Spontankäufe im Discounter – Ron Palma Mulata 7 Añejo Gran Reserva

Ich bin gerade dabei, Flaschen, die ich vor Jahren gekauft hatte, und schon zum Gutteil geleert hatte, nun endgültig zu beenden – ich will tatsächlich meine Heimbar verkleinern, und halbleere, schon Staub fangende Flaschen werden die ersten Opfer sein. Meistens hat es einen Grund, warum die Flaschen nach Anbruch so lange überleben, und es ist oft kein guter. Vor allem bei spontangekauften Supermarktprodukten, wie dem Ron Palma Mulata de Cuba 7 Añejo Gran Reserva, kann man sich mein Fazit also nach dieser Einleitung eigentlich schon irgendwie vorstellen. Ich muss diese Art der Käufe einfach sein lassen. Nun bringe ich es aber doch mal hinter mich, diese Besprechung zu schreiben.

Ein langer Name mit zwei Klärungspotenzialen. Das Wort „Palma“ scheint auf den neueren und redesigneten Abfüllungen weggelassen zu werden; dafür prangt nun das Wort „años“, spanisch für „Jahre“, neben der Zahl 7 auf dem kleinen Flaschenhalsetikett, bei meiner älteren Abfüllung fehlte das, was mich als Skeptiker direkt Fragen stellen ließ. Das Rumgesetz auf Kuba ist diesbezüglich aber klar – 7 heißt mindestens 7 Jahre Reifung. Nicht wie in anderen Gebieten „vielleicht 7 Jahre“, „höchstens 7 Jahre“ oder „irgendwas zwischen 2 und 4 Jahren, aber 7 ist eine schöne Zahl“. „Gran Reserva“ ist normalerweise eine Alterungsstufe bei Solera-Rums, eine Wortkombination, die keinerlei rechtliche oder verpflichtende Bindung hat – wir lesen es mit, verlassen uns aber lieber auf die echte Altersangabe, wenn wir uns ein Schlückchen des Rums ins Verkostungsglas eingießen.

Ron Palma Mulata Añejo Gran Reserva

Wir sehen orangerote Farbe im Glas, mit goldenen Reflexen. Leichte Viskosität beim Schwenken, dazu kommen mittelschnell ablaufende Beine, insgesamt ein schöner Anblick. Geruchlich weiß der Rum meiner Nase sehr zu gefallen – ungewöhnliche, derbere Aromen sind im Vordergrund, Zigarettenrauch, Tabak, Leder. Leichte Fruchtkomponenten kommen dazu, auch diese aber eher vom dunklen Typ, Honigmelone, Rosinen, Feigen. Erinnert mich persönlich durchaus an Cognac. Attraktiv, da ungewohnt und spannend.

Die gesammelten Eindrücke setzen sich im Geschmack fort. Man könnte mir diesen Rum in einer Blindverkostung als einen VS-Cognac unterschieben, und ich würde nicht allzusehr protestieren. Leider ist die gesamte Spannung, die die Nase aufgebaut hatte, im Mund ziemlich schnell verschwunden und auf die Basis reduziert – Rosinen und Mandarinen, sonst ist da wirklich nicht viel. Eine Messung ergibt 7-11g/L Zucker, die man leider auch spürt, mehr sogar, als es bei dieser Menge sein müsste. Kaum Körper, oberflächlich und süß.

Ron Palma Mulata Añejo Gran Reserva Glas

Der Abgang lässt mich leider die aufgezählten Vorteile wieder schnell vergessen. Hier kommt eine beinahe schon unangenehme Süße, auf jeden Fall aber eine langweilige, zum Vorschein. Der Abgang ist kurz und mildbitter, ein leichter Alkoholgeschmack zeigt sich. Eine trockene Pappigkeit macht sich breit, insgesamt eher unangenehm. Leichter Rauchnachhall ist noch das schönste daran.

Insgesamt ist der Ron Palma Mulata de Cuba 7 Añejo Gran Reserva damit ein sehr antiklimaktischer Rum – er beginnt sehr toll und sehr vielversprechend, baut dann immer mehr ab, bis zum fast schon abstoßenden Ende. Dazu kommt die Alkoholstärke von 38%, nur knapp über dem gesetzlichen Minimum: es ist immer ein sicheres Zeichen für lieblose Massenprodukte.

Ich sträube mich immer wieder gegen die Verwendung des Worts „Mixrum“, denn ich trinke eigentlich auch im Cocktail keine Spirituose, die ich nicht pur genießen will. Dennoch sage ich hier einfach mal – wenn man die Flasche eh im Haus hat, dann macht man halt mit dem Ron Palma Mulata lieber einen Mixdrink, in dem er nicht allein den Geschmack tragen muss, sondern Unterstützung von anderen Komponenten kriegt. Und wenn es so viele Zutaten sind wie im Bermuda Punch, dann sind auch die Mängel des Ron Palma Mulata irgendwie nicht mehr ganz so schlimm auszuhalten.

Bermuda Punch


Bermuda Punch
2 oz gereifter Rum (z.B. Ron Palma Mulata Añejo Gran Reserva)
1 oz Dunkler Rum (z.B. Botucal Reserva Exclusiva)
½ oz Falernum (z.B. The Bitter Truth Golden Falernum)
½ oz Aprikosenlikör
1½ oz Zitronensaft
¼ oz Limettensaft
5 Spritzer Angostura
Auf Eis shaken.

[Rezept nach saveur.com]


In einem Schnäppchen bei Aldi Süd habe ich ihn für 15€ erworben, wo er in der Vorweihnachtszeit verfügbar war; mehr würde ich für diesen Rum auch wirklich nicht veranschlagen wollen. Die rassige, heiße Latino-Dame mit den großen Augen und dem Schmollmund auf dem Etikett hat mich verleitet, ich gebe es zu, ich bin empfänglich für derartige Reize. Nun wird er seine Zeit als Cocktailzutat fristen, bis er leer ist (was zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Artikels bereits geschehen ist); ein Neukauf ist definitiv nicht geplant. Für nur wenig Geld mehr bekommt man bereits einen Havana Club 7, der seinem gleichaltrigen Landsmann in jeder Beziehung um Längen voraus ist, wenn man auf der Insel bleiben will.

