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Brauerei Kraus Hausbräu Titel

Jeder Topf hat seinen Deckel – Brauerei Kraus Hausbräu

Wir Biergenießer befassen uns lang und breit mit Bier, in all seinen Aspekten. Wir diskutieren verschiedene Bierstile, jammern über das Reinheitsgebot oder zelebrieren es, arbeiten uns ab am Begriff „Craft“, denken über Konzernstrukturen und Fernsehwerbung nach und diskutieren Sude, Hopfen, Malze und Fermentierungsdauern. Kurz – der Inhalt der Flasche ist das, was für uns zählt.

Es gibt aber einen Aspekt, den ich zumindest beim Biergenuss bisher völlig außen vor gelassen hatte – und das ist der Kronkorken, der auf der Flasche sitzt und dafür sorgt, dass wir kein abgestandenes Bier trinken müssen. Für gewisse Jäger und Sammler ist der Kronkorken über diesen rein funktionalen Zweck hinaus spannend – er ist ein begehrtes Sammelobjekt. Im Kronkorkenforum treffen sich die Freunde des geformten Flaschendeckels – eine eigene Datenbank, der Bottle Cap Index, dient als Referenz für bisherige Funde, in der sowohl breiterhältliches Massenmaterial als auch seltene Raritäten gepflegt werden: über 1 Million Kronkorken aus aller Welt kann man dort suchen und im Foto bewundern, natürlich neben Bier auch von Softdrinks und allem anderen, was so mit Kronkorken verschlossen wird.Die Kronenkorkensammelszene trifft sich jedes Jahr. Der Ort des Treffens ist der Brauerei-Gasthof Kraus, der auch zu Ehren dieses Treffens eine Sonderbekronkorkung seines gesamten Biers durchführt – mit eigens dafür gestaltetem Kronkorken. Persönlich gehöre ich nicht zu dieser Gemeinschaft und war bei keinem dieser Treffen, allerdings habe ich einen Bekannten dort, und er hat mich freundlicherweise mit ein paar Flaschen des dort gebrauten Biers versorgt: das Brauerei Kraus Hausbräu, Hirschen-Trunk und Weißbier hefetrüb. Wollen wir mal schauen, ob die Sammler bei ihrer Jagd nach seltenem Blech ihren Durst auch mit vernünftigem Bier stillen.

Brauerei Kraus Hausbräu 3 Sorten

Begonnen wird hier nun mit dem Hausbräu. Aufgrund der Empfehlung des Spenders habe ich das Bier in ein Pint-Glas eingegossen und daraus getrunken. In diesem Glas wirkt das Bier hell und kristallklar, die sehr starke und ausdauernde Perlage ist schön sichtbar. Nur einzelne Schaumbläschen bleiben allerdings auf der Oberfläche hängen.

Vom Geruch her gefällt mir das Hausbräu schonmal gut – sehr aromatisch, stark hopfig, milde Malzwürze. Sehr typisch (in einer Zeit, in der ich fast ausschließlich moderne Interpretationen von Bieren trinke, die mit Aromahopfen protzen, sind klassische Aromen ja immer eine Erwähnung wert) und attraktiv. Leichte Hefenoten. Frisch und hell.

Brauerei Kraus Hausbräu Flasche und Glas

Im Antrunk enttäuscht das Bier auch nicht – sehr rezent, knackig und hopfig. Etwas metallisch. Sehr körpervoll im Mundgefühl. Bei 4,7% Alkoholgehalt bewegen wir uns im sortentypischen Rahmen. Der Abgang passt sich in das runde Gesamtbild ein. Mildbitter, mittellang und leicht trocken. Mit einem milden Eisenton klingt das Bier aus. Ich verfalle nicht in Begeisterungsstürme, aber das ist dennoch ein solides, bodenständiges Bier für den Alltag – und, gut gekühlt, ein ideales Bürobier fürs „Bier um Vier“ (für die unter uns, die glücklich genug sind, entsprechende Möglichkeiten zu haben).

Franken, insbesondere Bamberg, hat sich um einen ganz besonderen Bierstil verdient gemacht, indem es ihn sozusagen in einer Kulturtasche am Leben erhalten hat: Rauchbier. Das bekannteste und in Restdeutschland verbreitetste Rauchbier ist wahrscheinlich das Aecht Schlenkerla. Der Hirschen-Trunk ist auch ein solches Rauchbier. Bei dieser Art Bier habe ich sowohl extrem gute als auch extrem schlechte Erfahrungen gemacht, der Bierstil polarisiert bei mir immer stark – in welche Kategorie fällt der Hirschen-Trunk?

Brauerei Kraus Hausbräu Hirschen-Trunk

Optik: Kristallklar und kupferfarben. Starke Perlage. Feiner Schaum, dünne Schaumkrone bleibt. Man ahnt schon am Aussehen, dass hier ein etwas deftigeres Bier auf einen wartet. Das wird dann auch direkt durch den Geruch bestätigt – deutlich speckig, leicht metallisch. Malzaromen. Das Räuchermalz dominiert sehr stark.

Im Mund ist der Hirschen-Trunk erwartungsgemäß rauchig, speckig (aber nicht so stark wie im Geruch), metallisch. Eine überraschend extrem hohe Karbonisierung ist vorhanden, dadurch wird das Bier aber nicht unbedingt übermäßig rezent. Auf jeden Fall ist es aber sehr bitter und dunkelwürzig, fast schon etwas salzig. Ich nehme durch die Röstung keine wirklichen Hopfenaromen wahr. 5,5% Alkoholgehalt ebensowenig.

Auch im mittellangen Abgang bleibt das Bier sehr bitter und ebenso trocken. Der leicht rauchige Nachhall sorgt dafür, dass für mich dieses Rauchbier insgesamt einen sehr positiven Eindruck hinterlässt.

Zu guter letzt kommen wir dann zum urbayrischen Bierstil, dem Weißbier. Das Weißbier hefetrüb der Brauerei Kraus wird traditionell mittels Flaschengärung hergestellt. Schönes, kräftiges Gold, opalisierend, schimmert im Glas – unfiltrierte Biere gefallen mir einfach besser als die geklärten Strahlemänner. Mittlere Perlage. Die sortentypische Schaumkrone ist auf meinem Foto leider schon etwas in sich zusammengefallen. Ebenso typisch wie der optische Eindruck ist der Geruch. Banane, Nelke. Muskatnuss. Leicht hefig.

Brauerei Kraus Hausbräu Weißbier

Das Kraus Weißbier ist süß im Antrunk, sehr weich und dabei doch mit einer klaren Linie, die mir bei vielen Hefeweizen fehlt, und die mir oft zu mild sind. Hier ist Charakter da, das gefällt mir. Dabei bleibt es aber sortentypisch rund und schmeichelnd. Schöne Rezenz, mit hoher Karbonisierung, mit ebenso hohem Rülpsfaktor. 5,5% Alkohol sind enthalten.

Der Abgang ist für ein Weißbier recht lang, trocken und mildbitter, nicht zu süß. Ein sehr ausgewogenes, ideales, geradliniges Hefeweizen ohne Sperenzchen. Davon kann ich auch 2 oder 3 trinken, ohne dass es mir zu einseitig wird. Sicher eins der angenehmsten Weißbiere, das ich in den letzten Jahren hatte.

Es dient entsprechend natürlich auch als Cocktailzutat. Man frage mich bitte nicht nach dem Sinn des Namens des The Danube and the Main – vielleicht verweist man mit dem Hinweis auf den Verbindungskanal (der passenderweise bei Bamberg beginnt) zwischen zwei großen deutschen Flüssen auf das Zusammenwachsen der bisher noch oft getrennten Trinkwelten des Biers und des Cocktails. Für mich persönlich ist Bier aus der Cocktailwelt kaum mehr wegzudenken, auch wenn es noch eine Weile dauern wird, bis diese Bewegung in der Breite angekommen sein wird.

The Danube and the Main


The Danube and the Main
2 oz Arrak (z.B. Boven’s Echter Arrak)
1 Spritzer Angostura
½ oz Grapefruitsaft
¼ oz Orangensaft
¼ oz Zitronensaft
¾ oz Zuckersirup
Auf Eis shaken. In ein Glas voll Eis abseihen. Toppen mit…
Weißbier (z.B. Kraus Weißbier hefetrüb)
[Rezept nach Matt Scheller]


Insgesamt gefällt mir die Produktreihe von Kraus sehr gut. Es sind traditionelle Biere mit Charakter, nie langweilig oder oberflächlich – ein Beispiel dafür, wie gut die Bierbasis in Deutschland aufgestellt ist, mit regionalen Spezialitäten in hoher Qualität. Der verwöhnte Genießer würde sich vielleicht ein bisschen mehr Aromenausprägung wünschen, etwas mehr Potenzial zum Explorieren und Verkosten – doch das ist ein Luxusproblem, das ich als Bierblogger habe, das ich nicht zu hoch hängen will.

