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Dos Maderas 5+5 PX Rum Titel

Fortunatos Zuckerfass – Dos Maderas PX 5+5

Die Diskussion um manipulierte Rums lässt mich nicht ruhen. Wir sind zumindest an einem Punkt angekommen, wo die künstliche Nachsüßung auch im Mainstream der Rumkonsumenten bekannt geworden ist – die Aufklärungsarbeit trägt erste Früchte, wenn es aber auch noch sehr viel zu tun gibt diesbezüglich. Eine spannende Initiative geht aktuell außerdem von der EU-Kommission aus: Sie forderte vor kurzem die Hersteller alkoholischer Getränke dazu auf, ihr Vorschläge für eine Selbstregulierung bezüglich der Angabe von Inhaltsstoffen und Nährwerten zu unterbreiten. Sollte sich da tatsächlich etwas tun und die Hersteller gezwungen werden, wenn nicht schon die Praxis des Manipulierens mit allerlei Zusatzstoffen zu unterlassen, dann doch wenigstens sie offiziell zuzugeben? Ich harre höchst gespannt der Dinge, die da kommen mögen…

Anlass genug, dass ich erneut eine meiner alten Rum-Rezensionen, damals geschrieben bei Amazon, herauskrame und auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfe. Der Dos Maderas PX 5+5 ist ein sehr beliebter Rum, der durchweg gute Bewertungen erhält und aufgrund seines aufwändigen Produktionsprozesses von vielen als beachtenswert betrachtet wird. Ich selbst hatte ihm einst 5 Sterne bei Amazon zuerkannt, als ich jung und naiv war – wie sehe ich ihn heute, wo ich andere Kriterien an Rum anlege als damals?

Dos Maderas 5+5 PX Rum Flasche

Im Rückblick fallen mir natürlich Dinge auf, die ich mit meinem in Rum nun sehr viel erfahreneren Gaumen so nicht mehr schreiben würde.

„Das ist schon ein schönes Henna, das im Glas schimmert, und beim Schwenken schöne kupferfarbene Glanzlichter abgibt. Der erste Geruchseindruck ist sehr rumtypisch: Melasse, dunkle Frucht, Schokolade, und dabei aber keine Alkohol- oder Esterfahne. Das weiß alles schonmal zu gefallen.“

All das ist für mich inzwischen eher Ausdruck von Unkenntnis und mangelnder Reichweite an Vergleichen. An diesem Rum ist eigentlich fast gar nichts „rumtypisch“, es ist sehr wohl eine Alkoholfahne riechbar, das „schöne Henna“ ist durch Nachfärbung entstanden.

„Die ungewöhnliche Herstellungsweise kommt dann beim Geschmack voll zum Tragen. Sehr starke Sherry- und Portweinaromen drängen sich in den Vordergrund. Soweit in den Vordergrund, dass man diesen Rum für einen Oloroso halten könnte, wäre da nicht die gewisse stärkere Alkoholnote – 5 Jahre im Sherryfass hinterlassen halt ihre Spuren. Bitterschokolade, Datteln und Nüsse würde ich als Zusatznoten beschreiben. Ein sehr kräftiger Körper, dicht, dunkel und voluminös: Da hat man was im Mund, ein gutes, rundes, komplettes Mundgefühl. Ich würde ihn nicht unbedingt als extrem süß bezeichnen, für mich fühlt er sich eher trocken-fruchtig an. Der Abgang ist dafür im Vergleich vielleicht etwas kurz, doch die süßen, eichenwürzigen Komponenten verbleiben noch recht lange am Gaumen: Hier erkennt man die Bourbon-Fässer.“

Heute erkenne ich, in einem Nachtest, was ich als „kräftiger Körper, dicht und voluminös“ beschrieb, kaum wieder. Der Dos Maderas PX 5+5 ist eigentlich nur extrem süß, viel zu süß für meinen inzwischen anders ausgerichtetenRumgaumen – das ist nicht mehr natürlich, sondern künstlich und pappig, unangenehm. Dazu kommt ein schwacher Körper und eine deutliche Alkoholfahne. Diese Kombination ist für mich eindeutig – man merkt beim Dos Maderas PX 5+5 wie bei kaum einer zweiten Süßspirituose, dass hier ein junger, scharfer Rum mittlerer Qualität mit Zucker oder anderen Süßern „premiumisiert“ wurde, so dass er nun 26g Zucker pro 700ml-Flasche aufweist, also rund 5 Stück Würfelzucker.

Was ich natürlich nicht sagen will, ist, dass ein geschulter Gaumen automatisch nur die nicht-süßen Ausprägungen von Rum mögen wird – es ist aber sehr wahrscheinlich, denn diese sind in der Regel sehr viel komplexer und spannender, während die süßen Rums allzuoft in der Oberflächlichkeit hängen bleiben.

„Der Dos Maderas PX 5+5 ist ein spannender, ungewöhnlicher Rum. Für Anfänger ist der volle Körper und die ansprechende, aber nicht überwältigende Süße interessant; für den Kenner die wirklich im Geschmack nachvollziehbare zweigeteilte Reifung. Das ist also kein Marketingtrick, sondern raffinierte, kreative Handwerkskunst. Ich will mich aber, nachdem meine Liebe zu Rum einen argen Dämpfer erhalten hat, nachdem ich erfuhr, dass viele Premium-Rums mit nachträglich zugesetztem Zucker und anderen Beigaben erst ihre Süße und Dichte bekommen, diesbezüglich nicht mehr weit aus dem Fenster lehnen und wie früher davon überzeugt sein, dass die Aromenvielfalt dieses Rums völlig natürlich und ausschließlich aus den Zutaten sowie der Fassreifung entstanden sei. Es gibt Hinweise, dass beim Dos Maderas PX 5+5 über 35g/l Zucker als „Geschmacksverstärker“ eingesetzt werden. Wie auch immer der Geschmack zustande kommt, gut gemacht ist es allemal – nur sollte man sich halt keine Illusionen über die „Reinheit“ machen.“

Auch die „raffinierte, kreative Handwerkskunst“ sehe ich natürlich nun in einem anderen Licht: Sehr entgegenkommend für mich als Sherryfreund, aber sehr problematisch für mich als Rumfreund. Wer mehr Details über die Herstellung erfahren will, kann dies bei Cocktailwonk, der den Hersteller besucht hat, nachlesen – auch wenn er das Thema der nicht natürlich entstandenen Süße ausspart, beziehungsweise sogar beschönigt. Man schmeckt den Sherry sehr deutlich heraus, bis zu dem Grad, wo ich mir nicht mehr sicher bin, ob hier wirklich nur Fasseffekte zum Tragen kommen, oder ob der Blender nicht einfach einen guten Schuss Sherry direkt dazugegeben hat (was Cocktailwonk indirekt bestätigt) – da eh schon massiv gesüßt wird, wäre das nur ein kleiner weiterer Schritt. Eventuell kommt der ganze Zucker auch schon direkt aus dem Sherry; dazu lassen findige Hersteller einfach die Sherry-Fässer, die sie für die Reifung benutzen, nicht entleeren. Ein paar Dutzend Liter „Restsherry“ sorgen dann für die beschriebene Geschmacksrichtung.

Aus Barbados und Guyana stammen die verwendeten Destillate, die spanische Bodegas Williams & Humbert kümmert sich um Nachreifung und Abfüllung. Ein internationaler Rum, und das soll sich in dem nun hier vorgeschlagenen Cocktail wiederspiegeln. Die anderen Zutaten passen sich dieser Vielfalt an: Drei Länder, drei Rumstile, im Three-Rum Old Fashioned in einem Glas vereint – kubanischer Ron Arecha und Damoiseau VS aus Guadeloupe unterstützen den milden Multikulti-Rum Dos Maderas PX 5+5 bei seiner Arbeit. Wenn man so will, hat man nun mindestens 7 Länder im Glas, wenn man das finnische Xylit und die deutschen Bitters mitzählt.

Three-Rum Old Fashioned


Three-Rum Old Fashioned
1 oz Dos Maderas PX 5+5
½ oz Rhum Agricole (z.B. Damoiseau VS)
½ oz kubanischer Rum (z.B. Ron Arecha)
1 Teelöffel finnisches Xylit
2 Spritzer Peach Bitters
1 Spritzer Bittermen’s Xocolatl Mole Bitters
Auf Eis rühren.

[Rezeptidee von Mike Treffehn, Rumsorten sind von mir abgewandelt worden]


Wer ihn mal probieren will, ohne sich gleich einen Dreiviertelliter mit entsprechenden Anschaffungskosten ans Bein zu binden: Es gibt ihn auch in knuffiger, ähnlich designter 0,2-Liter-Flasche zu kaufen. Das ist sehr lobenswert vom Hersteller; mehr Produzenten sollten sich für kleine Produktgrößen engagieren.

Für Freunde ungewöhnlicher Rums ist der Dos Maderas PX 5+5 auf jeden Fall einen Blick wert, auch wenn ich derart manipulierte Rums natürlich nicht guten Herzens wirklich weiterempfehlen kann oder will. Solange man aber weiß, dass man hier keinen Rum, sondern eine Spirituose auf Rumbasis, ein Rum-Sherry-Gemisch, vor sich hat, ist es ein interessanter Kandidat fürs Schulen des Gaumens, und ein schönes Anschauungsbeispiel dafür, welche starken geschmacklichen Auswirkungen die Tricksereien der Hersteller haben können.

