Wasser marsch! G4 Tequila Reposado, Añejo und Extra Añejo

Die Diskussionen über Spirituosenherstellung, die ich so über allerlei Kanäle verfolge, drehten sich früher fast ausschließlich um Fassreifung und Destillationsmethoden. Erst deutlich später rückte die Fermentation, die eigentlich das Zentrum und der Ursprung fast aller späteren Aromatik ist, in den Fokus der Aufmerksamkeit. Es ist erstaunlich, wie sich das so im Laufe der Zeit verschiebt, es zeigt, wie komplex selbst ein einfacher Schnaps sein kann, was die technische Seite der Herstellung angeht.

Ein Punkt, der hin und wieder zu Marketingzwecken erwähnt wird, ist das eingesetzte Wasser („klar und rein aus der hauseigenen Quelle“), ein von den Diskutanten meist höchst vernachlässigter Grundbestandteil aller Spirituosen – selbst in den trockenfermentierten und -destillierten Spirituosen wie Baijiu wird später Wasser eingesetzt, um zu verdünnen. Dahingehend finden wir es überall wieder, und ein kluger Brenner wird diesen Faktor nicht unberücksichtigt lassen. Manchmal spielt man sogar damit, wie bei den Tequilas aus dem Hause Camarena. Der hier vorgestellte G4 Tequila wird dabei „destilliert mit 50% gesammeltem Regenwasser und 50% natürlichem Quellwasser“, und das soll am Ende einen Unterschied zu den anderen Marken aus der Destillerie El Pandillo (NOM 1579) ausmachen (Terralta und Pasote), die mit anderen Anteilen der Wasserarten hergestellt werden. Schauen wir uns mal drei Ausprägungen des G4 an, namentlich den G4 Tequila Reposado, Añejo und Extra Añejo.

G4 Tequila Reposado, Añejo, Extra Añejo

Ich fange bei dieser Reihe direkt mit dem G4 Reposado an – denn vom G4 Tequila Blanco habe ich eine große Flasche schon vor einiger Zeit erworben, für die ein separater Artikel veröffentlicht werden wird. Dieser Reposado wird „mindestens“ 6 Monate gereift (und per Kategorie automatisch weniger als 12), dafür werden gebrauchte Bourbon-Fässer von Jim Beam und Jack Daniel’s verwendet – einen leichten strohigen Schimmer geben sie an das Destillat ab. Erkennbar viskos schwenkt sich der Tequila, die Beine laufen einigermaßen schnell aus einem ausgefransten Saum ab. Riecht man am Glas, findet man alles, was einen leichtgereiften Tequila ausmacht – da ist noch viel der Agavenfrucht, etwas Zimt, Lavendel und Anis; der vegetale Charakter des Basisdestillats bleibt erkennbar, wird ergänzt um vorsichtige Holznoten von gerösteter Mandel und Kokosnuss. Im Mund springt zunächst eine freche und unerwartete Säure nach vorn, die im Verlauf abebbt, aber bis zum Abgang erkennbar bleibt. Der Geschmack ist sehr kräuterig, mit wirklich definiertem Agavenfleisch, allerlei Grünzeugs und Dill. Ein leicht buttriges Mundgefühl spielt mit der auftauchenden, herben Trockenheit. Sehr würzig und mildscharf, da finde ich viel Salz und schwarzen Pfeffer, der aus der Aromatik entsteht und nicht aus den für Tequila sehr üblichen 40% Alkoholgehalt. Im mittellangen Abgang finden sich dann zusätzlich zu all dem noch etwas Karamell und Vanille – bis zum langen, nun wieder sehr grünen, vegetalen Gewächshausnachhall mit einem blumigen Charakter.

G4 Tequila Reposado

Ein toller Ausbau eines eh schon großartigen Tequilas, an dem man erkennen kann, dass eine Reifung auch bei Tequila, gut gemacht, vorsichtig angegangen, mit einem soliden Basisdestillat, feine Nuancen mit ins Produkt bringen kann.

Für die nächsthöhere Reifungsstufe, den G4 Añejo, werden dieselben Fässer, die ich oben schon beim Reposado erwähnt hatte, eingesetzt. Mindestens 18 Monate (auch hier gilt, dass die Obergrenze durch die nächsthöhere Kategorie gesetzt wird, das heißt 3 Jahre) wird dieser Tequila in jenen Fässern gelagert – für viele Spirituosen ein lächerlich kurzer Zeitraum, für Tequila durchaus schon so lange, dass man beginnen muss, aufzupassen, nicht die Art von Holzigkeit ins Destillat zu kriegen, die Bourbonhersteller erst ab 12 Jahren, Scotchproduzenten erst ab circa 25 Jahren und Brandydestillateure vielleicht ab 50 Jahren leise fürchten.

G4 Tequila Añejo

Die Nase des G4 Añejo ist erkennbar stumpfer, seifiger, weicher, ohne aber komplett die helle Charakteristik eines Tequila abzugeben. Orange, Birne, Banane, roter Apfel – im Vergleich zum Reposado nimmt die Fruchtigkeit doch deutlich zu, und eine rosige Blumigkeit ist neu. Im Mund ist das ganze noch deutlicher spürbar: sehr viel schwerer, voller, tiefer im Register ist der Añejo im Vergleich zum Reposado. Noch mehr Butter, Karamell, schon fast Toffee sind nun die beherrschenden Noten, die der immer noch vorhandenen Agavenfrucht schon erkennbar den ersten Platz in der Aromatik streitig machen wollen. Reife Früchte wie Pfirsich tauchen auf, geblieben ist dafür die Pfeffrigkeit und Würze, und die starke Salzigkeit. Derselbe Alkoholgehalt von 40% fällt hier noch weniger auf als beim jüngeren Bruder. Im Abgang wird das ganze von der Süße übernommen, das Fass dominiert hier nun recht deutlich, die Rosenkomponente hallt lange nach, wenn der G4 Añejo schon lange aus dem Mund verschwunden ist. Das ist sehr schwer im Vergleich zu der etwas jüngeren Reifungsstufe, und ist ein Beweis für die angesprochene Vorsicht, die man als Hersteller diesbezüglich walten zu lassen hat.

Die höchste (und historisch paradoxerweise neueste) Ausbaustufe ist schließlich der G4 Extra Añejo. Mindestens 3 Jahre Reifungsdauer ist die Voraussetzungen, diese Bezeichnung erhalten zu dürfen. Erneut weise ich darauf hin, dass ich nicht viel davon halte, Tequila lang zu reifen – den blumig-fruchtigen Charakter, der Tequila ausmacht, überdeckt man meist einfach nur mit generischen Fassholznoten, die man überall findet. Man raubt diesem edlen Produkt durch lange Reifung oft mehr, als man ihm gibt.