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Hofbräu Kaltgehopfter Weissbier Hallodri Titel

Mindestens haltbar bis… Hofbräu Kaltgehopfter Weissbier Hallodri

Das Mindesthaltbarkeitsdatum, kurz MHD, wird von vielen mißverstanden. Es werden pro Haushalt kiloweise noch gut verzehrbare Lebensmittel weggeworfen, weil das aufgedruckte Datum als letztmöglicher Verbrauchstag interpretiert wird – aus irgendeinem Grund kippt das Produkt dann scheinbar in der Wahrnehmung von gut auf schlecht um. Auch der Einzelhandel beteiligt sich an diesem Irrsinn und kippt allerlei wertvolle Ware in den Container. Dabei ist das MHD eigentlich nicht zuvorderst ein Schutz vor Lebensmittelvergiftung, sondern ein Qualitätsversprechen, wenn man sich die Definition genauer anschaut.

Das MHD gibt an, bis zu welchem Termin ein Lebensmittel bei sachgerechter Aufbewahrung (insbesondere Einhaltung der im Zusammenhang mit dem MHD genannten Lagertemperatur) auf jeden Fall ohne wesentliche Geschmacks- und Qualitätseinbußen sowie gesundheitliches Risiko zu konsumieren ist.

Um diese Fehlwahrnehmung der Konsumenten zu korrigieren, sind diverse Ideen für Gesetzesänderungen im Umlauf – wenn sie verhindern, dass Lebensmittel sinnlos entsorgt werden, kann man eigentlich nur dafür sein, dass dies schnellstmöglichst geschieht.

Auch auf Bier ist im Allgemeinen ein MHD aufgedruckt, und auch wenn das MHD deutlich abgelaufen ist, kann man die meisten Biere vom gesundheitlichen und auch geschmacklichen Aspekt her noch praktisch bedenkenlos konsumieren. Insbesondere bei aromahopfendominierten Craftbieren kommt dem Qualitätsgedanken des MHD aber eine wichtige Bedeutung bei, denn Hopfen baut sich ab, die Aromen verfliegen, das teuer eingekaufte handwerkliche Bier schmeckt dann zwar vielleicht immer noch gut, aber halt nicht mehr so, wie der Brauer das beabsichtigt hatte. Bei reinen Genussmitteln wie Bier ist der einzige Grund des Trinkens (hoffentlich) der Geschmackseindruck; wenn dieser verfälscht ist, ist der Konsum sinnlos.

Insbesondere bei solchen Bieren sollte das MHD vom Hersteller entsprechend kurz gewählt werden – und Biergenießer sollten vor dem Kauf immer einen Blick auf dieses Datum werfen. Im Idealfall ist auch ein Braudatum noch zusätzlich mit auf dem Etikett vermerkt, so dass man einen weiteren Anhaltspunkt für die Frische des Biers hat.

Hofbräu Kaltgehopfter Weissbier Hallodri Flasche

Wir umwelt- und genussbewussten Biertrinker sind also in einer Zwickmühle – ein „abgelaufenes“ Bier kann immer noch gut genießbar, aber völlig verändert von den Aromen sein – ist das akzeptabel? Das aktuelle Beispiel für diese Gedankengänge ist der Hofbräu Kaltgehopfter Weissbier Hallodri, den ich Mitte August in einem lokalen Getränkemarkt gekauft hatte. Dessen MHD liegt Mitte November 2016, gebraut wurde das Bier wohl für die Messe Braukunst Live im Februar 2016. Ein kaltgehopftes Bier, bereits nah am MHD, weit über den Zenit, für den es gebraut wurde, hinaus. Kann das gutgehen?

Blass kommt es daher, das sieht man schon durch die Flasche. Im Glas wirkt das ganze noch bleicher, da man hier die Naturtrübung besser sehen kann. Sehr weißbiertypisch ist die Schaumkrone, die sich mit der Zeit abbaut. Die vorherrschenden Aromen in der Nase sind die einer bayerischen Weissen: Hefig, nelkig, leicht fruchtig, nach Bananen und Pfirsichen.

Der allererste Geschmack des Weissbier Hallodri ist ganz prominent der nach Gewürznelken, mehr noch als bei den meisten anderen Weißbieren, die ich kenne. Der ist aber schnell wieder weg, und es kommt eine hefige, nur ganz schwach fruchtige Komponente ohne große Aromen zum Vorschein. Viel Aromahopfen schmeckt man nicht heraus; wenn man weiß, wonach man suchen muss, findet man Erinnerungen an die Zeit, als der Hopfen in diesem Bier sich noch nicht verflüchtigt hatte.

Eine hohe Rezenz sorgt für guten Erfrischungsfaktor. Die Säure-Süße-Verhältnis neigt zunächst zur Säure, kippt dann im Abgang aber ganz stark wieder zur Süße – fast schon unangenehm. Der Gaumen wird etwas mit dieser fast schon zuckrigen Note zugekleistert; das kenne ich nun schon von vielen anderen Bieren, mögen tue ich es aber überhaupt nicht.

Hofbräu Kaltgehopfter Weissbier Hallodri Glas

In der vorliegenden Form ist der Hallodri ein leicht trinkbares, sehr erfrischendes Weißbier, das mir mit seiner heftigen Nelkung gefällt, wenn man über den etwas misslungenen Abgang hinwegsehen kann. Von der versprochenen Kalthopfung ist aber definitiv nicht viel übrig geblieben.

Ich höre schon die skandierenden Rufe meiner Leser – Biercocktail! Biercocktail! Biercocktail! Ja, ist ja gut. Hier ist ein Verzehrvorschlag für den Hallodri. Es ist im Rückblick fast ein Deutschland-Cocktail geworden, mit einem schwarz-rot-goldenen Farbverlauf. Doch der Name ist englischsprachig und spielt auf unser geschätztes Nachbarland im Westen an: ich empfehle trotz des schönen Farbspiels vor dem Konsum des French Monaco ein Umrühren, denn sonst kriegt man anfangs pures Bier und am Ende klebrig-pappigen Fruchtsirup. Die Mischung ist dagegen sehr süffig und frisch.

French Monaco


French Monaco
1½ oz Granatapfelsirup (z.B. Riemerschmid)
2 oz Zitronenlimonade
Helles Bier (z.B. Hofbräu Kaltgehopfter Weissbier Hallodri)
Alle Zutaten nacheinander im Glas mit Eis aufschichten.

[Rezept nach Leah Melby und Lori Keong]


Ein Longneck-Fläschchen des Biers enthält 330ml, enthalten sind für Weißbierverhältnisse überdurchschnittliche 5,5% Alkohol. Ansprechen muss ich noch das gelungene Design, das mich im Getränkemarkt direkt angesprochen hatte – die Silhoutte des Tenorhornspielers Bassisten (Danke, Dietmar, für den hilfreichen und wie immer freundlich vorgebrachten Hinweis bei Facebook diesbezüglich) in Tracht, die Farbgebung – sehr frisch und modern, ohne die leichte Überdrehung, die viele Startup-Craftbrauer etwas pubertär daher kommen lassen. Das 6er-Tragerl, in dem der Kaltgehopfte Weissbier Hallodri zu erwerben war, nimmt das Design nochmal flächig auf.

Hofbräu Kaltgehopfter Weissbier Hallodri Tragerl

Leider hatte ich mich mit dem Thema der verfliegenden Hopfenaromen erst mit dem Kauf und der Verkostung dieses Biers auseinandergesetzt; hätte ich dieses Wissen schon vorher gehabt, hätte ich vielleicht davon abgesehen, zu dieser Zeit den Hallodri zu erwerben. In Zukunft werde ich mehr darauf achten, wie weit fortgeschritten der Aromenverfall mit Näherung an ein MHD sein könnte. Doch, wie man sieht, auch kleinere Missgeschicke beim Bierkauf können höchst anregend und lehrreich sein, und so genieße ich dieses Weißbier als einfache, aber trotz der verflogenen versprochenen Kalthopfung hochwertige Weißbierlehrstunde.

Maisel's Weisse Titel

Fünfmal Weißbier, bitte! Maisel’s Weisse

Die Berliner haben sie, und die Bayern auch. Beide nennen ihr liebstes Bier „Weisse“. Wer beide Sorten schonmal getrunken hat, wird mir zustimmen – unterschiedlicher können Biere kaum sein. Das Haupstadtbier ist ein sehr saures und leichtes Bier, das süddeutsche Getränk ein eher süßes, vollmundiges Schaumbier. Während ersteres eine Weile kurz vor dem Aussterben stand und praktisch nur durch das Interesse an alten Bierstilen im Zuge der Craftrevolution wiederbelebt wurde, hat letzteres ganz Süddeutschland, und auch Teile Restdeutschlands im Sturm erobert und wurde zu einer der beliebtesten regionalen Biersorten überhaupt. Die meisten Nichtbayern kennen es allerdings unter einem anderen Namen – Weizenbier, manchmal auch Hefeweizen.

