Kurz und bündig – Smokecraft Edelholzvodka

Naja, ein Wodka halt, was kann das schon sein. Erste Vorurteile dieser Art, die selbst in vielen Spirituosenkennern bis heute vorhanden sind, haben die kleinen, frechen, modernen Wodkahersteller bereits wiederlegen können, deren Destillate keineswegs aromatisch neutral sind, sondern wuchtige Eindrücke des verwendeten Basismaterials aufweisen. Beim Smokecraft Edelholzvodka geht man einen anderen Weg – nicht das Basismaterial soll den Geschmack bringen, sondern eine Aromatisierung. Da Vanille-, Zitrone- und Kaugummiwodka bereits existieren, und man statt auf künstliche auf natürliche Aromen setzen will, hat der Hersteller sich für einen innovativen, sehr ungewöhnlichen Weg entschieden.

Smokecraft Edelholzvodka

Die Farbe ist strohig, und da ohne Fasslagerung oder andere Reifung gearbeitet wird, und auch keine Färbemittel eingesetzt werden, entsteht die Farbe allein durch das auf dem Rückenetikett erwähnte „Curacionsverfahren“ – spannend dabei ist, dass das Glas der Flasche durch Kaltrauch aromatisiert wird, und die dann darin enthaltenen ätherischen Öle des Holzes an den später eingefüllten Sommerweizenwodka abgegeben werden.

Riechen wir mal dran. Zunächst denkt man an Lagerfeuer. Sehr rauchig, mit der für manches Feuer bekannten stechenden Note, dabei aber positiv belegt, nie wie der kalte Zigarettenrauch in einer Kneipe. Leicht speckig und harzig. Frisch geschnittenes, noch grünes, harziges, aufs Feuer geworfenes Tannenholz. Kohle. Wie oft bei sehr rauchigen Spirituosen entsteht aus der Rauchigkeit ein deutlicher Fruchteindruck. Geschmacklich beginnt der Smokecraft sehr cremig und süß im initialen Antrunk, dann wechselt es aber schnell zu trockener Würze. Leichte Vanille, sehr dezente Frucht. Bittere taucht auf. 40 % Alkoholgehalt bleiben durchweg unspürbar. Der Abgang ist kurz, sehr trocken, mild bitter, sehr würzig, holzig und dabei feurig, ohne alkoholisch zu wirken. Der rauchige Nachhall ist dafür sehr lang und bleibt ausgesprochen lange am Gaumen.

Ich bin selbst davon überrascht, wie sehr ich diese Spirituose mag. Ich zögere, sie durchgängig als Wodka zu bezeichnen, dazu ist der Lagerfeuercharakter zu beherrschend. Es erinnert oberflächlich an stark rauchigen Mezcal oder Scotch, allerdings ohne deren aromatische Tiefe zu erreichen. Ganz sicher aber dennoch spannend und gut gemacht.

Wie man auf dem Foto sieht, habe ich zur Abwechslung mal nicht in meiner stillen Kemenate zu Kerzenlicht verkostet, sondern an einem schönen Sonntag in meiner Lieblingsbar, der Schillers Pop Up Bar in Saarbrücken. Danke, Michael, für die Umgebung! Dazu gab es einen Smoky Lemon Highball, der zeigt, dass der Smokecraft, einfach auf Eis aufgegossen mit Thomas Henry Bitter Lemon, einem rauchigen Mezcal oder Scotch bezüglich Raucharomen in nichts nachsteht und eine ungewöhnliche, spannende Mixspirituose darstellt.

Kriecherlschnaps – Scheibel Premium Altes Pflümle

Wegen all dem internationalen Zeugs, das ich so probiere, das aus der Karibik, aus Mexiko, Japan, China oder Chile kommt, wirkt etwas so Urdeutsches wie ein Obstbrand fast schon exotisch auf meinem Blog. Ich bin mir jedoch sicher, dass jeder Leser hier etwas Erfahrung mit Obstwässerchen hat, etwas, was man sicher nicht über jede Spirituose sagen kann. Ein spannender Aspekt der Obstbrandkultur hierzulande: Viele der aktuell entstehenden deutschen Rums werden von Obstbrennern hergestellt, auf den vorhandenen Brennanlagen – dadurch entsteht ein ganz eigener Charakter der deutschen Rums; man sieht daran, wie tief diese Verwertung von allerlei Obstsorten in Deutschland verwurzelt ist.

Doch es gibt auch in dieser Kategorie allerlei verschiedene Ausprägungen, die man als aufgeklärter Konsument unterscheiden können sollte. Heute schauen wir uns den Scheibel Premium Altes Pflümle an. Man sieht auf dem Etikett das Wort „Spirituose“ – das liegt daran, dass das Pflaumendestillat nach der doppelten Destillation noch mit Pflaumenextrakt nachgewürzt wird und daher diese allgemeine Verkehrsbezeichnung wählen muss (dazu am Ende noch ein paar Worte). Doch eins nach dem anderen, gießen wir uns erstmal ein Gläschen ein.

Scheibel Premium Altes Pflümle

Im Glas zeigt sich deutlich das blasse Gold, das in der Destillation eingesetzt wurde. Nein, das ist natürlich ein Scherz, ich persönlich halte derartige Gimmicks für Marketing, ähnlich wie das bei der Platin-Filtrierung ist, die ich vor Ort bei einem bulgarischen Wodka-Hersteller begutachten konnte. Aber jedem das Seine. Trotzdem gefällt die Farbe, die dann wohl aus dem Fruchtauszug stammt, der dem Destillat beigesetzt wird. Sehr leicht bewegt sich die Flüssigkeit im Glas.

Die Fruchtaromen entwickeln sich jedenfalls großartig, eine schwere, dicke, fruchtige Süße entströmt dem Verkostungsglas. Pflaume dominiert, ich erkenne Nebenaromen von Apfel und Birne. Ein Traum für die Nase, das ist etwas, woran ich ausgesprochen gern sehr viel Zeit verbringe, bevor ich einen ersten Schluck nehme.

Hoppla, ist das nicht ein Likör? Das ist der Gedanke, der einem in den Kopf springt, wenn man das Alte Pflümle dann doch probiert. Supersüß, sehr rund und weich, ein wirklich genehmer Antrunk. Kandiszucker, Ahornsirup, Malz. Die Fruchtaromen zögern keine Sekunde und springen nach vorn. Im Verlauf kommt eine sehr feine Würze auf, die sich mit einer sich bildenden, aber sehr dezenten Trockenheit zum Ende hin steigert. 43%? Perfekt gewählt, der Alkoholgehalt sorgt für Wumms und Power, um die Süße auszugleichen.

