Über den Wolken – AsitzBräu

Diese Woche ist wohl Mitbringselbesprechwoche – ich hatte im letzten Beitrag über aus Österreich mitgebrachten Schnaps geredet. Ich schließe hier direkt an, um dem geneigten Genusstrinker die Beilage zum Hartgebrannten ans Herz zu legen, denn ein gutes Bier ist immer was Feines und im klassischen Herrengedeck doppelt gut. Wenn es darüber hinaus noch in einem hübschen Tragerl heimgetragen wird, freut man sich auch nach dem Urlaub noch weiter. Spannend wird der immer interessante Vergleich: Kann das AsitzBräu auch zuhause im saarländischen Flachland den Genuss bringen, den es auf 1800 Meter Höhe auf der Alm (natürlich nicht ganz, wie im Titel reißerisch angedeutet, „über den Wolken“, aber doch nahe dran), gebracht hat?

AsitzBräu Tragerl mit Flaschen

Die Farbe ist kastanienbraun, im Gegenlicht des sonnigen Bergs natürlich leuchtender und klarer wirkend als im Verkostungsglas zuhause – ersteres ist aber auch frisch vom Fass gezapft, letzteres aus einer der heimgebrachten Flaschen. Der Schaum verhält sich dementsprechend unterschiedlich, doch das ist wohl zu erwarten. Die Nase ist malzig, leicht getreidig, mit einem metallischen Ton, wirkt sehr würzig. Im Mund beginnt das AsitzBräu sehr voll und schwer, sehr malzig, mit viel Würze, dabei weich und gleichzeitig frisch wirkend. Nur vorsichtig wirkt etwas Hopfen durch, hauptsächlich durch die Bittere, die langsam entsteht, und zusammen mit der schönen Rezenz für Erfrischung sorgt. 5,2% Alkoholgehalt fallen weder positiv noch negativ auf. Im Ausklang kommen nussige Noten zum Vorschein, mit denen das Bier auch schnell ausklingt. Hm, auf dem Asitz war ich mit dem Bier glücklicher als zuhause, auch wenn es gut trinkbar ist, hier wie dort.

AsitzBräu Glas

Es ist im Fazit halt immer der gleiche Katzenjammer. Der Urlaubseffekt sorgt dafür, dass uns die mitgebrachten Speisen und Getränke zu Hause nicht mehr das gleiche Vergnügen bringen können wie vor Ort, ich stellte das bereits bei Mythos und anderen Genussmitteln fest. Eine interessante Theorie habe ich dazu neulich noch gehört: Es ist nicht allein die Psyche, die uns hier einen Streich spielt, sondern auch die Physik. Auf Bergeshöhe und am Meer sind die klimatischen Bedingungen tatsächlich anders, und sorgen auch dafür, dass unsere Geschmacksknospen sich anders verhalten. Dazu kommt, dass alles, angefangen vom Essen bis hin zur Luft und dem Wasser, eine andere Aromatik hat, die sich anders mit dem Konsumierten kombiniert. Das verdient jedenfalls tiefere Betrachtung im nächsten Urlaub!

AsitzBräu Brauerei

Natürlich muss man erwähnen, dass das Bier nicht auf dem Asitz gebraut wird, auch wenn die gesamte Aufmachung der Örtlichkeiten darauf hindeuten mag. Auf den Flaschen findet man die Information, dass das Bier bei Hofbräu Kaltenhausen im nahegelegenen Salzburg hergestellt wird. Das Gebäude des AsitzBräu ist dann eher als Braumuseum und Eventlocation zu betrachten; ein typisches „Brauhaus“ halt, wie wir es auch in Deutschland kennen, wo die Braukessel oftmals nurmehr dekorativen Zweck haben. Unabhängig von diesem kleinen, aber feinen Detail hat es aber dennoch schon seinen Charme, dort oben zu sitzen, auf den Berg zu schauen, auf das ansprechende Gebäude zu blicken und den unzweifelhaft vorhandenen Lokalkolorit zu genießen.

Österreicher Inlandspirituosen – Stroh 80 Austria Inländer-Rum

Der Spirituosenfreund im Urlaub ist nie wirklich völlig im Urlaub. Auch wenn der Kopf frei sein mag von Arbeit und Alltag, und man in Österreich in den Bergen am Wandern und Wellnessen ist, so sucht der Trinker in mir ständig nach ungewöhnlichen lokalen Bränden, die es zu explorieren gilt. Entsprechend genoss ich dann allerlei Destillate und brachte mir ein halbes Dutzend Flaschen auch mit zurück in die Heimat. Eine davon ist eigentlich nicht wirklich ungewöhnlich, denn sie ist auch in Deutschland allerorten leicht verfügbar – Stroh 80 Austria Inländer-Rum. Dennoch dachte ich mir, das ist jetzt eigentlich die Gelegenheit, das Zeug endlich mal halbwegs professionell unter die Lupe zu nehmen, statt in das allgemeine Geheul einzustimmen, das ertönt, wenn in Kennerkreisen Stroh erwähnt wird.

Die erste Sache, die man klarstellen muss: Stroh ist kein Rum, auch wenn das Wort auf dem Etikett auftaucht. Die Verkehrsbezeichnung ist „Spirituose“, die Wortkombination „Inländer-Rum“, die im Titel verwendet wird, ist trotzdem lustiger- und verwirrenderweise als geografische Angabe in der EU geschützt und darf nur in Österreich verwendet werden (auch dort aber unter der Kategorie „sonstige Spirituosen“, nicht „Rum“). Die gesamten Details zur Herstellung und Handhabung von Inländerrum sind entsprechend im österreichischen Lebensmittelbuch hinterlegt. Ich gebe den wichtigsten Punkt B 23 7.2.5 hier umformuliert wieder: Die Basisspirituose eines Inländerrums muss zunächst Rum sein, der der EU-Spirituosenverordnung genügt. Diesem wird sogenannte „Inländerrumessenz“ hinzugefügt, die für die grundsätzliche, typische Aromatik sorgen soll, und es dürfen dann noch „Bonifikateure“, also Geschmacksabrunder, eingesetzt werden. Letztlich ist Inländerrum also eine aromatisierte Spirituose auf Rumbasis, nicht, wie manche befürchten, ein Neutralsprit mit Geschmacksstoffen. Genug der Theorie, kommen wir zur Praxis.

