Städtebierpartnerschaft Homburg/Seattle – Karlsberg & Big Time Brewery Bock to Hell

Im Saarland war es lange gang und gäbe, wenn ich den Aussagen meiner bierophilen Kollegen trauen darf, Bier in Literflaschen, sogenannten „Literbomben“ oder „Libos“, zu erwerben. Ich bin seit 10 Jahren im Saarland, habe diese spannende Phase der hiesigen Bierkultur verpasst, heutzutage geht es ja eher mehr hin zu immer kleineren Gebinden – die Drittelliter-Longneck-Flasche ist zusammen mit dem „Stubbi“ wahrscheinlich die heute beliebteste Konsumform von Bier im Saarland, wie überall in Deutschland. Persönlich mag ich derartige Gleichmacherei eigentlich nicht. Mit dem Karlsberg & Big Time Brewery Bock to Hell lässt der saarländische Bierplatzhirsch die „gute alte Zeit“ der Literbombe wieder ein wenig aufleben, und öffnet sich gleichzeitig durch die Zusammenarbeit mit einer amerikanischen Craft Brewery auch der frechen modernen Bierkultur – eine schöne Spannung, die durch diesen scheinbaren Widerspruch entsteht.

Die große Bügelflasche trägt ein passendes, vielsagendes Etikett – der witzige, auf einem Bierfass balancierende Elefant schwenkt eine Collaboration-Brew-Fahne, der Hintergrund des Etiketts ist im traditionellen Karlsberg-Grün gehalten. Schön gestaltet, modern und gleichzeitig in die klassische Produktpalette passend; da war ein guter Marketeer am Werk. Nur 222 Flaschen dieses hellen Bockbiers mit 6,5% wurden abgefüllt, meine war die 15. davon, was handschriftlich auf dem Etikett eingetragen ist. Da die Haltbarkeit scheinbar durch Handabfüllung drastisch gesenkt wird, habe ich in bester Kollegialität meine Flasche in einem Büro-Bier-um-Vier-Termin mit einigen Kollegen geteilt, das beste, was einer Literflasche passieren kann – schließlich bin ich Biertrinker, nicht Biersammler.

Karlsberg & Big Time Brewery Bock to Hell

Für einen guten Bock braucht man eine stabile Malzbasis, diese wurde hier mit Pilsener-, Münchener- und Wiener-Malz gelegt. Das äußert sich in der Farbe – das Wort „hell“ in der Stilbezeichnung „heller Bock“ ist dabei natürlich relativ zu sehen, da ist viel kupfernes, fast schon kristallklares Strahlen. Feiner, dünner Schaum bleibt nach dem Eingießen zurück (die Variante frisch vom Fass – siehe unten – konnte dabei natürlich viel mehr auftrumpfen). Die Nase ist sehr hopfenfruchtig: Die für den Stil auch erwartete leichte Hopfigkeit entstammt den schon gut bekannten Aromahopfen Chinook, Magnum, Hallertauer Mittelfrüh und dem zumindest mir absolut neuen Mount Hood-Hopfen, diese sorgen wahrscheinlich auch zum Teil für die fetten 51 IBU. Bittere ist entsprechend kräftig vorhanden, dazu kommt aber ein supercremiges, volles und breites Mundgefühl. Malz, Grapefruitschale, ein Hauch Frucht-Sießschmeer (das ist das saarländische Wort für Marmelade), milde Schokolade, da ist viel Geschmack da. Eine nahezu ideale Süß-Sauer-Balance, und eine tolle Rezenz führen zu einem langen, sehr bitter-trockenen Abgang mit langem Nachhall von bitterer Grapefruit und leichter Blumigkeit. Das läuft gefährlich gut den Rachen runter.

Karlsberg & Big Time Brewery Bock to Hell Glas

Hat es mir geschmeckt? Nun, während der Release-Party, die Karlsberg in meiner Stammkneipe schmiss, der Schillers Pop Up Bar in Saarbrücken, habe ich mir 5 Gläschen davon gegönnt, frisch vom Fass. Untenstehend ein paar Eindrücke, nett insbesonders der geschnitzte „Big Time“-Zapfhahn aus Holz. Ich danke auch für die Möglichkeit, einen Schnappschuss eines 30-Liter-Plastikfasses machen zu können, von denen mehrere an diesem Abend geleert wurden. Tatsächlich kamen hier viele Elemente zusammen, die mir das Bock to Hell etwas ans Herz wachsen ließen, in der kurzen Zeit, in der es verfügbar war (inzwischen ist es natürlich schon lange vergriffen) – ein heißer, sonniger Spätnachmittag, nette Unterhaltung mit Bierfreunden, die ich schon aus anderen Biertastings der Saarbrücker Beer Society kannte, Bier frisch vom Fass, gut gekühlt, und die fast genauso coolen Jungs vom Schillers; da kann ein Bier ja gar nicht nicht schmecken.

Karlsberg & Big Time Brewery Bock to Hell Fassprobe

Ja, es hat mir aber auch unabhängig von den äußeren Einflüssen geschmeckt, und ich finde es schön, dass sich Karlsberg auch dem aktuellen Trend zu Collaboration Brews anschließt und so den in den letzten Jahrzehnten vielleicht etwas eng gewordenen saarländischen Bierhorizont erweitert. Ich hoffe, dass Karlsberg das nicht nur als einmalige Werbeaktion sieht, sondern sich derartigen Ideen offen hält, und wir in Zukunft weitere Produkte dieser Art sehen werden – und dann eventuell sogar so, dass mehr als nur eine Handvoll Bierfreunde davon profitiert.

Offenlegung: Ich danke Karlsberg für die kostenlose Bereitstellung einer Flasche des Bock to Hell. Und Christian vom Schillers, der die Bereitstellung selbstlos in die Wege geleitet und mich mit dem Fläschchen überrascht hat.

