Bier am Freitag – Hornbeer Black Magic Woman

Man sieht es schon am Bild unten – das ist ein uralter Artikel, den ich vor Jahren vorbereitet hatte, und nie veröffentlicht. Ich habe keine Ahnung, ob das Hornbeer Black Magic Woman überhaupt noch erhältlich ist, ob es die Brauerei noch gibt, doch ich dachte, egal, das Bier hatte mir so gut geschmeckt, dass es wert ist, nun nochmal erwähnt zu werden. Ein Stout mit getorftem und birkenholzgeräuchertem Gerstenmalz (Pilsener, Carafa, Caramunich) aus Dänemark, mit Magnum und Centennial gehopft und auf üppige 10% Alkoholgehalt und grandiose 112 IBU eingestellt – sowas hat man schließlich wirklich nicht alle Tage im Glas.

Hornbeer Black Magic Woman

Komplett schwarz und blickdicht steht es im Glas, keine Chance durchzuschauen, selbst wenn man es gegen helles Licht hält. Schwer, gluckernd und schwappend beim Eingießen, fast schon dickflüssig, da denkt man, man hat altes Motoröl vor sich. Dicker, sehr feinblasiger, langlebiger Schaum entsteht dabei. Trotz all der Malzräucherung ist es in der Nase dann eher mildrauchig, ganz klar aber sehr malzig mit richtig vielen Röstaromen – nur ein Hauch von Speck ist da, etwas, was bei vielen geräucherten Bieren mir persönlich den Spaß etwas einschränkt, das wird dann schnell arg schwer und dumpf.

Am Gaumen entwickelt sich das Black Magic Woman dann erwartungsgemäß sehr vollmundig, mit viel Wucht im Antrunk: cremig und schwer, dick und üppig. Die Röstaromen spielen die Hauptrolle, sie drängen nach vorne, ohne dabei aggressiv zu wirken. Süße und Säure sind sehr schön balanciert, ersteres hat ein bisschen die Überhand, eine ordentliche Salzigkeit kommt dazu. Insgesamt ein sehr rundes, weiches Bier mit ordentlich Wumms, ohne diesen vor sich her zu tragen. 10% Alkohol spürt man beim Trinken an keiner Stelle. Der Abgang ist lang, säuerlich, sehr trocken, etwas holzig, salzig und rauchig.

Toll komponiert, das ist ein kräftiges Stout nach meinem Geschmack, das nur bedingt Rücksicht nimmt auf den Trinker, der sonst lieber Helles zu sich nimmt. Nicht für jeden Tag, auf keinen Fall, aber für einen kühlen Sonntagnachmittag nach dem Sport ein perfekter Einklang für einen ruhigen Abend! (Auch hier sieht man, dass der Artikel alt ist, was ist Sport?)

Erinnerungskultur – Black Tot Rum

Ein Termin wird in der Rumgemeinde weltweit immer mit viel Bohei gefeiert – der Black Tot Day, ich hatte schon vor einer Weile bei einem Bier erläutert, worum es dabei geht. Nun ist 1970 ja recht lange her, der normale Seemann, der den Daily Tot noch erlebt hatte, ist wahrscheinlich längst in Rente. Der, der heute diesen Tag feiert, sieht das ganze natürlich nur aus der Perspektive des Konsumenten, der nicht den harten Dienst auf einem Kriegsschiff mit in seine Sicht aufnimmt – die Hersteller berufen sich aber sehr gern auf die alte Sitte, und so findet man auch heute noch viel Navy Rums, die nun halt flaschenweise an den Rumgenießer auf der Couch zuhause geliefert werden statt fassweise an das Kriegsministerium in Großbritannien.

Den schwarzen Tag in der Seemannsgeschichte trägt der Black Tot Rum entsprechend trotzdem stolz im Namen, auch wenn es eigentlich nichts zu feiern gibt (außer, man ist Teetotaller). Die Rezeptur ist jedenfalls schonmal tatsächlich eine klassische für Navy Rums, die schon immer eine Mischung aus Rums aus den verschiedenen damaligen Kolonien des Weltreichs darstellten. Barbados, Jamaica und Guyana liefern aus ihren Pot und Column Stills die Bestandteile in diesem Fall nach Schottland, wo der Blend dann auf 46,2% eingestellt und abgefüllt wird. Ein Alter ist nicht angegeben, es wird nichteinmal angedeutet, was aber klar ist, ist, dass keine Süßung erfolgt, sei es durch direkte Beigabe von Süßmitteln oder einer Verwendung aromatisierter Fässer.

Black Tot Rum

Da wir schon bei den technischen Herstellungsdetails sind – während auf dem Etikett zwar steht, dass der Rum nicht kaltfiltriert ist, fehlt die oft in diesem Umfeld gleichzeitig vorhandene Zusicherung, dass er nicht gefärbt ist. Gehen wir also von etwas E150 aus, während wir den leuchtende Bernstein im Glas begutachten. Durchaus ölig und schwer liegt er dort, und hinterlässt nach vorsichtigem Schwenken dicke, einzelne Beine, die unabhängig voneinander in unterschiedlichen Geschwindigkeiten ablaufen. Dabei kann man schon beginnen, die Aromen zu beschnuppern, die dabei das Glas verlassen – für mich persönlich riecht das sehr nach Barbados, mit den für dorther stammende Rums typischen Würz- und Karamellnoten. Ein bisschen esterige Frucht, Bitterorange und Banane, ein leicht pikantwürziger Unterton in Richtung oxidiertes Kaffeepulver und eine schon zwickende Lacknote komplettieren das Bouquet.

Schon beim Antrunk merkt man, dass der Körper des Black Tot mittelschwer ist, die initiale Süße wird schnell eingeholt von kräftiger Pfeffrigkeit. Die Jamaica-Komponente wird hier nun sehr erkennbar, die bekannten Fruchtester überholen die immer noch vorhandene, aber zurückgedrängte schokoladigkaramellige Basis. Deutliche Bitterkeit ergänzt das Feuer, das nun am Gaumen und auf der Zunge entsteht, da ist viel Feuer, bei 46,2% Alkoholgehalt durchaus zumutbar und gut eingebettet. Gegen Ende gewinnt aber letztlich doch die Bitterschokolade und eine gewisse Nelkigkeit, und diese Eindrücke bleiben lange vorhanden.

Black Tot Rum Glas

Der Abgang ist mittellang, sehr effektvoll und warm, hinterlässt am Gaumen langanhaltende Adstringenz, die Bitterkeit bleibt ebenso erhalten wie die sehr prägnante Trockenheit, und mit einem etwas blutigem Eisenton klingt der Rum dann aus. Was ich wirklich schön finde, ist, dass man die unterschiedlichen Blendkomponenten wirklich herausschmecken kann, und sie nicht durch eine Süßung miteinander verkleistert wurden. So hat man einen Rum mit Ecken und Kanten, einer angemessenen Komplexität, der sich nicht anbiedert, sondern seinen Charakter und die der Herkunftsländer stolz vor sich herträgt.


Natürlich ist sowas ideal für die Verwendung in einem Cocktail, sowohl in Tiki-Drinks als auch in klassischen Rumrezepturen sehe ich den Black Tot Rum als geeignete Hauptspirituose. Im Sommer, in dem ich diesen Rum verkostet habe, ist mir immer sehr nach eislastigen Tikicocktails aus dem Mixer – ein kurzes Nachlesen in einem meiner vielen Rezeptbücher hat den Tutu Rum Punch der Tikiikone Trader Vic als Kandidaten hervorgebracht. Selbst gegen die gleiche Menge unterschiedlicher Säfte hält sich der Black Tot aromatisch und gibt seine ganze Power in den Drink.

Tutu Rum Punch Cocktail

Tutu Rum Punch
2 oz gereifter Rum
¾ oz Grapefruitsaft
¾ oz Ananassaft
½ oz Falernum
½ oz Zitronensaft
Mit crushed ice im Mixer blenden. Mit Minze und Kandiszuckerstab dekorieren.

[Rezept nach Trader Vic]


Bezüglich der Flasche bin ich sehr zufrieden – die Form an sich ist unspektakulär, ich mag aber diese Verdickungen am Flaschenhals. Der dekorative Deckel auf dem Naturkorken ist hübsch und hilft beim Öffnen der Flasche. Die Etiketten in den Hauptfarben Schwarz und Orange sind sehr verspielt, ohne kitschig zu werden, etwas, worunter viele Rums leider bis heute leiden. Es wird in den Texten auch nicht übermäßig auf mehr oder weniger historischen Geschichtchen herumgeritten, bei einem Rum dieses Datums wäre das auch, ehrlich gesagt, nicht angebracht. Es ist ein neues Produkt, und auch wenn man sich dem Blendrezept nach auf alte Traditionen berufen kann, so stammt es doch aus dem Jahr 2019 (neue Auflagen ändern sich wohl in 2022). So finde ich es gelungen und stilvoll. Entsprechend habe ich auch meinen Toast am Black Tot Day 2020 mit diesem Rum gemacht – wer ihn anschauen will, kann dies hier tun, und mit mir mit einem Glas dieses schönen Rums anstoßen; zumindest virtuell.

Offenlegung: Ich danke Kirsch Import für die kosten- und bedingungslose Zusendung einer Flasche dieses Rums.

