Archiv der Kategorie: Kurzreview

Saint James Cuvée 1765 Rhum Vieux Agricole Titel

Kurz und bündig – Saint James Cuvée 1765 Rhum Vieux Agricole

Es ist schon eine kleine Weile her, dass ich den letzten Rhum Agricole im Glas hatte – sehr attraktive Melasse-Rums und andere Spirituosengattungen hatten in letzter Zeit meine Aufmerksamkeit eingenommen. Es wird also Zeit, dass diesem unhaltbaren Zustand endlich wieder Abhilfe geschaffen wird! Der Saint James Cuvée 1765 Rhum Vieux Agricole kommt da gerade recht. Es handelt sich bei ihm um einen Blend von martinikanischen Rums, die jeweils mindestens 6 Jahre gereift wurden. Das ganze wird mit 42% Alkoholgehalt abgespielt.

Färbung ist auch bei den strengen Regeln des AOC, denen dieser Rum unterliegt, erlaubt. Entsprechend vorsichtig beurteile ich, wie immer, die Farbe; zumindest scheint sie mir mit ihrem hellem Bernstein für das Alter der Assemblage glaubwürdig zu sein. Nur leichte Schwere ist beim Schwenken zu erkennen, die dabei enstehenden Beine bleiben fast an einer Position stehen, so langsam laufen sie ab.

Ich bin bei der Geruchsprobe sehr überrascht – ein extrem stechender, beißender Klebstoffgeruch ist alles, was ich zu Beginn wahrnehme, dermaßen penetrant, dass ich kaum die Nase ins Glas halten kann. Also erstmal eine Weile offen stehen lassen, denke ich – und tatsächlich, nach einer Weile öffnet er sich und die Beißzange verfliegt etwas, ohne aber ganz zu verschwinden. Schöne Reifungsnoten blitzen nun auf, Vanille und getoastetes Holz, Muskatnuss, Heu. Insgesamt ein recht würzig-aromatischer Antritt.

Saint James Cuvée 1765 Rhum Vieux Agricole

Im Mund ist der Saint James Cuvée 1765 sehr breit, dabei aber auch etwas flach. Die Würzigkeit steht im Antrunk noch Vordergrund, dort aber schon untermalt von cremiger, marmeladiger Süße. Erdbeeren, Mango, Honig und Vollmilchschokolade melden sich an und übernehmen immer mehr das Ruder. Im Mittelteil beginnt sich eine feine, dezente Chilischärfe ausmachen zu lassen, die schließlich stärker und dominanter wird.

Der Abgang ist dann aber wieder sehr süß, kühlender Eukalyptus breitet sich aus, er wird nicht zu trocken, leicht adstringierend; erneut habe ich die starke Assoziation zu Marmelade oder Erdbeerkompott. Insgesamt wirkt er mittellang auf mich, insbesondere die Fruchtnoten hängen lange nach, und er klingt mit ein paar kiesigen, grasigen Eindrücken aus.

Diese Kurzbesprechung basiert auf einem 5cl-Sample, die volle 700ml-Flasche kostet um die 50€. Das kann man durchaus ausgeben für diesen Rhum, wenn man nicht ausschließlich auf supertrockene Exemplare steht. Gerade das sehr aparte An- und wieder Abschwellen der Schärfe und die Eukalyptusfrische finde ich toll; mir persönlich ist der Saint James Cuvée 1765 aber letztlich im Gesamtbild einen Ticken zu unverbindlich, als dass ich ihn in Zukunft in die ganze enge Wahl ziehen würde.

Jean Fillioux XO So Elegantissime Cognac Titel

Kurz und bündig – Jean Fillioux XO So Elegantissime Cognac

Heute verkosten wir in dieser Ausgabe der „Kurz und bündig“-Serie, in der ich reine Tasting Notes veröffentliche, einen Cognac – Jean Fillioux XO So Elegantissime, um genau zu sein. Dieser Cognac weist neben der XO-Alterskategorie noch die Titel Vieille Grande Champagne, 1er Cru de Cognac auf, die das Herkunftsgebiet kennzeichnen (die eaux-de-vie aus der Grande Champagne gelten unter Kennern als die feinsten).

