Baker's Kentucky Straight Bourbon Whiskey Titel

Vorsicht vor Empfehlungen – Baker’s Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Vielleicht kennt der eine oder andere das – man hat einen im Bekanntenkreis, der sich etwas mit Spirituosen auskennt, und aus gegebenem Anlass hätte man gern eine Flasche eines guten Tropfens gekauft. Also fragt man den Bekannten, was er so empfehlen würde, sieht, dass es die Empfehlung auch noch gerade im Blitzangebot bei einem großen Onlinegemischtwarenladen gibt, und schlägt dann voller Vertrauen zu. Am besonderen Tag öffnet man dann mit Freunden und Freuden die Flasche, und stellt fest, dass der Inhalt einem dann doch nicht so besonders zusagt. Eine Enttäuschung sondergleichen.

Das ist das Schicksal des Kenners: der eigene Geschmack ist halt dann doch nicht wirklich übertragbar. Man kann Qualität, ein gutes Preisleistungsverhältnis oder eine hübsche geschenktaugliche Präsentation empfehlen, aber ob es dann dem glücklichen Empfänger auch wirklich schmeckt, das bleibt dem Schicksal überlassen und ist selten vorhersehbar.

So ging es mir, als ich einem Kollegen, der mich nach meiner Meinung über Baker’s Kentucky Straight Bourbon Whiskey fragte – klar, toller Stoff, schlag zu, so in etwa waren wohl meine Worte. Nach einiger Zeit erhielt ich dann die etwas pikierte Rückmeldung, dass der Whiskey nicht wirklich gut angekommen war: die tiefgehende Analyse lautete „hat nicht geschmeckt“. Die Flasche war trotzdem nur noch zu einem Drittel voll, also kann man den Probanden nicht vorwerfen, sie hätten es nicht zumindest versucht. Immerhin kam ich so in den unerwarteten kostenlosen Genuss des ordentlichen Rests, der übrig geblieben war.

Baker's Kentucky Straight Bourbon Whiskey Flasche

Farblich erkennen wir sehr dunklen Bernstein mit orangenen Reflexen. Der Baker’s Bourbon ist ein Straight Bourbon, daher ist künstliche Nachfärbung ausgeschlossen; hier hat man den (leider seltenen) Fall, dass man schon von der Optik her erahnen kann, wohin der Geschmack später gehen wird. Der Whiskey liegt sehr ölig im Glas, mit sehr langsam ablaufenden Beinen.

Der Geruch ist eine bunte Mischung aus Aromen, die auf dern ersten Blick kaum zusammenpassen. Etwas Lack. Honig. Vanille. Etwas Menthol.  Etwas Bacon. Ein Hauch Rauch. Und über allem brutal viel Eiche – sehr viel mehr, als die 7 Jahre Reifezeit in neuen Fässern aus amerikanischer Eiche das normalerweise liefern. Interessanterweise passen sich die Aromen dann doch in ein rundes Gesamtbild ein.

Der Geschmack ist voll, weich und super-„smooth“ (um mal das Buzzword, das viele Kenner inzwischen hassen, zu bemühen), trotz der 53,5% Alkohol. Der Körper ist leicht dünn. Insgesamt ist der Baker’s Bourbon nicht so süß, wie erwartet, im Gegenteil: er bleibt sogar sehr trocken, und leicht blumig, fast schon parfümig. Im ersten Moment überraschend, weil anders als die meisten anderen Bourbons; in der Folge aber äußerst elegant, erinnert fast etwas an Cognac. Wenn man den Marketingaussagen von Beam trauen darf, ist ein spezieller Hefestamm für diesen besonderen Geschmack verantwortlich. Der Abgang ist sehr lang, leicht bitter, trocken, nussig. Er bleibt auch im Nachhall sehr lang feurig, voller Chili, Pfeffer und Eiche, sowie Menthol.

Ich muss den Testern, die meiner Empfehlung gefolgt sind, das Eingeständnis machen: Beim Baker’s haben wir ein durchaus ungewohntes Geschmacksbild für einen Bourbon aus der Beam-Reihe vor uns. Das ist für mich aber keineswegs ein Mangel, im Gegenteil – es ist schön zu sehen, dass auch im hochstandardisierten Bourbonbereich eine weite Spannbreite an Aromenprofilen möglich ist.

Für mich ist der Baker’s in seiner Eleganz ein idealer Purgenuss. Dennoch, wer mich kennt, weiß, dass mich das nicht davon abhält, solche Produkte auch in Cocktails zu kippen. Der Thigh High Boots ist eine schöne, kräftige Mixtur mit extrem viel Körper und einer dichten Aromenstruktur, in dem die hohe Alkoholprozentzahl des Baker’s dafür sorgt, dass die schweren Bitterkomponenten nicht überhand nehmen.

Thigh High Boots


Thigh High Boots
2 oz Bourbon (z.B. Baker’s Kentucky Straight Bourbon Whiskey)
¾ oz Zitronensaft
¾ oz Zimtsirup
¾ oz Lillet Blanc
½ oz Campari
½ oz Amaro (z.B. Ramazotti)
3 Spritzer Peychaud’s Bitters
Auf Eis rühren.

[Rezept nach T.J. Lynch]


Kurz etwas zu den Rahmenbedinungen – der Baker’s Bourbon ist Teil der Small-Batch-Familie des Herstellers Beam, zu der auch Booker’s, Basil Hayden’s und Knob Creek gehören. Der Name ist abgeleitet von Baker Beam, dem Großneffen des Firmengründers. Zur Zeit sind zwei Abfüllungen in Deutschland auf dem Markt, die sich äußerlich durch unterschiedliche Flaschenformen auszeichnen. Die „alte“ Abfüllung ist in einer recht klassischen Flasche, die man sonst oft von Wein kennt, unterwegs (im Foto unten rechts zu sehen); eine „neuere“ Abfüllung ist in einer eher typischen Spirituosenflasche beheimatet (im Foto links). Gleich markant bleiben das prägnante „B“ auf dem Etikett, sowie die schwarze Wachsschicht, die den Flaschenhals bedeckt.

Baker's Kentucky Straight Bourbon Whiskey alte und neue Flasche

Kleine Anekdote am Schluss – der Kollege, der mir die Restflasche überlassen hat, hatte dann doch noch eine zweite Flasche gekauft. Für ihn ist dieser Bourbon immer noch etwas ungewohnt, und falls es jemand anderem ähnlich ergeht wie ihm: Der Elijah Craig, eine andere Empfehlung, die ich im gab, mundet ihm dafür umso besser. Mit beiden macht man aus meiner Sicht nichts falsch, aber Geschmäcker sind halt verschieden (und damit werfe ich 2€ ins Phrasenschwein).

Ryoma Japanese Rum Aged 7 Years Titel

Kurz und bündig – Ryoma Japanese Rum Aged 7 Years

Die Japaner haben bewiesen, dass sie exzellenten Whisky machen können, der dem aus Schottland ohne Schwierigkeiten Paroli bieten kann. Damit geben sie sich aber natürlich nicht zufrieden – auch ins Rumgeschäft steigen sie ein. Wir wollen hier in diesem Kurzbericht nun mal schauen, ob der Ryoma Japanese Rum Aged 7 Years, als Beispiel dafür, den karibischen Herstellern Konkurrenz machen kann. Dieser Rum aus der Destillerie Kikusui Shuzo wird aus Zuckerrohrsaft von der japanischen Küste hergestellt, und reift danach 7 Jahre in Eichenfässern.

