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Atlántico Gran Reserva Titel

Rumreserven – Atlántico Gran Reserva

Es spricht sich so langsam rum – Altersangaben auf vielen, hauptsächlich lateinamerikanischen Rums sind Schall und Rauch. Da prangen große Zahlen im Bereich zwischen 12 und 30 auf den Flaschen, die teilweise entweder gar keine Altersangaben sind (wie bei Flor de Caña zum Beispiel), oder das Wort „Solera“ in der Nähe stehen haben, also zwar als Altersangabe gemeint sind, wie das aber dann bei einem Solera-Verfahren (bei dem man rein technisch kein absolutes Alter angeben kann) zu interpretieren ist, wird meist offengelassen.

Eine alternative Form, zumindest ein Gefühl für das Alter der Spirituose zu vermitteln, haben sich andere Hersteller zugelegt. Sie leihen sich dafür Altersangaben, die sonst im Spirituosenbereich für spanischen Brandy zum Einsatz kommen. So finden sich dann die Wörter „Reserva“ oder „Gran Reserva“ auf dem Etikett. Bei Brandy ist geregelt, was sie bedeuten: Brandy de Jerez Solera Reserva weist das minimale Durchschnittsalter von einem Jahr auf, Brandy de Jerez Solera Gran Reserva ein minimales Durchschnittsalter von 3 Jahren. Weitere Bedingungen gelten für diese Begriffe, die ich hier nicht erwähne. Man beachte dabei das wichtige Schlüsselwort „Durchschnitt“. Auch für spanischen Rotwein gibt es diese Begriffe, mit etwas anderer Bedeutung. Die Frage ist natürlich, inwieweit sich die Rumhersteller an diese Vorgaben halten, oder ob sie einfach die prestigeträchtigen und wohlklingenden Bezeichnungen übernehmen. Für Rum gibt es meines Wissens keine klare Regelung, was diese Begriffe in diesem anderen Kontext bedeuten, und erst recht keine Kontrollinstanz wie das Consejo Regulador Especifica Brandy de Jerez, das die Einhaltung überprüfen würde – daher muss man im leider allzuoft sehr zwielichtigen Umfeld des Rums davon ausgehen, dass diese Auszeichnung reine Dekoration ist.

Einer der Rums, die sich diese Wortkombination aufs Etikett geschrieben haben, ist der Atlántico Gran Reserva, der Nachfolger des Atlántico Private Cask, den vielleicht der eine oder andere Rumfreund schon kennt.

Atlántico Gran Reserva Flasche

Die Farbe, ein glitzerndes, strahlendes Kupfer mit orangefarbenen Reflexen, gefällt bereits in der Flasche, wo sie einen attraktiven Kontrast zum dunklen Blau des Etiketts bildet. Eine Färbung mit Zuckerkulör ist vorgenommen worden, wie bei den meisten der heutzutage erhältlichen Rums, hier wird sie wenigstens auf dem Etikett klar angegeben. Im Glas liegt der Rum dünn, hinterlässt am Glas aber doch Schlieren.

Die Nase lässt schon darauf schließen, was wir im Mund nachher zu erwarten haben. Da ist viel vordergründige Süße, Karamell, Werther’s-Echte-Sahnebonbons, viel Vanille und Zimt, Kaffee und etwas Minze. Der Alkohol ist zunächst leicht stechend, er verfliegt aber nach einer Weile Offenstehzeit.

Im Mund liegt der Atlántico Gran Reserva zunächst sehr breit und süß, und die Nachsüßung (immerhin nach einer eigenen Bestimmung ordentliche rund 22g/L) schlägt volle Pulle und ohne Gnade zu. Da sind noch deutliche Erdnussaromen, etwas Ahornsirup, Cappuccino und dezente Gewürznoten. Der Alkoholgehalt von 40% ist nur mäßig gut eingebunden, man schmeckt und spürt ihn deutlich. Es handelt sich laut Hersteller um einen Blend aus Melasse- und Zuckerrohrsaft-Rums, etwas, das ich rein sensorisch kaum erkennen kann. Die sehr charakteristische grasige Note eines Zuckerrohrsaft-Rums ist nichtmal ansatzweise schmeckbar.

Atlántico Gran Reserva Glas

Im Abgang entsteht etwas Würze, leichtes Chili, und eine gewisse Trockenheit fängt endlich an, sich gegen die bis hierher dominierende Süße zur Wehr zu setzen. Ein kühlendes Gefühl sorgt eine Weile für einen recht angenehmen Nachhall, der allerdings dann schnell wieder von einem leicht pappig-klebrigen Gefühl eingeholt wird, das mich an übersüßten Cappuccino erinnert, was leider das einzige ist, was nach einer Weile als Eindruck dieses Rums übrig bleibt.

Ich bin wirklich kein Süßrumtrinker, daher muss ich mir darüber klar werden, was ich mit diesem Rum anfangen kann. Im The Black Sands sind genug Säure- und Frischekomponenten vorhanden, um die oberflächliche Süße des Atlántico Gran Reserva auszugleichen, so dass ein sehr trinkbarer, leckerer Cocktail entsteht. Das ist daher auch meine grundsätzliche Empfehlung – säurelastige Drinks bieten ein schönes Umfeld für diesen Rum, so dass er hier zumindest etwas glänzen kann.

The Black Sands


The Black Sands
1 oz gereifter Rum
1 oz Calvados
¾ oz Limettensaft
½ oz Zuckersirup
8 Minzblätter
Auf Eis shaken und auf Eis abseihen.
Mit etwas Sprudel aufgießen und einem Minzstrauch servieren.

[Rezept nach Gregory Saavedra]


Zu guter letzt sollten wir als interessierte Rumfreunde natürlich noch ein paar Fragen klären, bei denen viele Hersteller anfangen, mit den Zähnen zu knirschen. Wo wird der Rum destilliert? Er ist laut Etikett ein Produkt der Dominikanischen Republik, die Destillate werden aber wohl, wenn man vertrauenswürdigen Quellen glauben darf, von der Firma Oliver & Oliver anderswo eingekauft, z.B. in Trinidad oder Panama, und sie werden nur in der Domrep geblendet.

Das führt dann direkt zur nächsten Frage – wie alt ist der Atlántico Gran Reserva? Wie schon in der Einleitung angesprochen, bedeutet die Wortkombination „Gran Reserva“ auf einer Rumflasche nichts handfestes. Das Solera-Verfahren wird einerseits angesprochen, in Werbetexten liest man aber dann von einem fassweisen Blend („Es handelt sich um einen Blend aus small batch Rums, die bis zu 25 Jahre lang reiften“). Wie man auch bei anderen Herstellern sieht, ist Solera und Blend für viele Rumproduzenten scheinbar dasselbe. Das Alkoholfeuer, das noch gut spürbar ist, und das insgesamt eher oberflächliche Geschmacksbild, lässt mich die Frage stellen, wie groß der Anteil der 25-jährigen Rums in diesem Blend sein kann; ich gehe von Tröpfchen aus, der Löwenanteil ist gefühlt sehr jung und wenig gereift.

Womit wir beim dritten Problempunkt sind – zur Geheimnistuerei kommt dann noch Marketingblabla Formulierungsunklarheit. Sätze wie folgender, entnommen dem Exposé Atlánticos zum Rumfest Berlin 2017, lassen bei einem Rumkenner schon leicht die Fragezeichen über dem Kopf sichtbar werden.

Atlántico umfasst zudem eine Art von Rum, die sich Malta nennt. Darunter versteht man Rum, der mit einem niedrigeren Alkoholgehalt destilliert wurde. Das ermöglicht es dem Blend, mehr der natürlichen Aromen und Charakteristika des Zuckerrohrs beizubehalten.“

Keiner der sehr informierten Rumkenner aus diversen Gruppen, in denen ich unterwegs bin, konnte mit dem Begriff Malta etwas anfangen. Andere Quellen sprechen aber auch vom Zusatz von Aguardiente. Auf jeden Fall ist der Herstellungsprozess, wenn man noch die Nachsüßung mit in Betracht zieht, nicht wirklich mit meinem Bild einer transparenten, traditionellen Rumproduktion vereinbar. Was für mich persönlich schon ein Grund für sich ist, derartige Produkte nicht zu kaufen, das muss aber jeder mit sich selbst ausmachen.

Nachtrag: Wenige Tage nach der Veröffentlichung dieses Artikels erhielt ich eine Nachricht vom deutschen Brand Ambassador für Ron Atlántico, der mir einige Details mitteilte, die den Herstellungsprozess doch erkennbar aufklären. Ich bedanke mich bei Florian Perret ausdrücklich für diese Hinweise. Selbstverständlich gebe ich diese nun an meine Leser weiter und ziehe meine Kritik bezüglich der Transparenz teilweise und die Wörter „Marketingblabla“ und „Geheimnistuerei“ ganz zurück. Ideal wäre natürlich eine entsprechende Anpassung auf der produkteigenen Homepage (und, obwohl das ein frommer Wunsch bleiben wird, auf dem Etikett).

Der Melasse-Anteil des Rums, der in den Blend für den Atlántico eingeht, wird in der Destillerie Alcoholes Finos in der Dominikanischen Republik in einer Column Still gebrannt, die Melasse dafür bei der Central Romana Sugarmill eingekauft. Der Zielalkoholgehalt dafür liegt bei ca. 90%-95%.

