Sirup am Freitag – Siwo Batterie Le Moysan Pur Jus de Canne

Siwo Batterie Le Moysan Pur Jus de Canne Titel

Ich habe sehr gemischte Gefühle, wenn ich an meinen Besuch während Spirits Selection by CMB 2022 auf Marie-Galante zurückdenke, der Teilinsel des Guadeloupe-Archipels in den kleinen Antillen der Karibik. Einerseits ist die Region natürlich toll und begeisternd, und Marie-Galante im speziellen noch mehr so als die Hauptinseln; andererseits war für mich die Überfahrt im Katamaran ein Höllenritt, den ich lieber vergessen würde. Mir ging es nie so schlecht mit meiner Seekrankheit wie da, ich habe die Speitüten vollgemacht und für eine halbe Stunde sogar mein Gehör verloren, so schlimm war das, und ich bin froh, dass mir Peter Holland damals geholfen hat, das vergesse ich ihm nie. Ach, nun aber wieder zu den guten Seiten der Reise. Ich finde ja oft auf solchen eigentlich auf Spirituosen konzentrierten Reisen auch Dinge, die mir fast noch besser gefallen, und so ging es mir mit dem Siwo Batterie Le Moysan Pur Jus de Canne. Dabei handelt es sich um durch Verdunstung und Konzentration aus Zuckerrohrsaft hergestellten Sirup. Der Name stammt von der „Batterie“, dem letzten Kocher einer Apparatenreihe, in der Zuckerrohrsaft zu Zucker verarbeitet wird. „Siwo“ ist kreolisch für „Sirup“, natürlich. Joël Moysan macht diesen Sirup in Capesterre-de-Marie-Galante, und die ikonische Flasche musste ich natürlich für zuhause haben.

Farblich finden wir ein dunkles, kräftiges Schokoladenbraun, das ab einer gewissen Menge komplett blickdicht wird. Die Konsistenz ist dickflüssig, ein richtig dicker Sirup, der sich nur langsam bewegt, und er bleibt eine ganze Weile in dünnerer, durchsichtigerer Form an der Glaswand haften. Man sieht winzige Partikel im Gegenlicht.

Die Nase ist direkt eine Melasse-Attacke, nicht ganz so fruchtig vielleicht, aber klar daran erinnernd. Dunkle, überreife Pflaume, dazu auch Trockenpflaume und getrocknete Aprikosen, letztere wirklich prägnant. Die konzentrierte Fruchtsüße wird durch eine gewisse Würzigkeit aufgefangen, ganz unterschwellig Lakritz und Zimt. Brauner Kandis und würziges Salzkaramell kommen dazu.

Pur trinkt das natürlich niemand, ich probiere es trotzdem, und finde diese Mischung aus getrockneten Pflaumen und Aprikosen voll wieder, die ich schon gerochen hatte. Natürlich ist die Textur so schwer, dass man das Glas lange hochhalten muss, um ein paar Tropfen überhaupt in den Mund zu bekommen, und der Sirup legt sich dann breit und voll an den Gaumen, sehr süß, aber nie pappig oder klebrig, ein sehr natürliches Mundgefühl. Man findet später noch gute Säure und milde Bittere, die Süße bleibt auf den Lippen lange erhalten, ebenso wie der Nachhall von Zuckerrohr und Melasse.

Ein wirklich besonderer Sirup, sehr aromatisch, natürlich, direkt, und weniger extremsüß als der klare Zuckersirup, den man sonst so kennt. Ich setze ihn für besondere Cocktails ein, die das dichtere Volumen und die zusätzliche Aromatik vertragen können (was bei weitem nicht alle sind!). Diese profitieren dann aber richtig davon, wie ein Ti’Punch mit Rum von derselben Insel. Großartig, ehrlich, bodenständig, und eine schöne Erinnerung an die Zeit auf Guadeloupe.

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.

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