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Highland Park 10 Years Single Malt Whisky Titel

Die süße Jugend – Highland Park 10 Years Single Malt Scotch Whisky

Viele Spirituosenhersteller sind aktuell mit Volldampf dabei, ihr Portfolio umzustellen. Neudesigns von Flaschen und Etiketten gehören dabei zu den offensichtlichsten, gleichzeitig aber belanglosesten Aktivitäten. Stärker interessiert uns Freunde des gereiften Genusses, dass auch Altersangaben immer mehr dieser Lust am Wandel zum Opfer fallen. Ein Grund, der immer wieder genannt wird, ist, dass ein zunehmendes breites Interesse an gereiften Spirituosen auch über Expertenkreise hinaus, insbesondere bei Bourbon und Scotch, dazu führt, dass einfach nicht mehr genug Sprit in der entsprechenden Alterskategorie da ist, um diese Abfüllungen mit dem jeweiligen Alter auszeichnen zu können. So lässt man die Zahl fallen, schreibt einen klugen Spruch stattdessen aufs Etikett („kunstvoll gereift“ oder so etwas) und erfindet in bester Storytelling-Manier die Geschichte, dass es ja um den Geschmack geht, und dass das Alter das unwichtigste am Whisky überhaupt sei. Schön und gut, diese Ausrede hat ja auch einen wahren Kern, doch da gleichzeitig nicht die Preise gesenkt werden, obwohl man ja nun weniger aufwändig hergestellten Whisky verkauft, zeigt, dass hier auch ulteriore Motive ausgelebt werden können.

Dass man es auch anders machen kann, zeigt der Highland Park 10 Years Single Malt Scotch Whisky. Hier wurde einfach ein aus meiner persönlichen Sicht ehrlicheres Vorgehen gewählt: Man füllt halt jüngere Brände ab, um den Markt zu entlasten, gibt diesen aber trotzdem eine Altersangabe, und geht dabei sogar unter die bei Scotch magische 12-Jahres-Grenze. Taugt dieser vergleichsweise junge Whisky dazu, Vorurteile diesbezüglich abzubauen? Kann er eventuell sogar ein Ersatz für älteren Whisky sein?

Highland Park 10 Years Single Malt Whisky FlascheDie Farbdesigner dieses jüngsten aller Highland-Park-Whiskys haben sich für Ocker entschieden. Ich erwähne es oft, weil es meines Erachtens einfach ein Missstand ist und bleibt – das Färben von Spirituosen wird erst aufhören, wenn wir als Konsumenten fähig dazu sind, den Dreisatz „dunkel = alt = Qualität“ aufzugeben, der eh noch nie gestimmt hat. Bis dahin wird Scotch im Standardfall mit E150 koloriert und die Farbe sagt nichts über den Inhalt aus.

Das Auge trinkt hier also nicht so wirklich mit, dafür darf die Nase aktiviert werden. Milde Zitrusaromen wie Mandarinen, vergorener Traubensaft, Heu. Man ahnt schon etwas Alkohol, für 40% hält es sich aber in Grenzen. Ein leichter, heller Körper.

Der Geschmack des Highland Park 10 Years ist dann im ersten Moment überraschend kräuterig, grasig, holzig, wird dann im Verlauf aber immer süßer und süßer, bis diese Dimension den Mundraum komplett ausfüllt und alles andere verdrängt. Toffee, Sahne und Butterkuchen, das ist mir fast schon ein bisschen zu plump, weil ein Ausgleich für diese breite Weichheit fehlt. Da ist kaum etwas anderes als leicht vanillige, cremige Süße. Komplexität sieht anders aus.

Highland Park 10 Years Single Malt Whisky Glas

Im mittellangen Abgang kann man höchstens, wenn man mühevoll danach sucht und etwas Fantasie hat, Rauch entdecken. Für mich ist der Abgang des Highland Park 10 mildbitter, trocken und erneut etwas holzig-grasig, bleibt dabei aber seinem grundsätzlich sehr weichzarten, buttrig-süßen Charakter treu. Leicht salzige Pfefferschärfe bleibt lange auf der Zunge liegen, zusammen mit einem etwas mentholigen, langen Nachhall.

Ein Cocktail, der die verblüffende Offenheit der Prohibitionszeit bezüglich Zutaten zeigt, ist der The Modernista. Hier das Rezept aus Ted Haighs wunderbarem Cocktailbuch. Scotch und lakritziger Absinth kämpfen in dieser unbeschreiblichen Melange um die Vorherrschaft. Fehlt eigentlich nur noch Chartreuse, um das Chaos komplett zu machen. Der Rum geht, egal welcher es ist, total unter gegen die aromatische Urgewalt der beiden Starspieler. Das ist ein Cocktail, der heute in einer Cocktailbar niemals serviert wird, er ist zu extrem – doch vor knapp 100 Jahren mochte man diese seltsame Komplexität; ich weiß nicht, ob ich die damalige Zeit, die sowas verrücktes schätzen konnte, oder die heutige Zeit, die nichts mit derartiger Experimentierfreudigkeit anfangen kann, bejammern soll.