G4 Tequila Extra Añejo

Farblich jedenfalls lohnt es sich nicht, die zusätzliche Zeit zu investieren: man muss ein genaues Auge haben, um die leicht gelblichere Nuance im Ton erkennen zu können. Auch vom Verhalten im Glas ist praktisch kein Unterschied vorhanden, alles, was ich zum optischen Eindruck des Añejo sagte, gilt entsprechend auch für den Extra Añejo. In der Nase unterscheiden sich die beiden dann aber schon – der Extra Añejo wirkt sehr harzig, erinnert mich fast schon an Mastiha. Die Fruchtigkeit des Añejo wurde durch die längere Lagerung fast vollständig durch holzige Noten ersetzt, und insgesamt an Komplexität reduziert. Auch im Mund geht für mich das so weiter – Anflüge von Vanille, deutlich Zimt, aber irgendwie weniger Körper und weniger Breite. Die Süße ist zurückgenommen, eine stärkere Trockenheit nimmt überhand. Die Agavenfrucht erkennt man erst im späten Verlauf, und selbst da nur kurz. Der Extra Añejo wirkt irgendwie schließlich schal im Mundgefühl, und die auch hier vorhandenen 40% wirken sehr viel unrunder eingebunden als bei den jüngeren Geschwistern. Deutlich mehr Feuer, Chili und weißer Pfeffer, alles geht bis in den sehr prickelnden und heißen Abgang über, der aromatisch sehr kurz ist. Im Nachhall tauchen ganz spät schließlich doch noch die floralen Agavearomen auf, wegen denen ich Tequila trinke – zu spät. Denn persönlich gesprochen haben wir hier, für meinen Geschmack, die Obergrenze dessen erreicht (und, um wirklich ganz ehrlich zu sein, bereits überschritten), was man Tequila zumuten kann; selbst ein so gutes Basisdestillat wie das des G4 wird einfach erschlagen durch die lange Reifung, da ist für mich nur noch trockenes Holz und scharfer Pfeffer. Das mag für den einen oder anderen ansprechend sein, doch der Wunsch nach Reifungsaromen und dem oberflächlichen Korrelieren von Alter mit Qualität vieler Konsumenten führt hier und bei anderen langgereiften Tequilas einfach zum Verlust des Charakters. Quod erat demonstrandum.

In Cocktails setze ich eigentlich fast ausschließlich Blancos und Reposados ein, wenn nach Tequila gerufen wird – die älteren Tequilas machen aus oben genannten Gründen nicht mehr so viel her in Mixed Drinks. Will man etwas Knackiges, Fruchtiges, nimmt man einen Blanco, sucht man nach etwas gemilderten, weicheren Agavenaromen, nimmt man einen Reposado – so wie hier im Elixirita. Ein wahnsinnig toller Drink, mit Erinnerungen an den modernen Klassiker Tommy’s Margarita, noch weiter gerundet durch den Einsatz eines Schusses Cognac.

Elixirita Cocktail


Elixirita
2 oz Tequila Reposado
1 oz Limettensaft
½ oz Agavensirup
¼ oz Cognac
Auf Eis shaken.
[Rezept nach H. Joseph Ehrmann]


Es geht einem ja oft so, dass man denkt, man kennt eine Spirituosenkategorie einigermaßen, und trifft dann auf eine Marke, die für den Gaumen einen derartigen Quantensprung vollzieht, dass man nicht glauben konnte, je etwas anderes richtig gut gefunden zu haben. Für jemand, der vorher noch keinen dieser modernen und gleichzeitig sehr traditionellen superhochwertigen Tequilas kannte, kann der G4 genau so ein Quantensprung sein. Und auch für mich, der sich schon mit dem einen oder anderen Traumtequila auseinandergesetzt hat, ist der G4 einer derer, die einen Großteil der restlichen Tequilaproduktion weit in den Schatten stellt. Für mich ist der G4 Blanco einer der besten Tequilas, die ich je im Glas hatte, und die gereiften G4s sind in ihrer jeweiligen Kategorie ähnlich herausragend (ich nehme den Extra Añejo einfach mal aus, mir missfällt die gesamte Altersgruppe grundsätzlich). Ich empfehle allerdringendst jedem, diese Agavenbrände auszuprobieren.

Offenlegung: Ich danke fifteenlions für die kosten- und bedingungslose Zusendung der Samples des G4 Tequila.

Veganer Pechuga – Mezcalosfera Espadín Destilado con Mango y Chile Habanero by Mezcaloteca

Aromatisierte Spirituosen finden sich zuhauf in den Regalen der Spirituosenhändler – jede Gattung hat ihre eigene Art, mit dem Wunsch nach Abwechslung umzugehen. Scotch aromatisiert über Fassfinishes mit Sherry- und Portgeschmäckern (ja, für mich ist das Aromatisierung), manche Hersteller fügen ihrem Bourbon mehr oder weniger natürliche Honig- und Zimtaromen hinzu, und bei Rum gibt es mit Spiced Rum sogar eine eigene Kategorie für kaum mehr als Rum zu erkennende Produkte – bis zum völlig grenzenlos aromatisierten Vodka, den es in praktisch jeder Geschmacksrichtung gibt, die den Käufer ansprechen mag.

Auch bei Mezcal gibt es eine Kategorie, die sich mit zugegebenermaßen hin und wieder gewöhnungsbedürftigen Aromengebern schmückt. Pechuga ist in der bekanntesten Variante mit diversen Früchten, Gewürzen und Hühnerbrust aromatisiert – nicht mazeriert oder zum Endprodukt hinzugegeben, wie das bei den anderen oben erwähnten Beispielen geschieht, sondern vor einem weiteren, zusätzlichen Destillationsschritt, so dass nur nuancierte Feinheiten später in der Flasche landen, nicht überwältigende, das Destillat maskierende Aromen. Der Mezcalosfera Espadín Destilado con Mango y Chile Habanero by Mezcaloteca ist nun aber kein klassischer Pechuga, denn es wird hier in ein Destillat aus Espadín-Agaven statt der namensgebenden Hühnerbrust ein veganer Mix aus Mango und Habanero-Chilis gegeben.

Mezcalosfera Espadín Destilado con Mango y Chile Habanero by Mezcaloteca

Da die Mango und die Chilis erst vor der letzten Destillation zugefügt werden, kommt natürlich nichts des eventuell dadurch entstandenen Farbstoffs oder von Partikeln ins Endprodukt – entsprechend sehen wir einen glasklaren, ungetrübten und einschlussfreien, klaren Brand vor uns, der sich leicht schwer im Glas beim Schwenken bewegt.

In der Nase merkt man zunächst erstmal auch noch nichts von der Aromatisierung – da riecht man einen klassischen, leicht rauchigen, sehr würzigen Mezcal. Hm, ich revidiere – etwas Tropenfrucht ist vielleicht doch da, die gut zusammen mit der deutlichen Agavenfrucht spielt. Und leicht zwicken tut es auch, sind das die Habaneros? Beeren sind da, Birne vielleicht, ja, ein Anflug eines Williams-Christ-Birnenlikör. Ein sehr komplexes Geruchsbild, auf jeden Fall, und hochattraktiv dazu.

Im Mund überrascht der Mezcalosfera völlig: diese ungewohnte Mischung aus klassischen Mezcalgeschmäckern mit etwas Blumigen und Würzigen ist verrückt. Sehr trocken, extrem würzig, sehr breit und tief ist das in keinster Form etwas, wie wir uns landläufig aromatisierte Spirituosen vorstellen: vordergründige Honig- oder Zimtaromen machen normalerweise alles platt, was sonst da ist. Hier ist das nicht so, im Gegenteil. Die Mango ist allerhöchstens zu erahnen, die Habanero-Chilis ebenso, und doch sind sie im Gesamtbild irgendwie da, ohne dass man sie wirklich greifen könnte. Recht salzig, sehr umami, rauchig und vegetal wirkt das, mit Anflügen von Zitrus und Speck gleichzeitig. Sauer, wild und frech, dabei mit genug süßem Körper, um dagegen halten zu können und das Bild nicht kippen zu lassen. 46,6% sind gut gewählt und sorgen für zusätzliche Kraft.