Kill Devil Nicaragua 17y Single Cask Rum Titel

Kurz und bündig – Kill Devil Nicaragua 17y Single Cask Rum

Verkostet wird hier in diesem Kurzreview, das auf einem 10cl-Sample beruht, der Kill Devil Nicaragua 17y Single Cask Rum. Meine bisherigen Erfahrungen mit Kill Devil waren durchweg positiv – wie schlägt sich der Mittelamerikaner, insbesondere, da ich ansonsten eher mäßige Begeisterung für Rums aus diesem Teil der Welt aufbringen kann?

Die Farbe, ein helles Kupfer mit strohigen Reflexen, ist zunächst unauffällig. Der Rum bewegt sich ölig schwer im Glas. Er ist ungefärbt, daher um so schöner. Der Geruch verbreitet sich schnell nach dem Einschenken. Süße Noten herrschen vor – Karamell, Rosinen, Vanille. Hält man die Nase ins Glas, ist zunächst aber Lack dominierend, und sehr starke Eichenaromen. Viele Nüsse und Tabak kommen durch.

Kill Devil Nicaragua 17y Single Cask Rum

Im Mund explodiert der Kill Devil Nicaragua geradezu – supersüß, dicht und voluminös, sehr kandiszuckrig. Der Rum erzeugt dieses seltene Gefühl von „Krümeligkeit“, als wären knirschende Partikel in der Flüssigkeit, das ich sehr mag. Rosinen und anderes Trockenobst, Nüsse, Honig, und noch mehr Kandiszucker. Die 59,5% Alkoholgehalt verstecken sich aber auch nicht, die wuchtige aber durchaus angenehme Pfefferschärfe, die im Verlauf auftaucht, sorgt dafür, dass keine Langeweile aufkommt, wie es bei Rums aus Mittelamerika gern passiert. Man kann ihn überraschend gut ohne Wasserbeigabe trinken. Der Abgang ist dann würzig, fett und breit, heiß und scharf. Leider auch recht kurz – es bleibt eine andauernde adstringierende Trockenheit zurück, die schön mit der Süße des Antrunks kontrastiert. Der Nachhall ist schließlich weiterhin honigsüß. Und das beste daran: Ganz ohne Zuckerzusatz. Man sieht, es klappt!

Bezüglich Cocktails – ich kann mir diesen Rum sehr gut als Zutat in einem Perfect Rum Manhattan vorstellen.

Der Kill Devil Nicaragua wurde 1999 destilliert, reifte dann 17 Jahre in Europa, und wurde danach nicht kaltfiltriert. Nur knapp über 200 Flaschen wurden abgefüllt, es handelt sich also um einen echten „Single Cask“, der tatsächlich nur aus einem einzigen Fass hergestellt wurde – bei Bourbon und anderen Spirituosen ist es ja durchaus üblich, viele Fässer für eine „Single Barrel“-Abfüllung heranzuziehen. Hier ist der Begriff also noch puristischer und in seiner ursprünglichen Bedeutung zu interpretieren.

Ein wirklich toller Rum, der mir persönlich zeigt, dass Mittelamerika neben vielen Zuckerbomben und problematischen Produktionsbedingungen auch spannende Rums aufzuweisen hat.

Caroni 100% Trinidad Rum 15 Years Titel

Auto waschen oder Rum trinken? Velier Caroni 100% Trinidad Rum 15 Years

Rum ist ein Getränk für Piraten, wir kümmern uns nicht um die Herstellung, es muss einfach nur schmecken. Es muss Spaß machen. Es ist ein lockeres Getränk für lockere Leute, die sich nicht für die verknöcherten Regeln von Whisky interessieren. Es wird Zeit, dass all die Süßungskritiker endlich kapieren, dass sie uns den Spaß am Rum rauben! Bringt den Spaß zurück!

So und ähnlich hört es sich ab und zu an, was einem entgegenschallt, wenn man als Botschafter für sauberen, ehrlichen Rum unterwegs ist. Desinteresse für die Herstellung, oft etwas arme Ironie und Ad-Hominem-Angriffe sind die Hauptwaffen der Verteidiger der manipulierten Rums – und eben die oben zitierten Spaßbremsen-Vorwürfe. Dieses Argument, wir Verteidiger des Rums würden das ganze zu ernst nehmen, kontere ich mit einem leicht abgewandelten Zitat von Stephen King, das er in seinem Buch On Writing: A Memoir of the Craft für die parat hat, die meinen, eine Sache nur halbherzig und ohne Engagement machen zu können und trotzdem erfolgreich zu sein. Er bezieht sich aufs Schreiben von Romanen; ich ändere das nur in wenigen Wort ab.

But it’s RUM, damn it, not washing the car or putting on eyeliner. If you can take it seriously, we can do business. If you can’t or won’t, it’s time for you to close the bottle and do something else. Wash the car, maybe.

Irgendwie entgeht mir der Sinn der Argumentation, man könne Rum nur genießen, wenn man ihn nicht ernst nimmt. Eine der vielen Sonderregelungen, die es scheinbar für Rum gibt, die sich andere Spirituosengattungen nicht erlauben. Aber letztlich beziehe ich mich in meiner Ernsthaftigkeit auch halt nicht auf dieselben Produkte wie die Zuckerfreunde – sondern auf Dinge wie den Caroni 100% Trinidad Rum 15 Years. Und der verdient es auf jeden Fall, ernst genommen zu werden und nicht nur als Spaßdroge für Happy Shiny People, die gern im Piratenslang reden, betrachtet zu werden.

Caroni 100% Trinidad Rum 15 Years Flasche

Da man durch das dunkle Braunglas der Flasche die Farbe des Rums nicht erkennen kann (lobenswert! Hersteller sollten alle undurchsichtige Flaschen verwenden und sich dann entsprechend auch das dadurch unnötig gewordene Färben der Spirituose sparen, so wie der Abfüller Velier das hier wunderbar vormacht), muss man sich schon ein Gläschen eingießen, um sie beurteilen zu können – Kupfer, mit fast weißen Reflexen. Ungefärbt, um das nochmals zu betonen. Von der Konsistenz her fast schon etwas viskos.

Auch der Geruch kann sich riechen lassen – sehr buttrig-süß, weich und voller Rumester. Einen halben Meter vom Glas entfernt riecht man ihn schon. Banane, Ananas, Minze. Muskatnuss. Plastikkleber.

Wer Rum dann doch nur zum Spaß trinkt, wird vom Antrunk dieses Rums begeistert sein. Superweich und zart im Mund. Süß, Kandiszucker, Shortbread, weiße Schokolade. Ein leichtes, angenehmes Kribbeln, das diesem „Extra Strong“-Rum mit 104 Proof (entsprechend 52% Alkoholgehalt) natürlich zusteht. Dann kommt aber doch der Charakter dieser leider seit einiger Zeit geschlossenen Destille zum Vorschein: Ingwer. Piment. Ein Anflug von Diesel und Teer. Hier steigen die Spaßtrinker meist aus.

Caroni 100% Trinidad Rum 15 Years Glas

Warm im Abgang, auch hier süß und mild. Eine kurze Ingwerflamme entsteht langsam, und verklingt dann aber auch schon, bevor sie den Rachen erreicht; insgesamt ist der Abgang eher kurz. Einige der Ester bleiben am Gaumen, und ein kühlendes Gefühl beim Abklingen der Hitze. Fazit? Ein ganz hervorragender Rum. Supersüß, aber ohne jede Form der Pappigkeit, den viele gesüßte Rums aufweisen.

Dieselbe der Qualität angemessene Ernsthaftigkeit, die ich diesem Rum als Purgetränk entgegenbringe, ist natürlich auch dann angebracht, wenn ich ihn mir in einem Cocktail zu Gemüte führe. Nicht jeder Feld-, Wald- und Wiesencocktail bekommt den Caroni, doch so etwas wie der Foreign Legion ist ein Paradebeispiel dafür, dass man mit hochwertigen Zutaten ein herrlich tiefes, komplexes und, ja, unterhaltsames Gesamtbild erzeugen kann. Wer meint, ab einer bestimmten Kategorie sei Rum nicht mehr als Mixer erlaubt, sollte dies überdenken.

Foreign Legion


Foreign Legion
1½ oz Rum (z.B. Caroni 100% Trinidad Rum 15 Years)
½ oz Aperol
½ oz Dubonnet Rouge
½ oz Fino Sherry (z.B. Sandeman Fino)
1 Teelöffel Crème de Cacao (z.B. Giffard Crème de Cacao Blanc)
1 Spritzer The Bitter Truth Lemon Bitters
Auf Eis rühren.
[Rezept leicht adaptiert nach Greg Sanderson, PDT]


Die Flasche wirkt wuchtig im Regal – die breiten Schultern und der verdickte Hals machen sie fast schon zu einem NFL-Rum. Das hübsch designte Etikett hat dagegen schon fast etwas besinnliches mit nostalgischem Seemanns-Flair.

Wäre da nicht der Preis und die Seltenheit, dann gäbe es keine Existenzberechtigung mehr für die unheilige Dreifaltigkeit des manipulierten Rums, Botucal, Plantation XO und Don Papa. Doch letztere sind letztlich auch nicht billig, sondern bewegen sich schon im Preisrahmen der Hälfte dieses Rums; daher sollte sich jeder Rumfreund fragen – lieber zwei Flaschen manipulierten Pseudorum, oder eine eines hervorragenden, seltenen und in allen Belangen überlegenen Rums? Mir persönlich fällt es nicht schwer, eine Wahl zu treffen. Ich will Rum trinken – Auto waschen sollen andere.

Rhum J.M. Très Vieux Rhum Agricole X.O. Titel

Säulen der Rumgesellschaft – Rhum J.M. Très Vieux Rhum Agricole X.O.

