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Southern Comfort Titel

War Janis Joplin geschmacksverirrt? Southern Comfort

Ein paar Künstler aus den 60er Jahren überdauern bis heute. In einer intensiven Karriere, die nur 3 Jahre dauerte, sicherte sich Janis Joplin einen Platz in den Herzen vieler Musikfreunde, bevor sie dem Klub 27 beitrat – einer der Gründe für ihren frühen Tod war sicherlich, dass sie nicht wirklich gut mit Drogen und Alkohol umgehen konnte. Einer ihrer Dauerbegleiter, wie auf diversen Fotos von ihr zu sehen, war eine Flasche mit einem Whiskeylikör.

Nun frage ich mich persönlich, wie viele andere Musikfreunde auch, die gleichzeitig Spirituosenfreunde sind, was um aller Welt Janis geritten haben muss, sich ausgerechnet Southern Comfort als Schnaps der Wahl ausgesucht zu haben. Man sieht daran, ein bisschen polemisch formuliert, dass großes Können in einer Sache nicht automatisch großes Können in anderen Bereichen mit sich bringt. Man hat es aus diesen einleitenden Worten vielleicht schon heraushören können – ich bin kein großer Fan von SoCo, wie er liebevoll oft abgekürzt wird.

Wonach es schmeckt – naja, das muss jeder für sich beurteilen. Ich schmecke nicht das gerühmte Pfirsicharoma heraus, höchstens ein artifizielles Gummibärchenaroma „Pfirsich“, das mit echtem Pfirsich nichts zu tun hat. Insgesamt hat dieser Likör einen hochgradig künstlichen Geschmack; eindeutig, dass hier keine echten Aromen durch Reifung oder aus natürlichen Basisstoffen entstanden, sondern künstliche im nachhinein zugesetzt wurden.

Southern Comfort Flasche

Zu Janis Joplins Ehrenrettung muss ich aber einwerfen: Früher, zu Zeiten von Woodstock, war das wohl tatsächlich ein Whiskey-Likör (ich bin immer noch verzweifelt auf der Suche nach einem Sample des SoCo von damals!), doch davon ist heute noch weniger als vom Pfirsich zu erahnen – kein Wunder, denn Whiskey-Aroma und Neutralalkohol statt echtem Whiskey werden heute in der Produktion des Southern Comfort eingesetzt. Der Untertitel auf dem Etikett, Liqueur with Whiskey, ist daher reiner Hohn. Neutralsprit, in den Gummibärchen eingelegt wurden halt – dagegen ist Red Bull wie frisch gepflückte und ausgepresste Frucht vom Baum.

Pur fällt er für mich also aus, wie schlägt er sich als Mixer? Leidlich. Jeglicher Drink, den man sich mit diesem Pseudo-Whiskey-Likör mixt, bekommt diesen Geschmack – eine sehr aggressive Zutat, die selbst Orangensaft und Amaretto, zwei also, die sich sonst gut gegen alles durchsetzen, gnadenlos unterbuttert im vielleicht bekanntesten SoCo-Drink, dem Alabama Slammer. Man muss Southern Comfort eine Umgebung bieten, in der er seine wenigen Vorteile gut präsentieren und gleichzeitig seine vielen Mängel etwas bedecken kann. Wie zum Beispiel im überraschend leckeren Southern Fries.

Southern Fries


Southern Fries
1 oz Southern Comfort
2 oz Orangensaft (hier unbedingt frisch gepresst!)
…aufgießen mit 2 oz Coca Cola
[Rezept nach unbekannt]


Wie üblich durchgehen neben den Rezepturen auch die Flaschendesigns einem Wandel über die Zeit. Die flache Flasche, die Janis Joplin dauernd bei sich trug, ersetzt der modebewusste Heimbarbesitzer heute durch die schick gestaltete, mit vielen Glasdetails versehene 700ml-Flasche. Seitdem ich meine Flasche damals kaufte, wurde erneut ein Redesign ausgeführt; die aktuelle Flasche ist kürzer, gedrungener, schwungvoller, und ist nicht ganz so säulenhaft ausgeführt wie die auf meinen Fotos.

Southern Comfort Flaschendetails

Southern Comfort ist also schon was, was man mögen muss. Die schöne Flasche und der fantastische Name verlocken wahrscheinlich viele zum Kauf, bei denen die Flasche dann nach dem ersten Schluck im Regal verschimmelt. Ich kaufe sicherlich keine mehr, denn die 0,7l reichen noch für viele Cocktails, und wenn sie leer ist, verzichte ich lieber. Pur trinken? Wie gesagt, eher nicht, außer man mag solch künstliche Geschmäcker. Dennoch verkauft es sich so sehr, dass man diesen Likör prominent in allen deutschen Supermärkten finden kann; scheinbar also ein Lieben-oder-Hassen-Getränk. Ich tendiere eher zum letzteren als zum ersteren. Janis, verzeih mir.

Metaxa Grande Fine Titel

Sterne über Griechenland, Teil 5 – Metaxa Grande Fine

Das Auge isst mit – ein alter Spruch aus der Küche. Wir kennen das alle, dass ein hübsch angerichtetes Essen schon vor dem ersten Bissen dafür sorgt, dass man Lust bekommt und einem die Wässer im Munde zusammenlaufen. Doch das funktioniert nicht nur für Speisen, nein, auch Spirituosen profitieren von einer edlen Präsentation enorm. Dabei gibt es grundsätzlich zwei Ansätze, wenn man das Produkt aufwerten will. Einerseits kann man mit einem protzigen Dekanter aus geschliffenem Glas die Spirituose selbst erstrahlen lassen; andererseits kann man eine stimmige, unerwartete Atmosphäre entstehen lassen, die nicht primär mit dem Schnaps etwas zu tun hat, sondern mit dessen Entstehung oder Umgebung.

Beim Metaxa Grande Fine hat man sich für letzteres entschieden. Eine folkloristisch angehauchte Stimmung soll uns Genießern diese gehobene Kategorie des griechischen aromatisierten Weinbrands, die sich der sonst bei Metaxa üblichen Sternewertung entzieht und statt dessen mit einem vielversprechenden Klangnamen aufwartet, schmackhaft machen. Für mich persönlich funktioniert das gut: Die interessant geformte Flasche aus Keramik, bedruckt mit einem traditionellen griechischen Blumenmuster, liegt schwer in der Hand, wenn man sie aus dem Karton, in dem sie geliefert wird, zieht. Der aus demselben Material hergestellte, passend auf dem langen, schmalen Flaschenhals sitzende Verschluss verdeckt einen Naturkorken. Von außen also schonmal üppig gemacht, doch taugt auch der Inhalt was?

Metaxa Grande Fine Flasche

Das erste Mal sehen wir die Farbe der Spirituose also nicht schon in der Flasche. Erneut ist sie aber auch nicht wirklich relevant, weil künstlich gefärbt. Mehr noch als bei den anderen Metaxas, die in transparenten Flaschen geliefert werden, bei denen man noch argumentieren kann, dass der Kunde nur schön gefärbte Spirituosen kaufen würde (was ich heutzutage in dieser Preiskategorie bezweifle), finde ich das bei der Keramikflasche fragwürdig.

Um so bedeutsamer ist dann der sensorische Eindruck im Glas. Wer Metaxa kennt, liebt diesen Geruch – dunkle, würzig-aromatische Weinbrandbasis, unverkennbar blumige Obertöne. Im Vergleich zum letzten Monat besprochenen Metaxa 12 Stars ist er hier aber dezent und zurückhaltend. Leichte Schwefelnote, getrocknete Aprikosen, Datteln und Rosinen.

Weich und rund, samtig und flauschig liegt der Grande Fine zunächst im Mund, sehr süß nach Kandiszucker und Zuckerwatte, ohne dabei klebrig zu wirken, mit gleichzeitig vollem, kräftigem Unterbau. Der Weinbrandkörper liefert dieses Volumen, die Aromatisierung mit Rosenblüten den leichten, schwungvollen und dabei sehr edel wirkenden, nicht zu übersehenden Einzigartigkeitsfaktor. Völlig perfektioniert, ohne Ecken oder Kanten. Man kann Metaxa mit nichts anderem verwechseln, und ihn durch nichts anderes ersetzen.

