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Ron Elmilio Selected Blended Premium Rum Titel

Karibisches Klima – Ron Elmilio Selected Blended Premium Rum

Aktuell ist im Rumbereich wieder mal eine neue, hitzig geführte Diskussion im Gange – Alterung und Reifung von Rum in tropischem Klima vs. in europäischem Klima. Es gibt ja doch so einige Abfüller, die sich Fässer karibischen Rums kaufen und diese dann in Europa weiteraltern lassen, das bekannteste Beispiel ist wahrscheinlich Plantation. Natürlich macht es einen gewaltigen Unterschied, ob man ein Fass in einer Lagerhalle auf Barbados liegen hat, oder in einem Weinkeller in Frankreich – der Angels‘ Share ist im tropischen Klima oft um den Faktor 10 und mehr größer, aber auch die gesamte Interaktion mit Fassholz und Umgebung ist anders.

Wie gesagt, dies ist eine Diskussion, die aktuell recht neu ist, wie so viele Aspekte der Rumherstellung aktuell erstmals ernsthaft betrachtet und mit Expertenwissen unterfüttert werden. Daher war ich zugegebenermaßen etwas überrascht, im Pressetext zur Premiere des Ron Elmilio Selected Blended Premium Rum den Hinweis zu finden, dass die Bestandteile des Blends in tropischem Klima gereift wurden; ein Detail, das man nicht überall findet. Persönlich halte ich das für einen wichtigen Bestandteil eines Rums, der sich auf eine Herkunft beruft (hier: für meinen Geschmack viel zu generisch „Mittelamerika“), und stimme mit den auch in diesem Bereich vorpreschenden Richard Seale und Luca Gargano überein, dass es eigentlich vorgeschrieben sein müsste, dass ein Rum, wenn er sich auf eine geographische Region beruft, auch komplett in dieser Region hergestellt und gereift sein müsste. Nun, weg von der Metadiskussion hin zum tatsächlichen Rum des Tages!

Ron Elmilio Selected Blended Premium Rum

Laut eigener Aussage ist der Rum nicht mit Zuckerkulör gefärbt. Nun, dafür weist er eine sehr ansprechende goldene Tönung auf, mit sonnengelben Reflexen. Die Schwere, die er beim Schwenken im Glas zeigt, weiß auch zu gefallen, die dicken Schlieren komplettieren ein optisch sehr gelungenes Bild.

Die Nase im Glas entdeckt schöne Aromen – reife Ananas und Banane als Fruchtnoten, Marzipan, Walnuss und Kardamom. Ethanol ist im Untergrund erkennbar, wirkt aber nicht übermäßig lästig. Ein gewisser Hauch von Funkigkeit ist da, die für ein „Hoppla!“ bei mir sorgte – das hatte ich erstmal nicht erwartet. Insgesamt finde ich das ähnlich interessant wie die Optik, wenn das so weitergeht haben wir hier einen Treffer gelandet.

Im Mund kommt eine gewisse Ernüchterung auf. Die klebrige Süße beginnt schon im Antrunk, setzt sich im Verlauf ununterbrochen fort und steigert sich im Abgang zu einem pappigen Brei. Aromatisch finde ich überreife Ananas, Banane, Schokolade. Das Aroma, das gewiss vielschichtiger sein könnte,  wird leider von der überwältigenden Süße großteils plattgemacht; was sie aber leider nicht schafft, ist das kitzelnde Alkoholfeuer  auszubremsen.

Meine Messung per Spindel ergibt 31%, bei knapp 26° Flüssigkeitstemperatur bedeutet das in etwa grob 35-40g/L Zusätze. Das heißt, dieser Rum weist ähnliche Werte auf wie Botucal Reserva Exclusiva und liegt damit ebenso im starkgesüßten Bereich. Leider hat auch dieser Rum, wie fast alle starkgesüßten Rums, keine entsprechende Angabe auf dem Etikett. Sehr schade – ich erwarte die geplante Nährwerttabelle auch für Spirituosen mit Ungeduld.