Wer sich für die Herstellung von Spirituosen interessiert, und nicht nur, ob es einem schmeckt, der stößt auf viele Variablen, die in so einem Produktionsprozess relevant sind. Vielleicht eine der wichtigsten, weil stark charaktermitbestimmend, ist die Wahl des Destillationsapparats. Viele Rumfreunde geben der klassischen Pot Still, die zum Beispiel für Scotch sogar vorgeschrieben ist, und bei vielen traditionell und handwerklich produzierten Spirituosen absichtlich eingesetzt wird, den Vorzug vor einer Säulendestillation. Grundsätzlich muss man allerdings bei letzterem oft etwas genauer hinschauen, denn es gibt zwei Hauptformen dieser Säulen: Einerseits die moderne kontinuierliche Multi Column Still, die hauptsächlich für die Erzeugung ultrareiner Spirituosen, wie Vodka oder Neutralalkohol genutzt wird, und darüber hinaus für viele Massenbereich-Schnäpse der Großhersteller; und andererseits die traditionelle Kolonne, von der eine Variante zum Beispiel in Martinique als „colonne créole“ bekannt und als Produktionsmittel laut AOC für den lokalen Rhum agricole vorgeschrieben ist.

Appareil continu - Modele Barbet (Rhum, eaux de vie de canne D Kervegant - 1946)

Bild verwendet mit freundlicher Genehmigung von http://www.rhum-agricole.net

Kupfer statt Edelstahl, eine statt fünf Säulen. Man merkt schon, dass es hier nicht darum geht, möglichst schnell möglichst Hochprozentiges durch die Anlage zu schleusen. In zwei solchen traditionellen Kupferkolonnenanlagen wird der Rhum J.M. Très Vieux Rhum Agricole X.O. an seinem Produktionsort in Macouba (Martinique) aus hauseigenem Zuckerrohr destilliert und dann 6 Jahre (die Abkürzung X.O. steht entsprechend natürlich für „extra old“ – rhum agricole bedient sich da der Cognac-Altersklassifikationen) in Ex-Bourbon-Fässern gereift, die für diesen Zweck erneut ausgebrannt wurden.

Rhum J.M. Très Vieux Rhum Agricole X.O. Flasche

Farben sind bei Spirituosen in den meisten Fällen dank der Erlaubnis, E150 einzusetzen, Schall und Rauch und man sollte sich von ihr nicht beeinflussen lassen. Bei diesem Rum fällt es einem aber schwer – dunkel, kräftig, tiefer Kupfer, sehr attraktiv. Er bleibt seiner Herkunft als Zuckerrohrsaftrum verbunden und wird nur leicht ölig.

Mildfruchtig, vanillig und mit Anklängen nach Toffee und dunklem Kakao – das steigt einem beim Schnuppern in die Nase. Rosinen und Datteln im Hintergrund kommen dazu. Und viel, viel Holz – für den einen oder anderen mag das schon zu wuchtig und holzig sein, mir gefällt es aber sehr.

Im Geschmack verliert sich diese extreme Holzigkeit dann aber etwas – der Haupteindruck ist süß und sehr rund, besonders weich im Antrunk. Tropfenfrucht und die agricole-typische Grasigkeit verbinden sich aufs edelste. Der Rhum J.M. X.O. ist sehr körpervoll und dicht, mit Anklängen nach Honig und Muscovadozucker, und weist ein spannendes süß-sauer-Verhältnis auf. Komplex und interessant, ein Rum zum explorieren und erforschen, da die Aromen nicht offensichtlich sind wie bei vielen anderen Spirituosen.

Rhum J.M. Très Vieux Rhum Agricole X.O. Glas

Der Abgang wird dann ultra-trocken, mit nun doch sehr viel Holz, dabei dann mehr als nur ein Anflug von Pfefferschärfe. Gewürze blitzen kurz auf, ohne dabei das vorherige Bild eines süßen, aber beeindruckenden Rums zu berühren. Der Nachhall ist lang und sehr warm.

Schon von Beginn an setzten die Erfinder der Tiki-Bewegung rhum agricole in ihren Cocktailkreationen ein, meist als eine Rumsorte unter mehreren in einem wilden, tiefen Gemisch. Für den Rhum J.M. X.O. habe ich auch einen Tiki-Cocktail ausgewählt, dem ein Rhum von den französischen Antillen verdammt gut steht: der Pago Pago. Ananas und Rum gehen ja immer gut zusammen, wenn dann noch die brutale Kräutergewalt des grünen Chartreuse dazukommt, brechen bei mir alle Dämme: davon trinke ich immer mindestens zwei. Daher beim Mixen am besten direkt von Anfang an die angegebenen Dosen verdoppeln!

Pago Pago


Pago Pago
2 Ecken Ananas im Shaker muddeln.
1½ oz Rhum J.M. Très Vieux Rhum Agricole X.O.
½ oz Chartreuse Verte
½ oz Crème de Cacao hell (z.B. Giffard)
½ oz Limettensaft
½ oz kühles Wasser
Auf Eis shaken, nur grob strainen.
[Rezept adaptiert nach Jeff Berry]


Kurz noch ein Exkurs bezüglich des Namens – viele Martinique-Rhums benennen sich nach den alten Familiennamen der Gründer der Destille. Rhum J.M. ist da keine Ausnahme, hier wurde allerdings auf die Initialen des Gründers, Jean-Marie Martin, zurückgegriffen, der 1790 als Dorfpfarrer die Destillerie anlegte: Erneut ein Beispiel dafür, dass die religiösen Stände Talent für (und Affinität zu) Alkohol haben.

Geliefert wird der Rhum J.M. X.O. in einem Karton, der mit kleinen Details über den Herstellungsprozess und das Umfeld von Rhum J.M. bedruckt ist; ansonsten hält sich die Präsentation sehr zurück und protzt lieber über den Inhalt der Flasche als mit dem Äußeren.

Dieser Rhum ist das genaue Gegenteil dessen, was auch heute noch die Masse an verkauftem Rum repräsentiert, der süß und möglichst belanglos ist, um allen zu gefallen. Der Rhum J.M. X.O. hat sehr viel Charakter und Wiedererkennungswert und stört sich nicht daran, ob Süßrumfans einen Hustenanfall bekommen könnten, weil sie soviel Kraft nicht gewohnt sind. Wer aber wirklich guten, hochwertigen und unmanipulierten Rum, der sich nicht anbiedert, schätzt, wird sich hier direkt wie zu Hause fühlen – da können sich so einige Pot-Still-Rums eine große Scheibe abschneiden.

Offenlegung: Ich danke spirituosen-superbillig.com für die kostenlose Zurverfügungstellung einer Flasche des Rhum J.M. Très Vieux Rhum Agricole X.O.

Revolte Overproof Rum Titel

Darfs auch ein bisschen stärker sein? Revolte Overproof Rum

Der Alkoholgehalt einer Spirituose – ein oft missverstandenes Faktum. Redet man mit Schnapslaien über Hochprozentiges, stösst man oft auf Sätze wie „40%? So starkes Zeug mag ich nicht, das verbrennt einem ja den Mund“. Redet man dagegen mit Profis, geht es mehr in die Richtung von „40%? Ne, so wässriges Zeug mag ich nicht, das schmeckt ja nach nichts“.  Aktuell beliebt bei Verkostungsprofis sind Werte um die 46%, wenn man nicht eh schon in Richtung Cask-/Barrel-Strength geht und damit schnell in die mittleren Fünfziger oder höher vorstößt.

Die magische 40%-Grenze ist für viele Spirituosen darüberhinaus der Trenner zwischen Massenprodukt, das sich aufgrund der Branntweinsteuer gern an den unteren erlaubten Grenzwerten orientiert (jedes Prozent Alkohol kostet extra!), und hochwertigem Qualitätsprodukt, das sich aus Geschmacksgründen lieber ein paar Grad mehr gönnt. Wer es nicht glaubt, sollte es probieren: Da Alkohol Geschmacksträger ist, empfehle ich ganz klar zu den höherprozentigen Versionen zu greifen, wenn erhältlich. Die dabei vielleicht hinderliche Angst vor der großen Zahl ist unbegründet, denn bei guten Spirituosen zwicken auch 50% kaum, und ich kenne viele Produkte, die mit 55% milder wirken als die meisten Fusel von der Tanke mit 37,5%.

Natürlich kann man das ganze noch steigern. Mit dem Revolte Overproof kann man im Freundeskreis bestimmt das eine oder andere verdutzte Gesicht ernten, wenn die Stärke von 60% bekannt gegeben wird. Overproof-Rums sind eine gesonderte Kategorie in der Rumwelt – dabei ist eben der Alkoholgehalt das einzig definierende Kriterium für diese Kategorie (und vielleicht noch dass der Großteil dieser Rums dabei ungereift ist). Viele dieser überstarken Rums erleiden das Schicksal, automatisch gleichzeitig in die Kategorie der „Mixer“ eingeordnet zu werden; eben um sich diesem Automatismus zu entziehen verkosten wir nun den Revolte Overproof pur.

Revolte Overproof Rum Flasche

An der Farbe, die sich dank der dunklen halbtransparenten Flasche erst beim Eingießen zeigt, gibt es bei weißem Rum natürlich nicht arg viel zu diskutieren. Ölig liegt der Revolte Overproof im Glas. Lange, schmale Beine laufen am Glasrand ab. Der Geruch ist wuchtig und stark esterig, verströmt sich schnell schon nach dem Öffnen der Flasche. Banane, Ananas, Papaya. Dabei aber keine stechende Ethanolnote, trotz der 60% Alkohol.  Attraktiv, aber sehr süß, und ein leichter Zersetzungsgeruch wie stark überreifes Obst: im positiven Sinne ist das zu verstehen, natürlich.

