Kurz und bündig – Maisel & Friends Kaminfeuer Kellerbier by Heiko Müller

Der Hobbybrauerwettbewerb von Maisel & Friends geht in die nächste Runde – Kellerbiere galt es zu brauen. Während der Home Brew Bayreuth im September 2019 wurden die Einreichungen verkostet, und der Gewinner war Heiko Müller mit seinem Kaminfeuer Kellerbier, das nun als Gewinn in limitierter Auflage statt im heimischen Keller auf den professionellen Anlagen bei Maisel nachgebraut werden konnte.

Maisel & Friends Kaminfeuer Kellerbier by Heiko Müller

Sehr schöne safranfarbige Opalisierung, durch die das Bier im im Glas leuchtet. Hält man es gegen das Licht, sieht man kleine Bläschen sehr langsam aufsteigen. Der Schaum, schon zu beginn eher dezent, bleibt als feine aber dünne Decke eine Weile auf dem Bier liegen. Geruchlich sehr würzig, mildrauchig, fast schon etwas nach Grill duftend. Auf jeden Fall passt hier der Name sehr gut. Starkmalzig, leicht speckig, etwas brotig – eine sehr prägnante Duftkomposition insgesamt.

Auch im Mund schmeckt das Maisel & Friends Kaminfeuer Kellerbier by Heiko Müller, wenn man mich fragt, zunächst wie ein Schinkenbrot. Die Würze bleibt erhalten, wird nur durch zurückhaltende Hopfenfrucht in der Zitrusrichtung ergänzt. Leicht salzig, erkennbar rauchig, ein Anflug von Kümmel; sehr rezent und kantig-bitter im Mund, ohne dafür eine üppige Cremigkeit aufzugeben. Eine gewisse Unrundheit muss man allerdings auch attestieren, gegen Ende entsteht im Mund eine leichte Schalheit. Der Abgang hat fast schon einen Eukalyptushauch, ist frisch und langanhaltend deftig bitter (23 IBU, ich hätte mehr vermutet), fast schon hin zum Kratzenden, was bei diesem Bier gar nicht stört, sondern zum Gesamtkonzept passt. 5,6% Alkoholgehalt passen sich hier gut ein.

Ohne Schwierigkeiten kann ich hier sagen – dieses Bier hat seinen Gewinn verdient, und ich finde es ausgesprochen toll, dass Maisel & Friends sich der Hobbybrauer annimmt und diesen so eine Möglichkeit gibt, der Welt zu zeigen, dass Bier ein derart vielseitiges Getränk ist.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kosten- und bedingungslose Bereitstellung einer Flasche „Kaminfeuer“.

Kurz und bündig – Schneider Weisse Aventinus Eisbock

5 Jahre lang stand es bei mir im dunklen Schrank, nun versuche ich, diese ganzen Altlasten an Bier loszuwerden. Der Schneider Weisse Aventinus Eisbock hat, wie viele Starkbiere und insgesamt Bier, das nicht allzu aromahopfenlastig ist, kein Problem damit, lange aufbewahrt zu werden. Jetzt ist seine Zeit gekommen, und er landet in meinem Glas!

Schneider Weisse Aventinus Eisbock

Beim Eingießen achte man darauf, dass sich eventuelle Hefeverklumpungen, die sich bei längerer Lagerung bilden, nicht mit ins Glas hüpfen. Dann bleibt das Bier trotzdem trüb, Mezzomix-farben, aber wird nicht ganz so bitter. Durch die dunkelbraune Farbe sieht man einzelne Bläschen vorsichtig aufsteigen, die sich am Glas als feinster Rand ablegen, ansonsten ist das Bier schaumfrei. Die Nase ist weinig, hefig, leicht speckig. Sehr zurückhaltende Zitrusfruchtnoten bilden den Kopf, dunkle Malznoten den Körper. Insgesamt wenig an Geruch, und das, was da ist, erinnert den Laien eher an Wein als an Bier.

