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Kronenbourg 1664 Titel

Die spinnen, die Gallier – Kronenbourg 1664 Bière Premium

Wie sehr habe ich mich darüber gefreut, dass ich als grenznah Wohnender so leichten und preislich attraktiven Zugriff auf rhum agricole, Cognac, Armagnac und andere französische Spitzenspirituosen habe. Für Schnaps haben die Franzosen ein Händchen, ohne Zweifel. Über Wein brauchen wir auch nicht zu reden (weil ich mich damit überhaupt nicht auskenne, hauptsächlich), doch mir fiel neulich bei einer gedanklichen Retrospektive meiner Bierrezensionen auf, dass ich dieses schöne Land diesbezüglich noch nicht im Besprechungsportfolio habe. Woran liegt das? Ich kenne gute deutsche, belgische, italienische, amerikanische und britische Biere. Warum hält sich ausgerechnet die Genießernation Frankreich so beim Bier zurück? Mögen sie es einfach nicht?

Tintin et les Picaros © Casterman
Tintin et les Picaros © Casterman

Im französischen Supermarkt bietet sich dann ein entsprechendes Bild: Dutzende von deutschen, belgischen und internationalen Biersorten kann man zwar kaufen, doch wenn man sich auf die Suche nach einem landeseigenen Gerstensaft macht, läuft man gegen eine rot-blaue Wand – die Brasseries Kronenbourg aus dem Elsass, mit ihren zwei Hauptprodukten Blonde und 1664, dominiert das Bild zumindest hier im Département Moselle völlig. Neben diesen Industrie-Massenprodukten sind im Supermarkt erhältliche französische Biere kleinerer Hersteller dann oft wenig alltagstaugliche Spezialbiere, mit 15% Alkohol und anderen Sperenzchen, aromatisiert bis zum Umfallen, oder Spaßbiere wie Desperados, die man nur noch mit Mühe als Bier bezeichnen will. Es scheint, als hätten die Franzosen einfach kein Verhältnis zum Bier.

Nun muss ich halt in den sauren Apfel beißen, beziehungsweise das direkt Verfügbare verkosten. Ich habe mich nach kurzem Inmichgehen für das Kronenbourg 1664 (gesprochen „seize soixante-quatre“, also sechzehnvierundsechzig) entschieden; seit 350 Jahren Brautradition, na, da muss doch was rüberkommen.

Kronenbourg 1664 Flasche

Wie so viele Lager gibt sich das Kronenbourg 1664 auch keine Blöße, was den optischen Eindruck angeht – so stellt man sich ein Bier vor. Strahlender Bernstein, kräftige Perlage, schöner, feiner Schaum. Geruchlich ist da Hefe, ein Touch Hopfen, und ein Hauch Orange. Das wars aber auch schon.

Das erste, was mir nach dem ersten Schluck auffällt, ist ein ziemlich unangenehmer Fehlton, der kaum wieder aus dem Kopf zu bekommen ist – chlorig, gemüsig und fast schon ziegenkäsig. Wurde hier chloriertes Wasser zum Brauen benutzt, oder ist das ein Rückstand von DMS (Dimethylsulfid)? Ansonsten habe ich bei Industrie-Lagerbieren inzwischen aufgegeben, groß nach Aromen zu suchen – auch das 1664 hat einen sehr reduzierten Geschmack, es ist eher auf der süßlichen Seite verortet und vergleichsweise dumpf zu trinken. Nur gut gekühlt erhält man einen Frischefaktor, der Hersteller empfiehlt 4-6 Stunden Kühlung, um 6-8° zu erzielen.

Kronenbourg 1664 Glas

Der Abgang ist mild, süßlich, mit nur minimalster Bittere, und sehr sehr kurz, eigentlich praktisch nichtexistent. 5,5% Alkohol sind gut in der Süffigkeit verborgen. Schade, dass Lager als Bierstil inzwischen zu so dünner Brühe verkommen ist, ein Effekt, den man bei sehr vielen massenproduzierten Lagern beobachten kann.

Ich habe, ehrlich gesagt, so meine Schwierigkeiten, dieses Bier als Cocktailzutat zu empfehlen. Diese Chlornote könnte sich auch in Mixturen negativ bemerkbar machen, so meine Befürchtung. Ich riskiere es natürlich, mutig wie ich bin, trotzdem. Im Coupe de Ville hat das 1664 genug starke Kontrahenten, die die schlimmsten Fehler im Bier ausbügeln können sollten – und der Mut zahlt sich tatsächlich aus. Ausgesprochen lecker.

