Rum in Zeiten der Cholera – The Rum Factory Distillery Collection Aged 10/15 Years

Für mich ist die aktuelle Corona-Ausgangssperre kein wirkliches Problem. Ich bin eh schon immer selbstgewählter Eremit und kenne eigentlich keine Langeweile und gefürchtete Vereinsamung, die man bei so vielen Facebookfreunden ausmachen kann. Doch manchmal freut man sich dennoch über Gäste – und so war ich positiv überrascht über zwei hübsche Flaschen, die da vor kurzem bei mir im Quarantänequartier hereingeschneit sind. Der noch recht junge unabhängige Abfüller The Rum Factory hat mir damit die ruhige Zeit noch etwas genehmer gemacht.

Ich genieße es immer sehr, bei mir unbekannten Produkten erstmal ein bisschen zu recherchieren – und der erste Schritt dabei ist das Etikett, denn ich bin ein Etikettenfanatiker und will jedes Wort darauf abklappern. Man findet immer was interessantes, und auch hier: das zentral platzierte Wort „Buchsdorf“. Dies ist kein echter Namensbestandteil, nur eine Verneigung vor der Zusammenarbeit des Abfüllers mit der historischen tschechischen Albert Michler Distillery in Buková (früher eben Buchsdorf), wo andere Produkte von The Rum Factory weiterverarbeitet werden. Für die hier vorliegende Distillery Collection fand die gesamte Herstellung jedoch erstmal rein in Panama statt – bei Bodegas de América, S.A., wo diese beiden Rums destilliert, gereift und geblendet wurden; wir haben hier also rein tropische Reifung vor uns. Werfen wir einen Blick auf die zwei Mitglieder dieser Kollektion.

The Rum Factory Distillery Collection Panama Aged 10/15 Years

Fangen wir mit dem jüngeren der beiden an. The Rum Factory Distillery Collection Aged 10 Years ist ein Blend aus 4-12 Jahre alten Rums, das Durchschnittsalter ist also auf dem Etikett angegeben. Dazu am Ende mehr, jetzt erstmal zum Stoff selbst. Die Farbe ist leuchtendes Kupfer, der zur Vereinheitlichung eingesetzte Farbstoff ist auf dem Etikett angegeben. Im Glas ist nur leichte Viskosität erkennbar, der Rum schwenkt sich leicht und lebendig. Dabei hinterlässt er einen öligen, durchgängigen Film an der Glaswand, der nur teilweise in Beinchen zerfällt beim Ablaufen.

Geruchlich bin ich überrascht – hier finden sich Noten, die nicht alltäglich sind. Neben extrem viel Karamell und Butterscotch ist zuoberst Kokosfleisch, weiße Schokolade und Kakao. Darunter eine sehr abgesetzte Schicht Frucht, Orange und Mandarine. Und darunter wiederum eine kräuterige, leicht lakritzige, eukalyptuserinnernde Basis. Das erlebe ich in dieser Deutlichkeit selten, dass hier wirklich drei abgrenzbare Schichten separat miteinander spielen. Sehr spannend gemacht.

Der Antrunk ist sehr fruchtig, mit Zitrus- und Orangennoten. Die eingesetzte Süßung (~12g/L) ist vorsichtig, nie pappig oder unangenehm. Holztöne kommen auf, Vanille, Zimt. Eine schöne Breite und Volumen bauen sich auf. Eindrücke von Kaffeepulver und Gewürzen entstehen im Verlauf, dabei wird der Rum trockener und immer pikanter – 41% Alkoholgehalt passen sich ganz gut in das Bild ein.

The Rum Factory Distillery Collection Aged 10 Years Glas

Der Abgang ist halbtrocken, mittellang, am Ende doch sehr pfeffrig und mentholisch heißkalt, hinterlässt auf der Zungenspitze ein bisschen Betäubung und einen Eisenton im Mundraum. Leichte Gewürznoten nach Kardamom, Muskat und Nelken hängen noch etwas nach.

Das macht doch Spaß. Darum gehen wir gleich über zu seinem älteren Bruder, dem The Rum Factory Distillery Collection Aged 15 Years. Auch hier handelt es sich um einen Blend, diesmal aus 11-17 Jahre alten Rums, der Durchschnitt ergibt dann 15. Dazu erneut am Ende mehr. Farblich machen sich die durchschnittlichen 5 zusätzlichen Jahre Reifung bemerkbar, da ist mindestens eine Farbstufe, eher zwei, dazwischen – hier sehen wir ein Hennarot. Ich habe den Eindruck, dass sich der 15-jährige auch anders bewegt im Glas, öliger und schwerer. Der Glaswandfilm ist langlebig und beinhaltet langsam ablaufende Beine.

Einen sehr viel dunklere Nase hat er aber auch. Viele Eichenholzaromen, viel Vanille, dunkle Früchte, Melasse und eine intensive Portweinnote. Faszinierend, dass hier dieselben Basisdestillate, nur anders geblendet und länger gereift vorliegt – die beiden Rums haben geruchlich kaum etwas miteinander zu tun. Etwas schokoladig, reife Banane, und das für die Destillerie scheinbare definierende Karamell. Im Vergleich zum jüngeren Bruder runder, weicher, aber auch etwas weniger spannend.

The Rum Factory Distillery Collection Aged 15 Years Glas

Im Mund zunächst Anflüge von milden Zitrusfrüchten, Mandarinen vielleicht. Reifer, roter Apfel. Viel Vanille, im Verlauf baut sich aus der überraschend gut eingesetzten Süßung (hier ~16g/L) eine kräftige, erwachsene Würze auf, die mit etwas Feuer einhergeht. 43% Alkoholgehalt gefallen mir hier gut. Ein schönes Spiel aus Bittere-Süße-Säure. Leichte Zigarrentabak-Aromen. Der Abgang ist sehr schokoladig, pfeffrig-heiß und mit viel Alkoholhauch; mittellang, mildtrocken und sehr genehm. Auch hier ein leichter Eisenton, zusammen mit Backgewürzen. Der Nachhall besteht aus langlebigem Kaffeepulver.

Der Fünfzehner ist ein ganz anderer Rum als der Zehner, kaum vergleichbar. Beide sehe ich durchaus zum Purgenuss geeignet, der eine eher, wenn einem nach etwas Frechem, Hellem, Fruchtigem ist; der andere eher für den Kaminabend zu einer Zigarre.

Die sie wieder vereinenden würzigen Noten und scharfe Abgänge der Rums lassen sie mich aber selbstverständlich auch direkt mit anderen, ähnlich kräuterigen Spirituosen zusammenbringen. Die Mischung klingt zunächst verrückt, ist aber ein echter Gewinner – der Bywater schlürft sich gefährlich gut. Tatsächlich gibt genau so ein Panama-Rum dieser Mischung eine schöne Aromatik, die man mit milderen Rums kaum erzielen würde.

Bywater Cocktail


Bywater
1¾ oz gereifter Rum
¾ oz Chartreuse Verte
½ oz Amaro
¼ oz Falernum
Auf Eis rühren.

[Rezept nach Chris Hannah]


Mein Fazit – attraktive, einsteigerfreundliche aber auch charaktervolle Rums, aus einer Gegend, die nicht alltäglich in deutschen Heimbars zu finden ist. Persönlich würde ich gern die Süßung weiter reduzieren oder vielleicht sogar ganz abschaffen, um der interessanten Kräuterigkeit des Destillats eine schönere, weniger eingeflauschte Bühne zu bieten, ich glaube, das hätte noch mehr Potenzial dann. In diesem Zusammenhang wäre ich übrigens extrem dankbar, wenn die Süßung auf dem Etikett angegeben wäre – und auch die etwas schwummrige Altersangabe mit Durchschnittsalter statt dem jüngsten Blendanteil ist doch nicht mehr zeitgemäß für ein modernes, aufstrebendes Unternehmen. Transparenz ist einfach Gebot der Stunde, zumindest kann man auf der Abfüllerseite Details nachlesen und wird auch auf Nachfrage ohne Herumdruckserei klar informiert.

