Traubengeschichten – Grape of the Art De Belair 1993 Bas Armagnac

Baco hat als Rebsorte für den Einsatz in Armagnac eine bewegte Geschichte hinter sich. Als sich viele der traditionellen Weinstöcke der Region Armagnac (insbesondere Folle Blanche) als sehr anfällig für Schwarzfäule herausstellten, und auch das Pfropfen mit amerikanischen Rebsorten, die nach der Phylloxerakrise importiert wurden, für sie nicht leicht war, wurde Baco als Alternative schnell sehr beliebt, bis zu dem Punkt, an dem ein Großteil der Armagnacs diese Hybridsorte zumindest in Anteilen enthielten. Mitte der Neunziger des letzten Jahrhunderts fiel sie dann in Ungnade, wurde und wird weitflächig aus den Weinbergen entfernt und durch Ugni Blanc und die wiedererstarkte Folle Blanche ersetzt. Der Grape of the Art De Belair 1993 Bas Armagnac besteht rein aus Baco, daher ist das auch für mich ein interessanter Quervergleich mit anderen Armagnacs, die auf Rebsortenmischungen oder andere Sorten setzen. Im November 1993 wurde gebrannt, im November 2021 abgefüllt, 120 Flaschen in Cask strength mit 52,2% ergab das.

Grape of the Art De Belair 1993 Armagnac

Farblich ist da gebranntes Siena, ein Braun mit leicht rötlichen Reflexen, dem Lagerungsalter von 27 Jahren durchaus angemessen; das Fass mit der Nummer 8L hat im trockenen Keller ganze Arbeit geleistet.

Die Eindrücke der Nase sind, passend zur Jahreszeit, in der ich diese Sätze schreibe, sehr angemessen: Rotbackige Äpfel sehe ich da vor meinem inneren Geruchsauge, vielleicht sogar Bratapfel, mit Muskatnuss und Zimt gewürzt; Malz ist da, aber auch sehr viel Steinfrucht, Pfirsich und Pflaumen vor allem. Und, da kommt der Apfel wieder durch, mehr als nur eine Erinnerung an Calvados.

Am Gaumen setzt sich das fort, die freche Frische aus Kümmel und Apfel erzeugt eine wirksame Bittere, aber ohne eine harte Kante. Leichte Teerigkeit deutet auf die Produktion in der typischen Armagnac-Brennweise hin, da ist man noch sehr rustikal unterwegs. Sehr angenehm wirkt der De Belair in der Struktur: ideal ausbalancierte Süße und Säure, mit ganz mildem, aber vorhandenem weißen Pfeffer, der das weiche Mundgefühl vom Einfachen ins Erwachsene dreht. Der Abgang ist dann eher kurz, bleibt aber elegant, der Kümmel kommt nochmal kurz hoch und gibt dann hopfigen Jasmin im Nachhall Platz, mit feiner Wärme.

Ein toller Armagnac, rund und edel, bei dem trotz des Alters viele Fruchteindrücke erhalten bleiben, und das Holz diese wunderbar ergänzt.

Offenlegung: Ich danke Grape of the Arts für die kosten- und bedingungslose Zusendung dieses Samples.

Holz erzählt Geschichten – Storywood Tequila

Ich gebe es gerne zu, als ich die ersten Produkte von Storywood Tequila gesehen habe, dachte ich mir – was ist denn das. In einer Zeit, in der die Grenzen zwischen Spirituosenkategorien extrem durchlässig geworden ist, hatte ich wirklich den Eindruck, dass ich hier eine irre Mischspirituose vor mir habe, in der Tequila und Scotch Whisky miteinander vermischt werden. Die Etiketten haben diese Vorstellung auch irgendwie befeuert, mit gleichwertiger Schriftgröße für die Keywords „Tequila“ und „Speyside“, „Reposado“ und „Single Malt“, und dazu diese farbliche Halbierung des Etiketts – es dauerte etwas, bis ich das Konzept verstanden habe. Hier wird nichts gemischt, sondern Tequila in Whiskyfässern gereift, also viel weniger exotisch, als zumindest ich es auf den ersten Blick vermutet hatte.

Tequila wird eigentlich oft eher in Ex-Bourbon-Fässern gereift, daher ist der ausschließliche Einsatz von Scotch-Fässern durchaus etwas besonderes. Welcher Speyside-Single-Malt vorher genau im Fass war, bevor der Tequila hineinkam, ist natürlich nicht so direkt herauszubekommen, da greifen die Geheimhaltungsmechanismen der Fasshändler ziemlich gut, sogar der Verwender der Fässer weiß oft nicht, welche Brennerei Vorbesitzer war. Der Tequila selbst wird dagegen klar bei La Cofradia (NOM 1137) hergestellt, wo auch Casa Noble und rund zwei Dutzend weitere Marken herkommen. Ganz klassisch läuft das ab: 10 Jahre alte Weberagaven werden traditionell geerntet, deren Herzen 72 Stunden in Steinöfen geröstet und der Saft dann mit Schraubenmühlen extrahiert. Wilde Hefen können dann 7-12 Tage ihre Arbeit tun, bevor dann mit Kupferpotstills zweimal destilliert wird. Und schließlich kommen die Speyside-Fässer zum Einsatz – Storywood Tequila bietet ausschließlich gereifte Tequilas an, keinen Blanco. Das Sampleset, das ich erhalten habe, beinhaltet alle ihre Ausprägungen; da steht uns eine spannende Reise bevor!

Storywood Tequila

In klassischer Vielverkostermanier beginnen wir mit dem leichtesten, jüngsten, und steigern uns dann. Also steht erstmal der Storywood Tequila Speyside 7 Reposado 40% vor mir im Glas. Die Zahl „7“ auf dem Etikett bedeutet hier Monate, nicht Jahre, wie man das vielleicht von Whisky gewohnt ist – bei Tequila ist das durch die Alterskategorie „Reposado“ eigentlich klar, denn dieser ist immer unterjährig gereift. Farblich äußern sich diese 7 Monate in einer strohigen, blassgoldenen Farbe. Beim Gerucht bin ich direkt zuhause; ich hatte in letzter Zeit zuviele Tequilas, die in der Nase praktisch neutral waren, hier findet sich sofort und direkt sehr viel Agave, und unterstütztend etwas Zimt, etwas Vanille, dazu etwas Kies und grüne Blätter. Gefällt mir sehr.

Storywood Tequila Speyside 7 Reposado 40%

Die Nase geht recht übergangslos in den Geschmack über, das setzt sich fort, wie man es erschnuppert hatte. Volle Agave, eine angenehme Balance zwischen Trockenheit und Herbe im Mundgefühl, mit schöner Pfeffrigkeit und Anflügen von Haselnuss, Karamell und Muskatnuss. Das klingt jetzt komplexer, als der Reposado wirklich ist, doch das Geschmacksbild ist einfach sauber und rund, typisch und ohne die Wurzeln aufzugeben, aus denen so ein Destillat entsteht. Das Fass wird zwar groß auf dem Etikett vermarktet, doch es gibt praktisch keine Single-Malt-Aromatik ab, etwas, worüber ich gar nicht böse bin – in Zeiten von Whiskys und Rums, die nur noch nach dem Fassfinish schmecken, ist so ein sauber gebliebener Tequila eine Wohltat. Ich finde das in dieser Form als wirklich gut gemacht, trinkig und leicht, aber nicht banal. Ein Everyday-Sipper, würde ich sagen.