Jean Fillioux XO So Elegantissime Cognac

Das leidige Thema der Farbe ist wie üblich bei den allermeisten Spirituosen zu betrachten – einerseits hofft man, dass bei einem XO-Cognac, dessen jüngster Bestandteil immerhin mindestens 6 Jahre (für Abfüllungen ab 2016 dann 10 Jahre) im Eichenfass lagerte, diese attraktive Haselnussfarbe aus Holzeffekten entsteht. Andererseits sind bei Cognac Farbstoffe erlaubt und werden daher wohl auch verwendet.

Der Geruch bezaubert schonmal – dunkel, würzig, getrocknete Bananen und Pflaumen. Pfirsich. Sandelholz. Etwas Eukalyptus. Im Antrunk ist der So Elegantissime zunächst sehr weich und sehr süß , wird dann aber stärker und stärker, immer würziger, dann leicht pfeffrig und warm. Viel Volumen und große Dichte. Insgesamt überraschend hell und klingelnd im Ton. Sehr elegant (der Name sagt es ja schon aus!) und leicht, und nicht allzu komplex. 41% empfinde ich als perfekt eingebunden, und weder in der Nase noch im Mund spürbar.

Der Abgang ist wirklich extrem fruchtig, deutlichst erkennbar sind Pfirsich, Mango, Honigmelone und Aprikosen. Mittellang, warm und rund, nicht zu trocken, aber trotzdem stark adstringierend. Ein leicht mentholiger Nachklang, in dem etwas Hubbabubba-Kaugummi und dunkle Schokolade mitschwingt.

Ein wirklich angenehmer Cognac, schön zum Nippen und Schwelgen, dabei nicht in der Perfektion bereits langweilig, wie es manchen seiner Artgenossen ergeht. Ich würde mir persönlich aber doch noch etwas mehr Komplexität wünschen.

Diese Kurzbesprechung basiert auf einem 5cl-Sample. Die 700ml-Flasche des Jean Fillioux XO kommt preislich auf ungefähr 100€; das Preisleistungsverhältnis empfinde ich persönlich hauptsächlich wegen des letzten Kritikpunkts als durchschnittlich.

Martini Fiero Titel

Kurz und bündig – Martini Fiero

Es sollte eine kleine Abwechslung werden vom sonst üblichen Crémant, den die etwas damenlastige, unregelmäßig stattfindende Runde am Feierabend im Büro als Ausklang vom Alltag sonst so trinkt. Auf die Dauer ist dieser französische Sekt halt etwas langweilig; mit dem nagelneu erschienenen wein-basierten Aperitiv aus dem Hause Martini wollte ich etwas Schwung und mediterranes Flair injizieren. Um es kurz zu machen – es war ein spektakulärer Erfolg, die Damen haben ein neues Lieblingsgetränk. Was macht ihn aus, den Martini Fiero?

Martini Fiero Flasche

Schon allein die Farbe! Dunkles rubinrot, mit einem Touch von violett. Der Geruch wirkt bitter und fruchtig, nach Grapefruit. Erinnert mich stark an Aperol. Da ist noch eine klare Note von Hubba-Bubba-Kaugummi, Himbeeren und Erdbeeren.

Im puren Zustand ist der Geschmack dann aber doch anders als Aperol – der Fiero ist sauer, auch hier Grapefruitsaft, etwas -schale vielleicht noch. Nur mild bitter, er wirkt irgendwie, als wäre Kohlensäure darin. Das gibt ihm eine schöne Frische. Wirklich apart! Eine unterschwellige Kräuternote, etwas Meersalz und zum Schluss noch ein Überbleibsel des verwendeten Weins. 14,4% Alkoholgehalt spürt man kein bisschen, was ihn zu einem sehr gefährlichen Getränk macht – äußerst süffig und rund. Der Abgang ist eher süßlich, überraschend lang für einen derartigen Aperitiv, und leicht kribblig auf der Zunge.

Ich bin normalerweise, was Cocktails angeht, recht anspruchsvoll und gebe mich selten mit den meist etwas simpel angelegten Rezepten, die die Hersteller von Spirituosen für ihre Produkte angeben, zufrieden; es muss meist etwas extravaganter sein. Beim Martini Fiero allerdings muss ich doch ganz banal die Empfehlung des Herstellers wiederkäuen: Das Fiero Tonic ist so perfekt, wie ein Longdrink nur sein kann. Leicht, frisch und doch mit ordentlicher Wucht, so dass er nicht langweilig wird. Die Vermischung mit Tonic Water sorgt auch dafür, dass der Alkoholgehalt dieses Drinks mit rund 7% einen sehr genehmen After-Work-Level erreicht – in etwa wie ein Bier, deutlich weniger als ein Crémant.

