Hampden Estate Pure Single Jamaican Rum 7y 46% Titel

Kurz und bündig – Hampden Estate Pure Single Jamaican Rum 7y 46%

Normalerweise setze ich mich, wenn ich ein Sample einer Spirituose erhalte, für mich hin, und beschäftige mich in winzigen Schlückchen lange mit dem Produkt. Ich hatte das Sample des Hampden Estate Pure Single Jamaican Rum 7y 46% über die Weihnachtsfeiertage mit in die Heimat zu einem Familienbesuch genommen, und wollte dort in einer ruhigen Stunde meine Tastingsnotes schreiben. Nun habe ich nicht mit dem Interesse und dem Durst meiner Verwandten gerechnet – nach drei Flaschen Champagner, ein paar Kostproben von anderen Spirituosen und fröhlichen Diskussionen über Zutaten für hausgemachte Rumkugeln wollte ich den Mittrinkern dann doch nicht vorenthalten, ihnen den Eindruck von gutem jamaikanischem Rum mitzugeben. Voller Vertrauen habe ich also dieses Sample ausgepackt, eingeschenkt, und gehofft, dass mein Optimismus mich nicht enttäuscht. Es gab interessante Reaktionen, nur soviel möchte ich sagen – ich bin froh, dass noch ein paar Schlucke übrig blieben, um meine Tasting Notes später doch noch zu schreiben.

Hampden Estate Pure Single Jamaican Rum 7y 46%

Dieser Rum ist ungefärbt, und strahlt trotzdem in dunklem, kräftigem Bernstein. 7 Jahre Reifung rein in den Tropen (ja, es macht einen Unterschied) haben diese Farbe ins Glas gezaubert; ich freue mich, wenn sich ein Hersteller dazu entscheidet, die Färbung wegzulassen und sich stattdessen auf sein Produkt verlässt. Die Flüssigkeit ist ölig und bewegt sich langsam im Glas.

Jamaica-Rum ist selbst für Rumanfänger leicht identifizierbar, denn alles, was der Laie so an Rumaromen in Schokoladen und Kuchen kennt, stammt im Endeffekt aus einer jamaikanischen Fermentation. 100%-Pot-Still-Destillation hat diese Aromen veredelt – Ananas, Zimt, überreife Banane, Schokolade, Milchkakao, ganz viel Marzipan. Ich will nicht übertreiben, aber das ist herrlich, cremig, süß, dabei aber funkig und frech.

Sehr mild, weich und süß im Antrunk (hier sprechen wir von einer natürlichen, feinen Süße, denn der Rum ist nicht künstlich nachgesüßt), schokoladig, mandelignussig, mit milder Frucht aus der Biotonne, wo sie schon eine Weile lag – für Kenner ist das ein Kompliment. Im Verlauf entsteht sehr langsam etwas Würze, immer mehr, bis zum mildpfeffrigen, sehr trockenen Abgang, der aromatisch sehr lang mit Banane, Kirsche, Minze und Ananas am Gaumen bleibt, und im Rachen und im Magen ein warmes Gefühl hinterlässt.

Ausgesprochen trinkbar, sehr gefällig, aber dennoch charaktervoll und typisch. Eine wirklich schöne Abfüllung, die dankenswerterweise nicht eine von denen ist, bei denen man schnell zuschlagen und mehrere hundert Euro auf den Tisch legen muss – offizielle Abfüllungen mit länger geplanter Laufdauer wie diese hier haben auf jeden Fall ihre Vorteile. Der Hampden Estate Pure Single Jamaican Rum 7y 46% ersetzt jedenfalls die bisherigen Empfehlungen, die ich für jamaikanischen Rum hier gegeben habe, als die Referenz für Anfänger wie Profis – und er macht sicherlich abartig gute Rumkugeln. Ich bin gespannt auf die stärkere Overproof-Variante, die ebenfalls erhältlich ist, und hier auch demnächst vorgestellt werden wird.

Offenlegung: Ich danke dem Importeur Kirsch Whisky für die kostenlose Zusendung des Samples dieses Rums.

Duckstein Opal und Saphir Titel

Versetzung gefährdet – Duckstein Opal Pilsener und Saphir Kellerbier

Es ist nun schon eine ganze Weile her, dass ich das Duckstein rotblonde Original für mich entdeckt hatte. Damals, für mich als Biereinsteiger, ein sehr spannendes Bier, das ich auch heute noch gern trinke. Um so erfreuter war ich, als ich vor einiger Zeit dann zwei neue Sorten des Brauers in einem lokalen Supermarkt entdecken konnte. Das Duckstein Opal Pilsener und direkt daneben das Saphir Kellerbier. Beide in der bekannten, auffälligen Flasche, und sehr hübsch durch die Farbgebung voneinander und vom rotblonden Original abgegrenzt. Natürlich musste ich zulangen, zwei weitere Vertreter dieses schönen Biers können mich ja nicht enttäuschen. Auch wenn ich grundsätzlich ein sehr optimistischer  und wohlwollender Genießer bin – man wird leider im Verlauf dieses Blogartikels sehen, dass Vorfreude und Vorschusslorbeeren nicht immer belohnt werden. Doch ich greife vor.

Duckstein Opal und Saphir Flaschen

Beginnen wir mit dem Saphir Kellerbier. Obergärig mit 4 Malzen (Pilsener, Weizen hell, Wiener Malz, Cara Red) und 3 Hopfen (2 unbenannt, einer der namensgebende Saphir) eingebraut, bekommen wir optisch zunächst ein sehr typisches Kellerbier: natürlich naturtrüb, kräftig orangefarben, der Schaum, schon zu Beginn wenig, baut sich in wenigen Minuten fast komplett ab.

Beim Wechsel von Auge zu Nase beginnt das Drama. Ich schnuppere, und schnuppere, und schnuppere. Joghurt. Milder Orangensaft. Hefe. Ja, das wars. Und selbst diese Aromen nur im Kleinformat. Da hätte man auch an Mineralwasser riechen können. Sehr überraschend, im negativen Sinne.

