Naive Volkskunst – Clairin Sonson

Gut gemachte Spirituosen bringen mich immer wieder dazu, über den Tellerrand des reinen Brands zu blicken. Kaum hatte ich die Flasche des Clairin Sonson zuhause, begann die Illustration auf dem Karton und dem Etikett mich in ihren Bann zu ziehen; ich versuchte, mich etwas mit Naiver Kunst und Volkskunst auseinanderzusetzen. Im Fall dieser Abbildung einer rotgekleideten Meereskönigin mit blauem Halstuch, die von zwei Meerjungfrauen mit Fischunterkörper mit Kerzen beleuchtet wird, vor einem Hintergrund des blauen Meers und einem Himmelsmuster (der Lauf der Sonne?) vermute ich stark, dass eine lokale Mystik oder Religion dahintersteht. Hier gehen wohl die beiden erwähnten Kunstkategorien ineinander über; auch wenn Volkskunst eher gegenständlich oder immateriell definiert wird und mit praktisch im Alltag einsetzbaren Objekten und Kultur verbunden ist, sehe ich hier deutlich einen stark regionalen Bezug, was eine der Abgrenzungen zur im Allgemeinen nicht direkt mit so einem Bezug versehenen Naiven Kunst wäre. Der Verzicht auf die für Rum so abgeschmackten Piraten-, Palmen- und Schifffahrtsmetaphern, und der Einsatz eines Kunstwerks eines ungenannten lokalen Künstlers (es stammt wohl aus Jacmel, ich arbeite daran, herauszufinden, wie der Maler heißt), sollte jedem deutlich machen, dass wir hier ein besonderes Produkt vor uns haben.

Passend zur Illustration haben wir auch in der Herstellung einen sehr natürlichen Prozess vor uns, komplett unindustrialisiert und praktisch ausschließlich von Menschenhand oder Tierrücken durchgeführt. In der Nähe des Dorfs Cabaret, in der Mitte des Landes, ein wenig nördlich der Hauptstadt Port-au-Prince, finden sich die Zuckerrohrfelder, auf denen auf 25 Hektar die Varietät Madame Meuze angebaut wird. Aus der 2018er Ernte des Zuckerrohrs wurde Saft gepresst, aus dem Saft ein Sirup hergestellt, der dann über wilde/freie Hefen fermentiert wurde. Stephan Kalil Saoud, Brenner bei der Distillerie Clairin Sonson Pierre Gilles, brannte dann diskontinuierlich mit einer Brennblase, die mit offenem Feuer beheizt wird, daraus ein Destillat, das mit 53,2% (pot still proof), also ohne weitere Verdünnung abgefüllt wurde, wie es aus der Destille läuft. Und von dort einige Zeit später in mein Glas, das ich nun in Gedanken über die geheimnisvolle Meereskönigin mit ihren Meerjungfrauen versunken langsam verkoste.

Clairin Sonson

Über eine perfekte, kristallklare Transparenz ist es immer schwer, etwas zu erzählen, sie ist hier die Leinwand für alles folgende. Eine mittlere Viskosität, die sich nicht extrem an die Glaswand klammert, aber dennoch einen schönen Film dort hinterlässt, zeigt sich beim Schwenken.

Bei manchen Spirituosen denkt man, wenn man die Nase ins Glas hält, hoppla, was ist denn das. Der Clairin Sonson ist definitiv so eine Spirituose – eine Sammlung eher ungewöhnlicher Eindrücke schwappt hervor. Grüne Oliven, Salmiakpastillen, Kapern, Fenchel, die maritim-salzigen Aromen eines mit Algen übersäten Sandstrands am Meer, Spargel. Wirklich ausgesprochen grüngemüsig. Eine sehr deutliche Zuckerrohrsaftnote liegt über allem, mehr noch als bei diesbezüglich kräftiger Cachaça. Ein gewisser Acetonton wie von Pinselreiniger ist unverkennbar, und auch dieser gebrauchte-Tennissocken-Geruch, den ich von manch einem Baijiu kenne. Wie gesagt, ungewohnt, und auch gewöhnungsbedürftig, aber sehr interessant.

Clairin Sonson Glas

Eine ebenso maritime Salzigkeit beginnt direkt zu Beginn, den Gaumen zu kitzeln. Eine extrem volle Textur füllt alles aus, mit sehr starkem, fast schon glutamatartigem umami. Die Oliven, inklusive Lake, springen einen regelrecht an, unterlegt mit Sellerie und einer kräftigen Säure, die aber nicht spitzig wirkt, sondern durch die zugrundeliegende, wildaromatische Süße aufgefangen ist. Ein sehr rundes und extrem breites wie tiefes, aber dabei völlig ungezähmtes Gesamtbild entsteht aus der Aromatik und der wirklich spürbaren Kraft des Alkohols, der sich wie eine Farbe in die Palette einfügt. Vom Eindruck fühle ich wirklich das Meer, und mich wundert die Wahl der Flaschenillustration überhaupt nicht mehr, die Königin mit ihren Füßen im Meer trifft den Inhalt der Flasche zu hundert Prozent.

Der Abgang des Sonson ist effektvoll, erneut salzig und mit lang anhaltendem, eukalyptischem Kühlegefühl, das man beim Atmen spürt. Deutliche Gemüsebrühearomen, viel Karotte, etwas Sellerieknolle, hängen lange nach. Vielleicht ist der Brand in der Flasche ebenso als Kunstwerk zu sehen, wie die Illustration auf ihr – so ein multisensorisches, fast schon synästhetisches Erlebnis hebt für mich persönlich den Wert eines Produkts ganz enorm.

Daraus kann man herrlich einen sehr salzigen Ti’Punch machen, der einen umhaut und an den haitianischen Strand bei Cabaret versetzt. Oder man geht einen etwas weiteren Weg, pusht den Ti’Punch noch mit etwas Ananas und Chartreuse, und macht daraus einen Unique Bird. Und das ist dann wirklich ein extrem einzigartiger Drink mit Wowpotenzial, den man nicht so schnell vergisst.

Unique Bird Cocktail


Unique Bird
2 oz Clairin / ungereifter rhum agricole
½ oz Limettensaft
¼ oz Ananassirup
¼ oz Chartreuse
Auf Eis shaken.

[Rezept nach Connor O’Brien]


Die Flasche selbst ist ohne erwähnenswerte Merkmale, höchstens, dass sie vergleichsweise hoch ist und damit nicht in jedes Standardregal passt. Das Etikett muss dagegen schon erwähnt werden – wie schon bei den Vorgängern in der Reihe „Spirit of Haiti“ findet man hier die oben erwähnte, faszinierende Illustration, und dazu einige Informationen zur Produktionsweise, die ich eingangs ebenfalls schon erläutert habe.

Ich konnte kurz vor Release des Clairin Sonson an einem Tasting von Velier/Kirsch Import teilnehmen, und kaum hatte ich den Sonson etwas probiert, wusste ich, dass ich eine ganze Flasche von diesem Clairin haben wollte.