Kurz und bündig – Regans‘ Orange Bitters No. 6

Ach, jeder Heimbarbesitzer kennt das Phänomen – man hat ein Dutzend Bitters aller Art im Regal, aber benutzen tut man letztenendes immer nur 3 oder 4 davon. Angostura ist und bleibt der Platzhirsch, daneben hat man Peychaud’s und Orange Bitters. Man sieht hier: 2 der 3 Hauptbitter erwähne ich als Markennamen, den dritten nur als Kategorie. Während Angostura und Peychaud’s einfach einzigartig in ihrem Effekt sind, da gibt es nur wenig echte und gut erhältliche Alternativen, hat man bei Orange Bitters eine gewisse Wahlfreiheit. Zum Beispiel die hier vorgestellten Regans‘ Orange Bitters No. 6. Die Bartenderlegende Gary Regan hat sie in einem auf dem Rücketikett dargestellten Prozess ausgetüftelt.

Regans‘ Orange Bitters No. 6

Diese Bitters sind überraschend hell in der Farbe, Safran bis Ocker. Gibt man einen Tropfen auf ein Stück Papier, entsteht kein erkennbarer Fleck. Das ist schon ein Unterschied zu den anderen Bittern, die ich kenne, die sehr dunkel wirken. Der Geruch ist dann aber wieder typisch für Bitters – sehr würzig, dunkel, aromatisch, sehr kräuterlastig. Underberg kennt man ja in Deutschland gut, diese Orange Bitters riechen fast identisch, nur zitruslastiger. Orangenschale schimmert deutlich durch.

Der pure Geschmack ist unerwartet; nicht die starke Bittere, die trägt das Produkt ja im Namen. Es ist die wirklich sehr prägnante Bitterorangenschale, die alles trägt, aber die Aromatik ist vielschichtiger: Kardamom, Anis, Nelken, Piment. Gerade Nelken klingen lange nach, die Zunge bleibt etwas betäubt. 45% Alkoholgehalt bringen die Kraft mit, sich im Cocktail dann durchzusetzen.

Regans' Orange Bitters No. 6 Farbe

Natürlich trinkt man das nicht pur, es schadet aber nicht, die Aromatik eines Produkts zu kennen, das man sonst recht gedankenlos einem Rezept folgend einsetzt. Für mich ist klar – das sind ohne Frage meine Hausorangenbitter.

Frisch vom Fässje – Bruch’s Barrique Bock

Die Brauerei G.A. Bruch in Saarbrücken ist das zweitälteste Unternehmen des Saarlands, und eine der leider an einer Hand abzählbaren Traditionsbrauereien, die es heute noch in meinem Bundesland gibt. Ihr Zwickel ist für mich das perfekte alltagstaugliche Sommerbier, von dem ich im Jahr so einige Liter gern trinke, und ihr zweimal im Jahr gebrautes Bockbier ist ein Traum. Am neulich stattfindenden Tag der offenen Tür gab es allerdings eine andere Spezialität zu erwerben, die mir sofort ins Auge sprang und der ich dann nicht widerstehen konnte – Bruch’s Barrique Bock. Dazu wurde ein Bockbier ein Jahr in einem Ex-Whisky-Fass gelagert, und danach limitiert auf 450 Flaschen abgefüllt. Schon die Flasche hat mir sehr gefallen – eine ungewöhnliche Form, ohne Etikett, dafür mit einem schön und einfach gestalteten Pappumhänger mit einigen Informationen. Das ganze wirkt optisch auf Anhieb sowohl elegant als auch bodenständig; was taugt das Bier im Glas?

Bruch's Barrique Bock Flasche

Dunkelbraun und so gut wie blickdicht, selbst wenn man es gegen das Licht hält. Leichte Perlage, kein Schaum – schon beim Eingießen verfliegt er direkt. Für ein fassgereiftes Bier keine Überraschung. Etwas überraschend sind dafür aber die so extrem eindeutigen, stark dominierenden Whiskynoten in der Nase – da ist viel Vanille, Bourbon-Aromen, Holz. Zimt und milde Fruchtnoten nach Rosinen und Pflaumen. Eine dezente feuchter-Keller-Note.

Auch im Antrunk ist Whisky sehr präsent, tatsächlich dauert es eine Weile, bis andere Aromen dagegen ankommen – dann finden sich Rosinen, Mango, Orangen, Lakritze. Eine sehr attraktive Erdigkeit und tiefdunkle Töne werden durch hopfige Frische und eine gut erhalten gebliebene Karbonisierung ausgeglichen. Ausgesprochen schöne Balance zwischen dunkelkaramelliger Süße, malziger Würze (ich fühle mich etwas an Schweizer Kräuterzucker erinnert) und frischer Säure sorgen für ein wirlich rundes Mundgefühl. Die knackige Rezenz macht das ganze sogar noch süffig.

Bruch's Barrique Bock Glas

Im wirklich sehr langen Abgang mildrauchig, tatsächlich auch etwas torfig, erdig und sehr malzig. Im ebenso sehr langen Nachhall taucht die starke Frucht des Bockbiers dann auf, vorsichtige Astringenzeffekte und eine leichte Säure bleiben am Gaumen. 11,1% Alkoholgehalt sind eine Hausnummer, selbst für ein Bockbier, und auch wenn man sie nie schmeckt, so spürt man sie nach dem Drittelliter einer Flasche schon.

Selten habe ich ein fassgereiftes Bier getrunken, das so vom Fass beherrscht wird – das Bier selbst ist kaum noch zu erkennen. Dennoch sage ich mit voller Überzeugung, dass dies das mit Abstand spannendste und am besten komponierte Whiskybier ist, das ich je im Glas hatte.

Bruch's Barrique Bock Eichenfass

Beim Kauf dieses Biers hatte ich gleichzeitig noch die Gelegenheit, eine Brauereiführung mitzumachen. Ein kleines Detail fiel mir dabei direkt ins Auge – das Eichenholzfass, das für den Barrique Bock benutzt wurde. Offensichtlich ein frisches Fass, stark getoastet, das vorher 3 Jahre mit einem hauseigenen Whisky belegt war.

Tolle handwerkliche Arbeit eines lokalen mittelständischen Brauers, der Tradition und Innovation verbindet, ohne einerseits müde und träge oder andererseits hipsterig zu werden. Ich hoffe ernsthaft auf eine Neuauflage im nächsten Jahr, denn das für diese Auflage geleerte Fass wurde direkt nochmal neu mit Bockbier belegt – dann werde ich mir mehr als nur 3 Flaschen organisieren.