The Rum Factory hat außer diesen beiden Panamesen noch weitere Rums im Portfolio. Aktuell ist unter anderem auch die Double Cask Collection, die tropische und kontinentale Reifung vereint; es folgen Artikel dazu auf meinem Blog.

Offenlegung: Ich danke The Rum Factory für die kosten- und bedingungslose Zusendung der beiden Flaschen der Distillery Collection.

Neues von der Esterinsel – Navy Island Select Cask First Edition Hampden 10y Jamaica Rum

Ich finde es spannend, die tagesaktuellen Hot Topics in Rumkennerkreisen zu verfolgen. Nicht, dass ich mich daran beteiligen will, bestehende Hypes zu fördern, oder mich an der nervenden Suche nach dem „next big thing“ zu beteiligen, nein, mich fasziniert einfach, dass aktuell Extreme in jeder Form viel Zulauf erfahren, seien es Fuseligkeit, Estergehalt, Rauch oder sonst eine Form des Übertreibens von Eigenschaften, die in meiner privaten Aromenwelt ein Detail unter vielen sein sollten und nicht so im Vordergrund, dass alles andere dagegen untergeht. Mit Ausgewogenheit kann man heute kaum mehr Aufsehen erregen; persönlich finde ich das, wie gesagt, etwas schade.

Daher wundert es mich nicht sonderlich, und ich greife damit nur leicht vor, dass der Navy Island Select Cask First Edition Hampden 10y Jamaica Rum ein doch erkennbar anderes Spektrum aufweist als die Standardausgabe des Herstellers – den Navy Island XO Reserve Rum fand ich schön gelungen, ein milder, ansprechender Jamaikaner ohne all die angesprochenen Extreme. Select Cask, das steht für einen Blend aus 3 Fässern voller 10 Jahre gereiften Hampden-Rums, die für die gesamte Auflage von 1288 Flaschen sorgten. Trauen wir uns mal ran an eine der Flaschen.

Navy Island Select Cask First Edition Hampden 10y Jamaica Rum

Ein leicht blasses, aber leuchtendes Gold bewegt sich leicht und fast ohne Schwere im Glas. 10 Jahre Reifungsdauer hätten von sich aus eine ehrliche, ansprechende Farbe erzeugt, den zugesetzten Farbstoff hätte man sich bei einer so kleinen Auflage daher ehrlich gesagt wirklich sparen können – was für einen Sinn macht das bei 3 Fässern? Mir fällt außer täuscherischer Kosmetik keiner ein.

Nach diesem kleinen Ärger verströmt sich praktisch sofort weit um das Glas herum ein Geruch nach dunkelbrauner Banane, matschiger Ananas und sich fast schon verflüssigten Erdbeeren. Ein Aroma, das man nicht vergisst, wenn man es kennt – das ist Jamaica-Rum. Marzipan, Nougat, Hefe. Wie bei vielen hochwertigen esterlastigen Spirituosen ist das Geruchsbild sehr komplex und vielschichtig. Etwas Karton und Ethanol klingen bei.

Beginnt der Antrunk noch mild, entwickelt sich der Rum im Mund dramatisch weiter. Von Hampden erwartet der Kenner immer etwas mehr Funk als von den meisten anderen Destillerien, und er wird hier bedient. Teer, Lösungsmittel, Fuseligkeit, dazu Frucht- und vor allem Bananenester en masse, eine schnell einsetzende harte Trockenheit, ein Eindruck, der mich an Baijiu erinnert – je mehr ich mir darüber klar werde, um so deutlicher ist die extreme Verwandschaft von Hochesterrum und chinesischem Baijiu. 51,2% sind doch deutlich erkennbar, ohne Brennen, aber von der reinen Alkoholwucht her. Säure und Bittere, irgendwie muss man diese Kombination mögen, meins ist es ehrlich gesagt nicht so ganz.

Navy Island Select Cask First Edition Hampden 10y Jamaica Rum Glas

Der Ausklang ist heiß und dabei wunderbar rund, sehr schokoladig und cremig, mit viel Fruchtnachhall. Überraschenderweise eher mittellang, er klammert nicht zu sehr, persönlich schätze ich dies bei derartig aromatisch-eigenwilligen Spirituosen.

Ich hatte damals zugegebenermaßen Schwierigkeiten, ein Funkmonster wie den Velier Hampden HLCF in einem Drink so unterzubringen, dass mehr als ein Spritzer direkt die Aromatik voll übernimmt. Mit dem Navy Island Select Cask geht das viel besser – er ist doch deutlich zurückhaltender und weniger Partycrasher. Der Outrigger Tiara aus der Tiki-Feder von Urvater Trader Vic ist ein Beispiel dafür, wieviel Charakter solche Rums einem Drink verleihen können, wenn man sich traut. Dagegen können die leichten Rums, die man sonst so zu Hause hat, nur verlieren, bei allem Sinn, den sie natürlich trotzdem noch haben.

Outrigger Tiara


Outrigger Tiara
1 oz ungereifter Rum
1 oz gereifter Jamaica-Rum
1 oz Orangensaft
1 oz Zitronensaft
1 Spritzer Grenadine
1 Spritzer Orange Curaçao
Auf Crushed Ice blenden.
[Rezept nach Trader Vic]


First Edition, das sollte bedeuten, dass auch weitere Ausgaben folgen, etwas, was ich nicht ablehnen würde. Ein attraktiver, ungesüßter, typischer Rum, präsentiert in einer opulenten Verpackung, einem hübschen Etikett, das sich am Vorgänger orientiert, und einer stabilen Dose – da kann der Kenner, oder der, der es werden will, gern zugreifen.

Wer lieber etwas weniger Frechheit und Wildheit, aber nicht weniger Charakter in einem Rum will, sollte sich die Hausabfüllung von Hampden anschauen, die mir persönlich besser gefällt, weil sie einfach noch runder und etwas weniger aggressiv ist, nicht so sauer und bitter.

Der Teufel kann rudern, meiner Ehr! Ancient Mariner Navy Rum

Die Geschichte von Rum ist reich an seltsamen Anekdoten. Eine davon ist die  um Navy Rum – man hat heutzutage, in diesem neopuritanischen Zeitalter des Selbst- und Fremdoptimierungszwang kaum mehr Vorstellung davon, dass starke Alkoholika ein fast schon notwendiger Hygienefaktor in der harten und brutalen Welt der imperialistischen Ausdehnung der Kolonialmächte waren – so konnten die Matrosen in Zaum und bei Laune gehalten werden, wollten die Kommandanten nicht das Schicksal von Captain Bligh erleiden. Normalerweise ist ein klassischer Navy Rum ein Blend aus diversen Rums der ehemaligen britischen Kolonien – oft enthält er Komponenten aus Guyana, Trinidad, Barbados und Jamaica. Nicht zu verwechseln ist dieser Begriff mit dem der Navy Strength – letzteres bezieht sich nur auf eine spezielle Alkoholstärke – 57% – und ist auch auf andere Spirituosen (hauptsächlich wohl aber Gin) anwendbar.

