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Bunnahabhain 12 Islay Single Malt Scotch Whisky Titel

Volkskrankheit Zungenbruch – Bunnahabhain 12 Islay Single Malt Scotch Whisky

Schottische Whiskys haben ein Problem in Deutschland. Nein, es ist nicht die Qualität, nein, es ist nicht der Preis. Die größte Schwierigkeit, die wir im Allgemeinen mit den modernen Nachfolgern des alten uisghe beatha haben, ist, wie man die Namen ausspricht. Manchmal könnte man denken, die Hersteller haben eine Heidenfreude daran, den Konsumenten mit immer seltsameren, unaussprechlicheren gälischen Namen zu quälen. Wir Deutschen kommen im Gegensatz zu vielen Franko- und Anglophonen mit den „ch“s in Auchentoshan und Glenfiddich noch zurecht, mit dem „ch“ in Glen Garioch dann aber auch schon nicht mehr (letzterer ist sprachlich eh der ultimative Prüfstein für jeden selbsternannten Kenner schottischen Whiskys).

Die Brenner, die Bunnahabhain 12 Islay Single Malt Scotch Whisky herstellen, haben dies erkannt, wollen uns einen Zungenbruch und sich selbst potenzielle Sprachvergewaltigung ersparen und geben darum Hinweise zur Phonetik ihres Produkts – man spricht den Namen „Bunn-a-ha-venn“ aus, so ist es auf dem Rücketikett freundlicherweise aufgedruckt. Nun ist die linguistische Seite also klar, dann hindert uns erstmal nichts mehr daran, uns dem sensorischen Spektakel hinzugeben und die Zunge zum Verkosten zu nutzen statt zum Verbiegen von diversen palatalen und labiodentalen Frikativen.

Bunnahabhain 12 Islay Single Malt Scotch Whisky Flasche

Lobenswert finde ich schonmal die schwarze Flasche – so kommt kein Kunde auf die Idee, den Inhalt von außen rein optisch zu beurteilen. Bei Scotch ist Färbung mit E150a weitverbreiteter Usus, eben wegen diesem Vergleich, den viele Kunden anstellen – hier haben wir aber den Fall eines ungefärbten Whiskys vor uns; „natural colour, un-chillfiltered“ steht auf der Flasche. Die natürliche Farbe liegt irgendwo in der Mitte zwischen Kupfer und Safran. Eine minimale Öligkeit ist erkennbar.

Bunnahahbain ist ein Sonderling auf Islay, das merkt man spätestens, wenn man die Nase ins Glas hält. Die nahen Nachbarn auf der Insel versuchen sich gegenseitig zu übertreffen, was Torfigkeit angeht – hier bekommt man den interessanten Fall eines Islay-Whiskys, der nicht torfig ist. Stattdessen schmeichelt eine wuchtige Süße der Nase, Karamell, Butter, Mandarinen. Ein dezentes Kräuterbeet, Thymian und Fenchel, unterlegt die Aromatik. Riecht man sehr tief, kommt einem eine gewisse Lösungsmittelkomponente entgegen.

Bunnahabhain 12 Islay Single Malt Scotch Whisky Glas

Im Mund ist im ersten Antrunk eine fruchtige Note, aber mild. Mandarine, Erdbeere. Insgesamt sorgt die ununterbrochen vorhandene, schwere, nicht aufdringliche Süße für ein sehr breites Geschmacksbild, mit extrem viel Körper und Dichte. Eine milde medizinische Note und erkennbare Salzigkeit kümmern sich um den Inselcharakter mit Eindrücken von Meer und Strand. Im Verlauf entsteht zur Süßebasis ein Kontrapunkt – eine durchaus feurige Würze, die ich nichtmal den 46,3% Volumenprozent zuschreiben will, weil sie nicht oberflächlich brennt, sondern tief und vielschichtig daherkommt. Man hat wirklich ordentlich was im Mund bei diesem Whisky, vom fruchtigen Hochton bis zum süßen Bass ist alles da.

Der Abgang des Bunnahahbain 12 ist erneut eine kleine Wandlung: kühlend, mit dem Gefühl von Menthol und Minze. Mittellang, würde ich sagen, aromatisch, trocken aber nicht adstringierend, mit einem Nachhall von Holz, Vanille, Kaffee und dunklem Kakao. Tatsächlich empfinde ich diesen Scotch aufgrund der Breite der Eindrücke, und des wirklich ausgesprochen voluminösen Mundgefühls, als sehr komplex und dabei dennoch sehr genehm und nie kompliziert.

Die eine oder andere Zutat, die man in Cocktails einsetzt, hat das Problem, dass sie sich nur mühselig oder gar nicht gegen andere Zutaten durchsetzen kann. Manchmal ist es das Gegenteil – die Brachialität einer Zutat erwürgt alle anderen. Der Bunnahahbain 12 ist ein Beispiel für die Gruppe von Spirituosen, die genug Kraft mit sich bringen, gleichzeitig aber nicht den Raudi heraushängen lassen. Seine Qualitäten machen den Second Sip zu einem Drink, bei dem man gern einen zweiten (und dritten!) Schluck trinken mag.

Second Sip


Second Sip
2 oz Bunnahabhain 12 Islay Single Malt Scotch Whisky
½ oz süßer Wermut (z.B. Carpano Antica Formula)
½ oz Tawny Port (z.B. Porto Cruz Special Reserve)
¼ oz Fernet Branca
2 Spritzer Bittermens Xocolatl Mole Bitters
Auf Eis rühren und ohne Dekoration servieren.
[Rezept nach Brian Miller]


Neben der schon eingangs angesprochenen schwarzen Flasche in durchaus ungewöhnlichem Format bekommt man noch einen Karton und eine kleine Beilage mitgeliefert. Darin findet man unter anderem ein paar Anekdoten über Geschichte und Topographie der Destillerie. Schön gemacht, und nicht aufdringlich oder allzu marketinglastig.

Bunnahabhain 12 Islay Single Malt Scotch Whisky Karton und Beilage

Wie ich schon sagte – dies ist kein typischer Islay-Whisky. Wer auf der Suche nach Rauch, Iod und Torf ist, hat auf der Insel genug andere Alternativen; daher finde ich es spannend, dass sich Bunnahabhain hier dem starken Gruppenzwang der restlichen Inselanrainer, die sich manchmal für meinen Geschmack an ihren Extremen übermäßig aufgeilen, widersetzt. Für mich gehört dieser Whisky jedenfalls in jedes Regal eines wahrhaften Whiskyfreunds, egal ob Peat-head oder nicht, und sei es nur, um zu erkennen, dass Islay auch anders kann.