Stroh 80 Austria Inländer-Rum

Die zunächst in der Flasche dunkelbraun wirkende Spirituose wird, in ein Glas umgegossen, erkennbar rötlich. Mahagonirot, vielleicht sogar zum Kirschrot tendierend – aus üppig eingesetztem Farbstoff entsteht dies. Den Alkoholgehalt merkt man auch hier schon; geht ein Tropfen daneben, meint man, die hohe Flüchtigkeit auf den Fingern spüren zu können. Pur versuche ich das nicht mal, entsprechend gehe ich direkt auf eine 1:1-Verdünnung mit Wasser. Die Farbe bleibt dadurch erhalten, die kirschroten Reflexe werden sogar noch betont, und im Glas bewegt sich das Gemisch immer noch respektabel ölig.

Der Geruch ist sehr prägnant, und verströmt sich schnell auch außerhalb des Glases. Er wirkt sehr fruchtig, erinnert durchaus an Rum, hat aber auch bei der angesprochenen Verdünnung immer noch eine sehr stechende, beißende Aggressivität, die echte Geruchsproben schwer macht. Chlor, Schweiß, Turnschuhe – zuviele Stördüfte beeinflussen die schwere Aromatik von verrottender Ananas und fauliger Banane, die mir sonst durchaus gefallen könnten. Ein schwieriges, nicht wirklich uneingeschränkt angenehmes Geruchsbild.

Stroh 80 Austria Inländer-Rum Glas

Im Mund erinnert der Stroh dann an Jamaica-Overproof-Rum, sehr viel fauligfruchtige Esterigkeit, aber ohne die Komplexität des Vorbilds zu erreichen. Süß, schwer, attraktiv bitter, und dabei dann doch überraschend weich. Die Spirituose entwickelt sich im Verlauf leider kaum weiter, die Ananas-Bananen-Mischung bleibt praktisch genauso bestehen. Dankenswerterweise kommen dafür aber auch nur wenig der Störfaktoren, die die Nase so negativ beeinflussten, mit in den Mundraum. Es wirkt dennoch im Gesamtbild irgendwie künstlich.

Sehr starke Eindrücke von Zimt, Piment und Kardamom erscheinen schließlich im Abgang; eine wirklich bunte Gewürzmischung, die über der Fruchtkomponente liegt. Am Ende wird es trockener, kurz mildpfeffrig und warm, dank der Verdünnung aber nicht brennend – die bereits erkannten Noten hängen noch etwas hinterher, auch hier findet jedoch keine Entwicklung statt, was den Stroh 80 am Ende zu einem recht unkomplexen Brand macht, auch wenn er seine interessanten Seiten hat und keinesfalls auch nur ansatzweise so gruslig ist, wie manche ihn machen – er ist halt für Rum irgendwie das, was Southern Comfort für Bourbon ist.

Ich kann mir diese Spirituose durchaus als Ersatz für Jamaica-Overproof-Rum in Cocktails vorstellen, auch wenn manche mich jetzt wahrscheinlich für diese Aussage kreuzigen wollen. Ich probiere hier mal eine für viele ungewohnte Rezeptur – einen heißen Cocktail, auch Toddy genannt. Stroh 80 passt aromatisch nahezu perfekt als spektakuläre Abrundung für den Black Stripe, der im Original nach 151-Rum verlangen würde. Brennen tut er jedenfalls ausgesprochen schön. Wenn man ehrlich ist, ist so ein Einsatz wohl auch der Hauptzweck für Stroh in aller Welt.

Black Stripe Cocktail


Black Stripe
2 Maraschino-Kirschen muddeln
1 oz gereifter Rum
1 Teelöffel Honig
2 Nelken
1 Zimtstange
8 oz kochendes Wasser
Umrühren.
Den Overproof-Rum in einen Löffel über der Tasse geben.
Am Gästetisch anzünden und vor den Augen der Gäste einrühren.

[Rezept nach Trader Vic]


Den Stroh bekommt man in einem Dutzend unterschiedlichen Größen und Abfüllformen, und darüber hinaus auch noch in anderen Alkoholstärken. Ich habe mir im Leoganger Sparmarkt die auf dem Foto oben gezeigte hübsche Bügelflasche mit hinterem Griffhenkel ausgesucht, ein Fünftelliter ist auch wirklich genug für die allermeisten Zwecke.

Stroh 80 Austria Inländer-Rum Alte Flasche

Im Keller meiner Eltern hatte ich eine alte, viel größere Flasche gefunden. Es wäre ein interessantes Experiment, diese alte Abfüllung zu vergleichen mit einer modernen – denn die oben zitierte Regel, dass ein ordentlicher Rum die Basis für Inländerrum sein muss, ist wohl erst Ende der 90er Jahre aufgekommen, und vorher durfte wohl praktisch alles verwendet werden. Es ist kein Abfülldatum auf der Flasche, aber rein vom Eindruck her ist sie älter als 1999.

Ich werde diesen Post hier mit einem Vergleich ergänzen, sobald ich mal Muße dafür finde.

 

Bier am Freitag – Tilmans Biere Der Weizen

Nicht jeder Bierfreund, der sein eigenes Bier herstellen will, muss gleich eine komplette Brauerei aufsetzen. Viele Brauereien bieten auch an, dass man mit einem Rezept zu ihnen kommen kann und, wenn es sich wirtschaftlich lohnt, das Bier dort brauen und abfüllen lässt. „Gypsy Brewing“ oder Lohnbrauen, je nach gewünschtem Hipsterigkeitsgrad schwankt die Bezeichnung. Tilman Ludwig braut nach diesem Schema sein Tilmans Biere Der Weizen bei Weissbräu Schwendl in Bayern mit 6,0% Alkoholgehalt ein, nutzt dafür Comet und Strisselspalt als Hopfen.

