




Von anislastig bis schwarzherb – das Ensemble, das sich heute für meine Leser präsentiert, offeriert wieder mal eine breite Spanne an Eindrücken. Zu Beginn eine meiner Lieblingsspirituosen, ein Ouzo aus Griechenland (Ouzo Barbayanni (Ούζο Βαρβαγιάννη) „Green Label“), gefolgt von einem Honiglikör aus Mexiko (Yumbab Xtabentún). In sehr exotische Gefilde wandern wir mit dem RumClub Private Selection Edition 60 Galápagos 2015 Single Cask Rum. Schließlich probieren wir einen in Rumfässern gereiften Whisky aus Kanada (Pike Creek 10 Year Old Whisky Finished in Rum Barrels). Am Ende tun wir uns noch was Gutes mit einem Pfälzer Trinkessig (Weinessiggut Doktorenhof Traenen der Kleopadra).
Ouzo Barbayanni (Ούζο Βαρβαγιάννη) „Green Label“
Griechenland, Lesbos.
Traditionsbrennerei seit 1860.
42%.
Farblich glasklar, ohne Wasser natürlich. Durchaus schwer und ölig im Glas. Mit Etwas Eis entsteht schnell ein dichter, schneeweißer Louche.
Der Geruch wirkt direkt und entgegenkommend, ist sehr blumig und süß, schwer und dicht. Die Aniskomponente definiert, aber in einer sehr integrierten Art und Weise; gefühlt mehr Süßholz als Lakritz. Da sind auch noch andere aromatische Kräuter, die dies unterstützen, ein Anflug von Thymian und Salbei, würde ich sagen. Der alkoholische Hauch, den man wahrnimmt, wenn man zu tief schnuppert, ist eher angenehm als störend.
Am Gaumen setzt sich der Eindruck nahtlos fort – das sehr dichte Mundgefühl macht den Ouzo voluminös und schwer. Er erscheint kandiszuckersüß, weist aber direkt auch eine ansprechende, dunkle Würze auf, die sich mit der Süße ansprechend verbindet. Hier ist nun auch Anis stärker und ausgeprägter im Vordergrund, er verschimmt dann später zu weicher Lakritze. Kümmel meint man am Schluss wahrzunehmen, und ein Anflug von Lavendel im mittellangen Abgang, der warm und aromatisch ist, un deutliche Betäubungseffekte hinterlässt.
Ein sehr attraktiver Ouzo, insbesondere interessant für die, die die vordergründige Lakritz vieler Ouzos nicht so mögen. Er wirkt auf mich auch dunkler als zum Beispiel der Ouzo of Plomari.
Die Farbe der schwerviskosen Flüssigkeit ist strohig, schwer schwappt der Likör ins Glas und gluckert dabei. Er bewegt sich dann nur noch sehr träge, legt sich fett ans Glas und bleibt dort lange haften.
Im Geruch wirkt er sehr würzig, da findet man (natürlich und erwartet) sehr aromatischen Honig, ein bisschen fast schon seifige Blumigkeit, die die Würze auflockert und auffrischt, und ganz milde Grapefruitschale. Der Alkohol wirkt gut eingebunden, man spürt ihn nicht, riecht nur eine ganz leise Ethanolnote, wenn man tief schnuppert. Insgesamt durchaus attraktiv und sehr honigbezogen, wie es sein soll.
Im Mund zeigt der Yumbab Xtabentún sich erstmal leichter als gedacht, im Verlauf scheint er sich gefühlt zu verdicken und sich dann schwer auf den Gaumen zu legen. Sehr süß im gesamten Verlauf ist er jedenfalls, wirkt wie Honigsirup, den man für Cocktails macht – den Alkohol spürt man überhaupt nicht; die gerochene Würze ist nur noch unterschwellig da. Besonders apart wird es im Abgang – hier explodiert die Floralität geradezu, Jasmin dominiert alles andere in einem richtig extremen Ausmaß, als hätte man einen chinesischen Jasmintee getrunken.
Der Yumbab Xtabentún ist nicht ausgesprochen komplex, aber sehr gefällig und hochgradig süffig. Ich liebe diesen wunderbaren Blütennachhall – allein dafür lohnt es sich, ihn zu probieren.
RumClub Private Selection Edition 60 Galápagos 2015 Single Cask Rum
Ecuador, Galapagos.
Zuckerrohrsaft.
Doppelt destiliert in 05/2015.
100% Pot Still.
10 Jahre tropische Reifung.
Abgefüllt 11/2025.
Flasche 293 von 325.
49,6% Fassstärke.
Ohne Zusätze.
Abgefüllt von Spirit of Rum, Berlin.
Galápagos ist Neuland für mich, was Rum angeht – und wahrscheinlich fast alle meine Leser hier. Um so schöner, wenn sich ein Abfüller auch mal an besondere Locations traut, an die man sonst kaum herankommen könnte.
Optisch gefällt schonmal die Etikettengestaltung (eine kleine Diskussion entstand um die Schildkröte), ich mag den Briefmarkenstil. Auch der Rum selbst muss sich nicht verstecken, präsentiert sich farbsicher in dunklem Bernstein, leuchtend und kräftig. Leichte Öligkeit ist beim Schwenken erkennbar, der Rum bleibt aber lebendig im Glas.
