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St. Bernardus Sortiment Titel

Säkularbier mit Klosternamen – St. Bernardus Pater 6, Prior 8 und Abt 12

Regelungen, Regelungen, Regelungen. Ich weiß nicht, ob ich der einzige Spirituosenblogger bin, der sich damit wirklich auseinandersetzt, aber ich merke in letzter Zeit, dass die Recherche für manche Produktgruppen schnell in den Graubereich von gesetzlichen Vorschriften führt, die zu interpretieren sind, die kaum durchgesetzt werden, die dem Nichtfachmann in den allermeisten Fällen nichteinmal bekannt sind.

Und selbst, wenn man denkt, man hätte alles nun grob gesehen, finden sich neue Sätze von Legislaturen, die man kaum für möglich gehalten hätte. In diesem Fall hier geht es um belgisches Bier. Jenes ist ja nun wirklich nicht bekannt für seine Regelungswut, im Gegenteil, es ist ein sehr lebendiges, freies Medium, in dem Brauer ihre Meinung ausdrücken können, ohne befürchten zu müssen, von einem erzkonservativen Reinheitsgebotsstaat an der Ausübung ihrer Berufsfreiheit gebremst oder gar gehindert zu werden. Dennoch gibt es für manche Bierstile ein paar Schutzmechanismen – darüber bin ich bei der Hintergrundinformationssuche für das St. Bernardus Pater 6, Prior 8 und Abt 12 gestolpert.

Die Stilbezeichnung auf dem Etikett ist „Abbey Ale“, also Klosterbier. Da man die Tradition der belgischen Kloster- und Ordensbiere schützen will, dürfen nur ausgewählte, tatsächliche Trappistenkloster das begehrte „Trappistenbier“ herstellen, beziehungsweise besser gesagt, für ihre Produkte diese Bezeichnung tragen – das legt der belgische Brauerbund fest. Darunter gibt es eine Gruppe von Klöstern und klosterähnlichen Orten, die „zertifizierte Klosterbiere“ brauen und als solche auf den Markt bringen dürfen. Schließlich gibt es am Ende dieser Kette dann noch nicht-zertifzierte „Klosterbiere“, zu denen die Biere von St. Bernardus gehören – zu beachten ist dabei eben, dass St. Bernardus kein Kloster ist, sondern eine einfache säkulare Brauerei. Daher ist das für mich eine spannende Sache, bei der es allerdings mehr um Namens- und Verkehrsbezeichnungsrechte geht, als um den Inhalt der Flaschen, die den entsprechenden Aufdruck tragen. Probieren wir uns durch ein Teilsortiment der Brauerei  im belgischen Watou, die als, salopp gesprochen, kommerzielles Spin-Off der Trappistenbrauerei St. Sixtus Bier herstellt, weil letztere ihre Produktion nicht mehr an die Öffentlichkeit herausgeben wollte.

St. Bernardus Sortiment Flaschen

Wir fangen auf der niedersten Stufe der Klosterhierarchie der Brauerei St. Bernardus an – dem Pater 6. Die Zutatenliste auf der Rückseite weist Zucker auf, aber bevor die Fanatiker des deutschen Reinheitsgebots wieder abschätzig abwinken, dieser dient natürlich der Methode der Flaschengärung und ist deswegen im Endprodukt nur noch in Spuren, wenn überhaupt, vorhanden – die Hefen haben ihn weggefressen und statt dessen 6,7% Alkohol hinterlassen.

Diese Flaschengärung ist wahrscheinlich auch der Verantwortliche für die kräftige Schaumentwicklung beim Eingießen – das beobachtet man bei vielen derart hergestellten Bieren. Der üppige Schaum ist farblich dunkles Elfenbein und besteht aus einer schönen Mischung aus großen und kleinen Blasen, und ist sehr langlebig. Das Bier selbst ist sehr dunkelbraun, mit leicht rötlichen Reflexen. Perlage? Fehlanzeige.

