Schlagwort-Archive: US

Baker's Kentucky Straight Bourbon Whiskey Titel

Vorsicht vor Empfehlungen – Baker’s Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Vielleicht kennt der eine oder andere das – man hat einen im Bekanntenkreis, der sich etwas mit Spirituosen auskennt, und aus gegebenem Anlass hätte man gern eine Flasche eines guten Tropfens gekauft. Also fragt man den Bekannten, was er so empfehlen würde, sieht, dass es die Empfehlung auch noch gerade im Blitzangebot bei einem großen Onlinegemischtwarenladen gibt, und schlägt dann voller Vertrauen zu. Am besonderen Tag öffnet man dann mit Freunden und Freuden die Flasche, und stellt fest, dass der Inhalt einem dann doch nicht so besonders zusagt. Eine Enttäuschung sondergleichen.

Das ist das Schicksal des Kenners: der eigene Geschmack ist halt dann doch nicht wirklich übertragbar. Man kann Qualität, ein gutes Preisleistungsverhältnis oder eine hübsche geschenktaugliche Präsentation empfehlen, aber ob es dann dem glücklichen Empfänger auch wirklich schmeckt, das bleibt dem Schicksal überlassen und ist selten vorhersehbar.

So ging es mir, als ich einem Kollegen, der mich nach meiner Meinung über Baker’s Kentucky Straight Bourbon Whiskey fragte – klar, toller Stoff, schlag zu, so in etwa waren wohl meine Worte. Nach einiger Zeit erhielt ich dann die etwas pikierte Rückmeldung, dass der Whiskey nicht wirklich gut angekommen war: die tiefgehende Analyse lautete „hat nicht geschmeckt“. Die Flasche war trotzdem nur noch zu einem Drittel voll, also kann man den Probanden nicht vorwerfen, sie hätten es nicht zumindest versucht. Immerhin kam ich so in den unerwarteten kostenlosen Genuss des ordentlichen Rests, der übrig geblieben war.

Baker's Kentucky Straight Bourbon Whiskey Flasche

Farblich erkennen wir sehr dunklen Bernstein mit orangenen Reflexen. Der Baker’s Bourbon ist ein Straight Bourbon, daher ist künstliche Nachfärbung ausgeschlossen; hier hat man den (leider seltenen) Fall, dass man schon von der Optik her erahnen kann, wohin der Geschmack später gehen wird. Der Whiskey liegt sehr ölig im Glas, mit sehr langsam ablaufenden Beinen.

Der Geruch ist eine bunte Mischung aus Aromen, die auf dern ersten Blick kaum zusammenpassen. Etwas Lack. Honig. Vanille. Etwas Menthol.  Etwas Bacon. Ein Hauch Rauch. Und über allem brutal viel Eiche – sehr viel mehr, als die 7 Jahre Reifezeit in neuen Fässern aus amerikanischer Eiche das normalerweise liefern. Interessanterweise passen sich die Aromen dann doch in ein rundes Gesamtbild ein.

Der Geschmack ist voll, weich und super-„smooth“ (um mal das Buzzword, das viele Kenner inzwischen hassen, zu bemühen), trotz der 53,5% Alkohol. Der Körper ist leicht dünn. Insgesamt ist der Baker’s Bourbon nicht so süß, wie erwartet, im Gegenteil: er bleibt sogar sehr trocken, und leicht blumig, fast schon parfümig. Im ersten Moment überraschend, weil anders als die meisten anderen Bourbons; in der Folge aber äußerst elegant, erinnert fast etwas an Cognac. Wenn man den Marketingaussagen von Beam trauen darf, ist ein spezieller Hefestamm für diesen besonderen Geschmack verantwortlich. Der Abgang ist sehr lang, leicht bitter, trocken, nussig. Er bleibt auch im Nachhall sehr lang feurig, voller Chili, Pfeffer und Eiche, sowie Menthol.

Ich muss den Testern, die meiner Empfehlung gefolgt sind, das Eingeständnis machen: Beim Baker’s haben wir ein durchaus ungewohntes Geschmacksbild für einen Bourbon aus der Beam-Reihe vor uns. Das ist für mich aber keineswegs ein Mangel, im Gegenteil – es ist schön zu sehen, dass auch im hochstandardisierten Bourbonbereich eine weite Spannbreite an Aromenprofilen möglich ist.

Für mich ist der Baker’s in seiner Eleganz ein idealer Purgenuss. Dennoch, wer mich kennt, weiß, dass mich das nicht davon abhält, solche Produkte auch in Cocktails zu kippen. Der Thigh High Boots ist eine schöne, kräftige Mixtur mit extrem viel Körper und einer dichten Aromenstruktur, in dem die hohe Alkoholprozentzahl des Baker’s dafür sorgt, dass die schweren Bitterkomponenten nicht überhand nehmen.

Thigh High Boots


Thigh High Boots
2 oz Bourbon (z.B. Baker’s Kentucky Straight Bourbon Whiskey)
¾ oz Zitronensaft
¾ oz Zimtsirup
¾ oz Lillet Blanc
½ oz Campari
½ oz Amaro (z.B. Ramazotti)
3 Spritzer Peychaud’s Bitters
Auf Eis rühren.

[Rezept nach T.J. Lynch]


Kurz etwas zu den Rahmenbedinungen – der Baker’s Bourbon ist Teil der Small-Batch-Familie des Herstellers Beam, zu der auch Booker’s, Basil Hayden’s und Knob Creek gehören. Der Name ist abgeleitet von Baker Beam, dem Großneffen des Firmengründers. Zur Zeit sind zwei Abfüllungen in Deutschland auf dem Markt, die sich äußerlich durch unterschiedliche Flaschenformen auszeichnen. Die „alte“ Abfüllung ist in einer recht klassischen Flasche, die man sonst oft von Wein kennt, unterwegs (im Foto unten rechts zu sehen); eine „neuere“ Abfüllung ist in einer eher typischen Spirituosenflasche beheimatet (im Foto links). Gleich markant bleiben das prägnante „B“ auf dem Etikett, sowie die schwarze Wachsschicht, die den Flaschenhals bedeckt.

Baker's Kentucky Straight Bourbon Whiskey alte und neue Flasche

Kleine Anekdote am Schluss – der Kollege, der mir die Restflasche überlassen hat, hatte dann doch noch eine zweite Flasche gekauft. Für ihn ist dieser Bourbon immer noch etwas ungewohnt, und falls es jemand anderem ähnlich ergeht wie ihm: Der Elijah Craig, eine andere Empfehlung, die ich im gab, mundet ihm dafür umso besser. Mit beiden macht man aus meiner Sicht nichts falsch, aber Geschmäcker sind halt verschieden (und damit werfe ich 2€ ins Phrasenschwein).

George Dickel No. 12 Tennessee Whiskey Titel

Kurz und bündig – George Dickel No. 12 Tennessee Whisky

Der George Dickel No. 12 Tennessee Whisky (man beachte die Schreibweise des letzten Worts) ist der zweite große Destillateur von Whiskey im US-Bundesstaat Tennessee, neben dem allgegenwärtigen Jack Daniel’s. Trotz all der Häme, die Jacky-Trinker oft abbekommen, kann ich persönlich gut mit den höheren Qualitäten jenes Herstellers leben und bin daher besonders gespannt, wie sich ein anderer Produzent, der ja einen recht ähnlichen Produktionsprozess mit Sour Mash und Lincoln-County-Verfahren aufweist, im Vergleich schlägt.

