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Maisel & Friends Sondersude 2017 Titel

Kurz und bündig – Maisel & Friends Hopfenreiter 2017 und Hopfenbock

Ich hatte eine kleine Phase die letzten paar Wochen, in denen aromahopfenbetonte Biere kaum eine Rolle spielten – malzige Biere und klassische Bitterhopfenbiere waren mein täglich Brot. Um so erfreulicher, dass nun mit dem Maisel & Friends Hopfenreiter 2017 sowie dem Hopfenbock zwei Exemplare einen Weg in mein Glas gefunden haben, die diese schmerzliche Lücke füllen könnten. Ohne große Vorrede schauen wir uns die Biere mal detailliert an.

Maisel & Friends Sondersude 2017 Flaschen

Beginnen wir mit dem Hopfenreiter 2017. Das Double IPA mit 8,5% ist der zweite sogenannte Freundschaftssud, der bei Maisel & Friends mit Hilfe anderer Brauer hergestellt wird. Diesmal beteiligt sind Hoppebräu (mit dem Aromahopfen Vic Secret), Schanzenbräu (Callista), Brewage (Chinook), Brlo (Comet), Jopen (HBC431) sowie die Hausherren (Mosaic). Den ersten Hopfenreiter 2016 fand ich schon sehr trinkbar, wie siehts aus mit Version 2017?

Sehr starke, ausdauernde Perlage im schönen, opalisierenden Senfgold sorgt für feinen Schaum, der sich ebenso langlebig zeigt. Die Nase erinnert an ein Marmeladenglas. Sehr mild, üppig und dicht. Mildes Fruchtbouquet, Himbeeren, Mango, Banane, Birne. Leichter Kräuterunterbau, Thymian und Lavendel. Sehr rund und attraktiv.

Maisel & Friends Hopfenreiter 2017

Der Antrunk weist eine gelungene süß-sauer Balance mit vielen Fruchteindrücken auf. Wie zu erwarten: Aromahopfen in allen Schattierungen. Einerseits ein supercremiges, extrem dichtes Mundgefühl, andererseits eine etwas zurückhaltende Rezenz. Abgang erwartungsgemäß sehr trocken, sehr bitter, lang und malzig. Säure übernimmt etwas. Leicht pfeffrig.

Fazit: Gefällt mir sehr gut, vor allem die Nase ist höchstspektakulär. Auch ein idealer Essensbegleiter für thailändisches Essen, kann dem gut Paroli bieten und ergänzt die Aromatik, was man nicht von jedem Bier behaupten kann.

Nächster Schritt: Der Hopfenbock. Ein Bockbier mit 7,6% Alkoholgehalt und 35 Bittereinheiten. Die verwendeten Aromahopfen sind Bravo und Ella. Nur leicht trüb, starkes Mousseux, feiner, aber dünner Schaum. Fast schon Sonnenblumengelb.

Maisel & Friends Hopfenbock

Zitrus ist der erste Eindruck beim Riechen. Der erste Duft verfliegt aber, und dann neutralisiert sich der Geruch der ersten Attacke etwas. Es bleibt eine angenehme, dezente Hopfigkeit. Blumig, kräuterig.

Weich und rund im Antrunk, im Verlauf schlagen die 35 IBU dann zu, ohne aber eckig zu wirken. Süß, aber sehr angenehme Rezenz durch die Kombination aus hohem Karbonisierungsgrad und frischen Hopfenaromen. Schmeckt insgesamt sehr obertönig, es ist zwar sicher genug Körper da, aber die Hopfenbetonung scheint mir  dem stiltypisch erwarteten Malz etwas die Möglichkeit zu rauben, eine profunde Tiefe zu geben. Der Abgang ist kurz, adstringierend, knackig. Ich muss mir ins Gedächtnis rufen, dass wir hier kein IPA vor uns haben – es geht aber aromatisch schon deutlich in diese Richtung.

Auch hier zeigt sich, warum Maisel & Friends eine Bank sind, wenn es um unprätenziöse aber dennoch leckere Biere geht: Ein wirklich schönes Getränk, ideal für den Frühling und den Sommer.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kostenlose, unaufgeforderte Zusendung von je einer Flasche des Hopfenreiters 2017 und des Hopfenbocks.

Crew Republic Drunken Sailor IPA Titel

What shall we do with the CREW Republic Drunken Sailor IPA?

Es war der schwärzeste Tag in der Geschichte der britischen Marine. Nein, wir reden nicht über Medway (1667) oder Cartagena Las Indias (1741), sondern über den 31. Juli 1970, ein Tag so schlimm, dass er als Black Tot Day von britischen Seeleuten bis heute betrauert wird: An diesem Tag wurde die tägliche Rum-Ration auf Kriegsschiffen abgeschafft.

Tatsächlich war der Alkohol trotz der unzweifelhaften Erfolge der Royal British Navy wohl wirklich ein Problem auf den Kriegsschiffen, so dass der daily tot von einer halben Pinte auf ein Viertel und schließlich sogar auf ein Achtel reduziert wurde, bevor man sich dazu durchrang, ihn ganz einzusparen. Ein interessantes Detail dabei – die ursprüngliche Ration an Alkohol bestand aus einer Gallone (viereinhalb Liter!) Bier; der Alkohol diente dazu, die schlechte Trinkwasserqualität auf Schiffen zu bekämpfen. Heutzutage müssen wir uns darüber kaum mehr Sorgen machen, und können uns Biere wie das CREW Republic Drunken Sailor IPA, das zumindest vom Namen her an die gute alte Zeit der täglichen Alkoholration erinnert, in der Freizeit zuführen, auch wenn es natürlich immer noch ein spannender Incentive in Firmen sein könnte.

Crew Republic Drunken Sailor IPA Flasche

Was sollen wir mit dem betrunkenen Seemann nun tun? Wir stecken ihn ins Glas und schauen ihm erstmal nur zu. Naturtrüb in leichtem Kupfer; wenig Perlage, Sehr feiner, cremiger und langlebiger Schaum. Der allererste Geruchseindruck ist schonmal ungewöhnlich: Basilikumpesto und Olivenöl. Sellerie. Daneben, wie IPA üblich erstmal der Fruchtkorb: Grapefruit, Honigmelone, Nektarine. Eine malzig-würziger Unterton. Ein sehr breites Spektrum.

Auch im Mund ist Basilikum der erste Eindruck. Auch der zweite. Das ist ein Pesto-Genovese-Bier. Die gemüsigen Komponenten überwiegen auch hier, begleitet von etwas überreifer Grapefruit und Nektarine, im Gegensatz zu vielen anderen IPAs sind die Zitrusaromen aber deutlich reduziert. Weiches Mundgefühl, und trotz der für ein Ale hohen Karbonisierung nicht übermäßig rezent, daher ein eher mittlerer Erfrischungsfaktor.

Im Abgang sehr würzig, erkennbar salzig, trocken und deftig bitter, dabei noch extrem adstringierend. die Zungenspitze bleibt eine Weile betäubt, die Bitterkomponenten sehr lang am Gaumen. Ein echtes Seemannsgebräu, in dem man das Meer und die Brise herausschmeckt.

CREW Republic Drunken Sailor IPA Glas

Höchst ungewöhnlich, finde ich. Natürlich ist die Gemüse- und Basilikumkompoente gut in das Gesamtbild eingebunden, daher ist „ungewöhnlich“ hier im Sinne von „spannend und lecker“ zu verstehen, nicht als kleinen Bruder von „schlecht“. Der Rest in reinen Zahlen liest sich dann auch schon wieder bekannt für die Freunde des India Pale Ales: 6,4% Alkohol, 58 IBU, Herkules, Citra, Cascade, Simcoe als Hopfen- und Pilsener, Münchner und Karamellmalz als verwendete Malzsorten sorgen scheinbar in Kombination für die interessante Geschmacksbildung. 0,33l sind im gutsortierten Handel für 2,00€ erhältlich.