Clairin Sampleset 2021

Der Neuzugang zu der „Spirits of Haiti“-Reihe zeigt sich besonders im Vergleich als spannend; wer denkt, ach, ich habe schon eine Flasche Clairin zuhause, so unterschiedlich können die ja nicht sein, der sollte das überdenken. Es sind allesamt eigenständige Destillate, mit eigenem Charakter. Vielleicht ist der Sonson nicht der idealste Einstieg in die Reihe (dafür empfehle ich weiterhin den Clairin Sajous, oder vielleicht inzwischen auch den Clairin Communal), er ist aber auf jeden Fall für jeden Freund ungereiften Rums eine wertvolle Investition in ein völlig anderes Geschmacksbild.

Bier am Freitag – Braustelle Mega-Blend Sour Ale

Was macht man, wenn nach einem Bierevent noch viel übrigbleibt? Man kann das natürlich einzeln wegtrinken, klar, aber ein paar Verrückten von der Braustelle Köln, der kleinsten Brauerei der Stadt, kam die absolut irre Idee, die „Reste“ vom Festival der Bierkulturen 2014 in Köln-Ehrenfeld zu einem Cuvée zusammenzuführen, und das dann auch noch in einem Fass nachzureifen: Das Braustelle Mega-Blend Sour Ale war geboren.

So unglaublich es klingt, in der unauffälligen Flasche findet sich ein Blend aus Bieren von Ale-Mania, Alzeyer Völkerbräu, Bayerischer Bahnhof, Black Isle, BrauArt, Brasserie Trois Dames, Brauhaus Riegele, BrauKunstKeller, Brouwerij de Molen, Emelisse, Freigeist Bierkultur, Heidenpeters, Helios Braustelle, T’Hofbrouwerijke, Hof Ten Dormaal, Huisstekerij H.ertie, Lahnsteiner Brauerei, Mein Sudhaus, The Monarchy, Siegburger Brauhaus, Truman’s und Vermann Brauerei, also den Teilnehmern des Festivals. Diese Biere wurden dann zusammen in einem Barrique, das vorher mit Süßwein belegt gewesen war, ein zweites Mal vergoren. Mit 6,8% Alkoholgehalt wurde es dann als Sour Ale abgefüllt. Ich liebe Sauerbier sehr, und bin nun ehrlich gespannt, ob „viel viel hilft“.

Braustelle Mega-Blend Sour Ale

Haselnussbraun, durch die Trübung ohne Partikelrückstand völlig blickdicht, und beim Einschenken mit ordentlich Karbonisierung eine hübsche, cremafarbene Blume erzeugend, das Optische ist schonmal gelungen. Noch besser wird es, wenn man die Nase ans Glas hält – oh, das ist ein traumhafter Duft. Erkennbar sind die Noten des Sauerbiers, grüner Apfel, milder Fruchtessig, Verjus, aber direkt auch frische Himbeeren, Johannisbeeren, unreife Ananas, Rhabarber und diverse weitere, säuerlich-frisch-fruchtige Eindrücke. Sehr komplex, denn da kommen ganz vorsichtig und nur im Untergrund noch leichte Holztöne dazu.

Ich kann nicht mehr widerstehen, muss einen Schluck nehmen. Man muss sicherlich Sauerbiere mögen, um diesen Antrunk genießen zu können – es geht von Anfang an knackig sauer und bitter los, Verjus, Rhabarberfrucht, saure Beeren. Dazu ein wunderbar cremiges Mundgefühl mit einer zugrundeliegenden weichen Textur, die die Säure auffängt und ihr eine schöne Umgebung bietet, so dass sie nicht kratzig oder biestig wird. Wir sind hier weit über trockenen Crémant hinaus, trotzdem sind da Erinnerungen daran. Deutlich wird die Holzreifung im Süßweinfass, eine trockene, bitterholzige Note gibt weitere Komplexität. Die vielen einzelnen Biersorten geben wohl jede ihre eigene Komponente dazu, das ist natürlich nicht mehr zu beurteilen, was woher kommt – das Ergebnis ist jedoch ultrarund und spannend gleichzeitig. Ein toller, langer, herbsaurer Abgang mit ordentlich Trockenheit am Zäpfchen, aus dem dann irgendwie plötzlich noch leicht schokoladige Noten entstehen, komplettiert ein grandioses Bier.

Braustelle Mega-Blend Sour Ale auf der Bank

Ach, was soll ich sagen, ich bin so froh, die Gelegenheit genutzt zu haben, eine der letzten Fläschchen dieses Biers schnappen zu können. 6 Jahre zusätzliche Flaschenruhe nach der Abfüllung 2014 haben ihren Teil mehr als deutlich beigesteuert, da ist eine völlige Rundheit entstanden, aus der die einzelnen Biersorten miteinander interagieren, den vollen Sauerbiercharakter trotz der Reifung ohne Mangel erhalten, und diesen unglaublichen Mega-Blend (der Name verspricht nicht zu viel!) zu einem Highlight meines Bierjahres machen. Ein einmaliges Projekt, ein einmaliges Bier. Toll.

Der Winter ist vorbei – Fortaleza Tequila Reposado Winter Blend 2019

Für mich gibt es inzwischen drei Kategorien von Tequila. Die Basisqualität, also gut gemachte Mixtos (ja, die gibt es!) und einfache 100% de Agave Tequilas, die man zwar kaufen kann, aber keine großartige Faszination für mich bieten. Dann den in Deutschland heute glücklicherweise großen Bereich der Tequilas, die gehobene Qualität und oft dazu noch gutes Preisleistungsverhältnis aufweisen, die man pur wie in Cocktails trinken und mit denen man bereits bei einem Tasting Freunde überraschen kann, die nur die erste Kategorie kennen (also eigentlich fast alle Menschen in Deutschland). Und schließlich gibt es den High-End-Bereich, mit Agavendestillaten der Sonderklasse, bei denen ich mit der Zunge schnalze, und an die man auch hierzulande inzwischen gut herankommt, was vor 5 Jahren undenkbar war. Ganz sicherlich gehört der Fortaleza Tequila Reposado Winter Blend 2019 zur letzteren Gruppe.

Ich zähle nur einfach mal die Stichworte auf, die einem produktionsinteressierten Tequilafreund direkt das Wasser im Maul zusammenlaufen lässt – „estate bottled“ (auf der eigenen Hazienda abgefüllt), „stone ground“ (die Agaven werden mit einer Tahona, einem großen Mühlstein, gemahlen), „brick oven“ (das Kochen findet in einem echten Steinofen statt). Diese Wörter bedeuten für mich Tradition und Handwerk. Und wenn dann alle drei auf einem Label zusammenkommen, dann ist das schon die halbe Miete für Qualität im Endprodukt. Basis für diesen Blend ist der hauseigene Still-Strength Blanco mit 46% Alkoholgehalt, der einzige der Fortaleza-Reihe, der mir in meiner Heimbar noch fehlt. Er wird nach der Reifung (dazu weiter unten mehr) unverdünnt, mit nur minimalem Verdunstungsverlust, mit 45,7% abgefüllt. So ein Produkt ist dann natürlich limitiert, weltweit auf 5184 Flaschen, habe ich Nummer 4778 bekommen. Das ist nicht viel, aber auch nicht superwenig – ihn zu bekommen ist damit leichter als viele der aktuell in Sekunden durch den Markt geschossenen limitierten Rumabfüllungen. Sollte man es versuchen, statt einem Rum einem Tequila hinterherzulaufen?

