Verwendung eines Mühlsteins, der tahona. Die tahona ist heute deswegen zum Symbol für die Handarbeit beim Tequila geworden – und auch den Mühlstein findet man prominent auf der Flasche abgebildet.
Bei all dieser Tradition, bei all dieser Mühe muss letztlich die Frage gestellt werden – lohnt es sich, allein deswegen um die 60€ für eine Flasche dieses ungereiften Sprits zu investieren, oder bietet er auch einen geschmacklichen Gegenwert? Für den Preis bekommt man immerhin 5 Flaschen des Sierra-Mixtos!
Das war natürlich nur ein Scherz (ein geschmackloser dazu!), kein Mensch sollte überhaupt den Sierra-Mixto kaufen, wenn ihm am Geschmack von Schnaps etwas liegt.
Wie von einem Blanco zu erwarten, ist die Farbe vollkommen klar; man könnte aber meinen, einen leichten Blaustich wahrzunehmen. Die Flüssigkeit ist viskos und schwer. Der Geruch setzt ein erstes Ausrufezeichen – süß und vegetal. Sehr aromatisch nach Agave, Apfel, Rosmarin, Lavendel. Anklänge von Anis und Motoröl. Aber auch fruchtig, in Richtung Honigmelone. Nur unterschwellig alkoholisch.
Der Geschmack toppt den eh schon komplexen Geruch noch deutlich. Cremig, superweich und öligschwer im Mund, herrlich natursüß nach Kandiszucker. Die „Aquarium“-Note, die mir bei Sotol das erste Mal auffiel, ist hier auch vorhanden, aber reduzierter. Ein sehr deutlicher Agavencharakter wird ergänzt durch Fruchtigkeit (Pfirsich?). Später wird es kräuterig-würzig, Pfefferminze, Thymian, Nadelgewächs und eine hintergründige Tabakwürze. Sehr komplex. Der Körper, die Dichte und der gefühlte Reifegrad dieser weißen Spirituose übertrifft viele añejos, die ich kenne, und die meisten reposados: Ein Beweis dafür, dass Alter eben doch nicht alles ist, sondern nur ein Hilfsmittel.
Im Abgang gibt es keine negative Überraschung – warm und weich, dabei leicht pfeffrig. Leicht betäubend und kühlend an der Zungenspitze. Der Abgang ist zwar nur mittellang, dafür aber hocharomatisch. Sehr gefällig und unglaublich fein zu trinken, übertrifft der Fortaleza Tequila Blanco dabei viele Cognacs, ohne sich dabei aber anzubiedern. Kurz – eine edle Spitzenspirituose. Es ist nicht zu fassen, dass so etwas direkt aus der Pot Still, ohne Reifung, läuft; da fangen viele andere Brenner an zu heulen.
40% Alkohol sind ein üblicher Wert für Tequilas, man merkt aber nichts davon. Dennoch bin ich voller freudiger Erwartung auf den bald erscheinenden Still Strength Forty Six mit 46%, von dem ich neulich einen winzigen Schluck schon probieren konnte, und seitdem davon träume.
Passend zum handgefertigten Inhalt trinke ich diesen Tequila aus einem handgemachten Caballito, wie es auch Guillermo Sauza in seiner Destillerie tut. Alternativ sind natürlich langstielige, kaminförmige Verkostungsgläser, wie sie auch für Whisky und Rum bei Kennern üblich sind, bestens geeignet.
Für manche ist es ein Sakrileg, eine derart hochwertige Spirituose in einem Cocktail zu verwenden. Nicht für mich, im Gegenteil. Natürlich verzichte ich darauf, einen Tequila Sunrise, mit seinem großen Saftanteil, mit Fortaleza Tequila herzustellen, das wäre zugegebenermaßen schon leicht dekadent (wenn ich mir es durchgängig leisten könnte, wäre allerdings auch das kein moralischer Stolperstein für mich). Aber bei Cocktails, in denen die Spirituose eine große Rolle spielt, wie bei einer Margarita oder The Bermondsey Minute, zählt jedes Grad an Qualität. Da kann so ein Tequila dann noch das letzte Quäntchen an Genuss aus einer Mischung herausholen und diese von der Kategorie „lecker“ in die Kategorie „göttlich“ verschieben. Was hier definitiv passiert. Man beachte, dass das Originalrezept nach einem reposado verlangt. Der vorliegende blanco allerdings füllt Rezepte dieser Art ohne jede Mühe aus.
The Bermondsey Minute 2 oz Tequila Reposado (oder hier: Fortaleza Tequila Blanco) ¾ oz Roter Wermut (z.B. Carpano Antica Formula) 1 Teelöffel Maraschino-Likör (z.B. Bols) 1 Teelöffel Lavendelsirup 2 Teelöffel Stilles Wasser Auf Eis rühren. Mit Zitronen- und Orangenzesten dekorieren.
[Rezept nach Simon Difford]
Interessant ist die Abfüllungschargen-Nummer, die auf der Rückseite handschriftlich (da haben wir es wieder!) eingetragen ist. Im Gegensatz zu Jahreszahlen bei Jahrgängen bei Wein oder bei manchen Spirituosen, und auch im Gegensatz zu Single-Barrel-Fassnummern bei manchen Whiskeys oder Rums handelt es sich hier um die Nummer des Abfüllungsvorgangs in Flaschen. Jahrgänge sind bei Tequila schwer durchzuführen, da die Agavenernte das ganze Jahr über erfolgt und immer andere Teile eines Felds geerntet werden, und Single-Barrel-Produktionen sind auch (noch) eher selten und für ungereifte Spirituosen, die kein Fass zu Gesicht bekommen, wie beim vorliegenden Tequila, natürlich eh nicht relevant.
Sehr rustikal kommt der bereits oben angesprochene, manufakturierte Stöpsel daher; die bei meiner Flasche etwas schiefe Anfertigung lässt keinen Zweifel daran, dass hier wirklich Handarbeit im Spiel war. Alles andere als ein Naturkorken wäre dem Rest nicht angemessen.
La sangre de nuestra vida – das Blut unseres Lebens, so bezeichnete Francisco Javier Sauza die Erde, auf der die Agaven für den La Fortaleza Tequila wachsen, in einem sentimentalen Moment gegenüber seinem oben erwähnten Enkel Guillermo. Diesem abuelo und den anderen Vorfahren zu Ehren wurde der Tequila dieser Heimaterde wieder neu erschaffen, basierend auf den alten Methoden, nachdem die Produktion 30 Jahre lang eingeschlafen war. Wenn es eine Spirituose gibt, die die überstrapazierte Bezeichnung „craft“ verdient, dann ist es dieser Tequila, der gleichzeitig zeigt, dass sich die Mühe auch in Qualität auszahlt. Wer ihn probiert, wird mir zustimmen.
