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Stagg Jr Kentucky Straight Bourbon Whiskey (third batch)

Kurz und bündig – Stagg Jr Kentucky Straight Bourbon Whiskey (third batch)

Auch bei Spirituosen gibt es große und kleine Geschwister – vielleicht kennt der eine oder andere Bourbon-Freund unter meinen Lesern den durchaus schwer erhältlichen, raren George T. Stagg. Bei dieser Verkostung des kleinen Bruders dieses Schwergewichts, des Stagg Jr Kentucky Straight Bourbon Whiskey, haben wir die dritte Charge („third batch“) eines Small-Batch-Whiskeys aus dem Hause Buffalo Trace vor uns. Dafür werden Whiskeys mit einem Alter von um die 8 und 9 Jahren miteinander verblendet und in Fassstärke in die Flaschen gefüllt; jeder Batch hat dadurch eine eigene Charakteristik. Ein 10cl-Sample bildet die Basis für den heutigen Verkostungsversuch.

Die Farbe strahlt regelrecht, ein warmes, glühendes Kupfer, das schon fast ins braunrote übergeht. Im Glas bewegt sich der Stagg Junior wie ein Senior, langsam, gemächlich, schwer und ölig. Rein optisch ist das einer der schönsten Whiskeys, die ich bisher gesehen habe. Man sieht – man muss nicht kältefiltern oder färben (beides geschieht hier nicht), um ein spektakuläres Endergebnis zu erhalten.

Stagg Jr Kentucky Straight Bourbon Whiskey (third batch)

Geben wir ihm zunächst in voller Stärke eine Chance. Bei 66,05% ist das für mich persönlich grenzwertig.

Nach dem Eingießen ins Verkostungsglas stößt einem erstmal eine scharfe Lösungsmittelnote ein Messer ins Gesicht. Ich lasse ihn daher zunächst mal einige Minuten offen atmen. Leider verschwindet sie dennoch nicht wirklich; darüber hinaus bleibt auch eine gewisse Essignote, die es der darunter liegenden Vanille schwer macht, nach vorne zu kommen – die Nase kann mit dem Auge in keinster Form mithalten.

Im Antrunk ist erst eine schwere, dichte Süße erkennbar, ein voller und wuchtiger Körper, etwas Salzigkeit. Im Verlauf entsteht eine gewisse, kantige und würzige Schärfe nach Pfeffer und Chili, sehr viele Tannine, eine starke Adstringenz sorgt für ein trockenes Mundgefühl. Kandiszucker, Vanille und das wars dann aber auch schon – Power ohne Ende, aber keine Tiefe oder Komplexität. Der Abgang des Stagg Jr ist feurig heiß und dabei leider aromatisch nur sehr kurz. Wirklich richtig enttäuschend kurz.

Zwei Teelöffel Wasser kommen nun dazu. Die Nase bekommt eine lakritzige Note, und etwas cognachaftes. Im Geschmack liegt immer noch Alkohol und Lack stark in Front, Eiche dazu, aber Vanille und Schokolade bekommen nun wenigstens eine Chance. Der Nachhall verlängert sich um einiges. Er verliert durch das Wasser kaum an Volumen, fühlt sich immer noch ölig und schwer an: Ein Whiskey, dem Wasser sehr, sehr gut tut, den man eigentlich nur so vernünftig genießen kann. Alternativ macht er sich dann doch recht gut in einem Old Fashioned.

Fazit – Buffalo Trace hat definitiv spannendere und reizvollere Whiskeys im Portfolio – insbesondere, wenn man den aufgerufenen Preis von aktuell rund 100€ in Betracht zieht, würde ich eher diese anderen Bourbons empfehlen als den unausgereiften Stagg Jr.

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Baker's Kentucky Straight Bourbon Whiskey Titel

Vorsicht vor Empfehlungen – Baker’s Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Vielleicht kennt der eine oder andere das – man hat einen im Bekanntenkreis, der sich etwas mit Spirituosen auskennt, und aus gegebenem Anlass hätte man gern eine Flasche eines guten Tropfens gekauft. Also fragt man den Bekannten, was er so empfehlen würde, sieht, dass es die Empfehlung auch noch gerade im Blitzangebot bei einem großen Onlinegemischtwarenladen gibt, und schlägt dann voller Vertrauen zu. Am besonderen Tag öffnet man dann mit Freunden und Freuden die Flasche, und stellt fest, dass der Inhalt einem dann doch nicht so besonders zusagt. Eine Enttäuschung sondergleichen.

Das ist das Schicksal des Kenners: der eigene Geschmack ist halt dann doch nicht wirklich übertragbar. Man kann Qualität, ein gutes Preisleistungsverhältnis oder eine hübsche geschenktaugliche Präsentation empfehlen, aber ob es dann dem glücklichen Empfänger auch wirklich schmeckt, das bleibt dem Schicksal überlassen und ist selten vorhersehbar.

So ging es mir, als ich einem Kollegen, der mich nach meiner Meinung über Baker’s Kentucky Straight Bourbon Whiskey fragte – klar, toller Stoff, schlag zu, so in etwa waren wohl meine Worte. Nach einiger Zeit erhielt ich dann die etwas pikierte Rückmeldung, dass der Whiskey nicht wirklich gut angekommen war: die tiefgehende Analyse lautete „hat nicht geschmeckt“. Die Flasche war trotzdem nur noch zu einem Drittel voll, also kann man den Probanden nicht vorwerfen, sie hätten es nicht zumindest versucht. Immerhin kam ich so in den unerwarteten kostenlosen Genuss des ordentlichen Rests, der übrig geblieben war.