Ich glaube, es gibt kein Bier, das sich besser für die Vermischung in einem American Ti Punch eignet als das CREW Republic Drunken Sailor IPA. Die gemüsigen Noten passen perfekt zum herbal-vegetalen Charakter eines weißen rhum agricole, so dass ein wirklich runder Biercocktail entsteht. Dazu ist er mit den unterschiedlichen Dichten der beiden Komponenten auch optisch ein Hingucker; das Schichten ist einfacher, als man zunächst denken mag, es erfordert nur eine ruhige Hand, den Rest erledigen die Flüssigkeiten und die Physik von selbst.

American Ti Punch


American Ti Punch
1 oz weißer Rhum agricole (z.B. La Mauny 50°)
¾ oz Limettensaft
½ oz Zuckersirup
1½ oz hopfenfruchtiges Bier (z.B. CREW Republic Drunken Sailor IPA)
Alle Zutaten auf Eis rühren.
[Rezept nach Moritz Niederstrasser und Matthias Ingelmann]


Schon diverse andere Crew-Republic-Biere, wie das 7:45 Escalation Double IPA oder das Roundhouse Kick Imperial Stout, haben mich sehr überzeugt. Das Drunken Sailor IPA reiht sich nahtlos in diese positive Erfahrungsreihe ein – ich freue mich sehr, dass mein lokaler Getränkemarkt dieses Bier nun ins (zumindest vorläufige) Dauerangebot aufgenommen hat und ich es öfters genießen kann, ohne große Internetbestellungen tätigen zu müssen. Und ich werde es in Zukunft zu jedem Black Tot Day zusammen mit einer Viertelpinte Rum eingießen, um auf vergangene Traditionen anzustoßen.

Leffe Royale Houblon Cascade IPA Titel

Hopfen im Scheinwerferlicht – Leffe Royale Houblon Cascade IPA

IPA oder India Pale Ale, bis heute der Bierstil-Vorreiter der Craftbierwelle hier in Deutschland, wird von so einigen Bierprogressiven inzwischen als langweilig und verbraucht angesehen. Das blasse Indien-Obergärige hat aber auch einen harten Weg hinter sich, es musste sich so allerlei Brutalitäten gefallen lassen – der IBU-Wahnsinn von über 100 Bittereinheiten war ein Ausdruck der verzweifelten Suche nach gewaltsamer Neuinterpretation. Dann reichte auch ein einzelner Aromahopfen schnell nicht mehr aus, es mussten zwei, drei, vier oder noch mehr Hopfensorten gleichzeitig her, damit man noch im Gespräch blieb. So verbrennt man auf die Dauer einen ehrenwerten alten Bierstil im Feuer der modernen Bart-Craft-Hippigkeit.

Tatsächlich gehen daher einige Brauer nun den Weg wieder zurück. Die Kehrwieder Kreativbrauerei beispielsweise braut nun Single-Hop-Biere, also solche, die mit nur einem Aromahopfen auskommen, und diesem so zu bisher ungekannter Expressivität verhelfen – der Hopfen kann sich in seiner ganzen Pracht zeigen, ohne mit seinen Kollegen konkurrieren zu müssen. Weitere Unterstützung für dieses Unterfangen, einzelne Hopfensorten auf den roten Teppich zu stellen statt ein Konglomerat, kommt aus Belgien. Die Traditionsbrauerei Leffe bietet unter der Signatur Leffe Royale Biere an, die mit nur einem ausgewählten Aromahopfen kaltgehopft wurden. Eines davon ist das Leffe Royale Houblon Cascade IPA (Houblon ist französisch für Hopfen). Werfen wir einen Blick auf den Versuch, dem nordamerikanischen Cascade-Hopfen, gewiss einem der wichtigsten und bekanntesten Vertreter seiner Pflanzengattung, seinen Moment im Scheinwerferlicht zu gönnen.

Leffe Royale Houblon Cascade IPA Flasche

Im Glas weist das Leffe IPA eine kristallklare, schöne, sehr ansprechende goldene Farbe auf. Kräftige Perlage, grober, leider nur kurzlebiger Schaum. Optisch schonmal eine Sensation, die in meinem aus dem Griechenland-Urlaub mitgebrachtem Mythos-Kelch herrlich zur Geltung kommt. Leicht zitronig riecht das Bier, nach Hefe und Brause. Sehr frisch und leicht, helltönig und klar. Erkennbar blumig, Jasmin würde ich mal behaupten.

Blumig und hell ist dann auch der Geschmack, Jasmin und vielleicht Rosen sind ungewohnt für ein IPA, auch, dass man dafür kaum Fruchtnoten bekommt, etwas Apfel und Kiwi ist das höchste der Gefühle. Die wuchtige Süße, die man vom Leffe Blonde vielleicht schon kennt, ist auch hier vorhanden; mit Aufenthaltsdauer des Biers im Mund läuft eine milde Würze nach. Es ist kaum bitter, weist aber einen sehr dichten, voluminösen Körper mit seidigem Mundgefühl auf. Die mittlere Rezenz sorgt, trotz der hohen Karbonisierung, für einen eher mäßigen Erfrischungsfaktor.

Ich schmecke als Ausgleich dafür einen mittellangen Abgang mit viel Charakter. Auch hier meint man, eine blumig-kräuterige Note herauszuspüren. Das, was mich schon beim Leffe Blonde gestört hat, ist auch hier vorhanden – das etwas pappig-süße Nachgefühl im Mund. Dennoch bleibt mir als Fazit – ein schönes, feines Bier für Leute mit Hang zum Süßen, jedenfalls kein sehr bierstiltypisches IPA, wenn man es überhaupt so nennen darf oder kann. Und auch kein Durststiller, mehr ein nachdenklicher Schluck zum Sinnieren.

Leffe Royale Houblon Cascade IPA Glas

Das Standard-Leffe Blonde hat 6,6%, darauf wurde für das Royale nochmal ein knappes königliches Prozent draufgeschlagen – 7,5% Alkohol sorgen für ordentlichen Bums, den man aber nur später spürt, nicht schmeckt. Zum Glück sind meine Proben auch in 33cl-Fläschchen abgefüllt, da bremst man sich automatisch, das Royale ist aber auch in 750ml-Sektflaschen erhältlich.

Das schöne, grün-schwarz-goldene Design voller Hopfendolden inspiriert mich zu einem Ausflug in die Natur. Natürlich bildlich gesprochen, mit meinem zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels gebrochenen Fuß hab ichs nicht so mit Laufen. Ich brauche aber hin und wieder eine Erinnerung an die Welt da draußen, und so simuliere ich so ein Erlebnis mit einem Biercocktail, dem Waldgeist. Das Leffe Royale ist ideal dafür geeignet, mit seinem kräftigen Körper bietet es eine tolle Kulisse, vor der Fichtennadelgeist, Scotch und Verjus (ein saurer Traubensaft, erinnernd an milden Essig) ihren Waldspaziergang genießen können.

Waldgeist


Waldgeist
½ oz Blended Scotch Whisky (oder z.B. Nikka From the Barrel)
½ oz Fichtensprossengeist (z.B. von Faude Feine Brände)
1 TL Zuckersirup
¾ oz Verjus
…auf Eis shaken, dann aufgießen mit…
hellem, aber würzigen Bier (z.B. Leffe Royale Cascade IPA)
[Rezept nach Moritz Niederstrasser und Matthias Ingelmann]


Das Vierertragerl war erhältlich für 6€ in einem französischen Supermarkt hier bei mir an der deutschfranzösischen Grenze. Das Tragerl ist noch bedruckt mit einigen, leider meist recht belanglosen Informationen. Immerhin erfährt man hier noch, wenn man des Französischen mächtig ist, dass das Leffe Royale eine Kalthopfung erfährt, und was der Unterschied zwischen Warm- und Kalthopfung ist. Eine empfohlene Trinktemperatur von 8-10° ist angegeben. Den Schreibfehler „Indian Pale Ale“, der auch auf dem Flaschenetikett wiederholt wird, will ich mal großzügig übersehen, obwohl sowas einem Brauer von Welt nicht passieren dürfte.

