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Brewbaker Berliner Weisse Schankbier Titel

Kurz und bündig – Brewbaker Berliner Weisse Schankbier

Totgesagte leben länger, heißt es. Die echte Berliner Weisse war schon praktisch tot, man kannte sie eigentlich außerhalb Berlins nur noch als das Zeug, das man so hübsch mit Waldmeister- oder Himbeersirup aufgießen musste, mehr ein Gag als ein ernsthaftes Bier. Wir leben in Zeiten, in denen das Interesse an alten, authentischen Dingen wieder wächst – und dazu gehören einst beliebte Bierstile, und die Berliner Weisse ist einer davon. Aktuell wird sie wiederbelebt. Ein Beispiel dafür ist das Brewbaker Berliner Weisse Schankbier. Eingebraut wird es mit den für den Stil typischem niedrigem Alkoholgehalt (hier 2,5%) und ist darüber hinaus sogar mit einem Öko-Siegel versehen.

Brewbaker Berliner Weisse Schankbier

Komplett schaumfrei von Anfang an. Nur wenig Mousseux, die einzelnen Perlen kann man an der Oberfläche zählen. Mit aufgeschwenkter Hefe so gut wie blickdicht. Ockerfarben. Optisch seltsam und ungewohnt für ein Bier, erinnert mehr an naturtrüben Apfelsaft. Die Hefe ist als erstes präsent, wenn man am Bier riecht. Eine sehr würzige, röstige Note kommt als nächstes, danach erst eine milde Zitrusfrucht. Das Ungewohnte geht hier also direkt weiter.

Das typische der Berliner Weissen ist die Säure, und die ist vom Antrunk an direkt da. Für ein Sauerbier ist sie recht fein und mild, à la grüner Apfel,  mit nur kleinen Säurespitzen von Zitrone im Hintergrund. Kandiszucker und viel Apfel bilden das Gerüst, auf das aufgebaut wird. Der Abgang ist hefig, trocken, mittellang. Vielleicht etwas muffig im Nachhall. Über Rezenz brauchen wir uns bei einem Sauerbier nur wenig unterhalten, die Frische kommt aber noch extremer als bei anderen Bieren dieser Art allein über die Säure, nicht über die nichtvorhandene Kohlensäure.

Ich bin seit einiger Zeit, schon zu Sirupzeiten eigentlich, ein Fan dieses Bierstils, und bin persönlich sehr glücklich, dass es nun eine gewisse Auswahl an Herstellern gibt, die sich um diese sträflichst vernachlässigte Berliner Spezialität kümmern.

La Trappe Witte Trappist vs Blanche de Namur Titel

Wettbewerb der Witbier-Testsieger – La Trappe Witte Trappist vs Blanche de Namur

Witbier hatte ich zum ersten Mal getrunken, als ich in der Saarbrücker Innenstadt das belgische Restaurant „Le Templier“ besuchte. Dort gibt es eine schöne Auswahl belgischen Biers, das man zusammen mit doppelt frittierten Pommes und anderen Snacks genießen kann; unter anderem eben das bleiche Bier, das ich auf einem anderen Tisch sah und entsprechend neugierig auch bestellte.

Inzwischen kenne ich diverse Witbiersorten, und auch in der Breite der Biertrinkergesellschaft ist es angekommen, zumindest vom Angebot her – selbst deutsche Brauereien, die sich sonst so gern auf das Reinheitsgebot beziehen, stellen es her, wie zum Beispiel Köstritzer. Und Fachzeitschriften veröffentlichen Tests, in denen unterschiedliche Marken verglichen und bewertet werden, so geschehen in der Barkulturzeitschrift Mixology, und im Bierfachmagazin Meiningers Craft. Ich mache nun hier einen Metatest, habe mir also die jeweiligen Bestplatzierten aus diesen zwei Tests für einen Direktvergleich herangezogen – La Trappe Witte Trappist stellt sich dem Blanche de Namur.

La Trappe Witte Trappist vs Blanche de Namur

Beginnen wir mit dem Sieger des Tests in Meiningers CraftLa Trappe Witte Trappist. Auch Mixology fand dieses Bier gut, es landete dort im Test auf Platz 2. Es stammt aus der Koningshoeven-Brauerei der Zisterzienser-Abtei Onze Lieve Vrouw van Koningshoeven – ein schöner Name. Es wird, wie von der Vorgabe für Trappistenbiere gefordert, von trappistischen Mönchen gebraut.

Im Glas ist es blass und trüb, wie von einem Wit gewünscht. Extrem starke Schaumbildung entsteht beim Eingießen, daher dauert das etwas länger. Starke Perlage hält den Schaum auch dann noch eine Weile aufrecht.

Weichspüler. Das ist das erste, was mir beim Riechen einfällt. Blumig könnte man es auch nennen, wenn man positiver, aber nicht ganz so treffend formulieren will; es erinnert mich auch entfernt an die chlorige Käsenote beim Kronenbourg 1664. Ein leichter Anflug von Hefe.