Scheibel Altes Pflümle Glas

Der Abgang ist feurig, sehr lang, fruchtig und wuchtig mit tollem, extrem langen Pflaumennachhall, etwas Vollmilchschokolade und Fruchtmarmelade komplettieren diesen Eindruck, der von einem erkennbaren, aber nicht unangenehmen alkoholischen Hauch abgeschlossen wird.

Diese Art von Obstbrand muss einfach jeden überzeugen. Die sehr ausgeprägte Süße könnte Freunde von trockenem Schnaps zu Beginn abschrecken, doch der Abgang wird auch diese dazu bringen, mehr zu wollen.

Normalerweise kommt Slivovitz in den Moravian Cocktail. Ich ersetze hier den meist eher süßherben tschechischen Brand durch das Alte Pflümle, und bekomme dadurch eine Zucker- und Aromabombe, die mit Vorsicht zu genießen ist – da hat man was im Mund, was Freunde trockener Klassiker ins Diabeteskoma versetzen wird. Hin und wieder brauch ich sowas aber, und wer einen Ersatz für ein Dessert sucht, ist hier bestens aufgehoben.

Moravian Cocktail


Moravian Cocktail
¾ oz Pflaumenbrand
¾ oz Becherovka
1½ oz süßer Wermut
Auf Eis rühren.
[Rezept nach der Be Bop Bar in Prag]


Letztlich hätte ich schon gern etwas mehr Deutlichkeit darüber, was diese „Spirituose“ ist – als solche ist das Alte Pflümle, wie eingangs erwähnt, deklariert. Der zugefügte Fruchtextrakt sorgt dafür, dass es nicht als Obst- oder Pflaumenbrand, und auch nicht als „Pflaume“ (gemäß EU 2008/11 Anhang II 9.f) bezeichnet werden darf – die Spielerei „Altes Pflümle“ ist wahrscheinlich deswegen gewählt, um letzterem etwas nahe zu kommen. Wobei das „alt“ im Namen wieder verwundert, denn man erfährt nichts darüber, ob damit eine (undeklarierte) Reifung der Spirituose gemeint ist, oder eine Anspielung auf die alte Pflaumensorte Haferpflaume, die verwendet wird, sein soll, oder Bezug nimmt auf die bei Scheibel scheinbar vorhandene Destillieranlage „Alte Zeit“. Vielleicht eine Mischung aus allem.

Das sind aber Kleinigkeiten, über die sich ein Spirituosenregelfetischist wie ich sich Gedanken macht, und die dem Genießer nicht im Weg stehen sollten, diesen schönen, fetten, süßschweren Pflaumenschnaps auszuprobieren.

Kurz und bündig – Stone Brewing CoCo-POW! Porter

Uniqcan, inzwischen schon die dritte – Stone Brewing legt ein hohes Tempo vor mit seinen Limited Releases. Dieses Mal haben wir ein besonderes Schmankerl in der Dose, einen von mir sehr geliebten Bierstil: Ein Porter, aber eins mit einem Twist.  Eingebraut wurde das Stone Brewing CoCo-POW! Porter nämlich mit gerösteten Kokosflocken und Kaffeebohnen (zusammen insgesamt 1,6% Anteil). Wenn ich sowas lese, bin ich immer zwiegespalten – das kann leicht in die Hose gehen mit „bierfremden“ Aromen. Schauen wir mal, was rausgekommen ist.

Stone CoCo-Pow! Porter

Für ein Porter sehe ich einen überraschend schönen Crema-Schaum, üppig und voll, dabei gemischtblasig und vergleichsweise langlebig, gespeist durch eine feine, sichtbare Perlage. Der Rest ist dann wieder stiltypisch: blickdicht, dunkelbraun bis schwarz.

Ist ein normales Porter schon aromatisch nahe an Kaffee, so hat das CoCo-POW! Porter noch eins draufgesetzt: Die Nase nimmt klare, deutlichste Kaffeeröstaromen wahr. Frisch gemahlenes Kaffeepulver dominiert die Aromatik, da kommt kaum etwas anderes vor.

Auch im Antrunk ist Kaffeepulver stark präsent, wird dann durch mildere Malznoten eingebremst und durch eine dezente Hopfenfrucht aufgefrischt. Das Bier ist trotz der angenehmen Cremigkeit sehr rezent, überraschend leicht und bei entsprechender Kühlung sehr erfrischend. Leichte Gewürznoten sorgen für den Unterbau, 7,3% Alkoholgehalt für Volumen und Bums.

Erst im Abgang kommt die zweite namensgebende Sonderzutat zum Zuge – eine leichte, milde Kokosnote, wirklich nur ein Hauch, bei weitem nicht so stark wie beispielsweise beim Kona Brewing Coco Porter – mit zunehmender Trinktemperatur nimmt sie größeren Raum ein. Zusammen mit ihr tritt eine zurückhaltende Süße ein, die mit der wirklich toll gestalteten Herbe (etwas, was ich bei Stone immer erwarte – 25 IBU) um die letzten Eindrücke beim Ausklang kämpft.

Mir gefällt die Art, wie dieses Bier komponiert wurde – das ist geschmacklich ein sehr gelungenes Porter, das mit Kaffee und Kokos nur hintergründig angereichert ist und dadurch eine wirklich tolle Komplexität erhält, die dabei aber nie die Drinkability verdrängt. Es bestätigt sich für mich persönlich – Stone hat zur Zeit einfach einen Lauf. Alles, was die gerade in dieser Uniqcan-Reihe neu rausbringen, ist spannend und interessant.

Offenlegung: Ich danke Stone Brewing für die kostenlose Zusendung zweier Dosen des CoCo-POW! Porter.