Kurz und bündig – Smokecraft Edelholzvodka

Naja, ein Wodka halt, was kann das schon sein. Erste Vorurteile dieser Art, die selbst in vielen Spirituosenkennern bis heute vorhanden sind, haben die kleinen, frechen, modernen Wodkahersteller bereits wiederlegen können, deren Destillate keineswegs aromatisch neutral sind, sondern wuchtige Eindrücke des verwendeten Basismaterials aufweisen. Beim Smokecraft Edelholzvodka geht man einen anderen Weg – nicht das Basismaterial soll den Geschmack bringen, sondern eine Aromatisierung. Da Vanille-, Zitrone- und Kaugummiwodka bereits existieren, und man statt auf künstliche auf natürliche Aromen setzen will, hat der Hersteller sich für einen innovativen, sehr ungewöhnlichen Weg entschieden.

Smokecraft Edelholzvodka

Die Farbe ist strohig, und da ohne Fasslagerung oder andere Reifung gearbeitet wird, und auch keine Färbemittel eingesetzt werden, entsteht die Farbe allein durch das auf dem Rückenetikett erwähnte „Curacionsverfahren“ – spannend dabei ist, dass das Glas der Flasche durch Kaltrauch aromatisiert wird, und die dann darin enthaltenen ätherischen Öle des Holzes an den später eingefüllten Sommerweizenwodka abgegeben werden.

Riechen wir mal dran. Zunächst denkt man an Lagerfeuer. Sehr rauchig, mit der für manches Feuer bekannten stechenden Note, dabei aber positiv belegt, nie wie der kalte Zigarettenrauch in einer Kneipe. Leicht speckig und harzig. Frisch geschnittenes, noch grünes, harziges, aufs Feuer geworfenes Tannenholz. Kohle. Wie oft bei sehr rauchigen Spirituosen entsteht aus der Rauchigkeit ein deutlicher Fruchteindruck. Geschmacklich beginnt der Smokecraft sehr cremig und süß im initialen Antrunk, dann wechselt es aber schnell zu trockener Würze. Leichte Vanille, sehr dezente Frucht. Bittere taucht auf. 40 % Alkoholgehalt bleiben durchweg unspürbar. Der Abgang ist kurz, sehr trocken, mild bitter, sehr würzig, holzig und dabei feurig, ohne alkoholisch zu wirken. Der rauchige Nachhall ist dafür sehr lang und bleibt ausgesprochen lange am Gaumen.

Ich bin selbst davon überrascht, wie sehr ich diese Spirituose mag. Ich zögere, sie durchgängig als Wodka zu bezeichnen, dazu ist der Lagerfeuercharakter zu beherrschend. Es erinnert oberflächlich an stark rauchigen Mezcal oder Scotch, allerdings ohne deren aromatische Tiefe zu erreichen. Ganz sicher aber dennoch spannend und gut gemacht.

Wie man auf dem Foto sieht, habe ich zur Abwechslung mal nicht in meiner stillen Kemenate zu Kerzenlicht verkostet, sondern an einem schönen Sonntag in meiner Lieblingsbar, der Schillers Pop Up Bar in Saarbrücken. Danke, Michael, für die Umgebung! Dazu gab es einen Smoky Lemon Highball, der zeigt, dass der Smokecraft, einfach auf Eis aufgegossen mit Thomas Henry Bitter Lemon, einem rauchigen Mezcal oder Scotch bezüglich Raucharomen in nichts nachsteht und eine ungewöhnliche, spannende Mixspirituose darstellt.

Kriecherlschnaps – Scheibel Premium Altes Pflümle

Wegen all dem internationalen Zeugs, das ich so probiere, das aus der Karibik, aus Mexiko, Japan, China oder Chile kommt, wirkt etwas so Urdeutsches wie ein Obstbrand fast schon exotisch auf meinem Blog. Ich bin mir jedoch sicher, dass jeder Leser hier etwas Erfahrung mit Obstwässerchen hat, etwas, was man sicher nicht über jede Spirituose sagen kann. Ein spannender Aspekt der Obstbrandkultur hierzulande: Viele der aktuell entstehenden deutschen Rums werden von Obstbrennern hergestellt, auf den vorhandenen Brennanlagen – dadurch entsteht ein ganz eigener Charakter der deutschen Rums; man sieht daran, wie tief diese Verwertung von allerlei Obstsorten in Deutschland verwurzelt ist.

Doch es gibt auch in dieser Kategorie allerlei verschiedene Ausprägungen, die man als aufgeklärter Konsument unterscheiden können sollte. Heute schauen wir uns den Scheibel Premium Altes Pflümle an. Man sieht auf dem Etikett das Wort „Spirituose“ – das liegt daran, dass das Pflaumendestillat nach der doppelten Destillation noch mit Pflaumenextrakt nachgewürzt wird und daher diese allgemeine Verkehrsbezeichnung wählen muss (dazu am Ende noch ein paar Worte). Doch eins nach dem anderen, gießen wir uns erstmal ein Gläschen ein.

Scheibel Premium Altes Pflümle

Im Glas zeigt sich deutlich das blasse Gold, das in der Destillation eingesetzt wurde. Nein, das ist natürlich ein Scherz, ich persönlich halte derartige Gimmicks für Marketing, ähnlich wie das bei der Platin-Filtrierung ist, die ich vor Ort bei einem bulgarischen Wodka-Hersteller begutachten konnte. Aber jedem das Seine. Trotzdem gefällt die Farbe, die dann wohl aus dem Fruchtauszug stammt, der dem Destillat beigesetzt wird. Sehr leicht bewegt sich die Flüssigkeit im Glas.

Die Fruchtaromen entwickeln sich jedenfalls großartig, eine schwere, dicke, fruchtige Süße entströmt dem Verkostungsglas. Pflaume dominiert, ich erkenne Nebenaromen von Apfel und Birne. Ein Traum für die Nase, das ist etwas, woran ich ausgesprochen gern sehr viel Zeit verbringe, bevor ich einen ersten Schluck nehme.