Der vorliegende Ancient Mariner Navy Rum stammt vom kleinen unabhängigen schottischen Abfüller Hebridean Liqueur Company. Er ist dahingehend ein Sonderling, weil er eben kein Blend ist, sondern ein einzelnes, 16 Jahre lang gereiftes Destillat aus der von vielen Rumfreunden heiß geliebten Caroni-Destillerie. Persönlich kann ich den Drang, die Produkte dieser Destillerie so zu vergöttern, ja nicht wirklich nachvollziehen, mir sind die Caronis-Rums oft etwas zu dreckig und unsauber. Fällt der Ancient Mariner Navy Rum auch diesem Verdikt zum Opfer?

Ancient Mariner Navy Rum

Die Farbe zeigt sich sehr kräftig, aber noch natürlich wirkend. Strahlende Reflexe. Leichte Konsistenz. Vorsichtige Schlierenbildung, extrem langsam ablaufend, sie bleiben fast stehen. Ein erster Versuch des Schnupperns zeigt mir, dass ich dem Rum etwas Zeit lassen muss im Glas – sonst zwickt das enorm. Nach einigen Minuten verfliegt etwas davon, und man nimmt die dominierenden Holzaromen wahr. Darunter liegt eine schöne Fruchtigkeit in Richtung Aprikose und Banane, vielleicht Malz – und eine leichte Rosenblätternote. Darunter wiederum findet man das, was die Caronifreunde begeistert – ein Anflug von Tabak, Torf, verschortem Gummi, Rauch und Teer. Aber wirklich nur ein Hauch davon, mehr eine Andeutung.

Im Mund wird das ganze schon prägnanter, ich würde die Reihenfolge hier eigentlich schon glatt umkehren. Die fuseligen, öligen, teerigen Aromen springen geradezu in den Vordergrund, die Frucht schiebt langsam nach und bildet eine Basis. Im Verlauf taucht dann erst die Vanille und die vorsichtige Holzigkeit auf, die dann an Fahrt aufnimmt und den Eindruck zum Schluss hin wieder dominiert. Da ist richtig viel Süße im Ancient Mariner Navy Rum, schwere, dunkle Süße, im Gegensatz zu künstlich nachgesüßten Rums ist diese aber tief und komplex, cremig und vollmundig.

Ancient Mariner Navy Rum Glas

Der Abgang ist für die eingesetzten 54% weich und angenehm, mit viel Ingwer, aber warm und fühlbar den Rachen hinuntergleitend. Er ist vergleichsweise kurz, Vanille ist das einzige, was länger am Gaumen haften bleibt, mit einer Erinnerung an Teer.

Ein schöner, vielschichtiger und komplexer Rum, dezenter als viele andere Caronis, ohne seine Wurzeln ganz zu verleugnen. Ich mag diese Herangehensweise, sie gleicht die mir persönlich manchmal zu stark ausgeprägte Fuseligkeit der Destillate dieses Herstellers durch eine ausgesprochen gelungene Drinkability aus.

Welcher Cocktail könnte für einen Navy Rum besser geeignet sein als der Jack Tar? So nannte man früher die Soldaten der britischen Kriegsmarine. Der Bezug ist rein namentlich, wobei man schon eine gewisse matrosenhafte Konstitution mitbringen sollte, wenn man sich diesem starken Drink aus diversen hochprozentigen Spirituosen nähern will.

Jack Tar


Jack Tar
1 oz Navy Rum
½ oz Bourbon
½ oz Dry Gin
¼ oz Limettensaft
¼ oz Zitronensaft
¼ oz Zuckersirup
Auf Eis shaken.
[Rezept nach unbekannt]


Auffällig ist natürlich direkt die kleine, knuffige, eckige 50cl-Flasche im Würfeldesign – sehr schwer und etwas unhandlich, aber ein Blickfänger in der Heimbar, wenn man sie entsprechend platziert. Der Anhänger an einer blauen Kordel ist leider nicht besonders informativ, blubbert nur über Coleridges Gedicht, das als Namenspate diente. Das Etikett ist klein, da ist nicht viel Platz, dennoch hätte ich mir wenigstens ein paar kleine Hinweise über das Produkt in der Flasche erhofft. Nun, man findet immer ein Haar in der Suppe. Wenn die Suppe aber so gut zusammengestellt ist, wie die des Ancient Mariner Navy Rum, dann schluck ich auch das Haar.

Ich verliere ein Wort über den Rum Club – Rumclub Private Selection Rhum Bielle Aged 8 Years

Neulich hatte ich einen Artikel veröffentlicht, in dem ich über Rum aus Guadeloupe berichtet hatte. Heute ist ein Verwandter des Guadeloupe-Rums im Fokus – er stammt aber nicht von der Hauptinsel dieses französischen Überseedépartements, sondern von der ihm zugeordneten, kleineren Insel Marie-Galante. Der Rumclub Private Selection Rhum Bielle Aged 8 Years wird dort mittels traditioneller Column Still aus frisch gepresstem Zuckerrohrsaft hergestellt, es handelt sich also um einen Rhum Agricole. Hin und wieder findet sich auf Flaschen oder in Werbetexten für Rum dieser Insel der Vermerk „appellation d’origine“ – mir sei der Hinweis gestattet, dass dies nicht zu verwechseln ist mit einem offiziellen AOC („appellations d’origine contrôlée“)-Siegel. Nur Martinique hat zur Zeit AOC-Rum im Angebot.

Auf dieser speziellen Flasche steht es aber auch nicht, das ist nur ein generischer Hinweis für die, die sich für Rum dieser Region interessieren. Das Etikett der vorliegenden Rumclub-Abfüllung des Rhum Bielle hat dennoch einiges zu bieten – handschriftlich eingetragen ist die Flaschennummer (bei mir Flasche 11 von 356), sowas finde ich immer apart, sowie auf dem Rücketikett die wertvolle Anmerkung „Ohne Farbstoff und Zucker“, und das, obwohl für Dirk Becker, der den Rum ausgewählt hat (siehe unten), das Verzichten auf Zuckerzusätze gar nicht so extrem wichtig ist, laut eigener Aussage im Fachmagazin Mixology (Sonderausgabe 2018) – ein kleiner Wankelmut, aber das meine ich natürlich nur schmunzelnd. Im Endeffekt wäre es aber auch schade, wenn so ein Rum durch Additive verhunzt werden würde. Doch ich greife vor.

Rumclub Private Selection Rhum Bielle Aged 8 Years Flasche

Die goldene Farbe mit fast schon weißen Reflexen sieht man schon in der Flasche; die vorhandene Öligkeit dann besonders gut im Glas, ich genieße es immer sehr, wenn sich ein Brand schwer und viskos bewegt, so wie das hier der Fall ist, und die dazu gehörenden langsam ablaufenden Beine.

Apfel, das ist mein erster Eindruck, wenn ich die Nase ins Glas halte. Viel Apfel, und weitere florale Noten. Blattgrün. Rosen. Jasmin. Dazu kommt eine starke Vanillekomponente mit Karamell und Sahne als Begleiter. Man muss zu Beginn etwas aufpassen, da ist ein stechender Pattexbeiklang, wenn man zu tief schnuppert. Sehr attraktiv insgesamt, da rieche ich gerne lange am Glas.

Auch im Geschmack ist noch etwas Apfel da, allerdings geht die Richtung dann schnell weg vom Fruchtigen hin zum Würzigen. Deutlich salzig, kräuterig, grasig, wie man es von Agricoles vielleicht kennt; dabei aber sehr viele Holzeffekte, die für einen Ausgleich sorgen – Tabak, Backgewürze. Süß, karamellig, fast schon toffeeig. Vanille. Die 8 Jahre Reifung, ich gehe mal einfach von der Aromatik her von Bourbonfässern aus, machen aus dem frechen Zuckerrohrsaftbrand einen milden, runden, weichen Opa. 54,1% Alkoholgehalt spürt man nicht – die milde Schärfe, die im Verlauf aufkommt, ist aromatisch bedingt, nicht alkoholisch. Der Abgang ist feurig, stark, charismatisch und mit einem heißen Nachhall verbunden. Lang und aromatisch, mit leichten Betäubungseffekten am Gaumen und den Zungenseiten. Voll, dicht und kraftvoll – ein toller Rum, der mir sehr viel Spaß macht.