The Modernista


The Modernista
2 oz Highland Park 10 Single Malt Scotch Whisky
½ oz Dunkler Jamaika-Rum (z.B. Appleton Estate Extra 12)
1 Teelöffel Absinthe (z.B. Jade Nouvelle-Orléans)
½ oz Swedish Punsch
½ oz Limettensaft
2 Spritzer Orange Bitters (z.B. The Bitter Truth Orange Bitters)


Neulich hatte ich mich über Flaschengrößen ausgelassen und betont, dass ich es sehr schätze, wenn ein Hersteller kleinere Produktgrößen anbietet. Der Highland Park 10 Years ist nun dahingehend eine Ausnahme, dass er ausschließlich in einer „halben Flasche“, also 35cl, angeboten wird. Mir persönlich kommt das entgegen, wenn es nach mir ginge, wäre das die Standardgröße für alle Spirituosen.

Die Flasche selbst ist darüberhinaus schön gestaltet – mit breiten Schultern und großem Ausgussloch, und gleichzeitig elegant schmal in der Tiefe, und dabei doch schwerem Glasgewicht. Der Naturkorken in Zusammenspiel mit dem Holzdeckel mit dem Highland-Park-Logo macht selbst aus der kleinen Flasche ein hochwertiges Produkt, das man gern betrachtet und in der Hand hält. Der schwarze, angenehm zurückhaltend gestaltete Karton komplettiert das ganze aufs positivste.

Highland Park 10 Years Single Malt Whisky Flaschenseite

Wer einen süßen, unkomplizierten schottischen Whisky sucht, wird hier fündig. Wer etwas mehr Komplexität will, muss auf die längergelagerten Scotches dieses Herstellers zurückgreifen, alles kann so ein Whisky dann halt doch nicht – insgesamt zeigt der Highland Park 10 Years aber, dass Alter nicht alles ist und man auch schon 10-jährigen Single Malt finden kann, der nicht wild, kratzig und ungestüm ist; noch ein Vorurteil, das endlich abgebaut werden kann.

Whiskytruhe Macduff Highland Single Malt Titel

Von Kisten, Truhen und Fässern – Whiskytruhe Macduff Highland Single Malt Scotch Whisky

Mir geht der Platz aus. In einem meiner Artikel über den Aufbau einer Heimbar hatte ich auch über ein Spirituosenregal gesprochen; dort empfahl ich ein IKEA-Regal. Nun, mehr als ein Jahr später, platzt das Regal aus allen Nähten; jedes Fach ist in vier Reihen gefüllt, so dass man an die hinteren gar nicht mehr richtig herankommt. Das Erweckungserlebnis neulich war, dass ich abends eine Taschenlampe benutzen musste, um den Himbeerlikör im Fach unten rechts zu finden. So richtig schön ist das nicht mehr; ich denke über eine Alternative nach.

Das ist natürlich ein ganz besonderes Problem, das ich nicht mit wirklich vielen Leuten teile. Für die allermeisten Spirituosenfreunde ist so eine umfangreiche Bar gar nicht unbedingt erstrebenswert – sie interessieren sich für einzelne Spirituosen, haben einen Lieblingswhisky oder -rum, und brauchen daher kein großes Regal mit viel Stellfläche, sondern eher etwas kleines, charmantes, atmosphärisches, das die wenigen Einzelflaschen optimal zur Geltung bringt. Die Möbelindustrie bietet ein breites Portfolio an standardisierten Vitrinen für solche Zwecke; wer aber etwas besonderes will, gar ein Unikat, der muss sich an Unternehmer wie whiskytruhe.de wenden, wo individuelle Aufbewahrungstruhen nach Kundenwünschen angefertigt werden.

Whiskytruhen bei Whiskytruhe.de

Whiskytruhe.de bietet allerdings neben individuell geformten Hartholz auch die flüssige Ware, die in den entsprechenden Kisten aufbewahrt werden soll, an. Auch hier zeigt sich, dass vor allem der nicht nur am offiziellen Standard interessierte Käufer sich hier wohlfühlen wird – eine individuelle, unabhängige Abfüllung eines schottischen Hochlandwhiskys ist der aktuelle Star im Angebot: der Whiskytruhe Macduff Highland Single Malt Scotch Whisky.

Eine erste Überraschung erfolgt schon beim Lesen des Namens. Wer Whisky-Kataloge durchblättert,  sich die Auslagen von Whiskyläden anschaut oder seine Augen über die Regale von Whiskybars schweifen lässt, sieht immer wieder dieselben Namen. Da sind die großen Destillerien, die selbst abfüllen, wie Glenfiddich, Glenmorangie, Bruichladdich oder The Glenlivet meist leicht wiedererkennbar. Doch was ist mit der Destillerie Macduff? Man wird Mühe haben, einen dort destillierten Whisky unter diesem Namen zu finden; der Hersteller beliefert stattdessen hauptsächlich Blender (der weltweit sechstgrößte Blend nach Verkaufszahlen, William Lawson’s, beruht zum Großteil auf Macduff-Malt), und bringt ein Produkt unter dem Namen The Deveron auf den Markt (früher: Glen Deveron). Ich bin ein großer Freund unabhängiger Abfüllungen, und daher sehr gespannt, wie sich dieser Highland-Whisky im Glas schlagen wird.

Whiskytruhe MacDuff Highland Single Malt Scotch Whisky Flasche

Bei vielen anderen Spirituosen erwähne ich inzwischen, wenn es um die Farbe geht, nur noch lapidar das Wort „Zuckerkulör“. Soviele Produkte sind inzwischen gefärbt, dass die Tönung praktisch nichts mehr über die Qualität oder Beschaffenheit aussagen kann. Hier ist das anders – die sehr helle Kolorierung mit fast schon weiße Reflexen spricht eine klare Sprache: hier ist nichts gefärbt, und auch nicht kühlgefiltert. Damit punktet der Whisky schonmal, bevor man ihn überhaupt im Mund gehabt hat.

