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Maisel & Friends Teleporter Imperial Porter Titel

Kurz und bündig – Maisel & Friends Teleporter Imperial Porter

Maisel & Friends heißen nicht umsonst so – immer wieder treffen sie sich mit Brauern von anderen Brauereien und stellen Collaboration Brews, wie es auf bierneudeutsch heißt, her – die unterschiedlichen Sichtweisen auf Bier soll für eine gegenseitige Befruchtung in den Produkten sorgen. Nach dem in den USA bei Christian Moerlein Brewing (Cincinatti, Ohio) hergestelltem Spacetime kommt der deutschstämmige US-Brauer nun zurück in die alte Heimat: mit dem Maisel & Friends Teleporter Imperial Porter soll die zeitliche und räumliche Trennung der Brauerkollegen außer Kraft gesetzt werden. Beamt es mich up, oder hat der Teleporter eine Fehlfunktion?

Eine wirklich starke Schaumentwicklung grüßt, wenn man das Bier aus der großen Dreiviertelliter-Flasche, die auch schon als Heimat für andere Maisel-Biere diente, eingießt. Porter kenne ich sonst als diesbezüglich eher zurückhaltendes Bier, hier ist der Schaum gemischtporig, und bleibt lange erhalten, später dann als helle, dichte, flache Krone auf dem Bier. Das Bier selbst ist dunkelbraun bis rubinrot, nicht ganz blickdicht.

Maisel & Friends Teleporter Imperial Porter

Die Nase erfreut sich an holzig-rauchigen dunklen Kakao- und Kaffeenoten, insbesondere letzteres ist sehr präsent, wie eine Schale schon eine Weile offen dastehendes Kaffeepulver. Die Aromatik ist darunter dann eher süßlich, Beeren, Vanille, Orangen.

Das Mundgefühl ist weich, mild, cremig. Süße Anflüge von Karamell werden kombiniert mit einer dezenten Bittere, die keine Kanten hat – 39 IBU würde man wohl kaum vermuten, wüsste man es nicht. Dasselbe gilt für die Rezenz, das Teleporter ist frisch und leicht, auch etwas, was man von der Optik her nicht unbedingt annehmen würde. Die Hopfensorte Phoenix kümmert sich schließlich darum, die Gesellschaft der dunklen Gerstenmalze nicht zu stumpf werden zu lassen. 9% Alkoholgehalt machen das Teleporter zum Imperial Porter, diesen Stil sieht man nicht häufig – mir als Porterfreund gefällt das sehr.

Der Abgang hat eine attraktive dezente Schärfe, die auf der Zunge kitzelt. Feinherbe, mäßige Trockenheit, schöne Säure, leicht grasige Aromen und etwas Mineralität lassen das Bier sehr langsam und mit Bedacht ausklingen.

In diesem Bier findet man alles, was den Porter-Stil für mich so liebenswert macht, und das nicht zu knapp. Ein wirklich schön gestaltetes, rundes Bier, mit einer herrlichen Retro-Videospiel-Etikettierung, die Blicke auf sich zieht. Meine Empfehlung: Zugreifen, solange die limitierte Edition erhältlich ist!

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kostenlose Zusendung einer Flasche dieses Biers.

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Maisel & Friends Choco Porter Titel

Kurz und bündig – Maisel & Friends Choco Porter

Ich habe seit einiger Zeit dunkles Bier als Durstlöscher im Biergarten für mich entdeckt – so ein dunkles Hefeweizen beispielsweise möchte ich nicht mehr missen, und immer mehr Lokalitäten bieten entsprechendes auch an. Für manche Konsumenten gelten dunkle Biere aber noch grundsätzlich als süß, schwer und eher ein Weihnachtsgetränk denn etwas für den heißen Sommer – das Maisel & Friends Choco Porter kommt genau passend zu einem Zeitpunkt auf den breiten Markt, um dieses Vorurteil zu wiederlegen.

Maisel & Friends Choco Porter

Farblich ähnelt das Choco Porter der Flasche, in der es enthalten ist – tiefdunkelbraun, nicht ganz blickdicht, mit rostroten Reflexen. Mittlere Perlage, leicht beigefarbener Schaum ohne lange Lebensdauer.

Der Geruch ist deutlich rauchig, vielleicht sogar ein Hauch von Räucherspeck. Sehr getreidig-malzig und würzig, mit Brotkrustennoten. Etwas stallig. Geschmacklich erinnert das Choco Porter mich durchaus auch etwas an ein dezentes Rauchbier, eigentlich sogar mehr als an ein typisch britisches Porter. Sehr malzig, gemahlener Kaffee, verbranntes Grillfleisch, kaum etwas, das an die namensgebenden Schokolade erinnert. Milde Süße kombiniert mit ansprechender Rezenz und leichtem Körper – gut gekühlt angenehm erfrischend. 6,5% sind ohne Mangel eingebunden.