Ron Atlántico vor Ort

Der zweite Anteil, der Zuckerrohrsaftrum (aus gegebenem Anlass, unabhängig vom Atlántico, verwende ich nicht das Wort „agricole“, dazu in einem späteren Artikel mehr), wird ebenfalls komplett in der Dominikanischen Republik hergestellt: Das Zuckerrohr wird in La Romana geerntet, ausgepresst und auch in einer Column Still auf einen ähnlichen Alkoholgehalt destilliert.

Der dritte Anteil, das geheimnisvolle „Malta“, wird auch in diesem Schritt erzeugt; es handelt sich dabei um Zuckerrohrsaftrum, der statt auf über 90% einfach auf rund 75% destilliert wird.

Diese drei Komponenten lagern und reifen separat voneinander und werden am Ende in einem Blendingprozess miteinander kombiniert. Insgesamt ungewöhnlich, aber gewiss keine Mauschelei.

Offenlegung: Ich danke Sierra Madre GmbH für die kostenlose Zusendung einer Flasche des Atlántico Gran Reserva.

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Black Tears Cuban Spiced Titel

Der Captain wird heulen – Black Tears Cuban Spiced

Wir leben in interessanten Zeiten, was Rum angeht. Der Trend geht, wie in vielen Bereichen, hin zum High-End-Produkt. Gewisse Subkategorien von Spirituosen, gerade bei Rum, leiden dabei etwas, was das Image angeht – wenn schon Laien heutzutage Geld in die Hand nehmen, um sich einen Caroni ins Regal zu stellen, wird so etwas wie ein Spiced Rum, also eine Spirituose auf Rumbasis, die mit Früchten, Gewürzen, Aromastoffen und Zucker süffig gemacht wird, teilweise schon etwas herablassend betrachtet.

Aber was grenzt heutzutage einen Spiced Rum eigentlich noch wirklich ab? Viele der Premium-Rums, die sich bei den Händlern immer noch verkaufen wie geschnitten Brot, und die auf Plattformen wie Amazon bis heute als „die besten Rums der Welt“ rezensiert werden, unterscheiden sich, wenn man die Zusammensetzung anschaut, nicht von einem Spiced Rum. Zusatzstoffe wie Zucker, Aromate und Glycerin sind in als Rum deklarierten Produkten enthalten, ohne dass sie auf dem Etikett ausgewiesen werden würden oder müssten. Nicht zuletzt das etwas zweifelhafte Image des Spiced Rum als unanspruchsloses Gebräu, das Kenner nicht anrühren, sorgt dafür, dass die Hersteller der Hausrezept-Rums ungern die eigentlich korrekte Bezeichnung für ihr Produkt verwenden würden.

Um so erfreulicher, dass diese uralte Kategorie von Spirituosen nun einen neuen Zuwachs erfahren hat, der sich nicht dafür zu schade ist, offen zuzugeben, was er ist. Der Black Tears Cuban Spiced hat vor kurzem die Supermarktregale bei Edeka, Rewe und Co. gestürmt – ich habe zunächst gezögert, weil ich mir eigentlich derartige Spontankäufe abgewöhnen wollte, und nach ein paar kurzen Recherchen, die kaum ein echtes Ergebnis lieferten, ein paar Tage später dann doch zugegriffen; war es ein im nachhinein bereuter Kauf nur um diese Lücke zu füllen, oder taugt dieser Kubaner auch etwas?

Black Tears Cuban Spiced Flasche

Farbstoff ist natürlich mit von der Partie, das wäre auch fast schon ein Wunder bei einem Spiced Rum. Ein kräftiges Terracotta gibt schon einen Eindruck, dass hier kein leichtes, luftiges Aroma auf uns warten wird. Im Glas liegt der Black Tears ölig, mit einem schönen Beinschleier am Glasrand beim Schwenken.

Beim Riechen springt einen eine Komponente dieses Gewürzrums direkt an – Kaffee. Das passt natürlich zur Geschichte auf dem Rücketikett (siehe unten noch ein paar Worte dazu), die vom Großvater erzählt, der schon Rum und Kaffee miteinander vermischte. Vanille, Nougat, Zuckerwatte, geröstete Agave, etwas Mandarine – eine insgesamt geradezu extrem süße Note; dagegen kommt kaum etwas an rumtypischen Aromen an. Etwas Kleber im Hintergrund.

Im Mund kommen dann doch ein paar Column-Still-Rum-Charakteristika zum Vorschein – leichter Körper, etwas alkoholisch, milde Aromen. Cappuccino und dunkler Kakao sind im Geschmack entsprechend da, aber weniger dominierend als von der Nase her vermutet, Fruchtaromen kommen nach vorne, Orange und Erdbeeren. Er wirkt frisch und hell, und ist dadurch sehr süffig und trinkbar. Insgesamt bleibt der Black Tears aber aromatisch zurückhaltend, fast schon etwas arm. Alkoholisch versehen ist der Black Tears Spiced Rum mit 35%, eine Extraktmessung meinerseits hat einen Zuckergehalt von 13g/L ergeben – das ist für einen Spiced Rum ein akzeptabler Wert und weniger, als viele Premiumrums enthalten. Das Etikett spricht von 92% Rumanteil in dieser Spirituose, wenn der Zucker entsprechend draufkommt fragt man sich aber schon etwas, was der Rest sein mag, da Aromastoffe ja volumenmäßig nicht viel ausmachen können – es wird wohl Wasser sein, um die Rumbasis, die ja normalerweise mit mindestens 37,5% Alkohol hergestellt wird, auf die im Endprodukt enthaltenen 35% herabzusetzen.

Black Tears Cuban Spiced Glas

Der Abgang ist trotz all der Vorschusssüße recht trocken, etwas heiß, aber nicht unangenehm alkoholisch. Die Lebensdauer im Mund ist extrem kurz, selbst dabei aber beschränkt auf adstringierende und anästhesierende Effekte. Cappuccino klingt noch eine ganze Weile nach.

Was bleibt also? Wir haben hier einen leichten, trockenen Spiced Rum mit typisch kubanischen Eigenschaften in der Rumbasis, und einer Würzung und Süßung, die diese dankenswerter Weise nicht völlig überwältigt. Mir gefällt das, es ist weniger brachial und pappig als Captain Morgan Spiced Gold beispielsweise, aber auch nicht so eigenwillig wie der Meermaid Infused Rum, und hat einen gewissen eleganten Charme, so dass man ihn gewiss pur, eventuell auf Eis, als leichten Ausklang für einen Abend trinken kann, ohne überfordert zu werden. Keine echte Rumkunst, auch wenn das die Präsentation etwas insinuiert, aber ein solides Basisprodukt.

Tatsächlich wird er seine Hauptarbeit für mich aber in Cocktails leisten. Die interessante Aromenvariation hin zum Kaffee macht ihn gut einsetzbar für ungewöhnliche Twists auf gut bekannte Drinks, wobei nicht die Gefahr besteht, dass der Cocktail in eine völlig andere Richtung abdriftet. Beim Spiced Daiquiri nehme ich ein übliches 2:1:½-Rezept her, reduziere allerdings den Zucker etwas, um die Süße des Black Tears etwas auszugleichen; das Ergebnis ist sehr trinkbar und leicht, mit eben diesem kleinen dunklen Kaffeetwist.

Spiced Daiquiri


Spiced Daiquiri
2 oz Spiced Rum (z.B. Black Tears)
1 oz Limettensaft
1 Teelöffel weißer Zucker
Auf cracked ice gut schütteln. Nur grob abseihen und ohne Dekoration servieren.
[Rezept nach unbekannt]


Versucht man, das Rücketikett, das im Pseudopostkartenstil in Pseudohandschrift eine Pseudolegende voller Schwafelei enthält, tatsächlich zu verstehen, wundert man sich dann aber doch über die unklare Reise, die dieses Produkt hinter sich hat. Destilliert auf Kuba, „hergestellt“ (was auch immer das nun bedeuten mag) in den Niederlanden für eine norwegische Firma, vertrieben durch eine deutsche Firma. Der Rum für den Black Tears stammt aus der Destillerie Paraíso Destilería im unter Rumkennern wohlbekannten Ort Sancti Spíritus auf Kuba; diese Destillerie vermarktet ihren Rum, wie es viele Destillerien dort tun, über ein Konglomerat mit dem weniger wohlklingenden Namen Tecnoazucar. Ein wahres Wunderwerk an Verflechtung und Vernetzung in der globalisierten Welt.

Nun, für 17€ macht man, wenn man eh auf diese Art von Rumspirituose steht, sicher nichts falsch, im Gegenteil – ich würde jedem Freund des Piratenkapitäns mit dem Fuß auf dem Fass raten, sich stattdessen einfach mal mit dem Black Tears Cuban Spiced anzufreunden, ich finde ihn interessanter und wirkungsvoller. Wer aber eh schon lieber trockene, teerige und esterige Pure Single Rums trinkt, und sich nicht von diesem Vorbild lösen kann oder will, wird dagegen kaum so richtig viel Freude empfinden werden.