Martini Fiero Tonic


Fiero Tonic
Ein Glas mit Eis füllen.
Zur Hälfte mit Martini Fiero befüllen.
Aufgießen mit Tonic Water (z.B. Fever Tree Mediterranean Tonic).
Leicht umrühren.
[Rezept nach Martini & Rossi]


Ich glaube nicht daran, dass es Getränke gibt, die nur von Männern getrunken werden und andere, die nur von Frauen getrunken werden. Der Martini Fiero kommt sehr gut an bei beiden Geschlechtern, und wird damit weiterhin bei uns auf absehbare Zeit das Getränk der Wahl sein, wenn es darum geht, nach einem langen oder auch einem langweiligen Arbeitstag den Feierabend einzuläuten.

Ryoma Japanese Rum Aged 7 Years Titel

Kurz und bündig – Ryoma Japanese Rum Aged 7 Years

Die Japaner haben bewiesen, dass sie exzellenten Whisky machen können, der dem aus Schottland ohne Schwierigkeiten Paroli bieten kann. Damit geben sie sich aber natürlich nicht zufrieden – auch ins Rumgeschäft steigen sie ein. Wir wollen hier in diesem Kurzbericht nun mal schauen, ob der Ryoma Japanese Rum Aged 7 Years, als Beispiel dafür, den karibischen Herstellern Konkurrenz machen kann. Dieser Rum aus der Destillerie Kikusui Shuzo wird aus Zuckerrohrsaft von der japanischen Küste hergestellt, und reift danach 7 Jahre in Eichenfässern.

Die Farbe ist sehr blasses Stroh. Leichte Viskosität ist beim Schwenken erkennbar, mit einem breiten Beinteppich am Glas, der sehr langsam abläuft. Der Geruch ist zunächst rumuntypisch, erinnert ich mehr an polnischen Vodka – tatsächlich könnte ich das mit Grasovka, oder aber vielleicht auch Sotol verwechseln. Sehr deutlich alkoholisch, selbst nach einer Viertelstunde Offenstehzeit, mit etwas sojasaucenartiger Würze. Eine tiefe Geruchsprobe ist nur schwer möglich wegen des stechenden Geruchs (das kann in dieser Brutalität kaum von den 40% Alkohol kommen); hält man das Glas 10cm von der Nase entfernt, riecht der Rum fruchtig nach Pfirsich, Honigmelone, nussig nach Sherry, leicht grasig und vegetal.

Ryoma Japanese Rum Aged 7 Years

Im Mundgefühl sehr weich und mild, mit leichtem, aber dichtem Körper. Im Antrunk sehr süß, mild, leicht grasig, wird er dann mehlig, getreidig, bleibt aber etwas belanglos. Seinen wahren Charakter zeigt der Ryoma erst im Abgang, denn dieser ist mittellang, sehr salzig, umami, mit immer mehr zunehmender Hitze und Würze – spannend, normalerweise ist der Effekt umgekehrt. Da ist mehr als nur ein Gefühl von chinesischem Hirsedestillat in der Aromatik; es tauchen Lakritz, Sojasauce, Heu, feuchter Aquariumkies und Thymian auf, gefolgt von einem sehr mentholigen Nachhall mit starker anästhesierender Wirkung an der Zungenspitze. Ein wirklich sehr überraschender, fast schon begeisternder Ausklang. Danach verschwindet der Ryoma schnell komplett vom Gaumen.

Diese Kurzbesprechung basiert auf einem 10cl-Sample. Die 70cl-Flasche des Ryoma Japanese Rum Aged 7 Years kommt im Einzelhandel auf rund 70€ – ich tue mich auch deswegen schwer, diesen Rum wirklich zu empfehlen, dazu ist er zu speziell und untypisch für die Kategorie, in der er antritt. Wer aber einen Rum schmecken will, der so gar nicht ins Schema passt, und asiatische Spirituosen schätzen kann, sollte vielleicht  einen Blick riskieren, selbst wenn es nur darum geht, sein persönliches Geschmacksspektrum zu erweitern.