Tilmans Biere Der Weizen

Voll hefetrüb, dabei mit einem blassen Senfton, so dass man am Glasrand noch das deutliche, aber sehr feinblasige Mousseux sehen kann. Der Schaum ist ein herrlicher Hefeweizenschaum, wie man ihn im Fernsehen zeigen könnte – großaufgetürmt, gemischtblasig, elfenbeinfarben und langlebig. Die Nase ist stark hopfig, zitrusfruchtig, eher würzig denn süßlich, erst in zweiter Reihe kommt ein typischerer nelkiger Hefeweizengeruch zum Vorschein, dazu ein leichter Anflug von Kardamom.

Der Antrunk des Der Weizen ist bereits säuerlich, ein interessantes Gegenspiel zum vollen, breiten Körper, der sich in weichem Mundgefühl äußert. Kardamom, etwas Eukalyptus, viel Würze insgesamt, da ist vielleicht sogar unterschwellige Schärfe. Das Bier ist sehr rezent, frisch und leicht, stark karbonisiert, und spielt mit all den eigentlich gegensätzlichen Eindrücken, die man während des Trinkens langsam aufsammelt, äußerst gekonnt. Der Abgang letztlich ist mittellang, sehr trocken und weiterhin säuerlich, effektvoll und astringierend, mit einem definierten blumigen Nachhall.

Ein charaktervolles, aus der Reihe tanzendes und starkes Hefeweizen – viel Wumms, ohne zu frech und wild zu werden, trotz des Tigers und des Wahlspruchs auf dem wirklich toll designten Etikett: stiltreu mit einem Twist. So mag ich meine Biere gern.

Neue alte Weinbrandgebiete – Ararat Akhtamar Aged 10 Years Armenian Brandy

Ich kam gerade von meiner Reise nach Bulgarien zurück, und hatte dort diverse interessante bulgarische Weinbrände kennengelernt. Als ich mich im Nachhinein noch etwas schlauer darüber machen und Bezugsquellen recherchieren wollte, stellte ich fest, dass es neben Bulgarien noch eine weitere Region gibt, die traditionell Weinbrand herstellt, und die ich bisher völlig übersehen hatte – Armenien.  Wie in Bulgarien auch hat Weinanbau in Armenien eine extrem lang zurückreichende Geschichte, länger als manch ein westeuropäisch denkender Weinfreund es vermutet.

Armenischer Weinbrand ist gesetzlich reguliert und geschützt. Nur Trauben aus armenischem Anbau dürfen für den Wein, der dann destilliert wird, eingesetzt werden, und nur die Rebsorten Rkaziteli, Mskhali, Garan Dmak, Kangu und Voskehat sind erlaubt. Lange Zeit ging ein Großteil der Produktion in die sowjetische Nachbarschaft, nach dem Umbruch ist Russland aber immer noch wohl der größte Abnehmer. Kein Wunder, dass man hierzulande eher selten davon hört – dem will ich etwas Abhilfe schaffen. Ein interessantes erstes Verkostungsobjekt schien mir der Ararat Akhtamar Aged 10 Years Armenian Brandy zu sein. Ich will ihn nicht direkt mit Cognac oder spanischem Brandy vergleichen, sondern einfach schauen, was er unabhängig von seinen großen Vorbildern zu leisten im Stande ist.

Ararat Akhtamar Aged 10 Years

Als erstes fällt die dunkle Farbe auf – Pariser Rot mit rotgoldenen Reflexen. Färbung ist bei armenischem Brandy scheinbar erlaubt (zumindest gibt es Produkte, die gefärbt sind), man darf wahrscheinlich davon ausgehen, dass auch hier E150a enthalten ist. Die Beweglichkeit im Glas ist sehr hoch, kaum Öligkeit ist erkennbar. Am Glasrand entsteht beim Schwenken zunächst mehr ein geriffeltes Muster als wirklich einzelne Beinchen.

Die Nase nimmt zunächst eine nussige, an Sherry erinnernde Note wahr. Dazu kommt etwas milder Essig, leichte Weinigkeit und Vanille. Eine dezente Fruchtigkeit fängt die erkennbare Alkoholkomponente ab. Insgesamt eine doch zurückhaltende Aromatik, man muss schon tief Luft holen, um differenziertere Gerüche auszumachen – seltsam für einen Weinbrand, eine Kategorie, bei der ich normalerweise immer hauptsächlich das tolle Geruchsbild lobe.

Auch im Mund ist der Antrunk des Akhtamar zunächst vergleichsweise neutral. Süß, mild, cremig. Erst im Verlauf entsteht ein brandytypischer Geschmack nach Rosinen, Dörrobst und Pflaumen. Eine Erinnerung an Wintergrünöl. Die Vanille aus der Reifung überdeckt vieles, was das Destillat vielleicht an Aromatik noch haben könnte. Die Süße ist durchgängig vorhanden, ohne dabei aber pappig oder unangenehm zu werden.

Ararat Akhtamar Glas

Der Abgang wird würzig, warm und endlich kommt so etwas wie Charakter auf. Leider ist er auch metallisch und kurz und kippt gegen Ende dann wieder in die Belanglosigkeit zurück. Der Nachhall ist einerseits holzig und überraschend floral, Rosenblätter und ganz extrem Jasmin, tatsächlich vielleicht das Schönste, auf jeden Fall aber das Überraschendste an diesem Brandy.

Das Fazit zu formulieren fällt mir schwer. Einerseits ist das ein echter Easy-Drinking-Brandy, der mit dieser wirklich schönen Blumigkeit endet, andererseits hat er sonst aber auch nichts, was mich dazu bringt, ihn zu loben. Was sucht man in einem Weinbrand? Ist es eine Unauffälligkeit und Rundheit? Dann würde ich empfehlen, den Ararat Akhtamar mal zu probieren. Ist es Charakter und Stärke? Nun, dann eher eben nicht.

Ich habe es riskiert, im Late Night statt eines Williams-Birnenbrands die Moor-Birne von Scheibel einzusetzen. Einfach, um dem Cocktail ein bisschen süße Rauchbasis mitzugeben, die sich mit dem armenischen Brandy schön verbinden sollte. In einer derartigen Kombination zeigt sich die Blumigkeit des Ararat Akhtamar dann tatsächlich auch von seiner besten Seite.

