Archiv der Kategorie: Review

Rezension und Test

Armagnac Saint-Vivant Titel

Dem Geist wirds eng in der kleinen Flasche – Armagnac Saint-Vivant

Wir sind es heutzutage gewohnt, unsere Spirituosen in genormten Flaschengrößen erwerben zu können. Das üblichste, dem wir normalerweise begegnen, ist die 700ml-Flasche (in den USA sind dagegen beispielsweise 750ml der Standard, God save America!), die es in allerlei Formen und Farben gibt. Moderne Craftspirituosen ziehen sich, um dem verkaufsschädigenden hohen Literpreis zu entkommen, oft auf die Halblitergröße zurück. In die andere Richtung geht es mit vielen Champagnern – da ist die Magnumflasche besonders bei Feiern beliebt, man kann ja so schön damit protzen. Hin und wieder findet man noch die 1-Liter-Größe, besonders bei Barbedarf. Die 375ml-Flasche ist wiederum meines Erachtens bei verderblicher Ware wie Sherry, Wermut oder Port zu bevorzugen.

Ganz besonders entgegenkommend finde ich persönlich aber die 200ml-Verkaufseinheit, da bekommt man für vergleichsweise kleinen Preis eine Menge, die sich für erste Verkostungsversuche schon respektabel schlägt. Besser jedenfalls, als die 50ml-Miniaturen, wo man nach zwei Schlucken schon ein leeres Glas vor sich hat. In französischen Supermärkten bietet Comptoir des Flasks diverse Produkte in dieser 200ml-Größe als kleine, flache Hosentaschenflaschen an. Ich konnte natürlich nicht an diesen kleinen Fläschchen vorbeilaufen und habe mir eine Flasche des Armagnac Saint-Vivant in den Warenkorb gelegt. Meine Erwartung war nicht extrem hoch, wie bei allen Spirituosenprodukten, die so ostentativ an Kassen ausgelegt werden (in Deutschland kennt man das ja auch), aber manchmal wird man auch überrascht. Ist das hier der Fall?

Armagnac Saint-Vivant Flasche

Zur Optik – ein toller, kräftiger Orangenton mit goldenen Reflexen. Farbstoffe sind beim Armagnac wie bei seinem bekannteren Bruder Cognac erlaubt, und in der Regel gilt ja: Was erlaubt ist, wird gemacht, und wenn doch nicht, wird es extra betont. Daher gehe ich von Färbung aus, insbesondere, weil wir hier ja eher ein Mengenprodukt vor uns (Saint-Vivant ist der zweitgrößte Armagnac-Hersteller) haben. Dünnflüssig ist er, nur leicht viskos.

Der Armagnac Saint-Vivant riecht zunächst leicht, fruchtig, hell. Danach kommt aber schnell eine gewisse, leicht stechende Ethanolnote, die tiefere Aromen überdeckt. Weinbrandübliche Gerüche, nach Rosinen und Pflaumen, dazu etwas Vanille. Gar nicht unangenehm, aber auch nicht wirklich überwältigend.

Im Mund liegt der Traubenbrand zunächst ähnlich unaufgeregt und zwar schön weich, aber auch etwas flach und schal wirkend. Nach kurzer Zeit kommt das Highlight der Verkostung – ein wirklich schöner, zarter, blumiger Veilchen- und Rosengeschmack, der allerdings schnell wieder verklingt und einer generischen, dann auch schon recht wässrigen Weinbrandsensorik Platz macht. Ich kenne Spirituosen mit 40% Alkohol, die da mehr Spannung abliefern.

Armagnac Saint-Vivant Glas

Der Abgang ist kurz, süß und nur wenig trocken. Hier entsteht nun etwas Ingwerwürze, die Aromatik lebt nochmal kurz fruchtig auf mit Pflaumen, Orangen und Trauben, und dann verhallt der Saint-Vivant mit einer milden Wärme, einer milden Vanillenote und leichter Anästhesierung auf der Zungenspitze.

Tatsächlich mag mich dieser Armagnac als Purgenuss nur mäßig überzeugen; ich kann mir aber gut vorstellen, dass er hauptsächlich als kleiner Schuss in einem Kaffee gute Dienste leisten kann. Entsprechend biete ich hier eine Luxus-Variante eines Kaffees-mit-Schuss an: The Beccaccino kombiniert die paar Vorteile des Saint-Vivant noch mit süßer Likörgewalt. Wer will, kann sich diesen Cocktail natürlich auch warm zubereiten, um die langweilige Stunde zwischen 2 und 3 am Sonntagmittag etwas erträglicher zu gestalten.

The Beccaccino


The Beccaccino
1 oz Brandy (z.B. Armagnac Saint-Vivant)
½ oz Bénédictine
½ oz Amaretto
½ oz Whisky-Likör (z.B. Boxing Hares Spirit Drink)
2½ oz Abgekühlter, starker Kaffee
Auf Eis shaken.
[Rezept adaptiert nach Murray Stenson]


Bei dieser Ausprägung des Armagnac Saint-Vivant haben wir einen Blend ohne Altersangabe aus Ernten des Bas-Armagnac und Ténarèze vor uns. Derselbe Hersteller produziert aber auch Armagnac in den üblichen Alterskategorien VS, VSOP und XO – ich glaube, man müsste sich mindestens den VSOP holen, um in Bereiche zu kommen, die für Genießer interessant werden. In der kleinen Flasche jedenfalls findet man einen netten Drink für Zwischendurch oder für den „Notfall“, den man kostengünstig in kleiner Menge erwerben kann; mehr als eine Kochzutat ist er in dieser Form aber leider kaum.

Die Sprache gehört zum Charakter des Whiskeys – Elijah Craig 12 years Kentucky Straight Bourbon Whiskey

In der globalen Spirituosenwelt tauchen immer wieder Produkte auf, mit deren Namen wir leider allzuoft monoglotten Deutschen bei der Aussprache Probleme haben. Man muss nicht ganz so weit gehen wie die völlig abstrusen Namen bei manchen Rums (Uitvlugt?!?) oder Scotches (Glen Garioch?!?), die selbst Sprachprofis in beinahe unlösbare Schwierigkeiten bringen – manchmal sind es selbst traditionelle angloamerikanische Vornamen, bei denen es schon hapert. Der Schauspieler Elijah Wood beispielsweise wird in deutschen Medien wahlweise auf unterschiedliche Art falsch ausgesprochen. Hier daher die einzig korrekte, gültige Lautkombination zur Referenz.

Dieser Artikel soll nun natürlich nicht über Herr-der-Ringe-Darsteller handeln, sondern über amerikanischen Whiskey. Doch natürlich profitiert der Konsument und mögliche Käufer des Elijah Craig 12 years Kentucky Straight Bourbon Whiskey auch davon, wenn er weiß, wie man die Buchstaben auf dem Etikett korrekt in Lauten wiedergibt, nämlich genau so, wie den Frodo-Mimen.

Wer sich auch nur ansatzweise über Bourbons informiert, stolpert immer wieder über diesen amerikanischen Whiskey. Nun ist es schon allein etwas begeisternd, dass man einen Bourbon 12 Jahre lang reifen lässt (nur 2 Jahre sind gesetzlich für Straight Bourbons vorgeschrieben) – wenn er dann auch noch so wunderbar rund und würzig ist, dann wird der Traum jedes Whiskey-Freunds wahr.

Elijah Craig 12 Kentucky Straight Bourbon Whiskey Flasche Normaletikett

Die Nase ist großartig. Während man bei vielen Bourbons nur das Karamell vorausahnt, vielleicht ein bisschen Eiche, springt einem hier schon die Kraft in den Riechkolben; Vanille ist natürlich dominant. Eine leichte Zitrusnote. Etwas Salz. Man sollte ihn eine Weile offen stehen lassen, dass sich die gröbsten, durchaus vorhandenen Lackgerüche verflüchtigen.

Nach dem ersten Schluck will ich den Elijah Craig dann gar nicht mehr rauslassen – würziger Karamell, Shortbread, Orange, dabei nie scharf oder brennend. Der Elijah Craig ist trotz eines recht süßen, weichen Antrunks nicht anbiedernd schmeichlerisch, sondern schon eher was für die Freunde des Deftigen, um so mehr, je länger man ihn im Mund hält. Dichter Körper, cremiges Mundgefühl, eine volle Breitseite.

Im Abgang kommt dann noch eine leichte Salznote, dazu Trockengebäck und eine recht brutale Holzigkeit zum Vorschein, die sich das abschließende Geschmacksbild mit der wuchtig-tiefen Vanille teilt. Feurig heiß und glühend läuft er die Kehle hinunter, zeigt hier zum ersten Mal seine üppigen 47% Alkohol, und lässt bei adstringierender Trockenheit dann dennoch viele Restaromen noch sehr lange im Mundraum zurück.

Das ist ein fetter Kentucky Straight Bourbon, den ich gern pur trinke. Ein 3cl-Glas reicht auf eine halbe Stunde. Schnuppern und schlürfen, da braucht man nichts anderes und ist 30 Minuten im Whiskey-Himmel.

Doch auch in Cocktails macht sich dieser Bourbon gut, insbesondere natürlich in solchen, in denen er eine Hauptrolle spielt. Man probiere daher einfach mal einen Elderflower Old Fashioned, in dem die Würze des Elijah Craig gegen die Süße des Holunderlikörs wunderbar ankämpft. Alternativ, wenn man nicht so sehr auf die blumige Komponente steht, empfehle ich eine leichte Variation des Dilbert’s Dilemma, in dem ein Bierlikör für die Süße sorgt.

