Bier am Freitag – Sierra Nevada Pale Ale

Ich habe mal nachgeschaut – mit dem hier vorgestellten Sierra Nevada Pale Ale bespreche ich das mittlerweile 10. Bier dieser Brauerei auf meinem Blog. Damit ist die Brauerei aus dem kalifornischen Chico, gegründet schon 1980, der Spitzenreiter der Bierliste bei mir. Das liegt unter anderem daran, dass Sierra Nevada mir dabei immens geholfen hat, die „neuen alten“ Bierstile für mich zu entdecken, aber auch daran, dass hier im Saarland die Einzelhändler, die sich auf exquisite Biere eingelassen haben, diese Marke schon von Anfang an gern im Angebot hatten. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst, auch hier.

Sierra Nevada Pale Ale

Deutliche Mikropartikel stehen in der goldbraunen Flüssigkeit, was eine gewisse Trübung erzeugt. Dazu kommen ein paar Hefeflocken, die sich am Boden des Glases absetzen. Der üppige Schaum sinkt schnell in eine feinblasige Bieroberfläche zusammen.

Ich habe inzwischen eine klare Erwartung, wenn ich mir ein Pale Ale eingieße. Ich persönlich bin dabei ein Fan des klassischen Stils, viele Experimente in Überhopfung gefallen mir nicht. Das Sierra Nevada passt für mich geruchlich perfekt in den Stil, da sind deutliche, zitrusfruchtige Aromahopfentöne, Aprikose noch vielleicht, aber nicht übertrieben. Malz und Getreide riecht man, und einen leicht metallischen Ton dazu.

Auch das Mundgefühl, das ich suche, finde ich – die cremige Textur eines dosennachgereiften Ales („can conditioned“), leicht süßer Antrunk, der aber schnell in wuchtige Bittere übergeht, ohne zu kratzen. Aprikosen, Grapefruit, Sanddorn – gute Säure bildet sich im Verlauf aus, und darunter eine kräftige Würze, die dafür sorgt, dass das Bier auch Tiefe und Länge bekommt, 5,6% Alkoholgehalt helfen dabei unauffällig mit. Sehr rezent fühlt es sich an, und kitzelt leicht auf der Zunge dabei. Der Abgang ist lang, immer stärker bitterhopfig, mit leichter Adstringenz und Säureeffekten, aromatisch und voll bis zum letzten Tropfen.

Das ist das, was ich im Glas haben will, wenn ich Lust auf ein Pale Ale habe. Archetypisch, sauber, ohne Kinkerlitzchen und Übertreibereien. Sierra Nevada macht für mich mit ihrem Sortiment letztlich einfach einen Katalog, wie Bierstile auszusehen haben. Ja, manchmal will ich überrascht werden und Experimente sehen, dafür würde ich mich nicht an die Kalifornier wenden, aber für stabile Ausprägungen klassischer Art? Sierra Nevada ist das, was ich da empfehle.

Krieg der Welten – Veritas White Blended Rum

Namensrechte sind manchmal lustig. Und verwirrend. Ich hatte ja vor Urzeiten schon über die seltsame Benamung des Rums erzählt, der weltweit unter dem Namen „Diplomático“ bekannt ist, die man in Deutschland pflegt. Etwas ähnliches ereignet sich auch für den Rum, den ich heute hier vorstelle – nur mit anderen Ländern. In einem Land, den USA, ist er unter dem Namen Probitas käuflich zu erwerben, für den Rest der Welt heißt er, wie auch in Deutschland, Veritas White Blended Rum, der Saft in der Flasche ist aber derselbe. Veritas, lateinisch für die Wahrheit, ein Rum mit höherem Anspruch also? Die amerikanische Version, Probitas, geht da sogar noch weiter, da reklamiert man für sich nicht nur die Wahrheit, sondern gar tugendhafte Redlichkeit. Das Hauptargument, mit dem man dies tut, ist in einem Nebensatz auf dem Rücketikett formuliert: „unsullied by sophisticated dosage“, also ohne den Einsatz verfälschender Süßung, eine kleine Spitze gegen die Nemesis von Richard Seale von Foursquare, Maison Ferrand, die die Süßung von Rum als eine die Produktqualität steigernde Veredlung ansehen.