Ron Elmilio Selected Blended Premium Rum Glas

Eine langsam einsetzende Bittere im Abgang korreliert so gar nicht mit der üppigen Süße, die zunehmende Alkoholschärfe ist überraschend bei nur 40%, und dadurch, dass kaum natürlicher Körper da ist, entsteht ein sehr unrundes, wackeliges Panoptikum an Eindrücken, die kein klares Bild aufkommen lassen. Im Nachhall muss man viel Spucke produzieren, um die Klebrigkeit vom Gaumen zu bekommen; etwas Bitterschokolade und Kaffee liefert die letzten, dann recht lang vorhandenen und gar nicht unangenehmen Überbleibsel im Mund.

Im Geschmacksfazit muss ich sagen, dass ich glaube, dass der Blend eventuell Potenzial hätte, da sind schon interessante Aromen vorhanden – wäre da nicht diese alles überdeckende Süße. Ich könnte mir tatsächlich vorstellen, dass schon mit einer Halbierung des Zuckerzusatzes ein großer Schritt getan werden könnte, den Ron Elmilio für Rumfreunde spannender zu machen. In dieser Form kann ich ihn höchstens denen empfehlen, denen Süße wichtiger ist als Rundheit und echter Rumgeschmack.

Der Guyana Zombie hätte natürlich gemäß seinem Namen einen Demerara-Rum in sich. Tatsächlich weist der Ron Elmilio aber genug Schwere, Süße und Würze auf, um sich in diesem modernen Tiki-Drink wacker zu schlagen.

Guyana Zombie


Guyana Zombie
2 oz gereifter Rum
1 oz Ananassaft
1 oz Honigsirup
1 Teelöffel Cream of Coconut
½ oz Limettensaft
Alle Zutaten mit Crushed Ice blenden. In einem Glas mit frischem Crushed Ice servieren.
Mit einem Float aus Overproof-Rum und etwas braunem Zucker garnieren.

[Rezept nach A Mountain of Crushed Ice]


700ml hält die aparte braune Apothekerflasche mit Kunststoffkorken. Das Etikett ist insgesamt, abgesehen von den für meinen persönlichen Geschmack etwas abgedroschenen Symbolen von Anker und Fässern extrem inhaltsleer. Man findet praktisch keine Hinweise auf irgendwas, was dem Rumkenner wichtig wäre – keine Destillenangabe, nicht einmal eine Länderangabe (man muss schon den oben angesprochenen Pressetext heranziehen, um wenigstens an die sehr schwammige Aussage „mit sorgfältig selektierten Destillaten kleiner Brennereien aus Mittelamerika“ zu kommen). Auf eine Altersangabe wird ebenso verzichtet, und zwar aus dem spannenden Grund, dass man lieber keine angibt als eine täuscherische – auch diesbezüglich verlasse ich mich einfach mal auf die Aussage des Vertriebs. Bei einem Blend kann ich aber sehr gut damit leben, keine Altersangabe vorzufinden, das ist tatsächlich ehrlicher als manche Kundenfängerei. Dass der Rest des Marketingtexts in bester Storytelling-Manier die üblichen Seefahrer-Platitüden runterblubbert („Die lange verschollen geglaubte Handelsfregatte Elmilio dient als Namensgeber“), nun, das gehört leider mit zum Business – liebe Leute, verwendet Eure Energie doch besser darauf, etwas handfeste Information aufs Etikett zu packen, statt Euch so Zeugs aus den Fingern zu saugen.

Das gilt aber für sehr viele Rums, nicht nur für den Ron Elmilio. Wer also mittelamerikanische Aromatik und sehr viel Süße mag, und sich nicht an der Praxis des Nachsüßens stört, darf einen Blick riskieren. Ich für meinen Teil wäre an einer ungesüßten (oder deutlich weniger stark gesüßten) Variante durchaus interessiert.

Offenlegung: Ich danke myspirits.eu für die kostenlose Bereitstellung einer Flasche des Ron Elmilio.

Foursquare 2004 Exceptional Cask Selection 11 Years Titel

Kurz und bündig – Foursquare 2004 Exceptional Cask Selection Single Blended Rum

Die Gargano-Klassifikation von Rum ist ein Versuch, sich von der Nutzlosigkeit der bestehenden Rumklassifikationen, die nach Farbe oder Länderstilen arbeiten, zu lösen. Was soll es uns sagen, wenn ein Rum „braun“ oder „golden“ ist? Das trifft auf praktisch jeden gereiften Rum, der nicht entfärbt ist, und auch auf ungereifte, gefärbte Rums, zu. Ebenso halte ich nichts von der Gruppierung nach „britischem“ oder „lateinamerikanischem“ Stil, als würde in Südamerika nur genau ein Rumstil hergestellt und auf Barbados nur genau ein anderer. Die Gargano-Klassifikation dagegen bezieht sich auf die Herstellungsweise, und hat somit Aussagekraft. Wir verlangen in einer Bar ja auch nicht einen „braunen Whiskey“, sondern einen Straight Bourbon. Oder einen Blended Scotch.

