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Brewbaker Berliner Handwerksbrauerei Titel

Ick freu mir wie Bolle über Jeschenke – Brewbaker Berliner Blut, Berliner Nacht und Berliner Art

Wir Blogger tauschen uns gerne aus über unsere Themengebiete. Ich habe Alice Wunder vom Blog meinedrogenpolitik als fachkundigen und unterhaltsamen Gegenpart in vielen Diskussionen kennengelernt, und einmal einen Artikel auf jenem Blog als Gastbeitrag veröffentlicht. Die „Entlohnung“ dafür, eigentlich mehr ein kleines Freundschaftsgeschenk,  waren 3 Flaschen Berliner Craftbieres, die ich hier nun besprechen will. Im Sinne der Bloggerpartnerschaft gebe ich allerdings die Ehre der Einleitung nun an Alice Wunder weiter.

Brewbaker Craftbeer begegnete mir zum ersten mal bei einem Besuch in der Arminius-Markthalle vor fünf oder sechs Jahren. Dort standen die Braukessel von Brewbaker und es gab vom Faß Berliner Nacht, ein Imperial Stout. Ich hatte beiläufig vom Trend des handwerklichen Brauens gelesen, aber darüber hinaus keine Ahnung, was an einem Stout besonders kaiserlich sein sollte. Aber ich mochte britisches Schwarzbier ab und zu mal gern, beim Irlandurlaub hatte ich gelernt, daß Stout eine schöne Abwechslung sein kann, um die Zeit zwischen Tee und erstem Whiskey zu überbrücken. Das Berliner Imperial Stout aber war für mich ein Erweckungserlebnis, das könnte ich gerne jeden Tag trinken und dafür lebenslang auf Schwarztee und Whiskey verzichten. Bitter, teerig, staubtrocken und dabei samtig, sahnig und sättigend, wie ein Getreidemüsli. Und schnell auf nüchternen Magen weggezischt, macht ein halbes Glas dank 9% Alkohol weiche Knie im Sitzen.
Beim Trinken erhielt ich noch eine kurze Einführung in Bierkultur. Ich war Michael Schwab, einem Braumeister auf Heimatsuche, begegnet. Die eigenen Kessel sind des Brauers Heiligtum, leidenschaftlich schimpfte er auf Großindustrie und verächtlich blickte er auf Kuckucksbrauer herab. Inzwischen weiß ich auch warum: Der Herr über die Brauerei bestimmt die Hefe. Wer als Gast braut, darf Körner und Bitterkräuter mitbringen, soviel er will, aber niemals den heimischen Hefestamm durch fremde Kulturen infizieren. Früher, als jedes Dorf seine Brauerei und jede Brauerei ihren Hefestamm hatte, schmeckte jedes Bier individuell. Die heutigen Großbrauereien, die ihre Kulturen aus zentralen Zuchten beziehen, sind damit Verbreiter der Eintönigkeit. Die Eigenständigkeit aber hat ihren Preis. Die eigene Brauerei, inzwischen ein paar Straßen weiter in eigener Halle, erzeugt keine großen Mengen, aber macht viel Arbeit. Da blieb auch nicht viel Zeit, sich mit geschicktem Marketing auf der anrollenden Craftbeer-Welle zu positionieren.
Brewbaker ist ein wenig ein Geheimtipp geblieben, wenn frische Ware beim Dealer in der Nachbarschaft eintrifft, sind die Kisten schnell leergekauft. Denn ich – und etliche andere Moabiter – halten Brewbaker für eine der besseren Handwerksbrauereien in Deutschland. Die Produkte haben einen unverwechselbaren Charakter, immer sehr herb, sozusagen bierernst, im Gegensatz zu fast schon frivol fruchtigen, amerikanischen Ales. Aber genauso hochwertig und komplex. Ich würde sagen, Brewbaker-Biere schmecken immer sehr deutsch, man kann die meisten Kreationen auch in einem Haushalt mit Kindern offen herumstehen lassen, ohne den Jugendschutz zu vernachlässigen. Die stärkeren Biere schmecken mir besser, denn sie haben ein Fundament, das den Hopfenangriff abfedert. Damit entlarve ich mich als Laie und reiner Genußtrinker, denn überregionales Lob bekam Brewbaker für seine Berliner Weisse, ein beeindruckendes Bier, das aber für mich ganz klar zu sauer und zu schwach ist.

 

Danke, Alice Wunder, sowohl für das Bier als auch die einleitenden Worte. Nun aber zügig ans Eingemachte! Wir haben schließlich was vor heute – Brewbaker Berliner Blut Double Smoked Red Ale, das schon von Alice Wunder angesprochene Berliner Nacht Imperial Stout und das Berliner Art Double IPA wollen verkostet werden!

Brewbaker Berliner Blut, Berliner Nacht und Berliner Art

Wir beginnen die Verkostung mit dem, was mir vom Namen und Bierstil her am meisten Spannung versprach – dem Berliner Blut. Dabei handelt es sich um ein Double Smoked Red Ale mit 9% Alkoholgehalt und üppigen 50 Bittereinheiten. Uns begrüßt nach dem Eingießen ein superfeiner Schaum, der eine lange Ausdauer aufweist. Man sieht die namensgebende schöne rotbraune Farbe, die nach einem Schwall Satz am Ende (ich gehe davon aus, dass es sich um Hefe handelt) fast völlig blickdicht ist, und in der man die leichte Perlage schön erkennen kann.

Spannend geht es in der Nase weiter – ein wilder Mix aus scheinbar nicht zusammenpassenden Aromen von Zitrone, Hefe, Essig und Ketchup wird ergänzt durch einen hintergründigen Rauchanklang.

Brewbaker Berliner Blut Double Smoked Red Ale

Hm, das gefällt schonmal soweit, doch der wahre Woweffekt tritt dann erst beim ersten Schluck auf, da ist eine Überraschung vorprogrammiert. „Sehr rauchig“ fällt mir als erster Eindruck ein, nicht arg viel weniger salzig, speckig, essigsauer, würzig, bitter, trocken. Da gibt es richtig viel zu entdecken, eine Wohltat bei Bier, das sich sonst eher möglichst massengenehm präsentiert. Dazu kommt eine hintergründige Süße, die in Kombination mit den Voreindrücken dafür sorgt, dass das Berliner Blut sehr komplex und vielschichtig wirkt. Vollmundig, cremig im Mundgefühl, und dabei doch sehr rezent.

Im mittellangen Abgang wird es dann noch extrem trocken, rauchig, holzig, würzig. Man merkt, es gefällt mir: Ein superspannendes Bier, endlich mal wieder eins, das mich nach viel mäßig begeisterndem Zeug, das ich in letzter Zeit im Glas hatte, tatsächlich überrascht hat.

Ich hoffe ja, dass Brewbaker auf diesem sehr hohen Startniveau weitermachen kann. Drum gehe ich mit großen Erwartungen zum nächsten Bier über, dem Berliner Nacht, einem Imperial Stout mit 9% Alkoholgehalt.