Wir finden in der Flasche eine Kollaboration zweier karibischer Brennereien, organisiert vom italienischen Importeur Velier: eine Mischung aus Rums, die der Coffey Still bei Foursquare auf Barbados und der Double Retort Pot Still bei Hampden auf Jamaica entflossen sind. Neulich erst hatte ich einen Rum ähnlicher Machart besprochen, den Burke’s Seamaster, es scheint zwischen den beiden Inseln also grundsätzlich zu klappen – beide sind sehr interessiert daran, ihre Produkte über das Maß des bisherigen Schutzes des CARICOM-Verbands hinaus als geschützte geographische Angaben zu positionieren. Ich unterstütze das sehr, ich glaube, dass, wenn „Barbados Rum“ oder „Jamaica Rum“ auf einer Flasche steht, man auch sicher sein sollte, dass das ganze Produkt auf der jeweiligen Insel hergestellt wurde – und nicht ein großer Teil der Herstellungskette plötzlich in kontinentaleuropäischen Weinkellern stattfindet. Die Diskussion ist im Gange, laut und harsch, mit viel Herzblut und auch ein bisschen virtuellen Fäustkämpfen, kein Wunder, da geht es um einiges.

Veritas White Blended Rum

Helles Stroh sieht man, wenn man sich den ersten Schluck einschenkt. Auch wenn der Rum als „white“ ausgezeichnet ist, hat er doch einen Anteil eines zwei Jahre lang holzgereiften Foursquare-Rums, der diese leichte Tönung verursacht – diese Tatsache muss man aber erst recherchieren, nachdem man sich gewundert hat. Deutliche Schwere ist beim Schwenken auch ohne solche Mühe erkennbar, ebenso wie der schöne, fette Film, der sich dabei an die Glaswand legt.

Die Nase ist dagegen eher etwas dünn, leichte tropische Frucht findet man, eher überreif, das ist sicherlich auf den Hampden-Anteil zurückzuführen, dazu etwas Zuckerwatte und Melasse, aber alles auf einer eher niedrigen Amplitude. Es kommt halt darauf an, was man von einem „weißen“ Rum erwartet, hier unterscheiden sich die Stile doch deutlich, der Veritas geht jedenfalls deutlich eher in die schmale, um nicht fast zu sagen neutrale, Richtung. Vanille und Karamell findet man noch, etwas fast mentholische Frische, die von leichtem Ethanol gestützt wird. Der Rum wird auf dem Rücketikett als Cocktailzutat angepriesen, ja, jedenfalls ist er für die Schnupperer unter uns erstmal wenig spannend.

Veritas White Blended Rum Glas

Süß und schwer legt er sich dann auf den Gaumen, mit sehr viel mehr Volumen, als man ihm von der Nase her zugetraut hätte. Reife Frucht, viel vergammelte Ananas und braune Banane, ist der Vorläufer für sehr viel Barbados-Typizität, mit Kokosnuss und weißer Schokolade. Eine dichte, runde Textur gefällt mir sehr, in diesem Aspekt überzeugt mich der Veritas voll, da ist Kraft drin, die Wärme und Würze, die sich im Verlauf aus den 47% Alkoholgehalt entwickeln, tun ihr übriges dazu. Aromatisch klingt der Rum dann aber schnell wieder ab, während die Effekte noch lange da sind, ist am Gaumen nur noch ein leichter Eisenton da, der mit einer Erinnerung an etwas frisch gepressten Zuckerrohrsaft konkurriert.

Ein sauberer Rum ohne Sperenzchen, der die Charakteristiken von Barbados und Jamaica schön integriert, ohne einer Komponente wirklich die Bühne zu überlassen – ich weiß nicht so recht, ob ich voll überzeugt bin vom Ergebnis. Nach meiner Erfahrung muss ein ungereifter Rum nicht langweilig sein, im Gegenteil, der kann richtig krachen mit superstarker Aromatik und Spannung, der Veritas ist dagegen eher einer der gemächlicheren Rums, für die, die einen klassischen Cocktailrum mit einem für den Einsatzzweck vernünftigen Maß an Charakter suchen, der in den traditionellen Rezepten super funktioniert, ohne wirklich herauszustechen.


