Archiv der Kategorie: Kurzreview

Stone Ruination Double IPA Titel

Kurz und bündig – Stone Ruination Double IPA

Die Biere von Stone Brewing leben unter anderem von einer gewissen Attitüde, die sich auf den Dosen abbildet. Der böse Dämon, der einen angrinst, so manch ein markiger Marketingspruch, die Selbstverständlichkeit, mit der die Dose als Transportmedium gefeiert wird („Dosen sind besser. Keine Frage“. Diskutiert wird da nicht!), der Aufbau einer großen Brau- und Bierabfüllanlage in Berlin – da ist viel Potenzial für Gesprächsstoff. Dennoch will ich hier kein Fass aufmachen, sondern lieber die Dose des Stone Brewing Ruination Double IPA, und unabhängig vom lauten Kommunikationston deren Inhalt betrachten.

Stone Brewing Ruination Double IPA

Die Farbe ist erstmal nicht so kreischend, wie man sie von der Aufmachung der Dose vielleicht erwartet hätte. Safran, trübe bis zur Blickdichte, sehr feiner Schaum mit einiger Lebensdauer. Kaum Perlage erkennbar. Der Geruch dagegen dreht den Lautstärkeregler schon hoch – direkt beim Öffnen der Dose ist dieser überwältigend. Tolle, dichte, fast schon tastbare Aromen von Banane, Mango, Papaya und Zitrone. Ein würzig-harziger Unterton gibt Komplexität.

Auch im Geschmack wird kein Blatt vor den Mund genommen. Das Ruination ist sehr bitter schon im Antrunk, trotz des cremigen Mundgefühls. Im Geschmack ist es weniger Obst als vielmehr Gemüse, das alles trägt – Brokkoli, Blumenkohl, Gurke. Sehr ungewohnt, aber gar nicht unangenehm. Die Bittere dominiert natürlich auch im Verlauf alles, da ist es schwer, dagegen anzukommen. Da ist vielleicht noch Mango und Papaya, aber kaum mehr Zitroniges. Nur wenig Süße ist vorhanden, eine kantige Säure dafür schon, die für Rezenz sorgt. 8,5% Alkoholgehalt sind dann noch eine Hausmarke, die beachtet werden sollte. Der Abgang ist aromatisch kurz, von der Bittere gesehen aber sehr lang. Die gemüsig-herzhafte Komponente bleibt vorhanden, mit der das Ale dezent ausschwingt.

Das ist viel extremer in jeder Beziehung als das Arrogant Bastard Ale, das dagegen fast zahm und konventionell wirkt. Für meinen Geschmack ist das übertrieben und sehr eindimensional bitter – das kann man ab und an trinken, aber wirklich oft brauche ich diese Kante nicht. Die Dose ist schon fast komisch lyrisch – „Schönheit und Poesie, A Liquid Poem“? Nur, wenn man Rammstein für Dichtkunst hält.

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Trois Rivières Rhum Vieux Agricole Single Cask 2002 Titel

Kurz und bündig – Trois Rivières Rhum Vieux Agricole Single Cask 2002

Der Trois Rivières Rhum Vieux Agricole Single Cask 2002 ist ein knapp über 10 Jahre alter Rum aus Martinique, der in Ex-Bourbon- und Ex-Cognac-Fässern reifte. Diese Besprechung basiert auf einem 10cl-Sample, das aus Flasche Nr. 56 von 240 abgefüllten Flaschen gezogen wurde.

Farblich ist diese Rum erstmal erstaunlich, mit seinem kräftigen, dunklen Hennarot. Da selbst bei den strengen Regeln der AOC-Martinique-Rhums, zu denen dieser gehört, das Färben erlaubt ist, kann man nicht davon ausgehen, dass alles davon aus Fasseffekten stammt. Er hinterlässt beim Schwenken kaum Reste am Glas, die vereinzelt vorhandenen Beine laufen langsam bis sehr langsam ab.

Trois Rivières Rhum Vieux Agricole Single Cask 2002

Selbst einige Minuten nach dem Eingießen muss man vorsichtig sein und nicht zu tief schnüffeln, wenn man die Nase ins Glas hält. Ein sehr starker Lackton, in Verbindung mit einer beißenden Alkoholnote, zwicken sonst die Nasenschleimhaut. Erst sehr lange nach Öffnen verfliegt diese langsam. Sehr dominante Holzkomponenenten könnten dabei helfen, diesen Rum als Bourbon zu tarnen – aromatisch sind da verblüffende Ähnlichkeiten. Ein leichter Gewürzhauch und etwas Zuckerrohrwürze sind die einzigen Hinweise auf Rum – das sonst so typische Grasige, Mineralische, fehlt hier völlig. Vanille, Holz und Lack beherrschen das Bild.