Late Night


Late Night
1¾ oz Brandy
¾ oz Birnenbrand
½ oz Oloroso Sherry
3 Tropfen Bitters
Auf Eis rühren.
[Rezept adaptiert nach Claudio Agliano]


Noch kurz zur Präsentation – Die durchaus hübsche kleine 50cl-Flasche hat einen Echtkorken mit Plastiktop, ein dezentes, aber sehr attraktives Etikett, das eine Bergkette zeigt. Auf dem Rücketikett ist die Legende, die dem Brandy den Namen gab, in Superkurzform abgedruckt. Dazu kommt die Flasche in einem Karton, was das ganze dann in eine sehr geschenktaugliche Form bringt. Auch wenn das Fazit etwas mäßig ausfällt, man kann sehr viel schlimmere Geschenke machen, und für einen Spirituosenfreund, der sich für Weinbrand interessiert und vielleicht sogar Armenien als traditionelle Wein- und Weinbrandregion noch gar nicht auf dem Schirm hat, ist es garantiert etwas, worüber man sich freuen kann. Ich würde es tun.

Bier am Freitag – Maisel & Friends Galaxy Brown Ale

Wenn ich nochmal sehr jung sein könnte, wäre das vielleicht wirklich auch etwas für mich: eine Ausbildung zum Bierbrauer. Bei Maisel & Friends wird die Sicherstellung des Nachwuchses sehr gefördert, soweit, dass die Auszubildenden des letzten Lehrjahres nicht nur ihr eigenes „Gesellenbier“ brauen, sondern dies sogar in größerem Stil veröffentlicht wird; das ist eine wirklich schöne und lobenswerte Sache an sich. Und so komme nun auch ich zur Ehre, das Maisel & Friends Galaxy Brown Ale ins Glas probieren zu können. Vom Stil ein American Brown Ale, gebraut am 30. April 2020, mit 5,5% Alkoholgehalt und 35 IBU. Sogar das Etikett ist von den Azubis mitgestaltet!

Maisel & Friends Galaxy Brown Ale

Rostrotbraun im Glas, unterstützt durch die Naturtrübe ohne sichtbare Partikel. Im Gegenlicht sieht man ein paar einzelne Bläschen langsam aufsteigen, das wars aber auch schon mit Mousseux. Entsprechend kurzlebig ist der Schaum; das stört bei einem Ale natürlich wenig. Immerhin ist er hübsch mit einer Mischung aus sehr großen und sehr feinen Bläschen. Fruchtig-malzig ist die Nase, deutlich hin zum Aromahopfen hin tendierend (Galaxy wurde hier, dem Namen entsprechend sehr passend, eingesetzt), und durch letzteres sehr beerenmarmeladig, süßlich und rund. Eine minimale Limettenkante kann man erschnuppern.

Im Mund dann viel trockener und bitterer als erwartet – das Galaxy Brown Ale ist eher auf der sauer-bitteren Seite, mit zwar cremigem Antrunk, aber schnell hin zum leichten, schmalen Körper hin kippend. Persönlich finde ich, das hat eher etwas von einem gehopften Lager. Rezenz ist gut, hauptsächlich von der Säure her, auch die Karbonisierung passt, trotz des oben geschilderten optischen Eindrucks. So hart es klingt – irgendwie trinkt sich das wie ein Radler mit viel saurem Sprudel; bei einem Brown Ale erwarte ich schon deutlich mehr Malz in der Sensorik, auch wenn die amerikanische Variante irgendwie alles sein kann und nichts. Im Abgang mittellang, deutlich astringierend, trocken und bitter, dafür mit einem Anflug von Blumigkeit, und es klingt aus mit einem mentholig-kühlenden Effekt, und etwas Holzigkeit, was man mit gutem Willen vielleicht auch Nussigkeit nennen könnte.

Hm, ich bin mir unschlüssig im Fazit. Ich komme nicht so ganz mit der Bitter-Sauer-Komponente klar, die nicht durch wenigstens etwas Körper aufgefangen wird. So fühlt sich das Bier letztlich passend zum Namen an – ein kurzer Ausflug ins kalte Bierall, und für mich am Ende deswegen unbefriedigend. Tut mir leid, liebe Auszubildende, dass ich persönlich Euer Gesellenbier nicht so schätzen kann, das soll Eure Leistung in keiner Weise schmälern, seid trotzdem stolz auf Eure Ausbildung und Eure Leistungen.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kosten- und bedingungslose Zusendung einer Flasche des Galaxy Brown Ale.

Alte Liebe rostet nicht – Bowmore Aged 12 Years Islay Single Malt Scotch Whisky

Rum holt auf, was die Verkaufszahlen angeht, er wird immer beliebter. Im gleichen Maße verliere ich aber mein extremes Interesse an ihm, das hat aber nichts mit diesem Aufholen zu tun – wenn man sich intensiv mit einer Spirituose beschäftigt hat, ist es wahrscheinlich nur natürlich, dass sich, wenn man schon viel gesehen hat, die Liebe etwas abnutzt. Das kennen wir ja aus dem Privatleben. Zum Glück ist es bei Schnaps etwas einfacher, sich etwas anderes ins Glas zu holen – und ich habe in letzter Zeit den Scotch etwas vernachlässigt. Das werde ich hiermit wieder gut machen, und habe mir entsprechend eine Flasche eines guten Basisprodukts besorgt: der Bowmore Aged 12 Years Islay Single Malt Scotch Whisky soll mir das Feuer der Begeisterung, das ich einst für diese Art von Spirituose empfand, als ich ein Jahr in Schottland lebte, wieder entfachen und den schnöden Rumjammer vergessen lassen.