Die Farbe ist mit Zuckerkulör gestaltet, sagt daher nichts über den Inhalt aus. Manchen Herstellern geht es nur um die Konsistenz der Farbgebung über Batches hinweg, ich weiß, dennoch ist es ein Produktionsschritt, den ich für unnötig und nicht im Sinne des Verbrauchers halte. Man hat jedenfalls ein dunkles Kupfer mit orangenen Reflexen gewählt.George Dickel No. 12 Tennessee Whisky

Geruch: Oh, das gefällt mir außerordentlich. Sehr fruchtig nach Birne, Banane, Pflaume. Ahornsirup. Butterkekse. Ich habe eine seltsame Assoziation zu Pfannkuchen mit Sahne. Ein minimalster Anflug von Lack. Ich kriege gar nicht genug davon, daran zu riechen – ein echtes Highlight, der angenehmste Spirituosengeruch, den ich seit sehr langer Zeit in der Nase hatte.

Der Geschmack ist dann aber nicht so süß, wie die Nase einem weismachen will. Eigentlich geht der Dickel No. 12 sogar eher ins Trockene, leichte. Ihm fehlt erkennbar etwas an Volumen, er wirkt trotz vieler Aromen wässrig. 45% sind sehr gut eingebunden, praktisch kein Brennen, Zwacken oder Kratzen ist spürbar – ja, dieser Tennessee Whiskey ist wirklich „smooth“. Pflaumen, Rosinen, Birne, die Fruchtnote bleibt erhalten, und eine gewisse honigwürzige Grundsüße. Sehr viel Vanille rundet das ganze ab, die wohl durch die 4 Jahre Reifedauer (diese Zahl steht aber nirgends auf dem Etikett) entsteht.

Der Abgang ist sehr kurz, warm und dabei immer weich, aber recht trocken. Ein mildglühender Nachhall klingt noch eine kleine Weile aus dem Rachen hoch, doch dann ist der Whisky schnell wieder verschwunden.

Wem Tennessee Whiskeys grundsätzlich zusagen, und wer ein Freund von Jack Daniel’s Old No. 7 ist, muss sich den George Dickel No. 12 ganz sicher anschauen – er ist der bessere der beiden großen Whiskeyhersteller dieses Bundesstaats, kostet aber in Deutschland auch rund das Dreifache. Dieses Kurzbesprechung basiert daher auf einem 10cl-Sample.

Die Sprache gehört zum Charakter des Whiskeys – Elijah Craig 12 years Kentucky Straight Bourbon Whiskey

In der globalen Spirituosenwelt tauchen immer wieder Produkte auf, mit deren Namen wir leider allzuoft monoglotten Deutschen bei der Aussprache Probleme haben. Man muss nicht ganz so weit gehen wie die völlig abstrusen Namen bei manchen Rums (Uitvlugt?!?) oder Scotches (Glen Garioch?!?), die selbst Sprachprofis in beinahe unlösbare Schwierigkeiten bringen – manchmal sind es selbst traditionelle angloamerikanische Vornamen, bei denen es schon hapert. Der Schauspieler Elijah Wood beispielsweise wird in deutschen Medien wahlweise auf unterschiedliche Art falsch ausgesprochen. Hier daher die einzig korrekte, gültige Lautkombination zur Referenz.

Dieser Artikel soll nun natürlich nicht über Herr-der-Ringe-Darsteller handeln, sondern über amerikanischen Whiskey. Doch natürlich profitiert der Konsument und mögliche Käufer des Elijah Craig 12 years Kentucky Straight Bourbon Whiskey auch davon, wenn er weiß, wie man die Buchstaben auf dem Etikett korrekt in Lauten wiedergibt, nämlich genau so, wie den Frodo-Mimen.

Wer sich auch nur ansatzweise über Bourbons informiert, stolpert immer wieder über diesen amerikanischen Whiskey. Nun ist es schon allein etwas begeisternd, dass man einen Bourbon 12 Jahre lang reifen lässt (nur 2 Jahre sind gesetzlich für Straight Bourbons vorgeschrieben) – wenn er dann auch noch so wunderbar rund und würzig ist, dann wird der Traum jedes Whiskey-Freunds wahr.

Elijah Craig 12 Kentucky Straight Bourbon Whiskey Flasche Normaletikett

Die Nase ist großartig. Während man bei vielen Bourbons nur das Karamell vorausahnt, vielleicht ein bisschen Eiche, springt einem hier schon die Kraft in den Riechkolben; Vanille ist natürlich dominant. Eine leichte Zitrusnote. Etwas Salz. Man sollte ihn eine Weile offen stehen lassen, dass sich die gröbsten, durchaus vorhandenen Lackgerüche verflüchtigen.

Nach dem ersten Schluck will ich den Elijah Craig dann gar nicht mehr rauslassen – würziger Karamell, Shortbread, Orange, dabei nie scharf oder brennend. Der Elijah Craig ist trotz eines recht süßen, weichen Antrunks nicht anbiedernd schmeichlerisch, sondern schon eher was für die Freunde des Deftigen, um so mehr, je länger man ihn im Mund hält. Dichter Körper, cremiges Mundgefühl, eine volle Breitseite.

Im Abgang kommt dann noch eine leichte Salznote, dazu Trockengebäck und eine recht brutale Holzigkeit zum Vorschein, die sich das abschließende Geschmacksbild mit der wuchtig-tiefen Vanille teilt. Feurig heiß und glühend läuft er die Kehle hinunter, zeigt hier zum ersten Mal seine üppigen 47% Alkohol, und lässt bei adstringierender Trockenheit dann dennoch viele Restaromen noch sehr lange im Mundraum zurück.

Das ist ein fetter Kentucky Straight Bourbon, den ich gern pur trinke. Ein 3cl-Glas reicht auf eine halbe Stunde. Schnuppern und schlürfen, da braucht man nichts anderes und ist 30 Minuten im Whiskey-Himmel.

Doch auch in Cocktails macht sich dieser Bourbon gut, insbesondere natürlich in solchen, in denen er eine Hauptrolle spielt. Man probiere daher einfach mal einen Elderflower Old Fashioned, in dem die Würze des Elijah Craig gegen die Süße des Holunderlikörs wunderbar ankämpft. Alternativ, wenn man nicht so sehr auf die blumige Komponente steht, empfehle ich eine leichte Variation des Dilbert’s Dilemma, in dem ein Bierlikör für die Süße sorgt.

Dilbert’s Dilemma


Dilbert’s Dilemma
2 oz Bourbon Whiskey (z.B. Elijah Craig 12 years)
½ oz Bierlikör (z.B. Saarfürst Brauerfeuer)
Diese Zutaten im Rührglas auf Eis verrühren.
Das Gästeglas mit…

¼ oz Orangenlikör (z.B. Cointreau)
…ausspülen, dann die gerührte Mixtur dazugeben.

Mit einer Orangenzeste dekorieren.
[Rezept leicht adaptiert nach Good Booze]


Die Flasche ist eine Erwähnung wert – im Glas integriertes Logo, massiv, schwer, da hat man was in der Hand. Ein sehr gelungener, breiter Ausguss, mit einem fetten Plastikdeckel auf dem Korkstopfen: die gesamte Verarbeitung wirkt wertig. Wenn man dann noch mit einem Spezialetikett auftrumpfen kann, das einem als Mitglied der Bardstown Whiskey Society zugesendet wird, ist der Wow-Faktor nochmal ein bisschen größer.