Der Foursquare 2004 Exceptional Cask Selection Single Blended Rum ist entsprechend dieser Klassifikation eine Mischung aus Pot-Still- und Column-Still-Rum. 2004, im Jahr der Namensgebung, kam er ins Fass, 2015 in die Flasche, damit ist er also nach Adam Riese 11 Jahre alt. Allein aus dem Namen kann man schon viel mehr ableiten als aus allen Informationen, die manch anderer Hersteller gesammelt anbietet.

Die Farbe ist natürlich, bei Full-Proof-Rums färbt Foursquare nicht nach. Das Kupfer stammt also rein aus den Fässern. Im Glas liegt der Rum schwer und viskos, beim Schwenken bleiben einige Tropfen sogar oben am Glas hängen, statt als Beine abzulaufen, und bequemen sich dann erst nach einer Minute Wartezeit sehr gemütlich nach unten.

Foursquare 2004 Exceptional Cask Selection 11 Years

Der Geruch ist direkt und ohne Umschweife süß, schwer und voll. Gebrannte Mandeln. Kokosnussfleisch. Vanille dominiert allerdings deutlich die Nase, und da ist viel Eichenwürze; ein damit verwandter kleiner Lack- und Klebstoffton erinnert daran, dass dieser Rum 10 Jahre in Bourbonfässern lagerte. Direkt nach dem Eingießen zwickt eine stechende Note die Nasenschleimhaut, wenn man die Nase zu tief ins Glas hält. Mit Offenstehdauer verfliegt ein Großteil davon, es bleibt aber etwas übrig.

Sehr süß, aber nie klebrig, und hocharomatisch. Sehr breit und körpervoll. Viel Vanille, Schokolade, Nougat, aber auch Gewürzanklänge nach Piment, Kardamom und Nelken, vielleicht sogar etwas Muskatnuss. Das Bourbon-Fass hat einiges an Aromatik mitgebracht, und dem eh schon für sich wuchtigen Rum übergeben. Der Abgang ist lang, glühend heiß, etwas metallisch, dafür aber vanillig und süß. Nur milde Trockenheit, eine erkennbare Holzigkeit bleibt am Gaumen. Ein Menthol-Nachhall sorgt für zusätzliche Länge.

Unverdünnt ist der Foursquare 2004 bei 59% noch wunderbar trinkbar, bei Rum geht das oft, was bei anderen Spirituosen meist schwerfällt. Dennoch verdünne ich ihn testweise auf rund 40%. Die Vanille geht dadurch etwas zurück, die Lacknote verschwindet komplett, Gewürze kommen nach vorne. Geschmacklich bleibt er dicht wie zuvor, schokoladig und weich, ein paar gemüsige Komponenten werden erkennbar, Gurke oder Sellerie vielleicht, die Holznoten sind stark reduziert. Das Feuer des Abgangs wird ersetzt durch ein leichtes Chili, mit etwas Betäubung der Zungenspitze. Durch die Verdünnung verliert er kaum an Charakter, wird nur genehmer und noch runder.

Nun, was soll ich im Fazit sagen, außer, dass das ein hervorragender Rum ist. Natürliche Süße, voller Körper, dichte Aromatik – all das ohne jeden Zusatz. Ich gebe zu, dass ich vielleicht etwas beeinflusst bin durch die Person Richard Seale und sein Auftreten gegen manipulierten Rum; ich rate jedem dennoch, sich zumindest einmal einen Foursquare-Rum zu gönnen, um zu erkennen, das der Mann nicht nur laut und deutlich redet, sondern gleichzeitig hervorragende Arbeit abliefert. Der Foursquare 2004 Exceptional Cask Selection Single Blended Rum wäre eine ideale Gelegenheit dafür.

