Kurz und bündig – Maisel & Friends Smoky IPA

Meine Kollegen sind verrückt danach, ich hab kein besonders extremes Verhältnis zum Grillen. Im Sommer, mit Freunden, gern, aber nur, wenn andere sich darum kümmern. Ich bringe dann lieber Sprit mit – jeder, wie er kann halt. Darum war mir Don Caruso eigentlich auch kein Begriff. Eine kurze Recherche bringt zum Vorschein, dass er den ältesten Grill-Blog im deutschsprachigen Raum hat. Ein Kollege also. Das Maisel & Friends Smoky IPA stellt das Ergebnis einer Zusammenarbeit eben jenes Don Caruso, mehrfacher deutscher Meister und sogar Weltmeister seiner Disziplin, mit der allseits geschätzten Bayreuther Brauerei dar.

Maisel & Friends Smoky IPA

Die Farbe ist direkt schonmal sehr einladend, ich mag es, wenn ein Bier mich so dunkel leuchtend anstrahlt. Eine minimale Trübung unterstützt diesen Effekt, durch sie muss man die vereinzelt aufsteigenden Bläschen aber eher suchen. Sie ergeben am Ende einen großblasigen Schaumkranz an der Glaswand, während in der Mitte dünne Inseln verbleiben. Der erste Eindruck, wenn man am Smoky IPA schnuppert, ist aber nicht Rauch, sondern Beeren. Himbeeren, Brombeeren, Erdbeeren. Etwas Mango und Honigmelone, ein Anflug von Thymian. Sehr fruchtig und angenehm.

Klar und eckig schon vom Antrunk an im Mundgefühl. Eine aletypische Cremigkeit ist zwar da, wird aber schnell von der deftigen Bittere (53 IBU) eingeholt und weggeräumt. Die Beerigkeit ist im Geschmack nicht mehr da, dafür Zitrusnoten, Limettenschale, Grapefruitsaft. Durch die Kantigkeit und die starke Karbonisierung sehr rezent. Insgesamt wirkt das Bier klar und sauber, mit 6,5% Alkoholgehalt auch kräftig, allerdings suche ich doch nach dem Rauch. Im Abgang kommt dann endlich der Namensgeber zum Vorschein. Nicht wie bei einem typischen Rauchbier, sondern mehr als angedeuteter Nachklang. Zusammen mit dem bittertrockenen Effekt am Gaumen hängt noch kurz eher die Vorstellung von mildem Rauch im Mundraum. Ich stelle mir vor, dass es ganz ausgesprochen hervorragend dazu geeignet ist, den Mund von all den fettigen, gewürzlastigen Aromen zu befreien, die ein guter Grillnachmittag mit sich bringt.

Erneut ein schönes Bier aus dem Hause Maisel & Friends – ich bezweifle, dass es ein Produkt von ihnen gibt, das mir nicht gefällt. Solides Handwerk und Kreativität kommen hier immer wieder zusammen; ich bin gespannt, wie die BrewBQ-Reihe weitergeht.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kosten- und bedingungslose Zusendung einer Flasche des Smoky IPA.

Kurz und bündig – Stone Go To IPA

Ich habe vor einiger Zeit einige Artikel begonnen, die ich aus irgendwelchen Gründen nie veröffentlicht hatte – es kam immer was anderes, interessanteres dazwischen. Diese hole ich nun Stück für Stück aus der Versenkung, und zeige sie nun. Ich überarbeite sie teilweise, aber an den Fotos erkennt man, dass sie aus einer früheren Schaffensphase stammen; ich bitte, die Qualität der Fotos zu entschuldigen. Für manche Produkte frische ich die Bilder auf, wenn ich meine, dass es sich lohnt, weil das Produkt so gut ist, dass ich es nochmal ins Glas hole.

Es ist schon eine tolle Sache, dass man heutzutage durch relativ normale Supermärkte schlendern kann, und sehr oft eine ganze Reihe von spannenden Bieren in den Regalen sieht. Vor 5 Jahren war das alles, was ich gerade besonders bei vielen Edekas in der Saarbrücker Gegend erlebe, völlig undenkbar. So ist es dann ganz selbstverständlich, dass man sich als kleines Feierabendbier halt keines der großen, neutral schmeckenden Fernsehbiere holt, sondern beispielsweise das Stone Go To IPA. Über die Dose als idealer Aufbewahrungscontainer für Bier habe ich bereits oft genug geredet, Stone Brewing zieht das Konzept stringent durch.

Stone Brewing Go To IPA

Passend zum Dosendesign ist das Bier sonnenblumengelb, leicht blass, nur leicht opalisierend. Schaum hält sich in Grenzen; Perlage ist aber auch nach einigen Minuten noch vorhanden. Der Geruch ist von Anfang an extrem fruchtig, sehr hopfig, das „Hop Bursting“ (ist das ein Synonym für Kaltstopfen?) hat offensichtlich gut funktioniert, der Hopfen explodiert geradezu. Da scheint mir aber gleichzeitig auch ein kleiner Fehlton nach Plastik zu sein.

Stone-typisch ist das Go To IPA sehr bitter schon im Antrunk, leicht im Körper, aromatisch-hopfenlastig. Ausgeprägte Zitronenschale, auch hier aber der kleine Plastik-Fehlton. Sehr frisch und rezent. Im Abgang bleibt es bitter, trocken, mitellang mit einigen Hopfenaromen, die lange nachklingen. Ein leichtes IPA mit 4,7% (daher wird das Bier auch als Session IPA gekennzeichnet) für Zwischendurch, mir fehlt etwas Volumen, aber sonst? Das trinkt sich gut, wenn man auf diese Art des Biers steht. Wie bei den meisten Stone-Bieren ist die Drinkability sehr gut, man darf hier keine Komplexitätsbombe erwarten, aber das ist ja auch nicht der Sinn hinter solch einem Bier.

