Schlagwort-Archive: event

After-Work-Tasting - Bier und Tapas - Titel

After-Work-Tasting: Bier & Tapas in der Saarbrücker Beer Society

Man merkt es schon von außen – es ist ein kleiner, schnuckeliger Laden, den sich die Inhaber der Saarbrücker Beer Society da in kurzer Zeit aufgebaut haben. Direkt an einer belebten Stelle der zentralen Mainzer Straße in Saarbrücken gelegen ist der eine oder andere Saarländer bestimmt schon daran vorbeigelaufen. Man sieht, wenn man ihn einfach mal betritt, dass nicht die Gefahr besteht, sich zu verlaufen oder dass die Atmosphäre zu kühl wird – man sitzt bei den Tastings inmitten von Bieren, gemütlich in kleiner Runde. 7 Teilnehmer, plus die zwei ausgebildeten Biersommeliere Katharina und Martin Rolshausen, die durch den Abend führten, das war eine ideale Gruppengröße für das After-Work-Tasting, das diesmal unter dem Motto Bier &Tapas stattfand.

After-Work-Tasting - Bier und Tapas - Saarbrücker Beer Society

Aller Anfang ist leicht – mit einem milden Bier beginnt der Abend. Ich hatte bereits vor einiger Zeit das Kona Brewing Big Wave Golden Ale rezensiert, und während mir das Bier etwas zu flach ist, stellte sich heraus, dass für manche der Teilnehmer hier bereits das Lieblingsbier des Abends vorgestellt wurde. Aromatisch nur ein kleiner Schritt ist es von Hawaii nach Schwaben, von wo das Frau Gruber Modern Times Postmodernes Kellerbier stammt. Unterhaltsam, wie sich hier eine Diskussion um die Dose als Behältnis für Bier entwickelte, und die unterschiedlichen Aufbewahrungsarten von Bier und die Effekte von Licht auf den Geschmack. Die laut Veranstaltern zweitbeste Lagerart für Bier, eine braune Flasche, beinhaltete das dritte Bier des Abends. Das Barcelona Beer Pale Ale stammt aus der entsprechenden Stadt, und für mich, der mit spanischen Bieren bisher nur wenig gute Erfahrungen gemacht hatte, um so überraschender, denn es war mein persönliches Highlight des Tages – ein wirklich schönes Bier mit hoher Drinkability und ansprechender Komplexität.

After-Work-Tasting - Bier und Tapas 1 - Kona Big WaveAfter-Work-Tasting - Bier und Tapas 2 - Frau Gruber Modern TimesAfter-Work-Tasting - Bier und Tapas 3 - Barcelona

Natürlich darf man über all das Bier die zweite wichtige Komponente des Abends nicht vergessen – die üppig gereichten Tapas ergänzten die Bieraromen wunderbar. Salami, Schinken, Oliven, Käse, Fleischbällchen in pikanter Soße, gefüllte Weinblätter und Peperoni, und eine Spinatquiche sorgten für eine gute Unterlage über den ganzen Verlauf der Verkostung. Mir liegt derartiges Fingerfood – besonders die mit Bacon umwickelten Aprikosen mundeten mir ganz hervorragend.

After-Work-Tasting - Bier und Tapas - Tapas

Die zweite Halbzeit beginnt mit einem italienischen Bier – das Baladin Nora wird von einem Brauer aus einer Winzerfamilie hergestellt, und während sich dem Reinheitsgebotsfanatiker die Haare ob der Zutatenliste sträuben mögen (Dattelsirup, Myrrhe, Orangenschale, Ingwer, Gentiana), so entzückt ist der Freund ungewöhnlicher, süßlicher Biere mit leichtem Kräutertouch. Mir gefällt es, und wer es noch außergewöhnlicher will, sollte sich vielleicht das französische Salbeibier aus der grenznahen Region anschauen – das Saint-Nabor 1916 Ambrée à la sauge ist sehr faszinierend, polarisierte die Verkostergruppe aber doch sehr stark. Für mich immer ein gutes Zeichen. Selbst das dritte Bier dieses wirklich spannenden Flights hat Potenzial, den Pilstrinker zu verwirren, denn beim Rügener Insel-Brauerei Strandgut werden im Sud zerhackte Whisky-Fässer eingesetzt, um Holzaromen ins Bier zu transportieren.

