Schlagwort-Archive: ipa

Maisel & Friends Hopfenreiter 2018 Titel

Kurz und bündig – Maisel & Friends Hopfenreiter 2018 Double IPA

Da ist er, der dritte Freundschafts-Sud, organisiert von der Brauerei Maisel & Friends – das Hopfenreiter 2018 Double IPA. „Miteinander statt gegeneinander!“ ist das Motto, unter dem sich einige Brauer zusammentun, seltene Zutaten teilen und dadurch ein Bier kreieren, das nur einmal so produziert wird. Superfreunde, Mikkeller, Duvel, Bevog und Frau Gruber, durchaus gewichtige Namen im Craftbierbusiness also, haben dafür ihre Hopfenlager geplündert.

Maisel & Friends Hopfenreiter 2018

Man sieht auf dem Bild den dicken, cremigen und dabei noch sehr feinen Schaum; starke Perlage befeuert ihn. Die kräftige, goldene Farbe entsteht auf dem Hintergrund einer leichten Opalisierung. Spannend, dieser Geruch – Grapefruit, Erdbeermarmelade, etwas Soja, Hefe, Brot. Durchaus ungewöhnlich, aber in dieser Beziehung nicht überhand nehmend, sondern nah an der Erwartung eines DIPA bleibend.

Extrem cremig im Mundgefühl, der Antrunk ist süß und mild, und mildfruchtig – Nektarine, Kirsche.Etwas Wintergrün und Fruchtkaugummi. Eine kräuterige Note ist da, vielleicht Thymian und Basilikum.  Die DIPA-Bittere kommt langsam aber gewaltig im Verlauf. Insgesamt frisch und rezent, mindestens zum Teil durch hohe Karbonisierung, sowie gute Säure. Dabei behält das Bier sich aber einen starken, dichten, vollen Körper mit echtem Wumms bei 8,5% Alkoholgehalt. Der Abgang ist sehr trocken, bitter, erneut Wintergrün. Sehr adstringent, fast schon anästhetisch, der Hopfenreiter bleibt sehr lange am Gaumen und belegt dabei die Zunge. Calypso, Citra, Styrian Golding, Styrian Fox, Enigma und Mandarina Bavaria, da ist Hopfen ohne Ende drin.

Das Etikett ist, soweit ich das übersehen kann, dasselbe wie das des damals schon von mir sehr gut aufgenommenen Hopfenreiters 2017. Es scheint sich eine gute Reihe herauszubilden! DIPA ist, zugegebenermaßen, nicht so ganz mein Stil, doch hin und wieder trinke ich so extreme Bier auch gern. Diese Ausprägung ist jedenfalls wuchtig und sehr charakterstark, ein wahres Experimentalbier, das ungewöhnlich hergestellt wird. Es macht einfach einen riesen Spaß, so etwas zu verfolgen.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die Zusendung einer Flasche des Hopfenreiters 2018.

Maisel & Friends Juicy IPA Titel

Kurz und bündig – Maisel & Friends Juicy IPA

Viele unerfahrene Biertrinker denken, dass wenn wir Freunde des modernen Gerstensafts über Fruchtaromen im Bier reden, diese künstlich zugesetzt werden, oder dass es sich um Mischgetränke à la Mixery handelt. Entsprechend ablehnend stehen sie einem Ale gegenüber. Dass Hopfen viel kann, wenn er gut eingesetzt wird, auf jeden Fall mehr als nur Bittere ins Pils zu bringen, muss man oft erst mühsam erläutern.

Ich kann mir gut vorstellen, dass das Maisel & Friends Juicy IPA bei konservativen Genießern genau so problematisch ankommen könnte – wenn es schon als „Trobeerical Bomb“ angepriesen wird, entstehen beim Unwissenden vielleicht falsche Assoziationen. Schauen wir mal, ob man das Bier in einer Eckkneipe auf den Stammtisch stellen könnte.

Maisel & Friends Juicy IPA

Zur äußeren Erscheinung: Opalisierend, leicht blasses Gelbgold. Knisternder Schaum beim Eingießen, mittel- bis großblasig. Sehr starke Perlage. Juicy – ja, das unterschreibe ich direkt, wenn ich den Riechkolben ans Glas halte. Extrem fruchtig in der Nase, Himbeeren, Stachelbeeren, Aprikosen, Apfel; toll. Kombiniert mit der leichten Malzwürze im Untergrund ist das ein spektakuläres Bouquet.

Das aletypische cremig-weiche Mundgefühl ist immer wieder eine Freude, im Antrunk ist das Juicy IPA auch sehr fruchtig. 50 IBU schlagen dann schnell zu, die Bittere übernimmt. Geschmacklich sieht es eher mau aus – da ist nicht viel von der extrem tollen Nase übrig geblieben, etwas Zitrone vielleicht. Eine seltsame, leichte Adstringenz betäubt die Zunge. Trotz der 7,2% Alkoholgehalt wirkt das Bier seltsam schwachbrüstig und körperarm. Eine etwas schwierige Mischung aus Säure und kantiger Bittere entsteht schließlich im Abgang, die einem den Speichel in den Mund zieht. Unabhängig davon macht es dann hier seinem Namen Ehre – mittellang, edelhopfig und fruchtig im Nachhall.

Normalerweise bin ich ein echter Fan der Maisel & Friends-Biere – das Juicy IPA trifft als allererstes Bier dieser Marke meinen Geschmack nicht so richtig, es wirkt für mich persönlich irgendwie holprig, die Diskrepanz zwischen Fruchtnase und Geschmacksschwächen ist zu groß.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kostenlose Zusendung einer Flasche des Juicy IPA.

