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Maisel & Friends Sondersude 2017 Titel

Kurz und bündig – Maisel & Friends Hopfenreiter 2017 und Hopfenbock

Ich hatte eine kleine Phase die letzten paar Wochen, in denen aromahopfenbetonte Biere kaum eine Rolle spielten – malzige Biere und klassische Bitterhopfenbiere waren mein täglich Brot. Um so erfreulicher, dass nun mit dem Maisel & Friends Hopfenreiter 2017 sowie dem Hopfenbock zwei Exemplare einen Weg in mein Glas gefunden haben, die diese schmerzliche Lücke füllen könnten. Ohne große Vorrede schauen wir uns die Biere mal detailliert an.

Maisel & Friends Sondersude 2017 Flaschen

Beginnen wir mit dem Hopfenreiter 2017. Das Double IPA mit 8,5% ist der zweite sogenannte Freundschaftssud, der bei Maisel & Friends mit Hilfe anderer Brauer hergestellt wird. Diesmal beteiligt sind Hoppebräu (mit dem Aromahopfen Vic Secret), Schanzenbräu (Callista), Brewage (Chinook), Brlo (Comet), Jopen (HBC431) sowie die Hausherren (Mosaic). Den ersten Hopfenreiter 2016 fand ich schon sehr trinkbar, wie siehts aus mit Version 2017?

Sehr starke, ausdauernde Perlage im schönen, opalisierenden Senfgold sorgt für feinen Schaum, der sich ebenso langlebig zeigt. Die Nase erinnert an ein Marmeladenglas. Sehr mild, üppig und dicht. Mildes Fruchtbouquet, Himbeeren, Mango, Banane, Birne. Leichter Kräuterunterbau, Thymian und Lavendel. Sehr rund und attraktiv.

Maisel & Friends Hopfenreiter 2017

Der Antrunk weist eine gelungene süß-sauer Balance mit vielen Fruchteindrücken auf. Wie zu erwarten: Aromahopfen in allen Schattierungen. Einerseits ein supercremiges, extrem dichtes Mundgefühl, andererseits eine etwas zurückhaltende Rezenz. Abgang erwartungsgemäß sehr trocken, sehr bitter, lang und malzig. Säure übernimmt etwas. Leicht pfeffrig.

Fazit: Gefällt mir sehr gut, vor allem die Nase ist höchstspektakulär. Auch ein idealer Essensbegleiter für thailändisches Essen, kann dem gut Paroli bieten und ergänzt die Aromatik, was man nicht von jedem Bier behaupten kann.

Nächster Schritt: Der Hopfenbock. Ein Bockbier mit 7,6% Alkoholgehalt und 35 Bittereinheiten. Die verwendeten Aromahopfen sind Bravo und Ella. Nur leicht trüb, starkes Mousseux, feiner, aber dünner Schaum. Fast schon Sonnenblumengelb.

Maisel & Friends Hopfenbock

Zitrus ist der erste Eindruck beim Riechen. Der erste Duft verfliegt aber, und dann neutralisiert sich der Geruch der ersten Attacke etwas. Es bleibt eine angenehme, dezente Hopfigkeit. Blumig, kräuterig.

Weich und rund im Antrunk, im Verlauf schlagen die 35 IBU dann zu, ohne aber eckig zu wirken. Süß, aber sehr angenehme Rezenz durch die Kombination aus hohem Karbonisierungsgrad und frischen Hopfenaromen. Schmeckt insgesamt sehr obertönig, es ist zwar sicher genug Körper da, aber die Hopfenbetonung scheint mir  dem stiltypisch erwarteten Malz etwas die Möglichkeit zu rauben, eine profunde Tiefe zu geben. Der Abgang ist kurz, adstringierend, knackig. Ich muss mir ins Gedächtnis rufen, dass wir hier kein IPA vor uns haben – es geht aber aromatisch schon deutlich in diese Richtung.

Auch hier zeigt sich, warum Maisel & Friends eine Bank sind, wenn es um unprätenziöse aber dennoch leckere Biere geht: Ein wirklich schönes Getränk, ideal für den Frühling und den Sommer.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kostenlose, unaufgeforderte Zusendung von je einer Flasche des Hopfenreiters 2017 und des Hopfenbocks.