Der Abgang ist sehr kurz, dann doch nussig-bitterer als erwartet dank 22 IBU, ansonst aber etwas undefiniert – ein leichter Rauchnachhall bleibt, schafft es aber nicht, über den schon fast enttäuschenden Minimalismus dieses Abgangs wegzuhelfen. Dennoch: Wie bei praktisch allen Bieren von Maisel & Friends bekommt man hier ein sehr rundes, ausgewogenes und unterhaltsames Bier, das in meinem Kühlschrank als Basisbier zur Hilfe bei dunklen Gelüsten immer einen Platz finden wird.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kostenlose, unaufgeforderte Zusendung von drei Flaschen des Choco Porter.

Dieser Hahn kann schön krähen – Gruthaus Pumpernickel Porter

Der Feinkostmarkt im Saarbrücker GaleriaKaufhof ist ein Ausbund an unerwarteten Überraschungen. Sie haben dort wirklich ein hervorragendes Sortiment (leider etwas überteuert) an Spirituosen, und auch eine kleine, aber sehr feine Biertheke mit Bieren aller Art und aus aller Welt. Wenn dann noch eine Mindesthaltbarkeitsdatumswarnungswelle ausbricht, bei der viele Biersorten um 50% reduziert werden, so wie neulich, schlage ich bei allem, was nicht niet- und nagelfest ist, zu. Eins dieser MHD-Biere war das Gruthaus Pumpernickel Porter, das ich heute vorstellen will.

gruthauspumpernickelporter-flasche„Schwarz, kernig, vollmundig“ ist das Versprechen auf dem modern und verrückt gestalteten Etikett, das einen Gockel in Comicverfremdung zeigt.  Ohne zuviel vorweg nehmen zu wollen – die Beschreibung auf dem Etikett passt perfekt.

Das Bier, eingegossen in mein spezielles Porter-Glas von Spiegelau (tolle Gläser, die es auch für IPAs und Witbiere gibt), erscheint erstmal nicht blickdicht, aber mit schöner Perlage und feinem, zurückhaltenden Schaum. Ein leicht metallischer, harziger Geruch ist überraschend, aber sehr angenehm und macht Lust auf mehr.

Geschmacklich überrascht es nur dahingehend, dass es wirklich schmeckt, wie ein Porter schmecken soll (bei der ungeregelten Porter-Biersituation bekommt man wirklich grausiges Zeug als „Porter“ serviert, da muss man vorsichtig sein). Es gefällt im Mund, ist schön dicht, kräftig und dabei immer noch frisch.

gruthauspumpernickelporter-glasViele halten derartig malzlastige, dunkle Biere oft für sättigend; das Gruthaus Pumpernickel Porter ist aber tatsächlich eher erfrischend, nur leicht malzig, und hat auch nur leichte Röstaromen. Diese wirklich gut gelungene Ausbalanciertheit in allen Komponenten setzt sich auch bei einer zurückhaltenden, aber effektiven Bitterkeit und einer nicht übertriebenen Süße fort.

Wie es sich für handwerklich gutes Bier ziemt, ist das Pumpernickel Porter ungefiltert und nicht pasteurisiert, und weist echten Pumpernickel als Zutat aus – Brot und Bier, hergestellt aus ähnlichem Grundstoff, waren schon immer Brüder im Geiste. Dass so eine spannende Vermählung wirklich gut klappt, beweist dieses Bier, von dem ich sicherlich mehr trinken werde, auch wenn es dann nicht mehr um die Hälfte reduziert ist.

Porter macht sich auch immer gut in Cocktails. Der Roll With The Punches #2 zeigt ganz besonders, dass Bier eine tolle, aber leider unterschätzte Cocktailzutat sein kann.

Roll with the Punches #2


Roll With The Punches #2
1½ oz Aromatisierter Rum (z.B. Plantation XO 20th Anniversary)
¼ oz Angostura
¾ oz Orgeat
½ oz Orangensaft
½ oz Limettensaft
…mit Pumpernickel Porter auffüllen


Wirklich ein ganz hervorragendes Porter, das sich nicht vor britischen Platzhirschen in diesem Bierbereich verstecken muss.

Malzigkeit kennt keine Grenzen, Malzigkeit kennt kein Pardon – Riegele Robustus 6

Das Robustus 6, ein Porter des Augsburger Craftbierbrauers, kommt schon auf den ersten Blick tiefdunkel, espresso-farben daher. Beim Eingießen fühlt man schon die schwere Konsistenz, und bewundert, wie sich die erstmal fette Schaumkrone langsam in einen feinperligen, dünnen Schaum setzt.