Stone Brewing IPA Titel

Kurz und bündig – Stone Brewing IPA

Nach meiner neulichen, etwas gemischten Erfahrung mit dem Ratsherrn Coast Guard Westküsten IPA wollte ich den Bierstil des „West Coast Style IPA“ etwas weiter erkunden. Heutzutage hat man ja kaum Probleme mehr, an die unterschiedlichsten, früher völlig obskuren Biere heranzukommen – sie werden teilweise auch schon in Deutschland gebraut, so wie das schonmal knackig kurz benamte Stone IPA, das der Hersteller selbst mit dem großen Wort „ikonisch“ beschreibt. Stone Brewing hat ein großes Mundwerk, das weiß man inzwischen, ich will mal hinter die Attitüde schauen.

Stone Brewing IPA

Im Glas ist das Stone IPA direkt sehr IPA-typisch mit schöner, kräftiger, goldener Farbe. Trüb. Leichte, aber erkennbare Perlage. Wenig Schaum, dieser ist aber feinperlig. Auch der Geruch überrascht nicht mit unerwartetem: Stark hopfig, viel Grapefruit, Ananas, Kiwi und Banane. Markig und kantig, dabei hat es aber auch eine gewisse Süße.

„West Coast- Simple, straight forward malt profile. Malt flavor should be subtle. Hops flavor dominates the palate. Finish should be very dry. Very one dimensional.“

So die Definition eines Benutzers der Beeradvocate-Community für den Geschmack eines WCIPA. Persönlich finde ich das hier wirklich wieder. Sehr bitter, aber nur noch ansatzweise fruchtig. Herb und eckig, mit einem leichten Fehlgeschmack nach Weichspüler, der im Abgang immer stärker wird und doch etwas störend ist. 6,9% Alkoholgehalt sind eine ordentliche Basis.

Zum Design der 330ml-Dose: wie gewohnt ist es sehr einprägsam, mit vielen Hopfenranken und -dolden als Verzierung, sowie dem bierkrugstemmenden Dämon als Markenzeichen. Man liest beiläufig den Satz: „Dieses Bier wurde nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut, aber wir glauben nicht an diese Einschränkung.“ Klare Ansage! Wirkt aber für mich etwas albern und inkonsequent. Warum das RHG überhaupt erwähnen, wenn es einem so zuwider ist?

Das Stone IPA ist nach Arrogant Bastard Ale und Ruination Double IPA das dritte Stone-Bier, das ich auf meinem Blog verkoste – die Palette wird dauernd ausgebaut, und da mir die Biere dieses Herstellers recht munden, wird noch über das eine oder andere hier zu lesen sein in Zukunft.

Ratsherrn Coast Guard Westküsten IPA Titel

Kurz und bündig – Ratsherrn Coast Guard Westküsten IPA

West Coast IPA – ein Stil, der das eh schon bittere IPA auf die Spitze treibt. Erfunden ursprünglich in den USA, ist er nun auch in Deutschland angekommen. Diverse Brauer bieten ihn an, in mehr oder weniger ausgeprägter Weise; inzwischen findet man selbst in Supermärkten als häufigen Vertreter das Hamburger Ratsherrn Coast Guard Westküsten IPA, mit seiner flippigen Gestaltung zumindest schonmal ein Augenfang.

Farblich ein gefallendes Pariser Rot, mit schönen orangenen Reflexen, anständige Perlage, feiner hellcremefarbener Schaum. Naturtrüb. Geruchlich leicht fruchtig nach Apfel und Bitterorange, aber eher im Hintergrund, denn vieles wird überlagert von einer kräftigen Sojasaucen-Würze und leichter Malzigkeit. Ein minimalster Fehlton ist erschnupperbar.

Ratsherrn Coast Guard Westküsten IPA

Die 60 IBU schlagen im Mund dann aber gnadenlos zu. Die Definition des WCIPA passt für mich – nur leichte Fruchtaromen, Grapefruit und Orange, dafür kantige, eckige Bittere; tatsächlich für mich schon recht grenzwertig, da sie durch kaum etwas eingebremst oder ausgeglichen wird. Reminiszenzen an ein hochgehopftes norddeutsches Pils, bei 6,3% Alkoholgehalt aber ein stärkeres. Ein weiches Mundgefühl erinnert wenigstens noch daran, dass wir hier ein Ale vor uns haben. Keinerlei Tiefe oder Breite, dafür sehr rezent und erfrischend. Als Hopfensorten sind auf dem Etikett Herkules, Magnum, W. Goldings, Simcoe und Amarillo angegeben; Wiener, Biscuit und Karamellmalz dienen als Malze.

Im Abgang schlägt die Bitterkeit sogar noch eins drauf und zieht einem die Geschmacksorgane zusammen. Insgesamt eher kurz, die Bittereffekte bleiben mit etwas Grapefruiterinnerung aber noch eine Weile im Mund.

Das Ratsherrn Westküsten IPA wirkt für mich recht konsequent in der Ausführung des WCIPA-Stils, dafür mag es manchem schon zu extrem wirken und ihn verschrecken. Ideal finde ich es als Essensbegleiter – für die hausgemachten Gorgonzala Cheese Maccaroni war das Coast Guard jedenfalls ein ebenbürtiger Gegenspieler, was man nicht von jedem Bier hätte sagen können.