Frisch vom Fässje – Bruch’s Barrique Bock

Die Brauerei G.A. Bruch in Saarbrücken ist das zweitälteste Unternehmen des Saarlands, und eine der leider an einer Hand abzählbaren Traditionsbrauereien, die es heute noch in meinem Bundesland gibt. Ihr Zwickel ist für mich das perfekte alltagstaugliche Sommerbier, von dem ich im Jahr so einige Liter gern trinke, und ihr zweimal im Jahr gebrautes Bockbier ist ein Traum. Am neulich stattfindenden Tag der offenen Tür gab es allerdings eine andere Spezialität zu erwerben, die mir sofort ins Auge sprang und der ich dann nicht widerstehen konnte – Bruch’s Barrique Bock. Dazu wurde ein Bockbier ein Jahr in einem Ex-Whisky-Fass gelagert, und danach limitiert auf 450 Flaschen abgefüllt. Schon die Flasche hat mir sehr gefallen – eine ungewöhnliche Form, ohne Etikett, dafür mit einem schön und einfach gestalteten Pappumhänger mit einigen Informationen. Das ganze wirkt optisch auf Anhieb sowohl elegant als auch bodenständig; was taugt das Bier im Glas?

Bruch's Barrique Bock Flasche

Dunkelbraun und so gut wie blickdicht, selbst wenn man es gegen das Licht hält. Leichte Perlage, kein Schaum – schon beim Eingießen verfliegt er direkt. Für ein fassgereiftes Bier keine Überraschung. Etwas überraschend sind dafür aber die so extrem eindeutigen, stark dominierenden Whiskynoten in der Nase – da ist viel Vanille, Bourbon-Aromen, Holz. Zimt und milde Fruchtnoten nach Rosinen und Pflaumen. Eine dezente feuchter-Keller-Note.

Auch im Antrunk ist Whisky sehr präsent, tatsächlich dauert es eine Weile, bis andere Aromen dagegen ankommen – dann finden sich Rosinen, Mango, Orangen, Lakritze. Eine sehr attraktive Erdigkeit und tiefdunkle Töne werden durch hopfige Frische und eine gut erhalten gebliebene Karbonisierung ausgeglichen. Ausgesprochen schöne Balance zwischen dunkelkaramelliger Süße, malziger Würze (ich fühle mich etwas an Schweizer Kräuterzucker erinnert) und frischer Säure sorgen für ein wirlich rundes Mundgefühl. Die knackige Rezenz macht das ganze sogar noch süffig.

Bruch's Barrique Bock Glas

Im wirklich sehr langen Abgang mildrauchig, tatsächlich auch etwas torfig, erdig und sehr malzig. Im ebenso sehr langen Nachhall taucht die starke Frucht des Bockbiers dann auf, vorsichtige Astringenzeffekte und eine leichte Säure bleiben am Gaumen. 11,1% Alkoholgehalt sind eine Hausnummer, selbst für ein Bockbier, und auch wenn man sie nie schmeckt, so spürt man sie nach dem Drittelliter einer Flasche schon.

Selten habe ich ein fassgereiftes Bier getrunken, das so vom Fass beherrscht wird – das Bier selbst ist kaum noch zu erkennen. Dennoch sage ich mit voller Überzeugung, dass dies das mit Abstand spannendste und am besten komponierte Whiskybier ist, das ich je im Glas hatte.

Bruch's Barrique Bock Eichenfass

Beim Kauf dieses Biers hatte ich gleichzeitig noch die Gelegenheit, eine Brauereiführung mitzumachen. Ein kleines Detail fiel mir dabei direkt ins Auge – das Eichenholzfass, das für den Barrique Bock benutzt wurde. Offensichtlich ein frisches Fass, stark getoastet, das vorher 3 Jahre mit einem hauseigenen Whisky belegt war.

Tolle handwerkliche Arbeit eines lokalen mittelständischen Brauers, der Tradition und Innovation verbindet, ohne einerseits müde und träge oder andererseits hipsterig zu werden. Ich hoffe ernsthaft auf eine Neuauflage im nächsten Jahr, denn das für diese Auflage geleerte Fass wurde direkt nochmal neu mit Bockbier belegt – dann werde ich mir mehr als nur 3 Flaschen organisieren.

Kurz und bündig – Max Luttner & Maisel & Friends Twin Peak Weizendoppelbock

Hier mal ein Bier, zu dem ich eine etwas besondere Beziehung habe – der Twin Peak Weizendoppelbock war der Gewinner des 1. Hobbybrauerwettbewerb von Maisel & Friends und der Braubeviale 2018. Als Teil der Jury konnte ich beobachten, wie sich dieser von Hobbybrauer Max Luttner eingereichte Sud am Ende als Gewinner herauskristallisierte.  Der Hauptgewinn dieses Wettbewerbs war eine professionelle Herstellung in größerem Maßstab bei Maisel & Friends, wobei sich natürlich trotzdem an Rezept und Gestaltung der Flasche des glücklichen Bierfreunds gehalten wurde.

Max Luttner & Maisel & Friends Twin Peak Weizendoppelbock

Mezzomixbraun, trüb und komplett blickdicht, am Boden setzen sich viele, sich farblich deutlich abgrenzende Hefereste ab. Leichte Perlage, aber praktisch kein Schaumerhalt kurz nach dem Eingießen. Nach dem etwas unspannenden optischen Eindruck kommt ein umso erfreulicher Geruch in den Riechkolben – fruchtig in der Nase, viel Pfirsich und Aprikose, aber auch eine überraschende und recht präsente Note nach BBQ-Sauce. Malzig und hefig.

Das Twin Peak ist sehr fruchtig im Antrunk, richtig ein bunter Früchtekorb. Die initiale Süße verschwindet schnell und macht einer hellen, kantigen Trockenheit Platz. Säure beherrscht das Gefühls- und Geschmacksbild, bis zu einer leichten Adstringenz an der Zungenspitze. Sehr rezent und hochkarbonisiert. Der Abgang ist fast schon warm und fühlt sich leicht alkoholisch an (7,8% Alkoholgehalt sind doch etwas erkennbar). Mittellang, mit Kaugummiaromen und einem malzigen Nachklang.

