Archiv der Kategorie: Kurzreview

Gran Classico Bitter Titel

Kurz und bündig – Tempus Fugit Gran Classico Bitter

Heute in Kurz und bündig, meiner unregelmäßig erscheinenden Reihe an kurzen Tastingnotes, ein Bitterlikör aus dem Hause Tempus Fugit – der Gran Classico Bitter. Dabei handelt es sich um einen klassischen italienischen Bitter, der allerdings seit 1925 von E. Luginbühl in der Schweiz hergestellt wird, die damals das Rezept einem Turiner Hersteller abkauften. In neuem Glanz erstrahlt er nun, da die Spirituosenwelt sich ändert („tempus fugit“, in der Tat! Die Zeit fliegt!) und man Interesse an alten, fast schon vergessen geglaubten Zutaten entwickelt.

Gran Classico Bitter Glas

Die dunkle terracottafarbene Flüssigkeit, die ohne künstlichen Farbzusatz entsteht, liegt schwer im Glas, langsame, ölige Wellen bewegen sich beim vorsichtigen Drehen des Glases. Die Glaswand bleibt lange von den Resten dieser Flüssigkeit benetzt, nur langsam laufen diese ab.

Ich halte die Nase ins Glas – Essig, Lakritz, Chinarinde, Orangenschale,Fruchtbonbons, Grapefruit, Holz, ein Gefühl von Rauch. 25 Kräuter und Wurzeln sollen laut Hersteller verwendet werden; ich glaube es direkt, die entsprechende Komplexität ist ohne Mühe erkennbar. Ein Alkoholhauch sticht die Nasenschleimhaut, ein bisschen Geduld und Offenstehen lässt diese verfliegen.

Sehr süß und cremig im Antrunk. Dies bleibt auch während der ganzen Verkostung des Gran Classico Bitter so und bildet den Gegenpart gegen die kräftige Bittere, die gut eingebunden wirkt. 28% Alkohol kümmern sich um den ordentlichen Wumms. Grapefruit, bittere Kräuter, leicht holzige Aromen, eine milde Salzigkeit und dazu eine dezente aber wirkungsvolle Würze sorgen für einen dichten Körper mit erstaunlich viel Kraft. Stark adstringierend, recht pfeffrig, sehr lang und effektvoll ist der Abgang schließlich.

Pur ist er mir dann doch viel zu süß, aber der Purgenuss ist auch nicht das übliche Einsatzgebiet eines solchen Likörs. Tatsächlich muss mein geliebter Campari sich in diesem Wettbewerb warm anziehen – der Gran Classico Bitter ist ein mehr als akzeptabler Ersatz für ihn in vielen Drinks. Gerade Cocktails, die sich stark auf diese Komponente verlassen, wie der Negroni, der Boulevardier oder der Old Pal, können sicherlich von der zusätzlichen Komplexität, die der Gran Classico im Vergleich zweifelsohne mitbringt, profitieren – und das sage ich als ausgesprochener Campari-Fan. Und auf die künstliche rote Farbe kann man eh verzichten, ob Fan oder nicht.

Offenlegung: Ich danke Lion Spirits für die unaufgefoderte, kostenlose Zusendung einer 10cl-Probe dieses  Produkts.

Tempus Fugit Kina l'Aero d'Or Titel

Kurz und bündig – Tempus Fugit Kina l’Aero d’Or

Kina ist eine der verlorenen Zutaten, deren Fehlen Ted Haigh in seinem Buch Vintage Spirits and Forgotten Cocktails beklagt. In einer Zeit wie heute, in der es ein neues, starkes Interesse an derartigen Spirituosen gibt, die lange ausgestorben waren, tun sich findige Hersteller wie Tempus Fugit mit dem Schweizer Oliver Matter zusammen, um sie wiederzubeleben. Ein Ergebnis davon ist der Tempus Fugit Kina l’Aero d’Or – würde James Bond ihn in seinen Vesper-Cocktail mischen lassen, als Ersatz für den damals verwendeten, heute nicht mehr hergestellten Kina Lillet?

