Inzwischen sind die offiziellen Resultate des German Whisky Award 2026 veröffentlicht, es war wieder einmal ein großer Spaß und eine große Ehre, als Juror für die fast 130 eingereichten Produkte dienen zu dürfen. Die Hauptergebnisse hänge ich am Ende des Artikels an, sie zeigen wie schon letztes Jahr, dass der deutsche Whisky Qualitäten aufweist wie kaum eine andere Nation sie durchgängig und reproduzierbar aufweist. Dabei wurde mir aber auch wieder erneut klar: da ist eine große Spannbreite an Stilen, Typen und Eigenheiten im Markt, entstehend aus den weit verstreuten Brennereien, den historischen Hintergründen der Brenner, und den vielfältigen Basismaterialien, Reifungsarten und technischen Anlagen, auf denen der Whisky gemacht wird. Es gibt keinen „typischen deutschen“ Stil, und das ist vielleicht gut so.
Was könnte diese Aussage besser beweisen als das Produkt, das mir von dem Wettbewerb am meisten in Erinnerung geblieben ist: der Rose Valley Single Malt Whisky Cask No. 14 von der Feinbrandmanufaktur Eric Brabant in Striegistal (Sachsen). Es handelt sich hierbei um einen Whisky, gebrannt 2021, abgefüllt 2026 mit 48,5% Alkoholgehalt, der eine ganz besondere Reifung erhalten hat – das Fass, in dem er für die Vollreifung 4 Jahre gelegen hat, ist ein Ex-Bourbon-Fass, das 2 Jahre lang mit Ahornsirup zwischenbelegt wurde. Dass hierbei ein besonderes Aroma übertragen werden könnte, das die Verkoster spaltet, war sicherlich beabsichtigt; mich hat es direkt fasziniert, und darum musste ich nach dem Wettbewerb zeitnah eine der 301 Flaschen, auf die dieser Whisky limitiert ist, bestellen, und als er bei mir zuhause eintraf, konnte mich nichts davon abhalten, sofort die Flasche zu öffnen und tief daran zu schnuppern, um zu schauen, ob ich das Wettbewerbserlebnis wiederholen kann. Hat es geklappt? Ich berichte.
Die Farbe würde ich als strohig bezeichnen, mit champagnerfarbenen Lichtreflexen, ein ehrlicher Farbton für 4 Jahre in gebrauchten Fässern; nicht kaltfiltriert und ohne Färbung, so mag ich das. Im Glas bewegt sich der Whisky sehr lebendig und mit leichter Viskosität, es bildet sich beim Drehen eine Teppichkante, aus der Beinchen ablaufen.
Die Nase hatte mich beim ersten Schnuppern verwirrt. Diese absurde Mischung aus Liebstöckel, Sojasauce, Holz, Getreide und etwas, das man erstmal gar nicht zuordnen kann, wirft selbst den erfahrenen Verkoster aus der Bahn. Wenn man weiß, dass hier ein Ahornsirup-Fass zum Einsatz kam, fällt es einem auch dann plötzlich wie Schuppen von den Augen, was diese Ungewöhnlichkeit ausmacht. Der Spitzname „Maggi-Whisky“, den er von uns während der Verkostung zum German Whisky Award bekam, trifft es aber dennoch – man sieht, Sinneseindrücke gehen ineinander über und sind nicht unbedingt treffsicher festlegbar, wenn man blind probiert. Es kommt noch eine leicht mentholische Note und sicherlich auch etwas von einem Erdhaufen, der kürzlich von Wildschweinen umgegraben wurde, ins Spiel, eine leichte Bestialität, sozusagen, ohne je ins Unangenehme zu kippen. Insgesamt ist der Duft dieses Whiskys zu hundert Prozent einer, den kein Mensch vergisst, und der wirklich besonders und einmalig ist. Ich liebe sowas ja über alles.