Der Laie, der nur die dunklen Whiskys aus den Supermarktregalen kennt, denkt sich vielleicht, das würde bedeuten, der Whisky sei dann dünn und schwach. Das prüfen wir sofort- zunächst ohne Wasserzugabe.

Direkt nach Eingießen nimmt man erstmal ein sehr starkes Lösungsmittel wahr, das nach einer Weile atmen dann aber fast komplett verschwindet. Mildes Obst und Vanille erkennt man vordergründig, außenrum ist der Whiskytruhe Macduff blumig und grasig. Mit etwas Wasser kommt die süße und blumige Komponente noch stärker zum Vorschein, er erinnert dann an Traubenmost, mit einem ausgeprägtem Veilchenduft.

Whiskytruhe Macduff Highland Single Malt Scotch Whisky Glas

Der erste Geschmackseindruck ist süß, mild, die errochene Vanille ist präsent, dazu Karamell und Schokolade, dahingehend fast schon an leichten Bourbon erinnernd, insgesamt aber meines Erachtens bleibt der Macduff recht typisch für einen Highland-Whisky.  Im Verlauf kommt eine kräftige Schärfe dazu, Zimt, grüner Pfeffer. Das Lösungsmittel taucht wieder auf, Holznoten entstehen, Pfefferminze kühlt den Mundraum. Mit Wasser – bei immerhin 56,5% Cask-Strength-Alkohol ist das für den echten, unbetäubten Genuss unerlässlich – wird der Macduff wunderbar süß und weich, schokoladig, viel runder und dichter, karamellig. Die vorherige Schärfe wandelt sich zu mentholiger Minze, Kandiszucker-Würze, mit Anklängen von gebrannten Mandeln und Ahornsirup. Ein perfektes Beispiel dafür, dass Wasser einen Whisky noch verbessern kann.

Der Abgang ist kurz, frech und pikant, dann im Verlauf wieder milder, vanillig, grasig, etwas feuchter Karton. Ganz am Ende kommt dann eine unerwartete, dafür umso erfreulichere umami-Komponente dazu. Der Nachhall ist mittellang.

Whiskytruhe Macduff Highland Single Malt Scotch Whisky Etikett

Der Whiskytruhe Macduff 9 ist eine Einzelfassabfüllung. Bei dem Fass handelt es sich um ein Ex-Bourbon-Fass (auf dem Etikett ist sogar die entsprechende Fassnummer angegeben); 257 Flaschen konnten mit dem Inhalt dieses Fasses befüllt werden. Erfrischend konsequent ist die Altersangabe – während bei vielen Rums Fantasiezahlen auf die Etiketten gedruckt werden, die mit dem echten Alter nur noch selten etwas zu tun haben, ist bei Scotch eine strenge Regelung in Kraft, so streng, dass dieser Whisky eben als 9-jähriger deklariert wird, obwohl er laut den angegeben Destillations- und Abfülldaten (11.10.2006 respektive 07.09.2016) eigentlich schon so gut wie 10 Jahre alt ist.

Zum Zeitpunkt des Erstellens dieses Artikels ist Spätherbst. Draußen wird es langsam ungemütlich, das Laub ist schon fast komplett gefallen, und vom Spaziergang mit dem Hund kommt man immer feuchter und schmutziger nach Hause. Da ist es dann doch Zeit für einen ebenso herbstlichen Cocktail, der mit seinen Nuss- und Laubaromen das namensgebende Eichhörnchen in Erinnerung ruft, das seinen Wintervorrat hoffentlich schon angelegt hat: der Drunken Squirrel. Ein Cocktail, der mit jedem Schluck besser wird. Ich gebe zu, der erste ist nicht prickelnd. Der letzte entschädigt aber für alles. Wer diesen Weg nicht gehen will, lässt den Eiswürfel eine Weile vor sich hin schmelzen und steigt erst später ein.

Drunken Squirrel


Drunken Squirrel
2 oz Highland Scotch Whisky (z.B. Whiskytruhe Macduff 9)
¾ oz Haselnusslikör (z.B. Frangelico)
½ oz Maraschino-Likör
¾ oz Zitronensaft
½ oz Ginger Ale

Auf Eis rühren und mit einem großen Eiswürfel servieren.
[Rezept nach Stéphane The Mad Malt Mixologist]


Persönlich mag ich jüngere, charaktervolle Whiskys, die nicht fett, faul und bequem geworden sind. Der Whiskytruhe Macduff mag kein Scotch sein, den man sich nach einem harten Arbeitstag abends vor dem Kamin eingießt, und dann beim gemütlichen Schlürfen entspannt – nein, das ist ein fordernder Whisky, der geschmeckt und erforscht werden will, der mehr den Kopf als den Bauch anspricht, ohne dabei zu intellektuell und abgefahren zu sein. Kurz: spannend und unterhaltsam. Meine etwas eingeschlafene Liebe zu Scotch wird durch diese Art von Abfüllungen zu meiner eigenen Überraschung wieder aufgefrischt.

Offenlegung: Ich danke Whiskytruhe für die Zusendung von einigen Samples dieses Whiskys.