Im Smoked Julep würde normalerweise als zweite Zutat Apfelbrand, zum Beispiel Calvados, eingesetzt. Die apfelig-fruchtige Komponente des Bielle verleiten mich dazu, ihn als Ersatz in diesem Drink herzunehmen – und das klappt richtig gut.

Smoked Julep


Smoked Julep
1 oz torfig/rauchiger schottischer Whisky
1 oz Apfelbrand (oder hier: Rhum Bielle Aged 8 Years)
1 Teelöffel Ahornsirup
Klassische Julep-Zubereitung mit viel Crushed Ice in einem Silberbecher.

[Rezept adaptiert nach Phil Ward]


Ausgewählt wurde der Rum wie schon angesprochen von Dirk Becker, importiert und abgefüllt von Spirit of Rum in Berlin. Neben dem sehr gelungenen Inhalt weiß auch die Präsentation zu gefallen, in seiner unprätentiösen, praktischen, bodenständigen Aufmachung – eine geradlinige Flasche, ein Echtkorken mit Wachsversiegelung, ein klar strukturiertes und nicht überladenes Etikett ohne Chichi, darauf ein einfacher Text mit Informationen statt dem sonst so allgegenwärtigen Marketinggeblubber. So mag ich das – hier waren Profis am Werk, vorbildlich für alle unabhängigen Abfüller. Und schmecken tuts auch noch. Was kann man mehr verlangen.

Kurz und bündig – Velier Royal Navy Very Old Rum

Velier ist ein Vorreiter, was Transparenz bei Rum angeht. Das Etikett des Velier Royal Navy Very Old Rum ist dafür ein Beispiel. Darauf findet man alles in klarer Sprache, was den echten Rumfreund interessiert. Die einzelnen Blendbestandteile werden aufgelistet (Trinidad, Caroni, 20 Jahre Tropenreifung; Guyana, Demerara, 15 Jahre Kontinentalreifung; Jamaica, Pure Single Rums, mehr als 12 Jahre Tropenreifung). Das gewichtete Alter, in diesem Fall also 17,42 Jahre. Zu guter letzt noch Ort des Blending und der Abfüllung – Schottland. Es ist so angenehm, so ein Etikett zu lesen, auf dem nicht mit Marketingluftschlössern und den abgeschmackten Piraten und anderen Fantasiepersonen geschwurbelt wird, sondern handfeste Informationen geliefert werden. Doch was ist mit dem Rum selbst?

Velier Royal Navy Very Old Rum

Dunkles, kräftiges Terracotta, mit orangefarbenen Anklängen. Ungefärbt ist er laut Deklaration, das gefällt mir als Zusatzverweigerer jeder Art. Im Glas scheint der Velier Royal Navy Very Old Rum leicht, bewegt sich ohne Mühe oder Schwere. Dabei entstehen äußerst viele, sehr eng aneinanderliegende, langsam ablaufende Beine. Beim langsamen Schwenken verbreitet sich auch der Geruch über das Glas hinaus. Sehr prägnant, mit vielen teerigen, schmutzigen Noten, darunter schwere Frucht aus Banane, überreifer Ananas und ebensolchem Pfirsich, Rosinen. Etwas Portwein, vielleicht Amarone. Darunter wiederum Malz, Melasse und richtig viel Vanille. Für mich persönlich archetypisch Rum – ein Wunschduft für einen Lufterfrischer. Ein leichtes Beissen in der Nase warnt davor, die Nase zu tief ins Glas zu halten.

Sehr trocken im Antrunk, sehr schokoladig, dunkelmarzpanig, bitterorangenfruchtig. Trotz der Trockenheit dominiert eine natürliche Süße, die allerdings nicht den feurig-wilden Charakter übertönt. Milde Ester, einiges an Fusel, viel Hefe, manch einer wird sich daran stören; doch das ist Rum, nicht die breitgeklatschte, zermantschte Solera-Eintagsfliege auf der Muggeplätsch, sondern die stolze Hornisse, die sich wehrt. Da gibt es viel zu entdecken, der Blend aus Jamaica, Guyana und Trinidad ist deutlich in all seinen Komponenten erkenn- und erforschbar. Diese Komplexität geht aber keineswegs zu Lasten der Trinkbarkeit, selbst die hohe Alkoholstärke von 57,18% (Navy Strength eben) ist zwar deutlich spürbar, aber klasse eingebunden. Der Abgang ist glühend heiß, lang, effektvoll. Fuselnoten hängen lange nach. Die Wärme klingt dafür umso langsamer ab. Es bleibt eine schwere Süße am Gaumen.

Ein wirklich höchstattraktiver Rum für Leute, die echten Rumgeschmack mögen. Hier findet sich ein wirklicher Querschnitt durch die britischen Rumkolonien, mit allem, was ihn auszeichnet, und ihn für mich zum quintessenziellen Rumgeschmack macht. Natürliche Süße, natürliches Feuer, natürliche Aromatik – ein Rumfeuerwerk, wie ich es liebe. Der Preis des Velier Royal Navy Very Old Rum ist letztlich das einzige, was mich abhält, diesen Rum bedingungslos jedem zu empfehlen – wer es sich aber leisten kann, sollte sich eine Flasche davon in die Hausbar holen. Denn eines ist klar: Wert ist er es.

Spontankäufe im Discounter – Ron Palma Mulata 7 Añejo Gran Reserva

Ich bin gerade dabei, Flaschen, die ich vor Jahren gekauft hatte, und schon zum Gutteil geleert hatte, nun endgültig zu beenden – ich will tatsächlich meine Heimbar verkleinern, und halbleere, schon Staub fangende Flaschen werden die ersten Opfer sein. Meistens hat es einen Grund, warum die Flaschen nach Anbruch so lange überleben, und es ist oft kein guter. Vor allem bei spontangekauften Supermarktprodukten, wie dem Ron Palma Mulata de Cuba 7 Añejo Gran Reserva, kann man sich mein Fazit also nach dieser Einleitung eigentlich schon irgendwie vorstellen. Ich muss diese Art der Käufe einfach sein lassen. Nun bringe ich es aber doch mal hinter mich, diese Besprechung zu schreiben.

Ein langer Name mit zwei Klärungspotenzialen. Das Wort „Palma“ scheint auf den neueren und redesigneten Abfüllungen weggelassen zu werden; dafür prangt nun das Wort „años“, spanisch für „Jahre“, neben der Zahl 7 auf dem kleinen Flaschenhalsetikett, bei meiner älteren Abfüllung fehlte das, was mich als Skeptiker direkt Fragen stellen ließ. Das Rumgesetz auf Kuba ist diesbezüglich aber klar – 7 heißt mindestens 7 Jahre Reifung. Nicht wie in anderen Gebieten „vielleicht 7 Jahre“, „höchstens 7 Jahre“ oder „irgendwas zwischen 2 und 4 Jahren, aber 7 ist eine schöne Zahl“. „Gran Reserva“ ist normalerweise eine Alterungsstufe bei Solera-Rums, eine Wortkombination, die keinerlei rechtliche oder verpflichtende Bindung hat – wir lesen es mit, verlassen uns aber lieber auf die echte Altersangabe, wenn wir uns ein Schlückchen des Rums ins Verkostungsglas eingießen.