Hoppla, ist das nicht ein Likör? Das ist der Gedanke, der einem in den Kopf springt, wenn man das Alte Pflümle dann doch probiert. Supersüß, sehr rund und weich, ein wirklich genehmer Antrunk. Kandiszucker, Ahornsirup, Malz. Die Fruchtaromen zögern keine Sekunde und springen nach vorn. Im Verlauf kommt eine sehr feine Würze auf, die sich mit einer sich bildenden, aber sehr dezenten Trockenheit zum Ende hin steigert. 43%? Perfekt gewählt, der Alkoholgehalt sorgt für Wumms und Power, um die Süße auszugleichen.

Scheibel Altes Pflümle Glas

Der Abgang ist feurig, sehr lang, fruchtig und wuchtig mit tollem, extrem langen Pflaumennachhall, etwas Vollmilchschokolade und Fruchtmarmelade komplettieren diesen Eindruck, der von einem erkennbaren, aber nicht unangenehmen alkoholischen Hauch abgeschlossen wird.

Diese Art von Obstbrand muss einfach jeden überzeugen. Die sehr ausgeprägte Süße könnte Freunde von trockenem Schnaps zu Beginn abschrecken, doch der Abgang wird auch diese dazu bringen, mehr zu wollen.

Normalerweise kommt Slivovitz in den Moravian Cocktail. Ich ersetze hier den meist eher süßherben tschechischen Brand durch das Alte Pflümle, und bekomme dadurch eine Zucker- und Aromabombe, die mit Vorsicht zu genießen ist – da hat man was im Mund, was Freunde trockener Klassiker ins Diabeteskoma versetzen wird. Hin und wieder brauch ich sowas aber, und wer einen Ersatz für ein Dessert sucht, ist hier bestens aufgehoben.

Moravian Cocktail


Moravian Cocktail
¾ oz Pflaumenbrand
¾ oz Becherovka
1½ oz süßer Wermut
Auf Eis rühren.
[Rezept nach der Be Bop Bar in Prag]


Letztlich hätte ich schon gern etwas mehr Deutlichkeit darüber, was diese „Spirituose“ ist – als solche ist das Alte Pflümle, wie eingangs erwähnt, deklariert. Der zugefügte Fruchtextrakt sorgt dafür, dass es nicht als Obst- oder Pflaumenbrand, und auch nicht als „Pflaume“ (gemäß EU 2008/11 Anhang II 9.f) bezeichnet werden darf – die Spielerei „Altes Pflümle“ ist wahrscheinlich deswegen gewählt, um letzterem etwas nahe zu kommen. Wobei das „alt“ im Namen wieder verwundert, denn man erfährt nichts darüber, ob damit eine (undeklarierte) Reifung der Spirituose gemeint ist, oder eine Anspielung auf die alte Pflaumensorte Haferpflaume, die verwendet wird, sein soll, oder Bezug nimmt auf die bei Scheibel scheinbar vorhandene Destillieranlage „Alte Zeit“. Vielleicht eine Mischung aus allem.

Das sind aber Kleinigkeiten, über die sich ein Spirituosenregelfetischist wie ich sich Gedanken macht, und die dem Genießer nicht im Weg stehen sollten, diesen schönen, fetten, süßschweren Pflaumenschnaps auszuprobieren.

Kurz und bündig – Maisel & Friends Hoppy Hell

Ein Sessionlager mit 5,3% Alkoholgehalt – na, da freut sich das Herz des Kategorisierers. Normalerweise denkt man bei Sessionbieren ja doch irgendwie eher an alkoholreduzierte Produkte – das Maisel & Friends Hoppy Hell fällt dann doch raus aus diesem Kriterium, und, wie ich als lernbegieriger Bierfreund nachlesen konnte, ist das bei modernen Sessionbieren auch gar nicht so ungewöhnlich. Die Frage nach dem grundsätzlichen Sinn dieser Kategorie stellt sich mir letztlich zwar dann schon noch, sie hat eigentlich kein echtes handfestes Definitionskriterium mehr, doch ich gieße mir während dieser Session an Überlegungen einfach mal dieses hopfengestopfte Helle ins Glas, das wird die trüben Gedanken hoffentlich vertreiben.

Maisel & Friends Hoppy Hell

Sehr hell und farblich leicht an Apfelsaft erinnernd, eine minimale Trübung. Wenig erkennbare Perlage, nach dem Eingießen ist auch kaum Schaum da, und sogar das Wenige baut sich praktisch sofort ab. Die Hopfenstopfung ist in der Nase sofort erkennbar, und unterscheidet das Hoppy Hell vom ersten Schnuppern an direkt von einem klassischen Hellen. Fruchtig nach Grapefruit und Limette, etwas Mango.

Süßlich im Antrunk, doch das ändert sich sehr schnell – die Süße wird ersetzt durch starke Säure, kräftige, aber nicht überhand nehmende Bittere. Dabei bleibt das Bier stiltypisch klar und definiert, leicht und obertönig. Gegen Ende kommt eine schöne Würze dazu, die von etwas Malzigkeit getragen wird. Eine wirklich gelungene Rezenz entsteht aus der starken Säure und milden Bittere (25 IBU), und, obwohl man es optisch nicht wahrnimmt, der gut gewählten Karbonisierung.

Der Abgang ist sehr kurz, hier dominieren dann die Hopfenaromen völlig das Gesamtbild, und sorgen dabei noch für starke Betäubungseffekte auf der Zunge – hui, das spürt man im Mund, das Hoppy Hell. Ein wirklich toll erfrischendes Bier, Lager mal anders – mildes Lager, hochgepowert mit richtig fettem Aromahopfen, ohne den Lagercharakter aufzugeben.

Ja, ich gebe es zu, ich mag den Stil der Maisel & Friends-Biere. Man spürt bei ihnen einfach, dass ein gesundes Maß an Kreativität und Tradition zusammenkommen, und nicht eines das andere völlig überwiegt – hier werden sehr trinkbare Biere hergestellt, nicht überdreht und überinterpretiert oder hipsterig, aber auch nicht langweilig. Ich freue mich immer über neue Ideen aus dem Hause Maisel & Friends.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kostenlose Zusendung einer Flasche des Hoppy Hell.