Stone Ruination Double IPA Titel

Kurz und bündig – Stone Ruination Double IPA

Die Biere von Stone Brewing leben unter anderem von einer gewissen Attitüde, die sich auf den Dosen abbildet. Der böse Dämon, der einen angrinst, so manch ein markiger Marketingspruch, die Selbstverständlichkeit, mit der die Dose als Transportmedium gefeiert wird („Dosen sind besser. Keine Frage“. Diskutiert wird da nicht!), der Aufbau einer großen Brau- und Bierabfüllanlage in Berlin – da ist viel Potenzial für Gesprächsstoff. Dennoch will ich hier kein Fass aufmachen, sondern lieber die Dose des Stone Brewing Ruination Double IPA, und unabhängig vom lauten Kommunikationston deren Inhalt betrachten.

Stone Brewing Ruination Double IPA

Die Farbe ist erstmal nicht so kreischend, wie man sie von der Aufmachung der Dose vielleicht erwartet hätte. Safran, trübe bis zur Blickdichte, sehr feiner Schaum mit einiger Lebensdauer. Kaum Perlage erkennbar. Der Geruch dagegen dreht den Lautstärkeregler schon hoch – direkt beim Öffnen der Dose ist dieser überwältigend. Tolle, dichte, fast schon tastbare Aromen von Banane, Mango, Papaya und Zitrone. Ein würzig-harziger Unterton gibt Komplexität.

Auch im Geschmack wird kein Blatt vor den Mund genommen. Das Ruination ist sehr bitter schon im Antrunk, trotz des cremigen Mundgefühls. Im Geschmack ist es weniger Obst als vielmehr Gemüse, das alles trägt – Brokkoli, Blumenkohl, Gurke. Sehr ungewohnt, aber gar nicht unangenehm. Die Bittere dominiert natürlich auch im Verlauf alles, da ist es schwer, dagegen anzukommen. Da ist vielleicht noch Mango und Papaya, aber kaum mehr Zitroniges. Nur wenig Süße ist vorhanden, eine kantige Säure dafür schon, die für Rezenz sorgt. 8,5% Alkoholgehalt sind dann noch eine Hausmarke, die beachtet werden sollte. Der Abgang ist aromatisch kurz, von der Bittere gesehen aber sehr lang. Die gemüsig-herzhafte Komponente bleibt vorhanden, mit der das Ale dezent ausschwingt.

Das ist viel extremer in jeder Beziehung als das Arrogant Bastard Ale, das dagegen fast zahm und konventionell wirkt. Für meinen Geschmack ist das übertrieben und sehr eindimensional bitter – das kann man ab und an trinken, aber wirklich oft brauche ich diese Kante nicht. Die Dose ist schon fast komisch lyrisch – „Schönheit und Poesie, A Liquid Poem“? Nur, wenn man Rammstein für Dichtkunst hält.

Brewbaker Berliner Handwerksbrauerei Titel

Ick freu mir wie Bolle über Jeschenke – Brewbaker Berliner Blut, Berliner Nacht und Berliner Art

Wir Blogger tauschen uns gerne aus über unsere Themengebiete. Ich habe Alice Wunder vom Blog meinedrogenpolitik als fachkundigen und unterhaltsamen Gegenpart in vielen Diskussionen kennengelernt, und einmal einen Artikel auf jenem Blog als Gastbeitrag veröffentlicht. Die „Entlohnung“ dafür, eigentlich mehr ein kleines Freundschaftsgeschenk,  waren 3 Flaschen Berliner Craftbieres, die ich hier nun besprechen will. Im Sinne der Bloggerpartnerschaft gebe ich allerdings die Ehre der Einleitung nun an Alice Wunder weiter.

Brewbaker Craftbeer begegnete mir zum ersten mal bei einem Besuch in der Arminius-Markthalle vor fünf oder sechs Jahren. Dort standen die Braukessel von Brewbaker und es gab vom Faß Berliner Nacht, ein Imperial Stout. Ich hatte beiläufig vom Trend des handwerklichen Brauens gelesen, aber darüber hinaus keine Ahnung, was an einem Stout besonders kaiserlich sein sollte. Aber ich mochte britisches Schwarzbier ab und zu mal gern, beim Irlandurlaub hatte ich gelernt, daß Stout eine schöne Abwechslung sein kann, um die Zeit zwischen Tee und erstem Whiskey zu überbrücken. Das Berliner Imperial Stout aber war für mich ein Erweckungserlebnis, das könnte ich gerne jeden Tag trinken und dafür lebenslang auf Schwarztee und Whiskey verzichten. Bitter, teerig, staubtrocken und dabei samtig, sahnig und sättigend, wie ein Getreidemüsli. Und schnell auf nüchternen Magen weggezischt, macht ein halbes Glas dank 9% Alkohol weiche Knie im Sitzen.
Beim Trinken erhielt ich noch eine kurze Einführung in Bierkultur. Ich war Michael Schwab, einem Braumeister auf Heimatsuche, begegnet. Die eigenen Kessel sind des Brauers Heiligtum, leidenschaftlich schimpfte er auf Großindustrie und verächtlich blickte er auf Kuckucksbrauer herab. Inzwischen weiß ich auch warum: Der Herr über die Brauerei bestimmt die Hefe. Wer als Gast braut, darf Körner und Bitterkräuter mitbringen, soviel er will, aber niemals den heimischen Hefestamm durch fremde Kulturen infizieren. Früher, als jedes Dorf seine Brauerei und jede Brauerei ihren Hefestamm hatte, schmeckte jedes Bier individuell. Die heutigen Großbrauereien, die ihre Kulturen aus zentralen Zuchten beziehen, sind damit Verbreiter der Eintönigkeit. Die Eigenständigkeit aber hat ihren Preis. Die eigene Brauerei, inzwischen ein paar Straßen weiter in eigener Halle, erzeugt keine großen Mengen, aber macht viel Arbeit. Da blieb auch nicht viel Zeit, sich mit geschicktem Marketing auf der anrollenden Craftbeer-Welle zu positionieren.
Brewbaker ist ein wenig ein Geheimtipp geblieben, wenn frische Ware beim Dealer in der Nachbarschaft eintrifft, sind die Kisten schnell leergekauft. Denn ich – und etliche andere Moabiter – halten Brewbaker für eine der besseren Handwerksbrauereien in Deutschland. Die Produkte haben einen unverwechselbaren Charakter, immer sehr herb, sozusagen bierernst, im Gegensatz zu fast schon frivol fruchtigen, amerikanischen Ales. Aber genauso hochwertig und komplex. Ich würde sagen, Brewbaker-Biere schmecken immer sehr deutsch, man kann die meisten Kreationen auch in einem Haushalt mit Kindern offen herumstehen lassen, ohne den Jugendschutz zu vernachlässigen. Die stärkeren Biere schmecken mir besser, denn sie haben ein Fundament, das den Hopfenangriff abfedert. Damit entlarve ich mich als Laie und reiner Genußtrinker, denn überregionales Lob bekam Brewbaker für seine Berliner Weisse, ein beeindruckendes Bier, das aber für mich ganz klar zu sauer und zu schwach ist.