Regionalität und Nachhaltigkeit – Warndt Brand

Die Spirituosenwelt dreht sich nicht schnell. Es sind viele konservative Kräfte am Werk, die den Status Quo, der sich seit Jahrzehnten aufgebaut hat, erhalten wollen. Der Kunde in diesem Bereich hat sich aber auch sehr bereitwillig, völlig analog zur Lebensmittelindustrie, davon überzeugen lassen, dass das, was gut für die Industrie ist (Preisgünstigkeit, geradeso ausreichende Qualität, Standardisierung, Convenience) auch gut für ihn ist. Dass dies ein toller Coup für die verarbeitende Lebensmittelindustrie war, mit dem der Kunde Schritt für Schritt abgestumpft wurde, so dass die echten Qualitäten eines Produkts, die für Hersteller unerwünscht weil nicht gewinnbringend sind, gar nicht mehr nachgefragt wurden, wird vielen erst so langsam klar. Um so spannender, dass sich in den letzten Jahren überraschend viel bewegt.

Auch hier hat die Bewegung, die sich für mehr Natürlichkeit einsetzt in dem, was wir essen, die Pionierarbeit getan. Spirituosen gelten weiterhin, mit einem gewissen Recht, als Gift, daher hängt dieser Bereich dahingehend hinterher – wenn man eh schon ein Nervengift zu sich nimmt, ist die Zusammensetzung der Trägerflüssigkeit ja dann egal, so die Idee der Gesundheitsfreunde. Nun, dieser Argumentation kann der Genießer natürlich nicht folgen. Alkohol ist neben Gift auch ein Kulturgut, das mit uns seit dem Ursprung der Menschheit verbunden ist und, verantwortlich genutzt, viele schöne Aspekte hat.

Aktuell entstehen viele Spirituosen, die neben dem Genussaspekt auch den der Qualität, Tradition, Nachhaltigkeit und Handwerklichkeit in den Vordergrund stellen, etwas, was die oben angesprochene Industrie nicht bieten kann und auch nicht will. Dazu braucht es nichtmal viele Ressourcen – ein Kleinstbetrieb wie Genuss aus dem Warndt stellt beispielsweise den Warndt Brand her. Dabei handelt es sich um einen selbstgebrannten, handgemachten Korn aus lokalem Weizen von der Saar (der Warndt ist eine deutschfranzösische Region hier in der Ecke), der 9 Monate in einem Weinfass aus Eiche reifen konnte – und, der Twist dabei, das zusammen mit Koriander. Man erhält also keinen klassischen Korn, sondern einen aromatisierten – sowas reizt mich schonmal rein vom Hören.

Warndt Brand
Foto © Eva Klein. Verwendung mit Erlaubnis der Fotografin.

Die leichte, blasse Farbe, die an Weißwein erinnert, könnte einerseits aus der Fassreifung, andererseits aus der Aromatisierung mit Koriander entstanden sein. Eine Trübung ist erkennbar – filtriert wurde hier offensichtlich nicht, etwas, was auf die Handarbeit und Naturbelassenheit hindeutet und grundsätzlich eine gute Sache ist. Nach einer Weile nimmt die Trübung zu, ich vermute, der in der Flüssigkeit eingelegte Korianderzweig verstärkt dies.

Viele aromatisierte Spirituosen geben ihren Basischarakter zugunsten der neuen Komponente beinahe vollständig auf, beim Warndt Brand ist das nicht der Fall. Hier riecht man zwar auch zunächst die vor allem blumige, daneben auch kräuterige Schicht, die durch den Koriander entsteht. Doch darunter ist klar der malzige, süßliche, teigige Korncharakter vorhanden, den man von höherwertigen Korns kennt. Eine gewisse initiale Pattexnote kennen wir ja von vielen Spirituosen, auch hier verfliegt sie wie dort mit Offenstehzeit.

Der Antrunk ist sehr mild, fast schon wässrig. Hier dominiert der Koriander sehr stark. Das Mundgefühl ist weich, erst im späteren Verlauf entsteht ein leichtes Kribbeln. Ich bin mir sicher – dieser Brand könnte von mehr als den 40% Alkoholgehalt, mit denen er abgefüllt wird, profitieren; ihm fehlt für meinen Geschmack etwas die Wucht. Eine leichte Seifigkeit ist stiltypisch, darüber liegt dann eine unerwartete, aber doch frappierend starke Wassermelonennote.

Der Abgang ist mittellang, Koriander, Korn und Wassermelone streiten sich um die Dominanz. Zungenseite und -spitze sind leicht belegt, deutliche Adstringenz am Gaumen hält an. Ein feines Feuer macht sich breit, das für die fehlende Wucht entschädigt. Der Nachklang ist lang und angenehm kräuterig.

Beim Dr. Fleming, dem Cocktail, den ich für diese Spirituose ausgewählt habe, wird wieder deutlich, dass es manchmal die unerwarteten Kombinationen sind, die einen gewissen Charme haben: Birne und Koriander gehen sehr schön zusammen. Die Koriandernote des Warndt Brand wird noch durch den Zweig Koriander, der im Shaker mitgeschüttelt wird, und noch zusätzliche Aromen abgibt, verstärkt.

Dr Fleming


Dr. Fleming
1½ oz Korn
⅔ oz Birnenbrand
⅔ oz Zitronensaft
⅓ oz Amontillado-Sherry
¾ oz Honigsirup
1 Korianderzweig
Auf Eis shaken.

[Rezept adaptiert nach GQ Magazine]


Neben der handwerklichen Herstellung dieses aromatisierten Korns möchte ich auf weitere Aspekte hinweisen. Der Produzent präferiert den Verkauf über den „Unverpackt“-Laden in Saarbrücken, in dem Waren für alle möglichen Lebensbereiche ohne unnötige Verpackung erwerbbar sind; man bringt einfach Gläser, Flaschen, Dosen, Becher oder Kartons selbst mit, in die dann vor Ort abgefüllt wird. Ein tolles Konzept, das auch gut angenommen wird. Die Spirituosen von Genuss aus dem Warndt werden dort in Pfandflaschen angeboten, etwas, das recht neuartig für Spirituosen ist in einer Welt, in der Einwegflaschen Usus sind. Selbst das Etikett des Warndt Brand ist mit nachhaltigen Werkstoffen handgemacht – man sieht, ein rundes Produkt mit einer Idee dahinter. Der Hersteller bietet auch Liköre an, auf Basis des selbst hergestellten Kornbrands (ohne den Koriander, dann, natürlich); ein paar kleine Schlucke konnte ich schon probieren, und ich verspreche nicht zuviel, wenn ich sage, dass ich mich auf den ausführlichen Test dieser Liköre jetzt schon sehr freue.

Offenlegung: Ich danke Genuss aus dem Warndt (warndtshop.de) für die kostenlose Bereitstellung einer Flasche des Warndt Brand.