Metaxa Grande Fine Glas

Der Abgang ist klar und leicht trocken, charaktervoll, lang und äußerst angenehm. Es gibt nicht viele Spirituosen, die dies in einer derart vollendeten Form abliefern können – dafür liebe ich Metaxa. Und der Grande Fine ist die Krönung meiner Metaxa-Erfahrung. Nach einigen Minuten bleibt der einzige Kritikpunkt – die Süße, die übrigbleibt, wenn alles andere verklungen ist, wirkt dann doch etwas belegend am Gaumen.

Metaxa-Cocktails sind für mich persönlich alle sensationell. Wer aber mal wirklich was außergewöhnlich blumig-leckeres trinken will, mixt sich einen Aegean Fizz. Der Zimt kombiniert sich aufs herrlichste mit dem Rosencharakter des Metaxa, die Blutorange gibt feine, milde Fruchtsäure dazu, das Eiweiß eine samtige Textur und der Sprudel die Fizzigkeit – ein perfekter Drink, ein Traum, eine Sensation. Als würde man ein Blumenbeet trinken.

Aegean Fizz


Aegean Fizz
2 oz Metaxa Grande Fine
1 oz Blutorangensaft
¾ oz Zimtsirup
1 Eiweiß
Alles auf Eis gut shaken, und mit kohlensäurehaltigem Mineralwasser aufgießen.
[Rezept nach Jonathan Pogash]


Vielleicht bin ich voreingenommen, weil ich Griechenland so mag. Doch ich liebe Metaxa, mehr als alle Whiskeys, Rums, Tequilas und Liköre. Metaxa, das ist für mich mehr als ein Getränk, sondern ein Gefühl, eine Stimmung, ein Vibe. Pur ein Traum, mit herausragender Mixability. Der Grande Fine ist dabei die Krönung; wer sich das entgehen lässt, verpasst eine der Spitzenspirituosen der Welt.

Um nochmal zurück zur Flasche zu kommen – wer sie ausgetrunken hat, sollte sie nicht wegwerfen. Sie gibt nämlich eine ganz hervorragende, schöne Vase besonders für langstielige Blumen ab.

Metaxa Grande Fine Blumenvase

Mit diesen persönlichen Bemerkungen endet die Reihe „Sterne über Griechenland“. Ja, es gibt noch weitere Qualitäten – ich denke dabei hauptsächlich an den Metaxa Private Reserve, den Angels‘ Treasure oder den Aen, die allerdings dann in Preisregionen gelagert sind, bei denen mir persönlich das Preisleistungsverhältnis kaum noch wirklich angemessen erscheint. Wer es sich leisten kann, soll zugreifen, denn schlechter wird es bestimmt nicht. Sollte ich jemals in den Genuss kommen, diese Tropfen zu probieren, werden sie natürlich auch dann hier in Sonderausgaben der Reihe besprochen werden.

Bis dahin hoffe ich, jedem Gaumen und jedem Anwendungsgebiet dieser edelsten aller griechischen Spezialitäten gerecht geworden zu sein. Stoßen wir zusammen an und freuen uns des Lebens, mit einem lauten γεια μας!

Metaxa 12 Stars Titel

Sterne über Griechenland, Teil 4 – Metaxa 12 Stars

Ich habe in dieser Reihe „Sterne über Griechenland“ um den griechischen Weinbrand Metaxa in all seinen Ausprägungen viele Querverweise zu Sternen gezogen und siderale Metaphern bemüht. Auch heute will ich in diesem 4. Teil meiner Miniserie um einen meiner liebsten Brände die Astronomie zur Einleitung gebrauchen. Wie bei Metaxa gibt es auch am Himmel einfache Konstellationen, die nur aus wenigen Hauptsternen bestehen – Krebs, Cepheus und Schwan sind Beispiele für Sternbilder, die einfach aufgebaut sind. Und es gibt auch komplexe visuelle Einheiten, wie Perseus, Herkules oder Draco, die ein Dutzend und mehr Lichtquellen in ihren vielgliedrigen, weite Bereiche des Nachthimmels umspannenden Figuren aufweisen.

Haben wir uns bisher, um in der Analogie zu bleiben, bis hierher bei Metaxa um erstere gekümmert, kommen wir heute zu der Form von Metaxa, die sowohl von Sternezahl als auch – ohne allzuviel vorwegnehmen zu wollen – gefühlter Sensorikkomplexität als die zentrale und wegweisende Ursa Major dieser Spirituosenmarke gelten darf: Metaxa 12 Stars. Augen weg vom Himmel, wir senken den Blick hinunter ins Glas.

Metaxa 12 Stars Flasche

Über die Farbe habe ich ja nun bereits genug erzählt, und das bei einer Spirituose, die mit Zuckerkulör künstlich nachgefärbt ist. Wenigstens bei diesen hochwertigen Varianten hätten sie es lassen können. Vielleicht ist da noch Hoffnung auf Besserung? Wenigstens die dicke, schwere Konsistenz im Glas sorgt dann für Optimismus.

Der Geruch – nun ja, was soll ich da noch sagen. Für mich persönlich der perfekteste, idealste, angenehmste und schönste Geruch, den es in der Spirituosenwelt gibt. Das schlägt noch mit Abstand die 7-Sterne-Variante, und versetzt mich in eine diesige Traumwelt voller Rosen, süßem Wein und mildwürziger Aromatik. Da ist kein Fehlklang mehr.

Und wir sind hier noch nicht am Gipfel angekommen. Im Mund wird das ganze noch getoppt – herrlich süß, blumig, trockenfruchtig und dabei noch mit einer hintergründig brummenden Würze. Im Mundgefühl flauschig weich, extrem dicht und körpervoll, ölig, und ganz ohne schwefelige Komponente. Der Abgang ist lang, heiß und temperamentvoll, ohne dabei zu kratzen oder zu brennen. Trocken und adstringierend, hält der Metaxa 12 lange am Gaumen vor. Die Rosennoten hängen selbst nach Minuten noch im Mund. Explosiv und dabei schmeichelnd – für mich gibt es nur wenig, was mich im Schnapsbereich mehr begeistern kann.

Metaxa 12 Stars Verpackung

Die übliche Frage stellt sich – lohnt sich das Upgrade vom 7-Sterne-Metaxa? Beim fast doppelt so hohen Preis ist es nicht mehr ganz so einfach wie bei den Vorgängern, wo ich zweifelsfrei laut „ja!“ sagen konnte. Dennoch muss ich auch hier klare Worte sprechen: Ja, auch hier lohnt sich das Upgrade, und zwar ganz besonders für die, die Metaxa pur trinken möchten. Natürlich ist für die, die Metaxa als Kochzutat kaufen, hier das Ende der Fahnenstange erreicht – das wäre massiver Overkill. Die Gyros-Sauce kann auch perfekt mit den niedrigeren Qualitätsstufen zubereitet werden.

Es gibt aber noch die, die sich diesen Griechen gern als Mixer zulegen. Für diese Einsatzbereich gilt, was für die meisten Weinbrände zutrifft: Ist der Metaxa nur Unterstützer in einem Rezept, braucht man nicht den 12er zu kaufen. Ist er aber eine Hauptbesetzung, dann ist es eine wahre Freude, die Dutzend Sterne in einem Cocktail unterzubringen. Ich will das Motto, dass einem edlen Cocktail ein edler Weinbrand angemessen ist, anhand des Scarlet Letter demonstrieren: Nur die besten Zutaten kommen hier zum Einsatz; neben dem 12er-Metaxa gesellen sich in dieser Mixtur seltener Trinidad-Rum, ein Klosterlikör und Edelfruchtbitter freundschaftlich zusammen. Ein Drink für einen schönen Anlass.

