Geschenkbier am Freitag – Birra Eja Bionda

Seit 15 Jahren wird bei Birra Lara (manchmal auch Birrifico Lara oder sogar Microbirrifico Lara genannt) in Tartenia in Ostsardinien Bier gebraut. Hört sich nach einer eigentlich recht überschaubaren Zeit an, im Vergleich zu vielen Traditionsbrauereien, doch jedenfalls ist damit klar, dass es sich nicht um ein Hipsterstartup handelt, das nur für ein einzelnes Experimentalbier gegründet wurde. 15 Jahre überlebt man in der Branche nur, wenn das Produkt, das man herstellt, was taugt. Holen wir uns das mit 4,7% eingebraute untergärige Lager Birra Eja Bionda ins Glas, um das zu überprüfen.

Birra Eja Bionda

Das erste, was nach dem Eingießen auffällt, ist die enorme Perlage – da steigen gefühlt Millionen winzigster Bläschen in rasantem Tempo nach oben, in dieser Form sehe ich das selten; vielleicht eine Folge der unpasteurisierten Flaschenreifung. Der Schaum gefällt ebenso, sehr üppig, feinporig und langlebig. Die Farbe des Biers ist blassocker, man erkennt eine schöne Trübung, weil das Bier ungefiltert ist.

Das eingesetzte sardische Gerstenmalz dominiert die Nase zunächst, dazu ist es etwas hopfig, aber eher bitterhopfig, vorsichtige Steinfrucht kommt dazu. Bei der empfohlenen Trinktemperatur von 6-8°C schafft sonst nicht viel Aroma den Sprung in den Riechkolben.

Würzig, leicht salzig, sehr voll für ein Lager – das sind die ersten Eindrücke. Die Salzigkeit gefällt mir sehr, und nimmt im Verlauf sogar noch zu. Getreide dominiert den Geschmack, das wirkt klassisch und rund. 35 IBU sind gut gewählt und sorgen für ordentliche, aber nicht übertriebene Bittere. 4,7% Alkoholgehalt erzeugen dazu einen schönen Körper, der vielleicht einen Ticken zu stumpf für die Vorfreude der Optik ist. Der Abgang ist kurz, hefig und passt sich in das restliche Bild ein, mit mittlerer Rezenz.

Auch dieses Bier aus der Brauerei Lara wurde mir als Geschenk eines freundlichen Lesers meines Blogs zugesandt. Wahrscheinlich hätte ich es sonst nie probieren können, und umso dankbarer bin ich Uwe dafür, denn  wie schon das Eja Rossa ist auch das Eja Bionda ein tolles Lager, mit eigenem Charakter und Stil.

Königliche Knolle – King’s Ginger Liqueur

Früher war es ein beliebtes Mittel des Marketings vieler Hersteller, ihre hochprozentigen Produkte als gesundheitsförderlich zu bewerben. Magenbitter sollten bei der Verdauung helfen, Kräuterliköre dem allgemeinen Wohlbefinden dienen, und Bier und Wein sind ja heute noch im Ruf, neben dem Effekt auch lebensverlängernd zu wirken. Das allermeiste davon ist heute wissenschaftlich wiederlegt, Alkohol als solcher ist nun mal einfach ein Gift und unvorsichtig konsumiert auch ein Suchtmittel. Laut EU-Verordnung ist heutzutage nun auch verboten, irgendein Produkt, das Alkohol enthält, mit Gesundheitsangaben jedweder Form zu versehen.

Das bedeutet nicht, dass ein Ingwerlikör wie der King’s Ginger nicht trotzdem noch ein paar der höchst wohltuenden Eigenschaften der Ingwerknolle aufweisen könnte. Zumindest glaubte der englische König Edward VII. wohl fest daran, denn er ließ wohl den holländischen Likör regelmäßig als Tonikum auftischen. Zumindest laut Etikett, Legenden aus diesen Quellen ist im Normalfall wenig zu trauen, da es aber eine nette, unkomplizierte Geschichte ist, lasse ich das mal so stehen. Was aber sicher feststeht: auch heute wird der Likör noch in Holland für Berry Bros & Rudd, London, produziert. Gießen wir uns ein paar Tropfen des königlichen Genusses ein.

King’s Ginger Liqueur

Blasser Mais, etwas strohig. Eine leichte Trübung durch winzige, schwebende Partikel – bei einem Ingwerlikör könnte ich mir vorstellen, dass das so gehört. Beim Schwenken entsteht ein durchgängiger Film an der Glaswand, der an der Oberkante sich in Beine auffranst, die aber beim Ablaufen wieder zu einem Teppich zusammenfließen, erst nach einer Weile trennt sich dieser Film wieder in einzelne Fäden.

Die Nase ist direkt pikant, einerseits vom dominierenden Ingwer, als auch von der kräftigen Alkoholstärke von 41%, für einen Likör recht üppig gewählt. Gleichzeitig kommt eine milde Zitrusnote in Richtung Orangenschale dazu. Der für ein Säulendestillat typische Ethanolgeruch entsteht, das deutet auf das Basisdestillat hin. Letztlich muss man aber sagen – da ist ordentlich Ingwer drin, sowohl frisch geschnittene Wurzel, als auch deren Schale.