Auch hier sehe ich zunächst die tolle Schaumentwicklung. Sehr dunkler Schaum, feinporig. Vollkommen blickdicht („nachtschwarz“ steht auf dem Etikett, das passt, genauso wie der Name Berliner Nacht). Leichte, sehr langsame Perlage, man kann die Perlen gemütlich aufsteigen sehen. Süßwürzig ist es vom Geruch her. Sehr fruchtig, nach Ananas und Papaya. Stiltypisch dann natürlich Cappucino, Kakao und Röstmalz. Unterschwellig Süßholz und etwas milder Speck. Ein Hauch von Rauch.

Brewbaker Berliner Nacht Imperial Stout

Im Mund ist der rauchige Geschmack im Antrunk dann deutlicher. Und für ein Imperial Stout kommt eine höchstüberraschende, ausgesprochen starke Zitronensäure dazu, die das Bier sehr rezent und frisch macht, wenn auch vielleicht etwas stiluntypisch ist. Diese extreme Säure überdeckt auch sonst beinahe alles andere, was an Aromatik vorhanden ist, und drückt die eher zu erwarteneden Aromen in den Abgang. Immerhin schafft sie es nicht, das cremige Mundgefühl zu plätten. Jener Abgang ist sehr trocken, bitter (50 IBU sind eine Hausnummer) und immer noch kräftig sauer, doch man erahnt nun wenigstens die Röstaromen. Ein Hauch Kokosfleisch fliegt am Ende noch mit durch die Nacht.

Erneut: Sehr überraschend. Dabei bin ich nicht ganz so enthusiastisch wie beim Vorgänger; diese superpräsente Zitronigkeit wirkt überwältigend und unausgewogen. Schade, dass die sehr komplexe Nase sich nicht ins Bier transportiert.

Aller guten Dinge sind drei, und Brewbaker hat daher auch noch ein Double IPA, wie schon beide anderen Biere auch mit 9% Alkohol eingebraut, im Angebot. Das Berliner Art weist auf dem Etikett die höchst erstaunliche Angabe von 120 IBU auf, das ist schon etwas Angeberei, jeden IBU-Wert, der über 100 ist, sollte man mit einem gewissen Zweifel betrachten.

Brewbaker Berliner Art Double IPA

Noch deutlicher als zuvor ist hier die extreme Schaumentwicklung, nach Ziehen des Kronkorkens quillt es schon über; beim Eingießen ins Glas bestand der erste Schuss rein aus Schaum, mit entsprechender Vorsicht ist dieses Bier zu behandeln. Immerhin: Superüppiger, großblasiger Schaum. Starke Perlage. Farblich dunkles Gold, mit deutlicher Trübung.

Ich rieche ihn in letzter Zeit bei Bier häufig, diesen metallischen Geruch. Hier ist er dominant, begleitet, von Grapefruitschale, Zitrone und Banane. Ein erster Schluck aus dem Glas, in dem die Flasche wegen des Schaums noch nicht komplett eingegossen war: Sehr sauer, extrem sauer eigentlich schon, Limette, Grapefruit. Gießt man den Rest der Flasche, insbesondere den Bodensatz, noch ein, mildert sich das ganze. Das Mundgefühl ist nun cremig und weich, die extreme Säure wird durch einen vollen, süßlichen Körper ersetzt. Die Aromen von Grapefruit und Limette sind noch da, werden aber durch Bananengeschmack und Kümmelnoten aufgefangen. Leicht rauchige Noten. Für manche bitteren Biere wird empfohlen, den Bodensatz nicht einzugießen; bei diesem Bier muss es definitiv sein.

Der Abgang ist sehr lang, sehr trocken, superbitter, stark adstringierend. Der Kümmel kommt stärker vor. Auf dem Etikett steht: „Ein Bier wie Berlin: Es ist großmäulig. Laut. Direkt. Intensiv.“, gefolgt von anderen mehr oder wenig schmeichelhaften Adjektiven, die die Intensität des und der Berliner Art ausdrücken sollen. Es passt irgendwie.

Was halte ich als Fazit für alle drei Biere fest? Das ist verdammt spannendes Zeug. In einer Zeit, in der selbst viele selbsternannte Craft-Biere sich dem Massengeschmack annähern, braucht es so mutige, unkonventionelle und vielleicht auch gewöhnungsbedürftige Produkte wie die von Brewbaker. Dass sie neben dem tollen Geschmackserlebnis noch witzig, aber nicht überdreht aufgemacht sind, und zu guter letzt sogar noch ein Biosiegel tragen, krönt das Ganze. Alice Wunder, ich will mehr davon.

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Camba Oak Aged Holzfassgereifte Biere Set Titel

Die Venus von Chiemgau – Camba Oak Aged Probierpaket

Bei einem meiner letzten Aufenthalte in der bayerischen Landeshauptstadt München wurde ich beim Schlendern in einer engen Straße beinahe von einem Pferdegespann überfahren. Nicht, dass die gerast wären wie die arabischen Vollbluthengste, nein, die eher gemütlich veranlagten Pferde zogen nur einen riesigen Bierkarren hinter sich her und hatten einen entsprechend langen Bremsweg. Man sieht sie in München immer wieder – die Bierkutscher, die Bier von einer Brauerei zu den Biergärten transportieren. Heute nur noch aus folkloristischen Gründen mit Holzverkleidung, vor einiger Zeit wohl wirklich noch in Holzfässern.

bierfuhrwerk-muenchen

Dass Lebensmittel in Holzfässern eine ganz spezielle Eigendynamik entwickeln, unerwünschte Aromen abgeschliffen und neue, erwünschte hinzugefügt werden, ist uns von Whisky, Rum und anderen Spirituosen bestens bekannt. Doch selbstverständlich kann auch Bier, statt nur in Holzfässern transportiert zu werden, auch in speziellen Hölzern gelagert und gereift werden, um genau diese Effekte auszulösen. Dass Holz nicht gleich Holz ist, was die Aromatikänderungen angeht, können wir dank der bayerischen Brauerei Camba Bavaria nun aus erster Hand direkt erfahren – mit dem Camba Oak Aged Probierpaket, das die vier holzgereiften Sorten Heller Bock – Limousin, Doppelbock Bourbon, Milk Stout – Bourbon und Imperial Stout – Cognac enthält.

Camba Oak Aged Holzfassgereifte Biere Set Flaschen

6 bis 9 Monate liegen Biere der Brauerei in Eichenholzfässern unterschiedlichster Herkunft. Beginnen wir mit der Verkostung dieses exklusiven Sets bei der hellsten Sorte – dem Oak Aged Heller Bock – Limousin. Französische Eichenfässer dienen hier also als Veredler für einen Bock mit 8,1% Alkoholgehalt.

Die Limousineiche hat erstmal kaum einen Einfluss auf das optische Erscheinen des Biers. Naturtrüb, feine Perlage, dünne Schaumkrone. Bernsteinfarben. Vorsicht ist geboten beim Öffnen des Kronkorkens – da sprudelt es etwas mehr als gewohnt.

