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Armagnac Saint-Vivant Titel

Dem Geist wirds eng in der kleinen Flasche – Armagnac Saint-Vivant

Wir sind es heutzutage gewohnt, unsere Spirituosen in genormten Flaschengrößen erwerben zu können. Das üblichste, dem wir normalerweise begegnen, ist die 700ml-Flasche (in den USA sind dagegen beispielsweise 750ml der Standard, God save America!), die es in allerlei Formen und Farben gibt. Moderne Craftspirituosen ziehen sich, um dem verkaufsschädigenden hohen Literpreis zu entkommen, oft auf die Halblitergröße zurück. In die andere Richtung geht es mit vielen Champagnern – da ist die Magnumflasche besonders bei Feiern beliebt, man kann ja so schön damit protzen. Hin und wieder findet man noch die 1-Liter-Größe, besonders bei Barbedarf. Die 375ml-Flasche ist wiederum meines Erachtens bei verderblicher Ware wie Sherry, Wermut oder Port zu bevorzugen.

Ganz besonders entgegenkommend finde ich persönlich aber die 200ml-Verkaufseinheit, da bekommt man für vergleichsweise kleinen Preis eine Menge, die sich für erste Verkostungsversuche schon respektabel schlägt. Besser jedenfalls, als die 50ml-Miniaturen, wo man nach zwei Schlucken schon ein leeres Glas vor sich hat. In französischen Supermärkten bietet Comptoir des Flasks diverse Produkte in dieser 200ml-Größe als kleine, flache Hosentaschenflaschen an. Ich konnte natürlich nicht an diesen kleinen Fläschchen vorbeilaufen und habe mir eine Flasche des Armagnac Saint-Vivant in den Warenkorb gelegt. Meine Erwartung war nicht extrem hoch, wie bei allen Spirituosenprodukten, die so ostentativ an Kassen ausgelegt werden (in Deutschland kennt man das ja auch), aber manchmal wird man auch überrascht. Ist das hier der Fall?

Armagnac Saint-Vivant Flasche

Zur Optik – ein toller, kräftiger Orangenton mit goldenen Reflexen. Farbstoffe sind beim Armagnac wie bei seinem bekannteren Bruder Cognac erlaubt, und in der Regel gilt ja: Was erlaubt ist, wird gemacht, und wenn doch nicht, wird es extra betont. Daher gehe ich von Färbung aus, insbesondere, weil wir hier ja eher ein Mengenprodukt vor uns (Saint-Vivant ist der zweitgrößte Armagnac-Hersteller) haben. Dünnflüssig ist er, nur leicht viskos.

Der Armagnac Saint-Vivant riecht zunächst leicht, fruchtig, hell. Danach kommt aber schnell eine gewisse, leicht stechende Ethanolnote, die tiefere Aromen überdeckt. Weinbrandübliche Gerüche, nach Rosinen und Pflaumen, dazu etwas Vanille. Gar nicht unangenehm, aber auch nicht wirklich überwältigend.

Im Mund liegt der Traubenbrand zunächst ähnlich unaufgeregt und zwar schön weich, aber auch etwas flach und schal wirkend. Nach kurzer Zeit kommt das Highlight der Verkostung – ein wirklich schöner, zarter, blumiger Veilchen- und Rosengeschmack, der allerdings schnell wieder verklingt und einer generischen, dann auch schon recht wässrigen Weinbrandsensorik Platz macht. Ich kenne Spirituosen mit 40% Alkohol, die da mehr Spannung abliefern.

Armagnac Saint-Vivant Glas

Der Abgang ist kurz, süß und nur wenig trocken. Hier entsteht nun etwas Ingwerwürze, die Aromatik lebt nochmal kurz fruchtig auf mit Pflaumen, Orangen und Trauben, und dann verhallt der Saint-Vivant mit einer milden Wärme, einer milden Vanillenote und leichter Anästhesierung auf der Zungenspitze.

Tatsächlich mag mich dieser Armagnac als Purgenuss nur mäßig überzeugen; ich kann mir aber gut vorstellen, dass er hauptsächlich als kleiner Schuss in einem Kaffee gute Dienste leisten kann. Entsprechend biete ich hier eine Luxus-Variante eines Kaffees-mit-Schuss an: The Beccaccino kombiniert die paar Vorteile des Saint-Vivant noch mit süßer Likörgewalt. Wer will, kann sich diesen Cocktail natürlich auch warm zubereiten, um die langweilige Stunde zwischen 2 und 3 am Sonntagmittag etwas erträglicher zu gestalten.

The Beccaccino


The Beccaccino
1 oz Brandy (z.B. Armagnac Saint-Vivant)
½ oz Bénédictine
½ oz Amaretto
½ oz Whisky-Likör (z.B. Boxing Hares Spirit Drink)
2½ oz Abgekühlter, starker Kaffee
Auf Eis shaken.
[Rezept adaptiert nach Murray Stenson]


Bei dieser Ausprägung des Armagnac Saint-Vivant haben wir einen Blend ohne Altersangabe aus Ernten des Bas-Armagnac und Ténarèze vor uns. Derselbe Hersteller produziert aber auch Armagnac in den üblichen Alterskategorien VS, VSOP und XO – ich glaube, man müsste sich mindestens den VSOP holen, um in Bereiche zu kommen, die für Genießer interessant werden. In der kleinen Flasche jedenfalls findet man einen netten Drink für Zwischendurch oder für den „Notfall“, den man kostengünstig in kleiner Menge erwerben kann; mehr als eine Kochzutat ist er in dieser Form aber leider kaum.

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Metaxa Grande Fine Titel

Sterne über Griechenland, Teil 5 – Metaxa Grande Fine

Das Auge isst mit – ein alter Spruch aus der Küche. Wir kennen das alle, dass ein hübsch angerichtetes Essen schon vor dem ersten Bissen dafür sorgt, dass man Lust bekommt und einem die Wässer im Munde zusammenlaufen. Doch das funktioniert nicht nur für Speisen, nein, auch Spirituosen profitieren von einer edlen Präsentation enorm. Dabei gibt es grundsätzlich zwei Ansätze, wenn man das Produkt aufwerten will. Einerseits kann man mit einem protzigen Dekanter aus geschliffenem Glas die Spirituose selbst erstrahlen lassen; andererseits kann man eine stimmige, unerwartete Atmosphäre entstehen lassen, die nicht primär mit dem Schnaps etwas zu tun hat, sondern mit dessen Entstehung oder Umgebung.

Beim Metaxa Grande Fine hat man sich für letzteres entschieden. Eine folkloristisch angehauchte Stimmung soll uns Genießern diese gehobene Kategorie des griechischen aromatisierten Weinbrands, die sich der sonst bei Metaxa üblichen Sternewertung entzieht und statt dessen mit einem vielversprechenden Klangnamen aufwartet, schmackhaft machen. Für mich persönlich funktioniert das gut: Die interessant geformte Flasche aus Keramik, bedruckt mit einem traditionellen griechischen Blumenmuster, liegt schwer in der Hand, wenn man sie aus dem Karton, in dem sie geliefert wird, zieht. Der aus demselben Material hergestellte, passend auf dem langen, schmalen Flaschenhals sitzende Verschluss verdeckt einen Naturkorken. Von außen also schonmal üppig gemacht, doch taugt auch der Inhalt was?

Metaxa Grande Fine Flasche

Das erste Mal sehen wir die Farbe der Spirituose also nicht schon in der Flasche. Erneut ist sie aber auch nicht wirklich relevant, weil künstlich gefärbt. Mehr noch als bei den anderen Metaxas, die in transparenten Flaschen geliefert werden, bei denen man noch argumentieren kann, dass der Kunde nur schön gefärbte Spirituosen kaufen würde (was ich heutzutage in dieser Preiskategorie bezweifle), finde ich das bei der Keramikflasche fragwürdig.