Mezcalosfera Espadín Destilado con Mango y Chile Habanero by Mezcaloteca Glas

Der Abgang ist sehr lang und floral, supertrocken, etwas fleischig und rauchig, ohne dabei übermäßig zu überwältigen. Um es erneut zu betonen – das ganze wirkt nie aromatisiert oder künstlich. Die zusätzlichen Zutaten sorgen nur für weitere Tiefe und ein paar besondere Aspekte. Richtig gut gemacht und voller Charakter, selbst nach einigen Minuten hat man noch Aromen im Mund.

Diese Spirituosenkategorie ist normalerweise keine, die man üblich in Cocktails kombiniert, weil sie irgendwie schon etwas Rezeptiertes, Zusammengestelltes hat, und man die nur feinen Nuancen des besonderen Herstellungsprozesses damit nicht genug würdigt. Dennoch kann ich nicht widerstehen – diese leichte Erinnerung an Birnenlikör, die ich im Mezcalofera entdeckt hatte, ließ mich nach einem Cocktailrezept suchen, in dem Mezcal mit Birne kombiniert wird, um das ganze noch etwas zu definieren. Im Suzette au Bal ist der Mezcal nicht der Hauptdarsteller, dennoch sorgt er durch seine Eigenheit für ein tieferes Gesamterlebnis.

Suzette au Bal Cocktail


Suzette au Bal
1 oz Suze
½ oz Williams-Christ-Likör
½ oz Mezcal
⅔ oz Zitronensaft
⅓ oz Zuckersirup
1 Spritzer Miraculous Foamer
Auf Eis shaken.
[Rezept adaptiert nach Alexandre Girard]


Ich bin ein Etikettenfreund. Ich lese gern Details auf Etiketten nach – und werde oft mit Marketingmüll allerlei Couleur belästigt, lese dann von legendären Familienmitgliedern, fantastischen Produktionsorten, geheimnisvollen Herstellungsweisen und Rezepturen, oder von der (für mich persönlich nicht wirklich nachvollziehbaren) Begeisterung, mit der ein Büroarbeiter sich einen obskuren Landesheiligen ausgesucht hat, der ungefragter und unfreiwilliger Namenspate für das neue Produkt sein darf. Gähn. Hier dagegen – eine Tabelle mit Details. Echten, harten Fakten. Agavenart, Höhenmeter, Ofenart, Dauer und Art der Fermentation, verwendetes Wasser, Zeitpunkt und Menge der Destillation. Und mehr. Das ist ein Traum – wenn ich wählen dürfte, alle Spirtuosenetiketten sollten genau so gearbeitet sein wie dieses. Transparenz pur, und mit nur 250 hergestellten Litern auch noch echtes traditionelles Handwerk. Da schmeckt mir der Schnaps gleich dreimal so gut: Bei mir trinkt der Kopf mit.

Offenlegung: Ich danke fifteenlions für die kosten- und bedingungslose Zusendung eines Samples dieses Mezcals.

Kurz und bündig – Miel de Tierra Mezcal Joven

Es gab eine Zeit, in der Mezcal recht neu in Deutschland war, in der man davon ausging, dass Mezcal immer superrauchig sein muss, und dass dies das Identifikationskriterium für guten Mezcal sei; in etwa wie die Torfigkeit bei Islay-Whiskys. Nun, das war ein Trugschluss. Tatsächlich ist extreme Rauchigkeit bei Mezcal eigentlich etwas, was der Kenner leise skeptisch sieht, denn sie dient oft genug dazu, die mittelmäßige Qualität des Destillats zu überdecken. Ein bisschen qualmen darf es aber schon, es ist einfach ein Ausdruck der Herstellungsweise im Erdofen. Wie sieht es diesbezüglich beim Miel de Tierra Mezcal Joven aus?

Miel de Tierra Joven Mezcal

„Joven“ ist die alternative Bezeichnung für ungereiften Mezcal (in der Norma, die alles regelt, was Mezcal angeht, sind „joven“ und „blanco“ gleichwertig). Erwartungsgemäß ist dieser Mezcal völlig transparent und ohne Fehler klar. Er bewegt sich dennoch mit einer gewissen Schwere im Glas, ohne dabei aber ölig zu wirken. Am Glasrand entstehen dicke Beine. Die Nase ist agavenlastig, mit einem Hauch Glasreiniger. Blumig, nach Jasmin und Lavendel. Mineralische Noten, nach Kalk, Kies und Beton. Kein Rauch, etwas, was wie gesagt viele Leute mit Mezcal assoziieren.

Hat mich die Nase noch etwas an Tequila erinnert, ist der Geschmack im Antrunk dann doch anders – erdiger, mineralischer, trockener. Agave, Honig, Karamell – sehr süß und weich, recht breit, aber ohne große Tiefe. Etwas Birne, ein Anflug von Minze. Etwas später wandelt es sich zu deftiger Würze, mit Tabak- und Holznoten, schwarzem Tee und einem prickelnden, milden Feuer. 40% Alkoholgehalt sind nicht erkennbar. Der Abgang ist mittellang, herbbitter, immer noch mit einer unterschwelligen Süße kombiniert. Grasigkeit klingt nach, ein wenig Wintergrünöl, und ganz am Ende etwas metallisch im Nachhall.

Ein schöner, milder, aber dennoch nicht langweiliger Mezcal, der wieder einmal beweist, dass es ungereifte Spirituosen gibt, die sich von der Spannung und der Aromatik nicht hinter jahrelang gereiften Bränden verstecken müssen. Mir fehlt etwas Körper und Tiefe für die endgültige Begeisterung – dennoch ein schöner Brand. Ich bin sehr gespannt auf die gereiften Varianten, die in der Verkostungspipeline schon bereit stehen.

Oder hält doppelt gereift besser? Huizache Origen Tequila Reposado

Man kann kaum mehr gereifte Spirituosen kaufen, die nicht noch irgendwie ein spezielles Cask Finish erhalten. Heutzutage reicht es nicht aus, eine Weile im Fass gelegen zu haben. Und selbst Sherryfässer, die man oft verwendet für derartige Zwecke, sind dem anspruchsvollen Konsumenten nicht genug, der immer auf der Suche nach spektakulär neuem ist, ob es Sinn macht oder nicht – man braucht mindestens schon Sauternes- oder Bierfässer, und vielleicht irgendwann Essig- oder Salzgurkenfässer für den letzten Kick.

Nun, ich polemisiere etwas. Manchmal macht so eine zusätzliche Reifeperiode auch Sinn, wenn sie nicht vom Marketing getrieben ist. Einen Tequila, der eh nur kurze Zeit in einem Holzfass reposiert, zusätzlich noch für eine Weile in ein zweites Fass zu geben, ihn dabei aber immer noch unterjährig zu reifen (insgesamt lag der Huizache Origen Tequila Reposado 9 Monate in Holz), sowas ist durchaus von Spannung. Es gibt nicht viele Tequilahersteller, die Reposados mit unterschiedlicher Reifedauer anbieten, daher ist das ein interessantes Experiment.

Huizache Origen Tequila Reposado

Der Reposado Origen ist erkennbar blasser als sein weniger gereifter Cousin, der Reposado. Zusätzliche 6 Monate in Fässern aus französischer Steineiche ziehen laut Hersteller etwas Farbe ab, statt sie zuzufügen – ein natürlicher Filtereffekt, sozusagen, man hört nicht oft davon, vorstellen kann ich mir es aber schon, wenn das zweite Fass neutral geworden ist.

