Our Rum & Spirits Guyana 2003 Diamond Titel

Ein Fass ist ein Fass – Our Rum & Spirits Guyana Diamond 2003 12y Single Cask Rum

Neulich hatte ich hier auf meinem Blog mit dem Mount Gay 1703 meinen persönlichen Testsieger des Rum-Club-Adventskalenders 2016 vorgestellt. Ich hatte dezent darauf hingewiesen, dass es drei Proben waren, die mich aus dem Set der 24 Türchen besonders beeindruckt hatten, und entsprechend folgt nun eine Besprechung des Rums, der ihm diesen Titel leicht streitig machen könnte, und nur aus purer Willkür auf dem etwas undankbaren Silberrang gelandet ist – der Our Rum & Spirits Guyana Diamond 2003 12y Single Cask Rum.

Bei Bourbon sieht man oft den Zusatz „Single Barrel“. Dort bedeutet er, dass der Inhalt der Flasche aus einem einzelnen Fass stammt, es also kein Blend aus mehreren Fässern ist. Der Zusatz bedeutet nicht, dass die gesamte Abfüllung nur aus einem Fass stattfand, das wäre bei der Auflage, die viele Single-Barrel-Bourbons haben, auch gar nicht möglich. Bei Rum ist das meist noch anders – ein „Single Cask Rum“ ist eine Einzelfassabfüllung, bei der der Inhalt aller Flaschen aus demselben Fass stammen, und wenn dieses leer ist, ist die Auflage beendet. Sie wird nicht einfach mit einem zweiten Fass fortgeführt; das Wort „single“ ist hier also sehr viel strenger zu interpretieren als bei Bourbon. Ein Fass ist ein Fass, und nicht viele.

Der hier vorliegende Rum wurde also in einer Column Still destilliert, dann in ein Fass gefüllt und zunächst 2 Jahre in den Tropen, im Anschluss weitere 10 in England gelagert (insgesamt Dezember 2003 bis Januar 2016). 216 Flaschen zu je 700ml konnten noch aus Fassnummer 90, nachdem der Durst der Engel gestillt wurde, am Ende in Deutschland gezapft werden, meine Flasche hat die Nummer 28. War es ein gutes Fass?

Our Rum & Spirits Guyana 2003 Diamond Flasche

Man kann der Farbe dieses Rums kaum entgehen – gebrannte Siena, mit tollen Lichtreflexen von Orange bis Gelb. Langsam ablaufende, lange Beine. Erkennbare Viskosität. Wer seine Rums geruchlich gern klar und leicht mag, kriegt hier eine aufs Maul. Pfeifentabak. Leder. Karamell. Toffee. Buttrig und schwer, extrem dicht in der Nase. Eine leicht beißende Alkoholnote, die nach dem Eingießen durchaus präsent ist, verfliegt mit Offenstehdauer, trotzdem darf man die Nase nicht zu tief ins Glas halten. Haselnuss, Schokoladenkekse, Ahornsirup und Rosinen.

Nachdem ich die Erfahrung gemacht habe, dass Rum in diesen Alkoholregionen noch durchaus pur trinkbar ist, versuche ich zunächst einen Schluck bei unverdünnten 62,8%. Im ersten Antrunk kommt er zunächst süß und cremig an, wird aber schon schnell sehr würzig, vielleicht sogar leicht salzig. Backgewürze sind der erste Eindruck, dazu Tannine, Vanille, Toffee, dunkle Schokolade, aber auch Rosmarin, Menthol, mit sogar etwas gemüsigem Anklang. Viel Kraft und Wucht, mit einer Idee von Teer und verbranntem Gummi. Sehr komplex und dicht, dabei perfekt gerundet und trotz der Vielschichtigkeit genehm und schmeichelnd. Erneut ein Beispiel dafür, was Natursüße bei Rum bedeuten kann. Mit der Zugabe von ein paar wenigen Tropfen Wasser wird der Our Rum & Spirits Guyana Diamond 2003 noch süßer, cremiger, seltsamerweise wirkt er im Mundgefühl sogar dickflüssiger. Die Schokoladenkomponente übernimmt komplett die Oberhand, das ist wie ein noch warmer Double Chocolate Cake mit flüssigem Kern. Total super.