Dilbert’s Dilemma


Dilbert’s Dilemma
2 oz Bourbon Whiskey (z.B. Elijah Craig 12 years)
½ oz Bierlikör (z.B. Saarfürst Brauerfeuer)
Diese Zutaten im Rührglas auf Eis verrühren.
Das Gästeglas mit…

¼ oz Orangenlikör (z.B. Cointreau)
…ausspülen, dann die gerührte Mixtur dazugeben.

Mit einer Orangenzeste dekorieren.
[Rezept leicht adaptiert nach Good Booze]


Die Flasche ist eine Erwähnung wert – im Glas integriertes Logo, massiv, schwer, da hat man was in der Hand. Ein sehr gelungener, breiter Ausguss, mit einem fetten Plastikdeckel auf dem Korkstopfen: die gesamte Verarbeitung wirkt wertig. Wenn man dann noch mit einem Spezialetikett auftrumpfen kann, das einem als Mitglied der Bardstown Whiskey Society zugesendet wird, ist der Wow-Faktor nochmal ein bisschen größer.

Elijah Craig 12 Kentucky Straight Bourbon Whiskey Flasche Spezialetikett

Man sieht auf dem Spezialetikett allerdings auch schon eine Änderung, die im aktuellen Produktionsklima von Whisky und Whiskey unausweichlich scheint – die Altersangabe „12 Jahre“ verschwindet vom Etikett, und wird durch das generische „Small Batch“ ersetzt. Laut Hersteller ändert sich nichts am Rezept; einige Kenner in diversen Foren bescheinigen dem NAS-Craig aber doch einen leicht schwächeren Charakter. Wer also die Chance hat, sich noch eine der Flaschen mit Altersangabe zu sichern, bevor die NAS-Welle, die in den USA bereits begonnen hat, nach Deutschland schwappt, sollte dies tun – in vielen Fachmärkten stehen sie noch herum.

Ob nun 12 Jahre oder NAS – der Elijah Craig bleibt ein Benchmark-Bourbon. Wer wissen will, wie ein guter Bourbon schmeckt, probiert diesen hier. Jeder Cent ist gut investiert. Ich lasse immer einen Tropfen im Bart hängen, für später.

Kah Tequila Miniaturen Titel

Ein hübsches Äußeres gleicht viele Macken aus – Kah Tequila Reposado 55% und Añejo

Das Äußere ist erwiesenermaßen ein Türöffner. Wer gut aussieht, wird besser behandelt und bekommt leichter einen Fuß in die Tür bei Vorstellungsgesprächen oder anderen sozialen Interaktionen. Auch auf Konsumprodukte lässt sich das leicht übertragen – ein flashiges Design sorgt dafür, dass sich selbst grusligster Kunstsprit wie der Laborrum Don Papa wie geschnitten Brot verkauft. Allzuoft dient bei vielen Produkten dann die Verpackung entsprechend als Hülle, um den seelenlosen Inhalt zu verbergen oder wenigstens schmackhafter zu machen.

Nun gibt es ja seit kurzem moderne „Super-Premium“-Szene-Tequilas (ich will keine Namen nennen), die auch mit einem Totenkopf auf dem Stöpsel ihre angebliche Nähe zur mexikanischen Folklore betonen wollen. Vergleicht man traditionelle mexikanische Calavera-Totenkult-Symbolik und deren bildhafte Darstellung mit denen auf jenen Produkten, fällt einem schon ein Unterschied auf. Sowohl Form als auch künstlerische Ausführung trennen hier die Spreu vom Weizen – es reicht halt nicht, einfach nur einen 250g-Metall-Schädel herzustellen und diesen dann als Totenkult-Symbol zu bezeichnen. Im Gegenteil, das ist eine Form der Oberflächlichkeit und des fehlenden Respekts für eine Kultur, die mir derartige Produkte zutiefst unsympatisch macht, die derartige Symbole nur für Marketingzwecke ohne tieferes Verständnis missbrauchen. Da ist mir der Tequila Kah lieber, der schon im scheinbaren Zwiespalt zwischen Totenkopf-Design und Namen („Kah“ ist wohl das alte Maya-Wort für „Leben“) zeigt, dass er die Totenkult-Kultur verstanden hat.

Kah Tequila Miniaturen

Die knuffigen Miniaturen zweier Sorten des Tequilas zu je 5cl, die ich für einen meiner Meinung nach recht hohen Preis von über 10€ pro Stück erworben habe, wirken traditionell, sind vollständig aus Keramik, bemalt und haben einen Kunstkorken. Sehr hübsch designt, das gebe ich gern zu, vielleicht der Hauptkaufanreiz dieses Tequilas für viele Tequilafreunde und solche, die es werden wollen.

Der Hauptreiz für mich persönlich war zunächst allerdings nichtmal die extravagante Gestaltung, sondern der hohe Alkoholgehalt: Der Kah Reposado 55% ist definitiv ein ungewohnt starker Tequila. Tequila muss gesetzlich geregelt zwischen 31% und 55% aufweisen, um in Mexiko als solcher verkauft werden zu dürfen, für die USA gibt es die Sonderregel, dass er mindestens 40% aufweisen muss. Wir bewegen uns also an der obersten Grenze des Erlaubten. Das ist natürlich sehr spannend in einer Phase, in der die allermeisten in Deutschland erhältlichen Tequilas sich um die 40%, meist sogar darunter, nur selten darüber, bewegen.

Kah Tequila Reposado Glas

Die Farbe ist strohblass, mit einem minimalen Grünstich. Die Konsistenz ist nur leicht viskos. In der Nase wirkt der Kah Reposado zunächst hauptsächlich süß, ich erkenne nur wenige Agavennoten, dafür einen deutlichen Ethanolanklang. Er erinnert mich zunächst mehr an Vodka oder ungereiften Rum. Im Verlauf entdecke ich doch eine leichte Würze, wie geröstetes Getreide und Nelken.

Im Mund wandelt sich das aber doch stark – hier ist dieser Tequila sehr würzig und kräuterig, es kommen doch die zunächst etwas vermissten Agavennoten sehr deutlich zum Vorschein. Trotz der 55% bleibt er sehr mild und weich – natürlich muss man mit einem gewissen Alkoholfeuer rechnen. Sehr süß ist er bei der Bewegung durch den Mundraum; ein gewisser Plastikgeschmack stört aber leicht.

Der heiße, aber nicht scharfe Abgang krönt die Verkostung. Eine leichte Betäubung der Zungenspitze ist wahrscheinlich dem hohen Alkoholgehalt geschuldet. Insgesamt ist der Abgang sehr lang und mit vielen Agavenanklängen, die auch noch nach Minuten nachhallen.

Soweit, so gut. Schauen wir uns gleich im Anschluss den noch stärker gereiften, aber mit 40% Alkoholgehalt viel schwächeren, großen Bruder des Kah Reposados an, den Kah Añejo. Farblich scheint er kräftiger als der Reposado – er wird ja auch statt 10 Monaten, wie der Reposado, mehr als doppelt so lang in Fässern aus französischer Eiche gelagert. 2 Jahre tun ihre Arbeit also zumindest schonmal im Farbton.

Kah Añejo Tequila

Geruchlich ist der Kah Añejo dann ein kleines Träumchen. Vanille, Veilchen, Karamell liegen im Vordergrund, milde Agave bildet erkennbar den Körper. Am Ende etwas Spüli, aber nur ein Hauch, dazu etwas Klebstoff.

Faszinierend, dass sich hier die Sensorik gefühlt komplett entgegengesetzt verhält wie beim Reposado – die schöne Nase wandelt sich in ein extrem unrundes Mundgefühl. Wässrig, konturlos, aromenarm im Antrunk. Süße ist vorhanden; Gewürze und Kräuter könnten eine Rolle spielen, ebenso wie geröstete Agave, aber insgesamt wirkt alles verwaschen und blass. Nur ein Lack- und Spülmittelfehlton drängt sich im Verlauf auf. Gegen Ende nimmt eine Pfeffernote noch Fahrt auf, doch das ist dann auch schon alles. Sehr schade.

Der Abgang ist bitter, trocken, mildpfeffrig, leicht adstringierend und sehr eisenhaltig. Mittellang, aber enttäuschend körperlos. Die minzige Pfeffrigkeit bleibt noch lange auf der Zunge – dennoch ist das alles nicht wirklich sehr attraktiv. Im Fazit einer der klar schwächeren Añejos, die ich kenne, bei dem ich im Nachhinein froh bin, nur die Miniatur gekauft zu haben statt der großen Flasche – wie es auch beim Reposado ist, leider.

Der eine oder andere Tequila-Cocktail leidet darunter, dass der verwendete Tequila entweder aufgrund der mangelnden Aromatik oder aufgrund der mangelnden Stärke in einer Mixtur untergeht. Das kann einem mit dem Kah Reposado beispielsweise kaum passieren. Im Tequila Amargo lässt er seine Muskeln spielen. „Amargo“ ist das spanische Wort für „bitter“, und es passt zu diesem Rezept – man sollte also, wenn man auf süße, schmeichlerische Cocktails steht, einen großen Bogen um diesen hier machen. Obwohl man da was verpasst.