Rhum Barbancourt Réserve du Domaine Titel

Kunst kommt von Können – Rhum Barbancourt Réserve du Domaine 15 Ans

Papier-Fachmagazine für Spirituosen müssen sich heutzutage etwas einfallen lassen. Zwar wird dem gedruckten Wort auch heute noch oft mehr Gewicht beigemessen als einem Blogartikel oder anderen Onlinemedien, doch im Print einfach das zu reproduzieren, was anderswo online (und oft auch noch werbefinanziert und damit scheinbar kostenfrei) erscheint, reicht allein aber ganz klar nicht mehr aus. Das französischsprachige Magazin Rumporter hat für sich einen eleganten Weg gefunden – die Printausgabe erscheint nur selten, und punktet mit unerwarteten Seitenblicken auf die Kultur des Rums, auf den sich das Magazin namensgemäß natürlich konzentriert. Ganz- und vielseitige Reproduktionen von Kunstwerken, die im regionalen oder inhaltlichen Bezug zu Rum stehen heben jedes einzelne Heft über viele, gelangweilt heruntergeratterte, sehr trocken-technische Fachsimpeleien in deutschen Magazinen hinaus. Ich empfehle jedem Rumfreund (und auch jedem Redakteur deutschsprachiger Publikationen!), sich das mal anzuschauen.

In der Spezialausgabe November 2016 des Rumporter war neulich, neben der angesprochenen Kunst, auch ein ausführlicher Artikel über den haitianischen Rumhersteller Barbancourt zu lesen. Das Cover zierte dasselbe Gemälde, das auch auf dem Karton des Rhum Barbancourt Réserve du Domaine 15 Ans zu sehen ist. Man bekommt in dem langen Artikel mit angeschlossenem Interview und vielen starken Bildern den deutlichen Eindruck eines sehr traditionsreichen, und auch heute noch traditionell arbeitenden Destillateurs, der praktisch nur gereifte Rums herstellt, um sich vom anderen wichtigen haitianischen Alkoholikum, dem ungereiften Clairin, abzugrenzen. Kann man diese Tradition im Glas schmecken?

Rhum Barbancourt Réserve du Domaine Flasche

Die Farbe bereitet den Rumfreund schonmal optisch auf das Kommende vor: schwere Bronze, ölig, dickflüssig, mit vielen Beinen am Glas beim sanften Schwenken. Im Geruch setzt sich der erste Eindruck, dass wir hier etwas besonderes vor uns haben, fort. Sehr viel Vanille dominiert die Nase, leicht grasige Komponenten im Hintergrund, dazu Pfeifentabak. Insgesamt sehr sandelholzig, etwas Lakritz rundet das ganze ab. Die erkennbare Ethanolnote verfliegt mit Stehzeit etwas.

Schließlich kommt der Barbancourt Réserve du Domaine 15 Ans im Mund an. Eine wahre Geschmacksexplosion folgt: Kaffee, dunkler Kakao, Marzipan, Pflaumen, Nelken, Honig, ein Hauch Rauch. Er ist sehr süß im Antrunk, aber ohne die anbiedernde, billige Zuckersüße der stärker nachgesüßten Rums – um die 7g/L Zucker sind aber hier auch enthalten, was sogar im Rumporter-Artikel erwähnt wird. 7 Gramm, das ist gerade noch eine Menge, die ich akzeptieren kann, als gemäß der EU-Verordnung 110/2008 „erlaubt zur Geschmacksabrundung“, wenn auch mit leichtem Zähneknirschen und der irritierten Frage, ob es dann nicht auch ganz ohne ginge. Insgesamt dennoch ein sehr klares, reines Geschmacksbild ohne störende Einflussnahme. Gemäßigte 43% Alkoholgehalt passen sich gut in dieses Bild ein.

Rhum Barbancourt Réserve du Domaine 15 Ans Glas

Der feurige, warme, lange Abgang, mit extrem definierter, dennoch angenehmer Trockenheit und einem pfeffrig-bitteren Finish, krönt das Verkostungserlebnis, hier erkennt man deutlichst die produktionsbedingten Anklänge eines rhum agricole, denn der Barbancourt ist eben wie diese aus frisch gepresstem Zuckerrohrsaft hergestellt. Im Nachklang bleibt eine Menge Eichenholz auf Zunge und Gaumen; echte 15 Jahre im Eichenfass (vielli en fût de chêne, wie es so schön auf Französisch heißt) aus Frankreich haben ganze Arbeit geleistet.

Dieser Rum ist nicht nur süß, sondern vielschichtig, aromatisch, komplex. Besonders gefällt mir dieses spektakuläre Umkippen aus Antrunk-Süße in Abgang-Extra-Dry. Das gefällt aber sicherlich nicht jedem, so ehrlich muss ich sein. Dennoch ist mein Fazit klar – der Barbancourt Réserve du Domaine 15 Ans ist eine wahre Pracht und würde ohne Mühe in in meinen persönlichen Rumolymp aufsteigen, wäre da nicht die Nachsüßung, die mich daran hindert, ihn völlig uneingeschränkt zu empfehlen.

Einen zu dieser Stimmung passenden, mindestens ebenso elysischen Cocktail habe ich mir als Showcase für den Haitianer ausgesucht. Der Elysian Special zeigt so ganz nebenbei auch noch, dass Ananassaft in einer Rezeptur nicht immer automatisch nur bedeutet, dass man etwas pappig-süß-fruchtiges vor sich haben muss – die Frucht liefert neben der Aromatik auch eine schöne Textur, ein dichtes Mundgefühl und ein wunderbares Schaumkrönchen ganz ohne Eiweiß; und sie lässt dem Rum trotzdem noch genug Raum, sich zu präsentieren.

Elysian Special


Elysian Special
1½ oz Rhum Barbancourt Réserve du Domaine 15 Ans
½ oz Batavia Arrak (z.B. Boven’s Echter Arrak)
1 oz Ananassirup
¾ oz Limettensaft
Auf Eis shaken.
Mit einem Spieß gegrillter Ananas und etwas geriebener Muskatnuss dekorieren.

[Rezept nach Bryan Schneider]


Kommen wir vom Guten zum Schlechten – dieser Preis- und Qualitätskategorie ziemlich unwürdig ist der billige Blechschraubverschluss. Schade, dass die ansonsten sehr gelungene Präsentation dadurch etwas verschandelt wird, ein Naturkorken wäre einem 15 Jahre alten Rum doch zu gönnen gewesen, oder? Immerhin gefällt das auf Goldfolie gepresste Etikett, sowie der künstlerisch sehr attraktiv gestaltete Geschenkkarton, in dem die Flasche geliefert wird.

Das führt uns in weitem Bogen zurück zur Einleitung. Wir als Spirituosenfreunde sollten vielleicht ab und zu neben den prosaischen Geschmacks- und Herstellungsdiskussionen auch einen Blick auf die künstlerischen Aspekte unserer geliebten Produkte werfen, ihnen eine Chance geben, sich neben Tasting Notes und Preisleistungsverhältnissen auszudrücken. Man muss sich dafür nicht anstrengen, sondern nur offenen Auges durch die Welt gehen. Der Barbancourt Réserve du Domaine 15 Ans ist jedenfalls ein guter Begleiter dafür.

Dos Maderas 5+5 PX Rum Titel

Fortunatos Zuckerfass – Dos Maderas PX 5+5

Die Diskussion um manipulierte Rums lässt mich nicht ruhen. Wir sind zumindest an einem Punkt angekommen, wo die künstliche Nachsüßung auch im Mainstream der Rumkonsumenten bekannt geworden ist – die Aufklärungsarbeit trägt erste Früchte, wenn es aber auch noch sehr viel zu tun gibt diesbezüglich. Eine spannende Initiative geht aktuell außerdem von der EU-Kommission aus: Sie forderte vor kurzem die Hersteller alkoholischer Getränke dazu auf, ihr Vorschläge für eine Selbstregulierung bezüglich der Angabe von Inhaltsstoffen und Nährwerten zu unterbreiten. Sollte sich da tatsächlich etwas tun und die Hersteller gezwungen werden, wenn nicht schon die Praxis des Manipulierens mit allerlei Zusatzstoffen zu unterlassen, dann doch wenigstens sie offiziell zuzugeben? Ich harre höchst gespannt der Dinge, die da kommen mögen…

Anlass genug, dass ich erneut eine meiner alten Rum-Rezensionen, damals geschrieben bei Amazon, herauskrame und auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfe. Der Dos Maderas PX 5+5 ist ein sehr beliebter Rum, der durchweg gute Bewertungen erhält und aufgrund seines aufwändigen Produktionsprozesses von vielen als beachtenswert betrachtet wird. Ich selbst hatte ihm einst 5 Sterne bei Amazon zuerkannt, als ich jung und naiv war – wie sehe ich ihn heute, wo ich andere Kriterien an Rum anlege als damals?

Dos Maderas 5+5 PX Rum Flasche

Im Rückblick fallen mir natürlich Dinge auf, die ich mit meinem in Rum nun sehr viel erfahreneren Gaumen so nicht mehr schreiben würde.

„Das ist schon ein schönes Henna, das im Glas schimmert, und beim Schwenken schöne kupferfarbene Glanzlichter abgibt. Der erste Geruchseindruck ist sehr rumtypisch: Melasse, dunkle Frucht, Schokolade, und dabei aber keine Alkohol- oder Esterfahne. Das weiß alles schonmal zu gefallen.“

All das ist für mich inzwischen eher Ausdruck von Unkenntnis und mangelnder Reichweite an Vergleichen. An diesem Rum ist eigentlich fast gar nichts „rumtypisch“, es ist sehr wohl eine Alkoholfahne riechbar, das „schöne Henna“ ist durch Nachfärbung entstanden.