Our Rum & Spirits Guyana Diamond 2003 Glas

Im Abgang ist dieser Rum heiß, glühend wie Lava, einen Vulkan im Mundraum hinterlassend, der langsam ausklingt. Ein tolles Gefühl. Geschmacklich mittellang, trocken, leicht metallisch und mit dunklen Schokoladenaromen und Espressobittere. Pfeffrig. Der Nachhall wirkt mentholig und minzig.

Ich möchte ausdrücklich sowohl die einfach gehaltene Flasche als auch das informative Etikett loben, das sich auf Fakten konzentriert, statt sich in allerlei folkoristischer Augenwischerei-Artwork oder Pseudolegenden zu ergehen. Der Abfüller Our Rum & Spirits beweist sich gerade als Hoffnungsträger der modernen Rumwelt, was Transparenz angeht, indem er einen Blend anbietet, auf dem der zugesetzte Zuckergehalt ausgewiesen ist; auch hier finde ich es ausgesprochen lobenswert, dass viele Details, die sich andere Abfüller einfach sparen, angegeben sind, und das sogar handschriftlich.

Our Rum & Spirits Guyana 2003 Diamond Rücketikett

Schaut man sich mal um, was man außer dem Purgenuss mit so einem Rum machen kann, sollte man bei Cocktails sein Augenmerk auf eine Rezeptangabe legen, die oft in Verbindung mit derartigen Melassebränden gebracht wird: „Demerara-Rum“. Dieser Begriff wird oft falsch für alle dunklen, süßen, schweren Rums aus Südamerika verwendet, für den Our Rum & Spirits Guyana Diamond 2003 passt er aber. Und entsprechend wirkt er auch im Kane at Midnight ganz toll – im Zusammenspiel mit frisch-würzigem Rhum agricole und altem Sherry entsteht eine Aromenbombe, der man sich kaum entziehen kann.

Kane at Midnight


Kane at Midnight
2 oz Demerara-Rum (z.B. Our Rum & Spirits Guyana Diamond 2003)
½ oz Rhum Agricole Vieux (z.B. HSE Black Sheriff)
¼ oz Sherry Pedro Ximénez (z.B. Byass Noé VORS)
2 Spritzer Angostura
1 Spritzer Schokoladenbitter
Auf Eis rühren und auf Eis, mit Orangenzeste und Maraschino-Kirsche, servieren.
[Rezept nach Oriol Elias]


Ich freue mich, dass mir Our Rum & Spirits Ende April noch eine kleine Kostprobe eines engen Verwandten dieses Rums zukommen ließ – 3cl des Our Rum & Spirits Guyana Diamond 2003 13 Jahre (12/2003 – 04/2017), Cask 75, 63,7%. Natürlich musste ich vergleichen, worin die beiden sich unterscheiden, und worin sie sich ähneln.

Our Rum & Spirits Guyana Diamond 2003 13y

Farblich und vom Verhalten im Glas sind die beiden sich täuschend ähnlich. Auch meine Beschreibung der Nase trifft für den 13-jährigen Rum aus Fass 75 so zu, wie für den 12-jährigen aus Fass 90 zuvor; eventuell sorgt das zusätzliche Jahr für eine leichte bananige, weichere Note und einen kleinen zusätzlichen Kaffeeduft. Das knappe Volumenprozent mehr Alkohol macht nur wenig echten Unterschied, mit viel Fantasie wirkt der 2017er Rum noch leicht fruchtiger als der 2016er, und hat einen Tick mehr Teeranklänge, ansonsten gleichen sie sich sehr. Der Abfüller bezeichnet ihn informell als „griffiger“, das trifft es eigentlich sehr gut, denn da ist einen Tick mehr Definition und Würze. Was natürlich letztlich eine verdammt gute Nachricht ist – es sollte Rumfreunde freuen, dass ein so tolles Projekt wie die 12-jährige Guyana-Rumabfüllung von Our Rum & Spirits keine Eintagsfliege war, sondern sich die extrem hohe Qualität wiederholen, vielleicht sogar steigern lässt. Der Abfüller ist damit für mich mit Sicherheit einer, den es zu verfolgen gilt.

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