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Monkey Shoulder Titel

Die ersten Menschen waren nicht die letzten Affen – Monkey Shoulder Blended Malt Scotch Whisky

Der Mensch hängt an seiner Position als Herrscher der Welt: Kein Wunder, er hat ja ein paar Jahrtausende gebraucht, um sie sich hart zu erarbeiten. Doch gleichzeitig sind wir uns auch der Fragilität dieser Situation durchaus bewusst; Umweltkatastrophen, sozialer Wandel und Globalisierung machen uns Angst, weil sie uns zeigen, dass alles auch erschreckend schnell umkippen kann. Viele Dystopien in Literatur und Film spielen mit dieser Angst, dass der Mensch als Krone der Schöpfung abgelöst wird durch einen Nachfolger; seien es die Maschinen, wie in Terminator, oder andere irdische Spezies, die dem Menschen nach dessen selbstverursachtem Niedergang das Szepter der Macht entrissen haben, wie es die Affen in Planet der Affen tun.

Ich kann Charlton Hestons Zorn hier wirklich verstehen, wer wird schon gern in einen Käfig gesperrt und von Affen begafft; andersrum erträgt sich das leichter. Bei der Sonderedition des Monkey Shoulder Blended Malt Scotch Whisky, die ich im französischen Cora-Supermarché für den lächerlichen Spottpreis von 17€ erwerben konnte, sind die Verhältnisse noch klar geregelt: Der Affe ist zur Sicherung im Käfig und soll laut Ausschilderung bitte nicht gefüttert werden. Die Frage, die ich mir stelle: Ist der Käfig zum Schutz der Menschen vor dem wilden Affen gedacht, oder zum Schutz des Affen vor lüsternen Whisky-Freunden? Zumindest letzteres funktioniert offensichtlich, wenn man den Füllstand der Flasche anschaut, nicht.

Monkey Shoulder Flasche

Der Monkey Shoulder Blended Malt Scotch Whisky ist ein Blend aus 3 Speyside-Single-Malts (früher hätte man so etwas einen Vatted Malt genannt), und das riecht man. Statt wildem, ungezähmten Affenstallgeruch bekommt man blumige Noten, Frucht, leichte Zitronenanklänge, Orangenmarmelade, Honig… sehr vielfältig und komplex, dabei zart und praktisch überhaupt nicht rauchig, aber erkennbar Scotch; die typische medizinale Note ist selbst in den zurückhaltendsten Malts unübersehbar – oder besser unüberriechbar.

Diesen 40%igen Blend mit seiner kräftigen, wahrscheinlich zuckerkulörgeschuldeten Kupferfarbe muss ich nicht verdünnen, daher wird er so direkt aus dem Glas genippt. Man wird mit einem dicken und öligen Mundgefühl begrüßt, malzig süß. Dann kommt die iodische Phenolaromatik des Scotch zum Vorschein, aber, wie es sich für einen Speyside-Whisky gehört, nur in winzigen Dosen; die Orange, kräuterige Minze und Rosinengeschmäcker sind klar im Vordergrund.

Beim Schlucken wird die Affenschulter einige Sekunden pfeffrig scharf, bis sich wieder die Süße durchsetzt; im mittellangen Abgang erhält man dann am Ende ein buttrig-karamelliges Ergebnis im Mund: Schottisches Shortbread in Flüssigform.

Monkey Shoulder Käfig

Ein wirklich aromatischer, weicher und milder Blend, voller kräftiger Süße und Dichte. Sehr lohnenswert auch für Leute, die sonst mit Scotch nicht so viel anfangen können – keine Ecken oder Kanten oder Spitzen, einfach nur rund und gut komponiert. Da passt der Name eigentlich nicht wirklich, denn dieser Whisky ist nach einer Berufskrankheit der Malzwender benannt, die nach andauernder Schaufeltätigkeit die Schulter hängen ließen; dieser Whisky lässt sich nie hängen.

Scotch-Cocktails sind rar gesät; oft sind solche Cocktails dann mit anderen Zutaten gespickt, um den rauhen Scotchcharakter auszugleichen. Nicht so beim Arnaud’s Special – hier spielt der Monkey Shoulder die erste Geige, und wird nur durch die sanfte Süße des Dubonnet noch betont. Ein sehr angenehmer, zarter und dabei doch sehr maskuliner Cocktail. Der Kenner erkennt die Abwandlung vom Manhattan – Rye Whiskey wurde hier durch Blended Scotch, Wermut durch Dubonnet ersetzt. Eine hintersinnige, kluge Auswechslung.

Arnaud's Special


Arnaud’s Special
2 oz Monkey Shoulder Blended Malt Scotch Whisky
1 oz Dubonnet Rouge
3 Spritzer Orangenbitter (z.B. von The Bitter Truth)


Sehr schön ist natürlich die Sonderedition aufgemacht, mit den Vollmetallstäben, dem massiven Holzdeckel und -boden, und einer Schlaufe, mit der man den Deckel leicht abheben kann. Aber auch die Flasche selbst ist sehr attraktiv gestaltet: Die drei Affen, das Markenzeichen dieses Whiskies, sind als Metallapplikation auf der Flasche fest angebracht. Das Etikett ist zurückhaltend gestaltet, und insgesamt wirkt die Flasche auch ohne Käfig sehr wertig.

Monkey Shoulder Detail

Ich interpretiere das alte japanische Motiv der 3 Affen, die nichts Schlimmes sehen, hören oder sagen wollen,  für diesen Scotch Blend einfach mal um: sie stehen hier für Anschauen, Trinken und Schwelgen. Da braucht es dann auch keinen Käfig.