Duckstein Saphir Kellerbier Glas

Das Drama endet nicht beim nichtexistenten Geruch – es geht in die Verlängerung beim nichtexistenten Geschmack. Höchst faszinierend: Das Duckstein Saphir gehört für mich zu den aromenärmsten Bieren, die ich bisher getrunken habe, und überholt in der Belanglosigkeit selbst dünnste Reis- und Maislager. Ein Hauch Orange, etwas Hefe, und wir sind am Ende der Verkostung. Mir kommt es vor, als hätte ich ein stark mit Sprudel gestrecktes Bier vor mir. Nein, es gehört nicht zu den aromenärmsten Bieren, es ist das aromenärmste Bier, das ich kenne. Da der Abgang natürlich nichts herzaubern kann, ist er kürzer als kurz. Die hohe Rezenz mit der starken Karbonisierung erzeugt wenigstens einen Erfrischungsfaktor, der Spaß macht, aber das ist auch schon alles, was ich an positivem über das Duckstein Saphir sagen kann; außer den nackten Zahlen: 5,0% Alkoholgehalt, sehr dezente 14,5 IBU.

Höchstenttäuschend. Vor allem, wenn man den Preis anschaut, steigen mir Tränen in die Augen, da packe ich lieber das Blondie-Bierkonzentrat aus, im Ernst. Ich bin fassungslos, wie so etwas die Qualitätskontrolle passieren kann. Grand Cru? Ein Scherz, und zwar ein schlechter. Für diese peinliche Braumeister-Edition N°8 muss sich der Braumeister eigentlich entschuldigen.

Ach, zum Glück habe ich danach ein Alternativbier in der Hinterhand. Einen Ausrutscher kann man jedem erlauben, da kann das Opal Pilsener ja nur vorteilhaft auftrumpfen, oder?Duckstein Opal Pilsener Glas

Optisch tut es das zunächst mal. Safrangold, bei entsprechendem Licht wirklich ausgesprochen attraktiv. Kristallklar, sehr starke Perlage, gröberer Schaum. Stärker gehopft (Hallertauer Opal, Hüll Melon, Cascade, Mandarina Bavaria) als sein blasser Bruder wirkt es in der Nase – zurückgenommene Frucht, Bitterkeit. Hefe. Leichter Metall. Insgesamt: Durchaus pilstypisch.

Im Mund dann ein dezenter Geschmack, kräftige Herbe, klar und sauber. Es gibt darüber hinaus leider nicht viel zu sagen zum Geschmack – ein mildes, zartes Pils, fein und gut strukturiert. VIelleicht etwas langweilig. Ich stelle mir vor, dass es als Essensbegleiter zum Abspülen der Geschmacksknospen bei einem deftigen Essen taugt. Bei 4,9% Alkoholgehalt dafür auch nicht zu wuchtig.

Zum Ende hin flacht es erkennbar ab, der Abgang ist sehr kurz. Die zunächst wahrgenommene Frische lässt nach, eine Süße kommt hervor, die es schafft, die 25-IBU-Bittere fast komplett wegzunehmen, bis auf im Rachen. Ein etwas abgestandener Nachgeschmack lässt viel vom positiven Eindruck bis dahin wieder vergessen. Dieser negativer Abschluss verstärkt sich noch, wenn die Temperatur des Biers steigt – gut gekühlt schnell austrinken ist angesagt!

Ducksteiner Opal und Saphir Tragerl

Herrjeh, ich gebe zu, mir fallen die Mundwinkel etwas nach unten. Selten war ich so enttäuscht von Bieren. Trotz ähnlicher Produktionsweise (auch hier gibt es eine Reifung auf Buchenholz, wie schon beim Duckstein Original) und gewiss ordentlichem Aufwand kommt einfach nichts bei rüber. Man fragt sich, ob der Brauer nicht einfach nur mal so ein „neues Bier“ raushauen wollte, und sich dabei übernommen hat, insbesondere, wenn man die vergleichsweise peinliche Aufmachung mit berücksichtigt, die wohl zuerst da war, und dann ein Bier dazu gefunden werden sollte. Immerhin schön: Das Tragerl mit vielen Informationen und einem Charakter-Chart.

Bei minderwertigen Spirituosen ist man schnell mit dem Label „Mixer“ zur Hand, das ausdrückt, dass man sie nicht pur genießen kann, sie höchstens in Mischrezepturen akzeptabel sind. Ich stehe diesem Konzept sehr kritisch gegenüber, doch für die zwei Duckstein-Spezialbiere passt es eigentlich – es sind für mich Filler, wie das Tonic Water in einem Gin & Tonic. Entsprechend suche ich einen Verwendungszweck außerhalb des Bierglases für sie; wenn man diese aromenarmen Biere mit etwas zusätzlichen Geschmäckern aufpimpt, können auch sie noch halbwegs funktionieren. Zum Beispiel im Hop, Skip and Go Naked.

Hop, Skip and Go Naked


Hop, Skip and Go Naked
1 oz Vodka (z.B. Smirnoff)
¾ oz Zitronensaft
¾ oz Himbeerlikör
Auf Eis shaken, dann aufgießen mit…
leichtem Bier (z.B. Duckstein Opal)
[Rezept nach Jared Schubert]


Beide Biere werde ich nicht mehr kaufen – so leid es mir tut. Stattdessen wird aber weiterhin öfters das Duckstein rotblonde Original im Warenkorb landen, das ich von dieser zugegebenermaßen etwas arg vernichtenden Kritik deutlichst ausnehmen will. Aber so ist das halt mit Familien – manchmal gibt es schwarze Schafe. Hier scheint es nur umgekehrt zu sein – ein strahlendes, rotblondes Schaf in einer Herde von hässlichen Geschwistern.

Labieratorium Rot Titel

Kurz und bündig – Labieratorium Rot

Ich habe schon ein paar der Biere des brandenburgischen Brauers Labieratorium probiert (Artikel folgt), und keins darunter gefunden, das mir missfallen hätte, im Gegenteil. Entsprechend war ich Feuer und Flamme, als ich bei einem Biertasting der Saarbrücker Beer Society darauf hingewiesen wurde, dass sie jetzt auch ein Rotbier führen. Dass dieses Rotbier, das Labieratorium Rot, auch noch eine Medaille in einem Bierwettbewerb gewonnen hatte (Meininger Craft Beer Award Gold Lager 2018) macht das ganze nicht uninteressanter. Also, keine große Diskussion, zwei Flaschen ins Tragerl gestellt und nach dem Tasting vorsichtig nach Hause geschwankt.