Um so bedeutsamer ist dann der sensorische Eindruck im Glas. Wer Metaxa kennt, liebt diesen Geruch – dunkle, würzig-aromatische Weinbrandbasis, unverkennbar blumige Obertöne. Im Vergleich zum letzten Monat besprochenen Metaxa 12 Stars ist er hier aber dezent und zurückhaltend. Leichte Schwefelnote, getrocknete Aprikosen, Datteln und Rosinen.

Weich und rund, samtig und flauschig liegt der Grande Fine zunächst im Mund, sehr süß nach Kandiszucker und Zuckerwatte, ohne dabei klebrig zu wirken, mit gleichzeitig vollem, kräftigem Unterbau. Der Weinbrandkörper liefert dieses Volumen, die Aromatisierung mit Rosenblüten den leichten, schwungvollen und dabei sehr edel wirkenden, nicht zu übersehenden Einzigartigkeitsfaktor. Völlig perfektioniert, ohne Ecken oder Kanten. Man kann Metaxa mit nichts anderem verwechseln, und ihn durch nichts anderes ersetzen.

Metaxa Grande Fine Glas

Der Abgang ist klar und leicht trocken, charaktervoll, lang und äußerst angenehm. Es gibt nicht viele Spirituosen, die dies in einer derart vollendeten Form abliefern können – dafür liebe ich Metaxa. Und der Grande Fine ist die Krönung meiner Metaxa-Erfahrung. Nach einigen Minuten bleibt der einzige Kritikpunkt – die Süße, die übrigbleibt, wenn alles andere verklungen ist, wirkt dann doch etwas belegend am Gaumen.

Metaxa-Cocktails sind für mich persönlich alle sensationell. Wer aber mal wirklich was außergewöhnlich blumig-leckeres trinken will, mixt sich einen Aegean Fizz. Der Zimt kombiniert sich aufs herrlichste mit dem Rosencharakter des Metaxa, die Blutorange gibt feine, milde Fruchtsäure dazu, das Eiweiß eine samtige Textur und der Sprudel die Fizzigkeit – ein perfekter Drink, ein Traum, eine Sensation. Als würde man ein Blumenbeet trinken.

Aegean Fizz


Aegean Fizz
2 oz Metaxa Grande Fine
1 oz Blutorangensaft
¾ oz Zimtsirup
1 Eiweiß
Alles auf Eis gut shaken, und mit kohlensäurehaltigem Mineralwasser aufgießen.
[Rezept nach Jonathan Pogash]


Vielleicht bin ich voreingenommen, weil ich Griechenland so mag. Doch ich liebe Metaxa, mehr als alle Whiskeys, Rums, Tequilas und Liköre. Metaxa, das ist für mich mehr als ein Getränk, sondern ein Gefühl, eine Stimmung, ein Vibe. Pur ein Traum, mit herausragender Mixability. Der Grande Fine ist dabei die Krönung; wer sich das entgehen lässt, verpasst eine der Spitzenspirituosen der Welt.

Um nochmal zurück zur Flasche zu kommen – wer sie ausgetrunken hat, sollte sie nicht wegwerfen. Sie gibt nämlich eine ganz hervorragende, schöne Vase besonders für langstielige Blumen ab.

Metaxa Grande Fine Blumenvase

Mit diesen persönlichen Bemerkungen endet die Reihe „Sterne über Griechenland“. Ja, es gibt noch weitere Qualitäten – ich denke dabei hauptsächlich an den Metaxa Private Reserve, den Angels‘ Treasure oder den Aen, die allerdings dann in Preisregionen gelagert sind, bei denen mir persönlich das Preisleistungsverhältnis kaum noch wirklich angemessen erscheint. Wer es sich leisten kann, soll zugreifen, denn schlechter wird es bestimmt nicht. Sollte ich jemals in den Genuss kommen, diese Tropfen zu probieren, werden sie natürlich auch dann hier in Sonderausgaben der Reihe besprochen werden.

Bis dahin hoffe ich, jedem Gaumen und jedem Anwendungsgebiet dieser edelsten aller griechischen Spezialitäten gerecht geworden zu sein. Stoßen wir zusammen an und freuen uns des Lebens, mit einem lauten γεια μας!

Metaxa 12 Stars Titel

Sterne über Griechenland, Teil 4 – Metaxa 12 Stars

Ich habe in dieser Reihe „Sterne über Griechenland“ um den griechischen Weinbrand Metaxa in all seinen Ausprägungen viele Querverweise zu Sternen gezogen und siderale Metaphern bemüht. Auch heute will ich in diesem 4. Teil meiner Miniserie um einen meiner liebsten Brände die Astronomie zur Einleitung gebrauchen. Wie bei Metaxa gibt es auch am Himmel einfache Konstellationen, die nur aus wenigen Hauptsternen bestehen – Krebs, Cepheus und Schwan sind Beispiele für Sternbilder, die einfach aufgebaut sind. Und es gibt auch komplexe visuelle Einheiten, wie Perseus, Herkules oder Draco, die ein Dutzend und mehr Lichtquellen in ihren vielgliedrigen, weite Bereiche des Nachthimmels umspannenden Figuren aufweisen.

Haben wir uns bisher, um in der Analogie zu bleiben, bis hierher bei Metaxa um erstere gekümmert, kommen wir heute zu der Form von Metaxa, die sowohl von Sternezahl als auch – ohne allzuviel vorwegnehmen zu wollen – gefühlter Sensorikkomplexität als die zentrale und wegweisende Ursa Major dieser Spirituosenmarke gelten darf: Metaxa 12 Stars. Augen weg vom Himmel, wir senken den Blick hinunter ins Glas.

Metaxa 12 Stars Flasche

Über die Farbe habe ich ja nun bereits genug erzählt, und das bei einer Spirituose, die mit Zuckerkulör künstlich nachgefärbt ist. Wenigstens bei diesen hochwertigen Varianten hätten sie es lassen können. Vielleicht ist da noch Hoffnung auf Besserung? Wenigstens die dicke, schwere Konsistenz im Glas sorgt dann für Optimismus.

Der Geruch – nun ja, was soll ich da noch sagen. Für mich persönlich der perfekteste, idealste, angenehmste und schönste Geruch, den es in der Spirituosenwelt gibt. Das schlägt noch mit Abstand die 7-Sterne-Variante, und versetzt mich in eine diesige Traumwelt voller Rosen, süßem Wein und mildwürziger Aromatik. Da ist kein Fehlklang mehr.

Und wir sind hier noch nicht am Gipfel angekommen. Im Mund wird das ganze noch getoppt – herrlich süß, blumig, trockenfruchtig und dabei noch mit einer hintergründig brummenden Würze. Im Mundgefühl flauschig weich, extrem dicht und körpervoll, ölig, und ganz ohne schwefelige Komponente. Der Abgang ist lang, heiß und temperamentvoll, ohne dabei zu kratzen oder zu brennen. Trocken und adstringierend, hält der Metaxa 12 lange am Gaumen vor. Die Rosennoten hängen selbst nach Minuten noch im Mund. Explosiv und dabei schmeichelnd – für mich gibt es nur wenig, was mich im Schnapsbereich mehr begeistern kann.

