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Dos Maderas 5+5 PX Rum Titel

Fortunatos Zuckerfass – Dos Maderas PX 5+5

Die Diskussion um manipulierte Rums lässt mich nicht ruhen. Wir sind zumindest an einem Punkt angekommen, wo die künstliche Nachsüßung auch im Mainstream der Rumkonsumenten bekannt geworden ist – die Aufklärungsarbeit trägt erste Früchte, wenn es aber auch noch sehr viel zu tun gibt diesbezüglich. Eine spannende Initiative geht aktuell außerdem von der EU-Kommission aus: Sie forderte vor kurzem die Hersteller alkoholischer Getränke dazu auf, ihr Vorschläge für eine Selbstregulierung bezüglich der Angabe von Inhaltsstoffen und Nährwerten zu unterbreiten. Sollte sich da tatsächlich etwas tun und die Hersteller gezwungen werden, wenn nicht schon die Praxis des Manipulierens mit allerlei Zusatzstoffen zu unterlassen, dann doch wenigstens sie offiziell zuzugeben? Ich harre höchst gespannt der Dinge, die da kommen mögen…

Anlass genug, dass ich erneut eine meiner alten Rum-Rezensionen, damals geschrieben bei Amazon, herauskrame und auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfe. Der Dos Maderas PX 5+5 ist ein sehr beliebter Rum, der durchweg gute Bewertungen erhält und aufgrund seines aufwändigen Produktionsprozesses von vielen als beachtenswert betrachtet wird. Ich selbst hatte ihm einst 5 Sterne bei Amazon zuerkannt, als ich jung und naiv war – wie sehe ich ihn heute, wo ich andere Kriterien an Rum anlege als damals?

Dos Maderas 5+5 PX Rum Flasche

Im Rückblick fallen mir natürlich Dinge auf, die ich mit meinem in Rum nun sehr viel erfahreneren Gaumen so nicht mehr schreiben würde.

„Das ist schon ein schönes Henna, das im Glas schimmert, und beim Schwenken schöne kupferfarbene Glanzlichter abgibt. Der erste Geruchseindruck ist sehr rumtypisch: Melasse, dunkle Frucht, Schokolade, und dabei aber keine Alkohol- oder Esterfahne. Das weiß alles schonmal zu gefallen.“

All das ist für mich inzwischen eher Ausdruck von Unkenntnis und mangelnder Reichweite an Vergleichen. An diesem Rum ist eigentlich fast gar nichts „rumtypisch“, es ist sehr wohl eine Alkoholfahne riechbar, das „schöne Henna“ ist durch Nachfärbung entstanden.

„Die ungewöhnliche Herstellungsweise kommt dann beim Geschmack voll zum Tragen. Sehr starke Sherry- und Portweinaromen drängen sich in den Vordergrund. Soweit in den Vordergrund, dass man diesen Rum für einen Oloroso halten könnte, wäre da nicht die gewisse stärkere Alkoholnote – 5 Jahre im Sherryfass hinterlassen halt ihre Spuren. Bitterschokolade, Datteln und Nüsse würde ich als Zusatznoten beschreiben. Ein sehr kräftiger Körper, dicht, dunkel und voluminös: Da hat man was im Mund, ein gutes, rundes, komplettes Mundgefühl. Ich würde ihn nicht unbedingt als extrem süß bezeichnen, für mich fühlt er sich eher trocken-fruchtig an. Der Abgang ist dafür im Vergleich vielleicht etwas kurz, doch die süßen, eichenwürzigen Komponenten verbleiben noch recht lange am Gaumen: Hier erkennt man die Bourbon-Fässer.“

Heute erkenne ich, in einem Nachtest, was ich als „kräftiger Körper, dicht und voluminös“ beschrieb, kaum wieder. Der Dos Maderas PX 5+5 ist eigentlich nur extrem süß, viel zu süß für meinen inzwischen anders ausgerichtetenRumgaumen – das ist nicht mehr natürlich, sondern künstlich und pappig, unangenehm. Dazu kommt ein schwacher Körper und eine deutliche Alkoholfahne. Diese Kombination ist für mich eindeutig – man merkt beim Dos Maderas PX 5+5 wie bei kaum einer zweiten Süßspirituose, dass hier ein junger, scharfer Rum mittlerer Qualität mit Zucker oder anderen Süßern „premiumisiert“ wurde, so dass er nun 26g Zucker pro 700ml-Flasche aufweist, also rund 5 Stück Würfelzucker.

Was ich natürlich nicht sagen will, ist, dass ein geschulter Gaumen automatisch nur die nicht-süßen Ausprägungen von Rum mögen wird – es ist aber sehr wahrscheinlich, denn diese sind in der Regel sehr viel komplexer und spannender, während die süßen Rums allzuoft in der Oberflächlichkeit hängen bleiben.

„Der Dos Maderas PX 5+5 ist ein spannender, ungewöhnlicher Rum. Für Anfänger ist der volle Körper und die ansprechende, aber nicht überwältigende Süße interessant; für den Kenner die wirklich im Geschmack nachvollziehbare zweigeteilte Reifung. Das ist also kein Marketingtrick, sondern raffinierte, kreative Handwerkskunst. Ich will mich aber, nachdem meine Liebe zu Rum einen argen Dämpfer erhalten hat, nachdem ich erfuhr, dass viele Premium-Rums mit nachträglich zugesetztem Zucker und anderen Beigaben erst ihre Süße und Dichte bekommen, diesbezüglich nicht mehr weit aus dem Fenster lehnen und wie früher davon überzeugt sein, dass die Aromenvielfalt dieses Rums völlig natürlich und ausschließlich aus den Zutaten sowie der Fassreifung entstanden sei. Es gibt Hinweise, dass beim Dos Maderas PX 5+5 über 35g/l Zucker als „Geschmacksverstärker“ eingesetzt werden. Wie auch immer der Geschmack zustande kommt, gut gemacht ist es allemal – nur sollte man sich halt keine Illusionen über die „Reinheit“ machen.“

Auch die „raffinierte, kreative Handwerkskunst“ sehe ich natürlich nun in einem anderen Licht: Sehr entgegenkommend für mich als Sherryfreund, aber sehr problematisch für mich als Rumfreund. Wer mehr Details über die Herstellung erfahren will, kann dies bei Cocktailwonk, der den Hersteller besucht hat, nachlesen – auch wenn er das Thema der nicht natürlich entstandenen Süße ausspart, beziehungsweise sogar beschönigt. Man schmeckt den Sherry sehr deutlich heraus, bis zu dem Grad, wo ich mir nicht mehr sicher bin, ob hier wirklich nur Fasseffekte zum Tragen kommen, oder ob der Blender nicht einfach einen guten Schuss Sherry direkt dazugegeben hat (was Cocktailwonk indirekt bestätigt) – da eh schon massiv gesüßt wird, wäre das nur ein kleiner weiterer Schritt. Eventuell kommt der ganze Zucker auch schon direkt aus dem Sherry; dazu lassen findige Hersteller einfach die Sherry-Fässer, die sie für die Reifung benutzen, nicht entleeren. Ein paar Dutzend Liter „Restsherry“ sorgen dann für die beschriebene Geschmacksrichtung.

Aus Barbados und Guyana stammen die verwendeten Destillate, die spanische Bodegas Williams & Humbert kümmert sich um Nachreifung und Abfüllung. Ein internationaler Rum, und das soll sich in dem nun hier vorgeschlagenen Cocktail wiederspiegeln. Die anderen Zutaten passen sich dieser Vielfalt an: Drei Länder, drei Rumstile, im Three-Rum Old Fashioned in einem Glas vereint – kubanischer Ron Arecha und Damoiseau VS aus Guadeloupe unterstützen den milden Multikulti-Rum Dos Maderas PX 5+5 bei seiner Arbeit. Wenn man so will, hat man nun mindestens 7 Länder im Glas, wenn man das finnische Xylit und die deutschen Bitters mitzählt.