Maisel & Friends Craft Beer Festival 2018 - 06 - Jury

Taugt das Bier insgesamt was? Die Expertenjury des Hobbybrauerwettbewerbs war sich vergleichsweise einig und sagte „ja“. Immerhin bestand sie aus geballter Fachkompetenz einerseits und mir andererseits, der ich mich praktisch als blutiger Anfänger fühlte gegenüber diesen Kennern – Christof Habel (Redakteur BRAUWELT und GradPlato), Mareike Hasenbeck (Journalistin und Biersommelière), Markus Raupach (Journalist, BierAkademie und Biersommelier), Andrea Kalrait (Veranstaltungsleiterin BrauBeviale und Biersommelière), Michael König (Biersommelier Maisel & Friends), Gracia Sacher (Bierbloggerin „Hopfenmädchen“) und André Brunnsberg (Vorsitzender der finnischen Hobbybrauervereinigung, Delegierter der European Beer Consumers Union).

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die Bereitstellung von 4 Flaschen des Twin Peak.

Kurz und bündig – Brauerei Zoller-Hof Old Fred & Donator Heller Doppelbock

Ich bekomme hin und wieder Proben zugeschickt, meist von Händlern oder Herstellern. Natürlich markiere ich diese kostenlosen Rezensionsexemplare deutlich als solche, und ich lasse mich nicht davon beeinflussen. Hin und wieder kriege ich allerdings auch von Bekannten und Verwandten eine kleine Zuwendung in Flaschen, und beim hier besprochenen Artikel ist es genau sowas – mein Bruder hatte mir in seiner Begeisterung für ein lokales Bier ein Tragerl voll mit Old Fred  sowie Donator Heller Doppelbock zu Weihnachten mitgebracht. Diese Begeisterung in allen Ehren, ich verlasse mich nur auf meinen eigenen Geschmack, und so mussten die zwei Biere der schwäbisch-pseudoamerikanischen Brauerei Zoller-Hof auf meinen Prüfstand.

Brauerei Zoller-Hof Old Fred & Donator

Zunächst widmen wir uns dem Old Fred, einem Amber Lager, das mit Cascade-Hopfen kaltgehopft wurde. Man sieht in der Aufmachung eine deutliche amerikanische Note – das Storytellingkonzept ist, dass Frederick Miller, Gründer der Miller Brewing Company, der heute zweitgrößten Brauerei der USA, in Sigmaringen das Brauhandwerk gelernt hat. Persönlich hat er nichts mit dem Bier zu tun, es ist sozusagen eine Homage an den berühmten Schüler der Brauerei – und immerhin ist der Hefestamm aller Miller-Biere noch heute der Hefestamm der Hofbrauerei der Hohenzollern in Sigmaringen.

Old Fred Amber Ale

Sehr dunkler Bernstein erwartet uns also namenspassend im Glas, eher schon haselnussfarben. Dabei bleibt es kristallklar. Passend wiederum zur Farbe ist das Old Fred leicht nussig im Geruch, sehr malzig, deutliche Hopfennoten, ohne dabei die Fruchtwucht eines Pale Ale oder IPA zu erreichen.

Geschmacklich: Breit im Antrunk, süßlich, malzig, aromatisch, milde Säure. Sehr cremig für ein Lager im Mundgefühl. Im Verlauf kommt immer mehr Hopfen dazu, die Bittere steigt, die Trockenheit nimmt zu. Für mich wechselt der Eindruck von Amber Lager zu Pale Ale – ein schöner Spannungsbogen, der das Bier interessant macht. Selbst bei steigender Trinktemperatur bleibt das Old Fred frisch und rezent, die gelungene Karbonisierung mit ein runden 5,3% Alkoholgehalt sorgen dafür. Im Abgang ist es mittellang, sehr hopfig, mit vielen Grapefruit-Noten und -effekten; die Bittere ist adstringierend, hell und zitruslastig.

Ich mag dieses Bier, es hat viel zu bieten und ist dabei nicht überkomplex. Macht sich der Donator Helle Doppelbock auch so gut? Es ist schonmal deutlich stärker, 8,5% Alkoholgehalt, und laut Etikett „mindestens 50 Wochen gereift“, ich bin gespannt, ob sich diese Reifedauer im Geschmack niederschlägt.

Brauerei Zoller-Hof Donator Heller Doppelbock

Unfiltriert ist es, das erkennt man an zwei Dingen – die Trübung, die nur ein paar Blicke durch das Bier hindurchlässt, und die sehr deutlichen Partikel, die in der Flüssigkeit stehen. Die Farbe ist hell, wie der Name es schon anklingen lässt. Schaum vermisse ich schon direkt nach dem Eingießen, nur eine kleine Schaumtonsur bleibt. Geruchlich sehr hefig, auch das passt zu den Partikeln, die ich für Heferückstände halte. Das Malz ist das einzige, was etwas dagegen halten kann, eine gewisse Hopfennote, aber nicht mehr als eine Note, ist erkennbar – das verwundert, wenn man die Etikettierung als „tripple (sic!) hopped“ liest. Eine deutliche Kölnisch-Wasser-Floralität liegt als Kopfnote darüber.

Geschmacklich erkennen wir im Antrunk klar einen Doppelbock, süß, malzig, hefig, schwer. Ich assoziiere Orangenmarmelade. Im Abgang fast schon etwas pappig, da bleibt viel zu tun für die Spucke, die der Donator durch die dazu kommende Trockenheit anzieht. Hier präsentieren sich nun die Hopfenaromen sehr viel prägnanter, und man glaubt zu diesem Zeitpunkt dann doch dem Etikett. Am Ende tendiert es etwas arg zur Säure hin, betäubt leicht die Zunge. Hm, ein durchwachsenes Bier. Interessant, aber im Gesamtbild zu unausgewogen für meinen Geschmack – es fehlt mir etwas an Tiefe. Für Bockfreunde aber dennoch einen Blick wert.