Es gibt Dinge, die dürfen einfach nicht sein, sie widersprechen unseren moralisch-ethischen Grundlagen, all dem, woran wir fest glauben, unserem Weltbild, wie wir es über viele Jahre zusammengezimmert haben. Trotzdem passieren sie, und die Gesellschaft begehrt dagegen auf. Der Aufschrei in so mancher Biercommunity war also groß, als der Discounter Lidl sich erdreistete, neben den typischen Massenbilligbieren auch ein edler aufgemachtes, sich vom Stil und Inhalt deutlich an die interessierte, aufgeschlossene Bierkundschaft richtendes neues Sortiment einzuführen: Die unter der Firmierung Maltos zuerst nur im Aktionsangebot, später auch immer wieder mal erhältlichen Barley Blanc Bock, Barrique Style Doppelbock und Paradiso Zwickel.
Der Craftbierultra beschrie den Untergang des Abendlands, den Ausverkauf der Craftbierbewegung und den Anfang vom Ende aller Bierqualität. Rezensionen folgten stante pede, die wenigstens die Weltsicht wieder geraderückten: Natürlich ist das grausige Plörre (Glück gehabt!), was hatte man schon anderes erwartet. Nochmal erleichtert ausgeatmet. In einer Biercommunity bei Facebook wurde vom Administrator dann danach sogar untersagt, weiterhin Posts zu den Maltos-Bieren zu veröffentlichen. Es kann halt nicht sein, was nicht sein darf. Allein schon diese Reaktionen machen ein Produkt für mich spannend: Getroffene Hunde bellen, wie man weiß.
Mir erschließt sich einfach nicht so recht, was die Leute daran stört, wenn man heutzutage hochwertige Ware in einem Discounter kaufen kann. Spannenderweise stört sich niemand daran, dass Supermärkte wie Edeka oder Rewe schon lange ähnliches tun – schnell taucht zur Rechtfertigung dann die recht fragwürdige Umdeutung auf, dass Supermärkte ja eigentlich schon fast Feinkostläden seien, mit viel höherem Niveau als die Discounter. Wenn man aber ehrlich ist, veschwimmt die Grenze zwischen Discounter und Supermarkt doch schon seit einiger Zeit. Dass Inhaber von High-Society-Bars ein Kommunikationsproblem mit ihrer Kundschaft haben, die das Tonic Water, das bisher wegen seiner unzweifelhaften Qualität wie selbstverständlich im Einsatz war, nun nicht mehr wollen könnte allein aus dem Grund, dass es in einem Discounter erhältlich ist – nun, das ist halt ein gewisses Luxusproblem, mir persönlich ist Qualität wichtiger als Image.
Ich habe glücklicherweise kein Problem mit der Möglichkeit, gutes Bier im Discounter zu kaufen. Daher flugs zum Lidl, ein Dreierset jeder Sorte in den Warenkorb gelegt, und für jedes davon 2,50€ bezahlt. Man sieht, zumindest der Preis ist schonmal für Discounterverhältnisse craftig. Was ist zum Inhalt der Fläschchen zu sagen?
Beginnen wir mit dem Maltos Barley Blanc, einem Bockbier mit 6,9% Alkoholgehalt. Das blasse Strohgold ist leicht trüb, der Schaum schnell weg. Optisch bin ich nicht übermäßig beeindruckt – der Geruch ist schon etwas spannender, leicht fruchtig nach Grapefruit und Orangenfleisch, mit einer hintergründigen Lakritzwürze. Spannend wirds dann aber erst im Mund. Ein sehr interessanter Eukalyptusgeschmack, eigentlich fast schon mehr ein Gefühl. Ist das der auf dem Etikett angegebene Hallertau Blanc-Aromahopfen? Neben dieser reizvollen Komponente verblasst der Rest der Aromatik deutlich: Nur wenig des gerochenen Obsts kann man auch schmecken, dafür bekommt man eine starkmetallische, nach meiner Erfahrung bockbiertypische, Breitseite. Insgesamt kaum nennenswerte Aromen, höchstens etwas Heu und Getreide. Mildsauer, etwas bitter. Im Abgang kommt eine starksüße Komponente zum Vorschein, die ich nicht wirklich mag. Der Abgang ist sehr kurz und etwas bedeutungslos; das Bier ist so schnell vergessen, wie man es schluckt. Dennoch halte ich das Maltos Barley Blanc für ein vernünftiges Bier, mit einem winzigen Hauch von Anspruch, dem es dann aber doch nicht so wirklich gerecht werden kann.
Soweit, so interessant. Das nächste auf der Liste ist das Maltos Barrique Style, ein Doppelbock mit 7,6% Alkohol. Ich mag Biere mit dieser Farbtönung einfach nicht, ein undefiniertes, schwammiges Colabierbraun, mit scharlachroten Reflexen. Kaum Perlage, und der Schaum ist auch nur kurz vorhanden – kein guter Anfang. Wer sich davon hat schon abschrecken lassen, hätte die dann aber durchaus ansprechende Nase verpasst: Leichter Rauchgeruch, tatsächlich weist das Bier einen gewissen Fasscharakter auf (ohne allerdings je ein Holzfass von innen gesehen zu haben). Etwas Plastik, deutlich aromahopfig nach Tropenfrüchten. Milde Hefigkeit. Dazu kommt ein schönes Mundgefühl mit einer guten Mischung aus Malzweiche und Kohlensäurekantigkeit. Die schöne Hopfennote kombiniert sich gut mit der passenden Säure.
Im Abgang wird das Maltos Barrique Style einerseits leicht salzig, entwickelt aber auch eine klebrige Süße, die das Gesamtbild leider sehr stark ankratzt. Schade – ohne diesen Papp am Ende würde ich sagen, dass das ein sehr gutes Bier ist. Trotz des traurigen Endes, so ehrlich muss ich sein: Da habe ich schon sehr viel schlechtere Biere getrunken, selbst aus dem Craft-Bereich.
Das beste kommt zum Schluss, heißt es – trifft das auch auf das dritte Lidl-Bier im Bunde, das Maltos Paradiso Zwickel mit 5,0% Alkohol, zu?
Wie die Stilbezeichnung schon ausssagt ist auch dieses Bier naturtrüb, und recht blass. Sehr feiner Schaum krönt es, der durch milde Perlage aufrechterhalten wird. Blass bleibt auch der Geruch; zurückhaltend hopfig, leicht zitronig und leicht hefig, sonst aber recht neutral. Weich wird es dann im Mundgefühl, und angenehm rezent. Die errochene Aromenarmut setzt sich auch beim Geschmack fort – die schon ansprechende Würze wird durch die pappige Hintergrundsüße, deren Fehlen dem Bier guttun würde, plattgemacht. Etwas fruchtig, vielleicht Ananas – das wars aber schon. Der verwendete Mosaic-Hopfen, den ich schon bei anderen Bieren als nicht begeisternd empfand, geht hier ziemlich unter. Die leichte Säure im Abgang, die am Gaumen bestehende Hefe, die Süße – all das wirkt nicht rund, sondern unruhig und oberflächlich.
