Archiv der Kategorie: Review

Rezension und Test

Cabrito Tequila Reposado Titel

Ein liebes Zicklein ohne Hörner – Cabrito Tequila Reposado

Wie sehr hatte ich all die Jahre nun darüber gejammert, dass Tequila in Deutschland einen schweren Stand hat. Ich habe persönlich nun aber in letzter Zeit den Eindruck, dass sich das tatsächlich etwas bessert – nicht in den Supermärkten, wo immer noch der Mixto mit dem Hut uneingeschränkt herrscht, und nicht in vielen Bars und Kneipen, wo ein anderer Mixto, geschmacklich nur unwesentlich besser, bevorzugt wird. Schaut man aber mal nach, was die Spirituosenhändler im Internet so anbieten, wird einem als Tequilaliebhaber doch ein bisschen warm ums Herz. Inzwischen bekommt man eine breite Produktpalette an hochwertigen 100%-Agave-Tequilas, zu halbwegs vernünftigen Preisen, direkt ins Haus geliefert – etwas, an das vor 5 Jahren kaum zu denken war.

Besonders gefällt mir, dass neben teuren Spitzenprodukten, die den Weg ebneten, nun auch niedrigpreisige Mittelklassetequilas erhältlich sind, die den Käufern, die sich für einen Tequila interessieren, aber nicht gleich 50€ und mehr investieren wollen, eine vernünftige Qualität mit gutem Preisleistungsverhältnis offerieren. Auch wenn der Kenner, der in Deutschland immer noch verzweifelt auf Marken wie Siembra und Fortaleza warten muss, gern erleben würde, dass sehr viel mehr Highend-Tequilas konsumiert werden, so muss man sagen: Brände wie der Cabrito Tequila Reposado sind es, die es für die breite Masse erst möglich machen, den Schritt zu wagen und die ollen Mixtos im Regal stehen zu lassen und für nur unwesentlich mehr Geld auf 100%-Agave-Tequilas umzusteigen. Gießen wir uns ein Glas davon ein und trinken auf die Fahrt aufnehmende Tequila-Evolution in Deutschland!

Cabrito Tequila Reposado Flasche

Die Farbe ist selbst für Reposado-Verhältnisse recht blass – „ausgeruhter“ Tequila reift grundsätzlich ja für Spirituosenverhältnisse nur die kurze Zeit von unter einem Jahr in einem Holzfass und nimmt entsprechend wenig Farbe aus dem Holz auf. Helles Pastellgold, vielleicht sogar eher Stroh, würde ich sagen.

Im Vordergrund des Geruchsbilds sind klare, eindeutige Agavennoten. Darunter tauchen Lavendel, Rosenblüten, Thymian und Rosmarin auf, und ein leichter Plastikgeruch, ohne unangenehm künstlich zu werden. Vanille und Butterscotch sorgen für eine ansprechende Süße. Der Cabrito Reposado ist mild zur Nase, kein Alkoholstechen. Im Hintergrund liegen feinfruchtige Noten von Rosinen und Weintrauben.

Cabrito Reposado Tequila Glas

Der Antrunk ist sehr vanillig, süß und zart im Mundgefühl. Der Geschmack bleibt insgesamt zunächst dezent und zurückhaltend, das ist etwas antiklimaktisch nach der tollen Nase. Die etwas schwachbrüstigen 38% Alkoholgehalt machen sich hier doch negativ bemerkbar, ein paar mehr Prozente hätten ihm ganz sicher mehr Charakter geben können. So bleibt er doch arg enttäuschend wässrig und dünn, obwohl er sich mit Verweildauer im Mund etwas steigern kann, wenn er Eichennoten, eine spannende Salzigkeit und schwarzpfeffrige Wildheit entwickelt.

Der Abgang ist auch eher kurz, trocken, dann doch aber recht plötzlich sehr würzig, eine leichte Chilischärfe macht sich auf der Zunge und im Rachen breit. Diese Schärfe bleibt auch im leicht unrund wirkenden Nachhall doch eine ganze Weile erhalten, genau wie ein spätes, ausdauerndes Kopfheben der gekochten Agave und etwas Karamell. Mit einem Eisenton klingt der Cabrito dann aus.

Mein Fazit – ein durchaus schöner, wenn auch geschmacklich leicht schwächelnder 100%-Agave-Tequila, der hauptsächlich über sein tolles Preisleistungsverhältnis (ich habe um die 20€ für die Flasche bezahlt) punkten kann. Für den Purgenießer ist er wahrscheinlich doch zu dünn, das gebe ich gern zu, im Cocktail bringt er aber seine Leistung ohne Mühe. Im Kicking Bull erkennt man ihn selbst gegen Kaffeelikör und Rye Whiskey heraus, etwas, was bestimmt nicht jeder Tequila von sich behaupten kann. Wer sich fragt, woher der Name des Cocktails stammen mag, trinke einfach mal 3 Stück von diesen kleinen, süffigen und gefährlich leckeren Dingern. Der Stier, der einen dann von einem Moment auf den nächsten tritt, wird es einen schon lehren.

Kicking Bull


Kicking Bull
1 oz Tequila Reposado (z.B. Cabrito Reposado)
1 oz Rye Whiskey (z.B. Jim Beam Rye)
1 oz Kahlúa
Auf Eis shaken.
[Rezept nach unbekannt]


Die Agavenherzen dieses Tequilas aus der NOM 1140 werden in traditionellen Steinöfen gekocht, mittels Mühle (nicht Tahona) zerkleinert, dann in Stahltanks fermentiert und schließlich zweifach destilliert. Abgefüllt ist er in eleganten, schwungvollen Flaschen, mit hinten auf der Flasche eingelassenem Ziegenkopf, („Cabrito“ ist spanisch für „Zicklein“), den man auch auf dem Etikett in Farbe sehen kann.

Cabrito Tequila Reposado Glasdetail

Wie ich neulich erst gesehen habe – es gibt diesen Tequila auch in einer kleinen Flaschengröße, wohl 20cl oder ähnlich. Eine Kollegin in meiner Firma hat diese kleine Flasche für eine andere Kollegin als kleines Geschenk aus ihrem Mexiko-Urlaub mitgebracht. Na, das sind mal Souvenirs, mit denen man was anfangen kann! Ich hoffe, dass Geschenke wie diese dafür sorgen, dass sich der Siegeszug des Tequila in Deutschland noch weiter beschleunigt.

Black Tears Cuban Spiced Titel

Der Captain wird heulen – Black Tears Cuban Spiced

Wir leben in interessanten Zeiten, was Rum angeht. Der Trend geht, wie in vielen Bereichen, hin zum High-End-Produkt. Gewisse Subkategorien von Spirituosen, gerade bei Rum, leiden dabei etwas, was das Image angeht – wenn schon Laien heutzutage Geld in die Hand nehmen, um sich einen Caroni ins Regal zu stellen, wird so etwas wie ein Spiced Rum, also eine Spirituose auf Rumbasis, die mit Früchten, Gewürzen, Aromastoffen und Zucker süffig gemacht wird, teilweise schon etwas herablassend betrachtet.

Aber was grenzt heutzutage einen Spiced Rum eigentlich noch wirklich ab? Viele der Premium-Rums, die sich bei den Händlern immer noch verkaufen wie geschnitten Brot, und die auf Plattformen wie Amazon bis heute als „die besten Rums der Welt“ rezensiert werden, unterscheiden sich, wenn man die Zusammensetzung anschaut, nicht von einem Spiced Rum. Zusatzstoffe wie Zucker, Aromate und Glycerin sind in als Rum deklarierten Produkten enthalten, ohne dass sie auf dem Etikett ausgewiesen werden würden oder müssten. Nicht zuletzt das etwas zweifelhafte Image des Spiced Rum als unanspruchsloses Gebräu, das Kenner nicht anrühren, sorgt dafür, dass die Hersteller der Hausrezept-Rums ungern die eigentlich korrekte Bezeichnung für ihr Produkt verwenden würden.

Um so erfreulicher, dass diese uralte Kategorie von Spirituosen nun einen neuen Zuwachs erfahren hat, der sich nicht dafür zu schade ist, offen zuzugeben, was er ist. Der Black Tears Cuban Spiced hat vor kurzem die Supermarktregale bei Edeka, Rewe und Co. gestürmt – ich habe zunächst gezögert, weil ich mir eigentlich derartige Spontankäufe abgewöhnen wollte, und nach ein paar kurzen Recherchen, die kaum ein echtes Ergebnis lieferten, ein paar Tage später dann doch zugegriffen; war es ein im nachhinein bereuter Kauf nur um diese Lücke zu füllen, oder taugt dieser Kubaner auch etwas?

Black Tears Cuban Spiced Flasche

Farbstoff ist natürlich mit von der Partie, das wäre auch fast schon ein Wunder bei einem Spiced Rum. Ein kräftiges Terracotta gibt schon einen Eindruck, dass hier kein leichtes, luftiges Aroma auf uns warten wird. Im Glas liegt der Black Tears ölig, mit einem schönen Beinschleier am Glasrand beim Schwenken.

Beim Riechen springt einen eine Komponente dieses Gewürzrums direkt an – Kaffee. Das passt natürlich zur Geschichte auf dem Rücketikett (siehe unten noch ein paar Worte dazu), die vom Großvater erzählt, der schon Rum und Kaffee miteinander vermischte. Vanille, Nougat, Zuckerwatte, geröstete Agave, etwas Mandarine – eine insgesamt geradezu extrem süße Note; dagegen kommt kaum etwas an rumtypischen Aromen an. Etwas Kleber im Hintergrund.

