Vier Rosen für ein Halleluja – Four Roses Single Barrel Kentucky Straight Bourbon

Eine sehr schöne, goldbraune Farbe hat der Four Roses Single Barrel Kentucky Straight Bourbon. Eine durchaus erkennbare Klebstoffnote zu Beginn, Vanille und eine gewisse dunkle Würze dominieren die Nase. Im Mund explodieren dann die 100 proof – ein sehr voluminöser, dichter Geschmack, mit ähnlichen Aromen, die die Nase schon gerochen hat. Etwas gemüsig, habe ich das Gefühl: Karotten und Sellerie. Nie kratzig oder wirklich scharf, aber doch durchaus ein fetter Alkoholbums. Ein sehr trockener Abgang, danach ein angeregter Speichelfluss, und die Vanille verbleibt mit einer langanhaltenden Wärme im Mund, und wird mit einem späten Anflug von Kakao abgerundet.

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Mir gefällt dieser Single Barrel sehr – das ist ein Bourbon, den man schon zu den kräftigeren zählen kann, der aber gleichzeitig zeigt, dass selbst starke Whiskeys immer noch weich und gefällig sein können, und dass 50%-Spirituosen nicht immer kratzbürstige Monster sein müssen. Trotzdem ein Whiskey für echte Männer.

So starke Whiskeys machen sich meist auch gut in Cocktails, und der Four Roses Single Barrel ist da keine Ausnahme. Wie wäre es mal mit einem Millionaire Cocktail?

Millionaire


Millionaire Cocktail
2 oz Four Roses Single Barrel Kentucky Straight Bourbon
¾ oz Triple sec
¼ oz Grenadine (probieren Sie unbedingt die von Riemerschmid!)
1 Spritzer Absinth
½ Eiweiß


Ein auch deswegen überraschender Whiskey, weil die „einfache“ Variante, der gelbgelabelte Four Roses, so ein zartes, ätherisches Pflänzchen ist.

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Außergewöhnlich ansprechend finde ich auch die Flasche – ein schöner Karaffen-Stil mit einer hübschen Glasprägung, ein Korkstopfen mit Holzdeckel, der über den Flaschenhals hinausragt (sehr schön gemacht, das), ein Lederbändchen um den Flaschenhals und ein kleines Etikettchen mit Single-Barrel-üblichen Angaben zur Fassnummer etc. Selbst wenn die Flasche leer sein wird, was nicht lange dauern kann, werde ich die aufbewahren.

Benchmark-Bourbon – Maker’s Mark Kentucky Straight Bourbon Whisky

Es gibt Spirituosen, die findet man fast in jeder Bar, und in jedem Restaurant mit halbwegs vernünftiger Getränkekarte. Der Maker’s Mark Kentucky Straight Bourbon Whisky (das amerikanische „e“ fällt laut Etikett hier weg) ist eine davon. Für viele definiert er, wie ein guter Bourbon zu schmecken hat – ein Bezugspunkt in Diskussionen, denn diesen Whiskey hat jeder schon getrunken, der sich mit der Materie auch nur ansatzweise ernsthaft auseinandersetzt, und seine leichte Erhältlichkeit in fast jedem Supermarkt trägt auch dazu bei.

makersmark-flascheFür meinen Geschmack hat er ein bisschen eine zu säuerliche Note, ich mag meine Bourbons karamelliger und süßer – der Einsatz von Weizen statt Roggen in der Mash Bill des Maker’s Mark ist wahrscheinlich nicht der Grund dafür, denn Weizen ist eher für eine Milde zuständig. Dennoch ist der Maker’s Mark ein Beispiel dafür, dass man bereits mit 20€ in das hochklassige Segment amerikanischen Whiskeys vorstoßen kann, etwas, das beispielsweise bei schottischen Single Malts völlig undenkbar ist.

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Ein grundsolider Bourbon also, der bei mir mit seinen 45% als Cocktailzutat beste Dienste leistet; für den puren Genuss gibt es für mich aber dann doch attraktivere Whiskeys. Was allerdings die Aufmachung angeht, mit dem sehr gelungenen Flaschendesign, durch das man die Flasche sofort auf jedem Barregal erkennen kann, dem dezenten aber eleganten Etikett sowie dem Markenzeichen, dem roten Siegellack, der den Plastikschraubverschluss verdeckt, hat die Beam-Tochtergesellschaft alles richtig gemacht.