Im Mund fährt der Rum fort, mich zu erstaunen – er ist sehr bitter, trocken, deftig salzig. Im Verlauf wird das kleine bisschen an Süße, das unterschwellig da ist, durch eine starke Säure verdrängt. Anis, Lakritz und ein Eindruck von einem Kräuterbonbon schieben sich nach vorn, eine alkoholische Feurigkeit belegt den gesamten Mundraum. 50,6% Alkohol verstecken sich nie. Sehr viel Holz, Tannine und ähnliches, maskieren viel des Rumcharakters – die 10 Jahre in Ex-Bourbon- und Ex-Cognacfässern sind für meinen Geschmack in diesem Fall schon fast etwas zu viel gewesen. Immerhin bekommt man so ein dichtes Gesamtbild mit viel Wucht und Breite und spannendem Mundgefühl, wenn es auch an Tiefe und Komplexität etwas mangelt.

Der Abgang lässt dann endlich die agricolischen Noten, die ich von Anfang an gesucht und erwartet hatte, auftauchen. Hier kommt Zuckerrohrsaft, Gras, Mineralität, Algen und sehr viel Eukalyptus zum Vorschein. Der Abgang selbst ist lang und aromatisch, der Nachhall noch nach vielen Minuten vorhanden.

Nun, wer Holzaromen in Spirituosen mag, sollte hier einen Blick riskieren, es besteht kaum Gefahr, dass junge, frische Rumgeschmäcker diesen Genuss stören. Das ist gleichzeitig auch mein persönliche größte Schwierigkeit, die ich bei diesem Trois Rivières für mich ausmache – neben dem Holz ist da nicht wirklich viel spannendes.

Tarquin's Gin Titel

Kurz und bündig – Tarquin’s Cornish Dry Gin und Tarquin’s Seadog Navy Gin

Gin ist inzwischen ja zu einem Sammelbegriff für allerlei aromatisierte, mehr oder weniger klare Spirituose geworden – die eigentlich im Gesetz und in der Typizität geforderte Dominanz von Wacholder ist für manche Produkte scheinbar hinfällig geworden – persönlich finde ich das keine gute Situation, die Marktmacht und Beliebtheit der Kategorie, die tagtäglich wächst, lässt aber halt vieles zu. Betrachten wir mal zwei Exemplare dieser Untergattung „Contemporary Style Gin“.

Die Farbe des Tarquin’s Handcrafted Cornish Dry Gin ist klar, auffällig ist die Schwere, mit der dieser Gin im Glas schwenkt. Entsprechend schön ist der Beinteppich am Glasrand. Man merkt schon beim Riechen, dass wir hier keinen klassischen Gin vor uns haben – Wacholder ist nicht existent. Sehr floral wirkt der Tarquin’s, und zitrusfruchtig. Die angegeben Signaturbotanicals Veilchen und Orangenschale sind klar erkennbar. Ein bisschen zwickt allerdings seine erkennbare Alkoholkomponente (42% sind enthalten) in der Nase.

Tarquin's Cornish Dry Gin

 

Im Antrunk kommt die gesehene Schwere auch wieder zum Tragen, geleitet durch eine dichte Süße: Wie bei vielen modernen Gins habe ich entsprechend ein leichtes Problem mit der Verwendung des Worts „dry“, das ist aber eine persönliche Meinung. Die Trockenheit kommt erst spät zum Vorschein, eigentlich erst im Abgang, der warm und sehr blumig ist – die Veilchen bleiben doch eine ganze Weile am Gaumen hängen. Bis dahin bekommt man einen vergleichsweise eindimensionalen Geschmack, leicht würzig und salzig, deutlich adstringierend, die Zitrusfrucht oder andere Aromen sind kaum mehr schmeckbar.

Wer Veilchen mag, kann hier sicherlich mal einen Blick riskieren; persönlich ist dieser Gin für mich zu langweilig und flach, als dass er mich wirklich begeistern könnte. Ich werde ihn aber aufgrund der wirklich schönen Blumigkeit sicherlich mal in einem Aviation Cocktail einsetzen, wo er mit der Crème de Violette harmonieren könnte.