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Camba Oak Aged Holzfassgereifte Biere Set Titel

Die Venus von Chiemgau – Camba Oak Aged Probierpaket

Bei einem meiner letzten Aufenthalte in der bayerischen Landeshauptstadt München wurde ich beim Schlendern in einer engen Straße beinahe von einem Pferdegespann überfahren. Nicht, dass die gerast wären wie die arabischen Vollbluthengste, nein, die eher gemütlich veranlagten Pferde zogen nur einen riesigen Bierkarren hinter sich her und hatten einen entsprechend langen Bremsweg. Man sieht sie in München immer wieder – die Bierkutscher, die Bier von einer Brauerei zu den Biergärten transportieren. Heute nur noch aus folkloristischen Gründen mit Holzverkleidung, vor einiger Zeit wohl wirklich noch in Holzfässern.

bierfuhrwerk-muenchen

Dass Lebensmittel in Holzfässern eine ganz spezielle Eigendynamik entwickeln, unerwünschte Aromen abgeschliffen und neue, erwünschte hinzugefügt werden, ist uns von Whisky, Rum und anderen Spirituosen bestens bekannt. Doch selbstverständlich kann auch Bier, statt nur in Holzfässern transportiert zu werden, auch in speziellen Hölzern gelagert und gereift werden, um genau diese Effekte auszulösen. Dass Holz nicht gleich Holz ist, was die Aromatikänderungen angeht, können wir dank der bayerischen Brauerei Camba Bavaria nun aus erster Hand direkt erfahren – mit dem Camba Oak Aged Probierpaket, das die vier holzgereiften Sorten Heller Bock – Limousin, Doppelbock Bourbon, Milk Stout – Bourbon und Imperial Stout – Cognac enthält.

Camba Oak Aged Holzfassgereifte Biere Set Flaschen

6 bis 9 Monate liegen Biere der Brauerei in Eichenholzfässern unterschiedlichster Herkunft. Beginnen wir mit der Verkostung dieses exklusiven Sets bei der hellsten Sorte – dem Oak Aged Heller Bock – Limousin. Französische Eichenfässer dienen hier also als Veredler für einen Bock mit 8,1% Alkoholgehalt.

Die Limousineiche hat erstmal kaum einen Einfluss auf das optische Erscheinen des Biers. Naturtrüb, feine Perlage, dünne Schaumkrone. Bernsteinfarben. Vorsicht ist geboten beim Öffnen des Kronkorkens – da sprudelt es etwas mehr als gewohnt.

Camba Oak Aged Heller Bock Limousin

Entsprechend schnell verbreitet sich dann auch der Geruch. Süßlich, fruchtig nach Apfel und Ananas, etwas metallisch. Das Gesamtbild erinnert mich etwas an Calvados. Geschmacklich beweist sich dann, dass meine Nase mich nicht täuscht: Sehr fruchtig, ganz stark nach Apfel und Calvados, vielleicht auch Cidre, letzteres hauptsächlich wegen der kräftigen, wilden Säure, die der Bock zeigt, ausgeglichen durch eine hintergründige Süße. Dabei bleibt das Bier ordentlich trocken und bitter, und sehr erfrischend zum Teil dank der kräftigen Kohlensäure. Der Abgang bleibt trocken, lang, und leider eher unangenehme adstringierende Effekte bleiben lang am Gaumen.

Das wirkt in dieser Sauer-bitter-Kombination unruhig und unrund. Die starke Nähe zu Apfelwein zwingt mich fast zu glauben, dass die Vorbelegung des Fasses (auf dem Etikett nur als „Holzfassobstbrand“ der Destillerie Lantenhammer bezeichnet) ein Apfelbrand war.

Steigen wir um und greifen nun zum Doppelbock Bourbon. Vielleicht hat das Ex-Bourbon-Fass einen gemäßigteren Einfluss auf den Doppelbock? Zumindest die Farbgebung ist schonmal extremer, wobei man natürlich nicht weiß, ob der Doppelbock nicht eh schon von sich aus dunkler wäre. Die dunkelbraune Farbe ist in etwa wie die von Altbier. Praktisch keine Schaumbildung erscheint, trotz der feinen und starken Perlage.