La Trappe Witte Trappist Glas

Hm, im Mund muss ich nun schon wieder nach Begriffen suchen, die mir helfen, die deutliche Neutralität dieses Biers zu beschreiben. Da ist kaum etwas, was es zu beschreiben gibt, eine minimale Zitrusnote und leichte Würze ist das höchste, was man findet – ansonsten gibt es nur Aromenarmut, belangloses Mundgefühl, keine nennenswerte Säure oder Süße, mittlere Rezenz. 5,5% Alkohol schmeckt man ebensowenig. Wirkt sehr wässrig. „Extremely aromatic varieties of hop“ kündigt das Etikett an? Hopfen ist manchmal etwas flüchtig – hier hat er sich aber komplett verdrückt, und das, obwohl das MHD mit Mitte 2017, also noch ein Jahr vom Testzeitpunkt, eine unveränderte Frische verspricht.

Der Abgang passt sich dem an: Da ist einfach nichts, außer einer eher unangenehmen Mischung aus Bittere und pappiger Süße (Glukosesirup steht als Zutat auf dem Etikett). Ich bin am Verzweifeln – habe ich eine schlechte Flasche erwischt? Die zweite Flasche solls entscheiden. Einige Tage später wird sie geöffnet – und das Erlebnis wiederholt sich. Nein, in dieser Form brauche ich das nicht, selbst bei den recht annehmbaren 1,50€ Flaschenpreis bei 330ml.

Mal schauen, ob der zweite Kandidat des heutigen Tests, das Blanche de Namur, sich hier besser präsentieren kann. Testsieger Mixology, auch sehr gut platziert bei Meiningers Craft – also genau umgekehrte Vorzeichen. Es ist mit 4,5% Alkoholgehalt etwas leichter und weist ein ähnliches Haltbarkeitsdatum auf. Auch dieses Bier trinke ich, wie auf dem Rücketikett empfohlen, gut gekühlt aus dem Kühlschrank.

Blanche de Namur Glas

Auch hier ist die Farbe sehr typisch, blass bis hin zur Bleiche, in Kombination mit starkem, großblasigem Schaum, der nicht lange lebt und das Bier in Kürze unbedeckt lässt.

Es weist eine schöne, zitronig-luftige Nase, mit Hefeanklängen auf. Etwas Banane gibt dem ganzen eine gewisse Rundheit. Orange, als eine Komponente der witbiertypischen Zutaten, ist erkennbar.

Im Mund ist es sehr frisch und rezent, mit perfekter Säure und milder Süße, aromatisch nach Zitronen, vom Gefühl her vollmundig, dicht und feinherb. Nach dem Antrunk kommt allerdings nicht mehr viel – praktisch kein Körper, eine extrem steil abfallende Aromakurve, wow, das ist wie Achterbahnfahren. Das gipfelt dann im praktisch nicht vorhanden Abgang – bis auf den Erfrischungseffekt und eine leichte Bittere ist da kaum mehr was.

Nun ist dieser Bierstil nicht für Aromenexplosionen gedacht – es ist ein frischer, leichter, weizenlastiger Bierstil, daher muss man das in die Betrachtung natürlich mit aufnehmen. Für mich persönlich schlägt das vergleichsweise dichte Blanche de Namur das leider selbst für diesen Bierstil völlig aromalose Witte Trappist um viele Längen – beide sind aber gut gemachte Biere, die auf ihre Art zu gefallen wissen und gerade in der Sommerhitze beide perfekte Erfrischungsgetränke darstellen.

Ich habe seit einiger Zeit keine Biercocktails mehr gemacht – das ist für mich persönlich eine saisonale Geschichte. Im nun aufkommenden Sommer wird das Thema wieder aktueller; gerade leichte Drinks, in denen Bier die Hauptzutat ist, werden nun wieder häufiger in meinem Glas landen. Der White Night kann trotz des Namens sicherlich auch in der Hitze eines Sommertags punkten.

White Night


White Night
8 oz Witbier
1 oz Gin (z.B. Eifel Gin)
½ oz Maraschino-Likör (z.B. Bols)
Alle Zutaten in ein Glas mit Eis geben und leicht umrühren.
[Rezept nach craftedpours.com]


Für mich ist klar, dass ich über die heiße Jahreszeit immer mindestens eine Flasche Witbier im Kühlschrank haben werde, idealerweise von unterschiedlichen Herstellern. Leicht, frisch, unkompliziert und ideal sowohl als kühlende Erfrischung als auch als Essensbegleiter – Wit ist einfach ein toller Allrounder.

Saarbrückator Doppelbock Titel

Kurz und bündig – Saarbrückator Doppelbock

Man sieht sie öfters in den Bierregalen überall – Salvator, Celebrator, Animator.  Starkbiere unterschiedlichster Machart mit einem Namen, der immer auf dieselbe Silbe endet. Das kleine Saarland, das sich was Bier angeht in den letzten Jahrzehnten nicht mit besonders viel Innovationsruhm ausgezeichnet hat, gleicht diesen Mangel nun langsam aber sicher aus und hat inzwischen auch seinen eigenen –ator: den Saarbrückator Doppelbock. Eine Bieridee der Saarbrücker Beer Society, gebraut von der ortsansässigen Brauerei Bruch. Das Bier ruht zweieinhalb Monate im Lagertank, und wird darüber hinaus kaltgehopft.