Wer das alte Herrengedeck noch kennt und schätzt, fühlt sich beim Beggar’s Banquet sicherlich wohl, auch wenn der Name nicht wirklich politically correct ist. Ich mag Biercocktails; dies ist ein besonders leckerer, der amerikanische Destillier- mit saarländischer Brau- und kanadischer Baumsaftabzapfkunst zu einem großen Ganzen vereint.

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Beggar’s Banquet
2 oz Maker’s Mark
¾ oz Ahornsirup
¼ oz Limettensaft
2 Spritzer Angostura
Auf Eis schütteln, und dann mit Bier (z.B. Wadgasser Klosterbräu Hopfen Perle) aufgießen


Gerade Einsteiger in den Bourbon können hiermit sichere erste Schritte machen. Auch als Referenz gegenüber dem Massenmarkt bildet er das Tor zur gehobenen Klasse, und die paar Euro, die er mehr kostet als z.B. der Jim Beam White Label oder andere Massenwhiskeys sollte jeder investieren, der nicht nur auf die reine Alkoholwirkung aus ist; denn der Qualitätsunterschied ist dann doch schon enorm.

Und wer diesen Whiskeystil mag, sollte auch mal einen Blick nach Deutschland werfen: Sasse Münsterländer Lagerkorn wird auch aus Weizen hergestellt und ist nicht schlechter als der Maker’s Mark.

Die Kutte hat er sich verdient – Basil Hayden’s Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Die Tendenz bei Whiskey wie auch bei Whisky geht zur Zeit in die Richtung, keine Altersangabe mehr auf die Flasche zu schreiben. Statt „8 years“ steht nun „artfully aged“ auf der Flasche des Basil Hayden’s Kentucky Straight Bourbon Whiskey; beim auch aus dem Hause Beam kommenden Knob Creek Rye steht in analogem Neusprech „patiently aged“. NAS (no age statement) nennt sich das im Fach. Die Diskussion darüber überlasse ich jenen, denen Alter wichtiger ist als Geschmack.

basilhaydens-front-borderLaut Beam ist trotz des geänderten Labels der Whiskey aber immer noch 8 Jahre gereift. Ein hohes Alter für einen Bourbon, und wenn dazu noch die Herstellung nicht im Massenbetrieb, sondern im „small batch“-Verfahren erfolgt, in dem nur relativ gesehen kleinere Mengen aus ausgewählten Fässern in die Flasche kommen, dann ist für den Bourbon-Freund Zungenschnalzzeit angesagt!

Basil Hayden ist einer der so beliebten Schutzpatrone des amerikanischen Destilliergeists. Ähnlich, wie das auch bei Elijah Craig oder Pappy van Winkle geschieht, lehnen die Hersteller ihre Produkte thematisch gern an historische Persönlichkeiten an. Beim Basil Hayden’s ist darüber hinaus auch die Flasche entsprechend designt. Ähnlich wie eine Priesterkutte liegt das Etikett über der Flasche, und ist mit einem Holzgürtel mit Metallschnalle am Bauch der Flasche befestigt. Das macht optisch echt was her und ist ein Alleinstellungsmerkmal wohl in jedem Spirituosenregal; ein kleiner Dämpfer dabei ist der Plastikkorken, der nicht so recht zum sonst hochwertigen Outfit passt, der aber immerhin unter einer Aluhülle verborgen ist.

basilhaydens-detail-borderNachdem wir also die Aluhülle gelöst und den Korken gezogen haben, können wir am altehrwürdigen Geist schnuppern. Wir nehmen dabei eine sehr milde Nase wahr, angenehm, nicht auffällig in irgendeine Richtung. Deutlich riecht man bourbontypischen Lack, etwas beamtypische Hefe. Die Grundpfeiler des Bourbon muss ich eigentlich nicht extra erwähnen: Eiche, Karamell, Vanille. Am Rande nehme ich eine leichte medizinale Note wahr, erinnernd an Scotch; dazu eine helle Komponente, kräuterig, wahrscheinlich vom hohem Roggenanteil herrührend.

basilhaydens-side-borderAuch im Mund ist der Basil Hayden’s dann hell, frisch, mild, leicht; nur mäßig süßlich, aber mit wirklich schmeckbaren ätherischen Ölen von Minze (wie schon die Produktbeschreibung ankündigt).