Im Mund kommen dann doch ein paar Column-Still-Rum-Charakteristika zum Vorschein – leichter Körper, etwas alkoholisch, milde Aromen. Cappuccino und dunkler Kakao sind im Geschmack entsprechend da, aber weniger dominierend als von der Nase her vermutet, Fruchtaromen kommen nach vorne, Orange und Erdbeeren. Er wirkt frisch und hell, und ist dadurch sehr süffig und trinkbar. Insgesamt bleibt der Black Tears aber aromatisch zurückhaltend, fast schon etwas arm. Alkoholisch versehen ist der Black Tears Spiced Rum mit 35%, eine Extraktmessung meinerseits hat einen Zuckergehalt von 13g/L ergeben – das ist für einen Spiced Rum ein akzeptabler Wert und weniger, als viele Premiumrums enthalten. Das Etikett spricht von 92% Rumanteil in dieser Spirituose, wenn der Zucker entsprechend draufkommt fragt man sich aber schon etwas, was der Rest sein mag, da Aromastoffe ja volumenmäßig nicht viel ausmachen können – es wird wohl Wasser sein, um die Rumbasis, die ja normalerweise mit mindestens 37,5% Alkohol hergestellt wird, auf die im Endprodukt enthaltenen 35% herabzusetzen.

Black Tears Cuban Spiced Glas

Der Abgang ist trotz all der Vorschusssüße recht trocken, etwas heiß, aber nicht unangenehm alkoholisch. Die Lebensdauer im Mund ist extrem kurz, selbst dabei aber beschränkt auf adstringierende und anästhesierende Effekte. Cappuccino klingt noch eine ganze Weile nach.

Was bleibt also? Wir haben hier einen leichten, trockenen Spiced Rum mit typisch kubanischen Eigenschaften in der Rumbasis, und einer Würzung und Süßung, die diese dankenswerter Weise nicht völlig überwältigt. Mir gefällt das, es ist weniger brachial und pappig als Captain Morgan Spiced Gold beispielsweise, aber auch nicht so eigenwillig wie der Meermaid Infused Rum, und hat einen gewissen eleganten Charme, so dass man ihn gewiss pur, eventuell auf Eis, als leichten Ausklang für einen Abend trinken kann, ohne überfordert zu werden. Keine echte Rumkunst, auch wenn das die Präsentation etwas insinuiert, aber ein solides Basisprodukt.

Tatsächlich wird er seine Hauptarbeit für mich aber in Cocktails leisten. Die interessante Aromenvariation hin zum Kaffee macht ihn gut einsetzbar für ungewöhnliche Twists auf gut bekannte Drinks, wobei nicht die Gefahr besteht, dass der Cocktail in eine völlig andere Richtung abdriftet. Beim Spiced Daiquiri nehme ich ein übliches 2:1:½-Rezept her, reduziere allerdings den Zucker etwas, um die Süße des Black Tears etwas auszugleichen; das Ergebnis ist sehr trinkbar und leicht, mit eben diesem kleinen dunklen Kaffeetwist.

Spiced Daiquiri


Spiced Daiquiri
2 oz Spiced Rum (z.B. Black Tears)
1 oz Limettensaft
1 Teelöffel weißer Zucker
Auf cracked ice gut schütteln. Nur grob abseihen und ohne Dekoration servieren.
[Rezept nach unbekannt]


Versucht man, das Rücketikett, das im Pseudopostkartenstil in Pseudohandschrift eine Pseudolegende voller Schwafelei enthält, tatsächlich zu verstehen, wundert man sich dann aber doch über die unklare Reise, die dieses Produkt hinter sich hat. Destilliert auf Kuba, „hergestellt“ (was auch immer das nun bedeuten mag) in den Niederlanden für eine norwegische Firma, vertrieben durch eine deutsche Firma. Der Rum für den Black Tears stammt aus der Destillerie Paraíso Destilería im unter Rumkennern wohlbekannten Ort Sancti Spíritus auf Kuba; diese Destillerie vermarktet ihren Rum, wie es viele Destillerien dort tun, über ein Konglomerat mit dem weniger wohlklingenden Namen Tecnoazucar. Ein wahres Wunderwerk an Verflechtung und Vernetzung in der globalisierten Welt.

Nun, für 17€ macht man, wenn man eh auf diese Art von Rumspirituose steht, sicher nichts falsch, im Gegenteil – ich würde jedem Freund des Piratenkapitäns mit dem Fuß auf dem Fass raten, sich stattdessen einfach mal mit dem Black Tears Cuban Spiced anzufreunden, ich finde ihn interessanter und wirkungsvoller. Wer aber eh schon lieber trockene, teerige und esterige Pure Single Rums trinkt, und sich nicht von diesem Vorbild lösen kann oder will, wird dagegen kaum so richtig viel Freude empfinden werden.

Martini Riserva Speciale Ambrato Titel

Siegel, Untertitel und Geschmack – Martini Riserva Speciale Ambrato

Neulich im Fernsehen kam in einem dieser Verbrauchermagazine ein Test über italienische Balsamico-Essige. Ein Experte erklärte, dass man bei solchen lokal definierten Spezialitäten wie Aceto Balsamico di Modena nicht allein auf den Namen vertrauen darf, sondern Ausschau nach EU-Siegeln halten solle. Damit nicht genug, es gibt dabei auch zwei unterschiedliche, ein blau-gelbes IGP-Siegel, das aussagt, dass wenigstens ein Produktionsschritt bei der Herstellung in der entsprechenden Region stattfand, und ein gelb-rotes DOP-Siegel, das eine stärkere Aussagekraft hat, nämlich, dass das Produkt tatsächlich traditionell und komplett aus der Region kommt. Letzteres bedeutet natürlich einen höheren Qualitäts- und Traditionalitätsstandard und ist daher zu bevorzugen.

Bei dem heute hier vorgestellten Wermut können wir ein sehr ähnliches Phänomen betrachten. Der Martini Riserva Speciale Ambrato weist den Untertitel „Vermouth di Torino“ auf, was offiziell eigentlich „nur“ einer geschützten Herkunftsbezeichnung im Sinne des IGP-Siegels entspricht; der Hersteller produziert aber bereits jetzt im Stile des DOP-Siegels, komplett innerhalb der Region und mit Materialien komplett aus der Region. Eine Verschärfung der Gesetzeslage wird dies bald für alle Wermuts, die die Herkunftsangabe „di Torino“ haben wollen, erzwingen. Soviel zum legalesischen Hintergrund, was bringt uns das alles im Geschmacksbild?

Martini Riserva Speciale Ambrato Flasche

Heller, aber kräftiger Bernstein (kein Wunder beim Namen – „ambrato“ bedeutet „bernsteinfarben“) mit sonnenblumenfarbenen Reflexen lacht uns im Glas an. Erkennbar viskos mit dicken, langsam ablaufenden Beinen am Glas. Könnte die Farbe natürlich aus den verwendeten Tino-Eichenholzbottichen, in denen dieser Wermut reifte, stammen? Ich hoffe es mal.

Der Geruch ist ausgesprochen intensiv, süß und traubig. Würzige Untertöne nach wermuttypischen Gewürzen und Kräutern – drei davon wurden zur Herstellung genutzt (Wermutkraut, Pontischer Beifuß and Gemeiner Beifuß). Ich rieche noch Orangen und Rosinen, Birnen und Honig.

Der Martini Riserva Speciale Ambrato ist schwer und dicht im Mundgefühl und weist ein schönes Säure-Süße-Verhältnis auf. Zunächst wirkt er nur mildbitter; geschmacklich erkenne ich einen schönen Fruchtmix: Traubenmost, Orange, Grapefruit. Dazu Honig. Ich empfinde ihn als wunderbar komplex mit vielen Dimensionen. 18% Alkoholgehalt ist typisch für Wermut und wirkt gut eingebunden ohne Störeffekte.

Martini Riserva Speciale Ambrato Glas

Der Abgang schließlich: Zunächst sehr trocken, dann sehr bitter und mildsauer. Ganz stark kommt nach einer Weile noch Grapefruit hervor. Lang, für einen Wermut würde ich sogar sagen: sehr lang. Leicht adstringierend.

Das kann man sehr schön pur trinken, oder als Wermut-Tonic (wie auf dem Rücketikett mit Rezept angegeben) oder sogar Wermut-Soda. Die Tiefe dieses Wermuts allerdings macht ihn natürlich aber auch zu einer perfekten Cocktailzutat – durch seine Mischcharakteristik kann er sowohl als roter als auch als weißer Wermut (solange nicht explizit ein „trockener“ Wermut verlangt wird) eingesetzt werden. Im Little Eve spielt der Martini Riserva Speciale Ambrato eine wichtige Rolle – wie eigentlich aber alle Zutaten, die die Person, nach der er benannt ist, in Spirituosenform beschreiben.

Little Eve


Little Eve
1½ oz Fino Sherry (z.B. Sandeman Fino)
1 oz Tequila Blanco (z.B. Patrón Blanco)
¾ oz süßer, weißer Wermut (z.B. Martini Riserva Speciale Ambrato)
1 Spritzer Lavendelsirup
2 Spritzer The Bitter Truth Drops & Dashes Blossom
Auf Eis rühren und in einem Glas servieren, das vorher mit Kirschwasser ausgespült wurde.
Ohne Dekoration servieren.

[Rezept nach Helmut Barro]


Die Flasche ist eine einfache Weinflasche, das Etikett dagegen üppig und spricht den aktuellen Trend zu opulenten Etikettendesigns an. Rund 15€ bezahlt man für eine Dreiviertelliterflasche aktuell in Supermärkten, die Marktmacht der Martini-Marke sorgt für eine gute Durchdringung in der Fläche, so dass man diesen Wermut nicht mühsam suchen muss. Aus der selben Reihe gibt es noch einen weiteren Wermut, den „Rubino“ – nach der sehr positiven Erfahrung, die ich mit dem Riserva Speciale Ambrato gemacht habe, kommt mir dieser sicherlich auch noch bald ins Haus, oder genauer gesagt: in den Kühlschrank. Wie immer bei Wermut weise ich damit auf die begrenzte Haltbarkeit hin. Idealerweise versiegelt man ihn noch mit Schutzgas oder Weinpumpe, und, das beste Mittel gegen Verfall, man sollte ihn schnell aufbrauchen. Letzteres fällt zumindest mir nicht wirklich schwer.

