Kurz und bündig – Maisel & Friends Smoky IPA

Meine Kollegen sind verrückt danach, ich hab kein besonders extremes Verhältnis zum Grillen. Im Sommer, mit Freunden, gern, aber nur, wenn andere sich darum kümmern. Ich bringe dann lieber Sprit mit – jeder, wie er kann halt. Darum war mir Don Caruso eigentlich auch kein Begriff. Eine kurze Recherche bringt zum Vorschein, dass er den ältesten Grill-Blog im deutschsprachigen Raum hat. Ein Kollege also. Das Maisel & Friends Smoky IPA stellt das Ergebnis einer Zusammenarbeit eben jenes Don Caruso, mehrfacher deutscher Meister und sogar Weltmeister seiner Disziplin, mit der allseits geschätzten Bayreuther Brauerei dar.

Maisel & Friends Smoky IPA

Die Farbe ist direkt schonmal sehr einladend, ich mag es, wenn ein Bier mich so dunkel leuchtend anstrahlt. Eine minimale Trübung unterstützt diesen Effekt, durch sie muss man die vereinzelt aufsteigenden Bläschen aber eher suchen. Sie ergeben am Ende einen großblasigen Schaumkranz an der Glaswand, während in der Mitte dünne Inseln verbleiben. Der erste Eindruck, wenn man am Smoky IPA schnuppert, ist aber nicht Rauch, sondern Beeren. Himbeeren, Brombeeren, Erdbeeren. Etwas Mango und Honigmelone, ein Anflug von Thymian. Sehr fruchtig und angenehm.

Klar und eckig schon vom Antrunk an im Mundgefühl. Eine aletypische Cremigkeit ist zwar da, wird aber schnell von der deftigen Bittere (53 IBU) eingeholt und weggeräumt. Die Beerigkeit ist im Geschmack nicht mehr da, dafür Zitrusnoten, Limettenschale, Grapefruitsaft. Durch die Kantigkeit und die starke Karbonisierung sehr rezent. Insgesamt wirkt das Bier klar und sauber, mit 6,5% Alkoholgehalt auch kräftig, allerdings suche ich doch nach dem Rauch. Im Abgang kommt dann endlich der Namensgeber zum Vorschein. Nicht wie bei einem typischen Rauchbier, sondern mehr als angedeuteter Nachklang. Zusammen mit dem bittertrockenen Effekt am Gaumen hängt noch kurz eher die Vorstellung von mildem Rauch im Mundraum. Ich stelle mir vor, dass es ganz ausgesprochen hervorragend dazu geeignet ist, den Mund von all den fettigen, gewürzlastigen Aromen zu befreien, die ein guter Grillnachmittag mit sich bringt.

Erneut ein schönes Bier aus dem Hause Maisel & Friends – ich bezweifle, dass es ein Produkt von ihnen gibt, das mir nicht gefällt. Solides Handwerk und Kreativität kommen hier immer wieder zusammen; ich bin gespannt, wie die BrewBQ-Reihe weitergeht.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kosten- und bedingungslose Zusendung einer Flasche des Smoky IPA.

Kurz und bündig – Stone Go To IPA

Ich habe vor einiger Zeit einige Artikel begonnen, die ich aus irgendwelchen Gründen nie veröffentlicht hatte – es kam immer was anderes, interessanteres dazwischen. Diese hole ich nun Stück für Stück aus der Versenkung, und zeige sie nun. Ich überarbeite sie teilweise, aber an den Fotos erkennt man, dass sie aus einer früheren Schaffensphase stammen; ich bitte, die Qualität der Fotos zu entschuldigen. Für manche Produkte frische ich die Bilder auf, wenn ich meine, dass es sich lohnt, weil das Produkt so gut ist, dass ich es nochmal ins Glas hole.

Es ist schon eine tolle Sache, dass man heutzutage durch relativ normale Supermärkte schlendern kann, und sehr oft eine ganze Reihe von spannenden Bieren in den Regalen sieht. Vor 5 Jahren war das alles, was ich gerade besonders bei vielen Edekas in der Saarbrücker Gegend erlebe, völlig undenkbar. So ist es dann ganz selbstverständlich, dass man sich als kleines Feierabendbier halt keines der großen, neutral schmeckenden Fernsehbiere holt, sondern beispielsweise das Stone Go To IPA. Über die Dose als idealer Aufbewahrungscontainer für Bier habe ich bereits oft genug geredet, Stone Brewing zieht das Konzept stringent durch.

