Biermischgetränk am Freitag – Brasserie Licorne Slash Mango und Slash Red

Brasserie Licorne Slash Mango und Slash Red Titel

Ich bin nicht unempfindlich gegenüber schön gemachten Sachen. Im Gegenteil, ich bin sogar höchst empfänglich für hübsche Dinge, und die Gestaltung bei Brasserie Licorne Slash Mango und Slash Red fallen mir natürlich ins Auge. Die Etikettentexte sind, naja, etwas esoterisch, aber vielleicht muss man heutzutage mit buntem Vokabular punkten – ich schreibe ja selbst oft gern leicht blumig, daher fühle ich mit dem Texter bei Licorne mit.

Liest man die Zutatenliste, wird einem fast ein bisschen übel – drei Sorten Süßungsmittel (Glukosesirup, Zucker, Invertzuckersirup) lassen einen nichts Gutes erwarten, dazu Säuerungsmittel und natürliche Aromen, und sogar einfach „Aromen“. Das Produkt ist als Biermischgetränk und nicht als Fruchtbier deklariert, darum muss man das wohl bei derartig industriell hergestellten Bierderivaten akzeptieren, aber „gut finden“ und „akzeptieren“ sind immer noch zwei Paar Schuhe. Ich gehe nun mit einer gesunden Portion Skepsis in die Verkostung.

Brasserie Licorne Slash Mango und Slash Red

Erstmal gießen wir uns das Slash Mango in ein Glas, und schauen dabei nochmal auf die Angaben auf der Dose. Zitronenfruchtsaft aus Konzentrat und Mangofruchtsaft aus Konzentrat, letzteres immerhin mit 2%, das hört sich wenig an, ist aber für ein Mischgetränk ganz normal.

Auge: Sonnenblumengelb, gefühlt passend zur Mango. Minimalste Trübung, kaum eine Perlage erkennbar. Der Schaum ist schlank, nach einer Minute ist nur ein Flaum übrig.

Brasserie Licorne Slash Mango

Nase: Deutlich dominiert von der Frucht, die Mango ist fett, reif und in der Intensität fast ein bisschen künstlich. Jedenfalls ist da nur ein Anflug von herberer Biernote, die die Mango nicht ganz überdecken konnte. Frisch, fruchtig, durchaus angenehm.

Mund: Direkt vom Antrunk an findet sich eine knackige Säure, kombiniert mit frischen Fruchtaromen; persönlich kenne ich Mango eher süßer, die zusätzlichen Zutaten wie Zitronensäure hebeln das aber fast komplett aus. Angenehmes Mundgefühl mit viel Rezenz, klar, und schön bitter, erst spät entdeckt man dann dazu ein bisschen Biertypizität. Der Abgang ist herbtrocken, kurz, hinterlässt aber ein schönes Frischegefühl.

Fazit: Eine Alternative zu einem Radler, ganz sicher – ich bin höchsterfreut, dass hier keine pappige Kunstsüße da ist, sondern ein erfrischendes, klares, gefühlt naturnah gemachtes Fruchtmischbier. Könnte ich öfter trinken!


Überraschend positiv gestimmt wende ich mich dem Slash Red zu, das weist auf der Dose auch schonmal 8,7% Kirschsaft aus Konzentrat aus.

Auge: Rostbraun, leicht getrübt, bei Gegenlicht sieht man eine feine, kräftige Perlage. Schaum ist feinblasig und flauschig, aber wenig ausdauernd und bildet schnell eine plane Fläche auf dem Bier.

Brasserie Licorne Slash Red

Nase: Insgesamt zurückhaltend, dezent fruchtig, wobei die Sauerkirsche natürlich dominiert, darunter findet sich eine stallige Komponente mit dunklem Getreide. Sonst ist ehrlich wenig zu berichten.

Mund: Überraschend frisch und klar, mittelfester Körper ohne großes Volumen, aber cremig und fluffig im Mundgefühl. Die Kirsche ist deutlich da, drängt sich aber nicht auf, bleibt auf einem einigermaßen natürlichen Niveau. Sonst ist allerdings praktisch nichts da, die Rezenz ist offensichtlich das Hauptargument für dieses Bier, denn das prickelt frisch und bunt, klärt wunderbar den Gaumen, ohne künstliche Fruchtaromen zu hinterlassen. Am Ende wirkt es mir dann aber doch etwas zu süß.

Fazit: Ich bin hier etwas weniger überzeugt als von der Mangovariante, irgendwie fehlt es hier an allen Ecken und Enden – zuwenig Kirsch, zuwenig Bier, zuwenig Körper, und trotzdem funktioniert es als reines Erfrischungsbier ohne Anspruch. Kein Vergleich zu einem echten Kriek oder Fruchtbier, aber süffig und erfrischend.


Ein Gesamtfazit – drückt man beide Augen zu, wenn man die Zutatenliste anschaut (oder schaut sie einfach gar nicht an), bekommt man hier leckere, unkomplizierte und erfrischende Biermischgetränke, die ihren Zweck voll erfüllen, und dies tatsächlich besser tun, als ein Großteil der Konkurrenz in diesem Sektor, und mit 8% Alkoholgehalt bekommt man auch was geliefert. Das ist keine Kunst, auch wenn die Dosenetiketten das mit ihrer sehr ansprechenden und gut gemachten Illustrationsstrategie mit den Einhörnern andeutet, aber Kunst macht auch nicht immer glücklich, hin und wieder will man auch unanspruchslos aber trotzdem gut gemacht unterhalten werden. Die Getränke aus der Slash-Reihe bei Licorne werde ich persönlich darum sicher öfter mal im Glas haben, besonders das Mangobier; die Skepsis des Anfangs hat sich gelöst.

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.

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