Auch beim großen Bruder dieses Gins, dem Tarquin’s Seadog Navy Gin, brauchen wir über die Farbe nicht viele Worte zu verlieren. Eine leichte Öligkeit im Glas gefällt. Hier findet sich im Gegensatz zum kleinen Bruder etwas Wacholder in der Nase, etwas blumiges (Lavendel oder Veilchen), doch vor allem Kardamom ist sehr deutlich und präsent. Ein leichtes Stechen in der Nase beim Riechen gehört auch zum Sea Dog – bei 57% mag das auch eher angehen als bei den 42% des Dry Gin. Mit „Navy Gin“ meinen die Hersteller wahrscheinlich „navy-strength“-Gin, also Gin, der einen deutlich höheren Alkoholgehalt hat als das, was man sonst als Trinkstärke gewohnt ist.

Tarquin's Seadog Navy Gin

Im Mund kommt direkt eine starke Komponente von Kardamom nach vorn. So wie die Veilchen den Dry Gin dominieren, tut dies beim Seadog der Kardamom. Nun mag ich dieses Gewürz sehr, daher schmeichelt er meinem Gaumen. Eine milde Blumigkeit und das zunächst weiche, cremige Mundgefühl sind ein überraschender Kontrapunkt zur salzigen, scharfen Chiliwürze und heißen Zungenbetäubung, die da schnell stattfindet. Das ist sehr spannend. Der Abgang ist dagegen leider nur kurz, metallisch, warm. Nichts, was übermäßig im Gedächtnis bleiben würde; etwas Kardamom hängt noch nach.

Beide Gins haben ihre eigenen Charakteristika, heben sich aromatisch sicher von der Masse ab und wissen durchaus zu gefallen, letztlich können sie mich aber zumindest nicht so überzeugen, dass ich um die 40€ für den Dreiviertelliter ausgeben würde – vor allem, weil der Basisalkohol für diesen Gin wohl nicht selbst hergestellt wird, sondern nur das Mazerat redistilliert wird, wie das leider viele Ginhersteller tun und trotzdem Premiumpreise verlangen.

Offenlegung: Ich danke Lion Spirits für die kostenlose und unaufgeforderte Zusendung der Proben für diesen Test.

Schönramer Imperial Stout Titel

Kurz und bündig – Schönramer Imperial Stout

Hafermalz in der Zutatenliste! Bevor sich der olle RHG-Spuk wieder hebt, gleich die Klarstellung: Im VorlBierG ist das erlaubt. Eine der wenigen natürlichen Zutaten, die Brauer verwenden dürfen (im Gegensatz zu den ca. 50 nichtnatürlichen erlaubten technischen Hilfsstoffen). Das Schönramer Imperial Stout ist also safe und darf sogar in Bayern hergestellt und getrunken werden, ohne Repressalien fürchten zu müssen.

Schönramer Imperial Stout

Fürs Auge: Schwer und dunkel, aber nicht komplett blickdicht. Rotbraune Reflexe. Wenig Schaum in einer schönen Mischung aus feinsten und sehr großen Blasen, cremefarben.

In der Nase: Buttrig und teigig, erinnert an die Kuchenteigschüssel der Mutter, die man auslecken durfte. Leichte Maracuja-Noten. Dann erst Kaffee und Röstmalz.

Die Zunge: Würzig und voll, zunächst cremig. Malz, Kaffee, aber auch eine schöne fruchtige Note – Maracuja, reife Ananas, reifer Pfirsich. Schöner voller Körper, dann aber dazu gute, kräftige Säure, die die Malzsüße mehr als nur ausgleicht, und dafür sorgt, dass das Bier nicht pappig wird. Hohe Rezenz und dadurch, das mag für den Bierstil überraschen, schön erfrischend. 9,5% Alkoholgehalt sind kaum erkennbar.

Am Ende, der Rachen: Extrem bitter und dunkel, würzig und salzig. Ein sehr charaktervoller, starker Abgang, den man dem Antrunk nicht zugetraut hätte. Sehr rauchig. Lang und aromatisch.