Die Farbe ist sehr blasses Stroh. Leichte Viskosität ist beim Schwenken erkennbar, mit einem breiten Beinteppich am Glas, der sehr langsam abläuft. Der Geruch ist zunächst rumuntypisch, erinnert ich mehr an polnischen Vodka – tatsächlich könnte ich das mit Grasovka, oder aber vielleicht auch Sotol verwechseln. Sehr deutlich alkoholisch, selbst nach einer Viertelstunde Offenstehzeit, mit etwas sojasaucenartiger Würze. Eine tiefe Geruchsprobe ist nur schwer möglich wegen des stechenden Geruchs (das kann in dieser Brutalität kaum von den 40% Alkohol kommen); hält man das Glas 10cm von der Nase entfernt, riecht der Rum fruchtig nach Pfirsich, Honigmelone, nussig nach Sherry, leicht grasig und vegetal.

Ryoma Japanese Rum Aged 7 Years

Im Mundgefühl sehr weich und mild, mit leichtem, aber dichtem Körper. Im Antrunk sehr süß, mild, leicht grasig, wird er dann mehlig, getreidig, bleibt aber etwas belanglos. Seinen wahren Charakter zeigt der Ryoma erst im Abgang, denn dieser ist mittellang, sehr salzig, umami, mit immer mehr zunehmender Hitze und Würze – spannend, normalerweise ist der Effekt umgekehrt. Da ist mehr als nur ein Gefühl von chinesischem Hirsedestillat in der Aromatik; es tauchen Lakritz, Sojasauce, Heu, feuchter Aquariumkies und Thymian auf, gefolgt von einem sehr mentholigen Nachhall mit starker anästhesierender Wirkung an der Zungenspitze. Ein wirklich sehr überraschender, fast schon begeisternder Ausklang. Danach verschwindet der Ryoma schnell komplett vom Gaumen.

Diese Kurzbesprechung basiert auf einem 10cl-Sample. Die 70cl-Flasche des Ryoma Japanese Rum Aged 7 Years kommt im Einzelhandel auf rund 70€ – ich tue mich auch deswegen schwer, diesen Rum wirklich zu empfehlen, dazu ist er zu speziell und untypisch für die Kategorie, in der er antritt. Wer aber einen Rum schmecken will, der so gar nicht ins Schema passt, und asiatische Spirituosen schätzen kann, sollte vielleicht  einen Blick riskieren, selbst wenn es nur darum geht, sein persönliches Geschmacksspektrum zu erweitern.

Ouzo of Plomari Titel

Noch einen aufs Haus – Ouzo of Plomari Isidoros Arvanitis

Kaum eine andere Spirituose hat in Deutschland einen derart eingeschränkten Wirkungskreis wie Ouzo. Man trinkt ihn offensichtlich praktisch ausschließlich nach einem fetten Grillteller beim Lieblingsgriechen vor Ort. Wenn man sich die Supermarktregale dann aber ansieht, findet man ein überraschend breites Sortiment an verschiedenen Herstellern, scheinbar wird Ouzo dann doch auch in deutschen Wohn- und Esszimmern konsumiert – da steht man als interessierter Käufer doch vor einem Problem, zu welchem Produkt man greifen soll, schließlich will man nur das Beste für seine echten Freunde und Gäste.

Um so erfreulicher ist es, wenn man dann nicht nur auf Werbungsversprechen zurückgreifen muss, sondern Seiten wie ouzopedia.de hat. Dort wurde nämlich eine Verkostungsrunde durchgeführt, in der ein Großteil der Ouzos, die man leicht erhältlich allernorten findet, und die nicht das Budget eines Laienkäufers sprengen, miteinander verglichen wurden. Tsantali, Ouzo of Plomari, Ouzo 12, Pilavas und Barbagianni waren die Hauptkonkurrenten, und, um das Fazit vorwegzunehmen, in praktisch allen Kategorien schnitt der Ouzo of Plomari Isidoros Arvanitis am besten ab.

Ouzo of Plomari Flasche

Mich persönlich wundert es nicht; schon vor einigen Jahren, bevor ich mich für Spirituosen groß interessierte, aber meine Liebe zu Griechenland bereits stark ausgeprägt war, genoss ich hin und wieder einen Ouzo, und meist war es dann tatsächlich der Ouzo of Plomari – ein damals blindes Huhn findet auch ab und an ganz spontan und ohne Recherche ein Korn. Betrachten wir diesen Ouzo, der auf der Insel Lesbos, die als bedeutendstes Ouzoherstellungszentrum gilt, produziert wird, ein bisschen näher.

Zur Farbe hole ich nun ein bisschen aus. In der Wikipedia und vielen sie praktisch wörtlich zitierenden Ouzo-Informationsseiten findet man den Passus – „muss farblos sein“.  Ein Ouzo muss klar sein, das ist tatsächlich gesetzlich so geregelt? Ich suchte nach entsprechenden Gesetzestexten, und wurde in der Verordnung (EWG) Nr. 1576/89 fündig. Doch leider wurde diese Verordnung durch die uns Spirituosenfreunden wohlbekannte VO 110/2008 abgelöst und damit aufgehoben; dadurch wurden, wenn ich das juristische Gebrabbel recht verstehe, auch die in 1576/89 festgelegten Eigenschaften aufgeweicht, wie, dass Ouzo farblos sein muss, und dass er höchstens 50g/L Zucker enthalten darf. Ich lasse mich gern eines besseren belehren, wenn ein Kenner genauere Informationen über die Rechtslage hat. Eine andere Seite hat eine Begründung dafür parat: „Bezüglich der Zutaten und der Produktionsmethode wurde die Gesetzgebung absichtlich nicht eindeutig gestaltet, um allen in Griechenland auftretenden Varianten gerecht zu werden.“ Das mag schön klingen, tatsächlich ist es eine offene Tür für allerlei Schindluder und Intransparenz, die wir Spirituosenfreunde lieber durch klare Gesetzgebung vermieden sehen würden.

Ouzo of Plomari Glas

Natürlich ist Anis geruchlich im Vordergrund, aber nicht so brutal wie bei vielen anderen Ouzos. Eine dunkle Kräuterwürze bildet eine Basis für viele weitere Aromen; Fenchel, Malz, Veilchen und sogar ein Hauch Banane. Insgesamt ein sehr attraktives Geruchsbild.

Auch im Geschmack ist natürlich der definierende Hauptaromabestandteil eines jeden Ouzo dominierend. Ein sehr weiches, cremiges Mundgefühl gefällt mir sehr, die enthaltenen 40% Alkohol sind praktisch komplett verborgen, einzig eine sehr milde Wärme deutet darauf hin. Süß und rund, mit vollem Körper und ohne jeden Ärger gleitet der Ouzo of Plomari durch den Mund.