Whiskytower Giant's Causeway Islay Titel

Die Riesen von Albion – Whiskytower Giant’s Causeway Islay Scotch Whisky

Die Natur war dem Menschen von Anfang an voller Rätsel. Der aufkeimende menschliche Verstand, nach einigen Fortschritten in Bezug auf Jagdtechnik schnell nicht mehr ausgelastet mit den banalen Problemen des alltäglichen Überlebens, versuchte sich die Phänomene um ihn herum zu erklären, ihnen einen Sinn zu geben. Er erkannte das Leben und den Willen in sich, und suchte dies dann entsprechend auch in seiner Umwelt, egal, ob es sich um Tiere, Pflanzen, das Wetter oder Steine handelte. Wenn dann noch ein besonders spektakuläres Naturwunder wie der Giant’s Causeway seinen Weg kreuzte, waren die Erklärungsversuche schnell voller übernatürlicher Wesen – denn offensichtlich konnte es kein Mensch gewesen sein, der diese höchstseltsame, ungewöhnliche Steinformation an der nordirischen Küste angelegt hatte, und von sich aus entstanden sein konnte es natürlich auch nicht. Nein, nur Riesen wären dazu in der Lage, so eine beeindruckende Struktur in die Landschaft zu hauen. Und so entstand die Legende  des irischen Riesen Finn MacCool und seiner Rivalität mit seinem schottischen Nachbarn Benandonner.

„And it’s absolutely a true story“, das glaubt man selbst heute sofort, wenn man es sieht, denn auch wir modernen Menschen haben Schwierigkeiten, eine rationale Erklärung für diese beeindruckende Landschaft zu finden. Das südliche Ende des Damms von Finn MacCool beginnt im nordirischen County Antrim, und er erstreckte sich nach der Legende fast gerade nordwärts bis zu Fingal’s Cave auf der unbewohnten schottischen Insel Staffa, wo man sehr ähnliche Gesteinsformationen wie in Antrim finden kann – wenn das mal kein eindeutiger Beweis für die Legende ist!

Dieser unterhaltsamen Legende zu Ehren schafft der saarländische Whiskytower eine kleine Whisky-Miniserie, entsprechend Giant’s Causeway genannt, die diese Verbindung zwischen Schottland und Irland wieder aufleben lassen soll. Begonnen wird auf der schottischen Seite – da auf dem winzigen Staffa allerdings keine Destille steht, suchten sie sich das nächstbeste aus der nahen Umgebung aus: die Insel Islay liegt auf der Strecke. Somit finden wir in der Flasche des Whiskytower Giant’s Causeway Islay Scotch Whisky einen schottischen Single Malt aus der Destillerie Caol Ila. Wer sich fragt, wie man diesen gälischen Namen richtig ausspricht, ist in guter Gesellschaft, es gibt keine verbindliche Sprechweise: Die „Kuh Laila“ ist eine gute Annäherung, für manche vielleicht eher die „Kuh Lila“.

Unabhängige Abfüller sind immer mehr im Kommen; die Individualität der kleinen Abfüllmengen wird in einer Zeit, in der handwerklich hergestellte Craft-Ware mehr und mehr an Beliebtheit gewinnt, sehr geschätzt. Auch Whiskytower füllt unabhängig ab: 100 Flaschen wurden in Schottland aus einem einzelnen Ex-Bourbon-Fass gezogen.

Whiskytower Giant's Causeway Islay Flasche

Bei Scotch ist Zuckerkulör als Färbemittel erlaubt; man sieht aber schon in der Flasche, dass darauf hier dankenswerter Weise verzichtet wurde, ebenso wie auf Kühlfiltration – im Gegensatz zu den meisten offiziellen Caol-Ila-Abfüllungen. Das blasse Mais- bis Gelbgold ist nun mal die Farbe eines ungefärbten Whisky; wir Verbraucher sollten uns irgendwann dran gewöhnen, dass „braune“ Spirituosen meist eben nicht „dunkelbraun“ sind und der Farbe weniger Gewicht zuweisen.

Richten wir unsere Aufmerksamkeit auf den Geruch, zunächst mal ohne Wasserzusatz. Sehr fruchtig, Orangenschale, Mandarine. Erst dann islay-typisch phenolisch, doch zurückhaltender als viele andere Islay-Scotches. Ein gewisser Erdgeruch, den man von gereiftem Grappa kennt, gibt eine Dichte. Schokoladig, und nussig im Hintergrund. Rauch riecht man, wenn man die Nase vom Glas zurückzieht. Tatsächlich erinnert mich dieser Scotch auch geschmacklich dann etwas an Grappa. Diese Toffee-Trester-Note, auch die erdige Note ist schmeckbar, viel Vanille, etwas Heu. Zunächst schmeichelt eine sehr milde Süße mit viel Milchschokolade und Banane, die sich im Verlauf in eine leichte orangige Fruchtsäuerlichkeit wandelt, bis am Ende nichts mehr von der Süße da ist. Dieser Geschmacksverlauf ist wirklich spannend.

Whiskytower Giant's Causeway Islay Glas

Im Abgang ziept er etwas, aber nicht unangenehm. Salz. Ingwer. Dezentes Chili. Grapefruit. Ein kühlender Effekt an Zungenseite und warm im Rachen. Am Ende viel Schokolade, vielleicht sogar Mousse au Chocolat. Ein voller, milder Rauchklang bleibt dann noch sehr lange im Mundraum hängen – das gefällt mir sehr. Insgesamt ein wirklich schöner, dabei aber noch vergleichsweise zurückhaltender Islay-Whisky, dem man seine stellenweise jugendliche Frechheit und den eher leichten, fast schon dünnen Körper aufgrund seiner aromatischen Eigenschaften gern verzeiht.