Baker's Kentucky Straight Bourbon Whiskey Flasche

Farblich erkennen wir sehr dunklen Bernstein mit orangenen Reflexen. Der Baker’s Bourbon ist ein Straight Bourbon, daher ist künstliche Nachfärbung ausgeschlossen; hier hat man den (leider seltenen) Fall, dass man schon von der Optik her erahnen kann, wohin der Geschmack später gehen wird. Der Whiskey liegt sehr ölig im Glas, mit sehr langsam ablaufenden Beinen.

Der Geruch ist eine bunte Mischung aus Aromen, die auf dern ersten Blick kaum zusammenpassen. Etwas Lack. Honig. Vanille. Etwas Menthol.  Etwas Bacon. Ein Hauch Rauch. Und über allem brutal viel Eiche – sehr viel mehr, als die 7 Jahre Reifezeit in neuen Fässern aus amerikanischer Eiche das normalerweise liefern. Interessanterweise passen sich die Aromen dann doch in ein rundes Gesamtbild ein.

Der Geschmack ist voll, weich und super-„smooth“ (um mal das Buzzword, das viele Kenner inzwischen hassen, zu bemühen), trotz der 53,5% Alkohol. Der Körper ist leicht dünn. Insgesamt ist der Baker’s Bourbon nicht so süß, wie erwartet, im Gegenteil: er bleibt sogar sehr trocken, und leicht blumig, fast schon parfümig. Im ersten Moment überraschend, weil anders als die meisten anderen Bourbons; in der Folge aber äußerst elegant, erinnert fast etwas an Cognac. Wenn man den Marketingaussagen von Beam trauen darf, ist ein spezieller Hefestamm für diesen besonderen Geschmack verantwortlich. Der Abgang ist sehr lang, leicht bitter, trocken, nussig. Er bleibt auch im Nachhall sehr lang feurig, voller Chili, Pfeffer und Eiche, sowie Menthol.

Ich muss den Testern, die meiner Empfehlung gefolgt sind, das Eingeständnis machen: Beim Baker’s haben wir ein durchaus ungewohntes Geschmacksbild für einen Bourbon aus der Beam-Reihe vor uns. Das ist für mich aber keineswegs ein Mangel, im Gegenteil – es ist schön zu sehen, dass auch im hochstandardisierten Bourbonbereich eine weite Spannbreite an Aromenprofilen möglich ist.

Für mich ist der Baker’s in seiner Eleganz ein idealer Purgenuss. Dennoch, wer mich kennt, weiß, dass mich das nicht davon abhält, solche Produkte auch in Cocktails zu kippen. Der Thigh High Boots ist eine schöne, kräftige Mixtur mit extrem viel Körper und einer dichten Aromenstruktur, in dem die hohe Alkoholprozentzahl des Baker’s dafür sorgt, dass die schweren Bitterkomponenten nicht überhand nehmen.

Thigh High Boots


Thigh High Boots
2 oz Bourbon (z.B. Baker’s Kentucky Straight Bourbon Whiskey)
¾ oz Zitronensaft
¾ oz Zimtsirup
¾ oz Lillet Blanc
½ oz Campari
½ oz Amaro (z.B. Ramazotti)
3 Spritzer Peychaud’s Bitters
Auf Eis rühren.

[Rezept nach T.J. Lynch]


Kurz etwas zu den Rahmenbedinungen – der Baker’s Bourbon ist Teil der Small-Batch-Familie des Herstellers Beam, zu der auch Booker’s, Basil Hayden’s und Knob Creek gehören. Der Name ist abgeleitet von Baker Beam, dem Großneffen des Firmengründers. Zur Zeit sind zwei Abfüllungen in Deutschland auf dem Markt, die sich äußerlich durch unterschiedliche Flaschenformen auszeichnen. Die „alte“ Abfüllung ist in einer recht klassischen Flasche, die man sonst oft von Wein kennt, unterwegs (im Foto unten rechts zu sehen); eine „neuere“ Abfüllung ist in einer eher typischen Spirituosenflasche beheimatet (im Foto links). Gleich markant bleiben das prägnante „B“ auf dem Etikett, sowie die schwarze Wachsschicht, die den Flaschenhals bedeckt.

Baker's Kentucky Straight Bourbon Whiskey alte und neue Flasche

Kleine Anekdote am Schluss – der Kollege, der mir die Restflasche überlassen hat, hatte dann doch noch eine zweite Flasche gekauft. Für ihn ist dieser Bourbon immer noch etwas ungewohnt, und falls es jemand anderem ähnlich ergeht wie ihm: Der Elijah Craig, eine andere Empfehlung, die ich im gab, mundet ihm dafür umso besser. Mit beiden macht man aus meiner Sicht nichts falsch, aber Geschmäcker sind halt verschieden (und damit werfe ich 2€ ins Phrasenschwein).

Die Sprache gehört zum Charakter des Whiskeys – Elijah Craig 12 years Kentucky Straight Bourbon Whiskey

In der globalen Spirituosenwelt tauchen immer wieder Produkte auf, mit deren Namen wir leider allzuoft monoglotten Deutschen bei der Aussprache Probleme haben. Man muss nicht ganz so weit gehen wie die völlig abstrusen Namen bei manchen Rums (Uitvlugt?!?) oder Scotches (Glen Garioch?!?), die selbst Sprachprofis in beinahe unlösbare Schwierigkeiten bringen – manchmal sind es selbst traditionelle angloamerikanische Vornamen, bei denen es schon hapert. Der Schauspieler Elijah Wood beispielsweise wird in deutschen Medien wahlweise auf unterschiedliche Art falsch ausgesprochen. Hier daher die einzig korrekte, gültige Lautkombination zur Referenz.