 

Danke, Alice Wunder, sowohl für das Bier als auch die einleitenden Worte. Nun aber zügig ans Eingemachte! Wir haben schließlich was vor heute – Brewbaker Berliner Blut Double Smoked Red Ale, das schon von Alice Wunder angesprochene Berliner Nacht Imperial Stout und das Berliner Art Double IPA wollen verkostet werden!

Brewbaker Berliner Blut, Berliner Nacht und Berliner Art

Wir beginnen die Verkostung mit dem, was mir vom Namen und Bierstil her am meisten Spannung versprach – dem Berliner Blut. Dabei handelt es sich um ein Double Smoked Red Ale mit 9% Alkoholgehalt und üppigen 50 Bittereinheiten. Uns begrüßt nach dem Eingießen ein superfeiner Schaum, der eine lange Ausdauer aufweist. Man sieht die namensgebende schöne rotbraune Farbe, die nach einem Schwall Satz am Ende (ich gehe davon aus, dass es sich um Hefe handelt) fast völlig blickdicht ist, und in der man die leichte Perlage schön erkennen kann.

Spannend geht es in der Nase weiter – ein wilder Mix aus scheinbar nicht zusammenpassenden Aromen von Zitrone, Hefe, Essig und Ketchup wird ergänzt durch einen hintergründigen Rauchanklang.

Brewbaker Berliner Blut Double Smoked Red Ale

Hm, das gefällt schonmal soweit, doch der wahre Woweffekt tritt dann erst beim ersten Schluck auf, da ist eine Überraschung vorprogrammiert. „Sehr rauchig“ fällt mir als erster Eindruck ein, nicht arg viel weniger salzig, speckig, essigsauer, würzig, bitter, trocken. Da gibt es richtig viel zu entdecken, eine Wohltat bei Bier, das sich sonst eher möglichst massengenehm präsentiert. Dazu kommt eine hintergründige Süße, die in Kombination mit den Voreindrücken dafür sorgt, dass das Berliner Blut sehr komplex und vielschichtig wirkt. Vollmundig, cremig im Mundgefühl, und dabei doch sehr rezent.

Im mittellangen Abgang wird es dann noch extrem trocken, rauchig, holzig, würzig. Man merkt, es gefällt mir: Ein superspannendes Bier, endlich mal wieder eins, das mich nach viel mäßig begeisterndem Zeug, das ich in letzter Zeit im Glas hatte, tatsächlich überrascht hat.

Ich hoffe ja, dass Brewbaker auf diesem sehr hohen Startniveau weitermachen kann. Drum gehe ich mit großen Erwartungen zum nächsten Bier über, dem Berliner Nacht, einem Imperial Stout mit 9% Alkoholgehalt.

Auch hier sehe ich zunächst die tolle Schaumentwicklung. Sehr dunkler Schaum, feinporig. Vollkommen blickdicht („nachtschwarz“ steht auf dem Etikett, das passt, genauso wie der Name Berliner Nacht). Leichte, sehr langsame Perlage, man kann die Perlen gemütlich aufsteigen sehen. Süßwürzig ist es vom Geruch her. Sehr fruchtig, nach Ananas und Papaya. Stiltypisch dann natürlich Cappucino, Kakao und Röstmalz. Unterschwellig Süßholz und etwas milder Speck. Ein Hauch von Rauch.

Brewbaker Berliner Nacht Imperial Stout

Im Mund ist der rauchige Geschmack im Antrunk dann deutlicher. Und für ein Imperial Stout kommt eine höchstüberraschende, ausgesprochen starke Zitronensäure dazu, die das Bier sehr rezent und frisch macht, wenn auch vielleicht etwas stiluntypisch ist. Diese extreme Säure überdeckt auch sonst beinahe alles andere, was an Aromatik vorhanden ist, und drückt die eher zu erwarteneden Aromen in den Abgang. Immerhin schafft sie es nicht, das cremige Mundgefühl zu plätten. Jener Abgang ist sehr trocken, bitter (50 IBU sind eine Hausnummer) und immer noch kräftig sauer, doch man erahnt nun wenigstens die Röstaromen. Ein Hauch Kokosfleisch fliegt am Ende noch mit durch die Nacht.

Erneut: Sehr überraschend. Dabei bin ich nicht ganz so enthusiastisch wie beim Vorgänger; diese superpräsente Zitronigkeit wirkt überwältigend und unausgewogen. Schade, dass die sehr komplexe Nase sich nicht ins Bier transportiert.

