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The Art of Japanese Whisky Titel

Kampf der Kulturen – The Art of Japanese Whisky @ Winefactory

Wenn man Science-Fiction-Filme und -Bücher aus den 80ern verfolgt, wie Blade Runner, Johnny Mnemonic oder William Gibsons Neuromancer, die Werke von Bruce Sterling und anderen, so wird dort durch die Beschreibung der Umgebung, in der sich die Protagonisten bewegen, unterschwellig immer ein Gefühl transportiert – die Angst vor Japan, und dass dieses Land, das in eben diesen 80ern die Unterhaltungselektronik revolutionierte und westliche Konzerne in einigen Bereichen zu Statisten degradierte, mit seiner Marktmacht einst kulturell die Welt total bestimmen wird.

Die paranoide Angst vor einer scheinbar unausweichlichen japanischen Übernahme der abendländischen Kultur verdeckte dabei, dass eine Vermischung der Kulturen längst stattgefunden hatte, diese aber gar nicht so kulturkampfdramatisch ausfiel, und dass man statt der Verdammung dieses Trends auch viele positive Aspekte darin finden kann. Die Strömung ging nämlich nie nur in eine Richtung – Japan importierte im 20. Jahrhundert auch viele Dinge aus der westlichen Kultur. Ein erstaunliches Beispiel, das ich erst neulich erfuhr, ist beispielsweise die japanische Jeans – laut Aussagen von Kennern kommt heutzutage die beste Jeansqualität der Welt nicht mehr aus Amerika, sondern aus Japan. Wenn man sie sieht und berührt, das muss man zugestehen, überzeugen sie schon allein von der Verarbeitung und der Schwere des Stoffs her. Hier hat Japan also eine ureigene amerikanische Zutat genommen, und seiner eigenen Kultur hinzugefügt, und dabei mit ostasiatischem Auge fürs Detail optimiert.

The Art of Japanese Whisky vorgestellte Whiskys

Oder, um zum eigentlichen Thema dieses Artikels zu kommen, auch Whisky. Jim Murray, der Autor des jedes Jahr neu aufgelegten Referenzwerks The Whisky Bible, trat mit seiner Bewertung des Yamazaki Sherry Cask 2013 als bestem Whisky der Welt anno 2015 eine Welle des Interesses los – wie, Japan und Whisky? Können die das überhaupt, wie kann es sein, dass die besser sein sollen als die Schotten mir ihrer tausendjährigen Tradition? Auch wenn ich mit den kritischen Experten übereinstimme, dass es sowas wie einen „besten Whisky“ überhaupt nicht geben kann, weil die Geschmäcker und Aspekte bei Spirituosen viel zu weitläufig sind, um so etwas absolut sagen zu können, hat Murray damit erreicht, was meines Erachtens erreicht werden sollte: Die Augen der Welt richteten sich auf Japan und seine trotz der Kürze der Zeit inzwischen tiefgreifende Whiskykultur.

Das als The Art of Japanese Whisky betitelte Event Ende November 2017 in der Winefactory im Unique Cube sollte einen ähnlichen Effekt haben, neben dem reinen Genuss vielleicht auch dazu dienen, den anwesenden Gästen diese trotz ihres ihr schnell vorauseilenden Rufs in Deutschland doch eher wenig verbreitete Spirituose näherzubringen.

The Art of Japanese Whisky vorbereiteter Tisch

Der Tisch war schon eingedeckt, hübsch, nicht überdekoriert, aber stimmungsvoll. Auch die Whiskys waren schon voreingegossen, so dass sie vor der Verkostung auch noch ein bisschen atmen konnten. Je 2cl der Whiskys, die alle aus dem Portfolio von Beam Suntory stammten, konnten unter Anleitung verkostet werden – Hinweise zur Destillerie und der speziellen Whiskysorte wurde mit einem Beamer an die Wand geworfen. Wasser zur Durststillung und Gaumenreinigung stand ausreichend bereit – der Abend konnte beginnen!