Saarbrückator Doppelbock

Ohne viel Gewese direkt zum Eindruck. Deutlich opalisierend, fast schon trüb, bei einer kräftigen Bernsteinfarbe, die fast schon ins bräunliche übergeht.Starke Perlage. Schaum ist nach dem Eingießen vorhanden, baut sich aber trotz des Mousseux schnell ab. Ich rieche einiges an Frucht, Honigmelone, Feige, vielleicht etwas Stachelbeere. Eine sehr präsente Hefenote überlagert das etwas. Insgesamt ansprechend.

Wirklich sehr cremig im Mundgefühl, dabei auch süß im Antrunk. Voluminös. Interessant ist, dass die starke Karbonisierung sowohl zur Frische als auch zu diesem Volumen beiträgt – man hat wirklich ordentlich was im Mund bei einem Schluck. Das gefällt mir sehr, und dieses tolle Mundgefühl hilft mir, über die etwas gedämpften Aromen hinwegzusehen. Ein sehr ausgewogenes Süße-Säure-Verhältnis trägt weiterhin dazu bei. Ebenso, dass die 9% Alkoholgehalt, passend für einen Doppelbock, sehr sauber eingebunden sind. Der Abgang ist mittellang, hefig, leicht bitter, etwas adstringierend.

Ja, das kann man sehr schön trinken, das läuft runter wie Butter. Ein sehr gelungenes Bier, und das sage ich nicht nur aus Lokalpatriotismus – von so etwas in dieser Art würde ich gern mehr sehen; bis dahin habe ich mir neulich bei einem Tasting, in dem der Saarbrückator auch gefeatured wurde, nochmal 2 Fläschchen davon mitgeholt. Mir gefällt dabei besonders, dass die relativ junge Saarbrücker Beer Society so viel Schwung in die Saarländische Bierwelt bringt. Eine tolle Sache.

Maisel & Friends Hopfenreiter 2018 Titel

Kurz und bündig – Maisel & Friends Hopfenreiter 2018 Double IPA

Da ist er, der dritte Freundschafts-Sud, organisiert von der Brauerei Maisel & Friends – das Hopfenreiter 2018 Double IPA. „Miteinander statt gegeneinander!“ ist das Motto, unter dem sich einige Brauer zusammentun, seltene Zutaten teilen und dadurch ein Bier kreieren, das nur einmal so produziert wird. Superfreunde, Mikkeller, Duvel, Bevog und Frau Gruber, durchaus gewichtige Namen im Craftbierbusiness also, haben dafür ihre Hopfenlager geplündert.

Maisel & Friends Hopfenreiter 2018

Man sieht auf dem Bild den dicken, cremigen und dabei noch sehr feinen Schaum; starke Perlage befeuert ihn. Die kräftige, goldene Farbe entsteht auf dem Hintergrund einer leichten Opalisierung. Spannend, dieser Geruch – Grapefruit, Erdbeermarmelade, etwas Soja, Hefe, Brot. Durchaus ungewöhnlich, aber in dieser Beziehung nicht überhand nehmend, sondern nah an der Erwartung eines DIPA bleibend.

Extrem cremig im Mundgefühl, der Antrunk ist süß und mild, und mildfruchtig – Nektarine, Kirsche.Etwas Wintergrün und Fruchtkaugummi. Eine kräuterige Note ist da, vielleicht Thymian und Basilikum.  Die DIPA-Bittere kommt langsam aber gewaltig im Verlauf. Insgesamt frisch und rezent, mindestens zum Teil durch hohe Karbonisierung, sowie gute Säure. Dabei behält das Bier sich aber einen starken, dichten, vollen Körper mit echtem Wumms bei 8,5% Alkoholgehalt. Der Abgang ist sehr trocken, bitter, erneut Wintergrün. Sehr adstringent, fast schon anästhetisch, der Hopfenreiter bleibt sehr lange am Gaumen und belegt dabei die Zunge. Calypso, Citra, Styrian Golding, Styrian Fox, Enigma und Mandarina Bavaria, da ist Hopfen ohne Ende drin.

Das Etikett ist, soweit ich das übersehen kann, dasselbe wie das des damals schon von mir sehr gut aufgenommenen Hopfenreiters 2017. Es scheint sich eine gute Reihe herauszubilden! DIPA ist, zugegebenermaßen, nicht so ganz mein Stil, doch hin und wieder trinke ich so extreme Bier auch gern. Diese Ausprägung ist jedenfalls wuchtig und sehr charakterstark, ein wahres Experimentalbier, das ungewöhnlich hergestellt wird. Es macht einfach einen riesen Spaß, so etwas zu verfolgen.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die Zusendung einer Flasche des Hopfenreiters 2018.

