




Das heutige Update liefert wieder spannende Produkte aus aller Welt. In diesem Artikel findet Ihr heute einen Obstbrand aus Ungarn (Árpád Dupla 60° Ágyas Körte Pálinka), dazu einen Rum aus Madeira (Engenhos da Calheta Aguardente de Cana Rum Agrícola da Madeira), eine Cachaça aus Brasilien (Cooperativa Cordalta Cachaça Valdemar Rama), einen Pechuga-Mezcal aus Mexiko (Don Mateo de la Sierra Destilado con Pechuga Mezcal Artesanal) und zum Abschluss ein österreichisches Bier (Stiegl Weisse).
Árpád Dupla 60° Ágyas Körte Pálinka
Ungarn.
In der „Doppelbett“-Methode gemacht, mit frischen und getrockneten Birnen (je ein halbes Jahr Extraktion).
60%.
Sonnenblumengelb, kräftig leuchtend und strahlend. Es können kleine Fruchtfasern enthalten sein, dies ist der Herstellungsmethode geschuldet und hier kein Fehler. Man kann beobachten, wie sich der Flüssigkeitsrand beim Drehen zu einem dicken Film wandelt und dort lange verbleibt.
Die Birne ist in der Nase extrem präsent, aber weniger so wie bei einem Williams auf frische Art, mehr die gedörrte Frucht, oder eine, die in ein Fruchtkompott überführt wurde – dies entstammt natürlich der „Doppelbett“-Methode (erklärt hier). Schwere Trockenobstnoten bestimmen also das Geruchsbild, dazu kommt aber eine kantige Seitennote, die ein bisschen grünholzig und bitterfrisch wirkt, und dazu führt, dass der Duft vielschichtiger und nicht bequem wird. Ein paar Anflüge von feuchtem Beton und Karton klären alles noch ein bisschen mehr – mir läuft das Wasser im Mund zusammen.
Die Textur am Gaumen ist dick, sehr rund, und breitet sich schnell aus. Im Antrunk spürt man nichts, aber wirklich gar nichts von den 60% Alkoholgehalt, erst im Verlauf, und dann deutlich in der Speiseröhre gibt der Brand den Alkohol frei, auch dort dann aber auf eine weiche und vorsichtige Weise. Birne ist noch präsenter als in der Nase, insbesondere im späten Verlauf, wo sie mich richtig deutlich an die Birnen in meinem berühmten Birnenstreuselkuchen erinnern, mit grüngefleckter Schale, leicht bräunlich werdendem und fast matschigem Fruchtfleisch, und weich durch das Backen. Richtig rund und voll, toll ausgeprägte Vollfruchtaromatik, und dabei mit dieser intensiven Fruchtsüße, die für manche vielleicht schon zuviel wird, das geht fast ins Likörige über an manchen Stellen. Ein langer, leicht anisbehafteter und leicht mentholischer Nachhall voller Birne komplettiert alles.
Wirklich hervorzuheben ist die Alkoholintegration und die Balance, ein toller Pálinka, wuchtig, schwer, dicht und trotzdem trinkig. Ein Digestif vom Feinsten! Dazu geliefert in einer wirklich heftig dazu passenden Backsteinformflasche mit gut funktionierendem Schraubverschluss und sehr ansprechendem Design.
Engenhos da Calheta Aguardente de Cana Rum Agrícola da Madeira
Portugal, Madeira.
Direkt in der Destillerie gekauft.
Zuckerrohrsaft.
Ungereift.
50%.
Glasklar, rein, makellos. Mit einem schönen Glitzern steht der Rum im Glas, zeigt sich beim Schwenken auch erkennbar viskos, bleibt dabei lebendig und wirkt nicht schwer. Dicke, schwer abzugrenzende Beinchen laufen ab.
