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Lervig-Stone Hi, I'm Kveik IPA Titel

Kurz und bündig – Lervig/Stone Hi, I’m Kveik IPA

Die traditionellen Großbrauereien in Deutschland sind nicht wirklich experimentierfreudig. Da gibt es mal ein saisonales Bockbier, oder einen Festtagssud zum Oktoberfest, oder derartige, kleine Spezialitäten. Moderne Brauereien, die aus der Craftbierbewegung entstanden sind, scheinen sich dagegen auf Sondersude zu stürzen wie die Geier auf den ausgetrockneten, nach Spezialitäten dürstenden Bierfreund der 2010er Jahre. Gerne gesehen sind auch Kooperationen mit anderen Brauereien, etwas das Stone Brewing nun mit der norwegischen Brauerei Lervig durchgeführt hat, um das länglich mit Hi, I’m Kveik IPA betitelte Bier zu schaffen. Der Name ist laut eigener Aussage inspiriert von der speziellen Hefesorte, der Hornindal Kveik-Hefe, die wohl bei höheren Temperaturen arbeiten kann als normale Hefe.

Lervig-Stone Hi, I'm Kveik IPA

Sehr hell im Glas, strohblond, beinahe schon blass, stark opalisierend. Kräftige, schön sichtbare Perlage. Für ein IPA eine starke Schaumbildung, feiner, fast schon eiweißartiger Schaum, der länger lebt als viele Schaume bei den meisten anderen Ales, die ich kenne. Deutlich hopfig im Geruch (Citra, Azzaca sowie Mandarina Bavaria wurden eingesetzt), Grapefruit, Resin, Thymian, Zitronenschale, Orange. Hier wird schon klar, in welche Richtung das Bier geht – aromatisch ist es jedenfalls interessant.

Die 40 IBU sind im ersten Antrunk noch kaum erkennbar, kommen im Verlauf langsam dazu, und verschwinden im Abgang dann wieder dezent – die Bittere ist also schön spannungsaufbauend eingebunden. Ebenso der Alkoholgehalt von 6,2%, der die Cremigkeit und Feinheit des Bieres nie stört. Die starkfruchtigen Hopfengeschmäcker bleiben lange am Gaumen; dazu kommt eine leichte, aber definierte Minzigkeit. Der Abgang ist mittellang, adstringierend-trocken, aber doch mit etwas leichter Süße, die vielleicht aus den im Brauprozess eingesetzten Haferflocken stammt. Tatsächlich empfinde ich das Hi, I’m Kveik IPA als eine interessante Mischform aus IPA und Hefeweizen.

Gerade dies macht das Bier interessant für mich, und eigentlich für jeden, der einen der beiden Bierstile mag. Ich bin immer erfreut über kreative Biere, und dieses hier ist ein Beispiel dafür, dass es der Bierwelt gut tut, wenn man über den Tellerrand blickt.

Offenlegung: Ich danke Stone Brewing für die Zusendung zweier Dosen des Hi, I’m Kveik IPA.

Duckstein Opal und Saphir Titel

Versetzung gefährdet – Duckstein Opal Pilsener und Saphir Kellerbier

Es ist nun schon eine ganze Weile her, dass ich das Duckstein rotblonde Original für mich entdeckt hatte. Damals, für mich als Biereinsteiger, ein sehr spannendes Bier, das ich auch heute noch gern trinke. Um so erfreuter war ich, als ich vor einiger Zeit dann zwei neue Sorten des Brauers in einem lokalen Supermarkt entdecken konnte. Das Duckstein Opal Pilsener und direkt daneben das Saphir Kellerbier. Beide in der bekannten, auffälligen Flasche, und sehr hübsch durch die Farbgebung voneinander und vom rotblonden Original abgegrenzt. Natürlich musste ich zulangen, zwei weitere Vertreter dieses schönen Biers können mich ja nicht enttäuschen. Auch wenn ich grundsätzlich ein sehr optimistischer  und wohlwollender Genießer bin – man wird leider im Verlauf dieses Blogartikels sehen, dass Vorfreude und Vorschusslorbeeren nicht immer belohnt werden. Doch ich greife vor.

Duckstein Opal und Saphir Flaschen

Beginnen wir mit dem Saphir Kellerbier. Obergärig mit 4 Malzen (Pilsener, Weizen hell, Wiener Malz, Cara Red) und 3 Hopfen (2 unbenannt, einer der namensgebende Saphir) eingebraut, bekommen wir optisch zunächst ein sehr typisches Kellerbier: natürlich naturtrüb, kräftig orangefarben, der Schaum, schon zu Beginn wenig, baut sich in wenigen Minuten fast komplett ab.

Beim Wechsel von Auge zu Nase beginnt das Drama. Ich schnuppere, und schnuppere, und schnuppere. Joghurt. Milder Orangensaft. Hefe. Ja, das wars. Und selbst diese Aromen nur im Kleinformat. Da hätte man auch an Mineralwasser riechen können. Sehr überraschend, im negativen Sinne.