Ron Palma Mulata Añejo Gran Reserva

Wir sehen orangerote Farbe im Glas, mit goldenen Reflexen. Leichte Viskosität beim Schwenken, dazu kommen mittelschnell ablaufende Beine, insgesamt ein schöner Anblick. Geruchlich weiß der Rum meiner Nase sehr zu gefallen – ungewöhnliche, derbere Aromen sind im Vordergrund, Zigarettenrauch, Tabak, Leder. Leichte Fruchtkomponenten kommen dazu, auch diese aber eher vom dunklen Typ, Honigmelone, Rosinen, Feigen. Erinnert mich persönlich durchaus an Cognac. Attraktiv, da ungewohnt und spannend.

Die gesammelten Eindrücke setzen sich im Geschmack fort. Man könnte mir diesen Rum in einer Blindverkostung als einen VS-Cognac unterschieben, und ich würde nicht allzusehr protestieren. Leider ist die gesamte Spannung, die die Nase aufgebaut hatte, im Mund ziemlich schnell verschwunden und auf die Basis reduziert – Rosinen und Mandarinen, sonst ist da wirklich nicht viel. Eine Messung ergibt 7-11g/L Zucker, die man leider auch spürt, mehr sogar, als es bei dieser Menge sein müsste. Kaum Körper, oberflächlich und süß.

Ron Palma Mulata Añejo Gran Reserva Glas

Der Abgang lässt mich leider die aufgezählten Vorteile wieder schnell vergessen. Hier kommt eine beinahe schon unangenehme Süße, auf jeden Fall aber eine langweilige, zum Vorschein. Der Abgang ist kurz und mildbitter, ein leichter Alkoholgeschmack zeigt sich. Eine trockene Pappigkeit macht sich breit, insgesamt eher unangenehm. Leichter Rauchnachhall ist noch das schönste daran.

Insgesamt ist der Ron Palma Mulata de Cuba 7 Añejo Gran Reserva damit ein sehr antiklimaktischer Rum – er beginnt sehr toll und sehr vielversprechend, baut dann immer mehr ab, bis zum fast schon abstoßenden Ende. Dazu kommt die Alkoholstärke von 38%, nur knapp über dem gesetzlichen Minimum: es ist immer ein sicheres Zeichen für lieblose Massenprodukte.

Ich sträube mich immer wieder gegen die Verwendung des Worts „Mixrum“, denn ich trinke eigentlich auch im Cocktail keine Spirituose, die ich nicht pur genießen will. Dennoch sage ich hier einfach mal – wenn man die Flasche eh im Haus hat, dann macht man halt mit dem Ron Palma Mulata lieber einen Mixdrink, in dem er nicht allein den Geschmack tragen muss, sondern Unterstützung von anderen Komponenten kriegt. Und wenn es so viele Zutaten sind wie im Bermuda Punch, dann sind auch die Mängel des Ron Palma Mulata irgendwie nicht mehr ganz so schlimm auszuhalten.

Bermuda Punch


Bermuda Punch
2 oz gereifter Rum (z.B. Ron Palma Mulata Añejo Gran Reserva)
1 oz Dunkler Rum (z.B. Botucal Reserva Exclusiva)
½ oz Falernum (z.B. The Bitter Truth Golden Falernum)
½ oz Aprikosenlikör
1½ oz Zitronensaft
¼ oz Limettensaft
5 Spritzer Angostura
Auf Eis shaken.

[Rezept nach saveur.com]


In einem Schnäppchen bei Aldi Süd habe ich ihn für 15€ erworben, wo er in der Vorweihnachtszeit verfügbar war; mehr würde ich für diesen Rum auch wirklich nicht veranschlagen wollen. Die rassige, heiße Latino-Dame mit den großen Augen und dem Schmollmund auf dem Etikett hat mich verleitet, ich gebe es zu, ich bin empfänglich für derartige Reize. Nun wird er seine Zeit als Cocktailzutat fristen, bis er leer ist (was zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Artikels bereits geschehen ist); ein Neukauf ist definitiv nicht geplant. Für nur wenig Geld mehr bekommt man bereits einen Havana Club 7, der seinem gleichaltrigen Landsmann in jeder Beziehung um Längen voraus ist, wenn man auf der Insel bleiben will.

Dreifach gereift hält besser – Ron Santisima Trinidad de Cuba 15 Años

„Rum hat keine Regeln“, das ist ein beliebter Satz, den man immer wieder hört. Tatsächlich gibt es keine globale Regelung von „Rum“. Andererseits gibt es auch keine globale Regelung für „Whisky“. Es gibt aber sehr strenge Regeln für „Bourbon“ und „Scotch Whisky“, und ähnlich muss man das auch bei Rum sehen – neben den Gesetzen, die in der EU-Spirituosenverordnung niedergelegt sind, die nur als minimal geltende Grundlage für die gesamte Kategorie dienen, haben eigentlich alle rumherstellenden Länder jeweils eigene Gesetze dafür, was dort als Rum gelten darf und was nicht. Manche sind strenger, manche lascher; manche ausgefeilt, manche eher lose formuliert; manche stehen in Widerspruch zu Details in der EU-Verordnung, manche fügen zusätzliche Rahmenbedingungen hinzu.

Kuba beispielsweise präsentiert ein langes Traktat, das beschreibt, wie Rum, der als solcher verkauft werden soll, hergestellt werden darf, mit vielen Vorschriften, die in anderen Ländern nicht gelten. Darin ist auch festgelegt, wie die Reifung auszusehen hat. Die dreifache Reifung, die als „triple añejamiento“ auf dem Etikett des Ron Santisima Trinidad de Cuba 15 Años ausgewiesen wird, ist ein Beispiel dafür. In der kubanischen Regelung ist vorgesehen, dass eine (optionale) dritte Reifungsstufe dem bis dahin in Ex-Bourbon-Fässern dahindümpelnden Destillat wieder frischen Sauerstoff zufügt – durch einen Blending-Zwischenschritt und das Umfüllen in andere Fässer. Diese sollten allerdings alt und aromatisch neutral sein. Dieser Schritt soll laut eigener Aussage dafür sorgen, den Geschmack und das Aroma zu optimieren. Schmeckt man einen Unterschied zwischen einem „doble añejamiento“ wie beim Ron Santisima Trinidad de Cuba 7 Años und einem Blend, der diesen dritten Schritt auch noch gemacht hat? Ganz sicher tut man das, wie dieser Rum beweist.

Ron Santisima Trinidad de Cuba 15 Años

Farblich ist der 15 Jahre alte Kubaner (über die eigene Art, wie auf Kuba das Alter von Rum berechnet wird, hatte ich schon beim 7-jährigen Verwandten dieses Rums berichtet) sehr dunkelbraun, geht schon fast ins rötliche über – die orangefarbenen Reflexe und die leichte Viskosität, mit der sich der Rum im Glas bewegt, sorgen für einen insgesamt wirklich tollen optischen Eindruck.

Hält man das Glas an die Nase, riecht man zunächst den typisch kubanischen Stil, leicht, nur dezent fruchtig, süßlich, alkoholisch, ohne große Tiefe. Beim Santisima Trinidad 15 kommt eine gewisse Nussigkeit dazu, viel Vanille, Toffee, Butterscotch und Gewürze aus der Weihnachtsbäckerei, insbesondere Kardamom.