Besondere Biere – Rügener Insel-Brauerei Baltic Stout, Überseehopfen und Insel Kreide

Ich habe vor einiger Zeit einige Artikel begonnen, die ich aus irgendwelchen Gründen nie veröffentlicht hatte – es kam immer was anderes, interessanteres dazwischen. Diese hole ich nun Stück für Stück aus der Versenkung, und zeige sie nun. Ich überarbeite sie teilweise, aber an den Fotos erkennt man manchmal, dass sie aus einer früheren Schaffensphase stammen; ich bitte, die Qualität der Fotos zu entschuldigen.

Dieser Artikel ist ein solcher, der erste seiner Art. Man erkennt es unter anderem daran, dass ich einst auch für Biere ausführliche Artikel geschrieben hatte – inzwischen ist mir ein Bier meist nur noch einen „kurz und bündig“-Eintrag wert, die Arbeit steht in keinem Verhältnis zur Genusszeit mehr, und viele Leser interessieren sich bei einem vergleichsweise so preisgünstigen Artikel dann auch nicht mehr für ausgefeilte Rezensionen. Dieser Beitrag hier entstand zur Zeit, als die Biere der Rügener Insel-Brauerei die Supermärkte stürmten und mit ihrer Aufmachung und dem mutigen Preis für einiges an Aufsehen bei den Leuten sorgte, denen normalerweise schon ein Radeberger zu teuer ist; ich habe beim Einkaufen fast schon dramatische Szenen erlebt, wie beklagt wurde, wie blöd man sein muss, für ein Bier 6€ auszugeben.

Rügener Insel-Brauerei Werbeprospekt

Bei meinem lokalen Globus-Markt wurde viel für die Marke getan, eine separate Ausstellungsfläche mit Holzkisten, ein Katalog mit Beschreibungen der einzelnen Biere und ein großflächiges Poster mit den verschiedenen Sorten. Damals probierte ich natürlich alle durch, und für diesen Sammelartikel habe ich eins aus jeder Reihe des oben abgebildeten Plakats ausgewählt. Hier werden also das Rügener Insel-Brauerei Baltic Stout, der Überseehopfen und die Insel Kreide vorgestellt. Inzwischen gehören sie natürlich zur Grundausstattung eines jeden Getränkemarkts, der auch nur ansatzweise etwas auf sich hält, und jeder Bierfreund kennt sie. Dennoch hoffe ich, mit diesem Artikel noch den einen oder anderen zu erreichen, und zu überzeugen, dass 6€ (oder 3€ für die 0,33-Liter-Flasche) für ein gut gemachtes Bier durchaus einen Versuch wert sein können, denn Bier ist heutzutage längst viel mehr als nur ein billiges Knallmittel.

Rügener Insel-Brauerei Baltic Stout, Überseehopfen und Insel Kreide Flaschen

Die Aufmachung ist gewiss sensationell und augenfängerisch gemacht – diese Art der Papierumwicklung hat aber neben dem Wow-Effekt auch einen durchaus praktischen Sinn, denn so ist das lichtempfindliche Bier vor Strahlung geschützt. Die Gestaltung ist durchgängig für die ganze Reihe, und gefällt mir persönlich außerordentlich gut, das hat künstlerischen Wert. Trinken wir einfach der Reihe nach durch, beginnend mit dem Baltic Stout. Man sieht auf dem Foto die sehr starke Schaumentwicklung beim Eingießen, ein Effekt der Flaschengärung, das wirkt selbst bei einem so Schaumsparbier wie einem Stout. Es bleibt, wenn die Wirkung nachgelassen hat, eine schöne braune Crema, gespeist von starker Perlage. Das Bier selbst bleibt vollständig blickdicht mit kaffeebrauner Farbe. Der Geruch ist etwas metallisch, leicht säuerlich, man riecht etwas Malz, nur minimalste Röstaromen, dafür eine deutliche Seifigkeit. Abgesehen davon empfinde ich es als enttäuschend zurückhaltend.

Rügener Insel-Brauerei Baltic Stout Glas

Was die Nase vermisst, findet die Zunge – im Mund explodieren dann die stouttypischen Röstaromen. Kaffee, eine interessante Dunkelschokoladennote, leider ist auch hier diese seltsame Seifenkomponente vorhanden. Doch so plötzlich wie sie gekommen sind, sind sie auch wieder weg, die Röstaromen, und werden durch eine etwas belanglose, süße Malzigkeit ersetzt. Die Champagnermethode macht sich bemerkbar: eine hohe Frische, kombiniert mit einer für Stout ungewöhnlichen Trockenheit und einer kleinen, aber erkennbaren sehr angenehmen säuerlichen Sektnote. Der Abgang ist wirklich sehr kurz, ohne große Auffälligkeiten; ein Hauch von Rauch.

Insgesamt klar das schwächste Bier der Insel-Brauerei, das ich bisher getrunken habe. Spannend vielleicht wegen der für Stouts ungewohnten Säuerlichkeit, die eine helle Frische in dieses dunkle Bier bringt. Vielleicht eignet sich die Methode eher für helltönige Biere wie Pale und Sour Ales – in dieser Form bleibt es irgendwie unzufriedenstellend. Und wenn dann noch Imperial Stout auf dem Etikett steht, muss ich müde lächeln – da gibt es ganz andere Kaliber, auch wenn die 7,5% Alkoholgehalt diese Klassifikation durchaus hergeben.

Vielleicht haben wir mit dem nächsten Bier aus der Reihe mehr Glück – der Überseehopfen bringt natürlich einen ganz anderen Bierstil mit. Man sieht das direkt an der Farbe; diese erinnert mich an Eigelb. Die völlige Trübe unterstützt diesen Eindruck, und zu Beginn hat man auch hier die flaschengärungstypische starke Perlage. Schöner, feiner Schaum bleibt recht langlebig.