Für die meisten Biertrinker ist das relativ irrelevant, doch die Weisse (ab sofort nutze ich diesen Begriff ausschließlich für die bayerische Variante) zeichnet gleich zwei Dinge aus. Erstens, sie ist der eine obergärige Braustil, der die Industrievereinheitlichung der deutschen Bierkultur auf ein standardisiertes untergäriges Pils in den letzten Jahrzehnten ohne Schaden überstanden hat, sogar floriert; alle anderen, wie Kölsch, Alt oder eben die Berliner Weisse, sind nur in Kulturtaschen übrig geblieben. Zweitens: einst war das Weißbierbrauen ein Privileg für die Hochherrschaftlichen. Das Weizenbiermonopol sollte dafür sorgen, dass der gute Weizen, eigentlich für die Brotproduktion geschützt durch das Reinheitsgebot, wenn dann doch verbraut wenigstens noch ein gute Einnahmequelle für den Landesherrn darstellte. Heute ist das natürlich nicht mehr der Fall, im Gegenteil, das Weißbier ist das Sommerbier, das die Leute im Biergarten über groß und klein miteinander verbindet.

Eine der ganz klassischen Marken in diesem Segment ist die Maisel’s Weisse. Seit Mitte des letzten Jahrhunderts stellt die Bayreuther Brauerei Gebr. Maisel dieses Bier her, rund 400000 Hektoliter pro Jahr inzwischen. Fünf Sorten von Weißbier werden inzwischen hergestellt, die ich heute hier vorstellen will: Maisel’s Weisse Original, Kristall, Dunkel, Light und Alkoholfrei. Halten wir es bei einer solchen Menge von anstehenden Verkostungen einfach mal mit dem Herzkönig aus Alice im Wunderland: Beginnen wir am Anfang, fahren dann fort bis zum Ende, und hören dort auf.

Maisel's Weisse Sortiment

Der Anfang ist natürlich das Maisel’s Weisse Original. Wer Weißbier stilecht trinken will, braucht dafür aber erstmal ein entsprechendes Glas – durch die starke Schaumentwicklung, die durch die Flaschengärung entsteht, ist ein „Aus-der-Flasche-Trinken“ bei Weißbier auch schon rein technisch nur sehr suboptimal möglich. Ein echtes Hefeweizenglas präsentiert das Bier darüberhinaus auch schön, so dass man den kräftigen Safranton und die wunderbare Weißbierkrone beim Eingießen bewundern kann. Leider ist letzteres zügig verschwunden.

Der Geruch aber bleibt: Äußerst stark nach Banane. Leicht hefig. Nelken. Der wahre Kick bei Weizenbieren ist aber nicht die Nase, sondern der Geschmack. Und beim Maisel’s Weisse Original bekommt man ein archetypisches Hefeweizen. Voluminös im Körper und seidig im Mundgefühl. Dabei supererfrischend und durstlöschend dank sehr runder Süße-Säure-Balance; es läuft mir jedenfalls ohne jeglichen Widerstand zügig die Kehle runter.

Der nicht erwähnenswerte, kurzer Abgang mit einer etwas vordergründigen Süße sorgt dafür, dass der Gaumen wieder schnell offen für neues ist: Ein ideales Gebrauchsbier für die heißen Tage. Mit 5,2% sind wir auch dafür bereit, mal zwei oder drei davon zu konsumieren, wenn der Durst schlimm ist.

Maisel's Weisse Original

Man kennt es von anderen Bierstilen – eine natürliche Trübung wurde früher gern als Mangel wahrgenommen, der Traum war die strahlende Kristallklarheit. Dass diese scheinbar nur optische Veränderung auch Nachteile mit sich bringt, war der aufs Äußere gerichteten Biergesellschaft lange Zeit egal. Die Folge davon sind Biere wie das Maisel’s Weisse Kristall.

Blassgolden, fast schon bleich, und wie der Name schon sagt, kristallklar, steht es im Glas. Da auch erstmal wenig Schaum auftritt ist der optische Eindruck dann doch nicht so wie gewünscht. Auch beim Geruch muss man mit Einschränkungen rechnen: Leicht nach Hefe, Banane und Nelken – sonst geruchlich ziemlich neutral, sehr deutlich ärmer als das Hefeweißbier. Eine Nummer kleiner ist es auch im Alkoholgehalt: 5,1% weist das Kristall auf. Ich hoffe auf Verbesserung im Geschmack.

Dieser ist süßlich nach Nelken, doch mit einer vorbildlichen klaren Kante im Mund; würzig und dabei trotzdem recht klar. Leider bleibt das Kristall geschmacklich, bis auf die deutliche Nelkenkomponente, fast so neutral wie im Geruch. Mittelmäßig rezent ist es dennoch gut durstlöschend – das einzige, was dieses Bier noch rettet.

Die Einleitung zu diesem Bier machte es vielleicht schon deutlich: Ich bin kein Freund nachfiltrierter Biere. Mir ist unklar, warum jemand ein filtriertes Kristallweizen einem vollsatten, viel aromatischeren Hefeweizen vorziehen will. So ehrlich muss ich dann auch bei dem Bier von Maisel sein: Das Kristall ist ein dünner, oberflächlicher, recht langweiliger Durstlöscher, kein Bier, das man genießt. Das gilt für mich aber auch für die Kristallweizen aller anderen Hersteller. Man kann es aber schön im direkten Vergleich als Beweis dafür hernehmen, dass bei der Filtration und Klärung eine enorme Menge an Aromastoffen mit aus dem Bier herausgeschöpft wird.

Maisel's Weisse Kristall

Da wir schon bei der Farbe sind, können wir fortfahren mit einem Bier, das die Gemüter spaltet. Die einen lieben dunkles Weizenbier, die anderen wollen nichts damit zu tun haben, aus dem einen oder anderen Grund. Wie schlägt sich das Maisel’s Weisse Dunkel in dieser Kategorie?

Kräftige braune Farbe, gebrannte Siena, hefetrüb, dabei im Gegensatz zu manch anderem Dunkel in seiner Intensität nicht mit Colabier verwechselbar. Wenig Schaum für ein Weißbier, der nach einigen Minuten sogar fast ganz verschwunden ist. Erster Geruchseindruck: Metall. Das verfliegt aber schnell, und macht Platz für eine sehr tiefe, feine Würze. Malz, Holz, Rauch. Dazu ein Hauch Aprikosen. Sehr angenehm.

Auch im Mund sind diese Komponenten schön erschmeckbar. Die unabstreitbare Malzigkeit ist dabei aber nur leicht süß, die Würze steht im Vordergrund. Klar holzig und mit einem Anflug von Rauch. Nelken. Sehr attraktiv zu trinken. Hohe Rezenz, gut gekühlt auch sehr erfrischend, mit 5,2% Alkohol auch sortentypisch nicht zu stark. Wer mit dunklem Bier immer schwere Malzbrocken verbindet, wird hier eines besseren belehrt. Wer daher, wie ich oben erwähnte, kein dunkles Weizenbier anfassen will, weil er meint, es sei zu malzig-süß, sollte definitiv mal einen Blick auf das Maisel’s Weisse Dunkel werfen, um Vorurteile abzubauen.

Der Abgang bleibt eher kurz, knackig-säuerlich und nur leicht bitter, mehr edelherb, und trocken. Die von vielen anderen dunklen Bieren erinnerte pappige Süße am Gaumen fehlt komplett. Ich fasse mal kurz zusammen: Ein tolles Bier.

Maisel's Weisse Dunkel

Während diese bisher vorgestellten Sorten typisch und althergebracht sind, bewegen wir uns nun auf ein Segment der Bierherstellung zu, das in den letzten Jahren immer mehr an Anhängern gewonnen hat. Diese müssen dabei allerdings so einiges an Spott seitens der traditionellen, eher etwas unflexiblen konservativen Biertrinkerschaft einstecken.

Trüb und fast schon hennarot, mit feinem Schaum und hübsch anzusehen: Man würde nicht für möglich halten, dass es sich hinter dieser hübschen Oberfläche eine freakige Mutation versteckt – alkoholreduziertes Bier. 3,1%, also 40% weniger als das Original, weist das Maisel’s Weisse Light auf, das schmerzt auf den ersten Blick, da Alkohol ja Geschmacksträger ist. Ich riskiere es trotzdem, daran vorsichtig zu schnuppern, man muss aufpassen, vielleicht beißt es ja.

Etwas metallisch direkt nach dem Eingießen, das verfliegt aber nach wenigen Minuten. Es bleibt eine bananige Note, sahnig, minimalst fruchtig nach mildem Obst wie Birnen. Es ist aber schon zurückhaltend, beißt also nicht. Da kann man ja einen Schluck wagen.