Dieser Artikel soll nun natürlich nicht über Herr-der-Ringe-Darsteller handeln, sondern über amerikanischen Whiskey. Doch natürlich profitiert der Konsument und mögliche Käufer des Elijah Craig 12 years Kentucky Straight Bourbon Whiskey auch davon, wenn er weiß, wie man die Buchstaben auf dem Etikett korrekt in Lauten wiedergibt, nämlich genau so, wie den Frodo-Mimen.

Wer sich auch nur ansatzweise über Bourbons informiert, stolpert immer wieder über diesen amerikanischen Whiskey. Nun ist es schon allein etwas begeisternd, dass man einen Bourbon 12 Jahre lang reifen lässt (nur 2 Jahre sind gesetzlich für Straight Bourbons vorgeschrieben) – wenn er dann auch noch so wunderbar rund und würzig ist, dann wird der Traum jedes Whiskey-Freunds wahr.

Elijah Craig 12 Kentucky Straight Bourbon Whiskey Flasche Normaletikett

Die Nase ist großartig. Während man bei vielen Bourbons nur das Karamell vorausahnt, vielleicht ein bisschen Eiche, springt einem hier schon die Kraft in den Riechkolben; Vanille ist natürlich dominant. Eine leichte Zitrusnote. Etwas Salz. Man sollte ihn eine Weile offen stehen lassen, dass sich die gröbsten, durchaus vorhandenen Lackgerüche verflüchtigen.

Nach dem ersten Schluck will ich den Elijah Craig dann gar nicht mehr rauslassen – würziger Karamell, Shortbread, Orange, dabei nie scharf oder brennend. Der Elijah Craig ist trotz eines recht süßen, weichen Antrunks nicht anbiedernd schmeichlerisch, sondern schon eher was für die Freunde des Deftigen, um so mehr, je länger man ihn im Mund hält. Dichter Körper, cremiges Mundgefühl, eine volle Breitseite.

Im Abgang kommt dann noch eine leichte Salznote, dazu Trockengebäck und eine recht brutale Holzigkeit zum Vorschein, die sich das abschließende Geschmacksbild mit der wuchtig-tiefen Vanille teilt. Feurig heiß und glühend läuft er die Kehle hinunter, zeigt hier zum ersten Mal seine üppigen 47% Alkohol, und lässt bei adstringierender Trockenheit dann dennoch viele Restaromen noch sehr lange im Mundraum zurück.

Das ist ein fetter Kentucky Straight Bourbon, den ich gern pur trinke. Ein 3cl-Glas reicht auf eine halbe Stunde. Schnuppern und schlürfen, da braucht man nichts anderes und ist 30 Minuten im Whiskey-Himmel.

Doch auch in Cocktails macht sich dieser Bourbon gut, insbesondere natürlich in solchen, in denen er eine Hauptrolle spielt. Man probiere daher einfach mal einen Elderflower Old Fashioned, in dem die Würze des Elijah Craig gegen die Süße des Holunderlikörs wunderbar ankämpft. Alternativ, wenn man nicht so sehr auf die blumige Komponente steht, empfehle ich eine leichte Variation des Dilbert’s Dilemma, in dem ein Bierlikör für die Süße sorgt.

Dilbert’s Dilemma


Dilbert’s Dilemma
2 oz Bourbon Whiskey (z.B. Elijah Craig 12 years)
½ oz Bierlikör (z.B. Saarfürst Brauerfeuer)
Diese Zutaten im Rührglas auf Eis verrühren.
Das Gästeglas mit…

¼ oz Orangenlikör (z.B. Cointreau)
…ausspülen, dann die gerührte Mixtur dazugeben.

Mit einer Orangenzeste dekorieren.
[Rezept leicht adaptiert nach Good Booze]


Die Flasche ist eine Erwähnung wert – im Glas integriertes Logo, massiv, schwer, da hat man was in der Hand. Ein sehr gelungener, breiter Ausguss, mit einem fetten Plastikdeckel auf dem Korkstopfen: die gesamte Verarbeitung wirkt wertig. Wenn man dann noch mit einem Spezialetikett auftrumpfen kann, das einem als Mitglied der Bardstown Whiskey Society zugesendet wird, ist der Wow-Faktor nochmal ein bisschen größer.

Elijah Craig 12 Kentucky Straight Bourbon Whiskey Flasche Spezialetikett

Man sieht auf dem Spezialetikett allerdings auch schon eine Änderung, die im aktuellen Produktionsklima von Whisky und Whiskey unausweichlich scheint – die Altersangabe „12 Jahre“ verschwindet vom Etikett, und wird durch das generische „Small Batch“ ersetzt. Laut Hersteller ändert sich nichts am Rezept; einige Kenner in diversen Foren bescheinigen dem NAS-Craig aber doch einen leicht schwächeren Charakter. Wer also die Chance hat, sich noch eine der Flaschen mit Altersangabe zu sichern, bevor die NAS-Welle, die in den USA bereits begonnen hat, nach Deutschland schwappt, sollte dies tun – in vielen Fachmärkten stehen sie noch herum.

Ob nun 12 Jahre oder NAS – der Elijah Craig bleibt ein Benchmark-Bourbon. Wer wissen will, wie ein guter Bourbon schmeckt, probiert diesen hier. Jeder Cent ist gut investiert. Ich lasse immer einen Tropfen im Bart hängen, für später.

Knob Creek Bourbon Titel

Garantiert kein Hochstapler – Knob Creek Kentucky Straight Bourbon

„Klein“ ist eigentlich kein Wort, das die Amerikaner kennen. Und wenn sie es dann doch verwenden, dann meist in einem anderen Interpretationskontext als wir Europäer. Entsprechend muss man auch die in den vergangenen Jahren immer beliebtere Herstellungsmethode des Small Batch verstehen, mit der auch der Knob Creek Kentucky Straight Bourbon produziert wird.