Kurz und bündig – Robinsons Old Tom Strong Ale with Ginger

Im Bierregal bei meinem GaleriaKaufhof findet sich immer wieder die eine oder andere unerwartete exotische Bierspezialität. Die Biere von Robinsons gehören dazu – das Robinsons Old Tom Strong Ale with Ginger, abgefüllt in der üblichen Robinsons-Flasche und zur deutlichen Abgrenzung mit einem orangefarbenen Etikett versehen, ist die dritte Variante dieses Brauers, die ich trinke (ich verweise gern auf die anderen zwei). Ingwer, hm? Ich liebe Ingwer. Ich liebe Bier. Das kann ja nur gut werden, oder?

Robinsons Old Tom Strong Ale with Ginger Flasche

Farblich sehen wir erstmal ein sehr dunkles Ale, gebrannte Siena, nicht blickdicht, mit ungewohnter, sehr feiner Perlage. Nur wenig Schaum, wie bei einem Ale zu erwarten. Ein leichter Hauch von Zitrone, und, wenn man genau aufpasst, nach Ingwer ist vorhanden. Es erinnert mich vom Geruch her an Biermischgetränke wie Schöfferhofer Grapefruit.

Der Ingwer ist das erste, das im Mund dann zuschlägt. Nicht extrem wie bei einem Ginger Beer, oder einem Ingwerlikör, sondern nur als Kopfnote, aber klar erkennbar. Ein fetter süßsaurer Nachschlag verwischt den Ingwer dann direkt wieder. Sehr frisch im Mund, wenn auch für meinen Geschmack für ein Bier zu süß. 6,0% Alkoholgehalt überraschen nicht. Die Süße bleibt auch am Gaumen, wenn das Ale den Mund in Richtung Rachen verlässt. Der Abgang ist eher kurz, trocken, etwas bitter; hier setzt sich das Ale dann wieder durch. Ganz am Ende blitzt auch der Ingwer wieder auf, in Form einer sehr milden Schärfe.

Robinsons Old Tom Strong Ale with Ginger Glas

Eine sehr spannende Variation auf Biermischgetränke. Durchaus angenehm zu trinken, und die Ingwerschärfe am Ende ist wirklich gelungen.

Die Herstellung ist interessant: Es wird nicht etwa Ingwerextrakt oder ähnliches zugesetzt, sondern das Robinsons ist ein Blend aus dem normalen Robinsons Strong Ale mit Fentimans Ginger Beer. Wer also so ein wahres „Ginger Ale“ mal ausprobieren will, aber an das Robinsons with Ginger nicht rankommt, nimmt einfach ein normales dunkles Ale und vermischt es mit etwas Ginger Beer.

War Janis Joplin geschmacksverirrt? Southern Comfort

Ein paar Künstler aus den 60er Jahren überdauern bis heute. In einer intensiven Karriere, die nur 3 Jahre dauerte, sicherte sich Janis Joplin einen Platz in den Herzen vieler Musikfreunde, bevor sie dem Klub 27 beitrat – einer der Gründe für ihren frühen Tod war sicherlich, dass sie nicht wirklich gut mit Drogen und Alkohol umgehen konnte. Einer ihrer Dauerbegleiter, wie auf diversen Fotos von ihr zu sehen, war eine Flasche mit einem Whiskeylikör.

Nun frage ich mich persönlich, wie viele andere Musikfreunde auch, die gleichzeitig Spirituosenfreunde sind, was um aller Welt Janis geritten haben muss, sich ausgerechnet Southern Comfort als Schnaps der Wahl ausgesucht zu haben. Man sieht daran, ein bisschen polemisch formuliert, dass großes Können in einer Sache nicht automatisch großes Können in anderen Bereichen mit sich bringt. Man hat es aus diesen einleitenden Worten vielleicht schon heraushören können – ich bin kein großer Fan von SoCo, wie er liebevoll oft abgekürzt wird.

Wonach es schmeckt – naja, das muss jeder für sich beurteilen. Ich schmecke nicht das gerühmte Pfirsicharoma heraus, höchstens ein artifizielles Gummibärchenaroma „Pfirsich“, das mit echtem Pfirsich nichts zu tun hat. Insgesamt hat dieser Likör einen hochgradig künstlichen Geschmack; eindeutig, dass hier keine echten Aromen durch Reifung oder aus natürlichen Basisstoffen entstanden, sondern künstliche im nachhinein zugesetzt wurden.

Southern Comfort Flasche

Zu Janis Joplins Ehrenrettung muss ich aber einwerfen: Früher, zu Zeiten von Woodstock, war das wohl tatsächlich ein Whiskey-Likör (ich bin immer noch verzweifelt auf der Suche nach einem Sample des SoCo von damals!), doch davon ist heute noch weniger als vom Pfirsich zu erahnen – kein Wunder, denn Whiskey-Aroma und Neutralalkohol statt echtem Whiskey werden heute in der Produktion des Southern Comfort eingesetzt. Der Untertitel auf dem Etikett, Liqueur with Whiskey, ist daher reiner Hohn. Neutralsprit, in den Gummibärchen eingelegt wurden halt – dagegen ist Red Bull wie frisch gepflückte und ausgepresste Frucht vom Baum.

Pur fällt er für mich also aus, wie schlägt er sich als Mixer? Leidlich. Jeglicher Drink, den man sich mit diesem Pseudo-Whiskey-Likör mixt, bekommt diesen Geschmack – eine sehr aggressive Zutat, die selbst Orangensaft und Amaretto, zwei also, die sich sonst gut gegen alles durchsetzen, gnadenlos unterbuttert im vielleicht bekanntesten SoCo-Drink, dem Alabama Slammer. Man muss Southern Comfort eine Umgebung bieten, in der er seine wenigen Vorteile gut präsentieren und gleichzeitig seine vielen Mängel etwas bedecken kann. Wie zum Beispiel im überraschend leckeren Southern Fries.

Southern Fries


Southern Fries
1 oz Southern Comfort
2 oz Orangensaft (hier unbedingt frisch gepresst!)
…aufgießen mit 2 oz Coca Cola
[Rezept nach unbekannt]


Wie üblich durchgehen neben den Rezepturen auch die Flaschendesigns einem Wandel über die Zeit. Die flache Flasche, die Janis Joplin dauernd bei sich trug, ersetzt der modebewusste Heimbarbesitzer heute durch die schick gestaltete, mit vielen Glasdetails versehene 700ml-Flasche. Seitdem ich meine Flasche damals kaufte, wurde erneut ein Redesign ausgeführt; die aktuelle Flasche ist kürzer, gedrungener, schwungvoller, und ist nicht ganz so säulenhaft ausgeführt wie die auf meinen Fotos.