Camba Oak Aged Heller Bock Limousin

Entsprechend schnell verbreitet sich dann auch der Geruch. Süßlich, fruchtig nach Apfel und Ananas, etwas metallisch. Das Gesamtbild erinnert mich etwas an Calvados. Geschmacklich beweist sich dann, dass meine Nase mich nicht täuscht: Sehr fruchtig, ganz stark nach Apfel und Calvados, vielleicht auch Cidre, letzteres hauptsächlich wegen der kräftigen, wilden Säure, die der Bock zeigt, ausgeglichen durch eine hintergründige Süße. Dabei bleibt das Bier ordentlich trocken und bitter, und sehr erfrischend zum Teil dank der kräftigen Kohlensäure. Der Abgang bleibt trocken, lang, und leider eher unangenehme adstringierende Effekte bleiben lang am Gaumen.

Das wirkt in dieser Sauer-bitter-Kombination unruhig und unrund. Die starke Nähe zu Apfelwein zwingt mich fast zu glauben, dass die Vorbelegung des Fasses (auf dem Etikett nur als „Holzfassobstbrand“ der Destillerie Lantenhammer bezeichnet) ein Apfelbrand war.

Steigen wir um und greifen nun zum Doppelbock Bourbon. Vielleicht hat das Ex-Bourbon-Fass einen gemäßigteren Einfluss auf den Doppelbock? Zumindest die Farbgebung ist schonmal extremer, wobei man natürlich nicht weiß, ob der Doppelbock nicht eh schon von sich aus dunkler wäre. Die dunkelbraune Farbe ist in etwa wie die von Altbier. Praktisch keine Schaumbildung erscheint, trotz der feinen und starken Perlage.

Camba Oak Aged Doppelbock Bourbon

Überreife Mandarine, leichter Kompostgeruch. Etwas Malz, ein Hauch Zitrone. Das sind die Eindrücke, die ich durch Schnuppern zu erkennen denke. Erstmal wenig Bourbonhaftes. Ist das im Geschmack anders? Ja, wow, da schmeckt man den Bourbon tatsächlich raus. Die typischen Vanille- und Eichennoten sind sofort beim Antrunk präsent. Leichtes Karamell, trotz der süßen Eindrücke aber eine klare, präsente Säure, die immer stärker wird im Verlauf der Verkostung. Mandarine, rote Trauben, braune Äpfel und anderes, leicht schon überfälliges Obst – das hört sich schlimmer an, als es ist. Schöne Rezenz, die leider durch die aktive Säure dann im Gesamtbild etwas übersteigert wirkt. 10,5% Alkoholgehalt wirken gut eingebunden.

Der Abgang ist mir zu süß und fast schon klebrig; er hinterlässt ein pappiges Gefühl am Gaumen. Schade, dass so ein toller Ansatz so mäßig enden muss. Doch in Kombination mit einem guten Essen, wie dem knusprig gegrillten Entenschenkel, den ich dazu hatte, ist das trotzdem ein Gewinner.

Doch wir halten uns nicht lang damit auf, gehen direkt über zum nächsten Kandidaten, dem Milk Stout – Bourbon. Hier wird spannend sein, ob sich das Bourbonfass auf einen anderen Bierstil anders auswirkt. Klären würde ich aber zunächst gern die Frage nach dem verwendeten Milk Stout – sind das die Reste des Milk Stouts, das vernichtet werden musste? Dass dem reinheitsgebotfanatischen bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit neben der Bezeichnung „Milk Stout“ auch die Zutaten, nämlich Hafer- und Gerstenflocken sowie der Milchzucker, aufstößt, ist von meiner Perspektive aus nur noch als lächerlich zu bezeichnen und zeigt die gesamte Sinnlosigkeit des RHG. Aber halten wir uns nicht damit auf, die Geschichte ist gegessen, sondern kommen zum Bier selbst.

Camba Oak Aged Milk Stout Bourbon

Das Foto sagt schon das meiste bezüglich des Aussehens: Schwarz, blickdicht, höchstfeine Perlage, aber praktisch kein Schaum. Dieser ist, solange vorhanden, crema-farben. Seine Herkunft kann das Bier allein schon aufgrund des Geruchs nicht verleugnen: sehr milchsauer, mit ganz hervorspringender Bourbonnote – Vanille, Eiche und die sonstigen üblichen Verdächtigen, was amerikanischen Whiskey angeht.

Leicht milchig ist auch der Geschmack (obwohl natürlich keine Milch enthalten ist in einem Milk Stout!), dann kratzig-sauer, aber dann – wumms! – Bourbon. Das schmeckt sehr stark nach Vanille und anderen Bourbonaromen. Die süß-sauere Komponente erinnert mich an die Schweizer Limonade Rivella, sehr interessant. Für ein Stout ein recht dünner, dafür aber sehr aromatischer Körper. Röstaromen und dunkles Malz sind selbstverständlich in einem Stout. Die Säure dominiert das Gesamtbild, wird aber durch kräftige Süße ausgeglichen, anders als bei vielen Sauerbieren. 9% Alkohol entdeckt man höchstens durch einen schwummrigen Kopf nach dem Genuss.

Der mittellange Abgang ist sehr würzig, sauer, sehr salzig, etwas Sojasauce. Die Effekte von Milchsäure und Vanille bleiben darüber hinaus noch ausgesprochen lang. Supertrocken im Mundgefühl hat das Milk Stout Bourbon schon etwas Wein-Charakter; definitiv etwas für überzeugte Weintrinker, die mal von einem Bier überrascht werden wollen.

Nach diesem positiven Eindruck hoffen wir auf eine Krönung der Verkostungsreihe beim letzten Bier aus dem Set, dem Imperial Stout – Cognac. Optisch sehen wir zumindest schon beim Eingießen ein sehr typisches Imperial Stout: schwarz, blickdicht, brauner Schaum, praktisch keine sichtbare Perlage.

Camba Oaked Aged Imperial Stout Cognac

Der Geruch ist einfach umwerfend. Starke Kaffee-, Kakao- und Röstmalznoten kennt man ja von einem Imperial Stout, aber in dieser Form ist das noch herrlicher als sonst. Dazu kommt eine attraktive, fruchtige Süße, tatsächlich nach Cognac und Traubenmost. Holunder spielt auch noch mit.

Im Antrunk superweich und süß, dann aber sofort sehr starke Kaffeearomen. Würzig nach Sojasauce, stark geröstetem Malz und schwarzer Schokolade. Die Cognac-Fassreifung zahlt sich in milden Fruchtaromen aus, Rosinen, Feigen und reifer Ananas. Eine milde Säure gleicht die schwache Karbonisierung gut aus. 10% Alkohol sind ohne Mangel eingebunden, in keiner Form schmeck- oder spürbar. Ich trinke es in Zimmertemperatur.