Fortaleza Reposado Winter Blend 2019

Für einen Reposado ist die Farbe durchaus als kräftig zu bezeichnen, das geht sicherlich zurück auf die zweite Hälfte des Blends, der 11 Monate in brandneuen Fässern aus französischer Eiche reifte; die erste Hälfte, 6 Monate geruht in gebrauchten amerikanischen Eichenfässern, war sicherlich deutlich heller. Man merkt eine gewisse Schwere der Flüssigkeit beim Schwenken, an der Glaswand entsteht ein fast durchgängiger Film, der sich erst sehr spät in Beinchen aufspaltet und dann abläuft.

Eine herrliche Nase erwartet den Verkoster, da gibt es nichts zu rütteln; die Mineralität der Agave, immer noch wahrnehmbar, wird durch die Fasseinflüsse der zwei Hölzer aufgepolstert und rund gemacht. Vanille, Zimt und etwas Kokosnussfleisch geben Volumen, die Agave sorgt für Helligkeit, Charakter und eine tolle vegetale Prägnanz, die Tequila für mich so einzigartig macht. Leichte Frucht, Weintrauben, Aprikosen, gesellt sich zu einem milden Kräutersäckchen aus Thymian, Rosmarin und Lavendel. Zum Schluss entdecke ich noch eine kühle Minzkomponente, die dem Winter Blend 2019 eine wunderbare Frische verleiht.

Fortaleza Tequila Reposado Winter Blend 2019 Glas

Der Antrunk überrascht dann etwas – er ist sehr viel trockener und herber, als die Nase es hätte vermuten lassen. Ja, da ist eine unterschwellige, natürliche Süße, mit Anklängen von Butterscotch, doch der dominierende Eindruck ist eine mineralische, vegetale Herbe, oder, um das etwas unprofessioneller zu formulieren: volle Pulle Agavenattacke. Die Textur ist rund und voll, legt sich im gesamten Mundraum an jede Stelle. Chilischärfe entsteht im Verlauf, das prickelt ganz schön, und eine Fruchtwucht aus Physalis, reifem Pfirsich und bittersüßer Kumquat stürmt den Geschmacksapparat, immer eingebremst von einer strengen Trockenheit. Der Abgang ist sehr lang, heiß, wild, voller scharfem Zimt und gekochter Agave, kitzelt am ganzen Gaumen und klingt dann mit einer vollkommen gegensätzlichen Mentholkälte aus, bei der man noch lange nachwirkend beim Atmen ein feines Frischegefühl verspürt.

Mannomann, was für ein Brand! Grandios. Grandios. Grandios. Ich mag ihn, man merkt es. Wer Tequila liebt, muss ihn probieren, ich sage das nicht oft, weil es übertrieben wirkt, aber: man verpasst als Tequilafreund etwas, wenn man den Fortaleza Tequila Reposado Winter Blend 2019 nicht kennt.

Der Desert Trio ist ein Cocktail, den ich im Buch „American Cocktail“ gefunden hatte, mit der charmanten Erklärung, dass das namensgebende Wüstentrio die drei wichtigsten Wüstenpflanzen in Nevada, der Heimat des Erfinders des Drinks, sind – Agave, Aloe und Salbei. Den Aloe-Vera-Saft bekommt man in Drogeriemärkten, er ist wohl ein moderner Superfood. Ich halte nichts davon, pur schmeckt er gräulich, aber in diesem Drink macht er sich superfaszinierend mit seiner Bitterkeit und exotischen Aromatik.

Desert Trio Cocktail


Desert Trio
4 Salbeiblätter im Shaker muddeln
1½ oz Tequila reposado
½ oz Chartreuse verte
1½ oz Aloe-Vera-Saft
½ oz Limettensaft
Auf Eis shaken. Doppelt abseihen.

[Rezept nach Sean Bigley]


Man hält sich bei Los Abuelos (wie der Brenner mit der NOM 1493 in Mexiko heißt) an die gewohnte Formel – handgemachter Inhalt, handgemachte Flasche, handgemachte Stöpsel mit Echtkorken und einer Agavenpiña oben drauf. Wenn ich alle meine Fortaleza-Flaschen nebeneinander stelle, sieht man, dass keine zur anderen identisch ist, da sind teilweise richtig deutliche Unterschiede. Sowas zeigt, dass hier keine Supermarktware erzeugt wird, wo eine Flasche der anderen identisch gleichen muss, und das gibt mir auch direkt mehr Vertrauen in den Inhalt.

Es scheint, als ob Guillermo Erickson Sauza, der Inhaber der Brennerei, nun jedes Jahr einen Winter Blend herausbringen will – der 2020er steht schon in meinem Regal, wird demnächst auch hier vorgestellt werden. Ich nehme nichts vorweg, wenn ich sage, dass er deutlich anders ist als der 2019er; das passt in das just zuvor gesagte: Ein Tequilero, der keine Dauer- oder Massenware produziert. Und für mich ist das sehr viel wert, und unterstütztenswert, auch wenn die Preise natürlich mit über 100€ für die Flasche erstmal finanziert werden müssen. Jedoch: es lohnt sich wirklich. So richtig wirklich.

Meine Agavenbrände

Hier sind alle Besprechungen gesammelt, die ich über allerlei Arten von Agavenbränden gesammelt habe: Aktuell sind das Tequila, Mezcal, Pechuga und Sotol. Bacanora, Raicilla werden folgen. Agavenliköre finden sich unter meiner „Liköre“-Kategorie.

Siembra Valles High Proof Tequila Blanco
Echt stark – Siembra Valles High Proof Tequila Blanco
Pasote Añejo
Elegante Agave – Pasote Añejo Tequila
Excellia Tequila Blanco, Reposado und AñejoExzellenzinitiative – Excellia Tequila Blanco, Reposado und Añejo
Terralta Tequila Samples
Aus dem Hochlandtiefbrunnen – Terralta Tequila
G4 Tequila Reposado, Añejo, Extra Añejo
Wasser marsch! G4 Tequila Reposado, Añejo und Extra Añejo
Huizache Origen Tequila Reposado
Oder hält doppelt gereift besser? Huizache Origen Tequila Reposado
Kah Tequila Miniaturen
Ein hübsches Äußeres gleicht viele Macken aus – Kah Tequila Reposado 55% und Añejo
Fortaleza Tequila Blanco
La sangre de nuestra vida – Fortaleza Tequila Blanco (Los Abuelos)
Fortaleza Tequila Reposado
Starke Nachfrage ist nicht immer gut – Fortaleza Tequila Reposado
Ocho Curado Tequila Flasche
Agaventee mit Schuss – Ocho Curado Tequila
Casa Noble Tequila Blanco Flasche
Mexikanisches Gift – Casa Noble Crystal Tequila Blanco
Cabrito Tequila Reposado Flasche
Ein liebes Zicklein ohne Hörner – Cabrito Tequila Reposado
Bendita Tentación Mezcal Artesanal
Aus dem Hohen Norden – Bendita Tentación Mezcal Artesanal Joven
Mezcal Local
Mit Herz gemacht – Mezcal Local
Mezcalosfera Espadín Destilado con Mango y Chile Habanero by Mezcaloteca
Veganer Pechuga – Mezcalosfera Espadín Destilado con Mango y Chile Habanero by Mezcaloteca
1800 Tequila Añejo Flasche
Schlupfloch im Eisenpanzer – 1800 Añejo Tequila
Sauza Tres Generaciones Tequila Plata Flasche
Ausgekocht! Sauza Tres Generaciones Tequila Plata
Don Julio 1942 Tequila
Kurz und bündig – Don Julio 1942 Tequila
Don Julio Tequila Blanco Flasche
Höflichkeit ist nicht immer eine Tugend – Don Julio Tequila Blanco
Huizache Blanco und Reposado
Batmans Lieblingsgetränk – Huizache Tequila Blanco und Reposado