Tausendsassa, Trainingslager und Innis&Gunn Lager Titel

Lagerkoller – Raschhofer Tausendsassa Lager, Mashsee Trainingslager und Innis & Gunn Lager Beer

Es gibt da in Großbritannien einen Zeitungs-Comicstrip, den ich sehr mag. „Andy Capp“ heißt er, und er handelt von einem Tunichtgut, der Arbeit scheut wie der Teufel das Weihwasser, der einen Großteil seiner Zeit im örtlichen Pub verbringt und dabei ein Bitter nach dem nächsten trinkt, Billard spielt und junge Mädels anbaggert. Er ist gleichzeitig passionierter Fußball- und Rugbyspieler (vor dessen ultraharter Spielweise sich alle Gegenspieler fürchten), und Meister darin, seiner Frau Flo ihre hartverdienten Kröten aus der Handtasche zu stibitzen, um jene dann zu versaufen. Eine herrliche Karikatur auf die britische Unterschicht, immer liebevoll und zum Totlachen.

Andy Capp

Auch wenn man sonst mit Andy kaum etwas gemein zu haben denkt, so kriegt der geneigte Bierfreund doch manchmal auch so einen kleinen Lagerkoller, und muss das Haus verlassen und ein Bierchen trinken, so wie Mr Capp das regelmäßig tut. Wir haben nun, um dem schlimmsten Durst zu entgehen und mal einen anderen Bierstil auszuprobieren, hier einen kleinen Trip durch Europa vor uns – beginnend in Österreich arbeiten wir uns nach Norddeutschland vor, um in Schottland zu enden; aus diesen Ländern wollen wir je ein Lagerbier probieren. Die vorgestellten Biere sind also in dieser Reihenfolge das Raschhofer Tausendsassa Lager, das Mashsee Trainingslager und das Innis & Gunn Lager Beer.

Tausendsassa, Trainingslager und Innis&Gunn Lager Flaschen

Mein erster Kontak zu den österreichischen Raschhofer-Bieren war der Kalea-Adventskalender 2015; dort gefiel mir das Lebenskünstler Witbier dieses Herstellers eigentlich recht gut, und so musste ich nicht lang überlegen, als ich in der recht gut ausgestatteten Bierabteilung meines lokalen Galeria Kaufhof das Raschhofer Tausendsassa Lager stehen sah.

Optisch überzeugt es mich zunächst nicht übermäßig – blass von der Farbe her, stark und großblasig schäumend beim Eingießen, wonach der Schaum dann schnell fast komplett weg ist, mittelstarke Perlage. Ein sehr stark metallischer Geruch ist ebensowenig attraktiv, die etwas zitronige Beinote kann noch das schlimmste abwenden. Leicht hefig wirkt es.

Raschhofer Tausendsassa Lager

Im Mund ändert sich der grundsätzliche Eindruck dann kaum noch. Frisch und rezent, ohne Frage, und leicht süß im Antrunk. Dann aber etwas zu hefig im Hauptgeschmack, trotz einer gewissen Malzigkeit ein zu dünner Körper, und leicht kratzig und störend eckig im Mundgefühl. In Kombination mit der stark Karbonisierung wirkt das Tausendsassa unrund und unruhig. Im Abgang finde ich dann einiges an Eukalyptus, es ist gefällig minzig im Nachhall. Mildtrocken, mittellang.

Die Daten im Abriss: 5,1% Alkoholgehalt, Hopfen: Taurus und Malling, Malz: Pilsner. Das Raschhofer Tausendsassa Lager lässt mich, noch optimistisch formuliert, etwas unbeeindruckt zurück. Ein guter Durstlöscher, aber nichts, was im Gedächtnis bleibt.

Gehen wir daher direkt zum nächsten Verkostungskandidaten über, dem Mashsee Trainingslager. Ich bin ja immer etwas skeptisch, wenn Biere sich so Gags als Namen zulegen; das nutzt sich einerseits schnell ab, und andererseits erwartet man dann etwas besonderes im Glas, das einer so flippigen Namensgebung gerecht wird. Schafft das dieses Bier aus Hannover? Es ist zumindest schonmal spannend anzuschauen – dunkel für das, was wir sonst als Lager kennen, mit deutlicher Trübung, feiner Perlage, und stabilem, gemischtporigen Schaum.

Mashsee Trainingslager

Auch der Geruch ist erstmal sortenuntypisch, nach meiner Erfahrung: Sehr hopfig, zitrusfruchtig, vielleicht ein Hauch von Rauch. Bisher würde ich es für ein IPA halten. Und auch im Mund bleibt das Trainingslager extrem hopfig. Kantig-bitter, dabei deutliche Süße zum Ausgleich. Toll cremig und dicht im Mundgefühl. Schöne Rezenz, aber nur mäßig erfrischend.

Der Abgang ist schließlich sehr kurz, malzig und dabei noch deftig bitter. Im Nachklang scheint es erneut mehr „ale-ig“ als typisch „lager-ig“ zu sein: sehr trocken und adstringierend. Besonders hier erkennt man aber dann doch noch den Lagercharakter – die Klarheit, die Sauberkeit im Abgang, die viele untergärige Lagerbiere auszeichnet. Erst hier unterscheidet es sich deutlich von einem IPA. Ende gut, alles gut, möchte man den Lagerfreunden zurufen.

Bei diesem Bier stellt man sich erstmals die Frage – was ist hier der Unterschied zwischen Lager und IPA? Klar, ersteres ist untergärig, zweiteres obergärig, doch wie man hier sieht, muss die Vertikale die Bierwelt wenigstens geschmacklich nicht in zwei Hälften teilen. 5,5% Alkohol, 36 IBU, 33cl für 2€ sind noch die harten Fakten. Mir gefällt das Mashsee Trainingslager sehr, es ist eine schöne Mischung aus dem, was man von einem Lager erwartet, und dem, was man von einem IPA erwartet. Sehr trinkbar und ohne Allüren.

Womit wir direkt und ohne Umschweife zum letzten Kandidaten dieser Runde kommen, dem Innis & Gunn Lager Beer aus Schottland. Während hier der Name noch sehr bodenständig, fast schon einfallslos ist (so flatterhaft sind wir Rezensenten! Erst flippige Namen anmeckern, dann unflippige Namen anmeckern!), macht das Etikett und die typische I&G-Flaschenform eine sehr gute Figur.

Innis & Gunn Lager Beer

Wie schon beim Vorvorgänger empfinde ich den Geruch als extrem metallisch und etwas hefig. Da ist nur eine leichte Hopfennote, sowie ein Anflug von Malz. Im Antrunk fühle ich mich an meine Pils-Verkostungsreihe zurückversetzt. Feinherb, mildbitter, ja, das könnte ich für ein Pils halten. Sehr rezent, aber cremig im Mundgefühl. Das Metall überträgt sich auch in den Mund, wie ein Stahlnagel wirkt das, in dieser extremen Form habe ich das selten erlebt, obwohl ich den Eindruck von anderen Bieren, insbesondere oft bei Bockbier, kenne. Bock ist es allerdings definitiv keiner, bei 4,6% Alkohol. Lässt man das Bier etwas wärmer werden, kommt eine sehr schöne malzige Note zum Vorschein, die das Metall etwas abmildert.

Der Abgang allerdings ist dann doch süßer, als es der Antrunk vermuten läst. Nur eine dezente Bittere, milde Trockenheit, kaum eine Kante. Insgesamt ist der Abgang aber lang und sehr befriedigend, mit viel Malz und etwas Hopfenzitrus. Besonders am Innis & Gunn Lager ist, dass Hafer („naked golden oats“) enthalten ist.

Das oben schon angesprochene hübsche Flaschen- und Etikettendesign ist für mich leider im Fazit auch schon das spannendste am Bier. Etwas langweilig und undefiniert, geht unter in der Masse der erhältlichen Lagerbiere, vor allem, wenn man den Preisfaktor (3€ für 330ml) mit einberechnet.

Viele moderne Lagerbiere protzen nicht gerade mit Aromen, und sind für mich daher auch in Cocktails eher zweite Wahl. Manche Rezepte allerdings brauchen Bier nicht wegen des Aromas, sondern für die Bittere und die Kohlensäure – die Californian Michelada wäre ein Beispiel dafür, dass man selbst mit auf sich gestellt nur mäßig begeisterndem Bier noch einen tollen, hocharomatischen und unterhaltsamen Cocktail mischen kann.

Californian Michelada


Californian Michelada
½ oz Limettensaft
2 Tropfen Tabasco-Sauce
2 Spritzer Worcestershire-Sauce
1 Prise schwarzer Pfeffer
1 Prise Selleriesalz
Alle Zutaten umrühren. Dann mit hellem, leichten Bier aufgießen
(z.B. Raschhofer Tausendsassa)

In einem Glas mit feiner Salz-Cayennepfeffer-Kruste und einer Limettenspalte servieren.
[Rezept nach unbekannt]


Was ziehe ich als Fazit aus dieser kleinen Testrunde? Mir gefällt das Lager, das aufgrund seiner Aromatik etwas aus der Reihe tanzt, am besten. Nachdem ich in der Zwischenzeit noch ein paar unterschiedliche bayerische „Helle“, die auch in die Kategorie Lager fallen, und weitere Sorten probiert habe, stelle ich einfach fest, dass dieser Bierstil für mich nur zum reinen Durststillen dienen kann. Das ist natürlich für mich, der einen Blog mit dem Namen „schlimmerdurst“ betreibt, schon eine ehrenwerte Aufgabe für sich – doch so richtig befriedigen kann ein klassisches Lager den Bedarf nach feinem, gut schmeckenden und vielleicht sogar überraschenden Bier einfach nicht, und so halte ich mich in Zukunft lieber an andere Stile, die das besser tun.