Doppelt so lang wie der Reposado war der Storywood Tequila Speyside 14 Añejo 40% im Scotchfass, und man ahnt das schon anhand der leicht kräftigeren, aber immer noch eher strohigen Farbe. Im Glas liegt er schwer, zeigt schöne Viskosität beim Schwenken. Die Nase ist absolut höchstattraktiv für den Tequilafreund, da erkennt man wunderbar die Agavenfrucht, kombiniert mit ordentlich Zimt und viel Vanille – mit zunehmender Offenstehzeit verfliegt das etwas, bleibt aber typisch und klassisch. Etwas Mineralität übernimmt nun, leicht grünes Holz, würziger und pikanter. Mir fehlt nur etwas Tiefe bei diesem Añejo.

Storywood Tequila Speyside 14 Añejo 40%

Das bleibt auch der Kritikpunkt im Geschmack – während er aromatisch angenehm leicht und frisch ist, das Holz der Agave noch viel Raum lässt und eine saubere, milde Süße das Geschmacksbild prägt, so bleibt er doch etwas blass in der Ausdrucksstärke. Initial ist da milde Nussigkeit und der Ansatz von dunkler, aber nicht wirklich bitterer Schokolade, und auch die Agave ist noch sehr klar definiert. Besonders im späteren Verlauf verblüht dann aber so einiges an Aromen schneller, als gewünscht, und geht in eine allgemeine, dennoch recht angenehme Floralität über, mit leicht grünen Blättern und Rosenblüten. Insgesamt ist dieser Tequila trocken und am Ende recht herb, vielleicht sogar leicht pfeffrig und holzig, doch dies ist für mich eher ein Qualitätszeichen denn ein Mangel – hier finden sich Single Malt und Tequila auf einer sehr gerechten Ebene zusammen: Elegant und leicht.


Das Etikett des Storywood Tequila Speyside 7 Reposado 53% deutet es an – die blaue Fläche fehlt, das könnte ein cleverer Weg sein, darauf hinzudeuten, dass wir einen Tequila in Fassstärke (also ohne zugesetztes „blaues“ Wasser und mit 53% Alkoholgehalt) vor uns haben. Ich vergleiche diesen stärkeren Tequila in der Nase natürlich mit dem auf Trinkstärke herabgesetzten kleiner Bruder. Erstaunlich, dass sich die Agave hier sehr deutlich zurückzieht, fast verschwindet, und einer schweren, recht allgemeinen, süßen Alkoholnote den Vorrang gibt, das geht schon fast ins Wodkahafte über. Die Mineralität eines Tequila ist noch erkennbar, auch etwas Vegetales, aber im Vergleich ist der Zauber weg.

Storywood Tequila Speyside 7 Reposado 53%

Im Mund kommt er dann aber wieder etwas zurück, zeigt sich hier voluminös und dicht, mit viel Power, sowohl von der alkoholischen als auch der aromatischen Seite. Honig, Nussmischung, Nougatschokolade, verbunden mit der Pflanzlichkeit der Agave, ohne dass diese dramatisch im Vordergrund steht, hier bindet sie sich ins Ensemble ein. Im Verlauf kommt klare Pfeffrigkeit auf, die dann sogar ins Chilihafte übergeht, das kitzelt die Zunge ordentlich und brennt im Rachen, ohne unangenehm zu werden – im Vergleich zum verdünnteren Bruder ist das sehr wuchtig und erwachsen. Die Klarheit und Süffigkeit macht Platz für Kraft und Schwere; statt einem jungen Mustang haben wir hier einen fetten Stier vor uns. Wäre die schwache Nase nicht, würde ich jubeln; so bleibt dennoch ein starker Eindruck.


Die Standardabfüllungen haben wir damit hinter uns, kommen wir zu den auch im Set enthaltenen „Limited Editions“, in denen zum Teil die Idee des Scotchfassreifens aufgegeben wird. Im Storywood Tequila Sherry 7 Reposado 53% hat man stattdessen ein Oloroso-Sherryfass verwendet und nach 7 Monaten in Fassstärke abgefüllt. So ein frisches Sherryfass hat natürlich eine ganz andere Färbungskraft, das sieht man hier – der Tequila wird bernsteinfarben, mit orangenen und goldenen Lichtreflexen. Auch geruchlich findet man hier viel fruchtigere Noten, die die aber immer noch dominierende Agave und nun sehr erkennbare Mineralität mit Rosinen, getrockneten Pflaumen und gedörrtem Apfel unterfüttern. Wie schon bei einem der Vorgänger fällt mir auf, dass die durchaus schönen Aromen schnell verfliegen, leider.

Storywood Tequila Sherry 7 Reposado 53%

Weich und mild, rund und voll, ohne dabei zu zahm zu werden, so zeigt sich der Sherry Reposado dann im Mund. Vanille, Honig, die aufgezählten Trockenfrüchte, etwas holzig-graphitiges Bleistifthaftes dazu, und Nougat definieren den Antrunk und einen großen Teil des Verlaufs, bevor dann gegen Ende kräftiges, leicht bitteres Feuer aufkommt, das vor allem die Zunge ordentlich kneift und zwickt. Hier gehen die Aromen dann schnell, wie auch schon in der Nase, verlustig, es bleibt eine geschmacksarme, trockenbittere Grasigkeit mit viel Beton und Kies zurück, doch schon astringierend und wenig gemütlich. Der Abgang ist wirklich nicht so richtig schön, wirkt sehr unrund und eckig, da passt kaum etwas gut zusammen, und leider ist das der Eindruck, der am Ende übrig bleibt. Da sind die scotchfassgereiften Produkte gefühlt sauberer und feiner.


Ein weiteres Experiment ist die begrenzte Abfüllung des Storywood Tequila Double Oak Añejo 53%. Hier hat man den Mittelweg gewählt – halb Speyside-Whisky-Fass und halb Oloroso-Sherry-Fass, man sieht, es wird viel mit Holz herumgespielt bei Storywood, da macht man dem Namen alle Ehre. Auch hier landet der Tequila dann nach 14 Monaten gemischter Reifung in cask-strength bei uns. Das ist durch den Sherryteil natürlich schon sehr dunkel selbst für einen Añejo, geht farblich fast schon ins Terracotta über. Ansprechende Viskosität zeigt sich beim Schwenken. Die Nase findet sofort die gekochte Agave, mit klarer Mineralität und leichte Vegetabilität. Eine Zuckerwatteschicht liegt darunter, gemischt Vanille, Erdbeer und Pfirsich, immer noch natürlich wirkend, nicht künstlich aufgemotzt, wie das für Tequila ja leider durchaus erlaubt ist. Ein insgesamt angenehmes Duftbild!

Storywood Tequila Double Oak Añejo 53%

Im Mund zeigt sich eine sehr schöne Strukur, die Mischung aus schwerer Süße, klarer Mineralität und pikanter Würze wirkt durchdacht und konsequent, das liegt wirklich gut im Mund, während die Agaven- und Holzaromen gleichberechtigt miteinander spielen. Der Kritikpunkt der rein sherryfassgereiften Version ist verschwunden, hier wirkt alles aus einem Guss und rund. Sowohl Breite und Tiefe zeigen sich, Bittere und Säure sind wunderbar balanciert, Körper und Leichtigkeit kann man beide fühlen. Man merkt – das gefällt mir sehr. Ein leicht grüner, leicht floraler Nachhall ist auch von ansprechender Länge, so dass man eine Weile was von jedem Schluck hat: Der Double Oak überzeugt mich einfach auf ganzer Linie.