Elijah Craig 12 Kentucky Straight Bourbon Whiskey Flasche Spezialetikett

Man sieht auf dem Spezialetikett allerdings auch schon eine Änderung, die im aktuellen Produktionsklima von Whisky und Whiskey unausweichlich scheint – die Altersangabe „12 Jahre“ verschwindet vom Etikett, und wird durch das generische „Small Batch“ ersetzt. Laut Hersteller ändert sich nichts am Rezept; einige Kenner in diversen Foren bescheinigen dem NAS-Craig aber doch einen leicht schwächeren Charakter. Wer also die Chance hat, sich noch eine der Flaschen mit Altersangabe zu sichern, bevor die NAS-Welle, die in den USA bereits begonnen hat, nach Deutschland schwappt, sollte dies tun – in vielen Fachmärkten stehen sie noch herum.

Ob nun 12 Jahre oder NAS – der Elijah Craig bleibt ein Benchmark-Bourbon. Wer wissen will, wie ein guter Bourbon schmeckt, probiert diesen hier. Jeder Cent ist gut investiert. Ich lasse immer einen Tropfen im Bart hängen, für später.

Koval Millet Single Barrel Whiskey Titel

Im Käfig oder auf dem Fensterbrett? Koval Millet Single Barrel Whiskey

Ich bin eigentlich in jedem Geschäft, das Lebensmittel anbietet, immer auch auf der Suche nach neuen Spirituosen. Das Angebot ist meist recht unterschiedlich. Gewisse Standardware hat jeder, wie den Old No. 7, Havana Club 3 Años oder Gordon’s Gin; darüber hinaus ist das Sortiment aber dann schon wechselnd. Der eine Markt konzentriert sich auf Billigschnaps en gros, der andere hat kleine aber feine Marken in der Auslage.

Seit einiger Zeit gehe ich für einige Lebensmittel in Biomärkte, und neben der deutlich sichtbaren Professionalisierung (die ungepflegten Hippies, die braune Bananen mit einem maoistischen Flyer einwickelten, sind Geschichte) bieten diese Läden inzwischen auch Wein, Bier und Spirituosen an, fair hergestellt und gehandelt, mit Zertifikaten und Siegeln. Schnaps, den man oft sonst kaum woanders findet, denn der Kunde mag bei Eiern, Tomaten und Rindfleisch inzwischen auf nachhaltig produzierte Ware schauen, bei flüssigen Genussmitteln ist das eher die Ausnahme. Für manche Hersteller eine Chance, eine Nische zu füllen, die mit der Zeit wahrscheinlich immer bedeutender werden wird.

Für amerikanischen Whiskey gibt es dabei einige grundlegende Dinge zu beachten, wenn es um Bioproduktion geht. Das Rohmaterial, also hauptsächlich Mais, Gerste und/oder Roggen, muss biozertifiziert sein, was in den genmanipulationsfreundlichen USA bereits einen ersten Stolperstein darstellt. Der Koval Millet Single Barrel Whiskey wird auf der Herstellerseite und in Shops als „organic“, dem englischen Begriff für „bio“, vermarktet – doch auf der Flasche selbst findet sich kein Hinweis mehr darauf. Ist da was schiefgegangen?

Koval Millet Single Barrel Whiskey Flasche

Die Erklärung ist recht simpel – neben den Basisprodukten muss auch die Produktion und, und das vergessen viele, sogar der Vertrieb zertifiziert sein, um ein entsprechendes Siegel in Europa zu erhalten. Der Importeur Haromex kann (oder will, aus Kostengründen) dies nicht leisten. Nun, wir wollen ihn trotzdem verkosten, denn Bio-Zertifizierung ist ja gut und schön, wenn er aber geschmacklich nichts taugt, bringt das alles nichts.

Hirse (engl. millet) als Basisgetreide für Whiskey ist ein Alleinstellungsmerkmal – das uralte Gewächs dient hier als Ersatz für die sonst bei amerikanischem Whiskey üblichen Sorten wie Mais, Gerste, Roggen oder Weizen. Die Farbe zeigt diese ungewohnte Zutat allerdings nicht: Kräftiger, strahlender Bernstein, sehr erinnernd an Bourbon oder Rye. Lange, dicke Beine beim Schwenken erzeugen eine ansprechende Optik. Auch die Nase wird überzeugt: Vanille, eine süßliche Note nach Birne und Litschi (mit Dank an Horst Lüning für diesen Hinweis, den ich selbst nicht benennen hätte können, aber definitiv da ist!), Eichenholz, Cerealien. Sehr mild und attraktiv. Die deutlich erkennbare Lösungsmittelnote gehört mit dazu bei amerikanischem Whiskey.

Der Bourbonkenner ist überrascht beim ersten Schluck: Zwar klar süß, aber dazu leicht seifig, insgesamt sehr eigen. Das überragend samtige Mundgefühl passt zum dichten Körper, während die Aromatik aber eher auf der Obertonebene bleibt. Litschis, mildes Obst wie Birne und Banane, dazu aber eine milde Säure. Die Hirse macht sich ingesamt sehr gut als Whiskeygetreide, gibt neben der ganz eigenen Aromatik noch eine runde, feine Tiefe an das Getränk. Eine durchaus kräftige Pfefferschärfe komplettiert ein spannendes Panorama von Eindrücken.

Im Endgame findet sich etwas Säure, ein leichtes Kitzeln belebt den ansonsten samtigen und zarten, sehr langen Abgang. Obstnoten bleiben noch länger am Gaumen, dazu ein minimales Betäubungsgefühl auf der Zungenspitze, spannend für einen Brand, der eigentlich nur 40% (80 proof) aufweist.

Tatsächlich kann man den Koval Millet Single Barrel Whiskey meiner Meinung nach überall dort einsetzen, wo man sonst eigentlich einen Bourbon hernehmen würde. Durch solch leichte Variationen in Basisspirituosen bekommen wir schnell einen ganz anderen Drink; der Haymaker profitiert beispielsweise von der Zartfruchtigkeit und der brummenden Tiefe des Koval-Bioprodukts.

Haymaker


Haymaker
¾ oz Whiskey (z.B. Koval Millet Single Barrel Whiskey)
  ¾ oz Triple Sec (z.B. Grand Marnier Cordon Jaune)
¾ oz Trockener Wermut (z.B. Noilly Prat)
¾ oz Limettensaft
[Rezept nach unbekannt]


Die restlichen Daten lesen sich schön für einen Whiskeyfreund, der auf Herstellungsdetails und Transparenz steht (ich tue das): unfiltrierte Single-Barrel-Abfüllung mit entsprechender Flaschennummerierung, gereift in ausgebrannten, neuen 30-Gallonen-Fässern aus amerikanischer Weißeiche aus Minnesota, die Hirse stammt von einem Biofarmerkollektiv im Mittleren Westen der USA – wer will, kann den Inhalt seiner Flasche bis zum Getreidebauern zurückverfolgen. Wie üblich bei Koval wird nur der Heart Cut eingelagert (ich bin mir nicht sicher, ob das nicht auch die großen Hersteller tun, denn Heads und Tails eines Brennvorgangs werden eigentlich überall als minderwertig wahrgenommen).

Ich freue mich über jede neue Idee, die die sympathische Craftbrauerei aus Chicago hervorbringt. Wer mehr von ihnen probieren will, sollte sich definitiv auch deren Single Barrel Bourbon und den Four Grain Single Barrel anschauen.

