Nicht so ganz wie das Blut der Erde – Aldi Akropolis Griechische Spirituosenspezialität

Bei meinem Stammgriechen letztens lief das Essen etwas aus dem Ruder. Zum Essen gab es Pfälzer Bier, griechischen Weißwein, ein paar Ouzos vorher und nachher und zum Abschluss noch eine launige Verkostungsrunde durch die verschiedenen Reifegrade der griechischen Spirituosenspezialität Metaxa, von 5 Sterne über 7 Sterne zum Grande Fine in der hübschen Keramikflasche. Im Hintergrund lief griechische Sehnsuchtsmusik, die Kellner waren gut gelaunt und lachten laut, die Pita mit Oliven und Peperoni war spitze und Oktopus, Gyros und Lammkoteletts sind beim Dimitra in Saarbrücken eh über jeden Zweifel erhaben. Ein herrlicher, langer, fröhlicher Abend in bester Stimmung in meinem Lieblingsrestaurant.

Spirituosenverkostung beim Griechen

Nun ist so ein Vergnügen nicht ganz billig; ein so hochwertiger aromatisierter Weinbrand wie Metaxa kostet sein Geld. Da denkt man sich vielleicht, dass ein günstigeres Produkt gewiss auch diesen Zweck erfüllt. Und man muss nicht weit schauen: Metaxa-Klone gibt es in jedem Supermarkt, und sogar der größte Discounter Deutschlands hat einen davon im Angebot: die Aldi Akropolis Griechische Spirituosenspezialität. Kann dieses „original griechische Erzeugnis“ auch für so einen sensationellen Abend sorgen und sowohl Gourmet als auch Gourmand ansprechen?

Aldi Akropolis Flasche

Im Glas kommt dann direkt die Ernüchterung (im wahrsten Wortsinne). Das ist schon ungewohnt in der Nase – Scheibenklar, Teppichreiniger und erst dann ein bisschen Weinbrand. Uff, sowas muss man verdauen, man bekommt eigentlich keine so rechte Lust, es zu probieren. Vor allem fehlt komplett die blumige Rosennote, die Metaxa, an dem sich dieser Weinbrand von der Aufmachung und Vermarktung klar orientiert, so herrlich duftend macht.

Im Mund ist der Akropolis dann im ersten Augenblick süß, zuckrig und rosinig; sehr schnell kommt aber eine leichte Schärfe und eine starke Alkoholnote. Und dann nichts mehr. Das ist sehr schwach, ohne Körper und mit keinerlei Komplexität. Ein weinbrandtypischer Schwefelhauch ist schon das einzige, was man schmeckt. Letztlich wirkt der Aldi Akropolis mehr wie ein mit Zucker verschnittener, verdünnter Weinbrand, mit deutlichem Alkoholfeuer und wenig Aromen. Wie auch Metaxa darf sich diese griechische Spirituose nicht Weinbrand nennen, wegen der Aromatisierung; obwohl man sich fragt, was hier die Aromatisierung sein soll, da sind manche Mineralwässer spannender.

Aldi Akropolis im Glas

Der Abgang ist unglaublich kurz, zwar schön trocken, aber innerhalb weniger Sekunden vorbei. Dermaßen extrem habe ich das noch bei keiner Spirituose erlebt, als hätte man ihn gar nicht getrunken. 38% weist er auf, und das ist auch das einzige, was man schmeckt.

Bei Aldi Süd bezahlt man für dieses Wässerchen fast 7€. Für ein Drittel des Preises würde ich sagen, dass man es als Kochzutat kaufen kann, wenn man keinerlei Ansprüche an Geschmack stellt  – so ist er horrend teuer für die Leistung, die er abliefert. Zum Purtrinken ist der Akropolis ungeeignet wie kein zweiter; da sind die auf dem Etikett abgebildeten 5 Sterne ein absoluter Hohn. Das ist wirklich und bei weitem kein Ersatz für Metaxa, nichtmal für den 3-Sterne-Metaxa. Für nur wenig mehr Geld bekommt man sogar bereits den 5-Sterne-Metaxa, der geschmacklich mehr als nur eine Welt von diesem Produkt entfernt ist – soweit, dass ich diese zwei Spirituosen eigentlich kaum im selben Atemzug nennen sollte.

Nun habe ich die Flasche daheim, und muss überlegen, was ich damit mache – ich halte mich selbst an meine Adage, dass nichts in meinen Cocktail kommt, was ich nicht auch pur trinken würde. Dennoch habe ich mir einen äußerst leckeren Metaxa-Cocktail ausgesucht, um zu versuchen, wie sich der Aldi Akropolis im Mixverhalten zeigt: Den Attica Star. Mit gutem Metaxa gemacht, ist das einer der leckersten Cocktails, die ich kenne. Mit Aldi Akropolis – naja. Es beweist sich meine Meinung: Schlechte Zutaten machen einen schlechten Cocktail. Ich musste mir danach direkt noch einen Attica Star mit 5-Sterne-Metaxa machen, als Ausgleich. Unglaublich, der Unterschied.

Attica Star


Attica Star
1½ oz Metaxa (nicht Aldi Akropolis)
½ oz Tequila blanco (z.B. Olmeca Altos Plata)
¾ oz Limettensaft
1 oz Honigsirup
…mit etwas Bitter Lemon (oder, sehr angenehm, Paloma-Limonade!) aufgießen


Es gibt bei den Discountern durchaus hin und wieder hochwertige Perlen. Der Aldi Akropolis gehört aber ganz gewiss nicht dazu, im Gegenteil, er repräsentiert all das, wodurch Discounter auch heute noch oft im Schatten des Billigprodukts stehen und für manche Produkte zumindest von Genießern nicht ernst genommen werden können. Rausgeschmissenes Geld, besser investiert in einen 5-Liter-Kanister Scheibenklar, das man praktischerweise statt dem Akropolis im selben Laden in den Einkaufswagen legen kann.

Wer sich wirklich für den wahren Metaxa interessiert, kann mehr über diese Spirituose in meiner Rezensionsreihe „Sterne über Griechenland“ nachlesen, die vor kurzem gestartet ist und die unterschiedlichen Qualitätsstufen vorstellt.

10 Flaschen Bier an der Wand – Die Hausbar, Teil 5: Ein unvergesslicher Abend

Eine Cocktailparty – lachende Leute mit einem Glas in der Hand, gute, nicht zu laute Musik im Hintergrund, ein nettes Ambiente. Es gibt solche und solche davon: manche erinnert man gar nicht, manche bleiben unvergesslich. Was ist der Unterschied zwischen beiden? Es gibt ein paar Vorkehrungen, die man treffen kann, um nicht in die erste Kategorie zu rutschen.

Laden Sie nicht zuviele Leute ein. Ein kleiner Kreis, maximal 10 Gäste, und das ganze wird intimer, freundlicher, enger. Zuviele Gäste erzeugen eine nervöse, hektische Stimmung, in der keine Kommunikation zwischen ursprünglich Fremden aufkommt. Ein kleiner Kreis, und am Ende des Abends können Sie sicher sein, neue Freundesnetzwerke gebildet zu haben.

Entscheiden Sie sich für eine kleine Cocktailkarte mit Cocktails, die Sie effektiv herstellen können. Lassen Sie die aufwändigen Tiki-Cocktails, für die Sie Dutzende Zutaten und viel Werkzeug brauchen, weg. Lassen Sie die Prohibition-Era-Cocktails, die nur einer der Gäste zu schätzen weiß, weg. Lassen Sie aber auch die üblichen Standard-Cocktails, die man schon oft getrunken hat, weg. Finden Sie maximal 5 Cocktails, die wahrscheinlich keiner der Gäste kennt, die aber von der Zusammenstellung leicht herzustellen und dabei sehr schmackhaft sind und eine gewisse Bandbreite an Geschmäckern abdecken. Eventuell ist ein Punsch oder eine Bowle eine gute Idee.