Ich habe schon noch festere, wuchtigere Imperial Stouts getrunken, doch wenige, die soviel Würze mit einer solchen relativen Leichtigkeit verbinden. Toll – das Schönramer Imperial Stout ist meine persönliche Referenz für diesen Bierstil. Ich lege mir ein paar davon in den Keller, ein Schlechtwerden ist nicht zu befürchten: Meine für diesen Test im August 2016 gekauften Flaschen sind beispielsweise haltbar bis Februar 2031.

Arrogant Bastard Ale Titel

Kurz und bündig – Stone Brewing Arrogant Bastard Ale

Amerikanisches Bier hat das Image des geschmacksneutralen Sprudelwassers abgelegt, es ist in manchen Belangen dem deutschen Bier, seinem Vorbild, klar enteilt. Die Welle der Begeisterung für modernes Bier, das sich vom Fernsehwerbungsbiereinerlei, das Deutschland immer noch flächig beherrscht, schwappt nun zurück über den großen Teich: Stone Brewing hat vor einiger Zeit eine Brauerei und Abfüllanlage in Berlin gebaut und braut dort die klassischen Biere für den deutschen Markt nach, die den Hersteller in den USA so groß gemacht haben. Das vielleicht präsenteste Beispiel dafür ist das Stone Brewing Arrogant Bastard Ale, obergärig, mit ordentlichen 7,2% Alkoholgehalt abgefüllt in eine auffallend gestaltete Halbliterdose.

Stone Brewing Arrogant Bastard Ale

Die Farbe ist ein vergleichsweise unspektakuläres, dumpfes Braun. Ich mag diese Farbe an Bieren nicht, das ist aber eine persönliche Marotte. Schöne orangegoldene Reflexe hellen das triste Braun immerhin etwas auf. Der cremefarbene Schaum ist fein und langlebig. Der Geruch wabert schwer und malzig, mit leichter Auflockerung durch hopfige Fruchtnoten: Ananas und Mango, würde ich sagen. Aber auch eine würzige Komponente, nach Ketchup und BBQ-Sauce. Dazu minimaler Rauch, eine sehr attraktive Kombination.

Im Mundgefühl kommt der arrogante Bastard zunächst weich und fluffig daher, doch sonst ist nichts weich an diesem Bier: würzig, sehr bitter, stark malzig, nur leicht hopfig. Grapefruit. Holz. Röstaromen, gemahlener Kaffee, schwarze Schokolade. Im Abgang steigert sich das noch, dieser wird sehr salzig, mit Eindrücken von Lakritz, Sojasauce und Rauch. Sehr trocken und bitter. Mehr ein Effekt und Gefühl als ein Geschmack von Grapefruit bleibt lange am Gaumen.

Man merkt, das gefällt mir ausgesprochen – es könnte ganz sicher eines meiner Lieblingsbiere werden. Ein hartes, unkompromissloses Bier, wie das Etikett schon ankündigt: wer auf deftig-bitteres Zeug steht, kommt hier auf seine Kosten. So brutal, wie Etikett und Illustration andeuten, ist es dann aber ehrlicherweise doch nicht, also keine Angst, hier werden keine Gaumen verätzt oder Geschmacksnerven abgebrannt.

Die Aufmachung ist natürlich alles Attitüde. Ich bin mir nicht sicher, dass mir das wirklich gefällt, denn das Bier hat es nicht nötig. „You’re not worthy“ lockt dann genau eben die an, die es eben nicht zu würdigen wissen, die nur darauf aus sind, sich vor anderen zu beweisen. Der Dämon allerdings gefällt mir; er erinnert mich ein bisschen an den Troll Grimmzahn (Grimtooth im Original), der mit seinen Fallen die eine oder andere Rollenspielsession im Chaos enden ließ (wer erinnert sich?). Der Illustrations-Stil weckt diese Reminiszenzen an den Zeichner Paul Bonner und frühe Rollenspiel-Tage. Allein das ist das regelmäßige Trinken des Arrogant Bastard Ales für mich schon wert.