Bei respektablen 48% kann man auf Wasser verzichten, doch schadet es natürlich nie, einen Scotch mit ein paar Tropfen Wasser etwas zu bändigen. Für den Giant’s Causeway Islay sorgt Wasser nur für eine leichte Milderung der Hitze – sein Charakter bleibt erhalten, er verändert sich kaum. Die Schokolade kommt vielleicht noch etwas mehr zum Vorschein.

Die Altersangabe bei Whiskys ist nicht mehr selbstverständlich, NAS-Whiskys auf dem Vormarsch. Hier entschied man sich aber, das Alter anzugeben: 9 Jahre hat er auf dem Buckel, wenn man die Abfülldaten genau anschaut, sind es sogar beinahe 10 Jahre. Das Etikett ist diesbezüglich informationsfreigiebig – destilliert wurde der Whiskytower Giant’s Causeway Islay am 25.09.2006, abgefüllt am 10.08.2016. Auch die Fassnummer ist angegeben. Vorbildlich, die Limitierung auf 100 Flaschen hätte ich noch gern erwähnt gesehen.

The Whisky Tower Giant's Causeway Islay Etikett

Lange Zeit galt Scotch als nicht cocktailkompatibel. Zu eckig, zu kantig, zu speziell, passt sich nicht an. Dieses Vorurteil stammt aus einer Zeit, in der süße, liebliche, fruchtige Cocktails, bei denen man den Alkohol nicht herausschmecken durfte, beliebt waren. Heute, wo wilde Clairins, rauchige Mezcals und torfige Scotches auch in der Bar ankommen, und salzig-rauchig-umami-Geschmäcker endlich als interessant akzeptiert werden, muss natürlich auch dieses Tabu fallen. Wer sich den Penicillin Cocktail gönnt, erlebt, dass man jahrelang was verpasste, als man Scotch bei Cocktails auf die Ersatzbank gesetzt hatte – denn gerade ein so wuchtiger Geselle wie der Giant’s Causeway Islay sorgt für ordentlich Spaß in so einer Mixtur.

Penicillin


Penicillin Cocktail
1½ oz Islay Single Malt Scotch Whisky (z.B. Whiskytower Giant’s Causeway Islay)
1 oz Scotch Whisky (z.B. Bunnahabhain 12)
½ oz Ingwerlikör (z.B. King’s Ginger)
¾ oz Zitronensaft
3 Teelöffel leicht verdünnter Honig

Alle Zutaten auf Eis shaken. Mit kandierter Frucht garnieren.
[Rezept nach Simon Diffords Variante eines Originals von Sam Ross]


Neulich erst hatte ich mich darüber ausgelassen, dass so mancher Spirituosenhersteller mehr Wert auf eine gute Story als auf seine Produktqualität legt – heutzutage kaufen viele Verbraucher nicht mehr nur das Produkt, sondern wollen einen unterhalterischen Mehrwert dazugeliefert, ein Gesamterlebnis über den reinen Geschmackseindruck hinaus serviert bekommen. Im Allgemeinen sollte man diesem Trend vorsichtig skeptisch gegenüberstehen, wenn aber beides gut gemacht ist, und der Inhalt die Story anregte und nicht umgekehrt, dann können solche Storytelling-Ansätze einen netten, unterhaltsamen Rahmen spannen, in dem wir uns daran erinnern können, dass das (idealerweise gemeinsame) Trinken eines guten Tropfens schon immer auch einen erzählerischen Charakter hatte, und wir uns über die Kultur des Trinkens freuen sollten, die über die Aromatenchemie und das Marketing weit hinausgeht und älter ist als alle Verkostungs- und Gourmetansätze. Und das gelingt mit dem Whiskytower Giant’s Causeway Islay Scotch Whisky ganz hervorragend – so dass ich mich sehr auf den zweiten Whiskey dieser Miniserie, dann natürlich aus Irland stammend, freue.

Offenlegung: Ich danke Whiskytower für das Bereitstellen einer halben Flasche dieses Whiskys als Verkostungssample.

Glenfiddich IPA Experiment Titel

Es lebt! Es lebt! Glenfiddich IPA Experiment Single Malt Scotch Whisky

It was on a dreary night of November that I beheld the accomplishment of my toils. With an anxiety that almost amounted to agony, I collected the instruments of life around me, that I might infuse a spark of being into the lifeless thing that lay at my feet. It was already one in the morning; the rain pattered dismally against the panes, and my candle was nearly burnt out, when, by the glimmer of the half-extinguished light, I saw the dull yellow eye of the creature open; it breathed hard, and a convulsive motion agitated its limbs.

 

So dramatisch wie in Frankenstein, or the Modern Prometheus geht es bei nur wenigen Experimenten zu. Der Schweizer Victor Frankenstein bastelt sich sein Monster aus chemischen und alchemischen Zutaten und erweckt es zum Leben. Doch er hat nicht damit gerechnet, dass mit dem Leben auch Anforderungen an den Erschaffer entstehen; das Wesen verfolgt seinen Schöpfer und verlangt Antworten auf seine Fragen. Doch will der Wissenschaftler plötzlich nichts mehr mit seiner Kreatur zu tun haben, und das Experiment wird zur Tragödie…

Nun gibt es durchaus auch Experimente in der Spirituosenbranche, die ähnlich tragisch verlaufen und die man besser im Labor gelassen hätte. Da werden Brände gequält mit Zutaten, dass einem das Grauen kommt. So mancher Rum oder Whisky werden in schlimmsten Schnapsversuchsreihen manipuliert, bis man nur noch zusammen mit Victor Frankenstein ausrufen kann:

Oh! No mortal could support the horror of that countenance.