Scarlet Letter


Scarlet Letter
1 oz Metaxa 12 Stars
1 oz würziger Rum (z.B. Caroni 100% Trinidad Rum 12 Years)
½ oz Bénédictine
½ oz Orgeat
½ oz Limettensaft
2 Spritzer Bonpland Pinot Noir Stevnsbaer Cherry Bitters
Auf Eis shaken.
[Rezept leicht adaptiert nach Martin Cate]


Auf diese unsäglichen Nachfüllstops im Flaschenhals könnte ich aber gut verzichten. Man findet sie immer wieder bei Spirituosen, bei denen der Hersteller befürchtet, die einmal geleerte Flasche könnte durch billige Nachahmerprodukte wiederbefüllt werden. Im Allgemeinen breche ich sie mit einem Schraubenzieher heraus, denn das teilweise unvorhersagbare Verhalten einer Flasche mit einem solchen Einsatz beim Eingießen (entweder Vollschwall oder nichts, aber kein Mittelweg) ist untragbar. Ein bisschen Gewalt, und schon gießt sichs entspannter. Es mag ja sein, dass die Hersteller, die so etwas einsetzen, nur den Markt vor illegaler Ware schützen wollen – es kann aber nicht sein, dass der Endkonsument mit so einer dysfunktionalen Pseudolösung leben muss. Weg damit, sage ich.

Nächsten Monat folgt ein weiterer Teil der Reihe „Sterne über Griechenland“ – allerdings verlassen wir dort dann den Sternenhimmel. Die vorerst letzte Installation der Reihe dreht sich dann um Metaxa Grande Fine, der keine Sternewertung mehr aufweist. Bis dahin werde ich gewiss noch den einen oder anderen Metaxa getrunken haben – und ich hoffe, ich habe meinen Lesern auch Appetit gemacht auf diesen griechischen Weinbrand.

Metaxa 7 Stars Titel

Sterne über Griechenland, Teil 3 – Metaxa 7 Stars

Unser Ausflug an den griechischen Nachthimmel mit seinen Sternen hat seine Halbzeit erreicht. Waren die Sternbilder mit 3 und 5 Sternen noch eher etwas für den unambitionierten Astrologen, drehen wir nun das Teleskop auf einen ersten sideralen Höhepunkt: den Metaxa 7 Stars. Inzwischen wissen wir ja, dass der Name bedeutet, dass wir hier eine 7 Jahre gereifte Weinbrandbasis vor uns haben – das ist schon ein ordentliches Alter für einen Weinbrand, bei Cognac hätten wir vor 2016 hier bereits von der Qualitätsstufe XO gesprochen.

Metaxa 7 Stars Flasche

Wir beginnen mit dem leider etwas wenig Starhaften. „Zuckerkulör“ – mehr muss ich inzwischen für regelmäßige Leser meines Blogs nicht sagen. Für alle anderen: Die schöne Farbe ist getürkt, ich halte mich also nicht allzu lang damit auf.

Um so länger könnte ich dann aber dafür am Geruch hängen bleiben. Ein sommerliches Blumenbeet. Rosen, Jasmin, dazu gibt es Unterstützung von Vanille, Feigen und reifen Bananen; Zitronenfrische etwas später. Eine leichte Schwefelnote kommt aus der Weinbrandbasis.

Und, ah, butterzart ist der Metaxa 7 Stars, mit einem Anflug von Kribbeln. Weich und rund, leicht schwefelig im Verlauf. Vanille. Karamell. Milchschokolade. Rosinen. Ansonsten kommt hier die Rosennote zum ersten Mal in der Produktreihe richtig schön zur Geltung. Sie liegt nun im Vordergrund, mit einer kräftigen, aber unaufdringlichen traubig-saftigen Süße – als würde man eine Rosenblüte essen. Immer mehr Kanten sind abgeschliffen, die uns im 3- und 5-Sterne-Metaxa noch störten.

Der Abgang bleibt eher kurz und trocken, dafür würzig und warm im Mund, weich im Rachen und in der Kehle. Da ist nun überhaupt kein Kratzen mehr, das läuft runter wie warmes Öl. Eine leicht klebrige Süße bleibt am Gaumen. Die blumige Komponente hängt noch eine Weile im Mund nach, mit einem milden Brandy-Schwefel.

Wir bewegen uns hier im Bereich dessen, was ich schon gern pur trinke. Gut handwarm, in einem großen Cognacschwenker. Darüber hinaus ist das die Fassung des Metaxa, die bei mir als Standard für Cocktails gilt – beispielsweise im Democritus. Ein Alleskönner also, und die Qualität, die ich einem Einsteiger in die Welt des Metaxa empfehlen würde. Mit einem sehr guten Preisleistungsverhältnis – für um die 15€ pro 700ml ist es auch keine große Investition, während man eine sehr schöne Spirituose als Gegenleistung erhält.

Democritus


Democritus
5 Minzblätter
½ oz Limettensaft
Zusammen vorsichtig muddeln.
2 oz Metaxa 7 Stars
½ oz Rye Whiskey (z.B. 1776 Straight Rye Whiskey)
1 oz Ananassaft
½ oz Orgeat
2 Spritzer The Bitter Truth Jerry Thomas‘ Own Decanter Bitters
Auf Eis gut shaken.
[Rezept nach Ryanimo]


Ich nutze diese Variante des griechischen Weinbrands, um mal darauf hinzuweisen, dass man sie auch in allerlei Größen bekommt – den 7er-Metaxa beispielsweise habe ich als 5cl-Miniatur, als 20cl-Flachmann und in der 70cl-Amphorenflasche zu Hause. Gerade die Mittelgrößen, wie 20cl und 35cl sind in Deutschland nicht flächig erhältlich; in griechischen Supermärkten, insbesondere dort, wo Touristen unterwegs sind, dagegen schon.

Metaxa 7 Stars Verschiedene Größen

Und natürlich ist sich der Hersteller von Metaxa nicht zu schade, hin und wieder Sonderaktionen durchzuführen, bei denen eine Flasche zusammen mit einem Gimmick verkauft wird. Mitte des Jahres 2016 beispielsweise war Metaxa 7 Stars zu einem sehr günstigen Preis zusammen mit einem sehr formschönen Tumbler beim Supermarkt Real erhältlich. Ein echter Fan wie ich konnte da einfach nicht widerstehen, insbesondere, da diese Art von Markenglas allein gekauft schon oft 5€ und mehr kosten kann.

Metaxa 7 Sterne Glas und Karton

Wer sich unsicher ist, sollte bei seinem griechischen Restaurant der Wahl einfach nach dem Essen mal statt dem Standard-Ouzo diesen Metaxa bestellen. 7 Stars sollte in jeder Taverne, die etwas auf sich hält, auf der Karte stehen. So ein schönes Glas Metaxa ersetzt einen Nachtisch, und lässt einem die Zeit, nach einem üppigen Mahl nochmal ein bisschen zu schwelgen und träumerisch an den Nachthimmel Griechenlands zu denken.

Der hellenische Sternenhimmel wird im nächsten Teil ergänzt um den großen Bären der Sterne-Metaxa-Himmelsbilder: Wir sehen uns nächsten Monat, wenn der Metaxa 12 Stars an die Reihe kommt, in meiner Reihe „Sterne über Griechenland“ verkostet zu werden.

Metaxa 5 Stars Titel

Sterne über Griechenland, Teil 2 – Metaxa 5 Stars

Im ersten Teil dieser Reihe über die griechische Spirituose Metaxa haben wir viel über Sterne geredet. Auch heute wird der Begriff immer wieder fallen. Da stellt sich der eine oder andere vielleicht die Frage – was bedeuten diese Sterne auf dem Etikett eigentlich? Sind sie so etwas wie Rangabzeichen beim Militär – je mehr, desto besser? Warum gibt es dann aber eine Lücke zwischen den Sternqualitäten (3, 5, 7, 12)? Die Antwort liegt nahe. Es sind die Anzahl der Jahre, die die Weinbrandbasis des Metaxa-Gemischs in Fässern aus Limousineiche verbrachte. Der 3 Stars, den ich letzten Monat besprach, lag also 3 Jahre im Holz; für den heutigen zweiten Teil der Reihe „Sterne über Griechenland“ verdoppeln wir nun beinahe diese Reifezeit, denn 2 Jahre länger konnte der Metaxa 5 Stars ruhen. Wäre Metaxa ein reiner Weinbrand, bekäme er nun das Prädikat VSOP.