Jim Beam Kentucky Dram Whiskey Titel

Mark Twain hätte seine Freude dran – Jim Beam Kentucky Dram Whiskey

Vor kurzem gab es bei Facebook eine Diskussion, die der allseits geschätzte Serge von Whiskyfun.com anstieß – die unerträgliche Situation bei Rum, die es ehrlichen, traditionell arbeitenden Brennern schwer macht, sich gegen all die manipulierenden, nachsüßenden und aromatisierenden Pseudorumhersteller durchzusetzen, die den Ruf des Rum für den schnellen Dollar ruinieren, ließ ihn sich fragen, ob es nicht möglich wäre, dies Problem über eine Etikettenkennzeichnung zu lösen: Sauberer Rum solle den Zusatz „straight“ bekommen, in Analogie zur Kennzeichnung bei amerikanischem Whiskey. „Straight Rum“ wäre definiert als unmanipulierter Rum; „Rum“ ohne diesen Zusatz der Rest.

Ob dies für Rum in seiner multinationalen Herstellersituation durchsetzbar wäre, ist eine Frage; die andere, ob nicht trotz einer solchen Regel weiterhin getrickst werden würde. Was meiner Meinung nach wahrscheinlich passieren würde, sieht man exemplarisch am Whiskey, den ich heute vorstellen will: Dem Jim Beam Kentucky Dram Whiskey. Wir haben hier den Fall eines Blends vor uns, und zwar eines besonderen – hier wird amerikanischer Bourbon mit schottischem Whisky vermählt. Da das Reglement für Bourbon sehr streng ist, darf sich das Kentucky Dram nun natürlich aufgrund der schottischen Zugaben nicht Bourbon, und auch nicht Straight Whiskey nennen; dennoch sieht man prominent auf dem Label die Worte „Kentucky Straight Bourbon Whiskey“ – wer es nicht besser weiß, könnte hier auf die Idee kommen, dies auch in der Flasche zu finden. Der Grat ist schmal.

Weg von den Problemen von Kategorien, Etiketten und Tricksereien hin zum eigentlichen Produkt. Das Wunschziel des Kentucky Dram ist wahrscheinlich, den vollen, süßen Körper eines Bourbons mit dem besonderen Rauch- und Torfaroma eines schottischen getorften Single Malts (doch vorsicht: Single Malt wird nirgends erwähnt, nur „peated whisky“) zu verbinden. Gelingt das?

Jim Beam Kentucky Dram Whiskey Flasche

Der Ursprung der Farbe ist hier eine interessante Fragestellung. Für amerikanische Bourbonproduzenten ist Farbstoff kein Thema, weil verboten. Für Scotchhersteller ist Zuckerkulör als Färbemittel dagegen erlaubt. Da wir laut Beschreibung eine Mischung aus beiden haben, die nicht mehr als Bourbon vermarktet wird, könnte Farbstoff sowohl über die Scotch-Zusetzung als auch durch den Wegfall des Farbstoffverbots in diesen Whiskey kommen. Auf dem Label wird nichts diesbezüglich erwähnt – jeder soll je nach Gemütslage seine Schlüsse daraus ziehen. Ob nun natürlich entstanden oder durch Farbstoffhilfe: Das Kentucky Dram strahlt mit Bernstein in Reinkultur. Beim sanften Schwenken entstehen dünne Beinchen.

Begleitet wird der optische Eindruck durch einen sehr bourbontypischen Geruch. Süß nach Vanille, würzig nach Eiche, eine leichte Lösungsmittelskomponente. Dazu kommt allerdings eine etwas stechende Alkoholfahne, die ein tieferes Schnuppern verbietet. Ich lasse ihn daher eine Weile offen stehen. Doch selbst nach 10 Minuten bleibt dieser stechende Geruch und macht mir den Genuss schonmal schwierig. Den angekündigten schottischen Torfrauch vermag ich persönlich geruchlich nichtmal zu erahnen.

Im Mund kommt er dann, wenn man genau weiß, worauf man zu achten hat, zum Vorschein. Nur ein kurzes Aufblitzen allerdings: Schnell holt die etwas generische Vanille-Eiche-Übermacht alles andere ein und macht es platt. Ein darüberhinaus etwas salziger Charakter mit Anflügen von Lakritz ergibt eine spannende Kombination für alle Freunde des deftigeren Whiskeys; man glaubt kaum, dass er nur 40% Alkohol aufweist, denn die unausgeglichene Schärfe verschreckt schon etwas. Der Abgang ist kurz und leider sehr belanglos. Die bourbontypische Karotte steht noch eine Weile im Mund, dann ist alles enttäuschend schnell wieder weg.

Jim Beam Kentucky Dram Whiskey Glas

Vielleicht bin ich sensorisch zu eingeschränkt, aber ich empfinde die Produktprämisse als sehr gewagt. Wenn wenigstens angegeben würde, welcher und wieviel schottischer Peated Whisky hier enthalten ist, könnte man trefflich diskutieren, wie sehr er die Bourbonbasis beeinflusst – in der vorliegenden Form vermute ich, dass die Formulierung „a touch of peated Scotch whisky“ auf der Dose tatsächlich so gemeint ist. Ein paar Tropfen Scotch pro Flasche. Kaum spürbar. Dazu kommt, dass der verwendete Bourbon ein recht scharfer, harter ist, wahrscheinlich aus Beams unteren Qualitätskategorien; weniger der Geschmack als vielmehr der Geruch leidet sehr darunter.

Wir wollen nun einen Cocktail finden, der der Mixtur aus amerikanischem Bourbon und schottischem Whisky, zwei Titanen der Spirituosenwelt, gerecht wird. Und, siehe da, es gibt einen, von dem man unterschiedliche Varianten findet, einerseits mit dem europäischen und andererseits mit dem amerikanischen Getreidebrand. Mark Twain war so begeistert von ihm, dass er seiner Frau auftrug, die Zutaten bereitzustellen, wenn er von seiner London-Reise zurückkommt. Und ihm zu Ehren ist dieser Cocktail dann auch benannt – wir nutzen hier den schottisch angehauchten Bourbon, um beide Spirituosen zu ehren. Ich bin mir sicher, in dieser Form hätte Mark Twain dieser Cocktail noch besser geschmeckt als mit Scotch (zumindest geht es mir so).

Mark Twain Cocktail


Mark Twain Cocktail
2 oz Scotch (oder hier: Kentucky Dram Whiskey)
¾ oz Zitronensaft
1 oz Zuckersirup
2 Spritzer Angostura
Alles auf Eis shaken.
[Rezept leicht modifiziert nach Mark Twain]


Lohnt sich der Kauf? Persönlich würde ich Interessierten lieber raten, die 40€ in einen guten Bourbon oder einen guten Scotch zu investieren statt in diesen etwas marketinggetriebenen Mischmasch – für das Geld kriegt man in beiden Kategorien ganz hervorragende Produkte. Der Komplettist und Beam-Fan kann aber, wenn er mal etwas anderes probieren will, zugreifen, denn, und das sollte man nicht unterschätzen, das Kentucky Dram ist ein Whiskey, der das Flair des Exklusiven mit sich bringt. Warum?