Tequila Amargo


Tequila Amargo
2 oz Tequila Reposado (z.B. Kah Tequila Reposado 55%)
2 Teelöffel Crème de Cassis
2 Teelöffel Grappa (z.B. Nonino Barrel Aged Selection)
2 Teelöffel roter Wermut (z.B. Punt e Mes)
4 Spritzer The Bitter Truth Old Time Aromatic Bitters
Auf Eis rühren.
[Rezept nach Fernando del Diego]


Ein hübsches Äußeres gleicht viele Charakterfehler  aus, das kennen wir aus vielen Lebensbereichen – der Kah-Tequila ist ein Beispiel dafür für mich. Während der Reposado wenigstens noch durch seine Stärke Aufmerksamkeit erregen kann, ist der Añejo persönlich für mich ein Totalausfall, auch wenn er anderweitig hoch bepunktet wird und sicherlich nicht schlecht ist. Man muss sich halt vor dem Kauf die Frage stellen, ob man ein hübsches Fläschchen als Dekorationsobjekt im Regal will, das zufällig einen halbwegs ordentlichen Tequila enthält, oder einen richtig guten Tequila, selbst wenn er nur in einer neutralen, einfachen Flasche abgefüllt wurde. Für letztere Absicht bekommt man anderweitig jedenfalls für deutlich weniger Geld deutlich mehr geboten.

Dos Maderas 5+5 PX Rum Titel

Fortunatos Zuckerfass – Dos Maderas PX 5+5

Die Diskussion um manipulierte Rums lässt mich nicht ruhen. Wir sind zumindest an einem Punkt angekommen, wo die künstliche Nachsüßung auch im Mainstream der Rumkonsumenten bekannt geworden ist – die Aufklärungsarbeit trägt erste Früchte, wenn es aber auch noch sehr viel zu tun gibt diesbezüglich. Eine spannende Initiative geht aktuell außerdem von der EU-Kommission aus: Sie forderte vor kurzem die Hersteller alkoholischer Getränke dazu auf, ihr Vorschläge für eine Selbstregulierung bezüglich der Angabe von Inhaltsstoffen und Nährwerten zu unterbreiten. Sollte sich da tatsächlich etwas tun und die Hersteller gezwungen werden, wenn nicht schon die Praxis des Manipulierens mit allerlei Zusatzstoffen zu unterlassen, dann doch wenigstens sie offiziell zuzugeben? Ich harre höchst gespannt der Dinge, die da kommen mögen…

Anlass genug, dass ich erneut eine meiner alten Rum-Rezensionen, damals geschrieben bei Amazon, herauskrame und auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfe. Der Dos Maderas PX 5+5 ist ein sehr beliebter Rum, der durchweg gute Bewertungen erhält und aufgrund seines aufwändigen Produktionsprozesses von vielen als beachtenswert betrachtet wird. Ich selbst hatte ihm einst 5 Sterne bei Amazon zuerkannt, als ich jung und naiv war – wie sehe ich ihn heute, wo ich andere Kriterien an Rum anlege als damals?

Dos Maderas 5+5 PX Rum Flasche

Im Rückblick fallen mir natürlich Dinge auf, die ich mit meinem in Rum nun sehr viel erfahreneren Gaumen so nicht mehr schreiben würde.

„Das ist schon ein schönes Henna, das im Glas schimmert, und beim Schwenken schöne kupferfarbene Glanzlichter abgibt. Der erste Geruchseindruck ist sehr rumtypisch: Melasse, dunkle Frucht, Schokolade, und dabei aber keine Alkohol- oder Esterfahne. Das weiß alles schonmal zu gefallen.“

All das ist für mich inzwischen eher Ausdruck von Unkenntnis und mangelnder Reichweite an Vergleichen. An diesem Rum ist eigentlich fast gar nichts „rumtypisch“, es ist sehr wohl eine Alkoholfahne riechbar, das „schöne Henna“ ist durch Nachfärbung entstanden.

„Die ungewöhnliche Herstellungsweise kommt dann beim Geschmack voll zum Tragen. Sehr starke Sherry- und Portweinaromen drängen sich in den Vordergrund. Soweit in den Vordergrund, dass man diesen Rum für einen Oloroso halten könnte, wäre da nicht die gewisse stärkere Alkoholnote – 5 Jahre im Sherryfass hinterlassen halt ihre Spuren. Bitterschokolade, Datteln und Nüsse würde ich als Zusatznoten beschreiben. Ein sehr kräftiger Körper, dicht, dunkel und voluminös: Da hat man was im Mund, ein gutes, rundes, komplettes Mundgefühl. Ich würde ihn nicht unbedingt als extrem süß bezeichnen, für mich fühlt er sich eher trocken-fruchtig an. Der Abgang ist dafür im Vergleich vielleicht etwas kurz, doch die süßen, eichenwürzigen Komponenten verbleiben noch recht lange am Gaumen: Hier erkennt man die Bourbon-Fässer.“

Heute erkenne ich, in einem Nachtest, was ich als „kräftiger Körper, dicht und voluminös“ beschrieb, kaum wieder. Der Dos Maderas PX 5+5 ist eigentlich nur extrem süß, viel zu süß für meinen inzwischen anders ausgerichtetenRumgaumen – das ist nicht mehr natürlich, sondern künstlich und pappig, unangenehm. Dazu kommt ein schwacher Körper und eine deutliche Alkoholfahne. Diese Kombination ist für mich eindeutig – man merkt beim Dos Maderas PX 5+5 wie bei kaum einer zweiten Süßspirituose, dass hier ein junger, scharfer Rum mittlerer Qualität mit Zucker oder anderen Süßern „premiumisiert“ wurde, so dass er nun 26g Zucker pro 700ml-Flasche aufweist, also rund 5 Stück Würfelzucker.

Was ich natürlich nicht sagen will, ist, dass ein geschulter Gaumen automatisch nur die nicht-süßen Ausprägungen von Rum mögen wird – es ist aber sehr wahrscheinlich, denn diese sind in der Regel sehr viel komplexer und spannender, während die süßen Rums allzuoft in der Oberflächlichkeit hängen bleiben.

„Der Dos Maderas PX 5+5 ist ein spannender, ungewöhnlicher Rum. Für Anfänger ist der volle Körper und die ansprechende, aber nicht überwältigende Süße interessant; für den Kenner die wirklich im Geschmack nachvollziehbare zweigeteilte Reifung. Das ist also kein Marketingtrick, sondern raffinierte, kreative Handwerkskunst. Ich will mich aber, nachdem meine Liebe zu Rum einen argen Dämpfer erhalten hat, nachdem ich erfuhr, dass viele Premium-Rums mit nachträglich zugesetztem Zucker und anderen Beigaben erst ihre Süße und Dichte bekommen, diesbezüglich nicht mehr weit aus dem Fenster lehnen und wie früher davon überzeugt sein, dass die Aromenvielfalt dieses Rums völlig natürlich und ausschließlich aus den Zutaten sowie der Fassreifung entstanden sei. Es gibt Hinweise, dass beim Dos Maderas PX 5+5 über 35g/l Zucker als „Geschmacksverstärker“ eingesetzt werden. Wie auch immer der Geschmack zustande kommt, gut gemacht ist es allemal – nur sollte man sich halt keine Illusionen über die „Reinheit“ machen.“

Auch die „raffinierte, kreative Handwerkskunst“ sehe ich natürlich nun in einem anderen Licht: Sehr entgegenkommend für mich als Sherryfreund, aber sehr problematisch für mich als Rumfreund. Wer mehr Details über die Herstellung erfahren will, kann dies bei Cocktailwonk, der den Hersteller besucht hat, nachlesen – auch wenn er das Thema der nicht natürlich entstandenen Süße ausspart, beziehungsweise sogar beschönigt. Man schmeckt den Sherry sehr deutlich heraus, bis zu dem Grad, wo ich mir nicht mehr sicher bin, ob hier wirklich nur Fasseffekte zum Tragen kommen, oder ob der Blender nicht einfach einen guten Schuss Sherry direkt dazugegeben hat (was Cocktailwonk indirekt bestätigt) – da eh schon massiv gesüßt wird, wäre das nur ein kleiner weiterer Schritt. Eventuell kommt der ganze Zucker auch schon direkt aus dem Sherry; dazu lassen findige Hersteller einfach die Sherry-Fässer, die sie für die Reifung benutzen, nicht entleeren. Ein paar Dutzend Liter „Restsherry“ sorgen dann für die beschriebene Geschmacksrichtung.

Aus Barbados und Guyana stammen die verwendeten Destillate, die spanische Bodegas Williams & Humbert kümmert sich um Nachreifung und Abfüllung. Ein internationaler Rum, und das soll sich in dem nun hier vorgeschlagenen Cocktail wiederspiegeln. Die anderen Zutaten passen sich dieser Vielfalt an: Drei Länder, drei Rumstile, im Three-Rum Old Fashioned in einem Glas vereint – kubanischer Ron Arecha und Damoiseau VS aus Guadeloupe unterstützen den milden Multikulti-Rum Dos Maderas PX 5+5 bei seiner Arbeit. Wenn man so will, hat man nun mindestens 7 Länder im Glas, wenn man das finnische Xylit und die deutschen Bitters mitzählt.

Three-Rum Old Fashioned


Three-Rum Old Fashioned
1 oz Dos Maderas PX 5+5
½ oz Rhum Agricole (z.B. Damoiseau VS)
½ oz kubanischer Rum (z.B. Ron Arecha)
1 Teelöffel finnisches Xylit
2 Spritzer Peach Bitters
1 Spritzer Bittermen’s Xocolatl Mole Bitters
Auf Eis rühren.

[Rezeptidee von Mike Treffehn, Rumsorten sind von mir abgewandelt worden]


Wer ihn mal probieren will, ohne sich gleich einen Dreiviertelliter mit entsprechenden Anschaffungskosten ans Bein zu binden: Es gibt ihn auch in knuffiger, ähnlich designter 0,2-Liter-Flasche zu kaufen. Das ist sehr lobenswert vom Hersteller; mehr Produzenten sollten sich für kleine Produktgrößen engagieren.