Don Julio 1942 Tequila Titel

Kurz und bündig – Don Julio 1942 Tequila

Manchmal will man sich was gönnen. Und als ich neulich im Restaurant mit der wahrscheinlich besten Tequilakarte Deutschlands saß, dem Café Especial in Saarbrücken, sprang mir ziemlich weit oben auf der Karte ein Angebot entgegen, dem ich nicht entgehen konnte – der Don Julio 1942 Tequila. Dieser Tequila ist eine limitierte Edition (was auch immer das bedeuten mag, es mangelt an detaillierteren Informationen) eines mindestens zweieinhalb Jahre gereiften Añejos, der scheinbar dem Firmenheiligen Don Julio González gewidmet ist, der im titelgebenden Jahr damit anfing, Tequila zu brennen.

Don Julio 1942 Tequila

Die Farbe ist strahlendes Blassgold, entstanden mindestens zum Teil durch Farbstoff, der bei Tequila erlaubt ist. Da man im Café Especial jeden Tequila in einem großen Cognacschwenker bekommt, kann man gediegen verkosten – dicke Beine bilden sich am dünnen Glas, und der 1942 wirkt sehr ölig.

Die Nase ist, der Fassreifung sei Dank, karamellig, süß, und leicht alkoholhauchig bei tequilaüblichen 38%. Eine sehr milde Agavennote hat die Zeit im Fass überdauert, was man nicht bei allen gereiften Tequilas sagen kann. Der Geschmack ist sehr schwer und dicht, zuckersüß und karamellig. Viel Vanille, und dabei noch eine unterschwellig schwere Würze. Süßholz. Richtig körpervoll und voluminös. Der Abgang ist mittellang, erneut sehr süß und vanillig. Im Nachhall bewegen wir uns etwas weg von der bisher alles beherrschenden Süße, hier wird es dann sehr trocken und adstringierend.

Ich fühle mich insgesamt schon stark an Cognac und Armagnac erinnert; persönlich habe ich damit ein gewisses Problem, denn der Don Julio 1942 gibt durch die lange Reifung, die dem Brand viele Charakteristika abschleift, zumindest teilweise seine Identität als Tequila auf.

Bei 18€ für 4cl, die ich im Café Especial bezahlt hatte, kann man sich das Vergnügen dieses Tequilas mal gönnen – eine ganze Flasche käme für mich nicht in Frage, dazu fehlt es mir, der ich eh schon am liebsten Blanco-Tequilas trinke, einfach an Agavencharakter. Wer aber eigentlich sowieso lieber einen Cognac statt einem Tequila trinken wollte, wird hier voll zufrieden gestellt.

Maisel & Friends Black IPA Titel

Kurz und bündig – Maisel & Friends Black IPA

Sie sind rührig und ruhen sich nicht auf ihren Lorbeeren aus, die Brauer bei Maisel & Friends. Der neueste Streich, der vor kurzem in mein Postfach flatterte, hat mich aber noch mehr überrascht, als es die vorigen Biere getan haben – die Aufmachung des Maisel & Friends Black IPA ist schon ein echter Knaller, das dunkelrot-schwarze Etikett mit einem Seemannstotenschädel mit Pfeife im zahnfleischlosen Mund gefällt mir wirklich gut. Mal schauen, ob das Bier was taugt, oder ob sich mir beim Trinken auch ähnlich das Zahnfleisch wegzieht…

Maisel & Friends Black IPA Flasche

Ein Bier, das sich Black IPA nennt, darf farblich nicht mit goldgelb oder blassrosa überraschen, und das tut es hier auch nicht. Es hat sogar schon etwas porter- oder schwarzbierhaftes an sich, ist dabei nicht blickdicht. Man erkennt feine Perlage und wenig Schaum, letzterer ist eine schöne Mischung aus großen und feinen Blasen.

Im Geruch ist es trotz der dunklen Farbe sehr hopfig, hier macht sich der zweite Teil des Namens bemerkbar (Herkules, Topaz, Callista und Vic Secret sind im Einsatz), mit milder, beerenlastiger Frucht. Doch die Dunkelheit ist nicht rein optischer Natur – da sind malzig-süßliche Töne, Schokoladenkuchen, ein Anflug von Kaffeepulver.

Eine würzig-süße Grundlage ist bereits beim Antrunk, der noch hopfenfruchtig und fesch zitronig daherkommt, vorhanden; erstere nimmt dann mehr und mehr Raum ein, bis der dunkle Malzcharakter den Hopfen komplett verdrängt hat. Schnittige Säure und kräftige Karbonisierung bedeuten dabei aber doch erfrischende Rezenz, und die deftige Bittere von 58 IBU lässt den Gaumen kribbeln, ohne dabei die Cremigkeit des Mundgefühls aufzugeben. Mit 7,9% Alkoholgehalt bewegen wir uns im sortentypischen Rahmen. Im Abgang ist das Maisel & Friends Black IPA erkennbar salzig und würzig, mittellang, mit leichten Rauchanflügen, sowie sehr trocken.