Three-Rum Old Fashioned


Three-Rum Old Fashioned
1 oz Dos Maderas PX 5+5
½ oz Rhum Agricole (z.B. Damoiseau VS)
½ oz kubanischer Rum (z.B. Ron Arecha)
1 Teelöffel finnisches Xylit
2 Spritzer Peach Bitters
1 Spritzer Bittermen’s Xocolatl Mole Bitters
Auf Eis rühren.

[Rezeptidee von Mike Treffehn, Rumsorten sind von mir abgewandelt worden]


Wer ihn mal probieren will, ohne sich gleich einen Dreiviertelliter mit entsprechenden Anschaffungskosten ans Bein zu binden: Es gibt ihn auch in knuffiger, ähnlich designter 0,2-Liter-Flasche zu kaufen. Das ist sehr lobenswert vom Hersteller; mehr Produzenten sollten sich für kleine Produktgrößen engagieren.

Für Freunde ungewöhnlicher Rums ist der Dos Maderas PX 5+5 auf jeden Fall einen Blick wert, auch wenn ich derart manipulierte Rums natürlich nicht guten Herzens wirklich weiterempfehlen kann oder will. Solange man aber weiß, dass man hier keinen Rum, sondern eine Spirituose auf Rumbasis, ein Rum-Sherry-Gemisch, vor sich hat, ist es ein interessanter Kandidat fürs Schulen des Gaumens, und ein schönes Anschauungsbeispiel dafür, welche starken geschmacklichen Auswirkungen die Tricksereien der Hersteller haben können.

Tiki Lovers Pineapple Titel

Liebe kann auch weh tun – Tiki Lovers Pineapple Spirit Drink

Eine sehenswerte BBC-Dokumentation von 1999 zeigt einen Abgesang auf eine Zeit, die zur Veröffentlichung der Doku schon unendlich weit weg schien. Tiki, das wilde Konzentrat aus aus heutiger Sicht schlechtem Geschmack, Faux-Kultur und Träumereien, bot einer Generation, die von Krieg und sozialer wie sexueller Repression gebrandmarkt war, ein Ventil, um all den Wünschen, die man im realen Leben nicht ausleben konnte, endlich freien Lauf zu lassen. Doch so schnell, wie diese Modewelle entstand, starb sie in den 60ern auch wieder.

Heute ist Tiki aber wieder in – zumindest in Cocktailkreisen. Das ganze Drumherum, also verrückte Trinkgefäße, polynesisch angehauchte Architektur und Innenausstattung, Hulamädchen und Feuertänzer, all das findet man heute eigentlich nur noch, weil ein Ableger der Cocktailkultur diese aufrechterhält, namentlich Fackelträger wie Jeff „Beachbum“ Berry. Genauso, wie die moderne Bar wieder an möglichst authentischen Prohibitionsdrinks interessiert ist, sucht sie aber auch bei Tiki-Cocktails wieder die Wurzeln, die durch die oberflächliche Beliebigkeit und „Masse-statt-Klasse“-Unkultur der 80er und 90er Verschütt gegangen waren.

Entsprechend ist man auch wieder an neuen, spezialisierten Zutaten für diese recht spezielle Art von Cocktails interessiert. Rum ist natürlich unersetzlich, der eine oder andere Tikidrink benötigt 3 verschiedene Sorten an Rum im Glas; also kann die Heimbar gar nicht genug an Rumvariationen aufweisen. Und dann passt auch noch der eine oder andere aromatisierte, oder „spiced“, Rum gut dazu, wie der mit Ananasaromen versetzte Tiki Lovers Pineapple Spirit Drink. Der Name verspricht schon viel – werden Tikifreunde ihm wirklich in Liebe verfallen?

Tiki Lovers Pineapple Flasche

Ein unglaublicher Duft entströmt der Flasche, sobald man sie aufschraubt. Sehr aromatisch, kräftig, wuchtig. Viel Ananas, mit angenehmer Rumbasis, die es aber schwer hat gegen die Ananas. Typische frech-aggressive Aromen jungen Rums, mit  erkennbarer Alkoholnote. Ich schwelge schon halb auf einer polynesischen Insel…

…doch mit dem ersten Schluck kommt nach dieser Träumerei das böse Erwachen. Das Zeug fackelt den Mundraum aus wie ein Luau-Flammentänzer. Sehr bitter und sauer, stark brennend, fiese Fuselöle, grimmige Ester, Lösungsmittel, Kupfer, Benzin. Keinerlei rumtypische Geschmäcker. Vordergründige, klebrige Süße im Abgang. Und am Ende lässt der Tiki Lovers Pineapple Spirit Drink dann noch ein pappiges, fuseliges, alkoholisches Mundgefühl zurück, sehr unangenehm, man will direkt mit was anderem nachspülen.

Ich sage sowas selten: Das kann man einfach nicht pur trinken. Selbst mit viel gutem Willen. Feuerwasser zum Desinfizieren, aber nicht zum Genießen! „Finest Caribbean Dark Rum“? Da müsste ich lachen, wenns nicht zum Heulen wäre.

Sehr lobenswert sind natürlich die 45% Alkohol, da ist Bumms dahinter, im Gegensatz zu vielen anderen Spiced Rums, die deutlich unter die 40%-Marke gekrochen sind. Doch das Aräometer zeigt mir, gemessen bei 20,1°C, nur 34,5% an –  40-44g/L Zusätze, aller Wahrscheinlichkeit nach Zucker, sind also in diesem Spirit Drink enthalten. Das ist ein gewaltiger Haufen. Da nichts davon deklariert wird, ziehe ich jedwedes Lob zurück, das ich oben vielleicht verklausuliert ausgesprochen haben könnte. Ich verstehe das einfach nicht: Warum, wenn man sich eh schon auf „Spirit Drink“ reduziert, und sogar Farb- und Aromastoffe auf dem Etikett angibt, warum unterschlägt man dennoch den Berg an Zucker? Wovor genau haben die Hersteller Angst?

Wenn schon für den Purgenuss unerträglich, punktet der Tiki Lovers Pineapple dann wenigstens in seinem Heimterritorium, als Mixer? Auf der Homepage des Herstellers sind zwei recht langweilige Cocktails als Einsatzgebiet angegeben; viel spannender finde ich da, den Tiki Lovers Pineapple in einem Fat Man Running einzusetzen. Und, in der Tat: Das bringts. Und zwar richtig.

Fat Man Running


Fat Man Running
2 oz Spiced Rum (z.B. Tiki Lovers Pineapple)
½ oz Blue Curaçao
½ oz Limettensaft
…mit Ginger Ale (z.B. Thomas Henry Ginger Ale) aufgießen


Letztlich reicht mir aber so eine, wenn auch durchaus ansprechende, Teilleistung eigentlich nicht aus, um eine echte Empfehlung aussprechen zu können. Ich habe mich hier selbst von der äußerst gelungenen Verpackung und einer cleveren Vermarktung, die ganzseitige Anzeigen in Fachmagazinen schaltete, ein bisschen täuschen lassen – doch ich war auch ein williges Opfer, das muss ich eingestehen. Und die Aufmachung ist aber auch echt toll – eine trotz ihrer Einfachheit hübsche Flasche, ein richtig gut gemachtes Etikett mit viel Flair, und eine attraktive, aber künstliche Färbung des Inhalts mittels Zuckerkulör. Macht was her im Mixerregal – schade, dass diese äußere Erscheinung sich nicht wirklich auch ins Glas transportiert.  Man könnte etwas ätzen und lakonisch ein Fazit formulieren, dass der schlechte Geschmack der 1950er-Tiki-Kultur mit dem Tiki Lovers Pineapple Spirit Drink auferstanden ist. Kann auch nicht jede Spirituose von sich sagen, oder?

Labor schlimmerdurst ist eröffnet – Zuckermessungen in Spirituosen leichtgemacht

Rum gehörte mit zu den ersten Spirituosen, die ich pur genießen lernte. Ich erinnere mich noch deutlich an das erste Glas El Dorado 12 Jahre, das mir in einer Bar langsam ölig den Hals hinunterlief und mich ins Schwärmen brachte. Ich sammelte im Nachgang über Wochen und Monate diverse Flaschen Rum, die in Foren und Rezensionen hochgelobt wurden; ich war zum Rumfan geworden, und liebte die süßen Aromen und zuckrige Konsistenz. Doch dann kam der Knall.

