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Maisel & Friends Choco Porter Titel

Kurz und bündig – Maisel & Friends Choco Porter

Ich habe seit einiger Zeit dunkles Bier als Durstlöscher im Biergarten für mich entdeckt – so ein dunkles Hefeweizen beispielsweise möchte ich nicht mehr missen, und immer mehr Lokalitäten bieten entsprechendes auch an. Für manche Konsumenten gelten dunkle Biere aber noch grundsätzlich als süß, schwer und eher ein Weihnachtsgetränk denn etwas für den heißen Sommer – das Maisel & Friends Choco Porter kommt genau passend zu einem Zeitpunkt auf den breiten Markt, um dieses Vorurteil zu wiederlegen.

Maisel & Friends Choco Porter

Farblich ähnelt das Choco Porter der Flasche, in der es enthalten ist – tiefdunkelbraun, nicht ganz blickdicht, mit rostroten Reflexen. Mittlere Perlage, leicht beigefarbener Schaum ohne lange Lebensdauer.

Der Geruch ist deutlich rauchig, vielleicht sogar ein Hauch von Räucherspeck. Sehr getreidig-malzig und würzig, mit Brotkrustennoten. Etwas stallig. Geschmacklich erinnert das Choco Porter mich durchaus auch etwas an ein dezentes Rauchbier, eigentlich sogar mehr als an ein typisch britisches Porter. Sehr malzig, gemahlener Kaffee, verbranntes Grillfleisch, kaum etwas, das an die namensgebenden Schokolade erinnert. Milde Süße kombiniert mit ansprechender Rezenz und leichtem Körper – gut gekühlt angenehm erfrischend. 6,5% sind ohne Mangel eingebunden.

Der Abgang ist sehr kurz, dann doch nussig-bitterer als erwartet dank 22 IBU, ansonst aber etwas undefiniert – ein leichter Rauchnachhall bleibt, schafft es aber nicht, über den schon fast enttäuschenden Minimalismus dieses Abgangs wegzuhelfen. Dennoch: Wie bei praktisch allen Bieren von Maisel & Friends bekommt man hier ein sehr rundes, ausgewogenes und unterhaltsames Bier, das in meinem Kühlschrank als Basisbier zur Hilfe bei dunklen Gelüsten immer einen Platz finden wird.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kostenlose, unaufgeforderte Zusendung von drei Flaschen des Choco Porter.

Brauerei Kraus Hausbräu Titel

Jeder Topf hat seinen Deckel – Brauerei Kraus Hausbräu

Wir Biergenießer befassen uns lang und breit mit Bier, in all seinen Aspekten. Wir diskutieren verschiedene Bierstile, jammern über das Reinheitsgebot oder zelebrieren es, arbeiten uns ab am Begriff „Craft“, denken über Konzernstrukturen und Fernsehwerbung nach und diskutieren Sude, Hopfen, Malze und Fermentierungsdauern. Kurz – der Inhalt der Flasche ist das, was für uns zählt.

Es gibt aber einen Aspekt, den ich zumindest beim Biergenuss bisher völlig außen vor gelassen hatte – und das ist der Kronkorken, der auf der Flasche sitzt und dafür sorgt, dass wir kein abgestandenes Bier trinken müssen. Für gewisse Jäger und Sammler ist der Kronkorken über diesen rein funktionalen Zweck hinaus spannend – er ist ein begehrtes Sammelobjekt. Im Kronkorkenforum treffen sich die Freunde des geformten Flaschendeckels – eine eigene Datenbank, der Bottle Cap Index, dient als Referenz für bisherige Funde, in der sowohl breiterhältliches Massenmaterial als auch seltene Raritäten gepflegt werden: über 1 Million Kronkorken aus aller Welt kann man dort suchen und im Foto bewundern, natürlich neben Bier auch von Softdrinks und allem anderen, was so mit Kronkorken verschlossen wird.Die Kronenkorkensammelszene trifft sich jedes Jahr. Der Ort des Treffens ist der Brauerei-Gasthof Kraus, der auch zu Ehren dieses Treffens eine Sonderbekronkorkung seines gesamten Biers durchführt – mit eigens dafür gestaltetem Kronkorken. Persönlich gehöre ich nicht zu dieser Gemeinschaft und war bei keinem dieser Treffen, allerdings habe ich einen Bekannten dort, und er hat mich freundlicherweise mit ein paar Flaschen des dort gebrauten Biers versorgt: das Brauerei Kraus Hausbräu, Hirschen-Trunk und Weißbier hefetrüb. Wollen wir mal schauen, ob die Sammler bei ihrer Jagd nach seltenem Blech ihren Durst auch mit vernünftigem Bier stillen.

Brauerei Kraus Hausbräu 3 Sorten

Begonnen wird hier nun mit dem Hausbräu. Aufgrund der Empfehlung des Spenders habe ich das Bier in ein Pint-Glas eingegossen und daraus getrunken. In diesem Glas wirkt das Bier hell und kristallklar, die sehr starke und ausdauernde Perlage ist schön sichtbar. Nur einzelne Schaumbläschen bleiben allerdings auf der Oberfläche hängen.

Vom Geruch her gefällt mir das Hausbräu schonmal gut – sehr aromatisch, stark hopfig, milde Malzwürze. Sehr typisch (in einer Zeit, in der ich fast ausschließlich moderne Interpretationen von Bieren trinke, die mit Aromahopfen protzen, sind klassische Aromen ja immer eine Erwähnung wert) und attraktiv. Leichte Hefenoten. Frisch und hell.

Brauerei Kraus Hausbräu Flasche und Glas

Im Antrunk enttäuscht das Bier auch nicht – sehr rezent, knackig und hopfig. Etwas metallisch. Sehr körpervoll im Mundgefühl. Bei 4,7% Alkoholgehalt bewegen wir uns im sortentypischen Rahmen. Der Abgang passt sich in das runde Gesamtbild ein. Mildbitter, mittellang und leicht trocken. Mit einem milden Eisenton klingt das Bier aus. Ich verfalle nicht in Begeisterungsstürme, aber das ist dennoch ein solides, bodenständiges Bier für den Alltag – und, gut gekühlt, ein ideales Bürobier fürs „Bier um Vier“ (für die unter uns, die glücklich genug sind, entsprechende Möglichkeiten zu haben).

Franken, insbesondere Bamberg, hat sich um einen ganz besonderen Bierstil verdient gemacht, indem es ihn sozusagen in einer Kulturtasche am Leben erhalten hat: Rauchbier. Das bekannteste und in Restdeutschland verbreitetste Rauchbier ist wahrscheinlich das Aecht Schlenkerla. Der Hirschen-Trunk ist auch ein solches Rauchbier. Bei dieser Art Bier habe ich sowohl extrem gute als auch extrem schlechte Erfahrungen gemacht, der Bierstil polarisiert bei mir immer stark – in welche Kategorie fällt der Hirschen-Trunk?

Brauerei Kraus Hausbräu Hirschen-Trunk

Optik: Kristallklar und kupferfarben. Starke Perlage. Feiner Schaum, dünne Schaumkrone bleibt. Man ahnt schon am Aussehen, dass hier ein etwas deftigeres Bier auf einen wartet. Das wird dann auch direkt durch den Geruch bestätigt – deutlich speckig, leicht metallisch. Malzaromen. Das Räuchermalz dominiert sehr stark.

Im Mund ist der Hirschen-Trunk erwartungsgemäß rauchig, speckig (aber nicht so stark wie im Geruch), metallisch. Eine überraschend extrem hohe Karbonisierung ist vorhanden, dadurch wird das Bier aber nicht unbedingt übermäßig rezent. Auf jeden Fall ist es aber sehr bitter und dunkelwürzig, fast schon etwas salzig. Ich nehme durch die Röstung keine wirklichen Hopfenaromen wahr. 5,5% Alkoholgehalt ebensowenig.

Auch im mittellangen Abgang bleibt das Bier sehr bitter und ebenso trocken. Der leicht rauchige Nachhall sorgt dafür, dass für mich dieses Rauchbier insgesamt einen sehr positiven Eindruck hinterlässt.

Zu guter letzt kommen wir dann zum urbayrischen Bierstil, dem Weißbier. Das Weißbier hefetrüb der Brauerei Kraus wird traditionell mittels Flaschengärung hergestellt. Schönes, kräftiges Gold, opalisierend, schimmert im Glas – unfiltrierte Biere gefallen mir einfach besser als die geklärten Strahlemänner. Mittlere Perlage. Die sortentypische Schaumkrone ist auf meinem Foto leider schon etwas in sich zusammengefallen. Ebenso typisch wie der optische Eindruck ist der Geruch. Banane, Nelke. Muskatnuss. Leicht hefig.

Brauerei Kraus Hausbräu Weißbier

Das Kraus Weißbier ist süß im Antrunk, sehr weich und dabei doch mit einer klaren Linie, die mir bei vielen Hefeweizen fehlt, und die mir oft zu mild sind. Hier ist Charakter da, das gefällt mir. Dabei bleibt es aber sortentypisch rund und schmeichelnd. Schöne Rezenz, mit hoher Karbonisierung, mit ebenso hohem Rülpsfaktor. 5,5% Alkohol sind enthalten.

Der Abgang ist für ein Weißbier recht lang, trocken und mildbitter, nicht zu süß. Ein sehr ausgewogenes, ideales, geradliniges Hefeweizen ohne Sperenzchen. Davon kann ich auch 2 oder 3 trinken, ohne dass es mir zu einseitig wird. Sicher eins der angenehmsten Weißbiere, das ich in den letzten Jahren hatte.