Destillerie Armand Guy Pontarlier Liqueur de Sapin, Anisée und Absinthe Titel

La France spirituelle – Destillerie Armand Guy Pontarlier Le Vert Sapin, Anis Ponsec und La Pontissalienne

Vielleicht kennt das der eine oder andere meiner Leser aus eigener Erfahrung: Die Jahreszeiten, dabei insbesondere die Außentemperatur und die Dauer des Sonnenlichts, beeinflussen ganz stark, welche Spirituosen ich bevorzuge. Im dunklen Winter trinke ich gern schwere, süße Brandys oder Bourbons, im Frühjahr entdecke ich plötzlich meine Liebe für den leichteren Tequila wieder, im Herbst sind es oft Liköre, die mich begeistern. Der Sommer aber, insbesondere der so richtig derb heiße Hochsommer, bei dem die Luft flirrt und sich kein noch so kleines Windchen regt, lässt mich zu Anisées und Anisettes greifen.

Ouzo war dabei oft das Gift der Wahl, in letzter Zeit habe ich für derartige Bedürfnisse auch türkischen Rakı für mich entdeckt. Ein Gläschchen Sambuca zeigt, dass neben Griechen und Türken auch die Italiener guten Anisbrand herstellen – und nun beginne ich auch, langsam die Fühler in Richtung Frankreich auszustrecken, um deren Anisées kennenzulernen. Gerade in Frankreich sind diese Anisschnäpse und -liköre Kinder der Not; nachdem der dort äußerst beliebte Absinthe praktisch weltweit auf einen Schlag zu Beginn des 20. Jahrhunderts verboten wurde, war der Bedarf nach einer Alternative groß, und man versuchte, den Wunschgeschmack anders herzustellen als über die als wahnsinninduzierend verschrieenen Wermutkräuter mit ihrem hohen Thujon-Gehalt (wie sich herausstellte, war es banalerweise aber wohl eher der hohe Alkoholgehalt in Verbindung mit maßlosem Konsum, der zu geistigen Ausfällen führte). Enter: Anis.

Eines der drei Produkte aus der Destillerie Armand Guy, von denen mir Importeur Lion Spirits unaufgefordert und kostenlos je 10cl zum Testen zur Verfügung stellte, ist genau so ein Anisschnaps, der Anisée Pontarlier Anis Ponsec. Darüberhinaus will ich hier noch die anderen beiden vorstellen –  den Tannennadellikör Le Vert Sapin, und den Absinthe La Pontissalienne.

Destillerie Armand Guy Pontarlier Le Vert Sapin, Anis Ponsec und La Pontissalienne

Beginnen wir beim vielleicht ungewöhnlichsten des Trios – beim Le Vert Sapin handelt es sich um einen Tannennadellikör: Frisch gepflückte Tannentriebe werden angesetzt und destilliert, und danach nochmal 2 Wochen mit getrockneten Trieben mazeriert. Die Farbe ist giftig neongrün, passend eigentlich zu den gelbgrünen Tannennadeltrieben, die ich zum Vergleich gesammelt habe (siehe Foto). Irgendwie habe ich aber trotzdem so meine Zweifel daran, dass diese Farbe natürlich ist, ein paar Tropfen Farbstoff würde ich vermuten, insbesondere, da grüne Naturfarbe in Spirituosen nach meiner Erfahrung meist nicht sehr beständig ist und schnell graubraun wird. Manchmal muss man einen Rückzieher machen – eine Rücksprache mit dem Importeur hat ergeben, dass diese Spirituosen alle nicht künstlich nachgefärbt sind.

Der Geruch ist ein Traum – eine Mischung aus Chartreuse und Fichtenwald und Kräuterbeet im Hochsommer, mit Harz, Holz, Apfelessig und leichten orangigen Komponenten. Sehr spannend und komplex, da kann man lange dran schnuppern und neues entdecken.

Le Vert Sapin Likör

Ich habe den Geschmack von frisch gepflückten Tannennadelsprossen neulich erst, bei einem Waldspaziergang, probiert – es ist eine Mischung aus Zitrone und Petersilie, wenn man mich fragt, eigentlich sehr angenehm, gut erfrischend zum Draufrumkauen, wenn man mit dem Hund unterwegs ist. Je hellgrüner sie sind, um so zitroniger; je dunkler sie werden, um so harzig-tannig-holziger werden sie. Der Geschmack des Le Vert Sapin gleicht diesem tatsächlich etwas, allerdings ist die Süße des zugesetzten Zuckers natürlich erstmal überwältigend. Harz, Holz, Orange, ein Touch von Rauch, Rosmarin, Basilikum und schließlich Minze im Ausklang – oh, das ist ein gefährlicher Tropfen, bei dem man gern den letzten Tropfen aus dem Glas lutscht. Der Abgang ist leicht pappig, mindestens aber süß, recht kurz und unaufgeregt, mit sehr milder Wärme, die den immerhin 40%-igen Alkoholgehalt kaum erkennen lässt. Aufgegossen mit etwas eiskaltem Sprudel oder Tonic Water ist der Le Vert Sapin übrigens ein ganz herausragendes Erfrischungsgetränk mit viel Charakter für den angesprochenen heißen Sommer.

Wir verlassen den Tannenwald, kommen auf die Einleitung zurück und schauen uns das nächste Produkt aus derselben Destillerie an – den Pontarlier Anis Ponsec. Die Franzosen (wie viele Mittelmeeranrainer) sind sehr viel anisverliebter als wir Deutschen, man kennt ja vielleicht den Pastis Ricard oder den Anisée Pernod aus dem Urlaub. Die Besonderheit hier im Gegensatz zu Pastis ist, dass hier nicht nur eine Kräutermazeration, sondern eine Redestillation eines Anis-Alkoholgemischs erfolgt, und keine Lakritzaromen zugefügt werden.

Pontarlier Anis Ponsec

Der Anis Ponsec ist leicht gelbgrün, passend zum verwendeten grünen Anis (wobei auch hier, wie schon zuvor, wahrscheinlich künstlicher Farbstoff mit im Spiel ist nein ist er nicht). Wie auf dem Foto zu sehen, verkoste ich den ihn auf die Art und Weise, wie er üblicherweise getrunken wird – mit etwas Eiswasser. Dabei sieht man auch schön den Louche-Effekt, der die eigentlich gelbgrüne Flüssigkeit in blickdichtes Weiß verwandelt.

Die Nase ist in diesem Zustand oberflächlich sehr stark lakritzlastig (selbst wenn diese nicht, wie erwähnt, verwendet wird), mehr noch als die meisten Ouzos oder Rakιs, die ich kenne. Leicht mentholig, sonst nicht viel – der Anis übertüncht alles andere ohne Gnade. Der Geschmack ist süß und dicht, auch hier natürlich mit Anis im Vordergrund. Der Anis Ponsec ist zwar kein Anisette (also Anislikör), dennoch ist er leicht gezuckert. Ein recht cremiges Mundgefühl sorgt für eine schöne Trinkbarkeit selbst für mich, der bei Anisées eine eher zurückhaltende Lakritzdichte mag – das kreide ich dieser Spirituose natürlich nicht an, denn, so wie bei Gin definitorisch der Wacholder im Vordergrund stehen muss, muss bei Anisée der Anis vorherrschen. Der Abgang ist trotz der Verdünnung mit Wasser angenehm alkoholisch (die 45% Alkoholgehalt sorgen dafür), salzig, sehr lang und perfekt rund. Im Nachhall verdeutlichen sich schließlich erneut Anis und Fenchel.

Persönlich ist mir dieser Anisée klar zu eindimensional anislastig, da ist kaum etwas anderes zu riechen oder zu schmecken. Etwas mehr Komplexität wäre wünschenswert, so ist er für mich persönlich, verdünnt mit Wasser, ein netter Aperitiv, mehr aber nicht.

Zu guter letzt kommt der Dritte im Bunde zum Zuge: La Pontissalienne ist als Absinthe das, was die Destillerie Armand Guy ursprünglich eigentlich als ihre Domäne auszeichnete, bis die Gesetzgebung zuschlug, um die Menschen vor dem Wahnsinn der „grünen Fee“ zu bewahren. Erst 2011, nach der Aufhebung des unsinnigen und willkürlichen Absintheverbots, wurde diese Spirituose wiederbelebt, nachdem sie 100 Jahre scheintot vor sich hindämmerte.

La Pontissalienne

Ohne Wasserzusatz ist dieser Absinthe hellgrün, mit starken gelben Reflexen. Im Glas ist nur eine leichte Viskosität erkennbar, die entstehenden Beine beim Schwenken laufen schnell ab. Wie bei Absinthes üblich, haben wir hier einen erhöhten Alkoholgehalt von 56% vor uns – da man ihn praktisch nicht pur, sondern meist mit Eiswasser trinkt, ist dies auch gut so. Das flashige Ritual mit dem flambierten Zuckerwürfel, das wohl erst am Ende des 20. Jahrhunderts in Tschechien als Marketingmaßnahme entstanden ist, brauchen wir wahren Genießer nicht. Mit langsam eintröpfelndem Wasser wird der La Pontissalienne langsam trübe, behält aber, im Gegensatz zum Anisée, der komplett blickdicht und weiß wird, eine gewisse Transparenz und seine gelbgrüne Farbe.