After-Work-Tasting - Bier und Tapas 4 - Baladin NoraAfter-Work-Tasting - Bier und Tapas 5 - Saint-Nabor 1916 Ambrée à la saugeAfter-Work-Tasting - Bier und Tapas 6 - Insel-Brauerei Rügen Strandgut

Die 2 Stunden vergingen wie im Flug, eine spaßige Runde mit vielen sympathischen Typen am Tisch, bei der viel gelacht wurde und interessante Gespräche entstanden. Ich bin mir sicher, dass ich weitere Veranstaltungen der Saarbrücker Beer Society besuchen werde, und lege das auch jedem Bierfreund ans Herz. Vom Kaumbiertrinker über den urpilsgestählten Craftbieranfänger bis hin zum verwöhnten Gerstensaftprofi, da findet jeder noch etwas Spannendes, Lustiges und Lehrreiches. Ein Laden, der Saarbrücken wirklich gefehlt hat.

The Art of Japanese Whisky Titel

Kampf der Kulturen – The Art of Japanese Whisky @ Winefactory

Wenn man Science-Fiction-Filme und -Bücher aus den 80ern verfolgt, wie Blade Runner, Johnny Mnemonic oder William Gibsons Neuromancer, die Werke von Bruce Sterling und anderen, so wird dort durch die Beschreibung der Umgebung, in der sich die Protagonisten bewegen, unterschwellig immer ein Gefühl transportiert – die Angst vor Japan, und dass dieses Land, das in eben diesen 80ern die Unterhaltungselektronik revolutionierte und westliche Konzerne in einigen Bereichen zu Statisten degradierte, mit seiner Marktmacht einst kulturell die Welt total bestimmen wird.

Die paranoide Angst vor einer scheinbar unausweichlichen japanischen Übernahme der abendländischen Kultur verdeckte dabei, dass eine Vermischung der Kulturen längst stattgefunden hatte, diese aber gar nicht so kulturkampfdramatisch ausfiel, und dass man statt der Verdammung dieses Trends auch viele positive Aspekte darin finden kann. Die Strömung ging nämlich nie nur in eine Richtung – Japan importierte im 20. Jahrhundert auch viele Dinge aus der westlichen Kultur. Ein erstaunliches Beispiel, das ich erst neulich erfuhr, ist beispielsweise die japanische Jeans – laut Aussagen von Kennern kommt heutzutage die beste Jeansqualität der Welt nicht mehr aus Amerika, sondern aus Japan. Wenn man sie sieht und berührt, das muss man zugestehen, überzeugen sie schon allein von der Verarbeitung und der Schwere des Stoffs her. Hier hat Japan also eine ureigene amerikanische Zutat genommen, und seiner eigenen Kultur hinzugefügt, und dabei mit ostasiatischem Auge fürs Detail optimiert.

The Art of Japanese Whisky vorgestellte Whiskys

Oder, um zum eigentlichen Thema dieses Artikels zu kommen, auch Whisky. Jim Murray, der Autor des jedes Jahr neu aufgelegten Referenzwerks The Whisky Bible, trat mit seiner Bewertung des Yamazaki Sherry Cask 2013 als bestem Whisky der Welt anno 2015 eine Welle des Interesses los – wie, Japan und Whisky? Können die das überhaupt, wie kann es sein, dass die besser sein sollen als die Schotten mir ihrer tausendjährigen Tradition? Auch wenn ich mit den kritischen Experten übereinstimme, dass es sowas wie einen „besten Whisky“ überhaupt nicht geben kann, weil die Geschmäcker und Aspekte bei Spirituosen viel zu weitläufig sind, um so etwas absolut sagen zu können, hat Murray damit erreicht, was meines Erachtens erreicht werden sollte: Die Augen der Welt richteten sich auf Japan und seine trotz der Kürze der Zeit inzwischen tiefgreifende Whiskykultur.

Das als The Art of Japanese Whisky betitelte Event Ende November 2017 in der Winefactory im Unique Cube sollte einen ähnlichen Effekt haben, neben dem reinen Genuss vielleicht auch dazu dienen, den anwesenden Gästen diese trotz ihres ihr schnell vorauseilenden Rufs in Deutschland doch eher wenig verbreitete Spirituose näherzubringen.