Aller guten Dinge sind drei, und Brewbaker hat daher auch noch ein Double IPA, wie schon beide anderen Biere auch mit 9% Alkohol eingebraut, im Angebot. Das Berliner Art weist auf dem Etikett die höchst erstaunliche Angabe von 120 IBU auf, das ist schon etwas Angeberei, jeden IBU-Wert, der über 100 ist, sollte man mit einem gewissen Zweifel betrachten.

Brewbaker Berliner Art Double IPA

Noch deutlicher als zuvor ist hier die extreme Schaumentwicklung, nach Ziehen des Kronkorkens quillt es schon über; beim Eingießen ins Glas bestand der erste Schuss rein aus Schaum, mit entsprechender Vorsicht ist dieses Bier zu behandeln. Immerhin: Superüppiger, großblasiger Schaum. Starke Perlage. Farblich dunkles Gold, mit deutlicher Trübung.

Ich rieche ihn in letzter Zeit bei Bier häufig, diesen metallischen Geruch. Hier ist er dominant, begleitet, von Grapefruitschale, Zitrone und Banane. Ein erster Schluck aus dem Glas, in dem die Flasche wegen des Schaums noch nicht komplett eingegossen war: Sehr sauer, extrem sauer eigentlich schon, Limette, Grapefruit. Gießt man den Rest der Flasche, insbesondere den Bodensatz, noch ein, mildert sich das ganze. Das Mundgefühl ist nun cremig und weich, die extreme Säure wird durch einen vollen, süßlichen Körper ersetzt. Die Aromen von Grapefruit und Limette sind noch da, werden aber durch Bananengeschmack und Kümmelnoten aufgefangen. Leicht rauchige Noten. Für manche bitteren Biere wird empfohlen, den Bodensatz nicht einzugießen; bei diesem Bier muss es definitiv sein.

Der Abgang ist sehr lang, sehr trocken, superbitter, stark adstringierend. Der Kümmel kommt stärker vor. Auf dem Etikett steht: „Ein Bier wie Berlin: Es ist großmäulig. Laut. Direkt. Intensiv.“, gefolgt von anderen mehr oder wenig schmeichelhaften Adjektiven, die die Intensität des und der Berliner Art ausdrücken sollen. Es passt irgendwie.

Was halte ich als Fazit für alle drei Biere fest? Das ist verdammt spannendes Zeug. In einer Zeit, in der selbst viele selbsternannte Craft-Biere sich dem Massengeschmack annähern, braucht es so mutige, unkonventionelle und vielleicht auch gewöhnungsbedürftige Produkte wie die von Brewbaker. Dass sie neben dem tollen Geschmackserlebnis noch witzig, aber nicht überdreht aufgemacht sind, und zu guter letzt sogar noch ein Biosiegel tragen, krönt das Ganze. Alice Wunder, ich will mehr davon.

Maisel & Friends Black IPA Titel

Kurz und bündig – Maisel & Friends Black IPA

Sie sind rührig und ruhen sich nicht auf ihren Lorbeeren aus, die Brauer bei Maisel & Friends. Der neueste Streich, der vor kurzem in mein Postfach flatterte, hat mich aber noch mehr überrascht, als es die vorigen Biere getan haben – die Aufmachung des Maisel & Friends Black IPA ist schon ein echter Knaller, das dunkelrot-schwarze Etikett mit einem Seemannstotenschädel mit Pfeife im zahnfleischlosen Mund gefällt mir wirklich gut. Mal schauen, ob das Bier was taugt, oder ob sich mir beim Trinken auch ähnlich das Zahnfleisch wegzieht…

Maisel & Friends Black IPA Flasche

Ein Bier, das sich Black IPA nennt, darf farblich nicht mit goldgelb oder blassrosa überraschen, und das tut es hier auch nicht. Es hat sogar schon etwas porter- oder schwarzbierhaftes an sich, ist dabei nicht blickdicht. Man erkennt feine Perlage und wenig Schaum, letzterer ist eine schöne Mischung aus großen und feinen Blasen.

Im Geruch ist es trotz der dunklen Farbe sehr hopfig, hier macht sich der zweite Teil des Namens bemerkbar (Herkules, Topaz, Callista und Vic Secret sind im Einsatz), mit milder, beerenlastiger Frucht. Doch die Dunkelheit ist nicht rein optischer Natur – da sind malzig-süßliche Töne, Schokoladenkuchen, ein Anflug von Kaffeepulver.

Eine würzig-süße Grundlage ist bereits beim Antrunk, der noch hopfenfruchtig und fesch zitronig daherkommt, vorhanden; erstere nimmt dann mehr und mehr Raum ein, bis der dunkle Malzcharakter den Hopfen komplett verdrängt hat. Schnittige Säure und kräftige Karbonisierung bedeuten dabei aber doch erfrischende Rezenz, und die deftige Bittere von 58 IBU lässt den Gaumen kribbeln, ohne dabei die Cremigkeit des Mundgefühls aufzugeben. Mit 7,9% Alkoholgehalt bewegen wir uns im sortentypischen Rahmen. Im Abgang ist das Maisel & Friends Black IPA erkennbar salzig und würzig, mittellang, mit leichten Rauchanflügen, sowie sehr trocken.

Maisel & Friends Black IPA Glas

Das Etikett wirbt mit einer „Geschmacks-Achterbahn“ – ja, das trifft es recht gut, da ist von allem was dabei, mit wilden Wechseln in hoher Geschwindigkeit, und persönlich brauche ich dennoch nichtmal eine Kotztüte, die sonst in Achterbahnfahrten und ähnlichem für mich unerlässlich ist. Ein interessantes Experimentalbier mit viel Überraschungspotenzial.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kostenlose, unaufgeforderte Zusendung einer Flasche des Black IPA.