Bier am Freitag – Brasserie Larché Sans Peur Red Sour, Smoked Ale und Triple Oaked

Viele Hersteller suchen sich eine Geschichte, um dem Käufer mit der alten Methode des Storytelling das Produkt schmackhaft zu machen. Die Brasserie Larché hat sich dafür in ihrer Heimatregion, der Bourgogne, bedient, und den Burgunderfürst Jean sans Peur (deutsch Johann Ohnefurcht) als Paten für ihre Biere ausgesucht. Tatsächlich ist dieser furchtlose Johann mit Hopfen geschichtlich verbunden, er regte den Anbau der Pflanze als Ausgleich für den Verlust des Tuchmacherrechts an. „Bière robuste française“ steht auf dem Etikett des Sans Peur Red Sour, Smoked Ale und Triple Oaked, da freut man sich als Bierverkoster ja schon – besonders, da meine Erfahrungen mit französischem Bier nicht übermäßig begeisternd verlaufen sind. Geben wir den Burgundern eine Chance, Wein können sie ja zumindest schonmal, vielleicht klappts auch mit dem Hopfen!

Brasserie Larché Sans Peur Red Sour, Smoked Ale und Triple Oaked

Vollkommen blickdicht ist das Sans Peur Red Sour nach dem Eingießen, durch die Hefe. Man sieht beim Eingießen auch kleine Hefeflocken. An der Glaswand erkennt man trotzdem die sehr starke Perlage, die den dicken Schaum speist, der eher großblasig und beigefarben auf dem haselnussfarbenen Bier liegt – also eher nussbraun als rot, aber das lassen wir mal beiseite. Die Nase hat eine interessante Mischung aus erschnupperbarer Säure und erdig-malziger Würze: Zitronenzeste und -saft, milder Essig und Joghurt trifft auf Brot, Blumenerde und Christstollen. Leichte Kirsch- und Aprikosenaromen ergänzen das. Gar nicht unkomplex, im Gegenteil, mir gefällt das schonmal soweit sehr.

Brasserie Larché Sans Peur Red Sour

Dass es ein Sauerbier ist bleibt dann bei der Geschmacksprobe ohne Zweifel. Limettige Säure, starksaurer grüner Apfel, etwas Sauerkirsche und auch milder Apfelessig sind da als erste Impressionen, unterfüttert mit gerstig-malzigem Körper. Erkennbar nussig, im Verlauf sogar als dominierenden Eindruck, wenn die Säure abgeklungen etwas ist, was doch lange dauert. Die Textur ist leicht, das Mundgefühl herb und trocken – kein Bier für den, der gern unanspruchsvolle Lagerbiere trinkt. Im langen Abgang klingt dann ganz stark Amontilladoartige Nussaromatik nach. Mit zunehmender Trinktemperatur kommt die Süße stärker zum Vorschein (Zucker als Inhaltsstoff ist angegeben), und eine fast radicchioartige Bittere – auch das finde ich gar nicht übel.

7% Alkoholgehalt machen sich auch gut, ich bin sehr positiv überrascht! Auch wenn es nicht unbedingt rot ist, ist das ein wuchtiges, charakterstarkes und komplexes Sauerbier, das wirklich überzeugt.


Da hat das Sans Peur Smoked Ale, als nächster Verkostungskandidat, direkt etwas Vertrauensvorsprung geschenkt bekommen. 8% Alkoholgehalt, mit geräuchertem Malz eingebraut, ich erwarte hier irgendwas zwischen einer Rauchbombe wie dem Bamberger Schlenkerla und einem nur sehr mildgeräuchten Maisel & Friends Smoky IPA. Vor dem Eingießen drehe ich die Flasche sanft, denn ich habe Hefeablagerungen gesehen, die sich etwas auflösen sollen. Dann landet ein volltrübes Bier im Glas, haselnussbraun, mit feinem Schaum, der sich auch etwas hält.

Brasserie Larché Sans Peur Smoked Ale

Geruchlich schwanke ich immer noch zwischen den Extremen, da ist wirklich etwas Räucherspeck, vielleicht sogar -fisch und kalte Holzkohle. Gelockert wird das durch eine zitronige Komponente, und etwas Orange, also durchaus etwas frisch. Im Mund kommt dann erstmal der Speck fett nach vorne, nicht extrem und überwältigend, aber klar das ganze Bier definierend, mehr noch als die eher mittel ausgeprägte Rauchigkeit. Die Zitrusfrucht ist ebenso da, mehr als kitzelnder, leicht astringierender Effekt, man spürt die Säure mehr, als dass man Zitronenaromen schmeckt. Sehr frisch und hell vom Eindruck, die Textur wirkt angenehm, aber nicht wirklich dick. Aromatisch ist neben dem Speck nur wenig da, nach der initialen Attacke kommt praktisch nichts mehr, und schnell löst sich auch jeder weitere Eindruck. Hier wird das Bier bitter und wirkt fast wässrig. Etwas Wintergrün bleibt am Ende noch, wenn die Rauchnoten verschwunden sind.

Hm, ja, das ist als Rauchbier interessant, weil die Rauchigkeit zunächst sehr elegant eingebunden wird; leider fehlt außer dem etwas, was den Gaumen danach noch beschäftigen könnte. Die Säure wirkt übertrieben, macht das ganze Bier doch sehr unrund und mäßig komponiert. Mit zunehmender Trinktemperatur wird das ganze noch schlimmer – ich mag das Bier dann leider überhaupt nicht mehr.


Auf dem Etikett findet sich kein Hinweis darauf, was die „Dreifacheichung“ des Sans Peur Triple Oaked genau bedeutet, ich konnte hier auch nur raten, dass drei Holzarten oder drei Reifungsperioden gemeint sind, irgendwie ist das nicht zufriedenstellend, insbesondere, wenn man dann nach Recherche herausfinden muss, dass es ein „Tripel“ ist (9% Alkoholgehalt passen dazu), das mit Holzchips veredelt wird. Also nix mit „Dreifacheiche“, semantisch ist das irgendwie grenzwertig für mich.

Kräftige Schaumentwicklung begrüßt uns beim Eingießen des Biers, das dann leicht getrübt mit leuchtendem Kupferton im Glas steht. Mousseux ist fein vorhanden, langsam steigen winzige Perlchen auf und füttern die gemischtblasige Blume. In der Nase finden sich zunächst klassische Biernoten eines Hellen – Hefe, Getreide, leichtes Metall. Anflüge von hopfiger Frucht kommen dazu, Grapefruit, Orangenzeste. Eine Idee von kaltem Rauch oder Holzkohle, aber wirklich nur eine Idee.

Brasserie Larché Sans Peur Triple Oaked

Geschmacklich entdecke ich eine Melange aus Pale Ale und Hellem, knackige Säure spielt von Beginn an mit und definiert das Bier immer mehr, besonders im Abgang, wo es fast schon limettig wirkt. Das Mundgefühl ist angenehm, nicht wirklich cremig, aber zumindest initial kurz davor. Im Vergleich zum Verkostungsvorgänger ist auch hier diese ungezähmte, wilde Säure da, ähnlich derb, insbesondere im Finish. Frisch und rezent, sehr als Essensbegleiter geeignet, denke ich – als Genussbier ist aber auch dieses zu unrund, viel zuviel ungebundene Säure, harte Bittere, zuviel Metall, ganz sicher viel zuwenig Komplexität für das Versprechen der Eichenholzreifung. Trinkbar und erfrischend, aber auch nicht mehr. Von diesem hatte ich mir am meisten erwartet, darum ist die Enttäuschung auch am größten.


Hatte ich beim Red Sour die Säure noch gelobt und für gut befunden, stelle ich fest, dass die Brauerei einfach diesen Aspekt nicht im Griff hat und sie auf alle Biere überträgt – egal, ob es passt, oder nicht. Für ein Sauerbier ist es in Ordnung, für die anderen Bierstile schlichtweg nicht, sie sind übersäuert und kantig. Darum bleibe ich beim Red Sour, auch wenn die Erfahrung mir zeigt, dass es selbst dort wahrscheinlich nicht die Handwerkskunst ist, sondern, ohne den Brauern allzusehr auf den Schlips treten zu wollen, banal ein durchgängiger Braufehler.

Menschen und Whisky – Belgian Owl Single Cask Whisky Cask Strength

Er ist ein Hansdampf in allen Gassen. Als ich Ulric Nijs vor einigen Jahren kennenlernte, war er Brand Ambassador für eine auch in Deutschland bekannte Rummarke aus Mauritius und der Experte in Europa für Baijiu – dies war auch unser Anknüpfungspunkt, da ich damals verzweifelt nach Informationen und Samples für die chinesische Spirituose suchte. Seitdem haben wir uns, ich hoffe ich übertreibe hier nicht, zu echten Freunden entwickelt, und ich bin jedesmal baff, wenn ich weitere Details über seinen Werdegang erfahre. Als Bar-Consultant und aus einer Diplomatenfamilie stammend war er überall auf der Welt unterwegs, vom Libanon bis Japan und sonst überall, ist Fotograf, Zigarrenkenner, unglaublich engagierter alleinerziehender Vater und natürlich Juror bei diversen Spirituosenwettbewerben, und dort treffen wir uns auch regelmäßig.

Neulich, beim Juli-Tasting des Internationalen Spirituosenwettbewerbs (ISW) in Neustadt an der Weinstraße, hat er für mich offiziell das nächste Kapitel seines eh schon so langen Lebenslaufs aufgeschlagen – er ist nun Brand Ambassador für The Belgian Owl, der belgischen Whiskybrennerei in der Region Hesbaye, in der Nähe von Liège. Und er hatte in dieser Tätigkeit eine Flasche für mich im Reisegepäck, die er abends stolz auf den Tisch stellte – den Belgian Owl Single Cask Whisky Cask Strength (auch bekannt unter dem Codenamen „Intense“). Abgefüllt wird dieser ungetorfte Whisky mit 73,4%, so wie er aus dem First-fill-Bourbon-Fass kommt, in dem er 45 Monate reifte. Ungefärbt, nicht kaltgefiltert, das Handwerk und die Provenance wird hier durch nichts gestört.