Ich mag diese Art von Lokalkolorit, die in Deutschland an jeder Ecke manchmal so unerwartet auftritt. Die Biere der Brauerei Zoller-Hof zeigen, dass es auch in traditionellen Brauereien an Kreativität nicht mangelt!

Maisel & Friends Craft Brauer Festival 2018 und Maisel & Schanzenbräu Gestopfter Bär

Die Einladung kam überraschend, das gebe ich zu. Mitglied in der Jury eines Brauerwettbewerbs! Natürlich bin ich für derlei Dinge immer zu haben, besonders, wenn sie im Rahmen eines Festivals stattfinden, und von einem illustren Brauer wie Maisel & Friends organisiert werden. Der Hobbybrauer-Wettbewerb war also einer der Bausteine des Maisel & Friends Craft Brauer Festival 2018, das Anfang September in Bayreuth stattfand. Für mich als echten Bierfreund stand eine Reise nach Oberfranken, einem Zentrum der globalen Bierkultur, eh schon lange auf der Liste.

Am ersten Tag des Festivals war das Wetter noch etwas verhalten, und so war der Garten der Maisel’s Bier-Erlebnis-Welt mittags, als ich dort ankam, noch nicht überlaufen. Das Gebäude, das auch das Liebesbier beherbergt, ist eine tolle Location, modern aber nicht überkandidelt, mit viel Charme.

Maisel & Friends Craft Beer Festival 2018 - 01 - Von außen

Gegen Spätnachmittag füllte sich das Gelände, erste Veranstaltungen fanden statt, die Stände der diversen Craftbierbrauer, die am Festival teilnahmen, öffneten und man konnte beginnen, sich durch deren Biere zu trinken. Atelier-der-Braukünste, Birrificio San Giovanni, Brauerei Flügge, BRLO, BroBier GbR, Craftwerk Brewing, HBH Braumeister Edition Fulda, In-Ale,  Tanker Brewery, Únětický pivovar und natürlich die Hausherrn sowie deren besonderer Gast, Schanzenbräu, waren mit Flaschen- und Fassbier vor Ort. Besonderer Gast deswegen, weil auf dem Festival auch die neue Zusammenarbeit zwischen der Schanzenbräu und Maisel & Friends vorgestellt wurde, die ich im Foto hier bereits im Glas halte und am Feuer genieße. Dazu später mehr.

Maisel & Friends Craft Beer Festival 2018 - 02 - Gestopfter Bär im Freien

Am zweiten Tag des Festivals begann dann, während im Hof bei bestem Feierwetter mit blauem Himmel und strahlender Sonne die Kapazität des Gartens durch die enorm große Gästezahl strapaziert wurde, die harte Arbeit des Bierverkostens für mich und die anderen Mitglieder der Jury des Hobbybrauerwettbewerbs. Im ersten Stock der Maisel Bier-Erlebnis-Welt war ein Raum reserviert, in dem wir ohne Ablenkung die Proben, die Hobbybrauer zur Verfügung gestellt hatten, verkosten konnten.

Maisel & Friends Craft Beer Festival 2018 - 03 - Verkostungsraum

Das Thema des Wettbewerbs war „Weißbier“ – und ich war überrascht ob der schieren Bandbreite der Biere, die die Hobbybrauer zu Hause hergestellt hatten. Da war alles vom dunklen Weizenbock bis zum strohigen, leichten, fast schon sauren hellen Weißbier, die Geschmackseindrücke variierten von klassisch bis völlig unerwartet (sowohl, das muss man sagen, auf positive als auch auf negative Weise) – ein Beweis dafür, wie flexibel die Kategorie ist. Das Prozedere war ein Blind Tasting, 25 Proben aufgeteilt auf 5 Flights, ein Bewertungsbogen, in dem für die üblichen Kategorien von Sinneseindrücken ein Wert vergeben wurde. Bei einigen der Samples wurde schnell klar, dass sie kein Gewinner sein würden – bei anderen würde ich nicht meckern, wenn ich sie als Flasche im Markt kaufen würde, so gut war teilweise die Qualität der Erzeugnisse der Hobbybrauer. Der Gewinner war schließlich ein Weizendoppelbock, die Jury war sich überraschend einig.

Maisel & Friends Craft Beer Festival 2018 - 05 - Verkostung

Die Expertenjury des Hobbybrauerwettbewerbs bestand aus geballter Fachkompetenz einerseits und mir andererseits, der ich mich praktisch als blutiger Anfänger fühlte gegenüber diesen Kennern – Christof Habel (Redakteur BRAUWELT und GradPlato), Mareike Hasenbeck (Journalistin und Biersommelière), Markus Raupach (Journalist, BierAkademie und Biersommelier), Andrea Kalrait (Veranstaltungsleiterin BrauBeviale und Biersommelière), Michael König (Biersommelier Maisel & Friends), Gracia Sacher (Bierbloggerin „Hopfenmädchen„) und André Brunnsberg (Vorsitzender der finnischen Hobbybrauervereinigung, Delegierter der European Beer Consumers Union).

Maisel & Friends Craft Beer Festival 2018 - 06 - Jury

Nach den doch recht anstrengenden 2 Stunden des Verkostens konnte ich dann den Rest des Festivals genießen. Das eine oder andere Bier der geschilderten Brauer landete in meinem Glas, und besonders gefielen mir die Sandwiches, die angeboten wurden – spannend und lecker in einem, nicht der typische Festivalfood. Es war laut und lärmig, das ist eigentlich nicht wirklich was für mich, und so war mir der Rest des Rahmenprogramms kaum zu würdigen; dennoch habe ich wirklich viel mitgenommen von diesem Ausflug nach Bayreuth. Im Nachgang habe ich mit Bekannten noch eine Tour durch die oberfränkische Bierwelt abseits von Maisel unternommen. Ein entsprechender Artikel folgt auf diesem Kanal.