Leffe Royale Houblon Cascade IPA Tragerl

Andere Royale-Sorten sind ebenso erhältlich, sie bilden fast schon eine Reise um die Welt ab: mit den Single-Hop-Bieren auf Basis von Whitbread Golding (Großbritannien), Mapuche (Argentinien) und Crystal (USA) haben wir hier ein wahrhaft internationales Gespann belgischen Bieres vor uns. Ich halte jedenfalls Ausschau nach diesen Sorten und bin gespannt, ob diese dann ihrem angepriesenen Bierstil gerechter werden als dieses Pseudo-IPA, und ob der Hopfen in ihnen mehr Chancen gegen die wuchtige Bierbasis des Leffe haben wird als der arme, etwas untergehende Cascade in diesem Bier.

Propeller Aufwind Double IPA Titel

Wir haben Clearance, Clarence – Propeller Aufwind und Nachtflug

Ich stelle in letzter Zeit, bei der Unterhaltung mit jüngeren Bekannten, fest, dass ich zum alten Eisen gehöre. Da macht man in einem Gespräch ein Rocky-Zitat, und es stellt sich heraus, dass derjenige keinen Rocky-Film gesehen hat (ich habe jeden Film der Reihe bestimmt 20 mal geschaut). Da erwähnt man, dass man auf der Suche nach einem Programmfehler „die Wüste durchkämmen“ muss, und erntet nur fragende Blicke – Spaceballs, ein definierender Film meiner Jugend, ist heute scheinbar unbekannt. Und wenn man dann noch kommt mit „Roger, Roger“, „Was ist unser Vektor, Victor?“  und „Wir haben Clearance, Clarence“, steht man endgültig als rückwärtsgewandter Nerdopa da, der schon wirr redet und den man vorsichtig und wohlwollend behandeln muss, wie einen Nervenklinik-Insassen.

Beim westfälischen Hersteller Propeller denke ich, wenn man die Namen der Marke, der Biere und den allgemeinen Sprachgebrauch betrachtet, direkt an diesen Filmausschnitt aus „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“. Flugzeugkatastrophenfilme gibt es ja zuhauf, oft enden sie im Absturz oder Fastabsturz der Maschine. Wie sieht es mit den Bieren dieses Herstellers aus? Top-Gun-Fliegerass oder Bruchpilot? Eher „Flug der Phönix“ oder mehr „Con Air“? Zwei unterschiedliche Sorten habe ich mir zum Verkosten aus dem Sortiment von Propeller ausgesucht.

Beginnen wir mit ein bisschen Luft unter den Flügeln: Das Aufwind Double India Pale (ohne „Ale“) soll ja laut Etikett „ein belebender Impuls“ sein. Farblich hebt das Bier auf jedenfall schonmal elegant ab.  Schönes Gold, leuchtend, kristallklar. Dünner, feiner Schaum. Auch die Kabinenluft stimmt – sehr IPA-typischer Geruch nach Hopfenfrucht. Ananas kommt dabei sehr stark durch, etwas Orange, ein kleiner Schubs Banane.

Propeller Aufwind Double IPA Flasche

Zunächst ist das Aufwind im initialen Mundgefühl weich und cremig, leicht süßlich. Dann gerät es etwas in Turbulenzen und kippt um zu kantig. Die Bittere ist aggressiv, ohne allerdings durch einen Körper aufgefangen zu werden – so ein Fallschirm rettet so manches unrunde Bier, hier bleibt er zu. Kaum etwas vom Fruchtaroma, das man gerochen hat, ist auch erschmeckbar; Hefe dagegen schon. Die Landung im Abgang ist dann trocken und kurz. Ein bisschen durchgerüttelt wird man durch den unangenehm süßen Nachhall.

Insgesamt empfinde ich das Propeller Aufwind Double India Pale als das genaue Gegenteil dessen, als was es auf dem Rücketikett angepriesen wird; „dicht und harmonisch“, „feine Restsüße“, „klingt ausufernd lang nach“ – persönlich empfinde ich es als flach und unrund, unangenehm süß im Abgang, der auch nur kurz ist. Druckfehler wie „aromartisch“ dürfen generell passieren, aber eigentlich nicht auf einem Etikett, das nur wenige Wörter überhaupt enthält; so ist es eigentlich eine Beleidigung für Kunden.

Propeller Aufwind Double IPA Glas

Mit 6,5% liegen wir im sortentypischen Rahmen, und mit 2,50€ pro 330ml sind wir bereits klar im gehobenen Preissegment. Dennoch fällt es für mich persönlich in der Vergleichsgruppe deutlich ab: Ein eckiges, sich unrund anfühlendes Bier ohne echten Charme. Es gibt heutzutage eine Flut an viel besseren IPAs aus Deutschland; da muss man nicht wirklich zum Propeller Aufwind greifen, wenn man Lust auf ein Bier dieses Stils hat.

Das war ja nun eher ein Rumpelflug. Vielleicht sollte man sich eher auf eine andere Flugzeit verlegen, zum Beispiel auf die späten Abendstunden? Das Nachtflug Imperial Stout bietet sich dafür an. Ist es wirklich eine „tiefdunkle Verführung“?

Nachtschwarz ist die Farbe schonmal, dazu völlig blickdicht wie eine Wolkendecke. Ein Hauch von hellbrauner Crema krönt das Bier. Der Geruch ist erwartungsgemäß malzig, nach Kakao und Kaffee, leicht metallisch, etwas rauchig. Ein Anklang von Orange frischt das eher dunkle Aroma auf.

Propeller Nachtflug Imperial Stout Flasche

Das Nachtflug ist voll und dicht im Mundgefühl. Wie man gerochen hat, schmeckt man auch den Kaffee und das Malz, und auch den leicht fruchtigen Unterton. Angenehm frisch und rezent. Insgesamt aber dennoch eher enttäuschend, was die Vielschichtigkeit und Komplexität angeht; ich vermisse wirklich dramatische Röstaromen. Auch die Bittere während der Zeit im Mund fehlt mir doch etwas. Positiv formuliert: Wer ein Imperial Stout probieren will, das einem nicht den Steuerknüppel des Flugzeugs aus den Händen reißt und überall im Cockpit rote Lämpchen aufblinken lässt, kann sich mit dem Nachtflug Imperial Stout während der Autopilot-Phase leicht und ohne Nachwirkungen vergnügen.

Propeller Nachtflug Imperial Stout Glas

Auch im Abgang bleibt das Nachtflug unkompliziert, er ist kurz und leicht süßlich. Kaffeenoten bleiben noch einige Sekunden am Gaumen, dann sind die interessanten Aromen weg. Eine kräftige Bittere (jetzt ist sie dann doch da!) konkurriert schließlich noch längere Zeit mit der etwas pappigen Süße um das Recht, die Landeklappen auszufahren; das ist wohl das, was das Etikett mit „sehr langer Nachtrunk“ meint.

Eines der einfacheren Imperial Stouts, die ich kenne. Gerade der sehr kurze Abgang macht aus diesem Bier ein Stout für Zwischendurch oder als Begleiter zum Essen. Die enthaltenen 9,1% sind aber mit Vorsicht zu genießen; auch das Nachtflug ist wie das Aufwind kein Billigflieger, mit 2,50€ für einen kurzen 330ml-Flug.