Was bleibt? Erstmal die klare Feststellung, dass meine anfängliche Skepsis bezüglich einer Spirituosenmischform keinerlei Berechtigung hatte, der Storywood Tequila ist genau das, was er ankündigt: Ein Tequila mit Reifung im Single-Malt-Fass. Ersterer dominiert die Aromatik ganz klar, letzteres liefert höchstens Anflüge von Aromatik, dient eher zur Ausdefinierung, eigentlich so, wie es sein soll. Gerade das Fehlen der oft von einem Bourbonfass mitgelieferten Schwere und Süße zugunsten einer klareren Würzigkeit macht den Storywood Tequila besonders, leicht, frisch, elegant und sauber. Ja, mir fehlt in einem Teil der Abfüllungen etwas an Komplexität und Expressivität (ich nehme den Double Oak davon aus), dennoch trinkt sich das spaßig und unaufgeregt – ein gut gemachter, sehr professionell gereifter und süffiger Tequila.

Die Etiketten sind hübsch im Retro-Stil gemacht, aber, wie zu anfang schon erzählt, etwas schwer zu verstehen, da muss man wirklich oft draufschauen, um zu wissen, was man da vor sich hat, und vor allem auch, was der Unterschied zwischen den Ausprägungen ist. Optisch gefällt mir das zwar, aber ein Rücketikett mit klarer strukturierten und besser lesbaren Fakten würde ich mir wünschen (vielleicht ist das bei der Großflasche ja der Fall, dann nehme ich das zurück). Das Set ist in Anthrazit gehalten, und man hat sich beim beiliegenden Booklet für einen Schiefer-Look entschieden – auch das passt gut ins grundsätzliche Design. Dass überhaupt so ein Booklet vorhanden ist, empfinde ich schon als wirklich schöne Sache; da merkt man, dass Profis am Werk sind, die wissen, wie man Kunden mit kleinen Gimmicks ködern kann, ohne sie übers Ohr zu hauen. Wer Lust auf einen Tequila hat, der Spaß macht, und dabei typisch bleibt und der Agave die ihr zustehende Ehre zukommen lässt, der kann zugreifen – sie sind nicht superbillig, für die gelieferte Leistung aber ehrlich bepreist, denn einen guten Tequila bekommt man halt einfach nicht nachgeworfen.

Offenlegung: Ich danke Tequila Kontor für die kosten- und bedingungslose Zusendung dieses Sample-Kits.

Bier am Freitag – Gouden Carolus Tripel und Whisky Infused

Ich hatte in den letzten Jahren viel Gelegenheit, nach Belgien zu fahren und habe das Land irgendwie schätzen gelernt. Natürlich sind es erstmal die Belgier selbst, ein paar davon treffe ich regelmäßig und wir haben immer viel Spaß, sei es Ulric, Dimitri, Didier, Stephane oder Etienne, und auch zugewanderte Belgier wie Marco, oder am besten alle zusammen. Meist geht es dabei dann um Spirituosen, aber das Bier ist immer auch irgendwie mit dabei, kein Wunder, ist es doch ein wichtiger Bestandteil der belgischen Lebensart und Kultur. Heute habe ich darum gleich zwei belgische Biere der Brouwerij Het Anker in Mechelen im Angebot – Gouden Carolus Tripel und Gouden Carolus Whisky Infused. Die edel gestalteten Flaschen gefallen schonmal sehr – mal schauen, was das Bier kann.

Gouden Carolus Triple und Whisky Infused

Wer Schaum mag, wird das Gouden Carolus Tripel lieben – da ist dichter Schaum beim Eingießen, und auch noch einige Minuten danach, der aus allerlei Blasengrößen besteht, von winzig bis riesig. Die Perlage ist kräftig und hält ihn am Leben; schön ist der Kontrast zwischen eierschalenfarbenem Schaum und einem hellen Gelbbraunton des Biers selbst, der durch die starke Trübung noch gestützt wird.

Gouden Carolus Triple

Die Nase ist fruchthopfig, Mango, Grapefruit, unterfüttert durch eine würzige Malznote. Sehr hübsch und attraktiv, ohne sich übermäßig aufzudrängen, bei der empfohlenen Trinktemperatur von 5-7°C wäre es auch ein Wunder, wenn da sehr viel mehr zu finden wäre – ich halte mich nicht immer an so eine Empfehlung, aber bei diesem Bier passt es einfach.

Im Mund wirkt das Bier sogar noch deutlich fruchtiger als in der Nase, Mango- und ganz stark Litschiaromen bilden sich, dazu eine Rosenblütigkeit, die wirklich sehr apart dazupasst. Die Süßsauerbalance ist sehr gut getroffen, ebenso die milde Herbe, die das weiche Mundgefühl etwas ausgleicht. Die Textur ist fett, doch zusammen mit der oben angesprochenen Kühle sorgt die Karbonisierung für dennoch gute Rezenz und Frische, und runde 9% Alkoholgehalt machen Spaß.

Der Abgang ist sehr kurz, hier kippt das Bier etwas ins Metallische und Bittere, das passt nicht so hundertprozentig zum bis dahin wirklich sehr runden Gesamteindruck; das sollte aber nicht stören, wenn so viele Blüten, Rosen, Jasmin und Frangipani, noch so lange nachklingen. Ein wirklich ausgesprochen blumiges Bier!


Man hat ja hin und wieder Biere, die durch Fasslagerung in alten Whisky- oder Rumfässern aromatisiert werden. Beim Gouden Carolus Whisky Infused hat man sich das gespart und den hauseigenen Gouden Carolus Single Malt einfach direkt mit ins Bier gemischt. Das Ergebnis ist ein Biermischgetränk mit üppigen 11,7% Alkoholgehalt, das anschließend flaschengereift wird.

Gouden Carolus Whisky Infused

Dunkles rostbraun, geht in Richtung gebrannte Siena. Volltrüb, am Boden des Glases kann man einen Anflug von helleren Tönen erkennen. Der Schaum ist fett und feinblasig, optisch sehr ansprecehnd durch die beige Farbe und die einzelnen dicken Blasen, die im Schaumbett schwimmen. Zwei Dinge springen die Nase an – das dunkle Malz, das an Trockenfrüchte und leicht herbe Röstaromen erinnert, und darüber erkennbar der frischere, hellere Whiskyton. Ganz typisch für ein mit Whisky behandeltes Bier, das kenne ich von vielen anderen Produkten sehr ähnlich. Leicht marmeladig, tropische Früchte, mit zunehmender Temperatur fruchtet das Bier weiter auf und lässt das Malz hinter sich. Sehr mild und attraktiv!

Im Mund ist das Bier überraschend süß, ich hatte mit mehr Säure gerechnet. Die Textur tut ihr übriges dazu, das ist wirklich fast schon wie ein Marshmallow, so richtig um darauf rumzulutschen und -kauen. Ich finde es toll, dass bei all dem weichen Süßkram die Rezenz nicht zu kurz kommt, das Bier wirkt frisch und hat dank Karbonisierung und sich im Verlauf aufbauender, knackiger Säure genug Erfrischungspotenzial: Ein toller Entwicklungsbogen. Whiskyaromen sind dezent vorhanden, mehr sogar noch im Nachklang als im direkten Geschmack, man fühlt die Berührung des Single Malts sehr schön, ohne, dass er komplett das Bier übernimmt. Der Abgang ist extrem blumig, voller Jasmin, geht dabei fast schon ins Kaugummiartige über. Sehr rund gemacht, mit wunderbarer Süßsauer-Balance, und einem wirklich gut integrierten Whisky. So mag ich das!