Maisel & Friends Black IPA Glas

Das Etikett wirbt mit einer „Geschmacks-Achterbahn“ – ja, das trifft es recht gut, da ist von allem was dabei, mit wilden Wechseln in hoher Geschwindigkeit, und persönlich brauche ich dennoch nichtmal eine Kotztüte, die sonst in Achterbahnfahrten und ähnlichem für mich unerlässlich ist. Ein interessantes Experimentalbier mit viel Überraschungspotenzial.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kostenlose, unaufgeforderte Zusendung einer Flasche des Black IPA.

George Dickel No. 12 Tennessee Whiskey Titel

Kurz und bündig – George Dickel No. 12 Tennessee Whisky

Der George Dickel No. 12 Tennessee Whisky (man beachte die Schreibweise des letzten Worts) ist der zweite große Destillateur von Whiskey im US-Bundesstaat Tennessee, neben dem allgegenwärtigen Jack Daniel’s. Trotz all der Häme, die Jacky-Trinker oft abbekommen, kann ich persönlich gut mit den höheren Qualitäten jenes Herstellers leben und bin daher besonders gespannt, wie sich ein anderer Produzent, der ja einen recht ähnlichen Produktionsprozess mit Sour Mash und Lincoln-County-Verfahren aufweist, im Vergleich schlägt.

Die Farbe ist mit Zuckerkulör gestaltet, sagt daher nichts über den Inhalt aus. Manchen Herstellern geht es nur um die Konsistenz der Farbgebung über Batches hinweg, ich weiß, dennoch ist es ein Produktionsschritt, den ich für unnötig und nicht im Sinne des Verbrauchers halte. Man hat jedenfalls ein dunkles Kupfer mit orangenen Reflexen gewählt.George Dickel No. 12 Tennessee Whisky

Geruch: Oh, das gefällt mir außerordentlich. Sehr fruchtig nach Birne, Banane, Pflaume. Ahornsirup. Butterkekse. Ich habe eine seltsame Assoziation zu Pfannkuchen mit Sahne. Ein minimalster Anflug von Lack. Ich kriege gar nicht genug davon, daran zu riechen – ein echtes Highlight, der angenehmste Spirituosengeruch, den ich seit sehr langer Zeit in der Nase hatte.

Der Geschmack ist dann aber nicht so süß, wie die Nase einem weismachen will. Eigentlich geht der Dickel No. 12 sogar eher ins Trockene, leichte. Ihm fehlt erkennbar etwas an Volumen, er wirkt trotz vieler Aromen wässrig. 45% sind sehr gut eingebunden, praktisch kein Brennen, Zwacken oder Kratzen ist spürbar – ja, dieser Tennessee Whiskey ist wirklich „smooth“. Pflaumen, Rosinen, Birne, die Fruchtnote bleibt erhalten, und eine gewisse honigwürzige Grundsüße. Sehr viel Vanille rundet das ganze ab, die wohl durch die 4 Jahre Reifedauer (diese Zahl steht aber nirgends auf dem Etikett) entsteht.

Der Abgang ist sehr kurz, warm und dabei immer weich, aber recht trocken. Ein mildglühender Nachhall klingt noch eine kleine Weile aus dem Rachen hoch, doch dann ist der Whisky schnell wieder verschwunden.

Wem Tennessee Whiskeys grundsätzlich zusagen, und wer ein Freund von Jack Daniel’s Old No. 7 ist, muss sich den George Dickel No. 12 ganz sicher anschauen – er ist der bessere der beiden großen Whiskeyhersteller dieses Bundesstaats, kostet aber in Deutschland auch rund das Dreifache. Dieses Kurzbesprechung basiert daher auf einem 10cl-Sample.