King’s Ginger Liqueur Glas

Natürlich beginnt der King’s Ginger extrem süß im Antrunk, ein Likör muss schließlich per Gesetz mindestens 100g/L Zucker aufweisen. Das merkt man hier im gesamten Verlauf. Ingwerschale steigt allerdings schnell als Aromatik ein, mit der auch schon gerochenen, leicht bitteren Orangenschale. Sehr rund und vollkörperig, dabei jedoch helltönig. Im Abgang entsteht dann tatsächlich etwas Ingwerschärfe, die die Zungenspitze leicht zum Kitzeln bringt. Eine gewisse Heunote lässt den Likör am Ende ausklingen.

Ich kann mir vorstellen, dass das als Digestif auf Eis seinen Charme hat – die Ingweraromatik ist stark ausgeprägt, und wer das mag, der sollte es mal probieren. Für mich persönlich ist es aber mehr eine Cocktailzutat, die in überraschend vielen Drinks ihren Einsatz finden kann, mehr als viele andere Liköre jedenfalls. Der Eva Perón ist ein Longdrink, bei dem die Ingwerkomponente sowohl von Likör als auch von Ingwerbier unterfüttert wird; doppelt hält besser.

Eva Perón Cocktail


Eva Perón
1 oz Fernet
1 oz Roter Wermut
1 oz Ingwerlikör
1 oz Limettensaft
1 oz Ingwerbier

[Rezept nach Darren Crowford]


Für mich ist der King’s Ginger im Fazit mein Go-To, was Ingwerlikör angeht, aufgrund der starken Aromatik und des tollen Alkoholgehalts; viele andere Produkte sind oft eher in Richtung 25% verortet, was für mich gerade in der Mixologie einen durchaus deutlichen Unterschied macht. Dazu macht sich die schwarze, komplett ummantelte 500ml-Flasche auch sehr hübsch in der Heimbar, mit dem elaborierten Etikett hat man auch immer was zu erzählen für interessierte Gäste. Diese freuen sich sicherlich aber auch neben der netten Anekdote auch über einen ungewöhnlichen Digestif nach einem schönen Essen; man muss wahrhaft kein König sein, um das wertschätzen zu können.

Bier am Freitag – Hops Brewing Franzmann’s No. 1 Lager

In letzter Zeit habe ich mich gefühlt etwas von superaromatischen, starkgehopften Bieren abgewendet, naja, das ist übertrieben, aber ich hatte doch eher Interesse an leichteren Bieren, klassisch gebraut, ohne übermäßige Hopfung und Blabla, was heutzutage scheinbar auch bei traditionellen Brauereien dazugehört. Es fällt mir dabei immer deutlicher auf, dass die Grenze zwischen Bierstilen doch fließend ist. So habe ich mit dem Hops Brewing Franzmann’s No. 1 Lager ein deutlich gehopftes und gemalztes Lagerbier vor mir, das nicht ins typische Schema passt. Mit Pilsner-, Cara– und Münchner Malz als Basis sowie den Hopfensorten Perle, Saphir, Simcoe und Cascade als Aromahopfung hat dieses Bier nur noch wenig zu tun mit einem eher dünnfeinen Pale Lager, was die meisten wahrscheinlich mit diesem Stil verbinden.

Hops Brewing Franzmann's No. 1 Lager

Farblich ein gut getrübter Bernstein. Wie so oft sieht man hier schöner Schaum beim Eingießen, der aber danach ziemlich schnell weg ist. Kaum Perlage. Der eingesetzte Hopfen kommt sensorisch voll zum Tragen, sehr hopfenfruchtig, das Lager riecht wie ein Pale Ale. Johannisbeeren, Ananas, Pfirsich.

Auch beim Geschmack denkt man zunächst: Pale Ale. Die Cremigkeit, der Körper, die Fruchtigkeit, die Bitterkeit – alles ist da. Mittlere Rezenz, gute Frische. Knackige Bittere mit 30 IBU. Leichter Fehlton nach Weichspüler. Gute Relation von zurückhaltender Süße und dominanter Säure. 5,9% Alkoholgehalt sind für den Stil üppig und geben Körper. Erst im durchaus langen Abgang kommt dann eine trockene, klare, frische Komponente dazu, die sich abhebt. Leichte Rauchigkeit, ein vorsichtiges Gefühl von Menthol. Eine Säuregefühl verbleibt.

Das Franzmann’s No. 1 ist für mich ein sehr spannendes Lagerbier, das ich gern in einer Verkostungsreihe mit anderen Lagerstilen probieren würde (hier natürlich am aromatischen Ende, im krassen Kontrast zu einem typischen Pale Lager beispielsweise), rein um die Breite dieser Ausprägung der Bierbrauerkunst zu demonstrieren.

Il brandy che crea un’atmosfera – Vecchia Romagna Brandy Etichetta Nera

Ein spontaner Besuch bei meinen Eltern, nur wenig Handgepäck mitgenommen, und schon hat man die Probleme – da will man Abends als Spirituosenfreund nach dem Essen einen kleinen Drink nehmen, und die Eltern haben praktisch nichts im Haus. Da noch etwas Zeit ist, springt man schnell in den Supermarkt, im Dorf gibt es halt keinen Fachhändler für Hochprozentiges, und schaut sich durch die Regale voller Zeug, das man schon kennt und deswegen nicht kaufen will. Eine aufwändig gestaltete Flasche fängt das Auge, sie landet im Korb, und schon wird der Abend italienisch, mit dem Vecchia Romagna Brandy Etichetta Nera.