Ich zitiere dafür beispielsweise den Tonga Punch aus der Schmiede des Tikigotts Trader Vic. Ich genieße diese klassischen Rezepturen, die wunderbar ausbalanciert sind, eben weil man keine funkigen Estermonster in ihnen einsetzt. Und, am Ende muss man das ehrlich sagen, trotz aller Fragezeichen, die sich in meinem Kopf gebildet haben, in so einem Szenario leistet der Veritas ganz hervorragende Dienste.

Tonga Punch Cocktail

Tonga Punch
2 oz ungereifter Rum
½ oz Orange Curaçao
1½ oz Orangensaft
¾ oz Zitronensaft
¼ oz Limettensaft
¼ oz Grenadine
Mit Eis blenden.

[Rezept nach Trader Vic]


Über die Flasche gibt es nichts besonderes zu erzählen, das Etikett hält sich mit Kitsch und Fantasie extremst zurück, was ich sehr zu schätzen weiß; das Wappen mit dem Fass und den Flügeln ist eine Abwandlung des „Guardians of Rum“-Logos, einer losen und unorganisierten Gruppe von Leuten, die sich die Verteidigung des reinen Rums auf die Segel geschrieben haben; dies passt in das Weltbild des Rums, noch ein bisschen Propaganda mehr, als der Produktname sie schon liefert.

Man merkt vielleicht meiner Besprechung an, dass ich leicht zwiegespalten bin. Das liegt aber, glaube ich, hauptsächlich daran, dass der Veritas mit riesigen Vorschusslorbeeren, einem enormen Versprechen und in einer Situation, in der in der Rumwelt auch produktpolitische Agenden ausgefochten wurden, angetreten ist. Die sozialen Medien überschlugen sich, es gab plötzlich einen neuen Platzhirsch, der alle anderen Alternativen in dieser Kategorie in den Hintergrund zu drängen suchte, unterstützt natürlich durch die enorme, laute Fangemeinde, die Foursquare und Velier aufgebaut haben – und diesen Lärm kann dieser Rum nicht zu hundert Prozent bestätigen, finde ich. Man verstehe mich nicht falsch, der Veritas als Spirituose kann dafür natürlich überhaupt nichts, bleibt am Ende des Tages ein sauberer, guter und hervorragend funktionaler Cocktailrum, und dafür würde ich ihn auch ohne jeden Gewissensbiss sofort weiterempfehlen.

Bier am Freitag – Brouwerij Het Nest Schuppenboer Maxima Calvados Barrel Aged und Grand Cru Brandy Barrel Aged

Die große Kiste mit belgischem Bier, die mir mein Freund Dimitri nach dem legendären Whisky-und-Zigarren-Abend bei ihm zuhause geschenkt hat, ist für mich eine wahre Fundgrube an Entdeckungen. Ich verstehe inzwischen sehr gut, warum die belgische Bierkultur als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt ist, da ist wirklich viel Kreativität und Energie drin. Als gute Beispiel dafür mögen diese zwei Biere dienen, die ich der Bierkiste nun entnommen habe: Brouwerij Het Nest Schuppenboer Maxima Calvados Barrel Aged und Grand Cru Brandy Barrel Aged, fassgereifte Exemplare aus Oud-Turnhout in Nordbelgien zwischen Antwerpen und dem holländischen Eindhoven. Die von Spielkarten inspirierten Etiketten und Kronkorken sind ein Markenzeichen, das hohen Wiedererkennungswert bietet – ich hoffe, die Brauer pokern hier nicht zu hoch und haben statt einem Paar Dreien eher einen Flush auf der Hand!

Brouwerij Het Nest Schuppenboer Maxima Calvados Barrel Aged und Grand Cru Brandy Barrel Aged

Erstmal harte Zahlen und Eindrücke, die man vom Etikett sammeln kann – 10% Alkoholgehalt, 45EBU, „Kräuter“ auf der Zutatenliste (insbesondere wohl Koriander), und Cascade als Aromahopfen. Dann im Glas: Blond mit leichtem Rotstich, eine leichte Naturtrübe ohne Schwebepartikel und erkennbare, aber nicht übermäßig starke Perlage zeichnen die Optik des Brouwerij Het Nest Schuppenboer Grand Cru Brandy Barrel Aged aus. Schaum bildet sich beim Eingießen, und bleibt in dünner Form und kontrastreich weiß auch lange erhalten.