Verwenden Sie gute Zutaten. Sie wollen die Gäste mit Qualität beeindrucken, nicht mit Masse. Ein guter Rum, ein guter 100%-Agave-Tequila, ein guter Whiskey. Neben den Geschmackserlebnissen bieten diese Qualitätsspirituosen auch Diskussionsstoff für die Gäste mit Ihnen und untereinander. Das gilt auch für Bier, das Sie neben den Cocktails zusätzlich im Angebot haben sollten: Ein Craft-Bier ist interessant, ein Industriepils langweilig.

Bieten Sie passende, ausgefallene Snacks an. Salzstangen und Erdnussflips sind schrecklich öde – stellen Sie leicht herzustellende, aber schmackhafte Spezialitäten bereit, die zu den Cocktails passen. Geröstete Toastscheiben statt Salzstangen, Salsa statt Ketchup, Fruchtsalat statt Gummibärchen, getrocknete Tomaten statt Chips, vielleicht sogar Austern und Sushi: Auch hier zählt die Ausgefallenheit und Qualität.

Denken Sie bei einer größeren Runde darüber nach, eine Barhilfe zu engagieren – beispielsweise ein Nachbarskind, das beim Schnippeln und Servieren hilft. Es kann sich ein kleines Taschengeld verdienen, und Sie sind entlastet, um sich auf das wichtige zu konzentrieren.

Sorgen Sie für gedämpfte Musik, passend zum Motto Ihrer Party. Nicht zu laut, dass die Gäste nicht schreien müssen; aber auch nicht zu leise, damit nicht befangen geflüstert werden muss. Kümmern Sie sich darum, dass Raucher einen gemütlichen Platz zum Quarzen finden, auch wenn Sie selbst nicht rauchen. Klären Sie mit den Nachbarn, dass es heute vielleicht etwas länger und lauter werden könnte.

Begrüßen Sie Ihre Gäste mit einem Drink! Dale DeGroff schreibt in seinem Buch The Craft of Cocktail:

Feature a special drink or punch for when guests arrive; there’s nothing more important than to get a drink in everyone’s hand upon arrival.

Es geht dabei nicht um den Alkoholpegel des Abends – sondern darum, den Abend gut zu beginnen. Ein Gast fühlt sich geschätzt und beachtet, wenn Sie ihm direkt einen Cocktail in die Hand drücken.

Das allerwichtigste aber können Sie nicht kaufen oder vorbereiten. Es geht dabei um Sie. Man kann den perfektesten Cocktail hinzaubern, im wunderbarsten Ambiente, mit den besten Zutaten – woran sich der Gast erinnert, ist Ihr Lächeln, wenn Sie ihm den Cocktail reichen. Freundlichkeit und Ihre Persönlichkeit sind die wichtigsten Dinge, die Sie einem Gast präsentieren können.

Harry Johnson hatte auch noch einen Tip parat. Wenn ein Gast etwas außer der Reihe will, sorgen Sie dafür, dass er es bekommt.

The greatest accomplishment of a bartender lies in his ability to exactly suit his customer.

Wenn Sie dann noch eine Anekdote zu dem Cocktail parat haben, über dessen Historie, oder ein Malheur bei früheren Versuchen, ihn herzustellen, oder wenigstens über eine der Zutaten, und warum Sie gerade diese Zutat verwenden – der Gast wird an Ihren Lippen kleben und diesen Cocktail nie vergessen.

Seien Sie ein Gastgeber, nicht ein Bartender. Ein Impresario, nicht ein Dompteur. Ein Moderator, nicht ein Präsentator. Dann wird der Abend ein garantierter Erfolg.

Spaziergang im Kräutergarten – Corralejo Reposado Tequila

Spirituosen sind nicht nur geschmackliche Genussmittel – auch der optische Eindruck zählt, oft auch schon, bevor die Flüssigkeit ins Glas gelangt. Viele Hersteller betreiben eine Menge Aufwand, um für ihren einzigartigen Sprit auch ein passendes, einmaliges und leicht wiedererkennbares Behältnis zu designen. Dem einen oder anderen Produzenten ist es sogar gelungen, dass wir ein Getränk schon von weitem an der Flasche identifizieren können: die eckige Jack-Daniel’s-Buddel mit dem schwarz-weißen Etikett; der kastenförmige braune Cointreau-Flakon; oder aber die Urmutter aller Designflaschen, die Coca-Cola-Flasche.

https://www.youtube.com/watch?v=FYaMgqU5ohw

Hin und wieder überrascht ein Hersteller die Konsumenten selbst in diesem kreativen Umfeld dann noch mit einem Flaschendesign, das jeden Rahmen sprengt. Der Galliano-Turm beispielsweise, der in keinem Regal Platz findet, oder die seltsame Dreieckskeule von Boven’s Arrak; ähnlich spektakulär daher kommt der Corralejo Reposado Tequila in einem riesigen, blaugefärbten Glasbehältnis. Ich musste das Foto der Flasche auf 3 Einzelschnappschüsse aufteilen, um den Eindruck, den diese Spirituose in echt macht, auch nur ansatzweise rüberzubringen.

Corralejo Reposado Flasche2

Corralejo Reposado Flasche3

corralejoreposado-flasche4Ich habe zum Vergleich einfach mal eine Standardflasche einer anderen Spirituose daneben gestellt, um die majestätische Höhe des Corralejo sichtbar zu machen. Leider kann das Etikett nicht mit dieser Opulenz mithalten – die Schrift darauf wirkt längenmäßig verzerrt, ist schwer zu lesen und macht einen etwas billigen Eindruck.

Durch die Blaufärbung der Flasche erkennt man außerdem nicht die Farbe des Inhalts; in Zeiten, in denen Zuckerkulörfärbung allerdings zum Tagesgeschäft gehört, ist diese Flaschenfarbe vielleicht ehrlicher, denn so muss kein potenzieller Käufer sich an der scheinbaren Helligkeit des Inhalts, die für viele Uninformierte auf mangelnde Reifung hindeutet, stören – und der Hersteller kann sich die Zuckerkulörfärbung sparen. Nicht, dass der Hersteller das wahrscheinlich im Sinn hätte, es dient wohl hauptsächlich der Abgrenzung zum weißen Tequila (in klarer Flasche) und zum Añejo (in roter Flasche) desselben Produzenten.

corralejoreposado-vergleichDie Farbe ist, wenn man sich dann endlich nach all dem Philosophieren über Flaschengestaltung ein Glas eingegossen hat, in der Tat ein helles Strohgelb, das nicht auf Färbung schließen lässt. Man stellt dann anschließend einen gewissen Geruch fest, den ich für eine Sekunde als Plastikgeruch identifizieren würde, der aber dann sehr schnell in einen kräuterigen, an Schwarztee erinnerenden Geruch übergeht, mit etwas Rosmarin und Minze gespickt. Wie ein Spaziergang durch den Kräutergarten im Sommer.

Auch im Mund hat der Corralejo Reposado einen Teecharakter. Viel Holz- und Kräuterwürze sowie geröstete Agave ersetzt die anfängliche Süße sehr schnell, dann wird es minzig und dunkelkaramellig. Ein für einen Reposado überraschend dichter Körper mit cremigem Mundgefühl. Im Abgang ist dieser Tequila ausgesprochen trocken und im Rachen erkennbar bitter, ohne dabei kratzig zu sein; eine milde Schwarzpfefferschärfe bleibt angenehm lang am Gaumen, zusammen mit einem traumhaften Nachhall voller Aromen.