„Bekäme“, denn tatsächlich, und das sollten wir nun auch deutlich sagen, ist Metaxa ein aromatisierter Blend aus verschiedenen Zutaten, nicht alle davon selbst Spirituosen. Der Weinbrand, der Metaxa zugrundeliegt, wird nach der angesprochenen Reifezeit mit Muscat-Süßwein und Aromaten (diverse Kräuter- und Blütenaromen) – natürlich, wie so oft bei Spirituosen, ein Geheimrezept des Herstellers – vermischt, wodurch die Einmaligkeit des griechischen Brands entsteht. Somit ist für den Verkoster ein doppelter Reiz vorhanden: Wie spielt der Wein mit dem Weinbrand zusammen? Schmeckt man die Komponenten heraus? Oder entsteht ein langweiliges, sich allem anbiedernden Gebräu? Wir wollen es herausfinden.

Metaxa 5 Stars Flasche

Über die Farbenthematik hatte ich bereits beim 3 Stars berichtet; hier nur noch mal kurz das Zauberwort: Zuckerkulör. Daher eine direkte Weiterleitung zur Geruchsprobe. Wer Metaxa kennt, weiß, was kommt – der Geruch ist einmalig und es gibt keine zweite Spirituose, an der ich so gern einfach nur schnuppere. Rosig, blumig, süß. Minimale Klebernote.

Mehr als nur ein Vorgeplänkel für den Geschmack. Dieser ist zunächst weich und zart, süß, schokoladig, rosinig, orange. Erinnernd an milden Cognac; doch schnell kommt ein so gar nicht cognachaft-feines, ordentliches Feuer auf, das auch kaum aufgefangen werden kann: der Körper des Metaxa 5 Stars ist eher mager und die Aromen verklingen daher schnell. Das Feuer wird im Abgang immer stärker und brennt ordentlich auf Zunge und Gaumen, kribbelt aber im Rachen nur. Es dauert eine ganze Weile, bis die Flammen im Mund wieder verklingen. Man merkt, dass hier noch ein vergleichsweise junger Brand mit Ecken und Kanten am Werke ist – die 38% Alkohol können kaum dafür allein verantwortlich sein. Außer dem Feuer bleiben deutlich trockene, leicht schwefelige Weinbrand- und schön blumige Rosenkomponenten am Gaumen.

Oft schon hatte ich es erwähnt, auch hier trifft es zu: Manchmal wünscht man sich für Mixgetränke genau die Eigenschaften herbei, die man bei Purgenossenem gern verscheucht hätte. Dabei geht es nicht um Qualität, sondern meist um Kraft, Wildheit und auch eine gewisse Kernigkeit, damit im Ergebnis noch was von der Spirituose zu schmecken ist. Der Metaxa 5 Stars gibt dem Motorcade genau dies, und darüber hinaus dem ansonst eher sauren Cocktail eine in dieser Form dann doch unerwartete blumige Note, die wirklich ganz bezaubernd ist.

Motorcade


Motorcade
1 oz Metaxa 5 Stars
1 oz Cointreau
1 oz Zitronensaft
½ oz Ananassaft
½ oz Zimtsirup
3 Spritzer Orange Bitters
Auf Eis shaken.
[Rezept nach Marleigh Riggins Miller]


Die Steigerung des Qualitätsversprechens erkennt man auch am Flaschendesign – war der 3-Sterne-Metaxa noch in einer Standardflasche abgefüllt, beginnt Metaxa hier, sein Produkt in spezielle Individualflaschen zu stecken. Mit der Höhe von fast 33cm und den Ausbuchtungen am langen Flaschenhals, der direkt in den Bauch übergeht, spielt man wahrscheinlich auf griechische Säulen an. Das Etikett ist fast gleich geblieben, nur etwas elaborierter ausgeführt.

Für gemittelt 12€ erhält man die erste breit in Deutschland erhältliche Basisversion dieses griechischen Klassikers. Lohnt es sich, im Vergleich zum schwer erhältlichen jüngsten Brüderchen? Ja, etwas. Lohnt es sich, im Vergleich zu den Klonen bei Discountern und Supermärkten? Keine Frage! Man bezahlt zwar praktisch doppelt so viel wie beispielsweise für den Aldi Akropolis, dafür bekommt man aber auch ein Produkt, das nach etwas schmeckt, das man, falls man mit der Gyrossoße fertig ist, auch mal pur oder in einem Longdrink oder Highball einfach so genießen kann – letzteres würde ich mit den Klonen nicht mehr riskieren.

Wer sich aber sagt, na, ich hab da doch noch ein, zwei Euro mehr übrig und will mich nicht mit Basisqualitäten begnügen, der bekommt nächsten Monat einen Vorschlag für ein mögliches weiteres Upgrade. Dann erscheint nämlich Teil 3 der Serie „Sterne über Griechenland“, hier, auf diesem Programm, bunt und in Farbe, dann mit dem Hauptdarsteller Metaxa 7 Stars!

Metaxa 3 Stars Titel

Sterne über Griechenland, Teil 1 – Metaxa 3 Stars

Einer der meistaufgerufenen Artikel meines Blogs ist der über den Metaxa-Klon Akropolis des Discounters Aldi. Einerseits freut mich das Interesse an meiner Berichterstattung, andererseits bin ich doch etwas überrascht darüber, dass soviele Leute nach einer Alternative zu Metaxa suchen. Für die einen scheint Metaxa nicht mehr als eine Kochzutat für Gyros in Metaxasauce zu sein, und wollen daher nicht viel Geld ausgeben für etwas, das einen derart eingeschränkten Nutzen für sie hat; andere glauben vielleicht, dass es der Markenname ist, den man bezahlt, und dass No-name-Produkte gleiche Leistung bei niedrigerem Preis bieten, ein Image, das sich die Discounter gern aneignen. Oft mag das stimmen; bei Metaxa ist es jedenfalls falsch.

Offensichtlich muss in Bezug auf Metaxa, einer meiner absoluten Lieblingsspirituosen, mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden. Ich beginne daher eine kleine Serie, in der ich die unterschiedlichen Qualitätsstufen von Metaxa (dem echten und einzigen, natürlich!) vorstellen will – passend zur Bezeichnung dieser Stufen, die vom Hersteller über eine Anzahl von Sternen erfolgt, nenne ich sie „Sterne über Griechenland“. Ich hoffe dadurch die Alternativen Suchenden davon zu überzeugen, dass ein paar Euro mehr, die das Originalprodukt kostet, hier direkt einen enormen Geschmacksgewinn bringen – und bei dem breiten Angebot, das Metaxa dem Konsumenten bietet, findet vom Saucenkoch über den Mixologen bis zum anspruchsvollen Genießer jeder etwas in diesem Sortiment.

Beginnen werden wir unten auf der Qualitätsleiter mit einer niedrigen Anzahl von Sternen: Der Metaxa 3 Stars ist das Basisprodukt des Herstellers. In Deutschland ist er vergleichsweise schwer zu bekommen, da er vom offiziellen Vertrieb nicht aus Griechenland exportiert wird – man muss ihn in kleineren Online-Shops bestellen, meist völlig überteuert zu einem Preis, für den man schon die 5-7-Sterne-Variante bekommt. Oder man macht es wie ich: Ich bringe immer eine kleine 35cl-Flasche davon aus dem Urlaub mit, günstig eingekauft in einem kretischen Supermarkt.