Stone Brewing Go To IPA

Passend zum Dosendesign ist das Bier sonnenblumengelb, leicht blass, nur leicht opalisierend. Schaum hält sich in Grenzen; Perlage ist aber auch nach einigen Minuten noch vorhanden. Der Geruch ist von Anfang an extrem fruchtig, sehr hopfig, das „Hop Bursting“ (ist das ein Synonym für Kaltstopfen?) hat offensichtlich gut funktioniert, der Hopfen explodiert geradezu. Da scheint mir aber gleichzeitig auch ein kleiner Fehlton nach Plastik zu sein.

Stone-typisch ist das Go To IPA sehr bitter schon im Antrunk, leicht im Körper, aromatisch-hopfenlastig. Ausgeprägte Zitronenschale, auch hier aber der kleine Plastik-Fehlton. Sehr frisch und rezent. Im Abgang bleibt es bitter, trocken, mitellang mit einigen Hopfenaromen, die lange nachklingen. Ein leichtes IPA mit 4,7% (daher wird das Bier auch als Session IPA gekennzeichnet) für Zwischendurch, mir fehlt etwas Volumen, aber sonst? Das trinkt sich gut, wenn man auf diese Art des Biers steht. Wie bei den meisten Stone-Bieren ist die Drinkability sehr gut, man darf hier keine Komplexitätsbombe erwarten, aber das ist ja auch nicht der Sinn hinter solch einem Bier.

Kurz und bündig – Salzburger Stiegl Goldbräu

Ich beginne hier mit einer kleinen Anekdote und einem running gag, der in Österreich scheinbar recht bekannt ist, was mir eine österreichische Exilantin hier in Saarbrücken an einem unterhaltsamen Abend erzählte. Was war das wichtigste Ereignis im Jahr 1492? Die Eröffnung der Stiegl-Brauerei in Salzburg. Ja, ein echter Schenkelklopfer, ich weiß. Lassen wir den Witz sich setzen und öffnen humorisiert den Drehverschluss des Stiegl Goldbräu.

Salzburger Stiegl

Optisch hübsch und typisch für ein Helles – kristallklar, ein wenig Schaum, den aber selbst die schön sichtbare und ausdauernde Perlage praktisch nicht am Leben erhalten kann. Geruchlich bleibt es relativ neutral, milde Hefe, etwas Getreide, ein Hauch Bitterhopfen. 5% Alkoholgehalt fallen weder positiv noch negativ auf.

Geschmacklich wird es dann aber doch überraschend voll, süßlich im Antrunk, sehr cremig, weich im Mundgefühl. Dabei aber frisch und leicht, edelherb, schön balancierte Säure. Gute Rezenz, mit einer Tendenz zum Abflachen mit ansteigender Trinktemperatur. Am Ende ein blumig-floraler Abgang mit leichten Fruchtkaugumminoten.

Ein leichtes, nettes Helles, das zwar wenig Charakter, aber dafür auch keine Kanten hat. Süffig und erfrischend, unterhaltsam für ein paar Momente – mehr aber leider auch nicht. Zum Glück gab es 1492 noch andere Ereignisse von größerer Tragweite.

Besondere Biere – Rügener Insel-Brauerei Baltic Stout, Überseehopfen und Insel Kreide

Ich habe vor einiger Zeit einige Artikel begonnen, die ich aus irgendwelchen Gründen nie veröffentlicht hatte – es kam immer was anderes, interessanteres dazwischen. Diese hole ich nun Stück für Stück aus der Versenkung, und zeige sie nun. Ich überarbeite sie teilweise, aber an den Fotos erkennt man manchmal, dass sie aus einer früheren Schaffensphase stammen; ich bitte, die Qualität der Fotos zu entschuldigen.

Dieser Artikel ist ein solcher, der erste seiner Art. Man erkennt es unter anderem daran, dass ich einst auch für Biere ausführliche Artikel geschrieben hatte – inzwischen ist mir ein Bier meist nur noch einen „kurz und bündig“-Eintrag wert, die Arbeit steht in keinem Verhältnis zur Genusszeit mehr, und viele Leser interessieren sich bei einem vergleichsweise so preisgünstigen Artikel dann auch nicht mehr für ausgefeilte Rezensionen. Dieser Beitrag hier entstand zur Zeit, als die Biere der Rügener Insel-Brauerei die Supermärkte stürmten und mit ihrer Aufmachung und dem mutigen Preis für einiges an Aufsehen bei den Leuten sorgte, denen normalerweise schon ein Radeberger zu teuer ist; ich habe beim Einkaufen fast schon dramatische Szenen erlebt, wie beklagt wurde, wie blöd man sein muss, für ein Bier 6€ auszugeben.