Horny, horny, horny – Sauza Hornitos Tequila Reposado
Sierra Milenario Extra Añejo
Extraalt – Sierra Milenario Extra Añejo
Miel de Tierra Mezcal Reposado
Kurz und bündig – Miel de Tierra Mezcal Reposado
Miel de Tierra Joven Mezcal
Kurz und bündig – Miel de Tierra Mezcal Joven
El Tesoro de Don Felipe Tequila Añejo
Kurz und bündig – El Tesoro de Don Felipe Añejo
Sierra Milenario Fumado Blanco Tequila
Heimlicher Raucher – Sierra Milenario Fumado Blanco Tequila
El Jimador Tequila Reposado Flasche
Ab ins Beet zum Agavenpflücken – El Jimador Tequila Reposado
1921 Tequila Añejo Flasche
Viva la revolución! 1921 Tequila Añejo
Corralejo Reposado Größenvergleich
Spaziergang im Kräutergarten – Corralejo Reposado Tequila
Hacienda de Chihuahua Sotol Silver
Von Fischen und Wüstenpflanzen – Hacienda de Chihuahua Sotol Silver

Wo die Liebe hinfällt – Mezcal Amores Joven

Es klappert die Tahona am rauschenden Bach – Olmeca Altos Plata Tequila

J.F. Kennedy hatte Recht – Tequila San José Silver

Fiesta Mexicana – Sparkle Donkey Tequila Reposado
San Cosme Mezcal
Smoke on the Water – San Cosme Mezcal

Älter bedeutet nicht auch weiser – Agavita Añejo Tequila

Wenn es schon billig sein muss, dann wenigstens mit etwas Stil – Agavita Tequila Blanco

Wer braucht schon Limette und Salz – Agavita Platinum Tequila Blanco
Calle 23 Reposado Tequila
Fruchtbombe – Calle 23 Reposado Tequila

Hufeisen bringen Geschmacksglück – Herradura Añejo Tequila
Sierra Tequila Silver Mixto Flasche
Agavenfusel? Sierra Tequila Mixto Blanco und Reposado
Fortaleza Reposado Winter Blend 2019
Der Winter ist vorbei – Fortaleza Tequila Reposado Winter Blend 2019

Bier am Freitag – Wettelsheimer Bier Hell

Ich treffe sie selten, meine Brüder, aber wenn, dann tauschen wir immer ein bisschen Alkohol aus – ich bringe einen guten Schnaps mit, und sie sorgen für gutes, oft ungewöhnliches Bier aus der Region. Letztes Mal gab es zwei interessante Biere für mich, ich bespreche natürlich beide, das erste davon heute: das Wettelsheimer Bier Hell. Es stammt aus der seit 1797 aktiven Brauerei Strauß aus Wettelsheim, einem Ort mit 1400 Einwohnern, ein Zeichen für die so lebendige und wertvolle Brauereikultur in Franken. Das Bier ist als Brauereiabfüllung mit 4,9% Alkoholgehalt erhältlich.

Wettelsheimer Bier Hell

Kristallklar ohne Einschlüsse, leuchtende, gelbgoldene Farbe, feiner, dünner Schaum – dieses Bier ist optisch schonmal ein archetypisches Helles. Erst im Gegenlicht sieht man einzelne Bläschchen gemächlich aufsteigen.

Die Nase ist metallisch, getreidig und hefig. Eine leichte Pferdestallnote kombiniert sich mit dunkel wirkendem, aber nur dezent sich anmeldendem Malz. Manch ein Helles biedert sich heutzutage beim Hopfen (ein paar schamlose Gesellen sogar am Aromahopfen!) an, das Wettelsheimer Hell tut das in keiner Form. Sehr würzig und ohne auch nur den Anflug von Frucht.

Im Mund bekommt man was zu kauen. Eine sehr cremige Textur füllt ihn ganz aus, mit leichter Süße. Diese wird im Verlauf aber schnell aus dem Dorf gejagt, Würze – fast schon eine Spur Salzigkeit – tut sich mit prägnanter Säure zusammen und lässt das Bier in eine ganz andere Richtung drehen. Getreide und rostige Nägel dominieren das Geschmacksbild, wie von einem Hellen zu erwarten ist, hält es sich aromatisch zurück und konzentriert sich auf tolle Rezenz, Helltönigkeit und Klarheit. Entsprechend kurz ist der Abgang, feinherb, trocken, die Getreidenoten mit sich führend bis zum Schluss. Mit schöner Würze, die noch etwas am Gaumen hängen bleibt, endet es schließlich.

Ja, das ist ein Bier, das sich nicht anbiedert oder besonders gefallen will. Es steht stolz da und lässt sich nicht von Wünschen nach Geschmeidigkeit und Easydrinking einlullen. Ein kräftiges Produkt seiner fränkischen Landschaft, mit Charakter und Wumms. Schade, dass es so schwer zu bekommen ist, das würde ich sehr gern öfters im Glas haben!

Mission Armagnac® – Castarède Bas Armagnac XO

Ich bin wirklich kein Weinkenner, doch selbst mir ist verständlich, dass bei einem Weinbrand der dafür verwendete Wein eine natürlich große Rolle spielt. Für viele Weinbrände ist klar geregelt, welche Rebsorten für die Produktion eingesetzt werden dürfen; bei Armagnac sind es genau zehn, vier davon machen den Löwenanteil aus: Ugni Blanc, Colombard, Baco und Folle Blanche. Die klassische Armagnac-Rebsorte ist letztere Folle Blanche, die erst nach ihrer praktischen Vernichtung in der Phylloxerakatastrophe 1878 durch andere Rebsorten ersetzt oder ergänzt wurde. Heute gewinnt sie wieder an Beliebtheit – ich hatte 2019 in einer Masterclass mit Marc Darroze (rechts im Bild) und Olivier Chapt (ganz links) eine spannende Vergleichsreihe, in der ein junger, rein auf Folle Blanche basierender Cognac mit einem ebensolchen Armagnac verglichen werden konnte. Das gleiche gab es dann auch für Ugni Blanc und Colombard.