Geruchlich fällt mir zunächst eine überraschende Rauchnote auf – nicht so, wie bei einem Fumado, aber doch präsent. Insgesamt ist die Nase ausgesprochen grün, sehr vegetal und wie frisch abgeschnittene Blätter. Die vanillige Süße der Fassreifung und die Kaugumminote der Diffusorbehandlung kombinieren sich zum sehr ansprechenden Gesamtaroma. Im Hintergrund lauert etwas Ethanol, das aber erst beim tiefen, langen Schnuppern auftaucht und selbst dann nicht sticht.

Huizache Origen Reposado Glas

Geschmacklich ist der Origen interessanterweise intensiver als sein jüngerer Cousin, er hat mehr von allem, obwohl er mit 35% deutlich schwächer abgefüllt ist. Erst im Abgang, der leider noch kürzer als der des Reposado ist, merkt man, dass diese 5% weniger ihren Preis haben. Bis dahin hat man aber schöne Agavenaromen, viel Wintergrünöl, eine milde Pfeffrigkeit, und doch etwas Alkoholfeuer.

Wie bei allen Huizaches geht dem Destillat am Ende, wie schon angedeutet und in den vorherigen Rezensionen erwähnt, etwas die Luft aus. Der Eisenton (wie man es von Zahnfleischbluten kennt) ist etwas zu präsent, die Länge fehlt und beim Origen ist das ganze noch etwas deutlicher. Warum die Entscheidung getroffen wurde, auf etwas magere 35% (die Untergrenze dessen, was für Tequila erlaubt ist) herab zu gehen, während der Trend bei Kennerspirituosen eher zu strammeren 46% hin geht – das bleibt mir ein Rätsel, und ich persönlich finde es eine falsche Entscheidung.

Vielleicht passt der Name des Cocktails, für den ich mich bei dieser Besprechung entschieden habe, auch ganz gut auf den Huizache Origen grundsätzlich – The Mexican Gentleman. Spanische Sherrys mit mexikanischen Spirituosen, das ergibt eine gefährlich leckere Mischung, die durch zerstoßene Früchte aufgelockert wird.

The Mexican Gentleman


The Mexican Gentleman
2 Heidelbeeren, 2 Himbeeren, 1 Erdbeere, 1 Orangenscheibe im Shaker muddeln
1 oz Manzanilla Sherry
1 oz Tequila reposado
½ oz PX Sherry
½ oz Mezcal
Auf Eis shaken. Auf crushed ice abseihen. Mit Früchten dekorieren und leicht umrühren.

[Rezept nach Sean Kenyon]


Die Präsentation gefällt mir sehr. Ich finde den Schriftzug wirklich gut gestaltet, dazu kommt die Flasche, die sehr geschickt mit der gleichen Farbe des Inhalts in einem Farbverlauf nach oben hin transparent wird. Die dezenten Gestaltungselemente weiß ich zu schätzen – manche Hersteller versteigen sich zu plump-üppigen Dekorationen, von denen ich aus Erfahrung weiß, dass sie oft nur der Ablenkung vom mäßigen Inhalt dienen. Der Nachfüllstop ist einfach der Herstellungsregion und der dortigen Problematik der Produktpiraterie geschuldet, ich habe mich damit abgefunden, mögen tu ich es nicht. Ein Schraubverschluss ist bei Spirituosen wie dieser, die man, einmal geöffnet, schnell austrinkt und nicht aufbewahrt, sehr viel angebrachter als ein Korken. Dazu der hübsch gestaltete Karton – ich habe diesbezüglich nichts zu meckern.

Offenlegung: Ich danke dem deutschen Distributor fifteenlions für die unaufgeforderte und bedingungslose Zusendung einer Flasche dieses Tequilas.

Batmans Lieblingsgetränk – Huizache Tequila Blanco und Reposado

Schon als kleines Kind mochte ich Fledermäuse. Eine Anekdote, die meine Eltern immer wieder gern erzählen, ist die von der erschöpften Fledermaus, die ich als Kind im Haus gefunden und mittels eines Bestimmungsbuchs als Vespertilio murinus identifiziert hatte, was den beigerufenen Fledermauskenner in basses Erstaunen versetzte. Heute gefällt es mir immer noch, die kleinen Flatterer zu beobachten – und ich schätze sie, weil sie einen gar nicht unbeträchtlichen Beitrag zur Herstellung einer meiner Lieblingsspirituosen liefern: Tequila.

Die fortschreitende Habitatsveränderung macht es Fledermäusen auf der ganzen Welt immer schwerer. Die Monokultur und Industrialisierung der Agavenkulturen in Mexiko, die durch den schlimmen Durst der Welt auf Tequila entstanden ist, sorgte über eine ganze Weile dafür, dass die Fledermaus, die die Agavenblüten bestäubt, vom Aussterben bedroht war. Inzwischen, und das ist endlich mal eine gute Nachricht, bessert sich die Situation für die Lederflügler – sie sind offiziell nicht mehr auf der Liste der bedrohten Arten. Viele Maßnahmen sorgten dafür, letztlich auch viele Tequila-Hersteller, die die Lage erkannten und durch fledermausfreundliche Landwirtschaft etwas für die Nachhaltigkeit ihres Produkts taten.

Die Betreiber der Destillerie, die Huizache Tequila Blanco und Reposado herstellt, haben solche Maßnahmen ergriffen. Daneben betonen sie, dass ihre Tequilas ohne Zusatzstoffe auskommen. Erlaubt ist in Tequila so einiges, was der Konsument nicht mal ahnt, dazu gibt es viele Schlupflöcher, die das CRT nicht stopfen will oder kann. Um so schöner, wenn sich ein Hersteller klar dazu bekennt, diese Möglichkeiten nicht ausnutzen zu wollen, sondern ein ehrliches, sauberes Produkt abzuliefern; da sammelt man bei mir direkt Punkte. Schauen wir uns die Destillate der NOM 1437 mal ein bisschen näher an.

Huizache Blanco und Reposado

Blanco-Tequila ist ungereift, daher ist der Huizache Blanco natürlich klar. Ich erkenne beim Schwenken keine Einschlüsse oder Fehler. Schnell ablaufende Beine am Glas machen die leichte Öligkeit deutlich. Die Nase ist geprägt von Grasigkeit und milder Agave. Da ist eine deutliche Mineralität, Beton, feuchter Kies, Aquariumspflanzen. Etwas Apfelessig. Man riecht im Hintergrund Ethanol. Dass dieses Produkt mit einem Diffusor hergestellt wird, erkennt man an der leichten Fruchtkaugummi- und Zuckerwattenote.

Der Antrunk ist sehr süß, und diese Süße bleibt auch fast bis zum Schluss prägend. Kandiszucker und weiße Schokolade, Latte Macchiato, aber auch Agavenwürze und Anflüge von Thymian und Duftkräutern wie Lavendel, eine Parfümnote nach Kölnisch Wasser. Es fehlt leider etwas an dem, was handwerklichen ungereiften Tequila so spannend für mich macht, die so wunderbare wuchtige Agavenfruchtigkeit – das ist wohl der Herstellungsart geschuldet. Stattdessen hat dieser Tequila andere Vorzüge, er wirkt erdig, grasig und leicht. 40% Alkoholgehalt sind gut eingebunden. Der Abgang ist feurig, mit Chilieffekten, gleichzeitig eukalyptisch kalt – hier beginnt mir der Huizache Blanco dann sehr gut zu gefallen. Von der Länge eher kurz, mit einem starken Eisen- und Betonton zum Ausklang.