Camba Oak Aged Doppelbock Bourbon

Überreife Mandarine, leichter Kompostgeruch. Etwas Malz, ein Hauch Zitrone. Das sind die Eindrücke, die ich durch Schnuppern zu erkennen denke. Erstmal wenig Bourbonhaftes. Ist das im Geschmack anders? Ja, wow, da schmeckt man den Bourbon tatsächlich raus. Die typischen Vanille- und Eichennoten sind sofort beim Antrunk präsent. Leichtes Karamell, trotz der süßen Eindrücke aber eine klare, präsente Säure, die immer stärker wird im Verlauf der Verkostung. Mandarine, rote Trauben, braune Äpfel und anderes, leicht schon überfälliges Obst – das hört sich schlimmer an, als es ist. Schöne Rezenz, die leider durch die aktive Säure dann im Gesamtbild etwas übersteigert wirkt. 10,5% Alkoholgehalt wirken gut eingebunden.

Der Abgang ist mir zu süß und fast schon klebrig; er hinterlässt ein pappiges Gefühl am Gaumen. Schade, dass so ein toller Ansatz so mäßig enden muss. Doch in Kombination mit einem guten Essen, wie dem knusprig gegrillten Entenschenkel, den ich dazu hatte, ist das trotzdem ein Gewinner.

Doch wir halten uns nicht lang damit auf, gehen direkt über zum nächsten Kandidaten, dem Milk Stout – Bourbon. Hier wird spannend sein, ob sich das Bourbonfass auf einen anderen Bierstil anders auswirkt. Klären würde ich aber zunächst gern die Frage nach dem verwendeten Milk Stout – sind das die Reste des Milk Stouts, das vernichtet werden musste? Dass dem reinheitsgebotfanatischen bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit neben der Bezeichnung „Milk Stout“ auch die Zutaten, nämlich Hafer- und Gerstenflocken sowie der Milchzucker, aufstößt, ist von meiner Perspektive aus nur noch als lächerlich zu bezeichnen und zeigt die gesamte Sinnlosigkeit des RHG. Aber halten wir uns nicht damit auf, die Geschichte ist gegessen, sondern kommen zum Bier selbst.

Camba Oak Aged Milk Stout Bourbon

Das Foto sagt schon das meiste bezüglich des Aussehens: Schwarz, blickdicht, höchstfeine Perlage, aber praktisch kein Schaum. Dieser ist, solange vorhanden, crema-farben. Seine Herkunft kann das Bier allein schon aufgrund des Geruchs nicht verleugnen: sehr milchsauer, mit ganz hervorspringender Bourbonnote – Vanille, Eiche und die sonstigen üblichen Verdächtigen, was amerikanischen Whiskey angeht.

Leicht milchig ist auch der Geschmack (obwohl natürlich keine Milch enthalten ist in einem Milk Stout!), dann kratzig-sauer, aber dann – wumms! – Bourbon. Das schmeckt sehr stark nach Vanille und anderen Bourbonaromen. Die süß-sauere Komponente erinnert mich an die Schweizer Limonade Rivella, sehr interessant. Für ein Stout ein recht dünner, dafür aber sehr aromatischer Körper. Röstaromen und dunkles Malz sind selbstverständlich in einem Stout. Die Säure dominiert das Gesamtbild, wird aber durch kräftige Süße ausgeglichen, anders als bei vielen Sauerbieren. 9% Alkohol entdeckt man höchstens durch einen schwummrigen Kopf nach dem Genuss.

Der mittellange Abgang ist sehr würzig, sauer, sehr salzig, etwas Sojasauce. Die Effekte von Milchsäure und Vanille bleiben darüber hinaus noch ausgesprochen lang. Supertrocken im Mundgefühl hat das Milk Stout Bourbon schon etwas Wein-Charakter; definitiv etwas für überzeugte Weintrinker, die mal von einem Bier überrascht werden wollen.