Rügener Insel-Brauerei Werbeprospekt

Bei meinem lokalen Globus-Markt wurde viel für die Marke getan, eine separate Ausstellungsfläche mit Holzkisten, ein Katalog mit Beschreibungen der einzelnen Biere und ein großflächiges Poster mit den verschiedenen Sorten. Damals probierte ich natürlich alle durch, und für diesen Sammelartikel habe ich eins aus jeder Reihe des oben abgebildeten Plakats ausgewählt. Hier werden also das Rügener Insel-Brauerei Baltic Stout, der Überseehopfen und die Insel Kreide vorgestellt. Inzwischen gehören sie natürlich zur Grundausstattung eines jeden Getränkemarkts, der auch nur ansatzweise etwas auf sich hält, und jeder Bierfreund kennt sie. Dennoch hoffe ich, mit diesem Artikel noch den einen oder anderen zu erreichen, und zu überzeugen, dass 6€ (oder 3€ für die 0,33-Liter-Flasche) für ein gut gemachtes Bier durchaus einen Versuch wert sein können, denn Bier ist heutzutage längst viel mehr als nur ein billiges Knallmittel.

Rügener Insel-Brauerei Baltic Stout, Überseehopfen und Insel Kreide Flaschen

Die Aufmachung ist gewiss sensationell und augenfängerisch gemacht – diese Art der Papierumwicklung hat aber neben dem Wow-Effekt auch einen durchaus praktischen Sinn, denn so ist das lichtempfindliche Bier vor Strahlung geschützt. Die Gestaltung ist durchgängig für die ganze Reihe, und gefällt mir persönlich außerordentlich gut, das hat künstlerischen Wert. Trinken wir einfach der Reihe nach durch, beginnend mit dem Baltic Stout. Man sieht auf dem Foto die sehr starke Schaumentwicklung beim Eingießen, ein Effekt der Flaschengärung, das wirkt selbst bei einem so Schaumsparbier wie einem Stout. Es bleibt, wenn die Wirkung nachgelassen hat, eine schöne braune Crema, gespeist von starker Perlage. Das Bier selbst bleibt vollständig blickdicht mit kaffeebrauner Farbe. Der Geruch ist etwas metallisch, leicht säuerlich, man riecht etwas Malz, nur minimalste Röstaromen, dafür eine deutliche Seifigkeit. Abgesehen davon empfinde ich es als enttäuschend zurückhaltend.

Rügener Insel-Brauerei Baltic Stout Glas

Was die Nase vermisst, findet die Zunge – im Mund explodieren dann die stouttypischen Röstaromen. Kaffee, eine interessante Dunkelschokoladennote, leider ist auch hier diese seltsame Seifenkomponente vorhanden. Doch so plötzlich wie sie gekommen sind, sind sie auch wieder weg, die Röstaromen, und werden durch eine etwas belanglose, süße Malzigkeit ersetzt. Die Champagnermethode macht sich bemerkbar: eine hohe Frische, kombiniert mit einer für Stout ungewöhnlichen Trockenheit und einer kleinen, aber erkennbaren sehr angenehmen säuerlichen Sektnote. Der Abgang ist wirklich sehr kurz, ohne große Auffälligkeiten; ein Hauch von Rauch.

Insgesamt klar das schwächste Bier der Insel-Brauerei, das ich bisher getrunken habe. Spannend vielleicht wegen der für Stouts ungewohnten Säuerlichkeit, die eine helle Frische in dieses dunkle Bier bringt. Vielleicht eignet sich die Methode eher für helltönige Biere wie Pale und Sour Ales – in dieser Form bleibt es irgendwie unzufriedenstellend. Und wenn dann noch Imperial Stout auf dem Etikett steht, muss ich müde lächeln – da gibt es ganz andere Kaliber, auch wenn die 7,5% Alkoholgehalt diese Klassifikation durchaus hergeben.

Vielleicht haben wir mit dem nächsten Bier aus der Reihe mehr Glück – der Überseehopfen bringt natürlich einen ganz anderen Bierstil mit. Man sieht das direkt an der Farbe; diese erinnert mich an Eigelb. Die völlige Trübe unterstützt diesen Eindruck, und zu Beginn hat man auch hier die flaschengärungstypische starke Perlage. Schöner, feiner Schaum bleibt recht langlebig.

Rügener Insel-Brauerei Überseehopfen India Pale Ale

Das ist ein Pale Ale, denkt man, wenn man die Nase ans Glas hält. Schön fruchtig, wie man es kennt, nach Tropenfrucht und Apfel. Weich im ersten Mundgefühl, dann aber schnell ein Wandel zum Trockenen. Sehr trocken, um genau zu sein. Mittlere, angenehme Bittere. Kaum Süße, wenig Körper, dafür eine feinherbe Säure. Leichte, aber etwas undefinierte Hopfenaromen, Limettenschale, mild malzig, eine interessante Blumigkeit liegt im Hintergrund. Im Abgang bleibt das Überseehopfen kurz, bitter, und auch hier trocken. Durch die hohe Rezenz entsteht ein sehr angenehmer Erfrischungsfaktor. Die Trockenheit ist für mich tatsächlich das definierende Element dieses Biers, und darin glänzt es ausgesprochen. Für die, die sonst gern Pils trinken und einen bequemen Einstieg in die Welt des Ales suchen, ist das wahrscheinlich ein ideales Bier. Mit 5,6% Alkoholgehalt sortiert es sich da auch gut ein.