Es dient entsprechend natürlich auch als Cocktailzutat. Man frage mich bitte nicht nach dem Sinn des Namens des The Danube and the Main – vielleicht verweist man mit dem Hinweis auf den Verbindungskanal (der passenderweise bei Bamberg beginnt) zwischen zwei großen deutschen Flüssen auf das Zusammenwachsen der bisher noch oft getrennten Trinkwelten des Biers und des Cocktails. Für mich persönlich ist Bier aus der Cocktailwelt kaum mehr wegzudenken, auch wenn es noch eine Weile dauern wird, bis diese Bewegung in der Breite angekommen sein wird.

The Danube and the Main


The Danube and the Main
2 oz Arrak (z.B. Boven’s Echter Arrak)
1 Spritzer Angostura
½ oz Grapefruitsaft
¼ oz Orangensaft
¼ oz Zitronensaft
¾ oz Zuckersirup
Auf Eis shaken. In ein Glas voll Eis abseihen. Toppen mit…
Weißbier (z.B. Kraus Weißbier hefetrüb)
[Rezept nach Matt Scheller]


Insgesamt gefällt mir die Produktreihe von Kraus sehr gut. Es sind traditionelle Biere mit Charakter, nie langweilig oder oberflächlich – ein Beispiel dafür, wie gut die Bierbasis in Deutschland aufgestellt ist, mit regionalen Spezialitäten in hoher Qualität. Der verwöhnte Genießer würde sich vielleicht ein bisschen mehr Aromenausprägung wünschen, etwas mehr Potenzial zum Explorieren und Verkosten – doch das ist ein Luxusproblem, das ich als Bierblogger habe, das ich nicht zu hoch hängen will.

Maisel & Friends Sondersude 2017 Titel

Kurz und bündig – Maisel & Friends Hopfenreiter 2017 und Hopfenbock

Ich hatte eine kleine Phase die letzten paar Wochen, in denen aromahopfenbetonte Biere kaum eine Rolle spielten – malzige Biere und klassische Bitterhopfenbiere waren mein täglich Brot. Um so erfreulicher, dass nun mit dem Maisel & Friends Hopfenreiter 2017 sowie dem Hopfenbock zwei Exemplare einen Weg in mein Glas gefunden haben, die diese schmerzliche Lücke füllen könnten. Ohne große Vorrede schauen wir uns die Biere mal detailliert an.

Maisel & Friends Sondersude 2017 Flaschen

Beginnen wir mit dem Hopfenreiter 2017. Das Double IPA mit 8,5% ist der zweite sogenannte Freundschaftssud, der bei Maisel & Friends mit Hilfe anderer Brauer hergestellt wird. Diesmal beteiligt sind Hoppebräu (mit dem Aromahopfen Vic Secret), Schanzenbräu (Callista), Brewage (Chinook), Brlo (Comet), Jopen (HBC431) sowie die Hausherren (Mosaic). Den ersten Hopfenreiter 2016 fand ich schon sehr trinkbar, wie siehts aus mit Version 2017?

Sehr starke, ausdauernde Perlage im schönen, opalisierenden Senfgold sorgt für feinen Schaum, der sich ebenso langlebig zeigt. Die Nase erinnert an ein Marmeladenglas. Sehr mild, üppig und dicht. Mildes Fruchtbouquet, Himbeeren, Mango, Banane, Birne. Leichter Kräuterunterbau, Thymian und Lavendel. Sehr rund und attraktiv.

Maisel & Friends Hopfenreiter 2017

Der Antrunk weist eine gelungene süß-sauer Balance mit vielen Fruchteindrücken auf. Wie zu erwarten: Aromahopfen in allen Schattierungen. Einerseits ein supercremiges, extrem dichtes Mundgefühl, andererseits eine etwas zurückhaltende Rezenz. Abgang erwartungsgemäß sehr trocken, sehr bitter, lang und malzig. Säure übernimmt etwas. Leicht pfeffrig.

Fazit: Gefällt mir sehr gut, vor allem die Nase ist höchstspektakulär. Auch ein idealer Essensbegleiter für thailändisches Essen, kann dem gut Paroli bieten und ergänzt die Aromatik, was man nicht von jedem Bier behaupten kann.

Nächster Schritt: Der Hopfenbock. Ein Bockbier mit 7,6% Alkoholgehalt und 35 Bittereinheiten. Die verwendeten Aromahopfen sind Bravo und Ella. Nur leicht trüb, starkes Mousseux, feiner, aber dünner Schaum. Fast schon Sonnenblumengelb.

Maisel & Friends Hopfenbock

Zitrus ist der erste Eindruck beim Riechen. Der erste Duft verfliegt aber, und dann neutralisiert sich der Geruch der ersten Attacke etwas. Es bleibt eine angenehme, dezente Hopfigkeit. Blumig, kräuterig.

Weich und rund im Antrunk, im Verlauf schlagen die 35 IBU dann zu, ohne aber eckig zu wirken. Süß, aber sehr angenehme Rezenz durch die Kombination aus hohem Karbonisierungsgrad und frischen Hopfenaromen. Schmeckt insgesamt sehr obertönig, es ist zwar sicher genug Körper da, aber die Hopfenbetonung scheint mir  dem stiltypisch erwarteten Malz etwas die Möglichkeit zu rauben, eine profunde Tiefe zu geben. Der Abgang ist kurz, adstringierend, knackig. Ich muss mir ins Gedächtnis rufen, dass wir hier kein IPA vor uns haben – es geht aber aromatisch schon deutlich in diese Richtung.

Auch hier zeigt sich, warum Maisel & Friends eine Bank sind, wenn es um unprätenziöse aber dennoch leckere Biere geht: Ein wirklich schönes Getränk, ideal für den Frühling und den Sommer.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kostenlose, unaufgeforderte Zusendung von je einer Flasche des Hopfenreiters 2017 und des Hopfenbocks.

Camba Oak Aged Holzfassgereifte Biere Set Titel

Die Venus von Chiemgau – Camba Oak Aged Probierpaket

Bei einem meiner letzten Aufenthalte in der bayerischen Landeshauptstadt München wurde ich beim Schlendern in einer engen Straße beinahe von einem Pferdegespann überfahren. Nicht, dass die gerast wären wie die arabischen Vollbluthengste, nein, die eher gemütlich veranlagten Pferde zogen nur einen riesigen Bierkarren hinter sich her und hatten einen entsprechend langen Bremsweg. Man sieht sie in München immer wieder – die Bierkutscher, die Bier von einer Brauerei zu den Biergärten transportieren. Heute nur noch aus folkloristischen Gründen mit Holzverkleidung, vor einiger Zeit wohl wirklich noch in Holzfässern.

bierfuhrwerk-muenchen

Dass Lebensmittel in Holzfässern eine ganz spezielle Eigendynamik entwickeln, unerwünschte Aromen abgeschliffen und neue, erwünschte hinzugefügt werden, ist uns von Whisky, Rum und anderen Spirituosen bestens bekannt. Doch selbstverständlich kann auch Bier, statt nur in Holzfässern transportiert zu werden, auch in speziellen Hölzern gelagert und gereift werden, um genau diese Effekte auszulösen. Dass Holz nicht gleich Holz ist, was die Aromatikänderungen angeht, können wir dank der bayerischen Brauerei Camba Bavaria nun aus erster Hand direkt erfahren – mit dem Camba Oak Aged Probierpaket, das die vier holzgereiften Sorten Heller Bock – Limousin, Doppelbock Bourbon, Milk Stout – Bourbon und Imperial Stout – Cognac enthält.

Camba Oak Aged Holzfassgereifte Biere Set Flaschen

6 bis 9 Monate liegen Biere der Brauerei in Eichenholzfässern unterschiedlichster Herkunft. Beginnen wir mit der Verkostung dieses exklusiven Sets bei der hellsten Sorte – dem Oak Aged Heller Bock – Limousin. Französische Eichenfässer dienen hier also als Veredler für einen Bock mit 8,1% Alkoholgehalt.

Die Limousineiche hat erstmal kaum einen Einfluss auf das optische Erscheinen des Biers. Naturtrüb, feine Perlage, dünne Schaumkrone. Bernsteinfarben. Vorsicht ist geboten beim Öffnen des Kronkorkens – da sprudelt es etwas mehr als gewohnt.

Camba Oak Aged Heller Bock Limousin

Entsprechend schnell verbreitet sich dann auch der Geruch. Süßlich, fruchtig nach Apfel und Ananas, etwas metallisch. Das Gesamtbild erinnert mich etwas an Calvados. Geschmacklich beweist sich dann, dass meine Nase mich nicht täuscht: Sehr fruchtig, ganz stark nach Apfel und Calvados, vielleicht auch Cidre, letzteres hauptsächlich wegen der kräftigen, wilden Säure, die der Bock zeigt, ausgeglichen durch eine hintergründige Süße. Dabei bleibt das Bier ordentlich trocken und bitter, und sehr erfrischend zum Teil dank der kräftigen Kohlensäure. Der Abgang bleibt trocken, lang, und leider eher unangenehme adstringierende Effekte bleiben lang am Gaumen.

Das wirkt in dieser Sauer-bitter-Kombination unruhig und unrund. Die starke Nähe zu Apfelwein zwingt mich fast zu glauben, dass die Vorbelegung des Fasses (auf dem Etikett nur als „Holzfassobstbrand“ der Destillerie Lantenhammer bezeichnet) ein Apfelbrand war.

Steigen wir um und greifen nun zum Doppelbock Bourbon. Vielleicht hat das Ex-Bourbon-Fass einen gemäßigteren Einfluss auf den Doppelbock? Zumindest die Farbgebung ist schonmal extremer, wobei man natürlich nicht weiß, ob der Doppelbock nicht eh schon von sich aus dunkler wäre. Die dunkelbraune Farbe ist in etwa wie die von Altbier. Praktisch keine Schaumbildung erscheint, trotz der feinen und starken Perlage.