Metaxa 3 Stars Flasche

Wie bei vielen Spirituosen sollte man auch beim Metaxa leider nicht viel auf die Farbe geben; sie entsteht durch Nachfärbung mit Zuckerkulör. Warum die Hersteller dann immer den gleichen, warmbraunen Bernsteinton wählen, wenn sie doch freie Möglichkeiten der Einfärbung haben, sollte uns zu denken geben, die wir gern Spirituosen in diesem Farbton kaufen, der uns bei Whisky, Rum, Weinbrand und anderen vorlügen soll, wir hätten hier einen alten, wertvollen Brand vor uns.

Wer sich fragt, warum der 3-Sterne-Metaxa hier nicht offiziell angeboten wird, wird schon durch ein Riechen am Glas aufgeklärt. Lack, Schwefel und Ethanol sind sehr präsent, erst dahinter erkennt man das Metaxa-typische Rosenaroma. Es ist aber da, im Gegensatz zum Aldi-Akropolis. Und im Mund ist das dann doch eine andere Welt; die kräftige Weinbrandbasis ist mit 36% Alkohol feurig und warm im Mund, süßlich und schokoladig, samtig und mit kaum einem Kratzen. Die Rosenblütenaromatisierung sorgt für eine feine Leichtigkeit und angenehme Blumigkeit, die den Metaxa so einmalig macht. Im kurzen Abgang schließlich leicht trocken und etwas bitter, schweflig und kribbelnd, im Hals etwas eckig und kratzig – das erinnert an billige deutsche Weinbrände und ist auch schon das negativste, was man über diesen Griechen sagen kann. Als Fazit – das ist keine große Kunst, aber eine solide Basisspirituose, auf der man aufbauen kann.

Warum gebe ich mich überhaupt mit dieser nur mittelmäßig begeisternden Basisversion von Metaxa ab? Erstens ist es interessant, dass selbst dieses scheinbar so hässliche Entlein im Metaxa-Teich allen Klonen weit überlegen ist. Gegen die Kopien ist der Metaxa 3 Stars dann doch ein Schwan. Zweitens ist er für mich ein Beweis dafür, dass in Cocktails, Highballs und Longdrinks auch Zutaten, die der Purtrinker eher abschätzend betrachtet, zu allerhöchster Form auflaufen können. In meinen Kreta-Urlauben habe ich es zum unerlässlichen Ritual gemacht, in der Taverna Gorgona in Stalis einen Athens zu trinken. Das ist ein großer Name für die einfache 1:1-Mixtur aus Metaxa und Orangensaft; wer ihn aber schonmal dort getrunken hat, wird sich die Finger nach ihm schlecken. Und sich auf immer neue, spektakuläre Umrührer freuen, die der Wirt dazu ins Glas steckt.

Taverna Gorgona's Athens


Taverna Gorgona’s Athens
Ein Glas mit Eis befüllen.
Dann, im gleichen Verhältnis, Metaxa und Orangensaft eingießen.
Umrühren.
[Rezept nach Giannis Kamnakis]


Das alleraberwitzigste an diesem Highball war, dass ich verzweifelt versucht habe, ihn zu hause nachzumischen, mit 12-Sterne-Metaxa und frisch gepresstem Orangensaft und allerlei Trara. Doch nie erreichte ich die Geschmackserinnerung, die ich mit dem Athens auf Kreta verband. Die Lösung erfuhr ich erst spät vom Wirt der Taverne – der Trick besteht in der scheinbar niedrigen Qualität der Zutaten. Metaxa 3 Stars, aus der seit Wochen offenstehenden 2-Liter-Flasche, dazu der billigste Orangensaft aus Konzentrat, den man im Tetrapack bekommen kann. Und, was soll ich sagen – so funktioniert es! Es ist fast zum Lachen, aber auch ein Augenöffner für Schnapssnobs wie mich, die meinen, alles noch durch immer noch hochwertigere Zutaten verbessern zu können.

Soviel zum ersten Kapitel des Metaxa-Epos bei schlimmerdurst.net. Haltet Ausschau nach Teil 2 der Serie „Sterne über Griechenland“, die dann die Version des griechischen Weinbrands beschreibt, die man in Deutschland als günstigste Fassung bekommen kann – den Metaxa 5 Stars. Wer es bis dahin nicht aushält, kann sich ja vielleicht mal den mit Honig aromatisierten Metaxa with Greek Honey anschauen; ich wünsche jedenfalls Καληνύχτα και όνειρα γλυκά!

Kretischer Raki Titel

Hausgemacht schmeckts halt am Besten – Kretischer Raki und Rakomelo

Der Urlaub auf Kreta dieses Jahr war erneut ein Erlebnis. Seit vielen Jahren genieße ich die unglaubliche Freundlichkeit der Kreter, die, im Gegensatz zu vielen anderen Urlaubsländern, nie aufgesetzt oder der Verkaufsförderung dienend wirkt. Filoxenia und filotimo, also Gastfreundschaft und Respekt vor dem sozialen Umfeld, sind in Griechenland keine abstrakten Schlagworte, sondern zumindest bei den Griechen, die ich auf Kreta kennengelernt habe, gelebte Wirklichkeit. Sowohl in den Touristendörfern (wo den Kretern leider selten derselbe Respekt zurückgegeben wird, wie ich dauernd fremdschämend erleben musste), als auch in den abgelegeneren kleinen Bergdörfern, wo trotz Sprachbarriere eine herzliche Freundlichkeit Fremden gegenüber herrscht. Manchmal muss man in Vorleistung gehen, doch dazu reicht es oft schon aus, die älteren Herren in der Taverne beim Frappé von sich aus mit einem lauten kalimera zu begrüßen, sich respektvoll zu verhalten und wenigstens „bitte“ und „danke“ auf Griechisch sagen zu können – das sollte, egal wo, aber eh nicht zuviel verlangt sein.

Mond über Kreta

Das Nationalgetränk Kretas ist entweder dieser Frappé, eine Art Eiskaffee – oder Raki. Der „offizielle“ griechische Name für diesen Tresterbrand ist tsikoudía, und man findet auf Flaschen häufig nur eine der beiden Bezeichnungen, doch die Kreter, die ich zu dieser Spirituose befragt hatte, nutzten praktisch alle das Wort Raki. Im kretischen Dialekt verschleift sich die harte hochgriechische Endsilbe „-ki“ zu „-dschi“, und so bestellt man in der Taverne auf Kreta authentisch halt Souvladschi und ein Glas Rahdschi dazu.

Besonders wichtig ist es den Kretern, immer darauf hinzuweisen, dass ihr Schnaps nichts mit dem türkischen Rakı zu tun hat; wer beide schoneinmal gekostet hat, kann das ohne weiteres leicht bestätigen, denn während der türkische Rakı stark anislastig ist, mehr an Ouzo erinnert, ist der kretische Raki geschmacklich eher dem Grappa oder Pisco verwandt.

Wie es bei Oliven, Olivenöl und oft auch Wein ist, so ist es auch bei Raki: Jede Familie, die was auf sich hält, stellt ihr eigenes Produkt her. In den Supermärkten der Insel finden sich zwar viele überregionale, teils sogar für den Export bestimmte Raki-Marken, doch wenn man sich vor Ort befindet, gibt es keinen Grund, nicht stattdessen auf eine Familienmarke zurückzugreifen, die überall und jederzeit feilgeboten wird.

Kretischer Raki Flaschen

Aus Erfahrung kann ich sagen: Jede hausgebrannte Sorte hat tatsächlich ihren eigenen Charakter, schmeckt leicht anders, für mich persönlich auch besser als die Industrieware. Ich kaufe regelmäßig von unterschiedlichen Orten, wo der Raki dann aus dem Fass frisch in eine Flasche abgefüllt wird. Eine sehr beliebte Alternative zum klaren Raki ist der Rakomelo: Raki verfeinert mit Honig und Gewürzen. Auch hiervon findet man an jeder Straßenecke die Hausmarke eines Heimbrenners, mit der lokalen Charakteristik. Wer sich auf Kreta etwas unter die Leute mischt, und sich als interessierter Gast zeigt, wird oft auch mit einer kleinen Flasche beschenkt.