Wir anspruchsvollen Konsumenten wollen uns einfach gern ein bisschen bauchpinseln lassen: Eine als „klein“ gekennzeichnete Abfüllung fühlt sich irgendwie an wie eine kleine, aber feine, edle Sonderdestillation, extra für uns, um uns vom Massenmarkt abzugrenzen. Dabei ist der Whiskey, der sich in dieser Flasche befindet, ein enger Verwandter des Whiskeys, den man für deutlich weniger Geld in der weißgelabelten Jim-Beam-Massenflasche kaufen kann – er läuft in der Regel sogar aus derselben Destille.

knobcreek-bourbon-flasche

Es geht aber beim Small-Batch-Verfahren nicht darum, ein anderes Destillat, oder auch nur absolut gesehen kleine Mengen in Flaschen abzufüllen; die „kleine Charge“ bei Unternehmen wie Jim Beam, aus dessen Lagerhäusern dieser Whiskey stammt, ist wahrscheinlich größer als die Hauptabfüllung vieler schottischen Whisky-Unternehmen. Die Besonderheit beim Small-Batch-Verfahren liegt allein in der Fassauswahl aus den riesigen Lagerhäusern des Konzerns: Für die Abfüllung wird ein relativ gesehen kleinerer Satz von besonders ausgewählten Fässern geblendet, als für die Massenabfüllung.

Dass dabei nicht die Fässer, die die Zeit nicht so gut überstanden haben, herausgesucht werden, sondern die, von denen sich der Master Blender etwas verspricht, sorgt dafür, dass man im Small-Batch-Whiskey dann eben doch einen aromatischeren, reiferen und edleren Geist erhält, als in den Massenabfüllungen, bei denen eine solche Prüfung nur dahingehend stattfindet, dass man die guten Fässer gar nicht erst dafür hernimmt.

Es gibt keine Regelung, ab welcher Menge man von Small Batch reden kann; für manche Hersteller ist es Small Batch, wenn beispielsweise statt 100 Fässern pro Abfüllvorgang nur 50 verwendet werden; bei anderen ist das Verhältnis extremer. Leider erfährt man praktisch nie, wieviele Geschwister pro Abfüllung die vor einem stehende Flasche eines Small-Batch-Whiskeys hatte. Wer Glück hat, holt sich wenigstens noch die „alte“ Abfüllung mit der „aged nine years“-Altersangabe; ansonsten muss man zur „patiently aged“-NAS-Flasche greifen, die laut Kennern ein bisschen an Aroma eingebüßt haben soll.

Knob Creek Old and New

Ignorieren wir für eine Weile nun die Familienverhältnisse des Knob Creek Kentucky Straight Bourbon und wenden uns seinem Duft zu: Kräftiges Aroma, viel Vanille: Bourbon in Reinkultur halt. Leichte Trockenfrucht, und ein schwerer Blumenduft, wie bei Lilien vielleicht.

Die 50%, die dieser Whiskey dankenswerter Weise aufweist, kommen schon deutlichst erkennbar im Mund zum Vorschein, pure Würze und Alkohol schießen vor. Ölig, schwer und mundausfüllend lässt er den Whiskeyfreund vor Freude taumeln, bis beim Abklingen ein Überschwall an Vanille, süßem Obst und feinen Gewürzen den Geschmacksreigen komplettiert.

Selbst nach dem Abgang verbleibt der Knob Creek äußerst kräftig und sehr würzig am Gaumen; er ist definitiv nichts für Liebhaber eines weichen Drinks am Abend, denn danach hat kein anderes Getränk mehr eine Chance auf die ihm zustehende Würdigung. Ein Kribbeln bleibt sehr lange, selbst nach Minuten, auf der Zunge. Eine wahre Hornisse an Bourbon. Ich würde, auch wenn man Fünfzigprozenter sonst durchaus pur genießen kann, auf jeden Fall etwas Wasser zusetzen, damit auch die feineren, dezenteren Aromen, die ohne Zweifel vorhanden sind, zum Vorschein kommen können, ohne von der Wucht des ersten Ansturms überrannt zu werden.

So gewaltige Whiskeys sind allerdings auch ideal für Cocktails. Normalerweise würde das Rezept für einen Suburban nach Rye Whiskey verlangen. Doch der Knob Creek Bourbon ist so würzig, dass er jedem Rye das Wasser reichen kann. Warum ihn dann nicht in diesem tollen Cocktail verwenden?suburban-cocktail


Suburban
1½ oz Knob Creek Kentucky Straight Bourbon
½ oz Dunkler Rum (z.B. Vizcaya VXOP)
½ oz Tawny Portwein
1 Spritzer Orange Bitters
1 Spritzer Angostura


Wem diese Art von Whiskey schmeckt, sollte dringend auch die anderen Familienmitglieder des Small-Batch-Clans von Beam anschauen: Den direkten Namensbruder Knob Creek Straight Rye Whiskey, sowie die Cousins Basil Hayden’s, Booker’s und Baker’s Bourbon. Und auch andere Hersteller bieten feine Small-Batch-Produkte an, insbesondere möchte ich da auf den Four Roses Small Batch hinweisen, einen meiner Lieblingsbourbons.

Preislich nähern sich diese Sonderabfüllungen immer mehr der Standardware an; Überschaubare 25€ habe ich für die 700ml-Flasche des Knob Creek Kentucky Straight Bourbon bezahlt. Investieren auch Sie diese paar Euro mehr im Vergleich zu Standardabfüllungen: Man bekommt für nur wenige Extraeuros einen enormen Qualitätssprung, der sich für jeden Whiskeyfreund sofort bezahlt macht.