Camba Oak Aged Doppelbock Bourbon

Überreife Mandarine, leichter Kompostgeruch. Etwas Malz, ein Hauch Zitrone. Das sind die Eindrücke, die ich durch Schnuppern zu erkennen denke. Erstmal wenig Bourbonhaftes. Ist das im Geschmack anders? Ja, wow, da schmeckt man den Bourbon tatsächlich raus. Die typischen Vanille- und Eichennoten sind sofort beim Antrunk präsent. Leichtes Karamell, trotz der süßen Eindrücke aber eine klare, präsente Säure, die immer stärker wird im Verlauf der Verkostung. Mandarine, rote Trauben, braune Äpfel und anderes, leicht schon überfälliges Obst – das hört sich schlimmer an, als es ist. Schöne Rezenz, die leider durch die aktive Säure dann im Gesamtbild etwas übersteigert wirkt. 10,5% Alkoholgehalt wirken gut eingebunden.

Der Abgang ist mir zu süß und fast schon klebrig; er hinterlässt ein pappiges Gefühl am Gaumen. Schade, dass so ein toller Ansatz so mäßig enden muss. Doch in Kombination mit einem guten Essen, wie dem knusprig gegrillten Entenschenkel, den ich dazu hatte, ist das trotzdem ein Gewinner.

Doch wir halten uns nicht lang damit auf, gehen direkt über zum nächsten Kandidaten, dem Milk Stout – Bourbon. Hier wird spannend sein, ob sich das Bourbonfass auf einen anderen Bierstil anders auswirkt. Klären würde ich aber zunächst gern die Frage nach dem verwendeten Milk Stout – sind das die Reste des Milk Stouts, das vernichtet werden musste? Dass dem reinheitsgebotfanatischen bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit neben der Bezeichnung „Milk Stout“ auch die Zutaten, nämlich Hafer- und Gerstenflocken sowie der Milchzucker, aufstößt, ist von meiner Perspektive aus nur noch als lächerlich zu bezeichnen und zeigt die gesamte Sinnlosigkeit des RHG. Aber halten wir uns nicht damit auf, die Geschichte ist gegessen, sondern kommen zum Bier selbst.

Camba Oak Aged Milk Stout Bourbon

Das Foto sagt schon das meiste bezüglich des Aussehens: Schwarz, blickdicht, höchstfeine Perlage, aber praktisch kein Schaum. Dieser ist, solange vorhanden, crema-farben. Seine Herkunft kann das Bier allein schon aufgrund des Geruchs nicht verleugnen: sehr milchsauer, mit ganz hervorspringender Bourbonnote – Vanille, Eiche und die sonstigen üblichen Verdächtigen, was amerikanischen Whiskey angeht.

Leicht milchig ist auch der Geschmack (obwohl natürlich keine Milch enthalten ist in einem Milk Stout!), dann kratzig-sauer, aber dann – wumms! – Bourbon. Das schmeckt sehr stark nach Vanille und anderen Bourbonaromen. Die süß-sauere Komponente erinnert mich an die Schweizer Limonade Rivella, sehr interessant. Für ein Stout ein recht dünner, dafür aber sehr aromatischer Körper. Röstaromen und dunkles Malz sind selbstverständlich in einem Stout. Die Säure dominiert das Gesamtbild, wird aber durch kräftige Süße ausgeglichen, anders als bei vielen Sauerbieren. 9% Alkohol entdeckt man höchstens durch einen schwummrigen Kopf nach dem Genuss.

Der mittellange Abgang ist sehr würzig, sauer, sehr salzig, etwas Sojasauce. Die Effekte von Milchsäure und Vanille bleiben darüber hinaus noch ausgesprochen lang. Supertrocken im Mundgefühl hat das Milk Stout Bourbon schon etwas Wein-Charakter; definitiv etwas für überzeugte Weintrinker, die mal von einem Bier überrascht werden wollen.

Nach diesem positiven Eindruck hoffen wir auf eine Krönung der Verkostungsreihe beim letzten Bier aus dem Set, dem Imperial Stout – Cognac. Optisch sehen wir zumindest schon beim Eingießen ein sehr typisches Imperial Stout: schwarz, blickdicht, brauner Schaum, praktisch keine sichtbare Perlage.

Camba Oaked Aged Imperial Stout Cognac

Der Geruch ist einfach umwerfend. Starke Kaffee-, Kakao- und Röstmalznoten kennt man ja von einem Imperial Stout, aber in dieser Form ist das noch herrlicher als sonst. Dazu kommt eine attraktive, fruchtige Süße, tatsächlich nach Cognac und Traubenmost. Holunder spielt auch noch mit.

Im Antrunk superweich und süß, dann aber sofort sehr starke Kaffeearomen. Würzig nach Sojasauce, stark geröstetem Malz und schwarzer Schokolade. Die Cognac-Fassreifung zahlt sich in milden Fruchtaromen aus, Rosinen, Feigen und reifer Ananas. Eine milde Säure gleicht die schwache Karbonisierung gut aus. 10% Alkohol sind ohne Mangel eingebunden, in keiner Form schmeck- oder spürbar. Ich trinke es in Zimmertemperatur.

Abgang ist lang und sehr bitter, nochmal ein wuchtiger Schub Kaffee und Maggi, dabei schmeichelnd süß und gleichzeitig würzig. Für mich persönlich das ansprechendste der vier Biere: Hier hat alles genau richtig funktioniert und spielt ineinander in Perfektion. Ein Traumbier, wie man es selten findet.

Camba Oak Aged Holzfassgereifte Biere Set Tragerl

Die Flaschen sind natürlich supersensationell gestaltet. Sie erinnern mich in ihrer femininen, schwungvollen Form an die Venus von Willendorf. Dazu das milchige Glas mit dem dezent aufgetragenen Firmennamen, den Verzicht auf Etiketten (bis auf das kleine, quer angebrachte Rücketikett mit den wichtigsten Infos) und dem netten kleinen Umhänger – rundum gefällt das. Das Kartontragerl des Probierpakets fällt dagegen natürlich etwas ab.

25€ bezahlt man für 4 Viertelliterfläschchen. Da mag es so manchen gehen wie dem Kunden bei Globus, neben dem ich neulich vor dem Craftbierregal stand, und der fast schon wütend ausrief: „Wer gibt denn soviel Geld für Bier aus?!?“ Interessant, dass sich solche Leute nie in die Weinabteilung stellen und ähnlich perplex ob der Preise sind. Wir sind noch lange nicht so weit, dass Bier einen ähnlichen, fast schon mystischen Stellenwert hat, den man nicht mehr hinterfragt, sondern akzeptiert, dass Qualität ihren Preis hat. Aber wenn die Brauereien so weitermachen, und auch weiterhin so spannende Produkte wie die Camba Oak Aged-Reihe herausbringen, dann sind wir auf einem guten Weg, dass auch die breite Masse im Billigbierland Deutschland sich derartige Fragen nicht mehr stellen wird.

Kalea Beer Box Titel

Biergeschenke sind immer gern gesehen – Kalea Craft Beer Geschenkbox

Es gibt Leute, bei denen man nie weiß, was man ihnen zu besonderen Anlässen schenken soll, oder als Gastmitbringsel überreichen kann. Da hadert man lange herum, und entscheidet sich dann für einen höchstnutzlosen Deko-Artikel, einen Staubfänger oder sonstigen Kram, über den sich der Beschenkte gekünstelt freut und ihn dann schnell in die Kiste zum anderen derartigen Wohlstandsschrott legt.

Wir Spirituosen- und Bierfreunde sind da anders. Wir sind leicht zufriedenzustellen: Man bringt ne Pulle halbwegs vernünftigen Schnaps mit, oder das eine oder andere Fläschchen gutes Bier, und das reicht schon völlig aus und passt immer, egal welche Gelegenheit. Wenn das ganze dann noch hübsch verpackt wird, kann sich eigentlich keiner beklagen. Der österreichische Anbieter Kalea, in Bierfreundkreisen hauptsächlich wahrscheinlich durch die Bieradventskalender in verschiedenen Editionen bekannt, springt nun in diese Nische und bietet Bier in Geschenkboxen an: die Kalea Craft Beer Sammelbox soll selbst die eh schon viel kleinere Hürde, die Schenker bei uns noch überwinden müssten, abbauen helfen.

Kalea Beer Box Blechdosen

In jeder der Blechboxen sind 4 Flaschen Bier zu je 0,33l enthalten, und es gibt 6 unterschiedliche Designs. Die Boxen werden wohl immer unterschiedlich befüllt, so dass man sich durchaus auch mehrere davon zulegen kann. Ein Verkostungsguide mit Bewertungshilfe liegt jeder Box ebenso bei, der ein mögliches Vorgehen bei einer Bierverkostung beschreibt, ein bisschen Grundwissen über Bierstile vermittelt und ein paar Vokabeln für den angehenden Privatbiersommelier vorgibt.

Kalea Beer Box Flaschen

Persönlich habe ich nicht so viel an diesen Blechboxen, die sind hübsch gemacht, aber mir bringen sie eigentlich nichts. Der Hersteller wirbt mit einem möglichen Sammelwert; dieser ist aber meines Erachtens rein theoretischer Natur. Egal, das wichtige und wirklich wertvolle an diesen Geschenkboxen ist auch der Inhalt, und der ist umso bemerkenswerter. Enthalten waren in den zwei Boxen, die ich zu Hause habe, die folgenden Biere. Eine Kurzrezension zu jedem sollte einen groben Einblick in das jeweilige Bier geben. Vorab kann ich aber schon betonen – bei Kalea bekommt man nicht, wie bei vielen anderen Anbietern dieser Art von Biersammlungen, langweilige Industriebiere, die man eh an jeder Ecke erwerben kann, nein, es sind hochwertige Qualitätsbiere, meist von kleineren lokalen Brauereien. Genug der Vorrede, stürzen wir uns nun ins Biergetümmel.