Belgian Owl Single Cask Whisky Cask Strength

Ein leicht blasses Bernstein ist im Glas zu sehen, wenn man die Flüssigkeit aus der beeindruckenden Flasche, deren Korken beim Ziehen ein sehr befriedigendes „plopp“ macht, ausgegossen hat. Eine ehrliche Farbe für das Alter und den Holzeinsatz, finde ich. Leichte Viskosität spürt man dazu beim Schwenken, die Beine sind überraschend dünn, laufen aber sehr langsam ab.

Riechen wir erstmal an der puren, unverdünnten Flüssigkeit, wie sie aus dem Fass kommt. Auch nach etwas Offenstehzeit ist da deutliches Pieksen in der Nase, man muss vorsichtig sein und den Riechkolben nicht zu tief ins Glas halten. Dann findet man schnell Fruchtnoten und Getreidecharakteristik, nicht überwältigend, eher dezent und elegant. Orangenzeste, Kandiszucker, Brioche und Honig schälen sich heraus, minimal Karamell und Vanille. Ich gebe eine halbe Pipette Wasser hinzu, und würzigere Noten entwickeln sich, Leder, milder, heller Tabak, und eine feine Zitronennote. Mit und ohne Wasser, der Duft ist sehr zurückhaltend und ätherisch.

Belgian Owl Single Cask Whisky Cask Strength Glas

Im Mund passiert dann etwas ganz anderes, der Whisky expandiert von der leichten Nase ausgehend ganz enorm, eine grandiose Textur legt sich auf den ganzen Gaumen und wärmt ihn vor für das, was kommt. Sowohl in Breite als auch Tiefe ausgeprägt, ein richtig schönes Volumen in allen Dimensionen, dazu initial süß und rund, aber schon hier mit Kraft. Im Verlauf dehnt sich der Belgian Owl dann immer weiter aus, in weichen Kurven, ohne jede Kante, über die man stolpern könnte, dazu die Würze, die sich langsam entwickelt, mit angebranntem Zucker, leicht gerösteten Mandeln, Ahornsirup, Apfelsaft und getrockneten Früchten. Dabei haben wir noch eine sehr attraktive, nie astringierende Trockenheit, die die Süße ausgleicht und zusammen mit feuriger Würze das Mundgefühl am Ende bestimmt – eine perfekte Süßtrocken-Balance. Sowohl von der Wärme als auch von den Aromen her bleibt der Whisky lange bei uns, ein leichtes, angenehmes Kribbeln ist noch Minuten später da, die fruchtig-süßen Geschmäcker klingen sehr langsam ab, ohne jeden Fehlton am Ende, mit minimalsten Kaffee- und Holztönen ganz am Ende.

Ein sehr beeindruckender Whisky, das muss ich sagen, der besonders durch die harte Diskrepanz zwischen Nase und Gaumen überrascht. Das mag nicht hundertprozentig linear balanciert sein, ja, doch der extrem lange Nachhall und das wunderbare Mundgefühl überzeugen mich völlig, insbesondere, wenn man die Reifedauer betrachtet, für so einen jungen Whisky ist das schon gefällig. Dennoch kein Whisky für den Schnupperer, sondern einer für den Lutscher.


Im The Hearing Trumpet geschieht etwas, was ich an gut rezeptierten Cocktails sehr schätze – die Zutaten gehen geschmacklich und strukturell ineinander über, alle sind noch irgendwie erkennbar, aber nicht mehr klar abgrenzbar. Ein schönes, rundes Gesamtbild entsteht. Der Belgian Owl Cask Strength tut wirklich gute Dienste dazu – mit ihm macht der Drink besonders Spaß, finde ich.

The Hearing Trumpet Cocktail


The Hearing Trumpet
1¼oz / 40ml Scotch Whisky
¾oz / 23ml Cardamaro
½oz / 15ml Swedish Punsch
½oz / 15ml Campari
2 Spritzer Mole Bitters
Auf Eis rühren. Auf frisches Eis abseihen. Mit Orangenzeste dekorieren.

[Rezept nach cocktailvirginslut]


Sowohl haptisch als auch optisch ist das neue Flaschendesign ein Knüller – die Flasche ist zwar nur 50cl groß (etwas, was ich sehr unterstütze, ich finde, der halbe Liter sollte überall der Standard für Spirituosenflaschen werden!), wirkt dafür aber extrem schwer und hochwertig. Das Gefieder der Eule als Maskottchen und Namensgeber ist im Glasmuster repräsentiert, und düster starrt sie den Betrachter auch auf dem wertigen Etikett an. Das angenehme Geräusch, das der Korken beim Heraus- und Hineindrehen macht, hatte ich ja schon erwähnt. Ein rundum gelungenes Reboot der Marke!


Der Belgian Owl ist vielleicht mit der schottischste Whisky, den man außerhalb Schottlands bekommen kann – kein Wunder, wenn man Etienne Bouillon und seine Brennerei kennt. Ich durfte ihn 2021 besuchen, mit Spirits Selection by Concours Mondial de Bruxelles. Seitdem haben wir uns öfters gesehen und etwas kennengelernt, er ist ein zurückhaltender Mensch, eher einer, der die leisen Töne bevorzugt, aber klare Ideen hat und diese mit beeindruckender Konsequenz umsetzt. So hat er den Coup gelandet, die Brennblasen der stillgelegten schottischen Destillerie Caperdonich zu erwerben und nach Hesbaye bei Liège zu überführen, wo sie in einer malerisch gelegenen Landschaft, aus der auch die gesamten Basismaterialien für den Whisky herkommen, eine neue Heimat gefunden haben.

Doch hier wird nicht einfach ein erfolgreiches Geschäftsmodell kopiert – ein eigener Brunnen, eigene Ideen und faire Verträge mit den umliegenden Bauern für das nachhaltig angebaute Getreide machen den Belgian Owl zu einem wahrhaft lokalen Produkt mit sehr starkem regionalen Bezug, die schottischen Stills geben dabei eher die Stoßrichtung vor, welche Stilistik hier gepflegt werden soll. Kein Wunder, Bouillons Ausbildung zum Brenner fand bei Bruichladdich unter Jim McEwan statt, und ich finde, er führt dieses Erbe verantwortungsvoll und mit Vision fort. Ich freue mich schon jetzt sehr auf das nächste Treffen mit ihm und mit Ulric – ich empfinde es als absolute Bereicherung meines Lebens, diese beiden Personen zu kennen, und es lässt mich ihre Produkte noch mehr wertschätzen und verstehen. Spirituosen auf dieser Qualitätsebene sind mit den Menschen, die sie machen, engstens verbunden, und beim Belgian Owl spürt man das in jeder Sekunde.

Offenlegung: Ich danke Belgian Owl für die kosten- und bedingungslose Bereitstellung einer Flasche dieses Whiskies.

Bier am Freitag – Brouwerij Van Steenberge Piraat und Piraat Triple Hop

Neulich erst hatte ich bei einer Besprechung zu Rums aus Guadeloupe am Rande erwähnt, wie beliebt Segelschiffe auf Etiketten sind – und das bezieht sich offensichtlich nicht rein auf Rums, die ja eine historische Beziehung zu Schiffen haben, sondern auch auf Biere. Sowohl beim Brouwerij Van Steenberge Piraat als auch beim Piraat Triple Hop finden sich große Segelschiffe auf Etikett und Kronkorken. Natürlich ist dies durch den Produktnamen inspiriert, ein Pirat ohne Schiff ist ja eigentlich nur ein Straßenräuber. Die belgische Brauerei Van Steenberge hat eine Menge Marken im Angebot, darunter auch das von mir bereits besprochene Bornem, und verschiedene Varianten der Marke Gulden Draak. Die gefallen mir eigentlich ganz gut – da geht man mit gutem Gefühl in die Verkostung der zwei Piraat-Fassungen.

Brouwerij Van Steenberge Piraat und Piraat Triple Hop

Beim Eingießen des Brouwerij Van Steenberge Piraat muss man darauf achten, dass das Bier ordentlich Schaum entwickelt, ich hatte ein paar der Flaschen auch Gushing. Ist man diesbezüglich vorsichtig, bleibt der großblasige Schaum eine ganze Weile als wunderbare Blume auf dem rotblonden, opalisierenden Bier erhalten. Starkes Mousseux hält es am Leben. Geruchlich braucht man gar nicht viel suchen, da ist nur wenig; leichte süßliche Malzigkeit, etwas Hopfen, ganz dezente Floralität, man benötigt aber insbesondere bei der für belgische Biere dieser Art üblich sehr niedrigen Trinktemperatur doch etwas Fantasie, um die Nase zu beschäftigen.

Piraat Belgisches Abteibier

Im Mund dagegen – wow, das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Da expandiert das Bier völlig unerwartet ganz enorm, füllt den ganzen Gaumen aus, mit einer richtig fetten, schweren Textur, die man fast beißen muss, insbesondere durch die viele Luft, die durch die tolle Karbonisierung mitzukauen ist. Malzig süß, hopfig mildbitter, knackig sauer, auch wieder schön blumig und mit lang anhaltendem, wirklich faszinierend aktivem Mundgefühl – ein Bier, das mehr über die Struktur wirkt als über Aromen, und das in ganz hervorragend ausgearbeiteter Form. Es ist trotz der schweren Wuchtigkeit frisch und rezent, hinterlässt im sehr langen Abgang tolle Getreidenoten und eine angenehme süßsaure Bittere; auch hier, der Effekt ist beeindruckend.

