Archiv der Kategorie: Kurzreview

Maisel & Friends Hopfenreiter 2018 Titel

Kurz und bündig – Maisel & Friends Hopfenreiter 2018 Double IPA

Da ist er, der dritte Freundschafts-Sud, organisiert von der Brauerei Maisel & Friends – das Hopfenreiter 2018 Double IPA. „Miteinander statt gegeneinander!“ ist das Motto, unter dem sich einige Brauer zusammentun, seltene Zutaten teilen und dadurch ein Bier kreieren, das nur einmal so produziert wird. Superfreunde, Mikkeller, Duvel, Bevog und Frau Gruber, durchaus gewichtige Namen im Craftbierbusiness also, haben dafür ihre Hopfenlager geplündert.

Maisel & Friends Hopfenreiter 2018

Man sieht auf dem Bild den dicken, cremigen und dabei noch sehr feinen Schaum; starke Perlage befeuert ihn. Die kräftige, goldene Farbe entsteht auf dem Hintergrund einer leichten Opalisierung. Spannend, dieser Geruch – Grapefruit, Erdbeermarmelade, etwas Soja, Hefe, Brot. Durchaus ungewöhnlich, aber in dieser Beziehung nicht überhand nehmend, sondern nah an der Erwartung eines DIPA bleibend.

Extrem cremig im Mundgefühl, der Antrunk ist süß und mild, und mildfruchtig – Nektarine, Kirsche.Etwas Wintergrün und Fruchtkaugummi. Eine kräuterige Note ist da, vielleicht Thymian und Basilikum.  Die DIPA-Bittere kommt langsam aber gewaltig im Verlauf. Insgesamt frisch und rezent, mindestens zum Teil durch hohe Karbonisierung, sowie gute Säure. Dabei behält das Bier sich aber einen starken, dichten, vollen Körper mit echtem Wumms bei 8,5% Alkoholgehalt. Der Abgang ist sehr trocken, bitter, erneut Wintergrün. Sehr adstringent, fast schon anästhetisch, der Hopfenreiter bleibt sehr lange am Gaumen und belegt dabei die Zunge. Calypso, Citra, Styrian Golding, Styrian Fox, Enigma und Mandarina Bavaria, da ist Hopfen ohne Ende drin.

Das Etikett ist, soweit ich das übersehen kann, dasselbe wie das des damals schon von mir sehr gut aufgenommenen Hopfenreiters 2017. Es scheint sich eine gute Reihe herauszubilden! DIPA ist, zugegebenermaßen, nicht so ganz mein Stil, doch hin und wieder trinke ich so extreme Bier auch gern. Diese Ausprägung ist jedenfalls wuchtig und sehr charakterstark, ein wahres Experimentalbier, das ungewöhnlich hergestellt wird. Es macht einfach einen riesen Spaß, so etwas zu verfolgen.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die Zusendung einer Flasche des Hopfenreiters 2018.

Maisel & Friends Juicy IPA Titel

Kurz und bündig – Maisel & Friends Juicy IPA

Viele unerfahrene Biertrinker denken, dass wenn wir Freunde des modernen Gerstensafts über Fruchtaromen im Bier reden, diese künstlich zugesetzt werden, oder dass es sich um Mischgetränke à la Mixery handelt. Entsprechend ablehnend stehen sie einem Ale gegenüber. Dass Hopfen viel kann, wenn er gut eingesetzt wird, auf jeden Fall mehr als nur Bittere ins Pils zu bringen, muss man oft erst mühsam erläutern.

Ich kann mir gut vorstellen, dass das Maisel & Friends Juicy IPA bei konservativen Genießern genau so problematisch ankommen könnte – wenn es schon als „Trobeerical Bomb“ angepriesen wird, entstehen beim Unwissenden vielleicht falsche Assoziationen. Schauen wir mal, ob man das Bier in einer Eckkneipe auf den Stammtisch stellen könnte.

Maisel & Friends Juicy IPA

Zur äußeren Erscheinung: Opalisierend, leicht blasses Gelbgold. Knisternder Schaum beim Eingießen, mittel- bis großblasig. Sehr starke Perlage. Juicy – ja, das unterschreibe ich direkt, wenn ich den Riechkolben ans Glas halte. Extrem fruchtig in der Nase, Himbeeren, Stachelbeeren, Aprikosen, Apfel; toll. Kombiniert mit der leichten Malzwürze im Untergrund ist das ein spektakuläres Bouquet.