Zumindest muss man sich bei Scotch nicht auf allerlei Diskussionen einlassen, die mit Qualität, Einhaltung von gesetzlichen Regelungen und Definitionen, was die Spirituosengattung eigentlich erlaubt und was nicht; schottischer Whisky ist klar und deutlich geregelt, und wird auch von diversen staatlichen und unabhängigen Organen geprüft und gesichert. Was das wert ist, erfährt man erst, wenn man die letzten 5 Jahre im Rumgeschäft miterlebt hat. Ich glaube, ich habe mit meinen Artikeln etwas dazu beigetragen, dass manch eine Machenschaft auch für Laien bekannt wurde. Es tut mir gerade jetzt ein bisschen gut in der Seele, mich von dem ganzen Ärger zu verabschieden und mich einfach darauf verlassen zu können, dass in der Flasche auch ist, was auf dem Etikett steht. Und darauf, dass man ein breit erhältliches Basisprodukt kaufen kann und gute Qualität bekommt, und nicht nur, wenn man High-End-Superseltene-Einzelfassabfüllungen kauft. Das sind nun viele Vorschusslorbeeren, ich hoffe, der Bowmore kann all das einhalten.

Bowmore Islay Single Malt Scotch Whisky Aged 12 Years

Bei Scotch ist es im Allgemeinen angegeben, und im Allgemeinen auch üblich – die Färbung mit E150a. Ich hoffe auf die Zeit, in der die Konsumenten so aufgeklärt sind, dass es dieser Gleichmacherei, durch die nur jede Flasche im Regal identisch aussehen soll und sonst keinen Sinn hat, an den Kragen geht. Ich bin mir sicher, dass ein 12-jähriger Scotch auch ohne Färbung eine ähnlich schöne Farbe aufweist wie dieses kräftige Terracotta. Das Schwenkverhalten ist unauffällig, mit schnell ablaufenden, mengenmäßig wenigen Beinchen.

Die erste Komponente, die die Nase wahrnimmt, ist natürlich der Torf, die Signatur eines Islay-Whiskys. Dies dominiert alles, danach kommt schon deutlicher, süßlicher Rauch, begleitet von einer medizinalen Note. Der Rauch kippt dann um in milde Orangenschale. Zugrunde liegt allem etwas Hefig-Getreidiges. Insgesamt trotz des Torfs mild und rund.

Das Mundgefühl ist im Antrunk dann ähnlich weich und abgerundet, voll und stark, extrem süß, für meinen Geschmack schon zu sehr. Zu Beginn wirkt er flach und dumpf, hat außer Vanille- und Zimtnoten aromatisch kaum etwas zu bieten; weder Torf noch Rauch bleiben erhalten. Im Verlauf wird der Bowmore 12 immer würziger, trockener und klarer, hier beginnt er mich zu interessieren. Wie oft bei rauchigen Spirituosen entsteht am Gaumen eine sehr florale Note. 40% Alkoholgehalt unterstützen das spürbare Feuer, das sich schließlich am Ende entwickelt hat, und sind im Abgang leicht ethanolisch erkennbar. Der Abgang ist kurz, trocken, leicht torfig und nun mit dieser schönen Rauch-Blüten-Mischung versehen, die lange nachklingt.

Bowmore Aged 12 Years Islay Single Malt Scotch Whisky Glas

Für meinen Geschmack ist dieser Scotch zu plump und desinteressiert im Antrunk, das kann er später nicht mehr aufholen, selbst wenn der Nachhall wirklich attraktiv ist. Die starke Süße, die fehlenden Aromen, nur im Abgang Komplexität – meine Begeisterung hält sich in Grenzen.

Entsprechend hat sich der Bowmore 12 für meine Verhältnisse leider höchstens zu einem stabilen Mixwhisky für die Cocktails entwickelt, die nach Torf und Rauch verlangen, und gleichzeitig nicht zuviel Charakter gebrauchen können, da dies oft den ganzen Drink übernimmt. Im Luau Smoked Pineapple kommt dem Bowmore 12 genau diese Rolle zu; sein süßlicher Grundton gibt dem Cocktail dann noch etwas mehr Volumen.

Luau Smoked Pineapple Cocktail


Luau Smoked Pineapple
1 oz torfiger Scotch
½ oz Limettensaft
¾ oz Orgeat
¾ oz Zitronensaft
1 oz Ananassaft
Auf Eis shaken. Auf frischem Eis servieren, zuvor noch
½ oz Blended Scotch floaten.
[Rezept nach The Drink Blog]


Man sieht, es ist doch nicht ganz so einfach, die alte Liebe durch etwas Neues zu ersetzen. Doch Scotch ist ja nicht nur Islay, ich bin eh schon immer eher der Highland Malt-Trinker gewesen, und habe noch viel vor mir, all die Scotches, die ich in Schottland getrunken habe, auch hier irgendwann schriftlich zu erfassen. Das wäre jedoch natürlich ein Lebensprojekt für sich, und mir sind die anderen Kategorien wie Tequila und Liköre ebenso wichtig. Darum wird mein Blog weiterhin breit gefächert alles besprechen, was die Spirituosenwelt so zu bieten hat; nur die leichte Gewichtung hin zum Rum wird allmählich, wenn all die vorbereiteten Rumartikel (und das sind ein ganzer Haufen!) erschienen sind, verschwinden.

Kurz und bündig – Botucal Blending Session

Man kann auf sehr unterschiedlichen Seiten des Rumspektrums stehen, und trotzdem ein gutes Verhältnis pflegen. Ich persönlich halte überhaupt nichts davon, Fronten aufzubauen, den Krieg zu erklären, Ausgrenzung und Ablehnung zu betreiben, wie manche Rumkenner das tun, und das alles nur wegen eines Genussmittels. Wenn die Einstellung zu einem Getränk wichtiger wird als zu den Menschen dahinter, läuft etwas schief. Persönlich mag ich meinen Rum sauber und unverändert, und ich kämpfe weiterhin mit Energie dafür, dass Ehrlichkeit und Transparenz gefördert werden, doch das wird mich nie daran hindern, mit Personen, die anders denken, vernünftig und gesittet zu reden. Entsprechend freute ich mich sehr, als der langjährige Brand Ambassador für Botucal/Diplomático, Peter Schütte, mich einlud, an der Botucal Blending Session teilzunehmen. Die Corona-Krise zwingt uns dazu, solche Treffen remote abzuhalten, doch es funktioniert überraschend gut, wenn das ganze wohlorganisiert ist: Die Samples der Botucal Distillery Collection kamen zuverlässig bei mir per Post an, der Link zum Zoom-Meeting klappte auch direkt, und ein gutgelaunter Moderator sorgte bei immerhin 30 (hin und wieder nur mäßig disziplinierten) Rumfreunden für einen runden, gut zweistündigen Ablauf. Es gab sehr viel fachliche Information zu den verschiedenen Brennapparaten und Vorgehensweisen, auch ein Fortgeschrittener wie ich konnte noch was dazulernen.