Huizache Tequila Blanco Glas

Auch wenn er, so leid mir das tut, deutlich nicht in meine Top-3 der ungereiften Tequilas aufsteigen kann, ist der Huizache doch schön trinkbar, stilvoll, und überhaupt nicht so charakterlos wie die meisten anderen Diffusor-Tequilas, beispielsweise der Sauza Tres Generaciones Plata, den er mit ausgesprochen weitem Abstand hinter sich lässt. Dennoch gehört er klar eher zu den leichten, zurückgenommenen Tequilas.

Ich habe beim nächsten Kandidaten, dem Huizache Reposado, den doppelten Eindruck von Weißwein, wenn ich mir einen Schluck zum Verkosten eingieße. Die Farbe erinnert an Weißwein, ist blasses Messing, nach 3 Monaten in Fässern aus kalifornischer Steineiche ein ehrliches Bild. Ich erwähne oft, dass ich lange Reifezeit bei Tequila für kontraproduktiv halte, man verliert mehr, als man gewinnt – 3 Monate sind aber voll in Ordnung.

Auch in der Nase denke ich an trockenen Weißwein, die Mischung aus Säure und Frucht verleitet mich dazu. Man erkennt das zuvor verkostete Basisdestillat wieder, das um typische Holznoten ergänzt wurde – Vanille und süßliche Gewürzaromen. Die Wintergrünöl-Komponente ist auch noch da.

Huizache Tequila Reposado Glas

Immer noch recht süß im Mund, aber schon zu Beginn mit etwas Holzigkeit versehen unterscheidet sich der Reposado dann doch von Weißwein. Grasig und mineralisch, zurückgenommene Agavenwürze, deutliche Holzreifungsaromen (die allgegenwärtige Vanille, etwas Zimt). Deutliche Schokoladigkeit. Im Verlauf entsteht milde Säure und Bittere, Apfelessigaromen. Ein Hauch Anis liegt irgendwo im Raum, aber nur so zart, dass es auch Einbildung sein kann. Gegen Ende kommt noch stärker als beim Blanco eine Pfeffrigkeit dazu, die erkennbar aus Würze entsteht, nicht aus den 40% Alkoholgehalt. Insgesamt wirkt dieser Tequila elegant und raffiniert.

Chili, Eukalyptus, Menthol – der Abgang ist zwar eher kurz, dafür aber sehr effektvoll, mit langem hauchigen Nachhall. Auch hier, wie schon beim Blanco zuvor, ein starker Eisenton. Die kurze Reifung sorgt bei diesem Reposado tatsächlich für etwas mehr Bequemlichkeit, ohne zuviel vom Tequilacharakter aufzugeben. Ein leichtes Destillat wie das von Huizache würde in añejo-Zeiträumen (mehr als 1 Jahr gereift) komplett vom Holz aufgefressen.

Die Huizache-Tequilas sind Produkte, die ohne Unterstützung besonders gut in Aperitif-Cocktails funktionieren können. Die Aromatik lässt mich dazu tendieren, sie in klaren, strengen Rezepturen zu bevorzugen, wo sie nicht von schweren Gegenspielern überdeckt werden – im Medicina Latina wird der leichte Charakter betont und der zugegebenermaßen etwas vorhandene Mangel an Körper durch Honig und Ingwer ausgeglichen. Das ist Medizin, die sich leicht schlucken lässt!

Medicina Latina


Medicina Latina
2 oz Tequila Blanco
⅓ oz Honig
1 Teelöffel Ingwerlikör
Auf Eis shaken. Auf Eis servieren.
[Rezept nach Marcos Tello]


Im Endeffekt gefallen mir diese zwei Tequilas, sie wirken elegant und leicht. Mir fehlt etwas an Länge im Abgang, und Körper; hier sieht man einfach deutlich, was der Unterschied zwischen einem mit Tahona und Horno traditionell hergestellten und einem modernen Diffusor-Tequila ist. Auch wenn ich dem Diffusor sehr skeptisch gegenüber stehe, und ich ihn nicht nur aus Sicht der Endaromatik ablehne, sondern auch aus Gründen der problematischen, immer weiter fortschreitenden, leider wohl nicht mehr aufzuhaltenden Industrialisierung von Tequila, muss man doch ehrlich das Produkt beurteilen, und bei Huizache ist es besser gelungen als vielen anderen Tequilas dieser Herstellungsart.

Wer einen schweren, wuchtigen, agavenfruchtigen Tequila sucht, ist hier falsch – der halte sich  lieber an Produkte wie Fortaleza, Ocho, Siete Leguas oder G4. Wer dagegen Lust auf Abwechslung und ein schmaleres, luftigeres Tequilaerlebnis hat, das aber immer noch klar als Tequila erkennbar bleibt, der probiere den Huizache Blanco oder Reposado.

Offenlegung: Ich danke dem deutschen Distributor fifteenlions für die kosten- und bedingungslose Zusendung der zwei Samples dieser Tequilas.

Extraalt – Sierra Milenario Extra Añejo

Spirituosenkategorien sind beweglich. Man sieht heutzutage oft nur das Ergebnis eines langen Findungsprozesses, der sich schließlich irgendwann einmal in einer Kodifizierung eines Zustands niedergeschlagen hatte. Man tut dies, um die Identität einer Spirituose zu schützen – es soll schließlich nicht jede zufällige Mutation oder schummrige Geschäftsidee zusammen mit dem über viele Jahre entstandenen Traditionsprodukt in einen Korb geworfen werden können. Ein Teil dieser Identitätsfeststellung ist die Art, wie und wie lange das frische Destillat gereift werden muss, um in eine der speziellen Alterskategorien (für jede Spirituosengruppe gibt es da oft eigene) gelangen zu dürfen.

Für Tequila gab es traditionell eigentlich nur 3 Kategorien – ungereift (blanco/plata), leicht gereift (reposado) und gereift (añejo). Letztere bedeutete, dass das Destillat länger als ein Jahr im Fass lag; wieviel länger, das blieb dem Hersteller überlassen. Im Jahr 2006 wurde offiziell von der Regulierungsbehörde, die in Mexiko für Tequila zuständig ist, die neue Alterskategorie extra añejo eingeführt. Dadurch verkürzte sich die Spannbreite der Añejo-Kategorie auf mindestens 1, aber maximal 3 Jahre, alles darüber wird nun als extra añejo klassifiziert. Bei den kurzen Reifungen, die wir im Tequila-Bereich haben mag eine Verfeinerung sinnvoll erscheinen, letztlich ist es aber schon eigentlich nur eine Form, den Herstellern entgegen zu kommen, um die Lust der Konsumenten nach ultragereiften Spirituosen zumindest deklarativ zu bedienen; und es funktioniert, die Kategorie wächst stärker als alle anderen. Ob es wirklich Sinn macht, Tequila so lange zu reifen – daran habe ich persönlich meine Zweifel, man nimmt ihm dadurch eigentlich mehr, als man ihm gibt.

Der Sierra Milenario Extra Añejo ist nun so ein ultragealterter Tequila (das ist natürlich, gerade im Vergleich zu anderen Spirituosen, sehr relativ zu sehen). Wir haben hier ein Destillat der NOM 1451 aus 100% Hochlandagave vor uns. Es wurde, wie für viele Tequilas üblich, doppelt in Kupferpotstills destilliert, und lagerte dann, so teilt uns das Rücketikett freudig mit, „many years“ in Eichenfässern. Aus der Einleitung wissen wir zumindest, dass es wenigstens 3 gewesen sind. Da keine weitere Angabe erfolgt, werden es auch nicht furchtbar viel mehr gewesen sein.

