Archiv der Kategorie: Kurzreview

Stone Hazy, with a Chance of Blueberries Wheat Ale Titel

Kurz und bündig – Stone Hazy, with a Chance of Blueberries

Der Unterschied zwischen einem aromatisierten Biergetränk und einem mit natürlichen Zutaten, die nicht in der populären Auslegung des Reinheitsgebots zu finden sind, ist immer wieder Grund für Diskussion – so neulich wieder in einer Craftbier-Facebookgruppe. Dass man als echter Bierfreund das eine energetisch ablehnen und gleichzeitig das andere sehr schätzen kann versteht der eine oder andere offensichtlich nicht und macht sich in seiner Unwissenheit darüber lustig. Dabei ist es doch total einfach: Natürliche Zutaten kompetent eingesetzt, ja, gerne. Künstliche Aromen, nein, danke. Das Stone Hazy, with a Chance of Blueberries ist ein Beispiel für ersteres, denn es wurde während der Gärung Heidelbeerpürée zugesetzt, „erntefrisch“, wie der Pressetext uns mitteilt.

Stone Hazy with a Chance of Blue Berries Wheat Ale

Heidelbeeren sind ja nur nach außen blau, daher ist die rostrote Farbe keine Überraschung. Die 13% Heidelbeerpürée sorgen für zusätzliche Trübung, das Weizenbier wird dadurch beinahe blickdicht. Auch der feine, dicke Schaum ist leicht rötlich. In der Nase riecht man Hefe, Malz und eine leicht medizinische Note, die mich verrückterweise an Pflaster und Verbandsmaterial erinnert. Etwas dunkle Frucht schimmert durch.

Der Geschmack ist mildfruchtig, die Heidelbeeren ergänzen einen eher ins Nelkige als ins Bananige gehenden Weizenbiergeschmack. Das Mundgefühl ist im Antrunk recht süß und cremig, im Verlauf wird es immer trockener, bitterer. 35 IBU sind für ein Weizenbier schon kantig, diese spürt man besonders gegen Ende deutlich – im Gegensatz zu den 6,7% Alkoholgehalt, das als „Wheat Ale“ deklarierte Bier ist daher eigentlich schon ein Weizenbock. Im kurzen, sehr trockenen Abgang kommt dann die Frucht vollends zum Vorschein, die Heidelbeeren klingen eine Weile nach, zusammen mit einer kräftigen Säure. Ein leicht metallischer Geschmack beendet das Ganze.

Man muss klar sagen – das ist kein Fruchtbier (wie ein Kriek oder ähnliches), dazu ist es bei weitem nicht fruchtlastig genug; die Hauptaromatik ist die eines Weizenbocks. Die Beerenzugabe sorgt aber erkennbar für eine zusätzliche Aromenschicht und Komplexität im Bier, die ich als durchaus angenehm empfinde. Ein schönes Herbstbier mit einem kleinen Twist.

Offenlegung: Ich danke Stone Brewing für die Zusendung zweier Dosen des Stone Hazy, with a Chance of Blueberries.

IMBC - Buxton Brewery - Magic Rock - North Brewing Co. - Stone Fellow-Sip IPA Titel

Kurz und bündig – IMBC / Buxton Brewery / Magic Rock / North Brewing Co. / Stone Fellow-Sip IPA

Ich hatte mich neulich über einen etwas unhandlichen Titel eines Biers beschwert. Nun, das war gestern, heute heißt ein Bier IMBC / Buxton Brewery/ Magic Rock / North Brewing Co. / Stone Fellow-Sip IPA. Ich frage mich, ob das wirklich noch in meine Kategorie „Kurz und bündig“ passt – damit ich die Wortgrenze nicht sprenge, nenne ich das Bier im folgenden nur noch Fellow-Sip. Es handelt sich dabei um das 4. Uniqcan-Release aus dem Hause Stone Brewing. Der Anlass, sich mit 3 britischen Brauereien zusammenzutun, ist die IMBC (Independent Manchester Beer Convention, „Indy Man Beer Con“), die Anfang Oktober 2018 stattfand.