Rügener Insel-Brauerei Überseehopfen India Pale Ale

Das ist ein Pale Ale, denkt man, wenn man die Nase ans Glas hält. Schön fruchtig, wie man es kennt, nach Tropenfrucht und Apfel. Weich im ersten Mundgefühl, dann aber schnell ein Wandel zum Trockenen. Sehr trocken, um genau zu sein. Mittlere, angenehme Bittere. Kaum Süße, wenig Körper, dafür eine feinherbe Säure. Leichte, aber etwas undefinierte Hopfenaromen, Limettenschale, mild malzig, eine interessante Blumigkeit liegt im Hintergrund. Im Abgang bleibt das Überseehopfen kurz, bitter, und auch hier trocken. Durch die hohe Rezenz entsteht ein sehr angenehmer Erfrischungsfaktor. Die Trockenheit ist für mich tatsächlich das definierende Element dieses Biers, und darin glänzt es ausgesprochen. Für die, die sonst gern Pils trinken und einen bequemen Einstieg in die Welt des Ales suchen, ist das wahrscheinlich ein ideales Bier. Mit 5,6% Alkoholgehalt sortiert es sich da auch gut ein.

Der Hersteller gibt auf dem Etikett als Bierstil „Eigenkreation“ an, und als internationale Bierkategorie „India Pale Ale“. Für ein IPA ist es mir zu einfach gestrickt, zu zurückgenommen in allem, wenn, dann ist es noch am ehesten ein britisches IPA; sensorisch erinnert es mich, insbesondere im Abgang, mehr an ein leicht aromagehopftes Pils. „Naturhopfen“ als Angabe finde ich ein bisschen wenig Information.

Man merkt, irgendwie zündet der Funken noch nicht so richtig, auch wenn das ein deutlicher Fortschritt war. Hat das dritte Bier der Reihe mehr Erfolg? Die Insel Kreide muss den Ruf retten. Die Farbentwicklung meiner Reihe setzt sich konsequent fort – das Insel Kreide ist namensgemäß blass, fast schon bleich, bleibt dabei aber naturtrüb. Schöne Perlage ist dennoch gut sichtbar, was in dünnem feinporigem Schaum resultiert. Der Geruch ist deutlich säuerlich, wirkt frisch, hat aber auch etwas Metallisches, eine Andeutung von Grapefruit. Insgesamt ein eher dünner Biergeruch.

Rügener Insel-Brauerei Insel Kreide

Der gesamte Eindruck setzt sich im Geschmack fort – feinsauer, leicht herb, insgesamt eher aromenarm. Es erinnert etwas an süßen Sekt. Sehr luftig-leicht, tatsächlich mit Meeres- oder Inselcharakter. Leichte, aber erkennbare Würze. Das hört sich jetzt sehr negativ an, aber das Gesamtbild ist sehr stimmig – spannend, dass so wenig von allem so viel Spaß machen kann. 5,6% fallen dabei eher positiv auf. Als internationale Bierkategorie ist „Champagner Ale“ angegeben, das trifft es wirklich wie die Faust aufs Auge – ich hätte es nicht besser beschreiben können. Ein sehr kurzer, mildbitter-säuerlicher Abgang passt sich daran an, auch hier empfinde ich das im Eindruck als sehr angenehm. Nach den zwei Vorgängern ist das Insel Kreide ein für mich wirklich ausgesprochen tolles Bier, ideal zur Erfrischung. Normalerweise stehe ich so dünnlichen Bieren kritisch gegenüber – hier passt es einfach perfekt.

Letzteres lässt mich dann auch direkt an einen Einsatz im Cocktail denken. Es gibt diverse Varianten von Cocktails, die als i-Tüpfelchen Champagner einsetzen, man erkennt sie meist an dem Namenszusatz „Royal/Royale“. Statt Champagner, wie im originalen Royal Julep, verwenden wir hier einfach das säuerlich-frische Insel Kreide. Und so ist er geboren, der Rügen Julep!

Rügen Julep


Rügen Julep
1 Würfel Zucker
6 Blätter Minze
2 oz Whiskey (z.B. Jack Daniel’s Single Barrel Select Tennessee Whiskey)
Diese Zutaten muddeln, dann auf viel Eis abseihen…
…und mit Rügener Insel-Brauerei Insel Kreide aufgießen.
[Rezept wandelt einen Royal Julep ab]


Man verstehe mich hier bitte nicht falsch, irgendwie kommen zwei der drei Biere bei mir nicht übermäßig gut an, ohne dass ich klar festmachen kann, was mir fehlt. Qualitativ sind sie alle sehr hochwertig, persönlich sind sie mir aber nicht konsequent genug. Das mag mein privater Geschmack sein, der bei einem innovativen Bier, das diese Produkte ja sein wollen, etwas besonderes sucht. Vielleicht ist es einfach die Vermarktung als „besondere Biere“, die hier kontraproduktiv wirkt, denn man schürt damit viel Erwartung, die die Bewertung am Ende beeinflusst. Nun, dafür können die Biere selbst natürlich nichts, und vielleicht probiere ich sie später nochmals, wenn die Marketingmaschinerie etwas abgekühlt ist. Ich mochte die Sauerbiere der Insel-Brauerei (nachzulesen hier und hier) ja schließlich auch sehr gerne. Zumindest das Insel Kreide kann an diese beiden Vorbilder ohne Probleme anschließen.