The Art of Japanese Whisky vorbereiteter Tisch

Der Tisch war schon eingedeckt, hübsch, nicht überdekoriert, aber stimmungsvoll. Auch die Whiskys waren schon voreingegossen, so dass sie vor der Verkostung auch noch ein bisschen atmen konnten. Je 2cl der Whiskys, die alle aus dem Portfolio von Beam Suntory stammten, konnten unter Anleitung verkostet werden – Hinweise zur Destillerie und der speziellen Whiskysorte wurde mit einem Beamer an die Wand geworfen. Wasser zur Durststillung und Gaumenreinigung stand ausreichend bereit – der Abend konnte beginnen!

The Art of Japanese Whisky 5 Whiskys

Bei vielen Events ist das Essen eine nette Beigabe, ein Snack, klar untergeordnet. Bei The Art of Japanese Whisky merkte man vom ersten Gang an, dass da zwei gleichwertige Komponenten auf höchstem Niveau miteinander in Wettstreit stehen – oder, anders gesagt, in einem Gesamtklang miteinander harmonieren. Das Sushi Catering von Kimdo at Home bereitete die Speisen alle live in Echtzeit für jeden Gang vor; die nagelneue, offene Showküche der Winefactory bietet ein ideales Umfeld für derartiges Kochen und Anrichten vor den Augen der Gäste.

The Art of Japanese Whisky Gang 1

Das sieht man schon beim ersten Gang. Sautierte japanische Kamm-Muscheln. Mir als Meeresfrüchteliebhaber kommt sowas entgegen, und da hat es der dazu kredenzte The Chita Grain Whisky schwer, das zu übertrumpfen. Grain Whiskys haben einen gewissen, nicht unbedingt positiven Ruf, sie sind oft eher flach von der Aromatik und haben außer einer schönen Süße nur wenig zu bieten. Der Chita macht seiner Kategorie aber sicher keine Schande, im Gegenteil, er gehört für mich persönlich gewiss zu den besseren Grain Whiskys.

The Art of Japanese Whisky Gang 2

Butterzarte Tempura-Garnelen mit Yuzu-Dip wurden im zweiten Gang präsentiert. Sensationell war insbesondere dieser Dip aus der exotischen Frucht – da musste ich, auch wenn es wenig fein wirkte, die Schale auslecken. Der Hibiki Japanese Harmony Blended Whisky, den man dazu trank, ist nun schon eine andere Gewichtsklasse als der zuvor servierte Chita. Ein Blend aus verschiedenen Grain- und Malt-Whiskys der japanischen Suntory-Brennereien, präsentiert in einer sehr attraktiven Flasche mit Facettenschliff und Etikett aus handgeschöpftem Papier. Trotz der edlen Aufmachung: Ein bodenständiger Easy-Drinking-Whisky.

The Art of Japanese Whisky Gang 3

Den dritten Gang läutet der große Bruder des Hibiki Japanese Harmony ein, der Hibiki 12 Years Old Blended Whisky. Im Gegensatz zum NAS-Vorgänger ist dieser mit einer Altersangabe versehen. Wenn man recherchiert, findet man schnell heraus, dass wir hier einen doch eher seltenen und auch recht hochpreisigen Whisky vor uns haben – toll, dass man auch derartige Raritäten an diesem Abend probieren konnte. 3 Nigiri von Lachs, Thunfisch und Hamachi (Gelbschwanzmakrele) mit hausgemachter Sojasauce wurden dazu angeboten; herrlich, wie luftig und frisch diese kleinen Bissen wirkten.

The Art of Japanese Whisky Gang 4

Persönlich das absolute Highlight des Abends war der vierte Gang – sowohl vom Essen als auch vom Whisky her. In der Tischmitte wurden mehrere große Portionen Unagi (japanischer, marinierter Aal) auf Perilla-Reis mit japanischen Pickles gestellt, an denen man sich bedienen konnte – was ich bei diesem fantastischen Gericht auch üppig tat! -, und dazu frisch handgerollte Ura Maki (Inside Out Rolls) mit Spicy Tuna und Chicken Teriyaki. Ich fühlte mich im Himmel. Kaum hintan stand aber das Getränk dazu: The Hakushu Single Malt Whisky Aged 12 Years bezauberte mich durch seine ganz besondere Aromatik, die ich in dieser Form noch bei keinem anderen Whisky schmecken durfte. Mir war beim ersten Schluck klar – davon musste ich eine Flasche haben, und gottseidank war in der Winefactory noch genug Lagerbestand da, dass ich ihn direkt am Abend noch mit nach Hause nehmen konnte.