Jahrein, jahraus – Evan Williams Single Barrel Vintage 2004 Bourbon

„Was für ein Jahrgang!“ Das ist ein Ausspruch, begeistert geäußert, den man oft von Weinkennern zu hören bekommt. Wer erinnert sich nicht an die großartige Szene aus dem Louis-de-Funès-Film „Brust oder Keule“, in der ein französischer Jahrgangswein allein aufgrund seiner äußerlichen Eigenschaften erkannt wird?

Eine Frage, die sich mir nun direkt anschließt – warum hört man solche Ausrufe nur von Weinkennern, nicht von Spirituosenkennern? Warum erfreut sich der Gourmet eines SaintJulien Château Léoville-las-Cases 1953, trinkt aber  einen Highland Park 12 Years ohne Angabe des Datums der Fassbefüllung? Ich gehe einfach mal davon aus, dass bei einem Wein, der ja meist innerhalb eines Jahres von der Rebe in die Flasche kommt, die Umgebungsbedingungen des Produktionsjahres deutlich wichtiger sind als bei einem Whiskey, der einen Großteil seiner Aromen aus jahrelanger Fasslagerung bezieht.

Nun habe ich aber doch einen amerikanischen Whiskey gefunden, dem das Fassjahr wichtiger ist als die Reifedauer: den Evan Williams Single Barrel Vintage 2004 Bourbon. 2004 wurde er also destilliert und ins Fass gefüllt, knapp 10 Jahre später, 2014, dann in die Flasche gezogen. Die Destillerie Heaven Hill bringt jedes Jahr einen solchen Jahrgangswhiskey heraus, mit dem Anspruch, dass eine Flasche des Jahrgangs 2003 komplett anders schmecken kann als eine des Jahrgangs 2004 und so weiter. Auch wenn der deutsche Whiskygott Horst Lüning eine solche Produktion „Marketing-Blabla“ nennt – ich finde es eine nette Abwechslung, insbesondere in Zeiten von NAS-Abfüllungen, die überhaupt keinen Hinweis auf Alter oder Abfüllungszeit mehr geben.

evanwilliams2014-flascheSehr positiv fällt dem Jahrgangsverkoster erstmal die herrliche Kupferfarbe auf. Auch im Glas ist der Bourbon beeindruckend, mit sehr vielen langen Beinen. Ein Bourbon ist es vom Geruch her, und zwar was für einer: Fette Vanille, etwas Lack, viel Eichenwürze. Ein erdig-toniger Anklang von Stein hebt ihn daneben vom Standardbourbon ab, und etwas Schokolade meine ich auch noch zu erschnuppern. Ein herrlich kräftiges, üppiges Bouquet…

…das im Mundgefühl noch übertroffen wird. Ölig, dicht und voluminös begeistert schon seine Konsistenz, und wenn dann die Zunge von Aromen von Toffee und weißer Schokolade und Karamell überflutet wird, ist das Whiskeysüßmaul überglücklich. Ich empfinde den Evan Williams Single Barrel Vintage 2004 Bourbon als überaus komplex und tief, dabei gleichzeitig aber sehr gefällig: äußerst cremig, weich und mit nur leichter Würze. Die Hauptaromen sind süß und schokoladig, nur wenig Alkohol ist spürbar, erst im Abgang wird es würziger und kräftiger, selbst dann aber vorsichtig und schnell abklingend. Am Ende dann ein mittellanger Abgang mit viel Wärme und residualen Geschmäckern.

Ein Whiskey zum Eingießen und einen Abend daran schlürfen. Herrlich mild und süß. Man braucht sonst nichts und ists zufrieden.

evanwilliams2014-ruecketikettDas Flaschendesign ist diesbezüglich erstaunlich zurückhaltend – ähnlich wie viele Scotch-Flaschen hat sie einen bauchigen Hals, der aber von schwarzem Siegellack verdeckt ist. Auf dem Rückseitenetikett steht, wie es sich für einen Single-Barrel-Whiskey gehört, die Fassnummer, und, um dem Jahrgangsgedanken vollends Rechnung zu tragen, auch das tagesgenaue Datum der Inholzlegung und Flaschenabfüllung. Man sieht: Es waren bei mir rund 9 Jahre und 10 Monate, die dieser Whiskey reifen durfte.

Der eine oder andere aufmerksame Leser wird sich gewundert haben, warum ich hier den 2004er-Jahrgang bespreche, obwohl auf dem Foto eine fette „2005“ auf dem Etikett zu lesen ist. Nun, ich hatte mir die 2004er-Flasche gekauft, und kurz darauf, als Mitglied der Bardstown Whiskey Society, das Angebot zu einem maßgeschneiderten Aufklebelabel mit eigener Beschriftung erhalten. Das war dann halt für die 2005er-Flasche. Aber so einem Angebot konnte ich nicht widerstehen: Nun steht also eine individuell angepasste Whiskey-Flasche für den „Club der Ehrenwerten Gentlemen“, einer lokalen Vereinigung von Freunden edelsten Genusses, in meiner Heimbar.

evanwilliams2014-eigenesetikettIch tue mich schwer, so einen wunderbaren Whiskey in einem Cocktail zu vermischen, in dem er nur eine Zutat unter vielen ist. Ein Cocktail aber, in dem er der Star des Abends ist, und andere Zutaten ihn nur bei einer herausragenden Leistung unterstützen, ja, das lasse ich mir gefallen. Wie beim Fancy Free.

fancyfree-cocktail


Fancy Free
2 oz Evan Williams Single Barrel Vintage 2004 Bourbon
½ oz Maraschino-Likör (z.B. von Bols)
2 Spritzer Orangenbitter
1 Spritzer Angostura


Ich denke, das ist ein Whiskey, den man sich Jahr für Jahr neu kaufen kann. Die 2005er-Flasche, abgefüllt 2015, ist inzwischen auch in Deutschland erhältlich.