Sierra Milenario Extra Añejo

Der Geruch ist sehr fruchtig, viel Agave ist darunter, ein leichter Rauch, etwas Vanille, dazu Noten von Wintergrünöl und feuchtem Beton. Ein Anflug von Ethanol schwappt am Ende nach oben, was den Eindruck, dass nur wenig Körper vorhanden ist, verstärkt. Wenn ich ehrlich sein soll, vermute ich allein schon von der Geruchsprobe her Aromastoffe als Zusatz.

Der Sierra Milenario Extra Añejo hat einen süßen Antrunk, im Verlauf kommt feine Pfefferwürze dazu, die immer dominanter wird und am Ende fast in Chilifeurigkeit umschlägt, ohne aber die zugrundeliegende Süße komplett aufzugeben. Kräftige Holznoten weisen auf die extralange Alterung hin, milde Tropenfrucht und etwas Pfirsich gleichen das aus. Dennoch wirkt er etwas oberflächlich – gerade am Ende wird das deutlich, wo er sehr trocken und heiß wird, 41,5% Alkoholgehalt sind nur mäßig eingebunden.

Der Abgang ist mittellang, glühend heiß und etwas scharf, mit einigem an Alkoholhauch. Eine zunächst attraktive Agavenblumigkeit ist vorhanden, diese wird aber schnell durch sehr viel weniger attraktives Eisen ersetzt. Der Abgang ist wirklich schwach und unvorteilhaft, und zieht den Gesamteindruck deutlich mit sich nach unten.

Sierra Milenario Extra Añejo Glas

Mein Fazit fällt entsprechend ernüchternd aus: Ein eher mäßig ausgeführter Tequila, der in der Reifung einen gewissen Charme erwirbt. Letztlich bleibt aber doch der etwas schale Eindruck von Künstlichkeit und Oberflächlichkeit zurück.

Natürlich werden bei einem stärker gereiften Tequila wahrscheinlich sofort die Gedanken an einen spritlastigen, gerührten Cocktail laut, wie einem Tequila Manhattan oder einem Old Fashioned. Dafür ist meines Erachtens der Sierra Milenario zu unkomplex. Ich setze ihn statt dessen in einem Drink für die Jahreszeit ein – der Frenchman in Jalisco braucht keinen hochkomplizierten Tequila um trotzdem hervorragend zu funktionieren und einem die dunklen, kalten Abende zu versüßen.

Frenchman in Jalisco


Frenchman in Jalisco
Ein paar Stücke dunkle Schokolade in 4 oz Milch schmelzen
2 oz Tequila Añejo
½ oz Chartreuse Verte
Gut umrühren, warm mit etwas Sahne servieren.

[Rezept nach Houston Eaves]


Die gedrungene, pyramidenförmige Flasche selbst macht was her, ist sehr schön gestaltet, aus massivem, schweren Glas, mit einem hübschen Korken – da hat man beim Eingießen was in die Hand. Ich bin Sierra dankbar dafür, dass sie sich zumindest bei ihren höherwertigen Produkten von der dümmlichen Präsentation ihrer Mixtos („die mit dem Hut“) abgrenzen und dem Kenner etwas handfesteres, dem Inhalt angemesseneres anbieten. Die gesamte Milenario-Reihe ist im selben Stil, nur mit unterschiedlichen Etiketten und Farben gehalten – auch das gibt der Reihe einen gewissen Zusammenhalt und macht sich gut im Regal.

Ich werde niemals ein echter Liebhaber der Tequilas dieses Herstellers werden, das gebe ich unumwunden zu, doch ihre Marktstellung in Deutschland erfordert, dass man sich mit ihnen auseinandersetzt; die Milenario-Serie ist eine der wenigen gut verfügbaren Quellen für 100%-Agave-Tequila hierzulande. Und auch wenn der Sierra Milenario Extra Añejo nun auch kein echtes Highlight ist, so macht man mit ihm doch einen großen Schritt für deutsche Verhältnisse.

Kurz und bündig – El Tesoro de Don Felipe Añejo

Ich schreibe wirklich viel über Rum, habe dort wahrscheinlich auch von allen Spirituosenkategorien, die ich bespreche, den tiefsten Einblick in allerlei Details der Geschichte und Herstellung bekommen. Meine geheime Liebe galt aber immer schon, seit ich reinagavige Tequilas kenne, dem Agavenbrand aus Mexiko. Daran hat sich nichts geändert, und tatsächlich wird es aktuell deutlich leichter, auch an höchstwertige Produkte heranzukommen.

Der El Tesoro de Don Felipe Añejo gehört, wenn man die Produktionsschritte anschaut, durchaus mit in diese Qualitätsstufe. Hergestellt im südlichen Hochland (NOM-1139), werden die dort geernteten Agavenherzen in einem Steinofen gebacken und anschließend mit einer Tahona (Mühlstein) gemahlen. Allein das ist schon eine Verkostung wert, nicht allzuviele Hersteller halten sich an einen solch traditionellen Prozess.

El Tesoro de Don Felipe Tequila Añejo

Farblich blass, wenn man ihn mit anderen Spirituosen in der zweithöchsten jeweiligen Alterskategorie vergleicht – man muss bei Tequila natürlich darauf achten, dass diese hohe Kategorie immer noch „nur“ 3 Jahre bedeuten. Daher ist die Farbe ehrlich. Eine leichte Viskosität ist beim Schwenken erkennbar, gemächlich ablaufende Beine sorgen für einen schönen optischen Eindruck.

Die Nase wird direkt mit sehr typischen Agavennoten erfreut. Diese sind sehr präsent, das gefällt mir – daneben bilden Lavendel, Honigmelone und Bitterschokolade ein hochattraktives Gesamtbild, das mich etwas an Weinbrandbohnen oder ähnliche Pralinen erinnert. Dieser Geruch, das ist das, was ich an gereiftem Tequila liebe, und der El Tesoro de Don Felipe liefert ihn perfekt ab.

Extrem süß im Antrunk, das ist heftig. Nicht klebrig oder pappig, sondern einfach nur honigsüß, natürlich wirkend. Für manche ist das aber vielleicht schon zu viel des Guten, das gestehe ich ein. Im Verlauf bleibt er süß, dreht aber hin zum Trockenen. Gleichzeitig ist da ein Waschmittelaroma, das mich etwas stört, das nach Sekunden verfliegt. Der Tequila ist dann kräuterig, blumig, und weist eine milde aber prägnante Würze auf, ohne scharf zu werden, im Gegenteil, das cremige Mundgefühl schleift viel ab. 40% Alkoholgehalt ahnt man, sie drängen sich aber nicht auf. Im Abgang ensteht ein ganz starker Eindruck von Wintergrünöl. Aromatisch ist der Agavenbrand im direkten Abgang eher kurz, dafür aber effektvoll mit leichtem Kitzeln auf der Zungenspitze. Der Nachhall am Ende ist dann dafür wiederum sehr lang, mit vielen Agavenaromen.

Ehrlich, dieses Waschmittel im Antrunk ist schon so störend für mich, dass ich es als subjektiven Fehlton bezeichnen würde. Es trübt für mich persönlich den Gesamteindruck etwas, weil ich den Geschmack nicht mag – für andere kann dies anders ausgehen. Dennoch ein attraktiver Tequila mit herrlicher Nase, die für mich viel ausgleicht. Und je mehr ich davon trinke, um so mehr gefällt der Schatz des Don Felipe mir.