Unverdünnt rieche ich Fenchel, eine sehr kräuterlastige Oberfläche (ich gehe davon aus, dass dies das Wermutkraut ist – leider hatte ich noch keine Gelegenheit, das Kraut außerhalb von Spirituosen zu riechen), Zitronenschale, eine leichte fleischige Komponente und deutlich Ethanol. Nach der Verdünnung werden Fenchel und Wermutkraut noch dominanter, und die Zitrone beginnt zu leuchten. Sehr angenehm.

Unverdünnt ist der Geschmack stechend, anislastig, auch hier leicht fleischig oder umami. Im Abgang kommt Zitrone zum Vorschein; der Abgang ist kurz, dabei kurz heiß aufflammend und dann schnell wieder verlöschend. Sehr rein und klar wirkt der La Pontissalienne dabei. In Wässerung verbreitert sich das Profil, wird weicher und weniger vom Anis dominiert. Die grundsätzlichen Eindrücke bleiben aber erhalten – umami, Zitrone, Fenchel. Der Abgang verlängert sich um das vielfache und ist viel aromatischer als zuvor; ein sehr schöner Effekt, der zeigt, dass Wasser hier nicht verdünnt, sondern die Spirituose sich erweitern lässt. Ich bin mir sehr sicher, dass dieser weiche Absinthe sich wunderbar als Glasaromatisierung in einem Sazerac-Cocktail macht.

Das leitet über zum nächsten Thema. Aktuell sind schwarz gefärbte Cocktails ein kleiner, geheimer Trend. Viele greifen zu Sepia oder Kohle, um die Schwärze herzustellen; man kann, wenn man sich mit einem dunklen Grau zufrieden gibt, auch die Kombination nutzen, die im Violetta die zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftige Farbe entstehen lässt – der Louche-Effekt bringt die Blickdichte mit sich. Veilchenlikör und Anisée passen überraschend gut zueinander, und der Ananassaft sorgt für etwas Schaum und Körper.

Violetta


Violetta
¾ oz Anisée (z.B. Pontarlier Anis Ponsec)
 ¾ oz Veilchenlikör (z.B. The Bitter Truth Violet Liqueur)
1½ oz Ananassaft
½ Teelöffel Grenadine
1 Spritzer Sprudel
Auf Eis shaken.
[Rezept nach unbekannt]


Ein Gesamtfazit kann man hier natürlich nur schwer ziehen, dazu sind diese drei Spirituosen zu unterschiedlich. Was man definitiv sagen kann ist, dass hier bei der Herstellung nicht geschlampt wird, und man hochwertige Qualität aus einer bis heute familiengeführten, traditionsreichen Destillerie bekommt, die sogar offen mit Information umgeht. Für mich persönlich ist insbesondere der Le Vert Sapin ein sehr aufregender und im Gedächtnis bleibender Likör, von dem ich sicherlich, wenn das Sample aufgebraucht ist, eine volle Flasche akquirieren werde. Allen frankophil veranlagten Trinkern unter meinen Lesern kann ich aber praktisch ohne Bedenken alle drei hier vorgestellten Produkte empfehlen, als hochwertiger Ersatz für die etwas gewöhnlichen Massenprodukte Ricard und Pernod, wenn einen die Sommerhitze einmal niederstreckt und man einen kräuterig-wilden Gemütsaufheller und Munderfrischer braucht.

Offenlegung: Ich danke Lion Spirits für die unaufgeforderte, kostenlose Zusendung dieses Probesets an Spirituosen.

Didao Yunnan Fenjiu Baijiu Titel

Mit einem Krug Wein zwischen den Blumen, Teil 6 – Didao Yunnan Fenjiu 地道云南

Wir haben in meiner Blogserie „Mit einem Krug Wein zwischen den Blumen“ nun eine erste Runde durch drei der vier Hauptaromen, die es beim Baijiu gibt, gedreht, und ein Fachbuch über diese Spirituose gelesen. Mit dem bis hier aufgesammelten Wissen wollen wir im sechsten Teil nun eine erneute Rundreise starten – und ähnlich wie bei Runde 1 beginnen wir die Tour mit einem Baijiu mit „leichtem“ 清香-Aroma: dem Didao Yunnan Fenjiu (地道云南).

Der Unterschied zum ersten Leichtaroma-Baijiu, den wir in Teil 1 dieser Reihe besprochen hatten, dem Erguotou, ist, dass Fenjiu, eine weitere Subkategorie der Leichtaroma-Baijius, eine längere Fermentation (in etwa dreimal so lange) benötigt und dazu dann noch einen zweiten Fermentations- und Destillationsschritt durchmacht, den es bei Erguotou nicht gibt. Die Lagerdauer in Keramiktöpfen ist bei Fenjiu auch mindestens 1 Jahr, bei Erguotou in der Regel maximal 1 Jahr. Der Aufwand ist also erheblich größer, was sich dann natürlich auch im Preis und der Wertschätzung niederschlägt. Wir bewegen uns produktionstechnisch also weg vom anspruchslosen Massensprit und hin zu einer höherwertigen, feineren Mittelklasse-Spirituose.

Dass der Didao Yunnan Fenjiu eine Silbermedaille beim Wettbewerb Spirits Selection by Concours Mondial de Bruxelles 2016 gewonnen hat, will ich mal nicht allzu hoch hängen – zumindest wird es nicht meine Geschmacksprobe beeinflussen (so hoffe ich, das Unterbewusste hat da aber natürlich immer sein Wörtchen mitzureden).

Didao Yunnan Fenjiu Baijiu Flasche

Der Geruch geht schon fast etwas in Richtung Tequila, vielleicht auch Pisco, um mal ein paar Vergleichsbeispiele zu nennen, die vielleicht bekannter sind als Baijiu selbst. Pflanzlich, grasig, mit einer klar erkennbaren Würze in Richtung Sojasauce. Im Vergleich zu vielen anderen Baijius sehr zurückgenommen und westlich genehm.

Auch geschmacklich würde ich die Parallele zu Tequila, eventuell eher noch sogar seinem nahen Verwandten Sotol, aufrechterhalten wollen. Deutlich alkoholischer natürlich, aber aromatisch durchaus verwandt. Sehr pflanzlich und vegetal, leicht salzig, Anklänge von Traubenmost, Wermutkraut, Thymian sowie die bereits angesprochene Sojasauce. Eine milde Säure begleitet das Ganze; die 46% Alkohol sind kaum spürbar. Der Abgang ist leicht mentholig, sehr aromatisch, zwar etwas kurz, vom leicht betäubenden Effekt auf die Zunge gesehen aber lang. Ein dichter, würzig-kräuteriger Nachhall hängt noch eine Weile im Mundraum.

Tatsächlich fehlen diesem Baijiu all die Extreme, die die Kategorie sonst für den westlichen Gaumen so kompliziert machen: er ist nicht so alkoholisch, fermentierlastig und fremdartig, kurz – nicht so ungewohnt. Das kann man Gästen vorsetzen, die unerfahren in Baijiu sind, und muss nicht mit verzerrten Gesichtern rechnen, im Gegenteil. Damit kann man überzeugen, zum ersten Mal in dieser Reihe wirklich uneingeschränkt. Eine tolle Spirituose, die mir außerordentlich gefällt, bei der es richtig viel Spaß macht, sie zu genießen – von allen Baijius, die ich bisher verkostet habe, ist dies mit einigem Abstand der attraktivste.

Der Chinese Snapdragon (der originale Snapdragon wird mit weißem Tequila gemacht) öffnet mir die Augen dafür, dass Baijiu und Weintrauben eine brilliante Kombination ergeben. Wenn dann noch das florale Element des Holunderblütenlikör den leichten Baijiu ergänzt, haben wir einen ungewöhnlichen, aber außergewöhnlich leckeren Cocktail vor uns. Höchstfaszinierend, und er wird auch noch mit jedem Schluck interessanter.

Chinese Snapdragon


Chinese Snapdragon
10 helle (grüne) Weintrauben muddeln
2 oz Leichtaroma-Baijiu (z.B. Didao Yunnan Fenjiu)

1 oz Holunderblütenlikör (z.B. The Bitter Truth Elderflower Liqueur)
¾ oz Zitronensaft
Auf Eis shaken, doppelt abseihen.

[Rezept abgewandelt nach Delicious Drinks]


Die Flasche ist vergleichsweise einfach gestaltet, ohne viel Schnickschnack; der Didao Yunnan erlaubt sich als einzige Extravaganz einen etwas wuchtig wirkenden Schraubverschluss (der allerdings, auch wenn er sehr edel wirkt, tatsächlich nur aus mäßig wertigem, goldfarbenen Leichtplastik besteht).

Ich finde es angemessen, bei so exotischen Produkten auch auf den fremdsprachigen Namen einzugehen. Didao Yunnan Fenjiu, übersetzt „Echter Yunnaner Fenjiu“ (Yunnan ist eine Provinz in Südwestchina), ist dann aber doch nicht so exotisch, wie es sich zunächst anhört – das ist eigentlich recht analog zu den Gepflogenheiten vieler westlicher Hersteller, die ihre Produkte „Echter Nordhäuser Doppelkorn“ oder „Echter Leipziger Allasch“ nennen.

Offenlegung: Ich danke erneut der belgischen Firma Vinopres SA und Spirits Selection für die kostenlose Bereitstellung einer Flasche dieses Baijius. Vinopres SA und Spirits Selection haben mir ganz enorm geholfen, und mich mit einer Reihe von Qualitäts-Baijius versorgt, denn die Beschaffung dieser chinesischen Spirituosen ist in Deutschland sonst sehr schwierig – ohne sie wäre diese Reihe nicht möglich gewesen.