Maisel & Friends Juicy IPA Titel

Kurz und bündig – Maisel & Friends Juicy IPA

Viele unerfahrene Biertrinker denken, dass wenn wir Freunde des modernen Gerstensafts über Fruchtaromen im Bier reden, diese künstlich zugesetzt werden, oder dass es sich um Mischgetränke à la Mixery handelt. Entsprechend ablehnend stehen sie einem Ale gegenüber. Dass Hopfen viel kann, wenn er gut eingesetzt wird, auf jeden Fall mehr als nur Bittere ins Pils zu bringen, muss man oft erst mühsam erläutern.

Ich kann mir gut vorstellen, dass das Maisel & Friends Juicy IPA bei konservativen Genießern genau so problematisch ankommen könnte – wenn es schon als „Trobeerical Bomb“ angepriesen wird, entstehen beim Unwissenden vielleicht falsche Assoziationen. Schauen wir mal, ob man das Bier in einer Eckkneipe auf den Stammtisch stellen könnte.

Maisel & Friends Juicy IPA

Zur äußeren Erscheinung: Opalisierend, leicht blasses Gelbgold. Knisternder Schaum beim Eingießen, mittel- bis großblasig. Sehr starke Perlage. Juicy – ja, das unterschreibe ich direkt, wenn ich den Riechkolben ans Glas halte. Extrem fruchtig in der Nase, Himbeeren, Stachelbeeren, Aprikosen, Apfel; toll. Kombiniert mit der leichten Malzwürze im Untergrund ist das ein spektakuläres Bouquet.

Das aletypische cremig-weiche Mundgefühl ist immer wieder eine Freude, im Antrunk ist das Juicy IPA auch sehr fruchtig. 50 IBU schlagen dann schnell zu, die Bittere übernimmt. Geschmacklich sieht es eher mau aus – da ist nicht viel von der extrem tollen Nase übrig geblieben, etwas Zitrone vielleicht. Eine seltsame, leichte Adstringenz betäubt die Zunge. Trotz der 7,2% Alkoholgehalt wirkt das Bier seltsam schwachbrüstig und körperarm. Eine etwas schwierige Mischung aus Säure und kantiger Bittere entsteht schließlich im Abgang, die einem den Speichel in den Mund zieht. Unabhängig davon macht es dann hier seinem Namen Ehre – mittellang, edelhopfig und fruchtig im Nachhall.

Normalerweise bin ich ein echter Fan der Maisel & Friends-Biere – das Juicy IPA trifft als allererstes Bier dieser Marke meinen Geschmack nicht so richtig, es wirkt für mich persönlich irgendwie holprig, die Diskrepanz zwischen Fruchtnase und Geschmacksschwächen ist zu groß.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kostenlose Zusendung einer Flasche des Juicy IPA.

Aecht Schlenkerla Rauchbier Titel

Kurz und bündig – Aecht Schlenkerla Rauchbier

Seit ich von einem Besuch ein großes Stück Rauchfleisch mit nach Hause gebracht habe, riecht mein ganzer Kühlschrank, und selbst die nähere Umgebung um den Kühlschrank herum, nach diesem sehr prägnanten und ausdrucksstarken Aroma. Schneidet man sich ein Stück davon ab, kriegt man den Duft kaum mehr von den Fingern. Nicht jeder mag das – solange es auf deftiges Fleisch beschränkt ist, kommen viele noch damit klar, die spätestens dann aber aussteigen, wenn dieser Geruch dann in einem Getränk auftritt. Rauchig-speckiges Bier, wie das Aecht Schlenkerla Rauchbier, da scheiden sich die Geister wie bei sonst kaum einer anderen Biersorte.

Aecht Schlenkerla Rauchbier Märzen

Farblich altbierbraun, mit roten Reflexen. Schaumlich superfein, vielleicht mit der feinste Schaum, den ich bei Bier kenne, aber schwach moussierend, dennoch extremst ausdauernd vorhanden. Rauchbier kann schon mal etwas abschreckend sein, was die Nase angeht; das Aecht Schlenkerla ist diesbezüglich ungefährlich. Zitronig, Grapefruit, nur mild rauchig, etwas speckig. Erinnert mich etwas an ein Radler.

Der Unterschied zum Radler wird aber schnell sehr deutlich. Malzig-süß im Mund, dann doch sehr rauchig. Es erinnert mich an meine Kindheit, als mein Vater Holundersaft eingekocht hatte, und dafür einen alten Kachelofen mit Holz angeheizt hatte. Dafür aber kaum etwas von dem errochenen Speck, der mich beispielsweise am Störtebeker Whisky-Bier so abgestoßen hatte. Leichte Fruchtnoten nach Zitrone. Sehr rezent und erfrischend. Erkennbar ein Märzen, der Rauch ist sekundär. In dieser Form ist Rauchbier sehr angenehm und gut trinkbar – man muss sich aber dennoch natürlich mit dem Rauchgeschmack erstmal anfreunden. Das zweite Glas, die zweite Flasche schmeckt dann schon deutlich besser. Bei 5,1% Alkoholgehalt kann man auch mal zwei am Stück trinken, wenn einen die Lust gepackt hat.