Tempus Fugit Kina l'Aero d'Or Glas

Die Farbe ist frappierend – ein strahlendes Sonnenblumengelb, das wahrscheinlich Namensgeber für diesen Quinquina ist („Das goldene Flugzeug“, das man auch auf dem Etikett sieht). Oder umgekehrt, je nachdem, wie man es sehen will. Eine leichte Viskosität ist im Glas erkennbar, die sehr langsam ablaufenden Beine sind sehr attraktiv.

Der Geruch verbirgt die Wurzeln des Kina l’Aero d’Or nicht. Da ist viel Weißwein, erfreulich, dass man das Basisprodukt noch erkennt. Darüber liegen Schichten aus Zitrus und Kräutern – laut Hersteller wird der Weißwein aus dem Piedmont mit Chinarinde, Orangenschale, Wermut und Gewürzen infundiert. Dies ist tatsächlich auch schön nachvollziehbar, und bildet ein sehr intensives Aromenbild, ich rieche viele Minuten daran und werde es nicht müde.

Das goldene Flugzeug fliegt mit einem sehr trockenen Antrunk los. Bitter und herbal ist der erste Eindruck, obwohl eine fette Süße immer für Bodenkontakt sorgt. Eine starke parfümige Komponente überrascht dabei. Ich fühle mich sehr stark an einen Kräuterlikör wie Jägermeister erinnert, oder vielleicht an Unicum. Im Verlauf kommen die Zitrusnoten stärker zum Tragen, eher bittere aber, Orangenschale und Grapefruit. Die enthaltenen 18% Alkohol sind nicht spür- oder schmeckbar.

Der Abgang ist süß, eher fast schon klebrig, dabei aber mit einer unterschwelligen Würze, die als Chilieffekt die Zungenspitze betäubt. Insgesamt bleiben adstringierende Effekte extrem lange am Gaumen, viele Minuten nach der Verkostung. Eine leichte holundrige Blumigkeit sorgt für den ausgleichenden Ausklang und eine sichere Landung.

Ein sehr interessanter Likör, den man sehr angenehm pur als Apéritif genießen kann, der aber auch in Cocktails genug Charme und Wucht mit sich bringt; ich werde ihn in Kürze in einem Boulevardier als Campari-Ersatz ausprobieren. James Bond würde ihn in seinem Cocktail jedenfalls mögen, da bin ich mir sicher. Und Ted Haigh auch.

Offenlegung: Ich danke Lion Spirits für die unaufgefoderte, kostenlose Zusendung einer 10cl-Probe dieses  Produkts.

Foursquare 2004 Exceptional Cask Selection 11 Years Titel

Kurz und bündig – Foursquare 2004 Exceptional Cask Selection Single Blended Rum

Die Gargano-Klassifikation von Rum ist ein Versuch, sich von der Nutzlosigkeit der bestehenden Rumklassifikationen, die nach Farbe oder Länderstilen arbeiten, zu lösen. Was soll es uns sagen, wenn ein Rum „braun“ oder „golden“ ist? Das trifft auf praktisch jeden gereiften Rum, der nicht entfärbt ist, und auch auf ungereifte, gefärbte Rums, zu. Ebenso halte ich nichts von der Gruppierung nach „britischem“ oder „lateinamerikanischem“ Stil, als würde in Südamerika nur genau ein Rumstil hergestellt und auf Barbados nur genau ein anderer. Die Gargano-Klassifikation dagegen bezieht sich auf die Herstellungsweise, und hat somit Aussagekraft. Wir verlangen in einer Bar ja auch nicht einen „braunen Whiskey“, sondern einen Straight Bourbon. Oder einen Blended Scotch.

Der Foursquare 2004 Exceptional Cask Selection Single Blended Rum ist entsprechend dieser Klassifikation eine Mischung aus Pot-Still- und Column-Still-Rum. 2004, im Jahr der Namensgebung, kam er ins Fass, 2015 in die Flasche, damit ist er also nach Adam Riese 11 Jahre alt. Allein aus dem Namen kann man schon viel mehr ableiten als aus allen Informationen, die manch anderer Hersteller gesammelt anbietet.