Ist der Glenfiddich IPA Experiment Single Malt Scotch Whisky auch eine ähnliche Monstrosität wie das unbenannte Wesen, das Frankenstein erschaffen und zum Leben erweckt hatte?

Glenfiddich IPA Experiment Flasche

Wir wollen uns mal langsam an dieses Produkt herantasten. Dass Whiskys in Fässern allerlei Herkunft gereift und gefinisht werden, ist ja allgemein üblich und bekannt. Ex-Bourbon-Fässer sind die Standardware; abgelegte Fässer aus der Madeira-, Sherry-, und Portherstellung beliebt, da sie durch die im Holz gespeicherten Aromen der Vorbewohner einen ganz eigenen, im Endprodukt klar erkennbaren Touch an den Whisky abgeben.

Der Glenfiddich IPA Experiment macht das Naheliegende zum richtigen Zeitpunkt – die Craftbierbewegung ist in vollem Gange, die alten britischen Bierstile wie Pale Ale und India Pale Ale erleben eine globale Renaissance. Da fragt man sich eigentlich, warum es so lange dauerte, dass eine Destille auf die Idee kommt, ihren Malt Whisky in einem Ex-Bierfass zu finishen. Nach der unbekannten Reifezeit (dieser Scotch gehört zu den aktuell viel auftretenden NAS-Veröffentlichungen, die keine Altersangabe mehr aufweisen) konnte der Whisky so also noch 3 Monate in einem Fass nachreifen, das vorher ein extra für diesen Zweck gebrautes IPA der Speyside Craft Brewery in Forres, bei Inverness, enthielt. British Challenger ist die Aromahopfensorte, die das Bier mit einer Fruchtigkeit ausstattet, die dann an den Whisky übergehen soll. Soviel zum Bier, und zu den Fässern, aber was ist mit dem Wasser des Lebens selbst?

Glenfiddich IPA Experiment Glas

Betrachten wir es erstmal im Glas: Sonnenblumengold, mit leicht grüngelben Reflexen. Ganz gewiss weit davon entfernt, ein hässliches Monstrum zu sein, im Gegenteil. Die Beine gibt es aber nur zögerlich ab; diese sind dann dünn und langsamfließend.

A strange multiplicity of sensations seized me, and I saw, felt, heard, and smelt at the same time; and it was, indeed, a long time before I learned to distinguish between the operations of my various senses.

Wir sollten uns bei der Verkostung nicht wie Frankensteins Kreatur von den Sinneseindrücken verwirren lassen – wir trennen die Optik von der Olfaktorik. Letztere bietet uns abgestandenes Bier, Honig, mildes Orangenfleisch, Vanille, Banane. Frisch eingegossen ist da eine recht stechende Alkoholnote, die wir erstmal verfliegen lassen müssen.

Der erste Schluck weiß dann aber direkt zu gefallen. Sehr süß, ausgeglichen durch eine spritzige Zitrusnote. Eine gewisse hintergründige medizinische Charakteristik gibt Komplexität. Süßholz. Keinerlei Rauch oder Torf, dafür ein Anflug von Kräuterwiese, nein, eigentlich nur der Wind, der darüber streicht, denn der IPA Experiment hat einen sehr leichten Körper. Ich würde sagen – ein typischer Speyside Single Malt mit einem sehr hellen, fruchtigen Charakter. Persönlich erkenne ich nicht viel des Biers, aber dafür tatsächlich IPA-typische Aromahopfennoten. Im kurzen Abgang wird es dann würziger – Ingwer, weißer Pfeffer, und supertrocken. Stark adstringierend; eine angenehm glühende feine Mentholnote bleibt noch etwas.

I am alone and miserable; man will not associate with me; but one as deformed and horrible as myself would not deny herself to me.

Das Monster ist vielleicht etwas arg pessimistisch in seinem Ausblick auf seine soziale Zukunft. Der Glenfiddich IPA Experiment muss das natürlich nicht sein, denn ich kann ihn mir sehr gut als wunderbaren Partner in scotchbasierten Cocktails vorstellen. Dennoch mache ich hier und heute eine Ausnahme und gebe kein Cocktailrezept an, einfach, weil ich auf einen typisch schottischen Gebrauch hinweisen möchte, den ich in dem Jahr, das ich in Glasgow verbrachte, sehr zu schätzen lernte, und der dem Scotch eine ebenbürtige Partnerin gegenüberstellt, wie sie Frankensteins Schöpfung so sehr ersehnte: Das hauf an a hauf, also ein kleines Glas Scotch und dazu ein halbes Pint Bier. In Deutschland sagt man dazu Herrengedeck. Und was wäre dem kaledonischen Bierfass-Experiment mehr angebracht als ein fassgereiftes, schottisches Ale, wie das Innis & Gunn Oak Aged IPA?