Ein sehr anspruchsloses Bier ohne großartig eigenen Charakter, langweilig und unrund komponiert, Säure und Süße kämpfen gegeneinander statt zu harmonieren. Das Maltos Paradiso Zwickel geht selbst in der Masse der Discounterbiere unter. Für mich persönlich das klar schlechteste der drei Maltos-Biere.
So endet diese Verkostung in einem Missklang. Mein persönliches Fazit ist dennoch- die Maltos-Biere sind keineswegs schlecht, im Gegenteil, im Vergleich zur sonstigen Bierware, die man bei Discountern findet, ist das ein teilweiser Quantensprung, und auch so manches Industriebier fällt dahinter ordentlich zurück. Klarerweise sind die Maltos-Biere gleichzeitig aber auch keine Biere, die man unbedingt probiert haben muss, oder für die es sich lohnen würde, extra zu Lidl zu fahren.
Für Bierkenner, die sich bereits eh schon nur mit gehobener Qualität versorgen, und Craftbierfanatiker, für die alles, was nicht von einem Künstler im Einzelsud mit 8 Aromahopfen für mindestens 3€ pro 330ml produziert wird, keinen Blick wert ist, sind diese Biere natürlich völlig ungeeignet, und wenn es nur aus dem Grund sein sollte, den ich oben in der Einleitung ansprach – Snobismus und Vorurteil.
Alle anderen offengeistigen Bierfreunde, die den unanspruchsvollen Durst beim Essen jetzt schon über Industriebier stillen, können durchaus mal einen Blick und Schluck riskieren. Wenn man sich nicht erhofft, Spitzenbier mit Craft-Niveau zu bekommen, sondern einfach nur auf eine spannende Abwechslung vom Pilseinerlei Lust hat, dann sind die Maltos-Biere eine Wahl, mit der man nicht viel falsch macht – legt einfach mal beim nächsten Lidl-Besuch statt des üblichen, gewohnten Lidl-Hausmarken-Perlenbacher-Sixpacks eine Sorte des Maltos-Biers in den Warenkorb und probiert es selber aus.
Die Natur war dem Menschen von Anfang an voller Rätsel. Der aufkeimende menschliche Verstand, nach einigen Fortschritten in Bezug auf Jagdtechnik schnell nicht mehr ausgelastet mit den banalen Problemen des alltäglichen Überlebens, versuchte sich die Phänomene um ihn herum zu erklären, ihnen einen Sinn zu geben. Er erkannte das Leben und den Willen in sich, und suchte dies dann entsprechend auch in seiner Umwelt, egal, ob es sich um Tiere, Pflanzen, das Wetter oder Steine handelte. Wenn dann noch ein besonders spektakuläres Naturwunder wie der Giant’s Causeway seinen Weg kreuzte, waren die Erklärungsversuche schnell voller übernatürlicher Wesen – denn offensichtlich konnte es kein Mensch gewesen sein, der diese höchstseltsame, ungewöhnliche Steinformation an der nordirischen Küste angelegt hatte, und von sich aus entstanden sein konnte es natürlich auch nicht. Nein, nur Riesen wären dazu in der Lage, so eine beeindruckende Struktur in die Landschaft zu hauen. Und so entstand die Legende des irischen Riesen Finn MacCool und seiner Rivalität mit seinem schottischen Nachbarn Benandonner.
„And it’s absolutely a true story“, das glaubt man selbst heute sofort, wenn man es sieht, denn auch wir modernen Menschen haben Schwierigkeiten, eine rationale Erklärung für diese beeindruckende Landschaft zu finden. Das südliche Ende des Damms von Finn MacCool beginnt im nordirischen County Antrim, und er erstreckte sich nach der Legende fast gerade nordwärts bis zu Fingal’s Cave auf der unbewohnten schottischen Insel Staffa, wo man sehr ähnliche Gesteinsformationen wie in Antrim finden kann – wenn das mal kein eindeutiger Beweis für die Legende ist!
Dieser unterhaltsamen Legende zu Ehren schafft der saarländische Whiskytower eine kleine Whisky-Miniserie, entsprechend Giant’s Causeway genannt, die diese Verbindung zwischen Schottland und Irland wieder aufleben lassen soll. Begonnen wird auf der schottischen Seite – da auf dem winzigen Staffa allerdings keine Destille steht, suchten sie sich das nächstbeste aus der nahen Umgebung aus: die Insel Islay liegt auf der Strecke. Somit finden wir in der Flasche des Whiskytower Giant’s Causeway Islay Scotch Whisky einen schottischen Single Malt aus der Destillerie Caol Ila. Wer sich fragt, wie man diesen gälischen Namen richtig ausspricht, ist in guter Gesellschaft, es gibt keine verbindliche Sprechweise: Die „Kuh Laila“ ist eine gute Annäherung, für manche vielleicht eher die „Kuh Lila“.
Unabhängige Abfüller sind immer mehr im Kommen; die Individualität der kleinen Abfüllmengen wird in einer Zeit, in der handwerklich hergestellte Craft-Ware mehr und mehr an Beliebtheit gewinnt, sehr geschätzt. Auch Whiskytower füllt unabhängig ab: 100 Flaschen wurden in Schottland aus einem einzelnen Ex-Bourbon-Fass gezogen.
Bei Scotch ist Zuckerkulör als Färbemittel erlaubt; man sieht aber schon in der Flasche, dass darauf hier dankenswerter Weise verzichtet wurde, ebenso wie auf Kühlfiltration – im Gegensatz zu den meisten offiziellen Caol-Ila-Abfüllungen. Das blasse Mais- bis Gelbgold ist nun mal die Farbe eines ungefärbten Whisky; wir Verbraucher sollten uns irgendwann dran gewöhnen, dass „braune“ Spirituosen meist eben nicht „dunkelbraun“ sind und der Farbe weniger Gewicht zuweisen.
Richten wir unsere Aufmerksamkeit auf den Geruch, zunächst mal ohne Wasserzusatz. Sehr fruchtig, Orangenschale, Mandarine. Erst dann islay-typisch phenolisch, doch zurückhaltender als viele andere Islay-Scotches. Ein gewisser Erdgeruch, den man von gereiftem Grappa kennt, gibt eine Dichte. Schokoladig, und nussig im Hintergrund. Rauch riecht man, wenn man die Nase vom Glas zurückzieht. Tatsächlich erinnert mich dieser Scotch auch geschmacklich dann etwas an Grappa. Diese Toffee-Trester-Note, auch die erdige Note ist schmeckbar, viel Vanille, etwas Heu. Zunächst schmeichelt eine sehr milde Süße mit viel Milchschokolade und Banane, die sich im Verlauf in eine leichte orangige Fruchtsäuerlichkeit wandelt, bis am Ende nichts mehr von der Süße da ist. Dieser Geschmacksverlauf ist wirklich spannend.
