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Damoiseau Rhum Vieux Agricole VO Titel

IGP, AOC und andere ggAs – Damoiseau VO Rhum Vieux Agricole Guadeloupe

Redet man über Rhum Agricole, beginnt das Missverständnis meist schon im ersten Satz. Selbst Rumexperten verwenden die allerersten Basisbegriffe wie „agricole“ oft, ohne eine wirklich klare Vorstellung davon zu haben, wie komplex die rechtliche und terminologische Lage diesbezüglich ist. Ich will gar nicht auf diese Schwierigkeit eingehen, sondern einen großen Schritt von dieser schwierigen, für mich selbst noch unklaren Schwammigkeit nach vorne an die klar definierte Front machen, und dabei das immer noch häufig gehörte Missverständis aufklären, dass jeder rhum agricole automatisch nach den strengen Regeln des AOC hergestellt wird. Die Kette ist eigentlich klar: Nicht jeder Zuckerrohrsaftbrand ist ein Rum, nicht jeder auf französischen Gebieten hergestellter Rum ist Rhum agricole, nicht jeder Agricole aus derartigen Gebieten ist AOC.

AOC, Appellation d’Origine Contrôlée, ist ein Schutzmechanismus, der nur an sehr ausgewählte Produkte der teilnehmenden Länder vergeben wird (bei dieser französischen Variante eben Frankreich und Schweiz); bei weitem nicht jeder rhum agricole erhält ihn. Zur Zeit hat nur die Insel Martinique das Recht, ihren Rum, der nach diesen sehr explizit formulierten Regeln hergestellt wird, mit diesem Siegel zu markieren. Ein Beispiel für ein nicht-AOC-Rum-produzierendes französisches Gebiet ist Martiniques Nachbarinsel Guadeloupe. Um die Sache zu verkomplizieren, ist der Rum, der dort hergestellt wird, trotzdem auch geschützt – nicht über das AOC-Siegel, sondern über dessen kleinen Bruder, das IGP-Siegel (Indication Géographique Protégée). Kleiner Bruder deshalb, weil die Strenge der Vorgaben, was die Produktionschritte angeht, in diesem Fall doch erkennbar geringer ausfällt – statt detaillierten Vorgaben reicht es schon, wenn die Herstellung allgemein in der angegebenen Region erfolgt, um das Siegel bekommen zu können, das von der EU verliehen wird, nicht von einer unabhängigen Kontrollinstanz, wie das bei AOC der Fall ist.

Wir betrachten in diesem Zusammenhang einfach mal einen Rum – der Damoiseau VO Rhum Vieux Agricole Guadeloupe ist so ein Produkt der Insel Guadeloupe, das das IGP-Siegel trägt. Er wird in der Bellevue-Destillerie für den langjährigen Besitzer der Destille, Damoiseau, den größten Rumhersteller Guadeloupes, gebrannt, und lagert dann mindestens 3 Jahre im Eichenfass, um die Alterskategorie „VO“ zu bekommen.

Damoiseau Rhum Vieux Agricole VO Flasche

Für diese kleinen 3 Jahre weist der Rum eine überraschend kräftige Farbe auf, ein dunkles Kupfer mit goldenen Reflexen. Das lädt direkt dazu ein, die Nase ins Glas zu halten – dort findet man dann erstmal ein schönes Entrée von Zitrusfrüchten. Agricoletypische Noten tauchen schnell auf, Heu und Malz. Leise Anklänge von Kaffee und Schokolade, im Untergrund etwas Pferdedecke.

Der Geschmack überrascht dann zunächst leicht. Honig ist ganz deutlich präsent, ebenso Schwarztee. Passend dazu ist der Eindruck richtig süß, mild, ohne echte Kante und Ecke. Vollmundig und dicht, der Damoiseau VO fühlt sich fast schon dickflüssig im Mund an, wenigstens aber ölig. Leicht grasige Aromen, begleitet von etwas kühler Eukalyptusschärfe im Verlauf. 42% Alkoholgehalt kann man im Ansatz riechen und schmecken, ein paar Jahre mehr werden für noch bessere Einbindung sorgen.

Der Abgang wird sehr trocken, der ganzen Süße im Antrunk spottend. Ansprechend mittellang. Im Nachhall entdecke ich Vanille, noch mehr Heu. Sehr warm und wohlig läuft der Rum den Rachen hinunter und verweilt dort etwas. Ich finde das einen perfekten Rum für Leute, die bisher eher Süßrums im Blickfeld hatten und Agricoles mit Misstrauen beäugen, die grasig-holzigen Komponenten schwierig finden und sich eher gemütlich verwöhnen wollen. Der Abgang ist für diese vielleicht etwas ungewohnt würzig, doch nie unangenehm.

Es gibt unendlich viele Cocktailrezepte, die Rum einsetzen, in all seinen Spielarten. Meist ist dabei rhum agricole nicht die Zutat der Wahl, denn sein doch leicht anderes Aromenprofil würde dafür sorgen, dass die Gesamtaromatik in eine sehr andere Richtung kippt. Für den Damoiseau VO gilt das meines Erachtens nicht – er passt sich gut in Standardrumrezepte ein. Der Agricole Malecon zeigt dies; er wird normalerweise als Malecon mit Melasserum gemacht.

Agricole Malecon


Agricole Malecon
1¾ oz Rhum agricole (z.B. Damoiseau VO)
½ oz Tawny Port
oz Oloroso-Sherry
1 oz Limettensaft
2 Teelöffel feiner Zucker
3 Tropfen Peychaud’s Bitters
Auf Eis shaken.
[Rezept adaptiert nach Erik Lorincz]


Ich kann mit der Art von Schraubverschluss, die sich auf dieser Flasche befindet, bei Spirituosen sehr gut leben – ich brauche keinen Korken, wenn so ein hochwertiger Plastikschraubverschluss es auch tut. Bei dem wirklich richtig guten Preisleistungsverhältnis (man bezahlt in Frankreich im Supermarkt um die 20€ für die 70cl-Flasche) wäre auch jedes Meckern diesbezüglich scheinheilig.

Also, wer sich vor Rhum Agricole bisher gefürchtet hat, greife hier unbesehen zu. Auch bereits Initiierte, die nach einem wirklich milden, vollmundigen Schluck für zwischendurch oder als Cocktailzutat suchen, werden es nicht bereuen, sich diesen Tropfen ins Regal zu stellen.

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Simon's Valkyrie Thorslund Bavarian Nordic Rum Titel

Ab nach Walhalla – Simon’s Valkyrie Thorslund Bavarian Nordic Rum

Die Welt war vor einigen Jahrzehnten noch in Ordnung. Whisky kam aus Schottland, Irland und den USA, Agavenschnaps aus Mexiko, Weinbrand aus Frankreich, Vodka aus Polen und Russland. Und Rum? Rum kam aus der Karibik, alles andere war gepanschter Schmu. Ja, die Zeiten ändern sich. Whisky ist in sehr hervorragender Qualität inzwischen aus Japan beziehbar, Südafrika stellt zwar nicht Tequila, aber doch Spirituosen aus Agavenzucker her, ich habe südamerikanischen Pisco als dem französischen Cognac in nichts nachstehend für mich entdeckt, und Vodka – naja, manches ist beim alten geblieben, auch wenn sehr schöne Ausnahmeprodukte inzwischen auch in Deutschland hergestellt werden (Freimut, zum Beispiel).