Man schmeckt die Heimat – Spielberger Original Härtsfelder Schwaben Whisky Double Wood 2010

Deutscher Whisky – für mich bisher eine unbekannte Größe. Grundsätzlich spricht für mich persönlich erstmal gar nichts dagegen, denn bei deutschem Rum beispielsweise, auch so etwas eher Exotischem, habe ich durchaus positive (aber auch ein paar negative) Erfahrungen gemacht. Die urdeutsche Obstbrennerkultur hat natürlich Brennereien und Brenner mit viel Erfahrung hervorgebracht, die ihr Können relativ leicht von Obstbrand auf andere Brände zu übertragen vermögen. Die Destillerie Spielberger in Neresheim-Schweindorf auf der östlichen Schwäbischen Alb macht genau das: Hier wird neben allerlei Früchten auch Getreide destilliert, und dadurch der Original Härtsfelder Schwaben Whisky Double Wood 2010 produziert.

Destilliert wurde dieser Whisky im Jahre 2010, danach kam er für knapp 4 Jahre in ein Fass aus amerikanischer Weißeiche. Anschließend erhielt er noch ein sechsmonatiges Finish im Oloroso-Sherryfass. Dieser Whisky ist kein „probieren-wir-es-mal“-Einzelversuch, der gemacht wird, weil deutscher Whisky gerade Aufwind erfährt; schon vor fast 40 Jahren wagte der Großvater des aktuellen Brenners einen ersten Versuch, im doch äußerst konservativen Schwaben einen Whisky herzustellen. Und wer sich die Produktpalette der Brennerei anschaut, findet dort einen zweiten Double Wood, der die Zusatzbezeichnung „Jubiläumsabfüllung“ trägt – dieser wurde ähnlich hergestellt, aber schon ca. 2005 gebrannt, ruhte etwas länger in der Weißeiche, und auch das Finish im Sherryfass war etwas länger. Man sieht, hier wird in kleinen Mengen handwerklich gearbeitet und das Produkt variiert, das gefällt mir sehr. Doch schauen wir uns jetzt einfach mal den Double Wood 2010 an.

Original Härtsfelder Schwaben Whisky Double Wood

Die Reifung sorgt für blasses Gold, das sich flink im Glas bewegt. Am Rand entsteht eine zottelige Linie, aus der Beinchen sehr langsam ablaufen. In der Nase sticht zunächst etwas Alkohol, der mit Offenstehzeit verfliegt. Darunter findet sich eine süßliche Getreidenote – hier entdeckt man deutlich den Weizen, der eingesetzt wurde (die Mashbill besteht zu ca. 85 % aus Weizen und 15% aus hellem Gerstenmalz, alles regional erzeugt). Dieser bringt eine süße Blumigkeit in das Destillat, und etwas weiße Schokolade in die Nase. Karamell und Marzipan – das ist durchaus ansprechend, wenn auch nicht das, was der Whiskyfreund, der bisher bei Whisky immer an Scotch denkt, erwarten würde.

Auch im Mund zeigt sich zunächst im Antrunk eine süße Cremigkeit mit viel Breite. Werther’s-Echte-Karamellbonbons, milde Frucht, Weizenbier, Cappuccino und Vanille – eine wirksame Schwere, die aber schnell von viel Würze und Feuer eingeholt wird. Etwas Pferdestall, Honig, Zimt und Ahornsirup komplettieren ein interessantes, feurig-süßes Gesamtbild.

Spielberger Original Härtsfelder Schwaben Whisky Double Wood Glas

Der Abgang ist glühend heiß, er erzeugt ein Druckgefühl in den Ohren und läuft wie Lava den Hals hinunter, wo er zu jedem Zeitpunkt nachverfolgbar ist – die 47,5% Alkoholgehalt zeigen sich spätestens jetzt mehr als deutlich mit viel Hauch; huiuiui, das muss man so mögen (was ich durchaus tue). Der Nachhall ist getreidig und süß, erinnert an Bourbon und ist mittellang.

Ich setze diesen Whisky in einem Cocktail ein, der ein Problem verdeutlicht, das ich habe. Als gebürtiger Schwabe habe ich nie die Lust gehabt, meinen starken schwäbischen Dialekt abzulegen, und muss mir nun in meiner neuen Wahlheimat von vielen Saarländern anhören, wie schlimm ich rede – und die Aussprache mancher Wörter sind besonders Ziel der Verulkung, zum Beispiel das Wort „Wort“ selbst, über das sich gewisse Personen immer wieder lustig machen, wenn ich es ausspreche. Nun, darum gibt es nun diesen Cocktail: S’ledschde Wort. Der Kenner erkennt den Last Word dahinter.

S'ledschde Wort Cocktail


S’ledschde Wort
1 oz Schwäbischer Whisky
⅔ oz Chartreuse Verte
⅔ oz Maraschino
⅔ oz Limettensaft
Auf Eis shaken.
[Rezept nach Helmut Barro]


Den Double Wood bekommt man vor Ort in unterschiedlichen Abfüllungsgrößen, etwas, was ich immer sehr schätze – die 0,2l-Flasche, die ich vorsichtig erworben hatte, war allerdings zu schnell aufgebraucht, von dem Nachfolgeprodukt Whisky³ (ein Artikel dazu folgt hier auf diesem Blog) musste es daher auch direkt die Halbliterflasche sein. Ein weiterer Vorteil davon, den Whisky direkt in Schweindorf zu kaufen, ist, dass man im zugehörigen Gasthaus Hirsch einen schönen, traditionellen schwäbischen Zwiebelrostbraten auf den Tisch bekommt. Einfache, bodenständige und gerade darum schmackhafte Küche ohne das Palaver, das heutzutage oft um Essen gemacht wird.