Spirits Selection 2019 Folle Blance Chapt vs Darroze

Warum reite ich so auf dieser seltenen Rebsorte herum? Für die meisten Armagnacs wird eine Rebsortenmischung eingesetzt, es sind aber auch, wie gerade gezeigt, auch Einzelrebsortenbrände verfügbar. Manche Anbieter des Castarède Bas Armagnac XO schreiben in ihren Shopbeschreibungen, dass dieser Armagnac aus dem ältesten Maison für Armagnac (Gründungsjahr 1832) zu 100% aus Trauben dieser Weißweinvarietät hergestellt wird; das ist aber nicht der Fall. Das macht diesen Armagnac keinesfall schlechter, man sollte einfach nur wissen, was man trinkt – und nicht den Bekundungen der Shops glauben, die sich meist selbst nicht wirklich mit den Spirituosen, die sie verkaufen, auskennen.

Die gesetzlichen Regelungen schreiben für einen französischen Weinbrand mit der Alterskennzeichnung „XO“ eine Holzfassreifungsdauer von mindestens 10 Jahren vor, seit der Änderung vor einigen Jahren, als das Mindestalter von 6 Jahren angehoben wurde. Wie Whisky auch ist Armagnac durchaus vom Fass definiert, darum gönnt Maison Castarède seinem XO auch ein bisschen mehr als die gesetzliche Mindestdauer. Hier lässt man den Brand 20 Jahre in Eichenfässern liegen; das Abfülldatum ist auf dem Rücketikett als 22.02.2021 vermerkt. Das ist gar nicht so weit von meinem Verkostungszeitpunkt im April 2021 entfernt; ein frischer Eindruck also, den ich hier nun schildere!

Castarède Bas Armagnac XO

Die dunkle, terracottabraune Färbung überrascht mich bei einem so alten Brand nicht. Die schwerschwappende, träge Konsistenz passt sehr dazu, wie auch die vielen dicken Beine, in denen die Flüssigkeit langsam an der Glaswand abläuft.

In der Nase kommt der Castarède XO zunächst sehr süßfruchtig an. Pflaumen, Kirschen, reife Banane, ganz leicht nur Ananas und Aprikosen. Traubigkeit und Tresterigkeit kommt danach. Nach leichtem Schwenken kommen dann die würzigen Aromen zum Vorschein, unterstützt von Zimt, Kokos und Karamell, und auch eine leichte Nussigkeit, Mandeln vor allem. Nur ein milder Anflug von Rancio lässt den Brand jünger wirken, als er ist. Eine gewisse Erinnerung an Bourbon stelle ich fest, das sind wahrscheinlich die Holzreifungsnoten aus Vanille, Zimt und trotz des hohen Alters nur leichter Holzigkeit.

Der Antrunk wirkt zunächst erst unauffällig und süßlich, doch dann mit einer sich schnell über den ganzen Gaumen auswirkenden Breite. Die Textur ist entsprechend groß und voll, mit öliger Konsistenz und viel Volumen. Im Verlauf wirkt der Castarède XO dann leicht schokoladig, mit Erinnerungen an Toffee, Nougat und Traubennussschokolade. Milde und ausdauernde Pfeffrigkeit kitzelt an der Zungenspitze, sicherlich nicht den 40% Alkoholgehalt entstammend, mehr eine der Würze zuzuschreibende Pikanterie. Zugrunde liegt beständig eine schwere, aber nie klebrige Fruchtsüße, die gegen Ende in eine knackig bittere Trockenheit übergeht.

Castarède Bas Armagnac XO Glas

Der Abgang schließlich ist mittellang, weiterhin leicht pfeffrig, wirkt aber trotz dessen mentholisch kühl, mit sehr gelungener Süßtrockenbalance. Er wird gegen Ende dann plötzlich überraschend blumig und dabei immer kälter, die anästhesierte Zunge friert es fast, und klingt mit sehr angenehmen, prachtvollen Trauben- und Fruchtnoten dann sehr langsam über viele Minuten aus.

Viele Traubenbrände haben das Problem, dass die Nase grandios ist, der Geschmack danach vergleichsweise enttäuscht. Hier ist das definitiv nicht der Fall. Ein entspannter Brandy, die 20 Jahre haben viel des typischen Feuers eines jungen Armagnacs gelöscht, alle Ecken und Kanten ausgeglichen und eine Rundheit und sanfte Feinheit, die allerdings trotzdem nie flach oder langweilig wird, daraus erzeugt. Das trinkt sich mühelos, allerdings nicht unkomplex, gemütlich, aber nicht seniorenhaft. Aufregung ist diesem Armagnac inzwischen fremd, doch er hält die Erinnerung an die wilden Tage noch aufrecht.

Der Froupe Cocktail ist wieder mal ein alter Klassiker aus der Craddock-Schmiede des Savoy Hotels. Im Original wird Cognac verwendet; ich sehe keinen Grund, diesen nicht durch Armagnac zu ersetzen, im Gegenteil – das Volumen und das sanfte Feuer des Castarède XO gibt diesem Drink sogar eine kleine Extrawürze, die in so einer süßlastigen Rezeptur gar nicht schadet.

Froupe Cocktail


Froupe Cocktail
1½ oz Armagnac
1½ oz süßer Wermut
1 Teelöffel Bénédictine
Auf Eis rühren.

[Rezept nach Harry Craddock]


Wie für ein bodenständiges Destillat wie den Armagnac durchaus üblich, ist die Präsentation zurückhaltend bis fast schon asketisch – eine einfache Halbliterflasche, Echtkorken, Etiketten mit nur wenigen Worten darauf, und einem charmant mit Schreibfehlern versehenen Versprechen des Maisons auf der Rückseite, dass alle Angaben (viele sind es ja nicht) stimmen. Das oben bereits erwähnte Abfülldatum ist jedenfalls sehr lobenswert. Es scheint, dass es auch einen Geschenkkarton dafür gibt, dieser wurde bei meiner Onlinebestellung leider auch auf Anfrage nicht mitgeliefert.

Ich hatte meine grundsätzliche Meinung zu Armagnac und dessen Positionierung in der Weinbrandwelt ja bereits vor ein paar Jahren in meinem Artikel über den Comtal VS kundgetan – und daran hat sich nichts geändert. Ich freue mich, dass sich auch in Deutschland nun mit Nicolas Kröger jemand mit gutem Ruf und Netzwerk der Spirituose unter dem Motto „Mission Armagnac“ annimmt und die moderne Trinkerschaft auf der Suche nach hochwertigem Schnaps dafür begeistern will – da bleibt mir nur, so richtig viel Erfolg dabei zu wünschen!

Premix am Freitag – Havana Club Verde

Man entkommt der Fernsehwerbung für den Havana Club Verde aktuell ja kaum. Ich finde sie etwas überdreht und künstlich, ein Grund mehr, ihr nachzugehen und zu schauen, was das Zeug taugt. Meine Erwartungshaltung ist trotz einer vorsichtigen Skepsis gegenüber derartigen Partyprodukten schon neutral, denn ich weiß, dass Havana Club einen vernünftigen kubanischen Basisrum machen kann, womit schonmal die Frage nach der grundlegenden Qualität eines solchen aromatisierten Rums geklärt ist.