Abgang ist lang und sehr bitter, nochmal ein wuchtiger Schub Kaffee und Maggi, dabei schmeichelnd süß und gleichzeitig würzig. Für mich persönlich das ansprechendste der vier Biere: Hier hat alles genau richtig funktioniert und spielt ineinander in Perfektion. Ein Traumbier, wie man es selten findet.

Camba Oak Aged Holzfassgereifte Biere Set Tragerl

Die Flaschen sind natürlich supersensationell gestaltet. Sie erinnern mich in ihrer femininen, schwungvollen Form an die Venus von Willendorf. Dazu das milchige Glas mit dem dezent aufgetragenen Firmennamen, den Verzicht auf Etiketten (bis auf das kleine, quer angebrachte Rücketikett mit den wichtigsten Infos) und dem netten kleinen Umhänger – rundum gefällt das. Das Kartontragerl des Probierpakets fällt dagegen natürlich etwas ab.

25€ bezahlt man für 4 Viertelliterfläschchen. Da mag es so manchen gehen wie dem Kunden bei Globus, neben dem ich neulich vor dem Craftbierregal stand, und der fast schon wütend ausrief: „Wer gibt denn soviel Geld für Bier aus?!?“ Interessant, dass sich solche Leute nie in die Weinabteilung stellen und ähnlich perplex ob der Preise sind. Wir sind noch lange nicht so weit, dass Bier einen ähnlichen, fast schon mystischen Stellenwert hat, den man nicht mehr hinterfragt, sondern akzeptiert, dass Qualität ihren Preis hat. Aber wenn die Brauereien so weitermachen, und auch weiterhin so spannende Produkte wie die Camba Oak Aged-Reihe herausbringen, dann sind wir auf einem guten Weg, dass auch die breite Masse im Billigbierland Deutschland sich derartige Fragen nicht mehr stellen wird.

Samuel Smith's Imperial Stout Titel

Imperius Rex! Samuel Smith’s Imperial Stout

Alte Rezensionen… man sollte sie nicht mehr lesen, wenn man sich nicht für sich selbst fremdschämen will. Doch wenn man sich verbessern will, muss man in den sauren Apfel beißen und verstehen, warum sich frühe Besprechungen so anders lesen als die neueren. Man sammelt Erfahrung im Verkosten, man verändert seine Sichtweise auf Dinge, man schraubt an seinem Schreibstil – all das ist einfach nötig, denn von Anfang an hat kein Rezensent goldene Eier gelegt.

Ich publiziere hin und wieder hier auf meinem Blog auch ältere Besprechungen aus meiner Amazonzeit. Oft poliere ich sie etwas auf, damit sie zu meinem neuen Stil passen; ich dachte mir aber, dass es auch mal wertvoll sein könnte, eine Rezension als Ausgangspunkt für eine Metadiskussion herzunehmen. Beginnen wir einfach damit, dass ich eine Rezension vorstelle, so wie ich sie damals am 12. Juli 2015 bei Amazon veröffentlichte, einige Zeit, bevor ich den Blog schlimmerdurst.net startete. Natürlich noch ohne Fotos, damals, für das Samuel Smith’s Imperial Stout. Lassen wir den alten Rezensenten, damals noch „Nunc est bibendum“ genannt, sprechen.

Samuel Smith's Imperial Stout Flasche


„Die Zeiten, in denen man in Deutschland außer Pils und Hefeweizen kaum etwas kannte, sind vorbei: IPA und Stout beginnen so langsam, sich einen Weg über die Craft-Beer-Szene auch in die eher konservativen Haushalte und Bars zu bahnen. Bei mir in der Provinz dauert alles immer ein bisschen länger, daher ist dies eines der ersten Imperial Stouts, die ich verkoste.

Pechschwarz fließt die Flüssigkeit ins Glas, eine feinperlige dünne Schaumkrone bildet sich schnell. Von der Konsistenz her erkennbar dickflüssiger als unser typisches deutsches untergäriges Bier, und mit vergleichsweise wenig Kohlensäure ausgestattet, ist es auch herrlich dunkel-aromatisch im Geschmack: Bitterschokolade, Kakao, Kaffee und ein Touch von herben Früchten, dazu ein Hauch Gewürz, Röstnoten und Nüsse. Ich werde dieses Bier bei der nächsten Party als Nachtisch servieren, da braucht man weder Käse noch Süßspeisen, obwohl es ganz sicher auch dazu passt. Trotz der ausgesprochenen Bitterkeit und für ein Bier etwas erhöhten Alkoholgehalts ist Samuel Smith’s Imperial Stout sehr weich und rund im Mund, und dabei nicht so supermalzigsüß, wie man es vielleicht vom irischen Guinness kennt. Der Drittelliter, so interessant und angenehm sich dieses Bier auch trinken lässt, ist dann aber auch genug für einen Abend – mehr muss nicht sein. Auch als Durstlöscher taugt es nur sehr bedingt.

Die Aufmachung ist sehr schick, ungewöhnlich und mit einem beeindruckenden Etikett versehen. Da dieses Stout beim Mixology-Test auch auf einem respektablen 8. Platz mit wohlwollenden Kommentaren gelandet ist, sollte man selbst auch mal einen Schluck davon riskieren. Und ich werde weiterhin noch das eine oder andere Stout probieren, das steht fest.“


Samuel Smith's Imperial Stout Glas

Grundsätzlich finde ich diese Review auch heute noch nicht schlecht, wenn auch etwas fortgeschritten amateurhaft – es fehlt mir die Angabe des tatsächlichen Alkoholgehalts (7%), der Malzsorten und eine Geruchsverkostung. Was mir stilistisch rückblickend auffällt, ist, dass die Rezension einfach so ins Blaue startet, mit einer nur kurzen Hinführung. Durch diese kurze Hinführung wird aber schon deutlich, dass ich damals mehr im Sinn hatte, als einfach nur Geschmacksnotizen oder Kaufhinweise zu geben – ich will den Leser auf eine Lesereise mitnehmen. Spannungsbogen, Story Telling und Einbettung in ein interessantes Rahmenthema: Das war mir damals noch alles fremd. Was mir schon immer lag, war ein Bonmot für den Titel der Rezension zu finden; die Verbindung eines Imperial Stouts mit der kaiserlichen Meerescomicfigur The Submariner, dessen Wahlspruch „Imperius Rex!“ auch von der Wortwahl her passt, schien mir ein kleiner, nerdiger Hinweis auf meine Comicbegeisterung zu sein.