Die Farbe ist natürlich, bei Full-Proof-Rums färbt Foursquare nicht nach. Das Kupfer stammt also rein aus den Fässern. Im Glas liegt der Rum schwer und viskos, beim Schwenken bleiben einige Tropfen sogar oben am Glas hängen, statt als Beine abzulaufen, und bequemen sich dann erst nach einer Minute Wartezeit sehr gemütlich nach unten.

Foursquare 2004 Exceptional Cask Selection 11 Years

Der Geruch ist direkt und ohne Umschweife süß, schwer und voll. Gebrannte Mandeln. Kokosnussfleisch. Vanille dominiert allerdings deutlich die Nase, und da ist viel Eichenwürze; ein damit verwandter kleiner Lack- und Klebstoffton erinnert daran, dass dieser Rum 10 Jahre in Bourbonfässern lagerte. Direkt nach dem Eingießen zwickt eine stechende Note die Nasenschleimhaut, wenn man die Nase zu tief ins Glas hält. Mit Offenstehdauer verfliegt ein Großteil davon, es bleibt aber etwas übrig.

Sehr süß, aber nie klebrig, und hocharomatisch. Sehr breit und körpervoll. Viel Vanille, Schokolade, Nougat, aber auch Gewürzanklänge nach Piment, Kardamom und Nelken, vielleicht sogar etwas Muskatnuss. Das Bourbon-Fass hat einiges an Aromatik mitgebracht, und dem eh schon für sich wuchtigen Rum übergeben. Der Abgang ist lang, glühend heiß, etwas metallisch, dafür aber vanillig und süß. Nur milde Trockenheit, eine erkennbare Holzigkeit bleibt am Gaumen. Ein Menthol-Nachhall sorgt für zusätzliche Länge.

Unverdünnt ist der Foursquare 2004 bei 59% noch wunderbar trinkbar, bei Rum geht das oft, was bei anderen Spirituosen meist schwerfällt. Dennoch verdünne ich ihn testweise auf rund 40%. Die Vanille geht dadurch etwas zurück, die Lacknote verschwindet komplett, Gewürze kommen nach vorne. Geschmacklich bleibt er dicht wie zuvor, schokoladig und weich, ein paar gemüsige Komponenten werden erkennbar, Gurke oder Sellerie vielleicht, die Holznoten sind stark reduziert. Das Feuer des Abgangs wird ersetzt durch ein leichtes Chili, mit etwas Betäubung der Zungenspitze. Durch die Verdünnung verliert er kaum an Charakter, wird nur genehmer und noch runder.

Nun, was soll ich im Fazit sagen, außer, dass das ein hervorragender Rum ist. Natürliche Süße, voller Körper, dichte Aromatik – all das ohne jeden Zusatz. Ich gebe zu, dass ich vielleicht etwas beeinflusst bin durch die Person Richard Seale und sein Auftreten gegen manipulierten Rum; ich rate jedem dennoch, sich zumindest einmal einen Foursquare-Rum zu gönnen, um zu erkennen, das der Mann nicht nur laut und deutlich redet, sondern gleichzeitig hervorragende Arbeit abliefert. Der Foursquare 2004 Exceptional Cask Selection Single Blended Rum wäre eine ideale Gelegenheit dafür.

Dieses Review basiert auf einem 2cl- und einem 10cl-Sample. Gern hätte ich die große Flasche zu Hause; sie wird irgendwann ihren Weg zu mir finden, zu den anderen Foursquare-Rums, die dort bereits auf die Familienzusammenführung warten.

Maisel & Friends Summer Pale Ale Titel

Kurz und bündig – Maisel & Friends Summer Pale Ale

Habe ich da ein déjà-vu? Letztes Jahr im Sommer hatte ich ein Bier getrunken, das Surfer auf dem Etikett hatte. Das Kona Longboard Island Lager konnte mich durch seine unkomplizierte Art überzeugen, allein der Preis und der weite Weg, den es zurücklegen musste, bis es bei mir im Glas landete, sorgten für Schwermut. Diesen lege ich hiermit offiziell ab, denn seit kurzem gibt es auch in Deutschland hergestelltes Surferbier! Maisel & Friends sorgt mit dem Summer Pale Ale, auf dessen Etikett ein lässiger Surfer sein Brett am Strand entlang trägt, entsprechend schonmal direkt für gute Laune.