Duckstein Saphir Kellerbier Glas

Das Drama endet nicht beim nichtexistenten Geruch – es geht in die Verlängerung beim nichtexistenten Geschmack. Höchst faszinierend: Das Duckstein Saphir gehört für mich zu den aromenärmsten Bieren, die ich bisher getrunken habe, und überholt in der Belanglosigkeit selbst dünnste Reis- und Maislager. Ein Hauch Orange, etwas Hefe, und wir sind am Ende der Verkostung. Mir kommt es vor, als hätte ich ein stark mit Sprudel gestrecktes Bier vor mir. Nein, es gehört nicht zu den aromenärmsten Bieren, es ist das aromenärmste Bier, das ich kenne. Da der Abgang natürlich nichts herzaubern kann, ist er kürzer als kurz. Die hohe Rezenz mit der starken Karbonisierung erzeugt wenigstens einen Erfrischungsfaktor, der Spaß macht, aber das ist auch schon alles, was ich an positivem über das Duckstein Saphir sagen kann; außer den nackten Zahlen: 5,0% Alkoholgehalt, sehr dezente 14,5 IBU.

Höchstenttäuschend. Vor allem, wenn man den Preis anschaut, steigen mir Tränen in die Augen, da packe ich lieber das Blondie-Bierkonzentrat aus, im Ernst. Ich bin fassungslos, wie so etwas die Qualitätskontrolle passieren kann. Grand Cru? Ein Scherz, und zwar ein schlechter. Für diese peinliche Braumeister-Edition N°8 muss sich der Braumeister eigentlich entschuldigen.

Ach, zum Glück habe ich danach ein Alternativbier in der Hinterhand. Einen Ausrutscher kann man jedem erlauben, da kann das Opal Pilsener ja nur vorteilhaft auftrumpfen, oder?Duckstein Opal Pilsener Glas

Optisch tut es das zunächst mal. Safrangold, bei entsprechendem Licht wirklich ausgesprochen attraktiv. Kristallklar, sehr starke Perlage, gröberer Schaum. Stärker gehopft (Hallertauer Opal, Hüll Melon, Cascade, Mandarina Bavaria) als sein blasser Bruder wirkt es in der Nase – zurückgenommene Frucht, Bitterkeit. Hefe. Leichter Metall. Insgesamt: Durchaus pilstypisch.

Im Mund dann ein dezenter Geschmack, kräftige Herbe, klar und sauber. Es gibt darüber hinaus leider nicht viel zu sagen zum Geschmack – ein mildes, zartes Pils, fein und gut strukturiert. VIelleicht etwas langweilig. Ich stelle mir vor, dass es als Essensbegleiter zum Abspülen der Geschmacksknospen bei einem deftigen Essen taugt. Bei 4,9% Alkoholgehalt dafür auch nicht zu wuchtig.

Zum Ende hin flacht es erkennbar ab, der Abgang ist sehr kurz. Die zunächst wahrgenommene Frische lässt nach, eine Süße kommt hervor, die es schafft, die 25-IBU-Bittere fast komplett wegzunehmen, bis auf im Rachen. Ein etwas abgestandener Nachgeschmack lässt viel vom positiven Eindruck bis dahin wieder vergessen. Dieser negativer Abschluss verstärkt sich noch, wenn die Temperatur des Biers steigt – gut gekühlt schnell austrinken ist angesagt!

Ducksteiner Opal und Saphir Tragerl

Herrjeh, ich gebe zu, mir fallen die Mundwinkel etwas nach unten. Selten war ich so enttäuscht von Bieren. Trotz ähnlicher Produktionsweise (auch hier gibt es eine Reifung auf Buchenholz, wie schon beim Duckstein Original) und gewiss ordentlichem Aufwand kommt einfach nichts bei rüber. Man fragt sich, ob der Brauer nicht einfach nur mal so ein „neues Bier“ raushauen wollte, und sich dabei übernommen hat, insbesondere, wenn man die vergleichsweise peinliche Aufmachung mit berücksichtigt, die wohl zuerst da war, und dann ein Bier dazu gefunden werden sollte. Immerhin schön: Das Tragerl mit vielen Informationen und einem Charakter-Chart.

Bei minderwertigen Spirituosen ist man schnell mit dem Label „Mixer“ zur Hand, das ausdrückt, dass man sie nicht pur genießen kann, sie höchstens in Mischrezepturen akzeptabel sind. Ich stehe diesem Konzept sehr kritisch gegenüber, doch für die zwei Duckstein-Spezialbiere passt es eigentlich – es sind für mich Filler, wie das Tonic Water in einem Gin & Tonic. Entsprechend suche ich einen Verwendungszweck außerhalb des Bierglases für sie; wenn man diese aromenarmen Biere mit etwas zusätzlichen Geschmäckern aufpimpt, können auch sie noch halbwegs funktionieren. Zum Beispiel im Hop, Skip and Go Naked.

