Franziskaner Hefeweizen Titel

Über die Qualität von Zutaten – Franziskaner Weissbier

Glyphosat im Bier! Die Meldung, dass ein Münchner Institut in diversen Bierproben ein Herbizid in geringen Dosen nachgewiesen hat, schockierte vor kurzem die deutsche Bierwelt. Der spannendste Punkt für mich dabei war, wie mit der Meldung umgegangen wurde. Die Nachrichtenagenturen und Zeitungsmedien sind auf die Meldung angesprungen und veröffentlichten sie mit polemischen Schlagwörtern auf den Titelseiten. Empörung allerorten! Die wollen uns vergiften! Der Gegenschlag kam sofort: In ähnlich aufgeregtem, manchmal auch etwas herablassenden Ton reagierten Fachverbände und -journalisten, dass die Studie schlecht gemacht sei und die Dosen so gering, dass es irrelevant wäre. Nebenbei wurde der Bierkonsument oft noch darauf hingewiesen, dass der Alkohol im Bier eh viel gefährlicher sei als jedes Pestizid, wozu also die Aufregung.

Wir befinden uns in einer Welt der Dauererregung, in der jede Meldung, die uns tatsächlich zu denken geben sollte, in gegenseitigem Wutgeschrei oder Sarkasmus ertränkt wird, um bald darauf wieder vergessen zu werden. Dabei ist die Meldung, auch wenn ihre Anklage nicht so spektakulär ist, wie sie und die Reaktionen auf sie es scheinen macht, doch von großer Bedeutung: Es werden schließlich immer mehr Kleinstrückstände aller möglichen Stoffe in unseren Nahrungsmitteln gefunden, die dort eigentlich nicht hingehören – das summiert sich mit der Zeit auf. Wir lernen dadurch auf die harte Tour, dass alles, was wir im Produktionsprozess irgendwo verwenden, auch im Endprodukt seinen Niederschlag findet; nicht nur die erwünschten feinen Aromen, die Hersteller gern mit blumigen Worten ihren Herstellungsbedingungen zuschreiben, sondern auch das Herbizid des Getreides, Antibiotikum der Tierzucht und Aluminium der Hautpflegemittel.

Ein Weckruf zur rechten Zeit, der trotz all seiner Mängel nicht in der allgemeinen Reizstimmung verklingen oder lächerlich gemacht werden sollte – und die Hersteller daran erinnern sollte, sich um die Qualität der verwendeten Ressourcen besser zu kümmern. Um mich selbst zu beruhigen (und mich im Nebeneffekt gegen eventuellen Magenunkrautbefall zu schützen), trinke ich nun ein Bier, das leider auch auf der Liste der glyphosat-positiv-getesteten Biere steht: Das Franziskaner Weissbier.

franziskaner-hefeweizen-flasche

Die Farbe ist dunkler als bei vielen Konkurrenzprodukten, sie geht schon in die Richtung Kupfer. Die Hefetrübung ist stark ausgeprägt, schließlich haben wir es hier mit einem Hefeweizen zu tun, die Schaumbildung zu Beginn stark, nach einer Weile ist aber praktisch kein Schaum mehr auf dem Glas. Wie bei vielen Bieren, die so eine Art der Perlage aufweisen, ist die Frische dennoch gegeben und bleibt bis zum letzten Schluck erhalten.

Eine Besonderheit diesbezüglich hebt das Franziskaner Hefeweizen über den Standard hinaus: Ein extrem hoher Kohlensäuregehalt, den man dem Bier nicht ansieht, aber nach jedem Schluck fühlt. Das daraus resultierende dauernde Aufstoßen ist für den Trinkgenossen vielleicht nicht so angenehm, für den Trinker selbst aber erleichternd.

Passend dazu ein etwas metallischer Geschmack, leicht fruchtig, insgesamt weizentypisch glatt, aber mit tiefliegender Würze. Der Abgang ist dagegen ungewohnt bitter und trocken für ein Hefeweizen; für mich trägt dies allerdings zur Erfrischung bei. Süße ist angenehm beim Antrunk, im Abgang mag ich es lieber weniger süß.

franziskaner-hefeweizen-glas

Eines meiner persönlichen Lieblingshefeweizen für den Alltag. Das ist bestimmt kein Craftbier, und geschmacklich auch gewiss nicht sensationell, aber als Gebrauchsbier, gerade im heißen Sommer im Freien, im Liegestuhl auf dem Balkon, getrunken eiskalt aus dem Kühlschrank oder der Kühlbox – da gibt es nicht viel besseres, und schon gar nicht in dieser Preiskategorie. Franziskaner hat auch ein Kristallweizen, ein Dunkel und ein alkoholfreies Weizen im Angebot.

Ein klassischer Cocktail aus der Prohibitionszeit ist der Bee’s Knees, mit Gin, Zitrone und Honig. Fügt man dieser klassischen Rezeptur noch einen guten Schuss Hefeweizen zu, erhält man den Traum eines jeden Biercocktailfreunds: den Beer’s Knees. Schon beim Gedanken an diese honigzitronige Köstlichkeit fangen mir die Knie an zu zittern.

Beer's Knees


Beer’s Knees
1½ oz Gin (z.B. Bombay Sapphire)
1 oz Zitronensaft
1 oz Honigsirup
3 oz Franziskaner Weissbier


Beim Franziskaner Weissbier zeigen sich die Vorteile eines gut gemachten Industriebiers: gleichbleibende Qualität, geringer Preis, sehr leichte Verfügbarkeit in Flaschen wie Dosen. Wie andernorts schon gesagt, wenn das das Niveau des Industriebiers in Deutschland ist, können wir uns äußerst glücklich schätzen. Und wenn dann noch die Glyphosatrückstände auch noch ausgemerzt werden, was ja nun hoffentlich jeder Brauer, der was auf sich hält, versuchen wird, um so besser.

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