Maisel & Friends Summer Pale Ale

Die Hefe setzt sich am Boden etwas ab, daher ist beim Eingießen darauf zu achten, dass man die Flasche kurz vorher dreht, oder etwas schwenkt. Berücksichtigt man das, so ist das Summer Pale Ale deutlich trüb, mit leicht blassem Ocker als Farbe. Mittelstarke Perlage ist durch die Trübung sichtbar, und ein wenig an feinblasigem Schaum krönt das Bier. Ich rieche daran, und mir gefällt die Mischung aus marmeladig-süß, mild zitrusig (ist das ein Wort?), sehr betont hopfig. Man bekommt direkt einen Eindruck der zu erwartenden Bittere.

Im Mund bleibt dann kaum noch was von der Marmelade, hier wirds kantig: sehr bitter, mehr noch, als es die 33 IBU zahlenmäßig vermuten lassen. Trocken, herb und die nur ganz kurz im Antrunk aufblitzende Süße wird schnell von einer Welle der Hopfigkeit hinweggespült. Sehr rezent und kühlend, mit erkennbarem Mineralwassercharakter – leichter Körper ohne viel Tiefe. Das ist für meinen Geschmack für ein Pale Ale schon grenzwertig nah am Westcoast-IPA, aber ich schere mich nur selten um Stiltreue, wenn das Endprodukt schmackhaft ist.

Der Abgang ist kurz, frisch, sehr herb und trocken. Zitrusnoten hängen noch nach, ein mentholischer Effekt ebenso. 4,4% Alkohol sorgen für gute Sommerkompatibilität – was leichteres für den Strand. Das würde ich auch gern als Fazit festhalten: die Zielidee eines leichten Sommerbiers wurde mit dem Summer Pale Ale voll getroffen. Ich denke mal, ich werde meine Kollegen in naher Zukunft bei einem Bürobier um Vier damit beglücken, gut gekühlt, wenn es wieder so heiß ist.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kostenlose Zusendung einer Flasche dieses Bieres.

Saint James Cuvée 1765 Rhum Vieux Agricole Titel

Kurz und bündig – Saint James Cuvée 1765 Rhum Vieux Agricole

Es ist schon eine kleine Weile her, dass ich den letzten Rhum Agricole im Glas hatte – sehr attraktive Melasse-Rums und andere Spirituosengattungen hatten in letzter Zeit meine Aufmerksamkeit eingenommen. Es wird also Zeit, dass diesem unhaltbaren Zustand endlich wieder Abhilfe geschaffen wird! Der Saint James Cuvée 1765 Rhum Vieux Agricole kommt da gerade recht. Es handelt sich bei ihm um einen Blend von martinikanischen Rums, die jeweils mindestens 6 Jahre gereift wurden. Das ganze wird mit 42% Alkoholgehalt abgespielt.

Färbung ist auch bei den strengen Regeln des AOC, denen dieser Rum unterliegt, erlaubt. Entsprechend vorsichtig beurteile ich, wie immer, die Farbe; zumindest scheint sie mir mit ihrem hellem Bernstein für das Alter der Assemblage glaubwürdig zu sein. Nur leichte Schwere ist beim Schwenken zu erkennen, die dabei enstehenden Beine bleiben fast an einer Position stehen, so langsam laufen sie ab.

Ich bin bei der Geruchsprobe sehr überrascht – ein extrem stechender, beißender Klebstoffgeruch ist alles, was ich zu Beginn wahrnehme, dermaßen penetrant, dass ich kaum die Nase ins Glas halten kann. Also erstmal eine Weile offen stehen lassen, denke ich – und tatsächlich, nach einer Weile öffnet er sich und die Beißzange verfliegt etwas, ohne aber ganz zu verschwinden. Schöne Reifungsnoten blitzen nun auf, Vanille und getoastetes Holz, Muskatnuss, Heu. Insgesamt ein recht würzig-aromatischer Antritt.