Definitiv ein spannender Tequila der eher kräftigeren Sorte; viele andere blumige Agavenschnäpse verblassen vor der wilden Kräuterkraft des Corralejo. Man muss aber die prägnanten Holznoten mögen, und die Trockenheit zu schätzen wissen.

So manch ein leicht-fluffiger Tequila geht gegen andere Zutaten im Cocktail unter. Mit dem Corralejo Reposado kann einem das nicht passieren; trotz der eher schwachen 38% Alkohol setzt dieser Tequila mit seinem aufbrausenden Charakter in allen Rezepten ein Ausrufezeichen – zum Beispiel im Long-Faced Dove.

longfaceddove-cocktail


Long-Faced Dove
1½ oz Corralejo Reposado Tequila
½ oz Campari
¾ oz frisch gepresster Grapefruitsaft aus Pink Grapefruits
¾ oz Limettensaft
½ oz Zuckersirup
½ oz Ginger Beer (z.B. Aqua Monaco Hot Monaco)


Einen weiteren Vorteil des Corralejo darf man nicht verschweigen: Er ist gut erhältlich. Viele herausragende Tequilas muss man bei Fachhändlern im Internet bestellen; den Corralejo gibt es dagegen in allen seinen Ausprägungen auch in gehobenen Feinkostläden, für rund 30€ für 700ml, und auch in kleineren Flaschengrößen. Wenn Sie das nächste Mal an einer dieser schönen Flaschen vorbeilaufen, und sich für Tequila interessieren, greifen Sie zu! Übersehen kann man die Corralejo -Flaschen ja nicht.

Skandal: Schokoladenrückstände im Bier! Robinsons Old Tom Strong Ale With Chocolate

Das Lebensmittelgesetz im föderalen Deutschland bringt immer wieder die eine oder andere Perle zum Vorschein. Das seltsamste, was ich aber seit langem gehört hatte, war die Geschichte um das Milk Stout des bayerischen Craftbrauers Camba Bavaria. Milk Stout ist ein Bier, das, wie der Name schon andeutet, ein milchzuckerhaltiges Gemisch (aber keine Milch!) enthält; dieses kleine Detail stürzte die Brauer in die tiefste Hölle der bayerischen, berlinerischen und restdeutschen Beamtei, dass am Ende der schlimmste aller Ausgänge für die innovative Brauerei erfolgte: Das Camba Milk Stout musste ausgegossen, vernichtet werden. Man lese die Geschichte hinter dem obigen Link in Ruhe mal durch, um sich dann ob dieser Beamtiade genüsslich ans Hirn zu klatschen. Es ist aber nicht die erste absurde Bierposse in Deutschland: 2011 mussten Thomas Henry ihr Ginger Beer umbenennen, um dem Namensrecht des sakrosankten deutschen Biers zu genügen.

Dabei gibt es doch soviele Biere, die Zusatzstoffe enthalten, die auch wie beim Camba klar deklariert sind, und einem Bierfreund schon aufgrund der (zugegebenermaßen meist außerdeutschen) Tradition zumindest dem Namen nach bekannt sind; man hofft, dass nicht der Rest der Welt am bayerischen „was-ich-nicht-kenne-gibt-es-nicht“-Wesen genesen muss, sondern ich weiterhin auch exotische Kombination trinken kann, wie das Robinsons Old Tom Strong Ale With Chocolate, in dem sich Kakao und Vanille mit Bier vereinen.

Robinsons Old Tom with Chocolate Flasche

Es ist manchmal der erste Eindruck, der zählt, und hier kann die erste Flasche, die ich erwarb, überhaupt nicht punkten. Eine sehr unattraktive Ausflockung störte mich schon ganz enorm – lag es daran, dass sich das Bier dem auf dem Zusatzetikett angegebenen Mindesthaltbarkeitsdatum näherte? Doch selbst dann darf sich das Bier eigentlich nicht so verhalten. Ich kann mir das nur so erklären, dass diese Flasche beim Händler lange falsch gelagert wurde, so dass sich die Kakao- und Hefebestandteile am Boden fest absetzten. Durch das Bewegen der Flasche beim Kauf löste sich dieser feste Bodensatz dann und, statt sich wieder komplett aufzulösen, blieb er in festen, kleinen Bröckchen.

Ich habe schon kleine Hefeflocken in anderen Bieren gesehen, aber noch nie so extrem – das wollte ich Euch dann doch nicht vorenthalten.

Robinsons Old Tom with Chocolate Ausflockung

Flugs eine neue gekauft – und da sieht das ganze gleich anders aus. Statt der hässlichen Schwebeteiltrübung bekommt man eine attraktive transparente, tiefbraune Flüssigkeit fast ganz ohne Schaum.

Sie weist einen etwas fruchtigen und sehr vanilligen Geruch auf, nach Toffee. Es ist interessant, dass der Geschmack zwischen der ausgeflockten Flasche und einer unausgeflockten sehr unterschiedlich ist. Das geflockte Bier schmeckte sehr oberflächlich süß, hatte dabei einen sauren Charakter, was so überhaupt nicht zusammenpasste. Die Flasche, die in Ordnung war, enthielt dagegen ein Bier, in dem der Schokoladencharakter sehr viel mehr zurückgenommen wirkte, nicht ganz so süß, dabei aber dennoch ähnlich schokoladig, eigentlich eher sogar mehr nach dem dunklen, kräftigen Kakao, wie man ihn auf Tiramisu und andere Süßspeisen streut. Dabei ist das Robinsons Old Tom Strong Ale With Chocolate sehr bitter und trocken.

Im Abgang meine ich dann etwas Rumcharakter zu entdecken. Am Gaumen bleibt ein Hauch Kakao übrig, mit etwas Vanille. Dabei gilt es nochmals zu betonen: Diese schokoladigen Beinoten sind eher Randerscheinungen, es ist nicht so, als würde man hier tatsächlich einen Milchkakao oder heiße Schokolade trinken. Es ist und bleibt ein Ale.

Was lernen wir daraus? Wenn man diese Art von Sonderbier kauft, immer die Flasche drehen – ich will nicht sagen schütteln – und gegen das Licht halten, insbesondere, wenn das MHD nicht in weiter Ferne liegt (Ale ist grundsätzlich eigentlich sehr lange haltbar). Der Geschmacksunterschied ist enorm.

Robinsons Old Tom with Chocolate Glas 2

Als Fazit könnte man festhalten, dass so ein aromatisiertes Bier eher was als Dessertbegleiter ist, oder als Pralinenersatz abends am Fernseher für den mutigen Bierfreund. Die Kakaonoten würden mit einem deftigen Essen kollidieren.

Der spezielle Charakter dieses Produkts bringt es mit sich, dass es nur mit viel Kreativität in einem Cocktail unterzubringen ist; ein ausgesprochen tolles Rezept, für das es aber wie die Faust aufs Auge passt, ist A Stout Fellow. Normalerweise gehört in den A Stout Fellow ein normales Stout (wie zum Beispiel Guinness Extra Stout)  und eine Achtelunze Crème de Cacao. Letzteres können wir uns durch den Einsatz des Robinsons Old Tom Strong Ale With Chocolate sparen. Wer es aber noch milchschokoladiger will, kann gern den Kakaolikör auch noch zusetzen. Egal, wie man ihn macht – ein wirklich sensationeller Cocktail!