Im sehr langen Abgang kommt zunächst der Anis nochmal wuchtig zum Vorschein, fast schon lakritzig, dann aber schnell wieder abflachend. Kandiszuckersüße taucht nun auf, eine überraschend starke Süße, die aus einer nicht unerheblichen Beigabe von Zucker stammt (meine Messung ergab ~20g/L; dies ist deutlichst unter der zumindest bis 2008 definierten Obergrenze). Die Anisaromen hängen dann noch eine ausgesprochen lange Zeit im Mundraum, zusammen mit einer leicht anästhesierenden Wirkung an Zungenspitze und -seiten.

Ouzo gilt als schwierige Zutat in Cocktails. Nun, das sagte man lange Zeit über Scotch Whisky auch, und inzwischen haben sich mutige Mixologen einfach mal rangetraut und ihn verwendet, mit tollen Ergebnissen. Vielleicht braucht der Ouzo auch nur so einen mutigen Menschen, der sich ihm fachlich annimmt. Ein erster, einfacher Schritt ist der Mean Streets, der beweist, dass zumindest Whiskey sich mit Ouzo gut paart; was man an diesem Cocktail außerdem erkennen kann ist der herrlich dichte Louche-Effekt, den der Ouzo of Plomari aufweist, wenn man ihn mit Eiswasser in Verbindung bringt.

Mean Streets


Mean Streets
Eine halbe Zitrone in Stücke schneiden und muddeln.
1½ oz Ouzo (z.B. Ouzo of Plomari) dazugeben und auf Eis shaken.
Abseihen in ein Glas voll Eis
½ oz Rye Whiskey (z.B. Rittenhouse BiB) floaten.

[Rezept angepasst nach Laszlo Bar, San Francisco]


Die Flasche ist streng, einfach und ohne viel Dekor gestaltet, das Etikett ebenso. Interessant ist der Naturkorken, der durch einen Plastikschutz bedeckt wird – so etwas habe ich sonst noch nirgends gesehen, der Sinn ist mir unklar. Wer sich etwas geduldet, kann den Ouzo of Plomari oft in Sonderangeboten in großen Supermärkten für unter 10€ erwerben, alternativ hin und wieder sogar in einem Geschenkkarton mit den netten Ouzo-Gläsern mit Markennamenaufdruck, die man auf meinem Foto weiter oben sieht.

Um zurückzukommen auf die Verkostungsrunde, die ich eingangs angesprochen hatte. Tatsächlich ist in der Ausgabe 01/2017 der Zeitschrift Mixology auch ein kleiner Block für Ouzo reserviert, die dort beschriebenen Tasting Notes passen sehr gut zu dem, was aus den Werten von ouzopedia.de als Fazit festgehalten werden kann – der Ouzo of Plomari Isidoros Arvanitis ist ein ausgesprochen schöner Vertreter seiner Gattung, der, wenn genossen mit Freunden, Musik und gutem Essen, wirklich viel Spaß machen kann.

Strate's Detmolder Chardonnay Hopfen Titel

Frauenpower – Detmolder Chardonnay Hopfen und Bourbon Chardonnay

Über Bier wird immer wieder gern im Fernsehen berichtet. Meist als kleine Infotainment-Einspieler in den beliebten Vorabendsendungen der Privatanstalten, in denen es dann praktisch nur um Industriebier geht, wo Brauereiführungen an Orten stattfinden, die mehr wie NASA-Forschungslabore aussehen, und in denen dann das seligmachende Reinheitsgebot zelebriert wird. Deutschland, einig Pilsland – man könnte meinen, wenn man diese Berichte, oft schlecht und oberflächlich recherchiert und von Bierkonzernen gesponsert, dass die Deutschen sich nicht mehr wirklich für echtes, regionales Bier interessieren.

Um so erfreulicher ist es, dass gerade die Dritten Programme sich mit qualitativ hochwertiger Bierberichterstattung dann in letzter Zeit positiv hervorheben – da bin ich froh, dass meine GEZ-Gebühren wenigstens sinnvoll genutzt werden. Neulich erschien so ein schöner Beitrag über die unterschwellige Bierkultur in Nordrhein-Westfalen. Besonders interessant fand ich den Teil dieser sehr sehenswerten Dokumentation über die Privatbrauerei Strate in Detmold.

Natürlich wird in dem Bericht etwas darauf herumgeritten, dass diese Brauerei von drei Frauen geleitet wird – heutzutage ist sollte das eigentlich keine besondere Erwähnung mehr wert sein, wenn man sieht, wie selbstverständlich auch Frauen heute das einstige Männergetränk „Bier“ konsumieren.

Angespornt durch die sympathische Präsentation der Brauerei in dem WDR-Bericht habe ich mir dann aus dem großen Sortiment des Herstellers zwei besondere Biere ausgesucht, um zu verifizieren, ob die schönen Fernsehbilder auch mit handfesten Geschmackstatsachen unterlegt werden können: das Detmolder Chardonnay Hopfen und das Detmolder Bourbon Chardonnay. Für diese Biere wurde eine ganze Ernte der namensgebenden Hopfensorte aufgekauft – ein mutiges Investment. Hat es sich ausgezahlt?

Strate's Detmolder Chardonnay Hopfen Flaschen

Beginnen wir beim Detmolder Chardonnay Hopfen. Von außen weiß die Flasche schonmal zu gefallen – Dreiviertelliter-Weinflasche mit Bügelverschluss, üppig designtem Etikett und einem großen Umhänger mit Informationen. Damit kann die Idee, bei einem Sektempfang für echte Kerle auch mal Bier auszuschenken, gewiss stilsicher umgesetzt werden.

Der helle Bock mit 7,4% hat beim Eingießen eine sehr kräftige Schaumentwicklung und zischt dabei laut. Grobporiger Schaum in hellem Beige entsteht und wird gespeist durch eine mittelstarke Perlage. Farblich erhält man im Glas ein kräftiges Pariser Rot. Der Geruch ist süßlich, nach Vanille. Etwas metallisch. Man riecht dunkles Malz und, so meine ich, Erdbeeren.

Im Antrunk wirkt das Chardonnay Hopfen passend dazu sehr süß und vollmundig, weich und cremig. Eine schöne Balance aus malzig und helltönig, mit hoher Rezenz. Insgesamt ist das Bier angenehm trocken und bitter. Der „Chardonnay“-Hopfen  hält sich aromatisch zurück, ist nicht so fordernd wie manch amerikanischer Aromahopfen, gibt nur eine sehr hintergründige Fruchtnote ab, wirkt meines Erachtens hier hauptsächlich als Edel-Bitterhopfen. im Verlauf entsteht eine seltsame Mischung aus süß und sauer, und wirkt dadurch etwas eckig. Es wird recht schnell schal. Der Abgang ist kurz, sehr trocken, mildbitter und hinterlässt adstringierende Effekte am Gaumen. Ein leichter Alkoholgeschmack ist vorhanden.

