Langsame Getränke – Entre Manos Tequila Blanco

Entre Manos Tequila Blanco Titel
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„Respetar, confiar“, das ist der Wahlspruch des Tequilas, den ich heute vorstelle. Respekt und Vertrauen sind große Worte für modernen Tequila, der diesbezüglich durchaus ein Tal durchlaufen hat, aus dem er sich mühselig wieder herausarbeiten muss. Nicht alle Hersteller legen wirklich viel Wert darauf, für sie ist Tequila ein Massenkonsumprodukt; andere, wie Jimmy Villalobos Sauza, leben diese Begriffe aus tiefstem Herzen. Natürlich ist er trotzdem ein Realist – mit ihm über die aktuelle und historische Situation von Tequila zu sprechen ist immer wieder ein Augenöffner und eine stete Quelle direkter und ehrlicher Information aus erster Hand, bei dem die nostalgisch-utopischen Ansichten eines weit entfernt von den Zwängen der echten dort lebenden Menschen schreibenden Berichterstatters wie mir immer wieder gechallenged werden, manchmal schmerzhaft, manchmal inspirierend. Wie bei allen Tequilas, die er als Master Distiller verantwortet, steht er voll hinter dem Entre Manos Tequila Blanco, und will nicht einfach nur einen weiteren Agavenschnaps auf den Markt werfen, sondern die Kategorie mit einer Mischung aus Traditionsbewusstsein und Moderne voranbringen.

„Langsam“ ist ein beliebtes Wort aus diesem Glossar des Tequilabrenners, das man häufiger als bei vielen anderen Produkten in den Informationen über diesen Tequila liest. Das ist bezogen auf alle Aspekte der Herstellung dieses 100%-de-Agave-Tequilas von der Hacienda de Oro, NOM1522, in Amatitán im mexikanischen Bundesstaat Jalisco. Die Zeit, die man der Los-Valles-Agave lässt (wobei hier die 5 Jahre eher üblich als besonders viel ist), über das Kochen in Hochdruck-Autoklaven, über die natürliche Fermentation mit wilden Hefen, und dem doppelten Brennen. Ja, da ist viel unnötige Betonung auf dem Wort, aber allein den Verzicht auf Zusätze jeder Art, inklusive Zuchthefen, finde ich schon sehr lobenswert, da habe ich keine Schwierigkeiten mit dem Wort „Artesanal“ auf dem Etikett. 40% Alkoholgehalt sind kategorietypisch, wer mehr will, findet auch einen High Proof Entre Manos mit 50%.

Entre Manos Tequila Blanco

Glitzernd, fast schon chromartig liegt der Tequila im Glas, mit klarweißen Lichtreflexen. Lebendig bewegt er sich beim Schwenken, mit mittlerer Öligkeit, bildet dabei Beinchen an der Glaswand, die zügig aber nicht zu schnell ablaufen.

Für die Nase bieten sich klassische Tequilaaromen, ein grüner Aspekt deutet deutlich auf die Agave hin, nicht komplett dominierend, aber klar das Geruchsbild anführend. Darunter entdecke ich eine leichte Nussigkeit, Erdnuss und grüne Walnuss, ergänzt mit einer interessanten Hefenote, vielleicht sogar etwas Brotteig. Für einen Blanco ist es interessant, deutliche Anklänge von Vanille zu finden. Einen gewissen traubigen, fast schon weinigen Aspekt hat der Entre Manos, weiße Traubenschale, Trester und mineralische Seitentöne, die sich gut mit dem Hefeton paaren. Insgesamt ist die Aromatik aber leicht, sehr klar, frisch und sich nicht wirklich aufdrängend.