Der Hersteller gibt auf dem Etikett als Bierstil „Eigenkreation“ an, und als internationale Bierkategorie „India Pale Ale“. Für ein IPA ist es mir zu einfach gestrickt, zu zurückgenommen in allem, wenn, dann ist es noch am ehesten ein britisches IPA; sensorisch erinnert es mich, insbesondere im Abgang, mehr an ein leicht aromagehopftes Pils. „Naturhopfen“ als Angabe finde ich ein bisschen wenig Information.

Man merkt, irgendwie zündet der Funken noch nicht so richtig, auch wenn das ein deutlicher Fortschritt war. Hat das dritte Bier der Reihe mehr Erfolg? Die Insel Kreide muss den Ruf retten. Die Farbentwicklung meiner Reihe setzt sich konsequent fort – das Insel Kreide ist namensgemäß blass, fast schon bleich, bleibt dabei aber naturtrüb. Schöne Perlage ist dennoch gut sichtbar, was in dünnem feinporigem Schaum resultiert. Der Geruch ist deutlich säuerlich, wirkt frisch, hat aber auch etwas Metallisches, eine Andeutung von Grapefruit. Insgesamt ein eher dünner Biergeruch.

Rügener Insel-Brauerei Insel Kreide

Der gesamte Eindruck setzt sich im Geschmack fort – feinsauer, leicht herb, insgesamt eher aromenarm. Es erinnert etwas an süßen Sekt. Sehr luftig-leicht, tatsächlich mit Meeres- oder Inselcharakter. Leichte, aber erkennbare Würze. Das hört sich jetzt sehr negativ an, aber das Gesamtbild ist sehr stimmig – spannend, dass so wenig von allem so viel Spaß machen kann. 5,6% fallen dabei eher positiv auf. Als internationale Bierkategorie ist „Champagner Ale“ angegeben, das trifft es wirklich wie die Faust aufs Auge – ich hätte es nicht besser beschreiben können. Ein sehr kurzer, mildbitter-säuerlicher Abgang passt sich daran an, auch hier empfinde ich das im Eindruck als sehr angenehm. Nach den zwei Vorgängern ist das Insel Kreide ein für mich wirklich ausgesprochen tolles Bier, ideal zur Erfrischung. Normalerweise stehe ich so dünnlichen Bieren kritisch gegenüber – hier passt es einfach perfekt.

Letzteres lässt mich dann auch direkt an einen Einsatz im Cocktail denken. Es gibt diverse Varianten von Cocktails, die als i-Tüpfelchen Champagner einsetzen, man erkennt sie meist an dem Namenszusatz „Royal/Royale“. Statt Champagner, wie im originalen Royal Julep, verwenden wir hier einfach das säuerlich-frische Insel Kreide. Und so ist er geboren, der Rügen Julep!

Rügen Julep


Rügen Julep
1 Würfel Zucker
6 Blätter Minze
2 oz Whiskey (z.B. Jack Daniel’s Single Barrel Select Tennessee Whiskey)
Diese Zutaten muddeln, dann auf viel Eis abseihen…
…und mit Rügener Insel-Brauerei Insel Kreide aufgießen.
[Rezept wandelt einen Royal Julep ab]


Man verstehe mich hier bitte nicht falsch, irgendwie kommen zwei der drei Biere bei mir nicht übermäßig gut an, ohne dass ich klar festmachen kann, was mir fehlt. Qualitativ sind sie alle sehr hochwertig, persönlich sind sie mir aber nicht konsequent genug. Das mag mein privater Geschmack sein, der bei einem innovativen Bier, das diese Produkte ja sein wollen, etwas besonderes sucht. Vielleicht ist es einfach die Vermarktung als „besondere Biere“, die hier kontraproduktiv wirkt, denn man schürt damit viel Erwartung, die die Bewertung am Ende beeinflusst. Nun, dafür können die Biere selbst natürlich nichts, und vielleicht probiere ich sie später nochmals, wenn die Marketingmaschinerie etwas abgekühlt ist. Ich mochte die Sauerbiere der Insel-Brauerei (nachzulesen hier und hier) ja schließlich auch sehr gerne. Zumindest das Insel Kreide kann an diese beiden Vorbilder ohne Probleme anschließen.