Jim Beam Kentucky Dram Whiskey Dose

Zunächst ist die Aufmachung gelungen – große, eckige Blechdose in einem sehr genehmen Design. Dann die große, wuchtige Literflasche mit Etikett im selben Metallic-Blau-Stil. Darüberhinaus wird er auch noch künstlich verknappt: Gekauft habe ich diesen Whiskey im Duty-Free-Shop des Flughafens Saarbrücken, vor der Abreise nach Kreta – dankenswerterweise bietet der Shop dort einen Hinterlegungsservice an, so dass man die Flasche nicht mit in den Urlaub nehmen muss, sondern bei der Rückkehr bequem am Informationsschalter abholen kann. 41€ kostete der Liter dort, hätte ich zwei mitgenommen, sogar nur 30€. Ähnlich wie beim Metaxa with Greek Honey ist das Kentucky Dram anderweitig als im Travel Retail aktuell etwas kompliziert erhältlich; bei einem großen ehemaligen Buchversender bekommt man ihn zwar, aber für einen im Vergleich deutlich erhöhten Preis.

Prichard's Lincoln Country Lightning Titel

Eichen sollst Du weichen – Benjamin Prichard’s Lincoln County Lightning Tennessee Corn Whiskey

Die Wetterlage Anfang Juni sorgte bei so einigen dafür, dass man sich wieder etwas mehr mit Meteorologie auseinandersetzte. Das Besondere am Wetter gerade in dieser Zeit waren Mikrogewitter, die sich in einem sehr begrenzten geografischen Raum voller Wut abspielten; neulich, auf der Ostalb, so erzählten mir meine Eltern, hatte es in einem Dorf 10km entfernt 5cm große Hagelkörner und schlimmste Überschwemmungen gegeben. Nur ein paar Autominuten weg davon hat es dagegen nur leicht geregnet.

Im Deutschlandfunk wurde ein Experte befragt, warum keine präzisere Vorhersage möglich war, der im aktuellen Fall Leben hätte retten können. Doch bei dieser Art von Unwetter spielt sich, so der Experte, alles so schnell ab, dass die Vorhersage laut ebenda interviewtem Landrat Klaus Pavel erst kam, als das Gewitter schon in vollem Gange war. Wenn nun schon keine Vorhersage möglich ist, gibt es wenigstens Verhaltensregeln für so einen Fall? Was tut man, wenn es blitzt und donnert? Die Volksweisheit hat einen Spruch parat, deren Wahrheitsgehalt leider gegen Null strebt, aber für den hier vorgestellten Whiskey eine ideale Überleitung bildet.

Eichen sollst Du weichen, Buchen sollst Du suchen. Wahrscheinlich entstand dieser Spruch einfach deshalb, weil es sich so schön reimt; eventuell ist eine Buche, mit ihrer glatten Haut, einfach nach einem Blitzeinschlag nicht ganz so geschädigt wie eine zerfurchte, bemooste alte Eiche, und man nahm diesen optischen Eindruck als Beweis für den Spruch heran. Benjamin Prichard’s Lincoln County Lightning Tennessee Corn Whiskey hat, neben einem superlangen Namen, auch den Blitz im Titel; und er hat sich vielleicht deswegen an die alte Adage gehalten und Eichen gemieden – er kam nicht in Kontakt mit Fassholz, das in den USA zumeist aus amerikanischer Weißeiche produziert wird. Hat es ihm was gebracht?

Prichard's Lincoln Country Lightning Flasche

Ich bewundere zunächst die schönen langen Beine, die der Lincoln County Lightning im Glas beim Schwenken hinterlässt. Dass er völlig transparent ist, hat man ja schon in der eckigen, sich etwas an Feldflaschen orientierenden, nur mit wenig Etikett beklebten Flasche erkennen können. Das schwarz-silberne Dekor lässt einen auf einen edlen Geist hoffen.

Den Whiskeyfreund, der denkt, hier einen bourbonähnlichen Geruch zu bekommen, wird überrascht sein: Frischgebackenes Brot, Mehl, ein Hauch Lakritze, eine Ahnung von Pfirsich, ein Anflug von Klebstoff. Ich habe noch nie einen derartigen Geruch bei Spirituosen gerochen.

Auch im Mund ist dieser brotig-mehlige Geschmack vorhanden. Sehr trocken, zwar süß, aber fast staubig. Erinnert mich etwas an polnischen Vodka; mehr an Vodka als an Bourbon aber auf jeden Fall. Eine kräftige, brennende Schärfe zeugt vom ungebändigten, frischen, jungen Geist dieses Maiswhiskeys.

Im Abgang wird dies durch eine pfiffige Schärfe an der Zungenspitze weiter fortgeführt. Am Gaumen verbleibt eine seltsam trockenes Gefühl. Insgesamt ein eher kurzer Abgang – die alkoholische Schärfe bleibt länger als ein Geschmack.

Prichard's Lincoln Country Lightning Flasche Seitenansicht

Würde ich dem Whiskeyfreund solch einen Brand zum Purgenuss empfehlen? Auf jeden Fall, aber eigentlich nur aus einem Grund: Als Studienobjekt. Man sieht an solcherlei Whiskey sehr eindrücklich, wie sehr das, was wir als Whiskey kennen, von der Fassreifung beeinflusst wird. Zieht man einen gereiften Maiswhiskey wie den Mellow Corn zum Vergleich heran, glaubt man kaum, dass es sich um dieselbe Spirituose handelt.

Man kann das Spirituosenstudium noch weiterführen, indem man einen ungereiften Maiswhiskey wie den Lincoln County Lightning mit einem ungereiften Bourbon vergleicht, zum Beispiel dem Buffalo Trace White Dog Mash #1. Obwohl in beiden Mais als Hauptbestandteil enthalten ist, erkennt man hier schon die feinen Unterschiede.

Nun, außerhalb der Schnapsforschung für interessierte Connoisseure hat der Lincoln County Lightning aber nicht wirklich viel zu bieten. Er ist zu scharf, zu eindimensional, um wirklich für den feinen Gaumen als Schlürfobjekt zu taugen. Der übliche Gebrauch für derartige, mit Moonshine (also illegal gebrannten Hochprozentigem) verwandte Produkte ist das Effekttrinken; da mag die hochwertige Aufmachung zwar auf anderes hindeuten, doch letztlich sind die Alternativen dazu stark eingeschränkt.

In einem Cocktail ist ein ungereifter Maiswhiskey kein Ersatz für Bourbon, da sich die Aromatik völlig unterscheidet. Ich würde ihn eher mit weißem Rum im Einsatzgebiet vergleichen, oder mit Vodka. Hin und wieder findet man aber dann doch einen mutigen Mixologen, der ein Rezept speziell für White Dogs und Co. entwickelt, wie den White Whiskey Punch.

White Whiskey Punch

Rittenhouse Rye BiB Titel

Anzünden und in Deckung gehen – Rittenhouse Straight Rye Whiskey 100 Proof Bottled in Bond

Es folgt eine weitere Lehrminute in Sachen „Begriffe, die auf Spirituosenetiketten verwendet werden“. Heute: Proof. Ein Begriff, den man heutzutage eigentlich nur noch in zwei Kontexten findet – auf amerikanischen Whiskey-Flaschen, und im Zusammenhang mit besonders starkem Rum, sogenanntem Overproof-Rum. Eigentlich ist die Sache ganz einfach: Proof ist eine veraltete Maßeinheit für den Alkoholgehalt. In dem Umfeld, in dem wir uns bewegen, wird proof noch redundant verwendet, wahrscheinlich aus nostalgischen Gründen; denn die Umrechnung von proof nach Volumenprozenten ist simpel. Man teile den proof-Wert durch 2 und erhält dadurch den Prozentwert. Die Historie dieses Begriffs ist bei Wikipedia schön beschrieben, auch, woher der Name proof kommt; aber den namensgebenden Schießpulvertest in bewegten Bilder zu sehen, ist doch noch spektakulärer. Nachahmung nur bedingt empfohlen.