A Stout Fellow


A Stout Fellow
2 oz Robinsons Old Tom Strong Ale With Chocolate
1 oz jamaikanischer Rum (z.B. Appleton Estate Extra)
1 oz Kahlúa


Andere Sorten dieses Herstellers habe ich auch schon probiert, wie das Robinsons Old Tom Strong Ale, auf dem das Chocolate-Old Tom beruht, oder das Robinsons Old Tom Strong Ale with Ginger, das auch aromatisiert ist, da aber dann mit Ginger Beer.

Wenigstens Robinsons muss sich aber keine Sorgen um die in der Einleitung angesprochene bayerisch-berlinerische Regelkonfusion machen, denn diese gilt nur für in Deutschland hergestellte Produkte. Die importierten Traditionsprodukte aus England dürfen weiterhin stolz den Namensbestandteil „Beer“ tragen, egal ob es sich um Ingwerlimonade oder mit Milchprodukten angereichertes Bier handelt, ohne sich um solcherlei Wahnsinn kümmern zu müssen. Rule Britannia!

Schütteln oder rühren macht einen Unterschied – GU Cocktail Basics

Es gibt Ereignisse im Leben, die einen fast aus der Bahn werfen. Mir ging es neulich so, als meine Stamm-Bar in Saarbrücken dicht machte. Das ¿Qué tal? war für mich ein zentraler Anlaufpunkt gewesen, hier lernte ich zum ersten Mal, dass ein Cocktail nicht unbedingt ein Literglas voll Saft mit einem Schuss möglichst neutral schmeckenden Schnapses sein muss, sondern auch ein kleines, feines, edles und spannendes Getränk sein kann. Hier lernte ich ein paar Leute kennen, die mir zeigten, dass Gastrokultur vor allem eins ist: Gastfreundschaft. Ein Jammer, wenn so ein Ort schließen muss. Danke an Martin, Zoltan, Dennis, Sven, Julian und besonders Julia und Michael für die tolle Zeit.

Doch eine Tür geht zu, eine andere öffnet sich. Wer heute in Saarbrücken gute Cocktails abseits des Saftpitchers trinken will, geht zum Beispiel in die neueröffnete Viertel Mühle, in der ein wahrer Könner (leider nur abends) perfekte klassische Cocktails und wagemutige Rezeptinterpretationen für echte Kenner präsentiert, in ansprechendem Ambiente; oder, wenn es legerer sein darf, ins Milk, wo ein junger, dynamischer Barchef mit ebensolchem Personal ganz hervorragende Mischgetränke aller Art unprätenziös und charmant raushaut.

Cocktail Basics

Oder natürlich man mischt sich seine Cocktails selbst daheim. Wenn man meinen bisherigen Empfehlungen gefolgt ist, hat man bereits einen Grundstock an allem, was man braucht; eventuell fehlt es aber noch an Rezepten und Inspiration. Und auch wenn es spannend ist, sich selbst mal an der Zubereitung eines Rusty Nails, Mint Juleps oder eines Old Fashioned zu versuchen, so braucht man doch erstmal die Rezepte dafür, und für die vielen anderen Cocktails, die man sich daheim nun selbst zusammenstellen kann. In diese Bresche springen Cocktailbücher, wie das GU Cocktail Basics.

GU Cocktail Basics Seiten 3

Ich bin ein großer Fan von klassischen Highballs und spirituosenlastigen Drinks. Ein gut gemachter Manhattan oder El Presidente sind der perfekte Einstimmungsdrink auf einen schönen Abend, oder der ideale Ausklang eines Arbeitstags. In der „blue hour“ einfach nur dazusitzen, ein bisschen Ambient-Musik oder Sinatra zu hören, und das Klimpern der Eiswürfel im Glas – das ist Luxus pur. Viele dieser klassischen Cocktails sind in diesem Buch vorhanden, wenn auch manchmal seltsam übermäßig leger – in den Sazerac kommt kein Absinthe wie im Rezept angegeben, dieser wird nur dazu verwendet, das Glas auszuspülen; in einen Rob Roy gehört nicht „Whisk(e)y, am besten Scotch“, sondern einfach nur Scotch, und für mich persönlich ist es nicht „reine Geschmackssache“, ob in einem Mai Tai nun Orgeat drin ist oder nicht und statt dessen Ananassaft eingesetzt wird. Bei solchen Dingen bin ich pingelig, und das sollte jeder Cocktailfreund sein.

GU Cocktail Basics Seiten 2

Was im Buch meiner Meinung nach auch völlig falsch dargestellt wird: Die Autorin meint, dass man auch billige Ersatzprodukte nutzen kann, da in Deutschland die Qualität selbst bei diesen sehr hoch sei; das stimmt nach meiner Erfahrung nur sehr bedingt und nur in Ausnahmefällen. Es kommt eben doch sehr auf die Materialien an. Der Highball lebt sowohl von gutem Whisky/Bourbon/Rum/Gin, als auch vom Füllmaterial. Das billige Aldi-Cola kommt mir nicht in meinen herrlichen Captain & Cola, und wer einmal einen Red Stag Ginger & Lime mit einem guten Ginger Beer getrunken hat, will nicht mehr zurück. Ein Negroni profitiert unendlich vom guten Wermut – das pappsüße Ersatzmaterial, das oft in „happy hour“-Cocktailbars verwendet wird, macht aus dem bitter-edlen Drink eine klebrig-zuckrige Brühe.

GU Cocktail Basics Seiten 1

Ansonsten enthält das Buch viele Tips, Hinweise auf Basisaustattung für die private Cocktailbar und ein breit gefächertes Angebot an Mixgetränken, aufgelistet und gruppiert nach der Hauptspirituouse. Viele Bilder, nette Anekdoten und ein üppiges, freches und knalliges Layout machen das Buch auch zum einfachen Durchblättern interessant. Wer sich schon etwas mit Cocktails auskennt, lässt das Buch aus oben genannten Gründen dennoch lieber im Regal. Wer aber die ersten Schritte wagen will, und lieber dem gedruckten Buch als meinen tendenziösen Tips glaubt (wer tut sowas?), kann sich damit in die Thematik einlesen.

Doch eins ist klar: Nur mit Büchern und einer privaten Hausbar lernt man nicht das wahre Wesen des Cocktails kennen, denn dies besteht zu einem großen Teil daraus, dass man ihn in Gesellschaft, zubereitet von einem Profi und bei guter Musik trinkt.

Neue Säue braucht das Dorf – Pimm’s No. 1

Es gibt verschiedene Arten von Trinkern. Einerseits die, die selbst wissen, was sie im Glas haben wollen, und andererseits die, die selbst meist wenig Erfahrung mit oder Interesse an alkoholischen Mischgetränken haben und sich deshalb von anderen dazu inspirieren lassen. Letztere Gruppe ist der Grund für den Erfolg von Modedrinks. Einer der ersten fashionablen Longdrinks, der bis heute unzertrennlich mit dem blinden Folgen eines Trends in der High Society verbunden ist, ist der Kir Royal, der dann sogar seinen Namen einer der besten deutschen Fernsehproduktionen aller Zeiten geben durfte.

Später ging es andersherum: Die telegenen Damen um Carrie Bradshaw sorgten im echten Leben für einen riesigen Hype um einen Vodka-Drink; der Cosmopolitan wurde durch die Fernsehserie ein Renner, wie man ihn in Cocktailkreisen kaum zuvor erlebt hatte, und der den davor so beliebten Caipirinha von Platz 1 der meistbestellten Partycocktails verdrängte.