The Art of Japanese Whisky 5 Whiskys

Bei vielen Events ist das Essen eine nette Beigabe, ein Snack, klar untergeordnet. Bei The Art of Japanese Whisky merkte man vom ersten Gang an, dass da zwei gleichwertige Komponenten auf höchstem Niveau miteinander in Wettstreit stehen – oder, anders gesagt, in einem Gesamtklang miteinander harmonieren. Das Sushi Catering von Kimdo at Home bereitete die Speisen alle live in Echtzeit für jeden Gang vor; die nagelneue, offene Showküche der Winefactory bietet ein ideales Umfeld für derartiges Kochen und Anrichten vor den Augen der Gäste.

The Art of Japanese Whisky Gang 1

Das sieht man schon beim ersten Gang. Sautierte japanische Kamm-Muscheln. Mir als Meeresfrüchteliebhaber kommt sowas entgegen, und da hat es der dazu kredenzte The Chita Grain Whisky schwer, das zu übertrumpfen. Grain Whiskys haben einen gewissen, nicht unbedingt positiven Ruf, sie sind oft eher flach von der Aromatik und haben außer einer schönen Süße nur wenig zu bieten. Der Chita macht seiner Kategorie aber sicher keine Schande, im Gegenteil, er gehört für mich persönlich gewiss zu den besseren Grain Whiskys.

The Art of Japanese Whisky Gang 2

Butterzarte Tempura-Garnelen mit Yuzu-Dip wurden im zweiten Gang präsentiert. Sensationell war insbesondere dieser Dip aus der exotischen Frucht – da musste ich, auch wenn es wenig fein wirkte, die Schale auslecken. Der Hibiki Japanese Harmony Blended Whisky, den man dazu trank, ist nun schon eine andere Gewichtsklasse als der zuvor servierte Chita. Ein Blend aus verschiedenen Grain- und Malt-Whiskys der japanischen Suntory-Brennereien, präsentiert in einer sehr attraktiven Flasche mit Facettenschliff und Etikett aus handgeschöpftem Papier. Trotz der edlen Aufmachung: Ein bodenständiger Easy-Drinking-Whisky.

The Art of Japanese Whisky Gang 3

Den dritten Gang läutet der große Bruder des Hibiki Japanese Harmony ein, der Hibiki 12 Years Old Blended Whisky. Im Gegensatz zum NAS-Vorgänger ist dieser mit einer Altersangabe versehen. Wenn man recherchiert, findet man schnell heraus, dass wir hier einen doch eher seltenen und auch recht hochpreisigen Whisky vor uns haben – toll, dass man auch derartige Raritäten an diesem Abend probieren konnte. 3 Nigiri von Lachs, Thunfisch und Hamachi (Gelbschwanzmakrele) mit hausgemachter Sojasauce wurden dazu angeboten; herrlich, wie luftig und frisch diese kleinen Bissen wirkten.

The Art of Japanese Whisky Gang 4

Persönlich das absolute Highlight des Abends war der vierte Gang – sowohl vom Essen als auch vom Whisky her. In der Tischmitte wurden mehrere große Portionen Unagi (japanischer, marinierter Aal) auf Perilla-Reis mit japanischen Pickles gestellt, an denen man sich bedienen konnte – was ich bei diesem fantastischen Gericht auch üppig tat! -, und dazu frisch handgerollte Ura Maki (Inside Out Rolls) mit Spicy Tuna und Chicken Teriyaki. Ich fühlte mich im Himmel. Kaum hintan stand aber das Getränk dazu: The Hakushu Single Malt Whisky Aged 12 Years bezauberte mich durch seine ganz besondere Aromatik, die ich in dieser Form noch bei keinem anderen Whisky schmecken durfte. Mir war beim ersten Schluck klar – davon musste ich eine Flasche haben, und gottseidank war in der Winefactory noch genug Lagerbestand da, dass ich ihn direkt am Abend noch mit nach Hause nehmen konnte.