Der italienische Weinbrand hat eine überraschend lange Geschichte, seit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts wird das Hauptprodukt der Distilleria Giovanni Buton aus der norditalienischen Region Emilia Romagna unter diesem Namen vertrieben – sehr erfolgreich, 2018 war er der meistverkaufte Brandy Italiens. Hergestellt wird er aus Trauben der Rebsorte Trebbiano. Der fermentierte Wein dieser Trauben wird zum Teil in Kolonnenbrennapparaten, zum Teil in charentaiser Brennblasen destilliert, um dann für 3 Jahre in Eichenfässern zu reifen, und schließlich in einem Blend zu landen. Hat der Vecchia Romagna nun das Potenzial, einem Spirituosenfreund den Abend zu retten?

Vecchia Romagna Brandy Etichetta Nera

Die Farbe ist zwischen Safran und Kupfer, viele orangefarbene Reflexe hellen etwas auf. An der Glaswand bilden sich dicke Schlieren, die langsam in einzelne Beinchen zerfallen und dann gemächlich ablaufen.

Viel Frucht riecht man, wenn man an der „alten Romagna“ schnuppert. Trauben, Rosinen, Orange, Kirschen. Zusammen mit der süßlichen Note ergibt das eine Idee von Fruchtkaugummi. Milde Blumigkeit ergänzt das ganze zu einem runden Aroma, das eher einem Cognac ähnelt als einem spanischen Brandy. Früher wurde dieser Brandy wohl deshalb auch als „Cognac Buton“ vermarktet, was heute natürlich aufgrund der Schutzgesetze nicht mehr möglich ist.

Der Antrunk ist ähnlichsüßlich, fruchtig, wie es die Nase schon andeutet. Leichte Holzreifungstöne, Vanille, Zimt, meint man schmecken zu können. Im Verlauf kommt vorsichtige Würze auf, allerdings entsteht dabei nur wenig Körper – die doch niedrig angesetzten 38% schaffen nicht, viel Spannung aufzubauen: ein angenehmes Mundgefühl, aber viel zu wässrig wirkend, um wirklich zu begeistern.

Vecchia Romagna Etichetta Nera Glas

Das ist auch mit Abstand der größte Mangel an diesem Weinbrand: zur Ehrenrettung muss ich sagen, dass ich mir vorstellen könnte, dass er mit 43% sehr attraktiv werden würde. So bleibt kaum etwas übrig, wenn er den Mund verlassen hat, denn der Abgang ist kurz und unspektakulär, leicht trocken, mildherb. Der Nachhall ist immerhin schön blumig, der Fruchtkaugummi wieder, dazu etwas Wintergrün und Jasmin. Insgesamt eher kurz, ein paar Blüten hängen als Nachklang noch eine Weile am Gaumen.

Persönlich habe ich keinen echten Einsatzzweck für diesen italienischen Weinbrand. Zum Purtrinken ist er im Endeffekt zu belanglos, auch wenn er seine Momente hat und mit Blumigkeit punktet; im Cocktail und Longdrink geht er gegen alles, mit dem er vermixt wird, irgendwie unter. Ich setze ihn für diesen Test in einem Betsy Ross ein – die Kombination aus Weinbrand und Port hat einen besonderen Charme, und hier kann der Vecchia Romagna immerhin seine Floralität schön zeigen.

Betsy Ross Cocktail


Betsy Ross
1½ oz Weinbrand
1½ oz Ruby Portwein
½ oz Triple Sec
2 Spritzer Aromatic Bitters
Auf Eis rühren.
[Rezept nach unbekannt]


Etwas Besonderes ist jedenfalls die Flasche – höchstgradig unpraktisch in der Handhabung, doch hübsch anzusehen mit der dreieckigen Form und den abgerundeten Kanten. Sehr aufwändig hergestellt; bei einem Einkaufspreis von rund 13€ fragt man sich aber schon, ob man nicht ein paar der Euro, die allein in die Flasche fließen, nicht für ein paar Prozente mehr an Alkoholgehalt besser investiert gewesen wären. Nun, so hart es klingt, alles in allem macht das Gesamtbild die Vecchia Romagna zu einem anspruchslosen Supermarktmassenprodukt, das man kaufen kann, aber nichts verpasst, wenn man es im Regal stehen lässt; der Werbespruch „il brandy che crea un’atmosfera„, den ich für den Titel ausgewählt habe, zog vielleicht noch damals in den 60ern. Für ein paar Euro mehr bekommt man den Asbach Privatbrand, der eine ähnliche Richtung in Bezug auf die Aromatik einschlägt, dem Italiener aber in jeder Beziehung weit überlegen ist.

Geschenkbier am Freitag – Birra Eja Rossa

Manchmal schafft man es, mich zu überraschen – das Paket, das unerwartet auftauchte und 4 Biere aus Sardinien beinhaltete, gehört dazu. Ein Leser meines Blogs hat mir dieses höchsterfreuliche Geschenk gemacht, und gerade, weil derartige lokale Spezialitäten in Deutschland nur extrem schwer zu bekommen sind, ist die Freude noch größer. Ich fühle mich sehr geehrt, dass meine Artikel zu Bier und Spirituosen soviel Freude bei meinen Lesern schaffen, dass ich derart beschenkt werde.