Stagg Jr Kentucky Straight Bourbon Whiskey (third batch)

Kurz und bündig – Stagg Jr Kentucky Straight Bourbon Whiskey (third batch)

Auch bei Spirituosen gibt es große und kleine Geschwister – vielleicht kennt der eine oder andere Bourbon-Freund unter meinen Lesern den durchaus schwer erhältlichen, raren George T. Stagg. Bei dieser Verkostung des kleinen Bruders dieses Schwergewichts, des Stagg Jr Kentucky Straight Bourbon Whiskey, haben wir die dritte Charge („third batch“) eines Small-Batch-Whiskeys aus dem Hause Buffalo Trace vor uns. Dafür werden Whiskeys mit einem Alter von um die 8 und 9 Jahren miteinander verblendet und in Fassstärke in die Flaschen gefüllt; jeder Batch hat dadurch eine eigene Charakteristik. Ein 10cl-Sample bildet die Basis für den heutigen Verkostungsversuch.

Die Farbe strahlt regelrecht, ein warmes, glühendes Kupfer, das schon fast ins braunrote übergeht. Im Glas bewegt sich der Stagg Junior wie ein Senior, langsam, gemächlich, schwer und ölig. Rein optisch ist das einer der schönsten Whiskeys, die ich bisher gesehen habe. Man sieht – man muss nicht kältefiltern oder färben (beides geschieht hier nicht), um ein spektakuläres Endergebnis zu erhalten.

Stagg Jr Kentucky Straight Bourbon Whiskey (third batch)

Geben wir ihm zunächst in voller Stärke eine Chance. Bei 66,05% ist das für mich persönlich grenzwertig.

Nach dem Eingießen ins Verkostungsglas stößt einem erstmal eine scharfe Lösungsmittelnote ein Messer ins Gesicht. Ich lasse ihn daher zunächst mal einige Minuten offen atmen. Leider verschwindet sie dennoch nicht wirklich; darüber hinaus bleibt auch eine gewisse Essignote, die es der darunter liegenden Vanille schwer macht, nach vorne zu kommen – die Nase kann mit dem Auge in keinster Form mithalten.

Im Antrunk ist erst eine schwere, dichte Süße erkennbar, ein voller und wuchtiger Körper, etwas Salzigkeit. Im Verlauf entsteht eine gewisse, kantige und würzige Schärfe nach Pfeffer und Chili, sehr viele Tannine, eine starke Adstringenz sorgt für ein trockenes Mundgefühl. Kandiszucker, Vanille und das wars dann aber auch schon – Power ohne Ende, aber keine Tiefe oder Komplexität. Der Abgang des Stagg Jr ist feurig heiß und dabei leider aromatisch nur sehr kurz. Wirklich richtig enttäuschend kurz.

Zwei Teelöffel Wasser kommen nun dazu. Die Nase bekommt eine lakritzige Note, und etwas cognachaftes. Im Geschmack liegt immer noch Alkohol und Lack stark in Front, Eiche dazu, aber Vanille und Schokolade bekommen nun wenigstens eine Chance. Der Nachhall verlängert sich um einiges. Er verliert durch das Wasser kaum an Volumen, fühlt sich immer noch ölig und schwer an: Ein Whiskey, dem Wasser sehr, sehr gut tut, den man eigentlich nur so vernünftig genießen kann. Alternativ macht er sich dann doch recht gut in einem Old Fashioned.

Fazit – Buffalo Trace hat definitiv spannendere und reizvollere Whiskeys im Portfolio – insbesondere, wenn man den aufgerufenen Preis von aktuell rund 100€ in Betracht zieht, würde ich eher diese anderen Bourbons empfehlen als den unausgereiften Stagg Jr.

A.H. Riise Non Plus Ultra und Royal Danish Navy Rum Titel

Kurz und bündig – A.H. Riise Non Plus Ultra und Royal Danish Navy Rum

„Wenn du dich und den Feind kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten.“

So ein Aphorismus, den Sunzi in seinem Buch „Die Kunst des Krieges“, heutzutage verkommen zur neoliberalen Managerbibel, formuliert hatte. Tatsächlich ist das ein kluger Gedanke, und so mache ich mich auch auf, meinen Feind besser kennenzulernen. Die Produkte des dänisch-amerikanischen Herstellers A.H. Riise stehen auf meiner Liste der Staatsfeinde ganz oben, und so landen entsprechend nun zwei Abfüllungen dieses Hauses, gegen das eine Schokoladenfabrik wie ein Diabetikerzentrum wirkt, bei mir im Glas. Diese Besprechung basiert auf 4cl-Samples, weit mehr als genug für diesen Rum.