Metaxa 12 Stars Verpackung

Die übliche Frage stellt sich – lohnt sich das Upgrade vom 7-Sterne-Metaxa? Beim fast doppelt so hohen Preis ist es nicht mehr ganz so einfach wie bei den Vorgängern, wo ich zweifelsfrei laut „ja!“ sagen konnte. Dennoch muss ich auch hier klare Worte sprechen: Ja, auch hier lohnt sich das Upgrade, und zwar ganz besonders für die, die Metaxa pur trinken möchten. Natürlich ist für die, die Metaxa als Kochzutat kaufen, hier das Ende der Fahnenstange erreicht – das wäre massiver Overkill. Die Gyros-Sauce kann auch perfekt mit den niedrigeren Qualitätsstufen zubereitet werden.

Es gibt aber noch die, die sich diesen Griechen gern als Mixer zulegen. Für diese Einsatzbereich gilt, was für die meisten Weinbrände zutrifft: Ist der Metaxa nur Unterstützer in einem Rezept, braucht man nicht den 12er zu kaufen. Ist er aber eine Hauptbesetzung, dann ist es eine wahre Freude, die Dutzend Sterne in einem Cocktail unterzubringen. Ich will das Motto, dass einem edlen Cocktail ein edler Weinbrand angemessen ist, anhand des Scarlet Letter demonstrieren: Nur die besten Zutaten kommen hier zum Einsatz; neben dem 12er-Metaxa gesellen sich in dieser Mixtur seltener Trinidad-Rum, ein Klosterlikör und Edelfruchtbitter freundschaftlich zusammen. Ein Drink für einen schönen Anlass.

Scarlet Letter


Scarlet Letter
1 oz Metaxa 12 Stars
1 oz würziger Rum (z.B. Caroni 100% Trinidad Rum 12 Years)
½ oz Bénédictine
½ oz Orgeat
½ oz Limettensaft
2 Spritzer Bonpland Pinot Noir Stevnsbaer Cherry Bitters
Auf Eis shaken.
[Rezept leicht adaptiert nach Martin Cate]


Auf diese unsäglichen Nachfüllstops im Flaschenhals könnte ich aber gut verzichten. Man findet sie immer wieder bei Spirituosen, bei denen der Hersteller befürchtet, die einmal geleerte Flasche könnte durch billige Nachahmerprodukte wiederbefüllt werden. Im Allgemeinen breche ich sie mit einem Schraubenzieher heraus, denn das teilweise unvorhersagbare Verhalten einer Flasche mit einem solchen Einsatz beim Eingießen (entweder Vollschwall oder nichts, aber kein Mittelweg) ist untragbar. Ein bisschen Gewalt, und schon gießt sichs entspannter. Es mag ja sein, dass die Hersteller, die so etwas einsetzen, nur den Markt vor illegaler Ware schützen wollen – es kann aber nicht sein, dass der Endkonsument mit so einer dysfunktionalen Pseudolösung leben muss. Weg damit, sage ich.

Nächsten Monat folgt ein weiterer Teil der Reihe „Sterne über Griechenland“ – allerdings verlassen wir dort dann den Sternenhimmel. Die vorerst letzte Installation der Reihe dreht sich dann um Metaxa Grande Fine, der keine Sternewertung mehr aufweist. Bis dahin werde ich gewiss noch den einen oder anderen Metaxa getrunken haben – und ich hoffe, ich habe meinen Lesern auch Appetit gemacht auf diesen griechischen Weinbrand.

Metaxa 7 Stars Titel

Sterne über Griechenland, Teil 3 – Metaxa 7 Stars

Unser Ausflug an den griechischen Nachthimmel mit seinen Sternen hat seine Halbzeit erreicht. Waren die Sternbilder mit 3 und 5 Sternen noch eher etwas für den unambitionierten Astrologen, drehen wir nun das Teleskop auf einen ersten sideralen Höhepunkt: den Metaxa 7 Stars. Inzwischen wissen wir ja, dass der Name bedeutet, dass wir hier eine 7 Jahre gereifte Weinbrandbasis vor uns haben – das ist schon ein ordentliches Alter für einen Weinbrand, bei Cognac hätten wir vor 2016 hier bereits von der Qualitätsstufe XO gesprochen.

Metaxa 7 Stars Flasche

Wir beginnen mit dem leider etwas wenig Starhaften. „Zuckerkulör“ – mehr muss ich inzwischen für regelmäßige Leser meines Blogs nicht sagen. Für alle anderen: Die schöne Farbe ist getürkt, ich halte mich also nicht allzu lang damit auf.

Um so länger könnte ich dann aber dafür am Geruch hängen bleiben. Ein sommerliches Blumenbeet. Rosen, Jasmin, dazu gibt es Unterstützung von Vanille, Feigen und reifen Bananen; Zitronenfrische etwas später. Eine leichte Schwefelnote kommt aus der Weinbrandbasis.

Und, ah, butterzart ist der Metaxa 7 Stars, mit einem Anflug von Kribbeln. Weich und rund, leicht schwefelig im Verlauf. Vanille. Karamell. Milchschokolade. Rosinen. Ansonsten kommt hier die Rosennote zum ersten Mal in der Produktreihe richtig schön zur Geltung. Sie liegt nun im Vordergrund, mit einer kräftigen, aber unaufdringlichen traubig-saftigen Süße – als würde man eine Rosenblüte essen. Immer mehr Kanten sind abgeschliffen, die uns im 3- und 5-Sterne-Metaxa noch störten.

Der Abgang bleibt eher kurz und trocken, dafür würzig und warm im Mund, weich im Rachen und in der Kehle. Da ist nun überhaupt kein Kratzen mehr, das läuft runter wie warmes Öl. Eine leicht klebrige Süße bleibt am Gaumen. Die blumige Komponente hängt noch eine Weile im Mund nach, mit einem milden Brandy-Schwefel.

Wir bewegen uns hier im Bereich dessen, was ich schon gern pur trinke. Gut handwarm, in einem großen Cognacschwenker. Darüber hinaus ist das die Fassung des Metaxa, die bei mir als Standard für Cocktails gilt – beispielsweise im Democritus. Ein Alleskönner also, und die Qualität, die ich einem Einsteiger in die Welt des Metaxa empfehlen würde. Mit einem sehr guten Preisleistungsverhältnis – für um die 15€ pro 700ml ist es auch keine große Investition, während man eine sehr schöne Spirituose als Gegenleistung erhält.

Democritus


Democritus
5 Minzblätter
½ oz Limettensaft
Zusammen vorsichtig muddeln.
2 oz Metaxa 7 Stars
½ oz Rye Whiskey (z.B. 1776 Straight Rye Whiskey)
1 oz Ananassaft
½ oz Orgeat
2 Spritzer The Bitter Truth Jerry Thomas‘ Own Decanter Bitters
Auf Eis gut shaken.
[Rezept nach Ryanimo]


Ich nutze diese Variante des griechischen Weinbrands, um mal darauf hinzuweisen, dass man sie auch in allerlei Größen bekommt – den 7er-Metaxa beispielsweise habe ich als 5cl-Miniatur, als 20cl-Flachmann und in der 70cl-Amphorenflasche zu Hause. Gerade die Mittelgrößen, wie 20cl und 35cl sind in Deutschland nicht flächig erhältlich; in griechischen Supermärkten, insbesondere dort, wo Touristen unterwegs sind, dagegen schon.

Metaxa 7 Stars Verschiedene Größen

Und natürlich ist sich der Hersteller von Metaxa nicht zu schade, hin und wieder Sonderaktionen durchzuführen, bei denen eine Flasche zusammen mit einem Gimmick verkauft wird. Mitte des Jahres 2016 beispielsweise war Metaxa 7 Stars zu einem sehr günstigen Preis zusammen mit einem sehr formschönen Tumbler beim Supermarkt Real erhältlich. Ein echter Fan wie ich konnte da einfach nicht widerstehen, insbesondere, da diese Art von Markenglas allein gekauft schon oft 5€ und mehr kosten kann.