Wahnsinn, mir gefällt das echt ganz außerordentlich gut, auch wenn aromatisch da nur wenig Spannung erzeugt wird und man die 10,5% Alkoholgehalt ehrlicherweise doch hin und wieder leicht störend durchschmeckt – doch dieses Bier hat andere Qualitäten in so großem Umfang, da verzeihe ich viele Dinge, die ich anderen Bieren als Schwäche ankreiden würden. Hier wären noch mehr Eindrücke kaum mehr auszuhalten: Das Piraat ist schön gekühlt im Sommer eines meiner Lieblingsbiere, ohne jede Frage.


Brouwerij Van Steenberge Piraat Triple Hop

Optisch ist das Piraat Triple Hop nur leicht anders – schönes Kupfer, opalisierend trüb, mit mittlerer Schaumentwicklung beim Eingießen. Sehr feiner Schaum, der schnell zusammenfällt – ein paar Millimeter bleiben aber sehr lang erhalten, die ganze Bieroberfläche ist dauerhaft bedeckt. Bei Gegenlicht ist viel Perlage erkennbar. Drei Hopfensorten sind namensgebend, aber so richtig erriechbar ist das nicht – es wirkt nicht übermäßig gehopft in der Nase, das kommt nicht an ein Pale Ale oder gar ein IPA heran, auch wenn ein kaltes Hopfenstopfen erfolgt. Da sind milde Fruchtnoten, sowohl in die tropisch-süßliche, als auch in die limettig-säuerliche Richtung. Darunter eine leicht metallische Note, mit nur Anflügen von Malzigkeit. Insgesamt ein sensorisch zurückhaltendes Bier, was die Nase angeht.

Im Mund ist der Hopfen deutlicher zu spüren, insbesondere im Vergleich mit dem „normalen“ Piraat aus derselben Brauerei. Ich mag die süße Schwere des originalen Piraat sehr, das Triple Hop wirkt dagegen etwas leichter und frischer, auch wenn man die Basis doch wiedererkennt. Süß, aromatisch, fette Textur – das ist einfach ein tolles Bier, auch in der herberen Version. Tatsächlich spürt man die Hopfung im Verlauf immer stärker, Herbe und Zitrustöne arbeiten sich nach vorne, auch wenn die Schwere des Biers immer erhalten bleibt, mit den gleichen 10,5% Alkoholgehalt ist dies auch zu erwarten. Der Abgang ist eher kurz, hier klingt noch leichte Blumigkeit auch aus dem Hopfen nach, ein Ticken Adstringenz setzt ein, die Edelherbe zeigt sich ausgeprägter.


Brouwerij Van Steenberge Piraat Gestapelt

Erneut zwei großartige belgische Biere, Piraat ist wie gesagt schnell einer meiner Lieblingsbelgier geworden, in beiden Varianten, einfach weil es so wuchtig und fett daherkommt wie kaum ein zweites. Da hat man wirklich was im Mund – nicht ein Bier für immer, aber zwischendurch darf der Pirat ruhig bei mir Anker werfen. Mich hat das Piraat wirklich so geflasht, als ich es das erste Mal getrunken habe, dass ich dann schnell alle Lidl-Filialen abgeklappert und alles, was ich davon kriegen konnte, mitgenommen habe. Scheinbar war es auch keine völlig einmalige Aktion, ein paar Monate später tauchte es wieder in den praktischen Vierertragerln in diversen Filialen des Discounters auf – erneut habe ich üppig zugeschlagen. Man achte bei derartigen Mengenkäufen nur darauf, dass die Flaschen seltsamerweise mit einem 25ct-Einwegpfand versehen sind, und nicht jeder Getränkemarkt sie zurücknimmt.

Alter schützt vor Rumliebe nicht – Reimonenq Cœur de Chauffe, Rhum Ambré, Rhum Vieux und JR Cuvée Spéciale

Im Juni 2022 konnte ich einen langgehegten Traum wahr werden lassen – die Besichtigung von Destillerien für rhum agricole. Nicht eine, nein, 9 Brennereien wurden uns als Juroren des internationalen Spirituosenwettbewerbs Spirits Selection by Concours Mondial de Bruxelles vorgeführt, der dieses Jahr auf der französischen Antilleninsel Guadeloupe stattfand. Wie üblich war an den 5 Tagen am Vormittag für die angereisten 120 Jurymitglieder die Arbeit angesetzt, mit der Verkostung, Bewertung und Prämierung von über 2000 eingesandten Produkten aus aller Welt, und am Nachmittag der Besuch bei den Brennern auf ganz Guadeloupe. Damoiseau, Bielle, Bellevue, Père Labat, Bologne, Montebello, Longueteau und Papa Rouyo waren die ersten Stationen, und am letzten Tag fuhren wir noch an die Nordspitze von Basse-Terre zur Distillerie Reimonenq.

Über den Ort selbst erzähle ich am Ende noch etwas, hier soll es zunächst einmal um den Rum gehen, den die Familie Reimonenq seit über 100 Jahren in Sainte-Rose herstellt. Das Zuckerrohr kommt frisch geerntet von den Feldern in der Umgebung, wird, im Gegensatz zu vielen anderen Brennereien auf der Insel, dann nicht schlicht auf den Hofboden, sondern direkt vom Traktoranhänger auf ein Förderband gekippt, das das Rohr sofort in die Mühlen schiebt. Vesou und Bagasse werden getrennt, und der Vesou landet in großen, offenen Gärbottichen (eine gute, schnelle Reaktion hat verhindert, dass mein Hut durch einen kurzen Windstoß im Tank gelandet ist und mit zu Rum verarbeitet wurde). Nach der Fermentation wird in einer kleinen Säule destilliert, und, je nach Produkt, noch eine Reifung im Fass gemacht. Das Grundsortiment der Brennerei habe ich mir im angeschlossenen Hoflädchen in knuffigen, kleinen 20cl-Flachmännern zugelegt, und es ist für mich ein wahres Vergnügen, meinen Lesern nun diese Rums von dieser besonderen Familie auf dieser besonderen Insel vorstellen zu können: den ungereiften Reimonenq Cœur de Chauffe, den leicht gereiften Rhum Ambré, den älteren Rhum Vieux und das „geliebte Baby“ des Inhabers Léopold Reimonenq (so seine Nichte, die uns herumführte), den JR Cuvée Spéciale.

Reimonenq Cœur de Chauffe, Rhum Ambré, Rhum Vieux und JR Cuvée Spéciale

Am Anfang soll natürlich der ungereifte Rum stehen, mit dem alles beginnt, das unverfälschte Produkt, der leicht auf Trinkstärke herabgesetzte Reimonenq Cœur de Chauffe Rhum Blanc Agricole. Kristallklar und deutlich ölig in der Konsistenz ist er, ein Filmteppich bildet sich an der Glaswand, der sich nur träge in Beine aufspaltet und dann langsam abläuft.

Die Nase ist pures, frisch ausgepresstes Zuckerrohr. Ich fühle mich direkt in die Destillerie nach Sainte-Rose versetzt, dort durchdringt dieser Geruch das gesamte Grundstück. Pur, rein, klar, und mit enorm viel Fruchtigkeit von Mango, Litschi, Guaven und etwas Banane; ein tropischer, reifer, duftender Obstkorb. Darunter Ideen von Vanille, Schwefel und ganz spät etwas Lack – so wird das ganze komplex und spannend.

Reimonenq Cœur de Chauffe

Der Antrunk wirkt zunächst leicht und hell, aromatisch im Vergleich zur Nase etwas zurückgenommen. Süße und eine cremige, weiche Textur legen sich erst auf den Gaumen, bevor sich die Aromen dann auffächern; Zuckerrohrsaft, Mango, Guaven, Aprikosen, Vanille, Streuselkuchen und Blancmanger. Trotz der 50% Alkoholgehalt kommt kein Brennen auf, der Cœur de Chauffe bleibt lieblich und sanft, erst spät entwickelt sich Würze, die den Gaumen und die Zunge kitzelt, ohne ihnen weh zu tun. Der Abgang ist mittellang und voller Süßspeiseneindrücke, das Zuckerrohr selbst bleibt immer extrem präsent und klingt noch deutlich süß und geschmackvoll eine ganze Weile nach.

Ein sehr schmeichelnder ungereifter Agricole, süß, mild, dabei aromatisch und strukturell voll und sehr sauber ausgeführt – wer wissen will, wie die Destillerie riecht und das in der Umgebung dort geerntete Zuckerrohr schmeckt, findet hier ein nahezu perfektes Abbild.


Leicht ins Bernsteinfarbene geht das Gold des Reimonenq Rhum Ambré über, das im Glas steht und sich aus den 2 Jahren im Eichenfass im tropischen Klima gebildet hat, und beim Schwenken bildet sich eine Kante, aus der sich Beine formen und ablaufen. Die Nase bekommt direkt eine volle, fette Breitseite ab aus einer krassen Mischung aus Vanille und fruchtigen Kirsch- und Johannisbeerenaromen, dazu Vogelbeeren und etwas leicht Nussiges, leicht parfümiert wirkt das fast, ohne ins künstliche abzugleiten. Ein Anflug von Stein und trockenem Holz kommt dazu, schnuppert man tiefer, ist durchaus auch etwas Ethanol da.

Reimonenq Rhum Ambré

Im Mund wirkt das ganze dann doch weniger aufregend, man spürt hier als erstes eine gewisse Wässrigkeit, wahrscheinlich durchaus aus den doch etwas mageren 40% Alkoholgehalt hervorgegangen. Das betrifft sowohl Körper als auch Aromatik, beide verlieren deutlich gegen die Nase und auch gegen den ungereiften Vorgänger. Stark zurückgenommen am Gaumen, nur noch Anflüge der erschnupperten Aromen (diese aber erkennbar wiederaufnehmend), dafür pikantes Feuer, das nicht so recht mit dem dünnlichen Körper und der schmalen Textur harmoniert. Der Abgang ist dafür dann überraschend lang, mentholisch kühl, mit den parfümierten Beerenaromen, die nun nochmal den Kopf nach oben strecken.