Im Abgang ist das Aecht Schlenkerla sehr trocken, knackig bitter, hier kommt schließlich der Speck etwas stärker durch, aber immer noch eher hintergründig und nicht unangenehm. Der Rauch liegt dezent noch eine Weile auf Gaumen und Zunge, wenn das Bier schon weg ist. Trotzdem ein eher kurzer Abgang.

Rauchbier ist auch für mich kein alltäglicher Gast im Bierschrank. Hin und wieder ist das aber schon ein Genuss, den ich mir gern gönne.

Stone Brewing IPA Titel

Kurz und bündig – Stone Brewing IPA

Nach meiner neulichen, etwas gemischten Erfahrung mit dem Ratsherrn Coast Guard Westküsten IPA wollte ich den Bierstil des „West Coast Style IPA“ etwas weiter erkunden. Heutzutage hat man ja kaum Probleme mehr, an die unterschiedlichsten, früher völlig obskuren Biere heranzukommen – sie werden teilweise auch schon in Deutschland gebraut, so wie das schonmal knackig kurz benamte Stone IPA, das der Hersteller selbst mit dem großen Wort „ikonisch“ beschreibt. Stone Brewing hat ein großes Mundwerk, das weiß man inzwischen, ich will mal hinter die Attitüde schauen.

Stone Brewing IPA

Im Glas ist das Stone IPA direkt sehr IPA-typisch mit schöner, kräftiger, goldener Farbe. Trüb. Leichte, aber erkennbare Perlage. Wenig Schaum, dieser ist aber feinperlig. Auch der Geruch überrascht nicht mit unerwartetem: Stark hopfig, viel Grapefruit, Ananas, Kiwi und Banane. Markig und kantig, dabei hat es aber auch eine gewisse Süße.

„West Coast- Simple, straight forward malt profile. Malt flavor should be subtle. Hops flavor dominates the palate. Finish should be very dry. Very one dimensional.“

So die Definition eines Benutzers der Beeradvocate-Community für den Geschmack eines WCIPA. Persönlich finde ich das hier wirklich wieder. Sehr bitter, aber nur noch ansatzweise fruchtig. Herb und eckig, mit einem leichten Fehlgeschmack nach Weichspüler, der im Abgang immer stärker wird und doch etwas störend ist. 6,9% Alkoholgehalt sind eine ordentliche Basis.

Zum Design der 330ml-Dose: wie gewohnt ist es sehr einprägsam, mit vielen Hopfenranken und -dolden als Verzierung, sowie dem bierkrugstemmenden Dämon als Markenzeichen. Man liest beiläufig den Satz: „Dieses Bier wurde nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut, aber wir glauben nicht an diese Einschränkung.“ Klare Ansage! Wirkt aber für mich etwas albern und inkonsequent. Warum das RHG überhaupt erwähnen, wenn es einem so zuwider ist?

Das Stone IPA ist nach Arrogant Bastard Ale und Ruination Double IPA das dritte Stone-Bier, das ich auf meinem Blog verkoste – die Palette wird dauernd ausgebaut, und da mir die Biere dieses Herstellers recht munden, wird noch über das eine oder andere hier zu lesen sein in Zukunft.

Ratsherrn Coast Guard Westküsten IPA Titel

Kurz und bündig – Ratsherrn Coast Guard Westküsten IPA

West Coast IPA – ein Stil, der das eh schon bittere IPA auf die Spitze treibt. Erfunden ursprünglich in den USA, ist er nun auch in Deutschland angekommen. Diverse Brauer bieten ihn an, in mehr oder weniger ausgeprägter Weise; inzwischen findet man selbst in Supermärkten als häufigen Vertreter das Hamburger Ratsherrn Coast Guard Westküsten IPA, mit seiner flippigen Gestaltung zumindest schonmal ein Augenfang.

Farblich ein gefallendes Pariser Rot, mit schönen orangenen Reflexen, anständige Perlage, feiner hellcremefarbener Schaum. Naturtrüb. Geruchlich leicht fruchtig nach Apfel und Bitterorange, aber eher im Hintergrund, denn vieles wird überlagert von einer kräftigen Sojasaucen-Würze und leichter Malzigkeit. Ein minimalster Fehlton ist erschnupperbar.

Ratsherrn Coast Guard Westküsten IPA

Die 60 IBU schlagen im Mund dann aber gnadenlos zu. Die Definition des WCIPA passt für mich – nur leichte Fruchtaromen, Grapefruit und Orange, dafür kantige, eckige Bittere; tatsächlich für mich schon recht grenzwertig, da sie durch kaum etwas eingebremst oder ausgeglichen wird. Reminiszenzen an ein hochgehopftes norddeutsches Pils, bei 6,3% Alkoholgehalt aber ein stärkeres. Ein weiches Mundgefühl erinnert wenigstens noch daran, dass wir hier ein Ale vor uns haben. Keinerlei Tiefe oder Breite, dafür sehr rezent und erfrischend. Als Hopfensorten sind auf dem Etikett Herkules, Magnum, W. Goldings, Simcoe und Amarillo angegeben; Wiener, Biscuit und Karamellmalz dienen als Malze.