Hauf an a hauf


Hauf an a hauf
1 Dram Scotch Whisky (z.B. Glenfiddich IPA Experiment)
½ Pint Schottisches Bier (z.B. Innis & Gunn Oak Aged IPA)


Die Präsentation ist durchweg gelungen – die für Glenfiddich übliche Dreiecksform findet sich in der stabilen, hübsch zurückhaltend mit Braun und Kupfer gestalteten Dose, als auch in der massiven, dunkelbraunen, fast blickdichten Flasche mit Naturkorken wieder. Die aufgeklebten Briefmarkenstiletiketten lassen viel Glas frei, so dass der aufs Glas gedruckte Hirschkopf wunderbar zur Geltung kommt. Insgesamt sehr wertig und ansprechend.

Glenfiddich IPA Experiment Dreiecksform

Würde das Whisky-Experiment, könnte es sprechen, auch die Master Distiller bei Glenfiddich anklagen, wie es das Monster bei Frankenstein tat?

„Cursed, cursed creator! Why did I live?“

Nein. Vielleicht würde es fragen, warum es für das Gebotene so relativ teuer verkauft werden muss, oder warum es nicht mit 46% statt 43% erschaffen werden konnte; doch das sind keine tiefen Sinnesfragen, sondern mehr Luxusprobleme. Der Glenfiddich IPA Experiment ist ein gelungenes Beispiel dafür, dass nicht alle Versuche mit Horror, Mord und Verzweiflung enden müssen. Hätte sich Victor Frankenstein statt seiner Labors doch lieber eine Destille zugelegt, und hätte seine schöpferische Energie ins Brennen und Reifen gerichtet – ihm wäre viel Leid erspart geblieben, und wir hätten mehr interessante, unterhaltsame Whiskys wie diesen hier.

Monkey Shoulder Titel

Die ersten Menschen waren nicht die letzten Affen – Monkey Shoulder Blended Malt Scotch Whisky

Der Mensch hängt an seiner Position als Herrscher der Welt: Kein Wunder, er hat ja ein paar Jahrtausende gebraucht, um sie sich hart zu erarbeiten. Doch gleichzeitig sind wir uns auch der Fragilität dieser Situation durchaus bewusst; Umweltkatastrophen, sozialer Wandel und Globalisierung machen uns Angst, weil sie uns zeigen, dass alles auch erschreckend schnell umkippen kann. Viele Dystopien in Literatur und Film spielen mit dieser Angst, dass der Mensch als Krone der Schöpfung abgelöst wird durch einen Nachfolger; seien es die Maschinen, wie in Terminator, oder andere irdische Spezies, die dem Menschen nach dessen selbstverursachtem Niedergang das Szepter der Macht entrissen haben, wie es die Affen in Planet der Affen tun.

Ich kann Charlton Hestons Zorn hier wirklich verstehen, wer wird schon gern in einen Käfig gesperrt und von Affen begafft; andersrum erträgt sich das leichter. Bei der Sonderedition des Monkey Shoulder Blended Malt Scotch Whisky, die ich im französischen Cora-Supermarché für den lächerlichen Spottpreis von 17€ erwerben konnte, sind die Verhältnisse noch klar geregelt: Der Affe ist zur Sicherung im Käfig und soll laut Ausschilderung bitte nicht gefüttert werden. Die Frage, die ich mir stelle: Ist der Käfig zum Schutz der Menschen vor dem wilden Affen gedacht, oder zum Schutz des Affen vor lüsternen Whisky-Freunden? Zumindest letzteres funktioniert offensichtlich, wenn man den Füllstand der Flasche anschaut, nicht.

Monkey Shoulder Flasche

Der Monkey Shoulder Blended Malt Scotch Whisky ist ein Blend aus 3 Speyside-Single-Malts (früher hätte man so etwas einen Vatted Malt genannt), und das riecht man. Statt wildem, ungezähmten Affenstallgeruch bekommt man blumige Noten, Frucht, leichte Zitronenanklänge, Orangenmarmelade, Honig… sehr vielfältig und komplex, dabei zart und praktisch überhaupt nicht rauchig, aber erkennbar Scotch; die typische medizinale Note ist selbst in den zurückhaltendsten Malts unübersehbar – oder besser unüberriechbar.

Diesen 40%igen Blend mit seiner kräftigen, wahrscheinlich zuckerkulörgeschuldeten Kupferfarbe muss ich nicht verdünnen, daher wird er so direkt aus dem Glas genippt. Man wird mit einem dicken und öligen Mundgefühl begrüßt, malzig süß. Dann kommt die iodische Phenolaromatik des Scotch zum Vorschein, aber, wie es sich für einen Speyside-Whisky gehört, nur in winzigen Dosen; die Orange, kräuterige Minze und Rosinengeschmäcker sind klar im Vordergrund.

Beim Schlucken wird die Affenschulter einige Sekunden pfeffrig scharf, bis sich wieder die Süße durchsetzt; im mittellangen Abgang erhält man dann am Ende ein buttrig-karamelliges Ergebnis im Mund: Schottisches Shortbread in Flüssigform.

Monkey Shoulder Käfig

Ein wirklich aromatischer, weicher und milder Blend, voller kräftiger Süße und Dichte. Sehr lohnenswert auch für Leute, die sonst mit Scotch nicht so viel anfangen können – keine Ecken oder Kanten oder Spitzen, einfach nur rund und gut komponiert. Da passt der Name eigentlich nicht wirklich, denn dieser Whisky ist nach einer Berufskrankheit der Malzwender benannt, die nach andauernder Schaufeltätigkeit die Schulter hängen ließen; dieser Whisky lässt sich nie hängen.

