Clément Créole Shrubb Titel

Orangiger als Orange – Clément Créole Shrubb

Jeder, der sich mit Cocktails auseinandersetzt, kennt Triple Sec, eine Basiszutat in vielen klassischen Mischrezepturen. Der Name, wörtlich übersetzt in etwa „dreifach trocken“, täuscht über den Geschmack und die Funktion dieses Bitterorangenlikörs hinweg – man stellt sich rein dem Namen nach natürlich erstmal etwas sehr trocken-bitteres vor. Spirituosenhistoriker David Wondrich beschreibt in Imbibe!, dass Curaçao, der Oberbegriff für alle diese Arten von Bitterorangenlikören, in frühen Cocktailzeiten aber eigentlich als Kantenabschmirgler diente: „a little curaçao to take the edge off“ wurde schon von Jerry Thomas gern genutzt. Der Likör fungierte also nicht als Aromenlieferant, sondern letztlich als Süßstoff mit leichtem Fruchtgeschmack als Nebeneffekt. Später wurde Curaçao dann oft von Maraschino-Likör verdrängt – man sieht, es ging wirklich nicht um das Fruchtaroma, wenn man Orange so leicht durch Kirsche ersetzen kann.

Für den Feld-Wald-und-Wiesencocktail ist die simple Basisversion des Triple Sec oder Curaçao, beispielsweise Le Favori oder Chadess, ausreichend. Etwas feiner als die einfachste Form des Orangenlikörs wäre Cointreau oder Grand Marnier Cordon Jaune, darüber vielleicht noch Grand Marnier Cordon Rouge, der mit Cognac verfeinert wird. Die absolute Krönung des Orangenlikörs ist aber meiner Meinung nach der Clément Créole Shrubb.

clementcreoleshrubb-flasche

Das besondere dieses Orangenlikörs des Herstellers Clément von den französischen Antillen: er basiert auf rhum agricole. Durch den im Gegensatz zu vielen anderen Rums aus frischem Zuckerrohrsaft gewonnenen Rum der Insel Martinique wirkt dieser Likör sehr frisch und fruchtig, nicht so klebrig süß und dumpf wie viele andere Triple Secs, die wirklich auch heute nur noch, wie zu Jerry Thomas‘ Zeiten, als Süßungskomponente in Cocktailrezepten dienen, deren Orangenaroma aber gegen andere Zutaten  untergeht.

Das kann mit dem Créole Shrubb nicht passieren, im Gegenteil. Die etwas blasse Farbe täuscht über seine Power hinweg: Er ist so aromatisch und stark, so selbstbewusst und fruchtig, dass er den Orangengeschmack selbst gegen die allerwuchtigsten Gegenspieler durchdrücken kann. Man sollte daher vorsichtig beim Einsatz sein, denn nicht immer ist das auch gewünscht – eventuell reicht die halbe Menge, wenn Curaçao gefragt ist, und man stattdessen diesen Orangenrum verwenden will.

clementcreoleshrubb-farbe

Fantastisch wirkt dieser Likörrum, den man selbstverständlich auch pur mit einem Eiswürfel nach einem üppigen Essen genießen kann, in einem ganz einfach herzustellenden Créold‘ Fashioned. Kaum zu glauben, aber es braucht wirklich einen kräftigen Bourbon, und die dreifache Menge dazu, damit er gegen den wuchtigen Créole Shrubb eine Chance hat. Ich hatte diesen Cocktail mit einem Bulleit Bourbon versucht; man schmeckt diesen zarten Bourbon praktisch nicht mehr heraus aus der Melange. Der Evan Williams Bottled-in-Bond 100 proof dagegen kann sich gut durchsetzen.

creoldfashioned-cocktail


Créold‘ Fashioned
3 oz Bourbon (z.B. Evan Williams Bottled-in-Bond 100 proof)
1 oz Clément Créole Shrubb
2 Spritzer Bitter (z.B. The Bitter Truth Peach Bitters)


Halten Sie das Glas mit dieser Mischung und ein paar Eiswürfeln gegen das Sonnenlicht und genießen Sie die herrlichen Fäden, die sich in der Flüssigkeit bewegen – in dieser Form habe ich das bisher nur bei diesem Orangenlikör gesehen. Ich rauche zu diesem sehr süßen, sehr fruchtigen Drink eine De Olifant Fantje: Das Sumatra-Deckblatt bietet einen würzigen Gegenklang gegen die natürliche Süße des Bourbon und der Orange.

Weil dieser Likör sehr zuckerhaltig ist, und der Plastik-Drehverschluss etwas billig gemacht ist, verklebt und verkrustet er schnell und ist dann nur noch schwer aufzukriegen. Letztlich wird aber ein dermaßen aromatischer Orangenlikör eh nicht lang halten – der ist ruckzuck weggetrunken, versprochen.

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6 Gedanken zu “Orangiger als Orange – Clément Créole Shrubb

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