The Art of Japanese Whisky Gang 5

Ich gebe zu, ich fühlte mich bereits etwas gesättigt durch die tolle Speisenfolge bisher. Als dann aber noch abgeflämmtes Lamm mit Miso, Edamame und Hawaiisalz auf den Tisch kam, gewann die Lust über das Sättigungsgefühl. Auch der dazu getrunkene The Yamazaki Single Malt Whisky Aged 12 Years überzeugt voll – süß, cremig, voll und dicht, ein wahrer Gaumenschmeichler, der die Kehle runterläuft wie Öl. Für viele am Tisch war dies die Krönung des Whiskyportfolios von Suntory an diesem Abend; auch ich war kurz davor, meinen Favoriten zugunsten des Yamazaki aufzugeben. Wer tiefe, breite, feinmilde schottische Highland-Malts mag, sollte hier definitiv mal einen Blick riskieren.

The Art of Japanese Whisky Dessert Zilliken 2003

Als Dessert griff der Hausherr ganz am Ende noch in seine Schatzkiste und servierte eine Forstmeister Geltz Zilliken 2003 Saarburger Rausch Riesling Spätlese. Ein schöner, süßsaurer Tropfen, der mir selbst als Weinagnostiker sehr gefiel. Ich muss so ehrlich sein, die Qualität nicht in der Konsequenz beurteilen zu können – die Weinkenner links und rechts von mir waren aber hocherfreut, ein Glas davon vor sich zu haben.

The Art of Japanese Whisky Brand Ambassador

Ehre, wem Ehre gebührt – neben dem Gastgeber, Denis Reinhardt, der ernsthaft dabei ist, aus der einstigen Spirituosenprovinz Saarbrücken ein Zentrum für Schnapskultur zu machen, möchte ich auch die anderen Protagonisten des Abends loben. Der Brand Ambassador für Südwestdeutschland bei Beam Suntory, Mark Armin Giesler, überzeugte mit seinem Team sowohl durch das präsentierte Fachwissen bezüglich der vorgestellten japanischen Whiskys, als auch durch seine lockere Art, mit der er den Abend leitete. Viele spannende Dinge aus dem Nähkästchen konnte man da hören, ohne dass es je langweilig wurde.

The Art of Japanese Whisky Winefactory Showküche

Und natürlich muss man Martin Dobner und seine Frau Moon-Jung Kim ganz besonders hervorheben, die ein 5-Gänge-Menü für 10 Personen in Echtzeit zubereiteten, und dabei noch Zeit fanden, die schon durchaus exotischen Zutaten zu erklären. Dass es sich bei den Speisen um gehobene Restaurantqualität handelte, sollte allein schon von den Fotos klar geworden sein; dass sowas auf diesem hohen Niveau nun seit kurzem auch als Catering für Zuhause oder eine Firmenfeier verfügbar ist, finde ich großartig.

Am Ende möchte ich den Bogen zurückschlagen zum Anfang. Kulturen im Kampf, das muss eigentlich nicht sein. Wie man hier sieht, können sie sich auch ergänzen und komplettieren. Man lernt: Japanischer Whisky muss sich keineswegs hinter seinem schottischen Vorbild verstecken; deutscher Wein passt wunderbar zu japanisch zubereitetem Lammfleisch; ein Rheinhesse, ein Schwabe, eine Koreanerin und viele Saarländer können einen unglaublichen Abend zusammen erleben. Wenn man nur will, können unterschiedlichste Kulturen gemeinsam viel erreichen – und damit die ganze Welt bereichern.

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Cocktail meets Whisky - Titel

Ohr- und Gaumenfreuden – „Cocktail meets Whisky“ bei der Whiskytruhe

Gern wird immer wieder mal das Bonmot zitiert, dass man nicht allein trinken soll, sondern in Gesellschaft. Ersteres ist, zugegebenermaßen, ein gefährlicher, abschüssiger Weg (jetzt mal natürlich nur rein hobbypsychologisch gesprochen). Entsprechend es ist ein hartes Leben als Spirituosenblogger, denn das tiefe Probieren und Verkosten, das für Tasting Notes erforderlich ist, kann man eigentlich nur allein durchführen, um die Konzentration und den Fokus zu erhalten, der dafür nötig ist.