 

Linus‘ Kuscheldecke kann nicht flauschiger sein – Woodford Reserve Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Ein durchdringendes Vanille-Aroma steigt einem direkt in die Nase, wenn man den Korken von einer Flasche Woodford Reserve Kentucky Straight Bourbon Whiskey zieht. Sehr zart, und gleichzeitig fast ein bisschen fruchtig. Und im Mund zeigt sich, wie weich ein Whiskey sein kann. Der Bourbon legt sich wie eine Kaschmir-Wolldecke in den Mundraum, kuschlig und warm. Der Abgang zeigt dann die Volumenprozente schon, aber auch hier ist der Woodford Reserve zurückhaltend, und komplettiert den sonst fast zu femininen Geschmackseindruck mit einer maskulinen Schärfe, die am Ende durch eine nussige Note abgeschlossen wird.

woodfordreserveflascheIm Regal macht sich die Flasche natürlich auch toll. Sehr zeigefreudig dient nur ein winziges Etikett mit aufgedruckter Batch- und Fassnummer, sowie ein dezentes Labelling als Feigenblatt – die glorreiche Farbe strahlt für sich in der schmalen, extravaganten Flasche.

Insgesamt also eher ein Feingeist unter den Bourbons, und entsprechend muss man ihn einsetzen. Der Woodford Reserve hat es schwer gegen grobe Cocktailzutaten, er ist mehr ein Snooker- als ein Rugby-Spieler. Doch gerade seine heftige Vanille macht ihn perfekt für zum Beispiel einen Kentucky Buck.

kentuckybuck-cocktail


Kentucky Buck
2 oz Woodford Reserve Kentucky Straight Bourbon Whiskey
  ¾ oz Limettensaft
  ½ oz Zuckersirup
1 gemuddelte Erdbeere
2 Spritzer Celery Bitters
…und das ganze aufgießen mit einem Schuss Ginger Beer.


Der Woodford Reserve ist auch der klassisch verwendete Bourbon für einen der ikonischsten Cocktails Amerikas überhaupt: den Mint Julep. Wer einen davon machen will, stilgerecht in einem Silberbecher serviert, sollte zumindest diesen Whiskey in die engere Wahl einbeziehen.

Wenn man einen weichen Bourbon sucht, vielleicht als Geschenk, kann man mit dem Woodford Reserve nichts falsch machen. Er ist oft in Supermärkten erhältlich, zu moderaten Preisen für die gelieferte Qualität.

Arg viel besser wirds nicht – Blanton’s Original Single Barrel Bourbon Whiskey

Blanton’s Whiskey gibt es in verschiedenen Ausführungen. Das beginnt bei der Special Reserve, geht über zum Original Single Barrel, dem also, den wir hier besprechen. Darüber hinaus findet man ihn in Fassstärke (Barrel Proof), und in der Silver– und Gold-Ausführung. Je weiter nach hinten in der Liste wir kommen, desto teurer und exklusiver wird er.

blantonssinglebarrel-flasche

Letztlich ist für mich aber schon diese Single Barrel-Ausführung eine Wucht, der man sich kaum entziehen kann. Ich habe nun schon wirklich viele Bourbons und Single Malts getrunken, doch dieser hier ist für mich das Highlight, eine Geschmackssensation voller Aromen. Schon der Geruch lässt den Bourbonkenner träumen, vielschichtig, kraftvoll, überraschend fruchtig, eichig und dabei verliert er nie das Bourbon-typische. Und im Mund weiß man dann gar nicht, wohin man zuerst schmecken soll, das ist, als hätte man 5 verschiedene Whiskeys im Mund, die miteinander harmonisch und glücklich Ringelreihen spielen.

blantonssinglebarrel-stopper

Doch man soll nicht denken, man hätte hier eine liebliche Zuckerbrühe vor sich: Er ist bei aller Harmonie doch sehr würzig und kräftig, mit deutlicher Alkoholnote – das geht schon fast in die Single-Malt-Richtung (aber ohne Torf oder Rauch), und behält dabei aber die Bourbon-eigene Süße und Vanille. Ich würde empfehlen, diesen Whiskey pur und handwarm zu trinken, und dazu eine schöne cremige Zigarre zu rauchen. Alternativ ein edler Cocktail – ja, auch diesen außergewöhnlichen Whiskey kann man für Cocktails hernehmen, er macht den Cocktail dann zu einem Highend-Wohlfühlprodukt; gerade seine 46,5% lassen ihn da besonders leuchten. Natürlich bietet sich hier etwas Klassisches an, dem Rahmen angemessen. Ich denke da an einen einfachen Old Fashioned, oder einen The Chapel Hill.

chapelhill-cocktail


The Chapel Hill
1½ oz Blanton’s Original Single Barrel Bourbon Whiskey
1 oz Cointreau
½ oz Limettensaft


Selbstverständlich gehört bei diesem Spitzenwhiskey die Flasche mit zum Gesamtpaket. Eine Flasche mit einem facettenähnlichen Schliff, ein sehr reduktionistisches Etikett mit handgeschriebenen Details, wie Faß-, Regal- und Lagerhausnummer, und der wirklich spektakuläre Stopfen mit dem Rennpferd aus Metall. Das ganze in einem schönen Karton. Wow, eine Präsentation, die dem Inhalt angemessen ist. Wer ein Geschenk für einen Whiskey-Kenner sucht – hier ist die Freude garantiert.