Spielberger Schweindorf Schwäbischer Zwiebelrostbraten

Ich werde im Sommer aller Voraussicht nach die Destillerie besuchen und eine Besichtigung machen, und dann hier beschreiben, was ich gesehen habe. Ich freue mich schon sehr darauf – Heimat ist etwas besonderes. Man spürt, wenn man da ist, und man spürt, wenn man nicht da ist. Immerhin, ein guter Whisky aus der Heimat hilft, das schlimmste Mangelgefühl hin und wieder auszugleichen.

Kurz und bündig – Maisel & Friends Kaminfeuer Kellerbier by Heiko Müller

Der Hobbybrauerwettbewerb von Maisel & Friends geht in die nächste Runde – Kellerbiere galt es zu brauen. Während der Home Brew Bayreuth im September 2019 wurden die Einreichungen verkostet, und der Gewinner war Heiko Müller mit seinem Kaminfeuer Kellerbier, das nun als Gewinn in limitierter Auflage statt im heimischen Keller auf den professionellen Anlagen bei Maisel nachgebraut werden konnte.

Maisel & Friends Kaminfeuer Kellerbier by Heiko Müller

Sehr schöne safranfarbige Opalisierung, durch die das Bier im im Glas leuchtet. Hält man es gegen das Licht, sieht man kleine Bläschen sehr langsam aufsteigen. Der Schaum, schon zu beginn eher dezent, bleibt als feine aber dünne Decke eine Weile auf dem Bier liegen. Geruchlich sehr würzig, mildrauchig, fast schon etwas nach Grill duftend. Auf jeden Fall passt hier der Name sehr gut. Starkmalzig, leicht speckig, etwas brotig – eine sehr prägnante Duftkomposition insgesamt.

Auch im Mund schmeckt das Maisel & Friends Kaminfeuer Kellerbier by Heiko Müller, wenn man mich fragt, zunächst wie ein Schinkenbrot. Die Würze bleibt erhalten, wird nur durch zurückhaltende Hopfenfrucht in der Zitrusrichtung ergänzt. Leicht salzig, erkennbar rauchig, ein Anflug von Kümmel; sehr rezent und kantig-bitter im Mund, ohne dafür eine üppige Cremigkeit aufzugeben. Eine gewisse Unrundheit muss man allerdings auch attestieren, gegen Ende entsteht im Mund eine leichte Schalheit. Der Abgang hat fast schon einen Eukalyptushauch, ist frisch und langanhaltend deftig bitter (23 IBU, ich hätte mehr vermutet), fast schon hin zum Kratzenden, was bei diesem Bier gar nicht stört, sondern zum Gesamtkonzept passt. 5,6% Alkoholgehalt passen sich hier gut ein.

Ohne Schwierigkeiten kann ich hier sagen – dieses Bier hat seinen Gewinn verdient, und ich finde es ausgesprochen toll, dass Maisel & Friends sich der Hobbybrauer annimmt und diesen so eine Möglichkeit gibt, der Welt zu zeigen, dass Bier ein derart vielseitiges Getränk ist.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kosten- und bedingungslose Bereitstellung einer Flasche „Kaminfeuer“.

Kurz und bündig – Schneider Weisse Aventinus Eisbock

5 Jahre lang stand es bei mir im dunklen Schrank, nun versuche ich, diese ganzen Altlasten an Bier loszuwerden. Der Schneider Weisse Aventinus Eisbock hat, wie viele Starkbiere und insgesamt Bier, das nicht allzu aromahopfenlastig ist, kein Problem damit, lange aufbewahrt zu werden. Jetzt ist seine Zeit gekommen, und er landet in meinem Glas!

Schneider Weisse Aventinus Eisbock

Beim Eingießen achte man darauf, dass sich eventuelle Hefeverklumpungen, die sich bei längerer Lagerung bilden, nicht mit ins Glas hüpfen. Dann bleibt das Bier trotzdem trüb, Mezzomix-farben, aber wird nicht ganz so bitter. Durch die dunkelbraune Farbe sieht man einzelne Bläschen vorsichtig aufsteigen, die sich am Glas als feinster Rand ablegen, ansonsten ist das Bier schaumfrei. Die Nase ist weinig, hefig, leicht speckig. Sehr zurückhaltende Zitrusfruchtnoten bilden den Kopf, dunkle Malznoten den Körper. Insgesamt wenig an Geruch, und das, was da ist, erinnert den Laien eher an Wein als an Bier.

Im Geschmack ändert sich das dann wieder etwas, mildmalzig und nur sehr vorsichtig hopfig allerdings. Eine definierte Säure ist da, bildet mit dem dunklen Körper einen bockbierähnlichen Charakter. Kaffeenoten. Die erstaunliche Alkoholstärke von 12% entstammt dem aufwändigen Herstellungsverfahren, und man merkt die Stärke schnell und deutlich, sowohl vom Effekt als auch von der Aromatik her. Durch die Säure und Bittere wird das Bier sogar etwas rezent. Persönlich überzeugt mich die ungewohnte Aromatik nicht so sehr, das wirkt zwar alles rund und extrem vollkörperig, aber das Hin und Her zwischen Wein und Bier, zwischen Süße und Säure, und Milde und Bittere lässt mich stirnrunzeln. Der Abgang ist wiederum weinig, hefig und mittellang, ganz am Ende dann Trocken und astringierend, mit einem leicht blumig-fruchtkaugummiartigen Nachhall.

Man merkt, es ist nicht so ganz mein Fall. Vielleicht muss ich mehr Eisböcke probieren, um diesen hier einordnen zu können – allein, mir fehlt nach dieser Erfahrung die Motivation.

Kurz und bündig – Brlo Craft Beer Porter

Ich habe es schon öfter erwähnt – der Bierstil des Porter ist einer, mit dem man mich begeistern kann. Es ist diese faszinierende Mischung aus dunklen Aromen und gleichzeitig angenehmer Frische, die man rein vom Ansehen her dem Bier nicht zutrauen würde, die mich begeistert. Das Brlo Craft Beer Porter ist dabei, wie so viele aktuellen Produkte auf dem Biermarkt, eine moderne Interpretation des alten britischen Bierstils; es wird als Baltic Porter gelabelt.