Da die Länder, die diese Maßeinheit früher nutzten, Großbritannien, die USA und Kanada, inzwischen auch gesetzlich auf die Angabe von Volumenprozenten umgestiegen sind, zeigt sich durch diesen Begriff auch, wie schwer man sich von einer liebgewonnenen Tradition trennt, selbst, wenn sie eigentlich keinen Sinn mehr macht. Der Rittenhouse Straight Rye Whiskey 100 Proof Bottled in Bond ist eine der wenigen modernen Marken, die den Begriff des proof sogar zentral als Namensbestandteil nutzt und sehr prominent auf dem Etikett platziert.

Rittenhouse Rye BiB Flasche

Ein hoher Alkoholanteil in einer Spirituose ist allerdings, so ehrlich muss dann schon sein, absolut kein Marketinggag, das schlägt sich im Geschmack nieder. Das ist übrigens nicht nur bei Whiskey, sondern bei fast allen Spirituosen so – wenn Sie also das nächste mal vor dem Likörregal stehen und überlegen, ob Sie die Amaretto-Billigmarke für 5€ mit 21% nehmen, oder den Disaronno für 10€ mit 28%, greifen Sie sich den mit mehr Alkoholgehalt.

Auch beim Rittenhouse Rye ist das spürbar. Vanille dominiert die Nase, dabei ist aber auch schon eine hintergründige, mentholige Würze erkennbar. Etwas Plastikkleber. Bis hierher könnte man denken, dass man einen Bourbon vor sich hat.

Im Mund glaubt das dann keiner mehr. Die Roggenwürze schlägt mit Karacho ohne Vorwarnung zu, viel Pfeffer, noch etwas Vanille und Karamell, dazu erkennbar Eiche aus dem Fassholz. Dabei immer noch mildsüß und feinherb, vielleicht dunkelschokoladig. Im Abgang fantasiere ich mir dann Kokosnussfleisch, Holznoten und Studentenfutter zusammen. Sehr deftig, etwas salzig, insgesamt stark und adstringierend. Langanhaltend.

Rittenhouse Rye Glas

50%, das kann man meines Erachtens geradenoch unverdünnt trinken. Gibt man aber einen kleinen Schuss Wasser dazu, öffnet sich der Whiskey – die Nase wird milder, mit weniger Klebernoten, die Vanille kommt wieder stärker zum tragen, eine kleine, gar nicht unangenehme Seifennote entsteht, Fruchtaromen nach Pfirsich oder Aprikose drängen in den Vordergrund. Die Würze ist reduziert. Ich empfehle, das mal auszuprobieren, selbst wenn man grundsätzlich stärkere Aromen mag; ich bin ein Fan leichterer, volatilerer Gerüche und Geschmäcker, und diese bietet ein verdünnter Rittenhouse Rye en masse. So wird aus dem wuchtigen Bomberpiloten ein eleganter Segelflieger, der seine Roggenwurzeln ganz besonders im Abgang aber nicht vergisst: Eine sehr gelungene Melange.

Ganz besonders in Cocktails kommen die üppigen 50 Volumenprozent schön zur Geltung. Sobald Saft oder Likör in einer Rezeptur auftauchen, wird es für die Hauptspirituose immer etwas schwierig, sich gegen diese Rabauken der Cocktailwelt durchzusetzen. Da schadet eine gewisse Wehrhaftigkeit nicht, die der Rittenhouse Rye 100 Proof ganz gewiss aufweist: zu begutachten beispielsweise in einem New Brunswick Cocktail.

newbrunswick-cocktail


New Brunswick Cocktail
2 oz Pink-Grapefruit-Saft
1 oz Rittenhouse Rye 100 Proof Bottled in Bond
1 Teelöffel Limettensaft
1 Teelöffel Zuckersirup
…mit 1 oz Carpano Antica Formula
…und 2 Spritzer Lemon Bitters toppen


Wenn Sie im Leben nur einen einzigen Rye Whiskey kaufen wollen, dann würde ich Ihnen diesen hier empfehlen; und wenn Sie ihn dann noch für Cocktails suchen, gilt die Empfehlung sogar noch mehr. Auch wenn die etwas gewöhnliche Flasche und das vergleichsweise langweilige Etikett auf Billigware hindeuten – der Inhalt ist spitze.

Mellow Corn Titel

Gelbes Gold und falscher Freund – Mellow Corn Kentucky Straight Corn Whiskey

An anderer Stelle hatte ich schon erwähnt, dass Amerika andere Größenverhältnisse kennt als wir. Die Weite des Landes, die stellenweise hauchdünne Besiedlung und der gleichzeitig riesige Bedarf sorgen manchmal für für uns im engen, kleinen Deutschland unglaubliche Ausmaße in vielen Bereichen. Ein Beispiel dafür ist die für mich als Freund amerikanischer Spirituosen sehr relevante Maisproduktion. Was die Amerikaner unter Maisanbau verstehen, sieht man an diesem Video über die Maisernte in Carrington, North Dakota.

Warum interessiert mich die Maisernte? Bourbon muss zu mindestens 51% aus Mais bestehen. Wenn einem das nicht genug ist, greift der geneigte Whiskey-Trinker dann zu Corn Whiskey, der dann zu mindestens 80% aus dem gelben Gold destilliert wird. Man beachte diesen false friend, der in der deutsch-amerikanischen Kommunikation hin und wieder zu Missverständnissen führt: „Corn“ bedeutet übersetzt „Mais“, nicht „Korn“.

Der Mellow Corn Kentucky Straight Corn Whiskey aus dem Hause Heaven Hill geht noch einige Schritte weiter. Erstens setzt er sogar 90% Mais in der Mashbill ein (die restlichen 10% sind Roggen und Gerste), und zweitens handelt es sich beim Mellow Corn um einen Bottled in Bond Straight Corn Whiskey, der neben den Grundanforderungen weitere Qualitätskriterien erfüllen muss: Er muss beispielsweise unter Regierungsaufsicht mindestens 4 Jahre reifen, und mit mindestens 50% Alkoholgehalt abgefüllt werden. Wir haben hier also einen gereiften Maiswhiskey vor uns, der mit rohem Moonshine, wie man ungereiften, unkontrolliert hergestellten Maiswhiskey auch gern umgangssprachlich nennt, nicht mehr viel zu tun hat.

Mellow Corn Flasche

Entsprechend bezaubert uns schon in der Flasche die Farbe: Es sind keine Farbstoffe erlaubt, also kann man sicher sein, dass diese strahlende Goldfarbe aus dem Reifungsprozess in neuen oder bereits benutzten Fässern (letzteres wäre für Bourbon nicht gestattet) entstammt. Ungereifte Corn Whiskeys wären völlig weißtransparent.

Man erkennt hier ganz klar einen typischen Bourbon-Geruch, allerdings mit deutlich weniger Würze. Der Mellow Corn riecht nach Vanille und Marshmallows, und tatsächlich, für diesen Hinweis muss ich einem amerikanischen Rezensentenkollegen danken, extrem nach dem auch in Deutschland beliebten Juicy-Fruit-Kaugummi.