Casa Noble Tequila Blanco Titel

Mexikanisches Gift – Casa Noble Crystal Tequila Blanco

Neulich, in einem kleinen aber feinen, lokalen Restaurant, entdeckte ich völlig unerwartet im Regal hinter der Theke eine recht vernünftige Flasche 100%-Agave-Tequila. Sowas muss man unterstützen, denke ich mir, und bestelle mir ein Gläschen davon. Die Bedienung fragt, ob ich Limette und Salz dazu will, ich seufze innerlich leicht, und sage trotzdem freundlich danke, nein. Man trinkt das aber so, sagt sie. Ich hole Luft und will zu einer langatmigen Erklärung, warum das nicht so ist, ausholen – dann fällt mir wieder ein, wo ich bin, und stoße den Atem wieder aus, und bitte sie, mir einfach nur das Glas zu bringen.

Nur übertroffen wir diese Sitte, die aus Zeiten stammt, als man Tequilafeuerwasser nicht anders trinken konnte, ohne das Gesicht zu verziehen, noch von der typisch deutschen Brutalität, die einem Reposado-Tequila angetan wird, indem man ihn mit Orangenscheibe und Zimt anbietet. Dass man Tequila scheinbar mit einem alleinstehend untrinkbaren Scheibenklar verwechselt, ist eine alte, aber nur schwer ausrottbare Tradition – sogar Lucky Luke musste sich schon mit Barkeepern rumschlagen, die ihm Frucht und Salz zum „mexikanischen Gift“ servierten.

Lucky Luke Arizona Tequila
Lucky Luke: Arizona (C) Morris

Gern weise ich daher heute nochmal freundlich darauf hin, dass hochwertige Tequilas natürlich erstmal ohne diese Beigaben genossen werden sollten. In Mexiko wird scheinbar oft ein Set aus Limettensaft im Glas, Tequila Blanco und einem Glas Sangrita serviert, das dann auf die Nationalflagge hinweist (grün-weiß-rot). Diese manchmal dann entsprechend „bandana“ oder „mexican flag“ genannte Kombination ist dann aber zum abwechselnden Trinken, nicht als „lick-shoot-squeeze“-Partyritual gedacht.

Völlig unabhängig davon, wie man ihn nun trinkt, empfehle ich natürlich ausschließlich hochwertige 100%-Agave-Tequilas dafür. Wie beispielsweise den heute hier vorgestellten Casa Noble Crystal Tequila Blanco.

Casa Noble Tequila Blanco Flasche

Bei Tequila rede ich ungern vom Geruch, ich präferiere bei dieser Spirituose den Begriff „Duft“, der es einfach besser trifft, was man bei Tequila in der Nase hat. Der Casa Noble Crystal wirkt zitronig, mineralisch nach feuchtem Aquariumkies, und pflanzlich nach Algen. Etwas Vanille, leichte Lösungsmittel. Unterschwellig würzig.

Nach der stark vegetalen Nase ist der Geschmack leicht überraschend – sehr rund und weich und süß im Antrunk. Voll und dicht,  voluminös und stark im Mundgefühl. Würzig und sehr ausbalanciert, trotz all dieser recht unterschiedlichen Komponenten. Im Verlauf dann plötzlich sehr feurig und auf der Zunge brennend, Pfeffer und Chili tauchen beide auf. Viele Spirituosenfreunde meinen, dass es ausschließlich die Trinkstärke ist, die für Aromen sorgt (und trinken entsprechend nur Fassstärke und ähnliches) – dieser Tequila zeigt mit seinen vergleichsweise kleinen 40%, dass es auch anders gehen kann.

Der Abgang des Casa Noble Crystal bleibt dann ähnlich heiß und feurig mit Pfeffer im Vordergrund. Sehr lang und dabei dann doch noch süß. Die vegetale Komponente taucht nochmals auf: Algen und feuchter Kies. Salzig. Extrem adstringierend und ultra-trocken. Sehr sauer wirkend. Stark betäubend auf Zunge und Gaumen. Ein schöner Blanco, der mich darin bestärkt, dass ungereifte Spirituosen mindestens so spannend sein können wie lang gereifte.

Gerade im gerade aufkeimenden Sommer sind Champagnercocktails eine schöne Sache. Es muss ja nicht immer der gleiche Aperol-Spritz sein, warum nicht mal eine schöne Champagner-Tequila-Rezeptur ausprobieren? Der South of North kommt allen Geschmäckern entgegen, ist süß und doch frisch, ohne das typische Agavenaroma dabei zu vernachlässigen.

South of North


South of North
1 oz weißer Tequila (z.B. Casa Noble Crystal Tequila Blanco)
¾ oz Holunderblütenlikör (z.B. The Bitter Truth Elderflower Liqueur)
½ oz Limettensaft
¼ oz Zuckersirup
1 Spritzer Zitrusbitter (z.B. The Bitter Truth Lemon Bitters)
Auf Eis shaken. In ein Collins-Glas voll Eis abseihen. Dann toppen mit…
2 oz Champagner (z.B. Heidsieck Monopole Blue Top)
[Rezept nach Brian Miller]


Das Design erfuhr vor kurzem ein kleines Facelift, die drei Altersstufen sind nun etwas kompakter in der Flaschenform. Das silberne kreisrunde Etikett ist bei allen gleich, ebenso der kugelige Metallstöpsel, der einen Naturkorken krönt.

Nun, ob man der Bemerkung auf dem Umhänger, dass der Musiker Carlos Santana Miteigentümer der Marke Casa Noble ist, viel Gewicht beimisst oder nicht – Casa Noble ist auf jeden Fall ein Hersteller, der seine Agavenherzen tatsächlich noch in einem Horno, also einem traditionellen Steinofen kocht, und auch sonst Wert auf die Produktion legt. Allein schon deswegen empfehle ich die Tequilas von Casa Noble jedem, der einen authentischen Agavenbrand, der nicht die Bank sprengt, probieren will. Schmecken tun sie ganz nebenbei aber natürlich auch, und zwar in jeder Alterskategorie; Besprechungen der Altersstufen Reposado und Añejo werden auf diesem Blog folgen.

Baker's Kentucky Straight Bourbon Whiskey Titel

Vorsicht vor Empfehlungen – Baker’s Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Vielleicht kennt der eine oder andere das – man hat einen im Bekanntenkreis, der sich etwas mit Spirituosen auskennt, und aus gegebenem Anlass hätte man gern eine Flasche eines guten Tropfens gekauft. Also fragt man den Bekannten, was er so empfehlen würde, sieht, dass es die Empfehlung auch noch gerade im Blitzangebot bei einem großen Onlinegemischtwarenladen gibt, und schlägt dann voller Vertrauen zu. Am besonderen Tag öffnet man dann mit Freunden und Freuden die Flasche, und stellt fest, dass der Inhalt einem dann doch nicht so besonders zusagt. Eine Enttäuschung sondergleichen.

Das ist das Schicksal des Kenners: der eigene Geschmack ist halt dann doch nicht wirklich übertragbar. Man kann Qualität, ein gutes Preisleistungsverhältnis oder eine hübsche geschenktaugliche Präsentation empfehlen, aber ob es dann dem glücklichen Empfänger auch wirklich schmeckt, das bleibt dem Schicksal überlassen und ist selten vorhersehbar.

So ging es mir, als ich einem Kollegen, der mich nach meiner Meinung über Baker’s Kentucky Straight Bourbon Whiskey fragte – klar, toller Stoff, schlag zu, so in etwa waren wohl meine Worte. Nach einiger Zeit erhielt ich dann die etwas pikierte Rückmeldung, dass der Whiskey nicht wirklich gut angekommen war: die tiefgehende Analyse lautete „hat nicht geschmeckt“. Die Flasche war trotzdem nur noch zu einem Drittel voll, also kann man den Probanden nicht vorwerfen, sie hätten es nicht zumindest versucht. Immerhin kam ich so in den unerwarteten kostenlosen Genuss des ordentlichen Rests, der übrig geblieben war.

Baker's Kentucky Straight Bourbon Whiskey Flasche

Farblich erkennen wir sehr dunklen Bernstein mit orangenen Reflexen. Der Baker’s Bourbon ist ein Straight Bourbon, daher ist künstliche Nachfärbung ausgeschlossen; hier hat man den (leider seltenen) Fall, dass man schon von der Optik her erahnen kann, wohin der Geschmack später gehen wird. Der Whiskey liegt sehr ölig im Glas, mit sehr langsam ablaufenden Beinen.

Der Geruch ist eine bunte Mischung aus Aromen, die auf dern ersten Blick kaum zusammenpassen. Etwas Lack. Honig. Vanille. Etwas Menthol.  Etwas Bacon. Ein Hauch Rauch. Und über allem brutal viel Eiche – sehr viel mehr, als die 7 Jahre Reifezeit in neuen Fässern aus amerikanischer Eiche das normalerweise liefern. Interessanterweise passen sich die Aromen dann doch in ein rundes Gesamtbild ein.

Der Geschmack ist voll, weich und super-„smooth“ (um mal das Buzzword, das viele Kenner inzwischen hassen, zu bemühen), trotz der 53,5% Alkohol. Der Körper ist leicht dünn. Insgesamt ist der Baker’s Bourbon nicht so süß, wie erwartet, im Gegenteil: er bleibt sogar sehr trocken, und leicht blumig, fast schon parfümig. Im ersten Moment überraschend, weil anders als die meisten anderen Bourbons; in der Folge aber äußerst elegant, erinnert fast etwas an Cognac. Wenn man den Marketingaussagen von Beam trauen darf, ist ein spezieller Hefestamm für diesen besonderen Geschmack verantwortlich. Der Abgang ist sehr lang, leicht bitter, trocken, nussig. Er bleibt auch im Nachhall sehr lang feurig, voller Chili, Pfeffer und Eiche, sowie Menthol.