Das ist wenig begeisternd, muss ich sagen, die Nase ist toll, aber mit 45% oder 50% würden wir hier auch geschmacklich über ein ganz anderes Erlebnis sprechen. So bleibt der Reimonenq Ambré doch eher enttäuschend schwachbrüstig, schade. Ehrlicherweise wird er auch als „Spécial Cocktail“ untertitelt, doch selbst für den Einsatz in Mixed Drinks scheint er mir zu schmal.


Immerhin schonmal doppelt so lang ließ man das Destillat für den Reimonenq Rhum Vieux Première Cuvée im Eichenfass liegen. Rein optisch hat sich das nur minimal ausgewirkt, auch hier ist goldener Bernstein vorherrschend. Beim Schwenken sieht man leichte Viskosität, mit attraktivem Glaswandverhalten. Auch in der Nase ist die Ähnlichkeit zum Ambré durchaus naheliegend, die selbe ansprechende Kombination aus leichtem Holz, Vanille, Zimt und fruchtigen Tönen, die zwischen Kirsche und Vogelbeere alternieren. Etwas herber wirkt er im direkten Vergleich, die Eiche, die man kaum sieht, hat geruchlich jedenfalls deutlichere Spuren hinterlassen; das wirkt einen Ticken erwachsener, weniger jungfruchtig, etwas runder, was die Integration der verschiedenen Aromen angeht.

Reimonenq Rhum Vieux Première Cuvée

Auch dieser Rum ist mit 40% Alkoholgehalt abgefüllt, und auch er leidet etwas darunter, doch hier gibt es etwas mehr Körper, eine Idee mehr Würze, so dass das besser ausgeglichen wird. Eine seidige Textur mit ansprechender Süße gefällt mir, und auch, dass im Verlauf der Rum weiter zum Grünen, Grasigen hintendiert, bis er am Ende fast wie Blattwerk im Gewächshaus wirkt, mit Anflügen von Lakritze und einem schönen Eukalyptusnachhall, der zunächst wärmend, kurz darauf dann kühlend wirkt. Dabei kommen die Beeren und die Kirsche immer wieder vor, bei letzterer insbesondere der Kern.

Das macht im Geschmacksbogen Spaß, ein leichter, unterhaltsamer Rum, mit durchaus etwas an Komplexität und Spannung, ohne allerdings ein Niveau zu erreichen, bei dem ich in Begeisterung ausbrechen müsste. Easy-drinking, am Ende doch positiv zu sehen, ich würde den Reimonenq Rhum Vieux trotzdem wirklich lieber gern mit 50% probieren.


Wenn wir zum letzten Exemplar meiner Mitbringsel aus dieser Destillerie kommen, haben wir schon einen recht deutlichen Eindruck davon, dass diese leicht gereiften Rums alle eine gewisse Typizität teilen – etwas, was ich sehr schätze an Brennern. Es bedeutet, dass man ihre Produkte herausriechen und -schmecken kann, das gelingt bei weitem nicht allen Destillerien. Auch der Reimonenq JR Cuvée Spéciale, das wird beim ersten Verkosten direkt klar, hält sich an das Vogelbeer-Vanille-Basisschema. Ein Alter ist diesmal nicht angegeben, es handelt sich um einen Blend, der in, auch das anders zu den besprochenen Vorgängern, in Ex-Bourbon-Fässern gereift wurde. Das Kürzel „JR“ ist eine Homage an Joseph Reimonenq, den Gründer der Brennerei.

Reimonenq JR Cuvée Spéciale

Auch wenn die Nase noch das Muster erkennen lässt, ist sie doch nun deutlicher gedeckt, das Destillat verschwindet fast, lässt etwas von der Fruchtigkeit noch da, aber sehr viel weniger als beim Vieux, beispielsweise. Frisch angeschnittenes Holz ist noch die präsenteste Note, dahinter hört es schon fast auf, schnuppert man tief, kommt das Ethanol zum Vorschein. Geruchlich ein klarer Rückschritt, so leid mir das tut.

Am Gaumen ist die Textur nun voll ausgebaut, im Antrunk macht das richtig Spaß, schöne, runde Süße mit klarer Struktur und echt angenehmen Mundgefühl breitet sich direkt aus. Wir haben hier allerdings auch dann den Höhepunkt erreicht, von hier schlagen die allgemeinen Kritikpunkte (insbesondere natürlich die schon mehrfach angesprochenen, viel zu mageren 40% Alkoholgehalt) voll zu. Das Bourbon-Fass ist weniger charaktervoll als die Fässer, die für die anderen Ausprägungen genutzt wird, sorgt zwar für mehr Weiche, lässt aber automatisch damit weniger Spannung im Endprodukt, und auch wenn sich das leicht und genehm schlürfen lässt, fehlt es schließlich doch an Aromen und Kraft. Tannisches Feuer am Ende mit deutlicher Trockenheit gibt noch etwas Eleganz, doch rettet den Brand nicht komplett. Ein sehr langer, nun doch wieder von Vogelbeere und Vanille getragener Nachhall, lässt mich dann zum Schluss aber doch irgendwie positiv gestimmt zurück.


Für mich ist der ungereifte Rum mit weitem Abstand der beste dieser kleinen Reihe, die natürlich die besonders hochwertigen, mit mehr Aufwand ausgebauten Produkte der Destillerie nicht enthält. Sie werden über kurz oder lang alle in Cocktails landen, wo ihre hohe Typizität und langer Nachhall für Aufsehen sorgen können – ein Beispiel dafür ist der Sargasso, ein Drink, der das Volumen aus Likör und Sherry zieht, und dem Rhum ermöglicht, seine Rolle als Aromengeber voll auszuspielen, ohne sich um diese anderen Themen auch noch kümmern zu müssen.

Sargasso Cocktail

Sargasso
2oz / 60ml gereifter rhum agricole
¾oz / 23ml Oloroso-Sherry
½oz / 15ml Aperol
2 Spritzer Angostura
Auf Eis rühren.

[Rezept nach Don Lee]


Natürlich gibt es alle diese Rums auch in Vollflaschen, mir gefällt es aber grundsätzlich immer sehr, wenn ein Hersteller auch in kleineren Größen abfüllt. Eben durch die 20cl-Flachmänner war es mir möglich, von den 4 Basisprodukten der Brennerei (und, das muss man am Ende als Fazit klar festhalten, genau das sind sie – qualitativ zwar hochwertige Basisprodukte, aber ohne den Anspruch, dem Highend-Connoisseur freudiges Jauchzen zu entlocken) alle mitzunehmen; dort kostet so ein kleines Fläschchen zwischen 4€ und 6€, über das Preisleistungsverhältnis vor Ort braucht man also gar nicht zu diskutieren.


Wer sich fragt, wie so eine Rumbrennerei auf Guadeloupe aussieht und funktioniert, dem gebe ich nun noch ein paar Bilder an die Hand. Natürlich ersetzt das nicht das Erleben, denn insbesondere die Gerüche machen einen Großteil des Eindrucks aus, zumindest ging es mir so, diese Mischung aus Zuckerrohrsaft, Öl, Fermentationsdüften, dem Geruch der Bagasse und der verrottenden, herumliegenden Mangos, der allgegenwärtigen Blüten und gestauter, heißer Luft ist schon einmalig und man vergisst das nicht so schnell. Eine Brennerei in vollem Betrieb macht auch ordentlich Lärm, hauptsächlich durch die Pressung des Zuckerrohrs. In die Destillerie ist auch ein familienfreundliches Rummuseum integriert, in dem man die Geschichte der Herstellung verfolgen kann, und auch Ausstellungsstücke aus diversen Privatsammlungen bewundern kann – von einer riesigen Schmetterlings- und Insektensammlung über Sand aus aller Welt und grandiosen Schiffsmodellen bis hin zu riesigen Tierskulpturen.

Die Brennerei Reimonenq hat sich aber insbesondere durch den Kontakt mit dem Inhaber, Léopold Reimonenq, ein sehr angenehmes Bild in meinem Gedächtnis geschaffen; es war toll, als er, während ich die ganzen verrückten, ausgemusterten und von Pflanzen schon halb überwucherten Gerätschaften auf dem Brennereigelände fotografierte, sich plötzlich neben mich stellte und mir erklärte, wozu die Teile alle mal gut waren – ich habe bestimmt nicht alles hunderprozentig verstanden, doch die Freundlichkeit, der leicht schwarze Humor und die Begeisterung dieses noch so fitten 89-Jährigen haben mich mitgerissen und überzeugt, dass er noch alles voll im Griff hat und genau weiß, was er tut; und dass er den Rum und seine Insel liebt. Es war eine Freude und Ehre, ihm am Ende die Hand zu schütteln.

Ich danke sowohl Herrn Reimonenq als auch Spirits Selection by Concours Mondial de Bruxelles, dass sie mir ermöglicht haben, diese besonderen Orte auf Guadeloupe zu besichtigen und diese unvergesslichen Eindrücke sammeln zu können. Ich wünsche allen Rumfreund*innen, dass sie vielleicht auch einmal in den Genuss kommen, das vor Ort zu sehen, zu riechen und zu fühlen. Denn ein Besuch bei einer solchen Destillerie ist ein synästhetisches Erlebnis, ein Fest für die Sinne, und die Freundlichkeit und Offenheit der Bevölkerung, egal ob nun Brennereibesitzer, Steeldrum-Spieler, Koch oder Busfahrer, ist sehr beeindruckend und hinterlässt darüber hinaus ein gutes Gefühl. Und wenn ich mir ein Glas des Rums der Reimonenqs eingieße, kommt sofort die Erinnerung zurück, und ich schließe genussvoll die Augen und schwelge für ein paar Minuten wieder in Guadeloupe.