Beurteilen wir den Geschmack zunächst pur, wie der Rum aus der Flasche kommt, ohne Wasser. Die optisch wahrgenommene Öligkeit überträgt sich in den Mund; ebenso die olfaktorisch wahrgenommene Fruchtigkeit. Wie schon beim normalstarken Revolte Rum ist auch hier eine deutlichst erkennbare Nähe zum Obstbrand spürbar. Erneut schmecke ich persönlich Birne und Pflaume. Würziger Kandiszucker. Wer Angst vor der potenziellen Gewalt hat, die ein Overproof-Rum mit seiner Alkoholstärke mit sich bringen könnte, der sei entwarnt: „Der Alkohol ist gut eingebunden“, wie ein Bekannter von mir dazu sagen würde; man spürt nur eine durchdringende Wärme, wenn der Rum die Kehle runterrinnt. Da ist kein Stechen, kein Brennen, kein Kratzen, sondern nur wohlige Wärme.

Der Abgang ist mittellang, leider etwas flach und vergleichsweise oberflächlich, Obstaromen hängen dafür noch eine Weile länger im Mundraum. Die Süße bleibt erhalten, wandelt sich mit der Zeit in einen milden Eisenton. Ein leicht enttäuschendes Ende für einen sonst tollen, aromatischen Rum. Man merkt halt schließlich doch, dass etwas an der Reife fehlt, die eine Holzreifung mit sich bringen würde. Die einjährige Reifung in Steingut- und Edelstahlfässern ist einfach limitiert in ihrer Leistungsfähigkeit.

Revolte Overproof Glas

Bei meinem folgenden Cocktailrezept, Rum & Cola, mag der eine oder andere erstmal verächtlich aufschnauben, wenn er den Namen hört. Doch wenn man hinschaut, handelt es sich um eine Luxusvariante des beliebten Longdrinks – dabei nicht so süß, sondern eher würzig-bitter. Den Cola-Sirup kann man entweder selbst herstellen, wenn man derart veranlagt ist, oder, wie ich, faul sein und ihn stattdessen im inzwischen riesigen Selbstsprudler-Aromatisierungs-Regal des nächsten Supermarkts erwerben. Der erhöhte Arbeitsaufwand wird aber schon durch den ersten Schluck entschädigt. Der Revolte Overproof gibt den nötigen Bums, und auch die tollen Würz- und Fruchtaromen, die diesen Cocktail trotz des banalen Namens zu einer echten Alternative für Genießer machen.

Rum & Cola


Rum & Cola
1 oz Revolte Overproof
4 oz Sekt (z.B. Fürst von Metternich Riesling Sekt)
1 Teelöffel Branca Menta
¾ oz Cola-Sirup
1 Spritzer Bittermens Xocolatl Mole Bitters
Auf Eis im Glas bauen und leicht umrühren.

[Rezept adaptiert nach Blacktail at Pier A]


Wie schon beim kleinen Bruder dieses Rums, dem Revolte Rum, wird auch hier in Batches produziert. Konnte ein Batch (also eine Produktionscharge) des normalalkoholgehaltigen Rums noch 500 Flaschen hervorbringen, sind es beim Overproof nur noch 333. Die Auszeichnungsmethode wird aber weiterhin beibehalten – handschriftlich ist bei meiner Flasche die Batchnummer „1“ und die Flaschennummer „175“ eingetragen.

Revolte Overproof Rum Detail

Später will ich noch ein paar Tropfen Wasser mit einer Pipette dazu geben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei Rum ein sehr hoher Alkoholgehalt nicht notwendigerweise den Zwang zu Wasser mit sich bringt, wie bei mir persönlich das bei Scotch oder Bourbon der Fall ist; dennoch ist es spanned, die Effekte dieser Verdünnung zu prüfen. Insbesondere bin ich daran interessiert, wie weit sich bei Wasserzugabe die Aromatik des Overproof der des normalen Revolte annähert. Also, schnell ein Vergleichsglas des Revolte Rum (Batch 12), und dazu ein Glas Revolte Overproof, verdünnt 2:1 mit Wasser um auf ungefähre 40% zu kommen, bereitgestellt.

Geruchlich unterscheiden sich die beiden Proben nur in kleinen Details. Der Overproof wirkt minimal kräftiger, körpervoller, weniger mineralisch. Im Geschmack ist der Unterschied deutlicher – hier kommt der würzige Körper des Overproof erkennbar zum Vorschein gegen den kleinen Bruder. Im Abgang ist dann die Sache klar: Der verdünnte Overproof ist sehr viel trockener, würziger, dunkler als der normalstarke Revolte, der in diesem letzten Bereich keine Chance gegen den Overproof hat und fast schon wässrig wirkt im direkten Vergleich – hochinteressant, dass der Abgang beim Overproof mit Wasser wirkungsvoller und unterhaltsamer ist als ohne. Man muss bei derartigen Verkostungen, die nicht blind erfolgen, sehr vorsichtig sein, denn der Wunsch ist dort oft Vater des Gedankens, aber hier bin ich mir vergleichsweise sicher.

Revolte Rum und Overproof

Mein Fazit? Die deutsche Rum-Revolution geht weiter, allerdings lässt das Tempo etwas nach. Ist auch kein echtes Wunder, denn der Revolte Rum war schon etwas wirklich besonderes, neues und überraschendes in der deutschen Spirituosenwelt – da musste es schwer fallen, das noch zu toppen. Der Revolte Overproof ist ein Gewinn für jede Bar, die den normalstarken Revolte Rum noch nicht im Angebot hat – beide braucht es meines Erachtens aber nicht, denn, wie der Vergleichstest mit Verdünnung zeigt, lässt sich ein wuchtigerer normalstarker Revolte auch durch Wasserzugabe aus dem Overproof erzeugen. Ich freue mich weiterhin aber sehr auf den angekündigten, 3 Jahre gereiften Revolte – und auf alles weitere, was die rheinhessische Schnapsschmiede in Zukunft noch für uns in petto hat.

Offenlegung: Ich bedanke mich bei 4finespirits für die kostenlose Zusendung einer Flasche des Revolte Overproof.

Revolte Rum Titel

Obstmezcal aus Rheinland-Pfalz – Revolte Rum

Es gibt Geschäfte, die sind personengetrieben, obwohl es eigentlich gar nicht nötig oder üblich in der Branche ist. Apple war schon immer Steve Jobs, Virgin ist in egal welcher Schattierung des Konzerns nichts ohne Richard Branson, und der FC Bayern München fühlt sich ohne seinen alten Präsidenten so missmutig, dass man ihn, kaum aus dem Knast,  sofort wieder per Akklamation ins Amt hievt. Die tatsächliche operative Arbeit dieser Menschen ist leicht zu delegieren oder weiterzugeben. Was ganz und gar nicht übertragbar ist, ist deren Aura und Persönlichkeit, die am Ende den oft gar nicht so kleinen Unterschied zwischen gutem Erfolg und Weltspitze ausmacht.

Bei Spirituosen denkt man auch zunächst direkt, dass es doch nur darauf ankommt, wie der Brand schmeckt, der aus der Destille läuft – da geht es um gute Basismaterialien, um gute Ausstattung, um vernünftiges Handwerk. Was soll da die Persönlichkeit des Brenners noch groß mit reinspielen? Meiner Meinung eine ganze Menge – es wandert ein Stück des Brenners mit in sein Produkt, wenn die Firma entsprechend aufgebaut ist. Jede Entscheidung, die auf dem langen Weg vom zarten Zuckerrohrpflänzchen bis der Korken auf der Flasche sitzt getroffen wird, entstammt der Persönlichkeit des Master Distillers. Was wir trinken, ist nicht ein schnöde zusammengebrautes Rezept, sondern die flüssige Essenz der Vision eines Menschen.

Selten ist so ein Brenner allerdings bereit, öffentlich Details über seinen Produktionsprozess zu erzählen – das Geheimnisvolle trägt schließlich oft mit zu der Aura bei. Felix Georg Kaltenthaler dagegen plaudert in einem Interview mit der Hamburger Bargröße Jörg Meyer dermaßen offen aus dem Nähkästchen und berichtet allerlei spannende, witzige und erstaunliche Details, dass es eine wahre Freude ist, den beiden zu lauschen. Wen also die Herstellung und Geschichte von Revolte Rum interessiert, sollte sich dringend dieses launige Interview anhören.

 

Ja, der Brenner wirkt sympathisch, keine Frage. Doch wollen wir uns als vollkommen neutrale, objektive und höchstkritische Schnapsblogger (gibt es sowas wirklich?) nicht von derartiger Sozialkompetenz blenden lassen, nein, wir wollen die Brennkompetenz prüfen, und ob der Inhalt der für Rumverhältnisse zumindest schonmal ungewöhnlich gestalteten Flasche, die mit teilvereister Oberfläche, strengem Etikett und so ganz ohne die in dieser Branche sonst üblichen Allüren wie Piraten, Plantagen oder Pseudokaribikflair eine ganz eigene Stimmung ausstrahlt, auch genauso unterhaltsam rüberkommt.  Schauen wir uns also mal den Revolte Rum im Glas an!

Revolte Rum Flasche

Man ahnt es schon durch die dunkle, leicht graue Flasche – die Farbe ist klar, ohne Anflug von Tönung. Kaum ist der interessante Vollkorkenstöpsel aus der Flasche, bewegt sich der Revolte Rum im Glas leicht viskos, mit vielen Beinen. Der Geruch steigt dann dann nach diesem langsamen Start voll in die Eisen: Teer, Erdbeeren und Kirsche. Tolle Kombination, man sollte es kaum glauben, ist aber wahr. Rauchig und auch leicht speckig, nach Schwarzwälder Schinken. Insgesamt aber weich; erinnert mich etwas an Mezcal.