„Die ungewöhnliche Herstellungsweise kommt dann beim Geschmack voll zum Tragen. Sehr starke Sherry- und Portweinaromen drängen sich in den Vordergrund. Soweit in den Vordergrund, dass man diesen Rum für einen Oloroso halten könnte, wäre da nicht die gewisse stärkere Alkoholnote – 5 Jahre im Sherryfass hinterlassen halt ihre Spuren. Bitterschokolade, Datteln und Nüsse würde ich als Zusatznoten beschreiben. Ein sehr kräftiger Körper, dicht, dunkel und voluminös: Da hat man was im Mund, ein gutes, rundes, komplettes Mundgefühl. Ich würde ihn nicht unbedingt als extrem süß bezeichnen, für mich fühlt er sich eher trocken-fruchtig an. Der Abgang ist dafür im Vergleich vielleicht etwas kurz, doch die süßen, eichenwürzigen Komponenten verbleiben noch recht lange am Gaumen: Hier erkennt man die Bourbon-Fässer.“

Heute erkenne ich, in einem Nachtest, was ich als „kräftiger Körper, dicht und voluminös“ beschrieb, kaum wieder. Der Dos Maderas PX 5+5 ist eigentlich nur extrem süß, viel zu süß für meinen inzwischen anders ausgerichtetenRumgaumen – das ist nicht mehr natürlich, sondern künstlich und pappig, unangenehm. Dazu kommt ein schwacher Körper und eine deutliche Alkoholfahne. Diese Kombination ist für mich eindeutig – man merkt beim Dos Maderas PX 5+5 wie bei kaum einer zweiten Süßspirituose, dass hier ein junger, scharfer Rum mittlerer Qualität mit Zucker oder anderen Süßern „premiumisiert“ wurde, so dass er nun 26g Zucker pro 700ml-Flasche aufweist, also rund 5 Stück Würfelzucker.

Was ich natürlich nicht sagen will, ist, dass ein geschulter Gaumen automatisch nur die nicht-süßen Ausprägungen von Rum mögen wird – es ist aber sehr wahrscheinlich, denn diese sind in der Regel sehr viel komplexer und spannender, während die süßen Rums allzuoft in der Oberflächlichkeit hängen bleiben.

„Der Dos Maderas PX 5+5 ist ein spannender, ungewöhnlicher Rum. Für Anfänger ist der volle Körper und die ansprechende, aber nicht überwältigende Süße interessant; für den Kenner die wirklich im Geschmack nachvollziehbare zweigeteilte Reifung. Das ist also kein Marketingtrick, sondern raffinierte, kreative Handwerkskunst. Ich will mich aber, nachdem meine Liebe zu Rum einen argen Dämpfer erhalten hat, nachdem ich erfuhr, dass viele Premium-Rums mit nachträglich zugesetztem Zucker und anderen Beigaben erst ihre Süße und Dichte bekommen, diesbezüglich nicht mehr weit aus dem Fenster lehnen und wie früher davon überzeugt sein, dass die Aromenvielfalt dieses Rums völlig natürlich und ausschließlich aus den Zutaten sowie der Fassreifung entstanden sei. Es gibt Hinweise, dass beim Dos Maderas PX 5+5 über 35g/l Zucker als „Geschmacksverstärker“ eingesetzt werden. Wie auch immer der Geschmack zustande kommt, gut gemacht ist es allemal – nur sollte man sich halt keine Illusionen über die „Reinheit“ machen.“

Auch die „raffinierte, kreative Handwerkskunst“ sehe ich natürlich nun in einem anderen Licht: Sehr entgegenkommend für mich als Sherryfreund, aber sehr problematisch für mich als Rumfreund. Wer mehr Details über die Herstellung erfahren will, kann dies bei Cocktailwonk, der den Hersteller besucht hat, nachlesen – auch wenn er das Thema der nicht natürlich entstandenen Süße ausspart, beziehungsweise sogar beschönigt. Man schmeckt den Sherry sehr deutlich heraus, bis zu dem Grad, wo ich mir nicht mehr sicher bin, ob hier wirklich nur Fasseffekte zum Tragen kommen, oder ob der Blender nicht einfach einen guten Schuss Sherry direkt dazugegeben hat (was Cocktailwonk indirekt bestätigt) – da eh schon massiv gesüßt wird, wäre das nur ein kleiner weiterer Schritt. Eventuell kommt der ganze Zucker auch schon direkt aus dem Sherry; dazu lassen findige Hersteller einfach die Sherry-Fässer, die sie für die Reifung benutzen, nicht entleeren. Ein paar Dutzend Liter „Restsherry“ sorgen dann für die beschriebene Geschmacksrichtung.

Aus Barbados und Guyana stammen die verwendeten Destillate, die spanische Bodegas Williams & Humbert kümmert sich um Nachreifung und Abfüllung. Ein internationaler Rum, und das soll sich in dem nun hier vorgeschlagenen Cocktail wiederspiegeln. Die anderen Zutaten passen sich dieser Vielfalt an: Drei Länder, drei Rumstile, im Three-Rum Old Fashioned in einem Glas vereint – kubanischer Ron Arecha und Damoiseau VS aus Guadeloupe unterstützen den milden Multikulti-Rum Dos Maderas PX 5+5 bei seiner Arbeit. Wenn man so will, hat man nun mindestens 7 Länder im Glas, wenn man das finnische Xylit und die deutschen Bitters mitzählt.

Three-Rum Old Fashioned


Three-Rum Old Fashioned
1 oz Dos Maderas PX 5+5
½ oz Rhum Agricole (z.B. Damoiseau VS)
½ oz kubanischer Rum (z.B. Ron Arecha)
1 Teelöffel finnisches Xylit
2 Spritzer Peach Bitters
1 Spritzer Bittermen’s Xocolatl Mole Bitters
Auf Eis rühren.

[Rezeptidee von Mike Treffehn, Rumsorten sind von mir abgewandelt worden]


Wer ihn mal probieren will, ohne sich gleich einen Dreiviertelliter mit entsprechenden Anschaffungskosten ans Bein zu binden: Es gibt ihn auch in knuffiger, ähnlich designter 0,2-Liter-Flasche zu kaufen. Das ist sehr lobenswert vom Hersteller; mehr Produzenten sollten sich für kleine Produktgrößen engagieren.

Für Freunde ungewöhnlicher Rums ist der Dos Maderas PX 5+5 auf jeden Fall einen Blick wert, auch wenn ich derart manipulierte Rums natürlich nicht guten Herzens wirklich weiterempfehlen kann oder will. Solange man aber weiß, dass man hier keinen Rum, sondern eine Spirituose auf Rumbasis, ein Rum-Sherry-Gemisch, vor sich hat, ist es ein interessanter Kandidat fürs Schulen des Gaumens, und ein schönes Anschauungsbeispiel dafür, welche starken geschmacklichen Auswirkungen die Tricksereien der Hersteller haben können.

Tiki Lovers Pineapple Titel

Liebe kann auch weh tun – Tiki Lovers Pineapple Spirit Drink

Eine sehenswerte BBC-Dokumentation von 1999 zeigt einen Abgesang auf eine Zeit, die zur Veröffentlichung der Doku schon unendlich weit weg schien. Tiki, das wilde Konzentrat aus aus heutiger Sicht schlechtem Geschmack, Faux-Kultur und Träumereien, bot einer Generation, die von Krieg und sozialer wie sexueller Repression gebrandmarkt war, ein Ventil, um all den Wünschen, die man im realen Leben nicht ausleben konnte, endlich freien Lauf zu lassen. Doch so schnell, wie diese Modewelle entstand, starb sie in den 60ern auch wieder.

Heute ist Tiki aber wieder in – zumindest in Cocktailkreisen. Das ganze Drumherum, also verrückte Trinkgefäße, polynesisch angehauchte Architektur und Innenausstattung, Hulamädchen und Feuertänzer, all das findet man heute eigentlich nur noch, weil ein Ableger der Cocktailkultur diese aufrechterhält, namentlich Fackelträger wie Jeff „Beachbum“ Berry. Genauso, wie die moderne Bar wieder an möglichst authentischen Prohibitionsdrinks interessiert ist, sucht sie aber auch bei Tiki-Cocktails wieder die Wurzeln, die durch die oberflächliche Beliebigkeit und „Masse-statt-Klasse“-Unkultur der 80er und 90er Verschütt gegangen waren.

Entsprechend ist man auch wieder an neuen, spezialisierten Zutaten für diese recht spezielle Art von Cocktails interessiert. Rum ist natürlich unersetzlich, der eine oder andere Tikidrink benötigt 3 verschiedene Sorten an Rum im Glas; also kann die Heimbar gar nicht genug an Rumvariationen aufweisen. Und dann passt auch noch der eine oder andere aromatisierte, oder „spiced“, Rum gut dazu, wie der mit Ananasaromen versetzte Tiki Lovers Pineapple Spirit Drink. Der Name verspricht schon viel – werden Tikifreunde ihm wirklich in Liebe verfallen?

Tiki Lovers Pineapple Flasche

Ein unglaublicher Duft entströmt der Flasche, sobald man sie aufschraubt. Sehr aromatisch, kräftig, wuchtig. Viel Ananas, mit angenehmer Rumbasis, die es aber schwer hat gegen die Ananas. Typische frech-aggressive Aromen jungen Rums, mit  erkennbarer Alkoholnote. Ich schwelge schon halb auf einer polynesischen Insel…

…doch mit dem ersten Schluck kommt nach dieser Träumerei das böse Erwachen. Das Zeug fackelt den Mundraum aus wie ein Luau-Flammentänzer. Sehr bitter und sauer, stark brennend, fiese Fuselöle, grimmige Ester, Lösungsmittel, Kupfer, Benzin. Keinerlei rumtypische Geschmäcker. Vordergründige, klebrige Süße im Abgang. Und am Ende lässt der Tiki Lovers Pineapple Spirit Drink dann noch ein pappiges, fuseliges, alkoholisches Mundgefühl zurück, sehr unangenehm, man will direkt mit was anderem nachspülen.