Hop, Skip and Go Naked


Hop, Skip and Go Naked
1 oz Vodka (z.B. Smirnoff)
¾ oz Zitronensaft
¾ oz Himbeerlikör
Auf Eis shaken, dann aufgießen mit…
leichtem Bier (z.B. Duckstein Opal)
[Rezept nach Jared Schubert]


Beide Biere werde ich nicht mehr kaufen – so leid es mir tut. Stattdessen wird aber weiterhin öfters das Duckstein rotblonde Original im Warenkorb landen, das ich von dieser zugegebenermaßen etwas arg vernichtenden Kritik deutlichst ausnehmen will. Aber so ist das halt mit Familien – manchmal gibt es schwarze Schafe. Hier scheint es nur umgekehrt zu sein – ein strahlendes, rotblondes Schaf in einer Herde von hässlichen Geschwistern.

Labieratorium Rot Titel

Kurz und bündig – Labieratorium Rot

Ich habe schon ein paar der Biere des brandenburgischen Brauers Labieratorium probiert (Artikel folgt), und keins darunter gefunden, das mir missfallen hätte, im Gegenteil. Entsprechend war ich Feuer und Flamme, als ich bei einem Biertasting der Saarbrücker Beer Society darauf hingewiesen wurde, dass sie jetzt auch ein Rotbier führen. Dass dieses Rotbier, das Labieratorium Rot, auch noch eine Medaille in einem Bierwettbewerb gewonnen hatte (Meininger Craft Beer Award Gold Lager 2018) macht das ganze nicht uninteressanter. Also, keine große Diskussion, zwei Flaschen ins Tragerl gestellt und nach dem Tasting vorsichtig nach Hause geschwankt.

Labieratorium Rot

Wie gesagt, es handelt sich um ein unfiltriertes Rotbier, und entsprechend leuchtet nicht nur das Etikett, sondern auch das Bier im Glas in einem feschen rötlichen Haselnussbraun, mit noch sehr viel klarerem Rottouch, wenn man es gegen das Licht hält. Grober Schaum entsteht beim Eingießen, dieser ist schnell weg, trotz der erkennbaren Perlage.

Das Bier ist mit Hallertauer Tradition und Spalt Spalter gehopft, dies ist aber kein Bier, das sich dadurch definiert. Statt dessen ist es sehr malzig im Geruch, süßlich, fruchtig wie Rotwein, insgesamt dabei aber zurückhaltend, nicht übermächtig.  Da die Trinkempfehlung auf 5-7°C festgelegt ist, sollte man auch nicht zuviel erwarten – kühles Bier riecht einfach nicht so stark wie wärmeres.

Das Bier ist in der Oberkategorie „Lager“ verortet, und so schmeckt es auch. Frisch schon im Antrunk, hat einen leichten Körper, ist dabei zitronig, hell, und gleichzeitig malzig. Es bleibt nur mäßig rezent, obwohl es sehr kohlensäurehaltig und luftig gestaltet ist. Hefig ist ein Eindruck, den ich habe, sonst entdecke ich kaum andere Aromen. 5,0% Alkoholgehalt sind gut eingebunden. Der Abgang ist eher schal und flach, kurz; etwas adstringierend.

Ein schönes Bier, das für Lagerfreunde eine schöne Abwechslung sein kann, und als Bier für Zwischendurch sehr süffig und angenehm zu trinken ist. Ich mag es, wie die meisten Biere von Labieratorium.

Maisel & Friends Hoppy Amber Mosaic Titel

Kurz und bündig – Maisel & Friends Hoppy Amber Mosaic

Zusammen mit der Craftbierwende vor einigen Jahren kam auch eine Sache auf den deutschen Biermarkt, was es vorher in der Breite nicht gab – limitierte Sondersude von Bieren. In begrenzter Auflage können heute Biere verkauft werden, und das gibt den Brauern ganz neue Freiheiten, Dinge auszuprobieren. Auch wir Konsumenten haben was davon, wer will schon immer nur das gleiche Bier trinken (nun, da gibt es genug, aber der echte Genießer will Abwechslung). Maisel & Friends hat schon so einige Sondersude herausgebracht, die ich hier auf meinem Blog besprochen habe – das neueste ist das just erschienene Maisel & Friends Hoppy Amber Mosaic. Mit 8,5% Alkoholgehalt darf es sich ruhig den kaiserlichen Titel „Imperial Amber Ale“ geben. Ab ins Glas damit!

Maisel & Friends Hoppy Amber Mosaic

„Amber“ ist schon im Namen, da muss das Bier natürlich liefern – und tut es auch. Ein leuchtendes Bernstein, nur leicht opalisierend. Aletypischer Schaum, gemischtblasig, bleibt nur als feine Decke über dem Bier, das säuerlich im Geruch ist, viel Limette und etwas Grapefruitschale kommt drin vor. Auch im Unterbau ist Frucht – der Mosaic-Hopfen, mit dem das Bier kaltgestopft wurde, schlägt voll durch und bereitet dem Hophead viel geruchliche Freude.