Das aletypische cremig-weiche Mundgefühl ist immer wieder eine Freude, im Antrunk ist das Juicy IPA auch sehr fruchtig. 50 IBU schlagen dann schnell zu, die Bittere übernimmt. Geschmacklich sieht es eher mau aus – da ist nicht viel von der extrem tollen Nase übrig geblieben, etwas Zitrone vielleicht. Eine seltsame, leichte Adstringenz betäubt die Zunge. Trotz der 7,2% Alkoholgehalt wirkt das Bier seltsam schwachbrüstig und körperarm. Eine etwas schwierige Mischung aus Säure und kantiger Bittere entsteht schließlich im Abgang, die einem den Speichel in den Mund zieht. Unabhängig davon macht es dann hier seinem Namen Ehre – mittellang, edelhopfig und fruchtig im Nachhall.

Normalerweise bin ich ein echter Fan der Maisel & Friends-Biere – das Juicy IPA trifft als allererstes Bier dieser Marke meinen Geschmack nicht so richtig, es wirkt für mich persönlich irgendwie holprig, die Diskrepanz zwischen Fruchtnase und Geschmacksschwächen ist zu groß.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kostenlose Zusendung einer Flasche des Juicy IPA.

Aecht Schlenkerla Rauchbier Titel

Kurz und bündig – Aecht Schlenkerla Rauchbier

Seit ich von einem Besuch ein großes Stück Rauchfleisch mit nach Hause gebracht habe, riecht mein ganzer Kühlschrank, und selbst die nähere Umgebung um den Kühlschrank herum, nach diesem sehr prägnanten und ausdrucksstarken Aroma. Schneidet man sich ein Stück davon ab, kriegt man den Duft kaum mehr von den Fingern. Nicht jeder mag das – solange es auf deftiges Fleisch beschränkt ist, kommen viele noch damit klar, die spätestens dann aber aussteigen, wenn dieser Geruch dann in einem Getränk auftritt. Rauchig-speckiges Bier, wie das Aecht Schlenkerla Rauchbier, da scheiden sich die Geister wie bei sonst kaum einer anderen Biersorte.

Aecht Schlenkerla Rauchbier Märzen

Farblich altbierbraun, mit roten Reflexen. Schaumlich superfein, vielleicht mit der feinste Schaum, den ich bei Bier kenne, aber schwach moussierend, dennoch extremst ausdauernd vorhanden. Rauchbier kann schon mal etwas abschreckend sein, was die Nase angeht; das Aecht Schlenkerla ist diesbezüglich ungefährlich. Zitronig, Grapefruit, nur mild rauchig, etwas speckig. Erinnert mich etwas an ein Radler.

Der Unterschied zum Radler wird aber schnell sehr deutlich. Malzig-süß im Mund, dann doch sehr rauchig. Es erinnert mich an meine Kindheit, als mein Vater Holundersaft eingekocht hatte, und dafür einen alten Kachelofen mit Holz angeheizt hatte. Dafür aber kaum etwas von dem errochenen Speck, der mich beispielsweise am Störtebeker Whisky-Bier so abgestoßen hatte. Leichte Fruchtnoten nach Zitrone. Sehr rezent und erfrischend. Erkennbar ein Märzen, der Rauch ist sekundär. In dieser Form ist Rauchbier sehr angenehm und gut trinkbar – man muss sich aber dennoch natürlich mit dem Rauchgeschmack erstmal anfreunden. Das zweite Glas, die zweite Flasche schmeckt dann schon deutlich besser. Bei 5,1% Alkoholgehalt kann man auch mal zwei am Stück trinken, wenn einen die Lust gepackt hat.

Im Abgang ist das Aecht Schlenkerla sehr trocken, knackig bitter, hier kommt schließlich der Speck etwas stärker durch, aber immer noch eher hintergründig und nicht unangenehm. Der Rauch liegt dezent noch eine Weile auf Gaumen und Zunge, wenn das Bier schon weg ist. Trotzdem ein eher kurzer Abgang.

Rauchbier ist auch für mich kein alltäglicher Gast im Bierschrank. Hin und wieder ist das aber schon ein Genuss, den ich mir gern gönne.