Ich sage sowas selten: Das kann man einfach nicht pur trinken. Selbst mit viel gutem Willen. Feuerwasser zum Desinfizieren, aber nicht zum Genießen! „Finest Caribbean Dark Rum“? Da müsste ich lachen, wenns nicht zum Heulen wäre.

Sehr lobenswert sind natürlich die 45% Alkohol, da ist Bumms dahinter, im Gegensatz zu vielen anderen Spiced Rums, die deutlich unter die 40%-Marke gekrochen sind. Doch das Aräometer zeigt mir, gemessen bei 20,1°C, nur 34,5% an –  40-44g/L Zusätze, aller Wahrscheinlichkeit nach Zucker, sind also in diesem Spirit Drink enthalten. Das ist ein gewaltiger Haufen. Da nichts davon deklariert wird, ziehe ich jedwedes Lob zurück, das ich oben vielleicht verklausuliert ausgesprochen haben könnte. Ich verstehe das einfach nicht: Warum, wenn man sich eh schon auf „Spirit Drink“ reduziert, und sogar Farb- und Aromastoffe auf dem Etikett angibt, warum unterschlägt man dennoch den Berg an Zucker? Wovor genau haben die Hersteller Angst?

Wenn schon für den Purgenuss unerträglich, punktet der Tiki Lovers Pineapple dann wenigstens in seinem Heimterritorium, als Mixer? Auf der Homepage des Herstellers sind zwei recht langweilige Cocktails als Einsatzgebiet angegeben; viel spannender finde ich da, den Tiki Lovers Pineapple in einem Fat Man Running einzusetzen. Und, in der Tat: Das bringts. Und zwar richtig.

Fat Man Running


Fat Man Running
2 oz Spiced Rum (z.B. Tiki Lovers Pineapple)
½ oz Blue Curaçao
½ oz Limettensaft
…mit Ginger Ale (z.B. Thomas Henry Ginger Ale) aufgießen


Letztlich reicht mir aber so eine, wenn auch durchaus ansprechende, Teilleistung eigentlich nicht aus, um eine echte Empfehlung aussprechen zu können. Ich habe mich hier selbst von der äußerst gelungenen Verpackung und einer cleveren Vermarktung, die ganzseitige Anzeigen in Fachmagazinen schaltete, ein bisschen täuschen lassen – doch ich war auch ein williges Opfer, das muss ich eingestehen. Und die Aufmachung ist aber auch echt toll – eine trotz ihrer Einfachheit hübsche Flasche, ein richtig gut gemachtes Etikett mit viel Flair, und eine attraktive, aber künstliche Färbung des Inhalts mittels Zuckerkulör. Macht was her im Mixerregal – schade, dass diese äußere Erscheinung sich nicht wirklich auch ins Glas transportiert.  Man könnte etwas ätzen und lakonisch ein Fazit formulieren, dass der schlechte Geschmack der 1950er-Tiki-Kultur mit dem Tiki Lovers Pineapple Spirit Drink auferstanden ist. Kann auch nicht jede Spirituose von sich sagen, oder?

Labor schlimmerdurst ist eröffnet – Zuckermessungen in Spirituosen leichtgemacht

Rum gehörte mit zu den ersten Spirituosen, die ich pur genießen lernte. Ich erinnere mich noch deutlich an das erste Glas El Dorado 12 Jahre, das mir in einer Bar langsam ölig den Hals hinunterlief und mich ins Schwärmen brachte. Ich sammelte im Nachgang über Wochen und Monate diverse Flaschen Rum, die in Foren und Rezensionen hochgelobt wurden; ich war zum Rumfan geworden, und liebte die süßen Aromen und zuckrige Konsistenz. Doch dann kam der Knall.

Das Entdecken, dass bei den allermeisten heute hochgelobten und überall erhältlichen Rums die Süße und das Qualitätsempfinden des Verkosters aus nicht unerheblicher, nachträglicher Manipulation der Spirituose ensteht, zog mir den Genießerteppich unter den Füßen weg – selbst meine persönlichen Favoriten, die ich für hochwertigste Spirituosen hielt, wurden als Täuscher und Panscher entlarvt. Zucker, Aromen, Glycerin und andere Zusatzstoffe findet man in einem Großteil der Produkte, und oft nicht zu knapp.

Ich hatte mir damals vorgenommen, andere Konsumenten darüber in Kenntnis zu setzen, was da mit Rum geschieht. Die wirklich Ruminteressierten wussten es natürlich bereits lange vor mir (und die „Hauptsache-es-schmeckt“-Fraktion natürlich auch und ärgerte sich über das Bohei). Und um das Wissen um gezuckerten Rum weiter zu streuen, möchte ich hier den einfachen Test vorstellen, mit dem jeder zuhause zumindest grob abschätzen kann, wieviel Zucker in seinem Rum, Whiskey, Tequila oder sonstigen Lieblingsspirituose enthalten ist.

Der Test basiert auf der Dichtemessung des Alkohol-Wasser-Gemischs, aus dem idealerweise unsere Spirituosen bestehen sollten, solange sie nicht als Likör deklariert sind. Mit einem einfachen Aräometer (auch gern Alkoholmeter oder vor allem im englischsprachigen Raum Hydrometer genannt) kann jeder ohne großen Aufwand oder Kosten diesen Test durchführen, wenn er oder sie ein paar Regeln befolgt, um die Messungenauigkeit nicht allzu groß werden zu lassen. Wie funktioniert das? Die Zugabe von Zucker verändert die Dichte der Flüssigkeit – in einem idealen, zusatzstofffreien Wasser-Alkoholgemisch gibt ein Alkoholmeter genau an, wieviel Alkohol enthalten ist; ist Zucker dabei, verändert dies die Dichte, und reduziert damit die Anzeige des Alkoholmeters. Durch einfaches Korrelieren in einigen Tabellen kann man damit ableiten, wie groß der Zuckerzusatz in Gramm pro Liter (g/L) ist.

Der großartige und rührige Capn Jimbo, ein Pionier und Vorstreiter in Sachen Rumtransparenz, hat diesen Test auf englisch gut erläutert, basierend auf Johnny Drejers Vorgehensweise; was ich hier wiedergebe, entspricht zu einem Großteil seiner Anleitung. Ich erläutere hier auf deutsch und in meinen Worten und mit eigenen Fotos, und hoffe dadurch auch einem deutschsprachigen Publikum zeigen zu können, wie einfach und dabei doch verblüffend aussagekräftig dieser Test ist.

Zuckermessung Ausrüstung

Beginnen wir mit dem nötigen Equipment. Aräometer sind teuer in Deutschland, Chinaimporte billiger. Daher habe ich welche über Ebay bestellt, mit unterschiedlichen Messskalen und hoher Genauigkeit (Hydrometer für 30%-40% Alkohol, Hydrometer für 40%-50% Alkohol). Darüberhinaus benötigt man einen Messzylinder (250ml-Messzylinder aus Glas) aus Glas oder Plastik, und ein digitales Nadelthermometer.

Alles zusammen hat rund 26€ gekostet – die Wartezeit für die Lieferung aus China beträgt aber mehrere Wochen. Die zerbrechlichen Hydrometer waren gut mit Styropor und Luftpolsterfolie verpackt und überstanden den Transport um die halbe Welt augenscheinlich gut; leider waren sie aber doch defekt, denn sie versanken komplett in meiner Testspirituose. Statt dessen habe ich mir dann ein Aräometer von Al-Ambik zugelegt, zwar teurer und mit groberer Skala, dafür mit integriertem Thermometer und insgesamt sehr wertig hergestellt; dazu ein 0-100%-Aräometer von Dr. Richter, um Ausreißer ausmessen zu können.

Aräometer Al-Ambik und Dr Richter

Man beachte, dass man für Hydrometer dieser Größe wirklich einen hohen Messzylinder benötigt; 100ml reichen oft nicht aus, da die Hydrometer dann nicht komplett schwimmen können, dazu benötigt es meist eine Höhe von mindestens 30cm. Auch zu überprüfen ist, ob die Hydrometer auf 20°C geeicht sind (dies steht auf den Messinstrumenten normalerweise drauf), denn ansonsten muss man in späteren Temperaturkorrektionsberechnungen auf andere Werte zurückgreifen, als ich hier vorstelle.

Eichung bei Aräometern

Einmalig zu Beginn, oder wenn man die Utensilien lange nicht mehr benutzt hat, muss man sie kalibrieren. Dies dient dazu, die Messinstrumente auf ihre Genauigkeit hin zu überprüfen, und eventuelle Abweichungen später bei der Berechnung berücksichtigen zu können.

Wir kalibrieren also erstmal das Nadelthermometer. Dies ist am einfachsten über einen Becher voll Eis, das mit kalten Wasser aufgegossen wird – passend zur Jahreszeit hatte ich einen Becher voll Schnee von draußen aufgesammelt. Nachdem sich die Temperatur im Becher einpendeln konnte (10 Minuten Wartezeit sollten ausreichen), schauen wir, was unser Thermometer anzeigt, wenn wir es ins Eiswasser halten.

Thermometer kalibrieren

Idealerweise, wie bei mir, zeigt das Thermometer 0° an; falls es mehr oder weniger ist, muss das später bei der Berechnung eingerechnet werden; manche Digitalthermometer erlauben eine Justierung, die dann entsprechend vorgenommen werden sollte.