Zunächst sehr süß und weich im Mund, dann platzt die Bombe und setzt eine brennende Flamme frei. Das beißt und zwickt auf der Zunge, und kratzt etwas im Rachen beim Schlucken. Einerseits mag das an den 50% Alkohol liegen, denn auch die vergleichsweise kurze Reifungsdauer konnte dieses Feuer halt nicht löschen, was bei einem Bourbon durch die Kohleschicht der ausgebrannten Fässer optimiert wird. Trotzdem erzeugt dieser Maiswhiskey ein dichtes, cremiges Mundgefühl. Dabei erkennt man im Hintergrund eine medizinische Note, die mich an Küstenscotch erinnert. Spannenderweise schmecke ich keinen Mais heraus – aber oft erkennt man die Quelle nicht in einem Destillat.

Der Abgang ist sehr kurz, es bleibt einiges an Süße auf der Zunge und am Gaumen zurück. Die Karottennote, die scheinbar nur ich bei Bourbons regelmäßig erschmecke, ist auch hier vorhanden.

In einem zweiten Versuch, einige Zeit später, mit etwas Wasser auf schätzungsweise 30% verdünnt, rieche ich fruchtige Aromen und deutlich weniger Vanille; nicht so spektakulär wie unverdünnt. Dafür kann man nun die medizinische Note klarer wahrnehmen. Interessant:  das Brennen ist trotz Verdünnung noch fast genauso stark.

Die Aromen eines Corn Whiskeys sind im Vergleich zu einem Bourbon oder Rye Whiskey doch zurückgenommen, und dadurch wird es schwieriger, sie in Cocktails unterzubringen. Den Mellow Corn kann man sicherlich nicht in jedem Cocktail verwenden, der nach Bourbon verlangt; doch einem Francis the Mule beispielsweise, benannt nach einer beliebten amerikanischen Fernsehfigur, gibt der Maiswhiskey einen originellen, ungewöhnlichen Touch.

Francis the Mule


Francis the Mule
2 oz Mellow Corn Kentucky Straight Corn Whiskey
½ oz Orgeat (oder Mandelsirup mit zusätzlich etwas Orangenblütenwasser)
½ oz Zitronensaft
½ oz starker, gekühlter Kaffee
2 Spritzer Angostura


Maiswhiskey gilt grundsätzlich als eher unraffinierter, oberflächlicher Schnaps – ein Kommentator auf Amazon bezeichnete den Mellow Corn sogar als schlimmen Fusel: „Absoluter amerikanischer Bauern-Schnaps für Hartgesottene, die einen Blindenhund zuhause haben!“ Nun, ich kann mir nicht vorstellen, dass derjenige den Mellow Corn tatsächlich mal im Mund hatte, sondern nur Vorurteile wiederkäut, wie wir das oft tun, wenn wir etwas nicht kennen oder mögen. Gewiss ist der Mellow Corn Kentucky Straight Corn Whiskey kein Spirituosenkunstwerk; einen Versuch ist er aber für jeden Whiskey-Freund wert, der seinen Gaumen weiterbilden und nicht ein Hinterwäldler bleiben will.

Jack Daniel's Master Distiller Series No 3 Titel

Die Seele des Liebenden ist das Gegenteil der Seele des Sammlers – Jack Daniel’s Master Distiller Series Limited Edition N°3

Der Steinzeitmensch war Jäger und Sammler. Und so mancher Mensch ist es heute noch, auch wenn man dann weniger Beeren sammelt und Mammuts jagt, sondern Sammelobjekte aller Art. Man kennt die Opas, die noch eine Briefmarkensammlung haben, die Omas mit dem Puppenhort. Schallplatten und Kronkorken, Bücher und Porzellanfiguren, Sammelkarten und allerlei anderes Zeugs. Comicbücher waren in den 80ern und 90ern beliebte Sammelobjekte, so beliebt, dass sie bis heute Spekulationsware sind.

Doch eins ist dem nicht dem Sammel- und Jagdwahn verfallenen kühlen Kopf klar: Für jedes Sammelobjekt wie Action Comics #1, Amazing Fantasy #15 oder Detective Comics #27, für die man Eigentumswohnungen in Zentralmünchen bekommt, gibt es Millionen von Gegenstücken, die nichts wert sind. Und mit nichts meine ich nicht mal den Materialwert, auch wenn diverse findige Verkäufer dem unbedarften Investitionswilligen die Sterne vom Himmel versprochen hatten: All die Garantien der Puppenhersteller auf astronomische Wertzuwächse, die doch so sensationellen Einstiegspreise bei Sondermünzen, der angeratene Kauf von Porzellantellern, weil doch der Aktienmarkt so volatil dagegen ist. Alle sind sie auf die Nase gefallen.

Und dann empfiehlt der eine oder andere noch Whisky als Investition. Natürlich tut man das dann nicht mit der 10€-Flasche aus dem Discounter, sondern sucht sich seltene Abfüllungen. Warum dann nicht eine nehmen, die sogar schon im Namen eine Limitierung trägt, wie Jack Daniel’s Master Distiller Series Limited Edition N°3? Die muss doch garantiert in Zukunft was wert sein, oder?

Jack Daniel's Master Distiller Series No 3 Flasche Schrägansicht

Erstmal begehe ich nun den schlimmsten Fehler, den man als ambitionierter Sammler mit Investitionsgedanken begehen kann: Ich öffne die Flasche und verkoste den 43%igen Inhalt.

Geruchlich ist dieser Tennessee Whiskey klar als Jack Daniel’s Whiskey erkennbar. Die typische, fruchtige Bananennote überlagert alles andere, eine gewisse Nussigkeit grenzt sie aber zum 3% schwächeren Schwarzlabel desselben Herstellers ab. Eine starke Plastikkleberfahne ist auch mit von der Partie.

Erster Mundeindruck: Sehr weich und süß. Doch ziemlich schnell setzt eine durchaus aggressive Schärfe ein, die an Zunge und Gaumen kitzelt. Kombiniert mit der recht kräftigen Würze, die die Süße komplett ersetzt, ergibt das einen überraschend starken Whiskey, der seinen kleinen Siebener-Bruder schnell überholt.

Ich mag würzige, kräftige Whiskeys, solange sie die Schärfe mit Charakter ausgleichen. Leider suche ich das bei der dritten Auflage der Jack Daniel’s Master Distiller Series  vergeblich. Er hat kaum Körper, der Abgang ist enttäuschend kurz, wenn auch ansprechend trocken, der Nachhall nach wenigen Sekunden verklungen.

Jack Daniel's Master Distiller Series No 3 Flasche

Ich bin froh, für diesen Tennessee Whiskey nur 25€ im lokalen Globus-Markt bezahlt zu haben. Die Online-Preise, die ich recherchiert hatte, würde ich für diesen eher langweiligen Whiskey nicht auf den Tisch legen wollen – da ist das Geld in einen Jack Daniel’s Single Barrel sehr viel besser investiert, wenn man in diesem Bundesstaat bleiben will – der besitzt nämlich den Charakter, den ich bei „Lem“ Tolleys Whiskeyvariante klar vermisse.

Die Flasche selbst ist identisch zum bekannten Old N° 7, aber mit kupferfarbenen, reflektierenden Rändern; sie ist erhältlich in einem stabilen Karton mit dem Konterfei des Master Distillers Tolley, der von 1941 bis 1964 bei Jack Daniel’s wirkte.

Der Cocktail, den ich vorschlage, ist nach dem Rezept von Dale DeGroff aus seinem Buch „The Essential Cocktail“. DeGroff ist nie bescheiden, gibt gern mit seinen unzweifelhaften Errungenschaften an. Auch vom Whiskey Smash sagt er unverblümt, dass er ihn erfunden habe. Letztlich hat er aber nur dem Rezept von Jerry Thomas von 1862 Zitronenstücke hinzugefügt (es wäre kein DeGroff-Drink, wenn nicht gemuddelte Frucht drin wäre), und den Süßer ausgetauscht. Das Ergebnis ist dann aber doch ein völlig anderer, modernerer und vielleicht sogar besserer Drink – daher gestehe ich DeGroff gern ein bisschen Megalomanie zu.