Saint James Cuvée 1765 Rhum Vieux Agricole

Im Mund ist der Saint James Cuvée 1765 sehr breit, dabei aber auch etwas flach. Die Würzigkeit steht im Antrunk noch Vordergrund, dort aber schon untermalt von cremiger, marmeladiger Süße. Erdbeeren, Mango, Honig und Vollmilchschokolade melden sich an und übernehmen immer mehr das Ruder. Im Mittelteil beginnt sich eine feine, dezente Chilischärfe ausmachen zu lassen, die schließlich stärker und dominanter wird.

Der Abgang ist dann aber wieder sehr süß, kühlender Eukalyptus breitet sich aus, er wird nicht zu trocken, leicht adstringierend; erneut habe ich die starke Assoziation zu Marmelade oder Erdbeerkompott. Insgesamt wirkt er mittellang auf mich, insbesondere die Fruchtnoten hängen lange nach, und er klingt mit ein paar kiesigen, grasigen Eindrücken aus.

Diese Kurzbesprechung basiert auf einem 5cl-Sample, die volle 700ml-Flasche kostet um die 50€. Das kann man durchaus ausgeben für diesen Rhum, wenn man nicht ausschließlich auf supertrockene Exemplare steht. Gerade das sehr aparte An- und wieder Abschwellen der Schärfe und die Eukalyptusfrische finde ich toll; mir persönlich ist der Saint James Cuvée 1765 aber letztlich im Gesamtbild einen Ticken zu unverbindlich, als dass ich ihn in Zukunft in die ganze enge Wahl ziehen würde.

Jean Fillioux XO So Elegantissime Cognac Titel

Kurz und bündig – Jean Fillioux XO So Elegantissime Cognac

Heute verkosten wir in dieser Ausgabe der „Kurz und bündig“-Serie, in der ich reine Tasting Notes veröffentliche, einen Cognac – Jean Fillioux XO So Elegantissime, um genau zu sein. Dieser Cognac weist neben der XO-Alterskategorie noch die Titel Vieille Grande Champagne, 1er Cru de Cognac auf, die das Herkunftsgebiet kennzeichnen (die eaux-de-vie aus der Grande Champagne gelten unter Kennern als die feinsten).

Jean Fillioux XO So Elegantissime Cognac

Das leidige Thema der Farbe ist wie üblich bei den allermeisten Spirituosen zu betrachten – einerseits hofft man, dass bei einem XO-Cognac, dessen jüngster Bestandteil immerhin mindestens 6 Jahre (für Abfüllungen ab 2016 dann 10 Jahre) im Eichenfass lagerte, diese attraktive Haselnussfarbe aus Holzeffekten entsteht. Andererseits sind bei Cognac Farbstoffe erlaubt und werden daher wohl auch verwendet.

Der Geruch bezaubert schonmal – dunkel, würzig, getrocknete Bananen und Pflaumen. Pfirsich. Sandelholz. Etwas Eukalyptus. Im Antrunk ist der So Elegantissime zunächst sehr weich und sehr süß , wird dann aber stärker und stärker, immer würziger, dann leicht pfeffrig und warm. Viel Volumen und große Dichte. Insgesamt überraschend hell und klingelnd im Ton. Sehr elegant (der Name sagt es ja schon aus!) und leicht, und nicht allzu komplex. 41% empfinde ich als perfekt eingebunden, und weder in der Nase noch im Mund spürbar.

Der Abgang ist wirklich extrem fruchtig, deutlichst erkennbar sind Pfirsich, Mango, Honigmelone und Aprikosen. Mittellang, warm und rund, nicht zu trocken, aber trotzdem stark adstringierend. Ein leicht mentholiger Nachklang, in dem etwas Hubbabubba-Kaugummi und dunkle Schokolade mitschwingt.

Ein wirklich angenehmer Cognac, schön zum Nippen und Schwelgen, dabei nicht in der Perfektion bereits langweilig, wie es manchen seiner Artgenossen ergeht. Ich würde mir persönlich aber doch noch etwas mehr Komplexität wünschen.