Im Abgang doch eher zurückhaltend, nach dem Geschmackstest erwartungsgemäß kein Kratzen oder Brennen. Trocken und kurz mit einem ebenso relativ kurzen Nachgeschmack – die erschmeckte Pfefferminz- oder Eukalyptusnote bleibt am längsten im Gedächtnis und auf den Geschmacksknospen.

Fazit: Ein wirklich feiner, eleganter Bourbon, ohne Wumms und Täterätätä, der die leisen Töne statt lautem Krawall ins Glas bringt. Dabei bleibt er aber immer noch interessant und hocharomatisch, in keinster Form schwach und wässrig, wie manche Rezensenten beklagen, und übertreibt es nicht mit der Süße.

Für Cocktails eignet sich der Basil Hayden’s vor allem in Mischungen, in denen er die klare Hauptzutat ist, in denen nicht die Gefahr besteht, dass er von irgendwelchen Bullies zu hart rangenommen wird – zum Beispiel in einem Proven Perfect, einem Cocktail, der mit seinem Namen nicht zuviel verspricht: Ein herrlich ausgewogener, unglaublich runder, fantastisch dichter und in jeder Hinsicht perfekter Cocktail – vielleicht der beste, den ich in meinem Leben getrunken habe.

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Proven Perfect
2 oz Basil Hayden’s Kentucky Straight Bourbon
1/2 oz Ruby Port
1/2 oz  Wolfberger Amer Bière Orange
1 Barlöffel Fernet Branca


Nachdem ich schon ein großer Fan der Small-Batch-Produktionen von Four Roses und Heaven Hill bin, gesellt sich auch Beam nun mit seinen Edelabfüllungen dazu. Ich kann nur wiederholen: Lasst die Massenwhiskeys im Regal, und gönnt Euch stattdessen lieber einen dieser hervorragenden Bourbons.

Rose mit schönen Dornen – Four Roses Small Batch Kentucky Straight Bourbon

Eine wunderschöne Farbe. Tiefgolden strahlt dieser Bourbon bereits in der Flasche, und dann im Glas, eine Wärme aus. In der Nase dann eine unverkennbare Lösungsmittelnote, bei diesem Whiskey gar nicht mal unangenehm, plus „die üblichen Verdächtigen“ bei Bourbon: Vanille und die Aromen, die die amerikanische Weißeiche so mit sich bringt. Leicht fruchtig, Kirsche vor allem.

Four Roses Small Batch Kentucky Straight Bourbon

Ein zu Beginn recht mildes Geschmackserlebnis, sehr bourbontypisch, später dann plötzlich viel dunkler, sehr schokoladig, leicht pfeffrig, etwas bitter und trocken, mit leichten Tabaknoten. Dann also doch ein sehr ungewohntes Aromenspektrum für einen Bourbon – ich liebe es, wenn mich eine Spirituose überrascht, und das tut der Four Roses Small Batch auf jeden Fall. Ich würde ihn nicht unbedingt als Anfängerbourbon empfehlen, denn man sollte erstmal die Standardaromen amerikanischen Whiskeys kennen, um diese sehr interessante, spannende und wirklich expressive Abweichung von der Norm schätzen zu können. Für Leute allerdings, die „mal was anderes“ auf diesem Sektor suchen, lege ich diesen Bourbon wirklich sehr ans Herz.

Diesen Bourbon nutze ich aufgrund seiner Eigenschaften gern im Ginger Gold Rush, einem Cocktail für den zweiten Blick, bei dem ein sehr fruchtiger Körper durch die Ingwerwürze im Nachgeschmack perfekt ergänzt wird.