Labieratorium Rot

Wie gesagt, es handelt sich um ein unfiltriertes Rotbier, und entsprechend leuchtet nicht nur das Etikett, sondern auch das Bier im Glas in einem feschen rötlichen Haselnussbraun, mit noch sehr viel klarerem Rottouch, wenn man es gegen das Licht hält. Grober Schaum entsteht beim Eingießen, dieser ist schnell weg, trotz der erkennbaren Perlage.

Das Bier ist mit Hallertauer Tradition und Spalt Spalter gehopft, dies ist aber kein Bier, das sich dadurch definiert. Statt dessen ist es sehr malzig im Geruch, süßlich, fruchtig wie Rotwein, insgesamt dabei aber zurückhaltend, nicht übermächtig.  Da die Trinkempfehlung auf 5-7°C festgelegt ist, sollte man auch nicht zuviel erwarten – kühles Bier riecht einfach nicht so stark wie wärmeres.

Das Bier ist in der Oberkategorie „Lager“ verortet, und so schmeckt es auch. Frisch schon im Antrunk, hat einen leichten Körper, ist dabei zitronig, hell, und gleichzeitig malzig. Es bleibt nur mäßig rezent, obwohl es sehr kohlensäurehaltig und luftig gestaltet ist. Hefig ist ein Eindruck, den ich habe, sonst entdecke ich kaum andere Aromen. 5,0% Alkoholgehalt sind gut eingebunden. Der Abgang ist eher schal und flach, kurz; etwas adstringierend.

Ein schönes Bier, das für Lagerfreunde eine schöne Abwechslung sein kann, und als Bier für Zwischendurch sehr süffig und angenehm zu trinken ist. Ich mag es, wie die meisten Biere von Labieratorium.

Ms. Better’s Bitters Miraculous Foamer Titel

Schaumschläger – Ms. Better’s Bitters Miraculous Foamer

Schaum im Drink, das ist für mich die Krönung eines Rezepts. Erreichen kann man ihn auf unterschiedliche Weise – Eiweiß ist sicher das bekannteste Mittel dafür, dahinter lauert Ananassaft, der auch eine gewisse Schaumkraft hat. Das meist eingesetzte Eiweiß schafft für mich persönlich aber leider nicht immer genau den Effekt, den ich haben will. Das Ei ist halt ein natürliches Produkt, mit Schwankungen in der Schaumfähigkeit. Qualität, Alter, Kühlung, Handhabung – all das spielt mit hinein. Ich hatte schon Drinks mit hervorragendem Schaum, aber auch welche, in denen das Eiklar ausflockte und den Drink damit ruinierte. Es ist ein Vabanque-Spiel, wenn man mit natürlichem Eiweiß nur hin und wieder arbeitet. Für die, die wie ich ungern Glücksspiel betreiben, gibt es nun ein Wundermittel: Ms. Better’s Bitters Miraculous Foamer! Ohne zuviel vorwegnehmen zu wollen – diese Zutat ist für mich aus meiner Heimbar nicht mehr wegzudenken.

Ms. Better’s Bitters Miraculous Foamer

Um die erstaunlichen Effekte des Miraculous Foamers zu zeigen, habe ich einen Vergleich gemacht und hier dokumentiert. Auf der linken Seite ein Cocktail mit Eiweiß, klassisch mit Dry Shake und Wet Shake; auf der rechten Seite ein Cocktail mit dem Wunderschäumer, mit einfachem Shake. Ich habe den Miraculous Foamer bereits oft eingesetzt, dies waren aber meist vollmundige Drinks mit viel Charakter und dichten Inhaltsstoffen. Um mal ins Detail zu schauen, habe ich mir einen Cocktail ausgesucht, der eher auf der trockenen, dünnen, strengen, klaren Seite steht – den Chanticleer. Für diesen habe ich zwei identische Mixturen hergestellt aus dem untenstehenden Rezept – und dann einen mit Eiklar, den anderen mit Miraculous Foamer geshaked.

Das optische Ergebnis war für diesen Fall klar – der Miraculous Foamer gewinnt ohne Gegenwehr, denn ausgerechnet bei diesem Versuch ist genau das oben angesprochene passiert: Das Eiklar hat sich nicht gut eingebunden und nur wenig Schaum produziert. Dieser war dann auch großblasig und dünn, hat den Drink selbst etwas eingetrübt. Der Miraculous Foamer sorgte direkt für eine harte Sichtlinie der Trennung im Cocktail, war perfekt und voluminös.

Miraculous Foamer Schaumvergleich vorher


Chanticleer
1 oz Dry Gin
1½ oz trockener Wermut
½ oz Triple Sec
1 Spritzer Miraculous Foamer
Auf Eis shaken.

[Rezept nach A.S. Crockett]


Wie gesagt, der Eischaum ist variabel – der Schaum des Miraculous Foamer ist dagegen immer gleich. Er ist durch einfache Zugabe des Miraculous Foamers zu bekommen, ohne besondere Handhabung – nicht mal der Dry Shake ist erforderlich. Der Schaum ist üppig, voll und schnell getrennt vom Rest des Drinks. Feinblasig, cremig und weiß – eben genau das, was man von einem Schaum auf dem Drink erwartet. Besonders nach dem Trinken sind die Reste im Glas erstaunlich; links erneut der Eiweiß-, rechts der Miraculous Foamer-Drink.

Miraculous Foamer Schaumvergleich danach

Geschmacklich habe ich bei den erwähnten fetten, wuchtigen Drinks kaum einen Unterschied festgestellt. Der Miraculous Foamer sorgt für Cremigkeit, ein volles, breites, dickes Mundgefühl und fällt im Vergleich zum Eiweiß durch eine rundere, sämigere Konsistenz auf; im Ei findet man immer wieder mal ein Eiklarfädchen oder ähnliches. Geschmacklich stelle ich im Chanticleer mit seiner klaren Strenge einen strukturellen Unterschied fest – das Eiweiß verhält sich gefühlt einen Hauch angenehmer: es bindet die Zutaten besser zusammen.