Wie schmecken die Rakis nun? Der klare, reine Raki riecht schonmal stark nach Trauben, Weinessig, Fino-Sherry. In Blindverkostungen würden viele ihn für Grappa halten – trocken, leicht bitter, sehr fruchtig, und mit angenehmer, zurückhaltender Süße. Im mittellangen Abgang ist er warm und seidig, aber ohne das etwas kratzige Feuer, das viele Grappe aufweisen. Am Ende erinnert er mit etwas Fantasie sogar an einen leichten VS-Cognac.

Der Rakomelo dagegen ist was für die mit dem komplett süßen Zahn: Der Likörcharakter dominiert. Man schmeckt viel Honig, Kräuter, Gewürze, aber praktisch keinen Alkohol. An so einem Gläschen Rakomelo kann man eine Weile schlürfen und lutschen, er ist ideal als Dessertbegleiter geeignet. Im Winter dient er traditionell als Hustenmedizin, ohne nach Medizin zu schmecken, und funktioniert wahrscheinlich besser als Wick Medinait.

Das moderne Kreta erkennt, dass es in ihrem tsikoudia eine ganz eigene, wertvolle Ressource hat. Cocktailbars, wie das frisch renovierte Beachcomber in Stalis, eine wirklich ausgesprochen hochwertige Bar selbst nach westeuropäisch-urbanen Maßstäben, bietet neben anderen faszinierenden Cocktails auch einen mit Raki als Hauptspirituose an; sollte man mal dort sein, muss man den Queen’s Recipe probieren, mit Raki, Kamille und Zitronensaft. Eine Alternative ist der Rakitini, für den ich von meiner eisernen Regel, nie Cocktails zu trinken, die auf -tini enden und dabei nicht mit Mar- beginnen, eine Ausnahme mache. Persönlich hätte ich diesen Drink eh eigentlich eher Raki Smash genannt.

Rakitini


Rakitini
2 Zitronenviertel mit…
3-4 Scheiben Gurke und…
3-4 Zweigen Thymian muddeln.
1 Teelöffel Zucker
1 Prise Salz
3 oz kretischer Raki
Alles auf Eis shaken.

[Rezept nach Georgios Pyrgiotakis]


Ähnlich wie mit Grappa ging es mir auch mit Raki: Zunächst kannte ich nur die scharfe, billige Industrieware, die man in Restaurants vor oder nach dem Essen serviert bekommt. Ein grausiger Spiritus – diese Art, dem Gast einen Pseudogefallen zu tun, hatte mir den Grappa total madig gemacht, bis ich entdeckte, wie toll guter, gereifter Grappa schmecken kann. Auch beim Raki kann einem das auf Kreta passieren: All-inclusive-Hotels oder Touristenkaschemmen bieten oft einen inkludierten Raki an, doch darauf sollte jeder verzichten, der diese Spirituose kennenlernen will.

Sirtaki vor der Taverna Gorgona

Ein paar Schritte in eine authentischere Taverne nebenan, und die Welt sieht anders aus. Und nach ein paar Gläsern davon fallen auch schnell die zivilisatorischen Hemmungen, die uns so beklemmen, und wir tanzen mit anderen Touristen aus Russland, England und Deutschland mit den Griechen zusammen den Sirtaki.

Metaxa with Greek Honey Titel

Griff in den Honigtopf – Metaxa with Greek Honey

Man konnte es seit einiger Zeit beobachten: Die Regale des Einzel- wie des Fachhandels füllten sich mit Spirituosen bekannter Hersteller, die ihre Produkte leicht verändert hatten. Der Auslöser war wahrscheinlich erstmal die seit vielen Jahren betriebene Vermarktung von aromatisiertem Vodka – es gab eine Phase, wo man schon genau hinschauen musste, wenn man einen unaromatisierten Vodka kaufen wollte, dass man nicht aus Versehen doch einen Zitronen-, Himbeer-, Brombeer-, Vanille-, Mango-, Birne-, Pfeffer-, Kirsch- oder sogar Koriandervodka in den Warenkorb legte. Absolut war und ist dabei der Vorreiter.

Schnell erkannten auch die Rumhersteller, die eigentlich mit Spiced Rum in diesem Gebiet zuhause waren, dass hier mehr zu holen ist als mit einfacher Vanille; und dann begannen auch noch die fachfremden Hersteller, hauptsächlich amerikanische Whiskeyproduzenten, ihre vor aromatisierenden Zusätzen gesetzlich geschützten Produkte für die neugierige Konsumentenschaft etwas aufzupeppen. American Honey von Wild Turkey, Tennessee Honey von Jack Daniel’s, Jim Beam Honey und andere Sorten zeigten, wohin der Weg geht, wenn es um veränderten Whiskey geht – Honig ist das Mittel der Wahl.

Es gibt nun auch bei Weinbrand eine Marke, die schon seit ihrer Gründung ihr Alleinstellungsmerkmal in der Aromatisierung fand: Das griechische Traditionsprodukt Metaxa ist eine äußerst gelungene Mischung aus Süßwein, Weinbrand und Rosenblätteraromen. Damit sind sie hocherfolgreich, zurecht, wie ich meine, der ich ein riesiger Metaxa-Fan bin. Aber hinter der Welle der honigsüßen Whiskeyprodukte wollte dann eben auch ein solcher Hersteller nicht zurückbleiben. Geschah es nur, um das Markenimage lebendig zu erhalten, dass ein neues Produkt wie Metaxa with Greek Honey vorgestellt wurde? Wer schonmal in Griechenland war, wird jedoch bezeugen, wie stolz die Griechen auf ihren Honig sind. Während für Whiskey die Verbindung Spirituose-Honig vielleicht aus reinem Marketingkalkül entstand, ist sie für griechische Spirituosen eine ganz natürliche, selbstverständliche. Vielleicht bin ich zu romantisch veranlagt, doch die Honigmelange hat in Griechenland Tradition – rakomelo beispielsweise wird schon seit Jahrhunderten hergestellt.

Metaxa with Greek Honey Flasche

Die Farbe ist zwar schön, aber, wie bei allen Metaxa-Produkten, durch Zuckerkulör entstanden, daher sehe ich über sie hinweg. Über den Geruch allerdings kann ich nicht hinwegsehen – würziger Honig, als hätte man ein Glas Honig aufgeschraubt, blumiger, metaxa-typischer Rosenduft, Jasmin und ein winziger Hauch Lösungsmittel. Sehr ansprechend, und in keinster Form künstlich wirkend, wie das bei manchen anderen Honigspirituosen der Fall ist. Hier wirkt es aus einem Guss.

Im Geschmack kommt der Weinbrand deutlicher zum Vorschein, man ahnt die 33% Alkohol, die der Metaxa with Greek Honey aufweist, allerdings mehr, als man sie wirklich spürt. Deutlich ist der Metaxa mit seinen floralen Noten erkennbar, er wird aber vom vordergründigen kräftigen Honiggeschmack etwas überlagert. Eine Gewürznote (Nelken? Piment?) rundet das Bild in die Tiefe ab. Sehr angenehm zu trinken, doch das Erlebnis des Munds ist leider nicht mehr ganz so herzerfreuend wie das wirklich außergewöhnliche der Nase. Der Abgang ist warm, weich und mild, allerdings doch mit leichtem Schwefelcharakter, wahrscheinlich vom Weinbrand, von dem man dieses Geschmacksbild kennt. Am Ende verbleibt noch eine Weile eine milde, unklebrige Süße auf der Zunge und ein Gedankenbild von Honig.

Wie bei vielen aromatisierten Spirituosen denkt man sich zunächst, dass der Hauptzweck das Purtrinken ist; wozu sonst die Aromatisierung? Das entspricht dann auch der Verzehrempfehlung des Herstellers („neat, chilled or on ice“). In Cocktails könnte man ja schließlich die „reine“ Spirituose nutzen, und denselben Effekt mit einem Schuss Honig erreichen. Doch nun habe ich die Flasche nunmal, und obwohl der Metaxa with Greek Honey pur schon sehr lecker ist, will ich ihn doch mal in einem Cocktail einsetzen. Das Originalrezept des Athenian Diplomat verlangt nach Metaxa (without Greek Honey), doch die zusätzliche Süße und Milde des Honigweinbrands schadet natürlich nicht, insbesondere gegen die Säure der Zitrone – ich gehe davon aus, dass das auch für alle anderen Cocktails mit diesem griechischen Weinbrand gilt.