Hohenthanner Schlossbrauerei Kellerbier Hell
Ein helles Kellerbier aus Niederbayern. Schönes, blasses Zitronengelb; nur wenig Schaum, ebenso die Perlage. Natürlich starktrüb, wie ich es vom Kellerbier erwarte. Hellzitrusfruchtig ist die Nase, dazu leicht blumig, wahrscheinlich stammend vom Hallertauer Tradition und Tettnanger Hopfen, sehr frisch und leicht der Geschmack. Mild und fast schon zart, mit 5,0% Alkoholgehalt, dabei aber sehr rezent – eine tolle Kombination. Kurzer, feinherber Abgang. Mir gefällt diese Art von klassischen, leichten Bieren sehr – sie fühlen sich trotz der althergebrachten Methode sehr modern an.
Hohenthanner Schlossbrauerei Kellerbier Hell
Kalea Bad Santa Christmas Special
Ein Festbier der österreichischen Brauerei Schnaitl, abgefüllt als Weihnachtsbier für den Produzenten der Bierboxen, Kalea. Dunkle Farbe, leichte Trübung, schöne Schaumentwicklung beim Eingießen. Kräftiger, sich verströmender Malzgeruch, milde Hefe, minimal Metall. Weich und cremig im Mund, leicht metallisch, schön malzig, mildhopfig. Angenehm rezent. Im Abgang bitterer, ohne kantig zu werden. 6,4% Alkohol. Ein gelungenes Bier für die Festtage, von dem man gern mehrere Flaschen im Haus hat für Gäste.
Kalea Bad Santa
Zwönitzer Stout
Ein Stout aus dem Erzgebirge. Völlig blickdicht, espressobraun und mit einem feinen Crema-Schaum. Praktisch keine Perlage – dennoch sehr rezent und erfrischend. Metallisch im Geruch, ist das Zwönitzer Stout im Antrunk eher wässrig und süß, und weist dafür später eine schöne, kräftige Bittere mit viel Malzcharakter auf. Mittellanger Abgang mit viel Kaffeearoma. Insgesamt trotz der Farbe ein sich eher leicht anfühlendes Bier, das mit 5,1% Alkohol auch nicht zu wuchtig daherkommt. Gefällt mir gut und ist für mich persönlich eine perfekte Alternative zu den altbekannten irischen Stouts wie Guinness.
Zwönitzer Stout
Weissbräu Schwendl Schalchner Ursprung
Bayerisches Weißbier aus Schalchen. Schöne, kräftige Farbe bei starker Trübung. Feinporiger Schaum – wirkt insgesamt sehr typisch. Geruchlich ist da Banane, milde Würze und Hefe. Im Mund sehr cremig, angenehm rezent, vollmundig und rund. Süßlich auch im Abgang, mit leichter Adstringenz am Gaumen und deftiger Würzigkeit. Mit 5,8% ordentlich für ein Weißbier, das sich hinter keinem der großen Namen verstecken muss – im Gegenteil.
Schalchner Ursprung
Crew Republic Drunken Sailor IPA
Für dieses Bier verweise ich gern auf meine bereits vorhandene, ausführliche Rezension.
CREW Republic Drunken Sailor IPA Glas
Herrnbräu Jubiläums-Sud
Naturtrübes, dunkles Kellerbier aus Ingolstadt. Schöne, dunkle und dabei strahlende Farbe. Persönlich würde ich es allerdings nicht als trüb bezeichnen und ohne Vorwissen auch nicht als Kellerbier erkennen. Sehr zurückhaltender Geruch, nach Malz und Cola, etwas Zitrone. Geschmacklich sehr viel intensiver – malzig, süßlich und dabei doch dunkelwürzig. Wunderbar rezent. Trocken und mildbitter im Abgang. 5,6% Alkohol – ein unterhaltsames Bier für Zwischendurch oder perfekt zum Essen.
Herrnbräu Jubiläums-Sud
McGargles Uncle Jim’s Stout
Ein irisches Stout, gebraut nach dem DRHG (nicht, dass es mir wirklich was bedeuten würde, im Gegenteil, aber in Deutschland muss man scheinbar damit werben, selbst wenn das Bier gar nicht hier gebraut wurde). Getrunken mit den empfohlenen 6°C ist das Stout auch gut erfrischend, und mit 4,5% Alkohol eher leicht – eine gute Kombination. In der Nase findet man Kaffee, Cola und Hefe; im Mund eine dunkle Espresso-Bittere, dazu aber einen leichten Körper. Der Abgang ist lang und trocken. Gut trinkbar und süffig – ein schöner Einstieg in diesen für viele Deutschen ungewohnten Bierstil.
McGargles Uncle Jim's Stout
Aktienbrauerei Kaufbeuren Hell Das Blaue
Ein Helles aus dem Allgäu am Ende dieser Verkostung. Wie der Name schon sagt ist das Bier hell, mit leichter Trübung. Starke Perlage, dennoch kaum Schaum. Hopfighefigherb im Geruch, leicht, süßlich und mildbitter im Geschmack. Sehr kurzer Abgang. Ein äußerst unauffälliges Bier, das man als Durstlöscher schnell wegziehen kann, für den interessierten Genuss aber nur mäßig geeignet ist. Aber es muss ja nicht immer Kaviar und Schampus sein, manchmal ist man auch mit einem Glas Wasser glücklich. 5,0% weist das Blaue auf.
Aktienbrauerei Kaufbeuren Hell Das Blaue

Insgesamt bekommt man, wie auch schon beim letztjährigen Bieradventskalender von Kalea, hier eine schöne Auswahl deutschen und österreichischen Qualitätsbiers, an das man sonst nur mit Mühe herankäme. Mir gefällt auch die Mischung aus Bierstilen – von Kellerbier über Stout bis hin zu Weißbier ist was für jeden Geschmack dabei. Dazu bekommt man ein paar attraktiv gestaltete Blechdosen, die man nachher für andere Zwecke benutzen kann: Ein lohnenswertes Paket für jeden Bierfreund, oder eine schöne Idee als Mitbringsel für einen solchen.

Offenlegung: Ich danke Kalea für die kostenfreie Zusendung dieser zwei Geschenkboxen.

Maisel & Friends Stefan's Indian Ale Titel

Der verflixte vierzehnte Buchstabe – Maisel & Friends Stefan’s Indian Ale

Wer „Name“ und „nämlich“ mit „H“ schreibt ist dämlich. Das ist eine der Eselsbrücken, die ich in der Schule sehr früh gelernt habe. Die meisten anderen der deutschen Sprache Kundigen wahrscheinlich auch – und dennoch sieht man immer wieder „nähmlich“ irgendwo stehen. Ich gebe zu, ich bin ein Orthografaschist, mir springen viele Schreibfehler geradezu ins Gesicht (ich hoffe, auf meinem Blog halten sich diese in Grenzen – eigene Fehler sieht man nicht so gut wie fremde). Manche sind da wahrscheinlich entspannt; mich reißt ein solcher Fehler immer recht schnell aus dem Lesefluss. Und während ich bei einem Fließtext in Prosa noch relativ – zugegebenermaßen aber leicht herablassend – gnädig bin, darf so etwas unprofessionelles bei Produktnamen oder -beschreibung natürlich niemals passieren, ganz besonders nicht, wenn diese eh nur aus wenigen Wörtern bestehen.

Es ist einer der beliebtesten Fehler, die man in der Bierwelt findet, und für den es leider keine Eselsbrücke gibt: Ein IPA ist kein „Indian Pale Ale“, sondern ein „India Pale Ale“. Das Bier, das Brauer Stefan Sattran bei Maisel & Friends eingebraut hat, scheint auf den ersten Blick genau diesem Fehler aufgesessen zu sein – doch bei genauerem Hinsehen ist es dann wohl doch Absicht, den 14. Buchstaben unseres Alphabets ans Ende des ersten Worts des Namens dieses Biers zu stellen. Die Verwirrung ist damit nicht komplett zu Ende – das Maisel & Friends Stefan’s Indian Ale ist je nach Lesart der Angaben auf der Homepage des Herstellers eine „Interpretation eines India Pale Ales“, oder „inspiriert von englischem Pale Ale“. Nun, finden wir selber heraus, was es nun ist!

Maisel & Friends Stefan's Indian Ale Flasche

Direkt beim Öffnen des Kronkorkens verströmt sich schon ein sehr angenehmer Duft nach Herbst. Banane, Erdbeeren mit Sahne, Milch, Milchschokolade, Karamell, Vanille. Aber auch etwas brotig. Außergewöhnlich und sehr attraktiv. Als sehr trübes Safran, mit vielen Schwebeteilchen, gießt sich das Bier dann ins Glas. Leichte, feine Perlage besorgt den dichten, festen Schaum, und eine dünne Schaumkrone bleibt für ein Ale, das man meist als wenigbeschaumt kennt, vergleichsweise lang auf dem Bier.

