Supermarkt-Spirituosen haben immer so einen „Geiz-ist-geil“-Beigeschmack, weswegen Pseudokenner über sie lachen. Dabei sind einige davon wahre Perlen, zugegebenermaßen oft versteckt unter viel Müll. Der Old Pascas Ron Negro ist eine der Perlen.
Wer einen günstigen, aber dennoch geschmacklich guten dunklen Rum sucht, um ihn für Cocktails zu verwenden, macht mit dem Old Pascas nichts falsch. Versuchen Sie zum Beispiel mal einen meiner Lieblingscocktails, den El Presidente, mit diesem Rum herzustellen. Ein fantastischer Cocktail, edel, trocken, wunderbar süß, passend zu einer Davidoff Demi Tasse.
El Presidente
1½ oz Old Pascas Ron Negro
¾ oz Triple Sec (Le Favori, oder z.B. Clément Créole Shrubb)
¾ oz Trockener Wermut (z.B. Martini Extra Dry)
1 Spritzer Grenadine-Sirup
Der Old Pascas übernimmt den Cocktail nicht mit extremer Süße oder störenden Aromen – er ist ein sehr angenehmer, ruhiger, leicht zufriedenzustellender Cocktailspieler. Mein einziger Kritikpunkt sind die etwas dürftigen 37,5% Volumenprozent; viel Kraft hat dieser Rum daher nicht. Trotzdem – wer die Extraeuros für einen Pampero Aniversario oder den 4-jährigen Botucal nicht ausgeben will, ohne allzuviel an Qualität zu verlieren, und nicht an „Sipping“ (Purtrinken) denkt, sollte einen Blick (und Schluck!) riskieren. Leider gilt dasselbe nicht für den weißen Old Pascas. Lassen Sie den lieber im Regal und holen sich eine zweite Flasche der dunklen Varietät. Da dieser Rum auch einer der recht wenigen ist, die ohne künstlichen Zuckerzusatz auskommen, sollte man ihm auch deswegen eine Chance geben.
Vor kurzem wurde das Flaschen- und Etikettendesign überarbeitet. Die 37,5%-Variante und die 73%-Variante erhielten ein sehr gelungenes Facelift.
Die neue Flasche (links) ist runder, schwungvoller, mit einem hübschen im Glas eingelassenen Schildkrötenmotiv – dagegen wirkt die alte Version (rechts) tatsächlich recht langweilig und gewöhnlich. Mir gefallen solche gut gemachten, durchdachten Stiländerungen, denn das Auge trinkt bekanntlich mit!










Doch irgendwann muss dann doch der erste Schluck erfolgen. Die Aromen verwundern nicht: Die Honignote ist da, etwas vanilliges, eine sehr zurückhaltende Würze, und, und das ist für mich das überraschendste dieses Whiskys, wechselt auch die in der Nase noch etwas störende Acetonnote in den Mund über und lässt sich in einem leicht mentholartigen Mundgefühl wiederfinden. Dort ist sie aber dann plötzlich gar nicht mehr so unangenehm – es ist etwas besonderes, das ich sonst bei noch keinem Whisky schmecken konnte. Manchen wird das aber zu alkoholisch-brennend schmecken, oder die Assoziation von leichtflüchtigem Fusel geben. Purtrinken? Hm, eher selten.
Die 6-jährige Variante dieses Whiskys ist, das muss man dann dazusagen, die niedrigste Qualitätsstufe dieser Marke. Eventuell die zwölfjährige Variante, den großen Bruder sozusagen, werde ich noch ausprobieren. Da bei kanadischem Whisky auch geschmacksgebende Zusatzstoffe erlaubt sind, zum Beispiel Zucker und künstliche Aromen, halte ich das aber eher für unwahrscheinlich – es gibt zuviele reinere Spirituosen, als dass ich meine Zeit mit Schnäpsen voller undeklarierter Zusatzstoffe vertun wollte.