Robustus-borderGeruchlich unauffällig, mit der für das Porter bekannten leichten Kaffeenote, spielt das Robustus seine Fähigkeiten erstmal ein bisschen runter. Geschmacklich lässt es die Untertreibung dann aber schnell sein: Im Mund sehr mild und weich, wartet es mit einer kräftigen Malzigkeit auf, die schon im Namen niedergelegt ist: die 6 Malzsorten ergeben ein nur angenehm wenig aber erkennbar süßliches, mehr würziges Gesamtbild. Mit frischer Säure ausgestattet ist es dabei nicht so lau und belanglos-süß wie zum Beispiel das Guinness Draught.

robustus-flasche-borderDie wahren Stärken des Robustus 6 kommen aber erst auf den zweiten Schluck zum Tragen: Milder Kaffee, erst spät am Gaumen wahrnehmbar, eine deutliche Bitterkeit mit Schoko- und Kaffeearomen im Rachen, und ein mittellanger, recht trockener Abgang.

robustus-etikett-borderBis auf die für Bier recht ungewohnte Menge von 0,66l, letztlich für mich eigentlich eher 2 Portionen, bleibt die Flasche selbst etwas langweilig. Sehr ungewohnt dagegen das Etikett; äußerst ausführlich beschreibt der Hersteller eigentlich alles, was man wissen muss, und nimmt mir als Rezensenten die Worte aus dem Mund. Ich bin entsetzt – wenn das so weitergeht, werden wir Schnapsblogger arbeitslos! Ich hoffe, Riegele hat bald ein Einsehen und sorgt dafür, dass nicht jeder Konsument plötzlich soviele Informationen über sein Bier aus erster Hand bekommt, sondern sie sich weiterhin mühsam im Internet aus fragwürdigen Quellen wie meinem Blog zusammensuchen muss…

Hopfenkaffee to go – Fuller’s London Porter

In Deutschland trinkt der eine oder andere hin und wieder ein Schwarzbier. Man mag denken, dass das ein ähnliches Geschmackserlebnis wäre – doch weit gefehlt. Das Porter ist im Gegensatz zu Schwarzbier sehr sämig, und praktisch blickdicht, nur vereinzelte tiefbraune Reflexe deuten die tatsächliche Farbe an, die man sonst für komplett schwarz halten könnte.

londonporter1Ein mittelfeiner Schaum, der schnell komplett weg ist, krönt das Fuller’s London Porter für kurze Zeit; doch im Gegensatz zu einem dunklen Haus- und Hofbier wird das Porter durch das längere Stehen trotzdem nicht schal – milde Säure und perliges Mundgefühl bleiben auch ohne Schaum gut erhalten.

londonporter2Der erste Geruchseindruck ist ganz eindeutig Kaffee, ich glaube, man könnte, wenn man nur nach Geruch und optischem Eindruck geht, dieses Bier für einen starken, abgekühlten Kaffee halten. Der Geschmack ist ähnlich deftig, zum Kaffee kommt eine leichte Dunkelkakaonote. Röstaromen und eine kräftige Malzigkeit werden aufgehellt durch eine sehr frische Würze und einen wunderbar fruchtigen Hopfen – kaum zu glauben, dass das zusammenpasst.

Ein bittersäuerlicher, sehr langanhaltender Nachgeschmack schließlich hebt zusammen mit dem vorgenannten dieses Bier für mich persönlich ganz hoch in den Gerstensaftolymp: Kaum sonst bekommt man bei einem Bier ein derart breites Spektrum an verschiedensten Aromen geboten. Um diese Vielfalt nicht abzutöten, sollte man das London Porter zwar leicht gekühlt, aber nicht zu kalt trinken. Auch zum Essen ist es eine wunderbare Ergänzung, man muss nur aufpassen, dass das kräftige Bier ein zartes Essen nicht komplett unterbuttert.

Dennoch steht das Porter eine Stufe unter einem Imperial Stout, das all die Aromen des Porter trägt, und noch wuchtiger, kräftiger und für manche dann vielleicht etwas zu sehr bombastisch daherkommt. Doch während man ein Imperial Stout doch eher selten trinkt, kann ich mir das London Porter sehr gut als Gebrauchsbier für den Alltag vorstellen.

Eine sehr hübsche Flasche, mit kurzem Hals und etwas kantiger Form, ist auch im Bierregal etwas, an dem das Auge kurz hängen bleibt. Ich bin gespannt auf die anderen Biere von Fuller’s, die ich schon bereit stehen habe.