Nach diesem positiven Eindruck hoffen wir auf eine Krönung der Verkostungsreihe beim letzten Bier aus dem Set, dem Imperial Stout – Cognac. Optisch sehen wir zumindest schon beim Eingießen ein sehr typisches Imperial Stout: schwarz, blickdicht, brauner Schaum, praktisch keine sichtbare Perlage.

Camba Oaked Aged Imperial Stout Cognac

Der Geruch ist einfach umwerfend. Starke Kaffee-, Kakao- und Röstmalznoten kennt man ja von einem Imperial Stout, aber in dieser Form ist das noch herrlicher als sonst. Dazu kommt eine attraktive, fruchtige Süße, tatsächlich nach Cognac und Traubenmost. Holunder spielt auch noch mit.

Im Antrunk superweich und süß, dann aber sofort sehr starke Kaffeearomen. Würzig nach Sojasauce, stark geröstetem Malz und schwarzer Schokolade. Die Cognac-Fassreifung zahlt sich in milden Fruchtaromen aus, Rosinen, Feigen und reifer Ananas. Eine milde Säure gleicht die schwache Karbonisierung gut aus. 10% Alkohol sind ohne Mangel eingebunden, in keiner Form schmeck- oder spürbar. Ich trinke es in Zimmertemperatur.

Abgang ist lang und sehr bitter, nochmal ein wuchtiger Schub Kaffee und Maggi, dabei schmeichelnd süß und gleichzeitig würzig. Für mich persönlich das ansprechendste der vier Biere: Hier hat alles genau richtig funktioniert und spielt ineinander in Perfektion. Ein Traumbier, wie man es selten findet.

Camba Oak Aged Holzfassgereifte Biere Set Tragerl

Die Flaschen sind natürlich supersensationell gestaltet. Sie erinnern mich in ihrer femininen, schwungvollen Form an die Venus von Willendorf. Dazu das milchige Glas mit dem dezent aufgetragenen Firmennamen, den Verzicht auf Etiketten (bis auf das kleine, quer angebrachte Rücketikett mit den wichtigsten Infos) und dem netten kleinen Umhänger – rundum gefällt das. Das Kartontragerl des Probierpakets fällt dagegen natürlich etwas ab.

25€ bezahlt man für 4 Viertelliterfläschchen. Da mag es so manchen gehen wie dem Kunden bei Globus, neben dem ich neulich vor dem Craftbierregal stand, und der fast schon wütend ausrief: „Wer gibt denn soviel Geld für Bier aus?!?“ Interessant, dass sich solche Leute nie in die Weinabteilung stellen und ähnlich perplex ob der Preise sind. Wir sind noch lange nicht so weit, dass Bier einen ähnlichen, fast schon mystischen Stellenwert hat, den man nicht mehr hinterfragt, sondern akzeptiert, dass Qualität ihren Preis hat. Aber wenn die Brauereien so weitermachen, und auch weiterhin so spannende Produkte wie die Camba Oak Aged-Reihe herausbringen, dann sind wir auf einem guten Weg, dass auch die breite Masse im Billigbierland Deutschland sich derartige Fragen nicht mehr stellen wird.

Erdinger Pikantus Dunkler Weizenbock Titel

Ein deftiges Schlückchen vorneweg – Erdinger Pikantus Dunkler Weizenbock

Frauen trinken plötzlich Bier. Naja, so ganz plötzlich jetzt nicht, aber ich erinnere mich gut daran, dass Bier früher ein fast exklusives Männergetränk war. Bis vor wenigen Jahren konnte man in Stadtcafés und Flaniermeilen die Frauen, die ein Bier vor sich stehen hatten, an einer Hand abzählen. Sie tranken lieber Cappuccino, Weißwein, Fruchtsaftradler oder Aperol Spritz. Doch die moderne Frau lässt all das hinter sich und lässt sich gern ein Hefeweizen oder Pils servieren.