Ginger Gold Rush


Ginger Gold Rush
1 oz Four Roses Small Batch Bourbon
1½ oz Ingwerlikör (z.B. King’s Ginger)
½ oz Zitronensaft


Auf den Standard-Verkaufsfotos der Onlineshops kann man das Highlight der Flasche, das eingelassene Rosenmotiv, das durch das Etikett umrahmt wird, schwer erkennen. Insgesamt eine sehr ansprechende, massive Flasche mit einem tollen großen Korkverschluss.
fourrosessmallbatch-farbe Von allen Four-Roses-Bourbons finde ich diesen am besten – eine Zierde für jede Hausbar und ein Schmankerl für jeden Bourbon-Kenner.

Schuss mit Wattekugeln – Bulleit Bourbon Frontier Whiskey

Vanille, Eiche, Karamell – die Nase hat wirklich was am Bulleit Bourbon Frontier Whiskey. Man kann gar nicht aufhören, daran zu schnuppern, eine wahre Geruchsbombe. Dazu kommt eine herrlich goldene, kräftige Farbe, die in der wunderbar designeten Flasche prachtvoll leuchtet.

Man nimmt einen Schluck, und ist sehr zufrieden damit, dass sich all die Aromen auch genauso, wie man sie errochen hat, auch in den Mund transportieren. Weich und dabei gleichzeitig hocharomatisch, das Alkoholbrennen setzt erst spät ein, und wird von einem angeregten Speichelfluss begleitet, immer ein gutes Zeichen. Der Abgang ist dann sehr warm, aber leider relativ kurz – im Mund bleibt die Vanille noch eine Weile erhalten.

bulleitbourbon1Ein supermilder Bourbon, einer der, wenn nicht sogar trotz der 45% der mildeste Bourbon, den ich bisher getrunken habe – für Kenner könnte er ein bisschen langweilig wirken, denn die Aromen sind schon etwas eindimensional. Ganz hervorragend passt er daher in einen Cocktail, der eher zurückhaltende Zutaten einsetzt und diese sich auf eine weiche, harmonische Art und Weise gegenseitig ergänzen, wie der Bourbon Dynasty. Alternativ ist der Bulleit Bourbon auch eine hervorragende Wahl, wenn man einen Bourbon braucht, der sich nicht in den Vordergrund drängen, sondern andere Zutaten unterstützen soll. Dafür diene als Beispiel der Artemis Flower.

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Artemis Flower
1 Erdbeere, gemuddelt mit 2 Zweigen Zitronenthymian
2 oz Bulleit Bourbon Frontier Whiskey
¾ oz Zuckersirup
½ oz Limettensaft
½ oz Sambuca
…aufgießen mit etwas Sprudel


Riskieren Sie, wenn Ihnen dieser Bourbon hier schmeckt, vielleicht auch mal einen Blick auf den „kleinen Bruder“ dieses Whiskeys, den Bulleit 95 Rye. Beide Flaschen sind eine wunderbare Ergänzung für jedes Whiskey-Regal, und gerade für Einsteiger und Leute, die mit scharfen Whiskeys nichts anfangen können, durch ihre Milde sehr geeignet.

bulleitbourbon2Nochmal kurz zurück zu Flasche – gern hätte ich mir auch, wie „GrumpyDogCandles“, einen Aschenbecher aus einer Flaschenhälfte dieser Flasch gemacht.

Bulleit Aschenbecher

Doch selbst die Flasche zu teilen war mir zu risikoreich (beim Glassschneiden ist immer ein Risiko der Zerstörung der Flasche gegeben), und der Glasspezialist vor Ort hat mir auf eine entsprechende Anfrage nicht geantwortet. Dennoch bleibe ich dran – dieser Aschenbecher sieht einfach zu mondän aus, als dass ich den wieder aus dem Kopf kriegen könnte.

Zartes Bourbonpflänzchen in der harten Welt – Four Roses Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Die Farbe dieses Bourbonklassikers ist blassgolden, die Nase hefig, etwas säuerlich; Eigenschaften, die ein Qualitätswhiskey eigentlich durch lange Fasslagerung abgestellt hat. Dafür riecht man kaum Alkohol, insgesamt wirkt er vom Geruch her aber dann doch sehr mild und süß mit den typischen Bourbonaromen.

