Kaum steh ich hier und singe kommen sie von nah und fern… Gold of Mauritius Dark Rum

Vorab: Diese Rezension stammt aus einer Zeit, als ich noch an das Gute im Rumbusiness glaubte. Daher bitte ich um Nachsicht.

Manchmal staunt man schon über die Aufmachung. Der Gold of Mauritius Dark Rum ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie man schon allein durch die Verpackung einem Kenner das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen kann. Ein äußerst schön gestalteter, dicker Karton mit schönen Illustrationen in einem zurückhaltenden Stil, und die Flasche – eine der schönsten, edelsten, massivsten Flaschen, die ich kenne. Eine wirklich gelungene Präsentation. Wie siehts mit dem Inhalt aus?

mauritius1Die Farbe ist tiefdunkel, bräunlich-rötlich, passend zur dicken, schweren Konsistenz. Man erkennt schon daran, dass es hier ein alter Rum ist, etwas, das einem nicht nur so durch den Mund laufen wird. Der Geruch ist untypisch für einen Rum – ich hätte ihn für einen Bourbon gehalten, in seiner Bananenaromalastigkeit vielleicht sogar für einen Jack Daniel’s Single Barrel.

mauritius2Im Mund dann: Schwer, komplex, Röstaromen, leicht angebranntes Karamell, ein bisschen Pfeffer – und Nüsse. Erdnüsse en Masse. Ganz sicher das definierende Hauptaroma des Goldes aus Mauritius sind diese außergewöhnlich ausgeprägten Erdnussaromen. Im Abgang dann warm, immer noch kräftig, pfeffrig-würzig, langanhaltend, etwas bitter.

Für Cocktails ist so ein aromenlastiger Rum schwer nutzbar, denn die Erdnussaromen übernehmen schnell alles andere, was an Zutaten vorhanden ist. Ich habe ihn dennoch in einem Nui Nui von Tiki-Ikone Don the Beachcomber eingesetzt, in dem er durchaus seine sensorische Charakteristik einbringt.

Don the Beachcomber's Nui Nui


Don the Beachcomber’s Nui Nui
1½ oz Gold of Mauritius Dark Rum
½ oz Demerara-Rum (z.B. El Dorado 3 Years)
½ oz Zitronensaft
½ oz Orangensaft
¼ oz Zimtsirup
1 TL Vanillesirup
1 TL Allspice Dram (z.B. The Bitter Truth Pimento Dram)
1 Spritzer Angostura


Ich liebe solche Rums, die mich überraschen, die ungewöhnliche Aromen aufweisen und nicht nur klebrig süß sind. Der Gold of Mauritius ist ein fantastischer Rum, sicher einer, der auf meiner Lieblingsliste ganz weit oben landet. Selbst wenn es so sein sollte, dass er dem Vorgängerprodukt Blue Mauritius, das nicht mehr erhältlich ist, nicht das Wasser reichen können soll (was ich fast nicht glauben kann anhand der gegebenen Qualität), so ist das immer noch ein fantastisches Produkt, in jeder Beziehung bedingungslos empfehlenswert.

Nachtrag 06.02.2016: In jeder Beziehung bedingungslos empfehlenswert? Inzwischen muss ich diesbezüglich deutlichst einschränken. Nachdem ich nun mein Zuckermessinstrumentarium zu nutzen weiß, habe ich diesen Rum mit 29-32g/L Zuckerzusatz vermessen. Damit rutscht er erstens von der oben angesprochenen Lieblingsliste (die ich so eh nicht führe) ziemlich tief ab, da er in der Ersten Rumliga aufgrund Manipulation nicht mehr mitspielen darf; und auch die ungewöhnlichen Aromen geraten in Verdacht, künstlicher Natur zu sein, wie es bei diversen Rums inzwischen nachgewiesen wurde.

Jeder sollte überlegen, sich statt dessen einen ungesüßten, unmanipulierten Rum zu kaufen, den man für die knapp 40€, die man für den Gold of Mauritius auf den Tisch legen muss, auch bekommt. Ich hoffe, die Hersteller sehen irgendwann ein, dass es ein Irrweg ist, mit Geschmacksverstärkern wie Zucker die Kunden über die Qualität eines Produkts zu täuschen. Ich kann nur dazu auffordern, endlich Zusatzstoffe auf dem Etikett zu deklarieren, damit der Kunde eine echte Wahl treffen kann. Wenn der Konsument weiß, dass er keinen reinen Rum kauft, sondern eine Spirituose auf Rumbasis, und es dann immer noch tut – dann könnt ihr stolz darauf sein. Vorher ist es doch eher ein schaler Erfolg, oder?

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3 Gedanken zu “Kaum steh ich hier und singe kommen sie von nah und fern… Gold of Mauritius Dark Rum

  1. Auf eine Nachfrage nach „Gold of Mauritius“ wurde mir der „The Arcane Grandaroma“ empfohlen. Kann ich irgendwo etwas zu eventuellen Zucker-Zusätzen dazu erfahren? Ich mag den Rum ganz besonders gerne, lasse mich vermutlich auch durch die Kenntnis von Zuckerzusatz nicht davon abbringen. Aber wissen würde ich es schon gerne…

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