Doch auch so ein Blogger hat mal Lust auf einen weniger anstrengenden Drink, und woher die Gesellschaft nehmen, wenn nicht stehlen, und gerade kein Saufkumpan zur Verfügung steht? In einer Bar ist man ja auch eher allein unter anderen Menschen, wenn man solo aufbricht. Die Lösung: Whiskyverkostungen! Diese sind durchaus in Mode. Es ist ja auch eine tolle Sache – man bekommt etwas gutes zu trinken, lernt neue Spirituosen und Leute kennen und im Idealfall hat die Veranstaltung auch etwas von einem Eventcharakter, so dass die Unterhaltung nicht zu kurz kommt. Man will ja eigentlich nicht am Abend auf eine Lehrveranstaltung, sondern Spaß haben, selbst (oder gerade!) als Kenner.

Cocktail meets Whisky - Eintrittskarten

Am 28. Oktober 2017 fand auch ich, zugegebenermaßen ausschließlich dank meines Navigationsgeräts, den Weg zu so einer Whiskyverkostung. Tief im ländlichen Saarland, in Schmelz/Limbach, lud Gastgeber Markus Hawner, der Geschäftsführer von Whiskytruhe, zu einem Multifunktionsabend ein. „Cocktail meets Whisky“ hieß das Motto – entsprechend konnte man sich nicht nur auf Spirituosenproben freuen, sondern auch auf damit live gemixte Cocktails und Longdrinks.

Ein Blick in den kleinen, charmanten Laden von Markus Hawner zeigt direkt, dass es sich bei seinen Veranstaltungen nicht um kühle Vorträge handelt, in denen ein gelangweilter Brand Ambassador eines Konzerns sein Portfolio zum hundersten Mal runterrattert. Man sitzt auf einer Couch oder Fässern, steht an einem aus Fässern hergestelltem Stehtisch oder lehnt gemütlich an einer Wand, während Markus eine Auswahl an Whiskys präsentiert.

Cocktail meets Whisky - Gruppe

Die Atmosphäre ist sehr lässig, entspannt, man merkt, dass sich der eine oder andere schon kennt. Da wird laut geredet und gelacht, diskutiert und palavert – in manch einer Veranstaltung musste ich mich zum Räuspern aus dem Raum begeben, weil sonst die anderen Teilnehmer einen vorwurfsvoll anschauen; hier gibt es das nicht.

Was gab es zu trinken? Markus Hawner legte einen Schwerpunkt auf Roggenwhiskeys aus den USA, und ergänzte dies durch Whiskys aus der alten Welt. Entsprechend begann der Abend mit den amerikanischen Straight Rye Whiskeys Jim Beam Rye, Knob Creek Rye und 1776 Rye, dazu kam als Übergang der irische Vertreter Knappogue Castle 12, und am Ende die schottischen Black & White und Kilchoman Single Malt, die zeigen sollten, dass auch Scotch sich vor Cocktailvermischung nicht zu hüten braucht.

Cocktail meets Whisky - Auswahl

Zu jedem Whisky gab es eine kurze Einführung, Erklärung über die Produktion und die Basismaterialien, sowie ein paar Hinweise zu den zu erwartenden Aromen und Geschmäckern. Markus passt sich dabei dem zu erwartenden Kenntnisstand seiner Besucher an – man wird also nicht mit zuvielen Spezialistendetails überfrachtet, sondern bekommt einen kurzen, knackigen Überblick über einen Whisky und hat dann entsprechend mehr Zeit, sich selbst in der Verkostung ein Bild zu machen und mit den anderen Teilnehmern darüber zu diskutieren.