Dann werden die Hydrometer geprüft. Dazu benötigt man eine Spirituose, von der man sicher ist, dass sie unmanipuliert ist. Ich nutze dafür einen zuckerfreien Green Mark Vodka mit 40%. Man fülle den Messzylinder angemessen mit der Spirituose, und lasse dann den Hydrometer darin taumeln. Die Ablesung sollte dem angegebenen Alkoholgehalt der Spirituose entsprechen; auch hier müssen, wenn es Abweichungen gibt, diese notiert und später berücksichtigt werden.

Alkoholmeter eichen mit Vodka

Bei der Ablesung darf man nicht den höchsten Wert der gekrümmten Flüssigkeitsoberfläche ablesen, sondern die Unterseite des Meniskus. Ebenso muss die Temperaturabweichung der Testflüssigkeit zur Eichtemperatur des Aräometers beachtet werden, wie oben angesprochen. Dazu misst man mit unserem kalibrierten Thermometer die Temperatur der Testflüssigkeit, liest den angezeigten Wert des Aräometers ab und gibt die Werte in einen Umrechner ein, der den tatsächlichen Alkoholgehalt temperaturkorrigiert berechnet. Ich habe beim Green Mark Vodka mit dem Al-Ambik einen Wert von 39,5% abgelesen, bei 19° Flüssigkeitstemperatur; temperaturkorrigiert ergibt sich ein Wert von 39,9%, das ist klar innerhalb der Messungenauigkeit und für mich damit in Ordnung. Beim Dr. Richter wird ein Wert von 38% angezeigt, bei 17,5°, also korrigiert auf 39,1% – hier merke ich mir, dass ich bei zukünftigen Messungen grob 1% draufzählen muss.

Nun hat man Messinstrumente, die verlässliche Werte anzeigen, die man korrekt interpretieren kann. Der erste Test kann kommen!

Ron Mulata Aräometermessung

Ich beginne mit einem Schnäppchen, das ich im Aldi Süd um die Weihnachtszeit ergattert hatte: Ron Palma Mulata de Cuba Añejo Gran Reserva. Dieser Rum ist deklariert mit 38%. Relativ schnell pendelt sich mein Al-Ambik-Aräometer auf 35% ein, und mein kalibriertes Digitalthermometer zeigt 19° Flüssigkeitstemperatur an. Ich gebe die Werte in den Online-Umrechner ein, und dieser spuckt mir einen temperaturkorrigierten Alkoholgehalt von 35,4% aus.

Wie komme ich nun von diesen beiden Zahlen zum Zuckergehalt? Dafür hat freundlicherweise Johnny Drejer eine Tabelle dafür erstellt, die man auf seiner Seite oder im Rumproject herunterladen kann. Ich schlage also in der Zuckertabelle nach, in der Spalte „38%“, in der Zeile „35%/36%“, und finde die Zuckerwerte für diesen Rum: 7-11g/L Zucker.

Alternativ kann man seit kurzer Zeit auch meinen Zuckergehalt-Onlinerechner, der bei 4finespirits gehostet wird, dafür benutzen – man gibt dort einfach etikettierten und gemessenen Alkoholgehalt sowie die Messtemperatur ein. Einfacher gehts nicht mehr.

Zuckertabelle Ausschnitt

Sehr spannend ist mein zweiter Kandidat, der Boxing Hares Spirit Drink. Schon vom Geschmack her ahnte ich damals beim Verkosten, dass hier eine Menge Zucker im Spiel sein muss, obwohl nichts davon auf dem Etikett stand. Und was soll ich sagen – das Dr. Richter 0-100 zeigte den Wert von 8% an, temperaturkorrigiert mit 18,8° ergibt das 8,2%, und dann noch die  1% Eichungsabweichung draufgeschlagen, schon sind wir bei rund 9%. Ich wage bei solchen Diskrepanzen fast nicht, in der Tabelle nachzuschlagen – doch es muss sein, und ich sehe hier den exorbitanten Zuckerwert von grob 76 g/L. Ab 100 g/L muss man eine Spirituose als „Likör“ bezeichnen. Für den Boxing Hares gibt es aber eine Sondergenehmigung: Er ist nicht als „Whisky“ bezeichnet, sondern als „Spirit Drink“. Viele Rums gönnen sich diese zumindest halbehrliche Umbenennung nicht, obwohl sie angebracht wäre.

Welchen Informationsgewinn ziehen wir nun aus solchen Werten? Wir dürfen nicht vergessen, dass wir recht amateurhaft und nicht unter echten Laborbedinungen mit Profiwerkzeug messen. Daher sind alle Zuckerwerte, die wir ermitteln, nur grobe Anhaltswerte, nicht exakte Zahlen. Andere Zusatzstoffe als Zucker können die Dichte des Wasser-Alkoholgemischs verändern. Doch das Ziel eines solchen Tests ist auch nicht, zu ermitteln, ob eine Spirituose nun entweder 15g oder 16g pro Liter Einschlüsse aufweist, sondern ob sie entweder 3g oder 30g hat.

Natürlich muss man für eine große Menge an verbreiteten Rums diesen Test nicht mehr selbst machen, das Rumproject von Capn Jimbo hat über 550 Rumtests bereits gesammelt, in der man die Testergebnisse nachlesen kann.

Für mich ist es hauptsächlich bedeutend, ob eine Spirituose verändert wurde, und wenn ja, ob es vernachlässigbar, relevant oder wesensverändernd ist. Persönlich habe ich mir eine eigene, natürlich rein willkürliche Gruppierung überlegt, die nicht in Stein gemeißelt oder absolut ist, jeder sollte sich da selbst Gedanken machen, wie er mit den Messergebnissen umgeht.

  • bis 5g/L sind für mich vernachlässigbar und fallen unter Messungenauigkeit, Fassholzzucker oder andere Effekte (obwohl auch hier, wie gezeigt wurde, schon 1-3g/L Zucker einen klaren Unterschied ausmachen).
  • 6-15 g/L sind für mich relevant und erwähnenswert, und ich muss schon stark abwägen, ob ich so eine Spirituose noch guten Herzens empfehlen oder gar kaufen kann; und es gilt in dubio contra reo. Eventuell fallen diese Spirituosen aber noch unter die EU-Erlaubnis des Zuckereinsatzes zum „Abrunden“ des Rumgeschmacks, sind somit also wenigstens nicht illegal – dennoch wäre ich auch hier dankbar für eine Deklaration.
  • Alles darüber ist für mich wesensverändernd, klar illegal und in keinem Fall akzeptabel, wenn es heimlich und undeklariert unter dem Namen reinen Rums geschieht. Ich warne Spirituosenfreunde und nachfragende Leser und Freunde davor, diese Produkte zu kaufen.

Letztlich ist das ganze Theater durch die Unehrlichkeit und Geheimnistuerei der Rumhersteller erst entstanden. Würden sie auf den Zucker, der bei qualitativ hochwertigen Rums überhaupt nicht nötig ist, sogar störend wäre, verzichten, oder als Alternative dann wenigstens auf ihre gesüßten oder anderweitig veränderten Produkte nicht „Rum“, sondern „Spirituose auf Basis von Rum“ schreiben, wie das bereits einige tun (Captain Morgan Spiced Gold als Beispiel für Rum, Boxing Hares für Whisky, Metaxa für Weinbrand), hätte ich auch nicht mehr viel zu beklagen.

Die Hauptfrage, die wir uns Konsumenten stellen sollten, ist: Wollen wir heimlich manipulierte Produkte, die sich dann frecherweise mit ihren täuscherischen Mitteln auch noch im Glorienschein der „Premiumisierung“ baden, wirklich kaufen? Wollen wir nicht lieber die ehrlichen, transparenten Hersteller unterstützen, die mindestens genauso gut schmeckende Produkte ohne all diese Zusatzstoffe auf den Markt bringen? Mit dem in diesem Artikel vorgestellten Test ist es uns wieder zumindest ansatzweise wieder in die Hand gegeben, Entscheidungen auf Basis von Fakten zu treffen, und nicht aufgrund der blenderischen und heuchlerischen Marketingaussagen der Hersteller.

Schokofondue mit Früchten – Ron Botucal Reserva Exclusiva

Es folgt nun aus gegebenem Anlass eine kleine Lehrstunde in Sachen Markenschutz. Es genügt heutzutage nicht, sich eine Marke schützen zu lassen; man muss sie auch verteidigen, denn schnell kann ein Mitbewerber, der einen ähnlichen Namen verwendet, sich diese ebenfalls schützen lassen. Und dann, wenn der Markeninhaber mit älterem Recht die Frist zum Einspruch verpasst, muss er damit leben, dass seine Marke nicht mehr viel wert ist, weil die Kunden den Unterschied nicht mehr deutlich erkennen.

Ein Beispiel? Im Discounter Aldi Süd kann man, meist relativ nah am Eingang, einen Weinbrand erwerben. Diplomat heißt er, und ist eine seit vielen Jahren geschützte Aldi-Hausmarke. Als nun ein venezuelanischer Rumhersteller in Deutschland sein Produkt anbot, das Ron Diplomático hieß, wurde Aldi hellhörig – der Name ist ähnlich, die Produktkategorie ähnlich.

diplomatweinbrand

Letztlich befürchtete bei Aldi wahrscheinlich niemand, dass Kunden den Aldi-Billigweinbrand mit dem fünfmal so teuren Premium-Rum verwechseln könnten, doch darum geht es, wie erzählt, nicht. Um die eigene Diplomat-Marke zu verteidigen, musste Aldi gegen den Namensvettern vorgehen. Für den Laien hört sich das albern an; doch schnell kann ein dadurch eventuell entstehender Rechtsstreit sehr teuer und langwierig werden.

