




Heute stelle ich unter dem Codenamen „Adagio“ neben dem neuen Blogformat 5 Produkte vor. Die bunte Mischung besteht aus einem Mezcal (Mezcal Koch Tobalá Artesanal Joven), dazu ein Armagnac (Distilled Grapes Domaine Couzard-Lassalle 2005 #R116), ein Rum aus Indien (Maka Zai Dark Jaggery Rum), ein Whisky aus Österreich (Brennerei Guglhof TauernRogg Single Malt Whisky 2014) und schließlich ein englisches Bier (Wychwood Brewery King Goblin Imperial Ruby Beer).
Mezcal Koch Tobalá Artesanal Joven
Mexiko, Oaxaca.
100% Agave.
Tobalá.
NOM-0171X
Joven.
47%.
Maestro Mezcalero: Pedro Hernández
Kristallklar, deutlich viskos – eine attraktive erste Präsentation, die man da im Glas findet. Sehr schnell geht die Flüssigkeit nach dem Drehen des Glases in den Ruhezustand zurück, es verbleibt ein Film an der Glaswand, der sich in schnell ablaufende Beinchen aufteilt.
Für die Nase ist der Duft erstmal ein bisschen ungewohnt, das erste, was ich rieche, sind leicht verschmortes Plastik, Gummistiefel, und eine leichte Dieselnote. Ein Hauch von Rauch ist da, aber nur unterschwellig und nicht dominant. Lässt man den Brand atmen, geht die Plastiknote immer mehr zurück, der Duft wird immer grüner, vegetabiler, bis die Agave sich endgültig gegen die produktionsbedingten Aspekte durchsetzt und dann fleischig, saftig und aromatisch dicht gewinnt. Leichte Kirschnoten entstehen, vielleicht sogar mit Stein, und später kommen auch Anflüge von Aprikose und Birne dazu; ein sehr spannender und interessanter Verlauf, der zeigt, dass man manchmal Geduld mitbringen muss und sich nicht nur auf den ersten Eindruck verlassen darf.
Das Mundgefühl im Antrunk ist zweigeteilt – erstmal ist man begeistert von der Textur, die sich weich und voll ausbreitet, mit schwerer, fast sirupartiger, dichter Süße und gleichzeitig klarer Struktur. Gleichzeitig kommt die grüne, fette und sehr vegetabile Agave ohne viel Federlesens zur Dominanz in der Aromatik, sie präsentiert sich lustvoll und lasziv, man meint, Augenkontakt zu bekommen. Deutlich gewürzig wird der Koch Tobalá im Verlauf, Muskatnuss und Piment erscheinen, aber auch kräuterige Aspekte wie Koriander und Salbei machen sich bemerkbar. Leicht salzig, erkennbar umami. Im Abgang erscheint noch eine bitterklare Parfümnote, leicht balsamisch, mit Sandelholz- und Grapefruitzesten-Kopfnoten. Der Nachhall ist minzkalt, etwas mentholisch, lang ausdauernd mit voll aufblühendem Jasmin, der lange am Gaumen verbleibt, und ganz, ganz spät dann in Blattgrün endet.
Die Komplexität des Koch Tobalá ist beeindruckend, die Agavenwucht noch mehr, das ist wirklich eine wunderbare Repräsentation der Pflanze, vielschichtig und dennoch direkt auf die Agave konzentriert. Darüber hinaus schlürft man das einfach so, hat immer Lust auf den nächsten Schluck, bekommt nicht genug davon. Ein wirklich trinkiger Mezcal mit Suchtpotenzial.
Optisch glänzt der Couzard-Lassalle, dass es eine wahre Pracht ist – von Herbstlaubbraun über Bernstein bis Zitronengelb sind da alle Zwischenfarben vorhanden. Die attraktive Viskosität passt dazu, durchaus ölig, aber immer noch lebendig. Der Armagnac hinterlässt nach dem Drehen des Glases einen fetten Film, der sich nur widerwillig in Beinchen aufspaltet.
Frisch und jugendlich ist die Nase, klar und sauber, mit dem stiltypischen Anisbeiklang, und einigem an Melisse, schwerer Ysop und darunter frische Nektarine und Mirabelle. Das Holz klingt eher mit, als den Duft zu dominieren, auch die sonst oft vorhandenen Lacktöne sind bei diesem Armagnac klar zurückgenommen. Stattdessen ist da noch sehr viel saftiger Apfel und etwas grüne Birne. Man merkt, der Couzard-Lassalle ist deutlich anders als die letzten Armagnacs, die ich hier für meine Leser probiert habe.
Auch im Mund wirkt er klarer und fruchtiger, hat diese „Körnigkeit“, das Gefühl, als würde man winzige Zuckerkristalle lutschen, kombiniert mit einem frechen Prickeln. Der Apfel dominiert auch den Geschmack, mentholisch haucht man ein und aus, das Mundgefühl ist sehr dicht, aber nie schwer, die Textur ist wirklich ausgesprochen angenehm. Der Abgang ist mildbitter, auch hier klar fruchtgetrieben, warm und pikant, lang und kühlend.
Ah, das trinkt sich ganz anders als die doch deutlich holzbetonten Armagnacs, die ich die letzten Male vorgestellt hatte. Das ist ein frisch-frecher Digestif in Perfektion, belebend, klärend, fast schon ein vitalisierendes Tonikum. Herrlich, anders, begeisternd.
Tiefes Bernstein mit rostroten Anklängen, leuchtend und optisch sehr ansprechend. Über eine eventuelle Färbung ist nichts bekannt. Beim Drehen des Glases fällt eine ordentliche Viskosität auf, die Flüssigkeit schmiegt sich eng ans Glas und hinterlässt dabei viele Artefakte.