Auch beim Nachtflug überschlägt sich das Etikett mit Geschmacksankündigungen, die das Bier nicht wirklich einhalten kann – passend zum gesamten Sprachgebrauch der Firma, nachzulesen auf deren Homepage, der schon sehr narzisstisch und herablassend gegenüber Microbrews daherkommt. Ein bisschen mehr bescheidenere Zurückhaltung und/oder Humor hätte dazu geführt, dass ich etwas wohlwollender verkostet hätte – wer aber mit soviel protzigem Eigenlob schon daherkommt wie diese zwei Biere, muss sich nicht wundern, wenn dann ausbleibende Leistung entsprechend strenger bewertet wird.

Mit dem Nachtflug Imperial Stout habe ich mir einen selbst für Profis ungewöhnlich komplexen Cocktail zusammengerührt. Einige Spezialzutaten und eine besondere Mischtechnik, das „Throwing“, bei dem man statt durch Schütteln oder Rühren durch elegantes Hin- und Hergießen die Zutaten miteinander vermengt, machen aus dem Rum-Kinator Flip nicht nur einen leckeren und gehaltvollen, sondern auch einen unterhaltsam herzustellenden Cocktail für Süßmäuler.

Rum-Kinator Flip


Rum-Kinator Flip
1½ oz Dunkler Rum (z.B. Zacapa 23)
½ oz Allspice Dram (z.B. The Bitter Truth Pimento Dram)
1 oz Sahne
1 ganzes Ei
2 Teelöffel Pumpkin Butter (alternativ Babynahrung)
1 Teelöffel Calciumlaktat
…alle diese Zutaten in einem Glas gut verrühren, dann…
3 oz Imperial Stout (z.B. Nachtflug Imperial Stout)
…leicht anwärmen und durch „Tossing/Throwing“ mit den anderen Zutaten vermengen.
Mit frisch geriebener Muskatnuss bestäubt servieren.

[Rezept nach Leslie Ross]


Eigentlich verlangt dieses Rezept nach Pumpkin Butter, eine Art Kürbiskonfitüre. In den USA und Großbritannien ist es scheinbar leicht, so etwas im Supermarkt zu bekommen; wer möglichst authentisch sein will, stellt es sich selbst her. Ich habe mir als Alternative ein kleines Glas Babynahrung mit Kürbispürree hergenommen und davon zwei Löffel ins Glas getan.

Calciumlaktat ist noch so eine Sonderzutat. Meist wird sie in der Molekularküche und -mixologie verwendet, um in Zusammenspiel mit Alginsäure Pseudokaviarkügelchen (bekannt aus den Eistees, die vor einiger Zeit so beliebt waren) oder größere Getränkesphären herzustellen. In diesem Cocktail dient das Calciumlaktat aber nur dazu, dem Drink eine gewisse, sehr milde und unterschwellige Säure zu verleihen, die sich etwas von Zitrone oder Limette unterscheidet. Spannend ist es allemal!

Letztlich zeigen mir diese zwei Biere, dass es nicht damit getan ist, wenn man als traditioneller Bierbrauer einfach mal einen alternativen Sud für Bierstile, die man nicht so richtig kennt, anlegt und diesen abfüllt. Es gehört halt doch etwas mehr dazu; ich persönlich würde mir von Propeller jedenfalls wünschen, dass sie nach diesen ersten etwas tapsigen Schritten in die neue Bierwelt in Zukunft weniger forsch reden und stattdessen rundere, ausgefeiltere Biere herstellen als das Nachtflug und das Aufwind.

Maisel & Friends IPA Titel

Vielfalt ist kein Schimpfwort – Maisel & Friends IPA

Bei dem Versuch, ein paar Bekannten mal ein paar Biere abseits des Standardpils nahezubringen, hatte ich ihnen trickreich wie ich bin auch ein IPA untergeschoben. Die Reaktionen waren sehr gemischt – es blieb mir vor allem ein Satz in Erinnerung: „Das schmeckt ja überhaupt nicht nach Bier“. Was derjenige damit sagen wollte, ist wahrscheinlich, „das schmeckt ja überhaupt nicht nach Pils“. Laut einer Umfrage des ARD Buffets trinken deutschlandweit 42% am liebsten Pils – in meinem Saarland sind es laut dieser Umfrage sogar 77% (der lokale Schlager hier nennt sich Urpils).

Ohne den Pilsfreunden (zu denen ich definitiv nicht gehöre) nahetreten zu wollen – ich persönlich glaube, Verschwörungstheoretiker der ich bin, an einen anderen Grund für die Beliebtheit dieses Bierstils, als dass er so vielen wirklich schmeckt: In Deutschland hat die Bierindustrie es tatsächlich geschafft, ihr eigenes produktionsoptimiertes Produktportfolio über die letzten Jahrzehnte dermaßen einzuschränken und auf wenige Biersorten, hier insbesondere Pils, zu verknappen, und den Konsumenten so von Bierpluralität zu entwöhnen, dass als Bier scheinbar nur noch das gilt, was nach Pils schmeckt – und diese Konditionierung verstärkt sich dann irgendwann selbst. Dass Altbiere, Weiße, Ales und Stouts auch natürlich Biere sind, die eigentlich gleichberechtigt neben dem Platzhirsch Pils stehen sollten, wird vom Biergewohnheitstier dabei nicht realisiert – ein fruchtiges Pale Ale oder IPA wird als „modernes, künstliches“ Hipstergebräu wahrgenommen, das „kein Bier“ ist. Viele vermuten sogar Aromastoffe hinter den Geschmäckern von Ales, weil sie nie gelernt haben, dass es außer Bitter- auch Aromahopfen gibt. Wer nur Bohnen mit Speck kennt, hält es halt für das leckerste Gericht der Welt.

Zeit, etwas neues auszuprobieren, liebe Pilsfreunde! Ich will Euch Euer Pils ja gar nicht madig machen, aber aktuell sind die Chancen besser denn je, direkt auf den ersten Blindkaufversuch eine hervorragende Abwechslung ins Glas zu bekommen. Manchmal muss man aber auch nicht völlig blind kaufen. Viele Craftbrauer sind zwar nagelneue Startups und vom Namen her für die breite Masse völlig unbekannt; andere haben sich jedoch bereits im traditionellen Segment einen Namen erarbeitet. Das Maisel & Friends IPA ist so ein alternatives Bier eines klassischen Brauers, der Brauerei Gebr. Maisel, der für seine Craftbierschiene eine eigene Marke, eben Maisel & Friends, geschaffen hat.

Maisel & Friends IPA Flasche

Ein herrlicher, dunkel-kräftiger Bernsteinton in Kristallklarheit fasziniert schon beim Eingießen. Wie bei Ales üblich ist die Schaumkrone selbst zu Beginn eher dünn; eine feine, diskrete Perlage hält ihn aber über lange Zeit am leben. Geruchlich haben wir hier ein eher dunkeltöniges IPA vor uns; statt Zitronen finden wir Orangen, Pfirsich und Banane. Da ist noch ein sehr würziger Beiton im Hintergrund, nach Sojasauce vielleicht.

Eine starke Frische sorgt für ein kühlendes Mundgefühl schon beim ersten Schluck, auch, und das ist für meinen Geschmack viel besser komponiert als beim Citrilla desselben Herstellers, ist die Bittere schon von Anfang an als Komponente fühlbar. Sie dominiert klar das Geschmacksbild, eine milde Grapefruit taucht neben den errochenen Orangen noch auf. Insgesamt bleibt das Maisel & Friends IPA geschmacklich doch eher unauffällig und unkompliziert – der mittellange Abgang, mit lange anhaltender Adstringenz, komplettiert ein wirklich schönes, einfaches Bier.