Ich muss den Testern, die meiner Empfehlung gefolgt sind, das Eingeständnis machen: Beim Baker’s haben wir ein durchaus ungewohntes Geschmacksbild für einen Bourbon aus der Beam-Reihe vor uns. Das ist für mich aber keineswegs ein Mangel, im Gegenteil – es ist schön zu sehen, dass auch im hochstandardisierten Bourbonbereich eine weite Spannbreite an Aromenprofilen möglich ist.

Für mich ist der Baker’s in seiner Eleganz ein idealer Purgenuss. Dennoch, wer mich kennt, weiß, dass mich das nicht davon abhält, solche Produkte auch in Cocktails zu kippen. Der Thigh High Boots ist eine schöne, kräftige Mixtur mit extrem viel Körper und einer dichten Aromenstruktur, in dem die hohe Alkoholprozentzahl des Baker’s dafür sorgt, dass die schweren Bitterkomponenten nicht überhand nehmen.

Thigh High Boots


Thigh High Boots
2 oz Bourbon (z.B. Baker’s Kentucky Straight Bourbon Whiskey)
¾ oz Zitronensaft
¾ oz Zimtsirup
¾ oz Lillet Blanc
½ oz Campari
½ oz Amaro (z.B. Ramazotti)
3 Spritzer Peychaud’s Bitters
Auf Eis rühren.

[Rezept nach T.J. Lynch]


Kurz etwas zu den Rahmenbedinungen – der Baker’s Bourbon ist Teil der Small-Batch-Familie des Herstellers Beam, zu der auch Booker’s, Basil Hayden’s und Knob Creek gehören. Der Name ist abgeleitet von Baker Beam, dem Großneffen des Firmengründers. Zur Zeit sind zwei Abfüllungen in Deutschland auf dem Markt, die sich äußerlich durch unterschiedliche Flaschenformen auszeichnen. Die „alte“ Abfüllung ist in einer recht klassischen Flasche, die man sonst oft von Wein kennt, unterwegs (im Foto unten rechts zu sehen); eine „neuere“ Abfüllung ist in einer eher typischen Spirituosenflasche beheimatet (im Foto links). Gleich markant bleiben das prägnante „B“ auf dem Etikett, sowie die schwarze Wachsschicht, die den Flaschenhals bedeckt.

Baker's Kentucky Straight Bourbon Whiskey alte und neue Flasche

Kleine Anekdote am Schluss – der Kollege, der mir die Restflasche überlassen hat, hatte dann doch noch eine zweite Flasche gekauft. Für ihn ist dieser Bourbon immer noch etwas ungewohnt, und falls es jemand anderem ähnlich ergeht wie ihm: Der Elijah Craig, eine andere Empfehlung, die ich im gab, mundet ihm dafür umso besser. Mit beiden macht man aus meiner Sicht nichts falsch, aber Geschmäcker sind halt verschieden (und damit werfe ich 2€ ins Phrasenschwein).

Ouzo of Plomari Titel

Noch einen aufs Haus – Ouzo of Plomari Isidoros Arvanitis

Kaum eine andere Spirituose hat in Deutschland einen derart eingeschränkten Wirkungskreis wie Ouzo. Man trinkt ihn offensichtlich praktisch ausschließlich nach einem fetten Grillteller beim Lieblingsgriechen vor Ort. Wenn man sich die Supermarktregale dann aber ansieht, findet man ein überraschend breites Sortiment an verschiedenen Herstellern, scheinbar wird Ouzo dann doch auch in deutschen Wohn- und Esszimmern konsumiert – da steht man als interessierter Käufer doch vor einem Problem, zu welchem Produkt man greifen soll, schließlich will man nur das Beste für seine echten Freunde und Gäste.

Um so erfreulicher ist es, wenn man dann nicht nur auf Werbungsversprechen zurückgreifen muss, sondern Seiten wie ouzopedia.de hat. Dort wurde nämlich eine Verkostungsrunde durchgeführt, in der ein Großteil der Ouzos, die man leicht erhältlich allernorten findet, und die nicht das Budget eines Laienkäufers sprengen, miteinander verglichen wurden. Tsantali, Ouzo of Plomari, Ouzo 12, Pilavas und Barbagianni waren die Hauptkonkurrenten, und, um das Fazit vorwegzunehmen, in praktisch allen Kategorien schnitt der Ouzo of Plomari Isidoros Arvanitis am besten ab.

Ouzo of Plomari Flasche

Mich persönlich wundert es nicht; schon vor einigen Jahren, bevor ich mich für Spirituosen groß interessierte, aber meine Liebe zu Griechenland bereits stark ausgeprägt war, genoss ich hin und wieder einen Ouzo, und meist war es dann tatsächlich der Ouzo of Plomari – ein damals blindes Huhn findet auch ab und an ganz spontan und ohne Recherche ein Korn. Betrachten wir diesen Ouzo, der auf der Insel Lesbos, die als bedeutendstes Ouzoherstellungszentrum gilt, produziert wird, ein bisschen näher.

Zur Farbe hole ich nun ein bisschen aus. In der Wikipedia und vielen sie praktisch wörtlich zitierenden Ouzo-Informationsseiten findet man den Passus – „muss farblos sein“.  Ein Ouzo muss klar sein, das ist tatsächlich gesetzlich so geregelt? Ich suchte nach entsprechenden Gesetzestexten, und wurde in der Verordnung (EWG) Nr. 1576/89 fündig. Doch leider wurde diese Verordnung durch die uns Spirituosenfreunden wohlbekannte VO 110/2008 abgelöst und damit aufgehoben; dadurch wurden, wenn ich das juristische Gebrabbel recht verstehe, auch die in 1576/89 festgelegten Eigenschaften aufgeweicht, wie, dass Ouzo farblos sein muss, und dass er höchstens 50g/L Zucker enthalten darf. Ich lasse mich gern eines besseren belehren, wenn ein Kenner genauere Informationen über die Rechtslage hat. Eine andere Seite hat eine Begründung dafür parat: „Bezüglich der Zutaten und der Produktionsmethode wurde die Gesetzgebung absichtlich nicht eindeutig gestaltet, um allen in Griechenland auftretenden Varianten gerecht zu werden.“ Das mag schön klingen, tatsächlich ist es eine offene Tür für allerlei Schindluder und Intransparenz, die wir Spirituosenfreunde lieber durch klare Gesetzgebung vermieden sehen würden.

Ouzo of Plomari Glas

Natürlich ist Anis geruchlich im Vordergrund, aber nicht so brutal wie bei vielen anderen Ouzos. Eine dunkle Kräuterwürze bildet eine Basis für viele weitere Aromen; Fenchel, Malz, Veilchen und sogar ein Hauch Banane. Insgesamt ein sehr attraktives Geruchsbild.

Auch im Geschmack ist natürlich der definierende Hauptaromabestandteil eines jeden Ouzo dominierend. Ein sehr weiches, cremiges Mundgefühl gefällt mir sehr, die enthaltenen 40% Alkohol sind praktisch komplett verborgen, einzig eine sehr milde Wärme deutet darauf hin. Süß und rund, mit vollem Körper und ohne jeden Ärger gleitet der Ouzo of Plomari durch den Mund.

Im sehr langen Abgang kommt zunächst der Anis nochmal wuchtig zum Vorschein, fast schon lakritzig, dann aber schnell wieder abflachend. Kandiszuckersüße taucht nun auf, eine überraschend starke Süße, die aus einer nicht unerheblichen Beigabe von Zucker stammt (meine Messung ergab ~20g/L; dies ist deutlichst unter der zumindest bis 2008 definierten Obergrenze). Die Anisaromen hängen dann noch eine ausgesprochen lange Zeit im Mundraum, zusammen mit einer leicht anästhesierenden Wirkung an Zungenspitze und -seiten.

Ouzo gilt als schwierige Zutat in Cocktails. Nun, das sagte man lange Zeit über Scotch Whisky auch, und inzwischen haben sich mutige Mixologen einfach mal rangetraut und ihn verwendet, mit tollen Ergebnissen. Vielleicht braucht der Ouzo auch nur so einen mutigen Menschen, der sich ihm fachlich annimmt. Ein erster, einfacher Schritt ist der Mean Streets, der beweist, dass zumindest Whiskey sich mit Ouzo gut paart; was man an diesem Cocktail außerdem erkennen kann ist der herrlich dichte Louche-Effekt, den der Ouzo of Plomari aufweist, wenn man ihn mit Eiswasser in Verbindung bringt.

Mean Streets


Mean Streets
Eine halbe Zitrone in Stücke schneiden und muddeln.
1½ oz Ouzo (z.B. Ouzo of Plomari) dazugeben und auf Eis shaken.
Abseihen in ein Glas voll Eis
½ oz Rye Whiskey (z.B. Rittenhouse BiB) floaten.

[Rezept angepasst nach Laszlo Bar, San Francisco]


Die Flasche ist streng, einfach und ohne viel Dekor gestaltet, das Etikett ebenso. Interessant ist der Naturkorken, der durch einen Plastikschutz bedeckt wird – so etwas habe ich sonst noch nirgends gesehen, der Sinn ist mir unklar. Wer sich etwas geduldet, kann den Ouzo of Plomari oft in Sonderangeboten in großen Supermärkten für unter 10€ erwerben, alternativ hin und wieder sogar in einem Geschenkkarton mit den netten Ouzo-Gläsern mit Markennamenaufdruck, die man auf meinem Foto weiter oben sieht.