Darüber hinaus muss man aber festhalten, dass es nicht allein an mir lag. Amazon ist ein denkbar schlechtes Portal für schön gestaltete Reviews – ein schlecht implementierter Editor, man kann Fotos nur an den Artikel hängen, nicht an eine bestimmte Stelle einbetten, Hyperlinks sind kaum möglich, man kann keine typografischen Änderungen wie Kursiv- oder Fettschreibung vornehmen, und man muss aufpassen, welche Worte man verwendet, um nicht im automatischen Content-Filter hängen zu bleiben. Die teilweise tagelange Wartezeit, bis die Besprechung veröffentlicht oder nach Änderungen geupdatet wurde, ist ein Ärgernis. Mir missfiel auch immer schon, dass man eine Sternebewertung abgeben muss (ich bezweifle bis heute deren Sinnhaftigkeit), und die Zuordnung von Rezensionen zu Produkten ist bei der grauenhaften Qualität des Amazon-Produktkatalogs, der vor Dubletten und Doppeltzuordnungen nur so strotzt, nur eine gewisse Weile gewährleistet. Von der anonymen Abklickerei mit dem unsäglichen „Nicht-Hilfreich“-Button will ich gar nicht erst anfangen (diese Rezension ist bis heute glücklicherweise davon verschont geblieben).

Samuel Smith's Imperial Stout Amazonrezension

Warum hatte ich bei Amazon rezensiert? Erstens ist Amazon eine natürliche erste Anlaufstelle für dahingehend Interessierte, und auch eine, an der man schnell ohne viel Aufwand Artikel veröffentlichen kann. Der enorm große Rezipientenkreis hat auch seinen Reiz. Doch dieses Makeup verblasst schnell, wenn man beginnt, semiprofessionell zu arbeiten. Dann ist der eigene Blog die einzig richtige Wahl, auch wenn der Beginn nicht stolpersteinfrei ist.

In meiner ursprünglichen Rezension hatte ich auch noch kein Cocktailrezept für das Samuel Smith’s Imperial Stout angegeben. Die Idee, zu jedem Bier eine Mixempfehlung anzugeben, kam mir erst später, als ich das Potenzial von Bier dafür erkannte. Bis heute ist dies allerdings ein Nischenthema in der Mixologie; ich bin dennoch sehr stolz darauf, dass man auf meiner Seite inzwischen eine erkleckliche Anzahl von Biercocktails für jede Art von Bierstil passend abrufen kann. Nun reiche ich auch ein Rezept für das damals besprochene Bier nach – The Outlaw Czar soll mit seinem Namen wahrscheinlich an die russische Verbindung eines Imperial Stouts hinweisen, denn diese Art Bier wurde als Hofbier des russischen Zarenhofs seit Katharina der Großen berühmt. The Outlaw Czar hat aber auch so etwas Royales an sich. Und er ist mit Sicherheit einer der besten Biercocktails, die ich bisher genießen durfte. Ausprobieren ist Pflicht!

The Outlaw Czar


The Outlaw Czar
2 oz Rye Whiskey (z.B. 1776 Straight Rye Whiskey)
¾ oz Orangenlikör (z.B. Grand Marnier Cordon Jaune)
3 Spritzer Angostura
Auf Eis shaken, dann aufgießen mit…

6 oz Imperial Stout (z.B. Samuel Smith’s Imperial Stout)
[Rezept adaptiert nach Rock & Rye]


Soweit also mein etwas rosig gefärbter Rückblick auf das wie und warum meines Blogs. Ich hoffe, ich habe mich seit dieser Zeit verbessert; verändert habe ich mich auf jeden Fall, auch persönlich, durch das Schreiben. Allein durch das Verfassen von Rezensionen setzt man sich viel intensiver mit einem Produkt oder Gedanken auseinander, man muss Disziplin und Konsequenz lernen, seine Gedanken ordnen und in Form bringen. Das bringt einem auch im Privat- und Berufsleben etwas, wie ich glücklicherweise erfahren durfte. Außerdem ist dieser Blog ein sehr praktischer Tagebuchersatz für mich geworden, über den ich Gedanken niederschreiben kann und der manchmal auch als Ventil dient.

Ich weiß, dass hin und wieder auch Bloggerkollegen hier mitlesen; wie seht Ihr das? Ging es Euch ähnlich? Was sind Eure Anfänge und Gründe? Traut Ihr Euch, Eure alten Rezensionen nochmal auszupacken und zu analysieren? Gern würde ich von Euch hören, wie auch von den reinen Lesern, die meinen Blog schon seit längerer Zeit verfolgen.

Propeller Aufwind Double IPA Titel

Wir haben Clearance, Clarence – Propeller Aufwind und Nachtflug

Ich stelle in letzter Zeit, bei der Unterhaltung mit jüngeren Bekannten, fest, dass ich zum alten Eisen gehöre. Da macht man in einem Gespräch ein Rocky-Zitat, und es stellt sich heraus, dass derjenige keinen Rocky-Film gesehen hat (ich habe jeden Film der Reihe bestimmt 20 mal geschaut). Da erwähnt man, dass man auf der Suche nach einem Programmfehler „die Wüste durchkämmen“ muss, und erntet nur fragende Blicke – Spaceballs, ein definierender Film meiner Jugend, ist heute scheinbar unbekannt. Und wenn man dann noch kommt mit „Roger, Roger“, „Was ist unser Vektor, Victor?“  und „Wir haben Clearance, Clarence“, steht man endgültig als rückwärtsgewandter Nerdopa da, der schon wirr redet und den man vorsichtig und wohlwollend behandeln muss, wie einen Nervenklinik-Insassen.

Beim westfälischen Hersteller Propeller denke ich, wenn man die Namen der Marke, der Biere und den allgemeinen Sprachgebrauch betrachtet, direkt an diesen Filmausschnitt aus „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“. Flugzeugkatastrophenfilme gibt es ja zuhauf, oft enden sie im Absturz oder Fastabsturz der Maschine. Wie sieht es mit den Bieren dieses Herstellers aus? Top-Gun-Fliegerass oder Bruchpilot? Eher „Flug der Phönix“ oder mehr „Con Air“? Zwei unterschiedliche Sorten habe ich mir zum Verkosten aus dem Sortiment von Propeller ausgesucht.

Beginnen wir mit ein bisschen Luft unter den Flügeln: Das Aufwind Double India Pale (ohne „Ale“) soll ja laut Etikett „ein belebender Impuls“ sein. Farblich hebt das Bier auf jedenfall schonmal elegant ab.  Schönes Gold, leuchtend, kristallklar. Dünner, feiner Schaum. Auch die Kabinenluft stimmt – sehr IPA-typischer Geruch nach Hopfenfrucht. Ananas kommt dabei sehr stark durch, etwas Orange, ein kleiner Schubs Banane.

Propeller Aufwind Double IPA Flasche

Zunächst ist das Aufwind im initialen Mundgefühl weich und cremig, leicht süßlich. Dann gerät es etwas in Turbulenzen und kippt um zu kantig. Die Bittere ist aggressiv, ohne allerdings durch einen Körper aufgefangen zu werden – so ein Fallschirm rettet so manches unrunde Bier, hier bleibt er zu. Kaum etwas vom Fruchtaroma, das man gerochen hat, ist auch erschmeckbar; Hefe dagegen schon. Die Landung im Abgang ist dann trocken und kurz. Ein bisschen durchgerüttelt wird man durch den unangenehm süßen Nachhall.