In dieser neuen Weltordnung hat selbst Rum keine Sonderstellung inne mehr inne. Während die Basismaterialien für viele anderen Spirituosen weltweit recht problemlos angebaut werden können (Getreide, Trauben etc.), ist Zuckerrohr ein tropisches Gewächs. Die Herstellung ist daher eigentlich auf entsprechende Gebiete konzentriert, doch im Zuge der Globalisierung sind wenig verderbliche Basismaterialien, wie Melasse bei Rum, aber gern um die halbe Weltkugel unterwegs, so dass selbst im klimatisch unwirtlichen Deutschland Rum gebrannt werden kann – experimentierfreudige Brenner wie Severin Simon versuchen also, den karibischen Altmeistern die Schau zu stehlen, mit hochwertigen artisanalen Produkten. Simon’s Valkyrie Thorslund Bavarian Nordic Rum will dabei offensichtlich auf eigenen Füßen stehen, ohne künstliche Anbiederung an tropische Gefühle. Ich habe mir eine der schnuckligen 35cl-Flaschen bei einem Besuch in der Destille mitgenommen. Schauen wir mal, ob der deutsche Rum was taugt, und wie er sich in internationaler Konkurrenz schlägt!

Simon's Valkyrie Thorslund Bavarian Nordic Rum Flasche

Die 4 Jahre Reifedauer im Barrique aus regionaler Spessarteiche haben, wenn man die Farbe betrachtet, ihren Zweck optisch erfüllt – ein strahlendes Safran mit orangenen Reflexen; schön insbesondere, weil nicht künstlich nachgefärbt. Dicke Beine laufen am Glas langsam ab, eine leichte Öligkeit ist sichtbar.

Das Ex-Mackmyra-Fass, in dem der Thorslund für 6 zusätzliche Monate ruhen konnte, zeigt sich dann auch in der Nase. Ein Touch von Whisky liegt da im Untergrund, darüber eine Schicht Getreide, eine kräuterige Zwischenschicht aus Dill und Kümmel, und zur Krönung obenauf hochtönig noch ein paar Obstaromen (Apfel und Birne, würde ich sagen). Besonders schön für die, die die Destille besucht haben und sich erinnern können – man kann die Aromatik der Melasse, aus der dieser Rum gebrannt wurde, tatsächlich noch riechen.

Im Antrunk wirkt der Thorslund erstmal natürlich süß und weich. Die Breite, die man zu Beginn schmeckt, erhält sich, doch bald kippt die Süße um in kantige Trockenheit. Heimlich schleicht sich eine starke Bittere mit ins Bild. Ich schmecke vergorene Ananas, geröstete Gerste, Anis, etwas Apfel und Banane, und fast schon etwas Armagnac. Die Intensität, mit der die Aromen geliefert werden, ist berauschend. Sehr spannend, sehr vielschichtig, sehr aromatisch. Dieser Rum hält sich nie zurück, und ist trotz der 48,8% Alkoholgehalt dabei nirgends kratzig oder beißend. Der Abgang ist voller Haselnüsse, ultratrocken, heiß und lang, erinnert mich dabei sensorisch an eine verrückte Mischung aus jamaikanischem Funk und norddeutschem Kornbrand. Da ist Dampf ohne Ende drin.

Simon's Valkyrie Thorslund Bavarian Nordic Rum Glas

Ah, wer hier nicht direkt zum Fan deutschen Rums wird, den bedaure ich. Ganz klar: Der Thorslund kann ohne Mühe mit den besten Produkten der großen karibischen Namen mithalten. Das ist ein herrlicher, superaromatischer und dabei so wunderbar unkomplizierter Rum, bei dem ich es extrem bedauere, nur eine Flasche erworben zu haben – bei einer Limitierung auf 150 Flaschen ist es wohl aussichtslos, nochmals eine davon abzustauben, für die schlechten Tage, wenn man nach vielen Samples mittelmäßigen Rums einen Lichtblick gut gebrauchen könnte.

Immer wieder lese ich, dass man hochwertige Spirituosen nicht in Longdrinks oder Cocktails vermischen soll. Nun, selbst Trader Vic hat einen 17-jährigen Wray&Nephew, der heutzutage wahrscheinlich kaum bezahlbar wäre, in seinem originalen Mai Tai untergebracht, und ihn nehme ich mir diesbezüglich gerne als Vorbild. Daher kommt der Thorslund in einen Cocktail, wie eigentlich alle Spirituosen, die ich auf meinem Blog bespreche. Kein Tiki-Cocktail, sondern was kleines, feines – im Pedro Martinez kommt er besonders schön zur Geltung.

Pedro Martinez


Pedro Martinez
1½ oz gereifter Rum (z.B. Simon’s Valkyrie Thorslund Bavarian Nordic Rum)
¾ oz roter Wermut (z.B. Carpano Antica Formula)
¼ oz PX Sherry (z.B.  La Cigarrera Pedro Ximénez)
2 Spritzer Xocolatl Mole Bitters
Auf Eis rühren.
[Rezept nach Bryan Schneider]


In der Valkyrie-Reihe hat Severin Simon auch noch zum Beispiel den Castanea im Portfolio, der statt in Whisky-Fässern in Kastanienholz reift. Natürlich folgt eine Besprechung jenes Rums auch noch. Die nordische Mythologie als Storytelling-Rahmen für den Rum gefällt mir gut, ebenso die Illustrationen auf den Etiketten, die wie auch der Schriftsatz edel wirken, ohne sich allzusehr dabei zu verkaspern. Ein praktischer, qualitativer Schraubverschluss ist für mich eine gute Alternative zum Korken. Sehr wichtig für mich –  dieser Rum ist ungefärbt und ungesüßt. Ein paar Infos darüber, wie auch über die doch nicht alltägliche Herstellung und Reifung, hätte ich mir auf einem eventuellen Rücketikett gewünscht.

Wenn es solch großartigen Rum in Walhalla gibt, hat der Tod seinen Schrecken für mich verloren, und ich freue mich auf die Walküren, die mich dann irgendwann mal dorthin bringen.

Ron Zacapa Sistema Solera 23 Titel

Der Einstieg in die Zuckerhölle – Ron Zacapa 23 Sistema Solera

Es gibt unter Rumkennern eine Theorie, die sich „Gateway“ nennt. Darunter versteht man im Allgemeinen, dass es kaum einen Rumfreund gibt, der nicht über gewisse Marken in die Szene eingestiegen ist – Botucal/Diplomatico, El Dorado, Plantation XO und der hier besprochene Ron Zacapa 23 Sistema Solera sind dafür übliche Verdächtige. Sie sind stark gesüßte, teils aromatisierte, teils sogar mit Glyzerin versetzte Produkte, die den Konsum vereinfachen sollen (auf den Zacapa trifft, um das vorwegzunehmen, alles drei zu) – das Zeug kann man trinken, selbst wenn man sonst keine Spirituosen mag. „Gateway“ ist entsprechend die englische Bezeichnung für diesen „Einstieg“. Man beginnt danach vielleicht, sich mit Rum auseinanderzusetzen, und wer dranbleibt, bleibt allerdings oft nicht bei diesen Produkten – schnell erkennt man, dass die Aromatik künstlich ist, und man steigt auf saubere Rums um, oder ist sich wenigstens hoffentlich klar, dass man eigentlich eine Art Rummixgetränk oder prebottled Rum Old Fashioned trinkt, aber nicht Rum.

