Herkunft und Terroir – whic Islay Single Malt Scotch Whisky

whic Islay Single Malt Scotch Whisky Titel

Der Charakter einer Spirituose ergibt sich oft aus dem Umfeld, in dem sie hergestellt wird. Robin Robinson nennt das in seinem Buch „The Complete Whiskey Course“ gern Provenance (Herkunft), in Abgrenzung zu dem aus der Weinwelt importierten, oft missverstandenen Wort Terroir, das bei Spirituosen um viele Aspekte ergänzt werden muss, um wirklich Sinn zu haben. Er füllt diese Wörter in einem Interview mit Inhalt.

Robin Robinson Jury 2

The literal translation of terroir is ‘from the earth’. If I were a distiller, I’d be completely insulted by marketing going around saying whiskey has terroir. Basically, it means that as a distiller, I’ve had no effect on it. Provenance actually covers everything. And particularly it gives credit to the savoir-faire, and that’s the thing that gets left out of terroir. Provenance means from the origin, and it takes in every one of those individual things and the choices that the distiller made, and gathers them into a unique origin that nobody else can copy.

Gerade bei einem Produkt wie dem whic Islay Single Malt Scotch Whisky kann man verstehen, was er meint. Viele Produktionsschritte sind nötig, um aus dem Basismaterial einen fertigen Whisky zu machen – auf jeden Fall deutlich mehr als bei Wein, beispielsweise, der doch noch viel direkter mit dem Boden, auf dem er wächst, verbunden bleibt; der, der wahrscheinlich am meisten Einfluss auf den Endgeschmack hat, ist hier eine Trocknung der gemälzten Gerste mit Torfrauch. Dieser handwerkliche Prozess ergibt sich daraus, dass auf der Insel Islay, wo viele Whiskys so behandelt werden, ausgiebige Torfvorräte liegen, die seit vielen Jahrhunderten eingesetzt werden, und so eine ganz eigene Provenance für „Peated Whisky“ erschaffen haben.

Destilliert und gereift wurde dieser Whisky in Schottland, natürlich, denn sonst dürfte ja nicht „Scotch Whisky“ auf dem Etikett stehen; er wurde am Ende der nicht genannten Reifungsdauer (mindestens 3 Jahre müssen es allerdings schon gewesen sein) auch dort mit klug gewählten 46% Alkoholgehalt abgefüllt, ohne kühlgefiltert zu werden. Leider erfährt man auch die Destillerie, aus der er stammt, nicht, und ich würde mir nicht anmaßen, das aus dem Geschmack mit der Sicherheit ableiten zu können, es hier laut zu sagen, ich habe aber einen Verdacht. Man sieht es ja oft, dass Destillerien ihren Stoff für unabhängige Abfüller abgeben, unter der Bedingung, nicht namentlich genannt zu werden, das sogenannte Sourcing ist bei vielen Spirituosen Alltagspraxis und keineswegs ein Qualitäts-, höchstens ein Transparenzmangel.

whic Islay Single Malt Scotch Whisky

„Natural color“ steht auf dem Etikett, und optisch glaube ich das direkt. Messingfarben, blassgold, Stroh – mit Weißwein zu verwechseln. Schwer beim Schwenken, und hübsch zu betrachten, besonders, wenn die Beine mit dicken Köpfen wie Kaulquappen an der Glaswand ablaufen.

Die Nase ist sehr prägnant, der Torf springt natürlich bei einem als „heavily peated“ deklarierten Scotch erwartungsgemäß nach vorn und enttäuscht diesbezüglich nicht, das ist natürlich nicht Octomore-Quantität, aber wer will auch schon dauernd von einer qualmenden Lokomotive überfahren werden. Rauch und Frucht sind zumindest bei mir Eindrücke, die gern ineinander übergehen, bei besonders rauchigen Spirituosen nimmt man den Rauch irgendwann gar nicht mehr wahr, hier bleibt er als Kaltrauchkomponente erhalten, ohne die Aprikosen zu vergessen. Heu und Heidekräuter sorgen für vegetale Komplexität, ein bisschen Süße und Vanille aus dem Fass (eine Reifungsdauer ist, wie bereits erwähnt, nicht angegeben) kümmern sich um schmeichelndere Eindrücke. Da ist noch etwas Ledriges, alte Schuhe vielleicht, und eine leicht pieksende Alkoholspitze. Insgesamt unterhaltsam und typisch!