Kurz und bündig – Kriek Foudroyante

Ich fühlte mich schon etwas veräppelt – da zieht man den Kronkorken von der Flasche, und freut sich auf den Kirschgeruch des Kriek Foudroyante aus der mir inzwischen schon wohlvertrauten Brouwerij Lindemans in Belgien, und was findet man? Einen Korken! Dieser Doppelverschluss ist wirklich seltsam, aber im Endeffekt unterhaltsam. Die Verpackung des Frucht-Lambics, hergestellt mittels Spontanvergärung, weiß darüber hinaus aber auch sonst mit mäßig begeisternden Effekten aufzuwarten – zum Beispiel mit der Angabe der Verwendung von mindestens 10% Sauerkirschenkonzentrat statt frischen Kirschen – schade, aber für den Preis muss man mit soetwas rechnen.

Kriek Foudroyante

Farblich erwartungsgemäß rubinrot und dunkel, dadurch kaum zu durchschauen, aber ohne Opalisierung. Leichte Perlage besorgt den feinen, rosaroten Schaum. Sehr fruchtig ist es in der Nase, nach Kirsche, Limetten, Himbeeren, Brause. Leicht süßlich.

Milde Frucht ist natürlich der dominante Geschmackseindruck, sehr stark nach Kirschen und Himbeeren – dies überhaupt nicht künstlich, wie das bei so manchen Biermischgetränken vielleicht gewohnt ist, sondern natürlich und echt. Sehr ansprechende süß-sauer-Balance. 3,5% Alkohol sind kaum schmeckbar. Etwas mehr Körper könnte dem Kriek Foudroyante gut tun, ich mag aber das brausig-schaumig-fluffige Mundgefühl sehr. Der Abgang bleibt sehr kurz, etwas malzig, trocken, leicht bitter, Süße legt sich etwas auf die Lippen. Der Nachklang ist dann sehr süß, fast schon pappig.

Nun, das ist ein leckeres, frisches Fruchtbier, das mir durchaus gefällt. „Foudroyante“, also „blitzartig, überwältigend“? Ich finde es eher mild und sanft vom Charakter her. „Servir très frais“ – ja, das tu ich gern, ganz besonders im Sommer, als ich das Bier getrunken habe. Aber auch im Winter ein schönes Zwischendurch.

Kurz und bündig – Ikea Öl Mörk Lager und Öl Ljus Lager

Der eine oder andere wird den Effekt kennen – man geht ins Ikea, um nach einem kleinen Küchenschrank zu suchen, und geht mit lauter Kleinkrams aus dem Markt nach Hause. Kissen, Pflanzen, Teller, Gläser und Pfannen. Persönlich bin ich da eigentlich nicht wirklich empfänglich für diese Art von Marktschreierei, doch Ikea hat mich unfair mit Alkohol geködert und gekriegt: Am Ausgang standen lange Reihen des hauseigenen Biers, das mir früher nie aufgefallen war. Was soll man machen, ich habe je zwei Flaschen des Ikea Öl Mörk Lager und des Ikea Öl Ljus Lager mitgenommen, ganz unvoreingenommen, und es kurz danach bereut. Doch lassen wir erstmal die Biere für sich sprechen.

Ikea Öl Mörk Lager und Öl Ljus Lager

Fangen wir an mit der grünen Flasche mit dem weißen Etikett, dem Ikea Öl Ljus Lager, einem hellen Lagerbier aus schwedischer Herstellung. Farblich habe ich nichts auszusetzen, ein kristallklares Bier in schöner Tönung; vom Schaum her könnte ich mir etwas mehr wünschen, einzelne hochsteigende Perlageketten schaffen aber nicht mehr.

Die Nase nimmt beim Eingießen noch leichte biertypische Bitternoten wahr, danach ist es vorbei: das Öl Ljus riecht nach gar nichts. Hm, etwas Bitterhopfen vielleicht, mit viel gutem Willen. Sehr viel gutem Willen. Da es in dieser Beziehung nichts zu beschreiben gibt, hoffen wir etwas skeptisch auf den Geschmack! Leider geschieht kein Wunder, auch im Mund verhält sich dieses „Bier“ wie die Schweiz in der Außenpolitik. Ich könnte nun versuchen, die minimalsten Anflüge von Aromatik in Worte zu fassen, aber wozu – es wäre Fantasie. Immerhin eine leichte Cremigkeit im Mundgefühl unterscheidet dieses Getränk von Mineralwasser. Der Abgang hat wenigstens etwas Bittere, dezente Säure und leichte Betäubungseffekte auf der Zunge.