Im Geschmack ändert sich das dann wieder etwas, mildmalzig und nur sehr vorsichtig hopfig allerdings. Eine definierte Säure ist da, bildet mit dem dunklen Körper einen bockbierähnlichen Charakter. Kaffeenoten. Die erstaunliche Alkoholstärke von 12% entstammt dem aufwändigen Herstellungsverfahren, und man merkt die Stärke schnell und deutlich, sowohl vom Effekt als auch von der Aromatik her. Durch die Säure und Bittere wird das Bier sogar etwas rezent. Persönlich überzeugt mich die ungewohnte Aromatik nicht so sehr, das wirkt zwar alles rund und extrem vollkörperig, aber das Hin und Her zwischen Wein und Bier, zwischen Süße und Säure, und Milde und Bittere lässt mich stirnrunzeln. Der Abgang ist wiederum weinig, hefig und mittellang, ganz am Ende dann Trocken und astringierend, mit einem leicht blumig-fruchtkaugummiartigen Nachhall.

Man merkt, es ist nicht so ganz mein Fall. Vielleicht muss ich mehr Eisböcke probieren, um diesen hier einordnen zu können – allein, mir fehlt nach dieser Erfahrung die Motivation.

Kurz und bündig – Brlo Craft Beer Porter

Ich habe es schon öfter erwähnt – der Bierstil des Porter ist einer, mit dem man mich begeistern kann. Es ist diese faszinierende Mischung aus dunklen Aromen und gleichzeitig angenehmer Frische, die man rein vom Ansehen her dem Bier nicht zutrauen würde, die mich begeistert. Das Brlo Craft Beer Porter ist dabei, wie so viele aktuellen Produkte auf dem Biermarkt, eine moderne Interpretation des alten britischen Bierstils; es wird als Baltic Porter gelabelt.

Das Berliner Bier weist 7% Alkoholgehalt auf, bleibt unfiltriert, und wird unter Einsatz von Herkules und Tettnanger als Hopfenzutaten, Pilsner Malz, Karamellmalz und Röstmalz als Malze gebraut.

Brlo Craft Beer Porter

Farbe und optischer Eindruck – sehr dunkles Braun, nicht blickdicht, weinrote Reflexe. Keine Perlage erkennbar. Nur Ansätze von cremefarbenem Schaum.

Geruch – sehr angenehm fruchtig, beerig, dazu milde Röstaromen, erkennbar säuerlich, schließlich leicht metallisch-rostig.

Geschmack – säuerlich bereits im Antrunk, ohne aber zu aggressiv zu sein. Klar und hell im Eindruck, zwar schon herb röstmalzig, aber eher zurückgenommen. Typische Kaffee- und Kakaoaromen erscheinen nur im Hintergrund. Frisch und leicht insgesamt.

Abgang  – sehr kurz, eher feinherb, im Nachklang dann doch bitter. Dennoch – ein mildes Porter, sehr leicht und frisch.

Das Brlo Craft Beer Porter ist ein Bier, das definitiv öfter seinen Weg in mein Glas finden wird, gerade als Essensbegleiter funktioniert es durch seine mildherbe Rezenz ganz hervorragend.

Kurz und bündig – Uerige Doppelsticke

Die erste Flasche des Uerige Doppelsticke habe ich durch einen netten Menschen in der Facebookgruppe um Craftbier im deutschsprachigen Raum erhalten – er schickte sie mir aus Düsseldorf. In der Zwischenzeit, gut ein dreiviertel Jahr später, habe ich in der kleinen aber feinen Craftbierabteilung meines Real-Supermarkts doch tatsächlich auch die markante Bügelflasche entdecken können – wenn auch mit einem anderen Etikett -, und natürlich mehrfach zugeschlagen. Ein besonderes Bier; warum gefällt es mir so gut?

Uerige Doppelsticke

Farblich ein dunkles Alt, schokoladenbraun, komplett blickdicht und trüb, mit hellbrauner Crema und leichter, aber erkennbarer Perlage. Der Geruch ist sehr aromatisch und stark, mit vielen Eindrücken von Hefe, Kakao, Mango, Papaya, und interessanterweise sogar einer Würzigkeit, die mich Maggi-Würze erinnert.