Diese Kurzbesprechung basiert auf einem 5cl-Sample. Die 700ml-Flasche des Jean Fillioux XO kommt preislich auf ungefähr 100€; das Preisleistungsverhältnis empfinde ich persönlich hauptsächlich wegen des letzten Kritikpunkts als durchschnittlich.

Martini Fiero Titel

Kurz und bündig – Martini Fiero

Es sollte eine kleine Abwechslung werden vom sonst üblichen Crémant, den die etwas damenlastige, unregelmäßig stattfindende Runde am Feierabend im Büro als Ausklang vom Alltag sonst so trinkt. Auf die Dauer ist dieser französische Sekt halt etwas langweilig; mit dem nagelneu erschienenen wein-basierten Aperitiv aus dem Hause Martini wollte ich etwas Schwung und mediterranes Flair injizieren. Um es kurz zu machen – es war ein spektakulärer Erfolg, die Damen haben ein neues Lieblingsgetränk. Was macht ihn aus, den Martini Fiero?

Martini Fiero Flasche

Schon allein die Farbe! Dunkles rubinrot, mit einem Touch von violett. Der Geruch wirkt bitter und fruchtig, nach Grapefruit. Erinnert mich stark an Aperol. Da ist noch eine klare Note von Hubba-Bubba-Kaugummi, Himbeeren und Erdbeeren.

Im puren Zustand ist der Geschmack dann aber doch anders als Aperol – der Fiero ist sauer, auch hier Grapefruitsaft, etwas -schale vielleicht noch. Nur mild bitter, er wirkt irgendwie, als wäre Kohlensäure darin. Das gibt ihm eine schöne Frische. Wirklich apart! Eine unterschwellige Kräuternote, etwas Meersalz und zum Schluss noch ein Überbleibsel des verwendeten Weins. 14,4% Alkoholgehalt spürt man kein bisschen, was ihn zu einem sehr gefährlichen Getränk macht – äußerst süffig und rund. Der Abgang ist eher süßlich, überraschend lang für einen derartigen Aperitiv, und leicht kribblig auf der Zunge.

Ich bin normalerweise, was Cocktails angeht, recht anspruchsvoll und gebe mich selten mit den meist etwas simpel angelegten Rezepten, die die Hersteller von Spirituosen für ihre Produkte angeben, zufrieden; es muss meist etwas extravaganter sein. Beim Martini Fiero allerdings muss ich doch ganz banal die Empfehlung des Herstellers wiederkäuen: Das Fiero Tonic ist so perfekt, wie ein Longdrink nur sein kann. Leicht, frisch und doch mit ordentlicher Wucht, so dass er nicht langweilig wird. Die Vermischung mit Tonic Water sorgt auch dafür, dass der Alkoholgehalt dieses Drinks mit rund 7% einen sehr genehmen After-Work-Level erreicht – in etwa wie ein Bier, deutlich weniger als ein Crémant.

Martini Fiero Tonic


Fiero Tonic
Ein Glas mit Eis füllen.
Zur Hälfte mit Martini Fiero befüllen.
Aufgießen mit Tonic Water (z.B. Fever Tree Mediterranean Tonic).
Leicht umrühren.
[Rezept nach Martini & Rossi]


Ich glaube nicht daran, dass es Getränke gibt, die nur von Männern getrunken werden und andere, die nur von Frauen getrunken werden. Der Martini Fiero kommt sehr gut an bei beiden Geschlechtern, und wird damit weiterhin bei uns auf absehbare Zeit das Getränk der Wahl sein, wenn es darum geht, nach einem langen oder auch einem langweiligen Arbeitstag den Feierabend einzuläuten.

Ryoma Japanese Rum Aged 7 Years Titel

Kurz und bündig – Ryoma Japanese Rum Aged 7 Years

Die Japaner haben bewiesen, dass sie exzellenten Whisky machen können, der dem aus Schottland ohne Schwierigkeiten Paroli bieten kann. Damit geben sie sich aber natürlich nicht zufrieden – auch ins Rumgeschäft steigen sie ein. Wir wollen hier in diesem Kurzbericht nun mal schauen, ob der Ryoma Japanese Rum Aged 7 Years, als Beispiel dafür, den karibischen Herstellern Konkurrenz machen kann. Dieser Rum aus der Destillerie Kikusui Shuzo wird aus Zuckerrohrsaft von der japanischen Küste hergestellt, und reift danach 7 Jahre in Eichenfässern.