Ah, die Nase. Die gefällt mir schonmal richtig gut – eine sehr runde Mischung aus Zuckerrohr und Holz, in perfekter Balance zueinander. Deutliche Würze spielt da mit, herbe Gewürze wie Muskatnuss und ein Touch Nelke, dazu aromatisches Zedernholz. Ein Anflug von Wintergrün gibt eine blütige Floralität dazu, und geht dann mit ein bisschen Pflaume fast ins Obstbrandige über, da entstehen Erinnerungen an Sliwowitz. Sehr interessant, dicht und nicht gewöhnlich.
Das Mundgefühl ist weich und fast zart im Antrunk, spottet hier der Alkoholstärke. Ein initialer Süßeeindruck verschwindet schnell, Würze und Herbe übernehmen, eine schöne Trockenheit, die aber nie astringiert, begleitet uns dann bis zum Schluss. Duftholz, Vanille und Pflaume bestimmen hier den Geschmack, im Finish wird es mildfeurig und prickelt auf Zunge und Gaumen, warm und holzig mit leichter Blumigkeit endet der Rum erst nach einer langen Weile.
Man darf natürlich nicht die extreme Exotik erwarten, die der Herkunftsort andeutet, aber der Stil ist schon besonders und in seiner Art sehr ansprechend; ein tolles Destillat aus einer Mikrobrennerei, das ich jedem Rumfreund wirklich warm ans Herz legen möchte.
Pike Creek 10 Year Old Whisky Finished in Rum Barrels
Kanada.
Whisky.
10 Jahre im Eichenfass.
Gefinisht in Rumfässern.
42%.
Wie immer wirkt die Flüssigkeit in der Flasche etwas dunkler als im Glas – es bleibt dennoch eine ansprechende, kräftige Terracotta-Tönung übrig, eine Farbe, die ich 10 Jahren im Fass plus einem Finish durchaus zutraue. Viskos und schwer wirkt der Whisky darüber hinaus, optisch sicher ein Gewinner schonmal.
In der Nase ist von dem Ursprungswhisky nicht mehr allzuviel übrig geblieben: der Rum hat klar die Führung übernommen und dominiert alles, zusammen mit einer süßlich-würzigen Holznote. Insgesamt ist der Duft leicht, etwas schmal sogar, würde ich sagen, mit einem klaren Beton-Aspekt, vielleicht sogar etwas feuchtem Karton. Das Ethanol riecht man auch durch; so bleibt nur wenig Begeisterung übrig.
Die Textur kann vom Antrunk dagegen wieder überzeugen, man ahnte es vom Drehen des Glases ja schon, dass hier schön breit und dicht abgeliefert wird. Eine würzige, fast nussige Süße gefällt, mit Anklängen von Honig und Ahornsirup, sowie leichten Gewürznoten aus Vanille, Zimt und kühlem Kardamom. Gerade die Kühle breitet sich im Abgang aus, entwickelt sich von Kardamom hin zu Eukalyptus mit einem leicht mentholischen Effekt ganz am Schluss.
Aromatisch eher ein Leichtgewicht, aber mir gefällt die Struktur bei diesem Whisky: schöne Textur, schöner Effektverlauf. Zusammenfassend würde ich den Pike Creek 10 Year Old Whisky dennoch eher als einfachen Konsumwhisky einstufen denn als exklusives Genussprodukt, ohne dass er wirklich Fehler hat. Manchmal reicht es aber einfach nicht zu höheren Weihen.
Weinessiggut Doktorenhof Traenen der Kleopadra
Deutschland.
Weinessig, Traubenmost, Honig, Kräuterauszüge.
3,0% Säure.
Farblich sehe ich dunkles gebranntes Siena, sehr leuchtend. Beim Schwenken bleibt ein dünner farbiger Film an der Verkostungsglaswand, entstanden aus der üppigen Öligkeit.
Der eingesetzte Honig kommt in diesem Essig besonders zur Geltung, nach den Essigspitzen ist er das erste, was man deutlich wahrnimmt. Danach wird der Traenen der Kleopadra (ich weiß nicht, warum man sich für diese ungewöhnliche Schreibweise entschieden hat) fruchtiger, man riecht vergorene Ananas und matschige Tomate, dazu deutlich sehr gewürzige Noten, die ein bisschen an Curry erinnern.
Die Säure ist stark ausgeprägt hier, der ganze Essig wirkt hell und frisch, die Süße bildet hier eher als eine Art Unterbau denn als echte Komponente, wie ich das beim Vatermörder aus demselben Haus beschrieben hatte. Die Textur ist trotz der Säure sehr geschmeidig und fein, der Essig hat einen eleganten Touch an sich, liegt wirklich gut im Mund, und läuft dann seidig den Rachen hinunter, bringt dabei knackige, kurzexplosive Zitronensäure mit sich. Am Ende bleibt ein rosiniges Gefühl auf den Lippen.
Wer PX-Sherry mag, sollte sich diesen Trinkessig mal anschauen, die Verwandschaft ist frappierend und doch fern, ein unterhaltsames Experiment für den, der sich aus der Spirituosenwelt mal die Verwandschaft explorieren will.
















































