DeGroff's Whiskey Smash


DeGroff’s Whiskey Smash
4 große Blätter Minze
½ Zitrone, wiederum halbiert
1 oz Orange Curaçao (z.B. Le Favori)
im Shakerglas muddeln
2 oz Jack Daniel’s Master Distiller Edition N°3
sehr gut schütteln


Diese Jack-Daniel’s-Reihe ist klar an Sammler gerichtet, die sich die „Limited Edition“-Flaschen ins Sammlerregal stellen wollen und auf Wertsteigerung oder Prestige für die gesamte Reihe hoffen. Doch hierfür gibt es Voraussetzungen.

Erstens, das Sammelobjekt muss selten genug sein (von Action Comics #1 gibt es wohl nur noch eine Handvoll). Ich will gar nicht schätzen, wieviele Flaschen diese „Limited Edition“ eines Massenherstellers ausmachen; allein schon deswegen ist eine Wertsteigerung eher utopisch. Zweitens, man muss sicherstellen, dass es sich bei dem Objekt der Begierde nicht um eine Fälschung handelt – gerade bei Spirituosen ist das wirklich ein Thema. Drittens, man muss die gesamte Reihe haben. Einzelflaschen werden, falls diese Reihe mal tatsächlich etwas wert sein sollte, deutlich geringer bepreist sein als die Gesamtreihe (Sammelkarten zeigen dies). Und zu guter letzt darf man die Flasche, wie oben schon angesprochen, nicht öffnen und muss den Karton aufbewahren – Comics beispielsweise müssen einen guten Zustand aufweisen, eigentlich direkt nach dem Kauf in Folie eingeschweißt und unter guten Bedingungen aufbewahrt werden, und dürfen idealerweise gar nicht erst gelesen werden. Ich persönlich trinke einen Whiskey lieber statt ihn als Spekulationsobjekt ungeöffnet im Regal verstauben zu lassen und ihn damit den wahren Genießern zu entziehen.

Man sieht, ich wäre eh nicht an einem eventuellen zukünftigen Wert dieser limitierten Whiskeyserie interessiert; doch werde ich die anderen Jahreseditionen, die mit anderen Master Distillern der Firma präsentiert werden, auch aus rein geschmacklichen Gründen nicht weiter verfolgen.

Jim Beam Rye Titel

Der Kundenfänger im Roggen – Jim Beam Kentucky Straight Rye Whiskey

Beam ist so eine seltsame Firma. Einerseits produzieren sie herausragende Small-Batch-Bourbons, die jedem Test ohne Mühe standhalten; andererseits überschwemmen sie den Markt mit minderwertigem White-Label-Sprit, der nur den Wirkungstrinkern mit viel Cola den Hals runterläuft.

Wozu gibt es diese Billiglinien in einem Produktportfolio? Für uns Genießer stellt sich diese Frage. Doch die Menge an verkauftem Billigsprit gibt Beam recht: Es sind eben nicht alle Whiskeytrinker automatisch auch Genießer. Ein Großteil der Bevölkerung ist auf den Rausch aus, und gibt herzlich wenig auf Genuß beim Trinken – knallen muss es, nicht schmecken. Und so versorgt Beam eben beide Gruppen von Trinkern mit Stoff. Ich würde mir wünschen, dass die Effekttrinker zahlenmäßig weniger werden und die Genusstrinker dafür mengenmäßig zulegen könnten; das wird aber ein frommer Wunsch bleiben, denn die Welt ist so wie sie ist. Persönlich freue ich mich dennoch über jeden Whiskeytrinker, den ich zur Hellen Seite der Schnapsmacht bekehren kann.

Es wird vielen wie mir gehen, die sich nicht sicher sind, ob sie ein neues Produkt in dieser Billigproduktlinie wirklich testen wollen – der White-Label-Schatten liegt über allem und schreckt zunächst ab, insbesondere, wenn das neue Produkt das Beam-bewährte Flaschen- und Etikettendesign mit billigem Blechschraubverschluss nutzt. Dennoch dürfen wir mit der Bekehrungsmission direkt bei diesem unerwarteten Kandidaten beginnen: beim Jim Beam Kentucky Straight Rye Whiskey kann man als Kenner und Einsteiger in den Roggenwhiskey durchaus einen Blick und Schluck riskieren.

jimbeamrye-border

Farblich ist der Jim Beam Rye relativ blass. Im Glas riecht er wie ein Bourbon – vanillig und mild. Der erste Mundgeschmack ist für mich etwas unangenehm, hefig, zu malzig; das wird schnell abgelöst durch eine angenehme Süße, die am Ende in ein leichtes Brennen übergeht. Von der Würze, die ich mir von einem Rye erwarte, ist nur kaum etwas spürbar. Da muss man wohl der Zielgruppe Eingeständnisse machen, und Würzexperimente passen vielleicht wirklich eher in die Small-Batch-Produktionslinien, bei denen man davon ausgehen kann, dass der Käufer nicht nur möglichst gestreamlinete Produkte verkosten möchte. Nur 51% Roggen in der Mashbill, das absolute Minimum dafür, dass sich dieser Whiskey Rye Whiskey nennen darf, spricht auch dafür.

Roggenwhiskey-Cocktails sind gerade en vogue. Besonders die amerikanischen Bars entdecken ihren verlorenen Sohn wieder neu, und Rye knabbert ganz gewaltig an der Dominanz des Bourbon als Whiskeyvariante Nummer 1, wenn es um Cocktails geht. Alte Rezepte aus der Zeit vor der Prohibition werden wieder hervorgeholt; neue Rezepte mit den wie Pilze aus dem Boden sprießenden Ryemarken erschaffen. Eines der alten, klassischen Rezepte mit Rye Whiskey, das nun wieder in die Bars Einzug hält, ist das des Ward Eight.

Ward Eight Cocktail


Ward Eight
2 oz Jim Beam Kentucky Straight Rye Whiskey
¾ oz Orangensaft
¾ oz Limettensaft
1 Barlöffel Grenadine


Es ist keine Altersangabe auf dem Label vorhanden. Man kann daraus in Kombination mit dem Wörtchen „straight“ aber ablesen, dass dieser Rye mindestens 4 Jahre reifen konnte. Was Geschmack angeht und die Art, mit der Beam diesen Whiskey präsentiert, gehe ich davon aus, dass es aber auch nicht viel mehr sein wird als diese 4 gesetzlichen vorgeschriebenen Jahre für einen Straight Whiskey ohne Altersangabe.

Wer den White Label nie abkonnte, sollte diesem Yellow Label trotzdem eine Chance geben. Das ist ein passabler, einfacher Einstieg in die Welt der Rye Whiskeys, preislich durchaus interessant und geschmacklich nicht ganz so wild wie manche andere Ryes. Positiv gesehen als Gebrauchsrye in einer Heimbar, negativ gesehen als Ausstellungsstück dafür, wie unroggig ein Roggenwhiskey sein kann.

Wer aber den vollen Roggengeschmack haben will, muss natürlich zu anderen Sorten greifen, die Beam, wie im Vorwort schon angesprochen, auch anbietet: Ich empfehle als totales Kontrastprogramm den Knob Creek Straight Rye Whiskey.