blantonssinglebarrel-etikett

Wie gesagt – da ist nach oben nicht mehr viel Luft. Muss man probiert haben. Das ist ein Bourbon, den ich mir für die besonderen Momente reserviere. Und dann lasse ich das leergetrunkene Glas noch eine ganze Weile stehen und schnuppere daran, denn die Aromen schweben noch lange im leeren Glas…

Horrido! Auf die Pirsch! Teil 2: Truthahnjagd mit Wild Turkey Rare Breed Kentucky Straight Bourbon Whiskey

In Teil 1 der Jagdsaison haben wir bereits einen Hirsch gejagt – es wird Zeit für anderes Wildbret. Wie wäre es mit Geflügel? Ein gluckernder Truthahn wäre doch genau das richtige. Ein wilder Truthahn, von seltener Art, ein meleagris gallopavo raruskentuckus, oder, wie man ihn landläufig besser kennt:  Wild Turkey Rare Breed Kentucky Straight Bourbon Whiskey.

wildturkey-rarebreed-flascheDas Gefieder des wilden Truthahns glitzert am Jagdmorgen im Frühnebel in herrlichem Terracotta. Es ist aber schon ein gewichtiger Vogel, mit seinem barrel proof 112.8, also 56,4% Alkohol ganz klar einer, der eine dicke Suppe ergibt, und den man runterkühlen muss muss vor dem Genuss. Ein paar winzige Tropfen Wasser reichen dazu schon aus, um ihn auf 50%, was gute Trinkstärke ist, zu verdünnen und palatabler zu machen. Barrel proof bedeutet nicht automatisch auch single barrel – es handelt sich beim Wild Turkey um einen Blend aus drei verschiedenen Whiskeys.

Im Präparationsglas bezaubert das wilde Huhn dann mit recht bourbontypischen Aromen: Sehr vanillig, weich, mit praktisch keiner Lösungsmittelkomponente, und etwas Eiche. Ich liebe diesen Geruch.

wildturkeyrarebreed-imglasEin Whiskey, der in seiner Konsequenz manchen überraschen wird: Hochfruchtig, äußerst wuchtig, extrem süß sind die ersten Geschmackseindrücke; nachdem man die edle Flüssigkeit etwas im Mund herumgespült hat, schießt dann schnell etwas Eichenwürze nach. Von allem nur das beste, ohne einen Fehler im Muster. Das erinnert mich so gar nicht an einen bodenbewohnenden Vogel, das ist eines Seeadlers würdig.

Vanille ist die vordergründigste Komponente, ein schön cremiges Mundgefühl stellt sich ein, begleitet von einem leichten, sehr angenehmen Brennen, das für mich zu einer Spirituose einfach dazugehört. Ein Hauch von Lakritz ist mehr fühl- als schmeckbar. Gegen Ende dann die für Bourbon übliche gemüsige Karottennotte im Abgang. Die Amis haben so wunderbare Whiskeys, da wundert es mich, dass Vince Vaughn in der zweiten Staffel von „True Detective“ immer den langweiligen Johnnie Walker runterkippt.

wildturkey-rarebreed-etikett

Ich glaube nicht, dass es auf der Welt einen Bourbon gibt, der besser in einen Lion’s Tail passt. Die Charakterstik dieses Whiskeys schmiegt sich so unglaublich perfekt an das Allspice Dram und die Gesamtkomposition an, dass man glauben könnte, dieser Cocktail wäre nur für den Rare Breed geschaffen worden.

The Lion's Tail


Lion’s Tail
2 oz Wild Turkey Rare Breed
½ oz Limettensaft
½ oz Allspice Dram (z.B. The Bitter Truth Pimento Dram)
¼ oz Zuckersirup
1 Spritzer Pfirsichbitter (z.B. von The Bitter Truth)


Am Ende muss noch kurz die Flasche und die Dose angesprochen werden, in der der Wild Turkey daherkommt. Eine auf den ersten Blick etwas unförmige Tropfenflasche, die ich umso lieber gewinne, je öfter ich sie anschaue. Das Etikettenredesign ist für meinen Geschmack ein Schritt in die falsche Richtung; mir hat das alte, verschnörkeltere, verspieltere besser gefallen als das neue, langweilige, strengere. Ein sehr sehenswerter Flaschenstöpsel krönt die Flasche. Die Geschenkdose, in der die Flasche kommt, ist auf jeden Fall ein glitzerndes Highlight: Eine schöne Trophäe, an der man sich erfreuen kann, wenn der Vogel längst verspeist ist.

wildturkey-rarebreed-stopperEs gab früher schon andere Versionen des Gockels, die von Fans sehr geliebt wurden; manchmal bedauere ich, so spät ins Spirituosengeschäft eingestiegen zu sein, wenn selbst ein so wirklich ausgesprochen wunderbarer Whiskey wie dieser als vergleichsweise minderwertig zu seinem Vorgänger angesehen wird. Vielleicht ist das alles aber auch nur Jägerlatein und der Blick durch die rosarote Brille; vom heutigen Jagdhochstand aus sieht für manchen melancholischen Nostalgiker alles flacher und schlechter aus als früher, als noch die wahren Jagdobjekte vor der Flinte herumtanzten.

Für eine Weile bin ich gesättigt. Doch das heißt nicht, dass die Jagd nicht weitergeht. Fürs nächste Shootout mit wildem Getier habe ich mir eine größere Beute ausgesucht, für die der Henrystutzen im Sattelhalfter bleibt und statt dessen der Bärentöter rausgeholt werden muss. Bis dahin: Waidmannsheil!