Der Miraculous Foamer zeigt in diesem Beispiel außerdem, dass er doch aromatisch eingreift. Eine leichte Bittere, deutliche Adstringenz und etwas kräuterige Würze kommen dazu, die in der Eiweißversion nicht vorhanden waren. Der ganze Drink wirkt noch strenger, eckiger, als er eh schon ist.

Ms. Better’s Bitters Miraculous Foamer Pipette

Wie kommt die Schaumkraft zustande? Die Rezeptur dieser Cocktailzutat ist ein Geheimnis, allerdings wurde mir auf Nachfrage versichert, dass nur natürliche Zutaten verwendet werden, keine chemischen Labortricks stehen dahinter. Ich muss dem so erstmal vertrauen und hoffe auf das Beste.

Fazit – für Cocktails, die mit starken, aromatischen, süß-schweren Zutaten aufwarten, ist Ms. Better’s Bitters  Miraculous Foamer meine erste Wahl, wenn es um Schaumerzeugung geht, ohne jeden zweiten Gedanken. Die extrem viel einfachere Handhabung ist mir viel wert, und man hat nicht die Verschwendung des (ehrlicherweise meist entsorgten) Eigelbs. In einem trocken-strengen Cocktail dagegen würde ich das Eiweiß bervorzugen, selbst, wenn es optisch dann nicht so viel hermacht; die geschmackliche Komponente tritt hier stärker in den Vordergrund. Schön, dass man nun die Wahl hat.

Maisel & Friends Hoppy Amber Mosaic Titel

Kurz und bündig – Maisel & Friends Hoppy Amber Mosaic

Zusammen mit der Craftbierwende vor einigen Jahren kam auch eine Sache auf den deutschen Biermarkt, was es vorher in der Breite nicht gab – limitierte Sondersude von Bieren. In begrenzter Auflage können heute Biere verkauft werden, und das gibt den Brauern ganz neue Freiheiten, Dinge auszuprobieren. Auch wir Konsumenten haben was davon, wer will schon immer nur das gleiche Bier trinken (nun, da gibt es genug, aber der echte Genießer will Abwechslung). Maisel & Friends hat schon so einige Sondersude herausgebracht, die ich hier auf meinem Blog besprochen habe – das neueste ist das just erschienene Maisel & Friends Hoppy Amber Mosaic. Mit 8,5% Alkoholgehalt darf es sich ruhig den kaiserlichen Titel „Imperial Amber Ale“ geben. Ab ins Glas damit!

Maisel & Friends Hoppy Amber Mosaic

„Amber“ ist schon im Namen, da muss das Bier natürlich liefern – und tut es auch. Ein leuchtendes Bernstein, nur leicht opalisierend. Aletypischer Schaum, gemischtblasig, bleibt nur als feine Decke über dem Bier, das säuerlich im Geruch ist, viel Limette und etwas Grapefruitschale kommt drin vor. Auch im Unterbau ist Frucht – der Mosaic-Hopfen, mit dem das Bier kaltgestopft wurde, schlägt voll durch und bereitet dem Hophead viel geruchliche Freude.

Und das geht im Mund weiter. Schon im Antrunk taucht Hopfenkräuterigkeit auf, diese Würze setzt sich ununterbrochen bis zum Abgang fort. Wie bei fast allen Maisel & Friends-Bieren schätze ich, dass der Geschmacksbogen durchdacht ist (selbst wenn das Bier laut eigener Aussage eigentlich ein Unfall war). Die Cremigkeit, die Hopfenblumigkeit, die fast in Richtung Lavendel und Rosmarin geht, die schöne Rezenz, die aus der Kombination von Karbonisierung und Säure entsteht – ein sehr ansprechendes Bier.

Das Ende ist allerdings schon etwas fruchtkaugummiartig, Hubba Bubba, sehr ausgeprägt, in dieser Konsequenz dann aber wieder interessant. Trocken und sehr herb (50 IBU spürt und schmeckt man und zweifelt nicht am Wert) endet das Bier erst nach sehr langer Zeit – der Nachhall des Hopfen liegt ausgesprochen ausdauernd im Mundraum, das beeindruckt sehr. Wer sehr deutliche Hopfenausprägung in Bieren mag, sollte das Hoppy Amber Mosaic definitiv mal probieren

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die Zusendung einer Flasche des Hoppy Amber Mosaic.

Ron Santisima Trinidad de Cuba 7 Años Titel

Ein Schiff wird kommen – Ron Santisima Trinidad de Cuba 7 Años

Es ist schon eine Weile her, dass ich einen kubanischen Rum im Glas hatte. Das Land hat in der Allgemeinheit einen guten Ruf, was Rum angeht; für die Kenner unter uns ist das Bild meist weniger rosig. Kuba hat sich früh von Pot-Still-Rum verabschiedet und sich voll auf Säulendestillation geworfen – das heißt erstmal nichts grundsätzlich schlechtes, doch der kubanische Stil hat sich dadurch im Laufe der Jahrzehnte sehr verändert. Heute bin ich den alkoholischen Produkten Kubas eher skeptisch eingestellt, ich sehe eigentlich ausschließlich leichte Rums ohne großen Charakter, meist sind sie darüber hinaus leicht bis mittelstark gesüßt. Man kann das alles sicher trinken, aber umhauen tut mich nichts von der Insel. Was aber nicht heißen darf, dass man neue Produkte, die man noch nicht kennt, nicht unvoreingenommen und erstmal freudig willkommen heißen sollte – so wie den Ron Santisima Trinidad de Cuba 7 Años.

