Kanada vs die Prohibition – Canadian Club Blended Canadian Whisky 6 Jahre

Die Nase des Canadian Club Blended Canadian Whisky (kanadischer Whisky schreibt sich im Gegensatz zum US-amerikanischen und irischen ohne das „e“, wie der schottische also) ist sehr süß, mit einer recht starken Honignote. Karamell und ein leicht kräuteriger Unterton ergänzen sich zu einem milden, aber ansprechenden Geruchsbild; nur etwas acetonisches stört. Nicht wirklich die Lacknote, die man Bourbons kennt, zwar etwas ähnliches, aber doch schärferes. Daher lasse ich ihn erstmal etwas atmen. Eine ganze Weile – doch sie geht irgendwie nicht weg.

canadianDoch irgendwann muss dann doch der erste Schluck erfolgen. Die Aromen verwundern nicht: Die Honignote ist da, etwas vanilliges, eine sehr zurückhaltende Würze, und, und das ist für mich das überraschendste dieses Whiskys, wechselt auch die in der Nase noch etwas störende Acetonnote in den Mund über und lässt sich in einem leicht mentholartigen Mundgefühl wiederfinden. Dort ist sie aber dann plötzlich gar nicht mehr so unangenehm – es ist etwas besonderes, das ich sonst bei noch keinem Whisky schmecken konnte. Manchen wird das aber zu alkoholisch-brennend schmecken, oder die Assoziation von leichtflüchtigem Fusel geben. Purtrinken? Hm, eher selten.

Ein Cocktail, in dem der Canadian Club dagegen gut mitspielt, ist der Lucky Luciano, benannt nach dem großen italo-amerikanischen Gangsterboss, der auch in den Alkoholschmuggel während der Prohibition verwickelt war – während der sehr gern kanadischer Whisky illegal in die USA überführt wurden, um den ungebrochenen Schnapsdurst zu stillen. Gerade das oben angesprochene Mentholgefühl kombiniert sich wunderbar mit dem ebenso veranlagten Branca Menta, der noch einen Schuss Pfefferminz dazuwirft.

Lucky Luciano


Lucky Luciano
1½ oz Canadian Club
½ oz Roter Wermut (z.B. Carpano Antica Formula)
½ oz Trockener Wermut (z.B. Noilly Prat)
¼ oz Branca Menta


Die Flasche ist sehr klassisch, heutzutage vielleicht etwas langweilig. Sehr dunkles Glas lässt keinen Blick auf den ansonsten recht hellen, ockerfarbenen Inhalt zu – auch das für heutige Verhältnisse suboptimal, in Zeiten, in denen Spirituosen sehr zeigefreudig mit selbst nur kleinsten Etiketten sind. Dazu noch ein Plastikschraubverschluss. Der Materialfreund hat keine Freude, selbst wenn er nur ca. 15€ für die 700ml-Flasche ausgeben muss.

luckylucianoDie 6-jährige Variante dieses Whiskys ist, das muss man dann dazusagen, die niedrigste Qualitätsstufe dieser Marke. Eventuell die zwölfjährige Variante, den großen Bruder sozusagen, werde ich noch ausprobieren. Da bei kanadischem Whisky auch geschmacksgebende Zusatzstoffe erlaubt sind, zum Beispiel Zucker und künstliche Aromen, halte ich das aber eher für unwahrscheinlich – es gibt zuviele reinere Spirituosen, als dass ich meine Zeit mit Schnäpsen voller undeklarierter Zusatzstoffe vertun wollte.

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