Im Abgang ziept er etwas, aber nicht unangenehm. Salz. Ingwer. Dezentes Chili. Grapefruit. Ein kühlender Effekt an Zungenseite und warm im Rachen. Am Ende viel Schokolade, vielleicht sogar Mousse au Chocolat. Ein voller, milder Rauchklang bleibt dann noch sehr lange im Mundraum hängen – das gefällt mir sehr. Insgesamt ein wirklich schöner, dabei aber noch vergleichsweise zurückhaltender Islay-Whisky, dem man seine stellenweise jugendliche Frechheit und den eher leichten, fast schon dünnen Körper aufgrund seiner aromatischen Eigenschaften gern verzeiht.
Bei respektablen 48% kann man auf Wasser verzichten, doch schadet es natürlich nie, einen Scotch mit ein paar Tropfen Wasser etwas zu bändigen. Für den Giant’s Causeway Islay sorgt Wasser nur für eine leichte Milderung der Hitze – sein Charakter bleibt erhalten, er verändert sich kaum. Die Schokolade kommt vielleicht noch etwas mehr zum Vorschein.
Die Altersangabe bei Whiskys ist nicht mehr selbstverständlich, NAS-Whiskys auf dem Vormarsch. Hier entschied man sich aber, das Alter anzugeben: 9 Jahre hat er auf dem Buckel, wenn man die Abfülldaten genau anschaut, sind es sogar beinahe 10 Jahre. Das Etikett ist diesbezüglich informationsfreigiebig – destilliert wurde der Whiskytower Giant’s Causeway Islay am 25.09.2006, abgefüllt am 10.08.2016. Auch die Fassnummer ist angegeben. Vorbildlich, die Limitierung auf 100 Flaschen hätte ich noch gern erwähnt gesehen.
Lange Zeit galt Scotch als nicht cocktailkompatibel. Zu eckig, zu kantig, zu speziell, passt sich nicht an. Dieses Vorurteil stammt aus einer Zeit, in der süße, liebliche, fruchtige Cocktails, bei denen man den Alkohol nicht herausschmecken durfte, beliebt waren. Heute, wo wilde Clairins, rauchige Mezcals und torfige Scotches auch in der Bar ankommen, und salzig-rauchig-umami-Geschmäcker endlich als interessant akzeptiert werden, muss natürlich auch dieses Tabu fallen. Wer sich den Penicillin Cocktail gönnt, erlebt, dass man jahrelang was verpasste, als man Scotch bei Cocktails auf die Ersatzbank gesetzt hatte – denn gerade ein so wuchtiger Geselle wie der Giant’s Causeway Islay sorgt für ordentlich Spaß in so einer Mixtur.
Penicillin Cocktail 1½ oz Islay Single Malt Scotch Whisky (z.B. Whiskytower Giant’s Causeway Islay) 1 oz Scotch Whisky (z.B. Bunnahabhain 12) ½ oz Ingwerlikör (z.B. King’s Ginger) ¾ oz Zitronensaft
3 Teelöffel leicht verdünnter Honig Alle Zutaten auf Eis shaken. Mit kandierter Frucht garnieren.
[Rezept nach Simon Diffords Variante eines Originals von Sam Ross]
Neulich erst hatte ich mich darüber ausgelassen, dass so mancher Spirituosenhersteller mehr Wert auf eine gute Story als auf seine Produktqualität legt – heutzutage kaufen viele Verbraucher nicht mehr nur das Produkt, sondern wollen einen unterhalterischen Mehrwert dazugeliefert, ein Gesamterlebnis über den reinen Geschmackseindruck hinaus serviert bekommen. Im Allgemeinen sollte man diesem Trend vorsichtig skeptisch gegenüberstehen, wenn aber beides gut gemacht ist, und der Inhalt die Story anregte und nicht umgekehrt, dann können solche Storytelling-Ansätze einen netten, unterhaltsamen Rahmen spannen, in dem wir uns daran erinnern können, dass das (idealerweise gemeinsame) Trinken eines guten Tropfens schon immer auch einen erzählerischen Charakter hatte, und wir uns über die Kultur des Trinkens freuen sollten, die über die Aromatenchemie und das Marketing weit hinausgeht und älter ist als alle Verkostungs- und Gourmetansätze. Und das gelingt mit dem Whiskytower Giant’s Causeway Islay Scotch Whisky ganz hervorragend – so dass ich mich sehr auf den zweiten Whiskey dieser Miniserie, dann natürlich aus Irland stammend, freue.
Offenlegung: Ich danke Whiskytower für das Bereitstellen einer halben Flasche dieses Whiskys als Verkostungssample.
Im ersten Teil dieser Reihe über die griechische Spirituose Metaxa haben wir viel über Sterne geredet. Auch heute wird der Begriff immer wieder fallen. Da stellt sich der eine oder andere vielleicht die Frage – was bedeuten diese Sterne auf dem Etikett eigentlich? Sind sie so etwas wie Rangabzeichen beim Militär – je mehr, desto besser? Warum gibt es dann aber eine Lücke zwischen den Sternqualitäten (3, 5, 7, 12)? Die Antwort liegt nahe. Es sind die Anzahl der Jahre, die die Weinbrandbasis des Metaxa-Gemischs in Fässern aus Limousineiche verbrachte. Der 3 Stars, den ich letzten Monat besprach, lag also 3 Jahre im Holz; für den heutigen zweiten Teil der Reihe „Sterne über Griechenland“ verdoppeln wir nun beinahe diese Reifezeit, denn 2 Jahre länger konnte der Metaxa 5 Stars ruhen. Wäre Metaxa ein reiner Weinbrand, bekäme er nun das Prädikat VSOP.
„Bekäme“, denn tatsächlich, und das sollten wir nun auch deutlich sagen, ist Metaxa ein aromatisierter Blend aus verschiedenen Zutaten, nicht alle davon selbst Spirituosen. Der Weinbrand, der Metaxa zugrundeliegt, wird nach der angesprochenen Reifezeit mit Muscat-Süßwein und Aromaten (diverse Kräuter- und Blütenaromen) – natürlich, wie so oft bei Spirituosen, ein Geheimrezept des Herstellers – vermischt, wodurch die Einmaligkeit des griechischen Brands entsteht. Somit ist für den Verkoster ein doppelter Reiz vorhanden: Wie spielt der Wein mit dem Weinbrand zusammen? Schmeckt man die Komponenten heraus? Oder entsteht ein langweiliges, sich allem anbiedernden Gebräu? Wir wollen es herausfinden.