Coupe de Ville


Coupe de Ville
¾ oz Tequila Añejo (z.B. Herradura Añejo)
¾ oz Limettensaft
¾ oz Orangensaft
½ oz Orangenlikör (z.B. Le Favori)
Alle Zutaten auf Eis shaken. Dann…
2 oz leichtes Bier (z.B. Kronenbourg 1664)
…dazugeben und leicht umrühren.
[Rezept nach Lisa Lavery]


Erworben habe ich das Bier im französischen Record, für unter 4€ für 6 kleine 250ml-Fläschchen im typisch französischen vollummantelten Sechsertragerl. Auch wenn ich es nicht wirklich empfehlen will: wenn man dran vorbeiläuft auf dem Weg zu einer Grillparty oder einem Public Viewing, kann man es mal mitnehmen.

Kronenbourg 1664 Tragerl

Als Fazit muss man festhalten, dass es kein Wunder ist, dass die Franzosen so wenig Bier trinken, wenn ein Bier wie das Kronenbourg 1664 ihr liebstes Bier ist (oder ist es umgekehrt?) – die spinnen, die Gallier. Erneut dankt man Gott, dass in Deutschland die Bierindustrie sich nicht dazu herablässt, solche Suppe zu produzieren.

Doch eins gilt es zu bedenken: Die USA waren einst in derselben Situation. Lasches Massenbier war gang und gäbe, bis sich ein paar Leute das nicht mehr gefallen ließen und die Craftbier-Welle lostraten, die nun die ganze Welt erfasst hat, und hervorragendes, charakterstarkes und interessantes Bier hervorbringt. Gerade für ein Genießerland wie Frankreich ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Welle auch an die Küsten der Grande Nation schwappt, und bei dem Perfektionismus, den die Franken bei allem, was den Genuss angeht, an den Tag legen können, muss man dann irgendwann garantiert sagen: Gnade Euch Gott, Bierkonkurrenz, wenn die Gallier mal aus ihrem Dornröschenbierschlaf aufwachen sollten. Laut dem Magazin Frankreich erleben #60 gibt es doch viele kleine lokale Brauereien, deren Biere ich nun mal anfordern werde, um bei diesem Aufbruch mitzuhelfen und den Geschmack des Kronenbourg aus dem Mund zu bekommen.

Kona Longboard Titel

Surf’s Up! Kona Brewing Longboard Island Lager

Was macht das Surfen zu so einer beliebten Sportart? Ist es die Technik, die man benötigt, um auf einem dünnen Holzbrett auf einer wackligen Oberfläche zu balancieren, die so begeistert? Ist es der Wagemut, ohne Schutz einer wilden Welle zu trotzen? Ist es die Exotik einer Sportart, die an traumhaften Stränden mit herrlichen Wetterbedingungen von hübschen Frauen und Männern mit gestählten, sonnengebräunten Körpern betrieben wird?

Persönlich habe ich die Begeisterung ums Surfen, was die sportliche Komponente angeht, nie so wirklich verstanden. Was ich sehr nachvollziehen kann ist das, was ich als letztes angesprochen hatte – das Surfen hat ein Flair, das nach Freiheit, Wildheit und guter Laune riecht, nach ungeregelter Auslebung, nach einem Lebensgefühl. Nicht umsonst sind die musikalischen Begleiter der Surfwelt, die Beach Boys, trotz inzwischen durchaus gehobenen Alters selbst 2012 noch mit Surfin‘ U.S.A. beliebt wie damals in den 60ern, als sie mithalfen, die USA in einen „endlosen Strand“ (so Luis Sanchez im Buch The Beach Boys‘ Smile) zu verwandeln – auch wenn sie heute lieber im Sitzen performen und gemütlich wippen statt selbst auf einem Brett zu stehen.

Wie der Surfer auf dem Brett durch den Wellentunnel steuert – meist in Superzeitlupe gedreht und mit dramatischer Musik unterlegt – ist wahrscheinlich eines der meistgebrauchten Fernsehklischees geworden, wenn es um Wasser und Erfrischung geht. Wie sieht es nun mit dem Erfrischungsgehalt eines Inselbiers aus, das sich die klassische, orginiale Form des Surfbretts, das Longboard, aufs Etikett geschrieben hat? Kann das Kona Brewing Longboard Island Lager als leichtes Getränk für Surfer punkten oder ist es mehr ein Schwergewicht für hawaiianische Sumoringer?

Kona Longboard Flasche

Das Longboard ist, wie viele Lager, filtriert und dadurch sehr hell. Kräftige Perlage führt zu einer grobkörnigen Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Auch die Nase wird nicht überlastet: Der leicht fruchtige Geruch, mit Anklängen von Beeren, wird gefolgt von einem lagertypischen Hefeschwall. Sonst ist da nicht viel zu Schnuppern.