whic Islay Single Malt Scotch Whisky Glas

Ich nehme mal vorweg – im Mund werden diese Eindrücke sehr viel klarer definiert. Der Gaumen nimmt den schon angesprochenen Rauch noch sehr viel deutlicher wahr als die Nase. Direkt bringt er aber eine zuckerwattige Fruchtsüße mit, ich sage ja, die zwei gehören zusammen. Auch die Vanille ist im Mund klarer positioniert. Minimal iodisch, aber wirklich nur minimal. Hervorzuheben ist auch die tolle, dichte Textur, auf der man schön herumkauen kann, und zur Breite der Eindrücke sehr viel beiträgt – 46% Alkoholgehalt tun ihr übriges dazu, da ist ordentlich Feuer drin, aber keine Kratzigkeit. Der Abgang ist bleibt breit und tief, sehr lang und voller Lagerfeuererinnerungen, kalte Holzkohle, Rauch, nur leicht speckig, eine milde Salzigkeit bildet sich heraus, und nach einer Weile erblüht dann noch Jasmin, dessen Blumigkeit sich wunderbar mit dem lang anhaltenden Torfrauch vermählt.

Ein Single Malt, der sich nach einer zwar schon recht angenehmen Nase für mich persönlich besonders im Geschmack unerwartet und plötzlich verdreifacht, da ist sehr viel Wumms und gleichzeitig Vielschichtigkeit, und der ewig lange Nachklang mit dieser herrlichen Mischung aus Blume und Rauch ist wirklich beeindruckend und dabei an keiner Stelle schwierig – ja, das mag ich!

Der Smoky Grove spielt mit genau dieser Süffigkeit und den schön ausgeprägten Raucharomen. Es handelt sich, der Kenner sieht das direkt, um einen Twist auf einen klassischen Rob Roy, nur eben mit torfigem Scotch, einer Wermut-Melange und noch etwas Orange Bitters zum letzen Kick. Wer immer noch der irrigen Meinung anhängt, dass Single Malts nicht zum Mixen von Drinks da sind, kann sich bei zwei, drei Gläsern dieses Cocktails gern von mir bekehren lassen.

Smoky Grove Cocktail

Smoky Grove
2oz / 60ml torfiger Scotch
½oz / 15ml süßer Wermut
½oz / 15ml trockener Wermut
1 Spritzer Angostura
1 Spritzer Orange Bitters
Auf Eis rühren.

[Rezept nach Jonathan Pogash]


Bei der Präsentation hat man sich für ein zurückhaltendes, schwarz-goldenes Design entschieden, das wirkt klassisch und unaufdringlich, aber dennoch hochwertig und wirksam. Die Geschenkdose, in der die Flasche kommt, ist stabil und mit Blechdeckel, auch hier ein ganz klassischer Weg, eine Whiskyflasche zu verpacken. Schön, dass man trotz der wahrscheinlichen Geheimhaltungsvereinbarung ein paar Details auf dem Etikett nachlesen kann; und die in der Dose mitgegebene Landkarte der schottischen Insel Islay mit der Lage ihrer Destillerien erlaubt, ein bisschen darüber nachzusinnen, woher der Whisky nun stammen könnte, und ob ein kleiner Ausflug dorthin nicht auch mal wieder angebracht wäre. Ich vermisse Schottland etwas, mein Auslandsjahr in Glasgow hat tiefgreifende Spuren bis heute hinterlassen, die eigentlich schon der Auffrischung bedürfen.

Offenlegung: Ich danke whic GmbH für die kosten- und bedingungslose Zusendung einer Flasche dieses Whiskys.

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.

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