Zwei Biere, sehr unterschiedlich, aber mit dennoch hoher Typizität für belgische Tripels. Die Brauerei Het Anker hat noch diverse andere Biere dieser Marke im Portfolio, ich denke mal, bei meinem nächsten Belgientrip werden die mit in die Liste der mitzubringenden Hopfengetränke aufgenommen!

Pioniere habens schwer – Revolte 2014 MTQ

Manche Spirituosen haben es schwer bei mir. Die landen in meiner Heimbar, ich finde sie toll, aber irgendwie rutschen sie nach hinten und neue Dinge drängeln sich nach vorn. Das passiert andauernd, bei einer Flaschenzahl von nahezu 500 ist das irgendwie auch gar nicht anders denkbar, vor allem, da wöchentlich etwas passiert, was mich meine Besprechungsprioritäten überdenken lässt. Aber eine richtig gute Spirituose lässt sich davon nicht kleinkriegen, die bleibt im Gedächtnis haften, und man denkt immer wieder mal daran, und irgendwann kommt ihr Moment, wo sich der Rezensent ihr einfach nicht mehr entziehen kann, und sie aus dem Regal holt und sich fragt, warum sie so lange dahinten stehen konnte. So ging es mir zuletzt nun beim Revolte 2014 MTQ.

Ich wundere mich ehrlich, dass bei einer limitierten Flaschenzahl von 377 (meine Flasche hat Nummer 161) dieser Rum immer noch online zu bekommen ist – während ich den Artikel hier schreibe, recherchiere ich natürlich über die Verfügbarkeit, und ich war fest davon überzeugt, dass es wieder mal einen paläontologischen Bericht über längst getrunkenen Schnaps geben wird. Doch weit gefehlt, eine Freude, dass meine Besprechungsträgheit doch noch Früchte im aktuellen Leben tragen kann! Im aber doch wahrlich nun schon archaischen August 2014 wurde der Revolte 2014 MTQ destilliert, lagerte dann 3 Jahre im Ex-Rhum-Agricole-Fass (genauer gesagte Martinique, daher das Kürzel „MTQ“), und wurde dann laut handschriftlicher Eintragung im September 2017 abgefüllt – und weitere 5 Jahre später schreibe ich diesen Artikel. 56% Fassstärke-Alkoholgehalt, Single Cask, dramatische 21% Angels‘ Share – das sind Daten, wie ich sie mag. Raus mit dem markanten Korken, rein mit dem Rum ins Glas, ich habe zulange gewartet, um jetzt noch zu zögern.

Revolte 2014 MTQ

Pastellgold, eine ehrliche Farbe für die eingesetzte Reifedauer und das Material, finde ich – nicht, dass ich Felix Kaltenthaler je unnötige Färbung vorwerfen würde. Leicht und beweglich ist der Rum im Glas, fühlt sich optisch an wie Weißwein, bis auf die Rückstande an der Glaswand natürlich, die geradlinig in Beinchen ablaufen.

Das Glas, an die Nase gehalten, gibt direkt eine extrem florale, fast schon seifige Parfümnote ab, ohne dabei ins Artifizielle zu kippen, das wirkt natürlich und blumig, wie ein Strauß duftender Frühlingsblumen. Veilchen, Lavendel, Rosenblätter – sehr überraschend, im positiven Sinne. Die Rums aus dem Hause Kaltenthaler haben eine sehr hohe Typizität, man erkennt auch hier sofort die Handschrift des Brenners, denn unter den Blüten liegt dunkelfruchtige Melasse mit viel Pflaume, grasige Komponenten, Zedernholz und freche, zitrusfrische Zestigkeit. Eine schöne Kombination, ungewöhnlich, ansprechend.

Revolte 2014 MTQ Glas

Im Mund zeigt sich zunächst eine sehr weiche, süßliche Textur, die sich zart an den Gaumen legt, mit freundlichen und nussigen Aromen von geschälter Mandel, Anflügen von Milchschokolade und dunkler Fruchtmarmelade, Pflaumen und Datteln. Der Verlauf ist dann aber anders, kräftige Frucht drängt sich klar nach vorn, eine fast an Weinbrand erinnernde Traubigkeit entsteht, die auch eine fast heiße Würze mit sich bringt und aber den Alkoholgehalt nicht zu überdecken versucht oder vermag. Im Abgang wird der Rum deutlich holzig und trocken, mit astringierendem Gaumenfeuer. Die Süße des Antrunks, die durchgängig erhalten bleibt, fängt das zum Teil auf. Der Nachhall ist dann wieder anders, sehr kräuterig und gewürzlastig, mit viel Kardamom und einer Idee von Lakritz, Kaffee und Piment.

Man sieht, ein extrem vielschichtiger Rum, mit einem spannenden Erzählbogen, der verschiedenste Eindrücke aufsammelt und wiedergibt. Das wird nie langweilig, insbesondere, weil das in keinster Weise ein bequemer Rum ist – nein, da ist Verve drin, Energie und Dynamik, man erkennt so richtig die Persönlichkeit Felix Kaltenthalers: ein Brennerrum, in dem man spürt, mit wieviel Herzblut rangegangen wurde.


Man sieht, ich halte viel von Revolte im Allgemeinen und dem Revolte 2014 MTQ im Speziellen – soviel, dass ich überhaupt keinen Gedanken daran verschwende, ob der Rum in einem Tiki-Cocktail, der auch getorften Whisky enthält, nicht untergehen könnte. Ha! Keine Sekunde des Zweifels gibt es da, weder bei der Wahl des Rezepts für diesen Rum, noch beim Mixen des Between Scylla & Charybdis, noch beim Trinken danach. Den MTQ schmeckt man raus, auch gegen den hierfür verwendeten Laphroaig.

Between Scylla & Charybdis Cocktail

Between Scylla & Charybdis
2oz / 60ml gereifter Rum
½oz / 15ml Cynar
1½oz / 45ml Grapefruitsaft
⅓oz / 20ml Limettensaft
⅓oz / 20ml getorfter Whisky
Auf crushed ice shaken, dirty dump, mit crushed ice auffüllen.

[Rezept nach servedbysoberon]


Neben dem geschmacklichen Wiedererkennungswert, den ich oben schon erwähnt hatte, setzt Revolte auch voll auf den optischen – die Flasche ist markant und einprägsam, sie wurde schon bei allen anderen Produkten des Hauses verwendet, manchmal leicht variiert durch Vermilchglasung oder Mattierung des Glases. Ich mag diese Form und den tollen Korken einfach sehr, die macht was her, liegt gut in der Hand, und, wie gesagt, man muss sie selbst im übervollen Flaschenregal nicht wirklich suchen, die Revolte-Rums findet man immer schnell. Handschriftlich eingetragene Details sind darüber hinaus auch immer angenehm zu betrachten.

Rein geschmacklich ist der Revolte 2014 MTQ wahrscheinlich eher was für den Kenner, der wilde Aromen und kräftige Strukturen im Brand mag, aber das ist ja schon im Namen der Marke festgehalten – hier wird nicht dem gemütlichen Gaumen des müden Durchschnittstrinkers geschmeichelt, sondern eine freche Attacke gefahren. Ein Rum, der sich den modernen, kantigen Single-Cask-Rums aus Jamaica, Guadeloupe oder auch Mittelamerika annähert, ohne die deutschen Wurzeln aufzugeben, aus denen er vor vielen Jahren als Pionier hervorgegangen ist. Revolte eben.