Southern Comfort Flaschendetails

Southern Comfort ist also schon was, was man mögen muss. Die schöne Flasche und der fantastische Name verlocken wahrscheinlich viele zum Kauf, bei denen die Flasche dann nach dem ersten Schluck im Regal verschimmelt. Ich kaufe sicherlich keine mehr, denn die 0,7l reichen noch für viele Cocktails, und wenn sie leer ist, verzichte ich lieber. Pur trinken? Wie gesagt, eher nicht, außer man mag solch künstliche Geschmäcker. Dennoch verkauft es sich so sehr, dass man diesen Likör prominent in allen deutschen Supermärkten finden kann; scheinbar also ein Lieben-oder-Hassen-Getränk. Ich tendiere eher zum letzteren als zum ersteren. Janis, verzeih mir.

Sterne über Griechenland, Teil 5 – Metaxa Grande Fine

Das Auge isst mit – ein alter Spruch aus der Küche. Wir kennen das alle, dass ein hübsch angerichtetes Essen schon vor dem ersten Bissen dafür sorgt, dass man Lust bekommt und einem die Wässer im Munde zusammenlaufen. Doch das funktioniert nicht nur für Speisen, nein, auch Spirituosen profitieren von einer edlen Präsentation enorm. Dabei gibt es grundsätzlich zwei Ansätze, wenn man das Produkt aufwerten will. Einerseits kann man mit einem protzigen Dekanter aus geschliffenem Glas die Spirituose selbst erstrahlen lassen; andererseits kann man eine stimmige, unerwartete Atmosphäre entstehen lassen, die nicht primär mit dem Schnaps etwas zu tun hat, sondern mit dessen Entstehung oder Umgebung.

Beim Metaxa Grande Fine hat man sich für letzteres entschieden. Eine folkloristisch angehauchte Stimmung soll uns Genießern diese gehobene Kategorie des griechischen aromatisierten Weinbrands, die sich der sonst bei Metaxa üblichen Sternewertung entzieht und statt dessen mit einem vielversprechenden Klangnamen aufwartet, schmackhaft machen. Für mich persönlich funktioniert das gut: Die interessant geformte Flasche aus Keramik, bedruckt mit einem traditionellen griechischen Blumenmuster, liegt schwer in der Hand, wenn man sie aus dem Karton, in dem sie geliefert wird, zieht. Der aus demselben Material hergestellte, passend auf dem langen, schmalen Flaschenhals sitzende Verschluss verdeckt einen Naturkorken. Von außen also schonmal üppig gemacht, doch taugt auch der Inhalt was?

Metaxa Grande Fine Flasche

Das erste Mal sehen wir die Farbe der Spirituose also nicht schon in der Flasche. Erneut ist sie aber auch nicht wirklich relevant, weil künstlich gefärbt. Mehr noch als bei den anderen Metaxas, die in transparenten Flaschen geliefert werden, bei denen man noch argumentieren kann, dass der Kunde nur schön gefärbte Spirituosen kaufen würde (was ich heutzutage in dieser Preiskategorie bezweifle), finde ich das bei der Keramikflasche fragwürdig.

Um so bedeutsamer ist dann der sensorische Eindruck im Glas. Wer Metaxa kennt, liebt diesen Geruch – dunkle, würzig-aromatische Weinbrandbasis, unverkennbar blumige Obertöne. Im Vergleich zum letzten Monat besprochenen Metaxa 12 Stars ist er hier aber dezent und zurückhaltend. Leichte Schwefelnote, getrocknete Aprikosen, Datteln und Rosinen.

Weich und rund, samtig und flauschig liegt der Grande Fine zunächst im Mund, sehr süß nach Kandiszucker und Zuckerwatte, ohne dabei klebrig zu wirken, mit gleichzeitig vollem, kräftigem Unterbau. Der Weinbrandkörper liefert dieses Volumen, die Aromatisierung mit Rosenblüten den leichten, schwungvollen und dabei sehr edel wirkenden, nicht zu übersehenden Einzigartigkeitsfaktor. Völlig perfektioniert, ohne Ecken oder Kanten. Man kann Metaxa mit nichts anderem verwechseln, und ihn durch nichts anderes ersetzen.

Metaxa Grande Fine Glas

Der Abgang ist klar und leicht trocken, charaktervoll, lang und äußerst angenehm. Es gibt nicht viele Spirituosen, die dies in einer derart vollendeten Form abliefern können – dafür liebe ich Metaxa. Und der Grande Fine ist die Krönung meiner Metaxa-Erfahrung. Nach einigen Minuten bleibt der einzige Kritikpunkt – die Süße, die übrigbleibt, wenn alles andere verklungen ist, wirkt dann doch etwas belegend am Gaumen.

Metaxa-Cocktails sind für mich persönlich alle sensationell. Wer aber mal wirklich was außergewöhnlich blumig-leckeres trinken will, mixt sich einen Aegean Fizz. Der Zimt kombiniert sich aufs herrlichste mit dem Rosencharakter des Metaxa, die Blutorange gibt feine, milde Fruchtsäure dazu, das Eiweiß eine samtige Textur und der Sprudel die Fizzigkeit – ein perfekter Drink, ein Traum, eine Sensation. Als würde man ein Blumenbeet trinken.

Aegean Fizz


Aegean Fizz
2 oz Metaxa Grande Fine
1 oz Blutorangensaft
¾ oz Zimtsirup
1 Eiweiß
Alles auf Eis gut shaken, und mit kohlensäurehaltigem Mineralwasser aufgießen.
[Rezept nach Jonathan Pogash]


Vielleicht bin ich voreingenommen, weil ich Griechenland so mag. Doch ich liebe Metaxa, mehr als alle Whiskeys, Rums, Tequilas und Liköre. Metaxa, das ist für mich mehr als ein Getränk, sondern ein Gefühl, eine Stimmung, ein Vibe. Pur ein Traum, mit herausragender Mixability. Der Grande Fine ist dabei die Krönung; wer sich das entgehen lässt, verpasst eine der Spitzenspirituosen der Welt.

