Moderne Blends für die Welt – Rum Artesanal Burke’s Seamaster Blended Rum

Rum Artesanal Burke’s Seamaster Blended Rum Titel

Einzelfassabfüllungen sind die Domäne von Rum Artesanal – in regelmäßigen Abständen veröffentlicht die Marke von HEB Heinz Eggert in Bad Bevensen in der Lüneburger Heide ausgewählte Rums, darunter oft kleine Juwelen, die dann in Minuten ausverkauft sind. Ich bin froh, immer wieder Samples dieser Rums bekommen zu können, denn ich habe weder den Jägerinstinkt für nächtliche Klickbot-Aktionen noch das Budget, mir die meist dreistellig bepreisten besonderen Rums, für die ich mich theoretisch sehr begeistern könnte, leisten zu können. Letztlich aber ist das für mich als Rumfreund dennoch ein gutes Szenario, denn derartige Abfüller sorgten in den letzten Jahren dafür, dass sich auch Spitzenqualitäten im Rum endlich in Deutschland voll durchgesetzt haben, auch mit dem Bewusstsein, dass die Preise diese Qualität wiederspiegeln.

Rum Artesanal nutzt den dadurch gewonnenen Ruf, um auch selbstgemachte, moderne, wertige Blends unter die Leute zu bringen, die im Gegensatz zu vielen Konkurrenten mit hochwertigen Zutaten punkten sollen. Vor einiger Zeit wurde die Marke „Burke’s“ als Name für diese Blends wiederbelebt, unter ihr findet der geneigte Rumtrinker einen ungereiften Rum (Burke’s White Blend Rum mit 61%), und auch einen gereiften: Der Burke’s Seamaster Blended Rum ist ein Blend aus Rums aus Barbados und Jamaica, 8 und 11 Jahre respektive, die in Säule und Potstill gebrannt wurden. Ungefärbt und ungesüßt ist heutzutage für ambitionierte Abfüller selbst für einfachere Rums Standard, so wie es eigentlich immer sein sollte. Die 50% Alkoholgehalt sprechen auch eine klare Sprache, dass hier kein Pappelriedchen in der Flasche zu finden sein wird – schauen wir uns es mal an.

Rum Artesanal Burke’s Seamaster Blended Rum

Das klare Kupfer des Blends ist natürlich in der Fassreifung entstanden, er ist, wie gesagt, ungefärbt. Die Flüssigkeit schwenkt sich leicht, zeigt nur etwas Öligkeit, aus der Kante, die am Glas dabei entsteht, entwickeln sich langsam Tropfen, die als Beine langsam aus ihr herausfransen wie Zotteln an einem Teppich.

Geruchlich ist der Rum von Säulendestillaten geprägt, und man würde ihn vielleicht eher Barbados zuordnen als Jamaica – da ist viel Nougat, Kokos und Marzipan vorne, etwas grüne Banane, leichte Steinobstnoten, Melasse und Pflaume. Ein leichtes Pieksen ist da, und eine Ahnung, mehr aber nicht, von Ethanol und Lack. Grundsätzlich im Gesamtgeruchsbild eher nichts, woran ich lange schnuppern wollen würde, aber auch nichts, das mich komplett langweilt. Ein Ticken Plastikhandschuh kommt noch irgendwie durch, auch das aber nie störend, sondern später dann eher in Floralität übergehend.

Rum Artesanal Burke’s Seamaster Blended Rum Glas

Die ersten Eindrücke im Mund sind die grundliegende Süße, sehr natürlich wirkend, und das gut dazu passende, weiche und runde Mundgefühl. Die Textur gefällt, bleibt aber leicht, entwickelt nur mittleres Volumen, das im Verlauf sogar noch etwas zurückgeht. Aromatisch ist auch hier die Barbados-Komponente im Vordergrund, mit den dafür typischen Aromen von Kokos, Marzipan und Banane, der Jamaica-Anteil liefert eher Wumms und Würze, bildet eine Basis, die sich nur langsam herausarbeitet. Der Alkoholgehalt ist erkennbar, das prickelt etwas auf der Zunge, und lässt sie leicht anästhesiert zurück. Während der Zeit im Mund fühlt sich das ingesamt angenehm und gut gemacht an, der Abgang ist dagegen dann leicht enttäuschend kurz, aromatisch schnell verflogen und nur mit einem Eisenton nachklingend.

Der Burke’s Seamaster bleibt mir als stabiler, sauber geblendeter Mixrum in Erinnerung, gerade der erhöhte Alkoholgehalt macht ihn gut einsetzbar für Drinks, in denen man zumindest Rum schmecken will, auch wenn viele andere Zutaten da sind. Zum gemütlichen Purtrinken ist er mir zu einfach gestrickt, aromatisch dann doch zu unkomplex, und zu kurz. Doch das ist meines Erachtens auch nicht die Aufgabe eines derartigen Blends.


Vielleicht kennt Ihr das – ich habe immer so ein undefinierbares Fernweh, insbesondere, wenn ich auf einem Globus oder in einem Atlas mit dem Finger über all die fernen, geheimnisvollen Inseln und Länder streife, und mir vorstelle, wie es dort wohl ist. So kam mir auch der Gedanke zur Molucca Cola: Die Molukken waren die Gewürzinseln, insbesondere Nelken und Muskatnuss wurden doppelt mit Gold aufgewogen, vor gar nicht allzu langer Zeit. Ein Gewürzsirup mit exotischen Gewürzen und eine gute Cola macht aus einer schnöden Rum-Cola einen sehr süffigen, aromatischen Fernwehdrink, in dem der Burke’s Seamaster wunderbar passt.

Molucca Cola Cocktail

Molucca Cola
⅔ oz Molukkensirup (s.u.)
1 Orangen- und 1 Limettenzeste darin etwas andrücken
2 oz gereifter Rum
Glas mit Eis füllen. Aufgießen mit Cola.

[Rezept nach Helmut Barro]

Molukkensirup (für 2 Drinks)
1 Sternanis
3 Nelken
2 Piment
3 angedrückte Schoten Kardamom
je eine gute Prise frisch gemahlener Zimt und geriebene Muskatnuss
…in 1½ oz Zuckersirup für ein paar Stunden mazerieren.


Ausgesprochen gut gefällt mir jedenfalls die Präsentation – die Flasche hat was, und auch das Etikett ist richtig gut gelungen. Zwei sehr schöne Momente verbinde ich darüber hinaus noch mit dem Seamaster. Das erste ist der wunderbare Abend, den ich mit der Familie meines Bruders eines Sommers in seinem Garten verbringen durfte, mit Feuerschale, Gitarrenmusik und tiefen Gesprächen. Es ist wunderbar, wie einfach gute Gefühle sein können; der Seamaster war als Begleitung dabei.

Das zweite Ereignis war der kleine Cocktailwettbewerb, den Rum Artesanal veranstaltete, und an dem ich aus einer Laune heraus teil nahm. Zwei Drinks reichte ich ein, die obenstehende Molucca Cola, und eine Variante des Benjamin Barker Daiquiri. Letzterer schaffte es, in die Auswahl für das Cocktailbuch zu kommen, das den Wettbewerb begleitete, und einen dekorativen Becher gabs noch als Zugabe drauf. Das sind so kleine Details, die einem Freude bereiten – und wenn man eine Spirituose mit derartigen Erlebnissen verbindet, schmeckt sie am Ende nochmal doppelt so gut, finde ich.

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..