Um zurückzukommen auf die Verkostungsrunde, die ich eingangs angesprochen hatte. Tatsächlich ist in der Ausgabe 01/2017 der Zeitschrift Mixology auch ein kleiner Block für Ouzo reserviert, die dort beschriebenen Tasting Notes passen sehr gut zu dem, was aus den Werten von ouzopedia.de als Fazit festgehalten werden kann – der Ouzo of Plomari Isidoros Arvanitis ist ein ausgesprochen schöner Vertreter seiner Gattung, der, wenn genossen mit Freunden, Musik und gutem Essen, wirklich viel Spaß machen kann.

Strate's Detmolder Chardonnay Hopfen Titel

Frauenpower – Detmolder Chardonnay Hopfen und Bourbon Chardonnay

Über Bier wird immer wieder gern im Fernsehen berichtet. Meist als kleine Infotainment-Einspieler in den beliebten Vorabendsendungen der Privatanstalten, in denen es dann praktisch nur um Industriebier geht, wo Brauereiführungen an Orten stattfinden, die mehr wie NASA-Forschungslabore aussehen, und in denen dann das seligmachende Reinheitsgebot zelebriert wird. Deutschland, einig Pilsland – man könnte meinen, wenn man diese Berichte, oft schlecht und oberflächlich recherchiert und von Bierkonzernen gesponsert, dass die Deutschen sich nicht mehr wirklich für echtes, regionales Bier interessieren.

Um so erfreulicher ist es, dass gerade die Dritten Programme sich mit qualitativ hochwertiger Bierberichterstattung dann in letzter Zeit positiv hervorheben – da bin ich froh, dass meine GEZ-Gebühren wenigstens sinnvoll genutzt werden. Neulich erschien so ein schöner Beitrag über die unterschwellige Bierkultur in Nordrhein-Westfalen. Besonders interessant fand ich den Teil dieser sehr sehenswerten Dokumentation über die Privatbrauerei Strate in Detmold.

Natürlich wird in dem Bericht etwas darauf herumgeritten, dass diese Brauerei von drei Frauen geleitet wird – heutzutage ist sollte das eigentlich keine besondere Erwähnung mehr wert sein, wenn man sieht, wie selbstverständlich auch Frauen heute das einstige Männergetränk „Bier“ konsumieren.

Angespornt durch die sympathische Präsentation der Brauerei in dem WDR-Bericht habe ich mir dann aus dem großen Sortiment des Herstellers zwei besondere Biere ausgesucht, um zu verifizieren, ob die schönen Fernsehbilder auch mit handfesten Geschmackstatsachen unterlegt werden können: das Detmolder Chardonnay Hopfen und das Detmolder Bourbon Chardonnay. Für diese Biere wurde eine ganze Ernte der namensgebenden Hopfensorte aufgekauft – ein mutiges Investment. Hat es sich ausgezahlt?

Strate's Detmolder Chardonnay Hopfen Flaschen

Beginnen wir beim Detmolder Chardonnay Hopfen. Von außen weiß die Flasche schonmal zu gefallen – Dreiviertelliter-Weinflasche mit Bügelverschluss, üppig designtem Etikett und einem großen Umhänger mit Informationen. Damit kann die Idee, bei einem Sektempfang für echte Kerle auch mal Bier auszuschenken, gewiss stilsicher umgesetzt werden.

Der helle Bock mit 7,4% hat beim Eingießen eine sehr kräftige Schaumentwicklung und zischt dabei laut. Grobporiger Schaum in hellem Beige entsteht und wird gespeist durch eine mittelstarke Perlage. Farblich erhält man im Glas ein kräftiges Pariser Rot. Der Geruch ist süßlich, nach Vanille. Etwas metallisch. Man riecht dunkles Malz und, so meine ich, Erdbeeren.

Im Antrunk wirkt das Chardonnay Hopfen passend dazu sehr süß und vollmundig, weich und cremig. Eine schöne Balance aus malzig und helltönig, mit hoher Rezenz. Insgesamt ist das Bier angenehm trocken und bitter. Der „Chardonnay“-Hopfen  hält sich aromatisch zurück, ist nicht so fordernd wie manch amerikanischer Aromahopfen, gibt nur eine sehr hintergründige Fruchtnote ab, wirkt meines Erachtens hier hauptsächlich als Edel-Bitterhopfen. im Verlauf entsteht eine seltsame Mischung aus süß und sauer, und wirkt dadurch etwas eckig. Es wird recht schnell schal. Der Abgang ist kurz, sehr trocken, mildbitter und hinterlässt adstringierende Effekte am Gaumen. Ein leichter Alkoholgeschmack ist vorhanden.

Detmolder Chardonnay Hopfen

Das an der Flasche hängende Booklet zeigt mit seinen Verkostungsnotizen wieder einmal, dass jeder Gaumen unterschiedlich ist – ich erkenne kaum etwas davon im Bier wirklich wieder. Mit dem Fazit – „ein einzigartiges vollmundiges, süffiges Gourmet-Bier für ganz besondere Stunden“ – hadere ich auch etwas; mir ist es für dieses vollmundige Selbstlob etwas zu langweilig und konventionell – rein aromatisch gesprochen, ohne etwas über die handwerkliche Qualität aussagen zu wollen. Preislich stimmt das Zitat aber sicher, denn mit 12€ pro 750ml gießt man sich so etwas nicht einfach so zum Abendessen ein.

Kommen wir mit einer leichten Enttäuschung zum zweiten Bier und hoffen dort dann auf das Beste. Das Detmolder Bourbon Chardonnay ist, soweit ich das aus den Informationen des Brauers herauslesen kann, dasselbe Bier wie das zuvor verkostete, mit einem gewichtigen Unterschied: Es wurde in Holzfässern gelagert, und zwar „monatelang“. Bei den verwendeten Holzfässern handelt es sich um Ex-Whiskey-Fässer, die zuvor Jack Daniel’s-Whiskey beinhaltet hatten. „Jack-Daniels Bourbon“ schreibt der Pressetext – da wird der Korinthenkacker in mir geweckt. Der Whiskey von Jack Daniel’s ist ja nun offiziell kein Bourbon, sondern ein Tennessee Whiskey. Die Haarspalterei, was den Unterschied ausmacht (der Lincoln-County-Prozess), sollte dem ganzen Genuss aber keinen Abbruch tun – wer allerdings mit etwas wirbt, sollte sich vorher darüber informieren, vor allem, wenn nachher fett das Wort „Bourbon“ auf dem Etikett prangt.

Detmolder Bourbon Chardonnay

Optisch ist der Unterschied zum ungereiften Bier kaum erkennbar – dunkles, sehr attraktiv opalisierendes Rotgold, feine Perlage, feiner, beigefarbener und sehr langlebiger Schaum. Der Geruch ist zunächst leicht säuerlich. Sehr schnell taucht aber die Vanille-Note des Whiskeys auf. Weitere Komponenten, die die Nase wahrnimmt, sind dunkles Malz, Banane sowie sehr milde Obstnoten.

Man nimmt den ersten Schluck und denkt sofort, man hätte ein Whiskey-Bier-Gemisch im Mund. Die Whiskey-Noten sind stark und klar, da gibt es keinen Zweifel. Sehr weich und cremig im Mund, rund und mild, dabei feinsauer und erfrischend. Praktisch keine Hopfennoten. Wunderbar ausgeglichene Süße und Säúre. Sehr angenehme, zurückhaltende Rezenz. Das Detmolder Bourbon Chardonnay weist 7,5% oder 7,4% Alkoholgehalt auf, je nachdem, welche Stelle des Umhängeetiketts man liest – auch hier wieder der sanfte Hinweis, dass ein Korrekturleser nicht schaden würde. Der Abgang bleibt eher kurz, süßlich, und trocken. Auf der Zunge bleibt eine prickelnde Würze.

Im Gegensatz zum ungereiften Verwandten bleiben mir hier keine Kritikpunkte – das ist ein tolles Bier, das mir sehr gefällt, und das ich wirklich weiterempfehlen möchte. Wenn das wirklich dasselbe Bier ist wie das „normale“ Chardonnay Hopfen, dann zeigt sich hier erneut, was Fassreifung alles schaffen kann.

Das Bier lag in Jack-Daniel’s-Fässern, was liegt da näher, als es dann in einem Cocktail mit dem entsprechendem Whiskey zu vermählen. Das Ergebnis ist der Decadent Detmold Flip. Ich kann die Barkultur in Detmold nicht beurteilen, hoffe für die Einwohner dieser Stadt aber, dass sie ähnlich begeisternd ist wie dieser üppige, schwere und aromatische Cocktail.

Decadent Detmold Flip


Decadent Detmold Flip
1 oz Detmolder Bourbon Chardonnay
1 oz Amaro (z.B. Villa Rillago)
1 oz Tennessee Whiskey (z.B. Jack Daniel’s Single Barrel)
1 ganzes Ei
2 Spritzer Allspice Dram (z.B. The Bitter Truth Pimento Dram)
2 Spritzer The Bitter Truth Drops&Dashes Wood
Richtig fest und hart auf Eis shaken.
[Rezept angepasst nach Jacob Grier’s „Decadent Stout Flip“]


Die Zeit ist aktuell gut für edle, ausgefeilte und, ja, durchaus auch hochpreisige Biere, und gleichzeitig ist der Bedarf nach Abwechslung für Konsumenten hoch. Persönlich fände ich es toll, würden Biere langsam in der Breite den Weg in diesen speziellen Aspekt der Gastronomie finden: nicht nur als billiger Durstlöscher wie bisher, sondern auch als Alternative für Sekt oder Champagner beim Empfang oder für Wein bei qualitativen Mehrgangmenüs. Die Biere der Privatbrauerei Strate könnten zumindest teilweise diese zur Zeit noch bestehende Lücke sicherlich füllen.