Der Begriff des „doble añejamiento“, der sich auf dem Etikett findet, ist ein guter Aufhänger, um ein paar der Regelungen, die für kubanischen Rum gelten, kurz zu erläutern. Laut den Denominación de Origen Protegida-Regeln des Landes muss ein kubanischer Rum mindestens zweimal gealtert sein – die erste Phase besteht darin, das Destillat für mindestens zwei Jahre in gebrauchte Eichenfässer einzulagern und dann zu filtrieren. Erst danach darf es sich „Rum“ nennen – vorher ist es ein Aguardiente. Die Zählung des Alters beginnt auch an diesem Zeitpunkt; die 7 Jahre des Etiketts des vorliegenden Rums sind also eigentlich 9 Jahre, wenn man reine Fasslagerungszeit betrachten will. Der frischgebackene Rum wird dann mit anderen hochprozentigen Destillaten verblendet und dann für die „tatsächliche“ Reifung in Fässer eingelagert. Werfen wir einen Blick auf das Ergebnis dieses Vorgangs.

Ron Santisima Trinidad de Cuba 7 Años

Die Farbe ist ein dunkles Kupfer, bei 7+ Jahren Fassreifung kann so eine Farbe durchaus entstehen. Im Glas bewegt der Rum sich schwer und gemächlich, recht langsam ablaufende Beinchen wissen optisch zu gefallen.

In der Nase kommt mir als erstes eine Süßweinnote entgegen. Etwas Port, etwas Madeira. Es folgt eine prägnante Gewürzkomponente, Nelken, Kardamom. Orangenschale und Rosinen bringen etwas bittere, dunkle Frucht dazu. Im Untergrund lauert dann genau das, was ich oben angesprochen hatte – eine milde, aber erkennbare Alkoholnote, die ich oft bei Column-Still-Rums finde.

Der Geschmack dreht diese sensorischen Eindrücke dann aber spannenderweise um – erstmal ist der typische alkoholisch-schale Geschmack eines Säulendestillats da. Im Mundgefühl beginnt der Kubaner aber trotzdem mild und weich, im Verlauf kommt ein zartes Feuer auf, das sich bis zum Abgang steigert, ohne aber je wirklich unangenehm zu werden. Insgesamt ist der Eindruck sehr süß, mit vielen Süßweinimpressionen, etwas Gewürz und dunkler Frucht, analog zu dem, was die Nase schon fand. 40,3% Alkoholgehalt sind trotz der angesprochenen Ethanolnote im Gesamtbild gut eingebunden. Es ist nur knapp unter dem in Kuba eigentlich maximal erlaubten Bottling Proof von 41% (eine spannende Sache für sich, übrigens).

Ron Santisima Trinidad de Cuba 7 Años Glas

Der Abgang ist heiß, etwas pfeffrig, mittellang und charakterstark. Eine gewisse Schaligkeit im Nachhall ist dann wieder recht typisch für leichte Rums. Eine hausgemachte Zuckermessung ergibt grob 5g/L, das ist so an der Grenze dessen, was zwischen Messungenauigkeit und leichter Süßung schwebt. Für meine Zwecke kategorisiere ich ihn als „gesüßt“, einfach weil der Wert bereits zu groß ist, um ohne Absicht entstanden zu sein.

Die unterschwellige Würze dieses Rums hat mich dazu verleitet, ihn in einem Cocktail einzusetzen, der auch sonst nicht mit Aromen geizt. Im City of Spice wird so einiges an Gewürzen präsentiert, und daher schadet es nicht, wenn ein Rum eingesetzt wird, der sich dessen zu erwehren weiß und selbst etwas zu diesem Gesamtbild beisteuern kann. Vorsicht, dieser Drink hat Suchtpotenzial.

City of Spice


City of Spice
1¾ oz gereifter Rum
½ oz Pimento Dram
½ oz Zuckersirup
¾ oz Limettensaft
¾ oz Maracujasirup
1 Eiweiß
1 kleines Stück Chili
Auf Eis shaken. Auf crushed ice servieren.
[Rezept nach unbekannt]


Hervorheben will ich die Gestaltung – wir haben hier eine sehr schön gestaltete Flasche mit tollen Rundungen, im Glas eingelassener Schrift und einem floralen, aber nicht übermäßig protzenden Etikett. Ein geformter Echtkorken ohne Dekoration komplettiert die sehr attraktive Präsentation. Der Name des Rums ist auf ein altes spanisches Schiff zurückzuführen – es ist also keine Firma oder Abfüller, sondern ein Fantasiename, den sich Hersteller Tecnoazúcar de Cuba y Destilerías MG S.L. ausgedacht hat.

Neben dem Siebenjährigen hat der Hersteller auch einen Rum mit 15 Jahren im Portfolio. Dieser wird in naher Zukunft auch noch auf meinem Blog besprochen werden – ich verrate nicht zuviel, wenn ich sage, dass ich jenen auch recht interessant finde.

Ron Santisima Trinidad de Cuba 7 Años und 15 Años

Das Fazit fällt eigentlich recht positiv aus. Das ist ein Rum mit großer Drinkability, der eine schöne Spannung zwischen Süße und Würze aufbaut. Wäre der Abgang etwas komplexer und länger, könnte man sich mit einem Glas davon durchaus lange beschäftigen – so bleibt der siebenjährige Ron Santisima Trinidad dennoch ein interessantes und sehr gelungenes Produkt, das meine Meinung über kubanische Rums wieder hebt. Mehr kann man kaum wollen.

Craftwerk Brewing Grünhopfen-Bier Wet Hop Session Lager Titel

Kurz und bündig – Craftwerk Brewing Grünhopfen-Bier Wet Hop Session Lager

Craftbier ist inzwischen mehr als ein Trend. Das „neue Bier“ ist in der Breite der Bierinteressierten zumindest angekommen (wenn auch noch nicht voll akzeptiert), die großen Bierkonzerne sehen das Potenzial und wollen auch eine Scheibe dieses Kuchens abhaben. Craftwerk Brewing ist eine Tochter der Bitburger Braugruppe, einem der Teufel des Biers, wenn man so manchem Craftfanatiker zuhört. Doch immerhin schon seit 2009 wird dort Bier in einer kleineren Anlage hergestellt. Selbst bin ich kein Fernsehschnarchlangweiligpilstrinker, darum war mir Bitburger immer recht egal – werfen wir einen Blick auf ein Bier der Tochter, vielleicht kann die ja das, was die Eltern nicht können (interessante Biere herzustellen, meine ich damit); das Craftwerk Brewing Grünhopfen-Bier Wet Hop Session Lager ist dabei allerdings nicht mein erster Versuch eines Produkts dieses Brauers.