Eine neue Welt – Kizakura Honjozo, Junmai, Junmai Daiginjo Yamadanishiki Sake

Tatsächlich geschieht es bei mir selten. Man denkt nach einigen Jahren als engagierter Spirituosenblogger hat man alles schon gesehen, und kennt eigentlich grundsätzlich alles. Hin und wieder muss man sich aber dann hinterfragen, und sich darüber klar werden, dass es immer Dinge gibt, die es zu entdecken gilt. Bei mir ist das aktuell Sake. Die Leser meines Blogs können hier nun also fast live mitverfolgen, wie es ist, sich mit einem komplett neuen Thema auseinanderzusetzen: ich bin hier eingestiegen als ich allerhöchstens genauso weit wie Ihr wart, liebe Leser.

Beginnen wir mit der Klarstellung – Sake ist keine Spirituose, denn hier wird nichts destilliert. Es ist  also kein Reisschnaps, wie Sake, oder Nihonshu, wie er laut der japanischen Schutz-GI eigentlich benannt werden will, oft bezeichnet wird, und auch kein Reiswein, sondern ein Reisbier. Dahingehend beginnt man eigentlich doch nicht auf der komplett grünen Wiese, sondern man hat, wenn man sich etwas mit Bier und Sherry auskennt, schonmal eine solide Basis, auf die aufgebaut werden kann. Ich kann es nicht vermeiden, zunächst etwas Theorie aufzubereiten, da dies mein erster Sake-Artikel ist. Ich gebe direkt zu, dass die Sake-Klassifikation komplex ist, mir in ihrer Konsequenz und Transparenz aber sehr gefällt, davon können sich manch andere Kategorien eine Scheibe abschneiden. Das folgende Diagramm erklärt eigentlich das wichtigste diesbezüglich auf einen Blick – ich danke sake-talk.com für die freundliche Genehmigung, es hier wiedergeben zu dürfen, man muss das Rad ja nicht neu erfinden, vor allem, wenn es so hübsch und klar aufbereitete Grafiken schon gibt.

The Basic Types of Sake (courtesy of http://www.sake-talk.com/basic-types-of-sake/)

In Folgeartikeln zu anderen Sakes werde ich dann auf einzelne Details der Sakeproduktion eingehen, die wichtig sind, aber für diesen Einstieg dann doch den Artikel überladen würden. Man kann aus diesem Diagramm letztlich aber schonmal mitnehmen, dass es unterschiedliche Qualitäten an Sake gibt, die sich unter anderem aus der Produktionsmethode herleiten – wie stark ist das Reiskorn poliert, wird Alkohol zur Stabilisierung des Alkoholgehalts zugesetzt, mit welcher Temperatur wird fermentiert? So entstehen die großen Kategorien des hochwertigen Sake: Honjozo, Junmai und Ginjo, mit ihren Subkategorien.

Die erste Frage, die man sich als Neuling stellen muss – mit welchen Produkten fange ich an? Ich habe mir absichtlich nichts extrem hochwertiges, rares und besonderes ausgesucht, sondern 3 Sorten eines Herstellers gewählt, die leicht erhältlich und hübsch anzusehen sind; das ist wahrscheinlich der Ansatzpunkt, von dem viele aus starten würden, solange man keine Ahnung hat. Um einen ersten groben Überblick zu bekommen, habe ich mir also in einem Asia-Laden drei Sorten des Herstellers Kizakura eingepackt – Honjozo, Junmai und Junmai Daiginjo Yamadanishiki Sake.

Kizakura Sake Honjozo, Junmai, Junmai Daiginjo

Beginnen wir mit dem Kizakura Honjozo. Honjozo Sake ist die „unterste“ der drei Premium-Sake-Kategorien (tokutei-meisho-shu). Er ist, wie leicht aus dem Diagramm ablesbar, gekennzeichnet durch eine Reispolierrate von höchstens 70%, und einer Versetzung mit Neutralalkohol. Bei diesem Produkt unterschreiten wir das, wir haben 65% Reispolierung. Und darüber hinaus, und das ist besonders, eine Einmischung von 5%  Koshu (also gereiftem Sake).

Wie von tokutei-meisho-shu erwartet, weist die Flüssigkeit kaum Farbe auf, nur eine leicht strohige Note ist da, und ist strahlend klar ohne jeden Einschluss oder Trübung. In der Nase finde ich direkt eine sehr fruchtige, schwere Note nach Pfirsich, rotem Apfel und Ananas. Etwas Lavendel komplementiert das Bouquet. Von Anfang an ist der Honjozo süß und schwer im Mund, ein sehr weiches und cremiges Mundgefühl. Ein dezenter Alkoholhauch, doch erkennbarer als bei den folgenden Junmai-Sakes, begleitet uns immer. Traubig, mildapfelig, etwas nach Birne – sehr aromatisch, dabei aber nie überwältigend. Eine erkennbare Säure sorgt für Frische und gleicht die schwere Süße der Früchte aus. Der Abgang ist leicht alkoholisch, ein Zeichen der Zusetzung von Neutralalkohol, ohne aber je dabei zu stören. Für Sake aromatisch vergleichsweise lang, etwas bitter am Ende, eine erkennbare Kante ist da, mit leichten Betäubungseffekten an den Zungenseiten, und einem sehr trockenen Finish.Kizakura Honjozo Sake

Ich trinke das ehrlich gern. Manche sagen, darunter das Etikett, dass man Honjozo zimmerwarm oder sogar erwärmt trinken soll – ich halte mich daran, das kühl zu konsumieren, und da sorgt es für viele positive Effekte. Die Frucht ist schön ausgearbeitet, das Süßesäurespiel wunderbar kalibriert – ein tolles Getränk, und den zugeblendeten Koshu erkennt man wirklich mit seiner Würze, die in den anderen bisher probierten Sake nicht da ist.

Junmai ist die Bezeichnung für alle Sakes, die nicht mit Neutralalkohol versetzt wurden und auch keine weiteren Zusätze außer den Basiszutaten Reis, Koji und Wasser haben. Eine Art Reinheitsgebot, sozusagen – im eingangs gezeigten Diagramm leicht erkennbar durch die gestrichelten Linien. Neben dieser Klassifizierung, die an andere Kategorien angehaftet werden kann, ist Junmai für sich stehend auch der Name für die nächsthöhere Qualitätsstufe der Premium-Sakes – es wird dafür keine Mindestrate des Reispolierens gefordert. Für den Kizakura Junmai ist dennoch eine Rate angegeben (70%), dazu die Information über Alkoholgehalt (15%). Gern hätte ich noch eine Angabe zu Süße (SMV) und Säure.