Dreimal Jamaica – Rum Artesanal Jamaica WP 2007, Clarendon 2009, HD 1993

Sonntag mittag, kühleres Wetter, da versetzt man sich gerne in Gedanken auf eine Karibikinsel – und Rum Artesanal unterstützt uns dabei mit ihren Jamaica-Abfüllungen aus dem April 2022. Hier ein paar Eindrücke meiner kurzen Erlebnisreise durch drei Brennereien auf Jamaica!

Rum Artesanal Jamaica WP 2007, Clarendon 2009, HD 1993

Rum Artesanal Jamaica WP 2007, 59,1%, 02/2007-04/2022. Interessante Mischung aus der WP-Typizität und Plastiknoten. Grapefruitzeste, Lavendel und Kaffeepulver. Gewöhnungsbedürftig, aber irgendwie trotzdem stimmig. Auch am Gaumen ähnlich strukturiert, säuerlich, Plastik und bittere Zestigkeit, superviel Lavendel. Trocken, astringierend, dennoch weich und warm. Kaffee, Grapefruitsaft und Vanille klingen im feurigen Abgang nach. Ungewöhnlich, aber spannend!


Rum Artesanal Jamaica Clarendon EMB 2009, 64,3%, 12/2009-04/2022. Gewürz und überreife Frucht, leichte Floralität, feuchtes Holz und Heu und blühendes Heidekraut, Oregano und sehr schönes, aromatisches Eukalyptus. Lack und Klebstoff, gut eingebunden. Sehr interessant zu schnuppern. Salzig und heiß, bitter, sehr kräuterig, Kardamom, Piment, Ingwerschärfe, teerig und dreckig. Pikant würzig. Im Abgang erfrischend mentholisch und lang, eiskalt mit viel Spearmint bis tief in den Magen.


Rum Artesanal Jamaica HD 1993, 63,5%, 09/1993-04/2022. Ich rieche das Glas, das ich mir eingeschenkt hatte, einen Meter entfernt. Volle, reife aber nicht überreife Frucht, Ananas, Banane, sehr esterig, aber nicht so dreckig wie viele andere Hampdens, mehr Nougat und Toffee. Sehr angenehm, frisch und leicht. Im Mund deutlich dreckiger, sehr viel esteriger, erinnert schon sehr an Baijiu. Deutlich trocken und astringierend, dabei breit und tief, bis lange nach dem Abgang aromatisch dicht und stark. Mir gefällt die schokoladige Süßwürze, die den ganzen Brand durchdringt. Typisch, aber mit Twist!


Offenlegung: Ich danke Rum Artesanal für die kosten- und bedingungslose Zusendung der Samples.

„Best of Bio“-Gewinner – Quadro Nuevo Rhabarber Aperitif

„Bio“ ist heute kein verrücktes Konzept mehr. Die Bilder von birkenstocktragenden, haarigen Hippies im selbstgestrickten Pullover, die man früher gern gleichzeitig dazu bemühte, sind längst veraltet und vergessen, man muss nicht mehr ins Reformhaus, um Produkte zu kaufen, wenn einem Themen wie Gesundheit, Nachhaltigkeit, Transparenz und Regionalität wichtig sind. Tierwohl und soziale Gerechtigkeit gehören inzwischen selbstverständlich mit zur Idee der biologisch ausgerichteten Lebensmittelproduktion – und sogar Discounter spüren, dass ganz normale Konsumenten heute, wenn sie wirklich die Wahl haben, oft genug den notwendig höheren Preis akzeptieren, um sich und der Welt etwas Gutes zu tun. Wir bewegen uns sogar auf Zeiten zu, in denen durch steigende Rohstoffpreise manchen erst klar wird, dass der höhere Preis der nachhaltigen Produktion der eigentlich vernünftige ist, und die Billigware jemals überhaupt nur deswegen billig sein konnte, weil irgendjemand dabei ausgebeutet wurde, sei es Mensch, Tier oder Natur.

Auch in der Spirituosenbranche sieht man eine Biozertifizierung immer häufiger – hin und wieder in internationaler Sprechweise dann mit „organic“ gelabelt, wie beim sprachlich wild durcheinander gewürfelten Quadro Nuevo Rhabarber Aperitif aus der Destillerie Dwersteg im Münsterland. Die Zertifizierung verdient man sich hier mit nachhaltiger Produktion und der Verwendung natürlicher Zutaten aus kontrolliert biologischem Anbau. Direkt gepresster Rhabarber und Kräuterauszüge statt künstlicher Aromen sind dabei natürlich nur die direkt sichtbare Oberfläche, dahinter steckt ein traditions- und qualitätsbewusstes Familienunternehmen, das neben denen der Produktion auch hohe Standards in Lieferanten- und Angestelltenbeziehungen setzt – und auch über den Tellerrand der Spirituosenwelt blickt; der Name und das Etikett des Aperitiflikörs spielt so nicht auf die Inhalte an, sondern wurden von einer befreundeten Weltmusikband geliehen. Prüfen wir mal, ob da wirklich Musik in der Flasche ist!

Quadro Nuevo Rhabarber Aperitif

Die Farbe ist leuchtend golden, man sieht deutlich Partikel darin schweben, insbesondere in der Flasche, wenn sie schon eine Weile herumgestanden hat. Das nehme ich erstmal nicht als Mangel, bei einer handwerklich hergestellten Spirituose: Filtern wäre hier sicher möglich, aber es entzieht ja auch automatisch Aroma.

In der Nase wirkt der Quadro Nuevo dann so richtig fruchtig, er drängt sich nicht auf, bietet aber eine sehr aromatische Mischung aus Düften von reifer, gelber Frucht, erinnert mich persönlich eigentlich schon mehr an Aprikose, Pfirsich und Quitte, als an Rhabarber, aber das mag daran liegen, dass ich frischen Rhabarbersaft nicht kenne. Hell, frisch und leicht, Anklänge von Zitruszeste, und unterschwellige Kräuterwürze. Sehr ansprechend, besonders spannend ist, dass bei einem so leichten Produkt mit nur 18% Alkoholgehalt immer noch soviel Aromatik drinsteckt.

Quadro Nuevo Rhabarber Aperitif Glas

Ein erwartet leichter Körper grüßt uns dann beim ersten Schluck im Mund. Das wirkt, wie schon in der Nase, auch hier voll und dicht, ohne zu beschweren, die Kategorie des Aperitif ist toll getroffen. Hier zeigt sich dann auch das, was ich von Rhabarber erwarte, die Säure: sie ist deutlich ausgeprägt, ohne kratzig zu werden, wird von einer Basissüße gut aufgefangen. Auch im Geschmack wird der Rhabarber erkennbarer, das ist mildbitter und trockener, mit leichter Astringenz, und bildet am Ende sogar eine schöne Jasmin-Blütigkeit aus, die sehr lang am Gaumen bleibt. Man hat wirklich lang was an einem Schluck – expressiv und charaktervoll, das ist trinkig und schlüssig gemacht.


Es gibt ja viele leichte Drinks, die auf der inzwischen wohl bekanntesten aller Aperitif-Spirituosen Lillet basieren, da muss man nicht weit schauen. Ich empfehle, den Lieblings-Lillet-Drink einfach mal stattdessen mit diesem deutlich aromatischeren und spannenderen Aperitif zu mixen, das macht das Erlebnis viel wuchtiger und dichter. Oder alternativ den Bastille auszuprobieren, um eine ganz besonders dramatische Begegnung mit Cocktails zu erfahren.

Bastille Cocktail

Bastille
1½ oz Armagnac
¾ oz Lillet Blanc (oder eben Quadro Nuevo Rhabarber Aperitif
)
¾ oz Bénédictine
2 Spritzer nussige Bitter
Auf Eis rühren. Auf Eis servieren.