Deutlich fruchtig ist dafür der Geschmack, mit einem freundlichen Charakter ohne aggressive Ecken und Kanten, auch bei der äußerst dezenten, aber spürbaren Bitterkeit. Eine starke Süße ist im Vordergrund. Mit 4,6% ist das Longboard Island Lager auch alkoholtechnisch ein leichteres Bier.

Man kann als Bierverkoster etwas das Gesicht ob der mangelnden Komplexität verziehen, aber das ist unangebracht. Mein Fazit würde eher lauten: Sehr leicht und frisch, zurückhaltend in allen Belangen, dabei aber charmant unkompliziert.

Kona Brewing Longboard Island Lager Glas

Die tolle Flasche mit der eingelassenen hawaiianischen Inselkarte, dem Firmenslogan („Liquid Aloha“) und dem stimmungsvollen Strandleben-Etikett haben mir schon bei einem anderen Bier dieser Reihe gefallen, dem Big Wave Golden Ale. Auch das Fire Rock Pale Ale steht schon auf meinem Regal, bereit zur Verkostung – mir gefallen die Produkte von Kona Brewing einfach sehr.

Vom langen Longboard zum langen Gemüse – ich bin ein großer Freund von Gurken in Cocktails. Im Cool Cucumber Lager bietet die gemuddelte Gurke einen netten Gemüsetouch ans Bier, während die Zitrone und die Minze das ganze auffrischen. Ein leichter Cocktail, mit einem leichten Lager gemacht – ideal für den Sommer. Und wenn man ihn in einem zum hawaiianischen Bier passenden Glas serviert, passt auch die Stimmung.

Cool Cucumber Lager


Cool Cucumber Lager
1 oz Zitronensaft
4 Scheiben Gurke
3 Blätter Minze
…diese Zutaten im Glas muddeln, dann abfiltern und mit…
8 oz Lager (z.B. Kona Brewing Longboard Island Lager)
…aufgießen.
[Rezept leicht abgewandelt von craftedpours.com]


Was hindert mich daran, dieses schöne Lager regelmäßig zu trinken, besonders, wenn ich es durchgängig in der Spirituosenabteilung des lokalen GaleriaKaufhof in Saarbrücken kaufen kann? Es sind die Zahlen auf dem Preisschild. Rund 3€ für 330ml machen aus einem Strandbier einen Luxusartikel, den man sich nur hin und wieder gönnt; da bekommt man schon mehr als einen Liter anderer ganz hervorragender Lager.

Nun, vielleicht ist es auch nicht schlecht, wenn nicht jedes gute Bier automatisch auch zu einem Alltagsbier wird. So bleibt der Besonderheitseffekt erhalten, man freut sich jedesmal neu auf einen Schluck eines exotischen Importbiers, und säuft sich nicht satt daran beim gedankenlosen Trinken zur reinen Durststillung oder zum Essen, wie das bei vielen anderen Bieren, insbesondere Lagerbier, passiert. Und es transportiert so ganz nebenbei noch dieses Surfer-Lebensgefühl, wenn man es zulässt.

Brink's Rethymnian Bier Titel

Insel der Bierseligen – Brink’s Rethmynian Dark und Blonde

Ganz Kreta ist fest in Industriebierhand. Ganz Kreta? Es sieht fast so aus. Egal, wo man sich auf Ostkreta bewegt, man begegnet immer denselben Biermarken. Die holländischen Biergötter Heineken und Amstel beherrschen das Feld weitestgehend, begleitet von den griechischen Titanen Alfa, Mythos und Fix. Man mag denken, dass das halt in Touristenzentren so ist, dass die hereinströmenden Party-People ihr bekanntes Bier trinken wollen; aber selbst in kleinen Kneipen im Landesinneren, wo sich kein Tourist auf den hier so beliebten Quads jemals blicken lässt, ist der Kühlschrank gefüllt mit den Massenmarken. Alle diese Biere sind recht dünne Lagerbiere, schmecken sehr ähnlich leicht und aromenarm – ehrlicherweise muss man sagen, dass im heißen Klima Kretas sich sowas sehr gut und angenehm trinkt.

Ich stolperte nur zufällig in einem Supermarkt in der Kühltheke über die scheinbar eine Ausnahme auf Kreta: kretisches Bier, hergestellt im malerischen Ort Rethymnon, abgefüllt in Bügelflaschen, mit einem deutschen Namen – nun, vielleicht finde ich als Bierfreund hier die Abwechslung vom Lagereinerlei im Urlaub? Flugs jeweils eine Flasche der beiden erhältlichen Sorten, des Brink’s Rethymnian Dark und des Brink’s Rethymnian Blonde, eingepackt, im Hotelkühlschrank einen Tag wieder runtergekühlt und dann auf dem Balkon des Hotelzimmers gemütlich verkostet.