Um nochmal zurück zur Flasche zu kommen – wer sie ausgetrunken hat, sollte sie nicht wegwerfen. Sie gibt nämlich eine ganz hervorragende, schöne Vase besonders für langstielige Blumen ab.

Metaxa Grande Fine Blumenvase

Mit diesen persönlichen Bemerkungen endet die Reihe „Sterne über Griechenland“. Ja, es gibt noch weitere Qualitäten – ich denke dabei hauptsächlich an den Metaxa Private Reserve, den Angels‘ Treasure oder den Aen, die allerdings dann in Preisregionen gelagert sind, bei denen mir persönlich das Preisleistungsverhältnis kaum noch wirklich angemessen erscheint. Wer es sich leisten kann, soll zugreifen, denn schlechter wird es bestimmt nicht. Sollte ich jemals in den Genuss kommen, diese Tropfen zu probieren, werden sie natürlich auch dann hier in Sonderausgaben der Reihe besprochen werden.

Bis dahin hoffe ich, jedem Gaumen und jedem Anwendungsgebiet dieser edelsten aller griechischen Spezialitäten gerecht geworden zu sein. Stoßen wir zusammen an und freuen uns des Lebens, mit einem lauten γεια μας!

Sterne über Griechenland, Teil 4 – Metaxa 12 Stars

Ich habe in dieser Reihe „Sterne über Griechenland“ um den griechischen Weinbrand Metaxa in all seinen Ausprägungen viele Querverweise zu Sternen gezogen und siderale Metaphern bemüht. Auch heute will ich in diesem 4. Teil meiner Miniserie um einen meiner liebsten Brände die Astronomie zur Einleitung gebrauchen. Wie bei Metaxa gibt es auch am Himmel einfache Konstellationen, die nur aus wenigen Hauptsternen bestehen – Krebs, Cepheus und Schwan sind Beispiele für Sternbilder, die einfach aufgebaut sind. Und es gibt auch komplexe visuelle Einheiten, wie Perseus, Herkules oder Draco, die ein Dutzend und mehr Lichtquellen in ihren vielgliedrigen, weite Bereiche des Nachthimmels umspannenden Figuren aufweisen.

Haben wir uns bisher, um in der Analogie zu bleiben, bis hierher bei Metaxa um erstere gekümmert, kommen wir heute zu der Form von Metaxa, die sowohl von Sternezahl als auch – ohne allzuviel vorwegnehmen zu wollen – gefühlter Sensorikkomplexität als die zentrale und wegweisende Ursa Major dieser Spirituosenmarke gelten darf: Metaxa 12 Stars. Augen weg vom Himmel, wir senken den Blick hinunter ins Glas.

Metaxa 12 Stars Flasche

Über die Farbe habe ich ja nun bereits genug erzählt, und das bei einer Spirituose, die mit Zuckerkulör künstlich nachgefärbt ist. Wenigstens bei diesen hochwertigen Varianten hätten sie es lassen können. Vielleicht ist da noch Hoffnung auf Besserung? Wenigstens die dicke, schwere Konsistenz im Glas sorgt dann für Optimismus.

Der Geruch – nun ja, was soll ich da noch sagen. Für mich persönlich der perfekteste, idealste, angenehmste und schönste Geruch, den es in der Spirituosenwelt gibt. Das schlägt noch mit Abstand die 7-Sterne-Variante, und versetzt mich in eine diesige Traumwelt voller Rosen, süßem Wein und mildwürziger Aromatik. Da ist kein Fehlklang mehr.

Und wir sind hier noch nicht am Gipfel angekommen. Im Mund wird das ganze noch getoppt – herrlich süß, blumig, trockenfruchtig und dabei noch mit einer hintergründig brummenden Würze. Im Mundgefühl flauschig weich, extrem dicht und körpervoll, ölig, und ganz ohne schwefelige Komponente. Der Abgang ist lang, heiß und temperamentvoll, ohne dabei zu kratzen oder zu brennen. Trocken und adstringierend, hält der Metaxa 12 lange am Gaumen vor. Die Rosennoten hängen selbst nach Minuten noch im Mund. Explosiv und dabei schmeichelnd – für mich gibt es nur wenig, was mich im Schnapsbereich mehr begeistern kann.

Metaxa 12 Stars Verpackung

Die übliche Frage stellt sich – lohnt sich das Upgrade vom 7-Sterne-Metaxa? Beim fast doppelt so hohen Preis ist es nicht mehr ganz so einfach wie bei den Vorgängern, wo ich zweifelsfrei laut „ja!“ sagen konnte. Dennoch muss ich auch hier klare Worte sprechen: Ja, auch hier lohnt sich das Upgrade, und zwar ganz besonders für die, die Metaxa pur trinken möchten. Natürlich ist für die, die Metaxa als Kochzutat kaufen, hier das Ende der Fahnenstange erreicht – das wäre massiver Overkill. Die Gyros-Sauce kann auch perfekt mit den niedrigeren Qualitätsstufen zubereitet werden.

Es gibt aber noch die, die sich diesen Griechen gern als Mixer zulegen. Für diese Einsatzbereich gilt, was für die meisten Weinbrände zutrifft: Ist der Metaxa nur Unterstützer in einem Rezept, braucht man nicht den 12er zu kaufen. Ist er aber eine Hauptbesetzung, dann ist es eine wahre Freude, die Dutzend Sterne in einem Cocktail unterzubringen. Ich will das Motto, dass einem edlen Cocktail ein edler Weinbrand angemessen ist, anhand des Scarlet Letter demonstrieren: Nur die besten Zutaten kommen hier zum Einsatz; neben dem 12er-Metaxa gesellen sich in dieser Mixtur seltener Trinidad-Rum, ein Klosterlikör und Edelfruchtbitter freundschaftlich zusammen. Ein Drink für einen schönen Anlass.