Die Gateway-Theorie ist manchmal das letzte Gute, was man als Fortgeschrittener über bestimmte Produkte sagen kann oder will, und manche geben Anfängern eventuell daher sogar den Rat, mit ihnen einzusteigen – eben weil man selbst damit angefangen hat. Hier hört es für mich aber auf. Als Erklärung für die Bekanntheit dieser Rums mag die Gateway-Theorie dienen, aber auf gar keinen Fall als Handlungsempfehlung. Muss es wirklich sein, dass alle Anfänger erstmal betuppt werden müssen und sie ganz natürlich zunächst gepanschte Ware trinken sollen, nur weil wir als dumme Anfänger diesen harten und teuren Weg gehen mussten, in Zeiten, als die Manipulation von Spirituosen mit Additiven nicht bekannt war? Empfiehlt man angehenden Whiskytrinkern erstmal Drambuie und Irish Mist? Nein. Und bei Rum sollte es auch nicht so sein.

Ron Zacapa Sistema Solera 23 Flasche

Meine Einstellung dazu gefällt manchen nicht, das weiß ich. Dennoch hatte ich mir es auf die Fahnen geschrieben, für sauberen Rum und die Bekanntmachung der Vorgänge bei Rum zu kämpfen. Heute blicke ich nostalgisch zurück – in nur wenigen Jahren ist diesbezüglich unglaublich viel passiert, und das Pendel schwingt in die andere Richtung. Gut und weiter so!

Behäbig und schwer liegt er mit seinem dunklen, kräftigen Terracotta im Glas. Er schwenkt sich sehr gefällig. Man ahnt, wenn man es weiß, hier bereits den Weichmacher, den er enthält – Glyzerin ist per Labortest nachgewiesen, eine Substanz, die auch in so manchen Vodkas zum Gefügigmachen eines nicht ganz so weichen Destillats genutzt wird.

Die Nase des Rums aus Guatemala ist durchaus rumtypisch, Walnüsse, Rosinen, Weihnachsgebäck, Haferkekse, dunkle Schokolade; eine leichte Pferdedeckennote finde ich immer gar nicht unattraktiv. Er wird aus „virgin sugar cane honey“, einem Marketingeuphemismus für konzentrierten, eingedickten Zuckerrohrsaft, hergestellt, was aromatisch näher einem Melasserum ist als einem aus frischem Zuckerrohrsaft hergestellten. Ich entdecke einen nur minimalen, aber erkennbaren Alkoholbeiklang. Der Geschmack ist sehr gefällig, sehr süß im Antrunk, zunächst weich und samtig, vanillig (auch letzteres ist per obigem Labortest als künstliches Aroma entlarvt). Es dauert nicht lang, dann kommt eine störende Säure zum Vorschein; man entdeckt parallel den fehlenden Körper, den eklatanten Mangel an Tiefe, die Pappigkeit, die aus der zunächst noch angenehmen Süße geboren wird. 40% Alkohol werden durch die Zuckerung einigermaßen maskiert – die Maske wirkt aber künstlich und aufgesetzt. Der Abgang kann dann doch nicht komplett verbergen, was hier geschehen ist – ein mittelmäßiges Destillat wurde mit Additiven aufgepimpt, was am Gaumen noch recht gut funktioniert, im Nachhall sich aber als schal, scharf, leer und kurz entpuppt.

Mein Mantra ist – was ich nicht pur trinken würde, kommt mir auch nicht in den Cocktail. Davon gibt es nur wenige Ausnahmen. Für gesüßten Rum mache ich diese nur, solange die Flaschen halt im Haus sind und so langsam aber sicher dann halt doch weg müssen. Dabei achte ich darauf, sie in Rezepten zu verbraten, die eh von sich aus bereits einen süßen Charakter haben – wie der Curiosity. Tatsächlich bringt der Zacapa hier sogar einen gewissen Charme mit in die Mixtur und fällt mit seiner Süße unter den eh schon arg süßen Mitstreitern Sherry, Likör und Sirup kaum negativ auf.

Curiosity


Curiosity
2 oz gereifter, süßer Rum (z.B. Ron Zacapa 23 Sistema Solera)
1 Teelöffel Schwarztee (lose in den Shaker)
⅔ oz PX Sherry
⅓ oz Suze
⅓ oz Vanillesirup
Auf Eis schütteln. Doppelt abseihen. Mit einer Orangenzeste garnieren.

[Rezept nach Kenny Klein]


Während ich mich über die täuscherischen Pseudo-Altersangaben von lateinamerikanischen Solera-Rums, die zumeist nicht mal echte Soleras sind, sondern Blends, anderswo schon ausgelassen habe, muss ich bei diesem Rum nochmal auf die Süßung zurückkommen, einem Thema, das 2018 eigentlich bereits etwas ausgereizt scheint, doch immer wieder entdeckt man neue Facetten dieses Vorgehens. Knapp über 20g/L (im untenstehenden Foto runtergerechnet auf die 700ml-Flasche entsprechend 14 Gramm Zucker) weist der Ron Zacapa 23 heute auf; frühere Messungen hatten über den doppelten Wert ergeben.

Eine interessante Diskussion findet sich im Rum Project dazu. Letztlich läuft es darauf hinaus, dass Zacapa wohl seinen früheren Anteil von Saccharose tatsächlich sehr stark reduziert hat – dafür aber einfach umgestiegen ist auf eine andere Süßungsart, nämlich Fructose-Glucose-Sirup. Dieser ist geschmacklich deutlich süßer als Zucker; so ist der messbare Anteil an Zucker niedriger, die früher bekannte Süße bleibt erhalten. So einen Stunt muss man erstmal durchziehen. Mich wundert im Rum-Business aber nichts mehr. Scheinbar ist es manchen Herstellern wichtiger, ihre Energie dahingehend zu verbrauchen, die Konsumenten mit immer neuen Tricks zu täuschen und neue Wege der künstlichen Süßung zu suchen, statt einfach diese Energie in die Weiterentwicklung und Säuberung ihrer Produkte zu investieren.

So, Zacapa 23 in ein paar Sätzen zusammengefasst: Glyzerin zum Weichmachen, hochindustrieller Zuckersirup zum Abschleifen und Süßen, künstliches Vanillin für die feinen Aromen, eine täuscherische Altersangabe als Kaufanreiz, viel Marketingblabla zum Blenden der Unwissenden. Habe ich was ausgelassen? Letztlich können nur wir Verbraucher diese Praxis beenden, indem wir derartige Produkte meiden. Man kann mit dem Zacapa 23 damit anfangen – seinen einstigen guten Ruf, der nur auf Betrug basierte, hat er in Kennerkreisen eh schon lange verloren, und entsprechend gibt es weder für Anfänger noch für Kenner eine Pflicht, ihn probiert zu haben.

Mount Gay Pure Silver Titel

Kurz und bündig – Mount Gay Pure Silver

Urlaubsmitbringsel! Herrlich! Es freut einen, wenn die Kollegen an einen denken, selbst im Urlaub. Und wenn man dann sogar noch was mitgebracht kriegt, freut man sich doppelt. Dreifach sogar, wenn es sich um ein Sample eines bajanischen Rums handelt! Vierfach, wenn das Sample tatsächlich auf Barbados gekauft wurde. Fünffach, wenn man schon vor der Verkostung weiß, dass es sich um qualititativ hochwertigen Rum handelt, wie den Mount Gay Pure Silver. Diese Besprechung basiert auf genau so einem mitgebrachten 5cl-Sample.