St. Bernardus Pater 6

Beim Geruch ist mein erster Eindruck: Ahoj-Brause, Waldmeister-Geschmack. Sehr verblüffend. Leicht metallisch, malzig und zitronig. Die errochene Säure ist auch im Geschmack präsent. Ich gebe zu, ich hatte ein süßliches Dubbel erwartet; hier bekommt man ein eher mildsauer-würziges Bier. Ich bestehe darauf – es hat etwas Waldmeister-Anklänge, dazu Brause und Zitrone. Die Säure gleicht den Mangel an Rezenz aus. Das ganze wird durch eine hintergründige, milde und dezente Süße in Zaum gehalten. Malzwürze gibt dem ganzen Körper und Power. Im mittellangen Abgang ist es kräftig-würzig, trocken und mildbitter. Die Säure schießt nun etwas vor.

Insgesamt ein für mich unerwartetes Geschmacksbild, das mir aber sehr zusagt. Tatsächlich etwas, von dem ich sicher bin, mir noch ein paar Fläschchen zuzulegen – dankenswerterweise ist St. Bernardus ein Stammgast im Bierregal des französischen Supermarkts direkt bei mir um die Ecke. Dort stammt natürlich auch der Vorgesetzte des Paters, der Prior 8, her. Wird die Zahl im Namen von den 8% Alkoholgehalt abgeleitet? Man könnte es vermuten.

St. Bernardus Prior 8

Rein optisch haben wir ein Déja-Vu. Dunkles Braun, blickdicht, kaum Perlage. Mir ist beim Öffnen die Flasche direkt übergelaufen, und wollte gar nicht mehr aufhören zu schäumen. Vorsicht daher! Flaschengärungsbiere sind da etwas empfindlich. Am Ende bleibt ein dünnes Schaumtonsürchen in Cremefarbe.

Der Geruch erinnert an Zitronat, auch hier Brausepulver, dunkles Malz. Mildsauer. Im initialen Mundgefühl ist der Prior cremig, aber nicht wirklich süß. Zitronig, und mit zunehmender Aufenthaltsdauer im Mund immer saurer. Limettensaft. Erkennbar saurer als das Pater 6 – oder vielleicht besser gesagt, weniger süß. Das ist wahrscheinlich auch der Hauptunterschied zum Vorgänger, neben dem erhöhten Alkoholgehalt natürlich. Auch hier findet man wenig Rezenz, die man aufgrund der Säure aber auch nicht vermisst. Leichter, heller, fast schon dünner Körper. Im Abgang fühle ich Grapefruit, kräftiger werdende Säure und Bittere. Mittellang, Brauseschaumeffekte am Gaumen. Trocken und adstringierend.

Wer jetzt damit gerechnet hat, dass der Abt 12 der angedeuteten Korrelation zwischen Namen und Volumenprozenten dann eben mit zwölf Prozent Alkoholgehalt daherkommt, hat sich getäuscht – 10% sind es, diese reichen aber auch völlig aus. Der Abt ist der höchste Rang in der klösterlichen Mönchshierarchie, ist es das entsprechende Bier auch das höchste der Biergefühle?

St. Bernardus Abt 12

Farblich sind wir nun schon eine erkennbare Stufe dunkler. Die Schaumentwicklung beim Eingießen ist erneut enorm. Nach einer kurzen Ziehphase bleibt ein sehr feiner, beigener Flaum auf dem Bier erstaunlich lang lebendig. Geruchlich hat sich nur wenig geändert. Die Brause ist nicht mehr ganz so stark präsent, aber immer noch erschnupperbar. Zitrone, ein leichter Metallton und eine würzige Malznote sind bei dieser Ausprägung des St. Bernardus mehr im Vordergrund.

Und auch im Mund erleben wir eine Abwechslung – wieder cremig, dafür aber bei weitem nicht so sauer wie die zwei Subordinierten des Abts. Das ist deutlich süßer, malziger, milder als Pater und Prior, und auch körpervoller und dichter als diese. Das Amt bringt es mit sich – das Abt 12 ist das deutlich gehaltvollste der drei Biere, schwer und kräftig, ohne sich dabei dann aber völlig von der Säure zu lösen. Insgesamt wirkt es aber dennoch etwas lasch, schal und wenig spannend. Der Abgang ist lang, adstringierend und sauer, mit einem deutlichen Metallton. Die auf dem Etikett angegebene Trinktemperatur von 10-12° halte ich persönlich für viel zu niedrig – fast Zimmertemperatur ist so einem Bier durchaus angemessen.