Metaxa 7 Sterne Glas und Karton

Wer sich unsicher ist, sollte bei seinem griechischen Restaurant der Wahl einfach nach dem Essen mal statt dem Standard-Ouzo diesen Metaxa bestellen. 7 Stars sollte in jeder Taverne, die etwas auf sich hält, auf der Karte stehen. So ein schönes Glas Metaxa ersetzt einen Nachtisch, und lässt einem die Zeit, nach einem üppigen Mahl nochmal ein bisschen zu schwelgen und träumerisch an den Nachthimmel Griechenlands zu denken.

Der hellenische Sternenhimmel wird im nächsten Teil ergänzt um den großen Bären der Sterne-Metaxa-Himmelsbilder: Wir sehen uns nächsten Monat, wenn der Metaxa 12 Stars an die Reihe kommt, in meiner Reihe „Sterne über Griechenland“ verkostet zu werden.

Metaxa 5 Stars Titel

Sterne über Griechenland, Teil 2 – Metaxa 5 Stars

Im ersten Teil dieser Reihe über die griechische Spirituose Metaxa haben wir viel über Sterne geredet. Auch heute wird der Begriff immer wieder fallen. Da stellt sich der eine oder andere vielleicht die Frage – was bedeuten diese Sterne auf dem Etikett eigentlich? Sind sie so etwas wie Rangabzeichen beim Militär – je mehr, desto besser? Warum gibt es dann aber eine Lücke zwischen den Sternqualitäten (3, 5, 7, 12)? Die Antwort liegt nahe. Es sind die Anzahl der Jahre, die die Weinbrandbasis des Metaxa-Gemischs in Fässern aus Limousineiche verbrachte. Der 3 Stars, den ich letzten Monat besprach, lag also 3 Jahre im Holz; für den heutigen zweiten Teil der Reihe „Sterne über Griechenland“ verdoppeln wir nun beinahe diese Reifezeit, denn 2 Jahre länger konnte der Metaxa 5 Stars ruhen. Wäre Metaxa ein reiner Weinbrand, bekäme er nun das Prädikat VSOP.

„Bekäme“, denn tatsächlich, und das sollten wir nun auch deutlich sagen, ist Metaxa ein aromatisierter Blend aus verschiedenen Zutaten, nicht alle davon selbst Spirituosen. Der Weinbrand, der Metaxa zugrundeliegt, wird nach der angesprochenen Reifezeit mit Muscat-Süßwein und Aromaten (diverse Kräuter- und Blütenaromen) – natürlich, wie so oft bei Spirituosen, ein Geheimrezept des Herstellers – vermischt, wodurch die Einmaligkeit des griechischen Brands entsteht. Somit ist für den Verkoster ein doppelter Reiz vorhanden: Wie spielt der Wein mit dem Weinbrand zusammen? Schmeckt man die Komponenten heraus? Oder entsteht ein langweiliges, sich allem anbiedernden Gebräu? Wir wollen es herausfinden.

Metaxa 5 Stars Flasche

Über die Farbenthematik hatte ich bereits beim 3 Stars berichtet; hier nur noch mal kurz das Zauberwort: Zuckerkulör. Daher eine direkte Weiterleitung zur Geruchsprobe. Wer Metaxa kennt, weiß, was kommt – der Geruch ist einmalig und es gibt keine zweite Spirituose, an der ich so gern einfach nur schnuppere. Rosig, blumig, süß. Minimale Klebernote.

Mehr als nur ein Vorgeplänkel für den Geschmack. Dieser ist zunächst weich und zart, süß, schokoladig, rosinig, orange. Erinnernd an milden Cognac; doch schnell kommt ein so gar nicht cognachaft-feines, ordentliches Feuer auf, das auch kaum aufgefangen werden kann: der Körper des Metaxa 5 Stars ist eher mager und die Aromen verklingen daher schnell. Das Feuer wird im Abgang immer stärker und brennt ordentlich auf Zunge und Gaumen, kribbelt aber im Rachen nur. Es dauert eine ganze Weile, bis die Flammen im Mund wieder verklingen. Man merkt, dass hier noch ein vergleichsweise junger Brand mit Ecken und Kanten am Werke ist – die 38% Alkohol können kaum dafür allein verantwortlich sein. Außer dem Feuer bleiben deutlich trockene, leicht schwefelige Weinbrand- und schön blumige Rosenkomponenten am Gaumen.

Oft schon hatte ich es erwähnt, auch hier trifft es zu: Manchmal wünscht man sich für Mixgetränke genau die Eigenschaften herbei, die man bei Purgenossenem gern verscheucht hätte. Dabei geht es nicht um Qualität, sondern meist um Kraft, Wildheit und auch eine gewisse Kernigkeit, damit im Ergebnis noch was von der Spirituose zu schmecken ist. Der Metaxa 5 Stars gibt dem Motorcade genau dies, und darüber hinaus dem ansonst eher sauren Cocktail eine in dieser Form dann doch unerwartete blumige Note, die wirklich ganz bezaubernd ist.

Motorcade


Motorcade
1 oz Metaxa 5 Stars
1 oz Cointreau
1 oz Zitronensaft
½ oz Ananassaft
½ oz Zimtsirup
3 Spritzer Orange Bitters
Auf Eis shaken.
[Rezept nach Marleigh Riggins Miller]


Die Steigerung des Qualitätsversprechens erkennt man auch am Flaschendesign – war der 3-Sterne-Metaxa noch in einer Standardflasche abgefüllt, beginnt Metaxa hier, sein Produkt in spezielle Individualflaschen zu stecken. Mit der Höhe von fast 33cm und den Ausbuchtungen am langen Flaschenhals, der direkt in den Bauch übergeht, spielt man wahrscheinlich auf griechische Säulen an. Das Etikett ist fast gleich geblieben, nur etwas elaborierter ausgeführt.

Für gemittelt 12€ erhält man die erste breit in Deutschland erhältliche Basisversion dieses griechischen Klassikers. Lohnt es sich, im Vergleich zum schwer erhältlichen jüngsten Brüderchen? Ja, etwas. Lohnt es sich, im Vergleich zu den Klonen bei Discountern und Supermärkten? Keine Frage! Man bezahlt zwar praktisch doppelt so viel wie beispielsweise für den Aldi Akropolis, dafür bekommt man aber auch ein Produkt, das nach etwas schmeckt, das man, falls man mit der Gyrossoße fertig ist, auch mal pur oder in einem Longdrink oder Highball einfach so genießen kann – letzteres würde ich mit den Klonen nicht mehr riskieren.

Wer sich aber sagt, na, ich hab da doch noch ein, zwei Euro mehr übrig und will mich nicht mit Basisqualitäten begnügen, der bekommt nächsten Monat einen Vorschlag für ein mögliches weiteres Upgrade. Dann erscheint nämlich Teil 3 der Serie „Sterne über Griechenland“, hier, auf diesem Programm, bunt und in Farbe, dann mit dem Hauptdarsteller Metaxa 7 Stars!