Maisel & Friends IPA Pintglas

Das Maisel & Friends IPA ist für mich ein sehr typisches IPA, das alles hat, was ein IPA haben muss, und das im Überfluss. Wie schon das Pale Ale bezaubert auch das IPA aber mit seiner Bodenständigkeit, es geht nicht in den Hopfenexzess, den IBU-Wahn und die Coolness-Rekordsuche über, sondern bleibt ein ehrliches Bier. Für mich gibt es zwei Kategorien von guten Bieren – die, die mich überraschen, die ich explorieren und Schluck für Schluck genussvoll verkosten kann; und die, die man einfach bei schlimmem Durst wegziehen kann, ohne gleichzeitig auf höchste Qualität verzichten zu müssen. Das Maisel & Friends IPA gehört in die zweite Kategorie.

6,3% Alkohol sind üblich für diesen Bierstil, 50 IBU ein guter Wert für die Bitterkeit. Erneut entdecke ich neben dem beliebten Cascade noch eine Hopfensorte, von der ich bis dato noch nichts wusste, nämlich Ahtanum; es scheint noch mehr drin zu sein, wenn man der Angabe „u.v.m.“ glauben darf.

Ich muss es wiederholen – bei einem Cocktail ist das Ergebnis mehr als die Summe seiner Teile. Perfekt lässt sich das am The Pineapple Hop demonstrieren: Rum, Ananas, Orgeat und Essig kombinieren sich herrlich mit IPA, und geben diesem Tiefe und Komplexität. Das IPA liefert Spritzigkeit und Bittere. Eine Win-Win-Situation.

The Pineapple Hop


The Pineapple Hop
1 oz weißer Rum (z.B. Brugal Titanium)
1 oz Pineapple Shrub
(oder ¾ oz Ananassaft mit ¼ oz Apfelessig und etwas Zucker vermischen)
¼ oz Orgeat
4 oz IPA (z.B. Maisel & Friends IPA)
[Rezept nach Elana Lepkowski]


Mit der Vermarktung in Supermärkten begann Maisel & Friends schon mit ihrem Pale Ale. Dieser Schritt in die Öffentlichkeit, in den Bierkonsummarkt außerhalb der Spezialisten, sollte hoffentlich mit der Zeit dazu beitragen, das oben beschriebene Image und  Fehlwahrnehmung zu korrigieren. Der dem Bierniedrigpreisland Deutschland sehr entgegenkommende Preis von 1€ pro Flasche sollte auch hartgesottene Sparfüchse, die sich vom sonst teilweise etwas erstaunlichen Craftbierpreis abschrecken lassen, dazu bringen können, sich der Biervielfalt etwas zu öffnen.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends dafür, dass sie mir 3 Flaschen des Maisel & Friends IPA kostenlos zum Test zur Verfügung gestellt haben.

Maisel & Friends Citrilla Weizen IPA Titel

Zucht und Ordnung – Maisel & Friends Citrilla Weizen IPA

Es überrascht uns immer wieder. Da gehen wir durch den Supermarkt, und entdecken hin und wieder seltsame neue Gemüse- und Obstsorten, die wir so noch nie zuvor gesehen hatten. Manchmal erinnern sie uns optisch an eine oder mehrere Früchte, die wir kennen; manchmal, wenn man es riskiert und das Neue ausprobiert, erkennen wir einen Geschmack, den wir irgendwo anders her kennen und nicht mit dem Erscheinungsbild verbinden würden. Mischformen und Hybridzüchtungen sind in; einerseits bringt das Verlangen nach Neuem Züchter dazu, zwei altbekannte Sorten zu kreuzen. Andererseits vereinen Hybride manchmal das beste aus zwei Welten und sorgen für gern angenommene Effekte wie die hypoallergische Eigenschaft eines Labradoodle.

Weitere Beispiele gefällig? Für uns als Spirituosenfreunde ist die Pomeranze oder Bitterorange wohlbekannt – eine uralte Kreuzung aus Mandarine und Pampelmuse, die uns im Triple Sec viel Freude bereitet. Die moderne Gentechnik und Zuchtfreude macht vor nichts halt, und wir können uns darauf einstellen, künftig in Obstabteilungen immer wieder mal etwas zu finden, was wir nicht direkt einordnen können; Romanesco, als zumindest optisches Verwirrspiel zwischen Brokkoli und Blumenkohl, war nur der Anfang.

Da ist es natürlich nur recht und billig, dass sich auch Biersorten untereinander kreuzen lassen. Dazu braucht es dann keine genetischen oder züchterischen Kenntnisse, doch ein tieferes Verständnis von dem, was in einem Bier möglich, interessant und letztendlich auch vermarktbar ist, muss natürlich vorhanden sein. Aktuell ist eine gute Zeit für derartige Experimente; das Interesse an Bier abseits von Pils und Lager ist bei den mittelständischen und kleinen Brauereien gerade groß, deren Kundschaft gleichzeitig auch bereit, sich auf neues einzulassen und auch entsprechend Geld auf den Tisch zu legen. Eines dieser Neukreationen ist das  Maisel & Friends Citrilla Weizen IPA, das seine beiden Elternteile schon im Namen trägt.

Maisel & Friends Citrilla Weizen IPA Flasche

Auch wenn Hersteller Maisel & Friends ein hauseigenes Pint-Glas für den Genuss vorschlägt – wir sind hier schon auf einer experimentellen Schiene, da muss nicht auch noch mit der Glasware gespielt werden. Ein Weizenglas ist ein perfekt geeignetes Behältnis für dieses naturtrübe, blass-strohgelbe Bier; wenig Perlage, ein feiner, zunächst dicker Schaum mit vereinzelten großen Blasen – sehr hefeweizentypisch sieht es zumindest aus. Doch, wie schon bei Hybridfrüchten, das muss erstmal nichts aussagen, denn…

… der Geruch ist dann plötzlich sehr viel mehr IPA als klassisches Weizen. Fruchtig, zitronig, reife Ananas, und dann erst viel später die Weizen-Banane, und etwas Fruchtmarmelade. Besonders ist die Aktivität des Geruch, der schon beim Ziehen des Kronkorkens offensiv verströmt wird. Sowas gefällt mir.

Das Citrilla setzt seinen Crossover-Kurs gnadenlos fort: Mild-cremig ist es im Antrunk, dicht und kräftig, süßlich, sehr frisch, wie ein Hefeweizen halt. Dann springt es um auf die IPA-Komponenten, der Hopfen attackiert mit orangigen Fruchtnoten und schließlich, boom! Eine Bitterexplosion kickt alle süßen Gefühle des Vorspiels in die Weichteile. Ein Männerweizen, wenn man positiv formulieren will; wenn ich kritisieren will, finde ich diesen Übergang etwas brutal – es kommt unerwartet, selbst beim zweiten oder dritten Schluck, und dadurch wirkt das Bier etwas unrund komponiert. Der sehr lange Abgang, bitter-trocken, säuerlich, mit vielen Hopfenaromen, entschädigt dafür.

Maisel & Friends Citrilla Weizen IPA Glas

Ein sehr spannendes Experiment. Die Frage ist, ob außerhalb der Craft-Interessierten die Bierwelt bereit ist für so ein Bier. Ich bin ein großer Fan des Herstellers, insbesondere des Pale Ales, und finde auch den Hopfenreiter sehr gelungen. Das Citrilla trifft nicht wirklich meinen Geschmack – da ist ein bisschen zuviel von allem, süß, sauer, bitter, trocken… mir fehlt ein gewisser Geschmackskitt, der all diese Komponenten zusammenhalten könnte.