Dieses Review basiert auf einem 2cl- und einem 10cl-Sample. Gern hätte ich die große Flasche zu Hause; sie wird irgendwann ihren Weg zu mir finden, zu den anderen Foursquare-Rums, die dort bereits auf die Familienzusammenführung warten.

Mount Gay 1703 Old Cask Selection Barbados Blended Rum Titel

Advent, Advent… Mount Gay 1703 Old Cask Selection Barbados Blended Rum

Es gibt so einige Möglichkeiten, viele verschiedene Rums auszuprobieren. Man kann auf Messen gehen, sich in Foren mit Samples eindecken oder, und das finde ich persönlich am charmantesten, sich einen Rum-Adventskalender zulegen. Letzteres ist natürlich etwas jahreszeitenabhängig, doch die Vorstellung, jeden Abend ein kleines Fläschchen eines hochwertigen Rums bereitstehen zu haben, hat schon was. Natürlich muss man sich einen Anbieter aussuchen, von dem man ausgehen kann, dass er guten Stoff abfüllt, und nicht nur den konventionellen, allgegenwärtigen, massenkompatiblen Süßrum. Im Rum-Club besteht diese Gefahr nicht: Da hat Organisator Marcus Stock von 4finespirits weder Kosten noch Mühen gescheut, uns Mitgliedern das Ende des Jahres 2016 zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen.

Der Rum-Club Adventskalender Flaschen

Viele derartige Kalender treiben die Kosten durch aufwändige Kartons mit vorgestanzten Türchen und ähnlichem hoch; hier handelte es sich um eine einfache Menge an Rums, in 2cl- oder 4cl-Fläschchen, die neutral beschriftet waren, und somit jeder investierte Cent in die Rums und nicht in unnötige Dekoration ging. Gleichzeitig war dieser Kalender eine Blindverkostung, denn welchen Rum man gerade vor sich hatte, wurde erst am Spätabend aufgelöst; bis dahin konnte man auf einer Website einen Tipp für Herkunftsland, Alter und Alkoholgehalt abgeben, mit einem Preis für den, der am Ende des Monats die besten Tipps abgegeben hatte. Ich schnitt dabei nicht so besonders ab, denn diese Art der Blindverkostung hat mir äußerst schmerzvoll die Grenzen meiner Rumkenntnisse aufgezeigt und mich sehr demütig gemacht.

Zum Positiven: Nachdem ich die 24 Türchen verkostet hatte, haben sich für mich 3 Rums herauskristallisiert, die ich in der Blindverkostung als herausragend gut empfunden hatte, und von denen ich mir dann entsprechend natürlich eine ganze Flasche kaufen wollte. Der Rum auf Platz 1 meiner persönlichen Bestenliste dieses Kalenders war der hier nun vorgestellte Mount Gay 1703 Old Cask Selection Barbados Blended Rum.

Mount Gay 1703 Old Cask Selection Barbados Blended Rum Flasche

Die erste positive Sache, die zu berichten ist, ist, dass wir hier einen Blend aus 10 – 30 Jahre alten Rums vor uns haben, ohne dass eine große „30“ oder ähnliches auf dem Etikett prangen würde, wie das viele Konkurrenten ohne Schamgefühl gemacht hätten. Da hört diese kundenfreundliche Scham aber schnell auf, denn die Farbe, ein attraktives helles Kupfer mit orangefarbenen Reflexen, wurde schön mit Zuckerkulör gemacht vom Farbdesigner. Leicht viskos, schnell ablaufende, dicke Beine am Glas.

Was soll ich zum Geruch sagen? Es ist der perfekte Rumgeruch. Daran gibt es nichts zu verbessern. Wenn man mich fragen würde, welchen Rumgeruch ich auf die einsame Insel mitnehmen würde: es wäre dieser. Einfach ein Traum. Süß, dunkel und dicht. Trockenfrüchte, Karamell, Vanille. Gleichzeitig zum dunklen Körper ist da aber auch eine helle Fruchtkomponente.