Und das geht im Mund weiter. Schon im Antrunk taucht Hopfenkräuterigkeit auf, diese Würze setzt sich ununterbrochen bis zum Abgang fort. Wie bei fast allen Maisel & Friends-Bieren schätze ich, dass der Geschmacksbogen durchdacht ist (selbst wenn das Bier laut eigener Aussage eigentlich ein Unfall war). Die Cremigkeit, die Hopfenblumigkeit, die fast in Richtung Lavendel und Rosmarin geht, die schöne Rezenz, die aus der Kombination von Karbonisierung und Säure entsteht – ein sehr ansprechendes Bier.

Das Ende ist allerdings schon etwas fruchtkaugummiartig, Hubba Bubba, sehr ausgeprägt, in dieser Konsequenz dann aber wieder interessant. Trocken und sehr herb (50 IBU spürt und schmeckt man und zweifelt nicht am Wert) endet das Bier erst nach sehr langer Zeit – der Nachhall des Hopfen liegt ausgesprochen ausdauernd im Mundraum, das beeindruckt sehr. Wer sehr deutliche Hopfenausprägung in Bieren mag, sollte das Hoppy Amber Mosaic definitiv mal probieren

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die Zusendung einer Flasche des Hoppy Amber Mosaic.

Craftwerk Brewing Grünhopfen-Bier Wet Hop Session Lager Titel

Kurz und bündig – Craftwerk Brewing Grünhopfen-Bier Wet Hop Session Lager

Craftbier ist inzwischen mehr als ein Trend. Das „neue Bier“ ist in der Breite der Bierinteressierten zumindest angekommen (wenn auch noch nicht voll akzeptiert), die großen Bierkonzerne sehen das Potenzial und wollen auch eine Scheibe dieses Kuchens abhaben. Craftwerk Brewing ist eine Tochter der Bitburger Braugruppe, einem der Teufel des Biers, wenn man so manchem Craftfanatiker zuhört. Doch immerhin schon seit 2009 wird dort Bier in einer kleineren Anlage hergestellt. Selbst bin ich kein Fernsehschnarchlangweiligpilstrinker, darum war mir Bitburger immer recht egal – werfen wir einen Blick auf ein Bier der Tochter, vielleicht kann die ja das, was die Eltern nicht können (interessante Biere herzustellen, meine ich damit); das Craftwerk Brewing Grünhopfen-Bier Wet Hop Session Lager ist dabei allerdings nicht mein erster Versuch eines Produkts dieses Brauers.

Craftwerk Brewing Grünhopfen-Bier Wet Hop Session Lager

Der optische Eindruck gefällt mir mal ganz hervorragend: Opalisierend, hellgolden, leuchtend im Glas. Ein grobblasiger Schaum bleibt lange erhalten, dazu kommt starke Perlage. Leicht säuerlich im Geruch, nach grünem Apfel und hellem Essig. Etwas kräuterig – ist das der „wet hop“?

Im Geschmack ist das Grünhopfen-Bier erwartungsgemäß hopfenbetont, leicht zitrussig, der Nase folgend auch mildsauer. Im Antrunk ist es dennoch weich im Mundgefühl, im Verlauf kommt aber eine deutliche Bittere dazu, die 30 IBUs sind spürbar. Stark karbonisiert und durch die Kombination mit der Leichte, Bittere und Säure sehr rezent. Dafür allerdings kaum Tiefe oder Aromenvielfalt, ein recht eindimensionales Bier, das nicht einmal besonders viel aus dem „frisch gepflückten“ Cascade herausholt. Der Abgang ist sehr kurz, mildherb, etwas fruchtig, frisch und leicht.

Ein sehr leichtes Bier, mit 4,1% passend als „Session Lager“ gekennzeichnet; diesem Auftrag wird es absolut gerecht, es ist sehr erfrischend und unkompliziert, dabei aber auch unkomplex und deshalb leider etwas unspannend. Etwas für Zwischendurch, zum Essen oder als leichtes Bier fürs Bier-um-Vier im Büro.

Offenlegung: Ich danke Craftwerk Brewing für die kostenlose Zusendung einer Flasche des Grünhopfen-Bier Wet Hop Session Lager.

Stone Hazy, with a Chance of Blueberries Wheat Ale Titel

Kurz und bündig – Stone Hazy, with a Chance of Blueberries

Der Unterschied zwischen einem aromatisierten Biergetränk und einem mit natürlichen Zutaten, die nicht in der populären Auslegung des Reinheitsgebots zu finden sind, ist immer wieder Grund für Diskussion – so neulich wieder in einer Craftbier-Facebookgruppe. Dass man als echter Bierfreund das eine energetisch ablehnen und gleichzeitig das andere sehr schätzen kann versteht der eine oder andere offensichtlich nicht und macht sich in seiner Unwissenheit darüber lustig. Dabei ist es doch total einfach: Natürliche Zutaten kompetent eingesetzt, ja, gerne. Künstliche Aromen, nein, danke. Das Stone Hazy, with a Chance of Blueberries ist ein Beispiel für ersteres, denn es wurde während der Gärung Heidelbeerpürée zugesetzt, „erntefrisch“, wie der Pressetext uns mitteilt.