Das Entdecken, dass bei den allermeisten heute hochgelobten und überall erhältlichen Rums die Süße und das Qualitätsempfinden des Verkosters aus nicht unerheblicher, nachträglicher Manipulation der Spirituose ensteht, zog mir den Genießerteppich unter den Füßen weg – selbst meine persönlichen Favoriten, die ich für hochwertigste Spirituosen hielt, wurden als Täuscher und Panscher entlarvt. Zucker, Aromen, Glycerin und andere Zusatzstoffe findet man in einem Großteil der Produkte, und oft nicht zu knapp.

Ich hatte mir damals vorgenommen, andere Konsumenten darüber in Kenntnis zu setzen, was da mit Rum geschieht. Die wirklich Ruminteressierten wussten es natürlich bereits lange vor mir (und die „Hauptsache-es-schmeckt“-Fraktion natürlich auch und ärgerte sich über das Bohei). Und um das Wissen um gezuckerten Rum weiter zu streuen, möchte ich hier den einfachen Test vorstellen, mit dem jeder zuhause zumindest grob abschätzen kann, wieviel Zucker in seinem Rum, Whiskey, Tequila oder sonstigen Lieblingsspirituose enthalten ist.

Der Test basiert auf der Dichtemessung des Alkohol-Wasser-Gemischs, aus dem idealerweise unsere Spirituosen bestehen sollten, solange sie nicht als Likör deklariert sind. Mit einem einfachen Aräometer (auch gern Alkoholmeter oder vor allem im englischsprachigen Raum Hydrometer genannt) kann jeder ohne großen Aufwand oder Kosten diesen Test durchführen, wenn er oder sie ein paar Regeln befolgt, um die Messungenauigkeit nicht allzu groß werden zu lassen. Wie funktioniert das? Die Zugabe von Zucker verändert die Dichte der Flüssigkeit – in einem idealen, zusatzstofffreien Wasser-Alkoholgemisch gibt ein Alkoholmeter genau an, wieviel Alkohol enthalten ist; ist Zucker dabei, verändert dies die Dichte, und reduziert damit die Anzeige des Alkoholmeters. Durch einfaches Korrelieren in einigen Tabellen kann man damit ableiten, wie groß der Zuckerzusatz in Gramm pro Liter (g/L) ist.

Der großartige und rührige Capn Jimbo, ein Pionier und Vorstreiter in Sachen Rumtransparenz, hat diesen Test auf englisch gut erläutert, basierend auf Johnny Drejers Vorgehensweise; was ich hier wiedergebe, entspricht zu einem Großteil seiner Anleitung. Ich erläutere hier auf deutsch und in meinen Worten und mit eigenen Fotos, und hoffe dadurch auch einem deutschsprachigen Publikum zeigen zu können, wie einfach und dabei doch verblüffend aussagekräftig dieser Test ist.

Zuckermessung Ausrüstung

Beginnen wir mit dem nötigen Equipment. Aräometer sind teuer in Deutschland, Chinaimporte billiger. Daher habe ich welche über Ebay bestellt, mit unterschiedlichen Messskalen und hoher Genauigkeit (Hydrometer für 30%-40% Alkohol, Hydrometer für 40%-50% Alkohol). Darüberhinaus benötigt man einen Messzylinder (250ml-Messzylinder aus Glas) aus Glas oder Plastik, und ein digitales Nadelthermometer.

Alles zusammen hat rund 26€ gekostet – die Wartezeit für die Lieferung aus China beträgt aber mehrere Wochen. Die zerbrechlichen Hydrometer waren gut mit Styropor und Luftpolsterfolie verpackt und überstanden den Transport um die halbe Welt augenscheinlich gut; leider waren sie aber doch defekt, denn sie versanken komplett in meiner Testspirituose. Statt dessen habe ich mir dann ein Aräometer von Al-Ambik zugelegt, zwar teurer und mit groberer Skala, dafür mit integriertem Thermometer und insgesamt sehr wertig hergestellt; dazu ein 0-100%-Aräometer von Dr. Richter, um Ausreißer ausmessen zu können.

Aräometer Al-Ambik und Dr Richter

Man beachte, dass man für Hydrometer dieser Größe wirklich einen hohen Messzylinder benötigt; 100ml reichen oft nicht aus, da die Hydrometer dann nicht komplett schwimmen können, dazu benötigt es meist eine Höhe von mindestens 30cm. Auch zu überprüfen ist, ob die Hydrometer auf 20°C geeicht sind (dies steht auf den Messinstrumenten normalerweise drauf), denn ansonsten muss man in späteren Temperaturkorrektionsberechnungen auf andere Werte zurückgreifen, als ich hier vorstelle.

Eichung bei Aräometern

Einmalig zu Beginn, oder wenn man die Utensilien lange nicht mehr benutzt hat, muss man sie kalibrieren. Dies dient dazu, die Messinstrumente auf ihre Genauigkeit hin zu überprüfen, und eventuelle Abweichungen später bei der Berechnung berücksichtigen zu können.

Wir kalibrieren also erstmal das Nadelthermometer. Dies ist am einfachsten über einen Becher voll Eis, das mit kalten Wasser aufgegossen wird – passend zur Jahreszeit hatte ich einen Becher voll Schnee von draußen aufgesammelt. Nachdem sich die Temperatur im Becher einpendeln konnte (10 Minuten Wartezeit sollten ausreichen), schauen wir, was unser Thermometer anzeigt, wenn wir es ins Eiswasser halten.

Thermometer kalibrieren

Idealerweise, wie bei mir, zeigt das Thermometer 0° an; falls es mehr oder weniger ist, muss das später bei der Berechnung eingerechnet werden; manche Digitalthermometer erlauben eine Justierung, die dann entsprechend vorgenommen werden sollte.

Dann werden die Hydrometer geprüft. Dazu benötigt man eine Spirituose, von der man sicher ist, dass sie unmanipuliert ist. Ich nutze dafür einen zuckerfreien Green Mark Vodka mit 40%. Man fülle den Messzylinder angemessen mit der Spirituose, und lasse dann den Hydrometer darin taumeln. Die Ablesung sollte dem angegebenen Alkoholgehalt der Spirituose entsprechen; auch hier müssen, wenn es Abweichungen gibt, diese notiert und später berücksichtigt werden.

Alkoholmeter eichen mit Vodka

Bei der Ablesung darf man nicht den höchsten Wert der gekrümmten Flüssigkeitsoberfläche ablesen, sondern die Unterseite des Meniskus. Ebenso muss die Temperaturabweichung der Testflüssigkeit zur Eichtemperatur des Aräometers beachtet werden, wie oben angesprochen. Dazu misst man mit unserem kalibrierten Thermometer die Temperatur der Testflüssigkeit, liest den angezeigten Wert des Aräometers ab und gibt die Werte in einen Umrechner ein, der den tatsächlichen Alkoholgehalt temperaturkorrigiert berechnet. Ich habe beim Green Mark Vodka mit dem Al-Ambik einen Wert von 39,5% abgelesen, bei 19° Flüssigkeitstemperatur; temperaturkorrigiert ergibt sich ein Wert von 39,9%, das ist klar innerhalb der Messungenauigkeit und für mich damit in Ordnung. Beim Dr. Richter wird ein Wert von 38% angezeigt, bei 17,5°, also korrigiert auf 39,1% – hier merke ich mir, dass ich bei zukünftigen Messungen grob 1% draufzählen muss.

Nun hat man Messinstrumente, die verlässliche Werte anzeigen, die man korrekt interpretieren kann. Der erste Test kann kommen!

Ron Mulata Aräometermessung

Ich beginne mit einem Schnäppchen, das ich im Aldi Süd um die Weihnachtszeit ergattert hatte: Ron Palma Mulata de Cuba Añejo Gran Reserva. Dieser Rum ist deklariert mit 38%. Relativ schnell pendelt sich mein Al-Ambik-Aräometer auf 35% ein, und mein kalibriertes Digitalthermometer zeigt 19° Flüssigkeitstemperatur an. Ich gebe die Werte in den Online-Umrechner ein, und dieser spuckt mir einen temperaturkorrigierten Alkoholgehalt von 35,4% aus.