Über die Farbenthematik hatte ich bereits beim 3 Stars berichtet; hier nur noch mal kurz das Zauberwort: Zuckerkulör. Daher eine direkte Weiterleitung zur Geruchsprobe. Wer Metaxa kennt, weiß, was kommt – der Geruch ist einmalig und es gibt keine zweite Spirituose, an der ich so gern einfach nur schnuppere. Rosig, blumig, süß. Minimale Klebernote.
Mehr als nur ein Vorgeplänkel für den Geschmack. Dieser ist zunächst weich und zart, süß, schokoladig, rosinig, orange. Erinnernd an milden Cognac; doch schnell kommt ein so gar nicht cognachaft-feines, ordentliches Feuer auf, das auch kaum aufgefangen werden kann: der Körper des Metaxa 5 Stars ist eher mager und die Aromen verklingen daher schnell. Das Feuer wird im Abgang immer stärker und brennt ordentlich auf Zunge und Gaumen, kribbelt aber im Rachen nur. Es dauert eine ganze Weile, bis die Flammen im Mund wieder verklingen. Man merkt, dass hier noch ein vergleichsweise junger Brand mit Ecken und Kanten am Werke ist – die 38% Alkohol können kaum dafür allein verantwortlich sein. Außer dem Feuer bleiben deutlich trockene, leicht schwefelige Weinbrand- und schön blumige Rosenkomponenten am Gaumen.
Oft schon hatte ich es erwähnt, auch hier trifft es zu: Manchmal wünscht man sich für Mixgetränke genau die Eigenschaften herbei, die man bei Purgenossenem gern verscheucht hätte. Dabei geht es nicht um Qualität, sondern meist um Kraft, Wildheit und auch eine gewisse Kernigkeit, damit im Ergebnis noch was von der Spirituose zu schmecken ist. Der Metaxa 5 Stars gibt dem Motorcade genau dies, und darüber hinaus dem ansonst eher sauren Cocktail eine in dieser Form dann doch unerwartete blumige Note, die wirklich ganz bezaubernd ist.
Motorcade 1 oz Metaxa 5 Stars 1 oz Cointreau 1 oz Zitronensaft ½ oz Ananassaft ½ oz Zimtsirup 3 Spritzer Orange Bitters Auf Eis shaken.
[Rezept nach Marleigh Riggins Miller]
Die Steigerung des Qualitätsversprechens erkennt man auch am Flaschendesign – war der 3-Sterne-Metaxa noch in einer Standardflasche abgefüllt, beginnt Metaxa hier, sein Produkt in spezielle Individualflaschen zu stecken. Mit der Höhe von fast 33cm und den Ausbuchtungen am langen Flaschenhals, der direkt in den Bauch übergeht, spielt man wahrscheinlich auf griechische Säulen an. Das Etikett ist fast gleich geblieben, nur etwas elaborierter ausgeführt.
Für gemittelt 12€ erhält man die erste breit in Deutschland erhältliche Basisversion dieses griechischen Klassikers. Lohnt es sich, im Vergleich zum schwer erhältlichen jüngsten Brüderchen? Ja, etwas. Lohnt es sich, im Vergleich zu den Klonen bei Discountern und Supermärkten? Keine Frage! Man bezahlt zwar praktisch doppelt so viel wie beispielsweise für den Aldi Akropolis, dafür bekommt man aber auch ein Produkt, das nach etwas schmeckt, das man, falls man mit der Gyrossoße fertig ist, auch mal pur oder in einem Longdrink oder Highball einfach so genießen kann – letzteres würde ich mit den Klonen nicht mehr riskieren.
Wer sich aber sagt, na, ich hab da doch noch ein, zwei Euro mehr übrig und will mich nicht mit Basisqualitäten begnügen, der bekommt nächsten Monat einen Vorschlag für ein mögliches weiteres Upgrade. Dann erscheint nämlich Teil 3 der Serie „Sterne über Griechenland“, hier, auf diesem Programm, bunt und in Farbe, dann mit dem Hauptdarsteller Metaxa 7 Stars!
Das Mindesthaltbarkeitsdatum, kurz MHD, wird von vielen mißverstanden. Es werden pro Haushalt kiloweise noch gut verzehrbare Lebensmittel weggeworfen, weil das aufgedruckte Datum als letztmöglicher Verbrauchstag interpretiert wird – aus irgendeinem Grund kippt das Produkt dann scheinbar in der Wahrnehmung von gut auf schlecht um. Auch der Einzelhandel beteiligt sich an diesem Irrsinn und kippt allerlei wertvolle Ware in den Container. Dabei ist das MHD eigentlich nicht zuvorderst ein Schutz vor Lebensmittelvergiftung, sondern ein Qualitätsversprechen, wenn man sich die Definition genauer anschaut.
Das MHD gibt an, bis zu welchem Termin ein Lebensmittel bei sachgerechter Aufbewahrung (insbesondere Einhaltung der im Zusammenhang mit dem MHD genannten Lagertemperatur) auf jeden Fall ohne wesentliche Geschmacks- und Qualitätseinbußen sowie gesundheitliches Risiko zu konsumieren ist.
Um diese Fehlwahrnehmung der Konsumenten zu korrigieren, sind diverse Ideen für Gesetzesänderungen im Umlauf – wenn sie verhindern, dass Lebensmittel sinnlos entsorgt werden, kann man eigentlich nur dafür sein, dass dies schnellstmöglichst geschieht.
Auch auf Bier ist im Allgemeinen ein MHD aufgedruckt, und auch wenn das MHD deutlich abgelaufen ist, kann man die meisten Biere vom gesundheitlichen und auch geschmacklichen Aspekt her noch praktisch bedenkenlos konsumieren. Insbesondere bei aromahopfendominierten Craftbieren kommt dem Qualitätsgedanken des MHD aber eine wichtige Bedeutung bei, denn Hopfen baut sich ab, die Aromen verfliegen, das teuer eingekaufte handwerkliche Bier schmeckt dann zwar vielleicht immer noch gut, aber halt nicht mehr so, wie der Brauer das beabsichtigt hatte. Bei reinen Genussmitteln wie Bier ist der einzige Grund des Trinkens (hoffentlich) der Geschmackseindruck; wenn dieser verfälscht ist, ist der Konsum sinnlos.
Insbesondere bei solchen Bieren sollte das MHD vom Hersteller entsprechend kurz gewählt werden – und Biergenießer sollten vor dem Kauf immer einen Blick auf dieses Datum werfen. Im Idealfall ist auch ein Braudatum noch zusätzlich mit auf dem Etikett vermerkt, so dass man einen weiteren Anhaltspunkt für die Frische des Biers hat.
