…and when I reached Jamaica I made a stop – Appleton Estate Extra 12 Years Jamaica Rum

Harry Belafonte entdeckte ich schon als Kind für mich. Auf Ausflugsreisen im Auto mit meinen Eltern lief eine Kassette mit seinen Liedern rauf und runter, ich kann heute noch viele der Lieder mitsingen. Das prägte, es weckte in mir ein Faible für die Karibik und die Sehnsucht nach Exotik. Vielleicht interpretiere ich sein Lied Jamaica Farewell, das ich im Titel zitiere,  etwas weit, doch für mich gilt es: Was Rum angeht, muss man nicht groß weitersuchen, wenn man einmal Jamaica für sich entdeckt hat. Und eins der schönsten Exemplare jamaikanischen Rums ist der Appleton Estate Extra 12 Years*.

Manche mögen die ganz eigenen Esternoten der jamaikanischen Rums nicht, die durch eine spezielle Fermentationsmethode entstehen: das Zufügen von „dunder“, einem Abfallprodukt aus vorangegangenen Fermentationsgängen,  zur aktuellen Maische; einem Vorgang, der nur in Jamaica durchgeführt wird. Wer nur solche künstlich nachgesüßten Likörrums wie Zacapa 23 oder Botucal kennt, oder andere ähnlich zurückhaltende Rums was Charakter angeht, welche den tatsächlichen Rumcharakter zugunsten der Süße als alleinigem Kriterium und einer etwas unverbindlichen Aromatik verloren haben, wird sich beim Appleton Estate Extra 12 glatt überfahren fühlen. Dabei ist dieser Rum durchaus auch sehr süß, ohne klebrig-zuckrig-süß zu sein, im Abgang dann aber überraschend trocken.

appletonestate-flasche-hellToffee, Butter und Popcorn – ein herrliches Aroma, schon in der Nase vorhanden, mit Tönen von dunkler Schokolade und Cappuccino.  Vollmundig, cremig, etwas würzig-brennend, brummend, stark. Das ist kein lieblicher Rum, sondern eine Buttergranate mit viel Kraft. Der Alkohol versteckt sich nicht hinterm Zucker, sondern ist klar riech-, schmeck- und spürbar. Das ist nicht notwendigerweise schlecht, denn manchmal hat man eben Lust auf ein bisschen mehr Power und will die Volumenprozente schmecken.

Selbstverständlich ist so ein charakterstarker Rum auch in Cocktails eine Wunderwaffe. In Trader Vic’s Mai Tai beispielsweise bringt er genau die Note ein, die diesen Cocktail so besonders macht.

maitai-cocktail


Trader Vic’s Mai Tai
1 oz Heller Rum (z.B. Havana Club Añejo 3 Años)
1 oz Appleton Estate Extra 12
1 oz Limettensaft
½ oz Orgeat (oder Monin Mandelsirup plus einem Spritzer Orange Flower Water)
½ oz Cointreau


Für mich ein ganz außergewöhnlicher Rum. Man muss aber vielleicht, wenn man noch unerfahren in Rumdingen ist, ein bisschen experimentierfreudig sein und nicht ausschließlich auf Süße aus – dann wird man üppig belohnt. Wer sich einmal an diesen Geschmack gewöhnt hat (und das geht dann doch sehr viel schneller, als man es beim ersten Schluck vermuten mag!), will nichts mehr von den langweiligen Süßrums wissen.

Dies ist darüberhinaus ein Rum, der tatsächlich mindestens die 12 Jahre, die auf dem Etikett stehen, im Fass geruht hat, und nicht nur höchstens, wie viele seiner Rumkonkurrenten, die im Solera-Verfahren hergestellt werden und entsprechend nur einen winzigen Bruchteil an Rums des Alters, das auf dem Etikett beworben wird, aufweisen.

appletonestate12-dose

Dazu eine hübsche Flasche und eine sehr schön anzusehende, dekorative Flaschendose in ungewöhnlichem Format, sowie ein beinahe unglaubliches Preisleistungsverhältnis: Ein Spitzenprodukt in jeder Beziehung. Je öfter ich davon trinke, um so begeisterter bin ich: Mein Lieblingsrum, und einer, den ich insbesondere Purtrinkern bedingungslos ans Herz lege. Wer wissen will, wie wirklich guter und vor allem unmanipulierter Rum schmeckt, probiert diesen Jamaikaner, denn Harry Belafonte singt voll zu Recht über seine Insel in der Sonne: „The rum is fine any time a year“.

*Nachtrag 18.06.2016: Appleton führte vor einer Weile eine Umbenennung ihrer Produkte ein. Der neue Name für diesen wunderbaren Rum ist Appleton Estate Rare Blend 12 Year Old. Laut Pressemitteilung ist aber derselbe Inhalt in der nur neu designeten Flasche.

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8 Gedanken zu “…and when I reached Jamaica I made a stop – Appleton Estate Extra 12 Years Jamaica Rum

    1. Ich als Mitbewohner würde mich auch direkt darauf stürzen… als ich, vor gefühlten hunderten von Jahren, in einer WG wohnte, gab es aber keine solchen Leckereien. Deine Mitbewohner können sich glücklich schätzen!

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