Insgesamt empfinde ich das Propeller Aufwind Double India Pale als das genaue Gegenteil dessen, als was es auf dem Rücketikett angepriesen wird; „dicht und harmonisch“, „feine Restsüße“, „klingt ausufernd lang nach“ – persönlich empfinde ich es als flach und unrund, unangenehm süß im Abgang, der auch nur kurz ist. Druckfehler wie „aromartisch“ dürfen generell passieren, aber eigentlich nicht auf einem Etikett, das nur wenige Wörter überhaupt enthält; so ist es eigentlich eine Beleidigung für Kunden.

Propeller Aufwind Double IPA Glas

Mit 6,5% liegen wir im sortentypischen Rahmen, und mit 2,50€ pro 330ml sind wir bereits klar im gehobenen Preissegment. Dennoch fällt es für mich persönlich in der Vergleichsgruppe deutlich ab: Ein eckiges, sich unrund anfühlendes Bier ohne echten Charme. Es gibt heutzutage eine Flut an viel besseren IPAs aus Deutschland; da muss man nicht wirklich zum Propeller Aufwind greifen, wenn man Lust auf ein Bier dieses Stils hat.

Das war ja nun eher ein Rumpelflug. Vielleicht sollte man sich eher auf eine andere Flugzeit verlegen, zum Beispiel auf die späten Abendstunden? Das Nachtflug Imperial Stout bietet sich dafür an. Ist es wirklich eine „tiefdunkle Verführung“?

Nachtschwarz ist die Farbe schonmal, dazu völlig blickdicht wie eine Wolkendecke. Ein Hauch von hellbrauner Crema krönt das Bier. Der Geruch ist erwartungsgemäß malzig, nach Kakao und Kaffee, leicht metallisch, etwas rauchig. Ein Anklang von Orange frischt das eher dunkle Aroma auf.

Propeller Nachtflug Imperial Stout Flasche

Das Nachtflug ist voll und dicht im Mundgefühl. Wie man gerochen hat, schmeckt man auch den Kaffee und das Malz, und auch den leicht fruchtigen Unterton. Angenehm frisch und rezent. Insgesamt aber dennoch eher enttäuschend, was die Vielschichtigkeit und Komplexität angeht; ich vermisse wirklich dramatische Röstaromen. Auch die Bittere während der Zeit im Mund fehlt mir doch etwas. Positiv formuliert: Wer ein Imperial Stout probieren will, das einem nicht den Steuerknüppel des Flugzeugs aus den Händen reißt und überall im Cockpit rote Lämpchen aufblinken lässt, kann sich mit dem Nachtflug Imperial Stout während der Autopilot-Phase leicht und ohne Nachwirkungen vergnügen.

Propeller Nachtflug Imperial Stout Glas

Auch im Abgang bleibt das Nachtflug unkompliziert, er ist kurz und leicht süßlich. Kaffeenoten bleiben noch einige Sekunden am Gaumen, dann sind die interessanten Aromen weg. Eine kräftige Bittere (jetzt ist sie dann doch da!) konkurriert schließlich noch längere Zeit mit der etwas pappigen Süße um das Recht, die Landeklappen auszufahren; das ist wohl das, was das Etikett mit „sehr langer Nachtrunk“ meint.

Eines der einfacheren Imperial Stouts, die ich kenne. Gerade der sehr kurze Abgang macht aus diesem Bier ein Stout für Zwischendurch oder als Begleiter zum Essen. Die enthaltenen 9,1% sind aber mit Vorsicht zu genießen; auch das Nachtflug ist wie das Aufwind kein Billigflieger, mit 2,50€ für einen kurzen 330ml-Flug.

Auch beim Nachtflug überschlägt sich das Etikett mit Geschmacksankündigungen, die das Bier nicht wirklich einhalten kann – passend zum gesamten Sprachgebrauch der Firma, nachzulesen auf deren Homepage, der schon sehr narzisstisch und herablassend gegenüber Microbrews daherkommt. Ein bisschen mehr bescheidenere Zurückhaltung und/oder Humor hätte dazu geführt, dass ich etwas wohlwollender verkostet hätte – wer aber mit soviel protzigem Eigenlob schon daherkommt wie diese zwei Biere, muss sich nicht wundern, wenn dann ausbleibende Leistung entsprechend strenger bewertet wird.

Mit dem Nachtflug Imperial Stout habe ich mir einen selbst für Profis ungewöhnlich komplexen Cocktail zusammengerührt. Einige Spezialzutaten und eine besondere Mischtechnik, das „Throwing“, bei dem man statt durch Schütteln oder Rühren durch elegantes Hin- und Hergießen die Zutaten miteinander vermengt, machen aus dem Rum-Kinator Flip nicht nur einen leckeren und gehaltvollen, sondern auch einen unterhaltsam herzustellenden Cocktail für Süßmäuler.

Rum-Kinator Flip


Rum-Kinator Flip
1½ oz Dunkler Rum (z.B. Zacapa 23)
½ oz Allspice Dram (z.B. The Bitter Truth Pimento Dram)
1 oz Sahne
1 ganzes Ei
2 Teelöffel Pumpkin Butter (alternativ Babynahrung)
1 Teelöffel Calciumlaktat
…alle diese Zutaten in einem Glas gut verrühren, dann…
3 oz Imperial Stout (z.B. Nachtflug Imperial Stout)
…leicht anwärmen und durch „Tossing/Throwing“ mit den anderen Zutaten vermengen.
Mit frisch geriebener Muskatnuss bestäubt servieren.

[Rezept nach Leslie Ross]


Eigentlich verlangt dieses Rezept nach Pumpkin Butter, eine Art Kürbiskonfitüre. In den USA und Großbritannien ist es scheinbar leicht, so etwas im Supermarkt zu bekommen; wer möglichst authentisch sein will, stellt es sich selbst her. Ich habe mir als Alternative ein kleines Glas Babynahrung mit Kürbispürree hergenommen und davon zwei Löffel ins Glas getan.

Calciumlaktat ist noch so eine Sonderzutat. Meist wird sie in der Molekularküche und -mixologie verwendet, um in Zusammenspiel mit Alginsäure Pseudokaviarkügelchen (bekannt aus den Eistees, die vor einiger Zeit so beliebt waren) oder größere Getränkesphären herzustellen. In diesem Cocktail dient das Calciumlaktat aber nur dazu, dem Drink eine gewisse, sehr milde und unterschwellige Säure zu verleihen, die sich etwas von Zitrone oder Limette unterscheidet. Spannend ist es allemal!

Letztlich zeigen mir diese zwei Biere, dass es nicht damit getan ist, wenn man als traditioneller Bierbrauer einfach mal einen alternativen Sud für Bierstile, die man nicht so richtig kennt, anlegt und diesen abfüllt. Es gehört halt doch etwas mehr dazu; ich persönlich würde mir von Propeller jedenfalls wünschen, dass sie nach diesen ersten etwas tapsigen Schritten in die neue Bierwelt in Zukunft weniger forsch reden und stattdessen rundere, ausgefeiltere Biere herstellen als das Nachtflug und das Aufwind.