Detmolder Chardonnay Hopfen

Das an der Flasche hängende Booklet zeigt mit seinen Verkostungsnotizen wieder einmal, dass jeder Gaumen unterschiedlich ist – ich erkenne kaum etwas davon im Bier wirklich wieder. Mit dem Fazit – „ein einzigartiges vollmundiges, süffiges Gourmet-Bier für ganz besondere Stunden“ – hadere ich auch etwas; mir ist es für dieses vollmundige Selbstlob etwas zu langweilig und konventionell – rein aromatisch gesprochen, ohne etwas über die handwerkliche Qualität aussagen zu wollen. Preislich stimmt das Zitat aber sicher, denn mit 12€ pro 750ml gießt man sich so etwas nicht einfach so zum Abendessen ein.

Kommen wir mit einer leichten Enttäuschung zum zweiten Bier und hoffen dort dann auf das Beste. Das Detmolder Bourbon Chardonnay ist, soweit ich das aus den Informationen des Brauers herauslesen kann, dasselbe Bier wie das zuvor verkostete, mit einem gewichtigen Unterschied: Es wurde in Holzfässern gelagert, und zwar „monatelang“. Bei den verwendeten Holzfässern handelt es sich um Ex-Whiskey-Fässer, die zuvor Jack Daniel’s-Whiskey beinhaltet hatten. „Jack-Daniels Bourbon“ schreibt der Pressetext – da wird der Korinthenkacker in mir geweckt. Der Whiskey von Jack Daniel’s ist ja nun offiziell kein Bourbon, sondern ein Tennessee Whiskey. Die Haarspalterei, was den Unterschied ausmacht (der Lincoln-County-Prozess), sollte dem ganzen Genuss aber keinen Abbruch tun – wer allerdings mit etwas wirbt, sollte sich vorher darüber informieren, vor allem, wenn nachher fett das Wort „Bourbon“ auf dem Etikett prangt.

Detmolder Bourbon Chardonnay

Optisch ist der Unterschied zum ungereiften Bier kaum erkennbar – dunkles, sehr attraktiv opalisierendes Rotgold, feine Perlage, feiner, beigefarbener und sehr langlebiger Schaum. Der Geruch ist zunächst leicht säuerlich. Sehr schnell taucht aber die Vanille-Note des Whiskeys auf. Weitere Komponenten, die die Nase wahrnimmt, sind dunkles Malz, Banane sowie sehr milde Obstnoten.

Man nimmt den ersten Schluck und denkt sofort, man hätte ein Whiskey-Bier-Gemisch im Mund. Die Whiskey-Noten sind stark und klar, da gibt es keinen Zweifel. Sehr weich und cremig im Mund, rund und mild, dabei feinsauer und erfrischend. Praktisch keine Hopfennoten. Wunderbar ausgeglichene Süße und Säúre. Sehr angenehme, zurückhaltende Rezenz. Das Detmolder Bourbon Chardonnay weist 7,5% oder 7,4% Alkoholgehalt auf, je nachdem, welche Stelle des Umhängeetiketts man liest – auch hier wieder der sanfte Hinweis, dass ein Korrekturleser nicht schaden würde. Der Abgang bleibt eher kurz, süßlich, und trocken. Auf der Zunge bleibt eine prickelnde Würze.

Im Gegensatz zum ungereiften Verwandten bleiben mir hier keine Kritikpunkte – das ist ein tolles Bier, das mir sehr gefällt, und das ich wirklich weiterempfehlen möchte. Wenn das wirklich dasselbe Bier ist wie das „normale“ Chardonnay Hopfen, dann zeigt sich hier erneut, was Fassreifung alles schaffen kann.

Das Bier lag in Jack-Daniel’s-Fässern, was liegt da näher, als es dann in einem Cocktail mit dem entsprechendem Whiskey zu vermählen. Das Ergebnis ist der Decadent Detmold Flip. Ich kann die Barkultur in Detmold nicht beurteilen, hoffe für die Einwohner dieser Stadt aber, dass sie ähnlich begeisternd ist wie dieser üppige, schwere und aromatische Cocktail.

Decadent Detmold Flip


Decadent Detmold Flip
1 oz Detmolder Bourbon Chardonnay
1 oz Amaro (z.B. Villa Rillago)
1 oz Tennessee Whiskey (z.B. Jack Daniel’s Single Barrel)
1 ganzes Ei
2 Spritzer Allspice Dram (z.B. The Bitter Truth Pimento Dram)
2 Spritzer The Bitter Truth Drops&Dashes Wood
Richtig fest und hart auf Eis shaken.
[Rezept angepasst nach Jacob Grier’s „Decadent Stout Flip“]


Die Zeit ist aktuell gut für edle, ausgefeilte und, ja, durchaus auch hochpreisige Biere, und gleichzeitig ist der Bedarf nach Abwechslung für Konsumenten hoch. Persönlich fände ich es toll, würden Biere langsam in der Breite den Weg in diesen speziellen Aspekt der Gastronomie finden: nicht nur als billiger Durstlöscher wie bisher, sondern auch als Alternative für Sekt oder Champagner beim Empfang oder für Wein bei qualitativen Mehrgangmenüs. Die Biere der Privatbrauerei Strate könnten zumindest teilweise diese zur Zeit noch bestehende Lücke sicherlich füllen.

Don Julio 1942 Tequila Titel

Kurz und bündig – Don Julio 1942 Tequila

Manchmal will man sich was gönnen. Und als ich neulich im Restaurant mit der wahrscheinlich besten Tequilakarte Deutschlands saß, dem Café Especial in Saarbrücken, sprang mir ziemlich weit oben auf der Karte ein Angebot entgegen, dem ich nicht entgehen konnte – der Don Julio 1942 Tequila. Dieser Tequila ist eine limitierte Edition (was auch immer das bedeuten mag, es mangelt an detaillierteren Informationen) eines mindestens zweieinhalb Jahre gereiften Añejos, der scheinbar dem Firmenheiligen Don Julio González gewidmet ist, der im titelgebenden Jahr damit anfing, Tequila zu brennen.

Don Julio 1942 Tequila

Die Farbe ist strahlendes Blassgold, entstanden mindestens zum Teil durch Farbstoff, der bei Tequila erlaubt ist. Da man im Café Especial jeden Tequila in einem großen Cognacschwenker bekommt, kann man gediegen verkosten – dicke Beine bilden sich am dünnen Glas, und der 1942 wirkt sehr ölig.

Die Nase ist, der Fassreifung sei Dank, karamellig, süß, und leicht alkoholhauchig bei tequilaüblichen 38%. Eine sehr milde Agavennote hat die Zeit im Fass überdauert, was man nicht bei allen gereiften Tequilas sagen kann. Der Geschmack ist sehr schwer und dicht, zuckersüß und karamellig. Viel Vanille, und dabei noch eine unterschwellig schwere Würze. Süßholz. Richtig körpervoll und voluminös. Der Abgang ist mittellang, erneut sehr süß und vanillig. Im Nachhall bewegen wir uns etwas weg von der bisher alles beherrschenden Süße, hier wird es dann sehr trocken und adstringierend.

Ich fühle mich insgesamt schon stark an Cognac und Armagnac erinnert; persönlich habe ich damit ein gewisses Problem, denn der Don Julio 1942 gibt durch die lange Reifung, die dem Brand viele Charakteristika abschleift, zumindest teilweise seine Identität als Tequila auf.