Für Freunde ungewöhnlicher Rums ist der Dos Maderas PX 5+5 auf jeden Fall einen Blick wert, auch wenn ich derart manipulierte Rums natürlich nicht guten Herzens wirklich weiterempfehlen kann oder will. Solange man aber weiß, dass man hier keinen Rum, sondern eine Spirituose auf Rumbasis, ein Rum-Sherry-Gemisch, vor sich hat, ist es ein interessanter Kandidat fürs Schulen des Gaumens, und ein schönes Anschauungsbeispiel dafür, welche starken geschmacklichen Auswirkungen die Tricksereien der Hersteller haben können.

Brauerei Kraus Hausbräu Titel

Jeder Topf hat seinen Deckel – Brauerei Kraus Hausbräu

Wir Biergenießer befassen uns lang und breit mit Bier, in all seinen Aspekten. Wir diskutieren verschiedene Bierstile, jammern über das Reinheitsgebot oder zelebrieren es, arbeiten uns ab am Begriff „Craft“, denken über Konzernstrukturen und Fernsehwerbung nach und diskutieren Sude, Hopfen, Malze und Fermentierungsdauern. Kurz – der Inhalt der Flasche ist das, was für uns zählt.

Es gibt aber einen Aspekt, den ich zumindest beim Biergenuss bisher völlig außen vor gelassen hatte – und das ist der Kronkorken, der auf der Flasche sitzt und dafür sorgt, dass wir kein abgestandenes Bier trinken müssen. Für gewisse Jäger und Sammler ist der Kronkorken über diesen rein funktionalen Zweck hinaus spannend – er ist ein begehrtes Sammelobjekt. Im Kronkorkenforum treffen sich die Freunde des geformten Flaschendeckels – eine eigene Datenbank, der Bottle Cap Index, dient als Referenz für bisherige Funde, in der sowohl breiterhältliches Massenmaterial als auch seltene Raritäten gepflegt werden: über 1 Million Kronkorken aus aller Welt kann man dort suchen und im Foto bewundern, natürlich neben Bier auch von Softdrinks und allem anderen, was so mit Kronkorken verschlossen wird.Die Kronenkorkensammelszene trifft sich jedes Jahr. Der Ort des Treffens ist der Brauerei-Gasthof Kraus, der auch zu Ehren dieses Treffens eine Sonderbekronkorkung seines gesamten Biers durchführt – mit eigens dafür gestaltetem Kronkorken. Persönlich gehöre ich nicht zu dieser Gemeinschaft und war bei keinem dieser Treffen, allerdings habe ich einen Bekannten dort, und er hat mich freundlicherweise mit ein paar Flaschen des dort gebrauten Biers versorgt: das Brauerei Kraus Hausbräu, Hirschen-Trunk und Weißbier hefetrüb. Wollen wir mal schauen, ob die Sammler bei ihrer Jagd nach seltenem Blech ihren Durst auch mit vernünftigem Bier stillen.

Brauerei Kraus Hausbräu 3 Sorten

Begonnen wird hier nun mit dem Hausbräu. Aufgrund der Empfehlung des Spenders habe ich das Bier in ein Pint-Glas eingegossen und daraus getrunken. In diesem Glas wirkt das Bier hell und kristallklar, die sehr starke und ausdauernde Perlage ist schön sichtbar. Nur einzelne Schaumbläschen bleiben allerdings auf der Oberfläche hängen.

Vom Geruch her gefällt mir das Hausbräu schonmal gut – sehr aromatisch, stark hopfig, milde Malzwürze. Sehr typisch (in einer Zeit, in der ich fast ausschließlich moderne Interpretationen von Bieren trinke, die mit Aromahopfen protzen, sind klassische Aromen ja immer eine Erwähnung wert) und attraktiv. Leichte Hefenoten. Frisch und hell.

Brauerei Kraus Hausbräu Flasche und Glas

Im Antrunk enttäuscht das Bier auch nicht – sehr rezent, knackig und hopfig. Etwas metallisch. Sehr körpervoll im Mundgefühl. Bei 4,7% Alkoholgehalt bewegen wir uns im sortentypischen Rahmen. Der Abgang passt sich in das runde Gesamtbild ein. Mildbitter, mittellang und leicht trocken. Mit einem milden Eisenton klingt das Bier aus. Ich verfalle nicht in Begeisterungsstürme, aber das ist dennoch ein solides, bodenständiges Bier für den Alltag – und, gut gekühlt, ein ideales Bürobier fürs „Bier um Vier“ (für die unter uns, die glücklich genug sind, entsprechende Möglichkeiten zu haben).

Franken, insbesondere Bamberg, hat sich um einen ganz besonderen Bierstil verdient gemacht, indem es ihn sozusagen in einer Kulturtasche am Leben erhalten hat: Rauchbier. Das bekannteste und in Restdeutschland verbreitetste Rauchbier ist wahrscheinlich das Aecht Schlenkerla. Der Hirschen-Trunk ist auch ein solches Rauchbier. Bei dieser Art Bier habe ich sowohl extrem gute als auch extrem schlechte Erfahrungen gemacht, der Bierstil polarisiert bei mir immer stark – in welche Kategorie fällt der Hirschen-Trunk?

Brauerei Kraus Hausbräu Hirschen-Trunk

Optik: Kristallklar und kupferfarben. Starke Perlage. Feiner Schaum, dünne Schaumkrone bleibt. Man ahnt schon am Aussehen, dass hier ein etwas deftigeres Bier auf einen wartet. Das wird dann auch direkt durch den Geruch bestätigt – deutlich speckig, leicht metallisch. Malzaromen. Das Räuchermalz dominiert sehr stark.

Im Mund ist der Hirschen-Trunk erwartungsgemäß rauchig, speckig (aber nicht so stark wie im Geruch), metallisch. Eine überraschend extrem hohe Karbonisierung ist vorhanden, dadurch wird das Bier aber nicht unbedingt übermäßig rezent. Auf jeden Fall ist es aber sehr bitter und dunkelwürzig, fast schon etwas salzig. Ich nehme durch die Röstung keine wirklichen Hopfenaromen wahr. 5,5% Alkoholgehalt ebensowenig.

Auch im mittellangen Abgang bleibt das Bier sehr bitter und ebenso trocken. Der leicht rauchige Nachhall sorgt dafür, dass für mich dieses Rauchbier insgesamt einen sehr positiven Eindruck hinterlässt.

Zu guter letzt kommen wir dann zum urbayrischen Bierstil, dem Weißbier. Das Weißbier hefetrüb der Brauerei Kraus wird traditionell mittels Flaschengärung hergestellt. Schönes, kräftiges Gold, opalisierend, schimmert im Glas – unfiltrierte Biere gefallen mir einfach besser als die geklärten Strahlemänner. Mittlere Perlage. Die sortentypische Schaumkrone ist auf meinem Foto leider schon etwas in sich zusammengefallen. Ebenso typisch wie der optische Eindruck ist der Geruch. Banane, Nelke. Muskatnuss. Leicht hefig.

Brauerei Kraus Hausbräu Weißbier

Das Kraus Weißbier ist süß im Antrunk, sehr weich und dabei doch mit einer klaren Linie, die mir bei vielen Hefeweizen fehlt, und die mir oft zu mild sind. Hier ist Charakter da, das gefällt mir. Dabei bleibt es aber sortentypisch rund und schmeichelnd. Schöne Rezenz, mit hoher Karbonisierung, mit ebenso hohem Rülpsfaktor. 5,5% Alkohol sind enthalten.

Der Abgang ist für ein Weißbier recht lang, trocken und mildbitter, nicht zu süß. Ein sehr ausgewogenes, ideales, geradliniges Hefeweizen ohne Sperenzchen. Davon kann ich auch 2 oder 3 trinken, ohne dass es mir zu einseitig wird. Sicher eins der angenehmsten Weißbiere, das ich in den letzten Jahren hatte.

Es dient entsprechend natürlich auch als Cocktailzutat. Man frage mich bitte nicht nach dem Sinn des Namens des The Danube and the Main – vielleicht verweist man mit dem Hinweis auf den Verbindungskanal (der passenderweise bei Bamberg beginnt) zwischen zwei großen deutschen Flüssen auf das Zusammenwachsen der bisher noch oft getrennten Trinkwelten des Biers und des Cocktails. Für mich persönlich ist Bier aus der Cocktailwelt kaum mehr wegzudenken, auch wenn es noch eine Weile dauern wird, bis diese Bewegung in der Breite angekommen sein wird.

The Danube and the Main


The Danube and the Main
2 oz Arrak (z.B. Boven’s Echter Arrak)
1 Spritzer Angostura
½ oz Grapefruitsaft
¼ oz Orangensaft
¼ oz Zitronensaft
¾ oz Zuckersirup
Auf Eis shaken. In ein Glas voll Eis abseihen. Toppen mit…
Weißbier (z.B. Kraus Weißbier hefetrüb)
[Rezept nach Matt Scheller]


Insgesamt gefällt mir die Produktreihe von Kraus sehr gut. Es sind traditionelle Biere mit Charakter, nie langweilig oder oberflächlich – ein Beispiel dafür, wie gut die Bierbasis in Deutschland aufgestellt ist, mit regionalen Spezialitäten in hoher Qualität. Der verwöhnte Genießer würde sich vielleicht ein bisschen mehr Aromenausprägung wünschen, etwas mehr Potenzial zum Explorieren und Verkosten – doch das ist ein Luxusproblem, das ich als Bierblogger habe, das ich nicht zu hoch hängen will.