Wir umwelt- und genussbewussten Biertrinker sind also in einer Zwickmühle – ein „abgelaufenes“ Bier kann immer noch gut genießbar, aber völlig verändert von den Aromen sein – ist das akzeptabel? Das aktuelle Beispiel für diese Gedankengänge ist der Hofbräu Kaltgehopfter Weissbier Hallodri, den ich Mitte August in einem lokalen Getränkemarkt gekauft hatte. Dessen MHD liegt Mitte November 2016, gebraut wurde das Bier wohl für die Messe Braukunst Live im Februar 2016. Ein kaltgehopftes Bier, bereits nah am MHD, weit über den Zenit, für den es gebraut wurde, hinaus. Kann das gutgehen?
Blass kommt es daher, das sieht man schon durch die Flasche. Im Glas wirkt das ganze noch bleicher, da man hier die Naturtrübung besser sehen kann. Sehr weißbiertypisch ist die Schaumkrone, die sich mit der Zeit abbaut. Die vorherrschenden Aromen in der Nase sind die einer bayerischen Weissen: Hefig, nelkig, leicht fruchtig, nach Bananen und Pfirsichen.
Der allererste Geschmack des Weissbier Hallodri ist ganz prominent der nach Gewürznelken, mehr noch als bei den meisten anderen Weißbieren, die ich kenne. Der ist aber schnell wieder weg, und es kommt eine hefige, nur ganz schwach fruchtige Komponente ohne große Aromen zum Vorschein. Viel Aromahopfen schmeckt man nicht heraus; wenn man weiß, wonach man suchen muss, findet man Erinnerungen an die Zeit, als der Hopfen in diesem Bier sich noch nicht verflüchtigt hatte.
Eine hohe Rezenz sorgt für guten Erfrischungsfaktor. Die Säure-Süße-Verhältnis neigt zunächst zur Säure, kippt dann im Abgang aber ganz stark wieder zur Süße – fast schon unangenehm. Der Gaumen wird etwas mit dieser fast schon zuckrigen Note zugekleistert; das kenne ich nun schon von vielen anderen Bieren, mögen tue ich es aber überhaupt nicht.
In der vorliegenden Form ist der Hallodri ein leicht trinkbares, sehr erfrischendes Weißbier, das mir mit seiner heftigen Nelkung gefällt, wenn man über den etwas misslungenen Abgang hinwegsehen kann. Von der versprochenen Kalthopfung ist aber definitiv nicht viel übrig geblieben.
Ich höre schon die skandierenden Rufe meiner Leser – Biercocktail! Biercocktail! Biercocktail! Ja, ist ja gut. Hier ist ein Verzehrvorschlag für den Hallodri. Es ist im Rückblick fast ein Deutschland-Cocktail geworden, mit einem schwarz-rot-goldenen Farbverlauf. Doch der Name ist englischsprachig und spielt auf unser geschätztes Nachbarland im Westen an: ich empfehle trotz des schönen Farbspiels vor dem Konsum des French Monaco ein Umrühren, denn sonst kriegt man anfangs pures Bier und am Ende klebrig-pappigen Fruchtsirup. Die Mischung ist dagegen sehr süffig und frisch.
French Monaco 1½ oz Granatapfelsirup (z.B. Riemerschmid) 2 oz Zitronenlimonade Helles Bier (z.B. Hofbräu Kaltgehopfter Weissbier Hallodri)
Alle Zutaten nacheinander im Glas mit Eis aufschichten.
[Rezept nach Leah Melby und Lori Keong]
Ein Longneck-Fläschchen des Biers enthält 330ml, enthalten sind für Weißbierverhältnisse überdurchschnittliche 5,5% Alkohol. Ansprechen muss ich noch das gelungene Design, das mich im Getränkemarkt direkt angesprochen hatte – die Silhoutte des Tenorhornspielers Bassisten (Danke, Dietmar, für den hilfreichen und wie immer freundlich vorgebrachten Hinweis bei Facebook diesbezüglich) in Tracht, die Farbgebung – sehr frisch und modern, ohne die leichte Überdrehung, die viele Startup-Craftbrauer etwas pubertär daher kommen lassen. Das 6er-Tragerl, in dem der Kaltgehopfte Weissbier Hallodri zu erwerben war, nimmt das Design nochmal flächig auf.
Leider hatte ich mich mit dem Thema der verfliegenden Hopfenaromen erst mit dem Kauf und der Verkostung dieses Biers auseinandergesetzt; hätte ich dieses Wissen schon vorher gehabt, hätte ich vielleicht davon abgesehen, zu dieser Zeit den Hallodri zu erwerben. In Zukunft werde ich mehr darauf achten, wie weit fortgeschritten der Aromenverfall mit Näherung an ein MHD sein könnte. Doch, wie man sieht, auch kleinere Missgeschicke beim Bierkauf können höchst anregend und lehrreich sein, und so genieße ich dieses Weißbier als einfache, aber trotz der verflogenen versprochenen Kalthopfung hochwertige Weißbierlehrstunde.
Bei den meisten Spirituosen muss man vorsichtig sein mit dem, was in Werbetexten und Etiketten steht. Die Hersteller überbieten sich in meist erfundenen Entstehungsgeschichten, die malerischer und dramatischer als die Genesis sind; lokale Zeitzeugen auf der ganzen Welt sind notorisch schwätzerisch und erfinden auch gern mal eine kleine Anekdote, um den Heimgebrannten im Urlaub an den Mann zu bringen. Selbst Papier ist geduldig, und Cocktailbücher oder Artikel können sich nur mit Mühe zurückhalten, dem Leser einen spannende Reißer zu jedem obskuren Schnäpschen zu liefern – es kostet viel Zeit, Mühe und Ressourcen, um wirklich hinter all diese Augenwäscherei blicken zu können. Gerade bei Rum ist die Legendenbildung äußerst beliebt – und für Etiketten und Werbetexte gilt das alte (für meine Zwecke leicht abgewandelte) John-Ford-Filmzitat: „This is rum, sir. When the legend becomes fact, print the legend.“
Beispiel gefällig? Captain Morgan Rum ist ein in superindustriellem Maßstab und mit modernster Technik hergestellter Rum. Bei der Menge von über 50 Millionen Litern, die davon jährlich vom Diageo-Konzern unter die Leute gebracht wird, ist kein Platz für irgendwelche nostalgischen Anflüge bei der Herstellung und dem Vertrieb. Dennoch gefällt es Diageo, diesen Rum, der so überhaupt nichts mehr mit alten Zeiten und Tradition zu tun hat außer dem Namen, mit diesen schwärmerischen Worten zu bewerben:
„Die Geschichte von Captain Morgan reicht zurück bis in das Jahr 1680, als der ehemalige Pirat Sir Henry Morgan sich auf Jamaika niederließ und dort auf seiner Zuckerrohrplantage Rum kreierte, der bis heute nach unverändertem Originalrezept hergestellt wird.“
Jaja, ist klar. Piraten, 17.Jahrhundert, Jamaica, unverändertes Rezept. Ich bezweifle, dass die Partykonsumenten, die hauptsächlich heutzutage Captain-Morgan-Rum trinken, den fuseligen Tafia wirklich genossen hätten, den Henry Morgan seiner Mannschaft als Belohnung für die Plünderung Panamas wahrscheinlich ausgeschenkt hat, hergestellt damals ganz ohne Säulen-Hochdestillation, Kältefiltration, Zucker- und Aromenzusatz (und auch ohne Interesse, die Kundschaft vor Blindheit und Demenz zu schützen).