[Rezept nach Robert Weeks]


Quadro Nuevo ist mir zweimal unabhängig voneinander begegnet. Der Erstkontakt war über eine unerwartete Postsendung von Jörg Mayer, der den Aperitif in seinem Shop bei Trinkabenteuer vertreibt, und mir freundlicherweise einige seiner Produkte zum Probieren zur Verfügung stellte. Daher war mir der Rhabarberdrink kein Unbekannter, als er dann, ein halbes Jahr oder so später, bei Best of Bio 2022 in Schwaz/Tirol auf dem Tisch der zu verkostenden Produkte stand.

Best of Bio ist eine Veranstaltung der anderen Art. Nur Hersteller, die einen Hintergrundcheck durchlaufen und nachweisen, dass sie in mehreren Kriterien biologisch arbeiten, können dabei überhaupt berücksichtigt werden – nicht nur das Produkt selbst muss zertifiziert sein, auch die Beziehung zu Lieferanten und Angestellten muss hohen Ansprüchen genügen. Doch so einige Einreicher haben das mit ihren Produkten für 2022 geschafft, und die fachkundige Jury aus drei Ländern, die die Organisatoren Jürgen Schmücking und Daniela Senn in Schwaz versammeln konnten, durfte dann im idyllisch gelegenen Biohotel Grafenast mit grandiosem Blick auf das Inntal ran.

Auch der Modus war besonders – „the winner takes it all“ machte die Verkostung zu unterhaltsamen, intensiven Diskussionsrunden, denn statt Punkte und Medaillen zu vergeben, wurde hier nur der gemeinsam gefundene Überzeugendste des jeweiligen Flights ausgewählt; hin und wieder gar nicht einfach bei dem grundsätzlich hohen Niveau der eingereichten Produkte aus Österreich, Deutschland, der Schweiz, Italien und anderen Ländern.

Mich wundert es nicht, dass Quadro Nuevo bei der Best-of-Bio-Verkostung dann auch einer der Gewinner war. Das Produkt macht Spaß, es passt in den Zeitgeist des Low-ABV-Trends, und es hat durch den Nachhaltigkeitscheck des Best-of-Bio-Teams auch nachweisbar seine Biozertifizierung verdient. Mehr Gründe, sich den Quadro Nuevo mal anzuschauen, sollte eigentlich niemand brauchen!


Offenlegung: Ich danke Trinkabenteuer/jrgmyr für die kosten- und bedingungslose Zusendung einer Flasche dieses Aperitifs.

Bier am Freitag – Der Hirschbräu Weisser Hirsch Weizen Hell

Urlaub im Allgäu, was macht man da, außer die atemberaubende Breitachklamm zu besichtigen, aufs Nebelhorn und das Fellhorn zu klettern, die Sprungschanzen zu besichtigen und einen Abstecher ins Kleinwalsertal zu unternehmen? Natürlich trinkt man lokalen Schnaps und Bier. Die Privatbrauerei Höss steht in Sonthofen, eigentlich nur ein Katzensprung von Oberstdorf, wo ich eine Woche verbrachte, dank einer Dauerbaustelle aber ein großer Umweg. Nun, man kann deren Bier auch außerhalb der Brauerei erwerben, und so landete, nach der ausgiebigen Verkostung des regionalen Biers jeden Abend im Hotel auch eine Flasche des Der Hirschbräu Weisser Hirsch Weizen Hell im Rückreisegepäck. Manches schmeckt ja im Urlaub toll, wenn man heimkommt, fragt man sich, wie man das Zeug je saufen konnte – wie sieht es hiermit aus?

Der Hirschbräu Weisser Hirsch Weizen Hell

Der Name fühlt sich passend an, wenn man das Bier betrachtet – ein blasses Sonnenblumengelb ist da zu sehen, vollhefetrüb. Der Schaum ist gut, feinblasig. Richtig fett bananig ist dann die Nase, fast schon wie Bananensaft, unterlegt mit milder Tropenfrucht, Maracuja und Ananas. Sehr angenehm zu schnuppern, kräftig auch bei guter Kühlung.

Die Nase transportiert sich auch an den Gaumen, Banane und Maracuja sind da, nun unterstützt von ausgeprägter Säure, gut gewählter Karbonisierung und Alkoholgehalt (5,2%). Weizen und Hefe kommen schnell nach vorne, sorgen für etwas Abwechslung und Herbe. Der Weisse Hirsch ist frisch und leicht, hat aber angenehmen Körper und Textur. Im Nachklang kommt etwas Bittere auf, die für weitere Erfrischung an heißen Tagen sorgt; und leichte Blumigkeit klingt dann nach.

Ein ausgesprochen süffiges Hefeweizen, das trinkt sich toll und unaufgeregt, hat aber genug Komplexität, um mehr zu sein als reiner Erfrischer oder Essensbegleiter. Es schmeckt zuhause im Saarland genauso gut wie im Alpenhotel in Oberstdorf oder auf der Alm am Christlesee – also lohnt es sich, das Bier von dort zu organisieren, egal, ob man auf eine Urlaubsreise dorthin geht, oder den Lieblingsonlinebiershop bemüht.

Das wilde Kind wird erwachsen – Clairin Communal Ansyen

„L’union fait la force“, salopp übersetzt „Gemeinsam sind wir stark“, steht in geschwungenem Kursiv auf dem Etikett des Clairin Communal Ansyen. Das fungiert hier irgendwie in doppelter Weise. Einerseits ist es der Wahlspruch auf dem offiziellen Staatswappen von Haiti, was vielleicht den stark national geprägten Charakter von Clairin als Spirituosenkategorie betonen soll, andererseits spielt man damit natürlich aber hautpsächlich auch auf den Zusammenhalt der vier Brennereien an, die die Bestandteile für diesen Gemeinschaftsblend bereit gestellt haben, und die wir als interessierte Spirituosenfreund:in inzwischen sehr gut kennen: Sajous, Vaval, Casimir und Le Rocher. Ich habe bereits über einige davon berichtet.

15 Fässer, hauptsächlich mit Rum vorbelegt, aber auch welche, die vorher Whisky beinhaltet hatten, dienten als Basis für den Ausbau. Zwischen April 2017 und Dezember 2018 fand die Reifung statt, das Destillat hat also rund 20 Monate tropische Holzlagerung hinter sich – für andere Spirituosengattungen recht wenig, man muss dabei berücksichtigen, dass man erst vor kurzem begonnen hatte, Clairin überhaupt in Holz zu lagern, über eines der ersten Experimente diesbezüglich hatte ich hier schon geredet und angekündigt, dass wir neben dieser Art limitierter Single-Cask-Abfüllung bald auch Standardabfüllungen dafür bekommen würden. Und wenige Monate später ist er da, der gereifte Standard, und wir gießen ihn uns ins Glas!

Clairin Communal Ansyen

Die Farbe gefällt dem kritischen Auge – hellen Bernstein mit orangenen und fast weißen Lichtreflexen, zusammen mit der nur leichten Viskosität wirkt der Brand leicht und lebendig im Glas. Hübsch auch die dünnen Beinchen mit dickem Kopf, die nach dem Schwenken zügig ablaufen.