Craftwerk Brewing Grünhopfen-Bier Wet Hop Session Lager

Der optische Eindruck gefällt mir mal ganz hervorragend: Opalisierend, hellgolden, leuchtend im Glas. Ein grobblasiger Schaum bleibt lange erhalten, dazu kommt starke Perlage. Leicht säuerlich im Geruch, nach grünem Apfel und hellem Essig. Etwas kräuterig – ist das der „wet hop“?

Im Geschmack ist das Grünhopfen-Bier erwartungsgemäß hopfenbetont, leicht zitrussig, der Nase folgend auch mildsauer. Im Antrunk ist es dennoch weich im Mundgefühl, im Verlauf kommt aber eine deutliche Bittere dazu, die 30 IBUs sind spürbar. Stark karbonisiert und durch die Kombination mit der Leichte, Bittere und Säure sehr rezent. Dafür allerdings kaum Tiefe oder Aromenvielfalt, ein recht eindimensionales Bier, das nicht einmal besonders viel aus dem „frisch gepflückten“ Cascade herausholt. Der Abgang ist sehr kurz, mildherb, etwas fruchtig, frisch und leicht.

Ein sehr leichtes Bier, mit 4,1% passend als „Session Lager“ gekennzeichnet; diesem Auftrag wird es absolut gerecht, es ist sehr erfrischend und unkompliziert, dabei aber auch unkomplex und deshalb leider etwas unspannend. Etwas für Zwischendurch, zum Essen oder als leichtes Bier fürs Bier-um-Vier im Büro.

Offenlegung: Ich danke Craftwerk Brewing für die kostenlose Zusendung einer Flasche des Grünhopfen-Bier Wet Hop Session Lager.

Rumult Bavarian Rum Titel

Der weite Weg vom Erntefeld – Rumult Bavarian Rum 2018

Die sogenannte Gargano-Klassifikation ist ein Versuch, etwas fachliche Struktur in die recht willkürlichen gewohnte Gruppierungen bei Rum zu bringen. Statt völlig nichtssagenden Kriterien wie der Farbe („brauner“ und „weißer“ Rum) oder groben Länderstilen („spanischer“ oder „britischer“ Stil), die letztlich mehr verwischen als sie aufklären, sollen hier herstellungsbedingte, objektive Faktoren Einzug in die Etiketten halten – so wie es bei schottischem oder amerikanischem Whisky schon selbstverständliche Praxis ist; wer würde sich schon mit einem „braunem Whisky nach schottischem Stil“ zufrieden geben statt einem „Single Malt Scotch“?

Es ist ein gutes, aber erstmal freiwilliges Kategorisierungsverfahren, und darum ist es schön, wenn man Produkte sieht, die sich dieser Initiative anschließen. „Pure Single Agricole Rum“ liest man zum Beispiel auf dem Etikett des Rumult Bavarian Rum 2018. Nun muss man sich trotz der Freude über diese Anwendung der Gargano-Klassifikation schon fragen – „Agricole“? Aus Bayern?

Rumult Bavarian Rum Etikett

Wer sich mit diesem Rumstil auskennt, stellt sich zunächst die Frage nach der Produktion. Agricole-Rum wird aus frischem Zuckerrohrsaft hergestellt, und dieser Saft ist nur extrem begrenzt haltbar; die Hersteller auf den französischen Antillen prägten den Spruch „mit dem Fuß im Boden, mit dem Kopf in der Mühle“, was aufzeigen soll, wie schnell das Zuckerrohr verarbeitet werden muss, um gute Qualität zu erreichen. Meines Wissens ist der Klimawandel noch nicht weit genug fortgeschritten, um bayerisches Zuckerrohr kultivieren zu können, also wie kommt das Basismaterial für den Rum nach Bayern? Die Hersteller importieren nach eigener Aussage das Rohmaterial aus Mauritius. Zuckerrohr selbst zu importieren und zu mahlen ist wohl nicht das Mittel der Wahl, weil zu aufwändig, und den Saft kann man schlicht nicht importieren, weil er auf der langen Reise von Mauritius, wenn man ihn nicht direkt von der Ernte einfliegen lässt, schlecht wird. Bleibt also nur die Möglichkeit des Eindickens des Saft, so dass er länger haltbar wird. Das wird von einigen Rumherstellern gemacht, das nennt sich dann aber halt Zuckerrohrsirup und nicht -saft. Für mich ist also rein produktionstechnisch der Rumult kein „Agricole“-Rum.

Es gibt aber noch eine zweite Falle, in die Hersteller Lantenhammer getappt ist. Der Begriff „Agricole“ ist nämlich in der EU geschützt, und darf nur für Produkte aus den französischen Überseedépartements und der autonomen Region Madeira verwendet werden (siehe EU-Verordnung 11/2008). Der aktuelle Gesetzestext ist etwas schwammig formuliert, doch es gibt zwei Fakten, die mich darin bestätigen, dass ich den Text richtig lese: Erstens ein persönliches Gespräch mit Marc Sassier, dem Präsidenten der AOC Martinique, das ich beim Frühstück in einem Hotel in Bulgarien hielt, der dies ebenso versteht; zweitens ein Gesetzesvorschlag bei der EU, der die Lesart aufklären soll, und meine Lesart ganz eindeutig macht. Siehe dazu aber auch den unten angehängten Hinweis.

Nach der Problematik des Basismaterials und vor der Problematik des Etiketts steht allerdings eine weitere Baustelle: Der Geschmack. Dieser ist dann doch eher ein subjektives Kriterium – werfen wir einen Blick darauf.

Rumult Bavarian Rum 2018

Der Rumult ist laut Hersteller ein Blend aus in 4 unterschiedlichen Fasssorten (Ex-Bourbon, Ex-Cognac, Ex-Sherry sowie Ex-Madeira) gereiften Destillaten. Jene Destillate wurden in „Pot Stills“ gebrannt, es ist bei Lantenhammer wohl davon auszugehen, dass es sich um ehemalige Obstbrennapparate handelt (das ist keineswegs wertend gemeint – derartige Apparate erzeugen einen eigenen Charakter, das mag ich eigentlich). Es ist keine Altersangabe vorhanden.