Brink's Rethymnian Bier Flaschen

Der erste Versuch war das Brink’s Rethymnian Dark. Ganz so dunkel ist es im Glas dann doch nicht – wahrscheinlich ist der Farbhinweis bezogen auf den Vergleich zum sehr hellen, sonst üblichen Lagerbier. Ich persönlich würde den Bernsteinton nicht als Dunkelbier erkennen. Eine leichte Trübung beweist den Hinweis, dass die Brink’s-Biere ungefiltert sind. Feiner Schaum, schnell abgebaut, krönt das Bier.

Auf der Lassithi-Hochebene auf Kreta kann man es aus erster Hand erfahren – Hitze führt dazu, dass Aromen verstärkt werden. Wer dort zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, wird überwältigt von all den Gerüchen, die die wildwachsenden Kräuter wie Rosmarin, Thymian und andere verströmen. Daher bin ich um so enttäuschter vom Geruch des Rethymnian Dark: Völlig neutral, nichts, aber überhaupt nichts ist da zu riechen. Auch als ich das Bier eine Weile aufwärmen ließ, konnte ich nichts entdecken.

Ist der Geschmack interessanter? Leicht malzig-süß, mild und weich. Eine überraschend starke Säure drängt sich schnell nach vorne, begleitet von einer extremen Kohlensäure. Selbst für mich, der ich gern Bier mit knackiger Sprudeligkeit mag, ist das viel zu viel, die Kohlensäure nimmt alles an Körper weg, was sonst vielleicht da gewesen wäre. Nach dem ebenso dünnen Abgang muss ich leider sagen: Das ist für mich keine Verbesserung zu den Industrielagern, eher sogar ein Rückschritt; ein Heineken ist da aromatisch interessanter und angenehmer zu trinken.

Brink's Rethymnian Dark Glas

Gehen wir etwas ratlos über zum anderen Bier, dem Brink’s Rethymnian Blonde. Der Name deutet schon an, was wir hier erleben werden. Schönes Gold mit minimaler Trübung, dazu eine sehr kräftige Perlage, die für feinen, dünnen Schaum sorgt. Achja, noch ein Lager, mag man nach den oben geschilderten Erfahrungen hier auf Kreta denken.

Der Geruch ist schonmal spannender als der des dunklen Brink’s. Immer noch zurückhaltend, entdecke ich hier zumindest Trauben und kretischen Rotwein, und eine leicht blumige Note. Mild dann im ersten Mundgefühl, süßlich, leider erneut kaum Aromen, aber überraschend hopfenbitter – endlich die Abwechslung, die ich im süßmilden Biereinerlei suchte. Eine gute Säure mit sehr hoher Rezenz macht das Bier erfrischend im kretischen Sommer, doch auch hier werde ich mit dem übermäßigen Einsatz von Kohlensäure erschlagen.

Der trocken-adstringierende Abgang des Rethymnian Blonde ist mittellang, und hinterlässt den Eindruck eines Biers, das in Deutschland allerhöchstens unter „ferner liefen“ gelistet werden würde, doch auf Kreta als gute Alternative zum holländisch-griechischen Massenmarkt funktionieren kann – als Bierfreund im Urlaub sollte man es definitiv probieren.

Brink's Rethymnian Blonde Glas

Rettet das Biosiegel das kretische Bier? Eigentlich nicht. Denn letztlich muss es sich am Geschmack messen lassen, da kann es so ökologisch hergestellt werden, wie es will. Es gibt nur wenige Bio-Produkte, die ich kaufe, bei denen mir die Produktion wichtiger ist als der Geschmack – Eier, beispielsweise. Zumindest ist es dann aber so, dass der Geschmack mit Produkten ohne Biosiegel leicht mithalten kann; hier, so leid es mir tut, sehe ich das nicht. Die Homepage bietet ein paar Einblicke in den schwierigen Start, den das junge Bierunternehmen seit 2001 hatte, und welche bürokratischen Stolpersteine dazu kamen – ich würde mich freuen, wenn sie ihr Produkt weiterhin verbessern und den ökologischen Gedanken weitertragen, um in Zukunft dem interessierten Bierfreund beides bieten zu können.

Mit dem Preis orientiert man sich dann aber doch am deutschen Preisgefüge – die Industrielagerbiere sind spottbillig für unter 1€ den halben Liter zu bekommen, das Brink’s setzt mit 2,50€ für 330ml dann schon ein mutiges Ausrufezeichen, ähnlich, wie das viele Craftbiere in Deutschland tun. Beide Biere haben denselben Alkoholgehalt von 4,8%.