Die Kommunikation auf dem sehr hübsch gestalteten Etikett ist erfreulich deutlich – weißer Rum mit „Botanicals“ (also Kräutern und Gewürzen) und Zitrusfrüchten versetzt, auf 35% Alkoholgehalt eingestellt und wegen diesen beiden Eigenschaften als „Spirit Drink“ und nicht als „Rum“ deklariert, da wird also niemand verschaukelt. Eine eigene Zusatzmessung hat rund 16g/L Zusätze ergeben, das hält sich für so ein Produkt sehr im Rahmen.

Havana Club Verde

Geruchlich sticht direkt die Grapefruit und bittere Orangenzeste hervor. Sehr fruchtig wirkt das, unterbaut von einer milden, sehr dezenten Kräuterigkeit, die mich an Rosmarin erinnert. Durch die Aromatisierung kann man den Rum aber weiterhin erkennen, insgesamt ist das ein sehr ansprechendes und gar nicht unkomplexes Geruchsbild. Im Mund setzt eine Bittersüße vom Antrunk an ein, auch hier sind Grapefruit und Rosmarin die aromatischen Hauptkomponenten. 35% Alkoholgehalt geben doch einiges an Kraft, sorgen auch für eine gute Textur und ein angenehmes Mundgefühl. Der Abgang ist mittellang, dominiert von der Bittere der Zitrusfrucht, leicht trocken und warm. Er klingt mit einem leicht kräuterigen Hauch aus.

Natürlich ist diese Spirituose nicht als Purgetränk für den Highend-Genießer oder Rumnerd gedacht, sondern als einfache Mixzutat für Longdrinks. Ich schütte mir schnell rein nach Augenmaß das Rezept auf der Flaschenrückseite zusammen (folge also dem, was die meisten Käufer auch tun werden, ersetze nur die Grapefruitscheibe durch ein paar Limettenviertel). Und ich werde auch hier gar nicht unangenehm überrascht – tatsächlich entsteht aus der einfachen Mischung mit Tonic Water, ein paar Limettenspalten, einem Minzbusch und viel Eis ein leichter, sehr trinkbarer Longdrink, nicht zu süß, dafür aromatisch und erfrischend. Spannend sicher für alle, die gern Gin and Tonic trinken, und mal ne fruchtige Abwechslung suchen.

Havana Club Verde & Tonic Cocktail

Nun, ich lehne solche Experimente nicht grundsätzlich ab, auch wenn ich normalerweise eher Genießerspirituosen bespreche. Es gibt außer Leuten wie mir, die sich mit einem Cocktail eine halbe Stunde beschäftigen können, auch die, die einfach nur unterhalten werden wollen und bei einem Drink nicht viel drüber nachsinnieren, was drin ist – eine völlig verständliche Einstellung. Für jene ist die Anschaffung einer Flasche Havana Club Verde, zusammen mit einem Liter Tonic Water, eine Garantie für ein paar schöne Nachmittage in der Sonne, bei denen man sich nicht mit Rezepten von Mojitos oder Daiquiris und Messbechern rumschlagen muss, sondern direkt und ohne Mühe lostrinken kann und trotzdem was vernünftiges im Glas hat. Unkompliziert und unterhaltsam!

Vom Feld in die Höhle – Märkische Spezialitätenbrennerei DeCavo Handcrafted Single Malt Höhlenwhisky & The Mash

Meine Leser wissen es – ich bespreche inzwischen immer abwechselnd Bier und Spirituosen. Manchmal kommt das auch zusammen, insbesondere, wenn ein Brenner aus dem Sauerland dem Genießer die Möglichkeit eröffnet, ein Destillat dadurch besser kennenzulernen und zu verstehen, indem er die Hintergründe zugänglich macht, zum Beispiel in Form der für den Whisky verwendeten Maische. An sowas komme ich natürlich kaum vorbei, ich finde derartige Projekte immer äußerst faszinierend, und will das auch dann teilen. Darum präsentiere ich hier einen Kombiartikel, in dem ich den Märkische Spezialitätenbrennerei DeCavo Handcrafted Single Malt Höhlenwhisky und das Basismaterial dafür, das Edelstahl The Mash Stout zusammen bespreche.

Die Reifung in der sauerländischen Dechenhöhle ist natürlich der Namensgeber dieses Whiskys (lat. „de cavo“ = „aus der Höhle“), und ein einzigartiges Klima ist ja durchaus von Relevanz in all den kleinen Faktoren, die einen fertigen Whisky am Ende ausmachen. Und es ist durchaus ungewöhnlich, dass man den DeCavo ausschließlich als Einzelfassabfüllung anbietet – da merkt man, das ist kein Feld-, Wald- und Wiesenwhisky, wie er in vielen deutschen Destillerien inzwischen hergestellt wird. Entsprechend lobenswert und sinnvoll ist die Fassnummern- und Flaschennummernangabe (L53, 306 auf meiner Flasche). Leider erfährt man selbst über die Website des Brenners nicht mehr über Art der eingesetzten Holzfässer oder sonstige Details. Aber nun genug nachgedacht, schnell ins Glas damit.

Märkische Spezialitätenbrennerei DeCavo Handcrafted Single Malt Höhlenwhisky & The Mash

Von einem Dreijährigen aus vorbelegten Fässern erwarte ich, wenn er nicht gefärbt wird, tatsächlich diese leicht strohige Weißweinfarbe, alles darüber hinaus käme mir verdächtig vor. Entsprechend jung und lebendig bewegt der Whisky sich dann auch im Glas, nach etwas Schwenken zeigen sich auch schöne, dick ablaufende Beine an der Glaswand.

Die Nase ist gerstenbetont, die typische Mischung aus Getreide- und Fruchteindrücken junger Whiskys. Süßlich wirkt das ganze, mit Aromen von Aprikose und reifem Apfel, unterstützt von leicht vanilligen Tönen. Etwas Nussiges schwebt da mit, Mandeln vielleicht. Insgesamt sehr schmeichlerisch, angenehm, rund und fein, allerdings auch wenig komplex.

Nimmt man einen Schluck, setzt sich der milde Eindruck aus der Nase im Mund fort. Der Antrunk ist süß, mildfruchtig, mit viel Aprikose. Kurz danach entsteht eine vorsichtige Medizinalität, wie man sie von Scotch kennt, sie verfliegt aber schnell wieder und macht Platz für ein angenehm texturiertes Mundgefühl, das schön in die Breite, aber nur wenig in die Tiefe geht. Leichte Säure bildet sich aus, und dezente Würzigkeit kommt auf. 47,3% hätte ich nicht vermutet, der Alkoholgehalt sorgt für Volumen, aber ohne jede Form der Kratzigkeit. Ein recht angenehmer Geschmacksbogen, das muss ich sagen, dabei immer zurückhaltend und ohne herausstechende Eigenschaften.

Märkische Spezialitätenbrennerei DeCavo Handcrafted Single Malt Höhlenwhisky Glas

Der Abgang ist kurz, mildherb, sich in eine würzige Wärme steigernd, jedoch aromatisch weiterhin leicht, getragen von Getreide und einer leichten Blumigkeit, die im Nachhall den ganzen Gaumen ausfüllt und lange mit etwas Jasmin nachklingt, angenehm trocken und dabei immer von der durchgängigen Süße unterstützt.