Beginnen wir mutig mit dem A.H. Riise Non Plus Ultra, angeboten in einem spektakulären Glasdekanter. Da man nichts über den Rum in diesem Gemisch weiß, als dass er von den amerikanischen Jungferninseln stammt (die Altersangabe „der älteste und beste, den wir haben“, die auf dem Karton zu finden ist, zähle ich mal nicht ernsthaft), gehe ich davon aus, dass auch ein Schuss Färbemittel den Weg in die Flasche gefunden hat. Eine schwere Öligkeit sorgt für schönes Schwenkverhalten im Glas.

A.H. Riise Non Plus Ultra

Die Nase erkennt eine schwere Süße, Toffee, Shortbread, Zuckerwatte – ein bisschen künstlich. Ein buttriger Unterton ist vorhanden, aber auch eine gewisse leicht säuerliche Fruchtnote. Ein leichter Lackton schwingt mit, und ein erkennbarer Ethanolgeruch.

Im Mund hat man dann halt alles mögliche, aber keinen Rum. Da ist Orangenaroma, künstliches Vanillearoma und Zucker. Der Rum hält nichts, was die Nase vielleicht noch versprechen mag. Praktisch kein Körper, keine Tiefe, alles klebt an der Oberfläche wie ein Schwimmer am Rettungsring. Null Komplexität, man schmeckt im Verlauf nur noch Alkohol und Zucker. Ersterer ist darüber hinaus nicht eingebunden, bei 42% spürt man das.

Der Abgang ist scharf, heiß, sehr kurz. Ich will es auch nicht länger machen, als nötig – das ist wirklich schlimm; es schmeckt nicht mal wirklich schlecht, sondern einfach halt billig, schlampig und lieblos gemacht, und oberflächlich.

82 g/L Zucker ist mit einer der höchsten Werte, die für einen Rum mit dem Hydrometer-Test je gemessen wurden. Übertroffen wird er eigentlich fast nur noch vom Ron Jeremy XO und, ja, dem nun im folgenden probierten A.H. Riise Royal Danish Navy Rum. Jener macht mit 96 g/L Zucker eigentlich am Ende jeder Zuckerliste das Licht aus. Ich will ihn eigentlich gar nicht probieren, aber was tut man nicht alles für die Wissenschaft.

Farblich unterscheidet er sich nicht vom Non Plus Ultra – helles Braun, mit Sicherheit gefärbt. Dieser künstliche Zuckerwatte- und Fruchtgummiunterton, den ich auch beim NPU gerochen hatte, ist hier das dominante Aroma. Wer sich von der Bezeichnung „Navy Rum“ etwas ähnliches wie einen britischen Tot erhofft hatte, verdreht die Nase. Man könnte mit viel gutem Willen, wenn man das Ethanol mal wegriecht, und die penetranten Orangen ignoriert, etwas wie Rum erkennen.

A.H. Riise Royal Danish Navy Rum

Geschmacklich ist es dann Orangenlikör. Sogar ein recht scharfer (ein grausiges Destillat muss es sein, das bei nur 40% und fast 100g Zucker noch so ziept!), unausgewogener, ohne jedwede Form der Komplexität – die arme dänische Marine. Im Abgang schmecke ich noch alte Socken und Kautabak, sogar eine leicht käsige Note. Ne, also wirklich. Am Ende dann doch noch ein kleines Highlight – der scharfe, kratzige Abgang ist sehr kurz. Leider pappt der pure Zucker einem noch minutenlang den Gaumen zu, ohne jedwedes Aroma.

Absurde Mondpreise werden für diese beiden Zuckersuppen aufgerufen – ich gebe einen Tipp. Man kaufe sich Rumaroma und E150a im Supermarkt, vermische das mit einer dreiviertel Flasche Vodka und gieße den Rest mit Zuckersirup auf. So zahlt man, nimmt man einen vernünftigen Vodka (obwohl selbst das nicht nötig ist, um das Geschmackserlebnis zu replizieren), unter 10€ statt 100€, hat aber ein von Geschmack und Qualität sehr vergleichbares Produkt im Glas. Will man noch was fürs Auge: einen opulenten Dekanter, wie den in dem der Non Plus Ultra geliefert wird, bekommt man auf dem Flohmarkt nachgeworfen.