Brouwerij Het Nest Schuppenboer Grand Cru Brandy Barrel Aged

Der Geruch wird von Frucht dominiert, süße Marmelade, Pfirsich, Traubenmost und Bratapfel drängen sich mir als Eindrücke auf. Da muss man nicht viel schnuppern, das ist opulent und stark im Duft, gesteuert durchaus von der Extrabeigabe von Cascade als Aromahopfen, ohne dass es dabei kratzig wird. Geschmacklich setzt sich das angenehm fort, süße Schwere startet im Antrunk und wird dabei von viel gelber Frucht unterstützt. Im Verlauf bildet sich eine angenehme Würze heraus, mit klarer Getreidenote und etwas Korianderbittere, und ein bisschen dezenter Holzigkeit, die dann das Bier auch leicht ins Trockene kippen lässt, was sich gegen Ende noch verstärkt. Ein sehr rundes Bild, mit viel angenehm zusammenspielender Aromatik, das im Abgang mit vorsichtiger, blumiger Weinbrandnote und etwas Holz endet. Das bis dahin sehr weiche Mundgefühl klingt dann trocken nach.

Ein Bier, das wirklich Spaß macht! Vielschichtig, aromatisch und richtig süffig, handwerklich gut gemacht. Die Fassreifung im Weinbrandfass ist erkennbar, aber nicht übertrieben, und die herbtrockene Charakteristik des Basisbiers passt einfach toll kontrastreich dazu.


6 Monate Calvadosfass hat das Brouwerij Het Nest Schuppenboer Maxima Calvados Barrel Aged hinter sich. 14,9% Alkoholgehalt, 50EBU, Zucker und Kräuter auf der Zutatenliste, allein diese Fakten sind schon interessant für sich! Man sieht eine leichte, aber beständige Perlage durch das naturtrübe Terracotta, das trotzdem eine gewisse Leuchtkraft hat. Schaum ist sehr dünn, zieht sich schnell nach dem Eingießen an die Glaswand zurück, und belässt nur einen feinen Flaum auf der Bieroberfläche.

Brouwerij Het Nest Schuppenboer Maxima Calvados Barrel Aged

Die Fruchtigkeit der Nase grüßt direkt, da ist viel roter Apfel und Aprikose präsent, mit süßer Trockenfrucht darunter, und etwas Fruchtkompott als Basis. Vanille und Zimt vielleicht, jedenfalls sehr aromatisch und angenehm zu schnuppern. Im Mund zieht zunächst etwas Säure direkt die Spucke an – bevor eine üppige, zuckrige Süße vollständig den Gaumen belegt, das ist, ehrlich gesagt, schon unangenehm süß. Fruchtkompott, stark gesüßt, Honig und Ahornsirup, auch dieser nicht kalorienarm, attackieren die Geschmacksknospen, eine zwar runde, aber auch oberflächlich pappige Weichheit dominiert als Mundgefühl, nur minimalst aufgelockert durch die Säure: ein Gefühl wie ein starksüßer Fruchtessig. Das Calvadosfass scheint meines Erachtens spät dann wirklich durch, sowohl vom Holz als auch vom Brand selbst. Der Abgang ist kurz, leicht floral, und hinterlässt Honig auf den Lippen, und einen Zuckerbelag im Mund, den man weglutschen muss.

Uiuiui, das muss man mögen – das wirkt wie ein Fruchthoniglikör mit Sprudel, nicht wie ein Bier. Mir ist das doch zu pappig, das muss man sehr kalt trinken, aber ich kann mir vorstellen, dass sowas seine Liebhaber findet, vor allem, weil der Alkohol echt gut eingebettet ist und kaum erkennbar ist trotz der hohen Stärke.


Zwei sehr unterschiedliche Biere, für mich aber mit einem klaren Fazit – das Maxima ist interessant, persönlich brauche ich es aber nicht wirklich ein zweites Mal; das Grand Cru werde ich dagegen mit Sicherheit nicht abschlagen, wenn ich es irgendwo sehe.