Uerige Doppelsticke

Die Vielschichtigkeit geht im Mund weiter – Das Doppelsticke ist sehr dicht und voluminös, im Antrunk weich, es entwickelt sich aber schnell eine wuchtige Bittere. Die soßig-würzigen Komponenten übernehmen die Show und kämpfen gegen die schokoladig-süßen Noten. Es erinnert im Mundgefühl mehr an ein fettes Stout als an ein dünneres Alt, wie Diebels. 8,5% sorgen für Power, „Starkbier“ steht entsprechend auf dem Rücketikett. Nur mittlere Rezenz, diese hauptsächlich auch wegen der effektiven Säure. Ich denke beim Trinken an Malz, Kastanien, Holz und Herbstwald. Der Abgang ist schließlich sehr trocken, hefig und fett, sehr lang, sehr malzig und bitter. Süßlich und dabei trotzdem etwas eckig.

Ein besonderes Bier, wird nicht mein Lieblingsalt, einfach weil es schon extrem wuchtig wird und deutlich hin zum Stout tendiert, aber dennoch etwas für eine besondere Angelegenheit!

Kurz und bündig – Velier Royal Navy Very Old Rum

Velier ist ein Vorreiter, was Transparenz bei Rum angeht. Das Etikett des Velier Royal Navy Very Old Rum ist dafür ein Beispiel. Darauf findet man alles in klarer Sprache, was den echten Rumfreund interessiert. Die einzelnen Blendbestandteile werden aufgelistet (Trinidad, Caroni, 20 Jahre Tropenreifung; Guyana, Demerara, 15 Jahre Kontinentalreifung; Jamaica, Pure Single Rums, mehr als 12 Jahre Tropenreifung). Das gewichtete Alter, in diesem Fall also 17,42 Jahre. Zu guter letzt noch Ort des Blending und der Abfüllung – Schottland. Es ist so angenehm, so ein Etikett zu lesen, auf dem nicht mit Marketingluftschlössern und den abgeschmackten Piraten und anderen Fantasiepersonen geschwurbelt wird, sondern handfeste Informationen geliefert werden. Doch was ist mit dem Rum selbst?

Velier Royal Navy Very Old Rum

Dunkles, kräftiges Terracotta, mit orangefarbenen Anklängen. Ungefärbt ist er laut Deklaration, das gefällt mir als Zusatzverweigerer jeder Art. Im Glas scheint der Velier Royal Navy Very Old Rum leicht, bewegt sich ohne Mühe oder Schwere. Dabei entstehen äußerst viele, sehr eng aneinanderliegende, langsam ablaufende Beine. Beim langsamen Schwenken verbreitet sich auch der Geruch über das Glas hinaus. Sehr prägnant, mit vielen teerigen, schmutzigen Noten, darunter schwere Frucht aus Banane, überreifer Ananas und ebensolchem Pfirsich, Rosinen. Etwas Portwein, vielleicht Amarone. Darunter wiederum Malz, Melasse und richtig viel Vanille. Für mich persönlich archetypisch Rum – ein Wunschduft für einen Lufterfrischer. Ein leichtes Beissen in der Nase warnt davor, die Nase zu tief ins Glas zu halten.

Sehr trocken im Antrunk, sehr schokoladig, dunkelmarzpanig, bitterorangenfruchtig. Trotz der Trockenheit dominiert eine natürliche Süße, die allerdings nicht den feurig-wilden Charakter übertönt. Milde Ester, einiges an Fusel, viel Hefe, manch einer wird sich daran stören; doch das ist Rum, nicht die breitgeklatschte, zermantschte Solera-Eintagsfliege auf der Muggeplätsch, sondern die stolze Hornisse, die sich wehrt. Da gibt es viel zu entdecken, der Blend aus Jamaica, Guyana und Trinidad ist deutlich in all seinen Komponenten erkenn- und erforschbar. Diese Komplexität geht aber keineswegs zu Lasten der Trinkbarkeit, selbst die hohe Alkoholstärke von 57,18% (Navy Strength eben) ist zwar deutlich spürbar, aber klasse eingebunden. Der Abgang ist glühend heiß, lang, effektvoll. Fuselnoten hängen lange nach. Die Wärme klingt dafür umso langsamer ab. Es bleibt eine schwere Süße am Gaumen.