Stone Hazy with a Chance of Blue Berries Wheat Ale

Heidelbeeren sind ja nur nach außen blau, daher ist die rostrote Farbe keine Überraschung. Die 13% Heidelbeerpürée sorgen für zusätzliche Trübung, das Weizenbier wird dadurch beinahe blickdicht. Auch der feine, dicke Schaum ist leicht rötlich. In der Nase riecht man Hefe, Malz und eine leicht medizinische Note, die mich verrückterweise an Pflaster und Verbandsmaterial erinnert. Etwas dunkle Frucht schimmert durch.

Der Geschmack ist mildfruchtig, die Heidelbeeren ergänzen einen eher ins Nelkige als ins Bananige gehenden Weizenbiergeschmack. Das Mundgefühl ist im Antrunk recht süß und cremig, im Verlauf wird es immer trockener, bitterer. 35 IBU sind für ein Weizenbier schon kantig, diese spürt man besonders gegen Ende deutlich – im Gegensatz zu den 6,7% Alkoholgehalt, das als „Wheat Ale“ deklarierte Bier ist daher eigentlich schon ein Weizenbock. Im kurzen, sehr trockenen Abgang kommt dann die Frucht vollends zum Vorschein, die Heidelbeeren klingen eine Weile nach, zusammen mit einer kräftigen Säure. Ein leicht metallischer Geschmack beendet das Ganze.

Man muss klar sagen – das ist kein Fruchtbier (wie ein Kriek oder ähnliches), dazu ist es bei weitem nicht fruchtlastig genug; die Hauptaromatik ist die eines Weizenbocks. Die Beerenzugabe sorgt aber erkennbar für eine zusätzliche Aromenschicht und Komplexität im Bier, die ich als durchaus angenehm empfinde. Ein schönes Herbstbier mit einem kleinen Twist.

Offenlegung: Ich danke Stone Brewing für die Zusendung zweier Dosen des Stone Hazy, with a Chance of Blueberries.

IMBC - Buxton Brewery - Magic Rock - North Brewing Co. - Stone Fellow-Sip IPA Titel

Kurz und bündig – IMBC / Buxton Brewery / Magic Rock / North Brewing Co. / Stone Fellow-Sip IPA

Ich hatte mich neulich über einen etwas unhandlichen Titel eines Biers beschwert. Nun, das war gestern, heute heißt ein Bier IMBC / Buxton Brewery/ Magic Rock / North Brewing Co. / Stone Fellow-Sip IPA. Ich frage mich, ob das wirklich noch in meine Kategorie „Kurz und bündig“ passt – damit ich die Wortgrenze nicht sprenge, nenne ich das Bier im folgenden nur noch Fellow-Sip. Es handelt sich dabei um das 4. Uniqcan-Release aus dem Hause Stone Brewing. Der Anlass, sich mit 3 britischen Brauereien zusammenzutun, ist die IMBC (Independent Manchester Beer Convention, „Indy Man Beer Con“), die Anfang Oktober 2018 stattfand.

IMBC - Buxton Brewery - Magic Rock - North Brewing Co. - Stone Fellow-Sip IPA

Die Farbe ist golden, naturtrüb. Die Schaumentwicklung ist kräftig, eine sehr starke Perlage sorgt dafür, dass dieser Schaum auch lange erhalten bleibt. Nachdem ich in letzter Zeit häufiger Biere im Glas hatte, die sich geruchlich eher zurückhielten, ist dieses Bier eine andere Welt – beim Eingießen riecht man schon, dass die Nase hier was zu tun bekommt. Die zu erwartende Bitterkeit ist riechbar, Grapefruit, Limette, Harz, Aromahopfen in voller Wucht und ohne Gnade, etwas Frucht schimmert durch.

Im Mund beginnt das Fellow-Sip schon sehr trocken und man merkt die 65 IBU vom ersten Tropfen, der auf die Zunge fällt – da ist eine sehr harte Grapefruitkante drin, Limettenschale, ein harzig-holziger Eindruck; es geht fast schon in Richtung Radicchio, weil da auch eine gewisse Kräuterigkeit da ist. 7% Alkoholgehalt bleiben dennoch unspürbar am Gaumen. Der Abgang ist sehr lang, bitter bis zur Eckigkeit, harsch und trocken. Der Hopfen lässt dem Malz keinerlei Chance, so etwas wie Tiefe aufzubauen. Insgesamt empfinde ich das Bier aromatisch auch als dumpf und etwas stumpf, die Rezenz fehlt.

Persönlich hat mir das nun, nachdem ich immer die Stone-Bittere gelobt und gefordert hatte, die Grenze des Angenehmen überschritten. Das Fellow-Sip ist kein Bier mehr, das ich mir mal so eingießen würde, sondern ein Demonstrationsobjekt für derbe Biere, die mir nur noch bedingt Spaß machen. Wer allerdings die knarrende IBU-Härte haben will, nun, der ist hier definitiv richtig.