Die 2010er Jahre kehrten dann wieder zurück zu den unkomplizierten Rezepturen im Sektglas: 2010 glänzte in jedem Glas der Aperol Spritz, mit seiner unverkennbaren orangenen Farbe; 2012 konnte man keine Getränkekarte eines Cafés lesen, ohne über den Hugo zu stolpern, und 2013 wurden Lillet-Longdrinks zum neuen Modedrink gekürt, nur um bald darauf vom Moscow Mule aus dem Platz im Herzen der Lemming-Trinkgemeinde (man vergebe mir diese unangebrachte Polemik) verdrängt zu werden. Viele dieser Mischgetränke wurden durch diese dann doch etwas beliebige Popularität zum Markenzeichen des von einigen elitären Barkeepern ungeschätzten „fachfremden Publikums“, und dadurch paradoxerweise bis heute zu Parias des gehobenen Barbetriebs.

Im Sommer 2015 machten schließlich gleich mehrere Bars in Saarbrücken großschildrig Werbung für den neuesten Trend: Pimm’s Cup, ein fruchtig-bittersüßes Kaltgetränk mit vielen Früchten, das optisch sehr beeindruckte, und auch geschmacklich überzeugen konnte, dank seiner Hauptzutat: Dem Kräuterbitterlikör Pimm’s No. 1. Wieder eine neue Sommersau, bereit, durchs Dorf getrieben zu werden?

Pimm's No 1

Die einfach gehaltene Flasche ist transparent, man sieht also von außen schon die Farbe – selbstverständlich sorgen Farbstoffe für die dunkle Tönung. Ein dezentes, sehr klassisches Etikett zeugt von Stil und Eleganz – passend zu einem Getränk, das bald 200 Jahre auf dem Buckel hat, und schon allein deswegen natürlich keine Sommersau ist.

Wenn ich es nicht besser wüsste: In einer Blindverkostung würde ich den Pimm’s N°1 für einen Cynar, oder allgemeiner für einen Amaro halten. Sehr dunkelwürzig, mit der amarotypischen Kräuterkombination, mehr als nur ein Hauch Maggi und Curry und, wenn man sehr genau aufpasst, einen Tick der Ginbasis dieses Likörs.

Im Mund erkennt man dann, dass es kein Amaro ist – der Pimm’s ist dafür zu dünnflüssig. Auch ist er bei weitem nicht so süß wie beispielsweise ein Ramazotti oder Averna; und er hat eine deutlich alkoholischere Note als diese italienischen Bitterliköre. Das finde ich keineswegs schlecht; besonders, wenn eine Spirituose dann noch eine dermaßen kräftige Salzwürze, fast schon sojasaucenartig, mitbringt, die ordentlich Schwung in die Likörbasis bringt. Süß ist der N°1 dennoch, aber eher oberflächlich, und am Ende kommt sogar eine recht deftige 80%-Kakao-Schokolade-Bitterkeit und eine spuckeraubende Trockenheit nach. Der Nachhall ist dann wieder leicht alkoholisch.

Ganz gewiss ein Likör, den man auch auf Eis pur trinken kann, ohne an Zuckerschock zu sterben – wer allerdings als Ginfreund auf der Suche nach Ginderivaten ist und meint, hier einen Wacholderschnaps herauszuschmecken, könnte enttäuscht werden. Ich aber freue mich auf eine sehr spannende Cocktailzutat, auch in Rezepturen abseits des oben angesprochenen Mode-Longdrinks mit Früchten und Limonade oder Ginger Ale als Pimm’s Cup.

Persönlich trinke ich ihn am liebsten in einem Drink, den mir Michael Arnold, ein hervorragender saarländischer Bartender, an einem verregneten Herbstabend vorgestellt hatte: der  Arnold N°1 – eine Aromabombe, bei der man gar nicht weiß, wohin man zuerst schmecken soll, mit einer fantastischen Konsistenz durch viel gemuddeltes Gemüse und Obst und das schaumerzeugende Eiweiß. Der ist am Ende sogar noch gesund!

Arnold's No. 1 Cocktail


Arnold N°1
Je ein Stück Apfel, Ingwer und Gurke im Shakerglas muddeln
1 oz Pimm’s No. 1
2 oz Gin (z.B. The Botanist Islay Dry Gin)
1 oz Zitronensaft
¾ oz Zuckersirup
¾ oz Cranberrysaft
1 Eiweiß vom kleinen Bio-Ei
[Rezept nach Michael Arnold]


Man würde es diesem feinen, respektabel alten Kräuterlikör wünschen, dass er auch über die Modewelle hinaus eine Chance bei den Biergärtensitzern und Innenstadtcafé-Flaneuren bekäme, statt 2016 durch die nächste Schickeria-Spirituose abgelöst zu werden. Allein, mir fehlt der Glaube an die Konstanz der In-Drink-Trinker – so bleibt es an uns, den wahren Genießern, dafür zu sorgen, dass Pimm’s No. 1 auch dann noch als spannendes Getränk und interessante Cocktailzutat hochgehalten wird, wenn die Karawane weitergezogen ist.

Junge karibische Halbstarke – Dillon Rhum Blanc Agricole Martinique 43%

In seinem Buch über Rumhistorik macht sich Autor Ian Williams immer etwas über rhum agricole lustig. Der aus frischem Zuckerrohrsaft statt aus Melasse hergestellte Rum scheint für ihn minderwertig zu sein, ein ungeschliffenes Produkt, eigentlich nur ein Proto-Rum, der den Sprung zur Spitzenspirituose nicht geschafft hat, und gegen die zungenschmeichelnden Melasserums wie bittere Medizin wirkt. Für ihn scheint, wie für viele moderne Rumfreunde, der Grad der Süße und Weichheit das einzige Qualitätkriterium für Rum zu sein. Ist ein Rum nicht supersüß, ist er mangelhaft und höchstens noch als Mixer tauglich.

Dabei ist diese Spirituose so vielfältig; Süße ist gewiss für guatemaltekische, guyanische und vielleicht kubanische Rums wichtig (so wichtig, dass die Hersteller gern üppig mit nachträglichen Zuckerbeigaben nachhelfen) – für jamaikanische schon nicht mehr so stark, und für die  rhum agricoles der französischen Antillen, hier insbesondere Martinique, dann gar nicht mehr. Da zählen andere Kriterien. Ein Beispiel für diese anderen Qualitäten, die ein Rum haben kann, ist der Dillon Rhum Blanc Agricole.

Die Destillerie Dillon ist einer der Traditionsfabrikanten von Rum auf den französischen Antillen; und wie man im obigen, sehr informativen Werbevideo sehen kann, stellt man dort immer noch auf eine recht antik anmutende Weise den Zuckerrohrschnaps her, mit einer Dampfmaschine und viel anstrengender Handarbeit.

Der weiße, junge Rum von Dillon, den ich hier bespreche, hat mit gesüßten Rums wie Zacapa 23 oder Pampero Aniversario überhaupt nichts mehr zu tun. Er ist knackig, hart, fruchtig, frisch, aggressiv. Man spürt, dass er praktisch nicht gereift ist – eine jugendliche Unbeschwertheit und Frechheit, die schon im Geruch, der floral und grasig ist, deutlichst hervorsticht; bedingt durch seine Produktionsweise, bei der das frisch geschnittene Zuckerrohr innerhalb kürzester Zeit direkt verarbeitet wird – wie im Video so poetisch erzählt wird: Das Zuckerrohr für rhum agricole muss die Wurzeln im Boden und den Kopf in der Mühle haben.