Hm, bei allem vorurteilsbehafteten Spott, das Light weiß schon zu gefallen. Im ersten Antrunk merkt man erstmal nichts von der Alkoholreduktion, da kommen weißbiertypische Aromen wie Bananen und Nelken zum Vorschein, Süße und Säure spielen sich gut ein. Sehr süffig zu trinken, und mit weichem Mundgefühl. Erst im Abgang erkennt man einen deutlichen Unterschied zum Original – da ist sehr viel weniger Körper und Dichte, etwas weniger Würze, was dazu führt, dass die Süße vielleicht überhand nimmt.

Maisel's Weisse Light

Insgesamt bin ich aber sehr positiv überrascht, und mir sicher, dass sehr viele Biertrinker den Unterschied kaum wahrnehmen werden. Und wenn das so ist, dann stellt sich die Frage, warum man nicht öfters lieber ein leichteres Bier trinken sollte, wenn es aromatisch so ähnlich zum Vollbier ist. Wir trinken ja schließlich nicht wegen des Effekts, sondern wegen des Genusses, oder? Ich empfehle das jedem mal auszuprobieren. Gerade als Essensbegleiter ist das Maisel’s Weisse Light daher ein Geheimtip.

Nun begeben wir uns aber auf gaaaaanz dünnes Eis. Alkoholreduziert mag ja noch angehen. Aber komplett ohne Wirkstoff? Spaß beiseite – die allermeisten alkoholfreien Biere, die ich schon probiert hatte, haben durchweg enttäuscht. Doch optisch ist das Maisel’s Weisse Alkoholfrei erstmal nicht vom Original zu unterscheiden, selbe Farbe, selber Schaum, ein Zwilling. Geruchlich ist das Alkoholfrei aber deutlich metallischer, wie eine Packung neuer Stahlnägel aus dem Baumarkt. Etwas Banane, aber nur, wenn man genau aufpasst. Sonst recht neutral.

Geschmacklich ist es natürlich dann aber doch kein echter Vergleich zu einem alkoholhaltigen Bier. Das, was ich beim Light schon dezent angemeckert hatte, trifft hier noch mehr zu: Weniger Körper, deutlich weniger Aromen, bis fast hin zur Neutralität, eine sehr seltsame Süßsäure drängt sich zu stark nach vorn, die Karbonisierung wirkt dadurch zu stark. Mir fehlt diese klare Kante, die Alkohol in ein Bier bringt, hier einfach zu sehr. Auch der Abgang ist dann entsprechend zu trocken, und, im Gegensatz zum diesbezüglich noch gut erträglichen Light, ist die säuerliche Trockenheit im Abgang nicht mehr angenehm.

Maisel's Weisse Alkoholfrei

Nun, letztlich muss man als Genießer einen Tod sterben – entweder, man trinkt ein Bier, und muss mit dem Alkohol leben, oder man man lässt es und trinkt Limonade. Ich als größerer Brauer würde zwar durchaus was Alkoholfreies herstellen, dann aber nicht mehr „Bier“ aufs Etikett schreiben, einfach, um klarzustellen, dass dieses Getränk zwar erfrischend und qualitativ gut sein kann, aber mit einem echten Bier in eigentlich keinem der Faktoren, die wir Biertrinker an unserem Getränk der Wahl so schätzen, mithalten kann. Wie aber schon einleitend gesagt – mich hat noch kein alkoholfreies Bier überzeugt, das von Maisel schafft es auch nicht, landet in dieser Gruppe vielleicht sogar eher nur im Mittelfeld.

Alle diese Biere habe ich gut gekühlt frisch aus dem Kühlschrank getrunken, wie das die meisten Bierfreunde wahrscheinlich tun. Denn es gibt für viele kein größeres Grauen als warmes Bier – dass aber auch erwärmtes Bier durchaus charmant sein kann, sieht man in einem Biercocktail, der die langsam kühler werdenden Herbstabende, vielleicht sogar eine frostige Bayreuther Winternacht vorwegnimmt: dem Winter Sun. Nicht, dass man sowas nicht auch im Sommer trinken könnte.

Winter Sun


Winter Sun
2 oz Weißbier (z.B. Maisel’s Weisse Original)
1 oz heller Rum (z.B. Saint James Royal Ambré)
½ oz Grand Marnier Cordon Jaune
1 oz Orangensaft
½ oz Limettensaft
Alle Zutaten verrühren und leicht erwärmen. Warm servieren.
[Rezept leicht abgewandelt nach Frank Zirn]


Was ist mein Fazit? Dazu hole ich etwas aus. Ich habe seit einiger Zeit viele Dutzende von Bieren verkostet. Das, so merke ich, geht ein bisschen zu Lasten des Genusses – man schenkt sich ein Bier ein, und macht seine Verkostung, achtet auf alles, schnuppert und schmeckt, und notiert sich dabei dann Eindrücke. Mir macht das zwar Spaß, aber ab und zu will sogar ich dann einfach nur mal ein erfrischendes Bier trinken, ohne über Aromen, Farben, Schaum, Rezenz und Bitterkeit nachdenken zu müssen, und ohne dabei aber auf Qualität verzichten zu wollen. Das Maisel’s Weisse ist ein ideales Bier für derartige Gelegenheiten – es ist nicht übermäßig komplex (das würde mich wieder in die Verkosterschiene zwingen), aber gleichzeitig auf einem Niveau, das kaum Wünsche offen lässt. Besonders das Original und das Dunkel sind darüberhinaus archetypische Vertreter ihrer Biergattung, die ich jedem Weißbierfreund, oder denen, die es werden wollen, bedenkenlos ans Herz legen will, und das Light hat Potenzial, meine bevorzugte leichte Privatbiergartenweisse zu werden.

Und wenn man dann doch mal etwas modern-craftiges im Glas haben will, bietet die Brauerei mit ihrer Tochter Maisel & Friends ja sogar ganz hervorragende Alternativen – auch wenn konservative Traditionalisten, die sich mit der Weissen von Maisel noch gut arrangieren können, dazu vielleicht bayerisch-offenherzig Pfui Deife sagen werden.

Offenlegung: Ich danke der Brauerei Gebr. Maisel für die Zusendung von jeweils einer Flasche jedes hier vorgestellten Produkts, und für das passende Weißbierglas.

Erdinger Pikantus Dunkler Weizenbock Titel

Ein deftiges Schlückchen vorneweg – Erdinger Pikantus Dunkler Weizenbock

Frauen trinken plötzlich Bier. Naja, so ganz plötzlich jetzt nicht, aber ich erinnere mich gut daran, dass Bier früher ein fast exklusives Männergetränk war. Bis vor wenigen Jahren konnte man in Stadtcafés und Flaniermeilen die Frauen, die ein Bier vor sich stehen hatten, an einer Hand abzählen. Sie tranken lieber Cappuccino, Weißwein, Fruchtsaftradler oder Aperol Spritz. Doch die moderne Frau lässt all das hinter sich und lässt sich gern ein Hefeweizen oder Pils servieren.

Diese Emanzipation erkennt man auch in der Marketingplatzierung eines Produkts. Den  bärtigen Hipster haben die Traditionsbrauereien schon als Zielgruppe ans Craftbier verloren, vielleicht gibt es dann wenigstens noch die Chance, die neuen Biertrinkerinnen an Land zu ziehen? Tatsächlich beginnt die Bierindustrie, neue Nischen zu suchen, in die sie mit ihrem Bier vorstoßen kann. Wäre der Hersteller Erdinger vor 10 Jahren wahrscheinlich für das Motto „Aperitivo Nero“ ausgelacht worden, ist dieser Untertitel des Erdinger Pikantus Dunkler Weizenbock heutzutage als Versuch zu werten, in einem Segment Fuß zu fassen, das lange von Spirituosen und Wein exklusiv genutzt wurde. Die Zeiten wandeln sich zu gunsten solcher Experimente – zu erkennen an einfachen Dingen wie dass Biersommeliers nun selbstbewusst im Fernsehen auftreten und Food Pairings empfehlen und Tastinghinweise geben können, ohne ausgelacht zu werden; Bier hat einen neuen Stellenwert, auch und insbesondere für Frauen. Da war die Idee, Bier als femininen Aperitiv zu vermarkten, nicht allzu absurd.

Erdinger Pikantus Dunkler Weizenbock Flasche

Der Namen kündet es an: Mit 7,3% Alkohol haben wir hier den doch eher seltenen Fall eines dunklen Weizenbiers in Bockstärke vor uns. Die Farbe hält sich daher zumindest schonmal an die Aufmachung. Dunkelbraun, espressofarben. Die sehr feine Perlage kümmert sich darum, den dicken, festen, aber kleinblasigen Schaum eine respektable Weile aufrechtzuerhalten. Man könnte das Pikantus rein optisch wegen Farbe von Flüssigkeit und Schaum für Caffè crema halten.

Ich kenne Biere, Imperial Stouts beispielsweise, die dann auch den dazu passenden Geruch anbieten würden; nicht so das Pikantus. Es bietet stattdessen einen Kontrapunkt – Metall, Karamell, Brot und Heu. Insgesamt bleibt es diesbezüglich aber eher zurückhaltend.