Maisel & Friends Craft Beer Festival 2018 - 07 - Food

Von all den Bieren, die ich an diesen zwei Tagen probieren durfte, bleibt allerdings eines besonders im Gedächtnis, und das nicht, weil es vom Gastgeber stammt. Der oben schon erwähnte Collab-Brew war der absolute Gewinner für mich persönlich – der Maisel & Schanzenbräu Gestopfter Bär, ein roter hopfengestopfter Bock mit 50 IBU und 7,3% Alkoholgehalt.

Als erstes fällt die ungewöhnlich schöne, rote, strahlende Farbe auf, die leicht opalisierend im Glas leuchtet. Eine dünne Schaumkrone mit Crema, dazu leichtes Mousseux. Geruchlich dominiert erstmal eine malzige Basis, dazu kommen hübsch fruchtige Obertöne, ohne dass eine Komponente die andere überdeckt; Grapefruit, Zitrone. Frisch und ansprechend.

Auch im Geschmack sind Malz und Hopfen wohl ausgeglichen. Der malzige Bock sorgt für Süße und fettes Volumen, die Hopfenstopfung für Frische und eine edle Bittere, 50 IBU sind super eingebunden. Eine wunderbar gelungene Rezenz mit idealer Karbonisierung gefällt mir sehr, ebenso wie der feinherbe Abgang mit einer hübschen Kombination aus dezenter Trockenheit und zurückhaltender Süße.

Maisel & Schanzenbräu Gestopfter Bär

Da sind zwei aufeinandergetroffen, die ihr Handwerk verstehen, und das Ergebnis ist eines der schönsten Biere, die ich seit langer Zeit getrunken habe. Es ist ein Jammer, dass das ein einmaliges Erlebnis sein wird, das sollte im Dauerprogramm der beiden Brauereien geführt werden.

Nun, vielleicht gibt es nächstes Jahr ein ähnliches Event, und ein ähnlich gelungenes Collab-Brew. Es hat mir Spaß gemacht, Teil des Festivals zu sein, viele neue Leute kennenzulernen und die Atmosphäre Bayreuths und die dortige, alles durchdringende Bierkultur am eigenen Leib zu erfahren. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich die Maisel Bier-Erlebnis-Welt definitiv mal anschauen!

Kurz und bündig – Saarbrückator Doppelbock

Man sieht sie öfters in den Bierregalen überall – Salvator, Celebrator, Animator.  Starkbiere unterschiedlichster Machart mit einem Namen, der immer auf dieselbe Silbe endet. Das kleine Saarland, das sich was Bier angeht in den letzten Jahrzehnten nicht mit besonders viel Innovationsruhm ausgezeichnet hat, gleicht diesen Mangel nun langsam aber sicher aus und hat inzwischen auch seinen eigenen –ator: den Saarbrückator Doppelbock. Eine Bieridee der Saarbrücker Beer Society, gebraut von der ortsansässigen Brauerei Bruch. Das Bier ruht zweieinhalb Monate im Lagertank, und wird darüber hinaus kaltgehopft.

Saarbrückator Doppelbock

Ohne viel Gewese direkt zum Eindruck. Deutlich opalisierend, fast schon trüb, bei einer kräftigen Bernsteinfarbe, die fast schon ins bräunliche übergeht.Starke Perlage. Schaum ist nach dem Eingießen vorhanden, baut sich aber trotz des Mousseux schnell ab. Ich rieche einiges an Frucht, Honigmelone, Feige, vielleicht etwas Stachelbeere. Eine sehr präsente Hefenote überlagert das etwas. Insgesamt ansprechend.

Wirklich sehr cremig im Mundgefühl, dabei auch süß im Antrunk. Voluminös. Interessant ist, dass die starke Karbonisierung sowohl zur Frische als auch zu diesem Volumen beiträgt – man hat wirklich ordentlich was im Mund bei einem Schluck. Das gefällt mir sehr, und dieses tolle Mundgefühl hilft mir, über die etwas gedämpften Aromen hinwegzusehen. Ein sehr ausgewogenes Süße-Säure-Verhältnis trägt weiterhin dazu bei. Ebenso, dass die 9% Alkoholgehalt, passend für einen Doppelbock, sehr sauber eingebunden sind. Der Abgang ist mittellang, hefig, leicht bitter, etwas adstringierend.

Ja, das kann man sehr schön trinken, das läuft runter wie Butter. Ein sehr gelungenes Bier, und das sage ich nicht nur aus Lokalpatriotismus – von so etwas in dieser Art würde ich gern mehr sehen; bis dahin habe ich mir neulich bei einem Tasting, in dem der Saarbrückator auch gefeatured wurde, nochmal 2 Fläschchen davon mitgeholt. Mir gefällt dabei besonders, dass die relativ junge Saarbrücker Beer Society so viel Schwung in die Saarländische Bierwelt bringt. Eine tolle Sache.

Aus dem Fass in die Flasche – Welde Bourbon Barrel Bock, Kehrwieder Maria Port Barrel Aged und Duchesse de Bourgogne

Jahrelang war es überhaupt kein Diskussionsthema: Fassreifung bei Bier. Man sprach über die Fasslagerung von Spirituosen, insbesondere Whisky und Rum – unterschiedliche Fassgrößen, verschiedene Hölzer, Behandlung der Fässer vor der Reifung, nasse und trockene Fässer, Länge der Reifung, Finishes mit Spezialhölzern, in welchem Klima, an welchem Platz im Lagerhaus… die Themenbereiche scheinen unbegrenzt. Im Zuge der Erweckung des deutschen Biertrinkers aus seinem RHG-Dornröschenschlaf, in den uns die Bierindustrie über Jahrzehnte sanft gesungen hatte, durch die Craftbierwelle findet diese Diskussion nun auch wieder für Bier statt.