Bei 18€ für 4cl, die ich im Café Especial bezahlt hatte, kann man sich das Vergnügen dieses Tequilas mal gönnen – eine ganze Flasche käme für mich nicht in Frage, dazu fehlt es mir, der ich eh schon am liebsten Blanco-Tequilas trinke, einfach an Agavencharakter. Wer aber eigentlich sowieso lieber einen Cognac statt einem Tequila trinken wollte, wird hier voll zufrieden gestellt.

Rhum Barbancourt Réserve du Domaine Titel

Kunst kommt von Können – Rhum Barbancourt Réserve du Domaine 15 Ans

Papier-Fachmagazine für Spirituosen müssen sich heutzutage etwas einfallen lassen. Zwar wird dem gedruckten Wort auch heute noch oft mehr Gewicht beigemessen als einem Blogartikel oder anderen Onlinemedien, doch im Print einfach das zu reproduzieren, was anderswo online (und oft auch noch werbefinanziert und damit scheinbar kostenfrei) erscheint, reicht allein aber ganz klar nicht mehr aus. Das französischsprachige Magazin Rumporter hat für sich einen eleganten Weg gefunden – die Printausgabe erscheint nur selten, und punktet mit unerwarteten Seitenblicken auf die Kultur des Rums, auf den sich das Magazin namensgemäß natürlich konzentriert. Ganz- und vielseitige Reproduktionen von Kunstwerken, die im regionalen oder inhaltlichen Bezug zu Rum stehen heben jedes einzelne Heft über viele, gelangweilt heruntergeratterte, sehr trocken-technische Fachsimpeleien in deutschen Magazinen hinaus. Ich empfehle jedem Rumfreund (und auch jedem Redakteur deutschsprachiger Publikationen!), sich das mal anzuschauen.

In der Spezialausgabe November 2016 des Rumporter war neulich, neben der angesprochenen Kunst, auch ein ausführlicher Artikel über den haitianischen Rumhersteller Barbancourt zu lesen. Das Cover zierte dasselbe Gemälde, das auch auf dem Karton des Rhum Barbancourt Réserve du Domaine 15 Ans zu sehen ist. Man bekommt in dem langen Artikel mit angeschlossenem Interview und vielen starken Bildern den deutlichen Eindruck eines sehr traditionsreichen, und auch heute noch traditionell arbeitenden Destillateurs, der praktisch nur gereifte Rums herstellt, um sich vom anderen wichtigen haitianischen Alkoholikum, dem ungereiften Clairin, abzugrenzen. Kann man diese Tradition im Glas schmecken?

Rhum Barbancourt Réserve du Domaine Flasche

Die Farbe bereitet den Rumfreund schonmal optisch auf das Kommende vor: schwere Bronze, ölig, dickflüssig, mit vielen Beinen am Glas beim sanften Schwenken. Im Geruch setzt sich der erste Eindruck, dass wir hier etwas besonderes vor uns haben, fort. Sehr viel Vanille dominiert die Nase, leicht grasige Komponenten im Hintergrund, dazu Pfeifentabak. Insgesamt sehr sandelholzig, etwas Lakritz rundet das ganze ab. Die erkennbare Ethanolnote verfliegt mit Stehzeit etwas.

Schließlich kommt der Barbancourt Réserve du Domaine 15 Ans im Mund an. Eine wahre Geschmacksexplosion folgt: Kaffee, dunkler Kakao, Marzipan, Pflaumen, Nelken, Honig, ein Hauch Rauch. Er ist sehr süß im Antrunk, aber ohne die anbiedernde, billige Zuckersüße der stärker nachgesüßten Rums – um die 7g/L Zucker sind aber hier auch enthalten, was sogar im Rumporter-Artikel erwähnt wird. 7 Gramm, das ist gerade noch eine Menge, die ich akzeptieren kann, als gemäß der EU-Verordnung 110/2008 „erlaubt zur Geschmacksabrundung“, wenn auch mit leichtem Zähneknirschen und der irritierten Frage, ob es dann nicht auch ganz ohne ginge. Insgesamt dennoch ein sehr klares, reines Geschmacksbild ohne störende Einflussnahme. Gemäßigte 43% Alkoholgehalt passen sich gut in dieses Bild ein.

Rhum Barbancourt Réserve du Domaine 15 Ans Glas

Der feurige, warme, lange Abgang, mit extrem definierter, dennoch angenehmer Trockenheit und einem pfeffrig-bitteren Finish, krönt das Verkostungserlebnis, hier erkennt man deutlichst die produktionsbedingten Anklänge eines rhum agricole, denn der Barbancourt ist eben wie diese aus frisch gepresstem Zuckerrohrsaft hergestellt. Im Nachklang bleibt eine Menge Eichenholz auf Zunge und Gaumen; echte 15 Jahre im Eichenfass (vielli en fût de chêne, wie es so schön auf Französisch heißt) aus Frankreich haben ganze Arbeit geleistet.

Dieser Rum ist nicht nur süß, sondern vielschichtig, aromatisch, komplex. Besonders gefällt mir dieses spektakuläre Umkippen aus Antrunk-Süße in Abgang-Extra-Dry. Das gefällt aber sicherlich nicht jedem, so ehrlich muss ich sein. Dennoch ist mein Fazit klar – der Barbancourt Réserve du Domaine 15 Ans ist eine wahre Pracht und würde ohne Mühe in in meinen persönlichen Rumolymp aufsteigen, wäre da nicht die Nachsüßung, die mich daran hindert, ihn völlig uneingeschränkt zu empfehlen.

Einen zu dieser Stimmung passenden, mindestens ebenso elysischen Cocktail habe ich mir als Showcase für den Haitianer ausgesucht. Der Elysian Special zeigt so ganz nebenbei auch noch, dass Ananassaft in einer Rezeptur nicht immer automatisch nur bedeutet, dass man etwas pappig-süß-fruchtiges vor sich haben muss – die Frucht liefert neben der Aromatik auch eine schöne Textur, ein dichtes Mundgefühl und ein wunderbares Schaumkrönchen ganz ohne Eiweiß; und sie lässt dem Rum trotzdem noch genug Raum, sich zu präsentieren.

Elysian Special


Elysian Special
1½ oz Rhum Barbancourt Réserve du Domaine 15 Ans
½ oz Batavia Arrak (z.B. Boven’s Echter Arrak)
1 oz Ananassirup
¾ oz Limettensaft
Auf Eis shaken.
Mit einem Spieß gegrillter Ananas und etwas geriebener Muskatnuss dekorieren.

[Rezept nach Bryan Schneider]


Kommen wir vom Guten zum Schlechten – dieser Preis- und Qualitätskategorie ziemlich unwürdig ist der billige Blechschraubverschluss. Schade, dass die ansonsten sehr gelungene Präsentation dadurch etwas verschandelt wird, ein Naturkorken wäre einem 15 Jahre alten Rum doch zu gönnen gewesen, oder? Immerhin gefällt das auf Goldfolie gepresste Etikett, sowie der künstlerisch sehr attraktiv gestaltete Geschenkkarton, in dem die Flasche geliefert wird.