Ein wirklich höchstattraktiver Rum für Leute, die echten Rumgeschmack mögen. Hier findet sich ein wirklicher Querschnitt durch die britischen Rumkolonien, mit allem, was ihn auszeichnet, und ihn für mich zum quintessenziellen Rumgeschmack macht. Natürliche Süße, natürliches Feuer, natürliche Aromatik – ein Rumfeuerwerk, wie ich es liebe. Der Preis des Velier Royal Navy Very Old Rum ist letztlich das einzige, was mich abhält, diesen Rum bedingungslos jedem zu empfehlen – wer es sich aber leisten kann, sollte sich eine Flasche davon in die Hausbar holen. Denn eines ist klar: Wert ist er es.

Kurz und bündig – Miel de Tierra Mezcal Joven

Es gab eine Zeit, in der Mezcal recht neu in Deutschland war, in der man davon ausging, dass Mezcal immer superrauchig sein muss, und dass dies das Identifikationskriterium für guten Mezcal sei; in etwa wie die Torfigkeit bei Islay-Whiskys. Nun, das war ein Trugschluss. Tatsächlich ist extreme Rauchigkeit bei Mezcal eigentlich etwas, was der Kenner leise skeptisch sieht, denn sie dient oft genug dazu, die mittelmäßige Qualität des Destillats zu überdecken. Ein bisschen qualmen darf es aber schon, es ist einfach ein Ausdruck der Herstellungsweise im Erdofen. Wie sieht es diesbezüglich beim Miel de Tierra Mezcal Joven aus?

Miel de Tierra Joven Mezcal

„Joven“ ist die alternative Bezeichnung für ungereiften Mezcal (in der Norma, die alles regelt, was Mezcal angeht, sind „joven“ und „blanco“ gleichwertig). Erwartungsgemäß ist dieser Mezcal völlig transparent und ohne Fehler klar. Er bewegt sich dennoch mit einer gewissen Schwere im Glas, ohne dabei aber ölig zu wirken. Am Glasrand entstehen dicke Beine. Die Nase ist agavenlastig, mit einem Hauch Glasreiniger. Blumig, nach Jasmin und Lavendel. Mineralische Noten, nach Kalk, Kies und Beton. Kein Rauch, etwas, was wie gesagt viele Leute mit Mezcal assoziieren.

Hat mich die Nase noch etwas an Tequila erinnert, ist der Geschmack im Antrunk dann doch anders – erdiger, mineralischer, trockener. Agave, Honig, Karamell – sehr süß und weich, recht breit, aber ohne große Tiefe. Etwas Birne, ein Anflug von Minze. Etwas später wandelt es sich zu deftiger Würze, mit Tabak- und Holznoten, schwarzem Tee und einem prickelnden, milden Feuer. 40% Alkoholgehalt sind nicht erkennbar. Der Abgang ist mittellang, herbbitter, immer noch mit einer unterschwelligen Süße kombiniert. Grasigkeit klingt nach, ein wenig Wintergrünöl, und ganz am Ende etwas metallisch im Nachhall.

Ein schöner, milder, aber dennoch nicht langweiliger Mezcal, der wieder einmal beweist, dass es ungereifte Spirituosen gibt, die sich von der Spannung und der Aromatik nicht hinter jahrelang gereiften Bränden verstecken müssen. Mir fehlt etwas Körper und Tiefe für die endgültige Begeisterung – dennoch ein schöner Brand. Ich bin sehr gespannt auf die gereiften Varianten, die in der Verkostungspipeline schon bereit stehen.