Scarlet Letter


Scarlet Letter
1 oz Metaxa 12 Stars
1 oz würziger Rum (z.B. Caroni 100% Trinidad Rum 12 Years)
½ oz Bénédictine
½ oz Orgeat
½ oz Limettensaft
2 Spritzer Bonpland Pinot Noir Stevnsbaer Cherry Bitters
Auf Eis shaken.
[Rezept leicht adaptiert nach Martin Cate]


Auf diese unsäglichen Nachfüllstops im Flaschenhals könnte ich aber gut verzichten. Man findet sie immer wieder bei Spirituosen, bei denen der Hersteller befürchtet, die einmal geleerte Flasche könnte durch billige Nachahmerprodukte wiederbefüllt werden. Im Allgemeinen breche ich sie mit einem Schraubenzieher heraus, denn das teilweise unvorhersagbare Verhalten einer Flasche mit einem solchen Einsatz beim Eingießen (entweder Vollschwall oder nichts, aber kein Mittelweg) ist untragbar. Ein bisschen Gewalt, und schon gießt sichs entspannter. Es mag ja sein, dass die Hersteller, die so etwas einsetzen, nur den Markt vor illegaler Ware schützen wollen – es kann aber nicht sein, dass der Endkonsument mit so einer dysfunktionalen Pseudolösung leben muss. Weg damit, sage ich.

Nächsten Monat folgt ein weiterer Teil der Reihe „Sterne über Griechenland“ – allerdings verlassen wir dort dann den Sternenhimmel. Die vorerst letzte Installation der Reihe dreht sich dann um Metaxa Grande Fine, der keine Sternewertung mehr aufweist. Bis dahin werde ich gewiss noch den einen oder anderen Metaxa getrunken haben – und ich hoffe, ich habe meinen Lesern auch Appetit gemacht auf diesen griechischen Weinbrand.

Sterne über Griechenland, Teil 3 – Metaxa 7 Stars

Unser Ausflug an den griechischen Nachthimmel mit seinen Sternen hat seine Halbzeit erreicht. Waren die Sternbilder mit 3 und 5 Sternen noch eher etwas für den unambitionierten Astrologen, drehen wir nun das Teleskop auf einen ersten sideralen Höhepunkt: den Metaxa 7 Stars. Inzwischen wissen wir ja, dass der Name bedeutet, dass wir hier eine 7 Jahre gereifte Weinbrandbasis vor uns haben – das ist schon ein ordentliches Alter für einen Weinbrand, bei Cognac hätten wir vor 2016 hier bereits von der Qualitätsstufe XO gesprochen.

Metaxa 7 Stars Flasche

Wir beginnen mit dem leider etwas wenig Starhaften. „Zuckerkulör“ – mehr muss ich inzwischen für regelmäßige Leser meines Blogs nicht sagen. Für alle anderen: Die schöne Farbe ist getürkt, ich halte mich also nicht allzu lang damit auf.

Um so länger könnte ich dann aber dafür am Geruch hängen bleiben. Ein sommerliches Blumenbeet. Rosen, Jasmin, dazu gibt es Unterstützung von Vanille, Feigen und reifen Bananen; Zitronenfrische etwas später. Eine leichte Schwefelnote kommt aus der Weinbrandbasis.

Und, ah, butterzart ist der Metaxa 7 Stars, mit einem Anflug von Kribbeln. Weich und rund, leicht schwefelig im Verlauf. Vanille. Karamell. Milchschokolade. Rosinen. Ansonsten kommt hier die Rosennote zum ersten Mal in der Produktreihe richtig schön zur Geltung. Sie liegt nun im Vordergrund, mit einer kräftigen, aber unaufdringlichen traubig-saftigen Süße – als würde man eine Rosenblüte essen. Immer mehr Kanten sind abgeschliffen, die uns im 3- und 5-Sterne-Metaxa noch störten.

Der Abgang bleibt eher kurz und trocken, dafür würzig und warm im Mund, weich im Rachen und in der Kehle. Da ist nun überhaupt kein Kratzen mehr, das läuft runter wie warmes Öl. Eine leicht klebrige Süße bleibt am Gaumen. Die blumige Komponente hängt noch eine Weile im Mund nach, mit einem milden Brandy-Schwefel.

Wir bewegen uns hier im Bereich dessen, was ich schon gern pur trinke. Gut handwarm, in einem großen Cognacschwenker. Darüber hinaus ist das die Fassung des Metaxa, die bei mir als Standard für Cocktails gilt – beispielsweise im Democritus. Ein Alleskönner also, und die Qualität, die ich einem Einsteiger in die Welt des Metaxa empfehlen würde. Mit einem sehr guten Preisleistungsverhältnis – für um die 15€ pro 700ml ist es auch keine große Investition, während man eine sehr schöne Spirituose als Gegenleistung erhält.

Democritus


Democritus
5 Minzblätter
½ oz Limettensaft
Zusammen vorsichtig muddeln.
2 oz Metaxa 7 Stars
½ oz Rye Whiskey (z.B. 1776 Straight Rye Whiskey)
1 oz Ananassaft
½ oz Orgeat
2 Spritzer The Bitter Truth Jerry Thomas‘ Own Decanter Bitters
Auf Eis gut shaken.
[Rezept nach Ryanimo]


Ich nutze diese Variante des griechischen Weinbrands, um mal darauf hinzuweisen, dass man sie auch in allerlei Größen bekommt – den 7er-Metaxa beispielsweise habe ich als 5cl-Miniatur, als 20cl-Flachmann und in der 70cl-Amphorenflasche zu Hause. Gerade die Mittelgrößen, wie 20cl und 35cl sind in Deutschland nicht flächig erhältlich; in griechischen Supermärkten, insbesondere dort, wo Touristen unterwegs sind, dagegen schon.

Metaxa 7 Stars Verschiedene Größen

Und natürlich ist sich der Hersteller von Metaxa nicht zu schade, hin und wieder Sonderaktionen durchzuführen, bei denen eine Flasche zusammen mit einem Gimmick verkauft wird. Mitte des Jahres 2016 beispielsweise war Metaxa 7 Stars zu einem sehr günstigen Preis zusammen mit einem sehr formschönen Tumbler beim Supermarkt Real erhältlich. Ein echter Fan wie ich konnte da einfach nicht widerstehen, insbesondere, da diese Art von Markenglas allein gekauft schon oft 5€ und mehr kosten kann.

Metaxa 7 Sterne Glas und Karton

Wer sich unsicher ist, sollte bei seinem griechischen Restaurant der Wahl einfach nach dem Essen mal statt dem Standard-Ouzo diesen Metaxa bestellen. 7 Stars sollte in jeder Taverne, die etwas auf sich hält, auf der Karte stehen. So ein schönes Glas Metaxa ersetzt einen Nachtisch, und lässt einem die Zeit, nach einem üppigen Mahl nochmal ein bisschen zu schwelgen und träumerisch an den Nachthimmel Griechenlands zu denken.