Brink's Rethymnian Bier Rücketikett

Eine spannende Randnotiz findet sich dann noch am Ende des (leider etwas lädierten) Rückseitenetiketts – in einer Gesellschaft, in der die Dose und Einwegflasche völlig etabliert sind, und die meisten Kaltgetränke sogar aus der Plastikflasche getrunken werden, ist so etwas wie ein Pfand ein mutiges, leider fast schon utopisch anmutendes Konstrukt – mir ist unklar, wie in dem Umfeld, in dem ich mich in meinen Urlauben auf Kreta bewegt hatte, so etwas funktionieren soll. Ich hatte jedenfalls keine Lust, nochmal ins Taxi zu steigen, um zum Supermarkt zurückzufahren, nur um die Flaschen wieder zurückzugeben. So landeten sie wahrscheinlich im Müll, als das Zimmermädchen das Zimmer aufräumte, so leid es mir tut. Dennoch passt die Idee natürlich zum grundsätzlichen, ökologischen Grundkonzept des Biers und ist ganz sicher lobenswert – vielleicht ist die Situation in größeren Städten diesbezüglich besser. Und hoffentlich kann Brink’s hier weiter Pionierarbeit leisten, denn schlimmer werden kann die Müllsituation auf Kreta kaum – jede Plastikflasche, die nicht produziert wird, weil ein Mehrwegsystem entsteht, wäre ein Gewinn für die Insel.

Moritz Bier Titel

Dafür fällt in China kein Sack Reis um – Moritz Bier

Eigentlich wollte ich nicht mehr groß auf das Reinheitsgebot zu sprechen kommen; dazu ist schon soviel gesagt und diskutiert worden, und meine Meinung habe ich in diversen Bierartikeln hier auf schlimmerdurst.net schon kundgetan. Als Einleitung muss es nun aber doch nochmal herhalten, allerdings weniger wegen seines Inhalts, sondern mehr wegen seiner Stellung innerhalb der Bierwelt – kein anderes Land, keine andere Bierkultur hat so etwas.

In Belgien wäre so ein Gebot unvorstellbar, die vielfältige Bierkultur, die die Brauer und Konsumenten dort genießen, würden sie sich nicht durch eine so willkürliche Einschränkung wie das Reinheitsgebot zerstören lassen. In China beispielsweise ist die Einstellung auch etwas lockerer; das einst, in Kolonialzeiten, noch nach deutschem Reinheitsgebot gebraute Tsingtao-Bier hat sich inzwischen emanzipiert und produziert nach chinesischem Geschmack, nicht nach deutscher Tradition, und wird auch entsprechend charmant unkompliziert und hemdsärmelig, wie die Chinesen sein können, teilweise sogar in Plastiktüten abgefüllt und verkauft. Dabei kommt eine heutzutage durchaus verbreitete Zutat in globalem Bier zum Einsatz, die das Reinheitsgebot erschaudern lässt: Reis.

Wer heutzutage gern Import-Lager trinkt, hat sich damit abgefunden. Die großen Konzernbrauereien nutzen Reis und Mais, um den deftigen Biergeschmack zu unterdrücken, und so leichtere, süffigere, aromatisch zurückhaltendere Biere herzustellen. Um ein weiteres Land aufzuführen, das sich an Reis als Bierzutat gewöhnt hat, nenne ich hier nun Spanien – das Moritz Bier hat eine dem Tsingtao ähnliche Geschichte hinter sich. Deutsche Auswanderer produzieren nun in Barcelona für den katalanischen Geschmack, und da ist Gerste wohl nicht erste Wahl.

Moritz Bier Flasche

Rein optisch ist das Moritz ein Hammer: kristallklares, strahlendes Gold, wunderbar starke Perlage. Der sehr feine Schaum, ein halber Zentimeter dick, erhält sich lang. Eine leichte Ernüchterung ist der Geruch – praktisch neutral, nur, wenn man die Nase fast schon im Schaum hat, riecht man leichte Bieraromen nach Hefe und Malz.

Zunächst kommt es süßlich im Mund an, dazu eine milde Säure. Aber auch hier hat man Schwierigkeiten, Aromen neben höchstens etwas Hefe und Malz herauszuschmecken. Ich habe den Eindruck, bei diesem Bier geht es mehr um die Leichtigkeit als um Geschmack; es ist weit entfernt von den Aromahopfen eines angloamerikanischen Ales.