Auch im Mund erleben wir eine kleine Rumrevolution. Sehr süß, weich und zart, cremiges Mundgefühl, und, und das ist der Knüller, mit deutlichem Obstlercharakter – ein buntes Potpourri verschiedener gebrannter Früchte, Aprikose, Pfirsich, Kirsch, Birne. Den leichten Ethanoltouch können wir, da trotz 41,5% sonst kein Brennen auffällt, gern akzeptieren. Leicht buttriger Ansatz. Im Abgang quietscht er nochmal durch die Kurve – der Abgang ist sehr kurz, mildpfeffrig, mit einem Anflug von Lakritz und Butter, die Zunge bleibt noch etwas betäubt. Im Nachklang entsteht ein angenehmer, warmer Alkoholhauch mit etwas rauchigem Hall.

Ein sauberer, klarer Rum, mit einem Twist: Mir gefällt diese geschmackliche Anlehnung an Obstbrand sehr. Viele weiße Rums, die ich kenne, explodieren entweder vor starken Aromen (rhum agricole und jamaikanischer Overproof), oder orientieren sich fast schon an Vodka in ihrer Neutralität und leben nur vom Mundgefühl (Brugal Titanium). Hier ist ein schöner Mittelweg gefunden worden, mit feinen Aromen, ohne dabei überwältigend zu werden – man spürt das Handwerk, das in ihn geflossen ist. Sehr gut pur zu trinken.

Revolte Rum Batches

Die strenge, kühle Aufmachung der Halbliterflasche hatte ich ja bereits oben angesprochen; ein interessantes kleines Detail fällt einem erst auf, wenn man die Flasche zur Seite dreht. Dort ist die Batch-Nummer (also die Nummer der Produktionscharge) handschriftlich eingetragen, und dazu die Flaschennummer. Meine Flaschen sind also die 416. von den 500, die im ersten Produktionsdurchlauf abgefüllt wurden, und die 170. aus dem 12. Durchlauf. Wir erfahren daraus die Batchgröße (250 Liter, vielen großen Hersteller, die sich gern auf „small batch“ berufen, wäre das wahrscheinlich nicht mal das Anfahren der Abfüllanlage wert), und dass sich hier noch jemand wirklich die Mühe macht, jede Flasche einzeln anzufassen um sie zu nummerieren.

Schmecken die Batches unterschiedlich? Da zwischen diesen meinen Abfüllungen rund ein Jahr lag, und sich der Brenner in dieser Zeit ja auch weiterentwickelt hat (erinnert man sich noch an die Einleitung?), sollte man mit Geschmacksunterschieden rechnen. Ein Selbstversuch ergab: Im Vergleich zu Batch 1 ist bei Batch 12 dieser geruchliche Anklang an rauchig-teerigen Mezcal fast komplett weg, statt dessen ist der Obstbrandcharakter extrem verstärkt. Auch geschmacklich könnte man Batch 12 fast für einen Birnenbrand halten, hier ist die Butter verschwunden und durch eine reinere Klarheit ersetzt worden. Tatsächlich wirkt Batch 12 etwas erwachsener und reifer, aber dafür etwas weniger funky und frech. Man erkennt noch die grundsätzliche Verwandschaft der beiden Abfüllungen; im Blindtest, da bin ich sicher, würden viele selbst diese nicht mehr anerkennen. Grundsätzlich ist das, das muss man klar sagen, eigentlich eine tolle Sache, so ein lebendiges Produkt – wir als echte Craft-Spirit-Interessierte können damit gut leben, dass die Sensorik sich von Abfüllung zu Abfüllung durchaus ändert. Wer immer genau dasselbe will, muss sich halt an mindestens halbindustrialisierte Hersteller wenden.

„Vodka cocktails will never teach you anything“, diese von mir bereits vielzitierte Meinung Ted Haighs teile ich voll. Auch wenn es inzwischen eine Fahrt aufnehmende Bewegung gibt, Vodka weg vom neutralen Effekttrinkerstoff hin zu einer höherwertigen Spirituose zu bringen, meide ich die Verwendung von Vodka in Cocktails aktuell noch, solange ich nicht wirklich eines besseren belehrt werde. Wenn es dann doch mal ein reizendes Rezept gibt, ersetze ich darin gern den Vodka durch einen aromatisch interessanteren Brand, und der Revolte Rum ist nahezu ideal dafür. Der Beweis ist der Basil Watermelon Cooler, der durch die zusätzliche Obstaromatik des Revolte Rums deutlich an Tiefe und Komplexität gewinnt im Vergleich zur Vodkavariante.

Basil Watermelon Cooler


Basil Watermelon Cooler
3 große Blätter Basilikum
1 Stück geschälter Ingwer
1 Stück Wassermelone
½ oz Zuckersirup
…diese Zutaten muddeln, dann…
2 oz weißer Rum (z.B. Revolte Rum)
½ oz Limettensaft
…dazugeben und shaken und schließlich toppen mit…
Ginger Ale
[Originalrezept nach Nick Mautone, der allerdings Vodka benutzt]


So ein milder, aromatisch feiner Rum ist aber dann doch nicht unbedingt für alle Zwecke geeignet. Aus der Kaltenthaler-Schnapsschmiede folgt entsprechend aktuell eine Abhilfe für all die, die gern etwas mehr Wucht im Drink hätten – der Revolte Overproof. Eine Flasche steht schon im Regal bei mir bereit, eine Besprechung dieses Revolutionsgenossen folgt auf diesem Kanal in naher Zukunft. Wenn wir schon bei Varianten sind, muss ich einen vorweihnachtlichen Wunsch an den Brenner äußern – gern würde ich diesen Rum auch mal fassgereift erleben, ich könnte mir vorstellen, dass dabei recht Spannendes herauskäme, wenn er ein paar Jahre in einem Holzfass statt den aktuellen 6 Monaten in einem Steingutkrug liegen dürfte (der Rum, nicht der Brenner).

Today, the flag for European rum is flown by Ron Montero, based in Motril, Andalucía.

Der Spirituosenautor Dave Broom schrieb das in seinem Buch Rum: The Manual. In einer eventuellen Neuauflage seines Buchs sollte Broom das ändern. Denn rein von der Spannung her weht die europäische Rumfahne heute eigentlich über Westhofen, Rheinland-Pfalz.

Foursquare Port Cask Finish Barbados Rum Titel

Die Wahrheit hinter der Legende – Foursquare Port Cask Finish Barbados Rum

Bei den meisten Spirituosen muss man vorsichtig sein mit dem, was in Werbetexten und Etiketten steht. Die Hersteller überbieten sich in meist erfundenen Entstehungsgeschichten, die malerischer und dramatischer als die Genesis sind; lokale Zeitzeugen auf der ganzen Welt sind notorisch schwätzerisch und erfinden auch gern mal eine kleine Anekdote, um den Heimgebrannten im Urlaub an den Mann zu bringen. Selbst Papier ist geduldig, und Cocktailbücher oder Artikel können sich nur mit Mühe zurückhalten, dem Leser einen spannende Reißer zu jedem obskuren Schnäpschen zu liefern – es kostet viel Zeit, Mühe und Ressourcen, um wirklich hinter all diese Augenwäscherei blicken zu können. Gerade bei Rum ist die Legendenbildung äußerst beliebt – und für Etiketten und Werbetexte gilt das alte (für meine Zwecke leicht abgewandelte) John-Ford-Filmzitat: „This is rum, sir.  When the legend becomes fact, print the legend.

Beispiel gefällig? Captain Morgan Rum ist ein in superindustriellem Maßstab und mit modernster Technik hergestellter Rum. Bei der Menge von über 50 Millionen Litern, die davon jährlich vom Diageo-Konzern unter die Leute gebracht wird, ist kein Platz für irgendwelche nostalgischen Anflüge bei der Herstellung und dem Vertrieb. Dennoch gefällt es Diageo, diesen Rum, der so überhaupt nichts mehr mit alten Zeiten und Tradition zu tun hat außer dem Namen, mit diesen schwärmerischen Worten zu bewerben:

„Die Geschichte von Captain Morgan reicht zurück bis in das Jahr 1680, als der ehemalige Pirat Sir Henry Morgan sich auf Jamaika niederließ und dort auf seiner Zuckerrohrplantage Rum kreierte, der bis heute nach unverändertem Originalrezept hergestellt wird.“

Jaja, ist klar. Piraten, 17.Jahrhundert, Jamaica, unverändertes Rezept. Ich bezweifle, dass die Partykonsumenten, die hauptsächlich heutzutage Captain-Morgan-Rum trinken, den fuseligen Tafia wirklich genossen hätten, den Henry Morgan seiner Mannschaft als Belohnung für die Plünderung Panamas wahrscheinlich ausgeschenkt hat, hergestellt damals ganz ohne Säulen-Hochdestillation, Kältefiltration, Zucker- und Aromenzusatz (und auch ohne Interesse, die Kundschaft vor Blindheit und Demenz zu schützen).

Kommen wir zu einem Rum, der all das nicht nötig hat. Man sieht schon am Etikett, das ganz ohne nostalgische Bebilderung, Legendenauszug und täuscherische Pseudofakten auskommt, dass der Foursquare Port Cask Finish Barbados Rum von einem ganz anderen Kaliber ist. Aber ist der Inhalt wirklich besser, wenn das Äußere schlichter ist?