Scotch-Cocktails sind rar gesät; oft sind solche Cocktails dann mit anderen Zutaten gespickt, um den rauhen Scotchcharakter auszugleichen. Nicht so beim Arnaud’s Special – hier spielt der Monkey Shoulder die erste Geige, und wird nur durch die sanfte Süße des Dubonnet noch betont. Ein sehr angenehmer, zarter und dabei doch sehr maskuliner Cocktail. Der Kenner erkennt die Abwandlung vom Manhattan – Rye Whiskey wurde hier durch Blended Scotch, Wermut durch Dubonnet ersetzt. Eine hintersinnige, kluge Auswechslung.

Arnaud's Special


Arnaud’s Special
2 oz Monkey Shoulder Blended Malt Scotch Whisky
1 oz Dubonnet Rouge
3 Spritzer Orangenbitter (z.B. von The Bitter Truth)


Sehr schön ist natürlich die Sonderedition aufgemacht, mit den Vollmetallstäben, dem massiven Holzdeckel und -boden, und einer Schlaufe, mit der man den Deckel leicht abheben kann. Aber auch die Flasche selbst ist sehr attraktiv gestaltet: Die drei Affen, das Markenzeichen dieses Whiskies, sind als Metallapplikation auf der Flasche fest angebracht. Das Etikett ist zurückhaltend gestaltet, und insgesamt wirkt die Flasche auch ohne Käfig sehr wertig.

Monkey Shoulder Detail

Ich interpretiere das alte japanische Motiv der 3 Affen, die nichts Schlimmes sehen, hören oder sagen wollen,  für diesen Scotch Blend einfach mal um: sie stehen hier für Anschauen, Trinken und Schwelgen. Da braucht es dann auch keinen Käfig.

Ein schöner Blend für Cocktails – Ballantine’s Finest Blended Scotch Whisky

Man riecht und schmeckt, dass man es hier mit schottischem Whisky tun hat. Die etwas blasse Farbe macht nicht viel her, der Geruch erinnert zumindest an Lowland-Single Malt, der Geschmack ist dann zwar ähnlich zurückhaltend, aber doch erkennbar Scotch: Minimaler Rauch, minimaler Torf und ein Ansatz des medizinalen Aromas, den man an Scotch sonst so schätzt. Man muss auch die Milde hervorheben – kaum ein Brennen, dafür aber auch kein besonders langer Abgang, sogar eher recht kurz und gelangweilt. Leicht würzig, aber auch süß.
ballantinesNatürlich trinken Scotch-Liebhaber sowas nicht pur, wenn überhaupt. Dennoch – ich habe viele Single Malts und Blends bei meinem Auslandsjahr in Schottland getrunken, und persönlich finde ich den Ballantine’s Finest Blended Scotch Whisky nicht so schlecht, wie ihn viele „Kenner“ machen. Das ist ein recht angenehmer, weicher und unaufdringlicher Blended Scotch, ohne viel Charakter und Ecken und Kanten, vielleicht etwas zu sehr weichgespült, aber sonst ganz gut trinkbar, wenn man nicht sonst auf Torfmonster steht; und gerade Einsteiger in den Scotch können hier vorsichtige erste Schritte machen, ohne von einer Rauchbombe erschlagen und dann für den Rest des Lebens abgeschreckt zu werden.

Aber auch ich habe ihn eigentlich nicht fürs Sipping gekauft, sondern als Zutat für Cocktails. Single Malts sind unangenehme, unangepasste und schwierig einzusetzende Spieler in Cocktails, sie übertünchen oft alles andere mit ihren deftigen Aromen. Daher ist ein Blend wie Ballantine’s Finest sehr gut geeignet, den Mittelweg zu nehmen: Zwar erkennbar Scotch, aber nicht so extrem.

Und wer mal einen Wildest Redhead getrunken hat, erkennt, dass so ein sonst geschmähter (interessanterweise aber trotzdem viel gekaufter) Blend auch seinen Sinn und Zweck hat – besonders bei dem recht guten Preisleistungsverhältnis. Witzig bei diesem Cocktail ist, dass der rote Kopf eigentlich ein roter Fuß ist – der Kirschlikör sinkt immer auf den Boden des Glases. Wenn jemand eine Idee hat, wie man ihn, namensgerecht, oben im Glas schwimmen lassen kann – her damit!

Wildest Redhead


Wildest Redhead
1½ oz Ballantine’s Finest
¾ oz Limettensaft
¼ oz Allspice Dram (z.B. Pimento Dram von The Bitter Truth)
½ oz Ahornsirup
Das ganze gut mit Eis shaken und am Ende mit …
½ oz Kirschlikör (z.B. Cherry Heering)
…garnieren


Zur Aufmachung: Mir gefällt die eckige Flasche, mit dem edlen Etikett und der Kontrastfarbe weiß sehr. Eine Flasche, die sehr angenehm in der Hand liegt und die man gern anschaut.

Auch gern anschauen und benutzen tue ich die Gläser, die Ballantine’s in regelmäßigen Abständen veröffentlicht. Die am Boden ovalen und am Rand kreisrunden, schweren Tumbler mit dem schwungvollen, eingelassenen „B“ dienen als Cocktailglas für alle größeren Cocktails, die zusätzlich Eis brauchen; die kleinen, feinen zylindrigen Gläser fassen bequem die Menge, die ich für „normale“ Cocktails ohne Eis ansetze – ca. 3-4 oz / 90-120ml. Beide sind im Foto oben zu sehen. Klein aber fein.