Das Berliner Bier weist 7% Alkoholgehalt auf, bleibt unfiltriert, und wird unter Einsatz von Herkules und Tettnanger als Hopfenzutaten, Pilsner Malz, Karamellmalz und Röstmalz als Malze gebraut.

Brlo Craft Beer Porter

Farbe und optischer Eindruck – sehr dunkles Braun, nicht blickdicht, weinrote Reflexe. Keine Perlage erkennbar. Nur Ansätze von cremefarbenem Schaum.

Geruch – sehr angenehm fruchtig, beerig, dazu milde Röstaromen, erkennbar säuerlich, schließlich leicht metallisch-rostig.

Geschmack – säuerlich bereits im Antrunk, ohne aber zu aggressiv zu sein. Klar und hell im Eindruck, zwar schon herb röstmalzig, aber eher zurückgenommen. Typische Kaffee- und Kakaoaromen erscheinen nur im Hintergrund. Frisch und leicht insgesamt.

Abgang  – sehr kurz, eher feinherb, im Nachklang dann doch bitter. Dennoch – ein mildes Porter, sehr leicht und frisch.

Das Brlo Craft Beer Porter ist ein Bier, das definitiv öfter seinen Weg in mein Glas finden wird, gerade als Essensbegleiter funktioniert es durch seine mildherbe Rezenz ganz hervorragend.

Kurz und bündig – Uerige Doppelsticke

Die erste Flasche des Uerige Doppelsticke habe ich durch einen netten Menschen in der Facebookgruppe um Craftbier im deutschsprachigen Raum erhalten – er schickte sie mir aus Düsseldorf. In der Zwischenzeit, gut ein dreiviertel Jahr später, habe ich in der kleinen aber feinen Craftbierabteilung meines Real-Supermarkts doch tatsächlich auch die markante Bügelflasche entdecken können – wenn auch mit einem anderen Etikett -, und natürlich mehrfach zugeschlagen. Ein besonderes Bier; warum gefällt es mir so gut?

Uerige Doppelsticke

Farblich ein dunkles Alt, schokoladenbraun, komplett blickdicht und trüb, mit hellbrauner Crema und leichter, aber erkennbarer Perlage. Der Geruch ist sehr aromatisch und stark, mit vielen Eindrücken von Hefe, Kakao, Mango, Papaya, und interessanterweise sogar einer Würzigkeit, die mich Maggi-Würze erinnert.

Uerige Doppelsticke

Die Vielschichtigkeit geht im Mund weiter – Das Doppelsticke ist sehr dicht und voluminös, im Antrunk weich, es entwickelt sich aber schnell eine wuchtige Bittere. Die soßig-würzigen Komponenten übernehmen die Show und kämpfen gegen die schokoladig-süßen Noten. Es erinnert im Mundgefühl mehr an ein fettes Stout als an ein dünneres Alt, wie Diebels. 8,5% sorgen für Power, „Starkbier“ steht entsprechend auf dem Rücketikett. Nur mittlere Rezenz, diese hauptsächlich auch wegen der effektiven Säure. Ich denke beim Trinken an Malz, Kastanien, Holz und Herbstwald. Der Abgang ist schließlich sehr trocken, hefig und fett, sehr lang, sehr malzig und bitter. Süßlich und dabei trotzdem etwas eckig.

Ein besonderes Bier, wird nicht mein Lieblingsalt, einfach weil es schon extrem wuchtig wird und deutlich hin zum Stout tendiert, aber dennoch etwas für eine besondere Angelegenheit!

Tropfen des Geistes, Gießet hinein! Palms Arrak

Nicht über alle Spirituosen, die man so im Laufe des Verkosterlebens trinkt, weiß man ausgesprochen viel. Transparenz bezüglich der Herstellung ist bei vielen Brennern ein Fremdwort – manche wollen einfach nichts sagen, weil sie etwas zu verbergen haben, andere interessiert es einfach nicht, dass sich andere für ihr Produkt tiefer interessieren, sie wollen einfach verkaufen, und weitere wissen gar nicht, dass sie zu wenig Informationen bereit stellen für die Aficionados dieser Welt. In der Hoffnung, auf letztere Gattung zu treffen, frage ich bei lückenhafter Detaillage darum oft beim Hersteller oder Importeur nach; doch die übliche Antwort ist Totenstille, man muss sich bereits freuen, wenn nach vielen Wochen eine knappe Mail mit nur wenig Neuem ankommt, oder einfach das offensichtlich erfundene Marketinggeseier erneut vorgeleiert wird.

Anders beim Palms Arrak. Auch hier war zunächst nur wenig über diese Marke der südostasiatischen Palmsaftspirituose (nicht zu verwechseln mit der Art von  Arrak, die aus Melasse gebrannt wird, und schon gar nicht mit dem Anisschnaps des nahen Ostens) aus den leicht zugänglichen Quellen eruierbar, und ich rechnete nicht damit, vom Hersteller eine schnelle und vor allem derart detailreiche Antwort auf meine Anfrage zu bekommen, wie sie kurz nach Abschicken eintrudelte. Die für mich wichtigen Punkte wurden klar und deutlich erläutert, und ich gebe sie hier in eigenen Worten wieder für alle die, denen die Herstellung ähnlich wichtig ist wie mir.