Kurz und bündig – Regans‘ Orange Bitters No. 6

Ach, jeder Heimbarbesitzer kennt das Phänomen – man hat ein Dutzend Bitters aller Art im Regal, aber benutzen tut man letztenendes immer nur 3 oder 4 davon. Angostura ist und bleibt der Platzhirsch, daneben hat man Peychaud’s und Orange Bitters. Man sieht hier: 2 der 3 Hauptbitter erwähne ich als Markennamen, den dritten nur als Kategorie. Während Angostura und Peychaud’s einfach einzigartig in ihrem Effekt sind, da gibt es nur wenig echte und gut erhältliche Alternativen, hat man bei Orange Bitters eine gewisse Wahlfreiheit. Zum Beispiel die hier vorgestellten Regans‘ Orange Bitters No. 6. Die Bartenderlegende Gary Regan hat sie in einem auf dem Rücketikett dargestellten Prozess ausgetüftelt.

Regans‘ Orange Bitters No. 6

Diese Bitters sind überraschend hell in der Farbe, Safran bis Ocker. Gibt man einen Tropfen auf ein Stück Papier, entsteht kein erkennbarer Fleck. Das ist schon ein Unterschied zu den anderen Bittern, die ich kenne, die sehr dunkel wirken. Der Geruch ist dann aber wieder typisch für Bitters – sehr würzig, dunkel, aromatisch, sehr kräuterlastig. Underberg kennt man ja in Deutschland gut, diese Orange Bitters riechen fast identisch, nur zitruslastiger. Orangenschale schimmert deutlich durch.

Der pure Geschmack ist unerwartet; nicht die starke Bittere, die trägt das Produkt ja im Namen. Es ist die wirklich sehr prägnante Bitterorangenschale, die alles trägt, aber die Aromatik ist vielschichtiger: Kardamom, Anis, Nelken, Piment. Gerade Nelken klingen lange nach, die Zunge bleibt etwas betäubt. 45% Alkoholgehalt bringen die Kraft mit, sich im Cocktail dann durchzusetzen.

Regans' Orange Bitters No. 6 Farbe

Natürlich trinkt man das nicht pur, es schadet aber nicht, die Aromatik eines Produkts zu kennen, das man sonst recht gedankenlos einem Rezept folgend einsetzt. Für mich ist klar – das sind ohne Frage meine Hausorangenbitter.

Kurz und bündig – Smokecraft Edelholzvodka

Naja, ein Wodka halt, was kann das schon sein. Erste Vorurteile dieser Art, die selbst in vielen Spirituosenkennern bis heute vorhanden sind, haben die kleinen, frechen, modernen Wodkahersteller bereits wiederlegen können, deren Destillate keineswegs aromatisch neutral sind, sondern wuchtige Eindrücke des verwendeten Basismaterials aufweisen. Beim Smokecraft Edelholzvodka geht man einen anderen Weg – nicht das Basismaterial soll den Geschmack bringen, sondern eine Aromatisierung. Da Vanille-, Zitrone- und Kaugummiwodka bereits existieren, und man statt auf künstliche auf natürliche Aromen setzen will, hat der Hersteller sich für einen innovativen, sehr ungewöhnlichen Weg entschieden.

Smokecraft Edelholzvodka

Die Farbe ist strohig, und da ohne Fasslagerung oder andere Reifung gearbeitet wird, und auch keine Färbemittel eingesetzt werden, entsteht die Farbe allein durch das auf dem Rückenetikett erwähnte „Curacionsverfahren“ – spannend dabei ist, dass das Glas der Flasche durch Kaltrauch aromatisiert wird, und die dann darin enthaltenen ätherischen Öle des Holzes an den später eingefüllten Sommerweizenwodka abgegeben werden.