IMBC - Buxton Brewery - Magic Rock - North Brewing Co. - Stone Fellow-Sip IPA

Die Farbe ist golden, naturtrüb. Die Schaumentwicklung ist kräftig, eine sehr starke Perlage sorgt dafür, dass dieser Schaum auch lange erhalten bleibt. Nachdem ich in letzter Zeit häufiger Biere im Glas hatte, die sich geruchlich eher zurückhielten, ist dieses Bier eine andere Welt – beim Eingießen riecht man schon, dass die Nase hier was zu tun bekommt. Die zu erwartende Bitterkeit ist riechbar, Grapefruit, Limette, Harz, Aromahopfen in voller Wucht und ohne Gnade, etwas Frucht schimmert durch.

Im Mund beginnt das Fellow-Sip schon sehr trocken und man merkt die 65 IBU vom ersten Tropfen, der auf die Zunge fällt – da ist eine sehr harte Grapefruitkante drin, Limettenschale, ein harzig-holziger Eindruck; es geht fast schon in Richtung Radicchio, weil da auch eine gewisse Kräuterigkeit da ist. 7% Alkoholgehalt bleiben dennoch unspürbar am Gaumen. Der Abgang ist sehr lang, bitter bis zur Eckigkeit, harsch und trocken. Der Hopfen lässt dem Malz keinerlei Chance, so etwas wie Tiefe aufzubauen. Insgesamt empfinde ich das Bier aromatisch auch als dumpf und etwas stumpf, die Rezenz fehlt.

Persönlich hat mir das nun, nachdem ich immer die Stone-Bittere gelobt und gefordert hatte, die Grenze des Angenehmen überschritten. Das Fellow-Sip ist kein Bier mehr, das ich mir mal so eingießen würde, sondern ein Demonstrationsobjekt für derbe Biere, die mir nur noch bedingt Spaß machen. Wer allerdings die knarrende IBU-Härte haben will, nun, der ist hier definitiv richtig.

Die Zusammenarbeit besteht hauptsächlich darin, dass die Zutaten von den 4 Brauereien aus ihren beliebtesten Produkten in den Braukesseln von Stone in Berlin zusammengeführt wurden – die „ikonischen“ Hopfen- und Malzsorten der wichtigen Biere der teilnehmenden Brauereien. Dabei handelt es sich um die Malze Pilsener Malz, Gerstenmalz, Weizenmalz, gesäuertes Malz und Golden Promise, sowie die Hopfen Citra, Mosaic und Ariana. Über die Dosen selbst habe ich in meinen Blogartikeln über die 3 Uniqcan-Vorgänger genug gesagt – das Konzept ist schlüssig und stringent ausgeführt. Das Label ist schön bunt und passt dazu, und stellt die Zusammenarbeit gelungen in den Vordergrund.

Offenlegung: Ich danke Stone Brewing für die kostenlose Zusendung zweier Dosen des Fellow-Sip IPAs.

Rum Nation Rare Cask Engenho Novo Rum Agricole da Madeira Titel

Kurz und bündig – Rum Nation Rare Cask Engenho Novo Rum Agricole da Madeira

Meine Reise durch die Rumwelt Madeiras geht weiter – nach einem ungereiften Zuckerrohrsaftbrand kommt nun ein gereifter Rum der Insel ins Glas: der Rum Nation Rare Cask Engenho Novo Rum Agricole da Madeira wurde 2009 destilliert, ruhte dann bis zur Abfüllung in einem Ex-Madeira-Fass. 570 Flaschen ergab das ganze am Ende zu 52% Alkoholgehalt. Laut einer Messung von thefatrumpirate enthält dieser Rum 10g/L Zusätze, ich teile seine Vermutung, dass dies Reste aus den verwendeten, nicht ganz sauber geleerten Madeira-Fässern sind.