Stone Brewing IPA Titel

Kurz und bündig – Stone Brewing IPA

Nach meiner neulichen, etwas gemischten Erfahrung mit dem Ratsherrn Coast Guard Westküsten IPA wollte ich den Bierstil des „West Coast Style IPA“ etwas weiter erkunden. Heutzutage hat man ja kaum Probleme mehr, an die unterschiedlichsten, früher völlig obskuren Biere heranzukommen – sie werden teilweise auch schon in Deutschland gebraut, so wie das schonmal knackig kurz benamte Stone IPA, das der Hersteller selbst mit dem großen Wort „ikonisch“ beschreibt. Stone Brewing hat ein großes Mundwerk, das weiß man inzwischen, ich will mal hinter die Attitüde schauen.

Stone Brewing IPA

Im Glas ist das Stone IPA direkt sehr IPA-typisch mit schöner, kräftiger, goldener Farbe. Trüb. Leichte, aber erkennbare Perlage. Wenig Schaum, dieser ist aber feinperlig. Auch der Geruch überrascht nicht mit unerwartetem: Stark hopfig, viel Grapefruit, Ananas, Kiwi und Banane. Markig und kantig, dabei hat es aber auch eine gewisse Süße.

„West Coast- Simple, straight forward malt profile. Malt flavor should be subtle. Hops flavor dominates the palate. Finish should be very dry. Very one dimensional.“

So die Definition eines Benutzers der Beeradvocate-Community für den Geschmack eines WCIPA. Persönlich finde ich das hier wirklich wieder. Sehr bitter, aber nur noch ansatzweise fruchtig. Herb und eckig, mit einem leichten Fehlgeschmack nach Weichspüler, der im Abgang immer stärker wird und doch etwas störend ist. 6,9% Alkoholgehalt sind eine ordentliche Basis.

Zum Design der 330ml-Dose: wie gewohnt ist es sehr einprägsam, mit vielen Hopfenranken und -dolden als Verzierung, sowie dem bierkrugstemmenden Dämon als Markenzeichen. Man liest beiläufig den Satz: „Dieses Bier wurde nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut, aber wir glauben nicht an diese Einschränkung.“ Klare Ansage! Wirkt aber für mich etwas albern und inkonsequent. Warum das RHG überhaupt erwähnen, wenn es einem so zuwider ist?

Das Stone IPA ist nach Arrogant Bastard Ale und Ruination Double IPA das dritte Stone-Bier, das ich auf meinem Blog verkoste – die Palette wird dauernd ausgebaut, und da mir die Biere dieses Herstellers recht munden, wird noch über das eine oder andere hier zu lesen sein in Zukunft.

Ratsherrn Coast Guard Westküsten IPA Titel

Kurz und bündig – Ratsherrn Coast Guard Westküsten IPA

West Coast IPA – ein Stil, der das eh schon bittere IPA auf die Spitze treibt. Erfunden ursprünglich in den USA, ist er nun auch in Deutschland angekommen. Diverse Brauer bieten ihn an, in mehr oder weniger ausgeprägter Weise; inzwischen findet man selbst in Supermärkten als häufigen Vertreter das Hamburger Ratsherrn Coast Guard Westküsten IPA, mit seiner flippigen Gestaltung zumindest schonmal ein Augenfang.

Farblich ein gefallendes Pariser Rot, mit schönen orangenen Reflexen, anständige Perlage, feiner hellcremefarbener Schaum. Naturtrüb. Geruchlich leicht fruchtig nach Apfel und Bitterorange, aber eher im Hintergrund, denn vieles wird überlagert von einer kräftigen Sojasaucen-Würze und leichter Malzigkeit. Ein minimalster Fehlton ist erschnupperbar.

Ratsherrn Coast Guard Westküsten IPA

Die 60 IBU schlagen im Mund dann aber gnadenlos zu. Die Definition des WCIPA passt für mich – nur leichte Fruchtaromen, Grapefruit und Orange, dafür kantige, eckige Bittere; tatsächlich für mich schon recht grenzwertig, da sie durch kaum etwas eingebremst oder ausgeglichen wird. Reminiszenzen an ein hochgehopftes norddeutsches Pils, bei 6,3% Alkoholgehalt aber ein stärkeres. Ein weiches Mundgefühl erinnert wenigstens noch daran, dass wir hier ein Ale vor uns haben. Keinerlei Tiefe oder Breite, dafür sehr rezent und erfrischend. Als Hopfensorten sind auf dem Etikett Herkules, Magnum, W. Goldings, Simcoe und Amarillo angegeben; Wiener, Biscuit und Karamellmalz dienen als Malze.