Mount Gay Pure Silver

In Deutschland ist dieser Rum in dieser Form, soweit ich weiß, nicht leicht erhältlich. Es gibt den Mount Gay Silver, der allerdings nur 40% aufweist, während der Pure Silver 43% Alkoholgehalt hat. Es handelt sich dabei um einen gereiften Rum, der mindestens 2 Jahre er in Ex-Bourbon-Fässern lagerte, und dem die Farbe dann wieder entzogen wurde – entsprechend klar ist er nun. Der Geruch ist erstmal deftig, und fast ausschließlich, lösungsmittelig. Eine tieferliegende Dunkelheit in der Aromatik deutet auf das Alter hin. Etwas Getreidecharakter ist da, dadurch erinnert der Pure Silver mehr an Vodka als an Rum.

Im Antrunk ist der Bajaner sehr süß, das bleibt auch im Verlauf bis zum Schluss die Grundtendenz. Lösungsmittel auch im Geschmack, dazu Getreide, hm, wäre nicht die wirklich tiefe Süße, ich würde es für Vodka halten. Ist das ein Kompliment für Rum? Eher nicht. Der Abgang ist glühend heiß, aber nicht brennend, bis tief in die Speiseröhre hinunter. Das gefällt mir, unzweifelhaft hat der Pure Silver ordentlich Power und Volumen, doch aromatisch bleibt er leider arg kurz, ein milder Eisenton ist schon alles.

Nun, das ist sicher kein Rum, den ich mir abends so vor dem Fernseher eingießen würde, da kann er noch so sehr aus einer Traditionsbrennerei stammen. Seine Kraft und dicke Schwere ist letztlich sein einziger Vorteil, denn sonst hat er sensorisch kaum etwas zu bieten. Bei Melasse-Rum mit hohem Column-Still-Anteil ist es halt wie bei Whisky (und anders als bei Tequila und Cachaça!) – er braucht das Fass, um attraktiv zu werden, und das mehr als 2 Jahre. So bleibt, so leid es mir tut, nur die Freude über das Geschenk. Diese überwiegt natürlich alles, da ist der Geschmack letztlich auch zweitrangig.

Tres Hombres Edition 7 XVIII Años 2014 Fairtransport Rum Titel

Kurz und bündig – Tres Hombres Edition 7 XVIII Años 2014 Fairtransport Rum

Limitiert auf 4569 Flaschen aus 14 Fässern aus amerikanischer Eiche, die mit einem Segelkutter den Atlantik überquerten – das ist der Tres Hombres Edition 7 XVIII Años 2014 Fairtransport Rum. Jedes Jahr schippern die drei Herren über die Weltmeere und bringen dabei mit hervorragender Klimabilanz überseeische Destillate zu uns nach Europa, 2014 war es eben dieser Rum aus der Dominikanischen Republik, gereift in einem Pseudo-Solera-System, für das die Altersangabe von 18 Jahren bedeuten mag, dass der älteste Anteil (nicht der jüngste, wie sonst in der Spirituosenwelt üblich!) 18 Jahre alt ist. Vielleicht bedeutet es auch etwas anderes, man weiß es halt nicht bei dieser Art von Reifung. Diese Besprechung basiert auf einem 10cl-Sample.

Tres Hombres Edition 7 XVIII Años 2014 Fairtransport Rum

Die Farbe würde ich als dunkleres Kupfer bezeichnen – Färbung ist wahrscheinlich. Ich meine, eine leichte Trübung wahrzunehmen (das würde ich nicht unbedingt als Mangel deklarieren). Im Glas verhält sich der Melasse-Rum nur wenig schwer, ablaufende Beine sind dünn und verteilt.

Der Geruch verströmt schnell nach dem Eingießen – ein sehr angenehmes, mildes Geruchsbild aus Rosinen, Bananen und Ananas. Eine unterschwellige Funkigkeit erhöht die Komplexität. Sehr erfreulich soweit.

Im Geschmack kommt schnell Ernüchterung auf. Ist der erste Antrunk noch vielversprechend mit milder, dunkler Würze, holt der Tres Hombres Edition 7 kurz darauf den Zuckerhammer hervor. Pappsüße macht alles platt, was vielleicht interessant sich hätte entwickeln können. Künstliche Süßung? Das Sample ist zu klein für eine eigene Messung, doch rein sensorisch gibt es da für mich keinen Zweifel, da ist ein ordentlicher Batzen Zucker oder Süßwein reingeflossen. Immerhin – 40,7% Alkoholgehalt sind dadurch gut maskiert.

Entsprechend klebrig ist dann halt auch der Abgang. Ein Belag liegt eine Weile auf der Zunge, außer Süße ist da nichts, obwohl man ahnen könnte, dass der Rum ohne Süßung eine interessante Trockenheit aufweisen würde, aber wahrscheinlich auch ein heftiges Alkoholfeuer, denn eine vielsagende dezente Betäubung der Zungenspitze ist der Schluss.

Wie bei vielen Rums von Oliver & Oliver fragt man sich als Freund von Rumtransparenz und unmanipulierender Produktion, ob man sich das wirklich antun muss. Und, ganz hart und ehrlich gesprochen – der hehre Gedanke der Tres Hombres mit ihrem „Fairtransport“ wird für mich dadurch etwas konterkariert, wenn sie sich so wenig für die Ehrlichkeit der transportierten Rums interessieren.

Botucal Distillery Collection Titel

Kurz und bündig – Botucal Distiller Collection N°1 und N°2

Botucal, oder auch Diplomático, wie man diesen Rum aus Venezuela sonst überall in der Welt kennt, war einst der König der Rums. Er stürzte dann doch recht tief, zumindest im Ansehen von Kennern, als die Nachsüßungsvorwürfe bewiesen und Allgemeingut in der Rumwelt wurden. Heutzutage haben es Zuckerbomben immer schwerer, in Rumkreisen ernst genommen zu werden (auch wenn sie sie natürlich immer noch vorzüglich verkaufen!) – da muss gegengesteuert werden. Die Botucal Distiller Collection ist vielleicht ein Ansatz, sich durch limitierte Spezialabfüllungen wieder etwas Respekt in der Community zu erarbeiten. Gelingt es? Ich habe es mit je einem 5cl-Samples der beiden Abfüllungen dieser Serie herauszufinden versucht.

Fangen wir an mit dem Botucal Distiller Collection N°1 Single Batch Kettle Rum. Dieser Rum ist hergestellt aus „Sugar Cane Honey“, dem Marketingbegriff für Zuckerrohrsaftsirup. Er wird in einem Dampfkessel destilliert (dies ist eine Art Brennblase, bei der der Schwanenhals durch eine Kolonne ersetzt wird – man destilliert also diskontinuierlich, aber auf einen hohen Zielalkoholgehalt hin).