Maisel & Friends Sondersude 2017 Titel

Kurz und bündig – Maisel & Friends Hopfenreiter 2017 und Hopfenbock

Ich hatte eine kleine Phase die letzten paar Wochen, in denen aromahopfenbetonte Biere kaum eine Rolle spielten – malzige Biere und klassische Bitterhopfenbiere waren mein täglich Brot. Um so erfreulicher, dass nun mit dem Maisel & Friends Hopfenreiter 2017 sowie dem Hopfenbock zwei Exemplare einen Weg in mein Glas gefunden haben, die diese schmerzliche Lücke füllen könnten. Ohne große Vorrede schauen wir uns die Biere mal detailliert an.

Maisel & Friends Sondersude 2017 Flaschen

Beginnen wir mit dem Hopfenreiter 2017. Das Double IPA mit 8,5% ist der zweite sogenannte Freundschaftssud, der bei Maisel & Friends mit Hilfe anderer Brauer hergestellt wird. Diesmal beteiligt sind Hoppebräu (mit dem Aromahopfen Vic Secret), Schanzenbräu (Callista), Brewage (Chinook), Brlo (Comet), Jopen (HBC431) sowie die Hausherren (Mosaic). Den ersten Hopfenreiter 2016 fand ich schon sehr trinkbar, wie siehts aus mit Version 2017?

Sehr starke, ausdauernde Perlage im schönen, opalisierenden Senfgold sorgt für feinen Schaum, der sich ebenso langlebig zeigt. Die Nase erinnert an ein Marmeladenglas. Sehr mild, üppig und dicht. Mildes Fruchtbouquet, Himbeeren, Mango, Banane, Birne. Leichter Kräuterunterbau, Thymian und Lavendel. Sehr rund und attraktiv.

Maisel & Friends Hopfenreiter 2017

Der Antrunk weist eine gelungene süß-sauer Balance mit vielen Fruchteindrücken auf. Wie zu erwarten: Aromahopfen in allen Schattierungen. Einerseits ein supercremiges, extrem dichtes Mundgefühl, andererseits eine etwas zurückhaltende Rezenz. Abgang erwartungsgemäß sehr trocken, sehr bitter, lang und malzig. Säure übernimmt etwas. Leicht pfeffrig.

Fazit: Gefällt mir sehr gut, vor allem die Nase ist höchstspektakulär. Auch ein idealer Essensbegleiter für thailändisches Essen, kann dem gut Paroli bieten und ergänzt die Aromatik, was man nicht von jedem Bier behaupten kann.

Nächster Schritt: Der Hopfenbock. Ein Bockbier mit 7,6% Alkoholgehalt und 35 Bittereinheiten. Die verwendeten Aromahopfen sind Bravo und Ella. Nur leicht trüb, starkes Mousseux, feiner, aber dünner Schaum. Fast schon Sonnenblumengelb.

Maisel & Friends Hopfenbock

Zitrus ist der erste Eindruck beim Riechen. Der erste Duft verfliegt aber, und dann neutralisiert sich der Geruch der ersten Attacke etwas. Es bleibt eine angenehme, dezente Hopfigkeit. Blumig, kräuterig.

Weich und rund im Antrunk, im Verlauf schlagen die 35 IBU dann zu, ohne aber eckig zu wirken. Süß, aber sehr angenehme Rezenz durch die Kombination aus hohem Karbonisierungsgrad und frischen Hopfenaromen. Schmeckt insgesamt sehr obertönig, es ist zwar sicher genug Körper da, aber die Hopfenbetonung scheint mir  dem stiltypisch erwarteten Malz etwas die Möglichkeit zu rauben, eine profunde Tiefe zu geben. Der Abgang ist kurz, adstringierend, knackig. Ich muss mir ins Gedächtnis rufen, dass wir hier kein IPA vor uns haben – es geht aber aromatisch schon deutlich in diese Richtung.

Auch hier zeigt sich, warum Maisel & Friends eine Bank sind, wenn es um unprätenziöse aber dennoch leckere Biere geht: Ein wirklich schönes Getränk, ideal für den Frühling und den Sommer.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kostenlose, unaufgeforderte Zusendung von je einer Flasche des Hopfenreiters 2017 und des Hopfenbocks.

Crew Republic Drunken Sailor IPA Titel

What shall we do with the CREW Republic Drunken Sailor IPA?

Es war der schwärzeste Tag in der Geschichte der britischen Marine. Nein, wir reden nicht über Medway (1667) oder Cartagena Las Indias (1741), sondern über den 31. Juli 1970, ein Tag so schlimm, dass er als Black Tot Day von britischen Seeleuten bis heute betrauert wird: An diesem Tag wurde die tägliche Rum-Ration auf Kriegsschiffen abgeschafft.

Tatsächlich war der Alkohol trotz der unzweifelhaften Erfolge der Royal British Navy wohl wirklich ein Problem auf den Kriegsschiffen, so dass der daily tot von einer halben Pinte auf ein Viertel und schließlich sogar auf ein Achtel reduziert wurde, bevor man sich dazu durchrang, ihn ganz einzusparen. Ein interessantes Detail dabei – die ursprüngliche Ration an Alkohol bestand aus einer Gallone (viereinhalb Liter!) Bier; der Alkohol diente dazu, die schlechte Trinkwasserqualität auf Schiffen zu bekämpfen. Heutzutage müssen wir uns darüber kaum mehr Sorgen machen, und können uns Biere wie das CREW Republic Drunken Sailor IPA, das zumindest vom Namen her an die gute alte Zeit der täglichen Alkoholration erinnert, in der Freizeit zuführen, auch wenn es natürlich immer noch ein spannender Incentive in Firmen sein könnte.