Da wir hier ein recht unbekanntes Rumgebiet vor uns haben, vergleiche ich die Nase einfach mal mit etwas Bekanntem – mich erinnert der Makazai sofort an einen mittelamerikanischen Rum, jedenfalls säulendestilliert, eher leicht vom Körper. Viel Karamell findet sich da, Anflüge von Zimt und leicht holzigen Gewürzen, dazu aber auch klare Mandarinenschale, ein bisschen Orangenfleisch, und herbe Noten, die ein bisschen an lange gelagerten spanischen Brandy erinnern. Eine angenehme Mischung, dabei aber nicht wirklich komplex, das fehlt mir hier aber auch nicht.
Der Antrunk passt zu diesem Geruchsbild, er wirkt sehr weich, sehr süß, gerade so an der Grenze dessen, was ich noch angenehm finde; das Basismaterial zeigt sich, so vermute ich, deutlich in Form von sehr viel Karamell, Toffee und Nougat. Die Textur ist fett und voll, legt sich geschmeidig an den Gaumen wie zuvor ans Glas, und wärmt diesen leicht, im Verlauf entsteht dabei ein sehr angenehmes Brummen. Die Süße wird durch charmante, holzgetriebene Bittere aufgefangen, lässt sich aber nie komplett verdrängen. Auch hier bleiben die Eindrücke der Nase präsent, milde Zestigkeit wie die von Mandarine, saftige Fruchtigkeit von Orange, gewürzige Aspekte aus Zimt, Piment und Muskatnuss. Das liegt echt wirklich gut im Mund, das muss ich sagen, und auch wenn nur wenig Spannung aufgebaut wird, hat man lange was von diesem Rum – der Abgang ist lang, karamellig, fruchtig ohne esterig zu sein, einfach sehr gemütlich und warm.
Die Ähnlichkeit hier besteht für mich definitiv zu spanischem Brandy, mit einer zusätzlichen Rumcharakteristik – das ist ungewöhnlich, aber wirklich nicht auf eine schlechte Art. Jedenfalls ist der Makazai ein sehr trinkiges Produkt, völlig unkompliziert, warm und süß, etwas, das man wirklich einfach so vor sich hin schlürfen kann, ohne drüber nachzudenken; sicher nichts für den Komplexitätssucher, aber für alle anderen ein Easy Sipper.
Klares, brilliantes und trotzdem warmes Gold. Sehr deutlich ausgeprägte Öligkeit beim Schwenken, die einen fette Film am Glas hinterlässt.
Sehr getreidig, wohlig und rund, mit ansprechenden Fruchtanklängen und einer leichten Esterigkeit. Milde Heunoten, ein Hauch von Kuhstall und frisch „gedüngter“ Wiese, kombiniert mit ganz vorsichtigem Popcorn. Insgesamt angenehm, aber ein bisschen geschlossen.
Wunderbares Mundgefühl, weich, extrem anschmiegsam, fett und voll, dicht und breit. Richtig großartig liegt das im Mund, mit sauberer und tiefer Süße ohne jede Pappigkeit und ausgeprägtem Getreide – der Roggen ist, im Gegensatz zu vielen anderen Roggenwhiskys, erstmal gar nicht pikant und hat auch nicht diese Kälte, die er manchmal ausstrahlt, im Gegenteil, das ist von vorne bis hinten warm und weich. Perfekt integriert ist der Alkohol, den man kaum spürt – erst im Finish präsentiert der TauernRogg ein bisschen, aber wirklich nur ein bisschen Kühle auf der Zungenspitze und ein die ganze Wohligkeit ein bisschen auflockerndes körniges Kribbeln.
Wahnsinn, wie angenehm sich das trinkt; ein bisschen mehr Expressivität, was die Roggenaromatik in der Nase angeht, könnte man sich wünschen, doch der gesamte Rest gleicht das alles aus. Ein wunderbar süffiger Whisky.
„Ruby“ erscheint das Bier eigentlich weniger, bei Gegenlicht sieht man ein paar rostrote Lichtreflexe, aber insgesamt erscheint es mir doch eher braun, mit dem leicht rötlichen Touch einer Kastanie, vielleicht. Es ist deutlich trüb, aber nicht vollopak, und der Schaum ist beige mit schlanker Konsistenz. Von ihm bleibt schnell nur ein Flaum auf der Bieroberfläche.
Im Duft wirkt der Koboldkönig recht unaufdringlich, da ist ein bisschen Holz, erkennbar Malz, ein bisschen rostige Eisennägel, ein Hauch von milder gelbfleischiger Frucht, doch das muss man sich alles hart erarbeiten, von sich aus bietet das Bier kaum etwas im Vordergrund an.
Im Mund kommt die Frucht deutlich nach vorn, Pfirsich und Zwetschge, jedenfalls reif und mit schöner Süßsauerbalance. Dort ist auch das Malz dann domininierend, ein Hauch von Röstung findet sich, ein bisschen Melasse. Sehr angenehm ist das Mundgefühl, weich und voll, voluminös und cremig, und trotzdem mit viel erfrischender Rezenz ausgestattet. Der Abgang wirkt holzig und tanninig, herb und mit verbleibender Bittere tief im Rachen. Ein bisschen klingt es nach, sicherlich mehr, als die Nase vermuten ließ.
Trinkig und voll, aber aromatisch eher vorsichtig und mit nur wenig Spannung. Ein Bier, das über das Mundgefühl und die Rezenz punktet, ohne wirklich darüber hinaus zu wollen. Koboldkönig finde ich dahingehend als Name übertrieben, vielleicht eher ein Koboldbaron, höchstens ein Koboldgraf. So richtig viel verliert die Bierwelt damit also nicht.







































