The Beer of the Tiger – Crew Republic Roundhouse Kick Imperial Stout

Welcome, Ladiiiiiiiiiieeeees and Geeeentlemeeeeeeen! In der linken Ecke, mit einem leichten Kampfübergewicht, aber unendlicher Motivation, der Titelverteidiger, der Bezwinger vieler Spirituosen, sowohl im amerikanisch-mexikanischen, wie auch dem schottisch-italienischen Stil: schlimmerdurst!

In der rechten Ecke der Herausforderer! Gut gekühlt, frisch geöffnet, und mit einigen Vorschusslorbeeren aus der Fachpresse versehen: Das Crew Republic Roundhouse Kick Imperial Stout, aus München, von dem selbst Chuck Norris noch was lernen kann! Wie wird dieser ungleiche Kampf ausgehen? Ring frei!

056019-black-paint-splatter-icon-food-beverage-drink-bottle1Runde 1! Die Kämpfer checken erstmal vorsichtig Farbe und Geruch ab! Das Roundhouse Kick ist schwarz wie Chuck Norris‘ Karategürtel, blickdicht, und weist einen leichten Schaum auf, wie ihn die Loser, die früher vom Titelträger schon Prügel bezogen haben, vor dem Mund hatten. Selbst in einer verschwitzten Trainingshalle schafft es der Geruch gegen jeden Aromagegner: sehr hopfig, Amateurboxer hätten es allein vom Geruch für ein IPA gehalten, und entsprechend sind fruchtige, zitronige Aromen im Vordergrund.

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056019-black-paint-splatter-icon-food-beverage-drink-bottle1Runde 2! Der erste brutale Geschmackskontakt! Nur zurückhaltend, kein guter Kämpfer protzt mit seinen Fähigkeiten, schlägt das Roundhouse Kick mit Röstmalz und Kaffee zu, den wahrscheinlich zwei bekanntesten Geschmacksrichtungen bei Imperial Stouts; vordergründig sind eher die Jabs mit der gerochenen Zitrone, vielleicht Grapefruit, beides natürlich dem Hopfen in den Handschuhen geschuldet. Sehr erfrischend für die anstehende Kampfpause, während der Trainer motivierend auf beide Kombattanten einquasselt.

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056019-black-paint-splatter-icon-food-beverage-drink-bottle1Runde 3! Ein Raunen geht durch die Menge! War das ein Tiefschlag? Ein schnelles K.O. in der dritten Runde, der Titelverteidiger geht zu Boden! Leicht und unbeschwert, wie Karate Kid beim Autopolieren, tänzelt der Sieger durch den Ring. Ansprechend, fein und gelungen, mit einer sehr guten Note im Ausdruck, selbst vom russischen Ringrichter, für ein etwas ungewohntes, überraschend wenig süßes Imperial Stout.

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056019-black-paint-splatter-icon-food-beverage-drink-bottle1Nach dem Kampf! Die Kampfanalyse. Verwendete Hopfensorten: Columbus, Tradition. Verwendetes Malz: Pilsener Malz, Chocolate Malt, Karamellmalz, Röstmalz. Kampfgewicht 71 IBU mit 9.2% in 330ml.

Kein Wunder, dass der Kampf so schnell vorbei war. Das Roundhouse Kick hat mich hinterrücks mit hinterlistigen Kampftaktiken und ungewohnten Aromen für ein Stout überrumpelt, und mit seinen kaum schmeckbaren 9.2% ausgeknockt, ohne dass ich den Schlag habe kommen sehen. Doch sei gewarnt: Es gibt noch einen Rückkampf, und da werde ich mir meinen Titel zurückholen!

Das dichtet jeden Magen ab – Hornbeer Caribbean Rumstout

Ich trinke ganz gern Rum. Ich trinke auch ganz gern Bier. Wenn nun ein Produkt daherkommt, das von sich behauptet, ein Rumstout zu sein, und so das beste aus beiden Welten miteinander zu vermählen, werde ich aufmerksam. Ich kann mir das gut vorstellen – bei Biercocktails funktioniert die Heirat von Gerstensaft mit hochgeistiger Spirituose oft sehr gut; warum sollte nicht ein Tröpfchen Rum in einem Bier dem Gemisch einen, je nach verwendeter Rumsorte, rauchigen, süßen oder aromatischen Twist geben können? Das Hornbeer Caribbean Rumstout verspricht auf jeden Fall eine neue Erfahrung für den Stout-gewohnten Trinker.

hornbeer-caribbeanrumstout-flascheViele Biere machen ein helles „gluckgluckgluck“ beim Einschenken. Dieses Imperial Stout macht dagegen „plockplockplock“, es sieht aus und fühlt sich an, als ob Teer bröckchenweise ins Glas schlabbert. Unglaublich dick, fest und pechschwarz. Ein Geruch nach Honig verbreitet sich, und die für Stouts üblichen Aromen nach Malz und Röstung.

Ich traue mich, von der schwarzen Brühe einen ersten Schluck zu nehmen. Ein starksüßer Ansatz beginnt, dann aber kommt schnell eine salzige, rauchige Komponente dazu; vollcremig und dicht kalfatert das Bier die Mundplanken aus.

hornbeer-caribbeanrumstout-glasSelbst für die Verhältnisse eines Imperial Stouts ist das Rumstout des dänischen Herstellers Hornbeer ultramalzig. Man erkennt zusätzlich die Würzigkeit der Fasseiche, mit der das Bier gereift wurde – den Rum, der dem Bier seinen Namen gibt, schmecke ich allerdings nicht wirklich heraus. Wahrscheinlich ist er nur ein kleiner Baustein in der Gesamtaromatik. Mit 85 IBU, einem exorbitanten Wert, der nur dank des Malzes erträglich ist, ist das Bier auch entsprechend bitter-hopfig, und weist einen trotz der süßen Malzigkeit recht trockenen Abgang auf.

Bei einem dermaßen strengen Bier wundere ich mich etwas, dass sowas in einer Halbliterflasche verkauft wird. Das ist eigentlich viel zu viel für eine Biersitzung für eine Person, und mit 10% Alkoholgehalt auch etwas, das man in einer solchen Menge nicht am Stück trinken sollte; ich präferiere bei Spezialitätenbieren eigentlich den Drittelliter, daher habe ich mir nur die Hälfte eingegossen und den Rest am nächsten Tag konsumiert (positiv: gut wiederverschlossen hält sich die Qualität mindestens bis zum nächsten Tag). Und wenn wir schon am Meckern sind, stört mich etwas, dass Zucker als Zutat zugesetzt wird. Immerhin wird der Zucker auf dem Etikett ausgezeichnet, doch die Frage stellt sich, warum das sein muss in einem Bier.

hornbeer-caribbeanrumstout-etikettDas Caribbean Rumstout sprang mir schon in der Auslage eines Spezialitätengeschäfts ins Auge, hauptsächlich wegen der hübschen Etikettenillustration des dicken, zahnlosen, holzbeinigen, hakenhandigen Klischeepiraten, der mit der Laterne das Rumfass entdeckt, während sein Schiff im Hintergrund untergeht. Alle Produkte des Herstellers sind mit ähnlichen, charmanten, verrückten Bildern ausgestattet und sorgen für einen Anreiz, sich auch die anderen Biere von Hornbeer anzuschauen (besonders die Black Magic Woman hat es mir angetan). Was ich natürlich tun werde, sobald ich den Stout-Teerklumpen in meinem Magen verdaut habe.