Natürlich wird dieses Bier dann auch direkt probiert. Nach zwei Nächten der Kühlung und Ruhe beginne ich mit dem Birra Eja Rossa, einem obergärigen Rotbier. Das Etikett sagt, dass es sich um „Birra Agricola Vera“, also echtes Landbier, handelt, was auch immer das bedeuten mag. Es ist unfiltriert und nicht pasteurisiert – Zeichen von Handarbeit und Mühe.

Birra Eja Rossa

Schauen wir uns es an. Haselnussbraun, volltrüb bis zur kompletten Blickdichte. Eindeutig erkennbar als unfiltriert; Sedimente, die auf dem Rücketikett erwähnt werden, konnte ich aber nicht feststellen. Extrem starke Schaumentwicklung beim Eingießen, der Drittelliter braucht einige Minuten und mehrere Schritte, bis er vollständig im Glas gelandet ist. Dann sackt der großblasige Schaum nach einiger Zeit in sich zusammen, bleibt aber lange erhalten. Geruchlich gibt es sehr viel weniger zu erwähnen – leichtes Malz, etwas Rost, ein Hauch von Hefe.

Der Antrunk ist bereits sehr cremig, dieses fette Mundgefühl setzt sich im gesamten Verlauf auch so fort. Eher zum Säuerlichen hin tendierend, ohne aber wirklich kantig zu werden. Der grundsätzlich malzige Geschmack wird dadurch aufgefangen. Milde Hopfung bringt leichte Fruchtaromen, und eine deutliche Herbe, die gegen Ende auch astringierend wird und die Zungenseiten belegt. Sehr frisch, rezent und leicht wirkend, trotz der 6,5% Alkoholgehalt. Der Abgang ist mittellang, etwas blumig, mildfruchtig und dann doch vom Hopfen beherrscht.

Ein sehr hübsches Bier, ausgewogen, voll und richtig gut erfrischend. Das gefällt mir, im Gegensatz zu dem etwas billig wirkenden Etikett, sehr; da bin ich auf die weiteren Sorten, die schon im Kühlschrank liegen, gespannt. Vielen Dank, Uwe, für dieses unerwartete und sehr erfreuliche Geschenk!

Personalwechsel – Mount Gay Eclipse Barbados Rum

Es ist immer ein Zeitenwandel, wenn sich der Master Distiller bei einer Brennerei ändert. Meist geschieht dies einfach aus Altersgründen; eine neue Generation wagt sich an die alten Traditionen. Auf der Karibikinsel Barbados bei Mount Gay, der ältesten noch aktiven Rumbrennerei der Welt (gegründet 1703), ist so ein Schritt natürlich um so auffälliger. Trudiann Branker folgt 2020 dem langjährigen Vorgänger, Allen Smith, der seit 2010 diese Rolle innehatte. Ein erster Schritt von ihr war, einige der Blendrezepte leicht zu verändern, um Ihre eigenen Ideen von bajanischem Rum zu verwirklichen. Dazu gehört dann natürlich auch das Redesign der Flaschen und Etiketten.

Ein davon betroffener Rum ist der Mount Gay Eclipse. Man sieht hier auf meinen Fotos, dass ich noch die alte Flasche habe; die neue weist ein anderes Etikett auf. Dort wird der Eclipse dann auch als Heritage Blend bezeichnet, was auch immer das bedeuten mag. Alle meine Kommentare beziehen sich hiermit leider auch auf den alten Blend, und da es noch eine ganze Weile dauern wird, bis die vorhandenen Vorräte bei europäischen Händlern verbraucht und durch die neue Version ersetzt sind, ist es wohl auch noch in Ordnung, hier meine Meinung zum alten Eclipse wiederzugeben.

Mount Gay Eclipse Barbados Rum

Die Farbe ist blassgolden, im Glas noch deutlich blasser als in der Flasche, deutet schon auf wenig Fassreife hin – es handelt sich entsprechend auch um einen Blend mit unspezifiziertem Alter. Persönlich würde ich auf eine Reifungsdauer von maximal 3 Jahren tippen. Im Glas schwenkt sich der Eclipse mittelschwer, eine Öligkeit ist erkennbar, die sich dann auch in einem Film mit schnell ablaufenden Beinchen an der Glaswand bemerkbar macht. Die Nase wirkt süßlich, wenn man sich über die doch recht zwickende Ethanolkomponente gearbeitet hat. Getreidig, fruchtig, mit dieser Wodkanote, die viele leichte Rums aufweisen. Auch wenn dieser Blend ausschließlich aus Pot-Still-Destillaten besteht, erinnert er mich doch an säulendestillierte Rums aus Kuba.

Im Mund zeigt sich der Eclipse zunächst weich und süß, sich schnell über alle Flächen im Mundraum legend. Leichte Vanille, etwas Backgewürze, milde, reife Banane. Im Verlauf wandelt er sich aber schnell, bildet eine leichte Pfeffrigkeit aus und parallel dazu gleichzeitig ein gewisses Alkoholfeuer. Die eher mäßig eingebundenen 40% Alkoholgehalt zeigen, dass hier eher ein Massenprodukt in die Flasche gefüllt wurde; wie bei allen Spirituosen tendieren wir modernen Genießer auch bei Rum heutzutage mehr zu erkennbar stärkeren Tropfen, die dann paradoxerweise oft milder im Mund wirken. Voluminös vom Körper her, aber eher schmal in der Aromatik.