Ikea Öl Ljus Lager

Nicht viel drüber nachdenken, jede Minute ist verschwendet. Maul abputzen, zum nächsten Bier. Kommen wir also zur (noch) dunkleren Seite dieses Reviews. Das Ikea Öl Mörk Lager präsentiert sich als dunkles Lagerbier. In der Zutatenliste des Etiketts haben wir zwei Wörter, die mir direkt auffallen – „E150c“ und „Aromen“. Na, da denk ich mir direkt meinen Teil, während ich mir das bierähnliche Erfrischungsgetränk eingieße.

Dabei entsteht keinerlei Schaum, es zischt etwas beim Eingießen, doch das verpufft direkt. Es bleibt nur eine schwarze (eben mit E150c künstlich gefärbte) Flüssigkeit zurück, die beinahe völlig blickdicht ist, bei Gegenlicht rubinrote Reflexe aufweist. Man sieht am Glasrand eine minimale Perlage. Geruchlich praktisch völlig neutral. Leichte Malznoten, aber nur, wenn man es riechen will. Sonst ist da sensorisch gar nichts – das Glas riecht stärker. Vom Antrunk an ist da eine starke zitronige Säure, die alles dominiert. Leichte Röstmalzaromen, etwas Kaffee. Sehr leicht und schwachbrüstig, 4,7% Alkoholgehalt können das nicht retten. Immerhin schön rezent. Aromen sind zugesetzt, ich frage mich, welche – vielleicht diese leichten Kaffeenoten, da sonst ja kaum Geschmack da ist. Ein Abgang ist nicht vorhanden, alles bleibt aromatisch neutral, besteht höchstens aus leichter Astringenz und Betäubungseffekten durch die Säure.

Ikea Öl Mörk Lager

Das ist einfach kein Bier, das ist alkoholische Zitronenlimo mit künstlichen Bieraromen und Farbstoff. Ich frage mich ernsthaft, wie das in Deutschland die Genehmigung erhielt, das Wort „Bier“ aufs Etikett schreiben zu dürfen. Eine Beleidigung für jeden Bierfreund, in jeder nur denkbaren Beziehung. Sogar die Flaschen wirken billig.

Ich habe sie gefunden – die schlechtesten Biere, die ich je getrunken habe. Selbst der schwedische Brauer will auf dem Etikett nicht genannt werden. Ich verstehe ihn.

Kurz und bündig – Maisel & Friends Kaminfeuer Kellerbier by Heiko Müller

Der Hobbybrauerwettbewerb von Maisel & Friends geht in die nächste Runde – Kellerbiere galt es zu brauen. Während der Home Brew Bayreuth im September 2019 wurden die Einreichungen verkostet, und der Gewinner war Heiko Müller mit seinem Kaminfeuer Kellerbier, das nun als Gewinn in limitierter Auflage statt im heimischen Keller auf den professionellen Anlagen bei Maisel nachgebraut werden konnte.

Maisel & Friends Kaminfeuer Kellerbier by Heiko Müller

Sehr schöne safranfarbige Opalisierung, durch die das Bier im im Glas leuchtet. Hält man es gegen das Licht, sieht man kleine Bläschen sehr langsam aufsteigen. Der Schaum, schon zu beginn eher dezent, bleibt als feine aber dünne Decke eine Weile auf dem Bier liegen. Geruchlich sehr würzig, mildrauchig, fast schon etwas nach Grill duftend. Auf jeden Fall passt hier der Name sehr gut. Starkmalzig, leicht speckig, etwas brotig – eine sehr prägnante Duftkomposition insgesamt.

Auch im Mund schmeckt das Maisel & Friends Kaminfeuer Kellerbier by Heiko Müller, wenn man mich fragt, zunächst wie ein Schinkenbrot. Die Würze bleibt erhalten, wird nur durch zurückhaltende Hopfenfrucht in der Zitrusrichtung ergänzt. Leicht salzig, erkennbar rauchig, ein Anflug von Kümmel; sehr rezent und kantig-bitter im Mund, ohne dafür eine üppige Cremigkeit aufzugeben. Eine gewisse Unrundheit muss man allerdings auch attestieren, gegen Ende entsteht im Mund eine leichte Schalheit. Der Abgang hat fast schon einen Eukalyptushauch, ist frisch und langanhaltend deftig bitter (23 IBU, ich hätte mehr vermutet), fast schon hin zum Kratzenden, was bei diesem Bier gar nicht stört, sondern zum Gesamtkonzept passt. 5,6% Alkoholgehalt passen sich hier gut ein.

Ohne Schwierigkeiten kann ich hier sagen – dieses Bier hat seinen Gewinn verdient, und ich finde es ausgesprochen toll, dass Maisel & Friends sich der Hobbybrauer annimmt und diesen so eine Möglichkeit gibt, der Welt zu zeigen, dass Bier ein derart vielseitiges Getränk ist.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kosten- und bedingungslose Bereitstellung einer Flasche „Kaminfeuer“.