Dillon Rhum Agricole Flasche

Ich hatte, zugegebenermaßen, lange Zeit meine Probleme damit, diesen Rum als „Sipper“, also zum Purtrinken, zu empfehlen. Dazu war er für einen Rumanfänger, wie ich es damals war, und vor allem einen, der nach Süße sucht, doch etwas zu unangepasst (meine erste Rezension zu diesem Rum auf Amazon titelte ich entsprechend noch mit „Schlag ins Gesicht“). Inzwischen, mit viel mehr Rumerfahrung, sehe ich das alles etwas anders und behaupte das Gegenteil.

Der klassische Cocktail für solche Rums ist der Ti’Punch, der „kleine Punch“, einfach mit Limette, wie ich ihn bei meiner Besprechung des La Mauny gezeigt hatte. Wunderbar funktioniert er aber auch in einem Cocktail, den ich der Herkunft dieses Rums entsprechend Entre les draps genannt habe (Kenner erkennen natürlich sofort den klassischen Between the Sheets, der ihm zugrundliegt).

Entre les Draps Cocktail


Entre les draps
1 oz Brandy de Jerez
1 oz ungereifter Rhum agricole
1 oz Orangenlikör
1 Teelöffel Zitronensaft
Auf Eis shaken.
[Rezept nach unbekannt]


In diesem Cocktail schmeckt und riecht man den rhum agricole wunderbar noch heraus, seine Schärfe ist aber durch den Brandy und den Orangenlikör gemildert und der Gesamtgeschmack damit ergänzt. Am Anfang denkt man „bäh!“, beim zweiten Schluck „hmmm…“ und beim dritten und den folgenden dann „mehr davon!“.

In Frankreich ist der Dillon übrigens für ungefähr 10€ in Supermärkten erhältlich (rhum agricole ist wahrscheinlich die einzige Spirituose, die in Frankreich deutlich billiger ist als in Deutschland – die Antillen gehören als Überseedépartements für Steuerzwecke zum Inland). Wer also wie ich an der Grenze wohnt, sollte lieber im Nachbarland zuschlagen.

Wer die Chance dazu hat, sollte sich statt dieses 43%igen Rums lieber gleich den ebenso erhältlichen 50%igen in der Literflasche holen, oder vielleicht sogar den mit 55%. Gerade bei rhum agricole macht sich sehr bemerkbar, wie diese paar zusätzlichen Alkoholprozente das Aroma verstärken und gleichzeitig den Rum einen Tick runder und weniger kantig machen.

Ich zumindest wurde, trotz der geschilderten Anfangsschwierigkeiten, zum rhum-agricole-Fan. Der Dillon ist ein guter und preisgünstiger Einstieg in diese alternative Rumwelt.

Frisch aus dem Keller an den Biergartentisch – Bruch Zwickel

Bier gibt es schon seit Menschengedenken; schon die alten Mesopotamier und Ägypter tranken es. Über viele Jahrhunderte wurde es ausschließlich in Tonkrügen und Holzfässern aufbewahrt, und der interessierte Trinker musste sich am Herstellungsort eine Portion daraus abzapfen – der Anfang der Barkultur. In Flaschen ist Bier erst seit vergleichsweise kurzer Zeit für den Normalbürger erhältlich; um 1600 kam die Idee zwar schon auf, es dauerte aber aufgrund hygienischer Probleme, der Unerschwinglichkeit von Glasflaschen und der lang ungelösten Problematik der Verkorkung noch bis nach dem Ersten Weltkrieg, bis der Bierfreund sich gewohnheitsmäßig das Bier ohne Kneipenzwischenstop im Wohnzimmer selbst eingießen konnte.

Seit dieser Zeit haben sich eine unzählige Menge von Flaschenformen herausgebildet, in die Bier abgefüllt wird. Die Standardisierungsfreude in Deutschland und später der EU hat schnell dazu geführt, dass viele davon hierzulande nur ein Nischendasein fristen. Die Standardflasche NRW-Flasche in Vichyform und deren kleiner Bruder, die Longneckflasche, die gemeinsam gefühlt 95% der deutschen Biere umhüllen, sorgen bis heute für eine recht triste Monokultur-Außendarstellung der deutschen Bierwelt, im Gegensatz zum bunten Flaschenformreigen der angloamerikanischen Freiheit.

Eine noch recht häufig anzutreffende Ausnahme ist die kleine, gequetschte 330ml fassende Flasche, die man im Saarland Stubbi nennt. Steinie ist der offizielle Name, zumindest laut der inzwischen abgelaufenen DIN-6199, landläufig sind dann Kosenamen wie Bombe, Granate, Stupete oder Knolle bekannt. Selbst im englischsprachigen Raum kennt man sie, unter dem Namen stubby, und sie war in Kanada über viele Jahre die Standardform für Bierflaschen. In ihr erhält man ein sehr leckeres saarländisches Bier: das Bruch Zwickel.

Bruch Zwickel Flasche

In Saarbrücken, wo die Brauerei Bruch niedergelassen ist, ist sie mit Gründungsdatum 1702 das älteste Unternehmen, und gehört mit 30 000 Hektolitern Ausstoß pro Jahr zu den Kleinbrauereien. Für diese kleine Größe ist das Bruch-Bier aber überraschend präsent in Saarbrücken: Praktisch jeder Supermarkt führt mindestens eine, eher aber drei bis vier Sorten dieser Brauerei, und einige beliebte Biergärten, darunter der hochfrequentierte Staden, der selbst bei geringem Sonnenstand schon fast zum Bersten gefüllt ist, werden von Bruch versorgt.

Wie von einem Kellerbier zu erwarten ist das Bier sehr trüb, auch wenn andere Hersteller das Konzept anders interpretieren. Ansonsten bekommt man eine sehr typische Bierfarbe, wie man sie kennt. Viel Kohlensäure sorgt für ein lautes Zischgeräusch und großperligen Schaum, der nur eine dünne Krone hinterlässt.

Bruch Zwickel Glas

Flugs die Nase ins Glas gehalten: Fruchtig, hefig, metallisch. Die Hefereste im Glas sorgen für intensiveren Geschmack als bei einem filtrierten Bier, das ist kein Marketinggag. Liebe Hersteller, lasst doch das Ausfiltern von Geschmacksträgern (das nur zugunsten einer hübschen Optik geschieht) sein!

Auch im Geschmack ist ein metallischer Ton vorhanden, die Frucht verschwindet fast völlig dahinter. Eine recht konservative Pilsinterpretation, die noch nichts vom über Deutschland hereinbrechenden Aromahopfen weiß. Hopfen ist eindeutig eine Menge im Bruch Zwickel, aber reiner Bitterhopfen, der für die ausgesprochen eckige Bitterkeit sorgt.

Der Abgang ist entsprechend knackig-bitter und vergleichsweise kurz. Die Trockenheit sorgt für einen kräftigen Speichelfluss, und der hohe Kohlensäuregehalt für Gasentweichungsdrang. Ein gehobenes Gebrauchsbier, als Essensbegleiter oder unprätenziöser Durststiller.

Aber wie man das Bier optimalerweise trinkt, ist so: Im Biergarten, mit einer Butterbrezel oder einem Paar Merguez (im saarländischen betont auf der ersten Silbe!) im Doppelweck, und einer guten Zigarre danach. Ich freue mich im aktuell nasskühlen Frühjahr schon auf diese Jahreszeit, und auf das erste Freiluft-Bruch Zwickel.

Bruch Zwickel im Biergarten

Ich bin ehrlich – mit den restlichen Bieren der Brauerei Bruch kann ich nicht so furchtbar viel anfangen; recht langweiliges Massenbier mit wenig Eigencharakter, auch wenn es für mich noch deutlich besser trinkbar ist als die langweilig-aromenarme Pilssuppe aus der ebenso saarland-lokalen Karlsberg-Brauerei. Das Zwickel aber ist ein wirklich gelungenes Bier; man kann es auch gut in Cocktails einsetzen, wie zum Beispiel dem Prickly Ricky.