Starke Nachfrage ist nicht immer gut – Fortaleza Tequila Reposado

Die Alterungskategorien für Tequila sind Lesern meines Blogs inzwischen sicherlich bekannt. Ungereifter „blanco“, mindestens 2 Monate gereifter „reposado“, mindestens 1 Jahr gereifter „añejo“ und, seit gar nicht so langer Zeit, mindestens 3 Jahre gereifter „extra añejo“ stehen dem geneigten Agavenbrandkonsumenten zur Verfügung. Manche Kategorien halte ich für Pseudokategorien, wie „gold/oro“ – das sind letztlich meist nur blancos, die gefärbt wurden.

Welches genaue Reifungsalter ein spezielles Produkt aufweist, muss meist spezifisch nachgeforscht werden, oft wird gar kein genaues Alter angegeben. Beim Fortaleza Tequila Reposado kann man aktuell sogar die spannende Situation nachverfolgen, dass sich das Produkt verändert. Bisher reifte dieser Tequila um die 6 Monate, also dreimal so lang, wie gesetzlich gefordert. Doch Tequila ist in einer massiven Krise – Monokultur und Verlust der Biodiversität, Fledermaussterben (diese sind für die natürliche Befruchtung der Agavenpflanzen von entscheidender Bedeutung), aggressive Industrialisierung des Anbaus und der Produktion, dazu das kometenhafte Aufstreben von Mezcal, das Großkonzerne dazu bringt, Agavenanbauflächen und -pflanzen zu monopolisieren und dann teilweise sogar brach liegen zu lassen, nur damit sie kein Konkurrent nutzen kann; all das sorgt dafür, dass gerade traditionell arbeitende Unternehmen, wie Fortaleza (Los Abuelos in Mexiko, NOM 1493) in Schwierigkeiten geraten. Der Durst nach Tequila ist groß, doch man kommt nicht mehr hinterher, mit all den Problemen die Ausstoßmenge entsprechend anzupassen. Drastische, und meiner Meinung nach etwas hastige und unüberlegte Schritte folgen – neuere Abfüllungen des Fortaleza Tequila Reposado sind dann eben nur noch mit niedrigerer Reifungsdauer abgefüllt. Man ging zunächst auf 4½ Monate herunter, später dann sogar auf die Minimumdauer von 2 Monaten. Laut Kennern machen sich diese Einsparungen leider auch sehr deutlich im Geschmack deutlich, selbst habe ich leider aktuell keinen Vergleich. Entsprechend wollen wir hier nur den originalen, 6 Monate alten Reposado aus dem Tequila Valley verkosten.

Fortaleza Tequila Reposado Flasche

Blasses Strohgold sieht man schon durch das transparente Glas der Flasche, im Glas kommen fast schon weiße Reflexe dazu. Die oben angesprochenen 6 Monate im Fass aus amerikanischer Eiche zeigen sich doch bereits recht kräftig. Eine minimale Viskosität ist erkennbar, die Tropfen an der Glasinnenwand laufen nur sehr langsam ab.

Optisch ist der Fortaleza Reposado noch nicht aufregend, für diese Nase wird aber einiges geboten – sehr starkes, frisch geschnittenes Agavenaroma, ohne zu würzig oder zu kratzig zu werden. Blumig leicht, mit etwas Lavendel und Thymian. Fruchtig und süßlich. Gebrannte Mandeln. Milchschokolade. Ein Hauch von Holzkohlenrauch ist im Hintergrund erahnbar, beim tiefen Einatmen eine Spur Lack. Ersteres schreibe ich dem Kochen der Agave in traditionellen Steinöfen (hornos) zu.

Im Antrunk zeigt sich dieser gereifte Tequila wunderbar weich und mild. Eine Süße stellt sich schnell ein und erzeugt ein rundes, volles, dichtes Gesamtbild. Agave ist, wie es sein sollte, die Hauptkomponente (durch die Verwendung einer traditionellen Tahona, also dem Zerdrücken der Agavenfasern durch einen schweren Mühlstein, sollte dies auch so sein), eine unterschwellige Kräuterunterlage aus Lavendel, Kümmel und etwas Anis erzeugt eine angenehme, aber nicht überhandnehmende Komplexität. Heu und brauner Zucker. Darjeeling-Schwarztee. Kies. Im Verlauf kommt eine recht deftige Würze dazu, die die Süße ablöst.

Fortaleza Tequila Reposado Glas

Der Abgang ist feurig pfeffrig, gleichzeitig aber eukalyptuskühl und mit extrem viel Agavencharakter – man spürt, dass es nicht die 40% Alkoholgehalt sind, die brennen, sondern die Stacheln der Agave (metaphorisch gesprochen). Die doppelte Destillation in Kupfer-Pot-Stills gibt Charakter, ohne Zweifel. Dabei entsteht nur ein leichtes Kribbeln mit langsam einsetzender Adstringenz, die immer stärker wird und am Ende einen kleinen Eisenton erzeugt. Der Nachhall ist sehr lang und dabei dankenswerterweise voller Agaveneindrücke. Mit etwas Süßwasseralgen und feuchtem Beton klingt die Verkostung aus.

Dale Degroff erwähnt in seinem Buch „The Essential Cocktail“ neben dem modernen Rezept für einen Tequila Sunrise, das wir alle kennen und mehr oder weniger schätzen, das Ursprungsrezept, aus dem die moderne Form entstand. Sie wurde an der Pferderennbahn Agua Caliente im mexikanischen Tijuana um die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts serviert. Man sieht, früher war nicht immer alles besser – aber manches schon. Die alte Fassung gefällt mir sehr und stellt den modernen Orangensaftdrink locker in den Schatten. Mit einem guten Tequila, wie dem Fortaleza, um so mehr.

Tequila Sunrise Circa 1920


Tequila Sunrise Circa 1920s
1½ oz Zitronensaft
1 oz Zuckersirup
Diese Zutaten vermischen, um eine saure Limonade herzustellen.
Dann in einem Highball-Glas voll Eis die restlichen Zutaten in dieser Reihenfolge bauen.
1½ oz Tequila reposado (z.B. Fortaleza Reposado)
Die oben hergestellte Limonade
2 oz Club Soda
½ oz Crème de Cassis
¼ oz Grenadine
[Rezept nach Dale Degroff]


Stellt man die Flaschen der drei Varianten von Fortaleza Tequila nebeneinander sieht man die Ähnlichkeit, aber auch die kleinen Unterschiede. Wie der Inhalt ist auch die Flasche und der Stöpsel handgemacht, und dabei entstehen eben diese feinen Unikate. Das Agavenherz, die Piña, die als Krone auf dem Korken sitzt, ist dabei besonders auffällig.

3 Fortaleza Tequilas

Den Blanco hatte ich ja vor einiger Zeit schon besprochen, und eine Rezension des Añejos, des am längsten gereiften Tequilas im Portfolio von Fortaleza, folgt dann auch irgendwann mittelfristig. Unabhängig davon, welchen Reifegrad man nun persönlich bevorzugen mag (ich für meinen Teil liebe die ungereiften, direkten Blancos bei Tequila am meisten), bei Fortaleza kann man blind zugreifen und erhält auf jeden Fall einen der Besten der Besten in dieser Spirituosenkategorie. Man muss nur halt leider aktuell, wie angesprochen, auf das genaue Reifedatum achten. Dann schmeckt man auch die Ehrlichkeit und Tradition der Herstellung im Endprodukt.