Botucal Distiller Collection N°1 Single Batch Kettle Rum

Farblich sehen wir ein Kupfer, entstanden zum einen aus wohl rund 4 Jahren im Ex-Bourbon-/Ex-Scotch-Fass aus amerikanischer Eiche und zum anderen aus Zuckerkulör (lobenswert, dass dies deklariert ist). Sehr beweglich im Glas, schöner Beinteppich. Der Geruch ist sehr alkoholisch und lösungsmittelig, auch nach einer Viertelstunde Offenstehzeit. Er kommt mir helltönig vor, nach Getreide und milder Zitrone; und süßlich, nach Vanille. Wirklich nicht besonders attraktiv, erinnert mich an einen Korn; es ist der typische Geruch eines Kolonnenrums.

Geschmacklich nähern wir uns initial schon eher dem, was ich mir unter gutem Rum vorstelle. Man muss zwar zunächst über die eher mäßig eingebundenen 47% hinwegkommen, dann findet man eine schöne Würze, eine feine, wirksame Trockenheit und milde Gewürzaromen. Ein gutes Feuer brennt aber weiter. Der Abgang ist dann extrem kurz, extrem belanglos, ohne jedes Aroma, dafür mit andauerndem Zungenbrennen.

Ehrlich gesagt – das ist trotz einiger interessanter Ansätze mit das langweiligste, was ich seit langem im Glas hatte. Man wundert sich nicht, dass so ein Destillat in einen Blend überführt und stark gesüßt werden muss, um verkaufbar zu sein. Schauen wir mal, ob der zweite Vertreter es besser macht! Botucal Distiller Collection N° 2 Single Barbet Column Rum wird in einem Barbet-Brennapperat destilliert, das ist eine doppelte Kupferkolonne.

Botucal Distiller Collection N° 2 Single Barbet Column Rum

Destilliert im März 2013, wird er also auch wohl um die 4 Jahre gereift sein, auch hier in amerikanischer Eiche. Die Farbe ist ein kräftiges, strahlendes Kupfer. Optisch unterscheiden die beiden Rums sich kaum. Ich rieche dann Vanille, Shortbread, Apfel, und ordentlich Lack – nett, aber eher gedämpft. Da ist nicht wirklich viel, das mich zum weiteren Schnuppern reizen würde. Oberflächlich und leicht.

Im Mund ist der Botucal Distiller Collection N° 2 dann fülliger und mit mehr Charakter. Eine schöne, kräftige Süße: im Antrunk ist diese zwar schon, danach aber nicht mehr ganz unnatürlich wirkend. Vanille, Zimt und Toffee. Im Verlauf kommt eine pfeffrige Note auf, noch mehr Gewürztöne. Der Abgang ist aber sehr kurz, arm, schmal und nur nach Eisen schmeckend. Dieses hält dann etwas länger vor. Insgesamt ein weiteres Beispiel für den Stil eines Column-Still-Rums, etwas anders und sicherlich interessanter als sein sehr enttäuschender Namensbruder, aber im Endeffekt kaum spannender – es fehlt einfach massiv an Tiefe und Komplexität.

Laut eigenen Aussagen sind diese beiden Abfüllungen, im Gegensatz zum zuckrigen Flaggschiff der Firma, ungesüßt. Nachdem ich die beiden Rums probiert habe, glaube ich dieser Aussage – da ist keine künstliche Süße in der Aromatik. Leider aber auch sonst kaum etwas.

Trois Rivières Rhum Vieux Agricole Single Cask 2002 Titel

Kurz und bündig – Trois Rivières Rhum Vieux Agricole Single Cask 2002

Der Trois Rivières Rhum Vieux Agricole Single Cask 2002 ist ein knapp über 10 Jahre alter Rum aus Martinique, der in Ex-Bourbon- und Ex-Cognac-Fässern reifte. Diese Besprechung basiert auf einem 10cl-Sample, das aus Flasche Nr. 56 von 240 abgefüllten Flaschen gezogen wurde.

Farblich ist diese Rum erstmal erstaunlich, mit seinem kräftigen, dunklen Hennarot. Da selbst bei den strengen Regeln der AOC-Martinique-Rhums, zu denen dieser gehört, das Färben erlaubt ist, kann man nicht davon ausgehen, dass alles davon aus Fasseffekten stammt. Er hinterlässt beim Schwenken kaum Reste am Glas, die vereinzelt vorhandenen Beine laufen langsam bis sehr langsam ab.

Trois Rivières Rhum Vieux Agricole Single Cask 2002

Selbst einige Minuten nach dem Eingießen muss man vorsichtig sein und nicht zu tief schnüffeln, wenn man die Nase ins Glas hält. Ein sehr starker Lackton, in Verbindung mit einer beißenden Alkoholnote, zwicken sonst die Nasenschleimhaut. Erst sehr lange nach Öffnen verfliegt diese langsam. Sehr dominante Holzkomponenenten könnten dabei helfen, diesen Rum als Bourbon zu tarnen – aromatisch sind da verblüffende Ähnlichkeiten. Ein leichter Gewürzhauch und etwas Zuckerrohrwürze sind die einzigen Hinweise auf Rum – das sonst so typische Grasige, Mineralische, fehlt hier völlig. Vanille, Holz und Lack beherrschen das Bild.

Im Mund fährt der Rum fort, mich zu erstaunen – er ist sehr bitter, trocken, deftig salzig. Im Verlauf wird das kleine bisschen an Süße, das unterschwellig da ist, durch eine starke Säure verdrängt. Anis, Lakritz und ein Eindruck von einem Kräuterbonbon schieben sich nach vorn, eine alkoholische Feurigkeit belegt den gesamten Mundraum. 50,6% Alkohol verstecken sich nie. Sehr viel Holz, Tannine und ähnliches, maskieren viel des Rumcharakters – die 10 Jahre in Ex-Bourbon- und Ex-Cognacfässern sind für meinen Geschmack in diesem Fall schon fast etwas zu viel gewesen. Immerhin bekommt man so ein dichtes Gesamtbild mit viel Wucht und Breite und spannendem Mundgefühl, wenn es auch an Tiefe und Komplexität etwas mangelt.

Der Abgang lässt dann endlich die agricolischen Noten, die ich von Anfang an gesucht und erwartet hatte, auftauchen. Hier kommt Zuckerrohrsaft, Gras, Mineralität, Algen und sehr viel Eukalyptus zum Vorschein. Der Abgang selbst ist lang und aromatisch, der Nachhall noch nach vielen Minuten vorhanden.

Nun, wer Holzaromen in Spirituosen mag, sollte hier einen Blick riskieren, es besteht kaum Gefahr, dass junge, frische Rumgeschmäcker diesen Genuss stören. Das ist gleichzeitig auch mein persönliche größte Schwierigkeit, die ich bei diesem Trois Rivières für mich ausmache – neben dem Holz ist da nicht wirklich viel spannendes.

A.H. Riise Non Plus Ultra und Royal Danish Navy Rum Titel

Kurz und bündig – A.H. Riise Non Plus Ultra und Royal Danish Navy Rum

„Wenn du dich und den Feind kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten.“

So ein Aphorismus, den Sunzi in seinem Buch „Die Kunst des Krieges“, heutzutage verkommen zur neoliberalen Managerbibel, formuliert hatte. Tatsächlich ist das ein kluger Gedanke, und so mache ich mich auch auf, meinen Feind besser kennenzulernen. Die Produkte des dänisch-amerikanischen Herstellers A.H. Riise stehen auf meiner Liste der Staatsfeinde ganz oben, und so landen entsprechend nun zwei Abfüllungen dieses Hauses, gegen das eine Schokoladenfabrik wie ein Diabetikerzentrum wirkt, bei mir im Glas. Diese Besprechung basiert auf 4cl-Samples, weit mehr als genug für diesen Rum.