Rum Nation Rare Cask Engenho Novo Rum Agricole da Madeira

Direkt nach dem Eingießen nehme ich eine starke Klebstoffnote wahr, die schnell verfliegt. Danach bleibt etwas Lack, Vanille, grünes Holz, Haselnuss, eine durchaus kräftige Essignote, dazu Schwefel. Mich erinnert der Geruch an eine Mischung aus rhum agricole und Brandy de Jerez. Jedenfalls spannend!

Im Mund – ui, ist der sauer. Die Essigkomponente bestätigt sich sehr deutlich, auch der Schwefel. Eine milde Schärfe (schwarzer Pfeffer?) ist von Anfang an da, verstärkt sich zum Ende. Insgesamt ist der Rum richtig trocken, saugt einem die Spucke vom Gaumen; man sieht, die Zusätze müssen nicht unbedingt geschmacklich in Form von Süße erkennbar sein. Er ist sehr nussig, dunkelfruchtig, hat fast schon etwas von einem Sherry. Etwas später: Vanille, Vanille, Vanille – opulent, muss man sagen.

Der Abgang ist höchstens mittellang, heiß, metallisch und adstringierend. Eine leichte Betäubung setzt an der Zungenspitze ein. Die Pfefferschärfe bleibt lange auf der Zunge und im Rachen, ein Nachklang von Sahnetorte überrascht etwas, und die scheinbar supertypische Brombeernote, dich ich in allen Rums aus Madeira entdecke, komplettiert das ganze.

Hm, ich fühle mich hin- und hergerissen. Einerseits mag ich Rums, die mich überraschen und etwas aus dem Raster fallen; andererseits wirkt dieser Madeiraner doch im Gesamtbild sehr unrund, springend, unstet – da ist keine Linie erkennbar. Die Säure ist für meinen Geschmack darüberhinaus bereits übertrieben, die Vanilleopulenz dagegen betört. Ich bleibe ratlos zurück.

Offenlegung: Ich danke Rum Nation für die kostenlose Zusendung dieses Samples.

Stone CoCo-Pow! Porter Titel

Kurz und bündig – Stone Brewing CoCo-POW! Porter

Uniqcan, inzwischen schon die dritte – Stone Brewing legt ein hohes Tempo vor mit seinen Limited Releases. Dieses Mal haben wir ein besonderes Schmankerl in der Dose, einen von mir sehr geliebten Bierstil: Ein Porter, aber eins mit einem Twist.  Eingebraut wurde das Stone Brewing CoCo-POW! Porter nämlich mit gerösteten Kokosflocken und Kaffeebohnen (zusammen insgesamt 1,6% Anteil). Wenn ich sowas lese, bin ich immer zwiegespalten – das kann leicht in die Hose gehen mit „bierfremden“ Aromen. Schauen wir mal, was rausgekommen ist.

Stone CoCo-Pow! Porter

Für ein Porter sehe ich einen überraschend schönen Crema-Schaum, üppig und voll, dabei gemischtblasig und vergleichsweise langlebig, gespeist durch eine feine, sichtbare Perlage. Der Rest ist dann wieder stiltypisch: blickdicht, dunkelbraun bis schwarz.

Ist ein normales Porter schon aromatisch nahe an Kaffee, so hat das CoCo-POW! Porter noch eins draufgesetzt: Die Nase nimmt klare, deutlichste Kaffeeröstaromen wahr. Frisch gemahlenes Kaffeepulver dominiert die Aromatik, da kommt kaum etwas anderes vor.

Auch im Antrunk ist Kaffeepulver stark präsent, wird dann durch mildere Malznoten eingebremst und durch eine dezente Hopfenfrucht aufgefrischt. Das Bier ist trotz der angenehmen Cremigkeit sehr rezent, überraschend leicht und bei entsprechender Kühlung sehr erfrischend. Leichte Gewürznoten sorgen für den Unterbau, 7,3% Alkoholgehalt für Volumen und Bums.