Riechen wir mal dran. Zunächst denkt man an Lagerfeuer. Sehr rauchig, mit der für manches Feuer bekannten stechenden Note, dabei aber positiv belegt, nie wie der kalte Zigarettenrauch in einer Kneipe. Leicht speckig und harzig. Frisch geschnittenes, noch grünes, harziges, aufs Feuer geworfenes Tannenholz. Kohle. Wie oft bei sehr rauchigen Spirituosen entsteht aus der Rauchigkeit ein deutlicher Fruchteindruck. Geschmacklich beginnt der Smokecraft sehr cremig und süß im initialen Antrunk, dann wechselt es aber schnell zu trockener Würze. Leichte Vanille, sehr dezente Frucht. Bittere taucht auf. 40 % Alkoholgehalt bleiben durchweg unspürbar. Der Abgang ist kurz, sehr trocken, mild bitter, sehr würzig, holzig und dabei feurig, ohne alkoholisch zu wirken. Der rauchige Nachhall ist dafür sehr lang und bleibt ausgesprochen lange am Gaumen.

Ich bin selbst davon überrascht, wie sehr ich diese Spirituose mag. Ich zögere, sie durchgängig als Wodka zu bezeichnen, dazu ist der Lagerfeuercharakter zu beherrschend. Es erinnert oberflächlich an stark rauchigen Mezcal oder Scotch, allerdings ohne deren aromatische Tiefe zu erreichen. Ganz sicher aber dennoch spannend und gut gemacht.

Wie man auf dem Foto sieht, habe ich zur Abwechslung mal nicht in meiner stillen Kemenate zu Kerzenlicht verkostet, sondern an einem schönen Sonntag in meiner Lieblingsbar, der Schillers Pop Up Bar in Saarbrücken. Danke, Michael, für die Umgebung! Dazu gab es einen Smoky Lemon Highball, der zeigt, dass der Smokecraft, einfach auf Eis aufgegossen mit Thomas Henry Bitter Lemon, einem rauchigen Mezcal oder Scotch bezüglich Raucharomen in nichts nachsteht und eine ungewöhnliche, spannende Mixspirituose darstellt.

Kurz und bündig – Maisel & Friends Hoppy Hell

Ein Sessionlager mit 5,3% Alkoholgehalt – na, da freut sich das Herz des Kategorisierers. Normalerweise denkt man bei Sessionbieren ja doch irgendwie eher an alkoholreduzierte Produkte – das Maisel & Friends Hoppy Hell fällt dann doch raus aus diesem Kriterium, und, wie ich als lernbegieriger Bierfreund nachlesen konnte, ist das bei modernen Sessionbieren auch gar nicht so ungewöhnlich. Die Frage nach dem grundsätzlichen Sinn dieser Kategorie stellt sich mir letztlich zwar dann schon noch, sie hat eigentlich kein echtes handfestes Definitionskriterium mehr, doch ich gieße mir während dieser Session an Überlegungen einfach mal dieses hopfengestopfte Helle ins Glas, das wird die trüben Gedanken hoffentlich vertreiben.

Maisel & Friends Hoppy Hell

Sehr hell und farblich leicht an Apfelsaft erinnernd, eine minimale Trübung. Wenig erkennbare Perlage, nach dem Eingießen ist auch kaum Schaum da, und sogar das Wenige baut sich praktisch sofort ab. Die Hopfenstopfung ist in der Nase sofort erkennbar, und unterscheidet das Hoppy Hell vom ersten Schnuppern an direkt von einem klassischen Hellen. Fruchtig nach Grapefruit und Limette, etwas Mango.

Süßlich im Antrunk, doch das ändert sich sehr schnell – die Süße wird ersetzt durch starke Säure, kräftige, aber nicht überhand nehmende Bittere. Dabei bleibt das Bier stiltypisch klar und definiert, leicht und obertönig. Gegen Ende kommt eine schöne Würze dazu, die von etwas Malzigkeit getragen wird. Eine wirklich gelungene Rezenz entsteht aus der starken Säure und milden Bittere (25 IBU), und, obwohl man es optisch nicht wahrnimmt, der gut gewählten Karbonisierung.

Der Abgang ist sehr kurz, hier dominieren dann die Hopfenaromen völlig das Gesamtbild, und sorgen dabei noch für starke Betäubungseffekte auf der Zunge – hui, das spürt man im Mund, das Hoppy Hell. Ein wirklich toll erfrischendes Bier, Lager mal anders – mildes Lager, hochgepowert mit richtig fettem Aromahopfen, ohne den Lagercharakter aufzugeben.