Alle drei Biere wissen durchaus zu gefallen und sind für jeden Freund belgischen Biers einen Versuch wert. Ich persönlich greife gern öfters zu, gerade, weil ich säuerliche Biere sehr mag, und die Mönchsbiere von St. Bernardus mir daher entgegenkommen. Nun will ich aber meinen Sermon beenden und beschließe die Predigt mit einem Schluck aus der Bierpulle. Amen!

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Leffe Royale Houblon Cascade IPA Titel

Hopfen im Scheinwerferlicht – Leffe Royale Houblon Cascade IPA

IPA oder India Pale Ale, bis heute der Bierstil-Vorreiter der Craftbierwelle hier in Deutschland, wird von so einigen Bierprogressiven inzwischen als langweilig und verbraucht angesehen. Das blasse Indien-Obergärige hat aber auch einen harten Weg hinter sich, es musste sich so allerlei Brutalitäten gefallen lassen – der IBU-Wahnsinn von über 100 Bittereinheiten war ein Ausdruck der verzweifelten Suche nach gewaltsamer Neuinterpretation. Dann reichte auch ein einzelner Aromahopfen schnell nicht mehr aus, es mussten zwei, drei, vier oder noch mehr Hopfensorten gleichzeitig her, damit man noch im Gespräch blieb. So verbrennt man auf die Dauer einen ehrenwerten alten Bierstil im Feuer der modernen Bart-Craft-Hippigkeit.

Tatsächlich gehen daher einige Brauer nun den Weg wieder zurück. Die Kehrwieder Kreativbrauerei beispielsweise braut nun Single-Hop-Biere, also solche, die mit nur einem Aromahopfen auskommen, und diesem so zu bisher ungekannter Expressivität verhelfen – der Hopfen kann sich in seiner ganzen Pracht zeigen, ohne mit seinen Kollegen konkurrieren zu müssen. Weitere Unterstützung für dieses Unterfangen, einzelne Hopfensorten auf den roten Teppich zu stellen statt ein Konglomerat, kommt aus Belgien. Die Traditionsbrauerei Leffe bietet unter der Signatur Leffe Royale Biere an, die mit nur einem ausgewählten Aromahopfen kaltgehopft wurden. Eines davon ist das Leffe Royale Houblon Cascade IPA (Houblon ist französisch für Hopfen). Werfen wir einen Blick auf den Versuch, dem nordamerikanischen Cascade-Hopfen, gewiss einem der wichtigsten und bekanntesten Vertreter seiner Pflanzengattung, seinen Moment im Scheinwerferlicht zu gönnen.

Leffe Royale Houblon Cascade IPA Flasche

Im Glas weist das Leffe IPA eine kristallklare, schöne, sehr ansprechende goldene Farbe auf. Kräftige Perlage, grober, leider nur kurzlebiger Schaum. Optisch schonmal eine Sensation, die in meinem aus dem Griechenland-Urlaub mitgebrachtem Mythos-Kelch herrlich zur Geltung kommt. Leicht zitronig riecht das Bier, nach Hefe und Brause. Sehr frisch und leicht, helltönig und klar. Erkennbar blumig, Jasmin würde ich mal behaupten.

Blumig und hell ist dann auch der Geschmack, Jasmin und vielleicht Rosen sind ungewohnt für ein IPA, auch, dass man dafür kaum Fruchtnoten bekommt, etwas Apfel und Kiwi ist das höchste der Gefühle. Die wuchtige Süße, die man vom Leffe Blonde vielleicht schon kennt, ist auch hier vorhanden; mit Aufenthaltsdauer des Biers im Mund läuft eine milde Würze nach. Es ist kaum bitter, weist aber einen sehr dichten, voluminösen Körper mit seidigem Mundgefühl auf. Die mittlere Rezenz sorgt, trotz der hohen Karbonisierung, für einen eher mäßigen Erfrischungsfaktor.