Die Zusammenarbeit besteht hauptsächlich darin, dass die Zutaten von den 4 Brauereien aus ihren beliebtesten Produkten in den Braukesseln von Stone in Berlin zusammengeführt wurden – die „ikonischen“ Hopfen- und Malzsorten der wichtigen Biere der teilnehmenden Brauereien. Dabei handelt es sich um die Malze Pilsener Malz, Gerstenmalz, Weizenmalz, gesäuertes Malz und Golden Promise, sowie die Hopfen Citra, Mosaic und Ariana. Über die Dosen selbst habe ich in meinen Blogartikeln über die 3 Uniqcan-Vorgänger genug gesagt – das Konzept ist schlüssig und stringent ausgeführt. Das Label ist schön bunt und passt dazu, und stellt die Zusammenarbeit gelungen in den Vordergrund.

Offenlegung: Ich danke Stone Brewing für die kostenlose Zusendung zweier Dosen des Fellow-Sip IPAs.

Maisel & Friends Craft Brauer Festival 2018 Titel

Maisel & Friends Craft Brauer Festival 2018 und Maisel & Schanzenbräu Gestopfter Bär

Die Einladung kam überraschend, das gebe ich zu. Mitglied in der Jury eines Brauerwettbewerbs! Natürlich bin ich für derlei Dinge immer zu haben, besonders, wenn sie im Rahmen eines Festivals stattfinden, und von einem illustren Brauer wie Maisel & Friends organisiert werden. Der Hobbybrauer-Wettbewerb war also einer der Bausteine des Maisel & Friends Craft Brauer Festival 2018, das Anfang September in Bayreuth stattfand. Für mich als echten Bierfreund stand eine Reise nach Oberfranken, einem Zentrum der globalen Bierkultur, eh schon lange auf der Liste.

Am ersten Tag des Festivals war das Wetter noch etwas verhalten, und so war der Garten der Maisel’s Bier-Erlebnis-Welt mittags, als ich dort ankam, noch nicht überlaufen. Das Gebäude, das auch das Liebesbier beherbergt, ist eine tolle Location, modern aber nicht überkandidelt, mit viel Charme.

Maisel & Friends Craft Beer Festival 2018 - 01 - Von außen

Gegen Spätnachmittag füllte sich das Gelände, erste Veranstaltungen fanden statt, die Stände der diversen Craftbierbrauer, die am Festival teilnahmen, öffneten und man konnte beginnen, sich durch deren Biere zu trinken. Atelier-der-Braukünste, Birrificio San Giovanni, Brauerei Flügge, BRLO, BroBier GbR, Craftwerk Brewing, HBH Braumeister Edition Fulda, In-Ale,  Tanker Brewery, Únětický pivovar und natürlich die Hausherrn sowie deren besonderer Gast, Schanzenbräu, waren mit Flaschen- und Fassbier vor Ort. Besonderer Gast deswegen, weil auf dem Festival auch die neue Zusammenarbeit zwischen der Schanzenbräu und Maisel & Friends vorgestellt wurde, die ich im Foto hier bereits im Glas halte und am Feuer genieße. Dazu später mehr.

Maisel & Friends Craft Beer Festival 2018 - 02 - Gestopfter Bär im Freien

Am zweiten Tag des Festivals begann dann, während im Hof bei bestem Feierwetter mit blauem Himmel und strahlender Sonne die Kapazität des Gartens durch die enorm große Gästezahl strapaziert wurde, die harte Arbeit des Bierverkostens für mich und die anderen Mitglieder der Jury des Hobbybrauerwettbewerbs. Im ersten Stock der Maisel Bier-Erlebnis-Welt war ein Raum reserviert, in dem wir ohne Ablenkung die Proben, die Hobbybrauer zur Verfügung gestellt hatten, verkosten konnten.

Maisel & Friends Craft Beer Festival 2018 - 03 - Verkostungsraum

Das Thema des Wettbewerbs war „Weißbier“ – und ich war überrascht ob der schieren Bandbreite der Biere, die die Hobbybrauer zu Hause hergestellt hatten. Da war alles vom dunklen Weizenbock bis zum strohigen, leichten, fast schon sauren hellen Weißbier, die Geschmackseindrücke variierten von klassisch bis völlig unerwartet (sowohl, das muss man sagen, auf positive als auch auf negative Weise) – ein Beweis dafür, wie flexibel die Kategorie ist. Das Prozedere war ein Blind Tasting, 25 Proben aufgeteilt auf 5 Flights, ein Bewertungsbogen, in dem für die üblichen Kategorien von Sinneseindrücken ein Wert vergeben wurde. Bei einigen der Samples wurde schnell klar, dass sie kein Gewinner sein würden – bei anderen würde ich nicht meckern, wenn ich sie als Flasche im Markt kaufen würde, so gut war teilweise die Qualität der Erzeugnisse der Hobbybrauer. Der Gewinner war schließlich ein Weizendoppelbock, die Jury war sich überraschend einig.