Leicht bitter wird es erst gegen Ende (dann aber eher bitterhopfenbitter, nicht aromahopfenbitter, erinnert an ein mildes Pils), im Abgang dann noch ein bisschen Säure, ein leichter Kräuterton taucht auf. Insgesamt nicht wirklich angenehm im Gesamtgefühl des Abgangs. Man sieht: Außer „süß“, „bitter“ und „sauer“ finde ich einfach keine Wörter, weil ich nichts außer diesen Basiseindrücken finden kann. Positiv: Eiskalt (und hiermit meine ich wirklich frisch aus dem Kühlschrank oder Gefrierfach) ist es wirklich sehr erfrischend und angenehm durstlöschend.

Moritz Bier Glas

Das Cerveza Moritz wirkt insgesamt für mich etwas unausgewogen, und, schlimmer, uninteressant und stinkelangweilig in der Sensorik. Ein Modebier, wenn man meine ehrliche Meinung haben will, das gerade halt „in“ ist, weil es scheinbar in Barcelona als Kultbier gehandelt wird (laut Aussage des deutschen Vertriebs, wohlgemerkt). Der Homburger Bierbrauer Karlsberg importiert das Bier aus Spanien und schreibt darüber auf seiner Produktseite:

Mit Moritz kommt das Lebensgefühl Barcelonas nach Deutschland.

Nun ja. Zumindest weiß ich nun: ich kann mir die Reise nach Barcelona offensichtlich sparen, denn wenn die ein Lebensgefühl haben, das diesem Bier entspricht, dann fahre ich lieber ins Feuchte Eck nach Heiligenwald, da ist mehr los. Persönlich finde ich es viel zu süß für ein Lager; ich trinke gern hin und wieder ein leichtes Lager als reinen Durststiller, präferiere dann aber ganz klar im Vergleich zum Moritz ein noch süffigeres Heineken, ein San Miguel, ein Ratsherrn Lager oder ein italienisches Menabrea – man sieht, Alternativen gibt es mehr als genug.

Reis als Gerstenersatz in Bier sorgt, wie oben erwähnt, für einen leichten, dünnen Geschmack ohne Aromen, und das merkt man hier deutlichst  – ich bin wirklich kein Verfechter des Reinheitsgebots, aber wenn man schon zusätzliche Zutaten verwendet, sollen sie auch einen Sinn und eine aromatische Aufgabe im Bier haben; wenn die einzige Aufgabe einer Zutat allerdings die Geschmacksminimierung ist, kann ich persönlich getrost darauf verzichten.

Passend zum Herkunftsland habe ich mir nun noch einen Biercocktail ausgesucht, in dem ich das Moritz Bier verwende. Auch wenn der Stierkampf in Katalonien seit 2012 nach langem politischen Ringen gegen die Befürworter dieses grausamen Spektakels verboten ist, soll der El Matador an das rote Tuch des Stierkämpfers erinnern.

El Matador


El Matador
2 Erdbeeren und 4 Blätter Basilikum muddeln
2 oz Tequila Blanco (z.B. Olmeca Altos Plata)
1 oz Limettensaft
½ oz Agavendicksaft
…und am Ende mit Moritz Bier aufgießen
[Rezept nach unbekannt]


Zum ersten Mal getrunken hatte ich das Moritz in einer Bar in Saarbrücken, die mit großen, bodenreichenden Fenstern vom etwas hippen, sich gern zeigenden Publikum lebt, und daher wahrscheinlich gern ein Lifestylebier anbietet – für den Geschmackstest in diesem Blogartikel erworben hatte ich das Moritz in einem Sixpack voll 330ml-Longneck-Flaschen für rund 5,50€ in einem Edeka. Das ist nicht die Welt; dennoch bezweifle ich, dass ich hier erneut zuschlagen werde. Die internationale Konkurrenz im Leichtbierbereich ist, wie bereits erwähnt, zu stark für das Moritz – um zurückzukommen auf den Titel und die Einleitung: für dieses Bier fällt nichtmal im reisaffinen China ein Sack der Zutat um.

Brooklyn Lager Titel

Eher durchschnittliche Freiwurfquote – The Brooklyn Brewery Brooklyn Lager

Es gibt so ein paar Konsolenspiele, die mich bis heute verfolgen. Zusammen mit meinem Nachbarn und meinem Cousin habe ich als Jugendlicher unendlich viele Stunden damit zugebracht, Sportspiele zu zocken – das Eishockeyspiel EA Hockey und dessen Nachfolger und das Basketballspiel NBA ’97 und Epigonen führten zu dicker Hornhaut auf Daumen und einer damit einhergehenden Begeisterung für diese US-amerikanischen Sportarten. Ich konnte damals einen Großteil der Mannschaftskader von Dutzenden von Eishockey- und Basketballteams aus dem Kopf hersagen, mit Stärken und Schwächen der Spieler, zumindest so, wie sie in diesen Spielen abgebildet waren. Irgendwann hat sich das Interesse dann wieder verloren, und ich habe aufgehört, diese Sportligen weiter zu verfolgen.