Prickly Ricky Cocktail


Prickly Ricky
1 oz Tequila blanco (z.B. Don Julio Tequila Blanco)
1 oz Birnensirup
1 oz Limettensaft
…aufgießen mit 2 oz Bruch Zwickel


In Ermangelung eines Birnensirups habe ich mir einen Birnensaft 1:1 mit Zuckersirup gemischt. Ich hätte mir auch einen Birnensirup selbst einkochen können, da der Prickly Ricky aber bisher der einzige mir bekannte Cocktail ist, der nach Birnensirup verlangt, wäre das für die gebrauchte winzige Menge ein etwas ineffizientes Verhalten gewesen. Das ist oft so bei Cocktailzutaten: Man muss abwägen, ob das Spezifizierte, wenn nicht vorhanden, nicht durch etwas Vorhandenes ersetzt werden kann, denn kein Mensch kann alles, was moderne Rezepte fordern, auf Lager haben oder herstellen wollen.

Wenn Sie das Bruch Zwickel probieren wollen, müssen Sie wohl ins Saarland kommen, da die Firma nicht ins deutsche Ausland exportiert. Es lohnt sich, auch unabhängig vom Bier – das Saarland ist mit Sicherheit das schönste Bundesland der Welt, mit dem über die Grenze schwappenden Hauch des französischen savoir-vivre, voller netter, unkomplizierter Leute, die mich als schwäbischen Exilanten freundlichst aufgenommen haben; Ihnen wird es nicht anders ergehen!

Die Seele des Liebenden ist das Gegenteil der Seele des Sammlers – Jack Daniel’s Master Distiller Series Limited Edition N°3

Der Steinzeitmensch war Jäger und Sammler. Und so mancher Mensch ist es heute noch, auch wenn man dann weniger Beeren sammelt und Mammuts jagt, sondern Sammelobjekte aller Art. Man kennt die Opas, die noch eine Briefmarkensammlung haben, die Omas mit dem Puppenhort. Schallplatten und Kronkorken, Bücher und Porzellanfiguren, Sammelkarten und allerlei anderes Zeugs. Comicbücher waren in den 80ern und 90ern beliebte Sammelobjekte, so beliebt, dass sie bis heute Spekulationsware sind.

https://www.youtube.com/watch?v=rtWatPQFQrI

Doch eins ist dem nicht dem Sammel- und Jagdwahn verfallenen kühlen Kopf klar: Für jedes Sammelobjekt wie Action Comics #1, Amazing Fantasy #15 oder Detective Comics #27, für die man Eigentumswohnungen in Zentralmünchen bekommt, gibt es Millionen von Gegenstücken, die nichts wert sind. Und mit nichts meine ich nicht mal den Materialwert, auch wenn diverse findige Verkäufer dem unbedarften Investitionswilligen die Sterne vom Himmel versprochen hatten: All die Garantien der Puppenhersteller auf astronomische Wertzuwächse, die doch so sensationellen Einstiegspreise bei Sondermünzen, der angeratene Kauf von Porzellantellern, weil doch der Aktienmarkt so volatil dagegen ist. Alle sind sie auf die Nase gefallen.

Und dann empfiehlt der eine oder andere noch Whisky als Investition. Natürlich tut man das dann nicht mit der 10€-Flasche aus dem Discounter, sondern sucht sich seltene Abfüllungen. Warum dann nicht eine nehmen, die sogar schon im Namen eine Limitierung trägt, wie Jack Daniel’s Master Distiller Series Limited Edition N°3? Die muss doch garantiert in Zukunft was wert sein, oder?

Jack Daniel's Master Distiller Series No 3 Flasche Schrägansicht

Erstmal begehe ich nun den schlimmsten Fehler, den man als ambitionierter Sammler mit Investitionsgedanken begehen kann: Ich öffne die Flasche und verkoste den 43%igen Inhalt.

Geruchlich ist dieser Tennessee Whiskey klar als Jack Daniel’s Whiskey erkennbar. Die typische, fruchtige Bananennote überlagert alles andere, eine gewisse Nussigkeit grenzt sie aber zum 3% schwächeren Schwarzlabel desselben Herstellers ab. Eine starke Plastikkleberfahne ist auch mit von der Partie.

Erster Mundeindruck: Sehr weich und süß. Doch ziemlich schnell setzt eine durchaus aggressive Schärfe ein, die an Zunge und Gaumen kitzelt. Kombiniert mit der recht kräftigen Würze, die die Süße komplett ersetzt, ergibt das einen überraschend starken Whiskey, der seinen kleinen Siebener-Bruder schnell überholt.

Ich mag würzige, kräftige Whiskeys, solange sie die Schärfe mit Charakter ausgleichen. Leider suche ich das bei der dritten Auflage der Jack Daniel’s Master Distiller Series  vergeblich. Er hat kaum Körper, der Abgang ist enttäuschend kurz, wenn auch ansprechend trocken, der Nachhall nach wenigen Sekunden verklungen.

Jack Daniel's Master Distiller Series No 3 Flasche

Ich bin froh, für diesen Tennessee Whiskey nur 25€ im lokalen Globus-Markt bezahlt zu haben. Die Online-Preise, die ich recherchiert hatte, würde ich für diesen eher langweiligen Whiskey nicht auf den Tisch legen wollen – da ist das Geld in einen Jack Daniel’s Single Barrel sehr viel besser investiert, wenn man in diesem Bundesstaat bleiben will – der besitzt nämlich den Charakter, den ich bei „Lem“ Tolleys Whiskeyvariante klar vermisse.

Die Flasche selbst ist identisch zum bekannten Old N° 7, aber mit kupferfarbenen, reflektierenden Rändern; sie ist erhältlich in einem stabilen Karton mit dem Konterfei des Master Distillers Tolley, der von 1941 bis 1964 bei Jack Daniel’s wirkte.

Der Cocktail, den ich vorschlage, ist nach dem Rezept von Dale DeGroff aus seinem Buch „The Essential Cocktail“. DeGroff ist nie bescheiden, gibt gern mit seinen unzweifelhaften Errungenschaften an. Auch vom Whiskey Smash sagt er unverblümt, dass er ihn erfunden habe. Letztlich hat er aber nur dem Rezept von Jerry Thomas von 1862 Zitronenstücke hinzugefügt (es wäre kein DeGroff-Drink, wenn nicht gemuddelte Frucht drin wäre), und den Süßer ausgetauscht. Das Ergebnis ist dann aber doch ein völlig anderer, modernerer und vielleicht sogar besserer Drink – daher gestehe ich DeGroff gern ein bisschen Megalomanie zu.

DeGroff's Whiskey Smash


DeGroff’s Whiskey Smash
4 große Blätter Minze
½ Zitrone, wiederum halbiert
1 oz Orange Curaçao (z.B. Le Favori)
im Shakerglas muddeln
2 oz Jack Daniel’s Master Distiller Edition N°3
sehr gut schütteln


Diese Jack-Daniel’s-Reihe ist klar an Sammler gerichtet, die sich die „Limited Edition“-Flaschen ins Sammlerregal stellen wollen und auf Wertsteigerung oder Prestige für die gesamte Reihe hoffen. Doch hierfür gibt es Voraussetzungen.

