Armagnac am Freitag – Grape of the Art #1 Le Frêche 2007 Armagnac

Grape of the Art #1 Le Frêche 2007 Armagnac Titel

Hochwertiger Whisky ist seit geraumer Zeit kaum mehr zu bezahlen für den Spirituosenfreund mit nicht zu dickem Geldbeutel, Rum ist gerade dabei, sich völlig identisch preisstrukturell zu entwickeln. Da lohnt sich der Blick auf die Kategorien, die der Flascheninvestor und der Bottleflipper noch nicht ganz für sich vereinnahmt haben – wie Armagnac, wo man heute zu noch sehr vernünftig gebliebenem Geld sehr schöne Produkte kaufen kann. Auf diese leisen, aber extrem charakterstarken Brände werden auch unabhängige Abfüller aufmerksam, und so haben sich ein paar Whisky- und Rumfreunde zusammengetan, die Firma „Grape of the Art“ gegründet, und versorgen uns nun mit Weinbrand aus ausgewählten Fässern, unverdünnt und unverändert abgefüllt.

Die erste Hausflasche, entstanden in Zusammenarbeit mit dem Händler L’Encantada, ist Grape of the Art #1 Le Frêche 2007, ein 13 Jahre gereifter Armagnac der geheimnisvollen Domaine Le Frêche im Bas-Armagnac (man lese diesen spannenden Artikel darüber, wo die Anbaufläche dafür liegt, und was man alles wissen muss, um sie überhaupt zu finden). Gebrannt wurde natürlich auf den für Armagnac so typischen Stills, als Rebsorte liegt hier wohl Baco, eine sehr beliebte Traube bei den Brennern im Gebiet, vor. 150 Flaschen davon gab es, inzwischen ausverkauft natürlich, ich freue mich, ein Sample ergattert zu haben, so dass ich meinen Lesern heute etwas zu zeigen habe!

Grape of the Art #1 Le Frêche 2007 Armagnac

Mit einer sehr kräftigen Farbe steht die Flüssigkeit im Glas, ein rotbrauner, erdiger Ton, Pariser Rot, fast schon gebrannte Siena. Bringt man sie in Bewegung, bildet sich zunächst ein fetter Film am Glas, der langsam in dicken Beinen davonläuft und dabei teilweise der Schwerkraft trotzend schräg seine Richtung beibehält, die er durch das Drehen des Glases bekam.Nach einem ersten Geruchstest ist klar, dass das eine Spirituose ist, die etwas Zeit zum Atmen braucht. Zunächst ist die Klebstoffnote überwältigend – und auch wenn ich das bei vielen Spirituosengattungen mag, hier ist schon etwas arg viel davon zu Beginn. Also, eine viertel Stunde vorgespult, nun durfte der La Frêche etwas durchschnaufen.

Er zeigt sich tatsächlich von einer anderen Seite, es ist immer noch Lösungsmittel da, wird aber nur eingebettet in ein dunkles, aromatisches Bukett aus getrockneten Äpfeln, Rosinen und im Streuselkuchen gebackenen Birnen und reifen Pfirsichen. Vanille, Schokolade und sogar Seiteneindrücke von würzigem Kaffee sind da, und gehen mit den Früchten in eine blumige Pfingstrosenkomponente über, Komplexität wird durch eine Idee von Schwefel und buttrigem Rancio aufrechterhalten. Ein vielschichtiger, klar durch Fassreifung dominierter, dabei aber immer noch sehr fruchtig gebliebener Brand!

Im Mund zeigt sich die schöne Struktur, die man optisch am Glas schon gesehen hatte, auch im Mund, mit schöner Viskosität und Textur, man kann nachverfolgen, wie sich der Le Frêche am Gaumen verteilt, und später den Rachen hinunterläuft. Natürliche Süße ist initial da, wird aber schnell durch heißblütige Trockenheit abgelöst, pikante Würze und die dunkle Aromatik getrockneten Obsts lassen aber auch nichts davon vermissen – 57% Alkoholgehalt passen sehr gut dazu, man spürt sie, aber in einer wertschätzenden Art und Weise. Rund, voll und breit, ein wahres Volumenmonster, das ausfüllt, dabei aber nicht eindimensional überwältigend wird, das deutliche, langanhaltende Kribbeln und die feine Salzigkeit helfen beim Übergang zum jasminlastigen, immer weiter glühend bleibenden, langen Abgang.

Ein Brand für den Genießer, ohne Frage, mit sehr viel Wucht und Charakter, aber ohne die Ecken und Kanten, die man bei so einer Persönlichkeit vielleicht miterwarten und sogar -ertragen würde; hier passt alles toll zusammen und sorgt dafür, dass man an einem Glas den halben Abend verbringen kann, ohne dass es je langweilig wird. Es ist umso angenehmer, dass man im Armagnac noch solche Dinge erleben kann, ohne die Monatsmiete der Wohnung auf den Tisch legen zu müssen!

Offenlegung: Ich danke Grape of the Art für die kosten- und bedingungslose Zusendung des Samples dieses Armagnacs.

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.

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