Erst im Abgang kommt die zweite namensgebende Sonderzutat zum Zuge – eine leichte, milde Kokosnote, wirklich nur ein Hauch, bei weitem nicht so stark wie beispielsweise beim Kona Brewing Coco Porter – mit zunehmender Trinktemperatur nimmt sie größeren Raum ein. Zusammen mit ihr tritt eine zurückhaltende Süße ein, die mit der wirklich toll gestalteten Herbe (etwas, was ich bei Stone immer erwarte – 25 IBU) um die letzten Eindrücke beim Ausklang kämpft.

Mir gefällt die Art, wie dieses Bier komponiert wurde – das ist geschmacklich ein sehr gelungenes Porter, das mit Kaffee und Kokos nur hintergründig angereichert ist und dadurch eine wirklich tolle Komplexität erhält, die dabei aber nie die Drinkability verdrängt. Es bestätigt sich für mich persönlich – Stone hat zur Zeit einfach einen Lauf. Alles, was die gerade in dieser Uniqcan-Reihe neu rausbringen, ist spannend und interessant.

Offenlegung: Ich danke Stone Brewing für die kostenlose Zusendung zweier Dosen des CoCo-POW! Porter.

El Tesoro de Don Felipe Titel

Kurz und bündig – El Tesoro de Don Felipe Añejo

Ich schreibe wirklich viel über Rum, habe dort wahrscheinlich auch von allen Spirituosenkategorien, die ich bespreche, den tiefsten Einblick in allerlei Details der Geschichte und Herstellung bekommen. Meine geheime Liebe galt aber immer schon, seit ich reinagavige Tequilas kenne, dem Agavenbrand aus Mexiko. Daran hat sich nichts geändert, und tatsächlich wird es aktuell deutlich leichter, auch an höchstwertige Produkte heranzukommen.

Der El Tesoro de Don Felipe Añejo gehört, wenn man die Produktionsschritte anschaut, durchaus mit in diese Qualitätsstufe. Hergestellt im südlichen Hochland (NOM-1139), werden die dort geernteten Agavenherzen in einem Steinofen gebacken und anschließend mit einer Tahona (Mühlstein) gemahlen. Allein das ist schon eine Verkostung wert, nicht allzuviele Hersteller halten sich an einen solch traditionellen Prozess.

El Tesoro de Don Felipe Tequila Añejo

Farblich blass, wenn man ihn mit anderen Spirituosen in der zweithöchsten jeweiligen Alterskategorie vergleicht – man muss bei Tequila natürlich darauf achten, dass diese hohe Kategorie immer noch „nur“ 3 Jahre bedeuten. Daher ist die Farbe ehrlich. Eine leichte Viskosität ist beim Schwenken erkennbar, gemächlich ablaufende Beine sorgen für einen schönen optischen Eindruck.

Die Nase wird direkt mit sehr typischen Agavennoten erfreut. Diese sind sehr präsent, das gefällt mir – daneben bilden Lavendel, Honigmelone und Bitterschokolade ein hochattraktives Gesamtbild, das mich etwas an Weinbrandbohnen oder ähnliche Pralinen erinnert. Dieser Geruch, das ist das, was ich an gereiftem Tequila liebe, und der El Tesoro de Don Felipe liefert ihn perfekt ab.