Zu Tode betrübt und himmelhoch jauchzend – Chartreuse Liqueur d’Elixir 1605

Kein Chartreuse mehr da. Da wollte ich neulich einen Last Word oder einen Death Flip oder sowas machen, ich weiß es nicht mehr genau, und suchte in meiner sehr unstrukturierten Heimbar (ich arbeite zuhause nach dem Chaos-Prinzip, anstatt die Flaschen nach Kategorien zu sortieren) verzweifelt nach der Flasche Chartreuse. Ne, nix zu finden. Doch! Da ist sie! Und… es ist noch ein kleines Kleckerchen Rest drin, vielleicht ne viertel Unze, für die Drinks reicht das nicht. Man hörte den Schrei der Verzweiflung bis nach Saint-Pierre-de-Chartreuse, da bin ich mir sicher, die fast leere Flasche zersprang dabei in tausend Teile, und ich vergaß den halb gemixten Drink, setzte mich ins Auto und fuhr wie der Teufel zum Supermarkt, um diese entsetzliche Lücke in meiner Seele und meiner Heimbar zu schließen.

Sowas will man nicht zweimal erleben, darum habe ich, nachdem ich mir dann den Drink doch noch zuende gemixt hatte, direkt noch zwei Varianten dieses edelsten und wohlschmeckendsten aller Kräuterliköre zugelegt, und heute bespreche ich darum den Chartreuse Liqueur d’Elixir 1605. 1605 ist laut Legende, die auf dem Rücketikett erzählt wird, das Datum, an dem aus einem uralten, kryptischen Manuskript das Geheimnis des Elixiers entschlüsselt wurde, das langes Leben verleihen soll. Entsprechend hat dieser Likör zwei Bestandteile seines Namens aus dieser Legende erhalten – die Jahreszahl, und den Zusatz „Liqueur d’Elixir“. Mich als Fan muss man nicht mit Pseudomythologie ködern, ich kauf das einfach so wegen dem Geschmack, der hohe Alkoholgehalt wird eh dafür sorgen, dass das mit dem langen Leben nichts wird. Darum probieren wir den Likör jetzt einfach mal.

Chartreuse Liqueur d’Elixir 1605

Mir gefällt das Biscayagrün, das man im Glas sieht – es ist ein attraktiver Grünton, sehr pflanzlich wirkend, mit einem Touch von Gelb. Dazu kommt die schwere Viskosität, die die Flüssigkeit definiert, beim Schwenken legen sich entsprechend Filmschichten an die Glaswand, denen man wunderbar beim langsamen Aufspalten in dicke Beine zusehen kann.

Die Pflanzlichkeit ist nicht nur optisch vorhanden, der Geruch setzt dem noch eins drauf. Es ist schwer, einzelne Noten herauszumachen, die Kombination aus frischen Tönen wie Anis und Estragon, würzigem Sternanis und Nelken, etwas süßlichem Zimt und dann noch floralen Komponenten, die mich an Veilchen denken lassen, ist einfach so angenehm, dass ich mir gerne ein reines Schnupperglas eingieße. Zu tief sollte man die Nase allerdings nicht ins Glas halten, sonst findet man unter viel Wermutkraut auch etwas Ethanol (nur in Anflügen allerdings, die 56% Alkoholgehalt sind nicht wirklich erkennbar).

Chartreuse Liqueur d’Elixir 1605 Glas

Ich lasse mir wirklich viel Zeit mit dem Duft, bevor ich den ersten Schluck nehme. Zunächst meint man, dass die einem Likör angemessene Süße, die den ersten Zungenkontakt bildet, auch den Rest der Verkostung dominieren wird, doch weit gefehlt – ziemlich schnell verdrängt die krautige Würze die Süße aus der Hauptrolle, das wirkt fast paradox trocken am Gaumen, dann direkt auch sehr feurig mit viel Chilihitze, die Gaumen und Zunge etwas anästhesiert. Das Kräuterbouquet des Geruchs ist gleich stark auch geschmacklich ausgeprägt, vielschichtig und ohne einzelne Spitze, höchstaromatisch und mit einem vollen Körper ausgestattet. Insgesamt geht alles im Verlauf ins Bittere über, mit einem Ticken Grapefruitzeste und Anis, die peppige Frische dazuliefern. Der Abgang ist lang, mit herber Herbalität, die verhindert, dass am Ende ein zuckriges Gefühl zurückbleibt.