Beginnen wir mutig mit dem A.H. Riise Non Plus Ultra, angeboten in einem spektakulären Glasdekanter. Da man nichts über den Rum in diesem Gemisch weiß, als dass er von den amerikanischen Jungferninseln stammt (die Altersangabe „der älteste und beste, den wir haben“, die auf dem Karton zu finden ist, zähle ich mal nicht ernsthaft), gehe ich davon aus, dass auch ein Schuss Färbemittel den Weg in die Flasche gefunden hat. Eine schwere Öligkeit sorgt für schönes Schwenkverhalten im Glas.

A.H. Riise Non Plus Ultra

Die Nase erkennt eine schwere Süße, Toffee, Shortbread, Zuckerwatte – ein bisschen künstlich. Ein buttriger Unterton ist vorhanden, aber auch eine gewisse leicht säuerliche Fruchtnote. Ein leichter Lackton schwingt mit, und ein erkennbarer Ethanolgeruch.

Im Mund hat man dann halt alles mögliche, aber keinen Rum. Da ist Orangenaroma, künstliches Vanillearoma und Zucker. Der Rum hält nichts, was die Nase vielleicht noch versprechen mag. Praktisch kein Körper, keine Tiefe, alles klebt an der Oberfläche wie ein Schwimmer am Rettungsring. Null Komplexität, man schmeckt im Verlauf nur noch Alkohol und Zucker. Ersterer ist darüber hinaus nicht eingebunden, bei 42% spürt man das.

Der Abgang ist scharf, heiß, sehr kurz. Ich will es auch nicht länger machen, als nötig – das ist wirklich schlimm; es schmeckt nicht mal wirklich schlecht, sondern einfach halt billig, schlampig und lieblos gemacht, und oberflächlich.

82 g/L Zucker ist mit einer der höchsten Werte, die für einen Rum mit dem Hydrometer-Test je gemessen wurden. Übertroffen wird er eigentlich fast nur noch vom Ron Jeremy XO und, ja, dem nun im folgenden probierten A.H. Riise Royal Danish Navy Rum. Jener macht mit 96 g/L Zucker eigentlich am Ende jeder Zuckerliste das Licht aus. Ich will ihn eigentlich gar nicht probieren, aber was tut man nicht alles für die Wissenschaft.

Farblich unterscheidet er sich nicht vom Non Plus Ultra – helles Braun, mit Sicherheit gefärbt. Dieser künstliche Zuckerwatte- und Fruchtgummiunterton, den ich auch beim NPU gerochen hatte, ist hier das dominante Aroma. Wer sich von der Bezeichnung „Navy Rum“ etwas ähnliches wie einen britischen Tot erhofft hatte, verdreht die Nase. Man könnte mit viel gutem Willen, wenn man das Ethanol mal wegriecht, und die penetranten Orangen ignoriert, etwas wie Rum erkennen.

A.H. Riise Royal Danish Navy Rum

Geschmacklich ist es dann Orangenlikör. Sogar ein recht scharfer (ein grausiges Destillat muss es sein, das bei nur 40% und fast 100g Zucker noch so ziept!), unausgewogener, ohne jedwede Form der Komplexität – die arme dänische Marine. Im Abgang schmecke ich noch alte Socken und Kautabak, sogar eine leicht käsige Note. Ne, also wirklich. Am Ende dann doch noch ein kleines Highlight – der scharfe, kratzige Abgang ist sehr kurz. Leider pappt der pure Zucker einem noch minutenlang den Gaumen zu, ohne jedwedes Aroma.

Absurde Mondpreise werden für diese beiden Zuckersuppen aufgerufen – ich gebe einen Tipp. Man kaufe sich Rumaroma und E150a im Supermarkt, vermische das mit einer dreiviertel Flasche Vodka und gieße den Rest mit Zuckersirup auf. So zahlt man, nimmt man einen vernünftigen Vodka (obwohl selbst das nicht nötig ist, um das Geschmackserlebnis zu replizieren), unter 10€ statt 100€, hat aber ein von Geschmack und Qualität sehr vergleichbares Produkt im Glas. Will man noch was fürs Auge: einen opulenten Dekanter, wie den in dem der Non Plus Ultra geliefert wird, bekommt man auf dem Flohmarkt nachgeworfen.

Meine Kritik würde nicht ganz so ätzend ausfallen, würden die Hersteller sich dazu bequemen, statt „Rum“ einfach „Rumlikör“ oder „stark gesüßte Spirituose auf Rumbasis“ (am ehrlichsten wäre aber „mit Rum versetzter Zuckersirup“) aufs Etikett zu schreiben, und 20€ für den Liter zu verlangen. Selbst dann würde ich aber vom Kauf abraten, denn: das Zeug  schmeckt einfach nur künstlich.

Heinr. von Have The Amber Falernum Spiced Rum Infusion Titel

Falernumzentrum Deutschland – Heinr. von Have The Amber Falernum Spiced Rum Infusion

Es ist faszinierend – die ganze Zeit war Falernum ein in Deutschland ungekanntes Produkt. Dabei ist der Likör, für den es kein wirklich festes Rezept gibt, der aber meist mit Gewürzen, Limetten und Ingwer hergestellt wird, doch Teil einer erklecklichen Anzahl von Cocktails.  Das aufwändige Selbstherstellen war die einzige Alternative zum praktisch einzigen kommerziellen Falernum über sehr lange Zeit – John D. Taylor’s Velvet Falernum, hergestellt von R. L. Seale & Co. Ltd, der Firma, zu der auch die inzwischen wohlbekannte und -geschätzte Foursquare Distillery gehört.

Seit kurzem hat man aber die volle Auswahl, und, und das halte ich für sehr erstaunlich und erwähnenswert, insbesondere mit Produkten, die nicht mühsam importiert werden müssen, sondern in Deutschland hergestellt werden  – The Bitter Truth war der Vorreiter in Deutschland für den eigentlich ur-bajanischen (also von Barbados stammenden) Rumlikör, es gibt ein deutsches Falernum von Intense, und seit kurzem hat auch Revolte Rum ein Falernum im Angebot.

Meine persönliche Meinung – da es keine klaren Vorgaben gibt, wie ein Falernum herzustellen ist, kann jeder Hersteller diesem Likör seinen eigenen Twist geben (was auch, wie ich aus erster Hand bestätigen kann, genauso geschieht), und entsprechend darf die wohlausgestattete Heimbar auch gern mehr als ein Falernum beinhalten. Warum also nicht entweder als Erstausstattung, oder als Alternativversion mal ein weiteres deutsches Produkt ausprobieren? Das Heinr. von Have The Amber Falernum Spiced Rum Infusion bietet sich dafür sehr an.

Heinr. von Have The Amber Falernum Spiced Rum Infusion Flasche

Die komplett schwarz überzogene Flasche schützt den Inhalt vor Lichtstrahlen und neugierigen Blicken. Im Glas wird die Farbe erkennbar – ein leicht trübes, blasses Strohgold, eine recht natürlich wirkende Kolorierung. Es verhält sich recht leichtflüssig und hinterlässt kaum Spuren am Glasrand.