Drei Biere, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, habe ich mir ausgesucht, um die Effekte, die eine Fasslagerung auf Bier hat, zu beleuchten. Da haben wir ein untergäriges Bockbier, das in drei Ex-Spirituosenfässern (Bourbon, Tequila & Rum) ruhen durfte; ein obergäriges Ale, gereift in einem Ex-Port-Fass; und zu guter letzt ein belgisches Sauerbier, für das das Eichenfass nur eine Zwischenstation hin zur Flaschenreifung war. Namentlich sehen wir in diesem Artikel damit das Welde Bourbon Barrel Bock, das Kehrwieder Maria Port Barrel Aged und das Duchesse de Bourgogne. Drei Biere, drei Fassreifungsmethoden, drei Stile – mal schauen, wie sich das Holz so schlägt.

Drei fassgereifte Biere Flaschen

Wir steigen in die frohe Runde ein mit dem Welde Bourbon Barrel Bock. Die Besonderheit hier ist, dass es sich um ein Cuvée handelt – das Bier wurde in Bourbon-, Rum- und Tequila-Fässer eingelagert und nach der Reifedauer von 3 Monaten miteinander wieder vermählt. Man könnte also davon ausgehen, einen bunten Reigen an Fasseffekten und -aromen vorzufinden, oder?

Die Farbe, hennarot, könnte zumindesst teilweise schonmal aus dem Fass kommen können. Eine erkennbare feinblasige Perlage kann den von Beginn an dünnen Schaum nur schwer aufrechterhalten, jener ist entsprechend bald komplett weg. Dennoch: Strahlend und sehr hübsch anzusehen.

Welde Bourbon Barrel Bock Glas

Geruchlich gewinnt deutlichst der vom Bourbonfass, schon 30cm entfernt vom Glas riecht die Nase das. Vanille, Eichennoten, Karamell. Geht man näher ran, kommt eine säuerliche Note mit würzigen Untertönen zum Vorschein. Mildmalzig, leicht metallisch.

Trotz der attraktiven Cremigkeit im Antrunk ist das Bier frisch und rezent, zitronig. Feinsüß, aber nicht vordergründig. Bourbonnoten tauchen erst auf, wenn man das Bier mit höherer Temperatur als den empfohlenen 12° trinkt; aber sonst finde ich leider praktisch keine Noten von irgendwas anderem im Geschmack. Ein leicht buttriges Aroma vielleicht. Auch der Abgang überrascht – sehr kurz, sehr trocken, ansonst praktisch nichtexistent. Wow, das könnte ein neuer Rekord in Abgangskürze bei Bier für mich sein. Vanille hängt bei höherer Trinktemperatur etwas nach, aber nur ahnungsweise. Die Zahlen und Fakten: 6,6% Alkoholgehalt, schließlich haben wir ein Bockbier vor uns, Green-Bullet-Hopfen wurde eingesetzt, 28 IBU erreicht die Bittere.

Ich bin bass erstaunt ob der aromatischen Ärme dieses Biers – das Fass hat ganze Arbeit geleistet und dem Neutralbier wenigstens Bourbon-Geschmack verliehen, das allerdings nicht zu knapp. Ich hoffe sehr auf Besserung bei dem zweiten Kandidaten in dieser Runde, dem Maria Port Barrel Aged von der Kehrwieder Kreativbrauerei.

Kehrwieder Kreativbrauerei Maria Port Barrel Aged

Bei Spirituosen werden Portweinfässer gern genutzt, oft nicht ganz geleert, um die starke Restsüße der Überbleibsel zur Aromatisierung der neuen Belegschaft zu verwenden (da kann viel Schmu getrieben werden, nur soviel dazu). Mal schauen, ob man den Port hier wiederfindet. Farblich jedenfalls ist die Assoziation da – ein schweres Braun. Schönes Mousseux, praktisch kein Schaum. In der Nase entdecke ich erstmal Eisen, eine leicht käsige Note (neutral und ohne Wertung!), sonst nicht wirklich viel. Geruchlich haut es mich wirklich nicht um, da ist kaum etwas, was mich anspricht.

Auch im Antrunk meine ich, diese milde Käsenote zu schmecken; das ist nicht so unangenehm, wie es sich anhört. Schnell wird die milde Süße des initialen Geschmacks durch eine zischende Säure ersetzt, die Rezenz ist sehr hoch, das Bier fühlt sich sehr frisch an. Nun kommt das Portweinfass zum Tragen – viel Frucht und Weincharakter drängen sich nach vorn. Soweit, dass man das schon fast, wenn man die tolle Rezenz miteinbezieht, mit einem Weinschorle vergleichen könnte. Man hat den Eindruck eines extrem helltönigen Biers, die tieferen Bassnoten fehlen. 7,5% Alkohol zeigen die Dubbel-Basis.

Im Abgang entdeckt man dann die Trockenheit, die Sprudeligkeit und die helle Frische eines Brut-Schaumweins. Etwas dunkle Frucht klingt noch nach. Nun, das ist schon interessant – das ist ein sehr klares, sauberes Bier, mit milden Fruchtnoten, die vielleicht wirklich aus dem Port-Fass stammen könnten. Spannend, weil unerwartet. Herrlich erfrischend und dabei durchaus befriedigend für mich; für Leute, die auf Biergeschmack aus sind, wahrscheinlich verwirrend.

Beenden wir die Runde mit einem Ausflug nach Belgien. Ich gebe zu, ich bin ein großer Freund der belgischen Bierkultur, und darüber hinaus auch noch von Sauerbieren. Das Duchesse de Bourgogne ist in Kennerkreisen durchaus ein Kandidat als Referenz für diese Art von Bier geläufig. Merkt man ihm auch noch die Fassreifung an? Immerhin konnte es vor der endgültigen Flaschenreifung doch eine angemessene Zeit in Eichenfässern zwischenlagern.