Bier am Freitag – DjuDju Beer

Ich mag Fruchtbiere. Das belgische Kriek ist das beste Beispiel dafür, dass so etwas sehr gut funktionieren kann, und die Abwechslung zum klassischen Getreidebier tut der eigenen Erfahrungs- und Sensorikwelt durchaus gut. Nicht, dass im DjuDju Beer kein Getreide vorkommen würde, es ist schon grundsätzlich erstmal basiert auf Gerstenmalz – doch im Brauprozess kommen Früchte zum Einsatz, hier Mango, Ananas, Banane, Passionsfrucht und Palmherzen. Rund 30% des Biers sind tatsächlich der Frucht geschuldet, das ist für mich schon ein ordentlicher Anteil, so dass man es doch abtrennen muss von rein von natürlichen, naturidentischen oder künstlichen Aromastoffen gesteuerten Biermischgetränken. Gebraut wird es in Belgien (die brauen auch alles, die Belgier!) für New Allied African Breweries, Ghana; es ist also ein afrikanisch-europäisches Gemeinschaftsprojekt – so hoffe ich zumindest, denn es ist schwer, hinter dem Priester-Voodoo-Kalebassen-Marketinggeschwafel etwas über den tatsächlich afrikanischen Anteil an dem Bier herauszufinden, außer, dass die Idee daher stammt. Bleiben wir mal optimistisch, dass hier nicht einfach mit Exotik gepunktet werden soll. Die attraktiv gestalteten Flaschen schlagen mit je rund 2,50€ zu Buche, und wir machen jetzt eine nach der anderen auf.

DjuDju Beer

Das erste in der Reihe ist das DjuDju Mango Beer. Auf dem Etikett liest man als Zutaten Mango und Aromen, ich hoffe mehr auf ersteres. Zucker und Stevia werden eingesetzt, also ist der Purist hier wahrscheinlich schon raus – doch das wäre schade, man verpasst was. Kristallklar und nur mit einem dünnen Schaumkranz versehen steht das Bier im Glas. Es wirkt Safrangelb, mit leichter Blässe, man sieht Mousseux aufsteigen.

DjuDju Mango Beer

Der Geruch ist schonmal sehr angenehm, die Mischung aus Mangofrucht und Bieraromen ist wirklich sehr gelungen. Man ahnt schon, dass es nicht nur künstliche Aromen sind, die hier arbeiten, die süßlich-tropische Note ist klar präsent, kombiniert mit klassischen Getreideaspekten eines Hellen.

Im Mund fühle ich ähnliches – ja, da ist eine etwas künstliche Süße, die vom Zucker und vom Stevia stammt, aber trotzdem kommt mir das ganze gut komponiert vor. Die Frucht ist sowohl von der Aromatik als auch von der leichten Säure her klar definiert, das Bier zeigt sich durch milde Herbe und frische Rezenz. Der Abgang ist kurz und unspektakulär. Klar ist das kein Genussbier für den Conoisseur, sondern ein Erfrischungsgetränk für den Sommer oder zum Essen, aber den Zweck erfüllt es wirklich gut. Wer einen schönen, ungewöhnlichen Ersatz für ein Radler (3,6% Alkoholgehalt bieten sich dafür auch an) sucht, ist hier genau richtig. Keine Kunst, aber unterhaltsam und easy.


Das erste, was mir beim DjuDju Pineapple Beer begegnet, wenn ich die Flasche öffne, ist nicht die Farbe – die ist goldgelb, leicht blässlich, deutlich trüb – sondern der Ananasduft. Das riecht wirklich sehr angenehm, und beim Einschenken verströmt sich der Geruch übers Glas hinaus. Dabei bildet sich auch etwas Schaum, der aber bald auf eine dünne Flaumschicht zusammenfällt.

DjuDju Pineapple Beer

Wie gesagt, der Geruch ist sehr ananassig, mit weiteren Eindrücken von tropischer Frucht, etwas Litschi, etwas Mango, insgesamt wie ein Fruchtkorb, der schon seine besten Zeiten hinter sich hat und das Obst darin etwas anfängt, weich zu werden. Gar nicht schlimm, so mag ich mein Obst eigentlich am liebsten.

Im Mund sind ähnliche Erinnerungen am Gaumen vorhanden, allerdings aufgefrischt durch die für Ananas typische Fruchtsäure und eine schöne Rezenz. Da man das Bier kalt trinken sollte, kommt dies dem Erfrischungsfaktor auch entgegen. Die Frucht wirkt schon leicht esterig, erinnert entfernt etwas an Starkaroma-Baijiu und weiße Gummibärchen. Weiche Textur dazu, was will man mehr, da der Abgang auch mittellang, lange fruchtig und frisch bleibt.

Gefällt mir sehr gut, erneut nicht als klassisches Bier, sondern als Fruchtbier mit Ananas. Wirklich gut gemacht, es wirkt nicht wie ein aromatisiertes Bier, sondern die Frucht ist natürlich und aromatisch in den Brauprozess eingebunden, das schmeckt man auch heraus, finde ich.


Die nächste Frucht ist die Banane, die sich im DjuDju Banana Beer findet. Blassgold, leicht trüb, sehr viel weniger Schaumentwicklung als bei den bisherigen Varianten des Fruchtbiers, und nur minimale Perlage – so dass nach einer Minute überhaupt kein Schaum mehr da ist.

DjuDju Banana Beer

Die Frucht ist dafür sehr klar erriechbar, eine natürliche Note sehr reifer, wohl schon fast matschig-brauner Bananen, mit Konnotationen von Bananenbrot und Obstkuchen mit Streusel und Sahne. Erneut dominiert diese Frucht das gesamte Geruchsbild.

Geschmacklich fühle ich mich tatsächlich, als ob ich in eine schon arg kompostabile Banane beiße, bei der die Vergärung schon eingesetzt hat und ein gewisser Alkoholgehalt dabei entstanden ist. Bananenaroma, ja, aber mit vergorenen und veresterten Seitentönen und einer irgendwie dazu passenden zitronigen Säure. Plastik und Lavendel klingen da noch mit, das wirkt insgesamt unrund und unsauber. Erst spät kommen Malz und Hopfen noch durch, mit einem Touch Nelke, nur im Abgang merkt man, dass man ein Bier vor sich hat.

Wer hier auf ein süßes Bananensmoothie oder ein Bananenweizen gehofft hat, wird erstaunt sein – das ist immer noch frisch und fruchtig, deutlich zitronig, nur im Ansatz süß, aber irgendwie fühle ich mich dabei, als ob beim Brauen was schiefgegangen ist. Aber wahrscheinlich soll das so sein.


Eine Einschränkung, die ich neulich selbst erst durch die Quizshow „Wer weiß denn sowas“ erlernt habe, gebe ich beim DjuDju Passionfruit Beer direkt wieder: Es ist laut Zutatenliste mit Maracuja gebraut, nicht mit Passionsfrucht, die Maracuja ist eine geschmacklich sehr ähnliche, aber optisch etwas unansehlichere Schwester der Passionsfrucht. Nun, diesen Lapsus machen viele Hersteller (weil die Maracuja billiger ist, natürlich!). Ich sehe eine minimal opalisierende Flüssigkeit im Glas, unabhängig davon, die mit ein wenig Schaum ausgestattet ist.

DjuDju Passionfruit Beer

Geruchlich, ja, da ist dieser archetypische Tropenfruchtgeruch, wie wir ihn seit Kindheit aus diversen Säften kennen. Maracuja, etwas Orange, etwas säuerliche Grapefruit, darunter milde Getreidenoten. Ich mag das, auch wenn es sehr eindimensional ist. Der Geschmack ist dafür etwas vielschichtiger, andere Obstsorten kommen gefühlt dazu (auch wenn sie nicht enthalten sind), noch harte Aprikosen, Nektarinen, ein bisschen Weinbergpfirsich. Die Säure ist hier richtig knackig, gebremst durch eine cremige Textur und zugrundeliegende Fruchtsüße – das ist schon sehr süffig, Getreide kommt spät erst zum Vorschein, im mildbitteren, durchaus langen und leicht astringierenden Abgang.

Sehr angenehm zu trinken, voller tropischer Fruchtgeschmäcker, total unkompliziert aber nicht langweilig – das unterhält so richtig, für die kurze Zeit, die man es trinkt, mit richtig hohem Erfrischungsfaktor.


Zu guter letzt schauen wir uns noch das DjuDju Premium Palm Lager, hergestellt mit Palmherzen und Mais, an. Optisch ist es typisch für ein Lagerbier – helles Ocker, leuchtend und kristallklar, mit einem feinen Schaumflaum aus Blasen verschiedener Größe. Leichte Perlage.

DjuDju Premium Palm Lager

In der Nase wirkt es neutral, eine minimale Malzig- und Getreidigkeit ist das einzige, was auf Bier hindeutet. Ich versuche wirklich mit viel Mühe, etwas zu erschnüffeln, aber da ist einfach nichts. An sich auch nicht ungewöhnlich für ein Lagerbier.