Cocktail meets Whisky - Gastgeber

Nun hieß der Abend ja nicht „Whiskey meets Whisky“, sondern „Cocktail meets Whisky“, und so wurde nach jeder Probe ein Cocktail angeboten, der genau diese Spirituose beinhaltet. Beispielsweise wurde zum Knob Creek Rye ein Dry Manhattan empfohlen – meine kleine Befürchtung, dass der immer noch sehr weit verbreitete Irrtum, dass ein Cocktail immer ein Liter Saft mit etwas Schnaps ist, hier fortgeführt werden könnte, hat sich da schnell in Luft aufgelöst – hier wurden klassische Rezepte gezeigt. Eugenia Schmidt, eine Cocktail-Amateurin im besten Wortsinn (nämlich jemand, der das liebt, was er oder sie tut), gab neben den von ihr auf professionellem Niveau gemischten Drinks noch den einen oder anderen Hinweis auf den Hintergrund des Cocktails, mit möglichen Twists oder Alternativrezepten.

Cocktail meets Whisky - Cocktail 1

Natürlich schadet auch ein Longdrink nicht – der angebotene Horse’s Neck war eine tolle Erfrischung nach all dem trockenen Whisky. Hübsch angerichtet mit der namensgebenden, langen, über das Glas hinaushängenden Zitronenzeste konnte auch hier die Bartenderin voll überzeugen.

Cocktail meets Whisky - Cocktail 2

Bei soviel Schnaps muss auch etwas gehaltvolleres her. Nach 3 Whiskys gab es eine kleine Pause, in der der Gastgeber das Fingerfood-Buffet eröffnete. Wraps, Datteln im Speckmantel, Pesto-Tortellini-Spieße und Schinken- und Käseschneckchen waren neben der kleinen Käseplatte ein idealer, fetthaltiger und sehr leckerer Grund, auf den man für den Rest des Abends weiter aufbauen konnte. Alles hausgemacht und in mehr als ausreichender Menge vorhanden.

Cocktail meets Whisky - Fingerfood-Buffet

Mit das prägendste Element des Abends war allerdings die musikalische Untermalung durch Pascal Saar, der mit seiner Cajon-Drumbegleitung Marvin Waldemar und irischen Folk-Klängen viel Rhythmus in die Veranstaltung brachte. So fühlte man sich stellenweise wie in einem irischen Pub, nicht mitzusingen war zu fortgeschrittener Zeit bei einigen Klassikern wie „Whiskey in the Jar“ und „The Wild Rover“ praktisch unmöglich. Großartige Unterhaltung!

Cocktail meets Whisky - Band

Kurz und bündig zusammengefasst – ein rundum gelungener Abend, der beweist, dass man über die Gefahren des Alkoholtrinkens sagen kann, was man will: Er ist auch, und vor allem, ein Kulturgut, das Leute zusammenführt und dazu bringt, das Leben etwas leichter zu nehmen und zu zelebrieren. Sehr gern werde ich in Zukunft weitere Veranstaltungen von Whiskytruhe besuchen.

Whiskytruhe Macduff Highland Single Malt Titel

Von Kisten, Truhen und Fässern – Whiskytruhe Macduff Highland Single Malt Scotch Whisky

Mir geht der Platz aus. In einem meiner Artikel über den Aufbau einer Heimbar hatte ich auch über ein Spirituosenregal gesprochen; dort empfahl ich ein IKEA-Regal. Nun, mehr als ein Jahr später, platzt das Regal aus allen Nähten; jedes Fach ist in vier Reihen gefüllt, so dass man an die hinteren gar nicht mehr richtig herankommt. Das Erweckungserlebnis neulich war, dass ich abends eine Taschenlampe benutzen musste, um den Himbeerlikör im Fach unten rechts zu finden. So richtig schön ist das nicht mehr; ich denke über eine Alternative nach.