Wie komme ich nun von diesen beiden Zahlen zum Zuckergehalt? Dafür hat freundlicherweise Johnny Drejer eine Tabelle dafür erstellt, die man auf seiner Seite oder im Rumproject herunterladen kann. Ich schlage also in der Zuckertabelle nach, in der Spalte „38%“, in der Zeile „35%/36%“, und finde die Zuckerwerte für diesen Rum: 7-11g/L Zucker.

Alternativ kann man seit kurzer Zeit auch meinen Zuckergehalt-Onlinerechner, der bei 4finespirits gehostet wird, dafür benutzen – man gibt dort einfach etikettierten und gemessenen Alkoholgehalt sowie die Messtemperatur ein. Einfacher gehts nicht mehr.

Zuckertabelle Ausschnitt

Sehr spannend ist mein zweiter Kandidat, der Boxing Hares Spirit Drink. Schon vom Geschmack her ahnte ich damals beim Verkosten, dass hier eine Menge Zucker im Spiel sein muss, obwohl nichts davon auf dem Etikett stand. Und was soll ich sagen – das Dr. Richter 0-100 zeigte den Wert von 8% an, temperaturkorrigiert mit 18,8° ergibt das 8,2%, und dann noch die  1% Eichungsabweichung draufgeschlagen, schon sind wir bei rund 9%. Ich wage bei solchen Diskrepanzen fast nicht, in der Tabelle nachzuschlagen – doch es muss sein, und ich sehe hier den exorbitanten Zuckerwert von grob 76 g/L. Ab 100 g/L muss man eine Spirituose als „Likör“ bezeichnen. Für den Boxing Hares gibt es aber eine Sondergenehmigung: Er ist nicht als „Whisky“ bezeichnet, sondern als „Spirit Drink“. Viele Rums gönnen sich diese zumindest halbehrliche Umbenennung nicht, obwohl sie angebracht wäre.

Welchen Informationsgewinn ziehen wir nun aus solchen Werten? Wir dürfen nicht vergessen, dass wir recht amateurhaft und nicht unter echten Laborbedinungen mit Profiwerkzeug messen. Daher sind alle Zuckerwerte, die wir ermitteln, nur grobe Anhaltswerte, nicht exakte Zahlen. Andere Zusatzstoffe als Zucker können die Dichte des Wasser-Alkoholgemischs verändern. Doch das Ziel eines solchen Tests ist auch nicht, zu ermitteln, ob eine Spirituose nun entweder 15g oder 16g pro Liter Einschlüsse aufweist, sondern ob sie entweder 3g oder 30g hat.

Natürlich muss man für eine große Menge an verbreiteten Rums diesen Test nicht mehr selbst machen, das Rumproject von Capn Jimbo hat über 550 Rumtests bereits gesammelt, in der man die Testergebnisse nachlesen kann.

Für mich ist es hauptsächlich bedeutend, ob eine Spirituose verändert wurde, und wenn ja, ob es vernachlässigbar, relevant oder wesensverändernd ist. Persönlich habe ich mir eine eigene, natürlich rein willkürliche Gruppierung überlegt, die nicht in Stein gemeißelt oder absolut ist, jeder sollte sich da selbst Gedanken machen, wie er mit den Messergebnissen umgeht.

  • bis 5g/L sind für mich vernachlässigbar und fallen unter Messungenauigkeit, Fassholzzucker oder andere Effekte (obwohl auch hier, wie gezeigt wurde, schon 1-3g/L Zucker einen klaren Unterschied ausmachen).
  • 6-15 g/L sind für mich relevant und erwähnenswert, und ich muss schon stark abwägen, ob ich so eine Spirituose noch guten Herzens empfehlen oder gar kaufen kann; und es gilt in dubio contra reo. Eventuell fallen diese Spirituosen aber noch unter die EU-Erlaubnis des Zuckereinsatzes zum „Abrunden“ des Rumgeschmacks, sind somit also wenigstens nicht illegal – dennoch wäre ich auch hier dankbar für eine Deklaration.
  • Alles darüber ist für mich wesensverändernd, klar illegal und in keinem Fall akzeptabel, wenn es heimlich und undeklariert unter dem Namen reinen Rums geschieht. Ich warne Spirituosenfreunde und nachfragende Leser und Freunde davor, diese Produkte zu kaufen.

Letztlich ist das ganze Theater durch die Unehrlichkeit und Geheimnistuerei der Rumhersteller erst entstanden. Würden sie auf den Zucker, der bei qualitativ hochwertigen Rums überhaupt nicht nötig ist, sogar störend wäre, verzichten, oder als Alternative dann wenigstens auf ihre gesüßten oder anderweitig veränderten Produkte nicht „Rum“, sondern „Spirituose auf Basis von Rum“ schreiben, wie das bereits einige tun (Captain Morgan Spiced Gold als Beispiel für Rum, Boxing Hares für Whisky, Metaxa für Weinbrand), hätte ich auch nicht mehr viel zu beklagen.

Die Hauptfrage, die wir uns Konsumenten stellen sollten, ist: Wollen wir heimlich manipulierte Produkte, die sich dann frecherweise mit ihren täuscherischen Mitteln auch noch im Glorienschein der „Premiumisierung“ baden, wirklich kaufen? Wollen wir nicht lieber die ehrlichen, transparenten Hersteller unterstützen, die mindestens genauso gut schmeckende Produkte ohne all diese Zusatzstoffe auf den Markt bringen? Mit dem in diesem Artikel vorgestellten Test ist es uns wieder zumindest ansatzweise wieder in die Hand gegeben, Entscheidungen auf Basis von Fakten zu treffen, und nicht aufgrund der blenderischen und heuchlerischen Marketingaussagen der Hersteller.

Schokofondue mit Früchten – Ron Botucal Reserva Exclusiva

Es folgt nun aus gegebenem Anlass eine kleine Lehrstunde in Sachen Markenschutz. Es genügt heutzutage nicht, sich eine Marke schützen zu lassen; man muss sie auch verteidigen, denn schnell kann ein Mitbewerber, der einen ähnlichen Namen verwendet, sich diese ebenfalls schützen lassen. Und dann, wenn der Markeninhaber mit älterem Recht die Frist zum Einspruch verpasst, muss er damit leben, dass seine Marke nicht mehr viel wert ist, weil die Kunden den Unterschied nicht mehr deutlich erkennen.

Ein Beispiel? Im Discounter Aldi Süd kann man, meist relativ nah am Eingang, einen Weinbrand erwerben. Diplomat heißt er, und ist eine seit vielen Jahren geschützte Aldi-Hausmarke. Als nun ein venezuelanischer Rumhersteller in Deutschland sein Produkt anbot, das Ron Diplomático hieß, wurde Aldi hellhörig – der Name ist ähnlich, die Produktkategorie ähnlich.

diplomatweinbrand

Letztlich befürchtete bei Aldi wahrscheinlich niemand, dass Kunden den Aldi-Billigweinbrand mit dem fünfmal so teuren Premium-Rum verwechseln könnten, doch darum geht es, wie erzählt, nicht. Um die eigene Diplomat-Marke zu verteidigen, musste Aldi gegen den Namensvettern vorgehen. Für den Laien hört sich das albern an; doch schnell kann ein dadurch eventuell entstehender Rechtsstreit sehr teuer und langwierig werden.

Das Ergebnis sehen wir hier: Der Rumhersteller aus Venezuela musste klein beigeben, und, obwohl sein Produkt überall auf der Welt als Ron Diplomático bekannt und geschätzt ist, es für den deutschen Markt umbenennen. Darum finden wir die höchste Kategorie von Rum dieses Herstellers im deutschen Spirituosenregal als Ron Botucal Reserva Exclusiva.

botucalreservaexclusiva-flascheEine unglaublich schöne Farbe, ein dunkles orange-braun, fast wie ein Whiskey. Schon in der Nase sticht dann das hervor, was für mich das definierende Kriterium dieses Rums ausmacht – Obst in Hülle und Fülle. Als hätte man einen exotischen Fruchtkorb vor sich: Orangen, Aprikosen und Maracuja. In dieser extremen Form habe ich das noch nie bei einem Rum erlebt. Die Klebstoffnote, die man bei vielen guten Rums findet, ist hier völlig abwesend, nur minimal riecht man den Alkohol.