Der erste Geschmackseindruck ist dann „Zitrone“. Überraschende Säure, besonders nach diesem eher süßen Geruchsbild. Tatsächlich ist das Stefan’s Indian Ale im Antrunk nur wenig süß, dafür, wie auf dem Rücketikett erwähnt, auch recht blumig und vielleicht sogar etwas grasig, nach Heu. Fruchtmarmelade – und im Verlauf kommt dann eine wuchtige, schwere Süße doch plötzlich zum Vorschein, zusammen mit einem überragend cremigen, dichten Mundgefühl. Erkennbar bitter im Abgang, bei 40 IBU kein Wunder, und stark adstringierend mit Noten von Grapefruit.

Maisel & Friends Stefan's Indian Ale Glas

Mir gefällt der extrem lange Nachhall mit im Mund und am Gaumen verbleibenden, sehr aktiven Hopfenaromen: selbst 10 Minuten nach dem letzten Schluck ist noch ordentlich Aroma im Mund. Zu guter letzt kommen nochmal die heuigen, grasigen Komponenten ganz stark in den Vordergrund und sorgen für einen sehr würzig-kräuterigen Ausklang.

Kommen wir zurück zur Frage – IPA oder Pale Ale? Persönlich tendiere ich eher zu ersterem, mit leichten Einschlägen zu letzterem. Zwar wirkt das Maisel & Friends Stefan’s Indian Ale genauso bitter, dann aber nicht so aggressiv wie ein IPA, irgendetwas mildert und spült die Kanten weich. Ein außergewöhnliches, hervorragendes Bier, eines, das meinem Geschmack sehr entgegenkommt. Die Zahlen dazu: 7,3% Alkoholgehalt, gekauft in 750ml Abfüllgröße für rund 5€.

Maisel & Friends Stefan's Indian Ale Glas Schwebeteilchen

Man sieht auf dem Detailfoto, wenn man genau hinschaut, die Schwebeteilchen. Diese setzen sich nach längerer Lagerzeit natürlich am Boden der Flasche ab; wer auf diese Trübungsstoffe verzichten will, sollte daher beim Eingießen vorsichtig sein. Persönlich würde ich sie aber nicht außen vor lassen wollen.

Bei einer 750ml-Flasche ist es recht wahrscheinlich, dass man nicht den kompletten Inhalt in einer Trinksitzung wegziehen kann oder will. Was macht man mit dem Rest, der in der Flasche übrig bleibt, wenn man seinen Bierdurst gestillt hat? Ganz klar – einen Biercocktail. Perfekt passt das Stefan’s Indian Ale in eine Abwandlung eines uralten Tequila-Klassikers, den IPA Sunrise. Fruchtig, grasig, erfrischend und süß, das ist ein Genuss, für den man sich nach dem Resteaufbrauchen garantiert in naher Zukunft die nächste Flasche Bier allein dafür öffnen wird.

IPA Sunrise


IPA Sunrise
1½ oz Tequila Blanco (z.B. Agavita Platinum)
1½ oz Orangensaft
2 Teelöffel Agavendicksaft
mit 6 oz IPA (z.B. Maisel & Friends Stefan’s Indian Ale) aufgießen
…und mit 1 Spritzer Amaro (z.B. Villa Rillago Amaro) verzieren


Maisel & Friends gehört mit der Rückendeckung des traditionellen Betriebs im Hintergrund zu einem der gewichtigeren Player im deutschen Craftbier-Markt. Dem einen oder anderen Craft-Fanatiker ist das bereits zu industrienah, zu groß, zu professionalisiert, um noch wirklich in der Nische des Craftbereichs anerkannt zu werden; letztlich geht es aber um die Qualität, nicht um irgendeine Zuordnung in einen Bereich. Persönlich habe ich nur gute Erfahrungen mit dem Bier dieses Herstellers gemacht. Das eine oder andere Produkt traf vielleicht nicht so ganz meinen Geschmack – dafür gab es dann immer einen Ausgleich in Form von ganz hervorragenden anderen Bieren. Und das Stefan’s Indian Ale ist dann für mich persönlich durchaus eine Perle im Sortiment von Maisel & Friends.

Beverly Pils, Pepper Pils, Bitter 42 Titel

Raus aus dem Pilseinerlei – Mashsee Beverly Pils, Welde Pepper Pils und Rittmayer Bitter 42

Ich will es nicht ruhen lassen, das Thema „Pils“. Der wahrscheinlich beliebteste Bierstil Deutschlands, der von sehr vielen Konsumenten dazu noch als Synonym zu Bier gesehen wird, hat mir immer schon Sorgen bereitet. Zu langweilig, zu bitter, zu aromenlos – von allen Biersorten fand ich persönlich das Pilsner als Bier, wie es nicht sein soll, ein reiner Durstlöscher, ohne Spannung. Entsprechend habe ich über das Pils an sich immer schlimm hergezogen. Dabei kannte ich, so ehrlich muss ich dann sein, praktisch nur die Fernsehpilsner, industriegetrimmt, vereinheitlicht, auf den kleinsten gemeinsamen Nenner aller Biertrinker Deutschlands gebracht und damit verflacht. Irgendwann musste selbst ich erkennen, dass ich dem Bierstil mit meiner starken Meinung, entstanden aus nur begrenztem Wissen, Unrecht tue. Und so habe ich mich auf eine Pilsreise begeben, abseits eben der großen Fernsehbiere. Mein erstes Erfolgserlebnis hatte ich dann mit dem Vier Vogel Pils – das spornte mich an, mehr von dieser Welt kennenzulernen.

Und so stehe ich heute hier und präsentiere weitere, tapsige Schritte auf meinem Weg, dem Pils endlich die Ehre zukommen zu lassen, die es eigentlich verdient. Unterstützt werde ich dabei von drei Pilsnern, wie sie unterschiedlich kaum sein könnten: dem Mashsee Beverly Pils aus Hannover, Welde Pepper Pils aus Baden und Rittmayer Bitter 42 aus Franken.

Beverly Pils, Pepper Pils, Bitter 42 Flaschen

Fangen wir einfach mal im Norden an, mit dem Mashsee Beverly Pils. Der Name ist ein Beispiel dafür, wie verspielt die modernen Craftbrauer mit ihren Produkten umgehen – kaum vorstellbar, dass ein solcher Biername auf dem Etikett einer traditionellen Brauerei erschiene. Mir geht das stellenweise aber schon etwas zu weit, solche Gags nutzen sich recht schnell ab. Die Erfahrung im Bekanntenkreis zeigt auch, dass Biere mit so „lustigen“ Namen nicht wirklich ernst genommen werden. Also Vorsicht damit!

Die Pilsner aus der Industrie sind meist filtriert und strahleklar. Das Beverly Pils sieht schonmal ganz anders aus – helles Gelbgold, naturtrüb, feinster, wolkiger Schaum, gespeist aus regelmäßige Perlage. Auch der Geruch überrascht den Fernsehbiertrinker – extrem fruchtig. Orange, Himbeeren, Kirschen, Bananen, Grapefruit. So eine Kalthopfung macht halt aus jedem Bierstil einen Obstkorb. Höchstattraktiv und gefällt mir außerordentlich – schöner als so manches Pale Ale oder IPA.

Mashsee Beverly Pils

Die Bierstile gehen heutzutage immer mehr ineinander über und verschwimmen. Die klassische, strenge Ausprägung ist oft vom Industriestandard geprägt, und davon wollen die modernen Brauer eben weg. Daher muss man sich daran gewöhnen, dass auch ein Pils mal im Antrunk sehr fruchtig nach Orange, leicht grapefruitbitter und insgesamt etwas süßer und weicher als gewohnt daherkommt. Erst im Abgang merkt man Pilscharakter, dann aber so richtig mit Wumms: Trocken, herb, bitter, dabei aromatisch dann stark zurückgenommen. Der Bitterhopfeneffekt ist es, der hier das Kommando übernimmt. So entdecken wir dann doch noch das Pils im Beverly Pils. Mit 4,7% und 30 IBU fallen wir rein zahlenmäßig nicht aus dem Rahmen. Wirklich interessant, und dieses Pils könnte für so manchen Pilsfanatiker ein Aha-Erlebnis sein, da bin ich mir sicher.

Wir machen einen Sprung nach Südwestdeutschland, nach Baden. Das dort beheimatete Welde Braukunstkeller Pepper Pils wird bei Reinheitsgebotsfanatikern für Zähneknirschen sorgen, denn es hält sich nicht daran. Statt dessen propagiert es auf dem Etikett eine andere Form der Bierregel: „Das Natürlichkeitsgebot von 2016 umfassst alle natürlichen und weitestgehend unbehandelten pflanzlichen Lebensmittel.“ Die Abgrenzung zum industriefreundlichen RHG, das alles mögliche an Chemie erlaubt, solange es nachher im Bier nicht nachweisbar ist, ist deutlich. Schmeckt man den eingesetzten, titelgebenden, nachhaltig angebauten und fair gehandeltem rosa Pfeffer? Ist das so dann noch ein Pils?

Welde Pepper Pils

Die Farbe ist erstmal sehr dunkel für ein Pils. Dazu naturtrüb. Kräftige Perlage. Dünner, aber feiner Schaum. Der Geruch ist frisch und luftig, fruchtig nach Banane, Mango, Litschi, aber auch nach Heu und Kräuterwiese. Hefe. Und ein Touch von Linseneintopf, so blöd es sich anhört. Geschmacklich kommt dann das Fruchtige nicht mehr ganz so zum tragen, sondern eine sehr blumig-kräuterige Komponente, die wahrscheinlich durch den rosa Pfeffer entsteht. Veilchen und Jasmin, sehr ungewohnt, aber auch höchstattraktiv. Dazu eine knackige Zitronensäure mit hohem Erfrischungsfaktor. Eine Grundwürze ist da, aber ich würde es keinesfalls „pfeffrig“ nennen, wie es der Hersteller auf dem Vorderetikett tut. Ein leicht schales Mundgefühl ist schon das Negativste, was ich finden kann.