Das ist natürlich ein ganz besonderes Problem, das ich nicht mit wirklich vielen Leuten teile. Für die allermeisten Spirituosenfreunde ist so eine umfangreiche Bar gar nicht unbedingt erstrebenswert – sie interessieren sich für einzelne Spirituosen, haben einen Lieblingswhisky oder -rum, und brauchen daher kein großes Regal mit viel Stellfläche, sondern eher etwas kleines, charmantes, atmosphärisches, das die wenigen Einzelflaschen optimal zur Geltung bringt. Die Möbelindustrie bietet ein breites Portfolio an standardisierten Vitrinen für solche Zwecke; wer aber etwas besonderes will, gar ein Unikat, der muss sich an Unternehmer wie whiskytruhe.de wenden, wo individuelle Aufbewahrungstruhen nach Kundenwünschen angefertigt werden.

Whiskytruhen bei Whiskytruhe.de

Whiskytruhe.de bietet allerdings neben individuell geformten Hartholz auch die flüssige Ware, die in den entsprechenden Kisten aufbewahrt werden soll, an. Auch hier zeigt sich, dass vor allem der nicht nur am offiziellen Standard interessierte Käufer sich hier wohlfühlen wird – eine individuelle, unabhängige Abfüllung eines schottischen Hochlandwhiskys ist der aktuelle Star im Angebot: der Whiskytruhe Macduff Highland Single Malt Scotch Whisky.

Eine erste Überraschung erfolgt schon beim Lesen des Namens. Wer Whisky-Kataloge durchblättert,  sich die Auslagen von Whiskyläden anschaut oder seine Augen über die Regale von Whiskybars schweifen lässt, sieht immer wieder dieselben Namen. Da sind die großen Destillerien, die selbst abfüllen, wie Glenfiddich, Glenmorangie, Bruichladdich oder The Glenlivet meist leicht wiedererkennbar. Doch was ist mit der Destillerie Macduff? Man wird Mühe haben, einen dort destillierten Whisky unter diesem Namen zu finden; der Hersteller beliefert stattdessen hauptsächlich Blender (der weltweit sechstgrößte Blend nach Verkaufszahlen, William Lawson’s, beruht zum Großteil auf Macduff-Malt), und bringt ein Produkt unter dem Namen The Deveron auf den Markt (früher: Glen Deveron). Ich bin ein großer Freund unabhängiger Abfüllungen, und daher sehr gespannt, wie sich dieser Highland-Whisky im Glas schlagen wird.

Whiskytruhe MacDuff Highland Single Malt Scotch Whisky Flasche

Bei vielen anderen Spirituosen erwähne ich inzwischen, wenn es um die Farbe geht, nur noch lapidar das Wort „Zuckerkulör“. Soviele Produkte sind inzwischen gefärbt, dass die Tönung praktisch nichts mehr über die Qualität oder Beschaffenheit aussagen kann. Hier ist das anders – die sehr helle Kolorierung mit fast schon weiße Reflexen spricht eine klare Sprache: hier ist nichts gefärbt, und auch nicht kühlgefiltert. Damit punktet der Whisky schonmal, bevor man ihn überhaupt im Mund gehabt hat.

Der Laie, der nur die dunklen Whiskys aus den Supermarktregalen kennt, denkt sich vielleicht, das würde bedeuten, der Whisky sei dann dünn und schwach. Das prüfen wir sofort- zunächst ohne Wasserzugabe.

Direkt nach Eingießen nimmt man erstmal ein sehr starkes Lösungsmittel wahr, das nach einer Weile atmen dann aber fast komplett verschwindet. Mildes Obst und Vanille erkennt man vordergründig, außenrum ist der Whiskytruhe Macduff blumig und grasig. Mit etwas Wasser kommt die süße und blumige Komponente noch stärker zum Vorschein, er erinnert dann an Traubenmost, mit einem ausgeprägtem Veilchenduft.