Foursquare Port Cask Finish Barbados Rum Flasche

Die Farbe ist schonmal kräftig und glänzend, und stammt leider aber nur zum Teil aus dem Ex-Port-Fass, in dem der Rum für 6 Jahre nachziehen konnte, zusätzlich zu den ersten 3 Jahren, die er in Ex-Bourbon-Fässern verbrachte. Ein „Finish“ mit ⅔ der Gesamtreifedauer? Ungewohnt, aber gut gemacht! Da hätte man auf die Zuckerkulör zum Färben noch verzichten können.

Auch die Nase darf sich freuen – Karamell und Vanille, wie man sie von einer Bourbonfassreifung erwarten kann. Aber dann kommt schnell ein feiner Kokosnussduft in den Vordergrund, gottseidank nicht so ordinär wie beim Plantation 20th Anniversary, dazu Piment. Lavendel. Sahnepudding, nur eine Andeutung von Lösungsmitteln. Mir läuft das Wasser im Munde zusammen.

Die Zunge fühlt sich gestreichelt beim ersten Schluck. Der Port Cask Finish fühlt sich sehr weich und rund, buttrig-cremig und unglaublich voluminös an. Süßlich ist er, ohne sich anzubiedern, wie das die nachgesüßten Rums oft tun, mit tatsächlich einem Touch von Tawny-Portwein, dann auch schokoladig und karamellig. Mit Verlaufdauer im Mund wird der Rum später würzig, weißpfeffrig, und weist eine angenehme Schärfe auf: aromatisch-scharf, nicht alkoholisch-scharf. Ein respektabel langanhaltender, kräftiger und eindrucksvoller Abgang beschließt den Schluck. Kokos- und Portaromen, vielleicht sogar Cognac, hängen nach. Etwas buttrig, nach Sahnebonbons, und dabei doch sehr trocken. Wenn die Schärfe verklingt, bleibt ein angenehmes, schwaches Brummen im Mund zurück.

Foursquare Port Cask Finish Barbados Rum Etikett

Man merkt, ich gerate ins Schwelgen. Das gestehe ich aber gern ein, bei einem so sensationellen Zuckerrohrbrand. All die Lobeshymnen, die man über ihn liest, sind keine Lügen – das ist einer der besten Rums, die ich bisher getrunken habe, jedenfalls einer der angenehmsten und rundesten. Die einzig wunden Punkte dieses Bajaners sind die Färbung und die etwas niedrig angesetzte Alkoholstärke von 40%.

Spannend und höchstinteressant: Der Foursquare Port Cask Finish ist süß und körpervoll, und das ohne Zuckerbeigabe. Er hat feine Aromen, ohne künstlich aromatisiert zu werden. Er läuft weich die Kehle hinunter, ohne Glycerineinsatz. Letztlich ist dieser Rum ein Schlag ins Gesicht jedes Süßrumherstellers, der all dies nur mit Tricksereien und Betrügereien hinbekommt, und sogar damit nicht den Level dieses Rums erreicht. Ich bin mir sicher, dass Brenner Richard Seale diesen Rum tatsächlich auch als Fehdehandschuh an die Zuckerrumindustrie hingeworfen hat und ihnen damit die Zunge rausstreckt – wer ihn kennt oder ein paar Interviews mit ihm gelesen hat, wird das wie ich für gar nicht unwahrscheinlich halten. Er ist ein streitbarer Geist, der nie hinter dem Berg hält mit seiner Meinung über Rum und Rumbetrüger: Eines der wenigen Vorbilder aus der Schnapsbranche für mich.

Pur ist er also gut, um das mal zurückhaltend zu formulieren – dann kann er in Cocktails nicht schlecht sein. Tatsächlich hilft die üppige Aromatik, der volle Körper und die Würzigkeit beim Ausklang dazu, dass er selbst gegen die brachiale, sonst alles plattmachende Aromagewalt eines 30 Jahre alten Pedro Ximénez Sherry ankommt und dem Quarter Deck ein höchstfeines Rumaroma verpasst. In der Kombination dieser Zutaten ein herausragender Cocktail, in dem ich am liebsten baden würde.

 

Quarter Deck


Quarter Deck
2 oz Rum (z.B. Foursquare Port Cask Finish Barbados Rum)
1 oz PX Sherry (z.B. González Byass V.O.R.S. 30 Años Pedro Ximénez „Noé“)
¼ oz Zitronensaft
Auf Eis shaken.
[Rezept nach unbekannt]


Herausheben muss man am Ende noch das unglaubliche Preis-Leistungs-Verhältnis. Wer noch eine Chance hat, zuzuschlagen, muss das tun. Es gibt kaum einen anderen Rum, der für 30€ pro Dreiviertelliter auch nur ansatzweise eine solche Leistung und Qualität abliefert. Wem dieses Produkt gefällt, könnte auch mal nach dem Zinfandel Cask Finish desselben Herstellers Ausschau halten. Ansonsten bleibt Foursquare eh die Referenz, was Barbados-Rum angeht – und grundsätzlich ein Vorreiter in Sachen Rumtransparenz und Ehrlichkeit. Man stellt sich die Frage, warum jemand noch freiwillig einen gepanschten, manipulierten Rum kauft, wenn man stattdessen etwas wie diesen Rum hier haben kann. Es kann sich nur um mangelnde Information handeln, denn wer einmal Lunte gerochen hat, will nie wieder zurück zum pappsüßen Zeug.

Rum: The Manual Titel

Money, alcohol, sex, and death – Dave Broom’s Rum: The Manual

Das Hobby des semiprofessionellen Spirituosentrinkers ist ein anstrengendes. Es gilt, ein weites Feld zu beackern, das in seiner Breite von Horizont zu Horizont geht; gleichzeitig offenbart sich aber beim genaueren Hinschauen sehr schnell eine fast bodenlose Tiefe, die man kaum auszuloten vermag. Daher muss man sich entscheiden: Will man sich spezialisieren, und beginnen, die Tiefen auszuleuchten – oder lieber Generalist bleiben, um den Blick über die Weite schweifen lassen zu können? Will man eher der Deckstrich auf dem „T“ sein, oder der Stamm?

Mir ist es klar, was ich will – ich bin ein Generalist. Die Töchter der anderen Brennerväter dann immer doch zu hübsch, als dass ich mich auf eine Spirituosengattung festlegen könnte. Um zu verhindern, dass dabei aber das dann doch oft für das „T“ nötige Spezialwissen verloren geht, gilt es, sich fortzubilden. Einerseits klappt das natürlich ganz gut, in dem man sich ein paar Flaschen eines Schnapses langsam und genussvoll-mäßigend hinter die Binde gießt (wäre nur jede berufliche Fortbildung auch so unterhaltsam!), doch es schadet nie, sich auch mal die eine oder andere Lektüre in nüchternen Momenten zuzuführen. Über eines dieser Weiterbildungsbücher, Rum: The Manual des britischen Kenners Dave Broom, habe ich mich besonders gefreut.

Den meisten ist Dave Broom wahrscheinlich eher als Whiskyexperte bekannt, doch er schrieb schon 2003, als das Thema „Rum“ vielerorts noch ein recht stiefmütterlich behandeltes war, ein Buch über den karibischen Zuckerrohrbrand. Er weiß also, wovon er redet. Spätestens nach den ersten paar Seiten seines neuen Buchs zweifelt man daran nicht mehr. Er hat sich tief in die Untiefen des Rums begeben – ist er dabei, wie so viele Zuckerbarone und Plantagenbetreiber, untergegangen in den Gefahren dieses Geschäfts – „money, alcohol, sex, and death“?

Rum: The Manual Cover

Nein. Er hat seinen kühlen, schottischen Kopf bewahrt und ein kluges, spannendes und dabei noch unterhaltsames Buch geschrieben. Die grundsätzliche Herangehensweise gefällt mir – es ist kein „Bewertungslexikon“ geworden, in dem einfach nur subjektive, meist recht willkürliche Noten für einzelne Rums vergeben werden, nein, es gibt „nur“ Verkostungsnotizen. Ich fühle mich durch Brooms Meinung bestärkt, selbst auch weiterhin keine Bestmarken, Noten oder zählbare Bewertungen auf meinem Blog abzugeben. Nun, das mit den fehlenden Bewertungen stimmt nicht ganz. Er bewertet in diesem Buch die Mixability einer Spirituose, und das ist ein ganz neuer, frischer Ansatz.

„These scores are for the mixes and not for the rum, each of which was chosen for its inherent quality, so read the tasting note to glean how that manifests itself.“

Persönlich glaube ich zwar nicht, dass sich ausgerechnet Rum über andere Brände hinweg dafür besonders auszeichnet, vermischt zu werden, aber wahrscheinlich ist das im kulturellen Gedächtnis bei so vielen so hängengeblieben. Die Mixer, die er für die unterschiedlichen Rumsorten anbietet, bleiben stabil – Kokoswasser, Clementinensaft, Ingwerbier und Cola dienen als Leinwand für sehr einfache Longdrinks oder Highballs. Dazu kommt immer ein sortentypischer, aber einfach herzustellender Cocktail, der Daiquiri bei weißem Rum, der Old Fashioned für gereifte Rums; der Caipirinha für Cachaça, der Ti’Punch für Rhum agricole. Von 1 bis 5* Punkten wird die entsprechende Mixtur benotet.