Im Abgang schlägt die Bitterkeit sogar noch eins drauf und zieht einem die Geschmacksorgane zusammen. Insgesamt eher kurz, die Bittereffekte bleiben mit etwas Grapefruiterinnerung aber noch eine Weile im Mund.

Das Ratsherrn Westküsten IPA wirkt für mich recht konsequent in der Ausführung des WCIPA-Stils, dafür mag es manchem schon zu extrem wirken und ihn verschrecken. Ideal finde ich es als Essensbegleiter – für die hausgemachten Gorgonzala Cheese Maccaroni war das Coast Guard jedenfalls ein ebenbürtiger Gegenspieler, was man nicht von jedem Bier hätte sagen können.

Mount Gay Pure Silver Titel

Kurz und bündig – Mount Gay Pure Silver

Urlaubsmitbringsel! Herrlich! Es freut einen, wenn die Kollegen an einen denken, selbst im Urlaub. Und wenn man dann sogar noch was mitgebracht kriegt, freut man sich doppelt. Dreifach sogar, wenn es sich um ein Sample eines bajanischen Rums handelt! Vierfach, wenn das Sample tatsächlich auf Barbados gekauft wurde. Fünffach, wenn man schon vor der Verkostung weiß, dass es sich um qualititativ hochwertigen Rum handelt, wie den Mount Gay Pure Silver. Diese Besprechung basiert auf genau so einem mitgebrachten 5cl-Sample.

Mount Gay Pure Silver

In Deutschland ist dieser Rum in dieser Form, soweit ich weiß, nicht leicht erhältlich. Es gibt den Mount Gay Silver, der allerdings nur 40% aufweist, während der Pure Silver 43% Alkoholgehalt hat. Es handelt sich dabei um einen gereiften Rum, der mindestens 2 Jahre er in Ex-Bourbon-Fässern lagerte, und dem die Farbe dann wieder entzogen wurde – entsprechend klar ist er nun. Der Geruch ist erstmal deftig, und fast ausschließlich, lösungsmittelig. Eine tieferliegende Dunkelheit in der Aromatik deutet auf das Alter hin. Etwas Getreidecharakter ist da, dadurch erinnert der Pure Silver mehr an Vodka als an Rum.

Im Antrunk ist der Bajaner sehr süß, das bleibt auch im Verlauf bis zum Schluss die Grundtendenz. Lösungsmittel auch im Geschmack, dazu Getreide, hm, wäre nicht die wirklich tiefe Süße, ich würde es für Vodka halten. Ist das ein Kompliment für Rum? Eher nicht. Der Abgang ist glühend heiß, aber nicht brennend, bis tief in die Speiseröhre hinunter. Das gefällt mir, unzweifelhaft hat der Pure Silver ordentlich Power und Volumen, doch aromatisch bleibt er leider arg kurz, ein milder Eisenton ist schon alles.

Nun, das ist sicher kein Rum, den ich mir abends so vor dem Fernseher eingießen würde, da kann er noch so sehr aus einer Traditionsbrennerei stammen. Seine Kraft und dicke Schwere ist letztlich sein einziger Vorteil, denn sonst hat er sensorisch kaum etwas zu bieten. Bei Melasse-Rum mit hohem Column-Still-Anteil ist es halt wie bei Whisky (und anders als bei Tequila und Cachaça!) – er braucht das Fass, um attraktiv zu werden, und das mehr als 2 Jahre. So bleibt, so leid es mir tut, nur die Freude über das Geschenk. Diese überwiegt natürlich alles, da ist der Geschmack letztlich auch zweitrangig.

Rheinbrand Dry Gin Titel

Kurz und bündig – Rheinbrand Dry Gin

Zum Kanton Aargau in der Schweiz habe ich eine gewisse Beziehung, ich war in einem früheren Arbeitsleben oft auf Dienstreise dahin unterwegs, und habe die Menschen, so meine ich, etwas kennen und schätzen gelernt. In der Gemeinde Elfingen wird dort der Rheinbrand Dry Gin destilliert. Da kommt bei mir direkt etwas Nostalgie hoch – ich hoffe, ich lasse mich bei meiner Verkostung dieses Gins davon nicht allzu sehr beeinflussen. Diese Besprechung basiert auf einem 10cl-Sample.