Im Antrunk wirkt er überraschend süß und schwer, die selbst durchgeführte Zuckermessung ergibt grob 14g/L, das erklärt das. Im Verlauf nimmt die Süße dann ab und wird unterfüttert durch eine sehr würzige Kardamom- und Nelkennote, die das Geschmacksbild ab dann prägen. Schön breit und voll liegt er im Mund, sehr gefällig und rund, ohne wirkliche Komplexität, mild und dabei doch nicht zu bequem – da könnte etwas mehr Spannung aufgebaut werden. 40,7% Alkoholgehalt sind letztlich leider zuwenig dafür, der Hersteller hält sich dabei an den maximalen Bottling Proof von 41%, wie in kubanischen Rumgesetzen festgelegt (ja, es gibt eine Möglichkeit, dem auszuweichen, aber das muss man ja nicht nutzen).

Ron Santisima Trinidad de Cuba 15 Años Glas

Pfeffrig und aromatisch ist dann der Abgang, hier geht dem Rum sehr deutlich die Luft aus, das Volumen schwindet und macht einem alkoholischen Feuerhauch mit Kribbeln auf der Zungenspitze Platz. Der Nachhall ist noch mit viel Gewürzen versehen, aber im Endeffekt etwas leer im Vergleich zum süßschweren Antrunk.

Das ist insgesamt sehr trinkbar und unterhaltsam, ein Rum, den man sehr schön abends vor sich hin schlürfen kann, auch gern mehrere Gläser, ohne dass einem dabei langweilig wird. Kopf und der Gaumen werden nicht überanstrengt, aber auch nicht unterfordert oder beleidigt – der Ron Santisima Trinidad 15 hat das, was sich der Kenner von leichtem Rum erwartet, und was dem Anfänger sicherlich auch gefallen wird. Ich gebe zu, die Gewürzkomponente ist so stark und speziell rumuntypisch, dass ich im Stillen eine leichte Aromatisierung vermute, ohne dies aber belegen zu können.

Entsprechend ist er auch eine Wohltat in Cocktails, die nach leichtem Rum verlangen – oft nutzt man da dann Produkte, die komplett ohne Charakter sind. Der Santisima Trinidad 15 eignet sich für Cocktails wie den La Florida nahezu perfekt. Das Ergebnis ist ein würzig-aromatischer, schwersüßer und dabei trotzdem seltsamerweise leichter Drink.

La Florida


La Florida
2 oz Rum
¾ oz Limettensaft
½ oz Crème de Cacao
¼ oz süßer Wermut
1 Teelöffel Grenadine
Auf Eis shaken.
[Rezept nach unbekannt]


Äußerst attraktiv finde ich die Präsentation – insbesondere, wenn man die beiden Flaschen der Marke nebeneinander betrachtet. Die grundsätzlich Flaschenform ist ähnlich massiv und schwer, aber nicht gleich, die des Fünfzehner ist deutlich schlanker und höher als die des in der Einleitung schon erwähnten Siebener. Das Etikett ist sehr hübsch, schwungvoll und dabei immer noch elegant zurückhaltend ohne die flashige Plumpheit vieler anderer Rums. Der geformte Korken im wuchtigen Flaschenhals tut sein übriges dazu

Ron Santisima Trinidad de Cuba 7 Años und 15 Años

Wie man auf dem Foto mit dem Glas sieht, habe ich die Flasche schon fast leer. Das ist schon eine Art von Auszeichnung, denn nicht viele Rums kann ich so unbeschwert und ohne eintretende Langeweile und Wunsch nach Abwechslung trinken wie den Ron Santisima Trinidad de Cuba 15 Años. Ich würde wirklich gern eine ungesüßte Variante davon probieren – die Süßung ist der einzige Wermutstropfen in einem ansonsten wirklich schönen Rum, der mir viel Freude bereitet hat. Die Vergangenheitsform schon deswegen, weil ich davon ausgehe, dass zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels die Flasche vollständig geleert sein wird.

Dreierlei vom Rum – Foursquare Triptych Single Blended Rum

Immer im Auftrag für den Leser unterwegs – so ein Blogger hat dauernd gewichtige Entscheidungen zu treffen. Welche Spirituose ist als nächste dran? Welche wird besorgt, für die Zukunft? Lohnt es sich, diesem oder jenen Trend zu folgen, damit man am Puls der Zeit bleibt, oder wartet man lieber ab, um nicht einem flüchtigen Hype nachzurennen? Fragen über Fragen. Dabei stelle ich mir eigentlich schon die Frage, welche Rezensionen sich überhaupt zu schreiben lohnen. Bei den meisten Produkten ist alles klar, aber gleichzeitig denke ich ernsthaft, dass es zwei Gruppen von Spirituosen gibt, die es sich für mich und meine Art von Blog nicht zu rezensieren lohnt.

Supermarktware für unter 10€ ist uninteressant, weil sich das jeder leisten kann – da schlägt man einfach zu und probiert es, der Aufwand eines potenziellen Käufers, sich vorher darüber zu informieren steht in keinem Verhältnis zum Preis, und das tut man höchstens aus Interesse; Ausnahmen bestätigen die Regel, wie meinen Artikel über Martini Fiero, der mit weitem Abstand der meistgelesene auf meinem Blog ist. Einhörner andererseits (also superseltene und rare Spezialitäten) lohnen sich nicht, weil an die kaum jemand herankommt, selbst für Profis ist es schwer, und wer es sich leisten kann und den Aufwand nicht scheut, hat eh schon genug darüber gelesen, weil es genug Spezialistenblogs für genau diese Zielgruppe gibt, die sich, statt wie ich über alles, was die Schnapswelt zu bieten hat, zu schreiben, auf beispielsweise Rums aus Trinidad aus den 1980er Jahren in speziellen Flaschen fokussieren.

Der Foursquare Triptych Single Blended Rum ist so ein Grenzgänger, was diese Thematik angeht. Bei weitem nicht superleicht und überall erhältlich, aber zum Zeitpunkt meines Kaufs auch kein Einhorn. Dennoch werden die wenigsten ihn je zu Gesicht bekommen, insbesondere jetzt, wo die Vorräte langsam aufgebraucht sind.

Foursquare Triptych Single Blended Rum Flasche

Ich hatte das Glück, eine Flasche bei LMDW zu ergattern. Der Erwerb allein schon war eine spannende Sache – einige Tage vor dem tatsächlichen Verkaufsstart wurde bei Facebook darauf hingewiesen, dass der Triptych nun in Frankreich und Italien released würde. Es dauerte noch bis zum 02.06.2017, bis bei LMDW der Rum auch im Sortiment auftauchte, und dann führte es zu Verwirrung. Einige konnte wohl schon gegen 6 uhr morgens Flaschen erwerben, dann änderte der Status sich auf „bald erhältlich“ und viele (darunter ich) dachten schon, aha, das wars dann wohl, wieder mal Pech gehabt. Einige Stunden später war dann plötzlich wieder etwas „en stock“, und da habe ich blitzschnell zugeschlagen. Nur Sekunden danach ging der Bestandsstatus dann auf ausverkauft. Man sieht, für derartige Spirituosen muss man flott sein, gleichzeitig trotzdem Geduld haben und eine gewisse Leidensfähigkeit mit sich bringen. Gerade Foursquare erreicht inzwischen unter Rumaficionados zur Zeit einen Kultstatus, der dafür sorgt, dass die kleinen Sonderabfüllungen, die immer wieder erfolgen, innerhalb von Minuten ausverkauft sind. Nun aber weg vom Geschäftlichen, hin zum Triptych selbst.

Ich bin ein Freund der Praxis, dunkel getönte Flaschen zu verwenden, um beim eventuellen Kunden gar nicht erst die Idee aufkommen zu lassen, dass man nach der Farbe der Flüssigkeit einkaufen geht und dunkle Spirituosen holt und dafür hellere stehen lässt. Abfüller Velier ist mit seinen schwarzen Flaschen diesbezüglich natürlich gleichzeitig eine sofort erkennbare Marke geworden, win-win sozusagen. Dadurch, dass Foursquare seine Spezialsorten auch nicht färbt, haben wir eine natürliche, tropisch gereifte Schönheit vor uns im Glas.