Metaxa 3 Stars Titel

Sterne über Griechenland, Teil 1 – Metaxa 3 Stars

Einer der meistaufgerufenen Artikel meines Blogs ist der über den Metaxa-Klon Akropolis des Discounters Aldi. Einerseits freut mich das Interesse an meiner Berichterstattung, andererseits bin ich doch etwas überrascht darüber, dass soviele Leute nach einer Alternative zu Metaxa suchen. Für die einen scheint Metaxa nicht mehr als eine Kochzutat für Gyros in Metaxasauce zu sein, und wollen daher nicht viel Geld ausgeben für etwas, das einen derart eingeschränkten Nutzen für sie hat; andere glauben vielleicht, dass es der Markenname ist, den man bezahlt, und dass No-name-Produkte gleiche Leistung bei niedrigerem Preis bieten, ein Image, das sich die Discounter gern aneignen. Oft mag das stimmen; bei Metaxa ist es jedenfalls falsch.

Offensichtlich muss in Bezug auf Metaxa, einer meiner absoluten Lieblingsspirituosen, mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden. Ich beginne daher eine kleine Serie, in der ich die unterschiedlichen Qualitätsstufen von Metaxa (dem echten und einzigen, natürlich!) vorstellen will – passend zur Bezeichnung dieser Stufen, die vom Hersteller über eine Anzahl von Sternen erfolgt, nenne ich sie „Sterne über Griechenland“. Ich hoffe dadurch die Alternativen Suchenden davon zu überzeugen, dass ein paar Euro mehr, die das Originalprodukt kostet, hier direkt einen enormen Geschmacksgewinn bringen – und bei dem breiten Angebot, das Metaxa dem Konsumenten bietet, findet vom Saucenkoch über den Mixologen bis zum anspruchsvollen Genießer jeder etwas in diesem Sortiment.

Beginnen werden wir unten auf der Qualitätsleiter mit einer niedrigen Anzahl von Sternen: Der Metaxa 3 Stars ist das Basisprodukt des Herstellers. In Deutschland ist er vergleichsweise schwer zu bekommen, da er vom offiziellen Vertrieb nicht aus Griechenland exportiert wird – man muss ihn in kleineren Online-Shops bestellen, meist völlig überteuert zu einem Preis, für den man schon die 5-7-Sterne-Variante bekommt. Oder man macht es wie ich: Ich bringe immer eine kleine 35cl-Flasche davon aus dem Urlaub mit, günstig eingekauft in einem kretischen Supermarkt.

Metaxa 3 Stars Flasche

Wie bei vielen Spirituosen sollte man auch beim Metaxa leider nicht viel auf die Farbe geben; sie entsteht durch Nachfärbung mit Zuckerkulör. Warum die Hersteller dann immer den gleichen, warmbraunen Bernsteinton wählen, wenn sie doch freie Möglichkeiten der Einfärbung haben, sollte uns zu denken geben, die wir gern Spirituosen in diesem Farbton kaufen, der uns bei Whisky, Rum, Weinbrand und anderen vorlügen soll, wir hätten hier einen alten, wertvollen Brand vor uns.

Wer sich fragt, warum der 3-Sterne-Metaxa hier nicht offiziell angeboten wird, wird schon durch ein Riechen am Glas aufgeklärt. Lack, Schwefel und Ethanol sind sehr präsent, erst dahinter erkennt man das Metaxa-typische Rosenaroma. Es ist aber da, im Gegensatz zum Aldi-Akropolis. Und im Mund ist das dann doch eine andere Welt; die kräftige Weinbrandbasis ist mit 36% Alkohol feurig und warm im Mund, süßlich und schokoladig, samtig und mit kaum einem Kratzen. Die Rosenblütenaromatisierung sorgt für eine feine Leichtigkeit und angenehme Blumigkeit, die den Metaxa so einmalig macht. Im kurzen Abgang schließlich leicht trocken und etwas bitter, schweflig und kribbelnd, im Hals etwas eckig und kratzig – das erinnert an billige deutsche Weinbrände und ist auch schon das negativste, was man über diesen Griechen sagen kann. Als Fazit – das ist keine große Kunst, aber eine solide Basisspirituose, auf der man aufbauen kann.

Warum gebe ich mich überhaupt mit dieser nur mittelmäßig begeisternden Basisversion von Metaxa ab? Erstens ist es interessant, dass selbst dieses scheinbar so hässliche Entlein im Metaxa-Teich allen Klonen weit überlegen ist. Gegen die Kopien ist der Metaxa 3 Stars dann doch ein Schwan. Zweitens ist er für mich ein Beweis dafür, dass in Cocktails, Highballs und Longdrinks auch Zutaten, die der Purtrinker eher abschätzend betrachtet, zu allerhöchster Form auflaufen können. In meinen Kreta-Urlauben habe ich es zum unerlässlichen Ritual gemacht, in der Taverna Gorgona in Stalis einen Athens zu trinken. Das ist ein großer Name für die einfache 1:1-Mixtur aus Metaxa und Orangensaft; wer ihn aber schonmal dort getrunken hat, wird sich die Finger nach ihm schlecken. Und sich auf immer neue, spektakuläre Umrührer freuen, die der Wirt dazu ins Glas steckt.

Taverna Gorgona's Athens


Taverna Gorgona’s Athens
Ein Glas mit Eis befüllen.
Dann, im gleichen Verhältnis, Metaxa und Orangensaft eingießen.
Umrühren.
[Rezept nach Giannis Kamnakis]


Das alleraberwitzigste an diesem Highball war, dass ich verzweifelt versucht habe, ihn zu hause nachzumischen, mit 12-Sterne-Metaxa und frisch gepresstem Orangensaft und allerlei Trara. Doch nie erreichte ich die Geschmackserinnerung, die ich mit dem Athens auf Kreta verband. Die Lösung erfuhr ich erst spät vom Wirt der Taverne – der Trick besteht in der scheinbar niedrigen Qualität der Zutaten. Metaxa 3 Stars, aus der seit Wochen offenstehenden 2-Liter-Flasche, dazu der billigste Orangensaft aus Konzentrat, den man im Tetrapack bekommen kann. Und, was soll ich sagen – so funktioniert es! Es ist fast zum Lachen, aber auch ein Augenöffner für Schnapssnobs wie mich, die meinen, alles noch durch immer noch hochwertigere Zutaten verbessern zu können.

Soviel zum ersten Kapitel des Metaxa-Epos bei schlimmerdurst.net. Haltet Ausschau nach Teil 2 der Serie „Sterne über Griechenland“, die dann die Version des griechischen Weinbrands beschreibt, die man in Deutschland als günstigste Fassung bekommen kann – den Metaxa 5 Stars. Wer es bis dahin nicht aushält, kann sich ja vielleicht mal den mit Honig aromatisierten Metaxa with Greek Honey anschauen; ich wünsche jedenfalls Καληνύχτα και όνειρα γλυκά!

Asbach Privatbrand Titel

Ein Vorurteil muss gepflegt werden – Asbach Privatbrand 8 Jahre gereift Weinbrand

Seit ich mich mit Spirituosen auf tieferer Basis auseinandersetze, habe ich gemerkt, wieviele Vorurteile ich gepflegt hatte. Ich bin seit einiger Zeit mit der Frage beschäftigt, ob sich neben Schnapsvorurteilen, die sich fast allesamt durch Immersion in ein Thema schnell erledigen, auch andere Ressentiments, die ich nur noch nicht als solche identifiziert habe, in meinem Kopf befinden. Das gute am Niederschreiben von Gedanken zu hochgeistigen Getränken, wie auch zu Büchern und anderen Artikeln, ist, dass man sich nochmal explizit mit dem Konsum auseinandersetzt, und man zu Introspektion angeregt wird. Dabei purzeln die Engstirnigkeiten hin und wieder wie die Dominosteine. Ich würde das gern jedem mal ans Herz legen.