Diese Emanzipation erkennt man auch in der Marketingplatzierung eines Produkts. Den  bärtigen Hipster haben die Traditionsbrauereien schon als Zielgruppe ans Craftbier verloren, vielleicht gibt es dann wenigstens noch die Chance, die neuen Biertrinkerinnen an Land zu ziehen? Tatsächlich beginnt die Bierindustrie, neue Nischen zu suchen, in die sie mit ihrem Bier vorstoßen kann. Wäre der Hersteller Erdinger vor 10 Jahren wahrscheinlich für das Motto „Aperitivo Nero“ ausgelacht worden, ist dieser Untertitel des Erdinger Pikantus Dunkler Weizenbock heutzutage als Versuch zu werten, in einem Segment Fuß zu fassen, das lange von Spirituosen und Wein exklusiv genutzt wurde. Die Zeiten wandeln sich zu gunsten solcher Experimente – zu erkennen an einfachen Dingen wie dass Biersommeliers nun selbstbewusst im Fernsehen auftreten und Food Pairings empfehlen und Tastinghinweise geben können, ohne ausgelacht zu werden; Bier hat einen neuen Stellenwert, auch und insbesondere für Frauen. Da war die Idee, Bier als femininen Aperitiv zu vermarkten, nicht allzu absurd.

Erdinger Pikantus Dunkler Weizenbock Flasche

Der Namen kündet es an: Mit 7,3% Alkohol haben wir hier den doch eher seltenen Fall eines dunklen Weizenbiers in Bockstärke vor uns. Die Farbe hält sich daher zumindest schonmal an die Aufmachung. Dunkelbraun, espressofarben. Die sehr feine Perlage kümmert sich darum, den dicken, festen, aber kleinblasigen Schaum eine respektable Weile aufrechtzuerhalten. Man könnte das Pikantus rein optisch wegen Farbe von Flüssigkeit und Schaum für Caffè crema halten.

Ich kenne Biere, Imperial Stouts beispielsweise, die dann auch den dazu passenden Geruch anbieten würden; nicht so das Pikantus. Es bietet stattdessen einen Kontrapunkt – Metall, Karamell, Brot und Heu. Insgesamt bleibt es diesbezüglich aber eher zurückhaltend.

Wenn wir schon bei den Analogien sind, können wir auch beim Geschmack nahtlos mit Vergleichen fortsetzen – süßcremiger Kaffee, dunkler Kakao, das erinnert den Bierfreund an Porter oder Stout, doch im Gegensatz zu diesen betont das Pikantus dann doch lieber seinen Weizenbiercharakter. Der Abgang ist trockenbitter, weist dabei eine süßliche Klebrigkeit auf, die ich nicht wirklich mag, die ich aber in vielen Bieren in letzter Zeit schmecken musste.

Erdinger Pikantus Dunkler Weizenbock Glas

Insgesamt erahnt man nun schon, wohin mein Fazit geht: Bock, Weizen, Porter, Stout – von allem hat sich das Pikantus etwas geliehen, und darüber vergessen, etwas eigenes zu liefern. Da wollte man vielleicht zuviel bei Erdinger, und so wird aus einer spannenden Idee eines Crossover-Biers schnell eine etwas langweilige Mixtur ohne eigenen Charakter.

Auch die Marketingidee finde ich, ehrlich gesagt, leicht deplatziert – das Pikantus ist ganz sicher nicht als Aperitiv geeignet, denn da trinkt man doch eigentlich gern spritzige Getränke, zum Öffnen der Geschmacksnerven; das Pikantus verkleistert sie eher und bietet nichts spannendes. Zum Essen allerdings ist dieses Bier bei mir ein durchaus gern gesehener Gast, wenn auch kein Stammkunde. Ein Gebrauchs-, kein Gourmetbier halt, trotz der aufwändigen Aufmachung.

Erdinger Pikantus Dunkler Weizenbock Tragerl

Knapp 2,50€ pro Flasche habe ich im Netto-Discounter bezahlt, wo das Pikantus im hübsch designeten Vierer-Tragerl erhältlich war, mit einem darauf abgebildeten rassigen brünetten Model, das ein Glas des Biers anbietet – da bekommt man Lust, das Angebot anzunehmen. Wenigstens mal eine fesche, neue Idee, statt den sonst für Bierwerbung üblichen dauerhippen Partypeople, die mich nur noch anöden.

