Wiederbelebte Fauna – Distillerie de Labourdonnais Raph The Dodo of Mauritius Floral Limited Edition 5 Year Old Rum

Distillerie de Labourdonnais Raph The Dodo of Mauritius Floral Limited Edition 5 Year Old Rum Titel

Ich bin Juror bei Spirituosen, und man verkostet dort immer blind. Man bekommt ein neutrales Glas serviert mit einer Nummer, und beschäftigt sich dann damit. Doch das ist natürlich ein künstlicher Sonderfall. Die Begründung dafür ist klar – man will eine Spirituose allein aufgrund ihres intrinsischen Werts beurteilen, ohne Einfluss von Äußerlichkeiten. Doch so trinkt halt kein echter Mensch ein Genussmittel. Für mich, wie für die meisten anderen, gehört die Flasche mit zum Trinkerlebnis. Ist sie optisch aufwändig gestaltet, liegt sie gut in der Hand? Wie fühlt es sich haptisch an, sie zu öffnen, den Korken zu ziehen, den Schraubverschluss zu drehen? Das Geräusch, wie die Flüssigkeit aus der Flasche ins Glas fließt, und der Geruch, der sich dabei verbreitet. All das fällt bei Blindverkostungen unter den Tisch, und darum bildet so etwas immer nur einen Teil eines Gesamterlebnisses ab. Darum stehe ich auch gerne dazu, dass mich eine Flasche wie die des Raph The Dodo of Mauritius Floral Limited Edition 5 Year Old Rum von der Distillerie de Labourdonnais auf Mauritius beeinflusst, und ich es gar nicht schlimm finde.

Der Rum stammt aus Mauritius, wo der namensgebende Dodo schon vor langer Zeit ausgerottet wurde – ein flugunfähiger und kontaktfreudiger Vogel hatte kaum eine Chance gegen die Fleischjäger, die im Zuge der Entdeckungs- und Kolonisierungsreisen auf die Insel kamen, hungrige Menschen und eingeschleppte Ratten bedeuteten den Untergang für den Dodo schon im späten 17. Jahrhundert. Zur Flasche sage ich am Schluss noch etwas, jetzt soll erstmal doch der Inhalt im Fokus stehen. Der Rum wird also auf Mauritius, bei der Distillerie de Labourdonnais, aus Zuckerrohrsaft in einer Säulenanlage gebrannt. In tropischem Klima wird er dann für 5 Jahre in ein Ex-Sauternes-Fass gelegt (dies ist die Besonderheit für den Floral Raph im Vergleich zum „normalen“ Raph). Es erfolgt eine Süßung von 15g/L, die leider weder auf Karton oder Flasche, noch auf der Homepage der Brennerei erwähnt wird; der deutsche Importeur ist diesbezüglich ehrlich und versteckt sie nicht. Mit 42% Alkoholgehalt landet der Rum am Ende in der tollen Flasche, die auf 2000 Exemplare limitiert ist.

Distillerie de Labourdonnais Raph The Dodo of Mauritius Floral Limited Edition 5 Year Old Rum

Sonnenblumengelb gluckert der Rum aus der Keramikflasche, das ist ein bisschen ungewohnt, aber wenn man den Dodo am Schnabel hält und quer gießt, klappt das gut. Die Flüssigkeit ist leicht viskos, bewegt sich lebendig im Glas, und lässt die Beinchen aus einer klaren Kante ablaufen.

Im Geruch ist direkt eine interessante Spannung vorhanden. Die dominierende Note ist für mich klar eine holzig-gewürzige Mischung aus Muskatnuss, trockenem Zimt, feiner Vanille und aromatischem Zedernholz. Dazu kommen herbpflanzliche Töne wie heller Tabak, Lorbeerblatt und ein Hauch Liebstöckel, vielleicht sogar ein Tick Anis. In der Basis ist Zuckerrohrsaft erkennbar, mit den typischen grasig-grünen Aspekten, die man von vielen derartigen Rums kennt. Nach etwas Atmung kommen später auch sehr fruchtige, traubensaftige und schließlich dediziert beerige Noten nach vorne, die vielleicht der Sauternes-Vorbelegung des Fasses geschuldet sind. Ein wirklich schönes, komplexes und feinaromatisches Gesamtbild, an dem man gerne lang schnuppert.