Wenn wir schon bei den Analogien sind, können wir auch beim Geschmack nahtlos mit Vergleichen fortsetzen – süßcremiger Kaffee, dunkler Kakao, das erinnert den Bierfreund an Porter oder Stout, doch im Gegensatz zu diesen betont das Pikantus dann doch lieber seinen Weizenbiercharakter. Der Abgang ist trockenbitter, weist dabei eine süßliche Klebrigkeit auf, die ich nicht wirklich mag, die ich aber in vielen Bieren in letzter Zeit schmecken musste.

Erdinger Pikantus Dunkler Weizenbock Glas

Insgesamt erahnt man nun schon, wohin mein Fazit geht: Bock, Weizen, Porter, Stout – von allem hat sich das Pikantus etwas geliehen, und darüber vergessen, etwas eigenes zu liefern. Da wollte man vielleicht zuviel bei Erdinger, und so wird aus einer spannenden Idee eines Crossover-Biers schnell eine etwas langweilige Mixtur ohne eigenen Charakter.

Auch die Marketingidee finde ich, ehrlich gesagt, leicht deplatziert – das Pikantus ist ganz sicher nicht als Aperitiv geeignet, denn da trinkt man doch eigentlich gern spritzige Getränke, zum Öffnen der Geschmacksnerven; das Pikantus verkleistert sie eher und bietet nichts spannendes. Zum Essen allerdings ist dieses Bier bei mir ein durchaus gern gesehener Gast, wenn auch kein Stammkunde. Ein Gebrauchs-, kein Gourmetbier halt, trotz der aufwändigen Aufmachung.

Erdinger Pikantus Dunkler Weizenbock Tragerl

Knapp 2,50€ pro Flasche habe ich im Netto-Discounter bezahlt, wo das Pikantus im hübsch designeten Vierer-Tragerl erhältlich war, mit einem darauf abgebildeten rassigen brünetten Model, das ein Glas des Biers anbietet – da bekommt man Lust, das Angebot anzunehmen. Wenigstens mal eine fesche, neue Idee, statt den sonst für Bierwerbung üblichen dauerhippen Partypeople, die mich nur noch anöden.

Nähern wir uns der Idee des Aperitiv-Biers doch nochmal aus einer leicht anderen Perspektive. Ich denke, ich habe nun oft genug klargemacht, dass ich Bier für eine ideale Cocktailzutat halte. Wenn schon das Pikantus allein nicht wirklich als Gaumenöffner taugt, vielleicht aber, wenn man es mit ein paar Hilfsmitteln aufpeppt? Der The Beer & The Nuts-Cocktail beweist, dass man niemand aufgeben sollte, ohne nicht alles versucht zu haben. Ein wunderbares Gebräu.

The Beer & The Nuts


The Beer & The Nuts
1½ oz Polnischer Vodka (z.B. Grasovka)
½ oz Amaretto
½ oz Limettensaft
1 Spritzer Angostura
1 Eiweiß
Alle Zutaten gut schütteln, und im Glas dann…

…mit 1 oz Erdinger Pikantus Dunkler Weizenbock toppen.
[Rezept nach Petros Armakollas]


Persönlich würde ich also, um das oben schon vorweggenommene Fazit nochmals aufzugreifen, Sonstnichtbiertrinkern und Einsteigern nicht gerade einen dunklen Weizenbock als Aperitiv empfehlen. Doch, und damit bewegen wir uns dann doch nicht so weit weg von der Marketingprämisse des Pikantus, als Nachtischbier könnte es somit vielleicht sogar neben dem Bierkenner, der auf etwas Deftiges aber gleichzeitig Unkompliziertes aus ist, den Frauen schmecken, die sich nachmittags in der Sonne mit den Freundinnen etwas anderes gönnen möchten als einen langweiligen Cappuccino.

Störtebeker Hefeweizen Titel

Erfolgloser Raubzug der Bio-Piraten – Störtebeker Weizenbiere

Piraten regten schon immer meine Fantasie an, und als Kind verschlang ich begeistert Medien zu dem Thema, beginnend beim „Was ist was – Piraten“-Buch, über diverse Dramatisierungen des Lebens von berühmten Freibeutern wie Henry Morgan und üblen Gesellen wie Blackbeard, später dann die Romane Rafael Sabatinis, bis hin zu den prägenden Errol-Flynn-Filmen. Ich wage nicht mal zu schätzen, wieviele Stunden Spielzeit ich dann noch in den Spieleklassiker „Pirates!“ gesteckt hatte, auf meinem Schneider-Amstrad-Rechner, damals zu DOS-Zeiten, mit pixeliger, kopfweherregender, Dreifarb-CGA-Darstellung und quietschkreischendem Lautsprechersound.

Kein Wunder also, dass ein Bier, das mit einem berühmten Piraten im Namen wirbt, meine Aufmerksamkeit erregt. Bei meinem letzten Besuch in einem lokalen Biomarkt sprangen mir zwei neue Sorten ins Auge, denen ich nicht widerstehen konnte. Sowohl das Störtebeker Bernstein-Weizen als auch das Störtebeker Roggen-Weizen landeten ohne viel Aufhebens in meinem Warenkorb, und nur kurze Zeit später dann auch in meinem Verkostungsglas.

Störtebeker Bernstein-Weizen Flasche

Beginnen wir mit dem Störtebeker Bernstein-Weizen, das mit 5,3% in einer Halbliterflasche angeboten wird, im firmenüblichen Design mit Hansekogge auf dem Etikett.

Im Glas gefällt mir diese Weizenbiervariante schonmal: Naturtrüb, aber noch recht transparent für ein Hefeweizen. Etwas wenig Schaum, der schnell komplett  verschwindet. Soweit, so typisch. Wenn man die Nase übers Bierglas hält, nimmt sie einen sehr angenehmen, würzigen Biergeruch wahr. Doch leider kommt davon nichts im Mund an – faszinierend lasch und ausdruckslos. Kein Charakter, kaum Aromen: eine derbe Enttäuschung. Zur Ehrenrettung weist das Bernstein-Weizen eine schöne Säure auf, sowie gute Rezenz.

Störtebeker Bernstein-Weizen Glas

Meine persönliche Empfehlung: Stark gekühlt als leichter, unbeschwerender Durstlöscher macht das Bernstein-Weizen seine Sache hervorragend, wenn man keinen großen Anspruch an Komplexität oder Aromenstärke legt. Diesen Einsatzzweck unterschätzt man als Vielverkoster auf der Suche nach abwechslungsreichen Hopfengetränken gern, doch ein Großteil der Biertrinker ist eigentlich nur am Rande an Spannungsbögen bei Bier interessiert und trinkt rein zur Erfrischung und Durststillung (oder, leider, wegen des Alkoholeffekts). Der Biergourmet allerdings lässts dennoch lieber im Regal stehen und schaut sich anderweitig um – vielleicht beim Sortenkollegen vom selben Hersteller?

Störtebeker Roggen-Weizen Flasche

Wie schlägt sich also das Störtebeker Roggen-Weizen im Vergleich? Schon in der Flasche ahnt man, dass hier etwas dunkleres daherkommt; im Glas bestätigt sich das schnell. Auch dieses Weizen ist naturtrüb, doch während das Bernstein-Weizen wenigstens mit toller Farbe punkten konnte, ist beim Roggen-Weizen schon der optische Eindruck nicht überzeugend: das recht dumpfe Braun erinnert mehr an abgestandenes Colabier als an einen Piratentrunk. Ansonsten hat man fast ein déjà-vu: Der Schaum ist zunächst kräftig, später dünn und feinperlig. Doch das Verkostungserlebnis ist eigentlich genau umgekehrt wie beim Vorgängerbier.

Der recht neutrale Geruch, mit süßen Anklängen von Banane und einem leichten Fehlton nach Plastik, haut mich wirklich nicht vom Hocker. Dieses Bier mit 5,4% Alkohol setzt Akzente dann eher beim Geschmack: Würzig im Mund, salzig, aber insgesamt trotzdem aromenarm, dazu trotz Roggen die hefeweizentypische Süße und ein Hauch von Banane. Auch diese Sorte ist sehr frisch mit hoher Rezenz. Der Abgang ist sehr trocken und leicht bitter, darüberhinaus nur kurz. Dadurch wirkt das Roggen-Weizen unrund; die starke Trockenheit am Schluss passt nicht zum Rest des Biers.

Störtebeker Roggen-Weizen Glas

Beiden gemein ist die oben kurz angerissene Flaschen- und Etikettgestaltung, die optisch sehr ansprechend ist. Besonders lobenswert ist das Rückseitenetikett, das Details über die Zutaten und Herstellung preisgibt: Hopfen (Smaragd), Malzsorten und Gärmethoden werden kurz erläutert. Ein Bio-Siegel und einige Bier-Awards dürfen bei entsprechender Zertifizierung natürlich nicht fehlen.