Crew Republic Drunken Sailor IPA Flasche

Was sollen wir mit dem betrunkenen Seemann nun tun? Wir stecken ihn ins Glas und schauen ihm erstmal nur zu. Naturtrüb in leichtem Kupfer; wenig Perlage, Sehr feiner, cremiger und langlebiger Schaum. Der allererste Geruchseindruck ist schonmal ungewöhnlich: Basilikumpesto und Olivenöl. Sellerie. Daneben, wie IPA üblich erstmal der Fruchtkorb: Grapefruit, Honigmelone, Nektarine. Eine malzig-würziger Unterton. Ein sehr breites Spektrum.

Auch im Mund ist Basilikum der erste Eindruck. Auch der zweite. Das ist ein Pesto-Genovese-Bier. Die gemüsigen Komponenten überwiegen auch hier, begleitet von etwas überreifer Grapefruit und Nektarine, im Gegensatz zu vielen anderen IPAs sind die Zitrusaromen aber deutlich reduziert. Weiches Mundgefühl, und trotz der für ein Ale hohen Karbonisierung nicht übermäßig rezent, daher ein eher mittlerer Erfrischungsfaktor.

Im Abgang sehr würzig, erkennbar salzig, trocken und deftig bitter, dabei noch extrem adstringierend. die Zungenspitze bleibt eine Weile betäubt, die Bitterkomponenten sehr lang am Gaumen. Ein echtes Seemannsgebräu, in dem man das Meer und die Brise herausschmeckt.

CREW Republic Drunken Sailor IPA Glas

Höchst ungewöhnlich, finde ich. Natürlich ist die Gemüse- und Basilikumkompoente gut in das Gesamtbild eingebunden, daher ist „ungewöhnlich“ hier im Sinne von „spannend und lecker“ zu verstehen, nicht als kleinen Bruder von „schlecht“. Der Rest in reinen Zahlen liest sich dann auch schon wieder bekannt für die Freunde des India Pale Ales: 6,4% Alkohol, 58 IBU, Herkules, Citra, Cascade, Simcoe als Hopfen- und Pilsener, Münchner und Karamellmalz als verwendete Malzsorten sorgen scheinbar in Kombination für die interessante Geschmacksbildung. 0,33l sind im gutsortierten Handel für 2,00€ erhältlich.

Ich glaube, es gibt kein Bier, das sich besser für die Vermischung in einem American Ti Punch eignet als das CREW Republic Drunken Sailor IPA. Die gemüsigen Noten passen perfekt zum herbal-vegetalen Charakter eines weißen rhum agricole, so dass ein wirklich runder Biercocktail entsteht. Dazu ist er mit den unterschiedlichen Dichten der beiden Komponenten auch optisch ein Hingucker; das Schichten ist einfacher, als man zunächst denken mag, es erfordert nur eine ruhige Hand, den Rest erledigen die Flüssigkeiten und die Physik von selbst.

American Ti Punch


American Ti Punch
1 oz weißer Rhum agricole (z.B. La Mauny 50°)
¾ oz Limettensaft
½ oz Zuckersirup
1½ oz hopfenfruchtiges Bier (z.B. CREW Republic Drunken Sailor IPA)
Alle Zutaten auf Eis rühren.
[Rezept nach Moritz Niederstrasser und Matthias Ingelmann]


Schon diverse andere Crew-Republic-Biere, wie das 7:45 Escalation Double IPA oder das Roundhouse Kick Imperial Stout, haben mich sehr überzeugt. Das Drunken Sailor IPA reiht sich nahtlos in diese positive Erfahrungsreihe ein – ich freue mich sehr, dass mein lokaler Getränkemarkt dieses Bier nun ins (zumindest vorläufige) Dauerangebot aufgenommen hat und ich es öfters genießen kann, ohne große Internetbestellungen tätigen zu müssen. Und ich werde es in Zukunft zu jedem Black Tot Day zusammen mit einer Viertelpinte Rum eingießen, um auf vergangene Traditionen anzustoßen.

Leffe Royale Houblon Cascade IPA Titel

Hopfen im Scheinwerferlicht – Leffe Royale Houblon Cascade IPA

IPA oder India Pale Ale, bis heute der Bierstil-Vorreiter der Craftbierwelle hier in Deutschland, wird von so einigen Bierprogressiven inzwischen als langweilig und verbraucht angesehen. Das blasse Indien-Obergärige hat aber auch einen harten Weg hinter sich, es musste sich so allerlei Brutalitäten gefallen lassen – der IBU-Wahnsinn von über 100 Bittereinheiten war ein Ausdruck der verzweifelten Suche nach gewaltsamer Neuinterpretation. Dann reichte auch ein einzelner Aromahopfen schnell nicht mehr aus, es mussten zwei, drei, vier oder noch mehr Hopfensorten gleichzeitig her, damit man noch im Gespräch blieb. So verbrennt man auf die Dauer einen ehrenwerten alten Bierstil im Feuer der modernen Bart-Craft-Hippigkeit.

Tatsächlich gehen daher einige Brauer nun den Weg wieder zurück. Die Kehrwieder Kreativbrauerei beispielsweise braut nun Single-Hop-Biere, also solche, die mit nur einem Aromahopfen auskommen, und diesem so zu bisher ungekannter Expressivität verhelfen – der Hopfen kann sich in seiner ganzen Pracht zeigen, ohne mit seinen Kollegen konkurrieren zu müssen. Weitere Unterstützung für dieses Unterfangen, einzelne Hopfensorten auf den roten Teppich zu stellen statt ein Konglomerat, kommt aus Belgien. Die Traditionsbrauerei Leffe bietet unter der Signatur Leffe Royale Biere an, die mit nur einem ausgewählten Aromahopfen kaltgehopft wurden. Eines davon ist das Leffe Royale Houblon Cascade IPA (Houblon ist französisch für Hopfen). Werfen wir einen Blick auf den Versuch, dem nordamerikanischen Cascade-Hopfen, gewiss einem der wichtigsten und bekanntesten Vertreter seiner Pflanzengattung, seinen Moment im Scheinwerferlicht zu gönnen.