Beim Abfüllen der Samples (siehe unten dazu mehr) verströmte sich schon dieser herrliche Geruch im ganzen Zimmer – er ist stark, körpervoll und ohne jede Scheu. Marzipan, Kardamom, Piment, dunkle Schokolade, aber auch überreife Früchte, Banane. Schalentiere. Höchstkomplex und extrem attraktiv. Eine leichte Lacknote. Sehr komplex und sich im Verlauf der Verkostung wandelnd.

Foursquare Triptych Single Blended Rum Glas

56% Alkoholgehalt lassen mich nicht direkt zu Wasser zur Trinkstärkenherabsetzung greifen; ich nippe so daran, wie er aus der Flasche kommt. Hmm, das trinkt sich gut. Sehr breit und fett, dicht und rund im Mundgefühl. Wunderbare, natürliche, reine Süße mit viel Kraft, nicht die oberflächliche, klebrige, die man von Süßrums kennt. Dabei aber auch eine attraktive Bittere, die die Süße gut ausgleicht, so dass keine Langeweile aufkommt. Eine adstringierende Säure komplettiert das Sensoriktrio – sehr spannend und vielseitig.

Der Abgang ist glühend heiß, würzig, langsam läuft der Tropfen den Hals hinunter, man kann ihn dabei verfolgen. Im Mund verbleiben esterige Teeraromen, ledrig und holzig, dabei aber immer süß und ohne jede Gewalt. Nur leicht trocken, aber dauerhaft am Gaumen haftend. Ein wirklich spannender Rum.

Bezüglich der Zusammensetzung, die sich im Namen schon wiederspiegelt (ein Triptychon ist ein dreiteiliges Bild), verweise ich auf ein Foto, das ich mit freundlicher Genehmigung von Matt Pietrek vom Blog Cocktailwonk hier wiedergebe. Es wurde bei der Fachveranstaltung Tales of the Cocktail 2017 geschossen. Ex-Bourbon-, Ex-Madeira- und frische amerikanische Eichenfässer dienten den drei verwendeten Jahrgangsdestillaten (2004, 2005 und 2007) als Zwischenbehausung, bis sie zu einem Blend zusammengeführt wurden.

Foursquare Triptych Tales of the Cocktail 2017

Was würde sich für diesen Rum besser als Cocktail eignen, als der, den der globale Rum Ambassador Ian Burrell zu Ehren des Master Blenders und Inhabers der Foursquare-Destillerie erfunden hatte? Der The Richard Seale kann warm und kalt gerührt serviert werden, ich habe mich für die warme Variante entschieden – hin und wieder schadet es nicht, aus dem alten „eisgekühlt“-Muster auszubrechen und was anderes zu probieren. Ich finde darüberhinaus höchst unterhaltsam, wie in diesem Cocktail die Themen, die Seale oft umtreiben, auftauchen – Rum, Süßwein, Zucker.

The Richard Seale


The Richard Seale
1⅔ oz Foursquare-Rum
⅓ oz Madeira
1 Teelöffel Zuckersirup
3 Spritzer Orange Bitters
Warm rühren und in einem Cognacschwenker servieren.

[Rezept nach Ian Burrell]


129€ für eine Flasche Rum hören sich nach viel an, tatsächlich bewegen wir uns hier aber, was Highend-Rum angeht, erst im mittelpreisigen Segment, da ist noch viel Luft nach oben. Meine Meinung, dass das Preisleistungsverhältnis ab einer gewissen Größe (diese ist natürlich individuell festzulegen, bei mir liegt sie aktuell bei ca. 70€) plötzlich extrem schnell abschmilzt, bleibt dennoch bestehen.

Ungefähr Dreiviertel der Flasche habe ich im Rum-Club auf Facebook mit anderen Rumfreunden geteilt, die nicht dasselbe Glück wie ich hatten, eine Flasche davon im Lotteriespiel des Erwerbs ergattern zu können. Gerade für so seltene Abfüllungen ist es geradezu Pflicht für jeden echten Rumfreund, derartig besondere Tropfen mit Freunden zu teilen, und ihn nicht geizig für sich zu behalten, ihn im Regal als Schaustück vergammeln zu lassen oder ihn bei Ebay als Spekulationsobjekt auf peinlichste Weise an den Meistbietenden zu verhökern (außer, der Käufer öffnet und trinkt die Flasche dann tatsächlich selbst; etwas, was meiner desillusionierten Erfahrung nach dann aber selten geschieht und die Spekulationskette nur in anderen Händen weiterführt). Nur durch das breite Teilen eines Rums wie diesem kann allgemein klar gemacht werden, wie fantastisch guter Rum sein kann.

Kurz und bündig – Hampden Estate Pure Single Jamaican Rum 7y 46%

Normalerweise setze ich mich, wenn ich ein Sample einer Spirituose erhalte, für mich hin, und beschäftige mich in winzigen Schlückchen lange mit dem Produkt. Ich hatte das Sample des Hampden Estate Pure Single Jamaican Rum 7y 46% über die Weihnachtsfeiertage mit in die Heimat zu einem Familienbesuch genommen, und wollte dort in einer ruhigen Stunde meine Tastingsnotes schreiben. Nun habe ich nicht mit dem Interesse und dem Durst meiner Verwandten gerechnet – nach drei Flaschen Champagner, ein paar Kostproben von anderen Spirituosen und fröhlichen Diskussionen über Zutaten für hausgemachte Rumkugeln wollte ich den Mittrinkern dann doch nicht vorenthalten, ihnen den Eindruck von gutem jamaikanischem Rum mitzugeben. Voller Vertrauen habe ich also dieses Sample ausgepackt, eingeschenkt, und gehofft, dass mein Optimismus mich nicht enttäuscht. Es gab interessante Reaktionen, nur soviel möchte ich sagen – ich bin froh, dass noch ein paar Schlucke übrig blieben, um meine Tasting Notes später doch noch zu schreiben.

Hampden Estate Pure Single Jamaican Rum 7y 46%

Dieser Rum ist ungefärbt, und strahlt trotzdem in dunklem, kräftigem Bernstein. 7 Jahre Reifung rein in den Tropen (ja, es macht einen Unterschied) haben diese Farbe ins Glas gezaubert; ich freue mich, wenn sich ein Hersteller dazu entscheidet, die Färbung wegzulassen und sich stattdessen auf sein Produkt verlässt. Die Flüssigkeit ist ölig und bewegt sich langsam im Glas.

Jamaica-Rum ist selbst für Rumanfänger leicht identifizierbar, denn alles, was der Laie so an Rumaromen in Schokoladen und Kuchen kennt, stammt im Endeffekt aus einer jamaikanischen Fermentation. 100%-Pot-Still-Destillation hat diese Aromen veredelt – Ananas, Zimt, überreife Banane, Schokolade, Milchkakao, ganz viel Marzipan. Ich will nicht übertreiben, aber das ist herrlich, cremig, süß, dabei aber funkig und frech.

Sehr mild, weich und süß im Antrunk (hier sprechen wir von einer natürlichen, feinen Süße, denn der Rum ist nicht künstlich nachgesüßt), schokoladig, mandelignussig, mit milder Frucht aus der Biotonne, wo sie schon eine Weile lag – für Kenner ist das ein Kompliment. Im Verlauf entsteht sehr langsam etwas Würze, immer mehr, bis zum mildpfeffrigen, sehr trockenen Abgang, der aromatisch sehr lang mit Banane, Kirsche, Minze und Ananas am Gaumen bleibt, und im Rachen und im Magen ein warmes Gefühl hinterlässt.

