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Wilde Parties und wilder Sprit – Old Pascas 73% Jamaica Dark Rum (Overproof)

Es war die Party des Jahres. Die Mädels tanzten, die Jungs hingen cool ab. Ich rauchte eine Zigarre im zugigen Vorraum und genoss es, die Leute beim Rein- und Rausgehen zu beobachten. Der Gastgeber hatte schließlich ein besonderes Schmankerl auf der Getränkeliste – Rum mit Cola, aber nicht mit einem gewöhnlichen Rum, sondern dem Old Pascas 73% Jamaica Dark Rum. Die Idee war wohl, durch die hohe Prozentzahl dieses Rums die Leute schnell auf Drehzahlen zu bringen. Einer der ganz mutigen probierte sogar einen Shot davon pur, und war begeistert, wenn ich seinen schiefen Gesichtsausdruck richtig deutete. Letztlich will ich aber gar nicht das Komatrinken dieser Party anpreisen, sondern prüfen, ob dieser Rum auch Qualitäten für Genießer aufweist.

oldpascas73-flascheBei manchen Spirituosen muss man mühevoll nach Aromen suchen; beim Old Pascas 73% Jamaica Dark Rum muss man eher vorsichtig ins Glas riechen. Die typischen jamaikanischen Estergerüche sind im Vordergrund, reife Banane, Butterscotch. Die Aromen strömen schnell aus dem Glas und verbreiten sich.

Ich riskiere es, einen Tropfen davon pur zu naschen, mit einem flauen Gefühl. Man wird dabei im Mund mit einem weichen, warmen, süßen Gefühl überflutet, und schmeckt nicht viel außer einer Toffee-Süße, denn der Alkohol betäubt und lässt dem Gourmet kaum eine Chance, sich Zeit zu lassen. Daher setze ich Wasser zu, und diesmal mehr als nur die üblichen paar Tropfen – hier ist 1:1 angesagt.

Ein wirklich ausgesprochen vollmundiges, äußerst cremiges Mundgefühl, voller süßer Komponenten, die Banane und das Toffee sind stark dominierend. Leichte Röstgeschmäcker, ein bittersüßes Malz, dunkle Würze. Der Alkohol ist deutlich, aber gar nicht mal unangenehm, und hinterlässt eine tiefe, lange, befriedigende Wärme im Abgang, mit einer feinen Bitterkeit.

oldpascas73-etikettDiese Old Pascas-Abfüllung kann also mit eindeutigem Jamaica-Charakter punkten. Ihm fehlt etwas die Komplexität, die ich von Spitzenjamaikanern kenne, und auch deren charmante Trockenheit. Hier bekommt man nur die Süße; etwas zu einfach für mich. Ähnlich wie die anderen Abfüllungen dieses Herstellers, dem Old Pascas White Rum und dem Old Pascas Ron Negro, bekommt man aber vergleichsweise viel für sein Geld – einfache, bodenständige Rums ohne Zuckerzusatz.

Die Gestaltung der Flasche und Etiketten wurde vor kurzem geändert, modernisiert, ist nun deutlich verspielter und lebendiger. Mir gefällt sowohl das opulente Etikett als auch die sehr aufwändig designete und produzierte Flasche, mit Schriftzug und Schildkrötenlogo im Glas.

oldpascasoverproof-flaschendetailEin Overproof-Rum wird gern als Floater in Tiki-Cocktails eingesetzt, wie zum Beispiel beim vielzutatigen Puka Punch. Man stellt dabei zuerst den Cocktail her, und schichtet (engl. „float“) dann eine feine Ebene des Overproof-Rums darauf, zum Beispiel indem man den Rum über die Rückseite eines Teelöffels langsam in den Cocktail gleiten lässt. Danach nicht mehr umrühren, die Schicht soll möglichst lang bestehen bleiben; sie dient demselben Zweck wie eine Glasur beim Kuchen.

Puka Punch


Puka Punch
2 oz Weißer Rum (z.B. El Dorado 3 Years)
1 oz Limettensaft
  ¾ oz Dunkler Jamaika-Rum (z.B. Myers’s Rum)
  ¾ oz Orangensaft
  ¾ oz Ananassaft
  ¾ oz Maracujasirup
2 Teelöffel Honig, in 2 Teelöffel heißem Wasser aufgelöst
  ¼ oz Falernum (z.B. The Bitter Truth Golden Falernum)
1 Spritzer Angostura

Mit 1 Glas Crushed Ice im Mixer oder mit dem Pürierstab blenden
… und am Ende vorsichtig ¾ oz Old Pascas 73% aufschichten


Eigentlich ist das ja kein Punch, denn ein Punch hat per Definition genau 5 Zutaten. Aber wahrscheinlich klang der Name einfach so gut, dass man darüber hinwegsah. Ich tue es gern bei so leckerem (und starkem) Tikiglück, das durch den Old Pascas 73% Jamaica Dark Rum schön abgerundet und mit feinem Jamaica-Aroma perfektioniert wird.

Bei der Party, die ich im Vorspann ansprach, blieb ein Großteil dieses Rums übrig, den mir der Gastgeber dann freundlich, aber bestimmt, ein paar Tage später in die Hand drückte – kein Massenerfolg also, aber wie so oft gilt: Des einen Leid ist des andren Freud, und ich bin durchaus froh, diesen Rum für spezielle Zwecke in der Heimbar stehen zu haben.