Bier am Freitag – Brouwerij Van Steenberge Bornem Dubbel und Tripel

Brouwerij Van Steenberge Bornem Dubbel und Tripel Titel

Mönche und Alkohol, das ist eine uralte Geschichte. Whisky, Kräuterliköre, Wein und vor allem Bier: Die Männer Gottes waren immer schon mehr als interessiert an dem Spiritus Sanktus, der ein bisschen himmlischen Genuss auf Erden versprach. Gerade in Belgien sind die Bierbrüder auch heute noch gern gesehene Gäste im Glas. „Belgisches Abteibier“, so steht es auf den Flaschen des Brouwerij Van Steenberge Bornem Dubbel und Tripel – diese Phrase bedeutet, dass ein Bier in einer Abtei oder nur noch nach Klosterrezept gebraut wurde. Hier handelt es sich um Letzteres, die Abgrenzung zur Unterkategorie des Trappistenbiers ist dann besonders wichtig, denn der Orden der Zisterzienser hat mit der Herstellung dieses Biers nichts mehr zu tun. Ursprünglich hieß es Sint-Bernard Abdijbier Bornem, nach der Sint-Bernardusabdij in Bornem, aber um Verwechslungen mit der gleichnamigen Abtei St. Bernardus in Watou, die auch Bier herstellt, zu vermeiden, wurde es einfach zu „Bornem“ verkürzt. Belgisches Bier geht, egal ob nun in religiösem Umfeld hergestellt oder nicht, finde ich immer, darum zögere ich nicht, die zwei Sorten zu probieren.

Brouwerij Van Steenberge Bornem Dubbel

Zu Beginn das Bornem Dubbel, eingebraut auf schön satte 7,2%, unter der Verwendung von Reis. Mahagonibraun, blickdicht, volltrüb – nur bei Gegenlicht sieht man braunorangen Schimmer im Glas. An der Glaswand erkennt man aufgrund des Kontrastes die winzigen Perlchen, die rasend schnell aufsteigen und den sehr attraktiven, hellcremafarbenen Schaum aus Blasen vieler Größe speisen. Die Nase ist leicht säuerlich, sehr metallisch und erinnert damit deutlich an eine Kiste voller rostiger Stahlnägel. Eine Getreidenote kommt dazu, leichtes Malz. Ein minimaler Anflug von Frucht ist mehr erahn- denn wirklich klar riechbar.

Die Textur ist zunächst das, was bereits beim Antrunk auffällt – sehr cremig, weich und breit. Eine leichte Süße ist nur ganz zu Beginn da, schnell wird sie durch die schon erschnupperte Säure ausgelöscht. Das Bier hält sich aromatisch eher zurück, etwas Getreide ist erkennbar, ansonsten lebt es vom Mundgefühl. Im Verlauf wird es immer trockener, herber, ohne wirklich richtig bitter zu werden – dieser Bogen gefällt mir, er macht das Bier sehr erfrischend und süffig, mit sehr viel Aufstoßpotenzial. Mit einem würzigen Getreidenachhall klingt das Bier recht schnell aus, hauptsächlich die Säureeffekte bleiben noch etwas am Gaumen. Fazit – trinkbar, süffig, aber auch aromatisch und von der Komplexität her eher eindimensional; kein wirkliches Genussbier, mehr ein Durststiller und Gaumenreiniger zum Essen.

Brouwerij Van Steenberge Bornem Tripel

Das Bornem Tripel hat ein helleres Etikett, und entsprechend heller ist es auch im Glas. Das Senfgelb wird durch die Trübung unterstützt. Kleine, vereinzelte Bläschen kann man erkennen. Der Schaum ist, wie auch schon beim Dubbel, nur durch vorsichtiges Eingießen zu kontrollieren, ist am Ende sehr gemischtblasig mit feinen wie auch sehr großen Blasen. In der Nase merkt man deutlich mehr als beim Dubbel den Hopfen, er macht das Bier erkennbar fruchtig, keine IPA-Fruchtexplosion natürlich, aber er macht sich bemerkbar. Deutlich bitter und getreidig, doch mehr riecht man bei der empfohlenen Trinktemperatur von kühlen 8°C nicht.

Im Mund überrascht das Bornem Tripel dann aber doch, mit sehr starker Süße im Antrunk und sehr präsenter, marmeladiger Frucht in Richtung Aprikosen und Pfirsich. Eine richtig fette Textur legt sich auf den Gaumen, das Mundgefühl wird durch eine schönes Wechselspiel zwischen Süße und Säure aufgewertet. Eine kräftige Bittere aus ätherischen Zestenölen kommt dazu, verdrängt zusammen mit der Säure im Verlauf immer mehr den süßen Aspekt, nicht aber die helle Frucht aus Kirschen, Aprikosen und Quitten. Der Abgang wirkt schließlich fast schon trocken, herb, hinterlässt ein leichtes Prickeln am ganzen Gaumen und der Zunge, und einen langen, sehr angenehmen Nachhall aus Gerste und blumiger Kaugummifrucht. Das Tripel kann mich insgesamt sehr viel mehr überzeugen als das Dubbel, da ist Charakter und Spannung drin, etwas, was ich zuvor vermisst hatte. Davon will ich sicherlich mehr – bei 9,0% muss man aber aufpassen.

Die Brouwerij Van Steenberge hat noch andere Marken im Portfolio, die mir persönlich noch mehr zusagen (Piraat ist ein tolles Beispiel dafür), aber für Zwischendurch sind die Bornems ein schöner Zeitvertreib für die Freunde kräftigen Biers.

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.

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