Extrem süß im Antrunk, das ist heftig. Nicht klebrig oder pappig, sondern einfach nur honigsüß, natürlich wirkend. Für manche ist das aber vielleicht schon zu viel des Guten, das gestehe ich ein. Im Verlauf bleibt er süß, dreht aber hin zum Trockenen. Gleichzeitig ist da ein Waschmittelaroma, das mich etwas stört, das nach Sekunden verfliegt. Der Tequila ist dann kräuterig, blumig, und weist eine milde aber prägnante Würze auf, ohne scharf zu werden, im Gegenteil, das cremige Mundgefühl schleift viel ab. 40% Alkoholgehalt ahnt man, sie drängen sich aber nicht auf. Im Abgang ensteht ein ganz starker Eindruck von Wintergrünöl. Aromatisch ist der Agavenbrand im direkten Abgang eher kurz, dafür aber effektvoll mit leichtem Kitzeln auf der Zungenspitze. Der Nachhall am Ende ist dann dafür wiederum sehr lang, mit vielen Agavenaromen.

Ehrlich, dieses Waschmittel im Antrunk ist schon so störend für mich, dass ich es als subjektiven Fehlton bezeichnen würde. Es trübt für mich persönlich den Gesamteindruck etwas, weil ich den Geschmack nicht mag – für andere kann dies anders ausgehen. Dennoch ein attraktiver Tequila mit herrlicher Nase, die für mich viel ausgleicht. Und je mehr ich davon trinke, um so mehr gefällt der Schatz des Don Felipe mir.

Camba Hop Gun Dry Hop Brown Ale Titel

Kurz und bündig – Camba Hop Gun Dry Hop Brown Ale

Einer der tollsten Aspekte der Craftbierbewegung der letzten Jahre ist, dass man hierzulande nun auch Bierstile braut, die in Deutschland einig Pilsland unverdienterweise völlig unter den Tisch gefallen waren. Selbst bei den Bierultras, den Bayern, kann man sich so langsam trauen, etwas anderes als Weißbier herzustellen, auch wenn es dort immer noch einen Ticken schwerer ist als anderswo in Deutschland und der Welt. Camba zeigt mit dem Hop Gun Dry Hop Brown Ale, eingebraut auf satte 6,4% Alkoholgehalt und knackige 46 IBU, dass die obergärige Bierwelt auch bunt sein kann.

Camba Hop Gun Dry Hop Brown Ale

Nun, ein Brown Ale sollte mal braun sein, oder bin ich da zu naiv? Jedenfalls ist das Hop Gun braun, satt sogar, stark trüb bis fast zur Blickdichte. Schaum entsteht beim Eingießen üppig, so dass das Bier kaum ins Glas passt aufs erste Mal; danach fällt er aletypisch zusammen, es bleibt aber eine dünne Schicht feinen Rests übrig. Der Geruch ist stark hopfig, auch hier sollte für den Bierfreund die Ankündigung einer Trockenhopfung schon die Richtung bestimmen. Milde Frucht, Erdbeeren mit Sahne, Aprikosen, dazu Karamell – ich erkenne tatsächlich, selten passiert das in dieser Konsequenz, einige der Tasting Note-Vorgaben auf dem Etikett wieder.

Mildbitter, adstringierend, dabei mit einer leichten Cremigkeit im Mundgefühl – das ist der vorherrschende Ersteindruck im Mund. Der Hopfen liefert kaum etwas der Frucht geschmacklich ab, den wir in der Nase entdeckt hatten. Eine Säure, die ich persönlich als unpassend in diesem Bier empfinde, stört mich zwar, liefert aber Rezenz. Insgesamt wirkt das Bier frisch und hell, trotz der Farbe. Der Abgang ist aromatisch sehr kurz, durch die 46 IBU Bittere aber effektvoll. Trocken und herb erinnert mich das Hop Gun Dry Hop Brown Ale diesbezüglich fast schon an ein Pils – etwas mehr Körper hätte ich als angenehm empfunden.

Ein interessanter Schluck für den Craftbierfreund – es startet toll, und wird für mich dann aber immer schwächer. Persönlich werde ich mir daher keine weitere Flasche kaufen, die drei, die ich für diesen Test nutzte, reichen mir eigentlich.