Ein Whisky, der trotz des martialischen Stiers auf dem Etikett eher ein Leisetreter ist, man darf hier nicht nach extremen Aromen oder wilden Effekten suchen, sondern muss sich ihm sachte nähern und sich über die sehr gelungene Rundheit, das schöne Mundgefühl und die Mildheit freuen, die den DeCavo sehr süffig und leicht trinkbar machen.

Single Malts werden heutzutage trotz einer inzwischen erklecklichen Anzahl von Cocktailrezepten immer noch hauptsächlich pur getrunken und oft gar nicht als Zutat wahrgenommen. Dabei ist der Penicillin einer der beliebtesten Whiskydrinks überhaupt geworden, ein moderner Klassiker. Um zu verhindern, dass durch den Monokonsum eines Drinks zuviele Resistenzen entstehen, biete ich hier eine Alternative an: den Amoxicillin. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte Ihren Bartender, sobald Ihre lokale Bar wieder öffnet.

Amoxicillin Cocktail


Amoxicillin
2 oz Blended Scotch
½ oz Chartreuse jaune
¼ oz Ingwersirup
¾ oz Zitronensaft
Auf Eis shaken. Auf Eis abseihen, mit Peated Scotch besprühen.

[Rezept nach Chris Yamka]


Kommen wir vom Whisky zum Basismaterial, aus dem er hergestellt wurde – Whisky ist ja eigentlich ein Bierbrand. Eine sehr aparte Idee ist es dann natürlich, die Maische (oder besser formuliert das daraus gewonnene Bier) auf Flaschen zu ziehen und dem interessenten Genießer auch zur Verfügung zu stellen. Die Stildeklaration dieses Biers ist „Stout“, und entsprechend schwarz ist die Farbe. Vermeintlich völlig blickdicht, wenn man das Glas gegen das Licht hält, sieht man allerdings schöne rubinrote Reflexe darin. Eine langsame aber ausdauernde Perlage sieht man, sie füttert einen feinblasigen Schaum, der über die Zeit stiltypisch in sich zusammenfällt, aber nie ganz verschwindet.

Märkische Spezialitätenbrennerei The Mash Stout

Der Geruch des The Mash Stout ist malzig, mildherb, leicht bitterhopfig – auch wenn kein Hopfen enthalten ist. Ein Anflug von Röstnoten, etwas Kaffee, dunkler Kakao. Insgesamt getreidig und würzig. Weich und mild, das ist ein Gesamteindruck, der sich durch die ganze Verkostung zieht. The Mash ist malzig, mildherb, definiert süß und erkennbar fruchtig – man könnte durchaus davon sprechen, dass sich diese Eigenschaften auf den späteren Whisky übertragen haben. Viel Volumen, aber nur wenig Tiefe – was mich hier nicht stört, es hat andere Qualitäten; zum Beispiel die schöne Rezenz, die durch die üppige Karbonisierung und eine schöne Säurekante entsteht. Dabei immer mit leichten Röstnoten, wie schon gerochen. Der Abgang ist kurz, malzig, leicht lakritzig, trocken. Der Alkoholgehalt von 7,5% ist nie bemerkbar, was das Ganze sehr süffig trinkbar macht. Ich finde jedoch, wie gesagt, allein schon die Idee großartig und nachahmenswert, das gibt dem Whiskygenuss dann noch eine zusätzliche Tiefe und entwickelt besseres Verständnis für das Produkt.

Das Tripel ist vollständig, ich genieße jetzt ein Dreifachherrengedeck aus Cocktail vor dem Essen, das Maischestout zum Essen, und einen De Cavo im Tumbler nach dem Essen. Das nenne ich wirklich Themenabend!

Bier am Freitag – Maisel & Friends Muscatel IPA Barrel Aged 2020

Ende 2020 hatte Maisel & Friends eine Miniserie mit mehreren fassgereiften Bieren herausgebracht, die sich über ungewöhnliche Fassauswahlen auszeichnete. Ein IPA, „mehrere Monate“ im Muscatel-Dessertwein-Fass nachgereift? Klingt das gut? Ich finde, das klingt ausgesprochen gut. Also direkt bei Erscheinen rein in den Online-Warenkorb mit dem Maisel & Friends Muscatel IPA Barrel Aged 2020, bestellt, und dann nach etwas Ausruhzeit an einem entspannten Wochenendtag ausprobiert. So eine 750ml-Flasche trinkt man ja schließlich nicht mal einfach so, da hat man den ganzen Tag was davon.

Maisel & Friends Muscatel IPA Barrel Aged 2020

Ich gieße mir die erste Hälfte der Dreiviertelliterflasche ins Glas. Farblich sehe ich ein strahlendes Terracotta, mit einem Touch von Pariser Rot, jedenfalls sehr ansprechend, insbesondere im Kontrast zur sehr feinblasigen Blume, die ausdauernd dem Bier erhalten bleibt. Das feine Mousseux sieht man in einem großen Glas besonders gut.

Mit einem entsprechend gewählten Glas erkennt man auch den besonderen Duft dieses IPAs besser. Er erinnert an Erdbeermarmelade, Litschis (diese werden auf dem Rücketikett erwähnt, und sie sind tatsächlich sehr präsent hier) und etwas Honig. Sehr weich und mild für ein IPA, die ganze limettige Kratzigkeit, die man sonst oft bei diesem Bierstil findet, ist durch die Fassreifung stark eingebremst worden. Das Weinfass hat ordentlich für dunklere Töne gesorgt, und auch eine vorsichtige Holzigkeit kann man im Gesamtbild erriechen.

Die Textur ist von Beginn an supercremig, mit sehr viel Kau- und Lutschpotenzial, und sie sorgt für ein voll ausgefülltes und sehr breites Mundgefühl. Eine leichte Salzigkeit gibt Charakter, und Süße und Säure ringen miteinander, wobei die Säure sicherlich etwas Oberhand behält. Die Hopfigkeit geht bei vielen fassgelagerten Bieren schnell verloren, hier findet man sie noch, ihre Spitzen und Ecken wurden allerdings erkennbar abgeschliffen; es ist von der Bittere und Aromatik aber sicherlich immer noch ein IPA. Beeren und Litschis sind das Hauptaroma, man meint, noch dunkles Malz und Pflaumen durchzuschmecken. Die Rezenz hält sich, produktionsbedingt, in Grenzen, ist aber auch kein wirkliches Ziel eines solchen Biers.

Im Abgang erkennt man den Alkoholgehalt von 8,9%, da entsteht ordentlich Wärme und eine milde Glut, die sowohl im Mund als auch in der Speiseröhre bis in den Magen verfolgbar ist. Dabei wird das Bier knackig bitter, mildtrocken, klar holzig und stärker salzig, ohne aber ins wirklich hart Adstringierende oder Kantige zu kippen. Lang und weiterhin voll bis zum Ende, wo würzige und holzige Effekte noch etwas den Gaumen und die Zunge kitzeln und leicht betäuben.