Kurz und bündig – Schneider Weisse Aventinus Eisbock

5 Jahre lang stand es bei mir im dunklen Schrank, nun versuche ich, diese ganzen Altlasten an Bier loszuwerden. Der Schneider Weisse Aventinus Eisbock hat, wie viele Starkbiere und insgesamt Bier, das nicht allzu aromahopfenlastig ist, kein Problem damit, lange aufbewahrt zu werden. Jetzt ist seine Zeit gekommen, und er landet in meinem Glas!

Schneider Weisse Aventinus Eisbock

Beim Eingießen achte man darauf, dass sich eventuelle Hefeverklumpungen, die sich bei längerer Lagerung bilden, nicht mit ins Glas hüpfen. Dann bleibt das Bier trotzdem trüb, Mezzomix-farben, aber wird nicht ganz so bitter. Durch die dunkelbraune Farbe sieht man einzelne Bläschen vorsichtig aufsteigen, die sich am Glas als feinster Rand ablegen, ansonsten ist das Bier schaumfrei. Die Nase ist weinig, hefig, leicht speckig. Sehr zurückhaltende Zitrusfruchtnoten bilden den Kopf, dunkle Malznoten den Körper. Insgesamt wenig an Geruch, und das, was da ist, erinnert den Laien eher an Wein als an Bier.

Im Geschmack ändert sich das dann wieder etwas, mildmalzig und nur sehr vorsichtig hopfig allerdings. Eine definierte Säure ist da, bildet mit dem dunklen Körper einen bockbierähnlichen Charakter. Kaffeenoten. Die erstaunliche Alkoholstärke von 12% entstammt dem aufwändigen Herstellungsverfahren, und man merkt die Stärke schnell und deutlich, sowohl vom Effekt als auch von der Aromatik her. Durch die Säure und Bittere wird das Bier sogar etwas rezent. Persönlich überzeugt mich die ungewohnte Aromatik nicht so sehr, das wirkt zwar alles rund und extrem vollkörperig, aber das Hin und Her zwischen Wein und Bier, zwischen Süße und Säure, und Milde und Bittere lässt mich stirnrunzeln. Der Abgang ist wiederum weinig, hefig und mittellang, ganz am Ende dann Trocken und astringierend, mit einem leicht blumig-fruchtkaugummiartigen Nachhall.

Man merkt, es ist nicht so ganz mein Fall. Vielleicht muss ich mehr Eisböcke probieren, um diesen hier einordnen zu können – allein, mir fehlt nach dieser Erfahrung die Motivation.

Das Beste aus zwei Welten – BrauKunstKeller Imperial Stout Single Barrel Aged Tequila Limited Edition

Imperial Stout und Tequila, zwei meiner Lieblingsgetränke. Wenn die zusammen gebracht werden, das kann ja nur ein Fest für die Sinne werden, oder? Das BrauKunstKeller Imperial Stout Single Barrel Aged Tequila Limited Edition versucht das – ein Bier, gereift in einem Tequilafass. Nur wenige Flaschen wurden hergestellt, und zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Artikels wird es wohl seit sehr langem schon ausverkauft sein, und die Flaschen in Kellern von Bier- und Tequilafreunden lagern, um zu gegebenem Anlass geköpft zu werden. Ich habe meine Flasche nun geöffnet – hier meine Eindrücke dazu.

BrauKunstKeller Imperial Stout Single Barrel Aged Tequila Limited Edition Flasche

Bei einem komplexen Produkt wie diesem Bier sammle ich zunächst mal die Fakten zusammen – selten muss man das in dieser Art für Bier tun. 2013 wurde es gebraut, unter Verwendung der Hopfensorten Perle, Chinook und P. Jade und 8 Schokoladen-, Karamell- und Röstmalzen. 10,9% Alkoholgehalt stellen klar, dass wir hier wirklich ein Imperial Stout vor uns haben. Bis 2014 wurde es dann im Ex-Tequila-Fass gelagert. Ein letztes Datum – bis 2024 ist es mindestens haltbar, kein allzu ungewöhnlicher Wert für ein derartiges Bier. So, nun aber genug der Zahlen und Daten, probieren wir das Bier im Glas.

Optisch könnten wir auch Schweröl vor uns haben – Tiefstdunkles Braun, fast schon blauschwarz wie Tinte. Dickflüssig, blickdicht, keine erkennbare Perlage. Nur wenige Schaumbläschen; am Glasrand bleibt ein Ring wie eine Corona bei Sonnenfinsternis. Geruchlich sehr schokoladig, man könnte es für Milchkakao halten. Milde Tropfenfrucht. Sahne. Vielleicht etwas Seife. Ein minimalster Anklang von Rauch und Rotwein. Insgesamt eher dezent.