Mount Gay Eclipse Glas

Der Abgang ist kurz, leicht rostig-metallisch, immer noch karamelligsüß, dabei aber auch mildbitter mit etwas Trockenheit, die klar macht, dass wir hier ein ungesüßtes Produkt vor uns haben. Der Eindruck, dass man hier einen weißen Rum trinkt, drängt sich von der Aromatik auf. Mit viel weißem Pfeffer und etwas Gras und Heu klingt der Rum am Ende recht warm aus.

Wo setzt man so einen Rum ein? Schwierig. Wer einfach eine klassische Rumcola trinken will, kann den Eclipse sicherlich ohne Probleme dafür nutzen; in Rezepturen allerdings, die einen schweren Rumgeschmack benötigen, wie zum Beispiel die meisten Tiki-Drinks, ist er fehl am Platze, da bringt er einfach nicht genug Power mit. Soll allerdings die Mixtur mit leichten Rumaromen aufgemotzt werden, wie im Paddington, wo die Orangen- und Fruchtkomponente die Hauptrolle spielen soll, ist der Eclipse eine solide, wenn auch zugegebenermaßen etwas unspektakuläre Wahl.

Paddington Cocktail


Paddington
1½ oz leicht gereifter Rum
½ oz Lillet Blanc
½ oz Grapefruit-Saft
½ oz Zitronensaft
1 Teelöffel Orangenmarmelade
Auf Eis shaken.

[Rezept nach David Slope]


Mir gefällt die Flaschenform, breitschultrig und mit einer hübschen Schrift ins Glas eingelassen. Der Blechschraubverschluss ist eine Preisreduktionsmaßnahme, das ist klar, und für einen derartigen Rum auch durchaus akzeptabel, der sollte eh nicht lang im Keller vor sich hin schlummern, sondern zügig getrunken werden. Das Etikett zeigt eine Karte der Insel Barbados, und gibt noch ein paar handfeste geschichtliche und produktionstechnische Hinweise – ich bin dankbar dafür, dass hier nicht auf die bei Rum immer noch so beliebte, abgeschmackte Piratenmasche gesetzt wird.

Ein traditioneller Rum, unprätenziös, unaufgeregt, ehrlich, einfach. Dazu ein vernünftiges Preisleistungsverhältnis. Die Frage bleibt aber dennoch, wer sich diese Flasche zulegen sollte – für die Heimbar als Mischrum eine Wahl, bei der die mageren 40% Alkoholgehalt nicht viel Aroma ins Glas bringen; und wer Rum auch hin und wieder einfach so pur im Glas haben will, dem empfehle ich deutlichst das Upgrade auf den Mount Gay XO aus demselben Hause, da hat man dann doch etwas Feineres zum Schlürfen. Irgendwie bleibt der Tester ratlos zurück, trotz all der Tradition muss man diese spezielle Marke nicht unbedingt haben, finde ich – vielleicht probiere ich den neuen Blend dann aber doch irgendwann mal, um zu vergleichen, ob er sich besser schlägt als dieser hier.

Bier am Freitag – Alpirsbacher Klosterbräu Kloster Starkbier

Der freundliche Brauer möchte seinem Kunden ja ein Bier verkaufen, das ihm zusagt. Wie kommuniziert er das? Tasting Notes, wie die, die ich meinen Lesern zur Verfügung stelle, sind hin und wieder zu sehen auf Etiketten; ab und zu wird auch versucht, den Geschmackseindruck zu quantifizieren. Das Alpirsbacher Klosterbräu Kloster Starkbier hat jedenfalls ein sehr gelungenes Rücketikett mit einer Skaladarstellung des Biercharakters aufgespannt über die Eigenschaften Hopfen, Körper, Farbe und Alkohol – da kriegt man schon vor dem Kauf einen Eindruck, was man später im Glas hat. In diesem Fall liegen alle Werte weit im Bereich des Endes der Skala – stimmt die Beschreibung?

Alpirsbacher Klosterbräu Kloster Starkbier

Bei normalem Draufblicken wirkt das Bier kupferfarben, gegen das Licht gehalten strahlt es in Gold. Sehr interessant, dieser Farbwechsel. Starkes, feinperliges Mousseux ist in beiden Varianten sichtbar – der Schaum ist dadurch feinblasig und ausdauernd. Die Kristallklarheit ist auf dem Foto oben nicht wirklich deutlich, sie ist aber da.

Ich habe das in letzter Zeit häufig – verwöhnt von stark aromagehopften Bieren schnuppere ich gern und bin von „klassischen“ Bieren etwas enttäuscht. Auch hier, das Alpirsbacher ist in der Nase beinahe vollständig neutral; nur eine Idee von Hopfen, das war es aber schon. Im Mund holt es aber ordentlich auf, es ist dort dafür umso vollmundiger – extrem cremig, schwer, voluminös. Wirklich flauschig. Leicht fruchtig, in Richtung Mango und Orange. Mildbitter, aber sehr deutlich zur Süße hin tendierend – ein typischer Doppelbock-Eindruck. Mittlere Rezenz, 7,3% Alkoholgehalt bringen noch Extrakörper. Im Abgang hopfig, etwas herber, dabei aber immer den Gaumen ausfüllend.