Die Farbe ist sehr blasses Stroh. Leichte Viskosität ist beim Schwenken erkennbar, mit einem breiten Beinteppich am Glas, der sehr langsam abläuft. Der Geruch ist zunächst rumuntypisch, erinnert ich mehr an polnischen Vodka – tatsächlich könnte ich das mit Grasovka, oder aber vielleicht auch Sotol verwechseln. Sehr deutlich alkoholisch, selbst nach einer Viertelstunde Offenstehzeit, mit etwas sojasaucenartiger Würze. Eine tiefe Geruchsprobe ist nur schwer möglich wegen des stechenden Geruchs (das kann in dieser Brutalität kaum von den 40% Alkohol kommen); hält man das Glas 10cm von der Nase entfernt, riecht der Rum fruchtig nach Pfirsich, Honigmelone, nussig nach Sherry, leicht grasig und vegetal.

Ryoma Japanese Rum Aged 7 Years

Im Mundgefühl sehr weich und mild, mit leichtem, aber dichtem Körper. Im Antrunk sehr süß, mild, leicht grasig, wird er dann mehlig, getreidig, bleibt aber etwas belanglos. Seinen wahren Charakter zeigt der Ryoma erst im Abgang, denn dieser ist mittellang, sehr salzig, umami, mit immer mehr zunehmender Hitze und Würze – spannend, normalerweise ist der Effekt umgekehrt. Da ist mehr als nur ein Gefühl von chinesischem Hirsedestillat in der Aromatik; es tauchen Lakritz, Sojasauce, Heu, feuchter Aquariumkies und Thymian auf, gefolgt von einem sehr mentholigen Nachhall mit starker anästhesierender Wirkung an der Zungenspitze. Ein wirklich sehr überraschender, fast schon begeisternder Ausklang. Danach verschwindet der Ryoma schnell komplett vom Gaumen.

Diese Kurzbesprechung basiert auf einem 10cl-Sample. Die 70cl-Flasche des Ryoma Japanese Rum Aged 7 Years kommt im Einzelhandel auf rund 70€ – ich tue mich auch deswegen schwer, diesen Rum wirklich zu empfehlen, dazu ist er zu speziell und untypisch für die Kategorie, in der er antritt. Wer aber einen Rum schmecken will, der so gar nicht ins Schema passt, und asiatische Spirituosen schätzen kann, sollte vielleicht  einen Blick riskieren, selbst wenn es nur darum geht, sein persönliches Geschmacksspektrum zu erweitern.

Don Julio 1942 Tequila Titel

Kurz und bündig – Don Julio 1942 Tequila

Manchmal will man sich was gönnen. Und als ich neulich im Restaurant mit der wahrscheinlich besten Tequilakarte Deutschlands saß, dem Café Especial in Saarbrücken, sprang mir ziemlich weit oben auf der Karte ein Angebot entgegen, dem ich nicht entgehen konnte – der Don Julio 1942 Tequila. Dieser Tequila ist eine limitierte Edition (was auch immer das bedeuten mag, es mangelt an detaillierteren Informationen) eines mindestens zweieinhalb Jahre gereiften Añejos, der scheinbar dem Firmenheiligen Don Julio González gewidmet ist, der im titelgebenden Jahr damit anfing, Tequila zu brennen.

Don Julio 1942 Tequila

Die Farbe ist strahlendes Blassgold, entstanden mindestens zum Teil durch Farbstoff, der bei Tequila erlaubt ist. Da man im Café Especial jeden Tequila in einem großen Cognacschwenker bekommt, kann man gediegen verkosten – dicke Beine bilden sich am dünnen Glas, und der 1942 wirkt sehr ölig.