Athenian Diplomat


Athenian Diplomat
2 oz Metaxa with Greek Honey
¾ oz süßer Wermut (z.B. Martini Rosso)
½ oz Zitronensaft
1 Spritzer Orange Bitters
Auf Eis rühren und in ein eisgekühltes Glas geben.
[Rezept adaptiert nach einem Original von Sean Michael Whipkey]


Fast schon wundersam, im erfreulichen Sinne, ist die Zutatenliste auf dem Rücketikett. Alkohol, Muscat-Wein, Weindestillat, Zucker, Honig aus Griechenland (0,5%), Honigaroma, Zuckerkulör. Erfreulich deswegen, weil die Ehrlichkeit hier gewonnen hat: Es ist neben dem titelgebenden griechischen Honig zumindest auch Honigaroma drin. Andere Hersteller tun oft so, als wäre die Aromatisierung rein natürlich. Schön wäre es allerdings natürlich schon, wenn Metaxa daran noch weiterarbeiten könnte, nämlich auf den künstlichen Aromastoff, wie auch auf die zur Färbung dienende Zuckerkulör, komplett zu verzichten.

Zum aktuellen Zeitpunkt ist dieser Likör nicht in Deutschland erhältlich, außer, ich habe ihn bei meiner Recherche übersehen. Erworben habe ich ihn im Duty-Free-Shop des Flughafens Heraklion (Kreta) für 25€ pro 700ml, wo eine riesige Wandwerbung an den Flugzeuggates unübersehbar auf ihn hinwies; ich hatte dies als einen Vorgeschmack darauf betrachtet, dass er bald auch in Deutschland im Einzelhandel zu kaufen sein könnte. Die entsprechende Metaxa-Produktseite ist dann aber doch deutlich: „Available exclusively in European Airports“.

Metaxa with Greek Honey Karton und Etiketten

Nun, einerseits ist das schade, denn das Produkt verdient es sicherlich, einem breiteren Kreis als den Airportshoppern bekannt gemacht zu werden. Andererseits ist es durch diese künstliche Verknappung natürlich ein tolles Mitbringsel für jeden Spirituosenfreund, insbesondere für Süßmäuler unter den Weinbrandfans. Da die amphorenähnlich gestaltete Flasche darüberhinaus mit einem sehr repräsentativen Etikett in englischer und griechischer Sprache geschmückt ist, und in einem ebenso geschenktauglichen Karton verkauft wird, rate ich jedem, der überlegt, was er seinen Lieben aus dem Griechenlandurlaub mitbringen soll, sich statt für die üblichen Scotches oder Vodkas, die man sonst so im Duty Free sieht, für den Metaxa with Greek Honey zu entscheiden!

Aldi Akropolis Titel

Nicht so ganz wie das Blut der Erde – Aldi Akropolis Griechische Spirituosenspezialität

Bei meinem Stammgriechen letztens lief das Essen etwas aus dem Ruder. Zum Essen gab es Pfälzer Bier, griechischen Weißwein, ein paar Ouzos vorher und nachher und zum Abschluss noch eine launige Verkostungsrunde durch die verschiedenen Reifegrade der griechischen Spirituosenspezialität Metaxa, von 5 Sterne über 7 Sterne zum Grande Fine in der hübschen Keramikflasche. Im Hintergrund lief griechische Sehnsuchtsmusik, die Kellner waren gut gelaunt und lachten laut, die Pita mit Oliven und Peperoni war spitze und Oktopus, Gyros und Lammkoteletts sind beim Dimitra in Saarbrücken eh über jeden Zweifel erhaben. Ein herrlicher, langer, fröhlicher Abend in bester Stimmung in meinem Lieblingsrestaurant.

Spirituosenverkostung beim Griechen

Nun ist so ein Vergnügen nicht ganz billig; ein so hochwertiger aromatisierter Weinbrand wie Metaxa kostet sein Geld. Da denkt man sich vielleicht, dass ein günstigeres Produkt gewiss auch diesen Zweck erfüllt. Und man muss nicht weit schauen: Metaxa-Klone gibt es in jedem Supermarkt, und sogar der größte Discounter Deutschlands hat einen davon im Angebot: die Aldi Akropolis Griechische Spirituosenspezialität. Kann dieses „original griechische Erzeugnis“ auch für so einen sensationellen Abend sorgen und sowohl Gourmet als auch Gourmand ansprechen?

Aldi Akropolis Flasche

Im Glas kommt dann direkt die Ernüchterung (im wahrsten Wortsinne). Das ist schon ungewohnt in der Nase – Scheibenklar, Teppichreiniger und erst dann ein bisschen Weinbrand. Uff, sowas muss man verdauen, man bekommt eigentlich keine so rechte Lust, es zu probieren. Vor allem fehlt komplett die blumige Rosennote, die Metaxa, an dem sich dieser Weinbrand von der Aufmachung und Vermarktung klar orientiert, so herrlich duftend macht.

Im Mund ist der Akropolis dann im ersten Augenblick süß, zuckrig und rosinig; sehr schnell kommt aber eine leichte Schärfe und eine starke Alkoholnote. Und dann nichts mehr. Das ist sehr schwach, ohne Körper und mit keinerlei Komplexität. Ein weinbrandtypischer Schwefelhauch ist schon das einzige, was man schmeckt. Letztlich wirkt der Aldi Akropolis mehr wie ein mit Zucker verschnittener, verdünnter Weinbrand, mit deutlichem Alkoholfeuer und wenig Aromen. Wie auch Metaxa darf sich diese griechische Spirituose nicht Weinbrand nennen, wegen der Aromatisierung; obwohl man sich fragt, was hier die Aromatisierung sein soll, da sind manche Mineralwässer spannender.

Aldi Akropolis im Glas

Der Abgang ist unglaublich kurz, zwar schön trocken, aber innerhalb weniger Sekunden vorbei. Dermaßen extrem habe ich das noch bei keiner Spirituose erlebt, als hätte man ihn gar nicht getrunken. 38% weist er auf, und das ist auch das einzige, was man schmeckt.

Bei Aldi Süd bezahlt man für dieses Wässerchen fast 7€. Für ein Drittel des Preises würde ich sagen, dass man es als Kochzutat kaufen kann, wenn man keinerlei Ansprüche an Geschmack stellt  – so ist er horrend teuer für die Leistung, die er abliefert. Zum Purtrinken ist der Akropolis ungeeignet wie kein zweiter; da sind die auf dem Etikett abgebildeten 5 Sterne ein absoluter Hohn. Das ist wirklich und bei weitem kein Ersatz für Metaxa, nichtmal für den 3-Sterne-Metaxa. Für nur wenig mehr Geld bekommt man sogar bereits den 5-Sterne-Metaxa, der geschmacklich mehr als nur eine Welt von diesem Produkt entfernt ist – soweit, dass ich diese zwei Spirituosen eigentlich kaum im selben Atemzug nennen sollte.

Nun habe ich die Flasche daheim, und muss überlegen, was ich damit mache – ich halte mich selbst an meine Adage, dass nichts in meinen Cocktail kommt, was ich nicht auch pur trinken würde. Dennoch habe ich mir einen äußerst leckeren Metaxa-Cocktail ausgesucht, um zu versuchen, wie sich der Aldi Akropolis im Mixverhalten zeigt: Den Attica Star. Mit gutem Metaxa gemacht, ist das einer der leckersten Cocktails, die ich kenne. Mit Aldi Akropolis – naja. Es beweist sich meine Meinung: Schlechte Zutaten machen einen schlechten Cocktail. Ich musste mir danach direkt noch einen Attica Star mit 5-Sterne-Metaxa machen, als Ausgleich. Unglaublich, der Unterschied.