Brewbaker Berliner Weisse Schankbier Titel

Kurz und bündig – Brewbaker Berliner Weisse Schankbier

Totgesagte leben länger, heißt es. Die echte Berliner Weisse war schon praktisch tot, man kannte sie eigentlich außerhalb Berlins nur noch als das Zeug, das man so hübsch mit Waldmeister- oder Himbeersirup aufgießen musste, mehr ein Gag als ein ernsthaftes Bier. Wir leben in Zeiten, in denen das Interesse an alten, authentischen Dingen wieder wächst – und dazu gehören einst beliebte Bierstile, und die Berliner Weisse ist einer davon. Aktuell wird sie wiederbelebt. Ein Beispiel dafür ist das Brewbaker Berliner Weisse Schankbier. Eingebraut wird es mit den für den Stil typischem niedrigem Alkoholgehalt (hier 2,5%) und ist darüber hinaus sogar mit einem Öko-Siegel versehen.

Brewbaker Berliner Weisse Schankbier

Komplett schaumfrei von Anfang an. Nur wenig Mousseux, die einzelnen Perlen kann man an der Oberfläche zählen. Mit aufgeschwenkter Hefe so gut wie blickdicht. Ockerfarben. Optisch seltsam und ungewohnt für ein Bier, erinnert mehr an naturtrüben Apfelsaft. Die Hefe ist als erstes präsent, wenn man am Bier riecht. Eine sehr würzige, röstige Note kommt als nächstes, danach erst eine milde Zitrusfrucht. Das Ungewohnte geht hier also direkt weiter.

Das typische der Berliner Weissen ist die Säure, und die ist vom Antrunk an direkt da. Für ein Sauerbier ist sie recht fein und mild, à la grüner Apfel,  mit nur kleinen Säurespitzen von Zitrone im Hintergrund. Kandiszucker und viel Apfel bilden das Gerüst, auf das aufgebaut wird. Der Abgang ist hefig, trocken, mittellang. Vielleicht etwas muffig im Nachhall. Über Rezenz brauchen wir uns bei einem Sauerbier nur wenig unterhalten, die Frische kommt aber noch extremer als bei anderen Bieren dieser Art allein über die Säure, nicht über die nichtvorhandene Kohlensäure.

Ich bin seit einiger Zeit, schon zu Sirupzeiten eigentlich, ein Fan dieses Bierstils, und bin persönlich sehr glücklich, dass es nun eine gewisse Auswahl an Herstellern gibt, die sich um diese sträflichst vernachlässigte Berliner Spezialität kümmern.

Rum Nation Ilha da Madeira Natural Rum Agricole da Madeira Titel

Kurz und bündig – Rum Nation Ilha da Madeira Natural Rum Agricole da Madeira

Rhum agricole, das verbinden die meisten mit den französischen Überseekolonien. Doch die EU-Verordnung 110/2008, die einen Großteil der Vorgaben bezüglich Spirituosen der Union regelt, sieht vor, dass neben diesen auch eine dem europäischen Festland näher gelegene Insel den Begriff tragen darf – Madeira. Hier wird, als einziger Bereich des geografischen Europas (die Insel gehört zu Portugal und liegt noch halbwegs so nahe, dass man davon sprechen kann), tatsächlich auch Zuckerrohr angebaut, fast ausschließlich für den Eigengebrauch allerdings.

Bis vor einiger Zeit dämmerte der madeiranische Rum allerdings, zumindest in meiner Wahrnehmung, etwas vor sich hin. Im Zuge des gestiegenen Interesses an Rumneuheiten rücken nun auch solche Gebiete wieder in den Fokus – ich habe diverse Rumsorten aus Madeira ausprobiert, und werde sie in kleinen Häppchen hier präsentieren. Den Anfang macht ein ungereifter Rum; der Rum Nation Ilha da Madeira Natural Rum Agricole da Madeira.