Süß und mild im Antrunk, sehr vanillig, karamellig. Warum trinken die Leute künstlich nachgesüßten Rum, wenn er auch natürlich und ohne Zuckerbeigabe so schmeichelnd und dabei komplex und unoberflächlich sein kann wie der Mount Gay 1703 Old Cask Selection? Leichtkörperig und elegant, und im Verlauf baut sich doch langsam aber unaufhaltsam eine dunkle Würze auf. Schokoladig – „Rum-Trauben-Nuss“ von Ritter Sport ist eine spontane Assoziation. 43% Alkoholgehalt ist beileibe nicht überragend viel, da könnte ruhig etwas mehr vorhanden sein für meinen Geschmack, er fällt aber insgesamt gesehen weder positiv noch negativ auf. Der Abgang ist dann überraschend feurig, mildscharf, kraftvoll. Lang, vollmundig und süß. Leicht adstringierend. Ein warmer Hauch klingt noch sehr lange aus dem Rachen hoch. Mein schwärmerisches Fazit: vielschichtig, spannend, und dabei aber nicht zu verkopft oder schwierig.

Kein Rum, und so er noch so edel und fein und zum Purtrinken geeignet, entgeht meiner Lust für Cocktails. Der Mount Gay 1703 ist einer meiner echten Lieblingsrums geworden, und wenn er dann in einer Mixtur mit zwei anderen Zutaten zusammentut, die sich still und leise in mein Herz geschlichen haben, die hier verwendeten zwei wirklich außergewöhnlich schönen Obstbrände von Scheibel, dann kann daraus nichts weniger als ein Knaller werden. Der Jabberwocky enttäuscht meine entsprechend sehr hohen Erwartungen, die ich hatte, als ich das Rezept das erste mal las, in keinster Weise.

Jabberwocky


Jabberwocky
1½ oz gereifter Rum (z.B. Mount Gay 1703 Old Cask Selection Barbados Blended Rum)
¾ oz Pflaumenbrand (z.B. Scheibel Altes Pflümle)
½ oz Birnenlikör (z.B. Scheibel Moor-Birne)
Auf Eis rühren.
[Rezept nach Fairytale Bar, Berlin]


Schauen wir noch schnell auf die Präsentation dieses Rums. Für 70€ wird dieser Rum in einem hübschen blaugoldenen Karton geliefert, in einer in ihrer Zurückhaltung ausgesprochen schönen Flasche, die nur ein paar kleine spielerischen Details aufweist. Der Echtkorken ist von einer schweren, metallenen Krone verdeckt, die vor dem Einschenken für ein gutes Gefühl beim Öffnen der Flasche sorgt.

Mount Gay 1703 Old Cask Selection Barbados Blended Rum Details

Dieses Gesamtbild aus sehr gelungener Präsentation, subjektiv hervorragendem Geschmack, objektiver Qualität und auch dem tollen Preisleistungsverhältnis macht den Mount Gay 1703 Old Cask Selection Barbados Blended Rum zu einem wirklich herrlichen Sipper zum Schlürfen und Genießen, für Kenner wie für Anfänger.

Ich freue mich sehr, diesen Rum im 2016er-Rum-Club-Adventskalender entdeckt zu haben; ich freue mich mindestens genauso sehr auf den bereits geplanten Adventskalender für 2017, den Marcus schon jetzt in Mache hat…

Monkey Shoulder Titel

Die ersten Menschen waren nicht die letzten Affen – Monkey Shoulder Blended Malt Scotch Whisky

Der Mensch hängt an seiner Position als Herrscher der Welt: Kein Wunder, er hat ja ein paar Jahrtausende gebraucht, um sie sich hart zu erarbeiten. Doch gleichzeitig sind wir uns auch der Fragilität dieser Situation durchaus bewusst; Umweltkatastrophen, sozialer Wandel und Globalisierung machen uns Angst, weil sie uns zeigen, dass alles auch erschreckend schnell umkippen kann. Viele Dystopien in Literatur und Film spielen mit dieser Angst, dass der Mensch als Krone der Schöpfung abgelöst wird durch einen Nachfolger; seien es die Maschinen, wie in Terminator, oder andere irdische Spezies, die dem Menschen nach dessen selbstverursachtem Niedergang das Szepter der Macht entrissen haben, wie es die Affen in Planet der Affen tun.