Kizakura Junmai Sake

Farblich sehen wir nur ein Hauch von Tönung, noch weniger als Weißwein, dabei klar und strahlend. Keine Viskosität beim Schwenken. In der Nase entdeckt der Kenner einen starken Fino-Sherry-Geruch, dazu milde Hefe und leichte Essignoten. Etwas zusätzliches, vielleicht Frischpilze, ist die unterwartete Komponente. Aber auch Bekanntes, wie Weißwein, dezente Frucht, leichte Blumigkeit. Von allem nur einen Hauch. Geschmacklich bleibt der Kizakura Junmai leicht, süßlich, mit etwas Salzigkeit. Erinnert auch hier wieder stark an Fino Sherry, verdünnt allerdings. Fermentierungsnoten bringen die Exotik, ebenso eine sehr zurückhaltende, aber erkennbare Esterigkeit. Sehr deutlich wird die verringerte Alkoholizität und gefühlt höhere Eleganz im Vergleich zum Honjozo. Im Abgang wird dieser Sake sehr trocken, plötzlich würzig, viel aromatischer als während der Zeit, in der er im Mund ist. Er strahlt dazu eine leichte Wärme aus, obwohl er gekühlt getrunken wurde.

Schon ungewohnt und interessant, ohne sich dabei in Exotik zu wälzen, und bestimmt sehr angenehm als Essensbegleiter zu Fischgerichten oder Sushi als Alternative zu Weißwein. Gut gekühlt ist der Kizakura Junmai auch erfrischend, und schließlich sehr vorteilhaft in einem Sake & Tonic, da er hier seine Würzigkeit gut rüberbringt. Ein schönes Produkt.

Zu guter letzt die laut Klassifikation höchste Qualitätsstufe der hier vorgestellten Sakes – der Kizakura Junmai Daiginjo Yamadanishiki. Das letzte Wort dieses Titels zeigt auf, welche Reissorte eingesetzt wurde (Yamadanishiki ist die am weitläufigsten kultivierte Sake-Reissorte, etwa ein Drittel allen Sake-Reises ist von dieser Varietät). Wie der Name schon sagt, haben wir hier also einen Sake, der zu 100% aus Yamadanishiki-Reis ohne Zugabe von Alkohol hergestellt wurde, mit einer Reispolierrate von höchstens 50%, und der nach der Ginjo-Methode fermentiert worden ist (langsam und bei niedriger Temperatur also).

Kizakura Junmai Daiginjo Yamadanishiki Sake

Die Farbe ist extrem blass, fast schon nicht mehr vorhanden. Keinerlei Trübung ist zu erkennen. Im Glas bewegt sich dieser Sake mühelos und ohne Schwere. Champagner und Riesling rieche ich beim ersten Schnuppern, eine milde Fruchtnote nach Kirsche, und dazu eine leichte Apfelblüten-Floralität. Sehr attraktiv, dabei immer zurückhaltend und vorsichtig. Ein Hauch von Malzigkeit klingt mit. Im Mund, bei Kühlschranktemperatur, klingt der Junmai Daiginjo sehr fruchtig an, wird dann sehr süß. Ein fast schon cremiges Mundgefühl überrascht. Feine Ester erinnern an reife Banane und Ananas. Im Verlauf baut sich etwas Säure auf, die gegen Ende stärker wird, ohne die Süße ganz verdrängen zu können – vorsichtige Komplexität entsteht. Der Abgang schließlich ist dann plötzlich trocken, leicht astringierend, aromatisch kurz. Erst ganz spät, im Nachhall, meint man, die 15% Alkoholgehalt spüren zu können, in einem leichten Prickeln an den Zungenseiten und einem tiefen Wärmehauch.

Ich gebe zu, das ist schon verdammt elegant, ohne dabei je streng zu werden. Diese Mischung aus Süße und Distinguiertheit kenne ich von kaum einem anderen Getränk, das ich bisher im Mund hatte – jedenfalls findet sich hier ein sehr hoher Wiedererkennungswert, und dazu ein echter Wiedertrinkwunsch.

Ich bin zur Zeit noch an der Evaluation, wie Sake idealerweise in Cocktails einzusetzen ist. Als relativ zarte, mildaromatische Zutat muss man jedenfalls darauf achten, dass er nicht gegen starke Wucht anderer Zutaten anzukämpfen hat. Als erste Idee springt einem natürlich ein einfacher Longdrink in den Sinn – der Junmai Sake & Tonic hört sich vielleicht einfallslos an, ist aber ein wirklich schöner Drink, mit vielen dezenten, würzigen, und sehr effektvollen Noten.

Junmai Sake & Tonic


Junmai Sake & Tonic
2 oz Junmai Sake
2 oz Tonic Water
Auf Eis bauen.

[Rezept nach Helmut Barro]


Diese Kizakura-Sakes sind, wie ich zu Beginn schon erwähnte, recht hübsch anzuschauen in ihrer Präsentation. Kleine Dekanterfläschchen aus Glas, mit einem Folienüberzug in unterschiedlichen Farben, und einem so noch nie gesehenen Aluverschluss mit Zugring, etwas erinnernd an Konservendosen. Da Sake ein sich schnell veränderndes Produkt ist (auch das hat es mit Sherry gemein), das nach Herstellung – nicht Kaufdatum! – recht zügig konsumiert werden sollte, sind kleine Fläschchen wie diese eigentlich ideal, und für eine einzelne Sitzung gedacht und daher stört die mangelnde Wiederverschließbarkeit nur wenig. Grundsätzlich ist Sake gekühlt und dunkel aufzubewahren – etwas, was leider nur wenige generische Asia-Läden, in denen man Sake kauft, einhalten werden, weil sie es einfach nicht besser wissen. Wenigstens nach Kauf sollte man sich aber dran halten, was auch immer es dann noch bringen mag.

Meine Reise ins Sakeland endet hier natürlich nicht – ich bin zugegebenermaßen etwas angefixt. Es stehen zum aktuellen Zeitpunkt bereits 5 weitere Sakes bereit, verkostet zu werden. Es würde mich freuen, wenn Ihr Leser mich auf dieser Reise weiter begleitet, in zukünftigen Artikeln zu diesem spannenden Reisbier!