Lovely day for a Guinness – Guinness Draught

Dass man inzwischen auch Draught, also eigentlich gezapftes Fassbier, in einer Dose kaufen kann, ist widersinnig. Dennoch traut sich Guinness, mit all seiner Erfahrung als weltgrößter irischer Bierhersteller, dieses Fass aufzumachen.

guinnessdoseGeschmacklich ist schnell beschrieben, was das Guinness Draught so liefern kann: Schwarze Farbe mit crèmefarbenem, sich schnell abbauendem Schaum, ganz schwaches Röstaroma, etwas Kaffeegeschmack, sehr malzig-süß. Fließt angenehm die Kehle runter, der Erfrischungsfaktor ist zwar gegeben, aber für mich bei weitem nicht so hoch wie bei einem untergärigen Pils.

Natürlich musste ich die Dose nach dem Einschenken mit einem Dosenöffner aufmachen, um mir anzuschauen, was da so drin rumklappert. Eine Plastikkugel, ca. halb so groß wie ein Tischtennisball, das sogenannte Widget. Auf der Seite der Dose ist beschrieben, dass es sich hierbei um eine Stickstoffkartusche handelt, die beim Öffnen der Dose nochmal das ganze so richtig schön aufschäumen soll, um das Pub-Erlebnis sicherzustellen.

guinness-widgetTatsächlich ist das wohl auch der Grund dafür, dass nur 440ml in der Dose enthalten sind – die Kugel plus etwas Sicherheitsraum fürs Schäumen, damit nicht alles aus der Dose rausquillt. Ich habe den Eindruck, es funktioniert: Eine wirklich fette Schaumschicht krönt das Bier nach dem Einschenken, und im Glas sieht man die enorme Menge an Kleinstbläschen, die dieses Bier auszeichnen, aufsteigen.

guinnessschaumSehr hübsch designt, in edlem Schwarz, mit einer hübschen goldenen Harfe und einem Schriftzug – das macht was her. Für unter 1,50EUR plus 25ct Pfand pro Dose in einem großen saarländischen Kaufhaus erstanden, wird das bestimmt nicht das letzte Guinness Draught sein, auch wenn es im Vergleich zum Guinness Extra Stout, und ganz besonders zu Imperial Stouts, eigentlich eine dünne, lasche, mir zu süße Brühe ist.

guinnessherrengedeckAber als Teil eines irischen Herrengedecks mit einem guten Dram Bushmills Black Bush – da kann der Abend kommen!

My goodness! Guinness Extra Stout

Das Extra Stout des wohl bekanntesten irischen Herstellers von Bier ist dunkel espressofarben, mit nur minimaler Transparenz, und einer sich schnell abbauenden Schaumkrone – allein direkt am Glas verbleibt ein crème-farbener Rand. Geruchlich vergleichsweise unauffällig, etwas Kaffee, leicht biertypisch-metallisch. Mit zunehmender Temperatur erkennt man dann die geröstete Gerste.

extra-stoutNicht nur schnuppern, sondern trinken! Röstaromen, Kaffeepulver, süß auf der Zunge und recht hopfig-bitter im Abgang am Gaumen, ein speckig-grillgutähnlicher Touch schleicht sich ein. Im Vergleich zu Imperial Stouts ist das Guinness Extra Stout aber einen Tick körperloser und schwächer. Der Nachklang ist dann nur noch bitter, ohne die anderen Aromen.

Ein einfaches, ehrliches Bier, daraus machen wir einen einfachen, ehrlichen Cocktail! Und noch einfacher als ein Black Velvet geht es nicht.

Black Velvet


Black Velvet
½ Glas Stout (z.B. Guinness Extra Stout)
½ Glas Champagner oder Prosecco, je nach Vorliebe


Ein gut trinkbares, aber für mich zu langweiliges Stout, in einer gewöhnlichen Bierflasche abgefüllt. Massenware für den alltäglichen Genuss ohne Anspruch – es kann wegen der Bitterkeit aber gut zu deftigem und würzigem Essen getrunken werden (mein thailändisches rotes Curry wurde gut ergänzt durch das Guinness), und funktioniert auch sehr zufriedenstellend als Durstlöscher, ohne allzusehr zu Kopf zu steigen; mit 4,1% auch schwer möglich. Für um die 1,50€ pro 0,33l-Fläschchen legt man auch nicht allzuviel auf den Tisch – kriegt halt auch nur ein entsprechendes Gegenangebot.

Dunkle Farbe, helle Seele – Sierra Nevada Stout

Selbst, wenn man das Sierra Nevada Stout gegen das helle Sonnenlich hält: Kein Strahl schafft es durch die pechschwarze Flüssigkeit. Nur Reflexe am Boden des Glases deuten an, dass dieses Stout eigentlich „nur“ dunkelbraun ist. Eine cremige Schaumkrone bildet ein spannendes Kontrastprogramm dazu.

sierra-nevada-stoutKurz geschnuppert, und schon erkannt: Der typisch malzig-metallische Geruch eines Stouts, ganz leicht eine mulchig-würzige Komponente, Pferdestall könnte man sagen. Feinperlig blubbert es nur dezent vor sich hin, wenn man das Glas schwenkt. Im Mund gibt es dann eine dichte Schwade von Röstaromen, malzig-süß, aber auch eine klar schmeckbare deftige Hopfennote, die für die angenehme Bitterkeit im Rachen und im Nachgang sorgt und sich schön gegen die Süße des Malz durchsetzt. Gut gekühlt ist dieses Stout auch ein wunderbarer Durstlöscher, und passt zu deftigem Essen. Fein, aber nicht aufdringlich, und mit 5,8 Volumenprozent auch nicht übermäßig stark.

sierra-nevada-stout-2Die Flasche ist etwas gedrungen, aber nicht zu „fancy“ für ein Bier, mit einem schön gestalteten Etikett, das wohl die Lagerhäuser der Firma, hübsch umrahmt von Gersten- und Hopfendolden. Auf dem Kronkorken steht, dass man einen Flaschenöffner benutzen soll – drehverschlussverwöhnten Amerikanern erspart das vielleicht ein paar Handflächenwunden.

Und da sage noch einer, die Amis könnten kein Bier brauen! Dieser kalifornische Hersteller gehört inzwischen zu meinen Lieblingsbierbrauern, hochqualitative Produkte, naturnah hergestellt.