Das führt uns in weitem Bogen zurück zur Einleitung. Wir als Spirituosenfreunde sollten vielleicht ab und zu neben den prosaischen Geschmacks- und Herstellungsdiskussionen auch einen Blick auf die künstlerischen Aspekte unserer geliebten Produkte werfen, ihnen eine Chance geben, sich neben Tasting Notes und Preisleistungsverhältnissen auszudrücken. Man muss sich dafür nicht anstrengen, sondern nur offenen Auges durch die Welt gehen. Der Barbancourt Réserve du Domaine 15 Ans ist jedenfalls ein guter Begleiter dafür.

Maisel & Friends Black IPA Titel

Kurz und bündig – Maisel & Friends Black IPA

Sie sind rührig und ruhen sich nicht auf ihren Lorbeeren aus, die Brauer bei Maisel & Friends. Der neueste Streich, der vor kurzem in mein Postfach flatterte, hat mich aber noch mehr überrascht, als es die vorigen Biere getan haben – die Aufmachung des Maisel & Friends Black IPA ist schon ein echter Knaller, das dunkelrot-schwarze Etikett mit einem Seemannstotenschädel mit Pfeife im zahnfleischlosen Mund gefällt mir wirklich gut. Mal schauen, ob das Bier was taugt, oder ob sich mir beim Trinken auch ähnlich das Zahnfleisch wegzieht…

Maisel & Friends Black IPA Flasche

Ein Bier, das sich Black IPA nennt, darf farblich nicht mit goldgelb oder blassrosa überraschen, und das tut es hier auch nicht. Es hat sogar schon etwas porter- oder schwarzbierhaftes an sich, ist dabei nicht blickdicht. Man erkennt feine Perlage und wenig Schaum, letzterer ist eine schöne Mischung aus großen und feinen Blasen.

Im Geruch ist es trotz der dunklen Farbe sehr hopfig, hier macht sich der zweite Teil des Namens bemerkbar (Herkules, Topaz, Callista und Vic Secret sind im Einsatz), mit milder, beerenlastiger Frucht. Doch die Dunkelheit ist nicht rein optischer Natur – da sind malzig-süßliche Töne, Schokoladenkuchen, ein Anflug von Kaffeepulver.

Eine würzig-süße Grundlage ist bereits beim Antrunk, der noch hopfenfruchtig und fesch zitronig daherkommt, vorhanden; erstere nimmt dann mehr und mehr Raum ein, bis der dunkle Malzcharakter den Hopfen komplett verdrängt hat. Schnittige Säure und kräftige Karbonisierung bedeuten dabei aber doch erfrischende Rezenz, und die deftige Bittere von 58 IBU lässt den Gaumen kribbeln, ohne dabei die Cremigkeit des Mundgefühls aufzugeben. Mit 7,9% Alkoholgehalt bewegen wir uns im sortentypischen Rahmen. Im Abgang ist das Maisel & Friends Black IPA erkennbar salzig und würzig, mittellang, mit leichten Rauchanflügen, sowie sehr trocken.

Maisel & Friends Black IPA Glas

Das Etikett wirbt mit einer „Geschmacks-Achterbahn“ – ja, das trifft es recht gut, da ist von allem was dabei, mit wilden Wechseln in hoher Geschwindigkeit, und persönlich brauche ich dennoch nichtmal eine Kotztüte, die sonst in Achterbahnfahrten und ähnlichem für mich unerlässlich ist. Ein interessantes Experimentalbier mit viel Überraschungspotenzial.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kostenlose, unaufgeforderte Zusendung einer Flasche des Black IPA.

Baijiu Titel

Mit einem Krug Wein zwischen den Blumen, Teil 5 – Baijiu: The Essential Guide to Chinese Spirits

Baijiu (白酒, báijiǔ, wörtlich übersetzt: weißer oder klarer Schnaps) ist die traditionelle Nationalspirituose Chinas. Das sollte inzwischen jedem klar sein, der meine Reihe „Mit einem Krug Wein zwischen den Blumen“ in den ersten 4 Teilen verfolgt hat. Dieser fünfte Teil bildet nun eine kleine Zäsur, eine Art Pause zum Durchatmen, in der wir uns nicht mit einem flüssigen Vertreter dieser Kategorie von Spirituosen beschäftigen werden, sondern mit einem Buch zu diesem Thema – nach den ersten praktischen Schritten mit je einem Baijiu aus 3 der wichtigen 4 Kategorien nun also eine Theoriestunde. Trocken wird sie dennoch nicht sein, dazu ist Baijiu: The Essential Guide to Chinese Spirits zu spannend zu lesen.

Baijiu Cover

Ich bin zu diesem Buch über ein anderes (übrigens sehr empfehlenswertes) Werk des Autors Derek Sandhaus gekommen, Tales of Old Peking, zu einer Zeit, als ich mich noch gar nicht so sehr für Spirituosen interessiert hatte, sondern Literatur meine bevorzugte Droge war. Seitdem hat sich viel getan – gedruckte Bücher müssen ihren Platz in meinem Schrank für Flaschen räumen, digitalisierte Literatur rutscht auf dem SuB hinter Ebooks über Schnapsgeschichte und Cocktailrezepte. Aber man weiß ja, Papier ist geduldig, und für jedes Buch gibt es seinen richtigen Zeitpunkt. Aktuell, im Jahre 2017, ist es eben Baijiu, der mich fasziniert.

In meiner Reihe stellte und stelle ich verschiedene Baijius vor, und neben dem Trinken und Probieren ist ein wichtiger Punkt der Auseinandersetzung mit einer neuen Geschmackswelt auch der theoretische Unterbau. Um zu verstehen, was man da im Mund schmeckt, muss man verstehen, wie Baijiu hergestellt wird, was seine Traditionen und seine Geschichte ist, welche Ausprägungen es gibt und wie er in seinem Heimatland genossen wird. All das findet man in Sandhaus‘ Buch, das einerseits mangels jedweder Konkurrenz und andererseits aufgrund seiner Qualität in Tiefe und Breite das absolute Standardwerk zum Thema des chinesischen Klaren ist.

Natürlich werden die vier Hauptaromen, das „leichte Aroma“ (清香), das „starke Aroma“ (浓香), das „Soßenaroma“ (酱香) sowie das „Reisaroma“ (米香) erläutert. Die Basismaterialien, die eingesetzt werden, sowie deren Vorbereitung für die Produktion, und die Fermentationsstarter („qu“) sind schön lesbar erklärt. Die Geschichte und Entwicklung dieser Spirituosengattung werden mit Landkarten und vielbebildert aufgezeigt.

 

Baijiu - The Essential Guide to Chinese Spirits Screenshot 2

Ein großer Teil des technischen Teils des Buchs konzentriert sich also auf die Herstellung. Da einige Konzepte sehr typisch für Baijiu, gleichzeitig eher ungewöhnlich für Spirituosen westlicher Art sind, ist das auch gut so. Der gewichtigste Unterschied in der Herstellung ist ein sehr überraschender, denn es geht dabei weniger um die rohen Basismaterialien, die so unterschiedlich nicht sind. Es ist die „solid-state fermentation“, gefolgt von der „solid-state distillation“ – also die Fermentation und Destillation von Feststoffen ohne Wasserzusatz mittels Dampf. Westliche Spirituosen werden in aller Regel in einer Maische mit Wasser vermischt, die dadurch enstehende Würze dann mit Hefen fermentiert und die „wash“ dann destilliert.