Der Hefeweizen Summer Beer Cocktail, der, wie der Name schon andeutet, normalerweise mit „normalem“ Hefeweizen gemacht wird, ist ein recht süßer Biercocktail. Für meinen Geschmack, fast schon zu süß, wenn die Orangen für den Saft entsprechend mild sind. Das Citrilla Weizen IPA durchbricht diese Süßewolke, und fügt einen herben, leicht bitteren Unterton ein – persönlich empfunden verbessert das Citrilla den Cocktail also sogar etwas.

Hefeweizen Summer Beer Cocktail


Hefeweizen Summer Beer Cocktail
6 oz Hefeweizen (z.B. Maisel & Friends Citrilla Weizen IPA)
2 oz frischgepresster Orangensaft
1 oz Holunderlikör (z.B. The Bitter Truth Elderflower Liqueur)
[Rezept nach http://www.craftedpours.com]


Das Flaschendesign ist unspektakulär, das Etikett im üblichen, gelungenen Retro-Maisel-Stil gehalten. 330ml in der Longneck-Flasche bekommt man für den äußerst fairen Preis von 1€ – darin enthalten sind 6,0% Alkohol, 37 IBU durch die Hopfensorten Herkules, Citra und Amarillo – die beiden letzteren sind die Paten für das Citrilla; auch im Namen setzt sich also der „Crossover“-Effekt konsequent fort.

Selbst wenn dieses Bier mich nicht zu Begeisterungsstürmen hinreißt, so finde ich es dennoch großartig, dass wir in Deutschland Brauer haben, die was riskieren, herumspielen, Neues schaffen, und sich nicht auf althergebrachten Sorten und Marken ausruhen – und so einige davon, an vorderster Front Maisel & Friends, brauchen sich diesbezüglich hinter keinem britischen oder amerikanischen Bierhersteller zu verstecken, obwohl sich diese, auch wenn sich das verrückt anhört im Bierland Deutschland, mit solcherlei einen leichten Vorsprung erarbeitet hatten.

Ich danke der Brauerei Maisel & Friends für die unaufgeforderte Zusendung von 3 Flaschen des Citrilla Weizen IPAs.

Maisel & Friends Hopfenreiter Double IPA Titel

Beer League of Bayreuth – Maisel & Friends Hopfenreiter Double IPA

Der aktuelle Batman-v-Superman-Film stürzt so einige Filmfreunde, die sich mit der Comicvergangenheit dieser beiden ikonischen Superhelden nicht so recht auskennen, in Verwirrung. „Kennen die beiden sich wirklich? Leben die nicht in unterschiedlichen Universen?“ Diese Fragen bekomme ich, als ausgewiesener Comicexperte, gern gestellt. Wenn man sich nur mit den Filmhistorien der beiden Spandexträger beschäftigt hat, könnte man wirklich denken, dass Superman und Batman zwei voneinander getrennte Welten bewohnen; doch tatsächlich sind sie Arbeitskollegen, Gründungsmitglieder der Justice League of America, enge Freunde, und dabei doch grundsätzlich voneinander verschieden. Batman ist der dunkle Ritter, der Vigilant, der das Recht selbst in die Hand nimmt; Superman der Vertreter der Ordnung, der Paladin, der an das Gute im jedem Menschen glaubt.

Außerhalb der Justice League trennten sich die Wege von Supes und Bats aber dann doch soweit, dass jeder für sich in seiner Welt vor sich hin werkelt, und bis auf wenige Crossover-Szenarien, wie Frank Millers epochales The Dark Knight Returns oder das großartige Superman/Batman: Absolute Power, halten sich die Helden auch daran.

Dieses Prinzip der sich zwar schätzenden, aber durch unsichtbare Wände voneinander getrennten Protagonisten kennt auch die traditionelle Bierwelt, in der eine Abgrenzung zu Konkurrenzprodukten als wichtiges Element der eigenen Bierpersönlichkeit hochgehalten wird. Doch der moderne Craftbierbrauer will nun kein Isolationist mehr sein, der in seiner Brauerei ein Produkt herstellt, egal, was die Welt um ihn herum macht. Gleich und gleich gesellt sich gern, und so enstand bei Maisel & Friends das Bierpendant zum Superheldenverein JLA – man vergebe mir diese etwas nerdige Einleitung und den Vergleich. Irgendwie passt es aber: Eine informelle Gruppe von Bierbrauern aus ganz Deutschland traf sich in Bayreuth zur Craftbeersession, und sie haben sich einen wahrhaft dramatischen Namen für ihr gemeinsames Erstlingskind ausgesucht: Hopfenreiter Double IPA.

Maisel & Friends Hopfenreiter Double IPA Flasche

Ungewöhnlich dunkel für ein IPA fließt das Hopfenreiter ins Glas. Natürlich naturtrüb, alles andere hätte mich enttäuscht. Zurückhaltende Perlage führt zu einem feinporigen Schaum, der sich schnell abbaut; es bleibt aber ein für obergärige Verhältnisse dicker Rest übrig, der dann auch bis zum letzten Schluck aushält. Für die Menge an unterschiedlichen Hopfen riecht es zunächst etwas un-hopfig: Dominant ist erst dunkle Würze, feine Röstaromen, fast ein bisschen rauchig. Danach schwingen die Hopfentöne aus dem Hintergrund hervor: Pink Grapefruit, Blutorange, Stachelbeeren, Kiwi.

Im Geschmack kommt aber eindeutig das IPA-typische durch. Direkt hinter einem zitronigen Antrunk schießt die wuchtige Bittere vor, als hätte sie nur darauf gewartet, mir eins auszuwischen. Trotzdem bleibt das Hopfenreiter überraschend leicht und luftig, getragen von einem Strauß von Hopfenaromen, wie Orange und Stachelbeeren. Insgesamt vergleichsweise dunkeltönig für ein IPA, mit einem attraktiven, dicht-cremigen Mundgefühl in Kombination mit hoher Rezenz: Sehr überzeugend.

Der Abgang bleibt dann mildtrocken, feinherb, erinnernd an Pils, doch noch einen Tick adstringierender. Ein leicht kratziger Charakter trübt hierbei etwas die Rezensentenlaunenwetterlage. Dass der Abgang eher kurz ist, und statt den Aromen nur Bittere länger übrigbleibt, passt sich dazu ein. So ist der Abgang vielleicht die einzige Schwäche dieses ansonst wirklich spannenden Biers – aber selbst Superman hat schließlich sein Kryptonit.

Maisel & Friends Hopfenreiter Double IPA Glas

Neben den „alten Bekannten“ Amarillo, Columbus, Chinook und Mosaic haben sich auch mir völlig neue Hopfensorten einen Weg in den Braukessel erschlichen: Ella, Wai-iti, Bremling und Spalter Spalt. Man sieht, das Potenzial der Pflanzengattung Hopfen ist noch lange nicht ausgeschöpft, und selbst Stan Lee könnte sich eine Scheibe von der Benamungskunst der Hopfenbauern abschneiden. Die unterschiedlichen Hopfenarten wurden von Gastbrauern der Brauereien Kehrwieder Kreativbrauerei, CREW Republic, Camba Bavaria, AND UNION, Holla die Bierfee und der Bayreuther Bierbrauerei beigesteuert; wir haben also neben einem bunten Hopfentopf auch ein Crossover-Bier quer durch Deutschlands Craftbierszene. Die Brauerei Maisel & Friends macht ihrem Namen somit alle Ehre.

Entsprechend der Herstellungsmethode dieses Biers, die als Freundschafts-Sud bezeichnet wird und aus dieser faszinierenden Kooperation entstand, setze ich es auch in einem Biercocktail ein, der diesem Gedanken Rechnung trägt – dem Brewers Free Class. Der Name soll auf den Berufsstand der Brauer anspielen, und auf die großartige Idee, sich nicht von Firmengrenzen einsperren zu lassen.