Im Mund dann mild, aber mit schwach erkennbarem, leichtem Brennen. Vanille, Karamell, Schokolade. Das Obst ist immer noch vorhanden, aber schwächer – die dunkle Schokolade überwiegt nun, eine entsprechend leichte Bitterkeit dann im Abgang. Ich mag so einen trockenen, leicht bitteren Rachengeschmack sehr. Insgesamt ein schon eher süßer Rum, aber nicht so süß und vergleichsweise eindimensional wie ein Vizcaya oder Zacapa. Der Hauptunterschied ist die Fruchtigkeit – für einen Rum finde ich den Geschmack wirklich, wie gesagt, überragend bunt, und der Trumpf ist dann die ganz klar erkennbare, kräftige Bitterschokoladennote. Ehrlich gesagt, ich bin überrascht, wie gut und gleichzeitig vielschichtig dieser Rum ist: Da ist was für jeden Geschmack dabei.

Die Flasche, mit ihrer mattierten Oberfläche und dem sehr edel gestalteten Etikett in Briefmarkenmanier, ist natürlich eine Sensation für sich. Selbst ohne Geschenkdose ein Geschenk, über das sich jeder Rumkenner, aber auch jeder Rumanfänger, sehr freuen wird.

So ein Rum macht sich extrem gut in einem Chocolate Martica, in dem er alle seine Stärken voll ausspielen kann und die anderen Zutaten nach besten Kräften unterstützt.

chocolatemartica-cocktail


Chocolate Martica
1 oz Botucal Reserva Exclusiva
1 oz Brandy (z.B. Carlos I Brandy de Jerez)
1 oz Süßer Wermut (z.B. Carpano Antica Formula)
1/6 oz Kirschlikör
2 Spritzer Schokoladenbitter (z.B. The Bitter Truth Xocolatl Mole Bitters)


Eines muss man dann aber doch ansprechen – woher zumindest ein Großteil der Süße, der Komplexität und des Qualitätsempfinden dieses Rums kommt. Er wird mit Zucker nachträglich gesüßt, und zwar in einem nicht unbeträchtlichen Maße. 29g Zucker pro Flasche, das entspricht etwa 5½ Stück Würfelzucker, ist schon eine Hausnummer, die nur von sehr wenigen anderen Rums übertroffen wird. Es sind wohl auch noch andere Geschmacks- und Aromastoffe enthalten, früher wurde dies vom Hersteller sogar beworben. Leider ist heute nichts davon auf dem Etikett vermerkt.

botucal-sugar-border

Viele Premium-Rums machen das, wenn auch oft nicht ganz so extrem wie der Botucal. Persönlich ziehe ich daraus meine Konsequenzen – und die bestehen hauptsächlich darin, dass die Flasche, aktuell noch halbvoll, nicht mehr ersetzt wird, wenn sie denn dann leer ist. Andere Rums, die ein faszinierendes Geschmackserlebnis auch ohne heimliche Nachsüßung und Kundentäuschung bieten, bekommen dafür eine Chance.

Meine Einstellung zum heimlichen Nachsüßen, und dass ich sie auch offensiv und laut vertrete, hat bereits zu Irritationen geführt – „es kommt doch drauf an, wie es schmeckt, egal, wie es hergestellt wird“ ist dabei das am häufigsten angeführte Gegenargument. Dass so eine Einstellung für Genusstrinker, die sich mit dem, was sie zu sich nehmen, auch auf Produktions- und Vertriebsebene auseinandersetzen, statt blind zu konsumieren, keinerlei Gewicht hat, wird dann nicht mehr wahrgenommen. Man fragt sich, ob diese Leute dann auch Käfighaltungseier, Kinderspielzeug mit Weichmacher und Bleifarbe oder Cornflakes, die nur aus Zucker bestehen, kaufen, oder sich nicht beschweren, wenn sich das teuer bezahlte Restaurantessen als Tütenprodukt herausstellt, oder ob das selektive Wahrnehmung beim Rum ist. Gerade, wer sich als Rumfreund bezeichnet, sollte mehr Interesse an der Art der Herstellung seiner Lieblingsspirituose zeigen.

Der ansonsten von mir hochgeschätzte Spirituosenblogger Arctic Wolf denkt, dass das mit dem Zucker und den Geschmacksstoffen schon OK ist, weil man es angeblich schon immer so gemacht hat, und er den Herstellern nicht vorschreiben will, wie sie ihren Rum zu machen haben. Das mag schon sein, bei kleinen Mengen bin ich sogar geneigt, ihm zuzustimmen (mit dem caveat im folgenden Absatz). Doch wenn fast 5% des Rums in meiner Flasche aus Zucker besteht, und sich der Rum damit hinterlistig ein Geschmacksprofil aneignet, gegen das Produkte ohne Trickserei und das sensorische Wundermittel Zucker konkurrieren müssen, finde ich das schon schal. Man stelle sich vor, Puddingproduzenten in Deutschland müssten Zucker nicht mehr deklarieren, weil Pudding ja schon immer mit Zucker hergestellt wird, und man als Verbraucher das zu akzeptieren hat. Es gibt schon zuviel Produkte mit verstecktem Zuckerzusatz, der nirgends aufgeschlüsselt wird.

Wie ich schon anderweitig sagte: Von mir aus können die Hersteller gern Zucker in den Rum tun, solange sie dann ihre Spirituose nicht mehr „Rum“, sondern „Spirituose auf Rumbasis“ oder ähnlich nennen, wie das Captain Morgan für manche seiner Produkte tut. Eventuell würde es auch schon reichen, wenn die EU endlich ihre eigenen Vorgaben für Rum konsequent durchsetzen würde – die verbietet nämlich den Zuckerzusatz explizit. Daher: Stimmt mit ab für die entsprechende EU-Petition!

Die Rumkanonenkugel – Pampero Aniversario Reserva Exclusiva

Natürlich muss man bei einem solch extrovertierten Rum wie dem Pampero Aniversario Reserva Exclusiva als allererstes das ansprechen, was einem als Käufer sofort ins Auge springt: die Aufmachung. Eine dicke, kleine Flasche mit Kunstsiegel, ein hübsches Etikett und der sehr repräsentative Lederbeutel, der die Flasche eng umschmiegt machen diesen Rum zu einem Hingucker im Regal. Dieser Aufmachung ist ein langsamer Unboxing-Report durchaus angemessen.

pampero1Der Lederbeutel ist das Markenzeichen dieses Rums. Eingeprägt ist eine Reproduktion des Flaschenetiketts, mit dem aufsteigenden Pferd als Logo der Marke. Ein Lederzugriemen hält den Beutel oben am Flaschenhals zusammen. Das Leder des Beutels fühlt sich sehr weich, fast samtig an.

pampero2Vorsichtig öffnen wir den Zugriemen, und legt den Inhalt frei. Ich hoffe, ich höre mich nicht an, wie jemand, der den BH einer Stripperin öffnet und vor dem freigelegten Anblick erstarrt; es hat aber schon was sinnliches, diesen Rum auszupacken. Sowas gibt in der Endbewertung Extrapunkte, das bietet wirklich nicht jede Spirituose.

pampero-flascheNun steht die Flasche vor uns, wie Gott sie schuf – kurz und etwas kugelig, eine Rumkugel sozusagen. Ein hübsches, altmodisches Etikett, ein Siegel, und die Farbe des Rums, schön kräftig dunkel, wissen insgesamt sehr zu überzeugen.