Ah, sowas trinke ich einfach gerne. Es ist anspruchsvoll, ja, und kein Bier für Zwischendurch. Sowas genießt man, wie oben schon gesagt, an einem schönen Sonntagnachmittag in langsamen Schlucken, bei Zimmertemperatur. Ein sehr gelungenes Experiment, schade, dass sowas nur als limitierte Edition erhältlich und nach kurzer Zeit ausverkauft war. Ich rate allen Freunden fassgelagerter Biere, die Augen immer offen zu halten – da muss man schnell und konsequent zuschlagen, langes Überlegen ist da nicht drin. Es lohnt sich jedoch in den allermeisten Fällen!

Nicht erreichbare Wunschreiseziele – Florita Amande-Pays Amer Traditionnel Haïtien

Es ist ein kleines Sehnsuchtsziel für mich geworden. Nachdem ich in Luca Garganos Buch Nomade parmi les fûts viel über seine Sicht auf Haiti gelesen habe, und mich gut in die lokale Spirituosenwelt eingetrunken habe, will ich dort dringend hin. Wie bei vielen Zielen auf der Welt, die mich sehr ansprechen, ist das aber doch leicht problematisch; schließlich ist Haiti, auch wenn Gargano gegen das Image des scheinbar chaotischen, in Unruhen und Armut versinkenden Lands mit viel offensichtlicher Liebe und Energie anschreibt, doch nicht das ideale Ziel für den Alleinreisenden. Nun, vielleicht ergibt sich irgendwann die Gelegenheit – dann werde ich sie ohne Zögern ergreifen.

Bis dahin poliere ich langsam weiter mein Französisch auf, und untersuche, was Haiti neben dem aktuellen Trendsetter Clairin zu bieten hat. Der Rumbrenner Berling, ansässig in der Hauptstadt Port-au-Prince, bietet eine Reihe von ungewöhnlichen Produkten unter dem Markennamen Florita an, die vom klassischen Triple Sec über Cocktailbitter bis zu Likören reicht. Oben erwähnter Gargano importiert sie über seine Firma Velier nach Europa. Zwei davon habe ich mir mal zugelegt; das erste, Florita Amande-Pays Amer Traditionnel Haïtien, will ich hier nun vorstellen. Es handelt sich dabei um einen aromatischen Bitterlikör auf Basis von haitianischen Kräutern, Gewürzen und Pflanzen, zum Beispiel dem namensgebenden Amande-Pays, was scheinbar der haitianische Name für die Terminalia Catappa, deutsch Katappenbaum, ist. Klingt exotisch? Ist es auch, sage ich jetzt schon, während ich mir ein Gläschen davon eingieße.

Florita Amande-Pays Amer Traditionnel Haïtien

Im Glas sieht man die kupferne Farbe, die die Schwarzglasflasche versteckt hatte. Beim Schwenken bewegt sich der Amande-Pays Amer ölig und schwerfällig, hinterlässt an der Glaswand einen fetten Film, der kaum in Beine aufgespalten lange stehen bleibt, bevor er heruntersickert.

Die Nase ist bezaubernd – eine blumig-fruchtig-nussige bunte Mischung, die mir wirklich sehr gefällt. Da ist Maracujasaft, ein bisschen Rhabarbersirup, reife Erdbeeren und Brombeeren, deren Süße durch eine kräftige Bittermandelnote noch hervorgehoben wird. Darüber schwebt ein Duft wie aus einem tropischen Gewächshaus, Frangipani und Orchideen aller Art. Schnuppert man länger und tiefer, kommt etwas Ethanol zum Vorschein, bei 30% Alkoholgehalt etwas überraschend, da flacht der zauberhafte Eindruck auch etwas ab.

Florita Amande-Pays Amer Traditionnel Haïtien Glas

Im Mund beginnt der Likör sehr süß, leise, mit nur vorsichtigen Anklängen von all dem, was die Nase schon errochen hatte. Hier dominieren die Mandeln, die Maracuja ist nur in Ansätzen da. Eine spannende Stelle entsteht nach einigen Sekunden, wenn die liebliche Süße in so richtig knackige, trockene, holzige Bittere umkippt. Artischocken und Süßholz übernehmen das Kommando, es fühlt sich an, als ob man in einen Radicchio beißt, oder in eine Topinambur-Knolle. Ein leichtes Feuer aus Zimt entsteht, das die Zungenspitze kitzelt. Eine aromatische Nähe zu Allspice oder Pimento Dram meine ich zu erkennen.

Der Abgang ist schließlich noch bitterer, sehr trocken (ohne allerdings kratzig zu werden, da ist noch genug Basissüße als Ausgleich da) und macht seinem Namen „Amer“ alle Ehre, erinnert hier an Underberg, Angostura oder einen kräftigen Amaro. Eine deutliche Adstringenz saugt Spucke aus den Mundschleimhäuten, die Bittereindrücke und -geschmäcker bleiben eine ganze Weile im Mund hängen, mit Anflügen von sehr holzigen, wurzeligen Aromen wie Baumrinde, Süßholz und Kardamom, aber auch eine die fruchtige Nase wieder aufnehmende Grapefruitkomponente klingt deutlich nach.

Sicherlich ist das zwar ein „Bitter“, aber für mich noch kein Cocktailbitter, sondern geht klar in die Richtung von Magenbitter oder trockenem Amaro. Was bedeutet, dass man das schon sehr schön pur genießen kann, in den üblichen Szenarien, in denen man was zur Verdauung trinken möchte. Und entsprechend setze ich den Pays-Amande Amer auch in einem Drink ein, als Ersatz für Cynar in einem Sin Cyn – das macht mit dem haitianischen Bitter und einem australischen Grain Whisky wirklich so richtig Spaß.

Sin Cyn Cocktail


Sin Cyn
1 oz milder Scotch Whisky
1 oz Cynar
1 oz süßer Wermut
Auf Eis rühren. Auf Eis servieren.

[Rezept nach Paul Dellevigne]


Ich gebe gern zu, der erste Impuls, mir diesen Bitterlikör zuzulegen, war aus dem Eindruck der total hübschen Flasche entstanden, als ich sie zum ersten Mal in einem Post eines Rumclubmitglieds neulich sah – die ungewöhnliche Form, das ausgesprochen schön gestaltete Etikett. Ja, ich weiß, ich sage sonst immer, dass der Inhalt zählt und nicht die Verpackung, aber ich bin ja auch nur ein Mensch und habe meine Rückfälle in die optischhaptische Phase, auch wenn das meine Suche nach der erfrischenden Geisteskühle des Schnapsmoksha wieder zurückwirft, besonders, weil es sich hier auch noch ausgezahlt hat, mal auf den Bauch statt den Kopf zu hören. Also zurück ins Samsara.

Wer sich für Bitterliköre begeistern kann, Campari, Aperol, Suze und diverse italienische Amari (insbesondere hier Cynar) mag, der wird am Florita Amande-Pays Amer Traditionnel Haïtien sehr viel Freude haben, da bin ich mir sicher.  Natürlich ist er viel teurer als die vorgenannten, mit 25€ für 35cl legt man schon einen ordentlichen Preis auf den Tisch, doch man bezahlt auch hier erstens die Exotik eines kleinen Brenners auf Haiti, und den Import durch einen Exklusivabfüller LMDW & Velier, der weiß, was seine Ware wert ist. Persönlich bereue ich es kein bisschen!