Attica Star


Attica Star
1½ oz Metaxa (nicht Aldi Akropolis)
½ oz Tequila blanco (z.B. Olmeca Altos Plata)
¾ oz Limettensaft
1 oz Honigsirup
…mit etwas Bitter Lemon (oder, sehr angenehm, Paloma-Limonade!) aufgießen


Es gibt bei den Discountern durchaus hin und wieder hochwertige Perlen. Der Aldi Akropolis gehört aber ganz gewiss nicht dazu, im Gegenteil, er repräsentiert all das, wodurch Discounter auch heute noch oft im Schatten des Billigprodukts stehen und für manche Produkte zumindest von Genießern nicht ernst genommen werden können. Rausgeschmissenes Geld, besser investiert in einen 5-Liter-Kanister Scheibenklar, das man praktischerweise statt dem Akropolis im selben Laden in den Einkaufswagen legen kann.

Wer sich wirklich für den wahren Metaxa interessiert, kann mehr über diese Spirituose in meiner Rezensionsreihe „Sterne über Griechenland“ nachlesen, die vor kurzem gestartet ist und die unterschiedlichen Qualitätsstufen vorstellt.

Robinsons Old Tom with Chocolate Titel

Skandal: Schokoladenrückstände im Bier! Robinsons Old Tom Strong Ale With Chocolate

Das Lebensmittelgesetz im föderalen Deutschland bringt immer wieder die eine oder andere Perle zum Vorschein. Das seltsamste, was ich aber seit langem gehört hatte, war die Geschichte um das Milk Stout des bayerischen Craftbrauers Camba Bavaria. Milk Stout ist ein Bier, das, wie der Name schon andeutet, ein milchzuckerhaltiges Gemisch (aber keine Milch!) enthält; dieses kleine Detail stürzte die Brauer in die tiefste Hölle der bayerischen, berlinerischen und restdeutschen Beamtei, dass am Ende der schlimmste aller Ausgänge für die innovative Brauerei erfolgte: Das Camba Milk Stout musste ausgegossen, vernichtet werden. Man lese die Geschichte hinter dem obigen Link in Ruhe mal durch, um sich dann ob dieser Beamtiade genüsslich ans Hirn zu klatschen. Es ist aber nicht die erste absurde Bierposse in Deutschland: 2011 mussten Thomas Henry ihr Ginger Beer umbenennen, um dem Namensrecht des sakrosankten deutschen Biers zu genügen.

Dabei gibt es doch soviele Biere, die Zusatzstoffe enthalten, die auch wie beim Camba klar deklariert sind, und einem Bierfreund schon aufgrund der (zugegebenermaßen meist außerdeutschen) Tradition zumindest dem Namen nach bekannt sind; man hofft, dass nicht der Rest der Welt am bayerischen „was-ich-nicht-kenne-gibt-es-nicht“-Wesen genesen muss, sondern ich weiterhin auch exotische Kombination trinken kann, wie das Robinsons Old Tom Strong Ale With Chocolate, in dem sich Kakao und Vanille mit Bier vereinen.

Robinsons Old Tom with Chocolate Flasche

Es ist manchmal der erste Eindruck, der zählt, und hier kann die erste Flasche, die ich erwarb, überhaupt nicht punkten. Eine sehr unattraktive Ausflockung störte mich schon ganz enorm – lag es daran, dass sich das Bier dem auf dem Zusatzetikett angegebenen Mindesthaltbarkeitsdatum näherte? Doch selbst dann darf sich das Bier eigentlich nicht so verhalten. Ich kann mir das nur so erklären, dass diese Flasche beim Händler lange falsch gelagert wurde, so dass sich die Kakao- und Hefebestandteile am Boden fest absetzten. Durch das Bewegen der Flasche beim Kauf löste sich dieser feste Bodensatz dann und, statt sich wieder komplett aufzulösen, blieb er in festen, kleinen Bröckchen.

Ich habe schon kleine Hefeflocken in anderen Bieren gesehen, aber noch nie so extrem – das wollte ich Euch dann doch nicht vorenthalten.

Robinsons Old Tom with Chocolate Ausflockung

Flugs eine neue gekauft – und da sieht das ganze gleich anders aus. Statt der hässlichen Schwebeteiltrübung bekommt man eine attraktive transparente, tiefbraune Flüssigkeit fast ganz ohne Schaum.

Sie weist einen etwas fruchtigen und sehr vanilligen Geruch auf, nach Toffee. Es ist interessant, dass der Geschmack zwischen der ausgeflockten Flasche und einer unausgeflockten sehr unterschiedlich ist. Das geflockte Bier schmeckte sehr oberflächlich süß, hatte dabei einen sauren Charakter, was so überhaupt nicht zusammenpasste. Die Flasche, die in Ordnung war, enthielt dagegen ein Bier, in dem der Schokoladencharakter sehr viel mehr zurückgenommen wirkte, nicht ganz so süß, dabei aber dennoch ähnlich schokoladig, eigentlich eher sogar mehr nach dem dunklen, kräftigen Kakao, wie man ihn auf Tiramisu und andere Süßspeisen streut. Dabei ist das Robinsons Old Tom Strong Ale With Chocolate sehr bitter und trocken.

Im Abgang meine ich dann etwas Rumcharakter zu entdecken. Am Gaumen bleibt ein Hauch Kakao übrig, mit etwas Vanille. Dabei gilt es nochmals zu betonen: Diese schokoladigen Beinoten sind eher Randerscheinungen, es ist nicht so, als würde man hier tatsächlich einen Milchkakao oder heiße Schokolade trinken. Es ist und bleibt ein Ale.

Was lernen wir daraus? Wenn man diese Art von Sonderbier kauft, immer die Flasche drehen – ich will nicht sagen schütteln – und gegen das Licht halten, insbesondere, wenn das MHD nicht in weiter Ferne liegt (Ale ist grundsätzlich eigentlich sehr lange haltbar). Der Geschmacksunterschied ist enorm.

Robinsons Old Tom with Chocolate Glas 2

Als Fazit könnte man festhalten, dass so ein aromatisiertes Bier eher was als Dessertbegleiter ist, oder als Pralinenersatz abends am Fernseher für den mutigen Bierfreund. Die Kakaonoten würden mit einem deftigen Essen kollidieren.

Der spezielle Charakter dieses Produkts bringt es mit sich, dass es nur mit viel Kreativität in einem Cocktail unterzubringen ist; ein ausgesprochen tolles Rezept, für das es aber wie die Faust aufs Auge passt, ist A Stout Fellow. Normalerweise gehört in den A Stout Fellow ein normales Stout (wie zum Beispiel Guinness Extra Stout)  und eine Achtelunze Crème de Cacao. Letzteres können wir uns durch den Einsatz des Robinsons Old Tom Strong Ale With Chocolate sparen. Wer es aber noch milchschokoladiger will, kann gern den Kakaolikör auch noch zusetzen. Egal, wie man ihn macht – ein wirklich sensationeller Cocktail!

A Stout Fellow


A Stout Fellow
2 oz Robinsons Old Tom Strong Ale With Chocolate
1 oz jamaikanischer Rum (z.B. Appleton Estate Extra)
1 oz Kahlúa


Andere Sorten dieses Herstellers habe ich auch schon probiert, wie das Robinsons Old Tom Strong Ale, auf dem das Chocolate-Old Tom beruht, oder das Robinsons Old Tom Strong Ale with Ginger, das auch aromatisiert ist, da aber dann mit Ginger Beer.

Wenigstens Robinsons muss sich aber keine Sorgen um die in der Einleitung angesprochene bayerisch-berlinerische Regelkonfusion machen, denn diese gilt nur für in Deutschland hergestellte Produkte. Die importierten Traditionsprodukte aus England dürfen weiterhin stolz den Namensbestandteil „Beer“ tragen, egal ob es sich um Ingwerlimonade oder mit Milchprodukten angereichertes Bier handelt, ohne sich um solcherlei Wahnsinn kümmern zu müssen. Rule Britannia!