New 2 Oak Barrel Aged Liquor Baijiu Titel

Mit einem Krug Wein zwischen den Blumen, Teil 4 – New 2 Oak Barrel Aged Liquor 新②派橡木桶臻藏白酒

Innerhalb eines Kulturkreises neigen wir dazu, ähnliche Vorlieben zu entwickeln. Insbesondere, wenn es um Lebensmittel geht, oder um Spirituosen. Der westliche Genießer präferiert, mal ganz plakativ verallgemeinert, offensichtlich süßliche, milde Brände, wie nachgesüßten Rum, Cognac und Bourbon. Liköre werden immer gern genommen, die teilweise bis zur Hälfte des Flascheninhalts aus Zucker bestehen. Selbst normalerweise härter schmeckende Schnäpse wie Gin oder Vodka werden hinter den Kulissen oft mit Glycerin und/oder Zucker weicher und milder gemacht, um diesem Kleinkindschema „süß-mild-leicht“ gerechter zu werden.

Diese Präferenz für Mildsüße ist aber nicht allernorten fest verankert. Chinesen beispielsweise sind, was starke Alkoholika angeht, ganz andere Kaliber gewohnt – dort sind sehr hochprozentige, charakterstarke und durchaus aggressive Spirituosen beliebt und geschätzt. Was passiert, wenn man normalen Leuten auf der Straße diese andere Welt zeigt, und Chinesen einige Scotches, und Briten ein paar Baijius vorsetzt? Ein spannender Versuch.

Tatsächlich bin ich aber etwas überrascht, wie neutral und eigentlich sogar positiv die britischen Tester auf die ihnen vorgesetzten Baijius reagieren – ich hätte mit verzerrten Gesichtern und ähnlichem gerechnet beim Erstkontakt mit chinesischem Schnaps, der in seiner Aromatik und Stärke doch etwas anders daherkommt als der gewohnte Scotch.

Die Unterschiede sind, und so ehrlich muss man sein, erheblich größer als man bei Betrachten dieses Videos vielleicht denken mag. Aber aktuell ist bei Baijiu eine Bewegung im Gange, diese weite Kluft etwas aufzuschütten – man versucht, dem westlichen Konsumenten etwas entgegenzukommen und die ärgsten Stolpersteine, über die man regelmäßig fällt, etwas abzuschleifen. Der Erfahrung nach sind dies Alkoholstärke und extreme Aromen, und so hat man beim New 2 Oak Barrel Aged Liquor oder 新②派橡木桶臻藏白酒 beides parallel in Angriff genommen. Einerseits ist er mit 38% Alkoholgehalt ein Superfliegengewicht in der Baijiu-Welt, und andererseits wurden durch eine Fassreifung die Fähigkeiten eines Holzfasses genutzt, Ecken und Kanten in der Aromatik weichzuspülen. Für den Baijiu-Freund also eine spannende Sache: Wie schmeckt ein fassgereifter Baijiu denn nun im Vergleich zu ungereiften oder traditionell tonkruggereiften Varianten?

New 2 Oak Barrel Aged Liquor Baijiu Flasche

Entsprechend seiner für chinesische Verhältnisse unkonventionellen Herstllungsweise passt dieser Baijiu auch in keines der großen Aromenprofile, die wir in dieser Blogreihe schon kennengelernt hatten – von Spirits Selection, wo er beim Wettbewerb Spirits Selection by Concours Mondial de Bruxelles 2016 eine Goldmedaille gewonnen hatte, wurde er recht generisch in die Kategorie „other style“ und „other aroma“ eingeordnet, von der Herstellerfirma Sichuan Tuopai Shede Wine Co, Ltd. wird er sogar als 东方威士忌 „östlicher Whisky“ bezeichnet.

Die Farbe ist ein blasses Strohgold, entstanden durch die Holzfassreifung, hoffte ich zumindest, bis ich auf der lobenswerten Zutatenliste des Rücketiketts den Eintrag 色 fand – Zuckerkulör. Von der Konsistenz unterscheidet er sich nicht von anderen Baijius; kaum viskos, wenig Beine am Glas.

Der Geruch lässt mich zunächst vermuten, dass es sich hier um einen abgewandelten Leichtaroma-Baijiu (清香) handelt – er wirkt sehr typisch dafür, mit dem ausgeprägten Pfirsichferment-Aroma, das mich persönlich so an weiße Gummibärchen erinnert. Tatsächlich sind aber bei genauerem Hinschnuppern deutliche Vanille- und Bananenaromen vorhanden, die den 新②派 davon dann abheben. Etwas Zitrusfrucht rieche ich auch heraus, gattungstypische Lakritz und Anis fehlen natürlich nicht.

Im Antrunk ist eine Kombination aus mildem Süßholz und ebenso zurückhaltendem Anis vorherrschend; auf den zweiten Geschmack kommt eine wunderbare Vanillenote hervor, und ein Anklang an medizinale Aromen, wie man sie von Scotch kennt und schätzt. Anflüge von Holz. Etwas Menthol. Im Vergleich zu vielen anderen Baijius wirkt er fast etwas wässrig, oder besser gesagt: Leichtkörprig. Ich gehe soweit, ihn elegant zu nennen.

New 2 Oak Barrel Aged Liquor Glas

Der Abgang ist mildsalzig, pfeffrig, chili-ig. Mittellang, sehr warm und weich. Wie schon gewohnt bei Baijius ist der Abgang spektakulär, wenn auch nicht ganz so wie bei höherprozentigen Kollegen. Der Nachhall ist dann wieder stark Vanille, dazu Milchschokolade. Etwas anästhesiert bleibt die Zunge zurück.

Ein ausgesprochen attraktiver Tropfen, das muss ich schon sagen: Die Kombination aus traditionellem Baijiu und westlichen Reifungsmethoden (leider aber auch bis hin zur Verwendung von E150a) ergibt einen echten Winner. Damit kann man selbst in deutschen Bars leicht hausieren gehen, da bin ich mir sicher; die erwähnte Bezeichnung „östlicher Whisky“ passt genau und trifft den Charakter dieser Spirituose perfekt.

Wer meine Cocktailempfehlungen auf meinem Blog verfolgt, hat ja schon gesehen, dass man ein Glas ausspülen, aussprühen oder räuchern kann, um kleine Nebenaromen, hauptsächlich für die Nase, mit in den Drink zu bringen. Das hier vorgeschlagene Ausflammen des Gästeglases mit Overproof-Rum soll laut Erfinder des Cocktails Erinnerungen an ein altes chinesisches Armee-Motorrad mit Beiwagen wecken – daher passend auch der Name Beijing Sidecar. Alt und qualmend soll es sein, und das wird durch die ungewöhnliche Vorbereitung für das Gästeglas simuliert. Bitte Vorsicht dabei, es besteht Augenbrauenabsengungsgefahr, und man sollte ein Glas verwenden, das die Hitze auch aushält.

Beijing Sidecar


Beijing Sidecar
1 oz Cognac (z.B. Hine Rare VSOP)
⅔ oz milder Baijiu (z.B. 新②派)
½ oz Zitronensaft
½ oz Orgeat
2 Spritzer Drops & Dashes Wood Bitters
Auf Eis shaken.
Das Gästeglas mit angezündetem Overproof-Rum (z.B. Old Pascas Jamaica 73%)
und einem Spritzer der Bitters ausbrennen.

[Rezept nach Paul Mathew]


Auch hier gibt es wieder eine spannende kulturelle Eigenheit Chinas als Anekdote zu berichten. Betrachtet man sich den chinesischen Namen dieser Spirituose, 新②派橡木桶臻藏白酒, etwas genauer, fallen dem etwas in chinesischer Schrift bewanderten sofort zwei vielstrichige Zeichen ins Auge: 臻藏. Ich habe alles versucht, herauszufinden, was sie hier auf dem Etikett einer Schnapsflasche bedeuten könnten, und bin selbst bei umfangreichen Wörterbüchern gescheitert. Ein Muttersprachler konnte mir, nachdem er selbst lange recherchieren musste, weiterhelfen (danke, Yide!) – es handelt sich dabei um eine scheinbar gar nicht unübliche Masche in der chinesischen Werbewirtschaft, möglichst komplexe und abstruse Zeichen, die selbst gebildete Chinesen nicht mehr lesen können, zu verwenden, um dem eigenen Produkt einen hochwertigen Anstrich zu verpassen. Folgt man der Erläuterung hier, und schreibt die Wortkombination in der gleich ausgesprochenen aber leicht lesbaren Schreibweise 珍藏 , machen die Zeichen in unserem Kontext sogar Sinn: „sorgsam aufbewahren“. Man liest also alles zusammen: „Neuer Stil – In Eichenholzfässern sorgsam aufbewahrter klarer Schnaps“. Eine alternative Bedeutung der Zeichenkombination wäre „wertvolle Sammlung“, wahrscheinlich gemeint im Sinne der bei anderen Spirituosen oft gelesenen Bezeichnungen wie „Privatbrand“, „Rare Selection“ oder „Reserva de la Familia“. Man ahnt jedenfalls, dass es ein sehr spezieller Begriff ist, der schon durch sein fremdartiges, ungewohntes Aussehen eine Besonderheit ausstrahlen soll.

Die Flasche des New 2 an sich hält sich an die aufgestellten Regeln, um nicht nur dem westlichen Gaumen, sondern auch dem westlichen Auge zu gefallen – keine Spielereien (Baijiu ist, wie wir in dieser Reihe schon mehrfach gesehen haben und auch noch weiter sehen werden, ein Kandidat für die flippigsten Flaschendesigns der Welt), ein einfaches Etikett auf einer einfachen, eckig gehaltenen Flaschenform, dazu ein einfacher Blechschraubverschluss.

Bis nächsten Monat, liebe Freunde des chinesischen Schnapses, dann zum schon 5. Teil der Reihe „Mit einem Krug Wein zwischen den Blumen“!