Das Ergebnis sehen wir hier: Der Rumhersteller aus Venezuela musste klein beigeben, und, obwohl sein Produkt überall auf der Welt als Ron Diplomático bekannt und geschätzt ist, es für den deutschen Markt umbenennen. Darum finden wir die höchste Kategorie von Rum dieses Herstellers im deutschen Spirituosenregal als Ron Botucal Reserva Exclusiva.

botucalreservaexclusiva-flascheEine unglaublich schöne Farbe, ein dunkles orange-braun, fast wie ein Whiskey. Schon in der Nase sticht dann das hervor, was für mich das definierende Kriterium dieses Rums ausmacht – Obst in Hülle und Fülle. Als hätte man einen exotischen Fruchtkorb vor sich: Orangen, Aprikosen und Maracuja. In dieser extremen Form habe ich das noch nie bei einem Rum erlebt. Die Klebstoffnote, die man bei vielen guten Rums findet, ist hier völlig abwesend, nur minimal riecht man den Alkohol.

Im Mund dann mild, aber mit schwach erkennbarem, leichtem Brennen. Vanille, Karamell, Schokolade. Das Obst ist immer noch vorhanden, aber schwächer – die dunkle Schokolade überwiegt nun, eine entsprechend leichte Bitterkeit dann im Abgang. Ich mag so einen trockenen, leicht bitteren Rachengeschmack sehr. Insgesamt ein schon eher süßer Rum, aber nicht so süß und vergleichsweise eindimensional wie ein Vizcaya oder Zacapa. Der Hauptunterschied ist die Fruchtigkeit – für einen Rum finde ich den Geschmack wirklich, wie gesagt, überragend bunt, und der Trumpf ist dann die ganz klar erkennbare, kräftige Bitterschokoladennote. Ehrlich gesagt, ich bin überrascht, wie gut und gleichzeitig vielschichtig dieser Rum ist: Da ist was für jeden Geschmack dabei.

Die Flasche, mit ihrer mattierten Oberfläche und dem sehr edel gestalteten Etikett in Briefmarkenmanier, ist natürlich eine Sensation für sich. Selbst ohne Geschenkdose ein Geschenk, über das sich jeder Rumkenner, aber auch jeder Rumanfänger, sehr freuen wird.

So ein Rum macht sich extrem gut in einem Chocolate Martica, in dem er alle seine Stärken voll ausspielen kann und die anderen Zutaten nach besten Kräften unterstützt.

chocolatemartica-cocktail


Chocolate Martica
1 oz Botucal Reserva Exclusiva
1 oz Brandy (z.B. Carlos I Brandy de Jerez)
1 oz Süßer Wermut (z.B. Carpano Antica Formula)
1/6 oz Kirschlikör
2 Spritzer Schokoladenbitter (z.B. The Bitter Truth Xocolatl Mole Bitters)


Eines muss man dann aber doch ansprechen – woher zumindest ein Großteil der Süße, der Komplexität und des Qualitätsempfinden dieses Rums kommt. Er wird mit Zucker nachträglich gesüßt, und zwar in einem nicht unbeträchtlichen Maße. 29g Zucker pro Flasche, das entspricht etwa 5½ Stück Würfelzucker, ist schon eine Hausnummer, die nur von sehr wenigen anderen Rums übertroffen wird. Es sind wohl auch noch andere Geschmacks- und Aromastoffe enthalten, früher wurde dies vom Hersteller sogar beworben. Leider ist heute nichts davon auf dem Etikett vermerkt.

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Viele Premium-Rums machen das, wenn auch oft nicht ganz so extrem wie der Botucal. Persönlich ziehe ich daraus meine Konsequenzen – und die bestehen hauptsächlich darin, dass die Flasche, aktuell noch halbvoll, nicht mehr ersetzt wird, wenn sie denn dann leer ist. Andere Rums, die ein faszinierendes Geschmackserlebnis auch ohne heimliche Nachsüßung und Kundentäuschung bieten, bekommen dafür eine Chance.

Meine Einstellung zum heimlichen Nachsüßen, und dass ich sie auch offensiv und laut vertrete, hat bereits zu Irritationen geführt – „es kommt doch drauf an, wie es schmeckt, egal, wie es hergestellt wird“ ist dabei das am häufigsten angeführte Gegenargument. Dass so eine Einstellung für Genusstrinker, die sich mit dem, was sie zu sich nehmen, auch auf Produktions- und Vertriebsebene auseinandersetzen, statt blind zu konsumieren, keinerlei Gewicht hat, wird dann nicht mehr wahrgenommen. Man fragt sich, ob diese Leute dann auch Käfighaltungseier, Kinderspielzeug mit Weichmacher und Bleifarbe oder Cornflakes, die nur aus Zucker bestehen, kaufen, oder sich nicht beschweren, wenn sich das teuer bezahlte Restaurantessen als Tütenprodukt herausstellt, oder ob das selektive Wahrnehmung beim Rum ist. Gerade, wer sich als Rumfreund bezeichnet, sollte mehr Interesse an der Art der Herstellung seiner Lieblingsspirituose zeigen.

Der ansonsten von mir hochgeschätzte Spirituosenblogger Arctic Wolf denkt, dass das mit dem Zucker und den Geschmacksstoffen schon OK ist, weil man es angeblich schon immer so gemacht hat, und er den Herstellern nicht vorschreiben will, wie sie ihren Rum zu machen haben. Das mag schon sein, bei kleinen Mengen bin ich sogar geneigt, ihm zuzustimmen (mit dem caveat im folgenden Absatz). Doch wenn fast 5% des Rums in meiner Flasche aus Zucker besteht, und sich der Rum damit hinterlistig ein Geschmacksprofil aneignet, gegen das Produkte ohne Trickserei und das sensorische Wundermittel Zucker konkurrieren müssen, finde ich das schon schal. Man stelle sich vor, Puddingproduzenten in Deutschland müssten Zucker nicht mehr deklarieren, weil Pudding ja schon immer mit Zucker hergestellt wird, und man als Verbraucher das zu akzeptieren hat. Es gibt schon zuviel Produkte mit verstecktem Zuckerzusatz, der nirgends aufgeschlüsselt wird.

Wie ich schon anderweitig sagte: Von mir aus können die Hersteller gern Zucker in den Rum tun, solange sie dann ihre Spirituose nicht mehr „Rum“, sondern „Spirituose auf Rumbasis“ oder ähnlich nennen, wie das Captain Morgan für manche seiner Produkte tut. Eventuell würde es auch schon reichen, wenn die EU endlich ihre eigenen Vorgaben für Rum konsequent durchsetzen würde – die verbietet nämlich den Zuckerzusatz explizit. Daher: Stimmt mit ab für die entsprechende EU-Petition!

Die Rumkanonenkugel – Pampero Aniversario Reserva Exclusiva

Natürlich muss man bei einem solch extrovertierten Rum wie dem Pampero Aniversario Reserva Exclusiva als allererstes das ansprechen, was einem als Käufer sofort ins Auge springt: die Aufmachung. Eine dicke, kleine Flasche mit Kunstsiegel, ein hübsches Etikett und der sehr repräsentative Lederbeutel, der die Flasche eng umschmiegt machen diesen Rum zu einem Hingucker im Regal. Dieser Aufmachung ist ein langsamer Unboxing-Report durchaus angemessen.

pampero1Der Lederbeutel ist das Markenzeichen dieses Rums. Eingeprägt ist eine Reproduktion des Flaschenetiketts, mit dem aufsteigenden Pferd als Logo der Marke. Ein Lederzugriemen hält den Beutel oben am Flaschenhals zusammen. Das Leder des Beutels fühlt sich sehr weich, fast samtig an.

pampero2Vorsichtig öffnen wir den Zugriemen, und legt den Inhalt frei. Ich hoffe, ich höre mich nicht an, wie jemand, der den BH einer Stripperin öffnet und vor dem freigelegten Anblick erstarrt; es hat aber schon was sinnliches, diesen Rum auszupacken. Sowas gibt in der Endbewertung Extrapunkte, das bietet wirklich nicht jede Spirituose.

pampero-flascheNun steht die Flasche vor uns, wie Gott sie schuf – kurz und etwas kugelig, eine Rumkugel sozusagen. Ein hübsches, altmodisches Etikett, ein Siegel, und die Farbe des Rums, schön kräftig dunkel, wissen insgesamt sehr zu überzeugen.

Der Geruch dieses venezuelanischen Rums ist verwirrend – man könnte ihn eigentlich für einen Bourbon halten, so karamellig und trotzdem eichenwürzig kommt er daher. Auch vom Geschmack her bekommt man eine sehr spannende Dosis von Aromen ab – und obwohl er natürlich durchaus süß ist, sind es diese leichten Seitenaromen von Nuss, Karamell, Schokolade und Pflaumen, die zusammen mit der sehr angenehmen Schärfe (ganz ohne ist dann halt doch langweilig) ein insgesamt spannendes Mundgefühl ergeben, das neben dem Purgenuss den Pampero Aniversario mit seinen ca. 4 Jahren Reifung zu einem hervorragenden Qualitäts-Mixrum macht. Das eigentlich fast perfekte Preisleistungsverhältnis sorgt schließlich dafür, dass man diesen Rum nicht auslassen kann – ein Schnäppchen für Sipper und eine hochqualitative Zutat für Mixer.