Rum Nation Ilha da Madeira Natural Rum Agricole da Madeira

Die Farbe ist klar und sauber, ohne Trübung oder Einschlüsse. Im Glas schwingt er lebendig, nur mit leichter Viskosität. Am Glasrand ablaufende Beine bewegen sich langsam nach unten.

In der Nase meint man initial, den typischen Agricole-Geruch, den man von Martinique oder Guadeloupe kennt, wiederzuerkennen. Doch schnell kommt eine andere Komponente dazu, die eine stärkere Süße, eine höhere Fruchtigkeit andeutet – der Ilha da Madeira unterscheidet sich dann doch von den viel grasigeren französischen Verwandten, geht mehr in die Clairin-Richtung. Er darüberhinaus kann eine deutliche, alkoholische, stark getreidige Vodka-Note nicht verbergen – eventuell eine Folge der Destillation in einer nicht-traditionellen Column Still.

Im Mund ist letztere dann auch klar im Vordergrund. Getreide, Malz, nur ein Hauch von Frucht im Hintergrund – ich fühle mich an Korn erinnert, oder an Roggenvodka. Sehr warm, süß und rund im Eindruck. Eine milde Salzigkeit ergänzt das Bild, das insgesamt für einen ungereiften Rum erstaunlich dunkel und schwer daherkommt. 50% Alkoholgehalt machen sich durchaus bemerkbar, nicht unbedingt aber wirklich negativ. Der Abgang ist sehr feurig, heiß und scharf. Ist diese Schärfe verklungen, macht sie einem heißen, langen, malzigen Mundgefühl Platz. Beerenaromen klingen nach.

Es ist klar festzustellen, dass sich dieser Agricole-Rum von Madeira im Geschmack doch sehr deutlich von den Zuckerrohrsaftbränden aus der Karibik unterscheidet; Individualität ist natürlich eine gute Sache. Ich finde diesen ungereiften Inselportugiesen, der bei Rum Nation als Limited Release 2017 erscheint, durchaus interessant, ihm fehlt es für meinen Geschmack etwas an Komplexität und Spannung, doch das grundsätzliche Mundgefühl und die Aromatik wissen schon zu gefallen.

Offenlegung: Ich danke Rum Nation für die kostenlose Zusendung dieses Samples.

Saarbrückator Doppelbock Titel

Kurz und bündig – Saarbrückator Doppelbock

Man sieht sie öfters in den Bierregalen überall – Salvator, Celebrator, Animator.  Starkbiere unterschiedlichster Machart mit einem Namen, der immer auf dieselbe Silbe endet. Das kleine Saarland, das sich was Bier angeht in den letzten Jahrzehnten nicht mit besonders viel Innovationsruhm ausgezeichnet hat, gleicht diesen Mangel nun langsam aber sicher aus und hat inzwischen auch seinen eigenen –ator: den Saarbrückator Doppelbock. Eine Bieridee der Saarbrücker Beer Society, gebraut von der ortsansässigen Brauerei Bruch. Das Bier ruht zweieinhalb Monate im Lagertank, und wird darüber hinaus kaltgehopft.

Saarbrückator Doppelbock

Ohne viel Gewese direkt zum Eindruck. Deutlich opalisierend, fast schon trüb, bei einer kräftigen Bernsteinfarbe, die fast schon ins bräunliche übergeht.Starke Perlage. Schaum ist nach dem Eingießen vorhanden, baut sich aber trotz des Mousseux schnell ab. Ich rieche einiges an Frucht, Honigmelone, Feige, vielleicht etwas Stachelbeere. Eine sehr präsente Hefenote überlagert das etwas. Insgesamt ansprechend.