Der Geruch dieses venezuelanischen Rums ist verwirrend – man könnte ihn eigentlich für einen Bourbon halten, so karamellig und trotzdem eichenwürzig kommt er daher. Auch vom Geschmack her bekommt man eine sehr spannende Dosis von Aromen ab – und obwohl er natürlich durchaus süß ist, sind es diese leichten Seitenaromen von Nuss, Karamell, Schokolade und Pflaumen, die zusammen mit der sehr angenehmen Schärfe (ganz ohne ist dann halt doch langweilig) ein insgesamt spannendes Mundgefühl ergeben, das neben dem Purgenuss den Pampero Aniversario mit seinen ca. 4 Jahren Reifung zu einem hervorragenden Qualitäts-Mixrum macht. Das eigentlich fast perfekte Preisleistungsverhältnis sorgt schließlich dafür, dass man diesen Rum nicht auslassen kann – ein Schnäppchen für Sipper und eine hochqualitative Zutat für Mixer.

 Was für ein Cocktail könnte für diesen dunklen, süßschokoladigen Rum besser passen als ein Jackie Brown? Mit einer Quittenscheibe dekoriert, gibt diese wunderbare, leider oft unterschätzte Frucht auch noch ein bisschen Fruchtsüße dazu eine tolle Kombo.

Jackie Brown


Jackie Brown
2 oz Pampero Aniversario Reserva Exclusiva
¼ oz Ahornsirup
¼ oz Bénédictine
2 Spritzer Chocolate Bitters (z.B. Xocolatl Mole Bitters)


Allerdings muss man zuguterletzt eine Sache ansprechen: um die 12g/L Zucker werden auch hier, wie bei vielen „Premium“-Rums üblich, nach dem Destillieren zugesetzt, um das Produkt süßer, qualitativer und hochwertiger erscheinen zu lassen – 12 Gramm sind im Vergleich zu anderen Rums, wie dem Botucal, Zacapa, El Dorado oder Vizcaya allerdings fast wenig. Das entschuldigt natürlich nicht das Vorgehen; zumindest tut aber Pampero mit diesem Rum nicht so, als sei es die Krone der Rumwelt, wie die Vorgenannten es gern machen; und auch preislich liegt dieser Rum in einer Kategorie, dass ich sage: Wenn schon gesüßt, dann der Pampero Aniversario Reserva Exclusiva.

Fass 21 scheint recht groß zu sein – Vizcaya Rum Cask No. 21 VXOP

Viele hochqualitative Rums schrecken erstmal durch einen stechenden Klebstoffgeruch ab. Auch beim Vizcaya Rum Cask No. 21 VXOP, einem ca. acht Jahre gereiften Rum aus der Dominikanischen Republik (über die Marketingmasche mit der riesigen „21“ auf dem Etikett schweige ich mal aus), kommt diese zum Vorschein. Wie immer gilt, dass man nach dem Einschenken das Glas erstmal ein bisschen atmen (zynischere Naturen würden sagen „ausdünsten“) lassen sollte, falls einen das zu sehr stört.

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Die kurze Wartezeit lohnt sich aber – sehr milde, feine, zarte Geruchsaromen wabern dann im Glas. Man erkennt schon direkt am Geruch, in welche Richtung dieser Rum gehen wird, und das bestätigt sich dann im Mund: Sehr weich und süß, im ersten Augenblick praktisch kein alkoholischer Geschmack, dabei aber nicht klebrig oder übermäßig zuckrig. Im Abgang dann taucht der Alkohol auf, aber auch hier ist der Vizcaya ein Gentlemen und brennt nicht, sondern kribbelt nur ein wenig. Er erinnert mich insgesamt stark an den Zacapa 23.

Ein dermaßen milder, zarter Rum darf natürlich nicht in Cocktails mit deftigen Zutaten vermischt werden. Sehr fein passt er aber in einen Perfect Rum Manhattan.Perfect Rum Manhattan


Perfect Rum Manhattan
2 oz Rum (z.B. Vizcaya VXOP)
½ oz Trockener Wermut (z.B. Martini Extra Dry)
½ oz Süßer Wermut (z.B. Carpano Antica Formula)
2 Spritzer The Bitter Truth Jerry Thomas‘ Own Decanter Bitters
Auf Eis rühren.
[Rezept adaptiert nach Carlos Cuenta]


Die massive Flasche ist von der Form her sehr hübsch, und lässt die fantastische braune Farbe des Rums sehr schön für sich wirken.vizcaya-etikett

Die restliche Aufmachung ist dagegen schwach – die goldfarbene Beschriftung war bei meiner Flasche schon stark abgerieben, das braune Etikett hebt sich kaum vom Flascheninhalt ab, der goldfarbene Korkdeckelaufsatz ist aus billigem Plastik und sieht auf dem Foto viel besser aus als in echt. Da ist deutliches Verbesserungspotenzial.

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Lecker scheint dieser Rum aber wohl durchaus auch deswegen, weil er, wie viele der sogenannten „Premium“-Rums, mit Zucker heimlich nachgesüßt wurde. 28g/L Zucker (also 19g/Flasche) sind durchaus eine Hausmarke, und deswegen reicht es, trotz gutem Geschmack, zu keiner überschwänglichen Endbewertung, denn der gute Geschmack ist nicht natürlich entstanden.

vizcaya-sugarWieder eine der Flaschen, die zwar noch ausgetrunken, aber ganz sicher nicht nachgekauft wird. Auch sehe ich diese Rums, darunter den Vizcaya, nicht mehr als Sipping-Rums – ich habe nun keinerlei finanzielle Gewissensbisse mehr damit, so teure Rums in Cocktails zu vermixen. Im Gegenteil: Die Rums, die von vielen „Kennern“ als Mixer runtergemacht wurden, und nicht nachgesüßt sind, landen nun erst recht pur bei mir im Glas – denn sie sind es, die den wahren Rumgeschmack repräsentieren, nicht die Rumliköre von Botucal, Zacapa, El Dorado und Vizcaya. Dann lieber einen ehrlichen Jamaikaner, Barbadianer oder rhum agricole. Schade, dass ich all das mit dem Nachsüßen erst erfahren habe, als ich schon hunderte von Euros in Rums investiert hatte, deren Hersteller mich und andere Konsumenten schamlos mit Zusatzstoffen zumüllen.

Piraten sind keine Rumkenner – Captain Morgan Original Spiced Gold Rum

Rum-Kenner machen sich oft lustig über diese Art Würzrums, oder sind indigniert, wie man sowas überhaupt trinken kann. Das ist natürlich kurzsichtig. So eine elitäre Sichtweise hat den Cognac und den Brandy für die jüngeren Generationen fast ins Aussterben getrieben, während aromatisierte Gins* und Vodkas das Feld der Partyspirituosen regelrecht überrannt haben.

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Gewiss ist Captain Morgan Original Spiced Gold keine Entdeckung, was Rumaromen angeht, denn diese werden, falls in der Basisspirituose überhaupt großartig vorhanden, durch die Aromatisierung überwältigt. Letztlich sollte man sich als Kenner eh von der Idee lösen, dass es sich hier um „Rum“ handelt. Es ist eine eigene Sorte Spirituose, die nur auf Rum basiert. Ein Vergleich mit hochklassigen Rums ist daher eigentlich recht sinnfrei und wird beiden nicht gerecht.

Nachdem ich nun aber erfahren musste, dass selbst hochwertigste Rums mit Zucker und anderen Zustatzstoffen, die nicht deklariert werden müssen, aufgepimpt werden, ziehe ich diese Einschränkung dann doch etwas zurück – wenn sich jemand in Zukunft bei Ihnen ausheult, dass er lieber „richtigen, guten“ Rum trinken will, fragen Sie ihn bitte, ob er weiß, wieviel Zucker seinem Lieblingsrum nachträglich zugesetzt wird, und was der Unterschied zur wenigstens offensichtlich, klar auf dem Rückseitenetikett kommunizierten Aromatisierung bei Captain Morgan Spiced Gold ist.

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Eine nette Situation: Der verschmähte Piratenkapitän enthält tatsächlich weniger Zucker als die „Premium“-Rums Zacapa 23, Plantation 20th Anniversary, El Dorado 12 oder Vizcaya – und der von vielen so geliebte Botucal Reserva Exclusiva hat sogar doppelt(!) soviel Zuckerzusatz wie das Spiced Gold.