Heimlicher Raucher – Sierra Milenario Fumado Blanco Tequila

Manchmal braucht man einen Pionier, um mit einer kleinen Gruppe von Leuten einen Weg ins Inland zu schlagen, auf dem dann Siedler und ihre Familien mit weniger Mühe folgen können. Das galt historisch für die menschliche Besiedlung von neuen Regionen, viele Pflanzen und Tiere machen es ebenso. Und auch bei Spirituosen kann man ohne weiteres etwas ähnliches beobachten.

Ein einfaches Beispiel: Je mehr Tequilas es schaffen, sich in Deutschland zu platzieren, um so mehr Chancen haben auch dazugehörige Nischenprodukte oder Subkategorien, sich im Fahrwasser anzuhängen. Neulich hatte ich so etwas im Glas, einen Tequila, in dem Agavenfruchtfleisch mazeriert wurde – ein tolles Erlebnis. Heute stelle ich ein zweites derartiges abgeleitetes Spezialprodukt vor. Der Sierra Milenario Fumado Blanco Tequila weist als Besonderheit auf, dass er geräuchert wurde, und zwar über mexikanischem Mesquite-Holz. Da aktuell der rauchige Verwandte des Tequila, der Mezcal, sehr beliebt ist, fragt man sich: Wird hier vielleicht das beste aus zwei Welten miteinander vereint? Oder ist das Räuchern nur ein Gimmick?

Sierra Milenario Fumado Blanco Tequila Flasche

Die Farbe eines Blancos steht selten zur Diskussion, auch hier besteht nicht die Gefahr, dass Trübungen oder Einfärbungen die namensgebende Farbe beeinträchtigen. Auch der Räucherprozess hat offensichtlich keinen Einfluss darauf. Die Konsistenz gefällt durch eine gewisse Schwere, Beine laufen langsam am Glas ab.

Der Geruch des Sierra Milenario Fumado ist sehr markant. Sehr „grün“, das mag ich an Tequilas grundsätzlich gern. Vegetal und pflanzlich, mit viel Agavenhintergrund. Eine milde Süße deutet sich an, da ist, auch ohne Holzreifungseffekte, etwas Vanille und Karamell. Ein Hauch von Rauch deutet sich an, ohne aber, wie bei Mezcal, direkt sehr dominant zu werden.

Im Geschmack kommt dann der Gedanke doch auf, dass wir hier einen Mezcal vor uns haben könnten, wüsste man es nicht besser. Der Räucherprozess sorgt für einen starken, aber nicht überwältigenden Rauchcharakter – wer einen „Mezcal Light“ probieren will, ist hier genau richtig. Eine cremige, feine Süße bildet die Unterlage für einen wuchtigen Agavenkörper. Ich danke dem Hersteller für die Einstellung auf 41,5% – weniger dürfte es nicht sein, der vorhandene Alkoholgehalt ist nahezu ideal für diese Spirituose. Da ist eine leichte Mineralität (oder, wie ich gern sage, „Aquariumkies“), und ein Anflug von Fenchel und Rosmarin. Mir gefällt diese Komplexität sehr gut; wie bei den meisten weißen Qualitätstequilas fehlt einem, im Gegensatz zu vielen anderen weißen Spirituosen, nie die Reife, selbst wenn er nicht gereift ist – der Sierra Milenario Fumado wirkt trotz seines jugendlichen Alters sehr erwachsen und rund, kann ohne jede Mühe als „Sipper“ durchgehen.

Sierra Milenario Tequila Fumado Blanco Glas

Der Abgang ist extrem weich, dabei aber vergleichsweise trocken, mit schöner, milder Wärme und herrlicher mildpfeffriger Würze. Die mineralische und pflanzliche Komponente bleibt, auch wenn der Abgang selbst eher kurz ist, noch eine Weile am Gaumen.

Oh, das ist ein Tequila, der mit dem von mir vielgescholtenen Sierra Mixto rein gar nichts mehr zu tun hat – im Gegenteil, das ist ein wunderbares Produkt mit viel Herz und Verstand. Gerade die deutlichst erkennbare Nähe zu Mezcal, ohne dabei seine Tequilawurzeln aufzugeben, machen den Sierra Milenario Fumado extrem spannend und zu einer meiner neuen Lieblingssorten. Man sollte ihn als Tequilafreund definitiv probieren.

Ich konnte es entsprechend kaum erwarten, diese Spirituose auch in einem Cocktail unterzubringen. Eine Paloma ist ein herrliches Sommergetränk, herb und frisch. Mit einem kleinen Schuss Lavendelsirup, dann eben als Lavendel-Paloma, wird sie noch aromatischer und sommerlicher; der Fumado gibt dem ganzen schließlich als Krönung eine hintergründige Rauchigkeit, die für Komplexität und Spannung sorgt.

Lavendel Paloma


Lavendel-Paloma
3 oz Grapefruit-Saft
2 oz Tequila Blanco
½ oz Lavendelsirup
Auf Eis shaken.
[Rezept nach unbekannt]


Die neuen Flaschen, die die Destilerías Sierra Unidas, S.A. de C.V. (NOM 1451) für ihre Milenario-Reihe benutzen, gefallen mir sehr. Sie liegen gut in der Hand, machen einen wuchtigen und wertigen Eindruck, insbesondere mit dem Holzdeckel des Kunststoffkorkens, der umgehängten Kordel in der grauen Sortenfarbe und dem kleinen Metallanhänger. Es ist chi-chi, ja, doch hin und wieder lasse ich mich davon einnehmen, auch wenn es eigentlich unnötig und ablenkend ist.

Sierra Milenario Tequila Fumado Blanco Rücketikett

Kurz will ich noch die Etikettierung ansprechen. Am Hals steht in einer Banderole „Concrete Jungle Luxury“, das müsste mir mal erklärt werden – im Gegensatz zu obiger, offensichtlicher, harmloser Augenschmeichlerei ist das völliger Quatsch, der abgestellt werden sollte. Mir missfällt auch etwas die Gestaltung des Rücketiketts, die sich an handausgefüllten Vordrucken orientiert; hier ist aber nichts handausgefüllt, selbst die Flaschennummer ist (nachträglich) aufgedruckt. Ein Täuschungsmanöver, ebenso wie der Versuch, den Eindruck zu erwecken, dass hier tonnenweise Informationen abgedruckt seien. Das übelste ist die Vermischung von wertvoller Information, wie die Erwähnung der Agavenherkunft (Los Altos, also Hochland), der Destillationsmethode (zweifach im Kupfer-Pot-Still) und des zur Reifung verwendeten Holzes (wobei „Mexican Wood“ auch nicht gerade wirklich sehr erleuchtend ist), mit Marktinggeblubber und nutzloser Pseudoinformation („Quality: The Crocodile, Imix“? „Mayan Sign“?). Bei einem ernstzunehmenden Produkt ist diese Art von schwalliger Übermütigkeit und schlechtem Storytelling unangebracht – und es lenkt vom wirklich herausragend guten Inhalt ab, was ich schade finde. Wenn diese Kritikpunkte noch aus der Welt geschafft werden könnten, hätten wir mit dem Sierra Milenario Fumado ein völlig uneingeschränkt empfehlenswertes Produkt; aber auch so lege ich ihn jedem Tequila- und auch Mezcalfreund definitiv ans Herz.