Farblich sehen wir ein schönes Ocker, mit strohigen Reflexen. In meinem Nosingglas bewegt er sich sehr gediegen, mit einer gewissen Schwere. Bei einem als „Agricole“ betitelten Rum erwartet man eine gewisse Typizität, die sich oft stark in der Nase äußert. Diese Erwartung wird beim Rumult direkt enttäuscht – da ist nicht mal der Ansatz einer Grasigkeit, Zuckerrohrsaftfrische oder ähnlichem. Eigentlich rieche ich fast nur Vanille, die wohl aus dem Bourbonfass stammt. Eine starke Ethanolnote ist die zweite Komponente. Erst, wenn man viel Geduld aufbringt, kommt in der Tiefe eine gewisse karamellige Würze und eine Erinnerung an Zuckerwatte auf; doch auch hier sind das eher Holz-, und keine Zuckerrohrnoten.

Auch die Geschmacksknospen fragen sich – wo bitte soll das hier ein Agricole-Rum sein? Sehr süß und im Antrunk (aber nur dort) angenehm breit, jedoch ohne große Tiefe. Alkoholfeurig im Verlauf und praktisch ausschließlich Holzaromen wie Vanille, Karamell, Reste von Süßwein. Das wars, ich will mir hier nichts aus den Fingern saugen, was nicht da ist. Der Abgang ist heiß, sehr alkoholisch (43% Alkohol sind praktisch nicht eingebunden, da bin ich am Keuchen nach dem Schlucken), aromatisch sehr kurz und besteht selbst in dieser Kürze fast nur aus Betäubungseffekten. Ein Eisenton und eine gewisse Pappigkeit klingen nach.

Wer trinkt das? Niemand, der sich für einen auch nur ansatzweise typischen Geschmack dessen interessiert, was man sonst als „rhum agricole“ bezeichnet. Niemand, der unabhängig davon an einem weichen, feinen Rum interessiert ist. Höchstens jemand, der einen gewissen Lokalpatriotismus zu Deutschland und/oder Bayern hat und dem dies wichtiger ist als alles, was ich in diesem Artikel ankreide. Man treffe seine eigene Entscheidung.

Später hinzugefügter Hinweis (aus gegebenem Anlass): Natürlich spreche ich, was die Gesetzgebung angeht, nur für die Produkte, die in der EU vermarktet werden wollen. Wenn irgendwo auf der Welt sich jemand entscheidet, seinen Zuckerrohrsaftrum „Agricole“ benennen zu wollen, dann darf er das natürlich – erst die gewünschte Vermarktung in Europa zwingt einen Hersteller, sich an EU-Vorgaben zu halten. Die EU-Gesetzgebung ist darüberhinaus scheinbar aktuell noch so schwammig, dass laut eigenen Aussagen Lantenhammer dieses Produkt als „Agricole“ vermarkten darf. Ich hoffe auf Besserung in der Klarheit der Gesetzgebung – mal schauen, was die neue, geplante EU-Spirituosenverordnung bringen wird.

Stone Hazy, with a Chance of Blueberries Wheat Ale Titel

Kurz und bündig – Stone Hazy, with a Chance of Blueberries

Der Unterschied zwischen einem aromatisierten Biergetränk und einem mit natürlichen Zutaten, die nicht in der populären Auslegung des Reinheitsgebots zu finden sind, ist immer wieder Grund für Diskussion – so neulich wieder in einer Craftbier-Facebookgruppe. Dass man als echter Bierfreund das eine energetisch ablehnen und gleichzeitig das andere sehr schätzen kann versteht der eine oder andere offensichtlich nicht und macht sich in seiner Unwissenheit darüber lustig. Dabei ist es doch total einfach: Natürliche Zutaten kompetent eingesetzt, ja, gerne. Künstliche Aromen, nein, danke. Das Stone Hazy, with a Chance of Blueberries ist ein Beispiel für ersteres, denn es wurde während der Gärung Heidelbeerpürée zugesetzt, „erntefrisch“, wie der Pressetext uns mitteilt.

Stone Hazy with a Chance of Blue Berries Wheat Ale

Heidelbeeren sind ja nur nach außen blau, daher ist die rostrote Farbe keine Überraschung. Die 13% Heidelbeerpürée sorgen für zusätzliche Trübung, das Weizenbier wird dadurch beinahe blickdicht. Auch der feine, dicke Schaum ist leicht rötlich. In der Nase riecht man Hefe, Malz und eine leicht medizinische Note, die mich verrückterweise an Pflaster und Verbandsmaterial erinnert. Etwas dunkle Frucht schimmert durch.

Der Geschmack ist mildfruchtig, die Heidelbeeren ergänzen einen eher ins Nelkige als ins Bananige gehenden Weizenbiergeschmack. Das Mundgefühl ist im Antrunk recht süß und cremig, im Verlauf wird es immer trockener, bitterer. 35 IBU sind für ein Weizenbier schon kantig, diese spürt man besonders gegen Ende deutlich – im Gegensatz zu den 6,7% Alkoholgehalt, das als „Wheat Ale“ deklarierte Bier ist daher eigentlich schon ein Weizenbock. Im kurzen, sehr trockenen Abgang kommt dann die Frucht vollends zum Vorschein, die Heidelbeeren klingen eine Weile nach, zusammen mit einer kräftigen Säure. Ein leicht metallischer Geschmack beendet das Ganze.

Man muss klar sagen – das ist kein Fruchtbier (wie ein Kriek oder ähnliches), dazu ist es bei weitem nicht fruchtlastig genug; die Hauptaromatik ist die eines Weizenbocks. Die Beerenzugabe sorgt aber erkennbar für eine zusätzliche Aromenschicht und Komplexität im Bier, die ich als durchaus angenehm empfinde. Ein schönes Herbstbier mit einem kleinen Twist.

Offenlegung: Ich danke Stone Brewing für die Zusendung zweier Dosen des Stone Hazy, with a Chance of Blueberries.