Das Bier beginnt eigentlich erst am Gaumen, sich zu öffnen – geschmacklich hat man ein kräftig herbes, getreidiges, recht trockenes Lager vor sich, mit schöner zitroniger Säure und einem ordentlichen Texturvolumen. Frisch und helltönig, 5,2% Alkoholgehalt machen es zum stärksten des Quintetts, und aromatisch ist es das mit Abstand konventionellste. Ich kenne diverse leichte Lager dieser Art, oft aus Asien, die auch Mais einsetzen, und ein vergleichbares Geschmacksbild bieten. Der Abgang ist sehr kurz, frisch und sauber. Nun, das braucht man nicht unbedingt kennen, es ist aber auch keineswegs schlecht – aromatisch uninteressant, aber von der Frische überzeugend.


Kennengelernt habe ich das DjuDju-Bier im African House in Frankfurt, als ich am Vorabend der Spirituosen-, Wein- und Bierwettbewerbs Frankfurt International Trophy im April 2022 allein durch Bockenheim streifte und die Kulinarik der hessischen Weltstadt ausnutzen wollte; und ich kann das kleine, rustikale und irgendwie authentisch wirkende Restaurant mit oastafrikanischen Spezialitäten vom Horn von Afrika jedem empfehlen.

Neben der Exotik, dass kein Besteck auf dem Tisch zur Verfügung steht und man mit den Fingern isst – naja, eigentlich sind die dünnen afrikanischen Fladenbrote, für mich gefühlt schon eher als Pfannkuchen zu bezeichnen, das Besteck und man nimmt sich mit ihnen die oft sehr soßigen Gerichte auf – wurde mir das DjuDju-Bier in einer Kalebasse serviert. Das hat schon Stil, ich wollte mir eine davon beim Hersteller kaufen, doch die sind ausverkauft. Vielleicht komme ich irgendwann mal dran, denn ich bin mir sicher, dass ich das DjuDju-Bier, wenn die 12 Flaschen, die ich zunächst mal bestellt hatte, leer sind, wird nachgekauft, für den unkomplizierten, leichten aber doch aromatischen Durst zwischendurch. Ein wunderbares Partygetränk übrigens!

Schiffbruch in Südafrika – Leonista Reposado

Die blaue Weber-Agave kam, so sagt es die Legende, im Zuge Kolonisierung und Eroberung der Neuen Welt durch die europäischen Großmächte mehr zufällig nach Südafrika – sie wurde als Ballast für Segelschiffe genutzt, und als das eine oder andere ungewollt strandete, verbreitete sich die Pflanze dort schnell, das Klima ist ja nicht völlig unähnlich. In der ariden Region Karoo hat sich die Agave festgesetzt, und wurde dort schnell zu einer Nutzpflanze, die als unpassierbarer, natürlicher Grundstücksabgrenzer, Tierfutter und für diverse andere Zwecke bis heute wertvolle Dienste leistet.

Und nun ist die Pflanze auch im Auftrag des Genusses unterwegs, die Welt hat großen Durst auf Agavenbrände, und da war es ja auch nur eine Frage der Zeit, dass dieses Potenzial gehoben wird. In der Nähe von Graaff-Reinet wachsen die Agaven für 12 Jahre, werden dort geerntet und zur Verarbeitung in die Nähe von Johannesburg transportiert. 48 Stunden dauert der Kochprozess in einem holzbefeuerten Ofen. Biohefen fermentieren die Maische in Stahltanks, und eine einfache Destillation folgt. Für den hier vorgestellten Leonista Reposado kommt das Destillat dann noch für 3 bis 6 Monate in Eichenholzfässer. Für mich als großen Freund der Überführung von schnöder physischer Form von Materie jeder Art in eine höhere, spirituellere Daseinsform ist das natürlich ein Muss – lange habe ich darauf gewartet, dass die Spirituose in Deutschland erhältlich ist. Nun ist sie da, und ich freue mich auf die Verkostung.

Leonista Reposado

Die Löwin auf dem Etikett schaut mich so eindringlich an, da muss man sich etwas konzentrieren, um den optischen Eindruck der Flüssigkeit hinter ihr zu beschreiben. Farblich passt hier jedenfalls alles zusammen, sowohl vom Vergleich zwischen Design und Farbe, als auch von dem von Alter und Farbe. Das blasse Messing sitzt genau richtig, die Schlierenbildung beim langsamen Schwenken tut ihr Übriges.

In der Nase finde ich als allerersten Eindruck den Geruch von Kaffeepulver, leicht oxidiert, als wenn es schon eine Weile offensteht. Insgesamt sehr vegetal und pflanzlich-erdig; feuchte Erde, Agavenfleisch, feuchtes Holz, nasses Laub. Irgendwie nicht so recht zum Wüstenklima passend, mit all den feuchten Eindrücken, aber jedenfalls spannend und ungewöhnlich, und sich bereits hier deutlich vom mexikanischen Vorbild emanzipierend. Das könnte man blind aber dennoch durchaus für einen Tequila halten, da will ich nicht drumherumreden. Ich mag diese holzig-harzige Art jedenfalls, und den Unterschied, den die Weberagave in Südafrika scheinbar doch etwas eigen macht im Vergleich zu der in Mexiko.

Leonista Reposado Glas

Im Mund geht es ähnlich weiter, man schmeckt deutlich die Agave, da gibt es kein Herumdeuten, mit schöner unterschwelliger Fruchtsüße und einer gewissen Mineralität, die an Steine und salziges Brackwasser erinnert, weniger an die Algen, die ich sonst oft damit assoziiere. Milde Aprikosen kommen dazu, etwas Zwetschgen. Im Verlauf kommt dann deutliche Würze auf, schwarzer Pfeffer, etwas Chili, das auch den Gaumen kitzelt und langanhaltend reizt; der Alkoholgehalt von 43% ist es jedenfalls nicht, der wirkt sauber eingebunden. Deutliche Bittere entsteht dann, die ganz besonders im langen Abgang im Rachen und an den Mandeln spürbar wird, und in einer nicht unerheblichen Astringenz, ohne wirklich trocken zu wirken. Sehr holzig, harzig und erdig klingt der Leonista Reposado dann aus, mit Erinnerungen an Kümmel – ein wirklich spannender Geschmacksbogen, der viele Eindrücke aufsammelt und subtil anbietet.

Ich will eine Spirituose eigentlich eigenständig beschreiben, und nicht nur dauernd im Vergleich zu einer anderen – hier muss man aber irgendwie auf Tequila verweisen, nicht ganz so mild und klar wie die meisten, die ich kenne, sondern eher herb, bitter und fast schon rauchig, mit viel Holzcharakter. Ein Tequila mit Twist, so könnte man das sagen; ich muss jedenfalls anerkennen, das das sich sehr interessant trinkt und auch genug aromatisch eigenständig ist, dass man den Vergleich zu Mexiko gar nicht unbedingt immer ziehen müsste.


Als Cocktailempfehlung habe ich dennoch nach Referenzen für andere Agavenbrände gesucht, der Markt für Rezepte ist bezüglich Agavendestillaten einfach schon sehr auf ein Land konzentriert. Der Squeaky Wheel würde eigentlich gern Mezcal in sich sehen, doch mir dem Leonista Reposado hat man diese schöne, holzige Bittere, die gerade in Kombination mit Campari einen wirklich herben Drink erzeugt – und dabei dennoch süßsüffig bleibt.

Squeaky Wheel Cocktail

Squeaky Wheel
5/6oz / 25ml Mezcal
1oz / 30ml Campari
¾oz / 23ml Kaffeelikör
¼oz / 7ml Amaretto
2 Spritzer Angostura Bitters
Auf Eis rühren. Mit Orangenzeste absprühen.

[Rezept nach Nicolas Bennett]


Einen ersten Eindruck des Designs hatte ich ja schon bei der Beschreibung der Optik mitgegeben, da macht man alles richtig, finde ich – breitschultrige, gedrungene Flasche in Apothekerform, geschickt platzierte Etiketten in hochwertiger Gestaltung, dazu ein toller Kontrast mit dem schwarzen Geschenkkarton.


Es gibt, wie in der Einleitung angedeutet, eine gewisse historische Verbindung zwischen den Agaven Mexikos und Südafrikas, daher bin ich etwas entspannter, wenn für einen eigentlich afrikanisches Destillat so viele spanische Begriffe verwendet werden, die dort normalerweise keine Grundlage hätten – der Vorwurf des Mitreitens auf einem Erfolgsmodell der Mezcaleros und Tequilabrenner und der Unterwanderung einer geschützten geografischen Angabe hätte aber meiner Meinung nach durchaus vermieden werden können, wenn die Hersteller konsequent das afrikanische Element betont hätten, statt sich so sehr mit den ureigenen Ideen der mittelamerikanischen Konkurrenten zu schmücken, oder sich auf sozialen Medien arg in die Tequila-spezifischen Feste und Ereignisse einzuklinken. Ich hoffe auf ein Umdenken diesbezüglich; der Brand selbst kann was und sollte gerade darum seine eigene Natur und geografische Umgebung als Vermarktungskriterium stärker in den Fokus rücken.

Die Hersteller versuchen jedenfalls immerhin, ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufzuziehen, und pflanzen für jede geerntete Agave drei neue an. Blätter und Fasern der Agaven werden als Dünger und Tierfutter „upcycled“, und ein Teil des Gewinns wird für regionale Naturerhaltungsmaßnahmen gespendet. Eine Biozertifizierung ist auch vorhanden. Ein grundsätzliches Verständnis für die Spirituosenethik ist daher definitiv schon da, was mich positiv stimmt.

Ich bin also leicht zwiespältig gespannt, wie sich das Projekt weiterentwickelt. Den ungereiften Leonista habe ich auf meiner Wunschliste, und ich blicke neugierig auch auf den noch ein paar Monate länger gereiften Leonista Reposado Black. Man hat noch was auf der Pfanne in Südafrika, und es ist kein gegrilltes Löwenfleisch.