Eines dieser Vorurteile, die ich hegte und pflegte, war das gegen deutsche Weinbrände. Die Werbung versprach immer so viel, und legte sich als Zielgruppe die älteren Herren zurecht, die im Lehnstuhl aus dem elitären Cognacschwenker den ach so besonderen Geist nippten – für junge Leute nicht wirklich ansprechend. Meine Experimente in dieser Richtung waren dann auch erstmal passend-ernüchternd: Ich habe den Asbach Urbrand, und seine direkte Konkurrenz Chantré probiert und ziemlich runtergemacht. Zwei Produkte probiert, zwei Totalausfälle – das ist der Stoff, aus dem die Befangenheit für die Zukunft gemacht ist. Soviel besser können die anderen Brände von Asbach dann ja nicht sein, oder?

Ich bin über meinen Schatten gesprungen, und habe mir eine Flasche des Asbach Privatbrand 8 Jahre gereift zugelegt. Und was soll ich sagen? Das Vorurteil hat sich als genau solches herausgestellt, wie in den allermeisten Fällen, in denen wir diese Präjudizien auf die Prüfstation führen.

Asbach Privatbrand Flasche

Schon farblich ist der Asbach Privatbrand ausgesprochen attraktiv. Dunkles Hennarot, mit glühenden, orangenen Reflexen. Da hat man schon was allein vom Anschauen – auch wenn natürlich berücksichtigt werden muss, dass zumindest ein Teil der Farbe von der zugesetzten Zuckerkulör stammt.

Das Auge hat genug geschwelgt, nun ist die Nase dran, und sie findet Datteln und reife Banane; viel Schokolade und Karamell sowie Butter. Etwas Lösungsmittel ist da, aber praktisch nichts von dem meist etwas unangenehmen Schwefel, den ich bei vielen Weinbränden zu entdecken meine.

Tatsächlich schafft es ein Großteil der Aromen auch auf die Zunge: Der Asbach Privatbrand wirkt buttrig, süß, schokoladig, mit Anklängen von Karamellbonbons. Leichte Fruchttöne nach Banane, Aprikose, Dattel. Das sehr angenehme, weiche, runde Mundgefühl überzeugt in jeder Beziehung, wie auch der Abgang – trocken, leicht bitter, etwas Ingwerschärfe auf der Zunge. Insgesamt lang und süß, warm und weich.

Asbach Privatbrand Glas

Ich bin baff – das ist vielleicht einer der besten Traubenbrände, die ich bisher getrunken habe, auf jeden Fall runder und weicher als alle spanischen Brandys, und dabei aromatischer als alle französischen Cognacs, die ich kenne. Mich wundert es nicht, dass die Herstellerfamilie das als Privatreserve für sich behalten wollte (das ist natürlich nur eine dieser von Schnapsbrennern so geschätzten Fantasiehintergrundgeschichten).

Wie der Name schon sagt, ruht der Asbach Privatbrand mindestens 8 Jahre in Limousin-Eichenfässern, eine reife Leistung im wahrsten Sinne des Wortes für einen Brand. 40 Volumenprozent weist er bei Abfüllung auf, und man bezahlt um die 18€, zum Beispiel im Real-Supermarkt. Ein wirklich überraschend gutes Preisleistungsverhältnis. Dabei erhält man zum Brand selbst noch einen Kunstkorken, eine etwas altmodisch gestaltete Flasche mit dem durchaus schon als ikonisch bezeichenbaren Etikett und einen Karton.

Laut Dale DeGroffs Rezept für den Bull’s Blood gehört spanischer Brandy in diesen Cocktail. Der Asbach Privatbrand kann es mit jedem Spanier aufnehmen, und er passt wunderbar als Ersatz dafür. Ein herrlich süß-lieblicher Cocktail ohne Ecken und Kanten; DeGroff sagt über ihn, dass er durch seine „Freundlichkeit“ punktet. Dem kann ich nur zustimmen.

Bull's Blood


Bull’s Blood
¾ oz Asbach Privatbrand 8 Jahre gereift Weinbrand
¾ oz Weicher Rum (z.B. Vizcaya Cask 23)
¾ oz Orange Curaçao
1½ oz frisch gepresster Orangensaft
[Rezept nach Dale DeGroff]


Nach dem Probieren und Schätzen lernen weiß ich, was ich bei diesem Weinbrand verpasst hätte, hätte ich mich von meinen Vorurteilen leiten lassen. Ich mag mir einfach nicht vorstellen, was ich bereits verpasst habe, weil ich es in Vergangenheit getan hatte. Selbstverständlich haben solche Geisteseinstellungen, dass man von einer Erfahrung auf die Zukunft schließt, ihren Sinn; wir lernen durch diesen Mechanismus schließlich auch, dass man, wenn man einmal von einem speziellen Hund gebissen wird, sich allen Hunden gegenüber vorsichtig verhalten sollte – das ist in uns tiefer verankert als unser Bewusstsein. Aber müssen wir uns wirklich komplett davon steuern lassen? Natürlich nicht. Für mich ist der Asbach Privatbrand ein perfektes Beispiel dafür.

Metaxa with Greek Honey Titel

Griff in den Honigtopf – Metaxa with Greek Honey

Man konnte es seit einiger Zeit beobachten: Die Regale des Einzel- wie des Fachhandels füllten sich mit Spirituosen bekannter Hersteller, die ihre Produkte leicht verändert hatten. Der Auslöser war wahrscheinlich erstmal die seit vielen Jahren betriebene Vermarktung von aromatisiertem Vodka – es gab eine Phase, wo man schon genau hinschauen musste, wenn man einen unaromatisierten Vodka kaufen wollte, dass man nicht aus Versehen doch einen Zitronen-, Himbeer-, Brombeer-, Vanille-, Mango-, Birne-, Pfeffer-, Kirsch- oder sogar Koriandervodka in den Warenkorb legte. Absolut war und ist dabei der Vorreiter.

Schnell erkannten auch die Rumhersteller, die eigentlich mit Spiced Rum in diesem Gebiet zuhause waren, dass hier mehr zu holen ist als mit einfacher Vanille; und dann begannen auch noch die fachfremden Hersteller, hauptsächlich amerikanische Whiskeyproduzenten, ihre vor aromatisierenden Zusätzen gesetzlich geschützten Produkte für die neugierige Konsumentenschaft etwas aufzupeppen. American Honey von Wild Turkey, Tennessee Honey von Jack Daniel’s, Jim Beam Honey und andere Sorten zeigten, wohin der Weg geht, wenn es um veränderten Whiskey geht – Honig ist das Mittel der Wahl.

Es gibt nun auch bei Weinbrand eine Marke, die schon seit ihrer Gründung ihr Alleinstellungsmerkmal in der Aromatisierung fand: Das griechische Traditionsprodukt Metaxa ist eine äußerst gelungene Mischung aus Süßwein, Weinbrand und Rosenblätteraromen. Damit sind sie hocherfolgreich, zurecht, wie ich meine, der ich ein riesiger Metaxa-Fan bin. Aber hinter der Welle der honigsüßen Whiskeyprodukte wollte dann eben auch ein solcher Hersteller nicht zurückbleiben. Geschah es nur, um das Markenimage lebendig zu erhalten, dass ein neues Produkt wie Metaxa with Greek Honey vorgestellt wurde? Wer schonmal in Griechenland war, wird jedoch bezeugen, wie stolz die Griechen auf ihren Honig sind. Während für Whiskey die Verbindung Spirituose-Honig vielleicht aus reinem Marketingkalkül entstand, ist sie für griechische Spirituosen eine ganz natürliche, selbstverständliche. Vielleicht bin ich zu romantisch veranlagt, doch die Honigmelange hat in Griechenland Tradition – rakomelo beispielsweise wird schon seit Jahrhunderten hergestellt.