Ein schöner heller Bock, süß, cremig, voll. Das trinkt sich verdammt gefällig und süffig, ohne je kompliziert oder übersteigert zu werden. Das werde ich jedesmal, wenn ich es irgendwo sehe, kaufen. Schwarzwälder Braukunst vom Feinsten.

Velare Plosive – Stocki’s Mountaindestillerie Zwetschke im Fass

Velare Plosive, oder auf gut deutsch Hintergaumenverschlusslaute, spielen eine gewichtige Rolle in der heutigen Schnapsvorstellung. Hin und wieder kommt meine Sprachwissenschaftsausbildung zum Vorschein, und mir fallen Dinge auf, die ich bis heute spannend finde. So zum Beispiel der Plosiv: ein Verschlusslaut, bei dem der Luftstrom im Sprachapparat kurz geblockt und dann explosiv wieder freigelassen wird. Jeder kennt die Laute: p, b, g, k, t und d. Es ist lustig, auszuprobieren, mit welchen Körperteilen wir diese Verschlusslaute erzeugen – es gibt welche, die wir mit den Lippen machen (p, b), solche, die mit der Zunge und den Zähnen entstehen (t, d), und schließlich solche, die aus dem Hintergaumen kommen (k, g). Innerhalb dieser Gruppen gibt es dann noch stimmlose und stimmhafte Varianten, die stimmlosen klingen hart, die stimmhaften eher weich (p verglichen mit b). Achtet mal drauf!

Wie komme ich dazu? Im Namen der Stocki’s Mountaindestillerie Zwetschke im Fass taucht der Buchstabe k auf, mit dem wir normalerweise die stimmlose Variante des velaren Plosivs notieren. Im Deutschen sind wir eher gewohnt, das mit dem Buchstaben g zu sehen, der der stimmhaften Version dieses Lauts entspricht. Dummerweise habe ich übersehen, direkt vor Ort nachzufragen, ob es sich um ein rein schriftbildliches Detail handelt, oder ob die Aussprache hier tatsächlich betroffen ist. Gerne frage ich meine österreichischen Leser – ist die Aussprache dieser Steinfrucht tatsächlich stimmlos im Österreich, im Gegensatz zur stimmhaften Aussprache in Deutschland?

Stocki’s Mountaindestillerie Zwetschke im Fass

Unabhängig davon gieße ich mir einfach ein Glas dieses Edelbrands ein. Er wurde im Whiskyfass gereift, und daher sehe ich direkt leuchtendes Terracotta, das Whiskyfass hat ganze Arbeit geleistet. Beim Schwenken bleibt zunächst ein Gesamtfilm an der Glaswand hängen, der sich nur sehr träge in einzelne, dicke Beine aufteilt und dann ebenso gemütlich abläuft.

Tolle, milde Steinfrucht wirkt in der Nase, die Pflaume wird aber direkt von einer sehr süßlichen Vanille eingefangen. Das Gesamtbouquet wird dadurch sehr rund und attraktiv. Neben der Zwetschge entstehen Beinoten von Pfirsich, Aprikose, und etwas Hubbabubba-Fruchtkaugummi. Etwas Lavendel gibt eine florale Komponente dazu.

Sehr kandissüß und schwer ist die Zwetschke im Fass im Antrunk, vollfruchtig nach den eingesetzten Früchten, die Holztöne betonen das ganze noch, und liefern selbst viele Aromen wie Vanille, Zimt und Sahnekaramell dazu. Durch die Kombination kommen Eindrücke von Ahornsirup, gebräunter Butter und Kokosfleisch dazu; kombiniert mit einem öligen Mundgefühl ist das sehr schön gemacht. 40,5% Alkoholgehalt trinken sich sehr charmant.

Stocki’s Mountaindestillerie Zwetschke im Fass Glas

Der Abgang wird leicht würzig, vorsichtig pfeffrig und mit milder Schärfe, ein mittellanger Nachhall nach Frucht und sehr viel Zimt bleibt. Im Gesamtbild ein sehr süffiger, feiner Edelbrand, der mit toller Frucht- und Gewürzaromatik punktet. Das kann man schön vor sich hin schlürfen, am Abend, auf der Couch.

Oder ihn im Mixed Drink einsetzen! Im Plum Cocktail wird die Steinfruchtaromatik noch dadurch verstärkt, dass eine ganze Zwetschge mitverarbeitet wird. Diese bringt auch natürliche Fruchtsüße mit sich, wenn sie schön reif war – ich konnte frische Zwetschgen vom Baum im Garten meines Bruders einsetzen, die ich von einem Heimatausflug mitbrachte. Durch solche Details werden Cocktails oft mit einer besonderen Atmosphäre ausgestattet.

Plum Cocktail


Plum Cocktail
1 entkernte Zwetschge im Shaker gemuddelt
2 oz gereifter Zwetschgenbrand
¼ oz trockener Wermut
¼ oz Zuckersirup
Auf Eis shaken. Doppelt abseihen.