Palms Arrak

Die Arenga-Palmen, aus deren Blüten der Saft stammt, aus dem schließlich der Palms Arrak gebrannt wird, stehen laut dieser Information in Kambodscha. Dabei handelt es sich nicht um eine Plantagenkultur, sondern wild wachsende Palmen in den dortigen Reisfeldern. Nur in der Trockenzeit nach der Reisernte werden die Blüten in den Baumkronen angezapft, ohne dauernden Schaden an den Palmen zu verursachen – 5 bis 12 Liter süßer Saft (13 Grad Brix) pro Tag und Pflanze können so erreicht werden. In Gärbottichen wird er unbestimmte Zeit fermentiert, und anschließend in Pot Stills doppelt destilliert, um einen Zielalkoholgehalt von 70% zu erreichen. Die Reifung erfolgt dann in Fässern aus dem rötlichen asiatischen Halmilla-Holz mit einer Kapazität von 250l. Hier kommt eine Information des Etiketts dazu – mindestens 3 Jahre lagert der Palms Arrak so, und bekommt dadurch eine rotgelbliche Farbe. Eigens aus dem selben Saft hergestellte Zuckercouleur wird verwendet, um den Farbton anzupassen; andere Zusätze werden nicht beigegeben. Die Filterung und Abfüllung schlussendlich erfolgt in Bad Bevensen in Norddeutschland: eine deutsch-kambodschanische Koproduktion also.

Natürlich hätte ich zumindest Teile dieser Informationen gern auf dem Etikett gesehen, doch die freundliche Offenheit in der Kommunikation gleicht das für mich aus – vielleicht bin ich doch ein Sonderling, und die meisten trinken den Stoff einfach, ohne sich allzuviel Gedanken zu machen. Was wir nun tun werden.

Palms Arrak Glas

Die angesprochene Färbung hilft, das dunkle Hennarot mit terracottafarbenen Reflexen entstehen zu lassen. Im Glas sieht man die Flüssigkeit schwer hin und her schwappen, eine ausgeprägte Viskosität bringt den Arrak dazu, lang und fett am Glasrand zu haften, so dass er nur in Zeitlupe in dicken Tränen abläuft. In der Nase fühle ich mich an harzige Tannenäste erinnert, Fichtennadeln, schwarzer Tee. Dabei ist auch deutlich etwas Klebstoff, vielleicht Getreide. Dezenter sind Zitrusnoten, Orange vor allem. Etwas Menthol ist noch in der Kopfnote.

Im Mund ist der Palms Arrak schwer und breit, zunächst wirkt er süß, mit Kokosaromen, die im Verlauf immer stärker werden. Orange, Milchschokolade, Nougat, eine vorsichtige Nussigkeit, etwas Kümmel sogar. 40% Alkohol sind stärker erkennbar, als es sein müsste. Süße bleibt durchweg da, kämpft am Ende aber gegen eine kräftige Bitterkeit, die ich wiederum sehr apart finde und für etwas Texturkomplexität sorgt. Über den Abgang ist nicht wirklich viel zu sagen – er ist kurz, kühl und bitter, leicht kitzelnd, dennoch etwas flach und leicht metallisch. Nach wenigen Sekunden ist nichts mehr da, auch kaum ein aromatischer Nachhall verbleibt, vielleicht etwas vom Kümmel und Menthol.

Arrak war in Europa lange Zeit die Spirituose der Wahl, wenn es um Mixgetränke ging – Schiller, Mozart, Goethe und andere Geistesgrößen gaben sich besonders gern der damals sehr lebendigen Punschkultur hin, in der gemeinsam aus einer großen Schale geschöpft und getrunken wurde. Die heutige Individualtrinkkultur ist mehr auf Einzelportionen ausgerichtet, doch hin und wieder ist so ein geteiltes Getränk durchaus eine Freude. Darum verwende ich den Palms Arrak mit einer anderen, mit Arrak stark verbundenen Zutat (Swedish Punch) in einem Punsch für Zwei. Ein passendes Gefäß, zwei (Glas-)Strohhalme, und fertig ist der Saturday Night Bath Punch, in Reminiszenz an barocke Trinkgewohnheiten und ein heutzutage ebenso vergessenes Samstagabendritual.

Saturday Night Bath Punch Cocktail


Saturday Night Bath Punch
2 Portionen
3 oz gereifter Arrak
2 oz Swedish Punch
2 oz Blue Curaçao
1½ oz Zitronensaft
Auf Eis shaken.
In einer Schale mit crushed ice und Strohhalmen für zwei servieren.

[Rezept nach Helmut Barro]


Laut eigener Aussage wird bei Palms Arrak viel Wert auf Nachhaltigkeit gelegt – das ist in einem schnelllebigen, oft genug ausschließlich auf den kurzfristigen Profit ausgerichteten Business ganz sicher erwähnens- und lobenswert. Dazu passt das EU-Biosiegel, das auf dem Rücketikett zu finden ist. Insgesamt gefallen mir Flasche und Etikettengestaltung sehr, sie wirken modern, dezent, stilsicher und durch die transparenten Teile sehr attraktiv.

Für mich persönlich ist der Palms Arrak im Purgenuss etwas zu kurz und schmal, als kleiner Digestiv und Cocktailzutat dafür spannend. Eine ungewöhnliche Spirituose mit Charakter und Geschichte – gerade letzteres ist für mich als Kopftrinker immer etwas, was mir den geschmacklichen Genuss weiter versüßt. Wer sich für Rum oder Cachaça interessiert, sollte sich von den Vergleichen mit diesen Spirituosenkategorien, die man immer wieder mal liest („Rum aus Palmsaft“ et cetera), nicht einwickeln lassen, Arrak dieser Art ist aromatisch doch etwas ganz anderes, und vom Basismaterial her sowieso gar nicht verwandt. Dennoch (oder gerade deswegen?) rate ich zum Selbstversuch, denn die Erweiterung des Aromenhorizonts ist immer etwas Gutes, wissenschaftliches Weiterbildungstrinken sozusagen.