Kurz und bündig – God by Godet Cask Super-Strength Cognac

Gleich von zwei Gewohnheiten müssen wir uns trennen, wenn wir den God by Godet Cask Super-Strength Cognac vor uns im Glas haben. Im Allgemeinen ist Cognac eine Blendspirituose, fast alle großen Häuser verheiraten Destillate verschiedenen Alters und Herkunft zu einem gewünschten Geschmacksbild des Endprodukts („assemblage“). Der God by Godet ist ein Exemplar der sehr kleinen Gruppe von Cognacs, die kein Blend sind, sondern das, was man im angelsächsischen Sprachraum wohl als „Single Cask“ oder „Single Barrel“ bezeichnen würde – er entstammt einem einzelnen Fass. Für Cognac gilt darüberhinaus eine Obergrenze des Zielalkoholgehalts von 72%, die bei der zweifachen Destillation, wie sie bei Cognac angewandt wird, nicht überschritten werden darf. So gut wie immer wird das Endprodukt durch das angesprochene Blenden sowie durch Verdünnung mit Wasser auf eine genehme Trinkstärke herabgesetzt. Da man hier beides sein lässt, weist der God by Godet eine erstaunliche Stärke von 71,4% auf. Das Destillat aus 100% Weinen der Cru Fins Bois lagert 4 Jahre in Limousineichenfässern, und wird weder gesüßt noch gefärbt (was beides für Cognac erlaubt und geregelt ist).

God by Godet Cask Super-Strength Cognac

Selbst bei einer Verdünnung auf ca. 55% behält der Cognac seine goldgelbe Farbe. Strohig-weiße Reflexe glänzen im Glas. Dort bewegt sich der Cognac sehr elegant, mit Schwung und Schwere gleichzeitig. Riesige Fenster bilden sich am Glasrand, die in dicken Beinen träge ablaufen.

Fruchtigkeit umschmeichelt die Nase, der starke Alkoholgehalt zwickt, selbst nach Verdünnung. Kuchenteig, Vanille, Mandeln, Aprikosen. Ich gebe ihm etwas Zeit, doch das Zwicken bleibt – das ist halt der hohe Alkoholgehalt.

Ein wahrhaft königlich weiches Mundgefühl beginnt, die tolle Fruchtigkeit einzuläuten – rote Trauben, Aprikose, Feigen, Quitte, Orange. Die Balance zwischen Süße und Säure ist wunderbar getroffen. Rund und schwer liegt dieser Cognac im Mund, und im Verlauf entwickelt sich eine schwarzpfeffrige Schärfe dazu. Ich gebe noch etwas Wasser dazu. Nun wird die Nase nicht mehr zwickend, man nimmt weitere, fast schon funkige Fruchtester wahr – Banane, Pfirsich. Ja, so funktioniert der Godet am besten – er ist verdünnt ein Traum mit unkomplizierter Komplexität und einer fruchtig-schweren Würde.

Der Abgang ist heiß, voluminös, dicht und lang. Frucht und eine höchst ansprechende Blumigkeit, die ich sonst eher mit einem chilenischen Pisco assoziiere, klingen lange nach. Mit einem kalten Eukalyptushauch klingt der God by Godet aus – ein spannender Cognac mit einem richtig schönen Geschmacksbogen! Persönlich muss ich sagen, dass ich ihn in der Abfüllstärke nicht trinken würde, sondern deutlich herunterverdünne; immerhin hat man so aber die Wahl.

Oder hält doppelt gereift besser? Huizache Origen Tequila Reposado

Man kann kaum mehr gereifte Spirituosen kaufen, die nicht noch irgendwie ein spezielles Cask Finish erhalten. Heutzutage reicht es nicht aus, eine Weile im Fass gelegen zu haben. Und selbst Sherryfässer, die man oft verwendet für derartige Zwecke, sind dem anspruchsvollen Konsumenten nicht genug, der immer auf der Suche nach spektakulär neuem ist, ob es Sinn macht oder nicht – man braucht mindestens schon Sauternes- oder Bierfässer, und vielleicht irgendwann Essig- oder Salzgurkenfässer für den letzten Kick.

Nun, ich polemisiere etwas. Manchmal macht so eine zusätzliche Reifeperiode auch Sinn, wenn sie nicht vom Marketing getrieben ist. Einen Tequila, der eh nur kurze Zeit in einem Holzfass reposiert, zusätzlich noch für eine Weile in ein zweites Fass zu geben, ihn dabei aber immer noch unterjährig zu reifen (insgesamt lag der Huizache Origen Tequila Reposado 9 Monate in Holz), sowas ist durchaus von Spannung. Es gibt nicht viele Tequilahersteller, die Reposados mit unterschiedlicher Reifedauer anbieten, daher ist das ein interessantes Experiment.

Huizache Origen Tequila Reposado

Der Reposado Origen ist erkennbar blasser als sein weniger gereifter Cousin, der Reposado. Zusätzliche 6 Monate in Fässern aus französischer Steineiche ziehen laut Hersteller etwas Farbe ab, statt sie zuzufügen – ein natürlicher Filtereffekt, sozusagen, man hört nicht oft davon, vorstellen kann ich mir es aber schon, wenn das zweite Fass neutral geworden ist.

Geruchlich fällt mir zunächst eine überraschende Rauchnote auf – nicht so, wie bei einem Fumado, aber doch präsent. Insgesamt ist die Nase ausgesprochen grün, sehr vegetal und wie frisch abgeschnittene Blätter. Die vanillige Süße der Fassreifung und die Kaugumminote der Diffusorbehandlung kombinieren sich zum sehr ansprechenden Gesamtaroma. Im Hintergrund lauert etwas Ethanol, das aber erst beim tiefen, langen Schnuppern auftaucht und selbst dann nicht sticht.

Huizache Origen Reposado Glas

Geschmacklich ist der Origen interessanterweise intensiver als sein jüngerer Cousin, er hat mehr von allem, obwohl er mit 35% deutlich schwächer abgefüllt ist. Erst im Abgang, der leider noch kürzer als der des Reposado ist, merkt man, dass diese 5% weniger ihren Preis haben. Bis dahin hat man aber schöne Agavenaromen, viel Wintergrünöl, eine milde Pfeffrigkeit, und doch etwas Alkoholfeuer.