Doch auch die sozialen Themen um den Baijiu herum kommen nicht zu kurz. Wie trinkt man Baijiu, wie prostet man sich zu? Letzteres ist nicht zu unterschätzen – genauso wie die tretminenbehaftete Frage: wie schenkt man Baijiu in China? Man sieht, ein umfassender Blick auf das gesamte Themengebiet.

Baijiu - The Essential Guide to Chinese Spirits Screenshot 3

Der Löwenanteil des Buchs schließlich, ungefähr zwei Drittel des Gesamttexts, besteht aus einer Aufzählung diverser Baijius aus allen Kategorien und Landesteilen. Ein Foto, ein paar Daten sowie ein kurzer Erläuterungstext mit Anekdote oder Information über Hersteller und Produkt machen das Buch zu einem wertvollen Nachschlagewerk, selbst wenn man den theoretischen Teil bereits perfekt intus hat. Am Ende werden auch noch ein paar der Vorläufer des Baijiu, der Huangjius, sowie Cocktailrezepte aufgeführt.

Viele Fachbücher mit Illustrationen und Tabellen leiden unter einer schlechten Ebook-Repräsentation. Nicht so die Kindle-Ausgabe dieses Buchs – die Grafiken sind korrekt eingebunden, mit passenden Untertiteln. Manchmal verschieben sich allerdings aufgrund des Seitenumbruchs Bilder ungünstig auf die nächste Seite. Tabellen, oft ein Problemkind, sind gut gebaut. Die innere Verlinkung ist ausführlich. Man vergebe mir die Qualität des mittelmäßigen Fotos, das die Darstellung auf meinem Android-Tablet, auf dem ich das Buch lese, zeigt.

Baijiu - The Essential Guide to Chinese Spirits Screenshot 1

Soweit zum Inhalt des Buchs, das ich bedingungslos jedem Spirituoseninteressierten, der über den Tellerrand blicken will, selbst wenn er sich für Baijiu selbst an sich nicht begeistern kann, ans Herz lege. Ich schließe nun noch mit ein paar Gedanken, die sich in den ersten vier Monaten meines Baijiu-Praktikums gesammelt haben.

Baijiu ist in Deutschland praktisch unbekannt. Was ist der Grund dafür, wenn es laut einiger Zahlen die meistgetrunkene Spirituose der Welt ist und dabei selbst Vodka gemütlich hinter sich lässt? Ich identifiziere zwei Hauptgründe, die dies leicht erklären.

Der Hauptgrund ist völlig banal und trivial: Es ist unglaublich schwierig, in Deutschland (und auch insgesamt in Europa) guten Baijiu zu erwerben. Es gibt tatsächlich nur wenige Sorten, darunter natürlich der König des Baijiu, der Maotai; alles andere ist oft nur in obskuren Asiashops verfügbar, meist mit praktisch keiner Zusatzinformation über das Produkt. Der Export beginnt erst langsam, sich für die chinesischen Hersteller zu rentieren – sie müssten allerdings viel aggressiver, intensiver vorgehen, um den Markt vorzubereiten. Denn der aktuelle Zustand führt zur Situation, die viele exotisch-raren Spirituosen kennen – der erste Kontakt erfolgt über billige Low-End-Produkte, die nicht die Qualität aufweisen, die für weiteres Interesse sorgen könnten. Ich nenne es leicht polemisch das „Sierra“-Problem: Der Tequila mit Hut hat in Deutschland für einen extrem schlechten Ruf des Tequila gesorgt, der mühselig wieder aufgebaut werden musste.

Baijiu kaufen?

Dies führt auch direkt zum zweiten Grund für den Mangel an Verbreitung des Baijiu. Der Geschmack ist für den unvorbereiteten westlichen Gaumen eine gewisse Herausforderung, selbst bei höchstwertigen Produkten. Ich höre oft vom Schock des Erstkontakts (und habe ihn selbst erlebt). Darin unterscheidet sich Baijiu allerdings nur unwesentlich von anderen erlernten Geschmäckern, wie einem rauchig-teerigen Mezcal, einem würzig-salzigen Clairin oder einem medizinisch-iodischen Islay-Whisky; die Lernkurve ist allerdings dann, zugegebenermaßen, doch noch deutlich steiler als bei den vorgenannten. Man muss etwas Geduld mitbringen, einiges an Experimentierfreude und viel Durchhaltevermögen, das sich aber alles am Ende bezahlt macht; selbst, wenn es nur das sein sollte, das man eine komplett neue Welt von Aromen, Geschmackseindrücken und auch Spirituosenkultur kennengelernt hat.

Sandhaus liefert in seiner Einleitung eine schöne These dazu, die ich als Ausklang zitieren möchte.

„There is a place for baijiu on the shelves of bars around the world (somewhere between the tequila and slivovitz) and we all have a role to play in helping it get there a little faster“.

In der Tat empfinde ich das auch so, und ich hoffe, mit meiner Blogreihe meinen Beitrag dazu zu leisten. Doch Baijiu wird im Westen, und insbesondere im beim Adaptieren von neuen Trends eher gemächlichen Deutschland, noch sehr lange nicht wirklich präsent sein, solange nichtmal Tequila und Slivovitz in vernünftiger Qualität in jeder Bar zu finden sind. Doch die Chancen stehen aktuell besser denn je – das Interesse für exotische Spirituosen steigt. Sandhaus‘ Buch wird jedem, der sich frühzeitig diesem Trend anschließen und sich mit Baijiu auseinandersetzen will, ein wertvoller und dauernder Begleiter sein.

George Dickel No. 12 Tennessee Whiskey Titel

Kurz und bündig – George Dickel No. 12 Tennessee Whisky

Der George Dickel No. 12 Tennessee Whisky (man beachte die Schreibweise des letzten Worts) ist der zweite große Destillateur von Whiskey im US-Bundesstaat Tennessee, neben dem allgegenwärtigen Jack Daniel’s. Trotz all der Häme, die Jacky-Trinker oft abbekommen, kann ich persönlich gut mit den höheren Qualitäten jenes Herstellers leben und bin daher besonders gespannt, wie sich ein anderer Produzent, der ja einen recht ähnlichen Produktionsprozess mit Sour Mash und Lincoln-County-Verfahren aufweist, im Vergleich schlägt.

Die Farbe ist mit Zuckerkulör gestaltet, sagt daher nichts über den Inhalt aus. Manchen Herstellern geht es nur um die Konsistenz der Farbgebung über Batches hinweg, ich weiß, dennoch ist es ein Produktionsschritt, den ich für unnötig und nicht im Sinne des Verbrauchers halte. Man hat jedenfalls ein dunkles Kupfer mit orangenen Reflexen gewählt.George Dickel No. 12 Tennessee Whisky

Geruch: Oh, das gefällt mir außerordentlich. Sehr fruchtig nach Birne, Banane, Pflaume. Ahornsirup. Butterkekse. Ich habe eine seltsame Assoziation zu Pfannkuchen mit Sahne. Ein minimalster Anflug von Lack. Ich kriege gar nicht genug davon, daran zu riechen – ein echtes Highlight, der angenehmste Spirituosengeruch, den ich seit sehr langer Zeit in der Nase hatte.