Botucal Blending Session 1

Es sollte eine Einführung in die unterschiedlichen Komponenten des bekanntesten Produkts des Hauses werden, dessen Zusammensetzung und Herstellung, sowie die Möglichkeit, sich unter Anleitung einen individuellen Blend zusammenzustellen. Eine herausragende Idee, man kann dabei sehr viel lernen und erfahren. Für mich war das eigentliche Ziel, endlich herauszufinden, wie einer der bekanntesten Süßrums der Welt ohne die Nachsüßung schmeckt. Selbst wenn die „neue“ Rezeptur nur noch rund 35g/L Süßung aufweist statt den früher üblichen 44g/L, ist das für mich persönlich immer noch viel zu viel. Die Frage, die sich mir bei solchen Produkten immer stellt, ist: Warum wird so stark gesüßt? Ist es, um ein schlechtes Destillat zu pimpen, oder eher doch simplerweise, um dem süßen Zahn der Kundschaft entgegen zu kommen? Ersteres wäre schlicht Betrug, zweiteres eine unternehmerische Entscheidung. Endlich habe ich die Möglichkeit, diese Frage zumindest für mich zu beantworten.

Entsprechend habe ich den Blend des Reserva Exclusiva mit den drei Distillery Collection-Rums nachgebaut – laut der Angabe des Herstellers bedeutet das, 80% Pot-Still-Rum („N°3“), 10% Batch-Kettle-Rum („N°1“) und 10% French-Barbet-Rum („N°2“). Für die einzelnen Rums habe ich bereits meine Meinung kundgetan. Da alle Distillery Collection-Rums auf 47% eingestellt sind, müsste am Ende noch etwas Wasser zugesetzt werden, um die Trinkstärke von 40% des Standardprodukts zu erreichen, ich habe nur einen kleinen Spritzer verwendet. In der Blending Session wurde vorgeschlagen, noch selbst zu süßen, das habe ich natürlich gelassen.

Botucal Blending Session 2

Das Ergebnis ist sehr befriedigend und erstaunlich; der SchlimmerdurstBotucal-Blend ist am Ende ein sehr attraktiver Rum geworden. Auch wenn N°1 und N°2 als Einzelprodukte wenig Begeisterung erregen können, so ist der Hauptanteil, der N°3, ein durchaus gelungener Brand. Die Süßung ist nach dieser Erfahrung definitiv kein Versuch, ein schlechtes Destillat zu maskieren.

Ich muss aber auch deutlichst sagen – die Süßung verschlechtert meiner Meinung nach das Endprodukt extrem. Es ist wirklich schade, dass ein interessantes und gelungenes Destillat, das ohne Mühe auf sich gestellt bestehen und sogar Rumfreunde sehr glücklich machen kann, durch den Zucker plumper, langweiliger, stumpfer, oberflächlicher, kurz: schlechter gemacht werden muss. Nun, vielleicht gibt es irgendwann ein Umdenken beim venezuelanischen Hersteller DUSA. Der Markterfolg der Marke stimmt mich nicht optimistisch diesbezüglich, aber zumindest konnte ich für mich dank dieser Session meinen Frieden mit Botucal/Diplomático machen – sie können sehr guten unverfälschten Rum machen, wollen es aber halt offensichtlich nicht. Dagegen kommt man nicht an, schade.

Offenlegung: Ich danke dem Brand Ambassador Peter Schütte für die kosten- und bedingungslose Zusendung der Samples und die Einladung in die Blending Session.

Das Heimbarregal ist zu klein für uns beide – HSE Black Sheriff Rhum Vieux Agricole

Neulich gab es eine Diskussion, wie man Spirituosen, deren Flaschen man bereits geöffnet hat, am besten aufbewahrt. Da gibt es ja verschiedene Tips, von Schutzgas bis Umfüllen in kleinere Fläschchen, mit denen man verhindern können soll, dass sich der Charakter des Destillats verändert, wenn man eine Weile nicht dran geht. Persönlich habe ich nur selten eine arg negative Erfahrung damit gemacht, gar nichts zu unternehmen; gewiss verändert sich die Spirituose, aber das ist für meinen eh Abwechslung wünschenden Gaumen nichts schlimmes. Und ein paar Jahre, länger lebt bei mir eh nichts im Regal, hält jeder Brand aus, wenn man halbwegs sorgsam damit umgeht.

Die allerbeste Methode zum Schutz ist aber auch die einfachste – nichts offen aufbewahren, sondern zeitnah austrinken. Dahingehend habe ich meine Gewohnheiten geändert, früher wollte ich möglichst lang was an einer Flasche haben, heute denke ich, im Zuge von Heimbarabbau und Reduzierung aufs nötigste, dass eine leere Flasche eine gute Flasche ist. Daher verbrachte der HSE Black Sheriff Rhum Vieux Agricole auch nur eine kurze Zeit bei mir zuhause, die Flasche wurde in verdammt kurzer Zeit geleert. Ich fühle mich gut dabei, keine Reste ewig aufzubewahren, und hatte doch viel Spaß mit diesem Rum, den ich nun mit meinen Lesern teilen will.

HSE Black Sheriff Rhum Vieux Agricole

Amerikanisches Eichenholz, selbst gebrauchtes, gibt schon nach kurzer Zeit viel Farbe ab, und entsprechend kräftig scheint der Rum fürs Auge. Er ist noch relativ jung (es ist keine Altersangabe vorhanden, er ist wohl zwischen 3 und 4 Jahre alt) und verhält sich passend recht flink im Glas. Der Geruch ist dagegen schon recht erwachsen und ausgebildet – sehr süß und mild, erinnert zunächst etwas an Cognac. Schnell kommen Reifearomen dazu: Vanille, Pfirsich, Rosinen, Datteln, milde Holztöne. Herznoten von Minze und Hubba-Bubba-Kaugummi. Eine schöne Komposition.