Duchesse de Bourgogne

Farblich tiefbraun mit blutroten Reflexen, doch das haben viele belgische Dubbel und Tripel, das muss nichts mit dem Fass zu tun haben. Leichte Perlage, nur wenig Schaum. Nach dem Ziehen des Kronkorkens dachte ich zuerst – das Bier ist schlecht geworden, das riecht ja schlimm nach Essig. Schnuppert man ein bisschen länger dran, entdeckt man darüberhinaus noch Noten von grünem Apfel, Verjus, Sekt und Weißwein. Letztlich alles nur begrenzt an Bier erinnernd, das gebe ich zu; Sauerbier ist nicht wirklich was für jeden.

Tatsächlich schlägt sich das Duchesse de Bourgogne im Geschmack dann auch in einer Liga mit den schon kräftig sauren Rügener Insel-Brauerei-Bieren Meerjungfrau und Seepferd, meinen Lieblingssauerbieren; Limettensäure, Essig und Champagner sind Eindrücke. Da ist aber auch eine ordentliche Süße im Bier, die so einiges abfedert, und im Verlauf der Verkostung stärker und stärker wird; der ansonsten schmale Körper wird durch die Süße erkennbar verbreitert. Während der Antrunk also knackig sauer ist, beginnt der Abgang eher wie ein typisches belgisches Dubbel mit kandiszuckriger, weicher Milde. Insgesamt ist der Abgang eher kurz, mit einem Anflug von Bittere, Zitrusaromen hängen noch nach. 6,2% Alkohol spürt man durch die hohe Rezenz kaum.

Ein leichtes, frisches Bier. Sehr rezent durch die extreme Säure und eine ordentliche Karbonisierung. Aromatisch bleibt es zurückhaltend, echten Fasscharakter nimmt man kaum wahr. Sehr angenehm zu trinken, ein wirklich schönes Sauerbier, das den Insel-Bieren den ersten Platz in meiner Rangliste dieses Bierstils abläuft.

Als Fazit bleibt mir nur noch, darauf hinzuweisen, dass es bei Fassreifung nicht immer nur darum gehen muss, dem Produkt weitere Nuancen und Aromen hinzuzufügen. Manchmal dient die Zeit im Fass einfach auch nur dazu, das Gesamtgeschmacksbild abzurunden, zu vereinheitlichen, dem Bier Zeit zu geben, sich zu setzen. Alle drei hier vorgestellten Biere profitieren in der einen oder anderen Form vom Holz – und ich freue mich sehr darauf, in Zukunft weiter in diese heutzutage leider etwas in den Hintergrund geratene Methode der Bierherstellung einzutauchen.

Hallelu – Das Weihnachtsbier der Saarbrücker Beer Society 2017

Ich gebe es gern zu, auch wenn es vielleicht nicht in die allgemeine emotional-angesäuselte Stimmung passt – ich bin ein Weihnachts-Grinch und meistens froh, wenn das Hochfest des Kommerzes und Umtauschens vorüber ist. Mit Weihnachtsmärkten kann man mich jagen, und Dekoration ist für mich meist übler Kitsch. So. Ich habe mich dennoch dazu überreden lassen, auf einen dieser für mich nur schwer erträglichen Fress- und Saufmärkte, die im Dezember überall stattfinden, zu gehen, und dort einen Stand der Saarbrücker Beer Society entdeckt. So kann man das beste aus der Situation machen! Schnell habe ich mir eine der hübsch dezent und ohne viel Schmonzes gestalteten Dreiviertelliterflaschen des Hallelu-Weihnachtsbier der Saarbrücker Beer Society 2017 eingepackt. Das Bier wird mit Bio-Zutaten von der Brauerei zum Klosterhof in Heidelberg eingebraut. Mit 6,5% Alkoholgehalt ist es damit ein Bockbier – sowas hilft gewiss in Zeiten des X-Mas-Stresses und erdrückender Feiertagssentimentalität!

Hallelu Weihnachtsbier der Saarbrücker Beer Society 2017

Dunkles Siena-Braun, wie das Holz des Stalls, naturtrüb, fast blickdicht. Mittlere Perlage, sehr feiner Schaum. Optisch mal sehr ansprechend. In der Nase singen hauptsächlich die Malzengel ihr Lied. Leicht heuig, etwas Frucht, das aber nur mild und nur im Hintergrund. Eine hefige Note komplettiert die Weihnachtssymphonie.

Am Gaumen spielt auch das verwendete Bio-Malz die Hauptrolle im Krippenspiel. Sehr süß im Antrunk, mit außergewöhnlicher Cremigkeit und kaum Ecken oder Kanten ist es ein Bockbier für den Freund des Abgerundeten. Dabei erhält es sich doch eine gewisse Rezenz, wenn man es einigermaßen gekühlt trinkt (direkt vom Balkon, bei den aktuellen Temperaturen). Im Verlauf kommt doch noch eine leichte Säure zum Vorschein. Leider fehlt es dann im Gesamtbild doch etwas an Körper und Tiefe.

Der Abgang ist eher kurz, die heiligen drei Könige werden nichts mehr davon mitbekommen, wenn sie sich nicht beeilen. Dankenswerter Weise fehlt der Eisenton im Nachhall, der mich an vielen Bockbieren stört, komplett. Mit leichter Trockenheit und dann doch starker Adstringenz klingt das Hallelu aus.

Ja, das ist ein Bier, das mir trotz kleiner Mängel gefällt, und das die Saarbrücker Beer Society gut ausgewählt hat. Die etwas arg dämlichen Tippfehler auf dem Etikett sollten bei einer Neuauflage 2018 definitiv ausgemerzt werden, aber sonst – Halleluja, das ist ein Bier, das Weihnachten auf jede saarländische und restdeutsche Festtafel passt! Selbst für Grinches wie mich!

Hallelu neues Etikett

P.S. Nachtrag 2018 – in der Neuauflage wurden tatsächlich die Tippfehler entfernt.

Kurz und bündig – Maisel & Friends Marc’s Chocolate Bock

Die Familie wächst – neulich hatte ich schon das Bier von „Stefan“ im Glas, nun darf „Marc“ ran. „Marc“, das ist Marc Goebel, der Brauchef von Maisel & Friends, und er hat einen deutlichen Gegenpunkt gegen Stefans helles, hopfiges IPA geschaffen und in die große, etwas ungewohnte Dreiviertelliterflasche gegossen: Maisel & Friends Marc’s Chocolate Bock.