Für mich ist das Würzgold ein sehr interessanter Cocktailspieler, der gut mit vielen süßen und sauren Zutaten harmoniert und diese mit seinem Zimt- und Süßgewürzaroma unterstützt. Er gibt vielen Cocktails eine liebliche Note und Volumen, ohne mit starkem Rumantritt den Gesamtgeschmack zu entern. Mein Favorit unter den Cocktails mit Spiced Rum ist Hillbilly Bob’s Ruckus Juice.hillbillybobsruckusjuice-cocktail


Hillbilly Bob’s Ruckus Juice
1 oz Captain Morgan Original Spiced Gold
1 oz Limettensaft
1 oz Orgeat (oder Mandelsirup plus etwas Orange Flower Water)
Aufgießen mit gleichen Teilen…
Ginger Beer (z.B. Old Jamaican) und…
Bier (Karlsberg Urpils macht sich gut!)


 

Und natürlich muss man am Ende die Aufmachung ansprechen – mir gefällt dieses Piratengehabe und die Etikettenillustration sehr. Wer könnte der Romantik von Karibikflair, Rum-trinkenden Piraten und dem wilden Gewürzcocktail des Spiced Gold schon widerstehen? Das gehört zu Rum für mich einfach dazu, auch wenn die modernen Produzenten sich teilweise etwas von der Geschichte der Spirituose distanzieren wollen. Natürlich ist es Kitsch, aber ich liebe Kitsch, wenn er gut gemacht ist.

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Ich habe daher eine Leuchtreklame mit diesem Bild auf dem Arbeitstisch meiner Heimbar (der eine oder andere wird sie bei Fotos meiner anderen Rezensionen schon im Hintergrund erspäht haben), die mit wechselnden Farben ein nettes Flair in ein abgedunkeltes Zimmer bringt.

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Wenn Sie dann aber mal einen feineren, spannenderen „craft“-Spiced-Rum probieren möchten, empfehle ich Ihnen den Meermaid Infused Rum.

Tell me sweet little lies – Why is our rum so sweet? (English version)

This is an English translation of my original article. Please forgive the clumsy, stilted style – I just corrected the most glaring flaws of an automated Google translation.

In one of my early rum reviews I wrote that good quality rum could well be one of the tastiest spirits there is. In fact, it’s probably not just me: Sweet rums, like El Dorado, Zacapa, Botucal or Plantation, receive consistently positive reviews, especially from people who otherwise don’t really like spirits – and also from me. A small dram of El Dorado 12 after dinner is so fine, and can replace a dessert.

Hardly anyone thinks about where this sweetness in rums comes from. Basically, this should work similar as in other spirits: The aging in wood produces the sweetness and gentleness, at least in whiskey, tequila – and rum as well?

The fact that rum is made ​​from sugar cane, either molasses or fresh juice, is no advantage regarding the sweetness: The sugar in the raw source is converted by yeast into alcohol and later on, during the distillation, the sugar doesn’t transport  to the final product. Freshly distilled rum is probably not sweeter than freshly distilled whiskey, although the one is made of sugar cane and the other is produced from grain.

So let’s imagine this rum that has been stored for 4 years in a cask. It is aromatic, tastes good, but something is missing. It’s still a bit too rough, somewhat scratchy, has only little body, and is not sweet enough for today’s requirements of fans of sweet rums. What do you do as a producer? A Straight Bourbon producer in this situation would have to sell off his Bourbon either as a blend of Bourbon, or of necessity leave it a few more years in the barrel, as flavor enhancers are prohibited by US law in Straight Bourbon. The situation is similar for Scotch whisky. Not so with rum. For rum, there is a simple way out of your misery: Drop a bit sugar in the rum, and the world already looks a bit nicer.

In fact, a producer of rum is free in what he is doing with his product; as long as it is made ​​from sugar cane or sugar cane products, and adheres more or less to the very often very lax legal requirements of the country of production (and every country has its own regulations, there are no standards – except for French AOC rhums which are controlled), the word „rum“ may be written on the label – and no additives have to be declared. The usage of caramel for coloring is probably the least of the evils arising therefrom.

For several years now Scandinavian authorities, in Sweden and Finland mainly, measure the proportion of sugar added after distillation for spirits, and state this share for all products available on official websites. This has led to some confusion among rum pros who, like me, always thought that high-quality rums are just naturally aged, ripened and sweetened. A natural product, so to speak. The truth is unfortunately somewhat different.

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Plantation XO: 20g of sugar per 700ml bottle

Many manufacturers, including almost all of the „big names“ of the rum business, add sugar in order to tune the taste, and don’t declare the sugar, as one would expect for a flavor enhancer. The amount varies by product; in some rum nothing or only natural quantities, which may also result from barrel aging, showed up; in others up to 60g of sugar per liter. Especially popular brands, which are often praised for their „softness“ and „sweetness“ and their „mildness“, were shown to have between 20 and 40 grams of sugar per bottle. 20g sugar is about 4 lumps of sugar. Some people think that this is not much – personally I feel it’s a stupendous amount, mainly because it is hidden from me.

Adding sugar not only creates the superficial sweetness of rum. In fact, even small sugar additions result in a different taste experience with regard to the perceived quality of the spirit. Some sugar in the rum tank, and even to professional rum tasters the adultered rum seems significantly more mature, older, nobler, with a fuller body. A large part of what the natural barrel aging should do over the years is usually achieved by prosaic sugar addition in minutes; some inferior rum can be changed easily into a superior product which can comply with highest taste criteria. An experiment has shown that already 5g sugar lead to an extremely improved taste experience and turn a simple standard rum such as Havana Club Añejo Blanco into one which you think had been stored 5 years in a cask.

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El Dorado 12: 28g of sugar per 700ml bottle

Capn Jimbo’s Rum Project has compiled a list of more than 550 types of rum with their respective sugar content, where you can look up your favorite rum. An interesting trend is observable: Jamaica appears to be a laudable exception when it comes to this practice; a majority of Jamaican rum contains only sugar in the natural range of fluctuations. Others, however, such as El Dorado, Botucal or Plantation, put sugar into virtually all of their products, and that to a considerable extent.

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Zacapa 23: 14g of sugar per 700ml bottle

Most manufacturers keep silent regarding this issue. Plantation is relatively proactive now and offers a thesis that can at least serve as a basis for discussion. They describe the sugar addition as dosage, comparing it to the traditional approach of Champagne. The added sugar is therefore declared as technically correct gimmick, that has been used for centuries, and which should be acceptable to friends of artisanal products. Sugar in rum is like salt in a dish – you can leave it out, but it just tastes better with it.

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Botucal Reserva Exclusiva: 29g of sugar per 700ml bottle

That it improves taste is unquestionable. The main problem I have with this argument is that in Champagne, dosage is applied without secrecy (except in terms of the quantity and composition of the dosage). Anyone with only passing knowledge about Champagne knows that in Champagne sugar is added to achieve the well-known taste. With rum, this is completely different – no one would dream of asking about dosage in rum; and the producers have, for decades, done their best to hide this seemingly self-evident dosage in rum. That customers feel cheated now should not surprise the manufacturers.

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Dos Maderas PX 5 + 5: 26g of sugar per 700ml bottle

What does all this mean for us as consumers, and especially for us as friends of high-quality spirits? We spend quite large sums of money for top-quality products, and now we can’t feel comfortable with rum anymore: is that what you get in the bottle actually worth the price, or did you get some really mediocre rum which is just pimped with flavor enhancers? Ultimately, I might as well do the dosage myself, and just drop a teaspoon of sugar in cheap rum – this way I have the flavor of an aged rum for the fraction of the price. A horrible thought – and I hope that this is not what is happening behind the scenes of the major manufacturers, but that they’re actually interested just to add the finishing touches with sugar. Doubts about their motives are quite reasonable when considering the amount of sugar they’re adding: polishing taste with spoonfuls of sugar per bottle? Come on.

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Pyrat XO: 17g of sugar per 700ml bottle

Personally, I’ll floor my bottles of rum of the manufacturers that add sugar, but won’t buy new ones. A lot of products of Plantation and El Dorado are affected by this new policy in my home bar. Instead, I’m going to try the rums of producers that don’t use a sugar as flavor enhancer, according to the rum list mentioned above.