Whiskytruhe Macduff Highland Single Malt Scotch Whisky Glas

Der erste Geschmackseindruck ist süß, mild, die errochene Vanille ist präsent, dazu Karamell und Schokolade, dahingehend fast schon an leichten Bourbon erinnernd, insgesamt aber meines Erachtens bleibt der Macduff recht typisch für einen Highland-Whisky.  Im Verlauf kommt eine kräftige Schärfe dazu, Zimt, grüner Pfeffer. Das Lösungsmittel taucht wieder auf, Holznoten entstehen, Pfefferminze kühlt den Mundraum. Mit Wasser – bei immerhin 56,5% Cask-Strength-Alkohol ist das für den echten, unbetäubten Genuss unerlässlich – wird der Macduff wunderbar süß und weich, schokoladig, viel runder und dichter, karamellig. Die vorherige Schärfe wandelt sich zu mentholiger Minze, Kandiszucker-Würze, mit Anklängen von gebrannten Mandeln und Ahornsirup. Ein perfektes Beispiel dafür, dass Wasser einen Whisky noch verbessern kann.

Der Abgang ist kurz, frech und pikant, dann im Verlauf wieder milder, vanillig, grasig, etwas feuchter Karton. Ganz am Ende kommt dann eine unerwartete, dafür umso erfreulichere umami-Komponente dazu. Der Nachhall ist mittellang.

Whiskytruhe Macduff Highland Single Malt Scotch Whisky Etikett

Der Whiskytruhe Macduff 9 ist eine Einzelfassabfüllung. Bei dem Fass handelt es sich um ein Ex-Bourbon-Fass (auf dem Etikett ist sogar die entsprechende Fassnummer angegeben); 257 Flaschen konnten mit dem Inhalt dieses Fasses befüllt werden. Erfrischend konsequent ist die Altersangabe – während bei vielen Rums Fantasiezahlen auf die Etiketten gedruckt werden, die mit dem echten Alter nur noch selten etwas zu tun haben, ist bei Scotch eine strenge Regelung in Kraft, so streng, dass dieser Whisky eben als 9-jähriger deklariert wird, obwohl er laut den angegeben Destillations- und Abfülldaten (11.10.2006 respektive 07.09.2016) eigentlich schon so gut wie 10 Jahre alt ist.

Zum Zeitpunkt des Erstellens dieses Artikels ist Spätherbst. Draußen wird es langsam ungemütlich, das Laub ist schon fast komplett gefallen, und vom Spaziergang mit dem Hund kommt man immer feuchter und schmutziger nach Hause. Da ist es dann doch Zeit für einen ebenso herbstlichen Cocktail, der mit seinen Nuss- und Laubaromen das namensgebende Eichhörnchen in Erinnerung ruft, das seinen Wintervorrat hoffentlich schon angelegt hat: der Drunken Squirrel. Ein Cocktail, der mit jedem Schluck besser wird. Ich gebe zu, der erste ist nicht prickelnd. Der letzte entschädigt aber für alles. Wer diesen Weg nicht gehen will, lässt den Eiswürfel eine Weile vor sich hin schmelzen und steigt erst später ein.

Drunken Squirrel


Drunken Squirrel
2 oz Highland Scotch Whisky (z.B. Whiskytruhe Macduff 9)
¾ oz Haselnusslikör (z.B. Frangelico)
½ oz Maraschino-Likör
¾ oz Zitronensaft
½ oz Ginger Ale

Auf Eis rühren und mit einem großen Eiswürfel servieren.
[Rezept nach Stéphane The Mad Malt Mixologist]


Persönlich mag ich jüngere, charaktervolle Whiskys, die nicht fett, faul und bequem geworden sind. Der Whiskytruhe Macduff mag kein Scotch sein, den man sich nach einem harten Arbeitstag abends vor dem Kamin eingießt, und dann beim gemütlichen Schlürfen entspannt – nein, das ist ein fordernder Whisky, der geschmeckt und erforscht werden will, der mehr den Kopf als den Bauch anspricht, ohne dabei zu intellektuell und abgefahren zu sein. Kurz: spannend und unterhaltsam. Meine etwas eingeschlafene Liebe zu Scotch wird durch diese Art von Abfüllungen zu meiner eigenen Überraschung wieder aufgefrischt.

Offenlegung: Ich danke Whiskytruhe für die Zusendung von einigen Samples dieses Whiskys.