 Was für ein Cocktail könnte für diesen dunklen, süßschokoladigen Rum besser passen als ein Jackie Brown? Mit einer Quittenscheibe dekoriert, gibt diese wunderbare, leider oft unterschätzte Frucht auch noch ein bisschen Fruchtsüße dazu eine tolle Kombo.

Jackie Brown


Jackie Brown
2 oz Pampero Aniversario Reserva Exclusiva
¼ oz Ahornsirup
¼ oz Bénédictine
2 Spritzer Chocolate Bitters (z.B. Xocolatl Mole Bitters)


Allerdings muss man zuguterletzt eine Sache ansprechen: um die 12g/L Zucker werden auch hier, wie bei vielen „Premium“-Rums üblich, nach dem Destillieren zugesetzt, um das Produkt süßer, qualitativer und hochwertiger erscheinen zu lassen – 12 Gramm sind im Vergleich zu anderen Rums, wie dem Botucal, Zacapa, El Dorado oder Vizcaya allerdings fast wenig. Das entschuldigt natürlich nicht das Vorgehen; zumindest tut aber Pampero mit diesem Rum nicht so, als sei es die Krone der Rumwelt, wie die Vorgenannten es gern machen; und auch preislich liegt dieser Rum in einer Kategorie, dass ich sage: Wenn schon gesüßt, dann der Pampero Aniversario Reserva Exclusiva.

Fass 21 scheint recht groß zu sein – Vizcaya Rum Cask No. 21 VXOP

Viele hochqualitative Rums schrecken erstmal durch einen stechenden Klebstoffgeruch ab. Auch beim Vizcaya Rum Cask No. 21 VXOP, einem ca. acht Jahre gereiften Rum aus der Dominikanischen Republik (über die Marketingmasche mit der riesigen „21“ auf dem Etikett schweige ich mal aus), kommt diese zum Vorschein. Wie immer gilt, dass man nach dem Einschenken das Glas erstmal ein bisschen atmen (zynischere Naturen würden sagen „ausdünsten“) lassen sollte, falls einen das zu sehr stört.

vizcaya-bottle

Die kurze Wartezeit lohnt sich aber – sehr milde, feine, zarte Geruchsaromen wabern dann im Glas. Man erkennt schon direkt am Geruch, in welche Richtung dieser Rum gehen wird, und das bestätigt sich dann im Mund: Sehr weich und süß, im ersten Augenblick praktisch kein alkoholischer Geschmack, dabei aber nicht klebrig oder übermäßig zuckrig. Im Abgang dann taucht der Alkohol auf, aber auch hier ist der Vizcaya ein Gentlemen und brennt nicht, sondern kribbelt nur ein wenig. Er erinnert mich insgesamt stark an den Zacapa 23.

Ein dermaßen milder, zarter Rum darf natürlich nicht in Cocktails mit deftigen Zutaten vermischt werden. Sehr fein passt er aber in einen Perfect Rum Manhattan.Perfect Rum Manhattan


Perfect Rum Manhattan
2 oz Rum (z.B. Vizcaya VXOP)
½ oz Trockener Wermut (z.B. Martini Extra Dry)
½ oz Süßer Wermut (z.B. Carpano Antica Formula)
2 Spritzer The Bitter Truth Jerry Thomas‘ Own Decanter Bitters
Auf Eis rühren.
[Rezept adaptiert nach Carlos Cuenta]


Die massive Flasche ist von der Form her sehr hübsch, und lässt die fantastische braune Farbe des Rums sehr schön für sich wirken.vizcaya-etikett

Die restliche Aufmachung ist dagegen schwach – die goldfarbene Beschriftung war bei meiner Flasche schon stark abgerieben, das braune Etikett hebt sich kaum vom Flascheninhalt ab, der goldfarbene Korkdeckelaufsatz ist aus billigem Plastik und sieht auf dem Foto viel besser aus als in echt. Da ist deutliches Verbesserungspotenzial.

vizcaya-stopper

Lecker scheint dieser Rum aber wohl durchaus auch deswegen, weil er, wie viele der sogenannten „Premium“-Rums, mit Zucker heimlich nachgesüßt wurde. 28g/L Zucker (also 19g/Flasche) sind durchaus eine Hausmarke, und deswegen reicht es, trotz gutem Geschmack, zu keiner überschwänglichen Endbewertung, denn der gute Geschmack ist nicht natürlich entstanden.

vizcaya-sugarWieder eine der Flaschen, die zwar noch ausgetrunken, aber ganz sicher nicht nachgekauft wird. Auch sehe ich diese Rums, darunter den Vizcaya, nicht mehr als Sipping-Rums – ich habe nun keinerlei finanzielle Gewissensbisse mehr damit, so teure Rums in Cocktails zu vermixen. Im Gegenteil: Die Rums, die von vielen „Kennern“ als Mixer runtergemacht wurden, und nicht nachgesüßt sind, landen nun erst recht pur bei mir im Glas – denn sie sind es, die den wahren Rumgeschmack repräsentieren, nicht die Rumliköre von Botucal, Zacapa, El Dorado und Vizcaya. Dann lieber einen ehrlichen Jamaikaner, Barbadianer oder rhum agricole. Schade, dass ich all das mit dem Nachsüßen erst erfahren habe, als ich schon hunderte von Euros in Rums investiert hatte, deren Hersteller mich und andere Konsumenten schamlos mit Zusatzstoffen zumüllen.

Piraten sind keine Rumkenner – Captain Morgan Original Spiced Gold Rum

Rum-Kenner machen sich oft lustig über diese Art Würzrums, oder sind indigniert, wie man sowas überhaupt trinken kann. Das ist natürlich kurzsichtig. So eine elitäre Sichtweise hat den Cognac und den Brandy für die jüngeren Generationen fast ins Aussterben getrieben, während aromatisierte Gins* und Vodkas das Feld der Partyspirituosen regelrecht überrannt haben.

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Gewiss ist Captain Morgan Original Spiced Gold keine Entdeckung, was Rumaromen angeht, denn diese werden, falls in der Basisspirituose überhaupt großartig vorhanden, durch die Aromatisierung überwältigt. Letztlich sollte man sich als Kenner eh von der Idee lösen, dass es sich hier um „Rum“ handelt. Es ist eine eigene Sorte Spirituose, die nur auf Rum basiert. Ein Vergleich mit hochklassigen Rums ist daher eigentlich recht sinnfrei und wird beiden nicht gerecht.

Nachdem ich nun aber erfahren musste, dass selbst hochwertigste Rums mit Zucker und anderen Zustatzstoffen, die nicht deklariert werden müssen, aufgepimpt werden, ziehe ich diese Einschränkung dann doch etwas zurück – wenn sich jemand in Zukunft bei Ihnen ausheult, dass er lieber „richtigen, guten“ Rum trinken will, fragen Sie ihn bitte, ob er weiß, wieviel Zucker seinem Lieblingsrum nachträglich zugesetzt wird, und was der Unterschied zur wenigstens offensichtlich, klar auf dem Rückseitenetikett kommunizierten Aromatisierung bei Captain Morgan Spiced Gold ist.

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Eine nette Situation: Der verschmähte Piratenkapitän enthält tatsächlich weniger Zucker als die „Premium“-Rums Zacapa 23, Plantation 20th Anniversary, El Dorado 12 oder Vizcaya – und der von vielen so geliebte Botucal Reserva Exclusiva hat sogar doppelt(!) soviel Zuckerzusatz wie das Spiced Gold.

Für mich ist das Würzgold ein sehr interessanter Cocktailspieler, der gut mit vielen süßen und sauren Zutaten harmoniert und diese mit seinem Zimt- und Süßgewürzaroma unterstützt. Er gibt vielen Cocktails eine liebliche Note und Volumen, ohne mit starkem Rumantritt den Gesamtgeschmack zu entern. Mein Favorit unter den Cocktails mit Spiced Rum ist Hillbilly Bob’s Ruckus Juice.hillbillybobsruckusjuice-cocktail


Hillbilly Bob’s Ruckus Juice
1 oz Captain Morgan Original Spiced Gold
1 oz Limettensaft
1 oz Orgeat (oder Mandelsirup plus etwas Orange Flower Water)
Aufgießen mit gleichen Teilen…
Ginger Beer (z.B. Old Jamaican) und…
Bier (Karlsberg Urpils macht sich gut!)


 

Und natürlich muss man am Ende die Aufmachung ansprechen – mir gefällt dieses Piratengehabe und die Etikettenillustration sehr. Wer könnte der Romantik von Karibikflair, Rum-trinkenden Piraten und dem wilden Gewürzcocktail des Spiced Gold schon widerstehen? Das gehört zu Rum für mich einfach dazu, auch wenn die modernen Produzenten sich teilweise etwas von der Geschichte der Spirituose distanzieren wollen. Natürlich ist es Kitsch, aber ich liebe Kitsch, wenn er gut gemacht ist.

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Ich habe daher eine Leuchtreklame mit diesem Bild auf dem Arbeitstisch meiner Heimbar (der eine oder andere wird sie bei Fotos meiner anderen Rezensionen schon im Hintergrund erspäht haben), die mit wechselnden Farben ein nettes Flair in ein abgedunkeltes Zimmer bringt.

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Wenn Sie dann aber mal einen feineren, spannenderen „craft“-Spiced-Rum probieren möchten, empfehle ich Ihnen den Meermaid Infused Rum.