Im Abgang ist das Pepper Pils zitronig-sauer, sauber, bitter und edelherb: Schön eingestellt, und dann doch pilstypisch. Eine feine Trockenheit bleibt noch eine ganze Weile, wie auch die Kräuteraromen. Ein ordentlicher Rülpsfaktor selbst nach kleinen Schlucken zeigt, dass hier ordentlich Kohlensäure eingesetzt ist. 4,8% Alkohol finden wir vor. Ah, und ich habe dem Pfeffer unrecht getan – ganz am Ende liegt doch etwas feines, hauchiges Kribbeln auf der Zunge. Sehr ansprechend: Ein Spitzenbier, sicherlich eins der interessantesten und angenehmsten, die ich bisher getrunken habe. Applaus!

Als letzte Station dieser Pilsreise machen wir in der Nähe von Nürnberg halt, wo das Rittmayer Bitter 42 hergestellt wird. Von den drei vorgestellten Bieren weist es das pilstypischste Aussehen auf: Nur minimale Trübung, blasses Gold. Sehr feiner Schaum, ebenso ausdauernd wie die starke Perlage.

Rittmayer Bitter 42

Bitterhopfen dominiert die Nase. Sehr angenehme, herbe Würze; ansonsten recht zurückhaltend. Im Mund dann eine kräftige Bittere, ohne aber in Extreme auszuschlagen (die namensgebenden 42 IBU sind dennoch schon ordentlich). Sehr klares, kantiges Geschmacksbild. Kaum Frucht oder sonstige sortenuntypischen Einschläge – wer sich immer darüber beschwert, dass modernes Bier nicht mehr nach Bier schmeckt, wird hier fündig. Das ist archetypischer Pilsgeschmack. Am Gaumen sind minimalste Fruchtaromen, aber nur so dezent, dass sie das Gesamtbild unterstützen, es nicht prägen. Sehr süffig und erfrischend bei 5,5% Alkohol.

Das Rittmayer Bitter 42 weist zum Schluss noch einen kurzen, sauberen Abgang ohne Reste oder Effekte auf. Trocken und mit erkennbarer Adstringenz. Sicherlich mit weitem Abstand das pilsigste Pils dieser Verkostungsreihe. Das ist ein perfekter Durstlöscher, von dem man gern mehr als ein Gläschen wegziehen will – und das sage ich, als ausgewiesener Pilsverächter. Naja, Ex-Pilsverächter, muss in nun sagen: Ich habe meine Meinung zu diesem Bierstil überdacht.

Für Cocktails passte ein Pils aber für mich schon immer ideal – genau das, was ich sonst am Pils ablehnte, macht es ideal als Cocktailzutat – oder als Filler in einem Longdrink. Beim Sexy Tequila Beer haben wir eine Mischform: es handelt sich praktisch um einen fertigen Cocktail, der dann aber noch mit Bier aufgegossen wird. „Aufgießen“ ist dabei immer nicht ganz wörtlich zu nehmen, wenn man ein Halbliterglas dafür hernimmt, bleibt vom Tequila geschmacklich nicht viel übrig. Daher empfehle ich hier ein 1:1-Verhältnis aus Cocktailbasis und Bier. Das ist dann im Ergebnis gar kein Vergleich zu den industriellen Mixgetränken wie Desperados.

Sexy Tequila Beer


Sexy Tequila Beer
1 oz Tequila Blanco (z.B. Olmeca Altos Plata)
1 oz Orangensaft
1 oz Limettensaft
½ oz Orangenlikör (z.B. Grand Marnier Cordon Jaune)
1 TL Agavendicksaft
Auf Eis shaken, dann aufgießen mit…
hellem Bier (z.B. Rittmayer Bitter 42)
In einem Glas mit gemischter Zucker-Salz-Kruste servieren.
[Rezept nach unbekannt]


„Die endgültige Antwort auf die Frage nach dem wahren Pils“ steht selbstbewusst auf dem Etikett des Rittmayerschen Pilses. Natürlich muss man hier abwägen, was man von einem Pils erwartet, um die Frage für sich persönlich zu beantworten – wer es gern traditionell, klassisch, stiltypisch und unaufgeregt hat, für den ist das Rittmayer Bitter 42 das richtige. Wer eigentlich eh lieber ein Pale Ale statt einem Pils trinkt, greift zum Mashsee Beverly Pils. Und wer experimentierfreudig ist, und sich bei jedem Schluck überraschen lassen möchte, ist beim Pepper Pils am besten aufgehoben.

Für jeden etwas – die moderne Craft-Pilswelt ist eine vielgestaltige, spannende, die sehr deutlich aufzeigt, wie sehr vereinheitlicht dieser Stil durch die Bierindustrie inzwischen leider wurde. Wer sich dann abseits der Fernsehpilsner umschaut, findet viele unterschiedliche Interpretationen, bei denen Pilsfreunde viel erleben können, ohne ihren Lieblingsstil verlassen zu müssen. Wer da immer nur bei seinem Industriepils bleibt, verpasst sehr viel.

Crew Republic Drunken Sailor IPA Titel

What shall we do with the CREW Republic Drunken Sailor IPA?

Es war der schwärzeste Tag in der Geschichte der britischen Marine. Nein, wir reden nicht über Medway (1667) oder Cartagena Las Indias (1741), sondern über den 31. Juli 1970, ein Tag so schlimm, dass er als Black Tot Day von britischen Seeleuten bis heute betrauert wird: An diesem Tag wurde die tägliche Rum-Ration auf Kriegsschiffen abgeschafft.

Tatsächlich war der Alkohol trotz der unzweifelhaften Erfolge der Royal British Navy wohl wirklich ein Problem auf den Kriegsschiffen, so dass der daily tot von einer halben Pinte auf ein Viertel und schließlich sogar auf ein Achtel reduziert wurde, bevor man sich dazu durchrang, ihn ganz einzusparen. Ein interessantes Detail dabei – die ursprüngliche Ration an Alkohol bestand aus einer Gallone (viereinhalb Liter!) Bier; der Alkohol diente dazu, die schlechte Trinkwasserqualität auf Schiffen zu bekämpfen. Heutzutage müssen wir uns darüber kaum mehr Sorgen machen, und können uns Biere wie das CREW Republic Drunken Sailor IPA, das zumindest vom Namen her an die gute alte Zeit der täglichen Alkoholration erinnert, in der Freizeit zuführen, auch wenn es natürlich immer noch ein spannender Incentive in Firmen sein könnte.

Crew Republic Drunken Sailor IPA Flasche

Was sollen wir mit dem betrunkenen Seemann nun tun? Wir stecken ihn ins Glas und schauen ihm erstmal nur zu. Naturtrüb in leichtem Kupfer; wenig Perlage, Sehr feiner, cremiger und langlebiger Schaum. Der allererste Geruchseindruck ist schonmal ungewöhnlich: Basilikumpesto und Olivenöl. Sellerie. Daneben, wie IPA üblich erstmal der Fruchtkorb: Grapefruit, Honigmelone, Nektarine. Eine malzig-würziger Unterton. Ein sehr breites Spektrum.

Auch im Mund ist Basilikum der erste Eindruck. Auch der zweite. Das ist ein Pesto-Genovese-Bier. Die gemüsigen Komponenten überwiegen auch hier, begleitet von etwas überreifer Grapefruit und Nektarine, im Gegensatz zu vielen anderen IPAs sind die Zitrusaromen aber deutlich reduziert. Weiches Mundgefühl, und trotz der für ein Ale hohen Karbonisierung nicht übermäßig rezent, daher ein eher mittlerer Erfrischungsfaktor.

Im Abgang sehr würzig, erkennbar salzig, trocken und deftig bitter, dabei noch extrem adstringierend. die Zungenspitze bleibt eine Weile betäubt, die Bitterkomponenten sehr lang am Gaumen. Ein echtes Seemannsgebräu, in dem man das Meer und die Brise herausschmeckt.

CREW Republic Drunken Sailor IPA Glas

Höchst ungewöhnlich, finde ich. Natürlich ist die Gemüse- und Basilikumkompoente gut in das Gesamtbild eingebunden, daher ist „ungewöhnlich“ hier im Sinne von „spannend und lecker“ zu verstehen, nicht als kleinen Bruder von „schlecht“. Der Rest in reinen Zahlen liest sich dann auch schon wieder bekannt für die Freunde des India Pale Ales: 6,4% Alkohol, 58 IBU, Herkules, Citra, Cascade, Simcoe als Hopfen- und Pilsener, Münchner und Karamellmalz als verwendete Malzsorten sorgen scheinbar in Kombination für die interessante Geschmacksbildung. 0,33l sind im gutsortierten Handel für 2,00€ erhältlich.

Ich glaube, es gibt kein Bier, das sich besser für die Vermischung in einem American Ti Punch eignet als das CREW Republic Drunken Sailor IPA. Die gemüsigen Noten passen perfekt zum herbal-vegetalen Charakter eines weißen rhum agricole, so dass ein wirklich runder Biercocktail entsteht. Dazu ist er mit den unterschiedlichen Dichten der beiden Komponenten auch optisch ein Hingucker; das Schichten ist einfacher, als man zunächst denken mag, es erfordert nur eine ruhige Hand, den Rest erledigen die Flüssigkeiten und die Physik von selbst.