Entre Manos Tequila Blanco Glas

Die Textur ist fein und rund, sehr weich im Antrunk, mit einer natürlichen Süße unterfüttert, das schmiegt sich angenehm an den Gaumen, ohne wirklich cremig oder sehr tief zu wirken dabei – die Struktur bleibt auch hier klar und linear, mit mineralischen Eindrücken und einer erkennbaren milden Salzigkeit. Vanille und Erdnuss sind die ersten Geschmäcker, die dann gemächlich erscheinen, im Verlauf vergrünt sich der Entre Manos immer mehr, nimmt auch bezüglich Würze an Fahrt auf, lässt die Agave langsam aber sicher in den Vordergrund, bis sie am Abgang voll erblüht ist. Dort findet sich dann auch eine warme Pfeffrigkeit, kein Brennen, mehr ein wohliges Glühen, das lange am Gaumen verbleibt, mit dann immer mineralischer und steiniger werdenden Eindrücken, leichte Algen, eine durchaus maritime Endstufe. Ein sehr runder, interessanter Spannungsbogen, durchgängig elegant und leicht, strukturiert und aufgeräumt.

Das ist auch das Fazit, das ich hier ziehe – ich persönlich mag meine Blancos expressiver, explosiver; der Entre Manos ist zart und elegant, mild und zurückhaltend, vielleicht ein Tick zu sehr. Das Ende gefällt mir, ich hätte auf dem Weg dorthin gerne ein paar Steine auf dem Weg, über die man rumpeln muss, statt der recht glatten Straße. Doch genau das ist sicherlich für den Genießer, der statt meiner Vorliebe für wildere Spirituosen lieber etwas Ausgefeiltes, sich wirklich höchst unkompliziert Trinkendes und dabei dennoch sehr aromatisch Wirkendes bevorzugt, genau das richtige.


Natürlich passt so etwas dann entsprechend besser in Cocktails, die mit anderen feinen Zutaten ausgestattet sind, statt in solche mit viel Saft oder Eis. Ein Rührdrink wie der The Armada lässt den Entre Manos dann auch so scheinen, wie er es diesbezüglich verdient. Der Campari mag dem einen oder anderen zu dominant erscheinen, doch letztlich ergänzen sich die Bitterspirituose und der klare Tequila auf eine faszinierende Weise.

The Armada Cocktail

The Armada
1½ oz / 45ml Campari
1 oz / 30ml Sherry (Amontillado oder Cream)
¾ oz / 25ml Tequila blanco
Auf Eis rühren.

[Rezept nach Lynnette Marreo]


Die Flasche hat natürlich einen echten Augenfängercharakter, sie ist ungewöhnlich von der Form her mit der konischen Zuspitzung nach oben hin, und der Schnur, die um den oberen Teil der Flasche gewickelt ist (alles von Hand gemacht), mit dem weißfarbenen Aufdruck des Produktnamens. Da fühlt man sich wirklich exotisch abgeholt, im positiven Sinne.


Ich habe Jimmy Villalobos Sauza nun schon ein paar Mal getroffen, es ist immer ein Highlight für mich, denn der Typ ist echt unterhaltsam und für jeden Spaß zu haben, und ich beneide ihn um seinen großartigen Bart. Treviso 2023, Jalisco 2025 und dann Chihuahua 2025, und ich hoffe sehr, noch viel Zeit mit ihm verbringen zu können und (mit ein bisschen Glück) ihn auch 2026 in Mexiko zu sehen. Ich denke, es ist nicht falsch, wenn ich ihn inzwischen als Freund bezeichne.

Er hatte mir die Flasche im Hotel in Chihuahua in die Hand gedrückt, ganz ohne Hintergedanken, was Werbungsfolgen angeht, da bin ich mir sicher. Ich hatte neulich erst schon seinen Cachasol hier vorgestellt, darum weiß ich, dass der Mann seinen Job versteht. Ich freue mich auf jede Arbeit, die er in Zukunft vorstellen wird – und da er schon dabei ist, seine Söhne ins Tequilamachen einzuführen, mache ich mir auch keine Sorgen darum, dass auch in vielen Jahren noch guter Tequila aus der traditionsreichen Familie kommen wird.

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.

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