Nun, diese Vorgabe konnte ich nicht auf mir sitzenlassen, der weder Clementinensaft noch Kokoswasser je als Filler für einen Longdrink kannte. Aber solchen Wissenslücken ist natürlich schnell und kostengünstig beigekommen. Zur aktuellen Jahreszeit sind Clementinen überall erhältlich, und überraschend ergiebig beim Ausdrücken. Von Kokosnüssen kann man das nicht wirklich sagen, daher habe ich mich da zugegebenermaßen auf ein fernöstliches Fertigprodukt eingelassen. Die beiden Rums, die ich mir ausgesucht hatte, haben in seiner Mixability-Bewertung für den jeweiligen Filler die Maximalanzahl von 5 Punkten erreicht: Wray & Nephew White Overproof Rum mit Clementinensaft, und Bacardí 8 Años mit Kokoswasser. Ja, das kann man trinken.

Wray & Nephew mit Clementinensaft Bacardí 8 Años mit Kokoswasser

Im letzten Drittel des Buchs werden dann noch ausgefallenere Rumrezepte aufgelistet, von Punches über Tiki über Prohibition-Era bis hin zu modernen Cocktails findet man für jeden Geschmack etwas; und Broom hat aus den Fehlern vieler Cocktailbücher gelernt und wirft dem Leser nicht einfach nur die Mengen- und Zubereitungsangaben hin, sondern hat immer noch eine kleine Story für den jeweiligen Cocktail parat.

Ein sehr schöner Vorteil dieses Buchs ist, dass es so aktuell ist: 2016 erschienen, bietet es auch einen kurzen Blick auf Gebiete, die erst vor kurzem auf unserer westlich-barkulturorientierten Schnapslandkarte auftauchten, wie der haitianische Clairin, und weitere Rumsorten, die erst vor kurzer Zeit das Licht der Welt erblickt hatten. Schön, dass auch rhum agricole endlich einen Platz bekommt, den er verdient – im Herzen des Buchs. Auch das Thema der Nachzuckerung wird bereits auf den ersten Seiten angesprochen und mit klaren Worten beurteilt – mir, dem dieses Thema sehr am Herzen liegt, geht dabei dasselbe auf. Dabei verfällt er nicht in meinen absoluten Dogmatismus, sondern gibt auch den nachgezuckerten Rums, die in seinem Buch auftauchen, eine Chance, ihr bestes zu geben. Hin und wieder hat er aber doch ein Aufblitzen des Einsehens, wie als er einen ungesüßten Rum beschreibt: „It’s rich, but not sweet. There’s a difference.“

Von allen Flaschen gibt es aktuelle Fotos, ebenso wie von dem einen oder anderen Cocktail, Barinnenansichten und Menschen hinter den Kulissen, dazu einige, meist historische Illustrationen von Brennanlagen. Ausgesprochen sensationell, und wahrscheinlich das wertvollste überhaupt an diesem Buch, ist die „Rum flavour map“, in der die besprochenen Rums in ein Koordinatensystem aus Geschmackseindrücken eingeordnet werden. Für jeden Rumfreund ein Muss.

Die „theoretischen“ Teile sind unterhaltsam geschrieben und klug aufbereitet; wer bereits Ian Williams‚ Buch über die Geschichte des Rum gelesen hat, wird vieles aus dem geschichtlichen Teil wiedererkennen, der technische Teil, in dem es um die Produktion geht, ist laiengerecht dargelegt, ohne an interessanten Details selbst für Kenner zu sparen. Besonders die Trennung zwischen „dunder“ und „muck“ bei jamaikanischem Rum, und deren eigentlich seltene Verwendung, sorgte bei mir für ein Aha-Erlebnis.

Ein rundum gelungenes Buch. Wer sich in nächster Zeit Lektüre über Rum zulegen möchte, kommt an Dave Brooms Buch nicht vorbei. Ebensowenig wie ich an einem Glas Calibogus, mit dem Broom mich hier am meisten überraschte – gleiche Teile Bier und Rum. Na, wenn das nicht ein Schlusswort unter die Thematik ist.

Bonpland Blanc VSOP Titel

Die Welt zu Gast bei Freunden – Bonpland Blanc VSOP

Rum ist „the next big thing“ in der deutschen Barwelt. Sagte man mir, und lese ich in letzter Zeit häufig in den sozialen Medien und der Fachpresse. Mich fasziniert daran besonders, dass die Barwelt scheinbar immer ein „next thing“ braucht – das gesteigerte Tempo unserer Wirklichkeit kreischt nach immer etwas Neuem. Nun will ich mich nicht grundsätzlich negativ über diese Wellen äußern, denn sie bringen in letzter Zeit auch etwas Gutes mit sich – der Gincraze sorgte für die Wiederbelebung einer langweiligen Spirituose, und brachte im Fahrwasser viel Schwung für Tonic Water und sogar Wermut mit sich. Rum ist ein Getränk, das dringend eine ähnliche Erfrischungskur bräuchte – das, was heutzutage immer noch in vielen Bestenlisten und Verkaufsempfehlungen oben auftaucht, hat mit echtem Rum nur noch selten etwas zu tun.

Umso spannender ist, dass Deutschland, das sich in Sachen Rum früher hauptsächlich als Produzent von mit Neutralalkohol gestrecktem Rum-Verschnitt einen schlechten Ruf hart erarbeitet hatte, nun wirklich in die Pötte kommt und oben bei dieser Erneuerung mitspielen will. Was mit Whisky schon seit einiger Zeit der Fall ist, passiert nun auch bei Rum: er wird plötzlich auch in Deutschland in angemessener Qualität hergestellt, oder aber selektiert, gereift und abgefüllt. Unter der Signatur Bonpland Rum wird letzteres betrieben. Dabei ist der heute hier vorgestellte Bonpland Blanc VSOP also nur am Ende seines Lebenszyklus in Deutschland beheimatet; er ist ein Kind vieler Eltern aus aller Welt – ein Blend aus Rums aus Trinidad, Guyana, Jamaica, Indonesien und Barbados, um genau zu sein. Das Besondere beim Bonpland Blanc VSOP ist das Finish, also die letzte Phase der Reifung, denn es geschieht in badischen Chardonnay-Barriquefässern. Schmeckt man diese Weltläufigkeit, oder wären die Reisenden besser an anderen Gestaden an Land gegangen?

Bonpland Blanc VSOP Flasche

Die natürliche Senf-Farbe ist ansprechend schon allein deswegen, weil sie nicht künstlich hergestellt wurde (siehe dazu später mehr). Aus dem Glas strömt schnell ein ganz eigener Geruch – schwer, süß, dicht. Schottisches Shortbread. Sehr angenehme helle, junge Rumaromen. Keine Ethanolnote oder Lack, dafür etwas Heizöl. Mandeln. Da ich noch den indonesischen Rum von Compagnie des Indes im Regal habe, erkenne ich die Ähnlichkeit; mir scheint also der indonesische Anteil recht groß zu sein. Eine leicht fruchtige Note schwingt nach, erinnernd an Cognac.

Eine leichte medizinische Note, wie bei einem irischen Whiskey fällt als erstes auf. Im Mund liegt der Bonpland Blanc zart und weich, mit leichtem Körper und vielen Obertönen nach Haselnuss, weißer Schokolade und Butterscotch. Sehr mild und rund für einen Rum, der zwischen 4 und 6 Jahre, gemäß dem VSOP-Prädikat, reifte. Im mittellangen Abgang lässt er dann aber doch seine Hemmungen fallen – da ist er dann doch gar nicht unangenehm pfeffrig-scharf, feurig und leicht zungenbetäubend. Eine feine, zurückhaltende Süße bleibt dazu im Mundraum. Auch ein buttriges Gefühl ist noch lange da, sehr ähnlich wie beim Hot Buttered Rum, den ich mir neulich zur Krankheitsprophylaxe angerührt hatte – hier meine ich den Jamaikaner-Anteil rauszuschmecken. Insgesamt vom Geschmacksprofil bleibt er aber ein eher süßlich-weicher Rum.

Man sieht schon – ich ziehe hier ziemlich viele Vergleiche. Der Bonpland Blanc VSOP wildert aromatisch in den unterschiedlichsten Spirituosenkategorien, von Rum über Cognac bis zum Whiskey findet der geneigte Verkoster von allem etwas. Ein Rum, in dem man die einzelnen Rumgebiete, die verblendet wurden, tatsächlich teilweise geschmacklich erkennen und beim Verkosten verfolgen kann: Sehr schön gelöst von Master Blender Andreas Vallendar von der Avadis Distillery hier bei mir um die Ecke zwischen Saar und Mosel, von der auch Ferdinand’s Gin stammt.

Bonpland Blanc VSOP Rücketikett

Das Etikett spricht die mir bei Rum extremst wichtigen Punkte klar aus – kein Zuckerzusatz, keine Färbung. Auch auf eine Kältefiltration wurde zugunsten der Aromen verzichtet, die bei dieser Art der Entfernung von Fuselstoffen oft mit ausgeklärt werden. Allein mit diesen Angaben hat mich der Hersteller schonmal überzeugt, dass er es ernst meint mit seinem Rum, und nicht nur ein Modeprodukt zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt werfen will – hätte er noch 45% statt die vorhandenen 40% Alkohol angesetzt, ich wäre restlos begeistert.

Auch die Idee der Transparenz, was die Herkunft der Blendanteile angeht, ist grundsätzlich sehr lobenswert – bis auf den leider nur in Werbetexten auftauchenden Hinweis auf den Zusatz von Batavia Arrack. Das Etikett jedenfalls schweigt sich über diese Zutat aus, schade, denn ich finde einen Nicht-Rum in einem Rumblend doch durchaus sehr erwähnenswert, selbst wenn javanesischer Arrack ein dem Rum äußerst ähnliches Zuckerrohrdestillat ist. Und die ausschließliche Erwähnung von „Rhum der französischen Antillen“ im Werbetext, statt ihn als Rumquelle auf dem Etikett zu deklarieren, wirkt dann halt zusätzlich noch inkonsequent und stößt tiefer interessierte Rumkenner etwas vor den Kopf, die sich von den oben erwähnten positiven Seiten schon im Siebten Himmel wähnten – das Etikett sollte die zentrale Informationsquelle sein.