Wer schonmal einen gut gemachten Biercocktail getrunken hat, wird meine Faszination mit dieser eher etwas ungewöhnlichen Gattung des Mixgetränks nachvollziehen können. Vom Störtebeker Roggen-Weizen blieben ein paar Schluck übrig; diese machten sich dann vergleichsweise gut im flugs zusammengestellten fruchtig-sauren Sidewalker.

Sidewalker


Sidewalker
1¼ oz Applejack (z.B. Laird’s Applejack)
1¼ oz Zitronensaft
¾ oz Ahornsirup
1 Spritzer Apfelessig
…auf 4 oz Störtebeker Roggen-Weizen gießen


Insgesamt sind bisher alle Störtebeker-Biere, die ich getrunken habe, nicht dazu angetan, dass ich mehr davon kaufen würde; sie schwanken zwischen enttäuschend langweilig (das Bernstein-Weizen), unausgegoren (das Roggen-Weizen) und schlicht untrinkbar (das früher schon verkostete Störtebeker Whisky-Bier). Wahrscheinlich rettet das Bio-Siegel diese Biere vor der Obskurität, denn es ermöglicht einen Verkauf in Biofrischmärkten, wie dem, in dem ich diese Biere erworben hatte – hier haben wir aber auch den Beweis, dass ein Bio-Siegel allein noch nichts über den Geschmack aussagen muss.

Maisel & Friends Citrilla Weizen IPA Titel

Zucht und Ordnung – Maisel & Friends Citrilla Weizen IPA

Es überrascht uns immer wieder. Da gehen wir durch den Supermarkt, und entdecken hin und wieder seltsame neue Gemüse- und Obstsorten, die wir so noch nie zuvor gesehen hatten. Manchmal erinnern sie uns optisch an eine oder mehrere Früchte, die wir kennen; manchmal, wenn man es riskiert und das Neue ausprobiert, erkennen wir einen Geschmack, den wir irgendwo anders her kennen und nicht mit dem Erscheinungsbild verbinden würden. Mischformen und Hybridzüchtungen sind in; einerseits bringt das Verlangen nach Neuem Züchter dazu, zwei altbekannte Sorten zu kreuzen. Andererseits vereinen Hybride manchmal das beste aus zwei Welten und sorgen für gern angenommene Effekte wie die hypoallergische Eigenschaft eines Labradoodle.

Weitere Beispiele gefällig? Für uns als Spirituosenfreunde ist die Pomeranze oder Bitterorange wohlbekannt – eine uralte Kreuzung aus Mandarine und Pampelmuse, die uns im Triple Sec viel Freude bereitet. Die moderne Gentechnik und Zuchtfreude macht vor nichts halt, und wir können uns darauf einstellen, künftig in Obstabteilungen immer wieder mal etwas zu finden, was wir nicht direkt einordnen können; Romanesco, als zumindest optisches Verwirrspiel zwischen Brokkoli und Blumenkohl, war nur der Anfang.

Da ist es natürlich nur recht und billig, dass sich auch Biersorten untereinander kreuzen lassen. Dazu braucht es dann keine genetischen oder züchterischen Kenntnisse, doch ein tieferes Verständnis von dem, was in einem Bier möglich, interessant und letztendlich auch vermarktbar ist, muss natürlich vorhanden sein. Aktuell ist eine gute Zeit für derartige Experimente; das Interesse an Bier abseits von Pils und Lager ist bei den mittelständischen und kleinen Brauereien gerade groß, deren Kundschaft gleichzeitig auch bereit, sich auf neues einzulassen und auch entsprechend Geld auf den Tisch zu legen. Eines dieser Neukreationen ist das  Maisel & Friends Citrilla Weizen IPA, das seine beiden Elternteile schon im Namen trägt.

Maisel & Friends Citrilla Weizen IPA Flasche

Auch wenn Hersteller Maisel & Friends ein hauseigenes Pint-Glas für den Genuss vorschlägt – wir sind hier schon auf einer experimentellen Schiene, da muss nicht auch noch mit der Glasware gespielt werden. Ein Weizenglas ist ein perfekt geeignetes Behältnis für dieses naturtrübe, blass-strohgelbe Bier; wenig Perlage, ein feiner, zunächst dicker Schaum mit vereinzelten großen Blasen – sehr hefeweizentypisch sieht es zumindest aus. Doch, wie schon bei Hybridfrüchten, das muss erstmal nichts aussagen, denn…

… der Geruch ist dann plötzlich sehr viel mehr IPA als klassisches Weizen. Fruchtig, zitronig, reife Ananas, und dann erst viel später die Weizen-Banane, und etwas Fruchtmarmelade. Besonders ist die Aktivität des Geruch, der schon beim Ziehen des Kronkorkens offensiv verströmt wird. Sowas gefällt mir.

Das Citrilla setzt seinen Crossover-Kurs gnadenlos fort: Mild-cremig ist es im Antrunk, dicht und kräftig, süßlich, sehr frisch, wie ein Hefeweizen halt. Dann springt es um auf die IPA-Komponenten, der Hopfen attackiert mit orangigen Fruchtnoten und schließlich, boom! Eine Bitterexplosion kickt alle süßen Gefühle des Vorspiels in die Weichteile. Ein Männerweizen, wenn man positiv formulieren will; wenn ich kritisieren will, finde ich diesen Übergang etwas brutal – es kommt unerwartet, selbst beim zweiten oder dritten Schluck, und dadurch wirkt das Bier etwas unrund komponiert. Der sehr lange Abgang, bitter-trocken, säuerlich, mit vielen Hopfenaromen, entschädigt dafür.

Maisel & Friends Citrilla Weizen IPA Glas

Ein sehr spannendes Experiment. Die Frage ist, ob außerhalb der Craft-Interessierten die Bierwelt bereit ist für so ein Bier. Ich bin ein großer Fan des Herstellers, insbesondere des Pale Ales, und finde auch den Hopfenreiter sehr gelungen. Das Citrilla trifft nicht wirklich meinen Geschmack – da ist ein bisschen zuviel von allem, süß, sauer, bitter, trocken… mir fehlt ein gewisser Geschmackskitt, der all diese Komponenten zusammenhalten könnte.

Der Hefeweizen Summer Beer Cocktail, der, wie der Name schon andeutet, normalerweise mit „normalem“ Hefeweizen gemacht wird, ist ein recht süßer Biercocktail. Für meinen Geschmack, fast schon zu süß, wenn die Orangen für den Saft entsprechend mild sind. Das Citrilla Weizen IPA durchbricht diese Süßewolke, und fügt einen herben, leicht bitteren Unterton ein – persönlich empfunden verbessert das Citrilla den Cocktail also sogar etwas.

Hefeweizen Summer Beer Cocktail


Hefeweizen Summer Beer Cocktail
6 oz Hefeweizen (z.B. Maisel & Friends Citrilla Weizen IPA)
2 oz frischgepresster Orangensaft
1 oz Holunderlikör (z.B. The Bitter Truth Elderflower Liqueur)
[Rezept nach http://www.craftedpours.com]


Das Flaschendesign ist unspektakulär, das Etikett im üblichen, gelungenen Retro-Maisel-Stil gehalten. 330ml in der Longneck-Flasche bekommt man für den äußerst fairen Preis von 1€ – darin enthalten sind 6,0% Alkohol, 37 IBU durch die Hopfensorten Herkules, Citra und Amarillo – die beiden letzteren sind die Paten für das Citrilla; auch im Namen setzt sich also der „Crossover“-Effekt konsequent fort.

Selbst wenn dieses Bier mich nicht zu Begeisterungsstürmen hinreißt, so finde ich es dennoch großartig, dass wir in Deutschland Brauer haben, die was riskieren, herumspielen, Neues schaffen, und sich nicht auf althergebrachten Sorten und Marken ausruhen – und so einige davon, an vorderster Front Maisel & Friends, brauchen sich diesbezüglich hinter keinem britischen oder amerikanischen Bierhersteller zu verstecken, obwohl sich diese, auch wenn sich das verrückt anhört im Bierland Deutschland, mit solcherlei einen leichten Vorsprung erarbeitet hatten.

Ich danke der Brauerei Maisel & Friends für die unaufgeforderte Zusendung von 3 Flaschen des Citrilla Weizen IPAs.

Indra Weizen India Pale Ale Titel

Die neue Bierinkarnation des Götterkönigs – BraufactuM Indra Weizen India Pale Ale

Die Benennung von modernen Produkten wird immer schwieriger. Griffige, passende, inhaltlich mit dem Produkt verbundene Namen sind oft schwer zu finden, bereits von anderen Firmen geschützt oder vielleicht sogar nicht schützbar. Wenn man nicht den Weg der multinationalen Konzerne gehen und sich Kunstworte aus den Fingern saugen will, die in möglichst vielen Sprachen und Kulturen akzeptabel aussprechbar und dabei noch politically correct sind, greift man halt auf gar nicht mehr semantisch mit dem Produkt verknüpfte Begriffe zurück und bedient sich beispielsweise in der reichhaltigen Welt der Mythologie.