Offenlegung: Ich danke conalco.de für die kosten- und bedingungslose Bereitstellung einer Flasche des Palms Arrak.

Hausmacherlikör für die Faulen – Revolte Swedish Punch

Wer sich mit Cocktails auseinandersetzt, beginnt eigentlich immer damit, sich erstmal die Rezepturen zu verinnerlichen, die mit leicht verfügbaren Zutaten hergestellt werden – Bourbon, Wermut, Campari, Champagner, Säfte. Das geht eine ganze Weile gut, irgendwann kommt aber jeder interessierte Mixologe an einen Punkt, wo man beginnt, mit hausgemachten Zutaten zu experimentieren. Mein selbstgemachter Swedish Punch hatte damals einen der ersten Artikel auf meinem Blog spendiert bekommen – inzwischen bin ich über diese Phase wieder hinaus, und auch wenn ich unterwegs immer noch gern Cocktails trinke, die mit obskuren, im Hinterzimmer zusammenmazerierten Zutaten hergestellt werden, so überlasse ich das den Profis und belaste meine knapp gewordene Heimbarzeit nicht mehr allzusehr mit dieser zwar spannenden, aber doch etwas mühseligen Arbeit. Insbesondere, da kaum jemand diese Cocktailrezepte je nachbauen wird, es ist einfach zu viel Aufwand, sich zuerst die 10 Sirupe aus Steinen, Blättern und Morgentau herzustellen, die in vielen Rezepten von Cocktailwettbewerbgewinnern aktuell gefordert werden.

Um so erfreulicher, wenn sich ein rühriger Brenner um diese Art von raren Spezereien bemüht. Revolte Swedish Punch ist ein Versuch des deutschen Rumherstellers, sich auch mal in die Likörabteilung zu begeben.

Revolte Swedish Punch

Sowohl bereits in der Flasche als auch später im Glas ist eine deutliche Trübung erkennbar, die dem kräftigdunklen Terracotta einen Nebelcharakter verleiht. Das ist bei einer Spirituose wie Swedish Punch natürlich kein Mangel, sondern eher Zeichen, dass hier nach Herstellung nicht exzessiv nachgefiltert wurde. Als Likör bewegt sich die Flüssigkeit sehr schwer und träge im Glas.

Der Geruch ist schnell übers Glas hinaus erkennbar und wuchtig – tatsächlich riecht man Tee, eine sehr deutliche Zitrusnote, und viel Gewürz. Ein Anflug von dunklem Rauch stammt wohl vom eingesetzten Lapsang-Tee. Auch die Rumbasis ist durch all diese Aromen noch erkennbar. Insgesamt hinterlässt der Revolte Swedish Punch einen sehr schweren, dunklen Eindruck. Dieser Likör verhält sich von Anfang an sehr vorsichtig im Mund. Aus den 60% des Basis-Overproof-Rums aus eigenem Hause wurde auf sehr genehme 20% Alkoholgehalt herabgesetzt – da kratzt und beißt nichts, zusätzlich auch durch die starke Süße, die lange an den Lippen kleben bleibt. Zitrusnoten dominieren zunächst, bis schnell Backgewürze wie Nelken, Piment und Kardamom nach vorne strömen und das Bild komplett übernehmen.

Revolte Swedish Punch Glas

Gegen Ende kippt das ganze dann nocheinmal in Richtung Tee und Rauch, besonders der Abgang, mittellang aber sehr effektvoll, ist aromatisch dicht und mit Anklängen von Rosmarin und Harz. Trotz der Süße wirkt der Revolte Swedish Punch dann irgendwie trocken, mit einer kleinen Bittere im Nachhall, der dann plötzlich von kaltem Rauch und Zedernholz beherrscht wird; man sieht, ein vielschichtiges Spektrum, das Spaß macht – deutlich anders im Geschmack als mein oben erwähnter selbstgemachter Swedish Punch, aber nicht schlechter.

Swedish Punch ist und war nie eine besonders verbreitete Cocktailzutat. Die Rezepte dafür lassen sich an wenigen Händen abzählen. Dabei kann die süße Mischung aus Tee, Rum und Zitrone einen sehr attraktiven Part in einem Mischgetränk spielen, das ist wie ein Premix für eine breite Aromenpalette, die man sonst aus vielen verschiedenen Zutaten jedesmal neu von Hand zusammenstellen müsste. Der Hi Falutin wird durch einen ordentlichen Anteil Swedish Punch beispielsweise sehr aromatisch, würzig und bunt.

Hi Falutin Cocktail


Hi Falutin
1½ oz Bourbon
1 oz Swedish Punch
1 oz Quinquina
Auf Eis rühren.
[Rezept nach Del Pedro]


Persönlich schätze ich sehr, wenn eine Marke ihren Stil gefunden hat, und den dann auch durchzieht – alle Revolte-Produkte werden in derselben markanten Flasche ausgeliefert, die gut in der Hand liegt und sich auch hübsch im hauseigenen Spirituosenregal macht. Klar etikettiert besteht dennoch keine Verwechslungsgefahr. Auf diesem kleinen Etikett steht alles relevante nachzulesen, dazu die für Revolte übliche und sehr lobenswerte Angabe über den vorliegenden Batch, bei mir ist es Flasche 46 von 500 aus Batch 1. Man sieht unabhängig vom Inhalt damit schon, dass es sich hier um eine kleine Auflage einer handgemachten Spirituose handelt. Und das allein finde ich immer schon unterstützenswert, und wenn man die Pressemitteilungen von Revolte verfolgt, erkennt man, dass der Ideenreichtum noch lange nicht ausgeschöpft ist im Hause Kaltenthaler.

Offenlegung: Ich danke Revolte für die kosten- und bedingungslose Bereitstellung einer Flasche ihres Swedish Punch.