Leffe Royale Houblon Cascade IPA Flasche

Im Glas weist das Leffe IPA eine kristallklare, schöne, sehr ansprechende goldene Farbe auf. Kräftige Perlage, grober, leider nur kurzlebiger Schaum. Optisch schonmal eine Sensation, die in meinem aus dem Griechenland-Urlaub mitgebrachtem Mythos-Kelch herrlich zur Geltung kommt. Leicht zitronig riecht das Bier, nach Hefe und Brause. Sehr frisch und leicht, helltönig und klar. Erkennbar blumig, Jasmin würde ich mal behaupten.

Blumig und hell ist dann auch der Geschmack, Jasmin und vielleicht Rosen sind ungewohnt für ein IPA, auch, dass man dafür kaum Fruchtnoten bekommt, etwas Apfel und Kiwi ist das höchste der Gefühle. Die wuchtige Süße, die man vom Leffe Blonde vielleicht schon kennt, ist auch hier vorhanden; mit Aufenthaltsdauer des Biers im Mund läuft eine milde Würze nach. Es ist kaum bitter, weist aber einen sehr dichten, voluminösen Körper mit seidigem Mundgefühl auf. Die mittlere Rezenz sorgt, trotz der hohen Karbonisierung, für einen eher mäßigen Erfrischungsfaktor.

Ich schmecke als Ausgleich dafür einen mittellangen Abgang mit viel Charakter. Auch hier meint man, eine blumig-kräuterige Note herauszuspüren. Das, was mich schon beim Leffe Blonde gestört hat, ist auch hier vorhanden – das etwas pappig-süße Nachgefühl im Mund. Dennoch bleibt mir als Fazit – ein schönes, feines Bier für Leute mit Hang zum Süßen, jedenfalls kein sehr bierstiltypisches IPA, wenn man es überhaupt so nennen darf oder kann. Und auch kein Durststiller, mehr ein nachdenklicher Schluck zum Sinnieren.

Leffe Royale Houblon Cascade IPA Glas

Das Standard-Leffe Blonde hat 6,6%, darauf wurde für das Royale nochmal ein knappes königliches Prozent draufgeschlagen – 7,5% Alkohol sorgen für ordentlichen Bums, den man aber nur später spürt, nicht schmeckt. Zum Glück sind meine Proben auch in 33cl-Fläschchen abgefüllt, da bremst man sich automatisch, das Royale ist aber auch in 750ml-Sektflaschen erhältlich.

Das schöne, grün-schwarz-goldene Design voller Hopfendolden inspiriert mich zu einem Ausflug in die Natur. Natürlich bildlich gesprochen, mit meinem zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels gebrochenen Fuß hab ichs nicht so mit Laufen. Ich brauche aber hin und wieder eine Erinnerung an die Welt da draußen, und so simuliere ich so ein Erlebnis mit einem Biercocktail, dem Waldgeist. Das Leffe Royale ist ideal dafür geeignet, mit seinem kräftigen Körper bietet es eine tolle Kulisse, vor der Fichtennadelgeist, Scotch und Verjus (ein saurer Traubensaft, erinnernd an milden Essig) ihren Waldspaziergang genießen können.

Waldgeist


Waldgeist
½ oz Blended Scotch Whisky (oder z.B. Nikka From the Barrel)
½ oz Fichtensprossengeist (z.B. von Faude Feine Brände)
1 TL Zuckersirup
¾ oz Verjus
…auf Eis shaken, dann aufgießen mit…
hellem, aber würzigen Bier (z.B. Leffe Royale Cascade IPA)
[Rezept nach Moritz Niederstrasser und Matthias Ingelmann]


Das Vierertragerl war erhältlich für 6€ in einem französischen Supermarkt hier bei mir an der deutschfranzösischen Grenze. Das Tragerl ist noch bedruckt mit einigen, leider meist recht belanglosen Informationen. Immerhin erfährt man hier noch, wenn man des Französischen mächtig ist, dass das Leffe Royale eine Kalthopfung erfährt, und was der Unterschied zwischen Warm- und Kalthopfung ist. Eine empfohlene Trinktemperatur von 8-10° ist angegeben. Den Schreibfehler „Indian Pale Ale“, der auch auf dem Flaschenetikett wiederholt wird, will ich mal großzügig übersehen, obwohl sowas einem Brauer von Welt nicht passieren dürfte.

Leffe Royale Houblon Cascade IPA Tragerl

Andere Royale-Sorten sind ebenso erhältlich, sie bilden fast schon eine Reise um die Welt ab: mit den Single-Hop-Bieren auf Basis von Whitbread Golding (Großbritannien), Mapuche (Argentinien) und Crystal (USA) haben wir hier ein wahrhaft internationales Gespann belgischen Bieres vor uns. Ich halte jedenfalls Ausschau nach diesen Sorten und bin gespannt, ob diese dann ihrem angepriesenen Bierstil gerechter werden als dieses Pseudo-IPA, und ob der Hopfen in ihnen mehr Chancen gegen die wuchtige Bierbasis des Leffe haben wird als der arme, etwas untergehende Cascade in diesem Bier.