Im Abgang schlägt die Bitterkeit sogar noch eins drauf und zieht einem die Geschmacksorgane zusammen. Insgesamt eher kurz, die Bittereffekte bleiben mit etwas Grapefruiterinnerung aber noch eine Weile im Mund.

Das Ratsherrn Westküsten IPA wirkt für mich recht konsequent in der Ausführung des WCIPA-Stils, dafür mag es manchem schon zu extrem wirken und ihn verschrecken. Ideal finde ich es als Essensbegleiter – für die hausgemachten Gorgonzala Cheese Maccaroni war das Coast Guard jedenfalls ein ebenbürtiger Gegenspieler, was man nicht von jedem Bier hätte sagen können.

After-Work-Tasting - Bier und Tapas - Titel

After-Work-Tasting: Bier & Tapas in der Saarbrücker Beer Society

Man merkt es schon von außen – es ist ein kleiner, schnuckeliger Laden, den sich die Inhaber der Saarbrücker Beer Society da in kurzer Zeit aufgebaut haben. Direkt an einer belebten Stelle der zentralen Mainzer Straße in Saarbrücken gelegen ist der eine oder andere Saarländer bestimmt schon daran vorbeigelaufen. Man sieht, wenn man ihn einfach mal betritt, dass nicht die Gefahr besteht, sich zu verlaufen oder dass die Atmosphäre zu kühl wird – man sitzt bei den Tastings inmitten von Bieren, gemütlich in kleiner Runde. 7 Teilnehmer, plus die zwei ausgebildeten Biersommeliere Katharina und Martin Rolshausen, die durch den Abend führten, das war eine ideale Gruppengröße für das After-Work-Tasting, das diesmal unter dem Motto Bier &Tapas stattfand.

After-Work-Tasting - Bier und Tapas - Saarbrücker Beer Society

Aller Anfang ist leicht – mit einem milden Bier beginnt der Abend. Ich hatte bereits vor einiger Zeit das Kona Brewing Big Wave Golden Ale rezensiert, und während mir das Bier etwas zu flach ist, stellte sich heraus, dass für manche der Teilnehmer hier bereits das Lieblingsbier des Abends vorgestellt wurde. Aromatisch nur ein kleiner Schritt ist es von Hawaii nach Schwaben, von wo das Frau Gruber Modern Times Postmodernes Kellerbier stammt. Unterhaltsam, wie sich hier eine Diskussion um die Dose als Behältnis für Bier entwickelte, und die unterschiedlichen Aufbewahrungsarten von Bier und die Effekte von Licht auf den Geschmack. Die laut Veranstaltern zweitbeste Lagerart für Bier, eine braune Flasche, beinhaltete das dritte Bier des Abends. Das Barcelona Beer Pale Ale stammt aus der entsprechenden Stadt, und für mich, der mit spanischen Bieren bisher nur wenig gute Erfahrungen gemacht hatte, um so überraschender, denn es war mein persönliches Highlight des Tages – ein wirklich schönes Bier mit hoher Drinkability und ansprechender Komplexität.

After-Work-Tasting - Bier und Tapas 1 - Kona Big WaveAfter-Work-Tasting - Bier und Tapas 2 - Frau Gruber Modern TimesAfter-Work-Tasting - Bier und Tapas 3 - Barcelona

Natürlich darf man über all das Bier die zweite wichtige Komponente des Abends nicht vergessen – die üppig gereichten Tapas ergänzten die Bieraromen wunderbar. Salami, Schinken, Oliven, Käse, Fleischbällchen in pikanter Soße, gefüllte Weinblätter und Peperoni, und eine Spinatquiche sorgten für eine gute Unterlage über den ganzen Verlauf der Verkostung. Mir liegt derartiges Fingerfood – besonders die mit Bacon umwickelten Aprikosen mundeten mir ganz hervorragend.

After-Work-Tasting - Bier und Tapas - Tapas

Die zweite Halbzeit beginnt mit einem italienischen Bier – das Baladin Nora wird von einem Brauer aus einer Winzerfamilie hergestellt, und während sich dem Reinheitsgebotsfanatiker die Haare ob der Zutatenliste sträuben mögen (Dattelsirup, Myrrhe, Orangenschale, Ingwer, Gentiana), so entzückt ist der Freund ungewöhnlicher, süßlicher Biere mit leichtem Kräutertouch. Mir gefällt es, und wer es noch außergewöhnlicher will, sollte sich vielleicht das französische Salbeibier aus der grenznahen Region anschauen – das Saint-Nabor 1916 Ambrée à la sauge ist sehr faszinierend, polarisierte die Verkostergruppe aber doch sehr stark. Für mich immer ein gutes Zeichen. Selbst das dritte Bier dieses wirklich spannenden Flights hat Potenzial, den Pilstrinker zu verwirren, denn beim Rügener Insel-Brauerei Strandgut werden im Sud zerhackte Whisky-Fässer eingesetzt, um Holzaromen ins Bier zu transportieren.