Kommen wir zu einem Rum, der all das nicht nötig hat. Man sieht schon am Etikett, das ganz ohne nostalgische Bebilderung, Legendenauszug und täuscherische Pseudofakten auskommt, dass der Foursquare Port Cask Finish Barbados Rum von einem ganz anderen Kaliber ist. Aber ist der Inhalt wirklich besser, wenn das Äußere schlichter ist?
Die Farbe ist schonmal kräftig und glänzend, und stammt leider aber nur zum Teil aus dem Ex-Port-Fass, in dem der Rum für 6 Jahre nachziehen konnte, zusätzlich zu den ersten 3 Jahren, die er in Ex-Bourbon-Fässern verbrachte. Ein „Finish“ mit ⅔ der Gesamtreifedauer? Ungewohnt, aber gut gemacht! Da hätte man auf die Zuckerkulör zum Färben noch verzichten können.
Auch die Nase darf sich freuen – Karamell und Vanille, wie man sie von einer Bourbonfassreifung erwarten kann. Aber dann kommt schnell ein feiner Kokosnussduft in den Vordergrund, gottseidank nicht so ordinär wie beim Plantation 20th Anniversary, dazu Piment. Lavendel. Sahnepudding, nur eine Andeutung von Lösungsmitteln. Mir läuft das Wasser im Munde zusammen.
Die Zunge fühlt sich gestreichelt beim ersten Schluck. Der Port Cask Finish fühlt sich sehr weich und rund, buttrig-cremig und unglaublich voluminös an. Süßlich ist er, ohne sich anzubiedern, wie das die nachgesüßten Rums oft tun, mit tatsächlich einem Touch von Tawny-Portwein, dann auch schokoladig und karamellig. Mit Verlaufdauer im Mund wird der Rum später würzig, weißpfeffrig, und weist eine angenehme Schärfe auf: aromatisch-scharf, nicht alkoholisch-scharf. Ein respektabel langanhaltender, kräftiger und eindrucksvoller Abgang beschließt den Schluck. Kokos- und Portaromen, vielleicht sogar Cognac, hängen nach. Etwas buttrig, nach Sahnebonbons, und dabei doch sehr trocken. Wenn die Schärfe verklingt, bleibt ein angenehmes, schwaches Brummen im Mund zurück.
Man merkt, ich gerate ins Schwelgen. Das gestehe ich aber gern ein, bei einem so sensationellen Zuckerrohrbrand. All die Lobeshymnen, die man über ihn liest, sind keine Lügen – das ist einer der besten Rums, die ich bisher getrunken habe, jedenfalls einer der angenehmsten und rundesten. Die einzig wunden Punkte dieses Bajaners sind die Färbung und die etwas niedrig angesetzte Alkoholstärke von 40%.
Spannend und höchstinteressant: Der Foursquare Port Cask Finish ist süß und körpervoll, und das ohne Zuckerbeigabe. Er hat feine Aromen, ohne künstlich aromatisiert zu werden. Er läuft weich die Kehle hinunter, ohne Glycerineinsatz. Letztlich ist dieser Rum ein Schlag ins Gesicht jedes Süßrumherstellers, der all dies nur mit Tricksereien und Betrügereien hinbekommt, und sogar damit nicht den Level dieses Rums erreicht. Ich bin mir sicher, dass Brenner Richard Seale diesen Rum tatsächlich auch als Fehdehandschuh an die Zuckerrumindustrie hingeworfen hat und ihnen damit die Zunge rausstreckt – wer ihn kennt oder ein paar Interviews mit ihm gelesen hat, wird das wie ich für gar nicht unwahrscheinlich halten. Er ist ein streitbarer Geist, der nie hinter dem Berg hält mit seiner Meinung über Rum und Rumbetrüger: Eines der wenigen Vorbilder aus der Schnapsbranche für mich.
Pur ist er also gut, um das mal zurückhaltend zu formulieren – dann kann er in Cocktails nicht schlecht sein. Tatsächlich hilft die üppige Aromatik, der volle Körper und die Würzigkeit beim Ausklang dazu, dass er selbst gegen die brachiale, sonst alles plattmachende Aromagewalt eines 30 Jahre alten Pedro Ximénez Sherry ankommt und dem Quarter Deck ein höchstfeines Rumaroma verpasst. In der Kombination dieser Zutaten ein herausragender Cocktail, in dem ich am liebsten baden würde.
Quarter Deck 2 oz gereifter Rum 1 oz PX Sherry ¼ oz Zitronensaft Auf Eis shaken.
[Rezept nach unbekannt]
Herausheben muss man am Ende noch das unglaubliche Preis-Leistungs-Verhältnis. Wer noch eine Chance hat, zuzuschlagen, muss das tun. Es gibt kaum einen anderen Rum, der für 30€ pro Dreiviertelliter auch nur ansatzweise eine solche Leistung und Qualität abliefert. Wem dieses Produkt gefällt, könnte auch mal nach dem Zinfandel Cask Finish desselben Herstellers Ausschau halten. Ansonsten bleibt Foursquare eh die Referenz, was Barbados-Rum angeht – und grundsätzlich ein Vorreiter in Sachen Rumtransparenz und Ehrlichkeit. Man stellt sich die Frage, warum jemand noch freiwillig einen gepanschten, manipulierten Rum kauft, wenn man stattdessen etwas wie diesen Rum hier haben kann. Es kann sich nur um mangelnde Information handeln, denn wer einmal Lunte gerochen hat, will nie wieder zurück zum pappsüßen Zeug.
It was on a dreary night of November that I beheld the accomplishment of my toils. With an anxiety that almost amounted to agony, I collected the instruments of life around me, that I might infuse a spark of being into the lifeless thing that lay at my feet. It was already one in the morning; the rain pattered dismally against the panes, and my candle was nearly burnt out, when, by the glimmer of the half-extinguished light, I saw the dull yellow eye of the creature open; it breathed hard, and a convulsive motion agitated its limbs.
So dramatisch wie in Frankenstein, or the Modern Prometheus geht es bei nur wenigen Experimenten zu. Der Schweizer Victor Frankenstein bastelt sich sein Monster aus chemischen und alchemischen Zutaten und erweckt es zum Leben. Doch er hat nicht damit gerechnet, dass mit dem Leben auch Anforderungen an den Erschaffer entstehen; das Wesen verfolgt seinen Schöpfer und verlangt Antworten auf seine Fragen. Doch will der Wissenschaftler plötzlich nichts mehr mit seiner Kreatur zu tun haben, und das Experiment wird zur Tragödie…
Nun gibt es durchaus auch Experimente in der Spirituosenbranche, die ähnlich tragisch verlaufen und die man besser im Labor gelassen hätte. Da werden Brände gequält mit Zutaten, dass einem das Grauen kommt. So mancher Rum oder Whisky werden in schlimmsten Schnapsversuchsreihen manipuliert, bis man nur noch zusammen mit Victor Frankenstein ausrufen kann:
Oh! No mortal could support the horror of that countenance.