Metaxa with Greek Honey Flasche

Die Farbe ist zwar schön, aber, wie bei allen Metaxa-Produkten, durch Zuckerkulör entstanden, daher sehe ich über sie hinweg. Über den Geruch allerdings kann ich nicht hinwegsehen – würziger Honig, als hätte man ein Glas Honig aufgeschraubt, blumiger, metaxa-typischer Rosenduft, Jasmin und ein winziger Hauch Lösungsmittel. Sehr ansprechend, und in keinster Form künstlich wirkend, wie das bei manchen anderen Honigspirituosen der Fall ist. Hier wirkt es aus einem Guss.

Im Geschmack kommt der Weinbrand deutlicher zum Vorschein, man ahnt die 33% Alkohol, die der Metaxa with Greek Honey aufweist, allerdings mehr, als man sie wirklich spürt. Deutlich ist der Metaxa mit seinen floralen Noten erkennbar, er wird aber vom vordergründigen kräftigen Honiggeschmack etwas überlagert. Eine Gewürznote (Nelken? Piment?) rundet das Bild in die Tiefe ab. Sehr angenehm zu trinken, doch das Erlebnis des Munds ist leider nicht mehr ganz so herzerfreuend wie das wirklich außergewöhnliche der Nase. Der Abgang ist warm, weich und mild, allerdings doch mit leichtem Schwefelcharakter, wahrscheinlich vom Weinbrand, von dem man dieses Geschmacksbild kennt. Am Ende verbleibt noch eine Weile eine milde, unklebrige Süße auf der Zunge und ein Gedankenbild von Honig.

Wie bei vielen aromatisierten Spirituosen denkt man sich zunächst, dass der Hauptzweck das Purtrinken ist; wozu sonst die Aromatisierung? Das entspricht dann auch der Verzehrempfehlung des Herstellers („neat, chilled or on ice“). In Cocktails könnte man ja schließlich die „reine“ Spirituose nutzen, und denselben Effekt mit einem Schuss Honig erreichen. Doch nun habe ich die Flasche nunmal, und obwohl der Metaxa with Greek Honey pur schon sehr lecker ist, will ich ihn doch mal in einem Cocktail einsetzen. Das Originalrezept des Athenian Diplomat verlangt nach Metaxa (without Greek Honey), doch die zusätzliche Süße und Milde des Honigweinbrands schadet natürlich nicht, insbesondere gegen die Säure der Zitrone – ich gehe davon aus, dass das auch für alle anderen Cocktails mit diesem griechischen Weinbrand gilt.

Athenian Diplomat


Athenian Diplomat
2 oz Metaxa with Greek Honey
¾ oz süßer Wermut (z.B. Martini Rosso)
½ oz Zitronensaft
1 Spritzer Orange Bitters
Auf Eis rühren und in ein eisgekühltes Glas geben.
[Rezept adaptiert nach einem Original von Sean Michael Whipkey]


Fast schon wundersam, im erfreulichen Sinne, ist die Zutatenliste auf dem Rücketikett. Alkohol, Muscat-Wein, Weindestillat, Zucker, Honig aus Griechenland (0,5%), Honigaroma, Zuckerkulör. Erfreulich deswegen, weil die Ehrlichkeit hier gewonnen hat: Es ist neben dem titelgebenden griechischen Honig zumindest auch Honigaroma drin. Andere Hersteller tun oft so, als wäre die Aromatisierung rein natürlich. Schön wäre es allerdings natürlich schon, wenn Metaxa daran noch weiterarbeiten könnte, nämlich auf den künstlichen Aromastoff, wie auch auf die zur Färbung dienende Zuckerkulör, komplett zu verzichten.

Zum aktuellen Zeitpunkt ist dieser Likör nicht in Deutschland erhältlich, außer, ich habe ihn bei meiner Recherche übersehen. Erworben habe ich ihn im Duty-Free-Shop des Flughafens Heraklion (Kreta) für 25€ pro 700ml, wo eine riesige Wandwerbung an den Flugzeuggates unübersehbar auf ihn hinwies; ich hatte dies als einen Vorgeschmack darauf betrachtet, dass er bald auch in Deutschland im Einzelhandel zu kaufen sein könnte. Die entsprechende Metaxa-Produktseite ist dann aber doch deutlich: „Available exclusively in European Airports“.

Metaxa with Greek Honey Karton und Etiketten

Nun, einerseits ist das schade, denn das Produkt verdient es sicherlich, einem breiteren Kreis als den Airportshoppern bekannt gemacht zu werden. Andererseits ist es durch diese künstliche Verknappung natürlich ein tolles Mitbringsel für jeden Spirituosenfreund, insbesondere für Süßmäuler unter den Weinbrandfans. Da die amphorenähnlich gestaltete Flasche darüberhinaus mit einem sehr repräsentativen Etikett in englischer und griechischer Sprache geschmückt ist, und in einem ebenso geschenktauglichen Karton verkauft wird, rate ich jedem, der überlegt, was er seinen Lieben aus dem Griechenlandurlaub mitbringen soll, sich statt für die üblichen Scotches oder Vodkas, die man sonst so im Duty Free sieht, für den Metaxa with Greek Honey zu entscheiden!

Hennessy VS Titel

Lallende Iren in Frankreich – Hennessy VS Cognac

Mit der Aussprache ist das bei manchen Produkten so eine Sache, insbesondere, wenn mehrere Sprachfamilien aufeinandertreffen. So wurde aus Xeres/Jerez für die zungenfaulen Briten einfach Sherry;  aus dem schottisch-gälischen uisge beatha das uns bekanntere Whisky. Einerseits könnte man sicher argumentieren, dass es sich bei dem Namen des Cognac Hennessy VS um einen anglophonen Familiennamen handelt, und ihn dann entsprechend britisch als Fastgleichklang zu „Tennessee“ auszusprechen; doch tatsächlich ist dieser Firmenname so ins Französische übergegangen, dass man ihn korrekterweise auch mit leichter Zunge „ensi“, mit Betonung auf der letzten Silbe, hervorbringen sollte. Schließlich beginnt die Produktgeschichte des Hennessy VS zwar mit einem irischen Auswanderer, doch über 200 Jahre Aufenthalt in der Region Cognac in Frankreich macht eben selbst aus dem härtesten Iren irgendwann einen Franzosen.

Hennessy VS Flasche

Man riecht, wenn man die Flasche dieses Cognacs öffnet, brandytypisches Trockenobst, etwa Datteln oder Rosinen, und Nüsse, und eine erkennbare Schwefelnote. Man muss aber schon ordentlich Luft durch die Nase holen, um mehr als Anklänge an diese Eindrücke zu riechen, und sich dabei aber vor der Alkoholfahne in Acht nehmen.

Zugegebenermaßen hat der Hennessy VS zunächst ein recht rundes Mundgefühl, mit leisen Fruchtnoten, doch vergleiche ich das mit einem guten Rum oder Whiskey, ist dies hier doch etwas geschmacks-, geruchs- und aromenarm. Ich muss den guten Tropfen lang im Mund hin und her gleiten lassen, um wirklich was zu schmecken, was über die Oberflächlichkeit hinausgeht. Da sind viele andere Weinbrände, die ich kenne und noch im Regal habe, dem Hennessy VS doch einen guten Schritt voraus. Eine recht scharfe Alkoholkante durchzieht das gesamte Geschmackserlebnis, das mit einer nicht wirklich bezaubernden Seifennote in der Mitte aufwartet, und einem vergleichsweise brennenden, dabei aber nichtssagenden, eher kurzen Abgang.