Die Nase des Clairin Communal Ansyen hat eine interessante Mischung aus zwei eigentlich sehr verschiedenen Eindrücken: Einerseits ist da klare Grasigkeit, Lakritz, Fenchel und frischer Zuckerrohrsaft; andererseits direkt von Anfang an eine karamellige Buttrigkeit, die irgendwo zwischen Kinopopcorn, Kokosfleisch und gerösteter Mandel schwingt. Da kommt im Verlauf noch etwas Floralität dazu, Lavendel und Rose – man sieht, ein sehr komplexes Bouquet mit vielen Schichten, die sich abwechseln, je nachdem, in welchem Winkel man die Nase ins Verkostungsglas hält. Am Ende meine ich sogar noch etwas Maritimes dazuzuentdecken, leichte Mineralität vielleicht. Alkohol riecht man schon auch, aber ohne, dass er piekst.

Clairin Communal Ansyen Glas

Im Mund tauchen, nachdem die erste Süße direkt den Gaumen belegt, sofort sehr esterige Fruchtnoten auf, überreife, tropische Früchte, ganz besonders leicht teerig gewordene Guaven und vergorene Ananas, vielleicht auch Mirabellen, die man von der Streuobstwiese aufgesammelt hat, nachdem sie schon ein bisschen länger vom Baum gefallen waren. Da ist schon Würze drin, sowohl warmer Zimt und als auch kalter Kardamom, etwas Vanille vom Fass und dann geschmacklich auch diese Buttrigkeit, die man schon erschnuppert hatte, die mit weichem Karamell und fast schon einem Touch von Nougat einhergeht. Nach kurzer Zeit wird die Süße durch kräftige, leicht astringierende Trockenheit abgelöst, die sich brummend auf die Zunge legt und sie kitzelt, überhaupt nicht unangenehm fühlt sich das an, der Alkohol von 49,3% ist sauber integriert, das Geschmacksbild aber schon eher zum „Dreckigen“ hin tendierend, etwas, das man bei derartigen Bränden natürlich sucht, auch wenn sich der deutsche Obstbrenner dabei unwohl fühlen mag.

Im Abgang ist dann eine sehr lange, milde aber wirksame Grasigkeit da, Blattschnitt, grünes Gras, Heu und mit Anflügen von Lakritz und Anis versehen, die gelungene Süßsauerbalance und leichte Salzigkeit saugt noch eine Weile etwas Spucke an, man muss den Brand aktiv aus dem Mund kauen, wenn man ihn loswerden will – aromatisch dicht und effektvoll, ohne dabei zu überdrehen: das Holz hat dem ursprünglich doch wilden, ungezähmten, manchmal schon aggressiven Clairin etwas den spitzen Zahn gezogen und eine wirklich schöne Gemeinschaft aus Aromen erzeugt. Das Holzexperiment ist voll gelungen, finde ich.


Das trinkt sich angenehm pur, im Gegensatz zu vielen ungereiften Clairins, die ich zwar sehr interessant und spannend finde, die mir aber im Purgenuss zu wildaromatisch sind, um das am Abend im Tumbler wirklich genießen zu können. Und natürlich zeigt sich so ein Brand wie der Clairin Communal Ansyen dann auch im Cocktail von seiner besten Seite, die esterige Frucht liefert die sowohl die aromatische Basis für den Cherry Blossom, als auch die Länge und Komplexität, um den Drink nicht zu einem reinen Saftcocktail verkommen zu lassen.

Cherry Blossom Cocktail

Cherry Blossom
1½oz / 45ml leicht gereifter Rum
½oz / 15ml Blue Curaçao
1oz / 30ml Cream of Coconut
1oz / 30ml Ananassaft
¾oz / 23ml Limettensaft
½oz / 15ml Zimtsirup
Auf crushed ice shaken. Mit Zimtstange, Limettenrad und Minze servieren.

[Rezept nach Justin Wojslaw]


Ein paar Worte zur Präsentation – LM&V hat für die von ihnen importierten Clairins eine klare Sprache gefunden, die Flasche ist einfach und gerade, damit will man bestimmt dem ursprünglichen Charakter des Clairin gerecht werden, der gar keine verrückte Flaschenform vertragen würde. Ein funktionaler Plastikkorken wie hier sollte Standard sein heutzutage. Das Etikett ist ähnlich wie bei den anderen Abfüllungen von LM&V künstlerisch gehalten, wir sehen eine Person mit Flasche und Messer in den Händen, deren Körper von einem gemusterten Herz bedeckt wird, dazu viele Symbole, deren Bedeutung sich mir nicht spontan erschließt, aber in der Kultur Haitis sicherlich einen tieferen Sinn haben. Ich weiß zu schätzen, dass hier Bezug auf die Herkunftsregion genommen wird.

Wir sind inzwischen in einer Situation, dass in Deutschland eine Vielzahl von haitianischen Bränden verfügbar ist, nach LM&V/Kirsch ist nun auch FFL-Rum-Brands in den deutschen Import eingestiegen und bietet mehrere Sorten Clairin an. Man hat also eine beträchtliche Auswahl, und damit kommt ja auch automatisch die Qual der Wahl für den Konsumenten, der sich Clairin annäheren will. Wer schon den ungereiften Clairin kennt, und nun auch mal ausprobieren will, wie sich Clairin in Holz gereift anfühlt, der ist sicherlich mit dem Clairin Communal Ansyen bestens bedient, vor allem mit dem guten Preisleistungsverhältnis.

Zuckerrohr aus Indochina – Sampan Rhum Vietnam

Vietnam ist bisher auf meiner Spirituosenliste nicht aufgetaucht. Südostasien ist allerdings im Allgemeinen ein aufstrebendes Gebiet, was Zuckerrohrsaftrum angeht – insbesondere getrieben von Franzosen, die sich dort niedergelassen haben und eigene Brennereien aufmachen. Wie auch hier geschehen beim Sampan Rhum Vietnam. Die Distillerie d’Indochine fermentiert dort frischen Zuckerrohrsaft in Bio-Qualität, und brennt ihn dann in Kupfersäulen. Ungereift und ungesüßt kommt er in die Flasche, in zwei Varianten, die ich heute hier kurz und knapp vorstelle.

Sampan Rhum Vietnam

43%: Kristallklar, leicht ölig. Voll herbfruchtig, hocharomatisch, purer Zuckerrohrsaft mit deutlicher Gewürzkomponente. Sehr mineralisch. Weich am Gaumen, klar, sauber, milde reife exotische Frucht. Sehr angenehme, fast minzige Frische, kühlender Abgang. Grenzt sich aromatisch deutlich von rhums agricoles ab.

65% full proof: Fett und schwer im Glas. Nase wirkt dunkler, grasiger, erdiger. Sehr dicht am Gaumen, keinerlei alkoholisches Stechen. Erdig, mit deutlichen Stallaromen, Heu, gewendete Ackererde im Herbst. Würzig und pikant im Verlauf, mit sehr langem, kaltem Abgang.


Sehr spannende Zuckerrohrsaft-Rums für die Freunde des ungereiften Rums, die eine Abwechslung in der Aromatik suchen! Im Bali Rum Trader sorgt der Sampan Full Proof für echte Wucht und Dichte.

Bali Rum Trader Cocktail

Bali Rum Trader
1⅔oz / 50ml ungereifter Rum
1oz / 30ml grüner Bananenlikör
1oz / 30ml Ananassaft
Auf Eis shaken.

[Rezept adaptiert nach Simon Difford]


Offenlegung: Ich danke Kirsch Import für die kosten- und bedingungslose Zusendung der Samples.

