Süßwein am Freitag – Mistela de Cordelia

Mistela de Cordelia Titel
Gesponsortes Produkt

Es war ein außergewöhnlicher Nachmittag, den wir da in San Luis Potosí bei Viña Cordelia verbracht haben; ich habe mich so an herausragend gemachten Lamm-Barbacoa-Tacos überfuttert, dass mein Spitzname „Taquito“ entstand und mich alle nur noch ungläubig angeschaut haben. Dazu die spätherbstliche Stimmung auf dem Weingut mit einem nie enden wollenden Strom an dem dort gemachten Wein… ein echter Traum, ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Dazu bekamen wir am Ende noch die bekannteste, besonderste Spezialität des Hauses als Geschenk: den Mistela de Cordelia.

Dabei handelt es sich um einen Süßwein, der seit 1948 dort hergestellt wird. Man kennt Mistela an sich ja vielleicht aus Katalanien, wo er eigentlich beheimatet ist, doch der aus Katalanien eingewanderte Gründer des Weinguts führte die Tradition einfach in Mexiko fort. Er wird allein aus der Rebsorte Rosa del Perú gemacht. Die Trauben werden spät geerntet und dann mit den Füßen gepresst, und der Fermentationsprozess zu einem gewählten Zeitpunkt durch Zugabe von Alkohol unterbrochen, so bleibt Restzucker im Wein. Nach einer Reifung in Eichenfässern kommt er mit 14% Alkoholgehalt in die hohe, schmale Flasche, und dann nach langer Reisezeit aus Mexiko zu mir ins Saarland, wo ich ihn nun endlich probiere.

Mistela de Cordelia

Die Farbe liegt zwischen Rehbraun und Terracotta, mit leuchtenden orangefarbenen Lichtreflexen. Sehr gemächlich dreht sich die Flüssigkeit im Glas, mit erkennbarer Viskosität, die für fette Glaswandartefakte sorgt, fast wie bei einem Likör.

Die Nase zeigt eine gewisse Säure, die an milden Weinessig erinnert, vielleicht mit einem Anklang von Fino Sherry, dazu deutliche Veresterung. Darunter sind frische und getrocknete Trauben, erstere mit ihrer knackigen Fruchtigkeit und frischer Säure, zweitere mit Noten von weißen Rosinen, getrockneten Feigen und Aprikosen. Ein Hauch von Schwefel ist da, und eine unterschwellige, aber effektive Nussigkeit. Kein wirklich anschmeichelnder Duft, mehr etwas, wofür man zwei Proben braucht, um es zu verstehen.

Mistela de Cordelia Glas

Im Mund spielen dann auch die Ester, die Säure und die Süße ein komplexes Spiel miteinander. Man kann die drei Aspekte wabern spüren, sich abwechseln, immer wieder dabei einen neuen Aspekt aufblitzen lassen, der schnell wieder verschwindet. In solchen Miniepisoden erscheinen dann Schokolade, Karamell, Honig, Pulque, Federweißer, Sauerkirschen, Rosinen, Verjus, roter wie grüner Apfel, Quitten und sowohl PX- wie auch Fino Sherry. Ausgesprochen bunt, frisch und trocken, herb und süß, je nach Momentaufnahme fallen einem komplett gegensätzliche Assoziationen auf. Der Nachklang ist süß, mit Ideen von Nougat, Trockenpflaume, und lässt einen sehr angenehmen Geschmack mit viel Süße auf den Lippen. Mit erweiterter Oxidation kommt die Nussigkeit immer mehr zum Tragen.

Das ist für mich kein einfacher Süßwein, hier muss man etwas investieren, und bereit sein für ein extrem abwechslungsreiches Erlebnis. Selten habe ich etwas so wenig eindeutig greifbares im Mund gehabt, und das fasziniert mich extrem. Jedenfalls darf man sich so eine Flasche durchaus für eine besondere Gelegenheit zuhause einlagern, wenn man drankommt!

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..