Maisel & Friends Craft Beer Festival 2018 - 05 - Verkostung

Die Expertenjury des Hobbybrauerwettbewerbs bestand aus geballter Fachkompetenz einerseits und mir andererseits, der ich mich praktisch als blutiger Anfänger fühlte gegenüber diesen Kennern – Christof Habel (Redakteur BRAUWELT und GradPlato), Mareike Hasenbeck (Journalistin und Biersommelière), Markus Raupach (Journalist, BierAkademie und Biersommelier), Andrea Kalrait (Veranstaltungsleiterin BrauBeviale und Biersommelière), Michael König (Biersommelier Maisel & Friends), Gracia Sacher (Bierbloggerin „Hopfenmädchen„) und André Brunnsberg (Vorsitzender der finnischen Hobbybrauervereinigung, Delegierter der European Beer Consumers Union).

Maisel & Friends Craft Beer Festival 2018 - 06 - Jury

Nach den doch recht anstrengenden 2 Stunden des Verkostens konnte ich dann den Rest des Festivals genießen. Das eine oder andere Bier der geschilderten Brauer landete in meinem Glas, und besonders gefielen mir die Sandwiches, die angeboten wurden – spannend und lecker in einem, nicht der typische Festivalfood. Es war laut und lärmig, das ist eigentlich nicht wirklich was für mich, und so war mir der Rest des Rahmenprogramms kaum zu würdigen; dennoch habe ich wirklich viel mitgenommen von diesem Ausflug nach Bayreuth. Im Nachgang habe ich mit Bekannten noch eine Tour durch die oberfränkische Bierwelt abseits von Maisel unternommen. Ein entsprechender Artikel folgt auf diesem Kanal.

Maisel & Friends Craft Beer Festival 2018 - 07 - Food

Von all den Bieren, die ich an diesen zwei Tagen probieren durfte, bleibt allerdings eines besonders im Gedächtnis, und das nicht, weil es vom Gastgeber stammt. Der oben schon erwähnte Collab-Brew war der absolute Gewinner für mich persönlich – der Maisel & Schanzenbräu Gestopfter Bär, ein roter hopfengestopfter Bock mit 50 IBU und 7,3% Alkoholgehalt.

Als erstes fällt die ungewöhnlich schöne, rote, strahlende Farbe auf, die leicht opalisierend im Glas leuchtet. Eine dünne Schaumkrone mit Crema, dazu leichtes Mousseux. Geruchlich dominiert erstmal eine malzige Basis, dazu kommen hübsch fruchtige Obertöne, ohne dass eine Komponente die andere überdeckt; Grapefruit, Zitrone. Frisch und ansprechend.

Auch im Geschmack sind Malz und Hopfen wohl ausgeglichen. Der malzige Bock sorgt für Süße und fettes Volumen, die Hopfenstopfung für Frische und eine edle Bittere, 50 IBU sind super eingebunden. Eine wunderbar gelungene Rezenz mit idealer Karbonisierung gefällt mir sehr, ebenso wie der feinherbe Abgang mit einer hübschen Kombination aus dezenter Trockenheit und zurückhaltender Süße.

Maisel & Schanzenbräu Gestopfter Bär

Da sind zwei aufeinandergetroffen, die ihr Handwerk verstehen, und das Ergebnis ist eines der schönsten Biere, die ich seit langer Zeit getrunken habe. Es ist ein Jammer, dass das ein einmaliges Erlebnis sein wird, das sollte im Dauerprogramm der beiden Brauereien geführt werden.

Nun, vielleicht gibt es nächstes Jahr ein ähnliches Event, und ein ähnlich gelungenes Collab-Brew. Es hat mir Spaß gemacht, Teil des Festivals zu sein, viele neue Leute kennenzulernen und die Atmosphäre Bayreuths und die dortige, alles durchdringende Bierkultur am eigenen Leib zu erfahren. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich die Maisel Bier-Erlebnis-Welt definitiv mal anschauen!

Stone CoCo-Pow! Porter Titel

Kurz und bündig – Stone Brewing CoCo-POW! Porter

Uniqcan, inzwischen schon die dritte – Stone Brewing legt ein hohes Tempo vor mit seinen Limited Releases. Dieses Mal haben wir ein besonderes Schmankerl in der Dose, einen von mir sehr geliebten Bierstil: Ein Porter, aber eins mit einem Twist.  Eingebraut wurde das Stone Brewing CoCo-POW! Porter nämlich mit gerösteten Kokosflocken und Kaffeebohnen (zusammen insgesamt 1,6% Anteil). Wenn ich sowas lese, bin ich immer zwiegespalten – das kann leicht in die Hose gehen mit „bierfremden“ Aromen. Schauen wir mal, was rausgekommen ist.