Der hellenische Sternenhimmel wird im nächsten Teil ergänzt um den großen Bären der Sterne-Metaxa-Himmelsbilder: Wir sehen uns nächsten Monat, wenn der Metaxa 12 Stars an die Reihe kommt, in meiner Reihe „Sterne über Griechenland“ verkostet zu werden.

Sterne über Griechenland, Teil 2 – Metaxa 5 Stars

Im ersten Teil dieser Reihe über die griechische Spirituose Metaxa haben wir viel über Sterne geredet. Auch heute wird der Begriff immer wieder fallen. Da stellt sich der eine oder andere vielleicht die Frage – was bedeuten diese Sterne auf dem Etikett eigentlich? Sind sie so etwas wie Rangabzeichen beim Militär – je mehr, desto besser? Warum gibt es dann aber eine Lücke zwischen den Sternqualitäten (3, 5, 7, 12)? Die Antwort liegt nahe. Es sind die Anzahl der Jahre, die die Weinbrandbasis des Metaxa-Gemischs in Fässern aus Limousineiche verbrachte. Der 3 Stars, den ich letzten Monat besprach, lag also 3 Jahre im Holz; für den heutigen zweiten Teil der Reihe „Sterne über Griechenland“ verdoppeln wir nun beinahe diese Reifezeit, denn 2 Jahre länger konnte der Metaxa 5 Stars ruhen. Wäre Metaxa ein reiner Weinbrand, bekäme er nun das Prädikat VSOP.

„Bekäme“, denn tatsächlich, und das sollten wir nun auch deutlich sagen, ist Metaxa ein aromatisierter Blend aus verschiedenen Zutaten, nicht alle davon selbst Spirituosen. Der Weinbrand, der Metaxa zugrundeliegt, wird nach der angesprochenen Reifezeit mit Muscat-Süßwein und Aromaten (diverse Kräuter- und Blütenaromen) – natürlich, wie so oft bei Spirituosen, ein Geheimrezept des Herstellers – vermischt, wodurch die Einmaligkeit des griechischen Brands entsteht. Somit ist für den Verkoster ein doppelter Reiz vorhanden: Wie spielt der Wein mit dem Weinbrand zusammen? Schmeckt man die Komponenten heraus? Oder entsteht ein langweiliges, sich allem anbiedernden Gebräu? Wir wollen es herausfinden.

Metaxa 5 Stars Flasche

Über die Farbenthematik hatte ich bereits beim 3 Stars berichtet; hier nur noch mal kurz das Zauberwort: Zuckerkulör. Daher eine direkte Weiterleitung zur Geruchsprobe. Wer Metaxa kennt, weiß, was kommt – der Geruch ist einmalig und es gibt keine zweite Spirituose, an der ich so gern einfach nur schnuppere. Rosig, blumig, süß. Minimale Klebernote.

Mehr als nur ein Vorgeplänkel für den Geschmack. Dieser ist zunächst weich und zart, süß, schokoladig, rosinig, orange. Erinnernd an milden Cognac; doch schnell kommt ein so gar nicht cognachaft-feines, ordentliches Feuer auf, das auch kaum aufgefangen werden kann: der Körper des Metaxa 5 Stars ist eher mager und die Aromen verklingen daher schnell. Das Feuer wird im Abgang immer stärker und brennt ordentlich auf Zunge und Gaumen, kribbelt aber im Rachen nur. Es dauert eine ganze Weile, bis die Flammen im Mund wieder verklingen. Man merkt, dass hier noch ein vergleichsweise junger Brand mit Ecken und Kanten am Werke ist – die 38% Alkohol können kaum dafür allein verantwortlich sein. Außer dem Feuer bleiben deutlich trockene, leicht schwefelige Weinbrand- und schön blumige Rosenkomponenten am Gaumen.

Oft schon hatte ich es erwähnt, auch hier trifft es zu: Manchmal wünscht man sich für Mixgetränke genau die Eigenschaften herbei, die man bei Purgenossenem gern verscheucht hätte. Dabei geht es nicht um Qualität, sondern meist um Kraft, Wildheit und auch eine gewisse Kernigkeit, damit im Ergebnis noch was von der Spirituose zu schmecken ist. Der Metaxa 5 Stars gibt dem Motorcade genau dies, und darüber hinaus dem ansonst eher sauren Cocktail eine in dieser Form dann doch unerwartete blumige Note, die wirklich ganz bezaubernd ist.

Motorcade


Motorcade
1 oz Metaxa 5 Stars
1 oz Cointreau
1 oz Zitronensaft
½ oz Ananassaft
½ oz Zimtsirup
3 Spritzer Orange Bitters
Auf Eis shaken.
[Rezept nach Marleigh Riggins Miller]


Die Steigerung des Qualitätsversprechens erkennt man auch am Flaschendesign – war der 3-Sterne-Metaxa noch in einer Standardflasche abgefüllt, beginnt Metaxa hier, sein Produkt in spezielle Individualflaschen zu stecken. Mit der Höhe von fast 33cm und den Ausbuchtungen am langen Flaschenhals, der direkt in den Bauch übergeht, spielt man wahrscheinlich auf griechische Säulen an. Das Etikett ist fast gleich geblieben, nur etwas elaborierter ausgeführt.

Für gemittelt 12€ erhält man die erste breit in Deutschland erhältliche Basisversion dieses griechischen Klassikers. Lohnt es sich, im Vergleich zum schwer erhältlichen jüngsten Brüderchen? Ja, etwas. Lohnt es sich, im Vergleich zu den Klonen bei Discountern und Supermärkten? Keine Frage! Man bezahlt zwar praktisch doppelt so viel wie beispielsweise für den Aldi Akropolis, dafür bekommt man aber auch ein Produkt, das nach etwas schmeckt, das man, falls man mit der Gyrossoße fertig ist, auch mal pur oder in einem Longdrink oder Highball einfach so genießen kann – letzteres würde ich mit den Klonen nicht mehr riskieren.

Wer sich aber sagt, na, ich hab da doch noch ein, zwei Euro mehr übrig und will mich nicht mit Basisqualitäten begnügen, der bekommt nächsten Monat einen Vorschlag für ein mögliches weiteres Upgrade. Dann erscheint nämlich Teil 3 der Serie „Sterne über Griechenland“, hier, auf diesem Programm, bunt und in Farbe, dann mit dem Hauptdarsteller Metaxa 7 Stars!