Bitter macht lustig – Angostura Bitter

Der Klassiker, der das Bitter-Sterben überlebte: Nach der Prohibition gingen die einst so beliebten Bitter Stück für Stück zugrunde. Die Cocktailkultur der 50er und 60er, die außer Vodka-on-the-rocks (damals bekannt als Martini Cocktail – es reichte, die Wermutflasche am Cocktailglas vorbeizuschwenken) nichts trinken wollte, die saft- und von sich aus schon genug aromenlastige Tiki-Welle und die schnelllebige, nur auf Bombast und nicht auf Geschmack ausgerichtete Cocktailwelt der 80er hatten alle kein Interesse mehr an diesen seltsamen Tinkturen. Wenigstens Angostura überlebte, als Kuriosum, als Ausstellungsstück, als Zootier, als pars-pro-toto für die gesamte Klasse der Bitter.

angostura1Deutschland hatte da Glück: Sein Underberg gehört letztlich auch in diese Kategorie, und auch der Geschmack ist klar erkennbar ähnlich, nicht ganz so fruchtig wie der Angostura, aber von den Hauptaromen doch schmeck- und riechbar eindeutig verwandt. Tatsächlich: Wenn Sie mal Angostura brauchen, aber keinen im Haus haben, aber dafür ein Fläschen Underberg Magenbitter – nutzen Sie lieber das, statt den Bitter wegzulassen.

Heute boomen Bitter wieder, gottseidank. The Bitter Truth, Fee Brothers und andere bringen nun monatlich neue Geschmacksrichtungen auf den Markt. Das Problem dieser neuen Marken: In den ganzen Rezepturen steht oft immer noch „Angostura“, wenn ein Bitter gewünscht ist – aus den oben genannten Gründen. Dabei gäbe es oft andere Bitteraromen, die besser passen würden, als der starke Bitterorangengeschmack des Angostura, oder die den Cocktail nicht ganz so blutrot färben bei ähnlichem Aroma.

angosturaLetztlich muss man ihn aber selbst als blutiger Anfänger in der Bar haben – es sollte wirklich eine der sehr frühen Anschaffungen sein. Jeder Cocktail verträgt einen Schuss Bitter, und mit dem Angostura kann man nichts falsch machen. Man setzt diese Bitter in geringen Dosen ein, spritzer- oder tropfenweise, daher sollte diese 100-ml-Flasche selbst für ambitionierte Heimmixologen sehr lange ausreichen. Interessant an ihr ist auf jeden Fall weniger die Flasche selbst, als das extravagante Etikettendesign: Eine halbe Tageszeitung mit viel Text, soviel, dass das Etikett größer als die Flasche ist.

In vielen Cocktails ist Angostura als kleiner Kick oder Dekoration tröpfchenweise enthalten. Im Trinidad Cobbler dagegen ist mit 10 Spritzern eine massive Dosis vorhanden, die als Schicht obenauf direkt für knallige Aromen sorgt. Das ist, wie gesagt, nicht typisch für den Angosturaeinsatz – aber lecker!

Trinidad Cobbler


Trinidad Cobbler
1 oz dunkler Rum (z.B. Pusser’s Navy Rum 40%)
1 oz Sherry (z.B. Sandeman Medium Sweet)
¾ oz Orangensaft
¾ oz Ananas-Zimt-Sirup
½ oz Zitronensaft

Die Mischung mit crushed ice „swizzlen“ oder rühren, und am Ende mit…
10 Spritzer Angostura
…bedecken.


Probieren Sie dennoch, wenn Ihnen dieses Produkt zusagt, auch mal andere Bitter aus. Orangen-, Sellerie-, Schokoladen- und Pfirsichbitter helfen Ihnen, die feinen Nuancen eines Drinks zu tunen.

Wenn Sie sich für die wirklich außergewöhnliche Geschichte dieses Produkts mit deutsch-venezuelanischen Wurzeln interessieren: In The Drunken Botanist von Amy N. Stewart finden sie diese sehr spannend nacherzählt (neben vielen anderen wertvollen Informationen über die Kombination von Pflanzen und Spirituosen).

Advertisements

14 Gedanken zu “Bitter macht lustig – Angostura Bitter

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s