Offenlegung: Ich danke erneut der belgischen Firma Vinopres SA und Spirits Selection für die kostenlose Bereitstellung einer Flasche dieses Baijius. Vinopres SA und Spirits Selection haben mir ganz enorm geholfen, und mich mit einer Reihe von Qualitäts-Baijius versorgt, denn die Beschaffung dieser chinesischen Spirituosen ist in Deutschland sonst sehr schwierig – ohne sie wäre diese Reihe nicht möglich gewesen.

Grand Marnier Cordon Rouge Titel

Das trinkt man so – Grand Marnier Cordon Jaune und Cordon Rouge

Eine der wenigen Sendungen, die ich noch immer wirklich gern im Fernsehen anschaue, ist das „Perfekte Dinner“, und im Besonderen das „Perfekte Promi-Dinner“. Diese Sendung hat die richtige Mischung aus Humor, Koch- und Einkaufsverhalten und Einblick ins private Leben fremder Leute, die mich an den Bildschirm fesseln kann. Neulich aber hat sich das Format selbst übertroffen; am 08.01.2017 um 20:15 wurde bei VOX „Das perfekte Profi-Dinner: Spitzenköche unter sich“ ausgestrahlt. Die Idee: Sterneköche bekochen sich privat gegenseitig, und was sich erstmal recht langweilig und konventionell anhörte, explodierte fast vor Charme und Unterhaltungsfaktor. Insbesondere 2-Sterne-Koch Christian Lohse sorgte beim Publikum für eine hochfaszinierende Mischung aus Entsetzen und Lauthalsmitlachen.

Das Highlight dieses Fernsehabends war dann das Getränk zum Dessert, das Lohse seinen hochdekorierten Gästen kredenzte – Grand Marnier auf Eis im Wasserglas. Auf die etwas irritierte und schon vom reichlichen Voralkohol angedüselte Nachfrage seiner Kollegen, wie das eigentlich gehe, antwortete Lohse in seiner unnachahmlichen Art nur trocken: „Das trinkt man so“.

Das perfekte Promi-Dinner "Spitzenköche unter sich"

Darüber ließe sich natürlich trefflich streiten, insbesondere, wenn man sich unsicher ist, was das goldene Gebräu eigentlich ist, was da im Glas landete. Nachdem ich hier auf meinem Blog bereits drei Orangenliköre vorgestellt hatte – in aufsteigender Qualität den Chadess Liqueur d’Orange, den Le Favori sowie Clément Créole Shrubb – kommt nun ein Doppelfeature, das die zwei Ausprägungen des französischen Edellikörs vorstellen soll – Grand Marnier Cordon Jaune einerseits, und Grand Marnier Cordon Rouge andererseits. Was ist der Unterschied, außer dem schon im Namen enthaltenen Farbunterschied des Bändchens um die Flasche? Beginnen wir mit dem gelben Bändchen, dem Cordon Jaune, das noch den Untertitel Triple Sec trägt.

Grand Marnier Cordon Jaune Flasche

Wer sich nochmal daran erinnern lassen möchte, was Triple Sec ist, den verweise ich gern auf meinen oben verlinkten Artikel zu Le Favori. Der Grand Marnier Cordon Jaune ähnelt diesem und den meisten anderen Triple Secs zumindest schonmal dahingehend, dass auch er mit neutralem Alkohol hergestellt wird, ist also etwas vodkaähnlich. Die Farbe dieses Likörs, das ahnt man schon durch die braungetönte, markante Flasche, ist komplett klar. Im Glas ist er dann erkennbar ölig und viskos, so dass Beine am Glasrand haften bleiben und langsam ablaufen.

Der Geruch enttäuscht die Erwartungen nicht – natürlich vordergründig Orange, dazu etwas Zitrone, und ein Anklang an Mandeln. Die klar erkennbare Ethanolnote deutet auf die Entstehung mit Neutralalkohol hin. Insgesamt in der Nase süßlich, und man ahnt schon, worauf man sich einlässt – oberflächlich, dafür mit Wumms. Das bestätigt sich dann auch im Mund. Dieser Gelbband-Grand Marnier ist sehr süß, mild orangig, fast schon eher mandarinig. Im Vergleich zu den anderen bereits erwähnten Orangenlikören ist er dann aber doch noch etwas orangiger und aromatischer, und auch etwas weniger süß. Den Neutralalkohol kann aber keine Orangennote verdecken. Der Abgang schließlich ist warm und mittellang, leicht klebrig. Orangenaromen bleiben lange, aber auch das Gefühl des zuckrigen Overkills.

Springen wir direkt weiter zum großen Bruder des Cordon Jaune, zur Edelvariante, dem Grand Marnier Cordon Rouge, der im Gegensatz zur gelbbebandeten Version mit 51% Cognac hergestellt wird.

Grand Marnier Cordon Rouge Limited Edition

In meiner „Limited Edition“ wird der Likör in einer intransparenten, weißen Flasche ausgeliefert – der Standardfall ist die identische Flasche zum Cordon Jaune, nur dann eben mit einem roten Bändchen. Die Ähnlichkeit der Präsentation ist aber eigentlich auch schon das Ende der Gemeinsamkeiten.

Im Glas zeigt sich der Cordon Rouge in kräftiger Bernsteinfarbe, fast schon dunkle Orange. Eine leichte Viskosität ist vorhanden, aber nicht ganz so wie beim klaren Verwandten. Der Geruch mag in den ersten Eindrücken ähnlich sein, hauptsächlich natürlich Orange, auch die Zitrone, dann kommt aber schon eine klar erkennbare Weinbrandbasis zum Vorschein. Ein sehr anderes, sehr viel feineres und weniger aufdringliches Aroma, das ergänzt wird durch Anklänge von Nelken und anderen Gewürze. Komplex und spannend.

Auch wenn der Geschmack immer noch sehr süß ist, schmeckt man doch tiefere Schichten heraus – Nüsse, Trockenobst, Nussschokolade, etwas schwarzer Pfeffer. Orange kommt hier erst als nachgelagerte Komponente, die im Verlauf dann aber immer stärker wird. Ganz im Hintergrund schweben Holz- und Rauchnoten. Hellfruchtig, sehr warm und lang ist der Abgang, mit milder Süße, ebenso mildem Brennen, und deutlichen Weinbrandnoten.

Grand Marnier Cordon Jaune und Cordon Rouge Vergleich

Sehr witzig ist die farbliche Gegenüberstellung, wenn man die „Limited Edition“ in der weißen Flasche besitzt – die weiße Flüssigkeit in der braunen Flasche, die braune Flüssigkeit in der weißen Flasche.

Insgesamt kann man sehr schnell ein Fazit ziehen, was den Vergleich der beiden Grand Marniers angeht: Im Purgenuss ist der Cordon Rouge klarst überlegen; er ist eigentlich ein ganz anderes Getränk mit viel mehr Charakter, Volumen und Komplexität. Letztlich spricht der Hersteller mit den beiden Produkten aber natürlich auch unterschiedliche Zielgruppen an. Cordon Rouge für Purtrinker (wie Christian Lohse und seine Gäste), Cordon Jaune als typische Cocktailzutat.

Wie zum Beispiel beim Orange Brulée, hier gezeigt in der Variation, die J&C’s auf ihrem Blog vorgestellt hatten. Ein toller After-Dinner-Cocktail mit viel Frucht und Süße. Allerdings wage ich es, Grand Marnier Cordon Rouge auch in Cocktails zu wählen, insbesondere wenn, wie hier, der Orangenlikör eine wichtige (oder gar die Haupt-)Rolle spielt.

Orange Brulée


Orange Brulée (J&C’s Variation)
1½ oz Orangenlikör (z.B. Grand Marnier Cordon Rouge)
1¼ oz Bourbon Whiskey (z.B. Evan Williams BiB)
½ oz Amaretto (z.B. Disaronno)
Auf Eis shaken.
Einen Hauch Sahne floaten und mit Kakao bestäuben.

[Rezept nach Xavier Laigle und J&C’s]


Tatsächlich muss man ihn also nicht unbedingt wie Christian Lohse gleich aus dem Wasserglas trinken, um Grand Marnier stilecht genießen zu können – ich kann mir aber gut vorstellen, dass auch das bei einem lustigen Abend mit Gleichgesinnten durchaus gut ankommen kann, wie man im Fernsehen ja sehen konnte. Und sowieso, wer wäre denn ich, mit einem frankophilen 2-Sterne-Koch disputieren zu können, wenn es um Genuss geht?

Camba Oak Aged Holzfassgereifte Biere Set Titel

Die Venus von Chiemgau – Camba Oak Aged Probierpaket

Bei einem meiner letzten Aufenthalte in der bayerischen Landeshauptstadt München wurde ich beim Schlendern in einer engen Straße beinahe von einem Pferdegespann überfahren. Nicht, dass die gerast wären wie die arabischen Vollbluthengste, nein, die eher gemütlich veranlagten Pferde zogen nur einen riesigen Bierkarren hinter sich her und hatten einen entsprechend langen Bremsweg. Man sieht sie in München immer wieder – die Bierkutscher, die Bier von einer Brauerei zu den Biergärten transportieren. Heute nur noch aus folkloristischen Gründen mit Holzverkleidung, vor einiger Zeit wohl wirklich noch in Holzfässern.

bierfuhrwerk-muenchen

Dass Lebensmittel in Holzfässern eine ganz spezielle Eigendynamik entwickeln, unerwünschte Aromen abgeschliffen und neue, erwünschte hinzugefügt werden, ist uns von Whisky, Rum und anderen Spirituosen bestens bekannt. Doch selbstverständlich kann auch Bier, statt nur in Holzfässern transportiert zu werden, auch in speziellen Hölzern gelagert und gereift werden, um genau diese Effekte auszulösen. Dass Holz nicht gleich Holz ist, was die Aromatikänderungen angeht, können wir dank der bayerischen Brauerei Camba Bavaria nun aus erster Hand direkt erfahren – mit dem Camba Oak Aged Probierpaket, das die vier holzgereiften Sorten Heller Bock – Limousin, Doppelbock Bourbon, Milk Stout – Bourbon und Imperial Stout – Cognac enthält.