Der Geschmack ist dann aber nicht so süß, wie die Nase einem weismachen will. Eigentlich geht der Dickel No. 12 sogar eher ins Trockene, leichte. Ihm fehlt erkennbar etwas an Volumen, er wirkt trotz vieler Aromen wässrig. 45% sind sehr gut eingebunden, praktisch kein Brennen, Zwacken oder Kratzen ist spürbar – ja, dieser Tennessee Whiskey ist wirklich „smooth“. Pflaumen, Rosinen, Birne, die Fruchtnote bleibt erhalten, und eine gewisse honigwürzige Grundsüße. Sehr viel Vanille rundet das ganze ab, die wohl durch die 4 Jahre Reifedauer (diese Zahl steht aber nirgends auf dem Etikett) entsteht.

Der Abgang ist sehr kurz, warm und dabei immer weich, aber recht trocken. Ein mildglühender Nachhall klingt noch eine kleine Weile aus dem Rachen hoch, doch dann ist der Whisky schnell wieder verschwunden.

Wem Tennessee Whiskeys grundsätzlich zusagen, und wer ein Freund von Jack Daniel’s Old No. 7 ist, muss sich den George Dickel No. 12 ganz sicher anschauen – er ist der bessere der beiden großen Whiskeyhersteller dieses Bundesstaats, kostet aber in Deutschland auch rund das Dreifache. Dieses Kurzbesprechung basiert daher auf einem 10cl-Sample.

Armagnac Saint-Vivant Titel

Dem Geist wirds eng in der kleinen Flasche – Armagnac Saint-Vivant

Wir sind es heutzutage gewohnt, unsere Spirituosen in genormten Flaschengrößen erwerben zu können. Das üblichste, dem wir normalerweise begegnen, ist die 700ml-Flasche (in den USA sind dagegen beispielsweise 750ml der Standard, God save America!), die es in allerlei Formen und Farben gibt. Moderne Craftspirituosen ziehen sich, um dem verkaufsschädigenden hohen Literpreis zu entkommen, oft auf die Halblitergröße zurück. In die andere Richtung geht es mit vielen Champagnern – da ist die Magnumflasche besonders bei Feiern beliebt, man kann ja so schön damit protzen. Hin und wieder findet man noch die 1-Liter-Größe, besonders bei Barbedarf. Die 375ml-Flasche ist wiederum meines Erachtens bei verderblicher Ware wie Sherry, Wermut oder Port zu bevorzugen.

Ganz besonders entgegenkommend finde ich persönlich aber die 200ml-Verkaufseinheit, da bekommt man für vergleichsweise kleinen Preis eine Menge, die sich für erste Verkostungsversuche schon respektabel schlägt. Besser jedenfalls, als die 50ml-Miniaturen, wo man nach zwei Schlucken schon ein leeres Glas vor sich hat. In französischen Supermärkten bietet Comptoir des Flasks diverse Produkte in dieser 200ml-Größe als kleine, flache Hosentaschenflaschen an. Ich konnte natürlich nicht an diesen kleinen Fläschchen vorbeilaufen und habe mir eine Flasche des Armagnac Saint-Vivant in den Warenkorb gelegt. Meine Erwartung war nicht extrem hoch, wie bei allen Spirituosenprodukten, die so ostentativ an Kassen ausgelegt werden (in Deutschland kennt man das ja auch), aber manchmal wird man auch überrascht. Ist das hier der Fall?

Armagnac Saint-Vivant Flasche

Zur Optik – ein toller, kräftiger Orangenton mit goldenen Reflexen. Farbstoffe sind beim Armagnac wie bei seinem bekannteren Bruder Cognac erlaubt, und in der Regel gilt ja: Was erlaubt ist, wird gemacht, und wenn doch nicht, wird es extra betont. Daher gehe ich von Färbung aus, insbesondere, weil wir hier ja eher ein Mengenprodukt vor uns (Saint-Vivant ist der zweitgrößte Armagnac-Hersteller) haben. Dünnflüssig ist er, nur leicht viskos.

Der Armagnac Saint-Vivant riecht zunächst leicht, fruchtig, hell. Danach kommt aber schnell eine gewisse, leicht stechende Ethanolnote, die tiefere Aromen überdeckt. Weinbrandübliche Gerüche, nach Rosinen und Pflaumen, dazu etwas Vanille. Gar nicht unangenehm, aber auch nicht wirklich überwältigend.

Im Mund liegt der Traubenbrand zunächst ähnlich unaufgeregt und zwar schön weich, aber auch etwas flach und schal wirkend. Nach kurzer Zeit kommt das Highlight der Verkostung – ein wirklich schöner, zarter, blumiger Veilchen- und Rosengeschmack, der allerdings schnell wieder verklingt und einer generischen, dann auch schon recht wässrigen Weinbrandsensorik Platz macht. Ich kenne Spirituosen mit 40% Alkohol, die da mehr Spannung abliefern.

Armagnac Saint-Vivant Glas

Der Abgang ist kurz, süß und nur wenig trocken. Hier entsteht nun etwas Ingwerwürze, die Aromatik lebt nochmal kurz fruchtig auf mit Pflaumen, Orangen und Trauben, und dann verhallt der Saint-Vivant mit einer milden Wärme, einer milden Vanillenote und leichter Anästhesierung auf der Zungenspitze.

Tatsächlich mag mich dieser Armagnac als Purgenuss nur mäßig überzeugen; ich kann mir aber gut vorstellen, dass er hauptsächlich als kleiner Schuss in einem Kaffee gute Dienste leisten kann. Entsprechend biete ich hier eine Luxus-Variante eines Kaffees-mit-Schuss an: The Beccaccino kombiniert die paar Vorteile des Saint-Vivant noch mit süßer Likörgewalt. Wer will, kann sich diesen Cocktail natürlich auch warm zubereiten, um die langweilige Stunde zwischen 2 und 3 am Sonntagmittag etwas erträglicher zu gestalten.

The Beccaccino


The Beccaccino
1 oz Brandy (z.B. Armagnac Saint-Vivant)
½ oz Bénédictine
½ oz Amaretto
½ oz Whisky-Likör (z.B. Boxing Hares Spirit Drink)
2½ oz Abgekühlter, starker Kaffee
Auf Eis shaken.
[Rezept adaptiert nach Murray Stenson]


Bei dieser Ausprägung des Armagnac Saint-Vivant haben wir einen Blend ohne Altersangabe aus Ernten des Bas-Armagnac und Ténarèze vor uns. Derselbe Hersteller produziert aber auch Armagnac in den üblichen Alterskategorien VS, VSOP und XO – ich glaube, man müsste sich mindestens den VSOP holen, um in Bereiche zu kommen, die für Genießer interessant werden. In der kleinen Flasche jedenfalls findet man einen netten Drink für Zwischendurch oder für den „Notfall“, den man kostengünstig in kleiner Menge erwerben kann; mehr als eine Kochzutat ist er in dieser Form aber leider kaum.