Ich kann Charlton Hestons Zorn hier wirklich verstehen, wer wird schon gern in einen Käfig gesperrt und von Affen begafft; andersrum erträgt sich das leichter. Bei der Sonderedition des Monkey Shoulder Blended Malt Scotch Whisky, die ich im französischen Cora-Supermarché für den lächerlichen Spottpreis von 17€ erwerben konnte, sind die Verhältnisse noch klar geregelt: Der Affe ist zur Sicherung im Käfig und soll laut Ausschilderung bitte nicht gefüttert werden. Die Frage, die ich mir stelle: Ist der Käfig zum Schutz der Menschen vor dem wilden Affen gedacht, oder zum Schutz des Affen vor lüsternen Whisky-Freunden? Zumindest letzteres funktioniert offensichtlich, wenn man den Füllstand der Flasche anschaut, nicht.

Monkey Shoulder Flasche

Der Monkey Shoulder Blended Malt Scotch Whisky ist ein Blend aus 3 Speyside-Single-Malts (früher hätte man so etwas einen Vatted Malt genannt), und das riecht man. Statt wildem, ungezähmten Affenstallgeruch bekommt man blumige Noten, Frucht, leichte Zitronenanklänge, Orangenmarmelade, Honig… sehr vielfältig und komplex, dabei zart und praktisch überhaupt nicht rauchig, aber erkennbar Scotch; die typische medizinale Note ist selbst in den zurückhaltendsten Malts unübersehbar – oder besser unüberriechbar.

Diesen 40%igen Blend mit seiner kräftigen, wahrscheinlich zuckerkulörgeschuldeten Kupferfarbe muss ich nicht verdünnen, daher wird er so direkt aus dem Glas genippt. Man wird mit einem dicken und öligen Mundgefühl begrüßt, malzig süß. Dann kommt die iodische Phenolaromatik des Scotch zum Vorschein, aber, wie es sich für einen Speyside-Whisky gehört, nur in winzigen Dosen; die Orange, kräuterige Minze und Rosinengeschmäcker sind klar im Vordergrund.

Beim Schlucken wird die Affenschulter einige Sekunden pfeffrig scharf, bis sich wieder die Süße durchsetzt; im mittellangen Abgang erhält man dann am Ende ein buttrig-karamelliges Ergebnis im Mund: Schottisches Shortbread in Flüssigform.

Monkey Shoulder Käfig

Ein wirklich aromatischer, weicher und milder Blend, voller kräftiger Süße und Dichte. Sehr lohnenswert auch für Leute, die sonst mit Scotch nicht so viel anfangen können – keine Ecken oder Kanten oder Spitzen, einfach nur rund und gut komponiert. Da passt der Name eigentlich nicht wirklich, denn dieser Whisky ist nach einer Berufskrankheit der Malzwender benannt, die nach andauernder Schaufeltätigkeit die Schulter hängen ließen; dieser Whisky lässt sich nie hängen.

Scotch-Cocktails sind rar gesät; oft sind solche Cocktails dann mit anderen Zutaten gespickt, um den rauhen Scotchcharakter auszugleichen. Nicht so beim Arnaud’s Special – hier spielt der Monkey Shoulder die erste Geige, und wird nur durch die sanfte Süße des Dubonnet noch betont. Ein sehr angenehmer, zarter und dabei doch sehr maskuliner Cocktail. Der Kenner erkennt die Abwandlung vom Manhattan – Rye Whiskey wurde hier durch Blended Scotch, Wermut durch Dubonnet ersetzt. Eine hintersinnige, kluge Auswechslung.

Arnaud's Special


Arnaud’s Special
2 oz Monkey Shoulder Blended Malt Scotch Whisky
1 oz Dubonnet Rouge
3 Spritzer Orangenbitter (z.B. von The Bitter Truth)


Sehr schön ist natürlich die Sonderedition aufgemacht, mit den Vollmetallstäben, dem massiven Holzdeckel und -boden, und einer Schlaufe, mit der man den Deckel leicht abheben kann. Aber auch die Flasche selbst ist sehr attraktiv gestaltet: Die drei Affen, das Markenzeichen dieses Whiskies, sind als Metallapplikation auf der Flasche fest angebracht. Das Etikett ist zurückhaltend gestaltet, und insgesamt wirkt die Flasche auch ohne Käfig sehr wertig.

Monkey Shoulder Detail

Ich interpretiere das alte japanische Motiv der 3 Affen, die nichts Schlimmes sehen, hören oder sagen wollen,  für diesen Scotch Blend einfach mal um: sie stehen hier für Anschauen, Trinken und Schwelgen. Da braucht es dann auch keinen Käfig.