Camba Oak Aged Holzfassgereifte Biere Set Flaschen

6 bis 9 Monate liegen Biere der Brauerei in Eichenholzfässern unterschiedlichster Herkunft. Beginnen wir mit der Verkostung dieses exklusiven Sets bei der hellsten Sorte – dem Oak Aged Heller Bock – Limousin. Französische Eichenfässer dienen hier also als Veredler für einen Bock mit 8,1% Alkoholgehalt.

Die Limousineiche hat erstmal kaum einen Einfluss auf das optische Erscheinen des Biers. Naturtrüb, feine Perlage, dünne Schaumkrone. Bernsteinfarben. Vorsicht ist geboten beim Öffnen des Kronkorkens – da sprudelt es etwas mehr als gewohnt.

Camba Oak Aged Heller Bock Limousin

Entsprechend schnell verbreitet sich dann auch der Geruch. Süßlich, fruchtig nach Apfel und Ananas, etwas metallisch. Das Gesamtbild erinnert mich etwas an Calvados. Geschmacklich beweist sich dann, dass meine Nase mich nicht täuscht: Sehr fruchtig, ganz stark nach Apfel und Calvados, vielleicht auch Cidre, letzteres hauptsächlich wegen der kräftigen, wilden Säure, die der Bock zeigt, ausgeglichen durch eine hintergründige Süße. Dabei bleibt das Bier ordentlich trocken und bitter, und sehr erfrischend zum Teil dank der kräftigen Kohlensäure. Der Abgang bleibt trocken, lang, und leider eher unangenehme adstringierende Effekte bleiben lang am Gaumen.

Das wirkt in dieser Sauer-bitter-Kombination unruhig und unrund. Die starke Nähe zu Apfelwein zwingt mich fast zu glauben, dass die Vorbelegung des Fasses (auf dem Etikett nur als „Holzfassobstbrand“ der Destillerie Lantenhammer bezeichnet) ein Apfelbrand war.

Steigen wir um und greifen nun zum Doppelbock Bourbon. Vielleicht hat das Ex-Bourbon-Fass einen gemäßigteren Einfluss auf den Doppelbock? Zumindest die Farbgebung ist schonmal extremer, wobei man natürlich nicht weiß, ob der Doppelbock nicht eh schon von sich aus dunkler wäre. Die dunkelbraune Farbe ist in etwa wie die von Altbier. Praktisch keine Schaumbildung erscheint, trotz der feinen und starken Perlage.

Camba Oak Aged Doppelbock Bourbon

Überreife Mandarine, leichter Kompostgeruch. Etwas Malz, ein Hauch Zitrone. Das sind die Eindrücke, die ich durch Schnuppern zu erkennen denke. Erstmal wenig Bourbonhaftes. Ist das im Geschmack anders? Ja, wow, da schmeckt man den Bourbon tatsächlich raus. Die typischen Vanille- und Eichennoten sind sofort beim Antrunk präsent. Leichtes Karamell, trotz der süßen Eindrücke aber eine klare, präsente Säure, die immer stärker wird im Verlauf der Verkostung. Mandarine, rote Trauben, braune Äpfel und anderes, leicht schon überfälliges Obst – das hört sich schlimmer an, als es ist. Schöne Rezenz, die leider durch die aktive Säure dann im Gesamtbild etwas übersteigert wirkt. 10,5% Alkoholgehalt wirken gut eingebunden.

Der Abgang ist mir zu süß und fast schon klebrig; er hinterlässt ein pappiges Gefühl am Gaumen. Schade, dass so ein toller Ansatz so mäßig enden muss. Doch in Kombination mit einem guten Essen, wie dem knusprig gegrillten Entenschenkel, den ich dazu hatte, ist das trotzdem ein Gewinner.

Doch wir halten uns nicht lang damit auf, gehen direkt über zum nächsten Kandidaten, dem Milk Stout – Bourbon. Hier wird spannend sein, ob sich das Bourbonfass auf einen anderen Bierstil anders auswirkt. Klären würde ich aber zunächst gern die Frage nach dem verwendeten Milk Stout – sind das die Reste des Milk Stouts, das vernichtet werden musste? Dass dem reinheitsgebotfanatischen bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit neben der Bezeichnung „Milk Stout“ auch die Zutaten, nämlich Hafer- und Gerstenflocken sowie der Milchzucker, aufstößt, ist von meiner Perspektive aus nur noch als lächerlich zu bezeichnen und zeigt die gesamte Sinnlosigkeit des RHG. Aber halten wir uns nicht damit auf, die Geschichte ist gegessen, sondern kommen zum Bier selbst.

Camba Oak Aged Milk Stout Bourbon

Das Foto sagt schon das meiste bezüglich des Aussehens: Schwarz, blickdicht, höchstfeine Perlage, aber praktisch kein Schaum. Dieser ist, solange vorhanden, crema-farben. Seine Herkunft kann das Bier allein schon aufgrund des Geruchs nicht verleugnen: sehr milchsauer, mit ganz hervorspringender Bourbonnote – Vanille, Eiche und die sonstigen üblichen Verdächtigen, was amerikanischen Whiskey angeht.

Leicht milchig ist auch der Geschmack (obwohl natürlich keine Milch enthalten ist in einem Milk Stout!), dann kratzig-sauer, aber dann – wumms! – Bourbon. Das schmeckt sehr stark nach Vanille und anderen Bourbonaromen. Die süß-sauere Komponente erinnert mich an die Schweizer Limonade Rivella, sehr interessant. Für ein Stout ein recht dünner, dafür aber sehr aromatischer Körper. Röstaromen und dunkles Malz sind selbstverständlich in einem Stout. Die Säure dominiert das Gesamtbild, wird aber durch kräftige Süße ausgeglichen, anders als bei vielen Sauerbieren. 9% Alkohol entdeckt man höchstens durch einen schwummrigen Kopf nach dem Genuss.

Der mittellange Abgang ist sehr würzig, sauer, sehr salzig, etwas Sojasauce. Die Effekte von Milchsäure und Vanille bleiben darüber hinaus noch ausgesprochen lang. Supertrocken im Mundgefühl hat das Milk Stout Bourbon schon etwas Wein-Charakter; definitiv etwas für überzeugte Weintrinker, die mal von einem Bier überrascht werden wollen.

Nach diesem positiven Eindruck hoffen wir auf eine Krönung der Verkostungsreihe beim letzten Bier aus dem Set, dem Imperial Stout – Cognac. Optisch sehen wir zumindest schon beim Eingießen ein sehr typisches Imperial Stout: schwarz, blickdicht, brauner Schaum, praktisch keine sichtbare Perlage.

Camba Oaked Aged Imperial Stout Cognac

Der Geruch ist einfach umwerfend. Starke Kaffee-, Kakao- und Röstmalznoten kennt man ja von einem Imperial Stout, aber in dieser Form ist das noch herrlicher als sonst. Dazu kommt eine attraktive, fruchtige Süße, tatsächlich nach Cognac und Traubenmost. Holunder spielt auch noch mit.

Im Antrunk superweich und süß, dann aber sofort sehr starke Kaffeearomen. Würzig nach Sojasauce, stark geröstetem Malz und schwarzer Schokolade. Die Cognac-Fassreifung zahlt sich in milden Fruchtaromen aus, Rosinen, Feigen und reifer Ananas. Eine milde Säure gleicht die schwache Karbonisierung gut aus. 10% Alkohol sind ohne Mangel eingebunden, in keiner Form schmeck- oder spürbar. Ich trinke es in Zimmertemperatur.

Abgang ist lang und sehr bitter, nochmal ein wuchtiger Schub Kaffee und Maggi, dabei schmeichelnd süß und gleichzeitig würzig. Für mich persönlich das ansprechendste der vier Biere: Hier hat alles genau richtig funktioniert und spielt ineinander in Perfektion. Ein Traumbier, wie man es selten findet.

Camba Oak Aged Holzfassgereifte Biere Set Tragerl

Die Flaschen sind natürlich supersensationell gestaltet. Sie erinnern mich in ihrer femininen, schwungvollen Form an die Venus von Willendorf. Dazu das milchige Glas mit dem dezent aufgetragenen Firmennamen, den Verzicht auf Etiketten (bis auf das kleine, quer angebrachte Rücketikett mit den wichtigsten Infos) und dem netten kleinen Umhänger – rundum gefällt das. Das Kartontragerl des Probierpakets fällt dagegen natürlich etwas ab.

25€ bezahlt man für 4 Viertelliterfläschchen. Da mag es so manchen gehen wie dem Kunden bei Globus, neben dem ich neulich vor dem Craftbierregal stand, und der fast schon wütend ausrief: „Wer gibt denn soviel Geld für Bier aus?!?“ Interessant, dass sich solche Leute nie in die Weinabteilung stellen und ähnlich perplex ob der Preise sind. Wir sind noch lange nicht so weit, dass Bier einen ähnlichen, fast schon mystischen Stellenwert hat, den man nicht mehr hinterfragt, sondern akzeptiert, dass Qualität ihren Preis hat. Aber wenn die Brauereien so weitermachen, und auch weiterhin so spannende Produkte wie die Camba Oak Aged-Reihe herausbringen, dann sind wir auf einem guten Weg, dass auch die breite Masse im Billigbierland Deutschland sich derartige Fragen nicht mehr stellen wird.