Der Geschmack ist dann aber doch etwas dünner als vom Geruch her erwartet. Trotzdem ein superweiches Mundgefühl, trotz minimalstem Brennen. Man entdeckt schließlich sehr ähnliche Geschmackseindrücke wie das, was man schon in der Nase erschnuppern konnte – Süße, Vanille, mildes Obst, Weinbergpfirsich, reife Aprikosen. Süßholz und eine leichte Grasigkeit, wie wir sie von rhum agricole kennen, aber wirklich nur dezent im Hintergrund. Dezente Bitterkeit. Ein sehr milder Rum, mit schöner Süße, die nicht oberflächlich ist.

HSE Black Sheriff Rhum Vieux Agricole Glas

Im Abgang bleibt der Black Sheriff sehr weich, warm und glatt, wenn auch eher kurz. Vanille und Holz hängen noch etwas am Gaumen. Leicht adstringierend und trocken, hinterlässt der Rum ein leicht pelziges Gefühl im Mund, zitronenschalenbitter und mentholig. Wer vom amerikanischen Whisky her kommt, oder auch vom Weinbrand, und einen nicht allzu fremdartig schmeckenden Rum sucht – der ist hier perfekt aufgehoben. Aber auch als Einstieg in den rhum agricole ist er bestens geeignet, denn der Black Sheriff ist unkompliziert und bodenständig.

Von HSE wird der Black Sheriff als Shooter vermarktet, mit speziell dafür gebrandeten Shotgläsern. Aber natürlich ist das nicht so die Art, in der ich Schnaps trinke – ich bin zu alt für derartige Rituale, das überlasse ich der dummen Jugend. Für mich kann dieser Rum seinen Platz in Cocktails finden; zusammen mit Tabaklikör und einer Breitseite an unterschiedlichen Bittern ist der Buffalo Soldier ein viel schwereres Geschoss als die puren Shots.

Buffalo Soldier


Buffalo Soldier
2 oz gereifter Rhum agricole
1 Teelöffel Perique Liqueur de Tabac
1 Spritzer Angostura
1 Spritzer Kakao-Bitter
1 Spritzer The Bitter Truth Drops & Dashes Wood
Im Glas auf Eis bauen und leicht umrühren.

[Rezept adaptiert nach Maria Loca]


Die komplett schwarz mattiert ummantelte Flasche bietet einen schönen Kontrast zu den orangefarbenen und weißen Aufdrucken. Eine ungewohnt freche Aufmachung für die sonst eher traditionell und edel aufgemachten rhums agricoles – die Vermarktung geht insgesamt aus meiner Sicht doch deutlich an eine andere Zielgruppe als die, die man bei HSE und Co. sonst so addressiert. Tatsächlich ist das aber ein spannender Move; wenn man seine Kategorie in neue Zielmärkte bringt und mit einem frischeren Image werben kann, verbreitet das vielleicht eine Spirituose, die aktuell trotz weltweitem Rumvormarsch immer noch unter Wert gehandelt wird.

Bier am Freitag – Original Ritterguts Gose

Bier ist ein vielfältiges Getränk. Man muss heutzutage, wo Gleichmacherei und industrielle Standardisierung das Neutralpils als Idealform des Biers hervorgebracht haben, immer wieder darauf hinweisen, dass man parallel dazu Gefahr läuft, klassische, uralte Bierstile aussterben zu lassen. Meist sind es regionale Besonderheiten, die aufwändiger herzustellen sind, zum Beispiel mit offenen Gärverfahren, speziellen Hefen und nicht ganz leicht zu kontrollierender Milchsäuregärung. Bei Gose wird all das benötigt. Das obergärige Bier, das heute  außerhalb der Region Leipzig kaum einer mehr kennt, wird dazu mit besonderen Zutaten gespickt – Gewürze, Kochsalz, Koriander, das treibt dem Pseudokenner die RHG-Krokodilstränen in die Augen, dem wahren Genießer aber das Freudenleuchten. Original Ritterguts Gose ist ein klassisches Beispiel für diesen Bierstil, eine der wenigen Marken, die sich der Fernsehbierrevolution widersetzen.

Original Ritterguts Gose

Naturtrüb, leicht oaplisierend, sonnenblumengelb – ein sehr attraktiver optischer erster Eindruck. Schaum ist beim Eingießen noch vorhanden, aber danach schnell weg – wahrscheinlich ein Effekt der Nachreifung in der Flasche, das kennt man oft von flaschengereiften Bieren. Keine Perlage ist für mich erkennbar. Hefig, kräuterig, das denkt man, wenn man an dieser Gose schnuppert. Erkennbar sauer riechend, wie Naturjoghurt, die Verwandschaft ist auch irgendwie gegeben, wenn man den Lactobacillus, der eingesetzt wird, berücksichtigt. Die Ritterguts Gose erinnert dabei geruchlich aber auch an Cidre, wirkt leicht apfelig.

Im Mund spielt sie ihre ganze Eigenheit aus – kräftig sauer im Antrunk, kantig und fast schon kratzig. Zitronig, Erinnerungen an Waldmeisterbrause und Cidre. Trotz der eckigen Säure bleibt ein weiches Mundgefühl. Sehr rezent, hauptsächlich über die Säure. Hält man die empfohlene Trinktemperatur von 8°C ein, ist die Original Ritterguts Gose von vorne bis hinten sehr frisch und angenehm. Der leichte Körper entsteht auch durch die angemessenen 4,7% Alkoholgehalt. Der Abgang ist sehr kurz, hier kommen deutlich der Koriander und das Salz durch. Trocken, mildbitter. Nach einigen Sekunden ist das Bier komplett weg vom Gaumen. Kein Nachhall.

Ich bin ein Fan von Sauerbier, und diese Gose ist für mich ein sehr spannend komponiertes Bier dieser Brauart. Da es zugegebenermaßen die einzige Gose ist, die ich bisher kenne, kann ich keine Aussage zur Typizität treffen – wenn das Ritterguts Gose aber typisch sein sollte, werde ich mir definitiv weitere Marken anschauen. Goseanna!