Rheinbrand Dry Gin

Farblich, wie von einem London Dry Gin zu erwarten, glasklar. Eine gewisse schwere Konsistenz ist erkennbar, dennoch recht schnell ablaufende Beine am Glasrand. Die Nase ist frisch und zitronig, mit einer attraktiven Beerenfruchtigkeit. Man hat kaum Mühe, die Kirschen und Holunderblüten, die unter anderem als Botanicals dienen, herauszuriechen. Eine leichte Lösungsmittelkomponente schwingt mit.

Geschmacklich sind wir eher auf der kräuterigen, erdigen Seite. 40% Alkoholgehalt sind gut verarbeitet, ohne Stechen auf Schleimhäuten in der Nase oder im Mund. Eine spannende Aromatik – Rosmarin, Holunder, Heu, Erde, eine hohe Mineralität. Sehr ungewohnt, aber interessant. Ich vermisse den Wacholder aber sehr. Im salzigen, warmen, adstringierenden und langen Abgang kommen neben heißem Chili so langsam auch etwas Wacholderaromen auf – etwas spät erst und auch wenig für einen Gin, der von sich sagt, nach „den Vorgaben eines London Dry Gins“ (Zitat aus der Pressemitteilung) destilliert worden zu sein. Der Nachhall lebt dann vom verwendeten Riesling, ist weinig, traubig, süß. Sehr gefällig.

Ein attraktiver Gin, aber entgegen den Aussagen weit entfernt davon, klassisch zu sein. Für mich gehört er in die Kategorie der Contemporary Style Gins; wer diese Kategorie zu explorieren und etwas ungewohntes sucht, kann unbesehen zugreifen. Wer einen klassischen London Dry Gin, insbesondere für Cocktails, sucht, muss woanders zuschlagen.

Offenlegung: Ich danke Lion Spirits für die unaufgeforderte, kostenlose Zusendung des Samples.

Tres Hombres Edition 7 XVIII Años 2014 Fairtransport Rum Titel

Kurz und bündig – Tres Hombres Edition 7 XVIII Años 2014 Fairtransport Rum

Limitiert auf 4569 Flaschen aus 14 Fässern aus amerikanischer Eiche, die mit einem Segelkutter den Atlantik überquerten – das ist der Tres Hombres Edition 7 XVIII Años 2014 Fairtransport Rum. Jedes Jahr schippern die drei Herren über die Weltmeere und bringen dabei mit hervorragender Klimabilanz überseeische Destillate zu uns nach Europa, 2014 war es eben dieser Rum aus der Dominikanischen Republik, gereift in einem Pseudo-Solera-System, für das die Altersangabe von 18 Jahren bedeuten mag, dass der älteste Anteil (nicht der jüngste, wie sonst in der Spirituosenwelt üblich!) 18 Jahre alt ist. Vielleicht bedeutet es auch etwas anderes, man weiß es halt nicht bei dieser Art von Reifung. Diese Besprechung basiert auf einem 10cl-Sample.

Tres Hombres Edition 7 XVIII Años 2014 Fairtransport Rum

Die Farbe würde ich als dunkleres Kupfer bezeichnen – Färbung ist wahrscheinlich. Ich meine, eine leichte Trübung wahrzunehmen (das würde ich nicht unbedingt als Mangel deklarieren). Im Glas verhält sich der Melasse-Rum nur wenig schwer, ablaufende Beine sind dünn und verteilt.

Der Geruch verströmt schnell nach dem Eingießen – ein sehr angenehmes, mildes Geruchsbild aus Rosinen, Bananen und Ananas. Eine unterschwellige Funkigkeit erhöht die Komplexität. Sehr erfreulich soweit.

Im Geschmack kommt schnell Ernüchterung auf. Ist der erste Antrunk noch vielversprechend mit milder, dunkler Würze, holt der Tres Hombres Edition 7 kurz darauf den Zuckerhammer hervor. Pappsüße macht alles platt, was vielleicht interessant sich hätte entwickeln können. Künstliche Süßung? Das Sample ist zu klein für eine eigene Messung, doch rein sensorisch gibt es da für mich keinen Zweifel, da ist ein ordentlicher Batzen Zucker oder Süßwein reingeflossen. Immerhin – 40,7% Alkoholgehalt sind dadurch gut maskiert.