Meine Kritik würde nicht ganz so ätzend ausfallen, würden die Hersteller sich dazu bequemen, statt „Rum“ einfach „Rumlikör“ oder „stark gesüßte Spirituose auf Rumbasis“ (am ehrlichsten wäre aber „mit Rum versetzter Zuckersirup“) aufs Etikett zu schreiben, und 20€ für den Liter zu verlangen. Selbst dann würde ich aber vom Kauf abraten, denn: das Zeug  schmeckt einfach nur künstlich.

Maisel & Friends Marc's Chocolate Bock Titel

Kurz und bündig – Maisel & Friends Marc’s Chocolate Bock

Die Familie wächst – neulich hatte ich schon das Bier von „Stefan“ im Glas, nun darf „Marc“ ran. „Marc“, das ist Marc Goebel, der Brauchef von Maisel & Friends, und er hat einen deutlichen Gegenpunkt gegen Stefans helles, hopfiges IPA geschaffen und in die große, etwas ungewohnte Dreiviertelliterflasche gegossen: Maisel & Friends Marc’s Chocolate Bock.

Maisel & Friends Marc's Chocolate Bock

Dunkles Kaffeebraun, vollkommen blickdicht, mit einem feinen, langlebigen Schaum, begrüßt uns beim Eingießen. Kaum Perlage ist erkennbar. Bei meiner Flasche waren bei der zweiten Portion ein paar Ausflockungen erkennbar. Im Geruch muss ich etwas suchen, um Malz, Kaffee und einen leichten Cognachintergrund wahrzunehmen. Ansonsten bleibt das Chocolate Bock aromatisch vergleichsweise neutral.

Daher schnell übergehen zum Geschmack – die üblichen Verdächtigen stellen sich ein, die man bei einem Stout aufzählt. Kaffee, dunkler Kakao, schweres Malz, ein Anflug von Rauch. Erkennbar salzig und würzig. Schwer im Mundgefühl, sehr breit und wuchtig, dabei aber noch überraschend rezent. Eine gelungene Mischung aus dunkler Süße und frischer Säure, mal überwiegt das eine, dann das andere. Entsprechend der Klassifizierung als Bock finden wir eine passende Alkoholstärke von 7,5%. Der Abgang ist lang, sehr trocken, sehr adstringierend und knackig bitter, fast schon etwas kratzig. Viele Kaffeearomen hängen noch lange nach.

Wer die aktuellen Biere von Maisel & Friends verfolgt, hat vielleicht das jüngst in Flaschenform erschienene Choco Porter schon probiert – wem jenes zu leicht war, der sollte dieses Bier hier probieren: Marc’s Chocolate Bock ist noch dunkler, kräftiger und würziger im Geschmack.

Crew Republic X 2.1 Barley Wine Titel

Kurz und bündig – Crew Republic X 2.1 Barley Wine

Die „X“-Reihe aus dem Münchner Brauhaus Crew Republic ist deren Experimentalschiene; hier können die Brauer Einmalbiere, die nicht dauerhaft im Sortiment verbleiben sollen, einfach so mal spaßeshalber brauen, ohne sich Sorgen um Reproduzierbarkeit zu machen. Wenn sich jemand wundert, warum ich nun ein Bier bespreche, das so gar nicht mehr im Handel erhältlich ist – die lange Haltbarkeit eines derartigen Biers (hier noch bis Ende 2019) sorgt dafür, dass ich das Crew Republic X 2.1 Barley Wine, das ich irgendwann 2015 oder so kaufte, jetzt erst trinke.

Crew Republic X 2.1 Barley Wine

Die Farbe ist stiltypisch kakaobraun, blickdicht, mit nur sehr schwacher Perlage – beim Eingießen hatte ich sogar den Eindruck, dass dieses Bier überhaupt nicht karbonisiert ist, was sich aber kurz darauf etwas relativierte. Dennoch ist praktisch kein Schaum da.

Ich rieche Erdbeermarmelade, Orange, etwas reife Banane, Ananas. Recht fruchtig, dennoch mit starkem Malzcharakter. Toffee, Milchschokolade. Auch im Mund dominiert die Fruchtsüße: Ananas, Zwetschgen, Toffee, Malz. Schwer und dicht – die praktisch nicht vorhandene Karbonisierung wirkt sich für mich persönlich etwas störend aus, da das Bier so etwas schal und unrezent daherkommt. 60 IBU sind erst im Abgang erkennbar, wenn sich die Süße legt. 9,5% Alkoholgehalt, für ein Bier eine echte Hausmarke, gehen im Gesamtbild schön auf. Der Abgang ist lang, trocken und ganz leicht adstringierend. Die Süße pappt etwas am Gaumen.