Ja, ich gebe es zu, ich mag den Stil der Maisel & Friends-Biere. Man spürt bei ihnen einfach, dass ein gesundes Maß an Kreativität und Tradition zusammenkommen, und nicht eines das andere völlig überwiegt – hier werden sehr trinkbare Biere hergestellt, nicht überdreht und überinterpretiert oder hipsterig, aber auch nicht langweilig. Ich freue mich immer über neue Ideen aus dem Hause Maisel & Friends.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kostenlose Zusendung einer Flasche des Hoppy Hell.

Kurz und bündig – God by Godet Cask Super-Strength Cognac

Gleich von zwei Gewohnheiten müssen wir uns trennen, wenn wir den God by Godet Cask Super-Strength Cognac vor uns im Glas haben. Im Allgemeinen ist Cognac eine Blendspirituose, fast alle großen Häuser verheiraten Destillate verschiedenen Alters und Herkunft zu einem gewünschten Geschmacksbild des Endprodukts („assemblage“). Der God by Godet ist ein Exemplar der sehr kleinen Gruppe von Cognacs, die kein Blend sind, sondern das, was man im angelsächsischen Sprachraum wohl als „Single Cask“ oder „Single Barrel“ bezeichnen würde – er entstammt einem einzelnen Fass. Für Cognac gilt darüberhinaus eine Obergrenze des Zielalkoholgehalts von 72%, die bei der zweifachen Destillation, wie sie bei Cognac angewandt wird, nicht überschritten werden darf. So gut wie immer wird das Endprodukt durch das angesprochene Blenden sowie durch Verdünnung mit Wasser auf eine genehme Trinkstärke herabgesetzt. Da man hier beides sein lässt, weist der God by Godet eine erstaunliche Stärke von 71,4% auf. Das Destillat aus 100% Weinen der Cru Fins Bois lagert 4 Jahre in Limousineichenfässern, und wird weder gesüßt noch gefärbt (was beides für Cognac erlaubt und geregelt ist).

God by Godet Cask Super-Strength Cognac

Selbst bei einer Verdünnung auf ca. 55% behält der Cognac seine goldgelbe Farbe. Strohig-weiße Reflexe glänzen im Glas. Dort bewegt sich der Cognac sehr elegant, mit Schwung und Schwere gleichzeitig. Riesige Fenster bilden sich am Glasrand, die in dicken Beinen träge ablaufen.

Fruchtigkeit umschmeichelt die Nase, der starke Alkoholgehalt zwickt, selbst nach Verdünnung. Kuchenteig, Vanille, Mandeln, Aprikosen. Ich gebe ihm etwas Zeit, doch das Zwicken bleibt – das ist halt der hohe Alkoholgehalt.

Ein wahrhaft königlich weiches Mundgefühl beginnt, die tolle Fruchtigkeit einzuläuten – rote Trauben, Aprikose, Feigen, Quitte, Orange. Die Balance zwischen Süße und Säure ist wunderbar getroffen. Rund und schwer liegt dieser Cognac im Mund, und im Verlauf entwickelt sich eine schwarzpfeffrige Schärfe dazu. Ich gebe noch etwas Wasser dazu. Nun wird die Nase nicht mehr zwickend, man nimmt weitere, fast schon funkige Fruchtester wahr – Banane, Pfirsich. Ja, so funktioniert der Godet am besten – er ist verdünnt ein Traum mit unkomplizierter Komplexität und einer fruchtig-schweren Würde.

Der Abgang ist heiß, voluminös, dicht und lang. Frucht und eine höchst ansprechende Blumigkeit, die ich sonst eher mit einem chilenischen Pisco assoziiere, klingen lange nach. Mit einem kalten Eukalyptushauch klingt der God by Godet aus – ein spannender Cognac mit einem richtig schönen Geschmacksbogen! Persönlich muss ich sagen, dass ich ihn in der Abfüllstärke nicht trinken würde, sondern deutlich herunterverdünne; immerhin hat man so aber die Wahl.