Entsprechend klebrig ist dann halt auch der Abgang. Ein Belag liegt eine Weile auf der Zunge, außer Süße ist da nichts, obwohl man ahnen könnte, dass der Rum ohne Süßung eine interessante Trockenheit aufweisen würde, aber wahrscheinlich auch ein heftiges Alkoholfeuer, denn eine vielsagende dezente Betäubung der Zungenspitze ist der Schluss.

Wie bei vielen Rums von Oliver & Oliver fragt man sich als Freund von Rumtransparenz und unmanipulierender Produktion, ob man sich das wirklich antun muss. Und, ganz hart und ehrlich gesprochen – der hehre Gedanke der Tres Hombres mit ihrem „Fairtransport“ wird für mich dadurch etwas konterkariert, wenn sie sich so wenig für die Ehrlichkeit der transportierten Rums interessieren.

Botucal Distillery Collection Titel

Kurz und bündig – Botucal Distiller Collection N°1 und N°2

Botucal, oder auch Diplomático, wie man diesen Rum aus Venezuela sonst überall in der Welt kennt, war einst der König der Rums. Er stürzte dann doch recht tief, zumindest im Ansehen von Kennern, als die Nachsüßungsvorwürfe bewiesen und Allgemeingut in der Rumwelt wurden. Heutzutage haben es Zuckerbomben immer schwerer, in Rumkreisen ernst genommen zu werden (auch wenn sie sie natürlich immer noch vorzüglich verkaufen!) – da muss gegengesteuert werden. Die Botucal Distiller Collection ist vielleicht ein Ansatz, sich durch limitierte Spezialabfüllungen wieder etwas Respekt in der Community zu erarbeiten. Gelingt es? Ich habe es mit je einem 5cl-Samples der beiden Abfüllungen dieser Serie herauszufinden versucht.

Fangen wir an mit dem Botucal Distiller Collection N°1 Single Batch Kettle Rum. Dieser Rum ist hergestellt aus „Sugar Cane Honey“, dem Marketingbegriff für Zuckerrohrsaftsirup. Er wird in einem Dampfkessel destilliert (dies ist eine Art Brennblase, bei der der Schwanenhals durch eine Kolonne ersetzt wird – man destilliert also diskontinuierlich, aber auf einen hohen Zielalkoholgehalt hin).

Botucal Distiller Collection N°1 Single Batch Kettle Rum

Farblich sehen wir ein Kupfer, entstanden zum einen aus wohl rund 4 Jahren im Ex-Bourbon-/Ex-Scotch-Fass aus amerikanischer Eiche und zum anderen aus Zuckerkulör (lobenswert, dass dies deklariert ist). Sehr beweglich im Glas, schöner Beinteppich. Der Geruch ist sehr alkoholisch und lösungsmittelig, auch nach einer Viertelstunde Offenstehzeit. Er kommt mir helltönig vor, nach Getreide und milder Zitrone; und süßlich, nach Vanille. Wirklich nicht besonders attraktiv, erinnert mich an einen Korn; es ist der typische Geruch eines Kolonnenrums.

Geschmacklich nähern wir uns initial schon eher dem, was ich mir unter gutem Rum vorstelle. Man muss zwar zunächst über die eher mäßig eingebundenen 47% hinwegkommen, dann findet man eine schöne Würze, eine feine, wirksame Trockenheit und milde Gewürzaromen. Ein gutes Feuer brennt aber weiter. Der Abgang ist dann extrem kurz, extrem belanglos, ohne jedes Aroma, dafür mit andauerndem Zungenbrennen.

Ehrlich gesagt – das ist trotz einiger interessanter Ansätze mit das langweiligste, was ich seit langem im Glas hatte. Man wundert sich nicht, dass so ein Destillat in einen Blend überführt und stark gesüßt werden muss, um verkaufbar zu sein. Schauen wir mal, ob der zweite Vertreter es besser macht! Botucal Distiller Collection N° 2 Single Barbet Column Rum wird in einem Barbet-Brennapperat destilliert, das ist eine doppelte Kupferkolonne.