After-Work-Tasting - Bier und Tapas 4 - Baladin NoraAfter-Work-Tasting - Bier und Tapas 5 - Saint-Nabor 1916 Ambrée à la saugeAfter-Work-Tasting - Bier und Tapas 6 - Insel-Brauerei Rügen Strandgut

Die 2 Stunden vergingen wie im Flug, eine spaßige Runde mit vielen sympathischen Typen am Tisch, bei der viel gelacht wurde und interessante Gespräche entstanden. Ich bin mir sicher, dass ich weitere Veranstaltungen der Saarbrücker Beer Society besuchen werde, und lege das auch jedem Bierfreund ans Herz. Vom Kaumbiertrinker über den urpilsgestählten Craftbieranfänger bis hin zum verwöhnten Gerstensaftprofi, da findet jeder noch etwas Spannendes, Lustiges und Lehrreiches. Ein Laden, der Saarbrücken wirklich gefehlt hat.

Drei fassgereifte Biere Titel

Aus dem Fass in die Flasche – Welde Bourbon Barrel Bock, Kehrwieder Maria Port Barrel Aged und Duchesse de Bourgogne

Jahrelang war es überhaupt kein Diskussionsthema: Fassreifung bei Bier. Man sprach über die Fasslagerung von Spirituosen, insbesondere Whisky und Rum – unterschiedliche Fassgrößen, verschiedene Hölzer, Behandlung der Fässer vor der Reifung, nasse und trockene Fässer, Länge der Reifung, Finishes mit Spezialhölzern, in welchem Klima, an welchem Platz im Lagerhaus… die Themenbereiche scheinen unbegrenzt. Im Zuge der Erweckung des deutschen Biertrinkers aus seinem RHG-Dornröschenschlaf, in den uns die Bierindustrie über Jahrzehnte sanft gesungen hatte, durch die Craftbierwelle findet diese Diskussion nun auch wieder für Bier statt.

Drei Biere, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, habe ich mir ausgesucht, um die Effekte, die eine Fasslagerung auf Bier hat, zu beleuchten. Da haben wir ein untergäriges Bockbier, das in drei Ex-Spirituosenfässern (Bourbon, Tequila & Rum) ruhen durfte; ein obergäriges Ale, gereift in einem Ex-Port-Fass; und zu guter letzt ein belgisches Sauerbier, für das das Eichenfass nur eine Zwischenstation hin zur Flaschenreifung war. Namentlich sehen wir in diesem Artikel damit das Welde Bourbon Barrel Bock, das Kehrwieder Maria Port Barrel Aged und das Duchesse de Bourgogne. Drei Biere, drei Fassreifungsmethoden, drei Stile – mal schauen, wie sich das Holz so schlägt.

Drei fassgereifte Biere Flaschen

Wir steigen in die frohe Runde ein mit dem Welde Bourbon Barrel Bock. Die Besonderheit hier ist, dass es sich um ein Cuvée handelt – das Bier wurde in Bourbon-, Rum- und Tequila-Fässer eingelagert und nach der Reifedauer von 3 Monaten miteinander wieder vermählt. Man könnte also davon ausgehen, einen bunten Reigen an Fasseffekten und -aromen vorzufinden, oder?

Die Farbe, hennarot, könnte zumindesst teilweise schonmal aus dem Fass kommen können. Eine erkennbare feinblasige Perlage kann den von Beginn an dünnen Schaum nur schwer aufrechterhalten, jener ist entsprechend bald komplett weg. Dennoch: Strahlend und sehr hübsch anzusehen.

Welde Bourbon Barrel Bock Glas

Geruchlich gewinnt deutlichst der vom Bourbonfass, schon 30cm entfernt vom Glas riecht die Nase das. Vanille, Eichennoten, Karamell. Geht man näher ran, kommt eine säuerliche Note mit würzigen Untertönen zum Vorschein. Mildmalzig, leicht metallisch.

Trotz der attraktiven Cremigkeit im Antrunk ist das Bier frisch und rezent, zitronig. Feinsüß, aber nicht vordergründig. Bourbonnoten tauchen erst auf, wenn man das Bier mit höherer Temperatur als den empfohlenen 12° trinkt; aber sonst finde ich leider praktisch keine Noten von irgendwas anderem im Geschmack. Ein leicht buttriges Aroma vielleicht. Auch der Abgang überrascht – sehr kurz, sehr trocken, ansonst praktisch nichtexistent. Wow, das könnte ein neuer Rekord in Abgangskürze bei Bier für mich sein. Vanille hängt bei höherer Trinktemperatur etwas nach, aber nur ahnungsweise. Die Zahlen und Fakten: 6,6% Alkoholgehalt, schließlich haben wir ein Bockbier vor uns, Green-Bullet-Hopfen wurde eingesetzt, 28 IBU erreicht die Bittere.

Ich bin bass erstaunt ob der aromatischen Ärme dieses Biers – das Fass hat ganze Arbeit geleistet und dem Neutralbier wenigstens Bourbon-Geschmack verliehen, das allerdings nicht zu knapp. Ich hoffe sehr auf Besserung bei dem zweiten Kandidaten in dieser Runde, dem Maria Port Barrel Aged von der Kehrwieder Kreativbrauerei.