Letztlich habe ich ihn aber auch nicht für den puren Genuss gekauft, sowas ist für mindestens VSOP reserviert, sondern für Cocktails, die nach Cognac verlangen, wie den klassischen Sidecar, oder eine kleine, feine Negroni-Variation wie den Ampersand. In Kombination mit anderen Zutaten macht sich die Milde des Hennessy VS recht gut – und wieder bestätigt sich, dass bei Cocktails das Ganze mehr als die Summe seiner Teile ist.

Ampersand


Ampersand
1 oz Cognac (z.B. Hennessy VS)
1 oz Old Tom Gin (z.B. Hayman’s Old Tom Gin)
1 oz süßer Wermut (z.B. Carpano Antica Formula)
2 Spritzer Orange Bitters


Von der Präsentation bin ich allerdings begeistert – eine sehr schöne, edle Flasche, tolles Etikettendesign und ein sehr repräsentativer, stabiler Karton machen diesen Cognac zu einem passenden Geschenk für jeden, der die zurückhaltende Dezenz dieses Cognacs, im Gegensatz zu mir, würdigen kann.

Hennessy VS Flasche und Karton

Alles in allem muss sich diese Flasche für knapp 30€ mit anderen Spirituosengruppen wie Rum, Whiskey und Gin aus der gleichen Preiskategorie messen – und da bin ich schon etwas enttäuscht. Für diesen Preis kriegt man durchaus schon Spitzenprodukte dieser Spirituosen, und übrigens auch bereits recht ansprechende VSOP-Cognacs anderer Hersteller, während das bei Hennessy offensichtlich erst der Einstiegspreis für ein Basisprodukt und man von der Spitze weit entfernt ist. Ich sehe den Hennessy VS oft im Angebot für rund 23€ – das ist schon eher ein angemessener Preis, und ich rate Interessierten, auf so ein Angebot zu warten.

Comtal Armagnac Titel

Das Feuer der Gascogne – Comtal Fine Armagnac V.S.

Es gibt Spirituosen, die werben damit, dass sie 200 mal destilliert wurden – hauptsächlich Vodka ist stolz auf die Anzahl der Destillationsvorgänge. Über die Sinnhaftigkeit dessen lässt sich trefflich streiten, vor allem, wenn es sich um industrielle Column-Still-Destillationsapparate handelt, bei denen das Destillat dann eh einfach nur hin- und herläuft, und man die Destillationsvorgänge eigentlich nicht wirklich zählen kann. Andere Spirituosen dagegen werden nur einmal destilliert, denn sie wollen die Geschmacksstoffe, die durch Destillationsvorgänge entfernt werden, möglichst erhalten. Und dazwischen gibt es natürlich viele Zwischenstufen; manche Rumsorten werden 3 mal destilliert, ebenso einige irische Whiskeys und Scotches. Und Cognac beispielsweise wird zweimal destilliert.

Armagnac wird oft als der kleine Bruder des Cognac beschrieben. Ein gewichtiger Unterschied zwischen  Cognac und Armagnac ist, dass Armagnac nur einmal destilliert wird, wodurch diese unterschätzte Spirituose deutlich charaktervoller und rauher daherkommt als sein weltbekannter Cousin. Doch nicht nur die schlichte Destillation selbst sorgt dafür, dass die Entscheidung zwischen Cognac und Armagnac eine gewichtige Glaubensfrage ist: nein, die gesamte Herstellungseinstellung des Armagnac ist von einem anderen Geist und Ansatz getrieben als die teilindustrialisierte Cognacproduktion.

Man muss ein bisschen suchen, um einen Armagnac in einem deutschen Geschäft zu finden. Letztlich reduziert sich die Auswahl für den Nichtinternetbesteller häufig auf genau eine Flasche, die noch gut verbreitet ist: Der Comtal Fine Armagnac V.S. ist in vielen Supermärkten für rund 16€ erhältlich. VS, also Very Special, ist die Basisqualität für Brandys, das gilt für Cognac, Brandy de Jerez, viele deutsche Brände, und auch für Armagnac – das Destillat ruhte laut dieser Bezeichnung 2 Jahre in einem Holzfass.

comtal-armagnac-flasche

Mich begeistert schon die kräftige, dunkle Farbe im Glas. Flugs daran geschnuppert: Dunkle Früchte – getrocknete Feigen, Pflaumen, Datteln, Rosinen. Minimal Anis, etwas Menthol. Vielleicht etwas nussig. Auf jeden Fall ein echtes schweres Pfund.

Kann sich das auch im Geschmack fortführen? Ja! Schokoladig, schwer und dicht. Voluminöser als die meisten spanischen Brandys, die ich bisher gekostet habe, und auch als die meisten Cognacs. Etwas salzig, paradoxerweise aber gleichzeitig sehr süß. Angebrannter Karamell, vielleicht eine kleine Erinnerung an gereiften Grappa. Ein kleiner Fehlton von Spülmittel, wenn man danach sucht.

Feurig im Abgang, heiß rinnt er die Kehle hinunter, und hinterlässt sogar etwas Pfeffer in der Speiseröhre und brandytypischen Schwefel im Mund, aber ohne wirklich unangenehm alkoholbrennend zu werden. Beim ersten Schluck kann man den Weg in den Magen klar verfolgen, wo der Comtal sich dann noch eine ganze Weile niederlässt. Im Mund verbleibt neben der Hitze bei diesem eher längeren Abgang eine deutlich adstringierende Trockenheit, und die Aromen dunkler Früchte und Kakao.

Ein würzig-aromatischer Ersatz für den dagegen sehr zivilisiert wirkenden Cognac, und das zu einem richtig guten Preisleistungsverhältnis. Der Comtal Armagnac ist wild und ungezähmt, das mag dem Genießer feiner Spirituosen schon etwas zu weit gehen – ich aber mag so ungebremste Energie: Der Abgang ist für mich sensationell.

Wenn man sich umschaut, findet man kaum Cocktailrezepte speziell für Armagnac. Das ist aber auch nicht nötig: Überall dort, wo man Cognac oder Brandy einsetzt, ist auch Armagnac ein geeigneter Ersatz. In vielen Fällen, nicht allen, ist die Feurigkeit des Comtal Fine Armagnac V.S. sogar eine erwünschte Verbesserung; beispielsweise im French Connection, wo ein etwas assertiverer Brandygeschmack als der eines feinen, eher zum Untergehen neigenden Cognacs, nicht schadet.

French Connection


French Connection
1 oz Comtal Fine Armagnac V.S.
¾ oz Vodka (z.B. Green Mark Vodka)
1/3  oz Maracuja-Sirup (z.B. von Teisseire)
2 oz Zitronen-Soda (z.B. San Pellegrino Limonata)


Zur Flasche – in Franken würde man dazu Bocksbeutel sagen. Das grüne, dazu noch geeiste Glas gibt kaum einen Blick auf den Inhalt frei. Das Etikett ist für die heutige Zeit etwas altmodisch; man schaue sich andere altehrwürdige Spirituosen an, die mit etwas mehr Pep auch jüngere Genießer schon von der Optik her ansprechen. Die Zeiten, in denen man den älteren Herrn, der sich mal einen Armagnac vor dem Kamin eingießt, als Zielgruppe ansprechen muss, sind vorbei. Wer sich nicht der neuen Zielgruppe der jungen, dynamischen Craft-Spirit-Interessierten öffnet, wird auf die Dauer nicht weiterkommen. Dabei hätte Armagnac im Allgemeinen und der Comtal Fine Armagnac V.S. im Speziellen alles, was die Gegenwart braucht und sucht, und muss wirklich nicht in der elitären Komfortzone dahinvegetieren.