Wie bei allen Huizaches geht dem Destillat am Ende, wie schon angedeutet und in den vorherigen Rezensionen erwähnt, etwas die Luft aus. Der Eisenton (wie man es von Zahnfleischbluten kennt) ist etwas zu präsent, die Länge fehlt und beim Origen ist das ganze noch etwas deutlicher. Warum die Entscheidung getroffen wurde, auf etwas magere 35% (die Untergrenze dessen, was für Tequila erlaubt ist) herab zu gehen, während der Trend bei Kennerspirituosen eher zu strammeren 46% hin geht – das bleibt mir ein Rätsel, und ich persönlich finde es eine falsche Entscheidung.

Vielleicht passt der Name des Cocktails, für den ich mich bei dieser Besprechung entschieden habe, auch ganz gut auf den Huizache Origen grundsätzlich – The Mexican Gentleman. Spanische Sherrys mit mexikanischen Spirituosen, das ergibt eine gefährlich leckere Mischung, die durch zerstoßene Früchte aufgelockert wird.

The Mexican Gentleman


The Mexican Gentleman
2 Heidelbeeren, 2 Himbeeren, 1 Erdbeere, 1 Orangenscheibe im Shaker muddeln
1 oz Manzanilla Sherry
1 oz Tequila reposado
½ oz PX Sherry
½ oz Mezcal
Auf Eis shaken. Auf crushed ice abseihen. Mit Früchten dekorieren und leicht umrühren.

[Rezept nach Sean Kenyon]


Die Präsentation gefällt mir sehr. Ich finde den Schriftzug wirklich gut gestaltet, dazu kommt die Flasche, die sehr geschickt mit der gleichen Farbe des Inhalts in einem Farbverlauf nach oben hin transparent wird. Die dezenten Gestaltungselemente weiß ich zu schätzen – manche Hersteller versteigen sich zu plump-üppigen Dekorationen, von denen ich aus Erfahrung weiß, dass sie oft nur der Ablenkung vom mäßigen Inhalt dienen. Der Nachfüllstop ist einfach der Herstellungsregion und der dortigen Problematik der Produktpiraterie geschuldet, ich habe mich damit abgefunden, mögen tu ich es nicht. Ein Schraubverschluss ist bei Spirituosen wie dieser, die man, einmal geöffnet, schnell austrinkt und nicht aufbewahrt, sehr viel angebrachter als ein Korken. Dazu der hübsch gestaltete Karton – ich habe diesbezüglich nichts zu meckern.

Offenlegung: Ich danke dem deutschen Distributor fifteenlions für die unaufgeforderte und bedingungslose Zusendung einer Flasche dieses Tequilas.

Kurz und bündig – Metallica & Stone Brewing Enter Night Pilsner

Ich musste laut lachen, als ich die Box, die neulich bei mir in der Post landete, öffnete. Eine Kiste mit Bier, das ist schonmal schön, wenn dann dazu noch beim Öffnen „Enter Sandman“ von Metallica zu laufen beginnt, dann ist das schon ein Knüller. Das Prinzip kennt man ja von sprechenden Grußkarten, aber hier wirkt es echt doppelt. Was gäbe es besseres, als die Zusammenarbeit zwischen der Band Metallica und Stone Brewing zu präsentieren, als die Musik der Gruppe? Das Metallica & Stone Brewing Enter Night Pilsner kommt also mit großem Spaßvorschuss an. Weg vom schwarz-roten, düsteren Design, hin zum Bier im Glas – der Kontrast könnte kaum größer sein.

Metallica & Stone Brewing Enter Night Pilsener Promobox

Strahlendes Sonnenblumengelb, eine minimalste Opalisierung ist erkennbar, wenn das Bier frisch, wie vom Etikett empfohlen, aus der Kühlung kommt – wird es etwas wärmer, zeigt sich dagegen kristallene Klarheit. Mittlere, sichtbare Perlage, dünner, gemischtblasiger Schaum. Optisch wirklich ein Hingucker – man könnte meinen, das Bier leuchtet von sich aus. In der Nase zunächst etwas Hefe, gefolgt von zurückhaltenden Zitrusnoten – das Enter Night Pilsener wurde mit Emerald (soll das Smaragd sein?), Sterling und Mandarina Bavaria gehopft. Für ein Pils leicht malzig. Ein hintergründiger Geruch nach Pizzateig.

Metallica & Stone Brewing Enter Night Pilsener

Geschmacklich zunächst mild, feinherb, dabei aber weich im Antrunk. Im Verlauf baut sich die Bittere auf, bis sie im Abgang ihren Höhepunkt bei 45 deftigen IBUs erreicht – dort wird das Bier sehr trocken, kantig, verrückterweise aber gleichzeitig mit einer mir persönlich dabei zu pappig werdenden Süße, die dann auch die eigentlich durch die hohe Karbonisierung und eine milde Säure vorhandene Rezenz runterzieht. Aromatisch bleibt es dem Bierstil treu, ist nicht überfrachtet mit Aromen, sondern bleibt klar, frisch, helltönig und vergleichsweise streng. 5,7% Alkoholgehalt sind nicht unerwartet für ein Pils. Der Abgang ist kurz, bis auf einen Anflug von Blumigkeit aromatisch unauffällig, und herb.

Man mag es positiv sehen, dass man zumindest meint, den oft etwas brachialen Stone-Stil wiederzuerkennen, doch insgesamt enttäuscht mich das Enter Night Pilsener, als eines der ersten Stone-Biere seit langem. Da ist außer der knackigen Bittere kaum etwas, was ich besonders erwähnenswert finde, und die tolle Optik allein kann es halt nicht reißen. Ich sage allerdings direkt dazu, dass ich kein großer Pilsfreund bin – und auch von Metallica eigentlich nur 2 oder 3 Lieder mag. Ich gehöre damit zu keiner der Teilzielgruppen dieses Biers; wer Metallica liebt, und auch noch gern Pils trinkt, findet hier vielleicht eine schöne Kombination seiner Vorlieben.

Offenlegung: Ich danke Stone Brewing für die Zusendung dieser witzigen Promobox mit 3 Dosen des Biers.