Während der Recherche zum The Brooklyn Brewery Brooklyn Lager, das ich hier vorstellen wollte, bin ich dann entgeistert darüber gestolpert, dass Brooklyn, also der New Yorker Stadtteil, in dem dieses Bier erwarteterweise hergestellt wird, nun ein NBA-Basketball-Team hat! Schon seit der Saison 2011/2012 gibt es die New Jersey Nets, wie ich sie aus meiner „aktiven Zeit“ kannte, nicht mehr, und sie haben ein neues Zuhause in Brooklyn gefunden. Amerikanische Sportmannschaften sind notorisch wanderlustig, da wird schnell mal das Team von einer Stadt in eine tausende Kilometer entfernte andere Stadt verlegt, wenn die Kohle stimmt; einen Lokalpatriotismus, wie man ihn von deutschen Fußballmanschaften kennt, sollte man sich in den USA also nicht zulegen.

Genug der Nostalgie für ein Team, das offensichtlich eh nie wirklich erfolgreich und/oder übermäßig beliebt war. Gottseidank hat Brooklyn aber außer einem neumodischen Basketballteam auch eine deutlich ältere Brauerei zu bieten (naja, immerhin seit 1987), die das bereits angesprochene Brooklyn Lager herstellt, das ich mir nun fernab seiner Heimat ins Glas gieße, um den Umzugsschock zu verdauen.

Ein wirklich wunderbar fruchtiger Geruch beim Eingießen. Grapefruit, Ananas, Orange – der Hopfen in diesem Bier gibt alles, was Aromahopfen zu geben hat. Dazu kommt ein Hintergrundrauschen von Bierhefe. Zum Träumen. Farblich dunkel, Bernstein oder Kupfer, mit schöner Perlage und einer, wenn auch sehr dünnen, so dennoch bis zum Schluss anhaltenden Schaumschicht.

Brooklyn Lager Flasche

Süßlich im Mund, etwas dumpf und schal, aber doch mit assertiver Würze. Geruchlich nähert sich das Brooklyn Lager an ein IPA an, geschmacklich nimmt es trotz des Hopfens (Hallertauer Mittelfrüh, Saphir, Cascade) abstand davon: eine spürbare Bitterkeit ist im Mund vorhanden, die aber durch die Malzmitte (Pilsener Malz, Karamellmalz, Münchner Malz) ausgeglichen wird; so bleibt auch die Fruchtigkeit des Hopfens lange am Gaumen, nicht dessen Bitterkeit. Eine leichte blumige Note ist auch vorhanden, aber auch ein kleiner Fehlgeschmack und -geruch, erinnernd an Plastik, der mich etwas stört.

Der Abgang ist kurz und neutral, trocken und mit, wie gesagt, einigem an Frucht – und die Bitterkeit taucht am Ende plötzlich wieder auf, und ist dann sogar etwas penetrant streng.

Brooklyn Lager Glas

Ist das ein Gourmetbier? Hm, ich weiß nicht, dazu ist es für meinen Geschmack deutlich zu unrund und zwar charakterstark, aber gleichzeitig auch zu wechselhaft – es punktet für mich ganz klar hauptsächlich über den fantastischen Geruch. Gleich ein paar geschmackliche Eigenschaften lassen mich dann aber etwas an der Note abziehen, doch im großen und ganzen betrachtet ist das Brooklyn Lager gerade für Hopfenfreunde hochinteressant. Es ist ein feiner Essensbegleiter im Glas, oder am Grill aus der Flasche. Es sollte aber gut gekühlt sein, um seine positiven Eigenschaften ideal ausspielen zu können.

Wer auf der Suche nach guten Bieren für Biercocktails ist, kann aber unbesehen zugreifen; oft ist es so, dass alles, was eine Spirituose oder ein Bier für einen Purkonsum etwas schwierig macht (dabei rede ich nicht über schlechte Qualität, sondern spitze Ecken und scharfe Kanten), in einem Cocktail, wo sich mehrere Zutaten das Bett teilen müssen, sehr erwünscht ist. Im Pass the Buck beispielsweise braucht es ein fruchtiges Bier, das mit Whiskey und Amaro gut klarkommt, und nicht gegen sie ankämpft.