The Art of Japanese Whisky Gang 5

Ich gebe zu, ich fühlte mich bereits etwas gesättigt durch die tolle Speisenfolge bisher. Als dann aber noch abgeflämmtes Lamm mit Miso, Edamame und Hawaiisalz auf den Tisch kam, gewann die Lust über das Sättigungsgefühl. Auch der dazu getrunkene The Yamazaki Single Malt Whisky Aged 12 Years überzeugt voll – süß, cremig, voll und dicht, ein wahrer Gaumenschmeichler, der die Kehle runterläuft wie Öl. Für viele am Tisch war dies die Krönung des Whiskyportfolios von Suntory an diesem Abend; auch ich war kurz davor, meinen Favoriten zugunsten des Yamazaki aufzugeben. Wer tiefe, breite, feinmilde schottische Highland-Malts mag, sollte hier definitiv mal einen Blick riskieren.

The Art of Japanese Whisky Dessert Zilliken 2003

Als Dessert griff der Hausherr ganz am Ende noch in seine Schatzkiste und servierte eine Forstmeister Geltz Zilliken 2003 Saarburger Rausch Riesling Spätlese. Ein schöner, süßsaurer Tropfen, der mir selbst als Weinagnostiker sehr gefiel. Ich muss so ehrlich sein, die Qualität nicht in der Konsequenz beurteilen zu können – die Weinkenner links und rechts von mir waren aber hocherfreut, ein Glas davon vor sich zu haben.

The Art of Japanese Whisky Brand Ambassador

Ehre, wem Ehre gebührt – neben dem Gastgeber, Denis Reinhardt, der ernsthaft dabei ist, aus der einstigen Spirituosenprovinz Saarbrücken ein Zentrum für Schnapskultur zu machen, möchte ich auch die anderen Protagonisten des Abends loben. Der Brand Ambassador für Südwestdeutschland bei Beam Suntory, Mark Armin Giesler, überzeugte mit seinem Team sowohl durch das präsentierte Fachwissen bezüglich der vorgestellten japanischen Whiskys, als auch durch seine lockere Art, mit der er den Abend leitete. Viele spannende Dinge aus dem Nähkästchen konnte man da hören, ohne dass es je langweilig wurde.

The Art of Japanese Whisky Winefactory Showküche

Und natürlich muss man Martin Dobner und seine Frau Moon-Jung Kim ganz besonders hervorheben, die ein 5-Gänge-Menü für 10 Personen in Echtzeit zubereiteten, und dabei noch Zeit fanden, die schon durchaus exotischen Zutaten zu erklären. Dass es sich bei den Speisen um gehobene Restaurantqualität handelte, sollte allein schon von den Fotos klar geworden sein; dass sowas auf diesem hohen Niveau nun seit kurzem auch als Catering für Zuhause oder eine Firmenfeier verfügbar ist, finde ich großartig.

Am Ende möchte ich den Bogen zurückschlagen zum Anfang. Kulturen im Kampf, das muss eigentlich nicht sein. Wie man hier sieht, können sie sich auch ergänzen und komplettieren. Man lernt: Japanischer Whisky muss sich keineswegs hinter seinem schottischen Vorbild verstecken; deutscher Wein passt wunderbar zu japanisch zubereitetem Lammfleisch; ein Rheinhesse, ein Schwabe, eine Koreanerin und viele Saarländer können einen unglaublichen Abend zusammen erleben. Wenn man nur will, können unterschiedlichste Kulturen gemeinsam viel erreichen – und damit die ganze Welt bereichern.