Nähern wir uns der Idee des Aperitiv-Biers doch nochmal aus einer leicht anderen Perspektive. Ich denke, ich habe nun oft genug klargemacht, dass ich Bier für eine ideale Cocktailzutat halte. Wenn schon das Pikantus allein nicht wirklich als Gaumenöffner taugt, vielleicht aber, wenn man es mit ein paar Hilfsmitteln aufpeppt? Der The Beer & The Nuts-Cocktail beweist, dass man niemand aufgeben sollte, ohne nicht alles versucht zu haben. Ein wunderbares Gebräu.

The Beer & The Nuts


The Beer & The Nuts
1½ oz Polnischer Vodka (z.B. Grasovka)
½ oz Amaretto
½ oz Limettensaft
1 Spritzer Angostura
1 Eiweiß
Alle Zutaten gut schütteln, und im Glas dann…

…mit 1 oz Erdinger Pikantus Dunkler Weizenbock toppen.
[Rezept nach Petros Armakollas]


Persönlich würde ich also, um das oben schon vorweggenommene Fazit nochmals aufzugreifen, Sonstnichtbiertrinkern und Einsteigern nicht gerade einen dunklen Weizenbock als Aperitiv empfehlen. Doch, und damit bewegen wir uns dann doch nicht so weit weg von der Marketingprämisse des Pikantus, als Nachtischbier könnte es somit vielleicht sogar neben dem Bierkenner, der auf etwas Deftiges aber gleichzeitig Unkompliziertes aus ist, den Frauen schmecken, die sich nachmittags in der Sonne mit den Freundinnen etwas anderes gönnen möchten als einen langweiligen Cappuccino.

Schneider Weisse Tap 6 Titel

Zapfhahn No. 6 tropft – Schneider Weisse TAP6 „Unser Aventinus“ Weizendoppelbock

Bayern ist in Bezug auf Bier ein erzkonservativer Staat. Innovativen Bierkünstlern wird jeder auch nur ansatzweise erdenkliche Stein in den Weg gelegt, um den Popanz des Reinheitsgebots aufrecht zu erhalten (und ganz nebenbei die bestehende Industriebierproduktion zu schützen). Es ist ein Wunder, dass es dennoch immer wieder neue, kreative Ideen im bajuwarischen Bierbereich gibt, die aus dem engen Spielraum, den das Lebensmittelgesetz bietet, das beste herauszuholen vermögen.

Die bayerische Brauerei Schneider Weisse beispielsweise stellt diverse Interpretationen von Weißbier her. Jede Sorte wird mit dem Begriff „Tap“ und einer Kardinalzahl versehen, eine Anspielung auf eine Abfüllmethode per Zapfhahn (engl. „tap“). Gemeint ist damit natürlich eine Rezeptur – wie man an Jack Daniel’s Old No. 7, George Dickel No. 12 oder auch Chanel N°5 sieht, ist das eine beliebte Vorgehensweise bei rezeptbasierten Produkten. Mit dem Untertitel „Aventinus“ des Schneider Weisse TAP6 „Unser Aventinus“ widmet die Brauerei dieses Spezialitätenweißbier, das offensichtlich dem sechsten Zapfhahn entflossen ist oder, wahrscheinlicher, die sechste Rezeptur im Brauerkatalog darstellt, dem bayrischen Geschichtsschreiber Johannes Aventinus.

schneiderweissetap6

Nach dem Eingießen in mein schönes Spiegelau-Witbier-Glas freue ich mich normalerweise über das Strahlen der Farbe des Biers. Beim TAP6 gefällt mir ehrlich gesagt die Farbe nicht so sehr – eine etwas undefinierte braune Brühe, es erinnert mich an Colaweizen. Den anfangs vorhandenen Schaum hört man laut zischen, doch sehr schnell ist er vom Bier verschwunden. Die Resthefe aus der Flaschengärung war bei mir schon etwas bröckelig und landete, wie auf dem Foto zu sehen, unten im Glas.