Distillerie de Labourdonnais Raph The Dodo of Mauritius Floral Limited Edition 5 Year Old Rum Glas

Die nicht unerhebliche Süßung von 15g/L erkennt man schon beim Antrunk, sie ist ein Makel, über den man hinwegkommen muss – hier ist der Rum zu süß, fast schon pappig. Zum Glück vergeht das Gefühl im Verlauf, und dann kommt an den Platz der Süße dann genau diese spannende Gewürz-Kräuter-Holz-Mischung, die man schon in der Nase gefunden hatte, und die wirkt am Gaumen genau so gut wie zuvor; dazu kommt eine feine, edle Blauschimmelnote wie die von Löffelgorgonzola. Die Süße vergeht langsam, macht einer halbtrockenen Herbheit mit starkgeröstetem Karamell Platz, und lässt auch dem Zuckerrohr nun viel Raum. Eine runde, weiche, dichte Textur gefällt mir sehr, das Mundgefühl bessert sich hier erkennbar. Das Finish ist dann von Sandelholz, Lorbeer, und einem milden schwarzen Pfeffer bestimmt, mit langem Aromaholz-Nachklang, der fast schon parfümiert wirkt, auf eine angenehme Weise.

Ein aromatischer, sehr intensiver und nicht gewöhnlicher Rum, der seine Eigenheiten wunderbar präsentiert. Die Süßung würde ich gerne weggelassen sehen in zukünftigen Abfüllungen, sie ist unnötig und sogar störend in manchen Momenten, der Rum wäre ohne sie noch besser. Trotzdem gefällt mir das Gesamtpaket des Raph the Dodo extrem, das ist unterhaltsam in so vielen Aspekten, dass ich froh bin, mir eine der 400 Flaschen, die Europa aus dem Gesamtkontingent bekommt, organisiert zu haben.


Wenn man den Namen „David Embury“ hört, denkt man sofort an strenge, klassische Cocktails, wenigzutatig, aus der Post-Prohibitionszeit. Dass er auch anders konnte, zeigt der Abacaxi Ricaço. Der Raph the Dodo fügt sich hier sehr schön in das Rezept ein, bringt die Komplexität, die der Drink benötigt, um nicht zu lasch zu werden. Und dass er in einer ausgehöhlten Ananas serviert wird, passt irgendwie auch zu dem Thema des Artikels – das Auge trinkt mit. Bei Cocktails beschwert sich aber nie jemand darüber.

Abacaxi Ricaço Cocktail

Abacaxi Ricaço (2 Portionen)
Eine Babyananas aushöhlen und einfrieren.
Aus dem Fruchtfleisch den harten Kern entfernen.
90ml leicht gereifter Rum
25ml Limettensaft
1 Teelöffel Puderzucker
Alles mit dem Fruchtfleisch und Eis im Mixer blenden.
In die Ananasschale füllen und mit Strohhalmen servieren.

[Rezept nach David Embury]


Nun nochmal zur Flasche, oder besser Skulptur. Der Dodo als Vogel war wohl, nach zeitgenössischen Berichten, über 1m groß – wir können also davon ausgehen, dass die Flasche in Kopfform des Vogels nahezu in Originalgröße vorliegt. Sie ist aus weißer Keramik gemacht, in hoher Qualität und mit vielen Details versehen. Die Floral-Edition hat zusätzlich bunte Blumen- und Pflanzenmuster aufgedruckt, was den Eindruck noch verbessert. Der Korken ist bei meiner Flasche sehr fest, und beim ersten Öffnen musste ich einen Löffelgriff zum Hebeln einsetzen, um ihn aus dem Flaschenhals zu lösen, da war ordentlich Unterdruck drin. Auch der Karton, in dem der Raph geliefert wird, ist außergewöhnlich schön gestaltet, fest und stabil, und trägt durchaus zum Gesamtbild bei. Wenn der Rum dann irgendwann getrunken ist, wird die Flasche mit Karton als Dekoartikel eingesetzt werden – sowas entsorgt man nicht.

Mir macht Raph The Dodo of Mauritius Floral Limited Edition 5 Year Old Rum viel Spaß. Würde ich den Rum anders bewerten, wenn die großartige Keramikskulptur nicht wäre, und er in einer standardisierten Glasflasche mit Schraubverschluss bei mir gelandet wäre? Vielleicht. Ich denke aber, dass dieser Rum genug inhärente Qualitäten hat, um auch bei einer Blindverkostung gut abzuschneiden. Ich bin mir aber auch gleichzeitig sicher – das ist eh keine Abfüllung, die sich an den strengen, rein auf den Geschmack konzentrierten Rumnerd richtet, sondern an Leute wie mich, die zwar sowohl guten Rum mögen, aber auch beim Genuss in allen anderen Sinnen unterhalten werden wollen. Und für die wird hier echt viel geboten.

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.

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