Cocktail meets Whisky - Titel

Ohr- und Gaumenfreuden – „Cocktail meets Whisky“ bei der Whiskytruhe

Gern wird immer wieder mal das Bonmot zitiert, dass man nicht allein trinken soll, sondern in Gesellschaft. Ersteres ist, zugegebenermaßen, ein gefährlicher, abschüssiger Weg (jetzt mal natürlich nur rein hobbypsychologisch gesprochen). Entsprechend es ist ein hartes Leben als Spirituosenblogger, denn das tiefe Probieren und Verkosten, das für Tasting Notes erforderlich ist, kann man eigentlich nur allein durchführen, um die Konzentration und den Fokus zu erhalten, der dafür nötig ist.

Doch auch so ein Blogger hat mal Lust auf einen weniger anstrengenden Drink, und woher die Gesellschaft nehmen, wenn nicht stehlen, und gerade kein Saufkumpan zur Verfügung steht? In einer Bar ist man ja auch eher allein unter anderen Menschen, wenn man solo aufbricht. Die Lösung: Whiskyverkostungen! Diese sind durchaus in Mode. Es ist ja auch eine tolle Sache – man bekommt etwas gutes zu trinken, lernt neue Spirituosen und Leute kennen und im Idealfall hat die Veranstaltung auch etwas von einem Eventcharakter, so dass die Unterhaltung nicht zu kurz kommt. Man will ja eigentlich nicht am Abend auf eine Lehrveranstaltung, sondern Spaß haben, selbst (oder gerade!) als Kenner.

Cocktail meets Whisky - Eintrittskarten

Am 28. Oktober 2017 fand auch ich, zugegebenermaßen ausschließlich dank meines Navigationsgeräts, den Weg zu so einer Whiskyverkostung. Tief im ländlichen Saarland, in Schmelz/Limbach, lud Gastgeber Markus Hawner, der Geschäftsführer von Whiskytruhe, zu einem Multifunktionsabend ein. „Cocktail meets Whisky“ hieß das Motto – entsprechend konnte man sich nicht nur auf Spirituosenproben freuen, sondern auch auf damit live gemixte Cocktails und Longdrinks.

Ein Blick in den kleinen, charmanten Laden von Markus Hawner zeigt direkt, dass es sich bei seinen Veranstaltungen nicht um kühle Vorträge handelt, in denen ein gelangweilter Brand Ambassador eines Konzerns sein Portfolio zum hundersten Mal runterrattert. Man sitzt auf einer Couch oder Fässern, steht an einem aus Fässern hergestelltem Stehtisch oder lehnt gemütlich an einer Wand, während Markus eine Auswahl an Whiskys präsentiert.

Cocktail meets Whisky - Gruppe

Die Atmosphäre ist sehr lässig, entspannt, man merkt, dass sich der eine oder andere schon kennt. Da wird laut geredet und gelacht, diskutiert und palavert – in manch einer Veranstaltung musste ich mich zum Räuspern aus dem Raum begeben, weil sonst die anderen Teilnehmer einen vorwurfsvoll anschauen; hier gibt es das nicht.

Was gab es zu trinken? Markus Hawner legte einen Schwerpunkt auf Roggenwhiskeys aus den USA, und ergänzte dies durch Whiskys aus der alten Welt. Entsprechend begann der Abend mit den amerikanischen Straight Rye Whiskeys Jim Beam Rye, Knob Creek Rye und 1776 Rye, dazu kam als Übergang der irische Vertreter Knappogue Castle 12, und am Ende die schottischen Black & White und Kilchoman Single Malt, die zeigen sollten, dass auch Scotch sich vor Cocktailvermischung nicht zu hüten braucht.

Cocktail meets Whisky - Auswahl

Zu jedem Whisky gab es eine kurze Einführung, Erklärung über die Produktion und die Basismaterialien, sowie ein paar Hinweise zu den zu erwartenden Aromen und Geschmäckern. Markus passt sich dabei dem zu erwartenden Kenntnisstand seiner Besucher an – man wird also nicht mit zuvielen Spezialistendetails überfrachtet, sondern bekommt einen kurzen, knackigen Überblick über einen Whisky und hat dann entsprechend mehr Zeit, sich selbst in der Verkostung ein Bild zu machen und mit den anderen Teilnehmern darüber zu diskutieren.