Ausgesprochen trinkbar, sehr gefällig, aber dennoch charaktervoll und typisch. Eine wirklich schöne Abfüllung, die dankenswerterweise nicht eine von denen ist, bei denen man schnell zuschlagen und mehrere hundert Euro auf den Tisch legen muss – offizielle Abfüllungen mit länger geplanter Laufdauer wie diese hier haben auf jeden Fall ihre Vorteile. Der Hampden Estate Pure Single Jamaican Rum 7y 46% ersetzt jedenfalls die bisherigen Empfehlungen, die ich für jamaikanischen Rum hier gegeben habe, als die Referenz für Anfänger wie Profis – und er macht sicherlich abartig gute Rumkugeln. Ich bin gespannt auf die stärkere Overproof-Variante, die ebenfalls erhältlich ist, und hier auch demnächst vorgestellt werden wird.

Offenlegung: Ich danke dem Importeur Kirsch Whisky für die kostenlose Zusendung des Samples dieses Rums.

Ein Schiff wird kommen – Ron Santisima Trinidad de Cuba 7 Años

Es ist schon eine Weile her, dass ich einen kubanischen Rum im Glas hatte. Das Land hat in der Allgemeinheit einen guten Ruf, was Rum angeht; für die Kenner unter uns ist das Bild meist weniger rosig. Kuba hat sich früh von Pot-Still-Rum verabschiedet und sich voll auf Säulendestillation geworfen – das heißt erstmal nichts grundsätzlich schlechtes, doch der kubanische Stil hat sich dadurch im Laufe der Jahrzehnte sehr verändert. Heute bin ich den alkoholischen Produkten Kubas eher skeptisch eingestellt, ich sehe eigentlich ausschließlich leichte Rums ohne großen Charakter, meist sind sie darüber hinaus leicht bis mittelstark gesüßt. Man kann das alles sicher trinken, aber umhauen tut mich nichts von der Insel. Was aber nicht heißen darf, dass man neue Produkte, die man noch nicht kennt, nicht unvoreingenommen und erstmal freudig willkommen heißen sollte – so wie den Ron Santisima Trinidad de Cuba 7 Años.

Der Begriff des „doble añejamiento“, der sich auf dem Etikett findet, ist ein guter Aufhänger, um ein paar der Regelungen, die für kubanischen Rum gelten, kurz zu erläutern. Laut den Denominación de Origen Protegida-Regeln des Landes muss ein kubanischer Rum mindestens zweimal gealtert sein – die erste Phase besteht darin, das Destillat für mindestens zwei Jahre in gebrauchte Eichenfässer einzulagern und dann zu filtrieren. Erst danach darf es sich „Rum“ nennen – vorher ist es ein Aguardiente. Die Zählung des Alters beginnt auch an diesem Zeitpunkt; die 7 Jahre des Etiketts des vorliegenden Rums sind also eigentlich 9 Jahre, wenn man reine Fasslagerungszeit betrachten will. Der frischgebackene Rum wird dann mit anderen hochprozentigen Destillaten verblendet und dann für die „tatsächliche“ Reifung in Fässer eingelagert. Werfen wir einen Blick auf das Ergebnis dieses Vorgangs.

Ron Santisima Trinidad de Cuba 7 Años

Die Farbe ist ein dunkles Kupfer, bei 7+ Jahren Fassreifung kann so eine Farbe durchaus entstehen. Im Glas bewegt der Rum sich schwer und gemächlich, recht langsam ablaufende Beinchen wissen optisch zu gefallen.

In der Nase kommt mir als erstes eine Süßweinnote entgegen. Etwas Port, etwas Madeira. Es folgt eine prägnante Gewürzkomponente, Nelken, Kardamom. Orangenschale und Rosinen bringen etwas bittere, dunkle Frucht dazu. Im Untergrund lauert dann genau das, was ich oben angesprochen hatte – eine milde, aber erkennbare Alkoholnote, die ich oft bei Column-Still-Rums finde.

Der Geschmack dreht diese sensorischen Eindrücke dann aber spannenderweise um – erstmal ist der typische alkoholisch-schale Geschmack eines Säulendestillats da. Im Mundgefühl beginnt der Kubaner aber trotzdem mild und weich, im Verlauf kommt ein zartes Feuer auf, das sich bis zum Abgang steigert, ohne aber je wirklich unangenehm zu werden. Insgesamt ist der Eindruck sehr süß, mit vielen Süßweinimpressionen, etwas Gewürz und dunkler Frucht, analog zu dem, was die Nase schon fand. 40,3% Alkoholgehalt sind trotz der angesprochenen Ethanolnote im Gesamtbild gut eingebunden. Es ist nur knapp unter dem in Kuba eigentlich maximal erlaubten Bottling Proof von 41% (eine spannende Sache für sich, übrigens).

Ron Santisima Trinidad de Cuba 7 Años Glas

Der Abgang ist heiß, etwas pfeffrig, mittellang und charakterstark. Eine gewisse Schaligkeit im Nachhall ist dann wieder recht typisch für leichte Rums. Eine hausgemachte Zuckermessung ergibt grob 5g/L, das ist so an der Grenze dessen, was zwischen Messungenauigkeit und leichter Süßung schwebt. Für meine Zwecke kategorisiere ich ihn als „gesüßt“, einfach weil der Wert bereits zu groß ist, um ohne Absicht entstanden zu sein.

Die unterschwellige Würze dieses Rums hat mich dazu verleitet, ihn in einem Cocktail einzusetzen, der auch sonst nicht mit Aromen geizt. Im City of Spice wird so einiges an Gewürzen präsentiert, und daher schadet es nicht, wenn ein Rum eingesetzt wird, der sich dessen zu erwehren weiß und selbst etwas zu diesem Gesamtbild beisteuern kann. Vorsicht, dieser Drink hat Suchtpotenzial.

City of Spice


City of Spice
1¾ oz gereifter Rum
½ oz Pimento Dram
½ oz Zuckersirup
¾ oz Limettensaft
¾ oz Maracujasirup
1 Eiweiß
1 kleines Stück Chili
Auf Eis shaken. Auf crushed ice servieren.
[Rezept nach unbekannt]


Hervorheben will ich die Gestaltung – wir haben hier eine sehr schön gestaltete Flasche mit tollen Rundungen, im Glas eingelassener Schrift und einem floralen, aber nicht übermäßig protzenden Etikett. Ein geformter Echtkorken ohne Dekoration komplettiert die sehr attraktive Präsentation. Der Name des Rums ist auf ein altes spanisches Schiff zurückzuführen – es ist also keine Firma oder Abfüller, sondern ein Fantasiename, den sich Hersteller Tecnoazúcar de Cuba y Destilerías MG S.L. ausgedacht hat.

Neben dem Siebenjährigen hat der Hersteller auch einen Rum mit 15 Jahren im Portfolio. Dieser wird in naher Zukunft auch noch auf meinem Blog besprochen werden – ich verrate nicht zuviel, wenn ich sage, dass ich jenen auch recht interessant finde.

Ron Santisima Trinidad de Cuba 7 Años und 15 Años

Das Fazit fällt eigentlich recht positiv aus. Das ist ein Rum mit großer Drinkability, der eine schöne Spannung zwischen Süße und Würze aufbaut. Wäre der Abgang etwas komplexer und länger, könnte man sich mit einem Glas davon durchaus lange beschäftigen – so bleibt der siebenjährige Ron Santisima Trinidad dennoch ein interessantes und sehr gelungenes Produkt, das meine Meinung über kubanische Rums wieder hebt. Mehr kann man kaum wollen.