Brasilianische Prinzessin – Princesa Isabel Cachaça Armazenada em Jaqueira

Ich habe eine tolle Idee und will etwas auf den Markt bringen, habe aber selbst nicht die nötigen Geldmittel dafür? Früher bedeutete das Klinkenputzen bei Banken und möglichen Investoren. Gerade letztere wollen dann natürlich einen nicht unerheblichen Anteil am eventuellen Erfolg haben, erstere sind oft zurückhaltend und halten sich zurück, in verrückte Ideen auszuzahlen. Die moderne Lösung für dieses Problem? Crowdfunding. Allerlei Geschäftsideen, die im normalen harten Finanzleben kaum eine Chance hätten, werden durch normale Menschen mit Kleinstbeiträgen gesponsert, die einfach die Idee toll finden und mit gewissen Goodies dafür belohnt werden.

Ich hatte vor einer Weile bei so einer Crowdfunding-Initiative auf der Plattform startnext teilgenommen: „Princesa Isabel Cachaça – Rum aus Brasilien“ hieß die, und es ging darum, einem deutschen Unternehmen den Import dieser brasilianischen Zuckerrohrsaftspirituose (über das Wort „Rum“ im Titel gehe ich einfach mal geflissentlich hinweg) zu ermöglichen. Und das Projekt war dann auch erfolgreich – so kam ich in den Besitz meiner Belohnung dafür, einer Flasche der Princesa Isabel Cachaça Armazenada em Jaqueira. Hergestellt wird sie im brasilianischen Bundesstaat Espirito Santo, wo in der Stadt Linhares die Produktionsstätte Fazenda Tupã beheimatet ist. Der Name ist lang, aber eigentlich nicht kompliziert: „armazenada“ ist der Begriff für „in Holzbehältern aufbewahrt“, Dauer und Fassgröße sind dabei nicht bestimmt. „Jaqueira“ ist die Art des Holzes des Fasses – hier ruhte die Cachaça also in einem Fass aus dem Holz eines Jackfruchtbaums, laut einem Pressetext für ein Jahr. Ich prüfe nun mal, ob sich meine Investition gelohnt hat.

Princesa Isabel Cachaça Armazenada em Jaqueira

Die Farbe passt jedenfalls schonmal zur gelben Jackfrucht – ein sehr helles, aber kräftiges Sonnenblumengelb. Viskosität ist durchaus vorhanden, die Cachaça bewegt sich zwar lebhaft und flüssig, aber doch mit leichtem Schwappen und hinterlässt dann einen Film mit sehr träge ablaufenden Tropfenspitzen.

Die Nase ist sehr typisch für Cachaça, voller Zuckerrohrsaft, einem Korb exotischer, unreifer Früchte, leichter grüne Grasigkeit und milder Gewürze. Riecht man die Jackfrucht heraus? Natürlich nicht, der Brand kam ja nur mit dem Holz des Baums, nicht mit der Frucht selbst, in Kontakt. Selbst wenn, ich könnte es nur nicht zuordnen und benennen, denn ich bin mit diesem Obst nicht wirklich vertraut – eine Bildungslücke, ich weiß, aber ein Beweis dafür, dass man nur riechen kann, was man kennt. Das wird natürlich irgendwann nachgeholt.

Princesa Isabel Cachaça Armazenada em Jaqueira Glas

Superweich und cremig im Antrunk, fast schon ölig schwer – die Konsistenz ist beeindruckend dick. Die Süße des Beginns bleibt zwar erhalten, wird aber im Verlauf durch pikante Gewürze und Ingwerschärfe und -aromen aufgefrischt. Viel Zuckerrohr und Frucht dominiert alles, Birne, Quitte, dazu etwas Zimt und Vanille. Ein Eindruck von Kokosnussfleisch. Später noch etwas Salzigkeit, und eine beeindruckende, vollmundige Bittere. Ingesamt eine tolle Breite und Wucht mit sehr viel Körper. 40% Alkoholgehalt sind angenehm spürbar, ohne aufdringlich zu werden. Der Abgang ist kurz und rostig – doch ein hübscher blumig-fruchtiger Nachhall entsteht aus einer kurzen aromatischen Lücke heraus, ein sehr ungewohnter Effekt, und hängt dann eine ganze Weile nach.

Eine sehr schwere, volle, aromatische und rund wirkende Cachaça, mit einem Bums aus Frucht und Gewürz, die mich ehrlich begeistert. Allein schon das Mundgefühl ist grandios, und wer Cachaça mag, muss auf diese hier einen Blick werfen.

Im Caneflower werden all die Dinge durch Zutaten betont, die ich in der Princesa Isabel sehr mag – die blütige Komponente durch Holunderblütenlikör, die Bittere durch Aperol, die Frucht durch Zitronenöl aus der Zeste.

Caneflower Cocktail


Caneflower
1½ oz Cachaça
¾ oz Aperol
½ oz Holunderblütenlikör
Auf Eis rühren. Mit großer Zitronenzeste absprühen.

[Rezept nach Jeffrey Morgenthaler]


Die Flasche an sich ist unauffällig, um so schöner ist das Etikett gestaltet. Die Fazenda dekoriert alle ihre Cachaças mit Vogelarten ihrer Heimat, hier sieht man den hübschen blauen Saíra-azul. Das ist eine gelungene Idee, und professionell ausgeführt – man erkennt daran, dass hier eine Brennerei mit Erfahrung und auch einem gewissen Anspruch am Werk ist.

Ich freue mich, dass ich einen kleinen Teil dazu beitragen konnte, diese sehr attraktive Spirituose nach Deutschland zu holen. Ich hoffe auch, dass das Unternehmen weitermacht damit, und weitere Produkte dieses Brenners importiert – denn auch wenn Deutschland für Cachaça einer der größten Märkte ist, so sind es eher nicht die hochklassigen, wertigen Cachaças, die hierzulande massig konsumiert werden. Die Waage etwas hin zur Qualitätscachaça zu neigen, das ist eine tolle Arbeit, die es zu unterstützen gilt.