Cocktail meets Whisky - Gastgeber

Nun hieß der Abend ja nicht „Whiskey meets Whisky“, sondern „Cocktail meets Whisky“, und so wurde nach jeder Probe ein Cocktail angeboten, der genau diese Spirituose beinhaltet. Beispielsweise wurde zum Knob Creek Rye ein Dry Manhattan empfohlen – meine kleine Befürchtung, dass der immer noch sehr weit verbreitete Irrtum, dass ein Cocktail immer ein Liter Saft mit etwas Schnaps ist, hier fortgeführt werden könnte, hat sich da schnell in Luft aufgelöst – hier wurden klassische Rezepte gezeigt. Eugenia Schmidt, eine Cocktail-Amateurin im besten Wortsinn (nämlich jemand, der das liebt, was er oder sie tut), gab neben den von ihr auf professionellem Niveau gemischten Drinks noch den einen oder anderen Hinweis auf den Hintergrund des Cocktails, mit möglichen Twists oder Alternativrezepten.

Cocktail meets Whisky - Cocktail 1

Natürlich schadet auch ein Longdrink nicht – der angebotene Horse’s Neck war eine tolle Erfrischung nach all dem trockenen Whisky. Hübsch angerichtet mit der namensgebenden, langen, über das Glas hinaushängenden Zitronenzeste konnte auch hier die Bartenderin voll überzeugen.

Cocktail meets Whisky - Cocktail 2

Bei soviel Schnaps muss auch etwas gehaltvolleres her. Nach 3 Whiskys gab es eine kleine Pause, in der der Gastgeber das Fingerfood-Buffet eröffnete. Wraps, Datteln im Speckmantel, Pesto-Tortellini-Spieße und Schinken- und Käseschneckchen waren neben der kleinen Käseplatte ein idealer, fetthaltiger und sehr leckerer Grund, auf den man für den Rest des Abends weiter aufbauen konnte. Alles hausgemacht und in mehr als ausreichender Menge vorhanden.

Cocktail meets Whisky - Fingerfood-Buffet

Mit das prägendste Element des Abends war allerdings die musikalische Untermalung durch Pascal Saar, der mit seiner Cajon-Drumbegleitung Marvin Waldemar und irischen Folk-Klängen viel Rhythmus in die Veranstaltung brachte. So fühlte man sich stellenweise wie in einem irischen Pub, nicht mitzusingen war zu fortgeschrittener Zeit bei einigen Klassikern wie „Whiskey in the Jar“ und „The Wild Rover“ praktisch unmöglich. Großartige Unterhaltung!

Cocktail meets Whisky - Band

Kurz und bündig zusammengefasst – ein rundum gelungener Abend, der beweist, dass man über die Gefahren des Alkoholtrinkens sagen kann, was man will: Er ist auch, und vor allem, ein Kulturgut, das Leute zusammenführt und dazu bringt, das Leben etwas leichter zu nehmen und zu zelebrieren. Sehr gern werde ich in Zukunft weitere Veranstaltungen von Whiskytruhe besuchen.

1. GIN Festival Saar Titel

Das erste Mal – 1. GIN Festival Saar

Ich habe mich immer sehr darüber beklagt, in der Provinz zu wohnen, wenn es um Spirituosen geht. Die tollen Events fanden in Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt statt. Weitab vom Schuss. Das kleine, beschauliche Saarland findet auf der Landkarte der Organisatoren nicht statt. Nun, ich freue mich vermelden zu können, dass sich das ändern wird! Das 1. GIN Festival Saar, das am 14. Oktober 2017 in der Congresshalle in Saarbrücken seine Tore öffnete, ist, so hoffe ich, der Anfang einer Änderung dieses jammervollen Zustands.

1. GIN Festival Saar - 01 Eintrittskarten

Knapp 30€ für das Tagesticket legte man auf den Tisch, 20€ für das reine Partyticket für die, die eigentlich kein Ginfestival, sondern eine Party besuchen wollen. Da für eine Messe ein gewisses Besucher-Fläche-Verhältnis vorgeschrieben ist, waren die Tickets begrenzt, beinahe 1000 Stück des Tagestickets wurden aber dennoch verkauft, wenn ich recht informiert bin. Man sieht schon an den aufwändig gestalteten Tickets, dass hier kein Anfänger seine ersten Schritte tat – tatsächlich habe ich selten ein so reibungslos verlaufendes und gut organisiertes Event erlebt wie dieses 1. GIN Festival Saar.