Wirklich sehr cremig im Mundgefühl, dabei auch süß im Antrunk. Voluminös. Interessant ist, dass die starke Karbonisierung sowohl zur Frische als auch zu diesem Volumen beiträgt – man hat wirklich ordentlich was im Mund bei einem Schluck. Das gefällt mir sehr, und dieses tolle Mundgefühl hilft mir, über die etwas gedämpften Aromen hinwegzusehen. Ein sehr ausgewogenes Süße-Säure-Verhältnis trägt weiterhin dazu bei. Ebenso, dass die 9% Alkoholgehalt, passend für einen Doppelbock, sehr sauber eingebunden sind. Der Abgang ist mittellang, hefig, leicht bitter, etwas adstringierend.

Ja, das kann man sehr schön trinken, das läuft runter wie Butter. Ein sehr gelungenes Bier, und das sage ich nicht nur aus Lokalpatriotismus – von so etwas in dieser Art würde ich gern mehr sehen; bis dahin habe ich mir neulich bei einem Tasting, in dem der Saarbrückator auch gefeatured wurde, nochmal 2 Fläschchen davon mitgeholt. Mir gefällt dabei besonders, dass die relativ junge Saarbrücker Beer Society so viel Schwung in die Saarländische Bierwelt bringt. Eine tolle Sache.

Maisel & Friends Hopfenreiter 2018 Titel

Kurz und bündig – Maisel & Friends Hopfenreiter 2018 Double IPA

Da ist er, der dritte Freundschafts-Sud, organisiert von der Brauerei Maisel & Friends – das Hopfenreiter 2018 Double IPA. „Miteinander statt gegeneinander!“ ist das Motto, unter dem sich einige Brauer zusammentun, seltene Zutaten teilen und dadurch ein Bier kreieren, das nur einmal so produziert wird. Superfreunde, Mikkeller, Duvel, Bevog und Frau Gruber, durchaus gewichtige Namen im Craftbierbusiness also, haben dafür ihre Hopfenlager geplündert.

Maisel & Friends Hopfenreiter 2018

Man sieht auf dem Bild den dicken, cremigen und dabei noch sehr feinen Schaum; starke Perlage befeuert ihn. Die kräftige, goldene Farbe entsteht auf dem Hintergrund einer leichten Opalisierung. Spannend, dieser Geruch – Grapefruit, Erdbeermarmelade, etwas Soja, Hefe, Brot. Durchaus ungewöhnlich, aber in dieser Beziehung nicht überhand nehmend, sondern nah an der Erwartung eines DIPA bleibend.

Extrem cremig im Mundgefühl, der Antrunk ist süß und mild, und mildfruchtig – Nektarine, Kirsche.Etwas Wintergrün und Fruchtkaugummi. Eine kräuterige Note ist da, vielleicht Thymian und Basilikum.  Die DIPA-Bittere kommt langsam aber gewaltig im Verlauf. Insgesamt frisch und rezent, mindestens zum Teil durch hohe Karbonisierung, sowie gute Säure. Dabei behält das Bier sich aber einen starken, dichten, vollen Körper mit echtem Wumms bei 8,5% Alkoholgehalt. Der Abgang ist sehr trocken, bitter, erneut Wintergrün. Sehr adstringent, fast schon anästhetisch, der Hopfenreiter bleibt sehr lange am Gaumen und belegt dabei die Zunge. Calypso, Citra, Styrian Golding, Styrian Fox, Enigma und Mandarina Bavaria, da ist Hopfen ohne Ende drin.

Das Etikett ist, soweit ich das übersehen kann, dasselbe wie das des damals schon von mir sehr gut aufgenommenen Hopfenreiters 2017. Es scheint sich eine gute Reihe herauszubilden! DIPA ist, zugegebenermaßen, nicht so ganz mein Stil, doch hin und wieder trinke ich so extreme Bier auch gern. Diese Ausprägung ist jedenfalls wuchtig und sehr charakterstark, ein wahres Experimentalbier, das ungewöhnlich hergestellt wird. Es macht einfach einen riesen Spaß, so etwas zu verfolgen.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die Zusendung einer Flasche des Hopfenreiters 2018.