American Ti Punch


American Ti Punch
1 oz weißer Rhum agricole (z.B. La Mauny 50°)
¾ oz Limettensaft
½ oz Zuckersirup
1½ oz hopfenfruchtiges Bier (z.B. CREW Republic Drunken Sailor IPA)
Alle Zutaten auf Eis rühren.
[Rezept nach Moritz Niederstrasser und Matthias Ingelmann]


Schon diverse andere Crew-Republic-Biere, wie das 7:45 Escalation Double IPA oder das Roundhouse Kick Imperial Stout, haben mich sehr überzeugt. Das Drunken Sailor IPA reiht sich nahtlos in diese positive Erfahrungsreihe ein – ich freue mich sehr, dass mein lokaler Getränkemarkt dieses Bier nun ins (zumindest vorläufige) Dauerangebot aufgenommen hat und ich es öfters genießen kann, ohne große Internetbestellungen tätigen zu müssen. Und ich werde es in Zukunft zu jedem Black Tot Day zusammen mit einer Viertelpinte Rum eingießen, um auf vergangene Traditionen anzustoßen.

Samuel Smith's Imperial Stout Titel

Imperius Rex! Samuel Smith’s Imperial Stout

Alte Rezensionen… man sollte sie nicht mehr lesen, wenn man sich nicht für sich selbst fremdschämen will. Doch wenn man sich verbessern will, muss man in den sauren Apfel beißen und verstehen, warum sich frühe Besprechungen so anders lesen als die neueren. Man sammelt Erfahrung im Verkosten, man verändert seine Sichtweise auf Dinge, man schraubt an seinem Schreibstil – all das ist einfach nötig, denn von Anfang an hat kein Rezensent goldene Eier gelegt.

Ich publiziere hin und wieder hier auf meinem Blog auch ältere Besprechungen aus meiner Amazonzeit. Oft poliere ich sie etwas auf, damit sie zu meinem neuen Stil passen; ich dachte mir aber, dass es auch mal wertvoll sein könnte, eine Rezension als Ausgangspunkt für eine Metadiskussion herzunehmen. Beginnen wir einfach damit, dass ich eine Rezension vorstelle, so wie ich sie damals am 12. Juli 2015 bei Amazon veröffentlichte, einige Zeit, bevor ich den Blog schlimmerdurst.net startete. Natürlich noch ohne Fotos, damals, für das Samuel Smith’s Imperial Stout. Lassen wir den alten Rezensenten, damals noch „Nunc est bibendum“ genannt, sprechen.

Samuel Smith's Imperial Stout Flasche


„Die Zeiten, in denen man in Deutschland außer Pils und Hefeweizen kaum etwas kannte, sind vorbei: IPA und Stout beginnen so langsam, sich einen Weg über die Craft-Beer-Szene auch in die eher konservativen Haushalte und Bars zu bahnen. Bei mir in der Provinz dauert alles immer ein bisschen länger, daher ist dies eines der ersten Imperial Stouts, die ich verkoste.

Pechschwarz fließt die Flüssigkeit ins Glas, eine feinperlige dünne Schaumkrone bildet sich schnell. Von der Konsistenz her erkennbar dickflüssiger als unser typisches deutsches untergäriges Bier, und mit vergleichsweise wenig Kohlensäure ausgestattet, ist es auch herrlich dunkel-aromatisch im Geschmack: Bitterschokolade, Kakao, Kaffee und ein Touch von herben Früchten, dazu ein Hauch Gewürz, Röstnoten und Nüsse. Ich werde dieses Bier bei der nächsten Party als Nachtisch servieren, da braucht man weder Käse noch Süßspeisen, obwohl es ganz sicher auch dazu passt. Trotz der ausgesprochenen Bitterkeit und für ein Bier etwas erhöhten Alkoholgehalts ist Samuel Smith’s Imperial Stout sehr weich und rund im Mund, und dabei nicht so supermalzigsüß, wie man es vielleicht vom irischen Guinness kennt. Der Drittelliter, so interessant und angenehm sich dieses Bier auch trinken lässt, ist dann aber auch genug für einen Abend – mehr muss nicht sein. Auch als Durstlöscher taugt es nur sehr bedingt.

Die Aufmachung ist sehr schick, ungewöhnlich und mit einem beeindruckenden Etikett versehen. Da dieses Stout beim Mixology-Test auch auf einem respektablen 8. Platz mit wohlwollenden Kommentaren gelandet ist, sollte man selbst auch mal einen Schluck davon riskieren. Und ich werde weiterhin noch das eine oder andere Stout probieren, das steht fest.“


Samuel Smith's Imperial Stout Glas

Grundsätzlich finde ich diese Review auch heute noch nicht schlecht, wenn auch etwas fortgeschritten amateurhaft – es fehlt mir die Angabe des tatsächlichen Alkoholgehalts (7%), der Malzsorten und eine Geruchsverkostung. Was mir stilistisch rückblickend auffällt, ist, dass die Rezension einfach so ins Blaue startet, mit einer nur kurzen Hinführung. Durch diese kurze Hinführung wird aber schon deutlich, dass ich damals mehr im Sinn hatte, als einfach nur Geschmacksnotizen oder Kaufhinweise zu geben – ich will den Leser auf eine Lesereise mitnehmen. Spannungsbogen, Story Telling und Einbettung in ein interessantes Rahmenthema: Das war mir damals noch alles fremd. Was mir schon immer lag, war ein Bonmot für den Titel der Rezension zu finden; die Verbindung eines Imperial Stouts mit der kaiserlichen Meerescomicfigur The Submariner, dessen Wahlspruch „Imperius Rex!“ auch von der Wortwahl her passt, schien mir ein kleiner, nerdiger Hinweis auf meine Comicbegeisterung zu sein.

Darüber hinaus muss man aber festhalten, dass es nicht allein an mir lag. Amazon ist ein denkbar schlechtes Portal für schön gestaltete Reviews – ein schlecht implementierter Editor, man kann Fotos nur an den Artikel hängen, nicht an eine bestimmte Stelle einbetten, Hyperlinks sind kaum möglich, man kann keine typografischen Änderungen wie Kursiv- oder Fettschreibung vornehmen, und man muss aufpassen, welche Worte man verwendet, um nicht im automatischen Content-Filter hängen zu bleiben. Die teilweise tagelange Wartezeit, bis die Besprechung veröffentlicht oder nach Änderungen geupdatet wurde, ist ein Ärgernis. Mir missfiel auch immer schon, dass man eine Sternebewertung abgeben muss (ich bezweifle bis heute deren Sinnhaftigkeit), und die Zuordnung von Rezensionen zu Produkten ist bei der grauenhaften Qualität des Amazon-Produktkatalogs, der vor Dubletten und Doppeltzuordnungen nur so strotzt, nur eine gewisse Weile gewährleistet. Von der anonymen Abklickerei mit dem unsäglichen „Nicht-Hilfreich“-Button will ich gar nicht erst anfangen (diese Rezension ist bis heute glücklicherweise davon verschont geblieben).

Samuel Smith's Imperial Stout Amazonrezension

Warum hatte ich bei Amazon rezensiert? Erstens ist Amazon eine natürliche erste Anlaufstelle für dahingehend Interessierte, und auch eine, an der man schnell ohne viel Aufwand Artikel veröffentlichen kann. Der enorm große Rezipientenkreis hat auch seinen Reiz. Doch dieses Makeup verblasst schnell, wenn man beginnt, semiprofessionell zu arbeiten. Dann ist der eigene Blog die einzig richtige Wahl, auch wenn der Beginn nicht stolpersteinfrei ist.

In meiner ursprünglichen Rezension hatte ich auch noch kein Cocktailrezept für das Samuel Smith’s Imperial Stout angegeben. Die Idee, zu jedem Bier eine Mixempfehlung anzugeben, kam mir erst später, als ich das Potenzial von Bier dafür erkannte. Bis heute ist dies allerdings ein Nischenthema in der Mixologie; ich bin dennoch sehr stolz darauf, dass man auf meiner Seite inzwischen eine erkleckliche Anzahl von Biercocktails für jede Art von Bierstil passend abrufen kann. Nun reiche ich auch ein Rezept für das damals besprochene Bier nach – The Outlaw Czar soll mit seinem Namen wahrscheinlich an die russische Verbindung eines Imperial Stouts hinweisen, denn diese Art Bier wurde als Hofbier des russischen Zarenhofs seit Katharina der Großen berühmt. The Outlaw Czar hat aber auch so etwas Royales an sich. Und er ist mit Sicherheit einer der besten Biercocktails, die ich bisher genießen durfte. Ausprobieren ist Pflicht!

The Outlaw Czar


The Outlaw Czar
2 oz Rye Whiskey (z.B. 1776 Straight Rye Whiskey)
¾ oz Orangenlikör (z.B. Grand Marnier Cordon Jaune)
3 Spritzer Angostura
Auf Eis shaken, dann aufgießen mit…

6 oz Imperial Stout (z.B. Samuel Smith’s Imperial Stout)
[Rezept adaptiert nach Rock & Rye]


Soweit also mein etwas rosig gefärbter Rückblick auf das wie und warum meines Blogs. Ich hoffe, ich habe mich seit dieser Zeit verbessert; verändert habe ich mich auf jeden Fall, auch persönlich, durch das Schreiben. Allein durch das Verfassen von Rezensionen setzt man sich viel intensiver mit einem Produkt oder Gedanken auseinander, man muss Disziplin und Konsequenz lernen, seine Gedanken ordnen und in Form bringen. Das bringt einem auch im Privat- und Berufsleben etwas, wie ich glücklicherweise erfahren durfte. Außerdem ist dieser Blog ein sehr praktischer Tagebuchersatz für mich geworden, über den ich Gedanken niederschreiben kann und der manchmal auch als Ventil dient.