Die Textur am Gaumen wirkt initial erstmal weich und süß, rund und breit, aber im Verlauf wird der Whisky immer weniger süßmild, sondern würzig und herzhaft, ohne dass das Mundgefühl auch nur ein bisschen darunter leidet. Im Gegenteil, eine effektvolle Komplexität erscheint, weniger von der geschmacklichen, mehr von der strukturellen und texturellen Seite: deutliche Salzigkeit bildet sich heraus, Säure kontert die Süße, frische Weißpfeffrigkeit erscheint. Auch aromatisch passiert etwas, so wird der Ahornsirup nun immer prägnanter. Die Getreidebasis nimmt diese besondere Aromatik bereitwillig auf, trägt sie, lässt sich aber nicht komplett überdecken; gerade im Nachhall blitzt das Getreide nochmal auf, mit heuigen und leicht spelzigen Aspekten. Das Finish ist eher kurz, leicht bitter, mit einem gewissen Kitzeln am Zäpfchen, und einem warmen Brummen im Rest des Mundes.
Der Whisky hat am Ende eine Silbermedaille beim German Whisky Award gewonnen. Für mich ist er die Entdeckung des Wettbewerbs, einfach weil er so besonders und untypisch ist – gerade das ist aber oft das Problem mit solchen Produkten bei Wettbewerben. Ich begreife, dass ein Single-Malt-Fanatiker beim Rose Valley Cask No. 14 die Augen verdrehen mag, und ein Stilrichter soetwas abwerten muss. Für den, dem solche Kriterien aber egal sind, und der einfach einen wirklich schönen, ungewöhnlichen und trotzdem handwerklich sehr gut gemachten Whisky trinken will, ist dieser Brand schlicht ein Ereignis.
Was macht man daraus? Ich habe von einem guten Freund gelernt, dass man so spezielle Produkte nicht mit anderen Zutaten kaschieren sollte, sondern sich voll in die Besonderheit reinlehnen muss, und diese sogar noch betonen. Darum passt er als Alternative perfekt in einen Don Lockwood. Ich würde hier sogar noch weiter gehen, und die Anteile zugunsten des Rose Valley Cask No. 14 verschieben. Das Originalrezept findet ihr auf meiner Cocktailseite; hier gebe ich die getwistete Variante an. Ein großartiger Cocktail!
Don Lockwood (Twist)
50ml Rose Valley Single Malt Cask No. 14
10ml Smokehead Terminado
10ml Ahornsirup Grade A
2 Spritzer Angostura Bitters
2 Spritzer Bonpland Chocolate Mace Bitters
Auf Eis rühren. Auf einen großen Eiswürfel abseihen.
Mit einer Orangenzeste absprühen.
[Rezept nach Abraham Hawkins]
Optisch macht die Präsentation was her – die Halbliterflasche selbst noch nicht einmal so sehr, dafür der gut funktionierende und praktikable Schraubverschluss mit Holzkappe, die hübsche Schnur um den Flaschenhals, die sogar mit einer Plombe versehen ist; und eine handeingetragene Flaschennummer auf den zurückhaltend gestalteten Etiketten. Der vorne offene Geschenkkarton überzeugt mich dagegen nicht, darauf kann man gerne einfach komplett verzichten, ohne etwas vom Erlebnis zu verlieren.
Hier nun ein paar Eindrücke vom German Whisky Award 2026, wie versprochen. Die Whiskywelt Burg Scharfenstein hat erneut als grandiose Location perfekt abgeliefert, wie auch das angegliederte Boutique Hotel Burg Scharfenstein, und dem Restaurant, in dem wir wie Könige versorgt wurden. Danke an Bernd Ehbrecht und Martin Henning!










Der Wettbewerb hat sich etabliert, denke ich, die höchstprofessionelle Leitung von Julia Nourney, die jeden Tag frühmorgens bis spätabends die Organisation in die knapp bemessenen 2 Tage quetschte und genau die richtige Mischung aus jovialem Lachen und harter Hand zeigte, die so eine verrückte Jury braucht, um effektiv zu arbeiten und dabei den Spaß nicht zu vergessen. Hier nun der Hauptgewinner und die Goldmedaillen des diesjährigen Wettbewerbs.
Auch der vieles gewohnte Verkoster wurde durch die Produkte erneut überrascht – wenn es möglich ist, bin ich auch 2027 gerne wieder dabei und hoffe auf genauso spannende Produkte und Ergebnisse!