Jack Daniel's Sinatra Select Tennessee Whiskey

Kurz und bündig – Jack Daniel’s Sinatra Select Tennessee Whiskey

Ich bin ein Fan von Frank Sinatra, ich mochte ihn schon immer. Eine der großartigsten männlichen Stimmen, dazu ein Leben, das mit seinen Aufs und Abs fasziniert. Er war kein Engel und kein Kind von Traurigkeit, war gut Freund mit der Mafia, Alkoholiker und hatte mit dem Rat Pack ein paar Buddies, von denen jeder Mann nur träumen kann. Am Ende wurde er mit einer Flasche seines Lieblingsgetränks, Jack Daniel’s Whiskey, begraben – ihm zu Ehren bringt der wichtigste Destiller von Tennessee Whiskey eine Sonderedition heraus: Den Jack Daniel’s Sinatra Select Tennessee Whiskey. Schauen wir ihn uns passend zu ein paar Ausschnitten aus seinen Songs kurz an.

Jack Daniel's Sinatra Select Tennessee Whiskey Sample

I close my eyes and just see pretty colors… in diesem Fall ist es ein schönes, dunkles, kräftiges Bernstein mit stellenweise fast schon weißen Reflexen. Der Whiskey liegt passend schwer und ölig im Glas, hinterlässt langsam ablaufende Beine.

I’m sure that if I took even one sniff… Man erkennt zwar direkt den typischen Banane-Geruch der anderen Produkte des Herstellers, gleichzeitig ist da aber auch viel mehr Vanille, viel mehr Eiche, einfach mehr von allem. Sehr dicht, kräftig und rund. Ein klarer Fortschritt selbst zum von mir geschätzten Jack Daniel’s Single Barrel.

With every wine you taste… Ich bin etwas überrascht: Nach dieser üppigen, tollen Nase hätte ich einen ähnlich schweren Körper erwartet. Doch man findet einen eher leichten Whiskey vor, klar, sauber, eher in die trockene und elegante Richtung als die wuchtig-dunkelschwere. Er wirkt schon fast etwas dünn, bleibt dabei eher auf der süßlichen Seite mit sehr viel Vanille. 45% Alkoholgehalt weist der Sinatra Select auf, ein paar Prozente mehr hätten ihm aromatisch erkennbar gut getan.

And now, the end is near… Der Abgang ist mittellang, helltönig, sehr warm, trocken und adstringierend. Am Ende taucht die Banane dann sehr präsent wieder auf und zeigt deutlichst, wessen Kind dieser Whiskey ist. Er hat dabei aber auch eine nicht zu unterschätzende Pfefferschärfe. Nachhall findet dann allerdings praktisch nicht statt, der Gaumen ist arg schnell wieder frei von Aromen.

Dieses Kurzreview beruht auf einem 5cl-Sample dieser Spirituose; die 700ml-Flasche schlägt immerhin mit rund 110€ (zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels) zu Buche, da will man schon vorher mal probieren.

It Was A Very Good Year... War es das? Von allen Jack Daniel’s-Whiskeys ist dieser tatsächlich einer derer, die ich am gelungensten finde. Allerdings frage ich mich doch, ob der Unterschied zum Single Barrel dann die Verdreifachung des Preises wert ist – für mich sicherlich nicht, doch wer das Geld erübrigen kann, und Fan des Herstellers oder von The Voice  ist, kann zugreifen und wird aller Voraussicht nach nicht enttäuscht, obwohl man für das Geld ganz andere Aromenkaliber bekommt.

Maisel & Friends Choco Porter Titel

Kurz und bündig – Maisel & Friends Choco Porter

Ich habe seit einiger Zeit dunkles Bier als Durstlöscher im Biergarten für mich entdeckt – so ein dunkles Hefeweizen beispielsweise möchte ich nicht mehr missen, und immer mehr Lokalitäten bieten entsprechendes auch an. Für manche Konsumenten gelten dunkle Biere aber noch grundsätzlich als süß, schwer und eher ein Weihnachtsgetränk denn etwas für den heißen Sommer – das Maisel & Friends Choco Porter kommt genau passend zu einem Zeitpunkt auf den breiten Markt, um dieses Vorurteil zu wiederlegen.

Maisel & Friends Choco Porter

Farblich ähnelt das Choco Porter der Flasche, in der es enthalten ist – tiefdunkelbraun, nicht ganz blickdicht, mit rostroten Reflexen. Mittlere Perlage, leicht beigefarbener Schaum ohne lange Lebensdauer.