Ich weiß, dass hin und wieder auch Bloggerkollegen hier mitlesen; wie seht Ihr das? Ging es Euch ähnlich? Was sind Eure Anfänge und Gründe? Traut Ihr Euch, Eure alten Rezensionen nochmal auszupacken und zu analysieren? Gern würde ich von Euch hören, wie auch von den reinen Lesern, die meinen Blog schon seit längerer Zeit verfolgen.

Lidl Maltos Titel

Es kann nicht sein, was nicht sein darf – Lidl Maltos

Es gibt Dinge, die dürfen einfach nicht sein, sie widersprechen unseren moralisch-ethischen Grundlagen, all dem, woran wir fest glauben, unserem Weltbild, wie wir es über viele Jahre zusammengezimmert haben. Trotzdem passieren sie, und die Gesellschaft begehrt dagegen auf. Der Aufschrei in so mancher Biercommunity war also groß, als der Discounter Lidl sich erdreistete, neben den typischen Massenbilligbieren auch ein edler aufgemachtes, sich vom Stil und Inhalt deutlich an die interessierte, aufgeschlossene Bierkundschaft richtendes neues Sortiment einzuführen: Die unter der Firmierung Maltos zuerst nur im Aktionsangebot, später auch immer wieder mal erhältlichen Barley Blanc Bock, Barrique Style Doppelbock und Paradiso Zwickel.

Der Craftbierultra beschrie den Untergang des Abendlands, den Ausverkauf der Craftbierbewegung und den Anfang vom Ende aller Bierqualität. Rezensionen folgten stante pede, die wenigstens die Weltsicht wieder geraderückten: Natürlich ist das grausige Plörre (Glück gehabt!), was hatte man schon anderes erwartet. Nochmal erleichtert ausgeatmet. In einer Biercommunity bei Facebook wurde vom Administrator dann danach sogar untersagt, weiterhin Posts zu den Maltos-Bieren zu veröffentlichen. Es kann halt nicht sein, was nicht sein darf. Allein schon diese Reaktionen machen ein Produkt für mich spannend: Getroffene Hunde bellen, wie man weiß.

Lidl Maltos 3 Sorten

Mir erschließt sich einfach nicht so recht, was die Leute daran stört, wenn man heutzutage hochwertige Ware in einem Discounter kaufen kann. Spannenderweise stört sich niemand daran, dass Supermärkte wie Edeka oder Rewe schon lange ähnliches tun – schnell taucht zur Rechtfertigung dann die recht fragwürdige Umdeutung auf, dass Supermärkte ja eigentlich schon fast Feinkostläden seien, mit viel höherem Niveau als die Discounter. Wenn man aber ehrlich ist, veschwimmt die Grenze zwischen Discounter und Supermarkt doch schon seit einiger Zeit. Dass Inhaber von High-Society-Bars ein Kommunikationsproblem mit ihrer Kundschaft haben, die das Tonic Water, das bisher wegen seiner unzweifelhaften Qualität wie selbstverständlich im Einsatz war, nun nicht mehr wollen könnte allein aus dem Grund, dass es in einem Discounter erhältlich ist – nun, das ist halt ein gewisses Luxusproblem, mir persönlich ist Qualität wichtiger als Image.

Ich habe glücklicherweise kein Problem mit der Möglichkeit, gutes Bier im Discounter zu kaufen. Daher flugs zum Lidl, ein Dreierset jeder Sorte in den Warenkorb gelegt, und für jedes davon 2,50€ bezahlt. Man sieht, zumindest der Preis ist schonmal für Discounterverhältnisse craftig. Was ist zum Inhalt der Fläschchen zu sagen?

Lidl Maltos Barley Blanc Glas

Beginnen wir mit dem Maltos Barley Blanc, einem Bockbier mit 6,9% Alkoholgehalt. Das blasse Strohgold ist leicht trüb, der Schaum schnell weg. Optisch bin ich nicht übermäßig beeindruckt – der Geruch ist schon etwas spannender, leicht fruchtig nach Grapefruit und Orangenfleisch, mit einer hintergründigen Lakritzwürze. Spannend wirds dann aber erst im Mund. Ein sehr interessanter Eukalyptusgeschmack, eigentlich fast schon mehr ein Gefühl. Ist das der auf dem Etikett angegebene Hallertau Blanc-Aromahopfen? Neben dieser reizvollen Komponente verblasst der Rest der Aromatik deutlich: Nur wenig des gerochenen Obsts kann man auch schmecken, dafür bekommt man eine starkmetallische, nach meiner Erfahrung bockbiertypische, Breitseite. Insgesamt kaum nennenswerte Aromen, höchstens etwas Heu und Getreide. Mildsauer, etwas bitter. Im Abgang kommt eine starksüße Komponente zum Vorschein, die ich nicht wirklich mag. Der Abgang ist sehr kurz und etwas bedeutungslos; das Bier ist so schnell vergessen, wie man es schluckt. Dennoch halte ich das Maltos Barley Blanc für ein vernünftiges Bier, mit einem winzigen Hauch von Anspruch, dem es dann aber doch nicht so wirklich gerecht werden kann.

Lidl Maltos Barrique Style

Soweit, so interessant. Das nächste auf der Liste ist das Maltos Barrique Style, ein Doppelbock mit 7,6% Alkohol. Ich mag Biere mit dieser Farbtönung einfach nicht, ein undefiniertes, schwammiges Colabierbraun, mit scharlachroten Reflexen. Kaum Perlage, und der Schaum ist auch nur kurz vorhanden – kein guter Anfang. Wer sich davon hat schon abschrecken lassen, hätte die dann aber durchaus ansprechende Nase verpasst: Leichter Rauchgeruch, tatsächlich weist das Bier einen gewissen Fasscharakter auf (ohne allerdings je ein Holzfass von innen gesehen zu haben). Etwas Plastik, deutlich aromahopfig nach Tropenfrüchten. Milde Hefigkeit. Dazu kommt ein schönes Mundgefühl mit einer guten Mischung aus Malzweiche und Kohlensäurekantigkeit. Die schöne Hopfennote kombiniert sich gut mit der passenden Säure.

Im Abgang wird das Maltos Barrique Style einerseits leicht salzig, entwickelt aber auch eine klebrige Süße, die das Gesamtbild leider sehr stark ankratzt. Schade – ohne diesen Papp am Ende würde ich sagen, dass das ein sehr gutes Bier ist. Trotz des traurigen Endes, so ehrlich muss ich sein: Da habe ich schon sehr viel schlechtere Biere getrunken, selbst aus dem Craft-Bereich.

Maltos Paradiso Zwickel

Das beste kommt zum Schluss, heißt es – trifft das auch auf das dritte Lidl-Bier im Bunde, das Maltos Paradiso Zwickel mit 5,0% Alkohol, zu?

Wie die Stilbezeichnung schon ausssagt ist auch dieses Bier naturtrüb, und recht blass. Sehr feiner Schaum krönt es, der durch milde Perlage aufrechterhalten wird. Blass bleibt auch der Geruch; zurückhaltend hopfig, leicht zitronig und leicht hefig, sonst aber recht neutral. Weich wird es dann im Mundgefühl, und angenehm rezent. Die errochene Aromenarmut setzt sich auch beim Geschmack fort – die schon ansprechende Würze wird durch die pappige Hintergrundsüße, deren Fehlen dem Bier guttun würde, plattgemacht. Etwas fruchtig, vielleicht Ananas – das wars aber schon. Der verwendete Mosaic-Hopfen, den ich schon bei anderen Bieren als nicht begeisternd empfand, geht hier ziemlich unter. Die leichte Säure im Abgang, die am Gaumen bestehende Hefe, die Süße – all das wirkt nicht rund, sondern unruhig und oberflächlich.

Ein sehr anspruchsloses Bier ohne großartig eigenen Charakter, langweilig und unrund komponiert, Säure und Süße kämpfen gegeneinander statt zu harmonieren. Das Maltos Paradiso Zwickel geht selbst in der Masse der Discounterbiere unter. Für mich persönlich das klar schlechteste der drei Maltos-Biere.

Lidl Maltos 3 Sorten Dreierpacks

So endet diese Verkostung in einem Missklang. Mein persönliches Fazit ist dennoch- die Maltos-Biere sind keineswegs schlecht, im Gegenteil, im Vergleich zur sonstigen Bierware, die man bei Discountern findet, ist das ein teilweiser Quantensprung, und auch so manches Industriebier fällt dahinter ordentlich zurück. Klarerweise sind die Maltos-Biere gleichzeitig aber auch keine Biere, die man unbedingt probiert haben muss, oder für die es sich lohnen würde, extra zu Lidl zu fahren.

Für Bierkenner, die sich bereits eh schon nur mit gehobener Qualität versorgen, und Craftbierfanatiker, für die alles, was nicht von einem Künstler im Einzelsud mit 8 Aromahopfen für mindestens 3€ pro 330ml produziert wird, keinen Blick wert ist, sind diese Biere natürlich völlig ungeeignet, und wenn es nur aus dem Grund sein sollte, den ich oben in der Einleitung ansprach – Snobismus und Vorurteil.

Alle anderen offengeistigen Bierfreunde, die den unanspruchsvollen Durst beim Essen jetzt schon über Industriebier stillen, können durchaus mal einen Blick und Schluck riskieren. Wenn man sich nicht erhofft, Spitzenbier mit Craft-Niveau zu bekommen, sondern einfach nur auf eine spannende Abwechslung vom Pilseinerlei Lust hat, dann sind die Maltos-Biere eine Wahl, mit der man nicht viel falsch macht – legt einfach mal beim nächsten Lidl-Besuch statt des üblichen, gewohnten Lidl-Hausmarken-Perlenbacher-Sixpacks eine Sorte des Maltos-Biers in den Warenkorb und probiert es selber aus.