Im Mund schießt erstmal ein leichtes Alkoholbrennen vor, das aber schnell durch eine sehr feine, zurückhaltende, dezente Süße abgelöst wird. Vanille, Karamell und ein Anflug von Eiche geben dem Four Roses Kentucky Straight Bourbon Whiskey eine durchweg angenehme, klassische Note. Der Abgang ist kurz, praktisch komplett ohne das Brennen des ersten Antritts – äußerst mild und sanft, dafür aber auch ähnlich zurückhaltend, was die Aromenvielfalt angeht.
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Zum Purtrinken finde ich diesen Whiskey, ehrlich gesagt, dann aber doch im Gesamtbild zu langweilig. Ein paar Jahre mehr im Fass, und die leichte Schärfe wäre weg, immer ein Zeichen junger Spirituosen. Doch trotzdem empfehle ich den Kauf – als Cocktailmixer ist dieser Whiskey einfach unschlagbar. Er bringt ein zartes Bourbonaroma in jeden Whiskey-Cocktail, ohne zu aggressiv vorzugehen: Zum Beispiel in meiner persönlichen The Avenue-Variation, in der Bourbon und Calvados sehens- und schmeckenswert um die Vorherrschaft kämpfen.

The Avenue


My Avenue
1 oz Four Roses Kentucky Straight Bourbon Whiskey
1 oz Calvados (z.B. Couperne Fine Calvados VSOP)
1 oz Orangensaft (eigentlich: Maracujasaft)
1 Spritzer Grenadine
1 Spritzer Orangenbitter (eigentlich: Orange Flower Water)


 

Die Geschichte dieser „Variation“ ist die Not: Ich hatte bereits Bourbon und Calvados in meinem Shaker zusammengeführt, und als ich das Tetrapack mit Maracujasaft, der eigentlich reingehört, öffnete, starrte mir der Schimmel entgegen. Was tun? Orangensaft her. Kein echter Ersatz, aber bevor ich die guten Spirituosen wegschütte… dann stelle ich fest, ich habe auch kein Orange Flower Water (hätte das Rezept vorher besser lesen sollen). Naja, ein Spritzer Orangenbitter, zusammen mit dem Orangensaft, ist ja auch genug Orange. So entstehen Kultgetränke. Meine Variation ist kein Knaller, aber man kanns gut trinken.

(Nachtrag 04.01.2016: Ich habe in der Zwischenzeit das Originalrezept nachgemixt, und muss sagen: Es ist besser als meine Variante. Es geht halt nichts über ein gutes Rezept, wenn man sich daran hält!)

Meine Lehre? Ich kaufe nur noch Säfte in transparenten Flaschen, da sieht man wenigstens direkt, woran man ist. Und keine Literflaschen, sondern die kleinste Größe, die es gibt. Im Cora in Frankreich gibt es beispielsweise 0,2-Liter-Grapefruitsaft im Glas; und im Bioladen um die Ecke ungesüßten Ananassaft in der gleichen Flaschengröße.

Zurück zum Thema: Four Roses ist trotz aller Kritikpunkte zu meinem Standard-Gebrauchswhiskey geworden. Hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis, und damit eine Empfehlung für jede Hausbar, die noch einen Bourbon braucht. Aber man kann ihn auch gut pur trinken, wenn man nicht extrem anspruchsvoll ist – ein Alleskönner also. Kenner werden sich aber doch eher die Small-Batch– oder Single-Barrel-Abfüllungen dieses Herstellers anschauen müssen.

Die schöne schwarze Blechdose, in der die Flasche verpackt war, ist hübsch verziert mit dem Firmenlogo, den Rosen. Diese Edition gab es eine Weile im Metro-Großhandel für knapp 15€ zu kaufen.