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Vizcaya VXOP: 19,6g per 700ml bottle

My personal love for rum has been taken down a peg or two, and therefore I focus again on other spirits that work more honestly regarding ingredients and manufacturing processes. It would be desirable that the rum producers get a grip on themselves and realize that they’re destroying the reputation and credibility of their product, especially in our times where food transparency has become so important. I hope many consumers don’t let themselves be bluffed by opulent packaging and advertisements, despite the knowledge on sugar additions – at least until the sugar is declared on the label, or some legal regulation is in place.

Maybe, if you are a real friend of rum, you might even participate in the EU petition that demands the mandatory declaration of sugar in rum.

…and, if you own a bottle of rare rum, and want to measure its sugar contents: I put together, from different sources, a introduction to easy sugar testing, that enables you to check your rum for yourself – is it sugar soup or pure rum?

Captain Morgan’s Orange Gold – Pyrat XO Reserve Rum 375ml

Zum Genuss einer Spirituose gehört das Gesamtpaket, und damit meine ich natürlich primär den Inhalt, aber auch die Verpackung, das Design, die Haptik und auch die auditive Komponente. Was gibt es Schöneres in der Spirituosenwelt als das Klicken von Eiswürfeln, die in einem Glas eines Cocktails treiben? Oder das Geräusch, das ein Korken macht, wenn man ihn von einer guten Flasche Single Malt oder Rum zieht?

Nach dem „Popp!“ des Korken der Flasche des  Pyrat XO Reserve Rum springt einem auf jedenfall neben der Gänsehaut des Geräuschs auch ein sehr angenehmes Rum-Aroma in die Nase. Das ist schon sehr vielversprechend und lässt mir das Wasser im Munde zusammenlaufen. Leider bleibt von dieser Nase nicht viel im Glas: Das allesüberwältigende Orangen- und Zitrusaroma des Pyrat XO trumpft alles.

pyratGleichzeitig hat der Pyrat überraschend wenig Körper, da war ich schon mehr als ein bisschen enttäuscht. Im Vergleich zu anderen Rums ist er fast dünn und hat kein Volumen. Das merkt man dann auch am Gaumen – deutlichst spür- und schmeckbare Alkoholnoten, als wäre er grade frisch aus der Destille gelaufen und nur wenig gereift (bis zu 15 Jahre steht im Beipackzettel – wahrscheinlich liegt die Betonung ganz stark auf dem „bis zu“, der Löwenanteil wird eher maximal 2 Jahre alt sein). Für diesen Rum werden ca. 24g/l Zucker undeklariert beigemischt, also 9g pro kleinem Fläschchen.

Man hört darüber hinaus Gerüchte über den Einsatz von ehemaligen Orangenlikörfässern zur Reifung, was mich bei dem Geschmack nicht wundern würde; auch nicht, wenn herauskäme, dass statt solchen unkonventionellen, aber wahrscheinlich erlaubten Fässern nur zum Finish auch direkt einfach ein (dann schon die Schwelle zur Manipulation überschreitender) guter Schuss Orangenlikör zugesetzt würde, was auch den Zucker miterklären könnte.

pyratzuckerDennoch kann ich diesen Rum Genießern empfehlen, die gern zitruslastige Spirituosen mögen, und als Dessertrum oder Digestif mag er auch ganz gute Dienste leisten. Als „Sipper“ – na, ich weiß nicht, für mich ist er dazu zu frech und unausgereift, zu eindimensional. Ich kann ihn mit aber sehr gut als Ersatz für den Cointreau in einem Cointreauversial vorstellen. Da der Pyrat XO trotz all des Zuckers, den man beim Purtrinken schmeckt, doch noch weniger süß als ein Orangenlikör ist, sollte man, je nach Säuregrad des verwendeten Cranberrysafts, nach Laune vielleicht etwas Zuckersirup zugeben.

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Pyratroversial
2 oz Pyrat XO
¾ oz Cranberrysaft
½ oz Zitronensaft
[Rezept nach schlimmerdurst.net]


Im Nachhinein bin ich froh, nur diese kleine, halbe Flasche mit 375ml gekauft zu haben, und eine Nachbestellung wirds, egal in welcher Größe, ganz sicherlich nicht geben – da hole ich mir dann lieber einen Clément Créole Shrubb, bei dem alles noch zitrusintensiver und vollmundiger ist, aber ohne das Kratzen, oder halt direkt einen echten Orangenlikör wie Grand Marnier Cordon Rouge, der nicht so tut, als wäre er ein Rum.

Die Flasche selbst hat aber schon was – gedrungen, mit Einsprengseln im Glas, einem echten Korken und schönen gelben Band (fast identisch also zur großen Flasche). Ein schönes Geschenk, als Mitbringsel mit Überraschungseffekt für den Gelegenheits-Likörnipper. Aber bitte nicht für echte Rumkenner – bei denen kriegt man als Gegenleistung für diesen seltsamen Halbrum höchstens ein müdes Lächeln.

Der Anfang meiner Rum-Liebesaffaire – El Dorado Finest Demerara 12 Year Old Rum

Es ist spannend zu sehen, dass man mit vergleichsweise geringem Geldeinsatz in die Spitze der Qualität bei Süßrum vorstoßen kann. Botucal, Zacapa und El Dorado sind alle für ~30€ zu haben, und stellen schon mit den Zenit des gesüßten Rums dar. Gewiss kann man qualitätsmäßig noch ein kleines bisschen draufsetzen, da schmilzt dann aber das Preisleistungsverhältnis sehr schnell ab und ist nur noch für absolute Rumkenner interessant.

eldoradoWer sich bisher nicht in diese Kenner-Kategorie einordnet und sich mit Havana Club 3/7, Old Pascas oder ähnlichem Rum zufrieden gegeben hat, wird vom ersten Glas dieses 12-jährigen El Dorados überwältigt sein – zumindest mir ging es damals so. Da ist kein bisschen Alkoholgeschmack, null Bitterkeit, kein Ansatz von Kratzen oder ähnlichem, was den Genießer abschrecken könnte – das ist pures Glück, reiner Genuss, das läuft runter wie Öl. Eine fantastische Süße, aber nicht klebrig, sondern eine klare, reine Süße, leitet ein Breitband an Aromen im Mund ein. Schon der Geruch aber – gäbe es Duftbäume mit diesem Geruch, ich würde ihn in mein Auto hängen.

Hier zeigt sich: Rum ist mehr als billiger Sprit, mehr als Backzutat oder Schuss im Grog oder Glühwein. Ab dieser Qualitätsklasse ist Rum eine der schmackhaftesten Spirituosen, die man sich vorstellen kann, und lässt sogar die von mir so geliebten Bourbons weit hinter sich – allerdings darf man Bourbons auch nicht nachträglich mit Zucker süßen, wie das mit den meisten El-Dorado-Produkten geschieht, daher ist der Vergleich ungerecht. In diesem Rum sind ~39g Zucker pro Liter, also ~27,3g Zucker pro Flasche, etwas über 5 Stück Würfelzucker, zugesetzt, was die überwältigende Süße etwas prosaisch, und das Erlebnis dämpfend, erklärt.

eldoradosugarUnd in einem Cocktail bringt der El Dorado 12 dann eine Tiefe, Wucht und ein Volumen in den Drink, dass man sich die Frage danach, ob man so eine teure Spirituose überhaupt vermixen darf, nicht mehr stellt – man gibt sich in Zukunft nicht mehr mit weniger im Cocktail zufrieden. Versuchen Sie mal einen Roosevelt Cocktail.

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Roosevelt Cocktail
1 3/4 oz El Dorado 12
1/2 oz Trockener Wermut (z.B. Martini Extra Dry)
1/4 oz Orangensaft
1/4 oz Zuckersirup


Eine sehr schöne, etwas gedrungene Flasche mit einem aufgeklebten Siegellack-Emblem, Korkstopfen und romantischem Etikett ergänzt die Präsentation. Die Schachtel ist dezent und elegant, dient bei mir nun als edle Dekoration.

Ein Spitzensüßrum, den man probiert haben muss, wenn man nachgesüßten Rum mag.