Stone CoCo-Pow! Porter

Für ein Porter sehe ich einen überraschend schönen Crema-Schaum, üppig und voll, dabei gemischtblasig und vergleichsweise langlebig, gespeist durch eine feine, sichtbare Perlage. Der Rest ist dann wieder stiltypisch: blickdicht, dunkelbraun bis schwarz.

Ist ein normales Porter schon aromatisch nahe an Kaffee, so hat das CoCo-POW! Porter noch eins draufgesetzt: Die Nase nimmt klare, deutlichste Kaffeeröstaromen wahr. Frisch gemahlenes Kaffeepulver dominiert die Aromatik, da kommt kaum etwas anderes vor.

Auch im Antrunk ist Kaffeepulver stark präsent, wird dann durch mildere Malznoten eingebremst und durch eine dezente Hopfenfrucht aufgefrischt. Das Bier ist trotz der angenehmen Cremigkeit sehr rezent, überraschend leicht und bei entsprechender Kühlung sehr erfrischend. Leichte Gewürznoten sorgen für den Unterbau, 7,3% Alkoholgehalt für Volumen und Bums.

Erst im Abgang kommt die zweite namensgebende Sonderzutat zum Zuge – eine leichte, milde Kokosnote, wirklich nur ein Hauch, bei weitem nicht so stark wie beispielsweise beim Kona Brewing Coco Porter – mit zunehmender Trinktemperatur nimmt sie größeren Raum ein. Zusammen mit ihr tritt eine zurückhaltende Süße ein, die mit der wirklich toll gestalteten Herbe (etwas, was ich bei Stone immer erwarte – 25 IBU) um die letzten Eindrücke beim Ausklang kämpft.

Mir gefällt die Art, wie dieses Bier komponiert wurde – das ist geschmacklich ein sehr gelungenes Porter, das mit Kaffee und Kokos nur hintergründig angereichert ist und dadurch eine wirklich tolle Komplexität erhält, die dabei aber nie die Drinkability verdrängt. Es bestätigt sich für mich persönlich – Stone hat zur Zeit einfach einen Lauf. Alles, was die gerade in dieser Uniqcan-Reihe neu rausbringen, ist spannend und interessant.

Offenlegung: Ich danke Stone Brewing für die kostenlose Zusendung zweier Dosen des CoCo-POW! Porter.

Camba Hop Gun Dry Hop Brown Ale Titel

Kurz und bündig – Camba Hop Gun Dry Hop Brown Ale

Einer der tollsten Aspekte der Craftbierbewegung der letzten Jahre ist, dass man hierzulande nun auch Bierstile braut, die in Deutschland einig Pilsland unverdienterweise völlig unter den Tisch gefallen waren. Selbst bei den Bierultras, den Bayern, kann man sich so langsam trauen, etwas anderes als Weißbier herzustellen, auch wenn es dort immer noch einen Ticken schwerer ist als anderswo in Deutschland und der Welt. Camba zeigt mit dem Hop Gun Dry Hop Brown Ale, eingebraut auf satte 6,4% Alkoholgehalt und knackige 46 IBU, dass die obergärige Bierwelt auch bunt sein kann.

Camba Hop Gun Dry Hop Brown Ale

Nun, ein Brown Ale sollte mal braun sein, oder bin ich da zu naiv? Jedenfalls ist das Hop Gun braun, satt sogar, stark trüb bis fast zur Blickdichte. Schaum entsteht beim Eingießen üppig, so dass das Bier kaum ins Glas passt aufs erste Mal; danach fällt er aletypisch zusammen, es bleibt aber eine dünne Schicht feinen Rests übrig. Der Geruch ist stark hopfig, auch hier sollte für den Bierfreund die Ankündigung einer Trockenhopfung schon die Richtung bestimmen. Milde Frucht, Erdbeeren mit Sahne, Aprikosen, dazu Karamell – ich erkenne tatsächlich, selten passiert das in dieser Konsequenz, einige der Tasting Note-Vorgaben auf dem Etikett wieder.

Mildbitter, adstringierend, dabei mit einer leichten Cremigkeit im Mundgefühl – das ist der vorherrschende Ersteindruck im Mund. Der Hopfen liefert kaum etwas der Frucht geschmacklich ab, den wir in der Nase entdeckt hatten. Eine Säure, die ich persönlich als unpassend in diesem Bier empfinde, stört mich zwar, liefert aber Rezenz. Insgesamt wirkt das Bier frisch und hell, trotz der Farbe. Der Abgang ist aromatisch sehr kurz, durch die 46 IBU Bittere aber effektvoll. Trocken und herb erinnert mich das Hop Gun Dry Hop Brown Ale diesbezüglich fast schon an ein Pils – etwas mehr Körper hätte ich als angenehm empfunden.

Ein interessanter Schluck für den Craftbierfreund – es startet toll, und wird für mich dann aber immer schwächer. Persönlich werde ich mir daher keine weitere Flasche kaufen, die drei, die ich für diesen Test nutzte, reichen mir eigentlich.