Die Nase ist extrem intensiv, springt einen schon weit vor dem Glas an. Frische Zuckerrohrsaftnoten dominieren alles, klar, grün, spitzig und pieksig, der nimmt sich in keiner Beziehung zurück. Leichte Fuselnoten klingen mit, sorgen aber nicht für Störung, sondern geben dem Rum die Lebendigkeit und Komplexität, die ein klares Destillat aus Regionen wie Madeira von saubereren Vertretern unterscheidet. Grüne Ananas rieche ich, vermischt mit Spearmint, eine gewisse hefige Brotigkeit klingt unterschwellig mit, und Lack kitzelt in der Nase. Man ahnt schon, dass hier etwas auf einen zukommt – und es wird nicht tänzerische Eleganz sein.
Das Mundgefühl ist initial weich, sehr breit, aber gar nicht so frisch, wie man es vielleicht von der Nase her erwartet hätte. Nein, das klingt dunkel, brotig, erdig. Das Zuckerrohr ist klar definiert, die natürliche Süße ausgesprochen gut ausgependelt, im späteren Verlauf zur Bittere kippend. Langsam beginnt der Rum feuriger und heißer zu werden, der ganze Mundraum prickelt dann, die fette Textur fängt das aber alles auf und integriert sowohl Alkoholgehalt als auch Aromen ineinander. Der Abgang ist warm, nun kommen noch Ananas und Minze nochmal vor, leichte Ideen von grünem Gras, Agave und Geranien, und ein minimalster, sehr unterhaltsamer Touch von exotischen, weißen Blüten.
Das ist ein deutlicher Unterschied zu einem eleganten, frischen Agricole aus Martinique, und auch zum verspielten Guadeloupeaner; wie schon bei anderen ungereiften Madeira-Rums finde ich den Engenhos da Calheta Aguardente de Cana Rum Agrícola da Madeira schwer, dicht, schwitzig und aromatisch. Ein echtes Produkt seiner Umgebung. Der Rum ist in verschiedenen Größen direkt in der Destillerie im Westen der Insel erhältlich; man kann die Brennerei auch besichtigen, im Frühjahr sogar im laufenden Betrieb.
Keine echte Angabe des Alkoholgehalts auf dem Etikett, was letztlich darauf hindeutet, dass diese Cachaça nicht für die kommerziellen Verwertung gedacht ist. Eine Eigenmessung hat 36% ergeben, was unter dem rechtlichen Mindestwert von 38% liegt; entweder ist dies auch auf die private Nutzung zurückzuführen, oder es wurde gesüßt, was die Messung nach unten drücken würde. Details sind wohl erstmal nicht zu bekommen.
Klar, mit minimalster Tönung, nur bei genauem Hinsehen zu erkennen. Die Flüssigkeit bewegt sich sehr lebendig im Glas, bildet dabei schnell ablaufende dickköpfige Beinchen.
Wunderbar direkt in der Nase, feines Zuckerrohraroma, kombiniert mit etwas, das mich an Amburana-Holz erinnert. Deutliche Zimttöne, leicht holzige Noten, ein Anflug von Sternanis. Darunter reife Banane, ein bisschen Ananas und vielleicht sogar etwas Kirsche. Die Kombination ist betörend, dabei leicht und luftig.
Leicht ist diese Cachaça auch am Gaumen, sowohl von der Aromatik als auch vom Mundgefühl her. Eine schlanke, aber weiche Textur, in der die Süße sehr zeitnah von viel gewürzigen und aromaholzigen Noten aufgefrischt wird. Zimtstangen, Sternanis, Muskatnuss finde da, und etwas Sandelholz. Ein bisschen Säure leitet den Weg zum mildbitteren, warmen und ausdauernd nachklingenden Finish ein.
Eine wirklich elegante Cachaça, fein und zart, dabei mit genug Struktur versehen, um die Spannung auch auf den ganzen Verkostungsbogen aufrecht halten zu können. Ideale Mischung aus Trinkigkeit und Komplexität, mit der Tendenz zum ersteren. Ein klarer Gegensatz zum Produkt, das ich oben direkt zuvor besprochen habe.
Don Mateo de la Sierra Destilado con Pechuga Mezcal Artesanal
Mexiko, Michoacán, Michoacán.
Mezcal Artesanal.
100% Agave cupreata.
Pechuga: Truthahn, Wild, Iguana, Hase, Früchte, Nüsse, Gewürze.
Erdofen, wilde Fermentation, Filipino Still.
Gebrannt: Nov 2018.