Illinois Twisted Whiskey – Koval Single Barrel Bourbon

Für mich ist das eine Premiere – es handelt sich beim Koval Single Barrel Bourbon um einen einfachen Bourbon (also: hergestellt in den USA, mindestens 51% Mais in der Mashbill, in frischen, ausgebrannten Weißeichefässern gereift). Doch ohne die sonst allgegenwärtigen Namenszusätze Kentucky (er wird in Chicago, Illinois hergestellt), oder Straight (er reift unter 4 Jahren, hat aber keine Altersangabe, darf daher dieses Label nicht nutzen). Dennoch ist es ein Single Barrel, also flaschenabgefüllt aus einem einzelnen Fass ohne Blending. Schon allein wegen dieser ungewöhnlichen Kombination ist dieser Bourbon für mich spannend.

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Die Farbe ist ein angenehmes Ocker, die Nase überrascht mich auch nicht wirklich: Sehr bourbontypisch, Vanille, Eiche, Lack – beim zweiten Riechen erkennt man die Hirse, wenn man weiß, wonach man riechen muss (ich empfehle zum Training den Millet Whiskey von Koval). Im Mund machen sich erstmal die 47 Volumenprozent breit, und bereiten den Grund für sehr angenehme, aber recht gewöhnliche Bourbonaromen, die man schon gerochen hat. Es ist interessant, dass die verwendete Getreidekombination, Mais und Hirse, sich geschmacklich kaum von den üblichen Bourbonmixturen (Mais, Roggen/Weizen, Gerste) unterscheidet. Der Mais scheint die Hirse glatt an die Wand zu spielen, erst spät schmeckt man die frische Fruchtigkeit der Hirse. Ein relativ kurzer, aber durchaus recht aromatischer und pfeffrig-würziger Abgang komplettiert eine interessante, vielleicht einen minimalen Tick geschmacklich zu konventionelle Spirituose – die für das junge Alter aber überraschend reif und rund ist.

Die 0,1-Liter-Flasche ist dennoch sehr ansprechend und ungewöhnlich. Lang und schlank, mit einem sehr zurückhaltenden, modernen Etikett – hier zeigt der Micro-Distiller mit österreichisch-amerikanischen Wurzeln seine Charakteristik. Entsprechend einem Single Barrel-Whiskey ist die Fassnummer auf dem Rückenetikett handschriftlich eingetragen (bei mir Fass-Nummer 375). Ein Plastikkorken mit Holzaufsatz verschließt die nette, blickfängerische Flasche.

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Erwähnenswert ist die organic-Zertifizierung dieses Whiskeys. Es ist ein EU-Bio-Logo auf dem Rückenetikett vorhanden, ich bin mir nicht sicher, inwieweit die komplette Vertriebsschiene auch zertifiziert ist, eine Voraussetzung dafür, dass man den Whiskey in Deutschland als „Bio-Whiskey“ vermarkten dürfte. Letztlich aber ist es schon ein Schritt in die richtige Richtung, das Getreide für die Herstellung nur aus zertifizierten Betrieben im Mittelwesten zu beziehen, so dass man zumindest sicher sein kann, keinen Monsanto-Genmais in diesem Schnaps zu konsumieren. Darüber hinaus enthält er nur den Heart Cut, also keine minderwertigen Destillationsartefakte – und ist unfiltriert. Handwerklich also spitze.

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Bourbon ist ein Brand, der sich wunderbar in Cocktails einsetzen lässt, und mit vielen anderen Zutaten harmoniert. Zum Beispiel mit den etwas Italien-lastigen Ingredienzien des The Paper Plane.

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The Paper Plane
¾ oz Koval Single Barrel Bourbon
¾ oz Aperol
¾ oz Amaro (z.B. Villa Rillago Amaro)
¾ oz Limettensaft


Ich mag die Produkte von Koval. Eine kleine Destillerie, die den richtigen Weg einschlägt, und den amerikanischen Whiskey-Riesen vielleicht durch ungewöhnliche Zutaten und Herstellungsweise den einen oder anderen Kunden, der etwas außergewöhnliches, neues ausprobieren will, abspenstig machen kann. Bei mir ist es ihnen auf jeden Fall gelungen – der Hirse- und Viergetreide-Whiskey stehen schon im Regal, bereit, ausführlich verkostet zu werden. Probieren Sie es aus, Sie werden nicht enttäuscht werden. Und Whiskey-Fans müssen eh schon allein aus den oben genannten Gründen zuschlagen.