[Rezept nach unbekannt]


Die Bergdestillerie (die eigentlich ja im Tal im österreichischen Leogang liegt, immerhin in direkter Nachbarschaft zum 1800m hohen Asitz) hat ein riesiges Portfolio an Bränden und Likören – abgefüllt wird passend dazu in vielerlei Flaschenform und -größe; die besonderen Brände, wie diese Zwetschge, meist in kleinen knuffigen 350ml-Fläschchen mit praktischem Schraubverschluss. Die Etiketten ordnen ihre Gestaltung der Funktion unter, etwas, was ich niemals kritisieren würde, sehr viel lieber so, als andersrum, auch wenn das auf den ersten Blick nicht unbedingt attraktiv wirkt.

Ich habe noch diverse weitere Produkte dieses interessanten Herstellers zu Hause, über die Zeit wird immer wieder eins als Artikel besprochen werden. Der Urlaub in Leogang sorgt letztlich dafür, dass ich eine besondere Beziehung dazu entwickelt habe. Wer sich also Post-Corona in dem wirklich schönen Urlaubsort rumtreibt, sollte einen Besuch in Stocki’s Mountaindestillerie mit einplanen!

Bier am Freitag – Fürst Wallerstein Landsknecht Dunkles Kellerbier

Als ich neulich die Harburg besichtigt habe (eine absolute Empfehlung für jeden, der sich für mittelalterliche Geschichte interessiert!), war nach der einstündigen Führung ein Mittagessen und ein kleiner Umtrunk angesagt – natürlich dann mit dem lokalen Bier. Die Brauerei der Wahl ist in so einem Umfeld natürlich die, die den Namen der ehemaligen Burgherren weiterträgt; und so gönnt man sich ein Fürst Wallerstein Landsknecht Dunkles Kellerbier. Das Etikett der Bügelflasche passt jedenfalls schonmal wunderbar zur Burgatmosphäre.

Fürst Wallerstein Landsknecht Dunkles Kellerbier

Je nach Blickwinkel schwankt die Farbe zwischen Schwarzbraun und dunklem Nussbraun, auf jeden Fall ist sie sehr dunkel, und dazu bleibt das Kellerbier stiltypisch völlig trüb und blickdicht. Sehr apart ist der harte Kontrast zwischen dem dunklen Körper und dem Crema-Schaum, der auch nach ein paar Minuten noch wenigstens dünn das Bier bedeckt. Kleine Hefeflocken sieht man aufgrund des Kontrasts beim Eingießen tanzen, und am Ende unten im Glas liegen.

In der Nase wirkt der Landsknecht leicht hefig, etwas metallisch, minimal malzig, aber insgesamt eher zum Neutralen hin tendierend. Muss man nicht mehr dazu sagen, da ist sonst nicht viel. Umso überraschender dann der Antrunk – fruchtig, zusammen mit der üppigen Cremigkeit ein aufgrund der Nase sehr unerwartetes Bild. Schnell wechselt das aber hin zu kräftiger, wilder Würze, deutlichem Speckrauch und fetter kohliger Röstung mit Espressopulvertouch. Voll, breit und mit einigen ungewohnten, aber attraktiven Noten. Mit 5,2% eingebraut  bleibt das Bier mildherb, immer frisch. Der Abgang ist lang, unerwartet leicht, süßlich und mit vorsichtiger Säure ausgestattet. Dazu leichte Astringenz.

Ein tolles, unerwartetes Bier, mit Wucht und Komplexität. Ebenso erfreulich ist das Siegel „Bayerisches Bier“, das alle Fürst-Wallerstein-Biere tragen, das auf die geschützte geografische Angabe hinweist. So macht Mittelalter echt Spaß.

Reisegepäck – Jack Daniel’s Single Barrel Rye Tennessee Whiskey

Duty free ist echt nicht mehr das, was es mal war. Gerade in deutschen Flughäfen finde ich in der Spirituosenabteilung eigentlich kaum etwas, was sich lohnt, mitzunehmen – die Preise sind oft nur unwesentlich unterhalb des Onlinehandelpreises, wenn überhaupt, und die Auswahl auch nicht superungewöhnlich, von ein paar „Travel retail only“-Artikeln hier und da mal abgesehen. Dennoch kann ich meist der Versuchung nicht widerstehen, und irgendetwas kommt dann doch mit, insbesondere, wenn es, wie am Flughafen Saarbrücken, die Möglichkeit gibt, vor dem Flug zu kaufen, es an der Informationstheke zu hinterlegen und am Rückflug dann abzuholen.

Auch am Dallas/Fort Worth International Airport sieht das nicht grundsätzlich anders aus. Ich hatte bei meinem Zwischenstop auf der Reise zurück von Santiago de Chile eigentlich auf tolle Bourbon- oder Tequila-Schnäppchen gehofft – sie wurden enttäuscht. Praktisch nichts, was ich nicht schon kannte. Eine Flasche allerdings erregte dann doch auf den zweiten Blick meine Aufmerksamkeit: Der Jack Daniel’s Single Barrel Rye Tennessee Whiskey. Damals, 2017, war der glaube ich noch nicht in Deutschland erhältlich, und die höherwertigen Produkte aus dem Hause Daniel’s finde ich grundsätzlich meist sehr schmackhaft. So macht Reisen dann doch Spaß. Hat es sich gelohnt, ihn ins Reisegepäck zu nehmen?