Die Nase ist, der Fassreifung sei Dank, karamellig, süß, und leicht alkoholhauchig bei tequilaüblichen 38%. Eine sehr milde Agavennote hat die Zeit im Fass überdauert, was man nicht bei allen gereiften Tequilas sagen kann. Der Geschmack ist sehr schwer und dicht, zuckersüß und karamellig. Viel Vanille, und dabei noch eine unterschwellig schwere Würze. Süßholz. Richtig körpervoll und voluminös. Der Abgang ist mittellang, erneut sehr süß und vanillig. Im Nachhall bewegen wir uns etwas weg von der bisher alles beherrschenden Süße, hier wird es dann sehr trocken und adstringierend.

Ich fühle mich insgesamt schon stark an Cognac und Armagnac erinnert; persönlich habe ich damit ein gewisses Problem, denn der Don Julio 1942 gibt durch die lange Reifung, die dem Brand viele Charakteristika abschleift, zumindest teilweise seine Identität als Tequila auf.

Bei 18€ für 4cl, die ich im Café Especial bezahlt hatte, kann man sich das Vergnügen dieses Tequilas mal gönnen – eine ganze Flasche käme für mich nicht in Frage, dazu fehlt es mir, der ich eh schon am liebsten Blanco-Tequilas trinke, einfach an Agavencharakter. Wer aber eigentlich sowieso lieber einen Cognac statt einem Tequila trinken wollte, wird hier voll zufrieden gestellt.

Maisel & Friends Black IPA Titel

Kurz und bündig – Maisel & Friends Black IPA

Sie sind rührig und ruhen sich nicht auf ihren Lorbeeren aus, die Brauer bei Maisel & Friends. Der neueste Streich, der vor kurzem in mein Postfach flatterte, hat mich aber noch mehr überrascht, als es die vorigen Biere getan haben – die Aufmachung des Maisel & Friends Black IPA ist schon ein echter Knaller, das dunkelrot-schwarze Etikett mit einem Seemannstotenschädel mit Pfeife im zahnfleischlosen Mund gefällt mir wirklich gut. Mal schauen, ob das Bier was taugt, oder ob sich mir beim Trinken auch ähnlich das Zahnfleisch wegzieht…

Maisel & Friends Black IPA Flasche

Ein Bier, das sich Black IPA nennt, darf farblich nicht mit goldgelb oder blassrosa überraschen, und das tut es hier auch nicht. Es hat sogar schon etwas porter- oder schwarzbierhaftes an sich, ist dabei nicht blickdicht. Man erkennt feine Perlage und wenig Schaum, letzterer ist eine schöne Mischung aus großen und feinen Blasen.

Im Geruch ist es trotz der dunklen Farbe sehr hopfig, hier macht sich der zweite Teil des Namens bemerkbar (Herkules, Topaz, Callista und Vic Secret sind im Einsatz), mit milder, beerenlastiger Frucht. Doch die Dunkelheit ist nicht rein optischer Natur – da sind malzig-süßliche Töne, Schokoladenkuchen, ein Anflug von Kaffeepulver.

Eine würzig-süße Grundlage ist bereits beim Antrunk, der noch hopfenfruchtig und fesch zitronig daherkommt, vorhanden; erstere nimmt dann mehr und mehr Raum ein, bis der dunkle Malzcharakter den Hopfen komplett verdrängt hat. Schnittige Säure und kräftige Karbonisierung bedeuten dabei aber doch erfrischende Rezenz, und die deftige Bittere von 58 IBU lässt den Gaumen kribbeln, ohne dabei die Cremigkeit des Mundgefühls aufzugeben. Mit 7,9% Alkoholgehalt bewegen wir uns im sortentypischen Rahmen. Im Abgang ist das Maisel & Friends Black IPA erkennbar salzig und würzig, mittellang, mit leichten Rauchanflügen, sowie sehr trocken.

Maisel & Friends Black IPA Glas

Das Etikett wirbt mit einer „Geschmacks-Achterbahn“ – ja, das trifft es recht gut, da ist von allem was dabei, mit wilden Wechseln in hoher Geschwindigkeit, und persönlich brauche ich dennoch nichtmal eine Kotztüte, die sonst in Achterbahnfahrten und ähnlichem für mich unerlässlich ist. Ein interessantes Experimentalbier mit viel Überraschungspotenzial.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kostenlose, unaufgeforderte Zusendung einer Flasche des Black IPA.