1. GIN Festival Saar - 02 Band, Glas und Coins

Sogar das All-Inclusive-Bändchen, das man beim Eintritt ums Handgelenk gelegt bekam, war hochwertig gemacht, aus Stoff mit einem cleveren Zugmechanismus. Ein Stoffbeutelchen mit 10 Plastikcoins, die gegen Ginproben eingetauscht werden konnten, wurde dem Besucher ebenso freundlich vom zahlreich vorhandenen Personal in die Hand gedrückt, wie ein Tastingglas.

1. GIN Festival Saar - 03 Nachmittag 01

Kurz nach Vier, nur wenige Minuten nach der Öffnung des Festivals, ist der Westsaal der Saarbrücker Congresshalle noch angenehm unüberlaufen. Die Austeller sind noch frisch, gut aufgelegt, und man hat mehr Zeit, mit ihnen zu reden, als später, wenn die Massen anstürmen. Das Wetter, das an diesem Tag für Mitte Oktober herausragend gut war, sorgte wohl dafür, dass um diese Zeit die Besucher sich noch mit einem Kaffee oder Stück Kuchen auf der nahegelegenen Berliner Promenade, der relativ neu gestalteten Flaniermeile Saarbrückens, stärkten.

1. GIN Festival Saar - 03 Nachmittag 02

Eine Stunde später füllt sich das ganze schon erkennbar. Eine Messe für den normalen Gin-Trinker, nicht für den Profi (obwohl dieser sich hier auch wohlgefühlt hätte, was die Direktheit mit den Herstellern angeht). Stehtische mit Brotstücken und Palettensofas verhinderten ein Dauerstehen und Glashalten, insbesondere, wenn man neben dem Tastingglas sich von den Bars noch einen Gin & Tonic oder anderen Cocktail zubereiten ließ und man entsprechend viel zu tragen hatte.

1. GIN Festival Saar - 04 DJ Garry Woodapple

Die Hintergrundmusik von DJ Garry Woodapple, die bereits um 4 begann, war von Lautstärke und Tempo ideal geeignet, die etwas kühle Atmosphäre eines Messehallensaals fluffig auszukleiden, gleichzeitig dabei aber nicht zu verhindern, dass man sich noch in normaler Lautstärke mit anderen Gästen unterhalten konnte.

Soviel erstmal zum Rahmen, kommen wir zum Sinn des Treffens, dem Verkosten von Gins. Als Aussteller waren mit ihren Produkten angereist Ferdinand’s, der Lokalmatador aus dem Saar-Mosel-Raum, Death’s Door aus den USA, Brockmans aus England, Bobby’s aus Holland, Copperhead aus Belgien, Dreyberg aus Deutschland und Sabatini aus Italien – eine tolle, bunte und abwechslungsreiche Zusammenstellung. Dazu wurden diverse Tonic Water vorgestellt, von Thomas Henry über Doctor Polidori bis hin zu den exklusiven Schweppes Premium Mixers.

1. GIN Festival Saar - 05 Bobby's Gin und Genever

Da ich viele davon bereits kannte, konzentrierte ich mich auf das, was neu für mich war. Highlight Nummer 1 des Tages war für mich daher persönlich Bobby’s Schiedam Jenever, auch wenn dies kein Gin ist – der ebenfalls am Stand vorgestellte Bobby’s Gin ist seit langer Zeit ein Dauergast in meiner Heimbar, für mich ist er das beste, was in einem Gin & Tonic landen kann. Tatsächlich kann der Genever aus dem Hause Bobby’s auch überzeugen, auch wenn man die kräftigen Malznoten, die ein gereifter Genever sonst oft aufweist, etwas vermisst.

1. GIN Festival Saar - 05 Brockman's Gin

Die beerige Fruchtigkeit des Brockmans Gin überraschte mich sehr. Natürlich bewegen wir uns dabei doch recht weit von dem klassischen Bild eines Gins, dessen Hauptaromatik sich durch Wacholderbeeren definieren sollte, weg – aber in einer Zeit, in der der „Contemporary Style Gin“, alternativ oft auch „New Western Dry Gin“ genannt, immer mehr an Beliebtheit gewinnt, muss man sich als kategorientreuer Stilfreund daran gewöhnen, dass hier eine neue Kategorie entsteht, die man nicht unbedingt mit einem London Dry Gin vergleichen darf. Unabhängig davon – der Brockmans Gin ist für mich sicher etwas, das ich für fruchtige Gincocktails im Auge behalten werde.