Lot 39, 1097 Liter, 264 Flaschen.
45%.
Ich stehe total auf Pechugas, und bin immer wieder fasziniert von der Herstellungsweise. Für den Don Mateo de la Sierra Destilado con Pechuga Mezcal Artesanal kommen viele Zutaten im Dämpfkorb zum Einsatz, die ungewöhnlichste ist wahrscheinlich Iguana. Farblich ändert das alles natürlich nichts am Destillat, es ist glasklar und ohne jeden Partikel oder Fehler. Die Flüssigkeit bewegt sich ölig, ein Film entsteht an der Glaswand, der sich langsam in Beinchen aufteilt.
Die Nase ist sehr frisch und klar, deutlich mineralisch und grün. Erkennbar ist ordentlich Ethanol drin, zu tief schnuppern sollte man nicht. Die Agave ist sehr grün und ausgeprägt, aber eher kantig und mit wenig Tiefe, bleibt eher als Kopfnote. Leicht kräuterig und gewürzig erscheint dieser Pechuga, mit Frische aus Melisse, Kardamom und Weihrauch.
Das Mundgefühl ist sehr weich vom Antrunk an, schwer und dicht, deutlich anders, als von der Nase her erwartet, nähert sich von der Textur her dem optischen Eindruck an. Das Ethanol ist komplett weg, stattdessen breitet sich die Agave nun so richtig aus in alle Richtungen. Im Verlauf prickelt der Gaumen, wunderbare Würze entsteht und lässt den ganzen Mundraum warm aufleuchten. Kein Rauch, aber holzige Bittere kombiniert sich richtig schön mit Kandiszuckersüße. Der Abgang ist extrem lang, warm, voller Agave, mit etwas Grünschnitt, leichtem brotigem umami und einer milden Salzigkeit, die ganz vorsichtig Spucke anzieht, aber nicht wirklich astringierend ist. Im Nachhall kommt Jasmin heraus, und etwas Wintergrün; danach bleibt die Agave viele, viele Minuten erhalten.
Ist man vielleicht erstmal ein bisschen enttäuscht vom Geruch, muss man diesen Mezcal definitiv im Mund haben, um ihn wirklich zu entdecken. Erst hier blüht er auf, dann aber richtig, mit Kraft und Eleganz zugleich, komplex und trotzdem extrem easy. Empfehlung? Aber zu 100%.
Im Salzburger Hof in Leogang ist die Stiegl Weisse für mich das Standardgetränk zum Abendessen geworden, natürlich habe ich mir ein Sechsertragerl und ein passendes Weißbierglas nach dem Urlaub mit nach Hause genommen. Oft halten Urlaubsgetränke nicht das, was sie vor Ort bringen – optisch gewinnt das österreichische Weizenbier aber schonmal, genau so soll ein Hefeweizen aussehen, schön naturtrüb, gemischtblasiger, üppiger Schaum, getreidegoldene Farbe.
Der Duft ist eine Mischung aus Banane und einem getreidigen Eisenton. Erkennbar ist die Hefe, die einen herben Beiklang liefert. Sicherlich ist diese Nase nicht komplex, und auch nicht äußerst expressiv, aber angenehm und stilsicher.
Toll ist dagegen sofort das Mundgefühl. Cremig und kauig, mit gut durchkarbonisierter Struktur, da spürt man, dass man was im Mund hat. Sehr gut ausbalanciert sind Süße und Säure, auch hier ein durchweg gelungener Eindruck. Frisch und doch voluminös, mit starkem Körper, aber dadurch nicht schwer oder drückend – genau so mag ich mein Hefeweizen. Der Abgang ist leicht floral mit Wintergrün und einem mildbitteren Nachhall.
Dieses Bier überlebt sogar den Zweittest nach dem Urlaub ohne Mühe. Schade, dass es in meiner Region nicht dauerhaft verfügbar ist (so wie das Goldbräu zum Beispiel), die Weisse von Stiegl könnte sonst zu meinem Standard-Goto-Weizen werden.































