Jack Daniel's Single Barrel Rye Tennessee Rye Whiskey

Die Farbe ist zwischen Terracotta und Hennarot, mit einem goldenen Reflexbogen. Die Flüssigkeit bewegt sich elegant und mit leichter Schwere im Glas. Beine laufen ohne klare Begrenzung flächig und sehr langsam ab. Auch der Single Barrel Rye kann nicht aus seiner Haut – kaum eine andere amerikanische Whisky-Marke hat ein so klar erkennbares Aromenprofil wie Jack Daniel’s. Die prägnante Bananigkeit ist in allen Ausprägungen deutlich vorhanden, und auch hier dominiert sie das Geruchsbild. Honig und Milchreis, etwas Karamelligkeit, Vanille und ein Anflug von Portwein lenken etwas davon ab und erzeugen eine sehr runde, hochattraktive Nase.

Rye Whiskey sagt man nach, dass er würziger und wilder sei als sein maislastiger Bourbon-Gegenpart – hier spürt man am Antrunk erstmal nichts davon, das ist superweich, cremig, mild und zart. Der Lincoln-County-Prozess, der Tennessee Whiskey mitdefiniert, sorgt für eine Smoothness (ich weiß, das Wort ist verpönt; mir egal, wenn es die Realität gut beschreibt, verwende ich es), die ihresgleichen sucht. Eine gewisse Nussigkeit, Toffee, Butterscotch und milde Frucht zu Beginn, Karamell, Vanille und Tabak im Verlauf, weißer Pfeffer und eine zarte Salzigkeit gegen Ende – hier kommt die Power des Roggen schließlich doch stärker zum Tragen. 47% Alkoholgehalt sorgen für zusätzlichen aber unaufdringlichen Wumms.

Jack Daniel’s Single Barrel Rye Tennessee Whiskey Glas

Der Abgang ist mittellang, etwas eisentonig, feinherb und trocken; dies ist der schwächste Part der Verkostung, denn man spürt, dass dem Single Barrel Rye hier die Luft ausgeht. Dennoch ist die Süße und die den Rachen hinunterlaufende Wärme sehr angenehm, auch hier steht die Drinkability im Vordergrund, auf Kosten der Komplexität.

Ein schöner amerikanischer Whisky, ganz bestimmt, und für mich der beste Tennessee Whiskey, den ich bisher probieren konnte. Hätte er mehr Roggen als 70% in der Mashbill, und mehr Körper am Ende, würde ich ihn noch mehr loben; wäre er etwas vielschichtiger, käme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. So bleibt dennoch ein sehr genehmer, freundlicher und dabei doch charaktervoller Whisky mit Potenzial.

Ein paar Schlucke davon pur genossen, schon fängt das Mixerhirn an, zu rattern. Es ist natürlich nicht schwer, Cocktailrezepte für Bourbon oder Tennessee Whiskey zu finden, diese Brände eignen sich wie kaum ein zweiter perfekt für Drinks. Man mag denken, es sei nur eine kleine Variation auf einen Manhattan, mit etwas Amaro und einem Ticken Maraschino ist der Carroll Gardens aber doch ein ganz eigenständiges Rezept.

Carroll Gardens Cocktail


Carroll Gardens
2 oz Rye Whiskey
½ oz süßer Wermut
½ oz Amaro
1 Teelöffel Maraschino-Likör
Auf Eis rühren. Mit einer Zitronenzeste aromatisieren.

[Rezept nach Joaquín Simó]


Völlig unabhängig vom Inhalt finde ich die Dekanter-Flasche, die man auch vom Single Barrel Select kennt,  grandios. Die eckige, gedrungene Form hat sehr hohen Wiedererkennungswert, und sorgt dafür, dass man sich schon beim Einschenken wohl fühlt – der wahre Genießer hat sowas einfach gern in der Hand. Der wuchtige Holzstöpsel auf dem Echtkorken und der Geschenkkarton in schönem Rostrot (oder ist es Roggenbraun?) tun ihr übriges dazu.

Jack Daniel's Single Barrel Rye Tennessee Rye Whiskey Detail

Und schließlich sind auf der Flaschenhalsbanderole noch ein paar Details abgedruckt, die Fassnummer (schließlich haben wir hier einen Single Barrel vor uns, also eine Flasche, deren Inhalt vollständig nur aus einem Fass stammt – was nicht heißt, dass nur ein Fass für die Reihe herangezogen wurde, wie das bei manch anderen Spirituosen zu lesen ist) und das Abfülldatum, das nur wenige Monate vor meinem Kauf lag. Daher ist so eine Angabe durchaus auch mit Erinnerungen an die lange Reise verbunden, ein Wert für sich.

Wie gesagt, mir liegen die oberen Produktreihen von Jack Daniel’s durchaus, es ist eigentlich nur die Old No. 7, die ich zwar auch nicht schlecht, aber ganz sicher am wenigsten spannend finde. Ich bin jedenfalls im Nachhinein sehr froh, dem unspezifischen Drang nachgegeben, und den Whisky aus den USA mitgebracht zu haben. Inzwischen ist er auch hierzulande verfügbar, wenn auch offenbar mit nur 45% Alkoholgehalt: wer sich für die Produkte der Destillerie begeistern kann, sollte einen Blick riskieren.