Bier am Freitag – The Thirsty Fox Mauritian Craft Beer Amber Ale und Pale Ale

Neulich hatte ich einen Rum aus Mauritius, der Insel im indischen Ozean, besprochen. Dort wird schon lange Rum hergestellt, eine Tradition, das Handwerk ist eingeübt und die Materialien erprobt. Doch die Familie Oxenham ruht sich darauf nicht aus, man probiert auch vergleichsweise ungewöhnliche Wege – wie das Brauen von Craftbier. Bier trinkt man ja praktisch überall auf der Welt, warum also nicht auch auf Mauritius. Dafür wurde 2019 die Oxenham Craft Brewery als weitere Tochtergesellschaft gegründet, man ist also noch recht frisch im Biergeschäft. Die hier vorgestellten The Thirsty Fox Mauritian Craft Beer Amber Ale und Pale Ale sind beide mit 5% eingebraut – mal schauen, was die Mauritianer bierbezüglich können.

The Thirsty Fox Mauritian Craft Beer Amber Ale und Pale Ale

Das The Thirsty Fox Mauritian Craft Beer Pale Ale kommt mir schon fast etwas dunkel vor für ein Pale Ale, das die Bleiche ja schon im Namen trägt. Wir nähern uns dem Terracotta, die starke Trübung unterstützt das noch. Schaum muss man bei einem Ale oft suchen, hier ist immerhin eine hübsche Glasrandtonsur aus großen Blasen vorhanden, die sich lange hält. Die Nase ist sehr fruchtig, klar vom Hopfen dominiert, dabei nicht kratzig, sondern eher dunkelsüß, was zur Optik irgendwie passt. Eindrücke von Cola, Ananas und reifen Guaven, gar nicht unangenehm, etwas marmeladig schon. Milde Hefigkeit und etwas Getreidewürze kommen danach noch dazu.

The Thirsty Fox Mauritian Craft Beer Pale Ale

Sehr analog zu den erschnupperten Aromen verhält das Ale sich am Gaumen, weich, sehr mild, sehr fruchtig zunächst, was sich im Verlauf dann etwas wandelt, Hefe kommt stark nach vorn und eine sanfte, getreidige Trockenheit und milde Herbe (20 IBU) setzen ein, ohne dabei wirklich hart bitter oder kantig zu werden – eine Grundsüße bleibt beständig erhalten. Dicke Textur und starke Karbonisierung machen ein tolles Mundgefühl, allein, es fehlt zunächst etwas an Spritzigkeit und Rezenz, doch im mittellangen Abgang kümmert sich dann etwas Säure darum, das aufzulockern; 100%ig rund wirkt es dabei dann, ehrlicherweise, nicht.

Ein unterhaltsames Bier, für seinen Bierstil vielleicht etwas zu zurückhaltend, aber mit schöner Frucht und gleichzeitig hoher Biertypizität ausgestattet – besonders letzteres weiß ich nach all den Hopfenbomben, die kaum mehr nach Bier schmecken, zu schätzen.


The Thirsty Fox Mauritian Craft Beer Amber Ale ist noch deutlich dunkler, geht irgendwo zwischen gebrannter Siena und Haselnuss ins Glas, volltrüb und mit nur leichter Schaumentwicklung. Erschnuppern kann man minimalst röstiges, karamelliges Malz, und eine weiche, volle Fruchtkomponente aus Pflaumen, Datteln und Feigen. Gar nicht unangenehm, muss ich sagen, und es drängt sich einem nicht auf.

The Thirsty Fox Mauritian Craft Beer Amber Ale

Diese beschriebenen Seiten finde ich dann auch im Mund, leicht röstig und nussig, definitiv vom Malz eher getrieben als vom Hopfen, dann nur ansatzweise fruchtig, auch hier wieder die schwereren, süßeren Früchte. Dabei wird das Amber Ale aber nie wirklich selbst schwer, gute Rezenz, kräftige Säure und schöne Karbonisierung machen das Bier trotz Farbe sehr erfrischend. Wie schon beim Pale Ale ist da eine gewisse Schalheit, die aus Mangel an Körper entsteht, auch wenn das Mundgefühl wieder angenehm ist, mit etwas an Prickeligkeit. Der Abgang ist mittellang, hier nun klar nussig und malzig, vergleichsweise trocken und herb (16 IBU) – sehr schön, wie lange die Röstnoten nachklingen.


Zwei schöne Biere, man merkt ihnen zwar in ein paar Details etwas an, dass hier vor wenigen Jahren erst begonnen wurde mit dem Brauen, doch dafür schlagen sie sich wirklich respektabel. Da sich beide Exemplare bereits dem Ende der empfohlenen Trinkhaltbarkeit näherten, und doch einiges an Kilometern an Transport auf dem Buckel haben, möchte ich auch dies mit in die Bewertung miteinbeziehen. Mit etwas mehr Erfahrung wird das richtig tolles Bier werden, da bin ich mir sicher, und ich wäre gespannt auf frisches Bier direkt vor Ort! Mal schauen, ob das mal machbar wird.

Offenlegung: Ich danke FFL -RUM Brands- für die kosten- und bedingungslose Zusendung je einer Flasche dieses Biers.

Altmodische Farben – Hampden Estate Gold Rum

Neulich, bei meiner Besprechung des Saint James Royal Ambré, habe ich mich zu Beginn darüber ausgelassen, dass das Wort „Ambré“ eigentlich aus der Zeit gefallen ist, und dass man heutzutage Rum nicht mehr über die Farbe klassifiziert. Nun hier das Äquivalent dazu, aus dem englischsprachigen Raum – der Hampden Estate Gold Rum. Ich vermute, dass diese Art der Beschreibung nicht wirklich kleinzukriegen ist, dazu haben sich sowohl uninformierte Konsumenten als auch bequeme Hersteller zu sehr daran gewöhnt. Viele der aktuell neu auf den Markt kommenden Produkte von namhaften Herstellern versuchen, sich davon zu lösen und sich lieber an handfestere Kriterien, wie echten oder zumindest kategorisierenden Altersangaben, zu halten. Es wird noch ein weiter Weg sein für uns Freunde der Transparenz. Bis dahin geben wir dem Hampden Estate Gold Rum aber einfach mal eine Chance im Glas.

Hampden Gold Jamaican Rum

Die Farbe ist blasser Bernstein, wirkt etwas strohig – das zugefügte E150a dient zumindest nicht dazu, den Rum 20 Jahre alt wirken zu lassen (ein Alter ist nicht angegeben, er ist vermutlich irgendwo um die 2 oder 3 Jahre alt). Eine leichte Viskosität sorgt für Schwere im Glas beim Schwenken; die Beine, die dadurch entstehen, laufen schnell und dick ab.

Der Geruch ist natürlich sehr jamaica-typisch, das kennt man von Hampden nicht anders. Wir haben hier aber keinen Hochesterrum vor uns, daher ist die Säure zurückgenommen, die verrottende Frucht ebenso. Die Ananas und die Banane, die ich hier rieche, ist höchstens schon dunkelbraun, nicht matschig. Darüber liegt eine starke Getreidenote, etwas feuchter Karton, frisch abgelutschte Kirsch- und zerstoßene Aprikosenkerne. Etwas Ethanol scheint durch.

Der Antrunk ist süßlich und erstmal etwas überraschend flach. Frucht übernimmt nun schon, im Verlauf kommt viel Schokolade und Kakao dazu. Etwas Nuss, Cashew- oder Walnuss. 40% Alkoholgehalt sind gut eingebunden, allerdings fühlt sich dieser Rum doch arg verdünnt und schwachbrüstig an. Mir fehlt es einfach an Breite und Tiefe.

Hampden Gold Glas

Der Abgang ist sehr süß, mildfruchtig, ausgesprochen schokoladig. Buttrig und gleichzeitig minzig, ganz zum Schluss kommt etwas kaltes Feuer auf, das aber nur am Gaumen für Kühlung sorgt und nicht bis in den Magen. Erneut kommt etwas Getreidiges vor, und ein Eisenton. Etwas kurz und schmal, insbesondere für das, was man aktuell von Hampden erwartet.

Ein einfacher Rum, solide, aber ohne große Spannung und Komplexität. Ein Basisprodukt, das als Mixrum eingesetzt werden kann, wenn das Rezept nach „Jamaica-Rum“ verlangt, man aber nicht die Kanonen auspacken will. Wie im Allie Elizabeth Sleeping, wo die kleine Dosis an Rum nicht die gesamte Aromatik übernehmen, sondern nur einen Schuss Exotik erzeugen soll.

Allie Elizabeth Sleeping


Allie Elizabeth Sleeping
1 oz PX Sherry
¾ oz trockener Wermut
½ oz Jamaikanischer Rum
½ oz Mezcal
3  Spritzer Orange Bitters
Auf Eis rühren.

[Rezept nach Sean Muller]


Das ungewöhnliche an diesem Rum ist unter anderem auch die „halbe“ Flasche – für mich immer etwas Positives, denn so probiert man einfach mal aus und hat nicht die große Flasche ewig offen stehen. Selbst die kleine Flasche ist nun seit 3 Jahren bei mir im Regal, man sieht, es gibt nicht wirklich viel Grund für mich, sie bevorzugt auszupacken. Ich werde sie jetzt zeitnah dennoch für Cocktails leeren, denn besser werden offene Flaschen nur extrem selten. Wer einen einfachen Rum mit etwas Jamaica-Charakter sucht, mag hier zugreifen; in der heutigen Zeit gibt es aber eigentlich genug attraktivere Alternativen, sei es von Hampden selbst, oder von Worthy Park oder Appleton.