Man fragt sich, warum man auf den Götterkönig, oder, wie eben gelernt, auf den Deva-König, als Namenspatron für ein Weizenbier zurückgreift; letztlich ist es vielleicht Indras Schwäche für Soma, den Göttertrunk, und seine Position als göttlicher Gourmand, die die Verbindung zu Bier gar nicht so abstrus macht, wie sie zunächst scheinen mag. Wahrscheinlich überinterpretiere ich aber wieder mal, und man suchte doch einfach nur nach einem exotischen Namen für ein exotisches Produkt, was das BraufactuM Indra Weizen India Pale Ale sicherlich ist.

Indra Weizen India Pale Ale Flasche

Überrascht ist der Verkoster schon zu Beginn von einem sehr festen, dicken, stabilen Schaum. Noch nie habe ich einen derart ausdauernden, dichten Schaum auf einem Bier gesehen. Selbst nach 20 Minuten ist noch ein Zentimeter davon vorhanden, der Vergleich zu Bauschaum muss hier einfach fallen. Eine bronzene Farbe, blickdicht weil unfiltriert, begeistert zusätzlich.

Der Geruch schließt sich an: Sehr fruchtig, hopfig (Cascade und Magnum werden verwendet), deutlich an ein IPA erinnernd, dabei aber nicht unbedingt an die eckige Hopfigkeit eines IPA, diese wird durch die Weizenzartheit ausgeglichen. Sehr aromatisch und erfreulich.

Dicht und cremig im Mund, das Indra Weizen India Pale Ale vereint wirklich das beste aus IPA und Hefeweizen. Die Bittere ist mild, aber wirksam. Eine überraschende Würze ergänzt das Geschmacksbild. Die Fruchtigkeit ist dabei nicht spitz à la Zitrone, sondern gedämpft und süß, mehr in Richtung Orange oder Ananas. Sehr rund und ausgewogen, dabei immer noch spannend.

Indra Weizen India Pale Ale Glas

Im Abgang etwas salzig, speichelanregend, trocken. Ein extrem langer Abgang für ein Bier; die Aromen bleiben noch minutenlang am Gaumen vorhanden. Es erinnert mich im Abgang etwas an Franziskaner Hefeweißbier.

Wie soll man so ein Bier einordnen? Rein optisch und vom Mundgefühl ist es ein Hefeweizen, sensorisch ein IPA. Der Weizen gibt geschmacklich nicht viel dazu, er ist mehr eine aromatische Tönung. Ich habe es zu einem Chili-Huhn, im Ofen auf einer Pilsdose gebacken, getrunken – ein perfektes Pairing. Aber das Indra ist auch alleinstehend ein Genießerbier, wenn auch im Hochsommer für den Biergarten vielleicht etwas zu schwer; 6,8% werden nicht geschmeckt, aber besonders dann schnell gespürt. Zu solchen Gelegenheiten trinke ich lieber leichtere Varianten und hebe mir dieses Schwergewicht für besondere Momente auf.

In einem Cocktail dagegen ist das Indra immer ein echtes Pfund. Im Orange Hop-sicle zeigt der Biergott seine volle überirdische Kraft und setzt sich selbst gegen den ansonsten unüberwindbaren französischen Antillenengel Créole Shrubb durch. Ingesamt ein supersüßer Cocktail, den man unbedingt gut gekühlt trinken muss, wie der Name, ein Wortspiel mit den Komponenten „hop“ für Hopfen und „popsicle“ für Eis am Stiel, schon andeutet!

Orange Hop-sicle


Orange Hop-sicle
2 oz Orangenlikör (z.B. Clément Créole Shrubb)
¼ oz Gomme Sirup
3 Spritzer The Bitter Truth Créole Bitters
… shaken und mit 3 oz BraufactuM Indra Weizen India Pale Ale aufgießen


Das BraufactuM Indra Weizen India Pale Ale gibt es in 330ml für rund 7€, und in der großen Dreiviertelliter-Sektflasche für 13€, mit Kronkorken. Mir gefällt diese Flaschenart sowohl im großen als auch im kleinen Format außerordentlich. Ich bevorzuge aber, wie eigentlich fast immer bei Getränken dieser Qualitätsstufe, die kleine Größe mit einer Einzeldosis dieses wahrhaft göttlichen und mystischen Biers.

Franziskaner Hefeweizen Titel

Über die Qualität von Zutaten – Franziskaner Weissbier

Glyphosat im Bier! Die Meldung, dass ein Münchner Institut in diversen Bierproben ein Herbizid in geringen Dosen nachgewiesen hat, schockierte vor kurzem die deutsche Bierwelt. Der spannendste Punkt für mich dabei war, wie mit der Meldung umgegangen wurde. Die Nachrichtenagenturen und Zeitungsmedien sind auf die Meldung angesprungen und veröffentlichten sie mit polemischen Schlagwörtern auf den Titelseiten. Empörung allerorten! Die wollen uns vergiften! Der Gegenschlag kam sofort: In ähnlich aufgeregtem, manchmal auch etwas herablassenden Ton reagierten Fachverbände und -journalisten, dass die Studie schlecht gemacht sei und die Dosen so gering, dass es irrelevant wäre. Nebenbei wurde der Bierkonsument oft noch darauf hingewiesen, dass der Alkohol im Bier eh viel gefährlicher sei als jedes Pestizid, wozu also die Aufregung.

Wir befinden uns in einer Welt der Dauererregung, in der jede Meldung, die uns tatsächlich zu denken geben sollte, in gegenseitigem Wutgeschrei oder Sarkasmus ertränkt wird, um bald darauf wieder vergessen zu werden. Dabei ist die Meldung, auch wenn ihre Anklage nicht so spektakulär ist, wie sie und die Reaktionen auf sie es scheinen macht, doch von großer Bedeutung: Es werden schließlich immer mehr Kleinstrückstände aller möglichen Stoffe in unseren Nahrungsmitteln gefunden, die dort eigentlich nicht hingehören – das summiert sich mit der Zeit auf. Wir lernen dadurch auf die harte Tour, dass alles, was wir im Produktionsprozess irgendwo verwenden, auch im Endprodukt seinen Niederschlag findet; nicht nur die erwünschten feinen Aromen, die Hersteller gern mit blumigen Worten ihren Herstellungsbedingungen zuschreiben, sondern auch das Herbizid des Getreides, Antibiotikum der Tierzucht und Aluminium der Hautpflegemittel.

Ein Weckruf zur rechten Zeit, der trotz all seiner Mängel nicht in der allgemeinen Reizstimmung verklingen oder lächerlich gemacht werden sollte – und die Hersteller daran erinnern sollte, sich um die Qualität der verwendeten Ressourcen besser zu kümmern. Um mich selbst zu beruhigen (und mich im Nebeneffekt gegen eventuellen Magenunkrautbefall zu schützen), trinke ich nun ein Bier, das leider auch auf der Liste der glyphosat-positiv-getesteten Biere steht: Das Franziskaner Weissbier.

franziskaner-hefeweizen-flasche

Die Farbe ist dunkler als bei vielen Konkurrenzprodukten, sie geht schon in die Richtung Kupfer. Die Hefetrübung ist stark ausgeprägt, schließlich haben wir es hier mit einem Hefeweizen zu tun, die Schaumbildung zu Beginn stark, nach einer Weile ist aber praktisch kein Schaum mehr auf dem Glas. Wie bei vielen Bieren, die so eine Art der Perlage aufweisen, ist die Frische dennoch gegeben und bleibt bis zum letzten Schluck erhalten.

Eine Besonderheit diesbezüglich hebt das Franziskaner Hefeweizen über den Standard hinaus: Ein extrem hoher Kohlensäuregehalt, den man dem Bier nicht ansieht, aber nach jedem Schluck fühlt. Das daraus resultierende dauernde Aufstoßen ist für den Trinkgenossen vielleicht nicht so angenehm, für den Trinker selbst aber erleichternd.

Passend dazu ein etwas metallischer Geschmack, leicht fruchtig, insgesamt weizentypisch glatt, aber mit tiefliegender Würze. Der Abgang ist dagegen ungewohnt bitter und trocken für ein Hefeweizen; für mich trägt dies allerdings zur Erfrischung bei. Süße ist angenehm beim Antrunk, im Abgang mag ich es lieber weniger süß.

franziskaner-hefeweizen-glas

Eines meiner persönlichen Lieblingshefeweizen für den Alltag. Das ist bestimmt kein Craftbier, und geschmacklich auch gewiss nicht sensationell, aber als Gebrauchsbier, gerade im heißen Sommer im Freien, im Liegestuhl auf dem Balkon, getrunken eiskalt aus dem Kühlschrank oder der Kühlbox – da gibt es nicht viel besseres, und schon gar nicht in dieser Preiskategorie. Franziskaner hat auch ein Kristallweizen, ein Dunkel und ein alkoholfreies Weizen im Angebot.