Pass the Buck


Pass the Buck
1 oz Rye Whiskey (z.B. Rittenhouse Rye BiB)
1 oz Brooklyn Lager
½ oz Amaro (z.B. Fernet Branca)
¾ oz Zitronensaft
½ oz Ahornsirup


Importiert wird das Brooklyn Lager von BraufactuM, dabei mit einem hübschen Briefmarkenstil-Aufkleber versehen. Auf dem Etikett steht „strong beer“ – mit 5,2% ist das vielleicht für Miller-Trinker ein Starkbier, für den deutschen Konsumenten eher Durchschnitt. Dank der neuen, sehr aufwändigen aber gelungenen Verbreitungspolitik von BraufactuM ist dieses amerikanische Bier heutzutage in jedem größeren Supermarkt in den entsprechenden Kühlschränken zu finden. Man muss es also nicht groß suchen, was man über das eine oder andere amerikanische Sportfranchise nicht wirklich behaupten kann.

Der Urlaub ist vorbei – Mythos Bier

Der eine oder andere kennt das. Im Urlaub entdeckt man eine Speise oder ein Getränk, das wunderbar schmeckt, und den Genießer begeistert. Man nimmt ein Exemplar davon mit, oder besorgt es sich zu Hause übers Internet, und ist dann irgendwie enttäuscht, weil es irgendwie anders schmeckt, meist eine nachteilige Änderung erfahren hat. Mir geht es beispielsweise so mit dem griechischen Lager Mythos.

mythos-bier-in-kretaIch habe das Bier in Griechenland immer sehr gern getrunken, frisch aus dem Kühlschrank, in gefrosteten Krügen. Ein wirklich tolles Erlebnis, das ich jedem empfehle. Zufällig habe ich dann vor kurzem im Bierregal eines Supermarkts ein paar Flaschen davon entdeckt, für den gemäßigten Preis von 1,40€. Habe ich damit ein Instant-Griechenland zu Hause auf dem Sofa?

mythos-flascheDie Verkostung beginnt schonmal sehr vielversprechend. Sehr kräftige Perlage beim Eingießen, schöne Schaumkrone, viel Kohlensäure. Schöne goldblonde Farbe, und ein Lager-typischer Geruch, hell und eher dünn, leicht hefig, etwas metallisch.

Der Geschmack kommt sehr leicht und ungehopft daher, überraschend leicht für 5% Alkohol, mit sehr milder Bitterkeit; minimale Säure ist erkennbar, dann aber vielleicht etwas dumpf im sehr kurzen Abgang. Keine Frage besteht über den Erfrischungsfaktor, der ausgezeichnet ist, was das Mythos zu einem idealen Begleiter zum Essen macht. Da es seine Perlage lange behält, ist es auch nicht zwischen den Bissen abgestanden.

Etikettenlesen gehört inzwischen zur Grundaufgabe eines Biergourmets, denn man findet immer wieder erschreckendes, so wie hier: Glukosesirup als Zutat. Tut das wirklich Not, Mythos? Ich bin beim besten Willen kein Freund eines Reinheitsgebots, doch solche Zusätze sind meist der industriellen Herstellung und einer gewissen Gleichgültigkeit gegenüber dem Produkt geschuldet. Es ist halt einfacher (und vor allem billiger!), die Mängel im Bier mit Zucker auszugleichen, als sich bereits in der Produktion mehr Mühe zu geben.

Interessant: Ich habe eben gesehen, dass in der Zutatenliste beim Onlineversandhändler Amazon der Glukosesirup, der zugesetzt wird, ausgelassen, und statt dessen auf das angeblich eingehaltene deutsche Reinheitsgebot verwiesen wird – man muss dort scheinbar erst die Flasche kaufen, um in der Zutatenliste auf der Rückseite nachzulesen, dass das genauso ein Mythos ist wie der Name des Biers schon suggeriert. Vielleicht hat der Vertreiber zuviel von seinem eigenen Bier getrunken?

Mein Fazit: Ein sehr einfaches Bier mit nur wenig Aromen, mit Zusatzstoffen, die ich nicht schätze.

mythos-glasJa, das ist halt genau der Urlaubseffekt bei solchen Bierspezialitäten. Man trinkt sie in der kretischen Taverne mit Blick aufs Meer, an einem heißen Tag, wo einem die Zusatzstoffe egal sind und die Hitze die Aromen verstärkt. Im kühlen, nasskalten Deutschland ist der Charme eher begrenzt, und das Urlaubserlebnis zumindest hier nicht reproduzierbar – zu leicht und eindimensional ist das Mythos, es hat viel zu wenig Charakter. Meine Lehre: Griechisches Bier trinkt man in Griechenland, nicht hier, und freut sich stattdessen lieber auf den nächsten Aufenthalt dort.