Ein nussig-malziger Geruch mit leichte Hopfennote, minimal blumig, ist ungewohnt für ein Weizen. Kaffee- und Röstaromen erkenne ich, aber bei weitem nicht so stark wie bei einem Stout. Der Antrunk ist blumig, leicht fruchtig. Schnell drängen sich aber die Hauptkomponenten in den Vordergrund: Malzig, süß, cremig, etwas speckig, deutlich rauchig. Mit Verweildauer im Mund kommt eine dezente Bitterkeit, die im Abgang dann immer stärker wird. Etwas holzig, am Ende recht trocken. Im Vergleich zu einem Hefeweizen ist die Malzigkeit stark ausgeprägt. Der Erfrischungseffekt ist ein ähnlicher, der Geschmack ist aber insgesamt nicht so helltönig wie bei einem hellen Hefeweizen.

schneiderweissetap6-glas

Bei 8,2% wird das TAP6 als Weizendoppelbock eingestuft. Mit Hallertauer Tradition und Magnum wird gehopft, so dass es 16 IBU erreicht. Abgefüllt sind 500ml in einer Standard-Bierflasche mit konventionell gehaltenem Etikett.

Ein Bier, das experimentierfreudige Biertrinker auf jeden Fall ausprobieren sollten. Doch nach dem Probieren steht zumindest für mich fest: Die anderen Zapfhähne (wie zum Beispiel TAP7, das in meinem Bier-Adventskalender enthalten ist) werden eine Chance bekommen, und Hahn No. 6 wird sich andere Gläser suchen müssen als meins.

Zu Maien, zu Maien die Vögelchen singen – Münchner Hofbräu Maibock

Ich bin ein Fan des Münchner Biers. Augustiner, Löwenbräu, Spaten, Paulaner und Hacker Pschorr sind alles herrliche, süffige Biere – mit Sicherheit mit die besten der Welt, konzentriert auf eine Stadt. Das Publikum am Viktualienmarkt oder am Chinesischen Turm ist aber auch verwöhnt, und, wenn ich mich regelmäßig mindestens alle zwei Jahre dazugeselle, erwarte ich nichts weniger als die Krone der Bierwelt im Maßkrug.

hofbräu-krug2Eins der klassischen Münchner Brauhäuser habe ich absichtlich ausgelassen – das Hofbräu. Für mich ist es das Bier, das noch über die eh schon höchste Klasse der anderen Münchner Biere herausragt. Ich war hin und weg, dass es inzwischen regelmäßig im Saarland auch dieses Bier in Flaschen zu kaufen gibt – sogar Saisonware, wie das Oktoberfestbier und das hier vorgestellte Maibock.

hofbräumaibock-borderNach dem Eingießen kann man einen spannenden sensorischen Ketteneffekt bewundern. Die wunderbare, kräftige Kupferfarbe des Biers spiegelt sich auch im Geruch wieder, ein leicht metallischer Anklang kombiniert sich gut mit der schönen Malzigkeit. Malz ist dann auch wiederum klar auf Zunge und Gaumen schmeckbar. Sind viele malzige Biere dann automatisch oft sehr süß, ist dies beim Hofbräu Maibock eher weniger der Fall: Das voluminöse Mundgefühl wird mehr aus einer perfekt runden Mischung aus Säure und Würze gespeist als durch Süße. Dabei ist das Bier nicht bitter, sondern schmiegt sich zart an die Geschmacksknospen. Sehr hinterhältig, denn die 7,2% steigen schnell zu Kopf, wenn man unvorsichtig wird, und dieses sehr trinkbare Bier schnell runterstürzt.

hofbräu-krug1Es gibt nur eine Sache, die besser ist als Hofbräu Maibock gut gekühlt an einem lauen Frühlingstag im Mai zu trinken: im Innenhof-Biergarten des Hofbräuhauses in München zu sitzen, und es dort mit einer Brezn und warmen Weißwürsten mit süßem Senf zum Spätfrühstück zu genießen. Da ist mir dann auch klar, warum die Vögelchen im Mai so gern singen.