Caroni 100% Trinidad Rum 15 Years Titel

Auto waschen oder Rum trinken? Velier Caroni 100% Trinidad Rum 15 Years

Rum ist ein Getränk für Piraten, wir kümmern uns nicht um die Herstellung, es muss einfach nur schmecken. Es muss Spaß machen. Es ist ein lockeres Getränk für lockere Leute, die sich nicht für die verknöcherten Regeln von Whisky interessieren. Es wird Zeit, dass all die Süßungskritiker endlich kapieren, dass sie uns den Spaß am Rum rauben! Bringt den Spaß zurück!

So und ähnlich hört es sich ab und zu an, was einem entgegenschallt, wenn man als Botschafter für sauberen, ehrlichen Rum unterwegs ist. Desinteresse für die Herstellung, oft etwas arme Ironie und Ad-Hominem-Angriffe sind die Hauptwaffen der Verteidiger der manipulierten Rums – und eben die oben zitierten Spaßbremsen-Vorwürfe. Dieses Argument, wir Verteidiger des Rums würden das ganze zu ernst nehmen, kontere ich mit einem leicht abgewandelten Zitat von Stephen King, das er in seinem Buch On Writing: A Memoir of the Craft für die parat hat, die meinen, eine Sache nur halbherzig und ohne Engagement machen zu können und trotzdem erfolgreich zu sein. Er bezieht sich aufs Schreiben von Romanen; ich ändere das nur in wenigen Wort ab.

But it’s RUM, damn it, not washing the car or putting on eyeliner. If you can take it seriously, we can do business. If you can’t or won’t, it’s time for you to close the bottle and do something else. Wash the car, maybe.

Irgendwie entgeht mir der Sinn der Argumentation, man könne Rum nur genießen, wenn man ihn nicht ernst nimmt. Eine der vielen Sonderregelungen, die es scheinbar für Rum gibt, die sich andere Spirituosengattungen nicht erlauben. Aber letztlich beziehe ich mich in meiner Ernsthaftigkeit auch halt nicht auf dieselben Produkte wie die Zuckerfreunde – sondern auf Dinge wie den Caroni 100% Trinidad Rum 15 Years. Und der verdient es auf jeden Fall, ernst genommen zu werden und nicht nur als Spaßdroge für Happy Shiny People, die gern im Piratenslang reden, betrachtet zu werden.

Caroni 100% Trinidad Rum 15 Years Flasche

Da man durch das dunkle Braunglas der Flasche die Farbe des Rums nicht erkennen kann (lobenswert! Hersteller sollten alle undurchsichtige Flaschen verwenden und sich dann entsprechend auch das dadurch unnötig gewordene Färben der Spirituose sparen, so wie der Abfüller Velier das hier wunderbar vormacht), muss man sich schon ein Gläschen eingießen, um sie beurteilen zu können – Kupfer, mit fast weißen Reflexen. Ungefärbt, um das nochmals zu betonen. Von der Konsistenz her fast schon etwas viskos.

Auch der Geruch kann sich riechen lassen – sehr buttrig-süß, weich und voller Rumester. Einen halben Meter vom Glas entfernt riecht man ihn schon. Banane, Ananas, Minze. Muskatnuss. Plastikkleber.

Wer Rum dann doch nur zum Spaß trinkt, wird vom Antrunk dieses Rums begeistert sein. Superweich und zart im Mund. Süß, Kandiszucker, Shortbread, weiße Schokolade. Ein leichtes, angenehmes Kribbeln, das diesem „Extra Strong“-Rum mit 104 Proof (entsprechend 52% Alkoholgehalt) natürlich zusteht. Dann kommt aber doch der Charakter dieser leider seit einiger Zeit geschlossenen Destille zum Vorschein: Ingwer. Piment. Ein Anflug von Diesel und Teer. Hier steigen die Spaßtrinker meist aus.

Caroni 100% Trinidad Rum 15 Years Glas

Warm im Abgang, auch hier süß und mild. Eine kurze Ingwerflamme entsteht langsam, und verklingt dann aber auch schon, bevor sie den Rachen erreicht; insgesamt ist der Abgang eher kurz. Einige der Ester bleiben am Gaumen, und ein kühlendes Gefühl beim Abklingen der Hitze. Fazit? Ein ganz hervorragender Rum. Supersüß, aber ohne jede Form der Pappigkeit, den viele gesüßte Rums aufweisen.

Dieselbe der Qualität angemessene Ernsthaftigkeit, die ich diesem Rum als Purgetränk entgegenbringe, ist natürlich auch dann angebracht, wenn ich ihn mir in einem Cocktail zu Gemüte führe. Nicht jeder Feld-, Wald- und Wiesencocktail bekommt den Caroni, doch so etwas wie der Foreign Legion ist ein Paradebeispiel dafür, dass man mit hochwertigen Zutaten ein herrlich tiefes, komplexes und, ja, unterhaltsames Gesamtbild erzeugen kann. Wer meint, ab einer bestimmten Kategorie sei Rum nicht mehr als Mixer erlaubt, sollte dies überdenken.

Foreign Legion


Foreign Legion
1½ oz Rum (z.B. Caroni 100% Trinidad Rum 15 Years)
½ oz Aperol
½ oz Dubonnet Rouge
½ oz Fino Sherry (z.B. Sandeman Fino)
1 Teelöffel Crème de Cacao (z.B. Giffard Crème de Cacao Blanc)
1 Spritzer The Bitter Truth Lemon Bitters
Auf Eis rühren.
[Rezept leicht adaptiert nach Greg Sanderson, PDT]


Die Flasche wirkt wuchtig im Regal – die breiten Schultern und der verdickte Hals machen sie fast schon zu einem NFL-Rum. Das hübsch designte Etikett hat dagegen schon fast etwas besinnliches mit nostalgischem Seemanns-Flair.

Wäre da nicht der Preis und die Seltenheit, dann gäbe es keine Existenzberechtigung mehr für die unheilige Dreifaltigkeit des manipulierten Rums, Botucal, Plantation XO und Don Papa. Doch letztere sind letztlich auch nicht billig, sondern bewegen sich schon im Preisrahmen der Hälfte dieses Rums; daher sollte sich jeder Rumfreund fragen – lieber zwei Flaschen manipulierten Pseudorum, oder eine eines hervorragenden, seltenen und in allen Belangen überlegenen Rums? Mir persönlich fällt es nicht schwer, eine Wahl zu treffen. Ich will Rum trinken – Auto waschen sollen andere.

Maison La Mauny Millésime 2005 Cuvée de la Confrérie du Rhum Titel

Kurz und bündig – Maison La Mauny Millésime 2005 Cuvée de la Confrérie du Rhum

Ich gebe zu, ich habe ein kleines Faible für das martinikanische Rumhaus La Mauny, denn bis heute stammt mein Lieblings-Agricole (ungereift) von dort – der La Mauny 50°. Um so erfreuter war ich, dass mir Rumfreund Benoît Bail eine Kostprobe des diesjährigen Confrérie-du-Rhum-Rums (dazu weiter unten mehr) zukommen ließ – den Maison La Mauny Millésime 2005 Cuvée de la Confrérie du Rhum. Ich hoffe, ich kann mich in dieser Kurzverkostung zurückhalten und meine Vorliebe in Zaum halten. Maison La Mauny Millésime 2005 Cuvée de la Confrérie du Rhum Glas Es ist nur eine kleine Probe, die ins Glas kommt, aber sie bezaubert trotzdem direkt alle Sinne. Noch bevor man die herrliche rostrote Farbe mit ihren orangefarbenen Reflexen bewundern kann, springt einem der Geruch mitten ins Gesicht. Eine wahre Wucht – dominant sind direkt von Anfang an Holzreifungsnoten: Eiche, Vanille, Karamell, dazu eine leichte Klebernote. 11 Jahre im Eichenfass zeigen ihre Wirkung eindrucksvoll. Rosinen, Thymian und Lavendel geben dem Rum Körper. Der Antrunk ist zunächst sehr süß (ohne aber zuckrig zu wirken), wirkt zurückhaltend, sparsam und mild, weich und bequem, erinnert mich an Cognac. Aber, oh! Der Abgang! Wer bei diesem Abgang nicht ins Schwärmen gerät, den bedaure ich etwas. Denn eine volle Breitseite an Aromen explodiert nun am Gaumen – da kommt ein kaum beschreibbares Bouquet zum Vorschein, mit Anklängen von Lavendel, Nelken, Zitronenschale, Himbeeren, grüner Pfeffer, Ingwer und eine ordentliche Dosis Eukalyptus. Die enthaltenen 49,7% Alkohol verstecken sich nie – in diesem Rum ist lebendes Feuer, Energie und Kraft. Der Nachhall schließlich ist lang, warm, trocken, mit einem Hauch feuchtem Kies, Gras und grünem Holz, und dabei perfekt rund. Maison La Mauny Millésime 2005 Cuvée de la Confrérie du Rhum Flasche Ja, ich bin nun doch ins Schwelgen geraten, obwohl ich es nicht wollte. Egal, Ehre wem Ehre gebührt – das ist ein Traum von einem Rum. Die Confrérie du Rhum, eine Facebook-Gruppe mit knapp 25000 Rumfreunden hauptsächlich aus dem frankophonen Raum, hat in dieser Zusammenarbeit mit La Mauny zur Feier des vierten Jahrestags des Bestehens der Gruppe einen echten Treffer gelandet. Wenn ich mir irgendwo eine ganze Flasche davon schnappen kann (bei einer Limitierung auf 1000 nummerierte Flaschen wird das nicht so ganz einfach werden), werde ich nicht zweimal nachdenken müssen.