Wie macht der Bonpland Blanc VSOP sich in der Mixtur mit anderen Zutaten? Rumcocktail, da denkt man erstmal an Tiki. Und ich mag hin und wieder einen Tiki-Drink, wenn er gut gemacht ist. Mit den langweiligen Saftbomben, die man hier in Saarbrücken immer noch meistens mit Cocktails assoziiert (da sind wir im Saarland irgendwie in den 90ern hängen geblieben), hat schon das nicht mehr viel zu tun. Doch selbst gute Tiki-Drinks bleiben bei mir hinter einem echten, reduktionistischen, alkohollastigen Prohibition-Era-Drink zurück, der ohne Saft – höchstens noch Zitrone – auskommt. Ich halte es da gern mit dem bekannten Hamburger Barchef Jörg Meyer, der den Fruchtanteil eines gutgemachten klassischen Cocktails lakonisch so definiert: „Fruchtzeste“. Ein Beispiel dafür ist sein White Old Fashioned – und der Bonpland Blanc VSOP passt da rein wie die Faust aufs Auge – auch wenn der entstehende Cocktail dann nicht so richtig weiß ist.

White Old Fashioned


White Old Fashioned
2 oz weißer Rum (z.B. Bonpland Blanc VSOP)
⅓ oz Sirop de Canne de Martinique
2 Spritzer The Bitter Truth Old Time Aromatic Bitters
Auf Eis rühren.
[Rezept leicht abgewandelt nach Jörg Meyer]


Das Portfolio ist von Anfang an breit aufgestellt: Neben dem hier gezeigten Blanc VSOP bietet der Hersteller noch einen dunklen Bonpland Rouge VSOP, ebenfalls in Ex-Weinfässern gefinisht, an, sowie eine Barrum-Schiene mit ungereiften Mixrums. Die edelsten Bonplands sind dann über 20 Jahre alt und stammen aus Destillerien, die das Herz der Rumsammler erfreuen, wie Enmore und Caroni. Und schließlich soll es noch Bitters und Liköre unter diesem Label geben – ich hoffe, hier wird sich nicht verhoben, bei so einer Parallellast.

Den halben Liter bekommt man für 37€ – nicht billig, aber für das Gebotene durchaus fair. Neben dem Inhalt erhält man eine opulente Produktpräsentation, in einer Designflasche, üppigen Etiketten, einer stabilen, runden Kartondose und – und das habe ich so bei einem Produkt dieser Preisklasse noch nicht gesehen – einem Glasverschluss.

Bonpland Blanc VSOP Glasverschluss

Jener ist zugegebenermaßen recht schwer zu öffnen und wieder zu schließen, gibt dem ganzen aber diesen letzten Touch an erschwinglichem Luxus, mit fast ein bisschen zu überfließendem Glööckler-Style. Ein schwelgerischer Gegenentwurf jedenfalls zu Felix Kaltenthalers kühl-aggressivem Stil bei Revolte und den minimalistischen Etiketten der neuen Foursquare-Rums.

Normalerweise dienen solche optischen und haptischen Gimmicks ja dazu, über den mäßigen Inhalt hinwegzutäuschen. Beim Bonpland Blanc VSOP scheint es mir wirklich einfach der Ausdruck der Begeisterung beim Herstellen zu sein. Denn der Inhalt ist gut, gefällig, ehrlich (das mit dem Arrack-Anteil nehme ich mal aus, denn das stört mich schon) und damit ein angenehmer neuer Vertreter für die aufkeimende deutsche Rumszene, die kreativ mit Spirituosen arbeitet und dabei ohne künstliche Hilfsmittel und Geschmacksverstärker auskommt.

Old Pascas Barbados White Rum Titel

Du trinkst ihn ahnungslos, schon ist der Teufel los – Old Pascas Barbados White Rum

Manche Länder sind untrennbar mit in ihnen hergestellten Produkten verbunden. Deutschland ist das Autoland, Frankreich die Heimat des Croissants. Persönlich ist Italien für mich das Land der Salami, und China das des Tees. Barbados ist diesbezüglich als Geburtsstätte des Rums mit dieser Spirituose auf Gedeih und Verderb verknüpft. Viele sehr hochwertige Rums stammen noch heute von dort, und mir ist bajanischer Rum (das ist eine umgangssprachliche Verkürzung für „aus Barbados stammend“) besonders sympathisch, denn dort ist die Manipulation des Destillats offiziell verboten. Rum aus Barbados ist also etwas Besonderes in der Spirituosenwelt, und wurde daher durchaus zu Recht von Gaby Baginsky in den 80ern besungen.

Schlagertexte sind ja notorisch simpel, doch konzentriert sich in ihnen manchmal eine tiefe Wahrheit.

Er sagte mir: „Ich trink ihn nie mehr pur,
ich kann ihn schon verkraften, aber nur
mit Cola und mit Eis.“

Meint Gaby damit, dass der Rum so stark ist, dass man ihn besser verdünnt? Oder dass er so grausig schmeckt, dass man ihn besser übertüncht? Gewichtige Fragen wirft so ein einfacher Songtext auf, und um herauszufinden, welche Interpretation die gültige ist, greife ich mir einen Rum aus Barbados aus dem Spirituosenregal, einen, den man in fast jedem Supermarkt für unter 10€ bekommen kann: Den Old Pascas Barbados White Rum.

Old Pascas Barbados White Rum FlascheBei der Farbe gibt es keine Überraschungen: klar, mit langen Beinen im Glas, fast dickflüssig. Geruchlich erkenne ich diese typische Lakritznote, die weißer Rum oft hat. Der Old Pascas White erinnert auch etwas an aromatischen Vodka in seiner leicht rauchigen Speckigkeit; dazu Diesel und Lack. Nicht wirklich sehr ansprechend.

Der Geschmack ist zunächst sehr süß, aber vergleichsweise neutral. Leichte Lakritze, etwas Speck, sehr ähnlich wie das, was man gerochen hat; keinerlei Komplexität, alles bleibt an der Oberfläche. Nach einigen Sekunden kommt etwas Feuer auf, eigentlich mehr ein leises Kokeln. Selbst die Alkoholnote ist enttäuschend schwach und langweilig. Der Abgang ist sehr kurz, trocken, hinterlässt eine leichte Bitterkeit auf der Zunge und am Gaumen.

Insgesamt erinnert mich dieser Rum sehr an einfachen polnischen Vodka; in einer Blindverkostung würde ich ihn wahrscheinlich auch für Vodka halten. Nichts von dem, was ich an Rum im Vergleich zu Vodka so schätze, ist vorhanden; die Aromalosigkeit fast schon trist. Da ich mich dagegen sträube, Spirituosen, die ich nicht auch pur trinken würde, in einem Cocktail zu verwenden, ist dieser weiße Bajaner für mich leider ein Komplettausfall.

Die Aräometermessung ergab temperaturkorrigiert 37,4%, das bedeutet, dass dieser Rum immerhin ungesüßt ist. Letztlich sind knapp 38% aber immer noch recht schwach für einen Rum und deutet auf Massenproduktion hin. Daher: wenn es unbedingt billig sein muss, würde ich in dieser Preisklasse dann eher zum nicht arg viel, aber doch erkennbar besseren Captain Morgan White, oder vielleicht direkt zum dreijährigen Havana Club, raten.

Old Pascas Barbados White Rum DetailsSehr gefällt mir aber das Flaschendesign des Old-Pascas-Sortiments, das vor einer Weile ein Facelift erfahren hatte, und nun mit einer tollen, schwungvollen, mit schönen Details versehenen Flasche punkten kann, und dazu mit einem sehr hübsch anzusehenden Etikett.

Verkauft wird dieser Rum natürlich als reiner Mixer. Meine Meinung dazu habe ich schon kundgetan; doch anstatt den Inhalt der Flasche wegzuschütten, brauche ich ihn dann halt in Cocktails, die Rum nur als Alkoholträger einsetzen, Stück für Stück auf. Im Aku Aku beispielsweise ist die Fruchtkomponente eh überwältigend, da passt der Old Pascas Barbados White Rum gut rein. Besonders spektakulär kommt dieser klassische Trader-Vic-Tiki-Cocktail natürlich rüber, wenn man ihn in einer ausgehöhlten, gefrosteten Babyananas serviert, deren Innenleben man auch direkt für den Cocktail einsetzen kann.

Aku Aku Cocktail


Aku Aku
1 oz Old Pascas Barbados White Rum
½ oz Pfirsichlikör
½ oz Zuckersirup
2 oz Ananasstücke
10 Blätter Minze
Alle Zutaten mit dem Pürierstab blenden


Durchaus spannend, dass dieser klare, ungereifte Verwandte des von mir durchaus geschätzten Old Pascas Ron Negro an diesen so überhaupt nicht heranreichen kann. Das liegt aber nicht an der Gattung „weißer Rum“ per se – da gibt es schon außergewöhnlich leckere Verteter, wie den Brugal Titanium oder den El Dorado 3 Jahre, von höchstköstlichem weißem rhum agricole wie dem La Mauny oder Dillon, oder dem jamaikanischen Aromenmonster Wray & Nephew, brauchen wir da gar nicht erst anzufangen.

Wie schon eingangs erwähnt, Barbados bietet viele Exportschlager in Sachen Rum. Leider gehört der Old Pascas Barbados White Rum nicht dazu.