Der Geruch ist dafür umso auffälliger, der sich direkt weit um das Glas herum verbreitet, wenn man es schwenkt. Man fühlt sich in wohl, wenn man daran riecht: Nelken, Zimt, Ingwer, Orange, Limettenschale. Bei tieferem Schnuppern kommt eine milde Rumnote zum Vorschein. Ich denke etwas an gut gemachten Glühwein.

Da bekommt man Lust, einen Schluck zu nehmen. Der Antrunk ist mild, süß, zitruslastig, sehr breit aber ohne große Tiefe. Auch im Verlauf bleibt der Likör leicht und vielleicht fast schon etwas wässrig – mit seinen 17% Alkohol liegt es im unteren Mittelfeld der oben in der Einleitung angesprochenen Falernums, wirkt aber deutlich dünner als diese. Der Zucker, der in einem Likör definitionsgemäß ordentlich enthalten ist, hält sich zurück, vielleicht ein Grund für diese gefühlte Leichtigkeit, und wirkt nie pappend, das ist sehr angenehm.

Heinr. von Have The Amber Falernum Spiced Rum Infusion Glas

Die Gewürze, vor allem Zimt, aber auch Nelken und Piment, drängen sich auch nicht auf, die Rumbasis (laut Etikett „gereifter Karibik-Rum“, das heißt alles und nichts, da könnte für meinen Transparenzextremismus etwas deutlicher geworden werden) sorgt für den harmonischen Beiklang – das ist ein schöner, runder, feiner, edler Geschmack; man kann diesen Rumlikör dadurch, obwohl Falernum an sich im Allgemeinen eher eine Cocktailzutat ist, auch gut pur, eventuell mit einem Eiswürfel, genießen.

Der Abgang ist dann nelkenbetont, doch die milde Schärfe aus dem Ingwer setzt einen kleinen, pikanten Schlussstrich. Hier spürt man schließlich doch etwas den Zucker am Ende, doch immer noch wirkt The Amber Falernum hier aus einem Guß – handwerklich sehr gelungen.

Zum Zeitpunkt des Erstellens dieses Artikels ist es tiefster Herbst – die Bäume werden gelb und braun, die Blätter fallen, der Wald riecht nach Pilzen und Moder. Abends wird es schnell dunkel, und passend dazu habe ich mir für das The Amber Falernum ein herbstliches Rezept ausgesucht. Cider à la Minute kombiniert aufs innerlich wärmendste die ganze Aromenwelt der dritten Jahreszeit, und das Falernum sorgt für aromatische Tiefe. Wunderbar.

Cider à la Minute


Cider à la Minute
1½ oz gereifter Rum (z.B. Ron Zacapa Solera 23)
½ oz Falernum (z.B. The Amber Falernum)
⅓ oz Becherovka
¼ Apfel, gerieben
1 Prise Zimt
1 Prise Muskatnuss
Auf Eis shaken. In ein Glas voll Eis doppelt abseihen, mit Ginger Beer aufgießen.
Mit 2 Spritzer Old Time Aromatic Bitters krönen.

[Rezept nach Heather Mojer]


Auch die Präsentation weiß zu gefallen – die verwendeten Zutaten, Nelke, Piment, Zimt, Ingwer und Limetten, sind auf der Flasche in einem schönen Glanz-vs.-Matt-Effekt abgedruckt, was man erst sieht, wenn man die Flasche leicht dreht und wendet. Auf dem Schraubverschluss findet man den Hinweis, dass The Amber Falernum beim Spirituosenwettbewerb ISW eine Goldmedaille gewonnen hat.

Heinr. von Have The Amber Falernum Spiced Rum Infusion Details

Die Deklaration des Produkts ist zweigestaltig – auf dem Frontetikett findet sich die Bezeichnung „Spiced Rum Infusion“, die Verkehrsbezeichnung auf der Rückseite ist aber treffender als „Liqueur mit Rum“ angegeben, da Falernum an sich natürlich nicht als gesetzliche Kategorie in der Spirituosenverordnung existiert, dazu ist es einfach zu  gering verbreitet und speziell. Unabhängig davon fühlt es sich für mich sehr typisch für Falernum an, das heißt es wird nichts spinnertes gemacht, sondern sich an traditionelle Rezepturvorgaben gehalten. Alles andere wäre auch dem Anspruch des Produkts nicht angemessen.

Offenlegung: Ich danke dem Hersteller für die kostenlose Zusendung einer Flasche des The Amber Falernum.

Atlántico Gran Reserva Titel

Rumreserven – Atlántico Gran Reserva

Es spricht sich so langsam rum – Altersangaben auf vielen, hauptsächlich lateinamerikanischen Rums sind Schall und Rauch. Da prangen große Zahlen im Bereich zwischen 12 und 30 auf den Flaschen, die teilweise entweder gar keine Altersangaben sind (wie bei Flor de Caña zum Beispiel), oder das Wort „Solera“ in der Nähe stehen haben, also zwar als Altersangabe gemeint sind, wie das aber dann bei einem Solera-Verfahren (bei dem man rein technisch kein absolutes Alter angeben kann) zu interpretieren ist, wird meist offengelassen.

Eine alternative Form, zumindest ein Gefühl für das Alter der Spirituose zu vermitteln, haben sich andere Hersteller zugelegt. Sie leihen sich dafür Altersangaben, die sonst im Spirituosenbereich für spanischen Brandy zum Einsatz kommen. So finden sich dann die Wörter „Reserva“ oder „Gran Reserva“ auf dem Etikett. Bei Brandy ist geregelt, was sie bedeuten: Brandy de Jerez Solera Reserva weist das minimale Durchschnittsalter von einem Jahr auf, Brandy de Jerez Solera Gran Reserva ein minimales Durchschnittsalter von 3 Jahren. Weitere Bedingungen gelten für diese Begriffe, die ich hier nicht erwähne. Man beachte dabei das wichtige Schlüsselwort „Durchschnitt“. Auch für spanischen Rotwein gibt es diese Begriffe, mit etwas anderer Bedeutung. Die Frage ist natürlich, inwieweit sich die Rumhersteller an diese Vorgaben halten, oder ob sie einfach die prestigeträchtigen und wohlklingenden Bezeichnungen übernehmen. Für Rum gibt es meines Wissens keine klare Regelung, was diese Begriffe in diesem anderen Kontext bedeuten, und erst recht keine Kontrollinstanz wie das Consejo Regulador Especifica Brandy de Jerez, das die Einhaltung überprüfen würde – daher muss man im leider allzuoft sehr zwielichtigen Umfeld des Rums davon ausgehen, dass diese Auszeichnung reine Dekoration ist.

Einer der Rums, die sich diese Wortkombination aufs Etikett geschrieben haben, ist der Atlántico Gran Reserva, der Nachfolger des Atlántico Private Cask, den vielleicht der eine oder andere Rumfreund schon kennt.

Atlántico Gran Reserva Flasche

Die Farbe, ein glitzerndes, strahlendes Kupfer mit orangefarbenen Reflexen, gefällt bereits in der Flasche, wo sie einen attraktiven Kontrast zum dunklen Blau des Etiketts bildet. Eine Färbung mit Zuckerkulör ist vorgenommen worden, wie bei den meisten der heutzutage erhältlichen Rums, hier wird sie wenigstens auf dem Etikett klar angegeben. Im Glas liegt der Rum dünn, hinterlässt am Glas aber doch Schlieren.