Brewers Free Class


Brewers Free Class
6 Minzblätter, ½ kleine Orange und ½ Limette im Shakerglas muddeln
1 oz Marillenschnaps
1 oz Apfelsaft
½ oz Grapefruit-Saft
…mit ordentlich Hopfenreiter Double IPA aufgießen
[Rezept variiert das Originalrezept ‚British Free Class‘ von Francesco Cereillo]


Warum eine Orange im Glas muddeln, statt einfach ausgepressten Orangensaft dazugeben? Die Antwort ist : Durch das Muddeln der Orange inklusive Schale werden auch ätherische Öle, die in der Schale enthalten sind, mitausgepresst, die dem ganzen noch einen kleinen Frischekick geben. Nicht jedes Bier ist in diesem Cocktail vermischbar – es braucht schon einen kräftigen Charakter, um sich gegen die Säfte durchzusetzen. Das Hopfenreiter Double IPA spielt diese Rolle wunderbar.

Das Bier ist in Standard-Longneck-Flaschen zu einem Drittelliter abgefüllt und enthält üppige 8,5% Alkohol. Die Angabe von Bittereinheiten war zu Beginn der Craftexplosion noch sehr beliebt; inzwischen sieht man es seltener; der Hopfenreiter reitet aber stolz mit 70 IBU durch Nacht und Wind, das sind eine Menge Pferdestärken, die man dennoch mehr spürt als schmeckt.

Das Etikettendesign des Hopfenreiter Double IPAs orientiert sich stark in die Comicrichtung, und die Darstellung eines von Pflanzenranken umwickelten, vermummten, umhangtragenden und Hopfendolden als Waffen haltenden Bierbösewichts erinnert mich so sehr an einen klassischen Batman- oder Superman-Villain, dass die Einleitung dieses Artikels im Rückblick daher vielleicht sogar doppelt Sinn macht.

Ich bedanke mich bei Maisel & Friends, dass sie mir 2 Flaschen des Hopfenreiters zur kostenlosen Vorabverkostung zur Verfügung gestellt haben.

Indra Weizen India Pale Ale Titel

Die neue Bierinkarnation des Götterkönigs – BraufactuM Indra Weizen India Pale Ale

Die Benennung von modernen Produkten wird immer schwieriger. Griffige, passende, inhaltlich mit dem Produkt verbundene Namen sind oft schwer zu finden, bereits von anderen Firmen geschützt oder vielleicht sogar nicht schützbar. Wenn man nicht den Weg der multinationalen Konzerne gehen und sich Kunstworte aus den Fingern saugen will, die in möglichst vielen Sprachen und Kulturen akzeptabel aussprechbar und dabei noch politically correct sind, greift man halt auf gar nicht mehr semantisch mit dem Produkt verknüpfte Begriffe zurück und bedient sich beispielsweise in der reichhaltigen Welt der Mythologie.

Man fragt sich, warum man auf den Götterkönig, oder, wie eben gelernt, auf den Deva-König, als Namenspatron für ein Weizenbier zurückgreift; letztlich ist es vielleicht Indras Schwäche für Soma, den Göttertrunk, und seine Position als göttlicher Gourmand, die die Verbindung zu Bier gar nicht so abstrus macht, wie sie zunächst scheinen mag. Wahrscheinlich überinterpretiere ich aber wieder mal, und man suchte doch einfach nur nach einem exotischen Namen für ein exotisches Produkt, was das BraufactuM Indra Weizen India Pale Ale sicherlich ist.

Indra Weizen India Pale Ale Flasche

Überrascht ist der Verkoster schon zu Beginn von einem sehr festen, dicken, stabilen Schaum. Noch nie habe ich einen derart ausdauernden, dichten Schaum auf einem Bier gesehen. Selbst nach 20 Minuten ist noch ein Zentimeter davon vorhanden, der Vergleich zu Bauschaum muss hier einfach fallen. Eine bronzene Farbe, blickdicht weil unfiltriert, begeistert zusätzlich.

Der Geruch schließt sich an: Sehr fruchtig, hopfig (Cascade und Magnum werden verwendet), deutlich an ein IPA erinnernd, dabei aber nicht unbedingt an die eckige Hopfigkeit eines IPA, diese wird durch die Weizenzartheit ausgeglichen. Sehr aromatisch und erfreulich.

Dicht und cremig im Mund, das Indra Weizen India Pale Ale vereint wirklich das beste aus IPA und Hefeweizen. Die Bittere ist mild, aber wirksam. Eine überraschende Würze ergänzt das Geschmacksbild. Die Fruchtigkeit ist dabei nicht spitz à la Zitrone, sondern gedämpft und süß, mehr in Richtung Orange oder Ananas. Sehr rund und ausgewogen, dabei immer noch spannend.

Indra Weizen India Pale Ale Glas

Im Abgang etwas salzig, speichelanregend, trocken. Ein extrem langer Abgang für ein Bier; die Aromen bleiben noch minutenlang am Gaumen vorhanden. Es erinnert mich im Abgang etwas an Franziskaner Hefeweißbier.

Wie soll man so ein Bier einordnen? Rein optisch und vom Mundgefühl ist es ein Hefeweizen, sensorisch ein IPA. Der Weizen gibt geschmacklich nicht viel dazu, er ist mehr eine aromatische Tönung. Ich habe es zu einem Chili-Huhn, im Ofen auf einer Pilsdose gebacken, getrunken – ein perfektes Pairing. Aber das Indra ist auch alleinstehend ein Genießerbier, wenn auch im Hochsommer für den Biergarten vielleicht etwas zu schwer; 6,8% werden nicht geschmeckt, aber besonders dann schnell gespürt. Zu solchen Gelegenheiten trinke ich lieber leichtere Varianten und hebe mir dieses Schwergewicht für besondere Momente auf.

In einem Cocktail dagegen ist das Indra immer ein echtes Pfund. Im Orange Hop-sicle zeigt der Biergott seine volle überirdische Kraft und setzt sich selbst gegen den ansonsten unüberwindbaren französischen Antillenengel Créole Shrubb durch. Ingesamt ein supersüßer Cocktail, den man unbedingt gut gekühlt trinken muss, wie der Name, ein Wortspiel mit den Komponenten „hop“ für Hopfen und „popsicle“ für Eis am Stiel, schon andeutet!

Orange Hop-sicle


Orange Hop-sicle
2 oz Orangenlikör (z.B. Clément Créole Shrubb)
¼ oz Gomme Sirup
3 Spritzer The Bitter Truth Créole Bitters
… shaken und mit 3 oz BraufactuM Indra Weizen India Pale Ale aufgießen


Das BraufactuM Indra Weizen India Pale Ale gibt es in 330ml für rund 7€, und in der großen Dreiviertelliter-Sektflasche für 13€, mit Kronkorken. Mir gefällt diese Flaschenart sowohl im großen als auch im kleinen Format außerordentlich. Ich bevorzuge aber, wie eigentlich fast immer bei Getränken dieser Qualitätsstufe, die kleine Größe mit einer Einzeldosis dieses wahrhaft göttlichen und mystischen Biers.

Dom Bierignon – BraufactuM Progusta IPA

Der Wettkampf ist in vollem Gange. Um sich voneinander abzugrenzen müssen die Hersteller von Genussmitteln immer extremer werden. Das äußert sich darin, dass manche Eigenschaften von Produkten total überbetont werden: Der Bruichladdich Octomore wirbt damit, der torfigste Whisky zu sein, der mit menschlichen Mitteln herstellbar ist. Die Brauerei Flying Monkeys stellt stolz das bitterste Bier der Welt her. Um den Geschmack geht es offenbar bei solchen Produktionen nicht mehr, nur noch um den Rekord. Das moderne In-Getränk muss halt superbitter, superfruchtig, supersonstwas sein.