Humor und soziale Ader – Mambulo Premium Rye Vodka

Vor einer guten Woche war ich als Spirituosenjuror wieder mal unterwegs, die German Rum Awards 2022 in Berlin standen auf der Agenda. Im Vorhinein hatte ich mir natürlich angeschaut, wer da sonst am Jurytisch sitzen würde – es war mir eine wahre Freude, endlich Johnny Drejer persönlich kennenzulernen, dessen Arbeit einer der Hauptgründe ist, warum es diesen Blog überhaupt gibt, und ein paar andere Menschen, die mich sehr beeindruckt haben. Es war angedacht, dass auch Maria Gorbatschova als Jurymitglied teilnehmen würde; sie musste leider wegen Krankheit kurzfristig absagen, was ich sehr schade fand, denn ich wollte mit ihr über ein anderes Thema abseits des Rums reden, zu dem sie einiges zu sagen hat – Wodka. In der Augustausgabe der Fachzeitschrift Mixology leitete sie eine Runde über osteuropäischen Wodka, und so kann ich leider jetzt nur, statt sie persönlich interviewen zu können, ihren Text aus der Zeitschrift sprechen lassen.

„Es lässt sich schnell feststellen, dass Eastern Style Vodka alles andere als geschmacklos ist. Die Kategorie grenzt sich zu Western Style Vodka ab, indem ein Ausdruck des Rohstoffs und ein gewisses Maß an Aroma erwünscht sind. (…) Kann man Vodka also einfach Ost und West sortieren? Nein: Definitiv gibt es westliche Marken, die eher auf den aromatischen Stil setzen, gleichsam bringt auch Osteuropa teils sehr neutrale Produkte hervor.“

Maria Gorbatschova, Mixology 4/2022, S.54

Womit wir ganz ohne aufwändige Überleitung, nur durch eine unkomplizierte Abzweigung, beim Hauptteil unserer heutigen Betrachtung ankommen. Der Artikel in der Mixology konzentriert sich ab hier auf Osteuropa, wir schauen uns mit dem Mambulo Premium Rye Vodka dagegen ein Destillat an, das in einer österreichisch-deutschen Gemeinschaftsproduktion entsteht und, das nehme ich jetzt schon vorweg, trotzdem nicht so wirklich dem oben beschriebenen, neutral-orientierten Western Style Vodka entspricht. In der EU-Verordnung ist festgelegt, dass Wodka „so destilliert wird, dass die sensorischen Eigenschaften der verwendeten Ausgangsstoffe und die bei der Gärung anfallenden Nebenerzeugnisse selektiv abgeschwächt werden.“ Man schreibt hier also auch keine vollständige Neutralität vor, wie das in den USA geschieht, sondern eher eine Auswahl von Aromen. Bei einem Produkt, das in Handarbeit hergestellt wird, und man sich 34 Destillationsvorgänge Zeit nimmt, so eine Aromenselektion zu treffen, bleibt es interessant, wofür man sich beim Mambulo entschieden hat!

Mambulo Premium Rye Vodka

In der Flasche sieht man es sehr viel deutlicher als im Glas, da ist eine leichte, milchige Trübung, die ich erst dem Glas der Flasche zuschrieb. In der kleineren Menge im Verkostungsglas fällt es dann gar nicht mehr auf, bei einer hochdistillierten Spirituose frage ich mich aber schon, wo diese Trübung herkommt. Ansonsten bewegt sich der Mambulo hübsch, mit attraktiven Beinchen, und Lebendigkeit und leichter Viskosität zugleich.

In der Nase finde ich direkt leichte Zitrusnoten, Orangenzeste, Litschi und Kiwi. Dazu sehr grüne Banane, eine Geruchsnote, die fast schon in Plastik übergeht. Irgendwie hat der Wodka darüber hinaus noch etwas Florales von Lavendel und Zuckerwatte, man muss da erst durchstoßen, um auf die erdigen Roggentöne zu kommen und das Getreide zu finden, aus dem er gebrannt wird. Eine insgesamt leichte Aromatik, den Alkohol erkennt man, er stört aber nicht. Ungewöhnlich, und gar nicht unattraktiv, muss ich sagen – und definitiv weit davon entfernt, sich klaglos der Neutralität eines Western Style Vodka zu ergeben.

Mambulo Premium Rye Vodka Glas

Am Gaumen ist zunächst deutliche Süße da, die sich mit der schon erschnupperten exotischen Fruchtseite kombiniert. Die Textur ist breit und rund, das legt sich weich auf den ganzen Gaumen, und erst im Verlauf wechselt die süße Milde mit leichtpfeffriger Würze. Letztere entwickelt sich weiter, wird zu einem warmen, immer noch sehr runden Mundgefühl angefeuert, das ebenso langsam, wie es entstanden ist, dann wieder abklingt – das gefällt mir sehr, ein wirklich hübscher Effektbogen im Mund, die 40% Alkoholgehalt sind auch sehr gut eingebunden. Milde Säure baut sich auf, die die Süße nicht Überhand nehmen lässt. Aromatisch bleibt die Spirituose doch lang bei uns, die Mischung aus Orangenschale und Banane klingt sehr lange nach.

Das trinkt sich easy, auch wenn man natürlich kategoriebedingt keine Aromenexplosion erwarten darf, hat der Mambulo doch genug Charakter, um sich bei der Auswahl einer Marke für die eigene Heimbar nach vorne drängeln zu können. Dazu muss man nicht mal unbedingt Wodka suchen – auch wer eine leichtaromatische, unkomplizierte Spirituose als Digestif anbieten will, könnte damit Freude haben.


Gerade, weil der Mambulo nicht komplett neutral ist, ist er für mich in Cocktails sehr viel nützlicher und verwendbarer als andere Wodkas. Man muss natürlich aufpassen, in manchen Rezepten würde die Geschmacksrichtung des Mambulo den Drink doch in eine unerwünschte Richtung drängen – beim The Great Gatsby dagegen ist diese Mischung aus den Aromen, die der Wodka mitbringt, Pink-Grapefruit-Saft und einem aromatisierten Wein echt ein Knüller. Wenn man noch statt Lillet dann soetwas wie den Midi Apéritifs Liquid Sunset einsetzt, ist alles perfekt an diesem Cocktail.

The Great Gatsby Cocktail

The Great Gatsby
1oz / 30ml Wodka
1oz / 30ml Lillet Blanc
2oz / 60ml Pink-Grapefruit-Saft
Auf Eis shaken. Auf Eis servieren.

[Rezept nach Matt Galpin]


Zur Flasche selbst gibt es nicht furchtbar viel zu sagen, eine relativ normale Standardflasche, mit einem Kunststoffkorken. Das Etikett ist dafür recht grell, mit bunten Farbmustern und einem Tier, das ich erst durch den beiliegenden Flyer identfizieren konnte: das Caypibara oder Wasserschwein, das sich die Position als Wappentier des Mambulo dadurch erarbeitet hat, dass es laut Aussagen des Herstellers des Wodkas ein extrem soziales Tier ist; man schließt sich durch den Kauf einer Flasche diesem sozialen Wesen automatisch an, denn lobenswerterweise werden 15% der Gewinne für soziale Projekte gespendet.

Mambulo Premium Rye Vodka Aufkleber

Die Marke inszeniert sich frech, was sich besonders in den Aufklebern zeigt, die ich mitgeschickt bekommen hatte – da wird klar gesagt, warum man eigentlich Wodka trinken sollte: alle anderen Spirituosengattungen taugen einfach nichts, um das Neudeutsch zu übersetzen. Damit machen sie sich sicherlich nicht nur Freunde, mir gefällt es, wenn Humor bei einem Produkt zu sehen ist. Auch wenn er dabei etwas Glas zerdeppert.

Offenlegung: Ich danke der Mambulo GmbH für die kostenlose, unaufgeforderte Zusendung einer Flasche ihres Wodkas.