Ein klassischer Cocktail aus der Prohibitionszeit ist der Bee’s Knees, mit Gin, Zitrone und Honig. Fügt man dieser klassischen Rezeptur noch einen guten Schuss Hefeweizen zu, erhält man den Traum eines jeden Biercocktailfreunds: den Beer’s Knees. Schon beim Gedanken an diese honigzitronige Köstlichkeit fangen mir die Knie an zu zittern.

Beer's Knees


Beer’s Knees
1½ oz Gin (z.B. Bombay Sapphire)
1 oz Zitronensaft
1 oz Honigsirup
3 oz Franziskaner Weissbier


Beim Franziskaner Weissbier zeigen sich die Vorteile eines gut gemachten Industriebiers: gleichbleibende Qualität, geringer Preis, sehr leichte Verfügbarkeit in Flaschen wie Dosen. Wie andernorts schon gesagt, wenn das das Niveau des Industriebiers in Deutschland ist, können wir uns äußerst glücklich schätzen. Und wenn dann noch die Glyphosatrückstände auch noch ausgemerzt werden, was ja nun hoffentlich jeder Brauer, der was auf sich hält, versuchen wird, um so besser.

Let’s have a hefeweizen in the beer garden – Sierra Nevada Kellerweis Hefeweizen

Viele beschweren sich immer darüber, dass Anglizismen unseren Sprachgebrauch inzwischen dominieren. Ich will wirklich kein fingerpointing betreiben, aber bei mir im Beruf ist es oft besonders schlimm: Im Endgame liegen die Nerven blank, und selbst tolle Achievements werden dann schnell geskippt, weil der Forecast auch nicht so awesome ist. Bullshit Bingo ist dann der liebste Zeitvertreib während so manchem Meeting.

Manchmal geht es aber auch in die andere Richtung. Neben den Germanismen, die die englische Sprache schon seit langer Zeit aufweist, wie Kindergarten, Gesundheit, Sauerkraut, Poltergeist oder Rucksack, hat sich auch eine urdeutsche Biergattung ins Herz und die Bezeichnung dafür in die Sprache der Amerikaner geschmuggelt: Das leckere Wort Hefeweizen.

Wie man auf dem Etikett des kalifornischen Sierra Nevada Kellerweis Hefeweizen erkennen kann, haben die Amis mit solchen Übernahmen herzlich weniger Probleme als wir, sie mögen solche Wörter, die sie an ihre Ursprünge erinnern (immerhin 50 Millionen Amerikaner können sich auf deutsche Wurzeln berufen) scheinbar sogar so sehr, dass sie das Bier mit einem seltsamen anglizierten Deutsch benennen.

sierranevadakellerweis-flasche

Auch wenn man sich in exotischen Herstellungsgefilden, was Hefeweizen angeht, wähnt: Die Farbe dieses Biers ist, wie man es von einem Hefeweizen gewohnt ist: ein strahlendes Saftgold. Man hört auch das sehr kräftige Blubbern im Glas.

Die Nase ist schön fruchtig und frisch, leicht blumig und leicht hefig. Ein wirklich ansprechender Anfang – von dieser Aromatik können sich ein Großteil der deutschen Hefeweizen eine Scheibe abschneiden. Im Mund kommt dann die amerikanische Interpretation des Weizen zum Vorschein: eine gute Bittere, kein Wunder bei den hopfenverliebten Amis, und eine knackige Frische. Ein deutlich erkennbarer Touch von Cognac oder Brandy gibt dem Kellerweis eine edle Note. Eine ungewöhnliche, aber sehr gelungenene und spannende Variante des altbekannten Biergartengetränks!

sierranevadakellerweis-glas

Die sehr starke und ausdauernde Perlage weiß zu gefallen und ist einem Hefeweizen auch würdig, aber leider ist von Anfang an praktisch kein Schaum auf dem Bier, die herrliche Schaumkrone, die man vom deutschen Hefeweizen kennt, fehlt komplett (mit dem Eingießen von Hefeweizen kenne ich mich aus und schließe eine Fehlbehandlung daher aus).

sierranevadakellerweis-schaum

Die kleine 330ml-Flasche enthält natürlich nicht genug Bier für ein Standard-Halbliter-Hefeweizenglas, da kommt endlich mal das süße kleine Hacker-Pschorr-Weizenglas, das ich damals aus München mitgebracht hatte, zum Einsatz, das sonst ein tristes Dasein im Glasschrank fristet. Mit 4.8% Alkohol bewegen wir uns im sortentypischen Rahmen.

Erneut enttäuscht Sierra Nevada nicht. Bereits deren IPA, Stout und Barleywine waren Kronen der Bierbraukunst; das Kellerweis gesellt sich dazu. Wäre da nicht die leidige, vom weiten Import getriebene Preisfrage (3,50€ habe ich für das kleine Fläschchen latzen müssen), ich würde es zu meinem Haus- und Hofbier machen. So spare ich mir dieses tolle Bier für besondere Gelegenheiten auf – ich hoffe, es bald mal meiner etwas standardbierseligen Verwandschaft vorsetzen zu können.

Schneider Weisse Tap 6 Titel

Zapfhahn No. 6 tropft – Schneider Weisse TAP6 „Unser Aventinus“ Weizendoppelbock

Bayern ist in Bezug auf Bier ein erzkonservativer Staat. Innovativen Bierkünstlern wird jeder auch nur ansatzweise erdenkliche Stein in den Weg gelegt, um den Popanz des Reinheitsgebots aufrecht zu erhalten (und ganz nebenbei die bestehende Industriebierproduktion zu schützen). Es ist ein Wunder, dass es dennoch immer wieder neue, kreative Ideen im bajuwarischen Bierbereich gibt, die aus dem engen Spielraum, den das Lebensmittelgesetz bietet, das beste herauszuholen vermögen.

Die bayerische Brauerei Schneider Weisse beispielsweise stellt diverse Interpretationen von Weißbier her. Jede Sorte wird mit dem Begriff „Tap“ und einer Kardinalzahl versehen, eine Anspielung auf eine Abfüllmethode per Zapfhahn (engl. „tap“). Gemeint ist damit natürlich eine Rezeptur – wie man an Jack Daniel’s Old No. 7, George Dickel No. 12 oder auch Chanel N°5 sieht, ist das eine beliebte Vorgehensweise bei rezeptbasierten Produkten. Mit dem Untertitel „Aventinus“ des Schneider Weisse TAP6 „Unser Aventinus“ widmet die Brauerei dieses Spezialitätenweißbier, das offensichtlich dem sechsten Zapfhahn entflossen ist oder, wahrscheinlicher, die sechste Rezeptur im Brauerkatalog darstellt, dem bayrischen Geschichtsschreiber Johannes Aventinus.

schneiderweissetap6

Nach dem Eingießen in mein schönes Spiegelau-Witbier-Glas freue ich mich normalerweise über das Strahlen der Farbe des Biers. Beim TAP6 gefällt mir ehrlich gesagt die Farbe nicht so sehr – eine etwas undefinierte braune Brühe, es erinnert mich an Colaweizen. Den anfangs vorhandenen Schaum hört man laut zischen, doch sehr schnell ist er vom Bier verschwunden. Die Resthefe aus der Flaschengärung war bei mir schon etwas bröckelig und landete, wie auf dem Foto zu sehen, unten im Glas.

Ein nussig-malziger Geruch mit leichte Hopfennote, minimal blumig, ist ungewohnt für ein Weizen. Kaffee- und Röstaromen erkenne ich, aber bei weitem nicht so stark wie bei einem Stout. Der Antrunk ist blumig, leicht fruchtig. Schnell drängen sich aber die Hauptkomponenten in den Vordergrund: Malzig, süß, cremig, etwas speckig, deutlich rauchig. Mit Verweildauer im Mund kommt eine dezente Bitterkeit, die im Abgang dann immer stärker wird. Etwas holzig, am Ende recht trocken. Im Vergleich zu einem Hefeweizen ist die Malzigkeit stark ausgeprägt. Der Erfrischungseffekt ist ein ähnlicher, der Geschmack ist aber insgesamt nicht so helltönig wie bei einem hellen Hefeweizen.

schneiderweissetap6-glas

Bei 8,2% wird das TAP6 als Weizendoppelbock eingestuft. Mit Hallertauer Tradition und Magnum wird gehopft, so dass es 16 IBU erreicht. Abgefüllt sind 500ml in einer Standard-Bierflasche mit konventionell gehaltenem Etikett.

Ein Bier, das experimentierfreudige Biertrinker auf jeden Fall ausprobieren sollten. Doch nach dem Probieren steht zumindest für mich fest: Die anderen Zapfhähne (wie zum Beispiel TAP7, das in meinem Bier-Adventskalender enthalten ist) werden eine Chance bekommen, und Hahn No. 6 wird sich andere Gläser suchen müssen als meins.