Ich schmecke als Ausgleich dafür einen mittellangen Abgang mit viel Charakter. Auch hier meint man, eine blumig-kräuterige Note herauszuspüren. Das, was mich schon beim Leffe Blonde gestört hat, ist auch hier vorhanden – das etwas pappig-süße Nachgefühl im Mund. Dennoch bleibt mir als Fazit – ein schönes, feines Bier für Leute mit Hang zum Süßen, jedenfalls kein sehr bierstiltypisches IPA, wenn man es überhaupt so nennen darf oder kann. Und auch kein Durststiller, mehr ein nachdenklicher Schluck zum Sinnieren.

Leffe Royale Houblon Cascade IPA Glas

Das Standard-Leffe Blonde hat 6,6%, darauf wurde für das Royale nochmal ein knappes königliches Prozent draufgeschlagen – 7,5% Alkohol sorgen für ordentlichen Bums, den man aber nur später spürt, nicht schmeckt. Zum Glück sind meine Proben auch in 33cl-Fläschchen abgefüllt, da bremst man sich automatisch, das Royale ist aber auch in 750ml-Sektflaschen erhältlich.

Das schöne, grün-schwarz-goldene Design voller Hopfendolden inspiriert mich zu einem Ausflug in die Natur. Natürlich bildlich gesprochen, mit meinem zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels gebrochenen Fuß hab ichs nicht so mit Laufen. Ich brauche aber hin und wieder eine Erinnerung an die Welt da draußen, und so simuliere ich so ein Erlebnis mit einem Biercocktail, dem Waldgeist. Das Leffe Royale ist ideal dafür geeignet, mit seinem kräftigen Körper bietet es eine tolle Kulisse, vor der Fichtennadelgeist, Scotch und Verjus (ein saurer Traubensaft, erinnernd an milden Essig) ihren Waldspaziergang genießen können.

Waldgeist


Waldgeist
½ oz Blended Scotch Whisky (oder z.B. Nikka From the Barrel)
½ oz Fichtensprossengeist (z.B. von Faude Feine Brände)
1 TL Zuckersirup
¾ oz Verjus
…auf Eis shaken, dann aufgießen mit…
hellem, aber würzigen Bier (z.B. Leffe Royale Cascade IPA)
[Rezept nach Moritz Niederstrasser und Matthias Ingelmann]


Das Vierertragerl war erhältlich für 6€ in einem französischen Supermarkt hier bei mir an der deutschfranzösischen Grenze. Das Tragerl ist noch bedruckt mit einigen, leider meist recht belanglosen Informationen. Immerhin erfährt man hier noch, wenn man des Französischen mächtig ist, dass das Leffe Royale eine Kalthopfung erfährt, und was der Unterschied zwischen Warm- und Kalthopfung ist. Eine empfohlene Trinktemperatur von 8-10° ist angegeben. Den Schreibfehler „Indian Pale Ale“, der auch auf dem Flaschenetikett wiederholt wird, will ich mal großzügig übersehen, obwohl sowas einem Brauer von Welt nicht passieren dürfte.

Leffe Royale Houblon Cascade IPA Tragerl

Andere Royale-Sorten sind ebenso erhältlich, sie bilden fast schon eine Reise um die Welt ab: mit den Single-Hop-Bieren auf Basis von Whitbread Golding (Großbritannien), Mapuche (Argentinien) und Crystal (USA) haben wir hier ein wahrhaft internationales Gespann belgischen Bieres vor uns. Ich halte jedenfalls Ausschau nach diesen Sorten und bin gespannt, ob diese dann ihrem angepriesenen Bierstil gerechter werden als dieses Pseudo-IPA, und ob der Hopfen in ihnen mehr Chancen gegen die wuchtige Bierbasis des Leffe haben wird als der arme, etwas untergehende Cascade in diesem Bier.