Doch man will nicht immer Extreme, im Gegenteil: Diese Showgetränke sind in der Regel one-hit-wonder, die man einmal probiert und dann nie wieder. Man will meist eben einfach „nur“ ein solides, perfektes IPA, ohne die oft seltsamen Extravaganzen, die viele Brauer inzwischen einbauen, um sich von der Konkurrenz abzusetzen. Das BraufactuM Progusta IPA ist so ein ideales IPA.

braufactumprogusta-flascheTrotzdem: Von allen Eigenschaften, die ein IPA auszeichnen, hat das Progusta überdurchschnittlich viel, aber ohne dabei in die angesprochenen Extreme abzugleiten. Schon beim Eingießen hüpft mein Herz: Die schöne, kräftige Farbe, die leichte Trübung, der dicke Schaum, langanhaltend, bis zum Schluss im Glas bleibend – das überzeugt den optisch veranlagten Bierfreund.

Verkostungsnotizen sind immer etwas sehr persönliches, jeder schmeckt was anderes, individuelle Erfahrungen prägen das, was man riecht und schmeckt, daher sind aufs Etikett verewigte Geschmackseindrücke hin und wieder nicht nachvollziehbar. Hier aber kann ich den auf dem Etikett beworbenen Holunder wirklich riechen. Ein leichter Agaventon ist für mich als Tequilafreund erkennbar.

Fruchtig und zitruslastig ist der Geschmack, wahrscheinlich dem Citra-Aromahopfen geschuldet, aber mit klarem, definierten Biercharakter, etwas, das vielen Extrem-IPAs leider abgeht. Eine schöne Bittere, gute Frische und ein rundes Mundgefühl bestätigen mich in meinem zu Beginn gefällten Urteil: Das ist genau das, was ich mir unter einem IPA vorstelle.

braufactumprogusta-glasDie nackten Zahlen: 6.8% Volumenprozent Alkohol, je nach Quelle zwischen 40 und 50 IBU (schon allein dieser Wert, recht niedrig für ein IPA, zeigt, dass die Brauer anderes als Angeberei im Sinn hatten), 750ml. Pilsener Malz, Wiener Malz und Karamellmalz liefern den Körper, Magnum, Hallertauer Mittelfrüh und Citra das hopfige Aroma.

Ich stimme nicht oft mit Bestenlisten des Branchenmagazins Mixology überein – hier aber, wo das Progusta mit einer Traumbewertung auf Platz 1 landete, auf jeden Fall.

Normalerweise bin ich kein Fan von Großflaschen bei Spezialitätenbieren, aber diese große, sehr bauchige Champagnerflasche hat schon Stil. Mit einem Bierkronkorken versehen kombiniert das Design das beste aus zwei Welten. In dieser Form ist das Bier ideal für Genießerabende – 2 oder 3 Stück im Kühlschrank, und der Abend ist gerettet.

Bei einer so großen Flasche bleiben immer ein paar Schlucke für einen Biercocktail übrig. Zur Feier dieses Biers habe ich mir dann eine besondere Attraktion ausgesucht: Den Rub & Rye Cocktail. Für alle Freunde des herzhaften Trinkgenusses, der die Grenzen zwischen Snack und Getränk sprengt, eine wahre Freude.

rubandrye-cocktail


Rub & Rye
1 ½ oz Rye Whiskey (z.B. Jim Beam Rye)
¾ oz Limettensaft
¾ oz Ahornsirup
1 Eiweiß vom Bio-Ei
3 Spritzer The Bitter Truth Celery Bitters
…gut shaken und dann mit Progusta IPA aufgießen
in einem Glas mit Salz- und Chiliflocken-Kruste und einem Stück Beef Jerky servieren


Nicht ganz billig ist das Bier, zugegeben; nicht jeder ist vielleicht bereit, 10€ für einen Dreiviertelliter Bier auf den Tisch zu legen. Doch für das BraufactuM Progusta IPA ist das zumindest für mich ein durchaus akzeptabler Preis, wenn man die Qualität mit in die Betrachtung aufnimmt. Man trinkt sowas nicht als Alltagsbier, und jede festliche Angelegenheit wird durch so ein Qualitätsbier aufgewertet, das man ohne Gewissensbisse durchaus auch statt einem guten Wein Gästen servieren kann.

Morgendlicher Blitzschlag – Crew Republic 7:45 Escalation Double IPA

Die Craft-Bier-Brauer von heute, sei es in den USA oder in Deutschland, geben sich nicht mehr mit halben Sachen zufrieden. Viel von allem, ohne Rücksicht auf Verluste: Aromahopfen ist die moderne Wunderwaffe im Kampf gegen die gepflegte Pilslangeweile. Und wenn man das ganze bis aufs Blut ausreizen will, landet man bei Bieren wie dem Crew Republic 7:45 Escalation Double IPA.

crewrepublicescalationipa-flascheDie modernen Interpretationen von IPAs, den Kronprinzen der Aromahopfung, lassen sich nicht bitten, wenn es um die Aromenverteilung nach dem Öffnen der Flasche geht. Da muss man nicht die Nase ins Glas halten, das kommt wie eine Backpfeife schon beim Eingießen ins Glas. Die Aromen explodieren dann in einer Kettenreaktion noch weiter: Himbeere, Johannisbeere, Brombeere. Da ist ein würziger Unterton, etwas nussig, vom Malz vielleicht? Ich muss gar nicht trinken, um mich zu erfrischen, es reicht, an diesem Bier zu riechen.

Im Mund erstmal, wie von einem stark gehopften IPA zu erwarten war, leichte Zitrusnoten, dann erscheint schnell wieder das beerige Fruchtbouquet. Eine sehr schöne Hopfenkomposition voller Beeren. Die überraschend sämige, fast ölige Mundkonsistenz, und die unglaublich effektive, aber nicht kratzige Bitterkeit mit 83 IBU gefällt mir extrem. Dazu kommt eine fast salzige Komponente, die die restlichen Rezeptoren auf der Zunge und dem Gaumen ansprechen.

crewrepublicescalationipa-glasMir gefallen unfiltrierte Biere, ich brauche keine Strahlegolde, die einen Teil des Geschmacks nur für äußerliche Durchsichtigkeit abgeben. Das 7:45 Escalation hat diese dadurch entstehende attraktive Trübung, eine schöne Schaummenge, und, wenn gekühlt, eine gute Frische mit viel Perlage.

Ein spektakulärer Effekt beim Schlucken: Das Bier ist so trocken-bitter, dass es einem dermaßen die Spucke wegzieht, dass man kaum merkt, dass etwas mit 8.2% durch die Kehle rinnt. Diese Trockenheit bleibt lange am Gaumen, zusammen mit den Hopfenaromen.

Laut der Homepage des Münchner Herstellers ist das 7:45 Escalation doppelt kaltgehopft, unter Verwendung der amerikanischen Aromahopfen Columbus, Simcoe, Amarillo und Chinook, und der Malzsorten Pilsener Malz und Karamellmalz.

crewrepublicescalationipa-geschmackshinweiseDie inzwischen gern bei Craft-Bieren eingesetzte Visualisierung der Biercharakteristika wird hier entsprechend dem hippen Image der Marke „Taste-O-Meter“ genannt und ist auf dem Flaschenhalsetikett untergebracht.

Ein perfektes und rundes IPA, zum Essen, zum Genießen. Aber keins, das ich entsprechend der Bierstory auf dem Etikett morgens um 7:45 serviert bekommen will. Eine derartige Aromenwucht zu so einer Uhrzeit nach einer wilden Nacht würde dann wirklich zur endgültigen Eskalation führen, wie Red Bull für jemand mit ADHS.