Eher Charlton Heston als Cary Grant – Old Grand-Dad Bourbon 40%

In medias res, passend zum Charakter dieses Bourbons aus dem Hause Beam: Einleitungslos, zumindest vom Geruch her, springt einen dieser alte Großvater ohne viel Federlesen an. Das ist mit weitem Abstand der fruchtigste Whiskey, den ich bisher riechen konnte. Leicht zitronig, stark aprikosig, wie ein Früchtekorb. Im Hintergrund ist aber auch eine weiche, hefige Note erkennbar. Insgesamt für die Nase eine Sensation.

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Ein Großteil dieser Fruchtigkeit kann sich dann auch in den Mund transportieren, aber erst im zweiten Anlauf, und selbst dann dezent. Die ersten Eindrücke sind eher von einem neutral schmeckenden Alkoholbrand geprägt, den der Old Grand-Dad mitbringt – und das, obwohl er 2012 sogar von 43% auf 40% reduziert wurde. Etwas bitter ist er auch, und hinterlässt ein trockenes Mundgefühl, ist eindeutig eher würzig als süß. Insgesamt überhaupt kein Vergleich zur herrlichen Geruchsexplosion, die einem das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ. Bis auf die lange betäubte Zunge bleibt auch wenig Aroma im mittellangen, eher in Richtung kurz tendierenden Abgang am Gaumen. Ganz spät kommt zum Schluss dann die Frucht wieder durch. Man merkt die üppigen rund 30% Roggenanteil in der Mashbill, ein hoher Wert für einen Bourbon.

Ein gnadenloses Spiel mit den Emotionen also. Riesige Freude, gefolgt von Enttäuschung, mit ein bisschen Happy-End. Ein amerikanisches Melodrama mit einem trotz des Namens eher jugendlich-frechen Hauptdarsteller. Von einem Whiskey mit so einem Namen hätte ich ein gesetzteres, weicheres, gebildeteres Wesen erwartet; aber es gibt ja auch diese grantigen alten Säcke, die immer am schimpfen sind und denen man es nie recht machen kann: der Old Grand-Dad ist so ein alter Sack. Beim Trinken sehe ich immer Charlton Heston mit dem Gewehr in der Hand vor mir.

Wer auf kräftige, würzige Old-School-Whiskeys mit klarem Geschmacksprofil ohne Tirili steht, macht hier nichts falsch. Ein geschmacklich etwas langweiliger, aber von den Aromen recht typischer Bourbon, der mit seiner Nase auftrumpfen kann – schon allein für dieses Geruchsspektrum lohnt sich die Anschaffung für Whiskey-Freunde. Sonst empfinde ich ihn eher als Mixer für Cocktails; ich denke, dass er in allen Cocktails gute Dienste leistet, durch seine Art vielleicht aber eher in einem Whiskey Sour als in einem Manhattan. Zum Test habe ich mir eben einen Prospector mit ihm gemischt: Für andere Cocktails, die vom feinen Whiskey leben, kann er als einen Tick zu kratzbürstig empfunden werden.

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The Prospector
2 oz Old Grand-Dad Bourbon
¾ oz  Amaro (z.B. Villa Rillago Amaro)
½ oz Sherry (z.B. Sandeman Medium Sweet)
2 Spritzer The Bitter Truth Old Time Aromatic Bitters


Die Flasche ist sehr ansprechend, ich mag diese wuchtigen, runden Flaschen. Ein riesiger Korkstopfen rundet das Äußere perfekt ab, hier habe ich wirklich nichts zu meckern.

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Ich denke aber, dass ich den 114-Proof dieser Sorte doch noch probieren muss, und erhoffe mir von ihm dann die gewisse Rundheit, die dieser einfache 80-proof des Old Grand-Dad vermissen lässt, und eine weniger sprunghafte Persönlichkeit. Interessant, dass Beam sowohl diesem deftigen Whiskey als auch dem sehr viel zarteren Basil Hayden’s denselben Paten gegeben haben (denn genau Basil Hayden ist es, der als „alter Opa“ mit seinem Konterfei auf dem Etikett zu sehen ist); unterschiedlicher können Whiskeys kaum sein.