Die Nase lässt schon darauf schließen, was wir im Mund nachher zu erwarten haben. Da ist viel vordergründige Süße, Karamell, Werther’s-Echte-Sahnebonbons, viel Vanille und Zimt, Kaffee und etwas Minze. Der Alkohol ist zunächst leicht stechend, er verfliegt aber nach einer Weile Offenstehzeit.

Im Mund liegt der Atlántico Gran Reserva zunächst sehr breit und süß, und die Nachsüßung (immerhin nach einer eigenen Bestimmung ordentliche rund 22g/L) schlägt volle Pulle und ohne Gnade zu. Da sind noch deutliche Erdnussaromen, etwas Ahornsirup, Cappuccino und dezente Gewürznoten. Der Alkoholgehalt von 40% ist nur mäßig gut eingebunden, man schmeckt und spürt ihn deutlich. Es handelt sich laut Hersteller um einen Blend aus Melasse- und Zuckerrohrsaft-Rums, etwas, das ich rein sensorisch kaum erkennen kann. Die sehr charakteristische grasige Note eines Zuckerrohrsaft-Rums ist nichtmal ansatzweise schmeckbar.

Atlántico Gran Reserva Glas

Im Abgang entsteht etwas Würze, leichtes Chili, und eine gewisse Trockenheit fängt endlich an, sich gegen die bis hierher dominierende Süße zur Wehr zu setzen. Ein kühlendes Gefühl sorgt eine Weile für einen recht angenehmen Nachhall, der allerdings dann schnell wieder von einem leicht pappig-klebrigen Gefühl eingeholt wird, das mich an übersüßten Cappuccino erinnert, was leider das einzige ist, was nach einer Weile als Eindruck dieses Rums übrig bleibt.

Ich bin wirklich kein Süßrumtrinker, daher muss ich mir darüber klar werden, was ich mit diesem Rum anfangen kann. Im The Black Sands sind genug Säure- und Frischekomponenten vorhanden, um die oberflächliche Süße des Atlántico Gran Reserva auszugleichen, so dass ein sehr trinkbarer, leckerer Cocktail entsteht. Das ist daher auch meine grundsätzliche Empfehlung – säurelastige Drinks bieten ein schönes Umfeld für diesen Rum, so dass er hier zumindest etwas glänzen kann.

The Black Sands


The Black Sands
1 oz gereifter Rum
1 oz Calvados
¾ oz Limettensaft
½ oz Zuckersirup
8 Minzblätter
Auf Eis shaken und auf Eis abseihen.
Mit etwas Sprudel aufgießen und einem Minzstrauch servieren.

[Rezept nach Gregory Saavedra]


Zu guter letzt sollten wir als interessierte Rumfreunde natürlich noch ein paar Fragen klären, bei denen viele Hersteller anfangen, mit den Zähnen zu knirschen. Wo wird der Rum destilliert? Er ist laut Etikett ein Produkt der Dominikanischen Republik, die Destillate werden aber wohl, wenn man vertrauenswürdigen Quellen glauben darf, von der Firma Oliver & Oliver anderswo eingekauft, z.B. in Trinidad oder Panama, und sie werden nur in der Domrep geblendet.

Das führt dann direkt zur nächsten Frage – wie alt ist der Atlántico Gran Reserva? Wie schon in der Einleitung angesprochen, bedeutet die Wortkombination „Gran Reserva“ auf einer Rumflasche nichts handfestes. Das Solera-Verfahren wird einerseits angesprochen, in Werbetexten liest man aber dann von einem fassweisen Blend („Es handelt sich um einen Blend aus small batch Rums, die bis zu 25 Jahre lang reiften“). Wie man auch bei anderen Herstellern sieht, ist Solera und Blend für viele Rumproduzenten scheinbar dasselbe. Das Alkoholfeuer, das noch gut spürbar ist, und das insgesamt eher oberflächliche Geschmacksbild, lässt mich die Frage stellen, wie groß der Anteil der 25-jährigen Rums in diesem Blend sein kann; ich gehe von Tröpfchen aus, der Löwenanteil ist gefühlt sehr jung und wenig gereift.

Womit wir beim dritten Problempunkt sind – zur Geheimnistuerei kommt dann noch Marketingblabla Formulierungsunklarheit. Sätze wie folgender, entnommen dem Exposé Atlánticos zum Rumfest Berlin 2017, lassen bei einem Rumkenner schon leicht die Fragezeichen über dem Kopf sichtbar werden.

Atlántico umfasst zudem eine Art von Rum, die sich Malta nennt. Darunter versteht man Rum, der mit einem niedrigeren Alkoholgehalt destilliert wurde. Das ermöglicht es dem Blend, mehr der natürlichen Aromen und Charakteristika des Zuckerrohrs beizubehalten.“

Keiner der sehr informierten Rumkenner aus diversen Gruppen, in denen ich unterwegs bin, konnte mit dem Begriff Malta etwas anfangen. Andere Quellen sprechen aber auch vom Zusatz von Aguardiente. Auf jeden Fall ist der Herstellungsprozess, wenn man noch die Nachsüßung mit in Betracht zieht, nicht wirklich mit meinem Bild einer transparenten, traditionellen Rumproduktion vereinbar. Was für mich persönlich schon ein Grund für sich ist, derartige Produkte nicht zu kaufen, das muss aber jeder mit sich selbst ausmachen.

Nachtrag: Wenige Tage nach der Veröffentlichung dieses Artikels erhielt ich eine Nachricht vom deutschen Brand Ambassador für Ron Atlántico, der mir einige Details mitteilte, die den Herstellungsprozess doch erkennbar aufklären. Ich bedanke mich bei Florian Perret ausdrücklich für diese Hinweise. Selbstverständlich gebe ich diese nun an meine Leser weiter und ziehe meine Kritik bezüglich der Transparenz teilweise und die Wörter „Marketingblabla“ und „Geheimnistuerei“ ganz zurück. Ideal wäre natürlich eine entsprechende Anpassung auf der produkteigenen Homepage (und, obwohl das ein frommer Wunsch bleiben wird, auf dem Etikett).

Der Melasse-Anteil des Rums, der in den Blend für den Atlántico eingeht, wird in der Destillerie Alcoholes Finos in der Dominikanischen Republik in einer Column Still gebrannt, die Melasse dafür bei der Central Romana Sugarmill eingekauft. Der Zielalkoholgehalt dafür liegt bei ca. 90%-95%.

Ron Atlántico vor Ort

Der zweite Anteil, der Zuckerrohrsaftrum (aus gegebenem Anlass, unabhängig vom Atlántico, verwende ich nicht das Wort „agricole“, dazu in einem späteren Artikel mehr), wird ebenfalls komplett in der Dominikanischen Republik hergestellt: Das Zuckerrohr wird in La Romana geerntet, ausgepresst und auch in einer Column Still auf einen ähnlichen Alkoholgehalt destilliert.

Der dritte Anteil, das geheimnisvolle „Malta“, wird auch in diesem Schritt erzeugt; es handelt sich dabei um Zuckerrohrsaftrum, der statt auf über 90% einfach auf rund 75% destilliert wird.

Diese drei Komponenten lagern und reifen separat voneinander und werden am Ende in einem Blendingprozess miteinander kombiniert. Insgesamt ungewöhnlich, aber gewiss keine Mauschelei.

Offenlegung: Ich danke Sierra Madre GmbH für die kostenlose Zusendung einer Flasche des Atlántico Gran Reserva.