Vier Rosen für ein Halleluja – Four Roses Single Barrel Kentucky Straight Bourbon

Eine sehr schöne, goldbraune Farbe hat der Four Roses Single Barrel Kentucky Straight Bourbon. Eine durchaus erkennbare Klebstoffnote zu Beginn, Vanille und eine gewisse dunkle Würze dominieren die Nase. Im Mund explodieren dann die 100 proof – ein sehr voluminöser, dichter Geschmack, mit ähnlichen Aromen, die die Nase schon gerochen hat. Etwas gemüsig, habe ich das Gefühl: Karotten und Sellerie. Nie kratzig oder wirklich scharf, aber doch durchaus ein fetter Alkoholbums. Ein sehr trockener Abgang, danach ein angeregter Speichelfluss, und die Vanille verbleibt mit einer langanhaltenden Wärme im Mund, und wird mit einem späten Anflug von Kakao abgerundet.

fourroses-singlebarrel-flasche

Mir gefällt dieser Single Barrel sehr – das ist ein Bourbon, den man schon zu den kräftigeren zählen kann, der aber gleichzeitig zeigt, dass selbst starke Whiskeys immer noch weich und gefällig sein können, und dass 50%-Spirituosen nicht immer kratzbürstige Monster sein müssen. Trotzdem ein Whiskey für echte Männer.

So starke Whiskeys machen sich meist auch gut in Cocktails, und der Four Roses Single Barrel ist da keine Ausnahme. Wie wäre es mal mit einem Millionaire Cocktail?

Millionaire


Millionaire Cocktail
2 oz Four Roses Single Barrel Kentucky Straight Bourbon
¾ oz Triple sec
¼ oz Grenadine (probieren Sie unbedingt die von Riemerschmid!)
1 Spritzer Absinth
½ Eiweiß


Ein auch deswegen überraschender Whiskey, weil die „einfache“ Variante, der gelbgelabelte Four Roses, so ein zartes, ätherisches Pflänzchen ist.

fourroses-singlebarrel-stopper

Außergewöhnlich ansprechend finde ich auch die Flasche – ein schöner Karaffen-Stil mit einer hübschen Glasprägung, ein Korkstopfen mit Holzdeckel, der über den Flaschenhals hinausragt (sehr schön gemacht, das), ein Lederbändchen um den Flaschenhals und ein kleines Etikettchen mit Single-Barrel-üblichen Angaben zur Fassnummer etc. Selbst wenn die Flasche leer sein wird, was nicht lange dauern kann, werde ich die aufbewahren.

Benchmark-Bourbon – Maker’s Mark Kentucky Straight Bourbon Whisky

Es gibt Spirituosen, die findet man fast in jeder Bar, und in jedem Restaurant mit halbwegs vernünftiger Getränkekarte. Der Maker’s Mark Kentucky Straight Bourbon Whisky (das amerikanische „e“ fällt laut Etikett hier weg) ist eine davon. Für viele definiert er, wie ein guter Bourbon zu schmecken hat – ein Bezugspunkt in Diskussionen, denn diesen Whiskey hat jeder schon getrunken, der sich mit der Materie auch nur ansatzweise ernsthaft auseinandersetzt, und seine leichte Erhältlichkeit in fast jedem Supermarkt trägt auch dazu bei.

makersmark-flascheFür meinen Geschmack hat er ein bisschen eine zu säuerliche Note, ich mag meine Bourbons karamelliger und süßer – der Einsatz von Weizen statt Roggen in der Mash Bill des Maker’s Mark ist wahrscheinlich nicht der Grund dafür, denn Weizen ist eher für eine Milde zuständig. Dennoch ist der Maker’s Mark ein Beispiel dafür, dass man bereits mit 20€ in das hochklassige Segment amerikanischen Whiskeys vorstoßen kann, etwas, das beispielsweise bei schottischen Single Malts völlig undenkbar ist.

makersmark-seite

Ein grundsolider Bourbon also, der bei mir mit seinen 45% als Cocktailzutat beste Dienste leistet; für den puren Genuss gibt es für mich aber dann doch attraktivere Whiskeys. Was allerdings die Aufmachung angeht, mit dem sehr gelungenen Flaschendesign, durch das man die Flasche sofort auf jedem Barregal erkennen kann, dem dezenten aber eleganten Etikett sowie dem Markenzeichen, dem roten Siegellack, der den Plastikschraubverschluss verdeckt, hat die Beam-Tochtergesellschaft alles richtig gemacht.

Wer das alte Herrengedeck noch kennt und schätzt, fühlt sich beim Beggar’s Banquet sicherlich wohl, auch wenn der Name nicht wirklich politically correct ist. Ich mag Biercocktails; dies ist ein besonders leckerer, der amerikanische Destillier- mit saarländischer Brau- und kanadischer Baumsaftabzapfkunst zu einem großen Ganzen vereint.

beggarsbanquet-cocktail


Beggar’s Banquet
2 oz Maker’s Mark
¾ oz Ahornsirup
¼ oz Limettensaft
2 Spritzer Angostura
Auf Eis schütteln, und dann mit Bier (z.B. Wadgasser Klosterbräu Hopfen Perle) aufgießen


Gerade Einsteiger in den Bourbon können hiermit sichere erste Schritte machen. Auch als Referenz gegenüber dem Massenmarkt bildet er das Tor zur gehobenen Klasse, und die paar Euro, die er mehr kostet als z.B. der Jim Beam White Label oder andere Massenwhiskeys sollte jeder investieren, der nicht nur auf die reine Alkoholwirkung aus ist; denn der Qualitätsunterschied ist dann doch schon enorm.

Und wer diesen Whiskeystil mag, sollte auch mal einen Blick nach Deutschland werfen: Sasse Münsterländer Lagerkorn wird auch aus Weizen hergestellt und ist nicht schlechter als der Maker’s Mark.