Der Geruch ist deutlich rauchig, vielleicht sogar ein Hauch von Räucherspeck. Sehr getreidig-malzig und würzig, mit Brotkrustennoten. Etwas stallig. Geschmacklich erinnert das Choco Porter mich durchaus auch etwas an ein dezentes Rauchbier, eigentlich sogar mehr als an ein typisch britisches Porter. Sehr malzig, gemahlener Kaffee, verbranntes Grillfleisch, kaum etwas, das an die namensgebenden Schokolade erinnert. Milde Süße kombiniert mit ansprechender Rezenz und leichtem Körper – gut gekühlt angenehm erfrischend. 6,5% sind ohne Mangel eingebunden.

Der Abgang ist sehr kurz, dann doch nussig-bitterer als erwartet dank 22 IBU, ansonst aber etwas undefiniert – ein leichter Rauchnachhall bleibt, schafft es aber nicht, über den schon fast enttäuschenden Minimalismus dieses Abgangs wegzuhelfen. Dennoch: Wie bei praktisch allen Bieren von Maisel & Friends bekommt man hier ein sehr rundes, ausgewogenes und unterhaltsames Bier, das in meinem Kühlschrank als Basisbier zur Hilfe bei dunklen Gelüsten immer einen Platz finden wird.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kostenlose, unaufgeforderte Zusendung von drei Flaschen des Choco Porter.

Kill Devil Nicaragua 17y Single Cask Rum Titel

Kurz und bündig – Kill Devil Nicaragua 17y Single Cask Rum

Verkostet wird hier in diesem Kurzreview, das auf einem 10cl-Sample beruht, der Kill Devil Nicaragua 17y Single Cask Rum. Meine bisherigen Erfahrungen mit Kill Devil waren durchweg positiv – wie schlägt sich der Mittelamerikaner, insbesondere, da ich ansonsten eher mäßige Begeisterung für Rums aus diesem Teil der Welt aufbringen kann?

Die Farbe, ein helles Kupfer mit strohigen Reflexen, ist zunächst unauffällig. Der Rum bewegt sich ölig schwer im Glas. Er ist ungefärbt, daher um so schöner. Der Geruch verbreitet sich schnell nach dem Einschenken. Süße Noten herrschen vor – Karamell, Rosinen, Vanille. Hält man die Nase ins Glas, ist zunächst aber Lack dominierend, und sehr starke Eichenaromen. Viele Nüsse und Tabak kommen durch.

Kill Devil Nicaragua 17y Single Cask Rum

Im Mund explodiert der Kill Devil Nicaragua geradezu – supersüß, dicht und voluminös, sehr kandiszuckrig. Der Rum erzeugt dieses seltene Gefühl von „Krümeligkeit“, als wären knirschende Partikel in der Flüssigkeit, das ich sehr mag. Rosinen und anderes Trockenobst, Nüsse, Honig, und noch mehr Kandiszucker. Die 59,5% Alkoholgehalt verstecken sich aber auch nicht, die wuchtige aber durchaus angenehme Pfefferschärfe, die im Verlauf auftaucht, sorgt dafür, dass keine Langeweile aufkommt, wie es bei Rums aus Mittelamerika gern passiert. Man kann ihn überraschend gut ohne Wasserbeigabe trinken. Der Abgang ist dann würzig, fett und breit, heiß und scharf. Leider auch recht kurz – es bleibt eine andauernde adstringierende Trockenheit zurück, die schön mit der Süße des Antrunks kontrastiert. Der Nachhall ist schließlich weiterhin honigsüß. Und das beste daran: Ganz ohne Zuckerzusatz. Man sieht, es klappt!

Bezüglich Cocktails – ich kann mir diesen Rum sehr gut als Zutat in einem Perfect Rum Manhattan vorstellen.

Der Kill Devil Nicaragua wurde 1999 destilliert, reifte dann 17 Jahre in Europa, und wurde danach nicht kaltfiltriert. Nur knapp über 200 Flaschen wurden abgefüllt, es handelt sich also um einen echten „Single Cask“, der tatsächlich nur aus einem einzigen Fass hergestellt wurde – bei Bourbon und anderen Spirituosen ist es ja durchaus üblich, viele Fässer für eine „Single Barrel“-Abfüllung heranzuziehen. Hier ist der Begriff also noch puristischer und in seiner ursprünglichen Bedeutung zu interpretieren.

Ein wirklich toller Rum, der mir persönlich zeigt, dass Mittelamerika neben vielen Zuckerbomben und problematischen Produktionsbedingungen auch spannende Rums aufzuweisen hat.