Nardini Grappa Riserva 15 Anni Titel

Ein Herbstspaziergang – Nardini Grappa Riserva 15 Anni

Wir Spirituosenmissionare müssen zusammenhalten. Wir lassen uns daher auch gern von einem Kollegen inspirieren, etwas auszuprobieren, wozu wir selbst erstmal nicht direkt einen Bezug haben. Die Welt der Brände und Liköre ist einfach viel zu riesig, als dass man als Einzelner irgendwie eine Chance hätte, alles direkt überblicken und einordnen zu können, und sie entwickelt sich täglich weiter. Daher freue ich mich immer sehr, wenn ich beim Spicken bei den Kollegen etwas entdecke, was mein Interesse reizt. So ging es mir mit dem Nardini Grappa Riserva 15 Anni, den der hochgeschätzte Vlogger Ralphy in einem seiner Videoblogs in höchsten Tönen lobte. Persönlich habe ich eine Schwäche für Grappe (dem italienischen Plural für Grappa, nur mal so klugscheißerisch angemerkt), daher kam ich nicht umher, mir eine Flasche davon zu besorgen.

Nicht ganz billig, und auch nicht überall erhältlich ist dieser Tresterbrand, der 15 Jahre in slawonischer Eiche reifen konnte. Traubenreste aus den nordostitalienischen Gebieten Venetien und dem Friaul werden doppelt mittels der für Grappa vorgeschriebenen Dampfdestillation gebrannt – Dampfdestillation deshalb, weil sie der einzige Weg ist, die toxischen Stoffe, die Traubenkerne und -stiele abgeben würden, brännte man sie auf konventionelle Weise, aus dem Destillat herauszuhalten. Das Verfahren wird zum Beispiel auch bei chinesischem Baijiu eingesetzt. Es wird in einem Folgeartikel über einen anderen Grappa auf meinem Blog etwas näher erläutert werden. Nun wollen wir uns aber zunächst den Nardini Grappa Riserva 15 Anni mal im Glas anschauen.

Nardini Grappa Riserva 15 Anni Flasche

Farblich sieht man, dass 15 Jahre Reifung nicht unbedingt zu einer schwarzbraunen Brühe führen müssen. Dieser Grappa ist klar, strohgolden, dabei aber strahlend. Im Glas kaum viskos. Man kann sich allerdings kaum auf die Farbe konzentrieren, denn man stürzt geradezu in das überwältigende Aroma, das aus dem Glas verströmt: Dunkle Schokolade, getrocknetes Heu, Kandis… ich versuche eigentlich, nicht ins Schwärmen zu geraten, wenn ich Tasting Notes schreibe, aber hier fühle ich mich einfach wie auf einem Herbstspaziergang über abgeerntete Getreidefelder.

Nach dem ausgedehnten Schnupperspaziergang muss der Nardini Riserva nun zeigen, ob er im Geschmack ähnlich verzaubern kann. Er ist zu Beginn sehr süß, wirkt zunächst etwas staubig, dabei wird ein weites Panorama an Geschmackskomponenten aufgefächert: Kakao, Heu, Oolong-Tee, Tabak, reifer Pfirsich, Datteln, Rosmarin und Mandeln. Eine volle Breitseite an Eindrücken, die Liste könnte ich mit jedem Schluck fortsetzen. Im Abgang wird er schließlich feurig-heiß; ein wirklich extrem langer Abgang komplettiert das durchweg positive Bild, voller Charakter, mit starken Kakao- und Teenoten und einem minzigen Finish.

Man erahnt, dass mein Gesamtfazit nicht wirklich negativ ausfallen kann. Der Nardini Riserva ist unglaublich vielschichtig und bunt, dabei höchstkomplex. Eine herrliche Spirituose, etwas, wovon ich nachts träume.

Grappa ist eher selten in Cocktailrezepten zu finden – seltsam eigentlich, denn die Aromatik ist spannend und kräftig, sowas sucht man normalerweise händeringend. Ungereifter Grappa macht sich hervorragend als Ginersatz in vielen Drinks, gereifter Grappa kann in zum Süßen tendierenden Cocktails den Twist geben, den ein gemütlicher Bourbon nicht liefern kann. Der Principino ist ein herrlicher Dessert-Drink, der dem wahren Genießer statt dem üblichen „Aufs Haus“ beim Italiener den Magen schließen könnte – er vereint Süßes, Kaffee und Grappa, also alles, was man sonst so nach dem Essen zu sich nimmt.

Principino


Principino
1½ oz Grappa (z.B. Nardini Grappa Riserva 15 Anni)
¾ oz weißer Pfefferminzlikör (z.B. Berliner Luft)
¾ oz Kaffeelikör (z.B. Kahlúa)
¾ oz Maraschino-Likör (z.B. Bols Maraschino)
Alle Zutaten auf Eis shaken. Im Glas dann mit etwas aufgeschlagener Sahne toppen.
Mit Minzblatt und Kakaopulver dekorieren.
[Rezept nach Renato Cumerlato]


Die kleine „halbe“ Flasche mit 35cl Fassungsvermögen wird in einem schönen, stabilen Klappkarton mit Plastikeinlage für die Flasche selbst vertrieben – dieser macht echt was her, ebenso wie die zurückhaltend gestaltete Etikettierung. Das macht das Gesamtpaket zu einem idealen Geschenk für jeden echten Spirituosenfreund.

Nardini Grappa Riserva 15 Anni Geschenkkarton

Eine wirklich schöne Entdeckung, und ich bin dem oben erwähnten Ralphy sehr dankbar, dass er mich darauf hingewiesen hat. Er selbst pflegt einen ähnlichen Stil wie ich, was die Auswahl von Rezensionsprodukten angeht – grundsätzlich bespricht er eigentlich Whiskys, blickt dabei aber gern über den Tellerrand und holt sich auch ab und an Rums oder anderes ins Boot. Einfach, weil man die Präferenzspirituose selbst viel besser würdigen, schätzen und einordnen kann, wenn man auch außerhalb von ihr hin und wieder mal etwas probiert. Ich empfehle das auch allen Lesern meines Blogs, die einen Lieblingsschnaps haben und sich nicht vorstellen können, dass sich das je ändern könnte: Ausprobieren! Nicht immer, aber immer öfter wird man extrem positiv überrascht werden.