Ist der Glenfiddich IPA Experiment Single Malt Scotch Whisky auch eine ähnliche Monstrosität wie das unbenannte Wesen, das Frankenstein erschaffen und zum Leben erweckt hatte?
Wir wollen uns mal langsam an dieses Produkt herantasten. Dass Whiskys in Fässern allerlei Herkunft gereift und gefinisht werden, ist ja allgemein üblich und bekannt. Ex-Bourbon-Fässer sind die Standardware; abgelegte Fässer aus der Madeira-, Sherry-, und Portherstellung beliebt, da sie durch die im Holz gespeicherten Aromen der Vorbewohner einen ganz eigenen, im Endprodukt klar erkennbaren Touch an den Whisky abgeben.
Der Glenfiddich IPA Experiment macht das Naheliegende zum richtigen Zeitpunkt – die Craftbierbewegung ist in vollem Gange, die alten britischen Bierstile wie Pale Ale und India Pale Ale erleben eine globale Renaissance. Da fragt man sich eigentlich, warum es so lange dauerte, dass eine Destille auf die Idee kommt, ihren Malt Whisky in einem Ex-Bierfass zu finishen. Nach der unbekannten Reifezeit (dieser Scotch gehört zu den aktuell viel auftretenden NAS-Veröffentlichungen, die keine Altersangabe mehr aufweisen) konnte der Whisky so also noch 3 Monate in einem Fass nachreifen, das vorher ein extra für diesen Zweck gebrautes IPA der Speyside Craft Brewery in Forres, bei Inverness, enthielt. British Challenger ist die Aromahopfensorte, die das Bier mit einer Fruchtigkeit ausstattet, die dann an den Whisky übergehen soll. Soviel zum Bier, und zu den Fässern, aber was ist mit dem Wasser des Lebens selbst?
Betrachten wir es erstmal im Glas: Sonnenblumengold, mit leicht grüngelben Reflexen. Ganz gewiss weit davon entfernt, ein hässliches Monstrum zu sein, im Gegenteil. Die Beine gibt es aber nur zögerlich ab; diese sind dann dünn und langsamfließend.
A strange multiplicity of sensations seized me, and I saw, felt, heard, and smelt at the same time; and it was, indeed, a long time before I learned to distinguish between the operations of my various senses.
Wir sollten uns bei der Verkostung nicht wie Frankensteins Kreatur von den Sinneseindrücken verwirren lassen – wir trennen die Optik von der Olfaktorik. Letztere bietet uns abgestandenes Bier, Honig, mildes Orangenfleisch, Vanille, Banane. Frisch eingegossen ist da eine recht stechende Alkoholnote, die wir erstmal verfliegen lassen müssen.
Der erste Schluck weiß dann aber direkt zu gefallen. Sehr süß, ausgeglichen durch eine spritzige Zitrusnote. Eine gewisse hintergründige medizinische Charakteristik gibt Komplexität. Süßholz. Keinerlei Rauch oder Torf, dafür ein Anflug von Kräuterwiese, nein, eigentlich nur der Wind, der darüber streicht, denn der IPA Experiment hat einen sehr leichten Körper. Ich würde sagen – ein typischer Speyside Single Malt mit einem sehr hellen, fruchtigen Charakter. Persönlich erkenne ich nicht viel des Biers, aber dafür tatsächlich IPA-typische Aromahopfennoten. Im kurzen Abgang wird es dann würziger – Ingwer, weißer Pfeffer, und supertrocken. Stark adstringierend; eine angenehm glühende feine Mentholnote bleibt noch etwas.
I am alone and miserable; man will not associate with me; but one as deformed and horrible as myself would not deny herself to me.
Das Monster ist vielleicht etwas arg pessimistisch in seinem Ausblick auf seine soziale Zukunft. Der Glenfiddich IPA Experiment muss das natürlich nicht sein, denn ich kann ihn mir sehr gut als wunderbaren Partner in scotchbasierten Cocktails vorstellen. Dennoch mache ich hier und heute eine Ausnahme und gebe kein Cocktailrezept an, einfach, weil ich auf einen typisch schottischen Gebrauch hinweisen möchte, den ich in dem Jahr, das ich in Glasgow verbrachte, sehr zu schätzen lernte, und der dem Scotch eine ebenbürtige Partnerin gegenüberstellt, wie sie Frankensteins Schöpfung so sehr ersehnte: Das hauf an a hauf, also ein kleines Glas Scotch und dazu ein halbes Pint Bier. In Deutschland sagt man dazu Herrengedeck. Und was wäre dem kaledonischen Bierfass-Experiment mehr angebracht als ein fassgereiftes, schottisches Ale, wie das Innis & Gunn Oak Aged IPA?
Hauf an a hauf
1 Dram Scotch Whisky (z.B. Glenfiddich IPA Experiment)
½ Pint Schottisches Bier (z.B. Innis & Gunn Oak Aged IPA)
Die Präsentation ist durchweg gelungen – die für Glenfiddich übliche Dreiecksform findet sich in der stabilen, hübsch zurückhaltend mit Braun und Kupfer gestalteten Dose, als auch in der massiven, dunkelbraunen, fast blickdichten Flasche mit Naturkorken wieder. Die aufgeklebten Briefmarkenstiletiketten lassen viel Glas frei, so dass der aufs Glas gedruckte Hirschkopf wunderbar zur Geltung kommt. Insgesamt sehr wertig und ansprechend.
Würde das Whisky-Experiment, könnte es sprechen, auch die Master Distiller bei Glenfiddich anklagen, wie es das Monster bei Frankenstein tat?
„Cursed, cursed creator! Why did I live?“
Nein. Vielleicht würde es fragen, warum es für das Gebotene so relativ teuer verkauft werden muss, oder warum es nicht mit 46% statt 43% erschaffen werden konnte; doch das sind keine tiefen Sinnesfragen, sondern mehr Luxusprobleme. Der Glenfiddich IPA Experiment ist ein gelungenes Beispiel dafür, dass nicht alle Versuche mit Horror, Mord und Verzweiflung enden müssen. Hätte sich Victor Frankenstein statt seiner Labors doch lieber eine Destille zugelegt, und hätte seine schöpferische Energie ins Brennen und Reifen gerichtet – ihm wäre viel Leid erspart geblieben, und wir hätten mehr interessante, unterhaltsame Whiskys wie diesen hier.