BrauKunstKeller Imperial Stout Single Barrel Aged Tequila Limited Edition Glas

Das ändert sich schnell: Ultracremig, dick und schwer ist das BrauKunstKeller Imperial Stout Single Barrel Aged Tequila im Mund. Nicht besonders rezent oder frisch, eher dumpf. Sehr süß und wuchtig. Der Tequila ist mehr ein Beiaroma als ein definierendes Element; er ist aber erkennbar. Leichte Rotweinaromen, etwas Röstung und Honig komplettieren das Bild. Holz ist geschmacklich zunächst kaum erkennbar… aber im Abgang fährt das Fass seine Urgewalt aus. Hier kommen Holzeffekte plötzlich deutlichst zum tragen. Sehr trocken und sehr adstringierend, ohne aber die starke Süße dabei aufzugeben. Sehr lang. Milchkakaoaromen bleiben am Gaumen, sehr spät springen die Röstmalze nochmal hoch und geben einen sehr würzig-aromatischen Ausklang.

Der genaue Gegenentwurf zu einem Imperial Stout wie dem Brewbaker Berliner Nacht – beides Imperial Stouts, beide jedoch am exakten Gegenpol dieses Bierstils, soweit voneinander entfernt, dass man es kaum glauben will, dass hier derselbe Bierstil vorliegt.

BrauKunstKeller Imperial Stout Single Barrel Aged Tequila Limited Edition Umhänger

Die Präsentation passt sich der aufwändigen Herstellung an. Die 0,33l-Flasche ist mit silbernem Wachs versiegelt, weist einen riesigen, aufgeklebten Holzbesatz auf, auf dem der Produkt- und Herstellernamen als Brandzeichen prangt. Dazu kommt ein hübsch designter Kartonumhänger, der ein paar Werbesprüche enthält. Das ganze wirkt schon etwas übertrieben und nicht elegant, sondern plump.

Ist es den exorbitanten Preis von 15€ wert? Da bin ich sehr zwiegespalten. Einerseits gestehe ich den kleinen Brauereien, die bei solchen Bieren enorm viel investieren und Aufwand betreiben, gern einen Preiszuschuss zu, da diskutiere ich nicht. Bei diesem Preisleistungsverhältnis allerdings fällt es mir schwer, hier nicht etwas zu grummeln anzufangen. Es gibt viele Imperial Stouts, die mir deutlich besser schmecken, die nur ein Viertel kosten. So überlasse ich es dem Genießer, sich dieses Bier zuzulegen, für einen besonderen Anlass. Freunde gereifter Bierspezialitäten? Ja, für die ist es sicherlich einen Versuch wert. Wenn sie es noch bekommen können.

Kurz und bündig – Brlo Craft Beer Porter

Ich habe es schon öfter erwähnt – der Bierstil des Porter ist einer, mit dem man mich begeistern kann. Es ist diese faszinierende Mischung aus dunklen Aromen und gleichzeitig angenehmer Frische, die man rein vom Ansehen her dem Bier nicht zutrauen würde, die mich begeistert. Das Brlo Craft Beer Porter ist dabei, wie so viele aktuellen Produkte auf dem Biermarkt, eine moderne Interpretation des alten britischen Bierstils; es wird als Baltic Porter gelabelt.

Das Berliner Bier weist 7% Alkoholgehalt auf, bleibt unfiltriert, und wird unter Einsatz von Herkules und Tettnanger als Hopfenzutaten, Pilsner Malz, Karamellmalz und Röstmalz als Malze gebraut.

Brlo Craft Beer Porter

Farbe und optischer Eindruck – sehr dunkles Braun, nicht blickdicht, weinrote Reflexe. Keine Perlage erkennbar. Nur Ansätze von cremefarbenem Schaum.

Geruch – sehr angenehm fruchtig, beerig, dazu milde Röstaromen, erkennbar säuerlich, schließlich leicht metallisch-rostig.

Geschmack – säuerlich bereits im Antrunk, ohne aber zu aggressiv zu sein. Klar und hell im Eindruck, zwar schon herb röstmalzig, aber eher zurückgenommen. Typische Kaffee- und Kakaoaromen erscheinen nur im Hintergrund. Frisch und leicht insgesamt.

Abgang  – sehr kurz, eher feinherb, im Nachklang dann doch bitter. Dennoch – ein mildes Porter, sehr leicht und frisch.

Das Brlo Craft Beer Porter ist ein Bier, das definitiv öfter seinen Weg in mein Glas finden wird, gerade als Essensbegleiter funktioniert es durch seine mildherbe Rezenz ganz hervorragend.