Maisel & Friends Marc's Chocolate Bock

Dunkles Kaffeebraun, vollkommen blickdicht, mit einem feinen, langlebigen Schaum, begrüßt uns beim Eingießen. Kaum Perlage ist erkennbar. Bei meiner Flasche waren bei der zweiten Portion ein paar Ausflockungen erkennbar. Im Geruch muss ich etwas suchen, um Malz, Kaffee und einen leichten Cognachintergrund wahrzunehmen. Ansonsten bleibt das Chocolate Bock aromatisch vergleichsweise neutral.

Daher schnell übergehen zum Geschmack – die üblichen Verdächtigen stellen sich ein, die man bei einem Stout aufzählt. Kaffee, dunkler Kakao, schweres Malz, ein Anflug von Rauch. Erkennbar salzig und würzig. Schwer im Mundgefühl, sehr breit und wuchtig, dabei aber noch überraschend rezent. Eine gelungene Mischung aus dunkler Süße und frischer Säure, mal überwiegt das eine, dann das andere. Entsprechend der Klassifizierung als Bock finden wir eine passende Alkoholstärke von 7,5%. Der Abgang ist lang, sehr trocken, sehr adstringierend und knackig bitter, fast schon etwas kratzig. Viele Kaffeearomen hängen noch lange nach.

Wer die aktuellen Biere von Maisel & Friends verfolgt, hat vielleicht das jüngst in Flaschenform erschienene Choco Porter schon probiert – wem jenes zu leicht war, der sollte dieses Bier hier probieren: Marc’s Chocolate Bock ist noch dunkler, kräftiger und würziger im Geschmack.

Kurz und bündig – Maisel & Friends Hopfenreiter 2017 und Hopfenbock

Ich hatte eine kleine Phase die letzten paar Wochen, in denen aromahopfenbetonte Biere kaum eine Rolle spielten – malzige Biere und klassische Bitterhopfenbiere waren mein täglich Brot. Um so erfreulicher, dass nun mit dem Maisel & Friends Hopfenreiter 2017 sowie dem Hopfenbock zwei Exemplare einen Weg in mein Glas gefunden haben, die diese schmerzliche Lücke füllen könnten. Ohne große Vorrede schauen wir uns die Biere mal detailliert an.

Maisel & Friends Sondersude 2017 Flaschen

Beginnen wir mit dem Hopfenreiter 2017. Das Double IPA mit 8,5% ist der zweite sogenannte Freundschaftssud, der bei Maisel & Friends mit Hilfe anderer Brauer hergestellt wird. Diesmal beteiligt sind Hoppebräu (mit dem Aromahopfen Vic Secret), Schanzenbräu (Callista), Brewage (Chinook), Brlo (Comet), Jopen (HBC431) sowie die Hausherren (Mosaic). Den ersten Hopfenreiter 2016 fand ich schon sehr trinkbar, wie siehts aus mit Version 2017?

Sehr starke, ausdauernde Perlage im schönen, opalisierenden Senfgold sorgt für feinen Schaum, der sich ebenso langlebig zeigt. Die Nase erinnert an ein Marmeladenglas. Sehr mild, üppig und dicht. Mildes Fruchtbouquet, Himbeeren, Mango, Banane, Birne. Leichter Kräuterunterbau, Thymian und Lavendel. Sehr rund und attraktiv.

Maisel & Friends Hopfenreiter 2017

Der Antrunk weist eine gelungene süß-sauer Balance mit vielen Fruchteindrücken auf. Wie zu erwarten: Aromahopfen in allen Schattierungen. Einerseits ein supercremiges, extrem dichtes Mundgefühl, andererseits eine etwas zurückhaltende Rezenz. Abgang erwartungsgemäß sehr trocken, sehr bitter, lang und malzig. Säure übernimmt etwas. Leicht pfeffrig.

Fazit: Gefällt mir sehr gut, vor allem die Nase ist höchstspektakulär. Auch ein idealer Essensbegleiter für thailändisches Essen, kann dem gut Paroli bieten und ergänzt die Aromatik, was man nicht von jedem Bier behaupten kann.

Nächster Schritt: Der Hopfenbock. Ein Bockbier mit 7,6% Alkoholgehalt und 35 Bittereinheiten. Die verwendeten Aromahopfen sind Bravo und Ella. Nur leicht trüb, starkes Mousseux, feiner, aber dünner Schaum. Fast schon Sonnenblumengelb.

Maisel & Friends Hopfenbock

Zitrus ist der erste Eindruck beim Riechen. Der erste Duft verfliegt aber, und dann neutralisiert sich der Geruch der ersten Attacke etwas. Es bleibt eine angenehme, dezente Hopfigkeit. Blumig, kräuterig.

Weich und rund im Antrunk, im Verlauf schlagen die 35 IBU dann zu, ohne aber eckig zu wirken. Süß, aber sehr angenehme Rezenz durch die Kombination aus hohem Karbonisierungsgrad und frischen Hopfenaromen. Schmeckt insgesamt sehr obertönig, es ist zwar sicher genug Körper da, aber die Hopfenbetonung scheint mir  dem stiltypisch erwarteten Malz etwas die Möglichkeit zu rauben, eine profunde Tiefe zu geben. Der Abgang ist kurz, adstringierend, knackig. Ich muss mir ins Gedächtnis rufen, dass wir hier kein IPA vor uns haben – es geht aber aromatisch schon deutlich in diese Richtung.

Auch hier zeigt sich, warum Maisel & Friends eine Bank sind, wenn es um unprätenziöse aber dennoch leckere Biere geht: Ein wirklich schönes Getränk, ideal für den Frühling und den Sommer.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kostenlose, unaufgeforderte Zusendung von je einer Flasche des Hopfenreiters 2017 und des Hopfenbocks.