Kehrwieder Kreativbrauerei Maria Port Barrel Aged

Bei Spirituosen werden Portweinfässer gern genutzt, oft nicht ganz geleert, um die starke Restsüße der Überbleibsel zur Aromatisierung der neuen Belegschaft zu verwenden (da kann viel Schmu getrieben werden, nur soviel dazu). Mal schauen, ob man den Port hier wiederfindet. Farblich jedenfalls ist die Assoziation da – ein schweres Braun. Schönes Mousseux, praktisch kein Schaum. In der Nase entdecke ich erstmal Eisen, eine leicht käsige Note (neutral und ohne Wertung!), sonst nicht wirklich viel. Geruchlich haut es mich wirklich nicht um, da ist kaum etwas, was mich anspricht.

Auch im Antrunk meine ich, diese milde Käsenote zu schmecken; das ist nicht so unangenehm, wie es sich anhört. Schnell wird die milde Süße des initialen Geschmacks durch eine zischende Säure ersetzt, die Rezenz ist sehr hoch, das Bier fühlt sich sehr frisch an. Nun kommt das Portweinfass zum Tragen – viel Frucht und Weincharakter drängen sich nach vorn. Soweit, dass man das schon fast, wenn man die tolle Rezenz miteinbezieht, mit einem Weinschorle vergleichen könnte. Man hat den Eindruck eines extrem helltönigen Biers, die tieferen Bassnoten fehlen. 7,5% Alkohol zeigen die Dubbel-Basis.

Im Abgang entdeckt man dann die Trockenheit, die Sprudeligkeit und die helle Frische eines Brut-Schaumweins. Etwas dunkle Frucht klingt noch nach. Nun, das ist schon interessant – das ist ein sehr klares, sauberes Bier, mit milden Fruchtnoten, die vielleicht wirklich aus dem Port-Fass stammen könnten. Spannend, weil unerwartet. Herrlich erfrischend und dabei durchaus befriedigend für mich; für Leute, die auf Biergeschmack aus sind, wahrscheinlich verwirrend.

Beenden wir die Runde mit einem Ausflug nach Belgien. Ich gebe zu, ich bin ein großer Freund der belgischen Bierkultur, und darüber hinaus auch noch von Sauerbieren. Das Duchesse de Bourgogne ist in Kennerkreisen durchaus ein Kandidat als Referenz für diese Art von Bier geläufig. Merkt man ihm auch noch die Fassreifung an? Immerhin konnte es vor der endgültigen Flaschenreifung doch eine angemessene Zeit in Eichenfässern zwischenlagern.

Duchesse de Bourgogne

Farblich tiefbraun mit blutroten Reflexen, doch das haben viele belgische Dubbel und Tripel, das muss nichts mit dem Fass zu tun haben. Leichte Perlage, nur wenig Schaum. Nach dem Ziehen des Kronkorkens dachte ich zuerst – das Bier ist schlecht geworden, das riecht ja schlimm nach Essig. Schnuppert man ein bisschen länger dran, entdeckt man darüberhinaus noch Noten von grünem Apfel, Verjus, Sekt und Weißwein. Letztlich alles nur begrenzt an Bier erinnernd, das gebe ich zu; Sauerbier ist nicht wirklich was für jeden.

Tatsächlich schlägt sich das Duchesse de Bourgogne im Geschmack dann auch in einer Liga mit den schon kräftig sauren Rügener Insel-Brauerei-Bieren Meerjungfrau und Seepferd, meinen Lieblingssauerbieren; Limettensäure, Essig und Champagner sind Eindrücke. Da ist aber auch eine ordentliche Süße im Bier, die so einiges abfedert, und im Verlauf der Verkostung stärker und stärker wird; der ansonsten schmale Körper wird durch die Süße erkennbar verbreitert. Während der Antrunk also knackig sauer ist, beginnt der Abgang eher wie ein typisches belgisches Dubbel mit kandiszuckriger, weicher Milde. Insgesamt ist der Abgang eher kurz, mit einem Anflug von Bittere, Zitrusaromen hängen noch nach. 6,2% Alkohol spürt man durch die hohe Rezenz kaum.

Ein leichtes, frisches Bier. Sehr rezent durch die extreme Säure und eine ordentliche Karbonisierung. Aromatisch bleibt es zurückhaltend, echten Fasscharakter nimmt man kaum wahr. Sehr angenehm zu trinken, ein wirklich schönes Sauerbier, das den Insel-Bieren den ersten Platz in meiner Rangliste dieses Bierstils abläuft.

Als Fazit bleibt mir nur noch, darauf hinzuweisen, dass es bei Fassreifung nicht immer nur darum gehen muss, dem Produkt weitere Nuancen und Aromen hinzuzufügen. Manchmal dient die Zeit im Fass einfach auch nur dazu, das Gesamtgeschmacksbild abzurunden, zu vereinheitlichen, dem Bier Zeit zu geben, sich zu setzen. Alle drei hier vorgestellten Biere profitieren in der einen oder anderen Form vom Holz – und ich freue mich sehr darauf, in Zukunft weiter in diese heutzutage leider etwas in den Hintergrund geratene Methode der Bierherstellung einzutauchen.