Erstens, das Sammelobjekt muss selten genug sein (von Action Comics #1 gibt es wohl nur noch eine Handvoll). Ich will gar nicht schätzen, wieviele Flaschen diese „Limited Edition“ eines Massenherstellers ausmachen; allein schon deswegen ist eine Wertsteigerung eher utopisch. Zweitens, man muss sicherstellen, dass es sich bei dem Objekt der Begierde nicht um eine Fälschung handelt – gerade bei Spirituosen ist das wirklich ein Thema. Drittens, man muss die gesamte Reihe haben. Einzelflaschen werden, falls diese Reihe mal tatsächlich etwas wert sein sollte, deutlich geringer bepreist sein als die Gesamtreihe (Sammelkarten zeigen dies). Und zu guter letzt darf man die Flasche, wie oben schon angesprochen, nicht öffnen und muss den Karton aufbewahren – Comics beispielsweise müssen einen guten Zustand aufweisen, eigentlich direkt nach dem Kauf in Folie eingeschweißt und unter guten Bedingungen aufbewahrt werden, und dürfen idealerweise gar nicht erst gelesen werden. Ich persönlich trinke einen Whiskey lieber statt ihn als Spekulationsobjekt ungeöffnet im Regal verstauben zu lassen und ihn damit den wahren Genießern zu entziehen.

Man sieht, ich wäre eh nicht an einem eventuellen zukünftigen Wert dieser limitierten Whiskeyserie interessiert; doch werde ich die anderen Jahreseditionen, die mit anderen Master Distillern der Firma präsentiert werden, auch aus rein geschmacklichen Gründen nicht weiter verfolgen.

Säure zehrt, Süße nährt – Heidsieck & Co. Monopole Blue Top Brut Champagne

Bei Wein und Schaumwein ist es hin und wieder schwierig, in dem unendlichen und dauernd sich verändernden Sortiment eine Sorte zu finden, die einem mundet. Ein guter Markt bietet daher Verkostungsproben an, durch die man zumindest nicht die Flasche im Sack kaufen muss. Dabei erlebte ich vor einiger Zeit ein Geschichte, die die Problematik deutlich macht, die ich mit vielen Weinen, egal ob mit Blubber oder ohne, habe.

Die sehr freundliche Dame schenkte mir ein Glas Weißwein ein, während ich sie darauf hinwies, dass ich keine besonderen Vorlieben bei Wein habe, nur eins nicht ausstehen kann: Sauren Wein. Passend dazu trank ich dann aus dem angebotenen Glas und verzog das Gesicht, und meinte etwas lakonisch: „So wie das“. Die Dame korrigierte mich: „Trocken, nicht sauer. Sie meinen trocken.“ Da konnte ich doch nicht mehr an mich halten und musste ihr doch mitteilen, dass ich geschmacklich zwischen sauer und trocken unterscheiden könne. Da war sie dann etwas pikiert.

Gerade bei Sekt und Champagner habe ich das Problem oft, dass mir Leute Essigsäure als Edeltrockenheit vormachen wollen, und viele, die in solchen Themen unsicher sind, fallen auf diese Masche rein und trinken aus Prestigegründen Zeug, das ihnen eigentlich nicht schmeckt, weil „trocken“ ja die einzig erlaubte Richtung bei „Kennern“ ist. Glücklicherweise habe ich nach vielen Pullen Zehnägelaufdrehern einen Champagner gefunden, der tatsächlich meinem Empfinden von Trockenheit entgegenkommt, ohne dabei auch nur ansatzweise sauer zu sein: den Heidsieck & Co. Monopole Blue Top Brut Champagne.

Heidsieck Blue Top Flasche

Leider sieht man das auf meinen Fotos schlecht, doch der Blue Top hat eine ansprechend ausdauernde Perlage mit einer feinen Perlenschnur vom Glasboden zur Sektoberfläche, und ein elegantes, blasses Pastellgold im Glas.

Die sehr fruchtige Nase erfreut mein Geruchszentrum, und ein ebensolcher Geschmack meinen Gaumen. Trotz der Bezeichnung brut empfinde ich beim Verkosten eine feine Süße. Ich gehe davon aus, dass der Dosage-Restzucker daher an der Obergrenze der für brut üblichen 12g/L liegt.

Der volle Körper, etwas, das mir bei vielen lokalen Crémants und Sekten fehlt, die oft kratzig und kantig daherkommen, ohne wirklich Volumen zu entwickeln, lässt mich gern und häufig am Glas nippen. Normalerweise bleibt bei Sekt bei mir immer ein recht großer Rest im Glas, hier schenke ich mir gern selbst noch nach.

Heidsieck Blue Top Glas

Nicht nur mir geht es so – im Blindverkostungstest der Zeitschrift Mixology, Ausgabe 06/2015, landete der Blue Top auf Platz 5 mit 91 Punkten – einem recht hohen Wert für einen fünften Platz.

Das Motto des namensgebenden blauen Kopfs ist schön durchdacht und konsequent ausgeführt, mit fester, blauschimmernder Alufolie. Witzig ist die Umkehrung des Farbmusters auf dem stabilen Karton.

Heidsieck Monopole Blue Top Neoprenhülle

In speziellen Aktion kann man diesen Champagner auch statt mit Karton in einer Neoprenhülle mit Druckknopf auf der Rückseite erwerben. Diese soll wohl dazu dienen, einen einmal gekühlten Champagner länger kalt zu halten; persönlich habe ich die Effektivität dieses Taucheranzugs noch nicht ausprobiert. Ich könnte mir aber vorstellen, dass das für ein paar Minuten länger als unumhüllt durchaus funktioniert. Außerdem kann man die Hülle, die im selben Design wie das Flaschenetikett gehalten ist, und den blauen Kopf heraussschauen lässt, später dann auch für andere Schaumweine zur Kühlung nutzen kann. Zwischen 20€ und 28€ für den Dreiviertelliter muss man, egal ob in Karton oder Neopren, einplanen – eine nette Preisspanne, bei der es sich lohnt, nach Angeboten ausschau zu halten.

Selbstverständlich ist der Blue Top eine perfekte Zutat für einen Cocktail. Champagner gibt einem Cocktail eine leichte, säuerliche Frische zusätzlich zum feinen Blubber; der Cocktail wird dadurch klar im Geschmacksbild und sehr erfrischend. Gerade die Fruchtigkeit des Blue Top passt gut zu den Säften und dem Tequila im Hotel California.

Hotel California Cocktail


Hotel California
1 oz Tequila Reposado (z.B. Sauza Hornitos Reposado)
1 oz Orangensaft
2 oz Ananassaft
…alles gut schütteln und am Ende aufgießen mit…
4 oz Heidsieck & Co. Champagne Brut Monopole Blue Top


Was isst man dazu? Ich habe immer noch das Bild von „La Boum“ im Kopf, in dem die Erwachsenen sich im Restaurant treffen und dann riesige Silberschalen voll Austern essen und dazu Champagner trinken. Die Franzosen wissen zu leben! Tatsächlich ist das eine perfekte Kombination, Austern mit Champagner.

Austern

Mit ein bisschen Übung und einem guten Werkzeug kriegt man die widerspenstigen Dinger auch zügig und ohne Mühe auf. Ich empfehle mal einen Besuch in einem größeren französischen Supermarkt mit entsprechender Frischetheke; dort bekommt man oft drei oder mehr verschiedene Sorten Austern als Alternative zu der in Deutschland meist üblichen Fines-de-claire-Monokultur.

Und wenn man dann doch auf starke Säure im Champagner steht und einem dieser Schaumwein dann nicht sauer genug ist, kann man ja ein paar Spritzer Zitronensaft auf die Austern geben, zum Ausgleich…