Die Hopfensorten sind klassisch gehalten (Herkules, Fuggles und East Kent Golding) und lassen die amerikanischen Ultraaromahopfen mal außen vor; Pilsener und Crystal wurden als Malze verwendet.

Nun, das ist ein Bierstil, den man eh nicht oft vorgesetzt bekommt – entsprechend sehe ich es als Experiment für mich, so wie es eins für die Brauer von Crew Republic war, wenn man der Story auf dem Rücketikett glauben darf, die ich anfangs zitierte. Persönlich empfinde ich diesen Barley Wine als zu süß konzipiert, etwas mehr Frische könnte ihm auch guttun.

 

Wadgasser Klosterbräu Hopfen Perle Titel

Kurz und bündig – Wadgasser Klosterbräu Hopfen Perle

Das Saarland war einst durchzogen von kleinen lokalen Brauereien. Inzwischen wurden alle von Konzernen geschluckt oder gingen insolvent. Nennenswert übrig ist neben dem allgegenwärtigen Karlsberg (dem mit „K“, nicht dem mit „C“) eigentlich nur noch die Saarbrücker Brauerei Bruch. Diese offeriert unter verschiedenen „Tarnnamen“ Produkte – wie die Wadgasser Klosterbräu Hopfen Perle, ein obergäriges Vollbier. Mir ist jede Abwechslung vom saarländischen Pilseinerlei recht, daher kommt sie zu mir ins Glas – wer könnte aber auch so einem Bild, das mein Kollege Gerhard Müller für mich mit seiner professionellen Fotoausrüstung an einem hübschen Tag machte, wiederstehen?

Wadgasser Klosterbräu Hopfen Perle Glas Gerhard Müller

Farblich tatsächlich sehr ansprechend ocker, naturtrüb, dezente Perlage. Schöner, kräftiger Schaum beim Eingießen, aletypisch bleibt nur wenig auf Dauer davon übrig. Geruchlich mild-, aber erkennbar aromahopfig. Leichte Malz- und Hefeanklänge. Vom Geruch her ist das tatsächlich ein Pale Ale. Da hüpft mir das Herz.

Geschmacklich ist die Freude leider weniger groß. Der Aromahopfen hat sich auf den Geruch beschränkt – im Mund ist nur noch ein Hauch von der Fruchtigkeit schmeckbar. Dafür tritt eine herbe Bitterkeit an seine Stelle, Hefegeschmack. Wir sind doch nicht bei einem Pale Ale, sondern bei einem Pils oder Zwickel. Ein etwas dumpfer Charakter stört mich sehr. Muss daher zügig getrunken werden, denn mit steigender Temperatur wird die Hopfen Perle immer dumpfer und seichter.

Wadgasser Klosterbräu Hopfen Perle Glas

Mittellanger Abgang mit Hopfenaromen, leichter Mundtrockenheit. Sehr erfrischend, wenn gut gekühlt, aber ein bisschen langweilig und mit dieser seltsamen Stumpfheit, die die Mundporen verstopft, als hätte man einen Belag darauf.

Schade, ich hatte mir da mehr erhofft, aber das ist halt genau das, was passiert, wenn ein Brauer, der jahrzehntelang nur Pils und Export hergestellt hat, plötzlich auf den fahrenden Craftbierzug aufspringen will, und gleichzeitig auch noch die pilsfanatische Bestandskundschaft mit glücklich machen will. So landet die Hopfen Perle bei mir in Mixgetränken, wie dem Weissen Sour.

Weissen Sour


Weissen Sour
2 oz Bourbon (z.B. Old Grand-Dad Kentucky Straight Bourbon)
¾ oz Zitronensaft
¼ oz Zuckersirup
1 Barlöffel Orangenmarmelade (z.B. von Zuegg)
2 Spritzer Orange Bitters (z.B. von The Bitter Truth)
Auf Eis shaken, dann aufgießen mit…
2 oz Wadgasser Klosterbräu Hopfen Perle

[Rezept nach Kevin Diedrich]


Immerhin – die Brauerei Bruch macht auch das für mich persönlich beste saarländische Bier, das Bruch Zwickel. Dieses würde ich dann auch dem Bierfreund, der sich fürs Saarland interessiert, eher ans Herz legen.