1. GIN Festival Saar - 05 Death's Door Vodka

Gin ist ein aromatisierter Vodka, das vereinfacht die Sache vielleicht etwas, im Grunde stimmt es aber. Sehr viele Hersteller produzieren ihren Ausgangsstoff nicht selber, sondern kaufen Neutralalkohol ein und aromatisieren ihn nur noch. Nicht ganz so einfach machen es sich die Produzenten von Death’s Door Gin – sie brennen ihre Alkoholbasis selbst. Sehr spannend war es daher für mich, am Stand dieses Herstellers die Basis des Death’s Door Gin tatsächlich zu verkosten – die Aussteller hatten den Death’s Door Vodka dabei. Ähnlich wie bei modernen Craftvodkas wie Florian Renschins Freimut Vodka ist auch hier das altbekannte Muster von Vodka als „geschmacks- und geruchslosem“ Destillat aufgebrochen, man erkennt die Getreidebasis deutlich heraus. Wunderbar, dass man die beiden miteinander verwandten Produkte so toll vergleichen konnte.

1. GIN Festival Saar - 07 Helles Eck

Man kann auf so einer Messe nicht nur dauernd Gin und Gin & Tonic trinken, man braucht ganz besonders im bierverliebten Saarland auch was vernünftiges, wie ein kühles Bier – das Helle Eck bot beispielsweise das relativ neu auf den Markt gekommene Karlsberg Helle an. Auch wenn ich persönlich kein wirklich großer Fan der Marke bin, so finde ich es doch großartig, dass hier ein kauziger, uriger Stand mit dem Bier zusammengezimmert wurde.

1. GIN Festival Saar - 06 Arnie & Jules

Auch der Hunger konnte vor Ort gestillt werden – Manin Currywurst und Pulled Pork Burger von Arnie & Jules (wer mich oder meinen Blog kennt, weiß, was ich von den beiden Betreibern dieser BarBQ halte, darum halte ich mich hier nicht lange mit Lobeshymnen auf diese tolle Bar auf) waren ebenso über Coins erwerbbar. Man muss für den ganzen Gin ja eine Basis schaffen!

1. GIN Festival Saar - 08 Abend 01

Über die Zeit strömten dann doch immer mehr Leute in die Congresshalle, und gegen Abend war der Saal dann gut gefüllt, die Lichtanlage sorgte für lauschige Atmosphäre, der DJ wurde immer wärmer und lauter, man merkte, dass sich der Partyteil der Veranstaltung langsam näherte. Die Stände der Aussteller waren dabei immer noch geöffnet, und inzwischen von neugierigen und interessierten Ginfans umlagert, man musste sich fast schon etwas durchkämpfen, um noch an einen Probe heranzukommen.

1. GIN Festival Saar - 08 Abend 02

Draußen wurde es dunkel, im Saal kam nun immer mehr ein Clubfeeling auf. Die Gäste mit Partyticket wurden nun eingelassen, und die zumindest im Saarland und Rheinland-Pfalz wohlbekannte rotbekleidete Soulfamily übernahm dann von DJ Garry Woodapple und sorgte live mit ihrem heißen Soul-, R’n’B- und Funk-Mix fürs Mitwippen und -schwingen; mitten im Saal auf Augenhöhe platziert konnte man ihnen von allen Seiten so direkt wie kaum zuvor begegnen.

1. GIN Festival Saar - 09 Soul Family 1

Ich muss sagen – dafür, dass dies meines Wissens die erste Spirituosenveranstaltung dieser Art und Größe im Saarland war, haben die Organisatoren ganze Arbeit geleistet. Für mich gab es nichts zu meckern. Fürs zweite Festival würde ich mir vielleicht noch ein paar mehr Aussteller wünschen, aber sonst – Hut ab, Denis Reinhardt und vor dem ganzen Team der Winefactory! Jedenfalls etwas, für das es sich für den Ginfreund beim nächsten Termin lohnt, ins Saarland zu fahren!