Botucal Distiller Collection N° 2 Single Barbet Column Rum

Destilliert im März 2013, wird er also auch wohl um die 4 Jahre gereift sein, auch hier in amerikanischer Eiche. Die Farbe ist ein kräftiges, strahlendes Kupfer. Optisch unterscheiden die beiden Rums sich kaum. Ich rieche dann Vanille, Shortbread, Apfel, und ordentlich Lack – nett, aber eher gedämpft. Da ist nicht wirklich viel, das mich zum weiteren Schnuppern reizen würde. Oberflächlich und leicht.

Im Mund ist der Botucal Distiller Collection N° 2 dann fülliger und mit mehr Charakter. Eine schöne, kräftige Süße: im Antrunk ist diese zwar schon, danach aber nicht mehr ganz unnatürlich wirkend. Vanille, Zimt und Toffee. Im Verlauf kommt eine pfeffrige Note auf, noch mehr Gewürztöne. Der Abgang ist aber sehr kurz, arm, schmal und nur nach Eisen schmeckend. Dieses hält dann etwas länger vor. Insgesamt ein weiteres Beispiel für den Stil eines Column-Still-Rums, etwas anders und sicherlich interessanter als sein sehr enttäuschender Namensbruder, aber im Endeffekt kaum spannender – es fehlt einfach massiv an Tiefe und Komplexität.

Laut eigenen Aussagen sind diese beiden Abfüllungen, im Gegensatz zum zuckrigen Flaggschiff der Firma, ungesüßt. Nachdem ich die beiden Rums probiert habe, glaube ich dieser Aussage – da ist keine künstliche Süße in der Aromatik. Leider aber auch sonst kaum etwas.

Robinsons Old Tom Strong Ale with Ginger Titel

Kurz und bündig – Robinsons Old Tom Strong Ale with Ginger

Im Bierregal bei meinem GaleriaKaufhof findet sich immer wieder die eine oder andere unerwartete exotische Bierspezialität. Die Biere von Robinsons gehören dazu – das Robinsons Old Tom Strong Ale with Ginger, abgefüllt in der üblichen Robinsons-Flasche und zur deutlichen Abgrenzung mit einem orangefarbenen Etikett versehen, ist die dritte Variante dieses Brauers, die ich trinke (ich verweise gern auf die anderen zwei). Ingwer, hm? Ich liebe Ingwer. Ich liebe Bier. Das kann ja nur gut werden, oder?

Robinsons Old Tom Strong Ale with Ginger Flasche

Farblich sehen wir erstmal ein sehr dunkles Ale, gebrannte Siena, nicht blickdicht, mit ungewohnter, sehr feiner Perlage. Nur wenig Schaum, wie bei einem Ale zu erwarten. Ein leichter Hauch von Zitrone, und, wenn man genau aufpasst, nach Ingwer ist vorhanden. Es erinnert mich vom Geruch her an Biermischgetränke wie Schöfferhofer Grapefruit.

Der Ingwer ist das erste, das im Mund dann zuschlägt. Nicht extrem wie bei einem Ginger Beer, oder einem Ingwerlikör, sondern nur als Kopfnote, aber klar erkennbar. Ein fetter süßsaurer Nachschlag verwischt den Ingwer dann direkt wieder. Sehr frisch im Mund, wenn auch für meinen Geschmack für ein Bier zu süß. 6,0% Alkoholgehalt überraschen nicht. Die Süße bleibt auch am Gaumen, wenn das Ale den Mund in Richtung Rachen verlässt. Der Abgang ist eher kurz, trocken, etwas bitter; hier setzt sich das Ale dann wieder durch. Ganz am Ende blitzt auch der Ingwer wieder auf, in Form einer sehr milden Schärfe.

Robinsons Old Tom Strong Ale with Ginger Glas

Eine sehr spannende Variation auf Biermischgetränke. Durchaus angenehm zu trinken, und die Ingwerschärfe am Ende ist wirklich gelungen.

Die Herstellung ist interessant: Es wird nicht etwa Ingwerextrakt oder ähnliches zugesetzt, sondern das Robinsons ist ein Blend aus dem normalen Robinsons Strong Ale mit Fentimans Ginger Beer. Wer also so ein wahres „Ginger Ale“ mal ausprobieren will, aber an das Robinsons with Ginger nicht rankommt, nimmt einfach ein normales dunkles Ale und vermischt es mit etwas Ginger Beer.