Ein Kräuterlikör, der seinen Namen wahrhaft verdient! Man hat es bisher ja vielleicht schon dezent gemerkt, ich bin ein Chartreuse-Fanboy, es ist eine meiner absolut liebsten Spirituosen, und neben Campari wie gesagt das einzige Produkt, das in meiner Heimbar niemals ausgehen darf. Und ich habe für mich nun, nach der oben geschilderten kathartischen Epiphanie und der Verkostung, sogar die Entscheidung getroffen, den normalen Chartreuse Verte auf Dauer durch den Liqueur d’Elixir 1605 zu ersetzen.


Das Jade Idol, gefunden in Matt Pietreks „Minimalist Tiki“, zeigt sehr deutlich, wie wunderbar flexibel und vielseitig Chartreuse eingesetzt werden kann. Es gibt klassischen Drinks eine unübertreffbare Kräuterigkeit, und setzt sogar in vielzutatigen Tiki-Cocktails seine unverkennbare Duftmarke, ohne die anderen Zutaten unterzubuttern. Apart aber auch, wie hier grüner Minzlikör neben zusätzlicher Farbe noch diesen wunderbar frischen Nachgeschmack dazubringt.

Jade Idol Cocktail

Jade Idol
1 oz / 30ml Orangenlikör
1 oz / 30ml Chartreuse Verte
½ oz / 15ml ungereifter Overproof-Jamaica-Rum
¼ oz / 10ml Crème de Menthe grün
¾ oz / 25ml Limettensaft
¾ oz / 25ml Zitronensaft
½ oz / 15ml Honigsirup
Auf Eis shaken. Mit crushed ice servieren.
[Rezept nach Justin Wojslaw]


Man sieht es auf dem Vergleichsfoto – der 1605 scheint erkennbar gelber zu sein als das klassische Chartreuse, und auch dichter. Auch beim Schwenken spürt man den Unterschied, der 1605 ist hier viel schwerer und öliger. Geruchlich sind sich die beiden dann aber sehr viel näher, trotz höherem Alkoholgehalt wirkt der 1605 dabei weniger alkoholisch, schwerer und dichter. Ähnlich im Geschmack – da ist natürlich extrem viel mehr Wumms hinter dem 1605, er wirkt viel harziger, kräuteriger, aromatischer in jeder Beziehung, und das liegt, meine ich, nicht nur am Alkoholgehalt.

Chartreuse Liqueur d’Elixir 1605 Vergleich zu Chartreuse

Schön ist natürlich auch der giftgrüne Geschenkkarton, in dem die Flasche geliefert wird. Von diesem Detail abgesehen, halten sich die Pères Chartreux mit opulentem Design eher zurück, alles ist auf die Farbkombination grün-schwarz-silber ausgelegt, und ein ins Glas eingelassenes Wappen setzt das Tüpfelchen auf. Echtkorken ist bei Likör für mich nie nötig, hier aber vorhanden; immerhin verhindert man damit, dass sich ein Schraubverschluss durch Zucker zukrustet, wie das beim klassischen Chartreuse Verte oder Jaune, wie auch bei anderen Likören, passieren kann.

Allerdings ist der Durchsatz für Chartreuse in meiner Heimbar derart hoch, dass sich dieses Problem nur höchstselten manifestieren könnte. Ich trinke das einfach gern, in Cocktails, pur oder sogar als Shot aus dem Eisfach – und das Liqueur d’Elixir 1605 ist dann noch die Extraschippe auf dem Genuss, die mir den geringen Preisaufschlag sehr versüßt.

Bier am Freitag – Schanzenbräu Rotbier und Helles

Mein erster Kontakt mit Schanzenbräu war der Collab-Brew mit Maisel an deren erstem Heimbrauer-Wettbewerb, bei dem ich damals sogar als Bierjuror eingeladen war. Der Maisel & Schanzenbräu Gestopfte Bär ist mir bis heute extrem positiv in Erinnerung, und darum musste ich nicht lange überlegen, ob ich bei anderen Bieren des fränkischen Brauers aus Nürnberg zugreifen soll. Und so finden das Schanzenbräu Rotbier und Helles einen Weg in meinen Bierkeller, und von dort ziemlich zügig auch ins Glas. Normalerweise trinke ich von hell nach dunkel – heute mal umgekehrt, weil ich mich so auf das Rotbier freue.

Schanzenbräu Rotbier und Helles

Ich mag Rotbier allein schon wegen der Farbe, und das Schanzenbräu enttäuscht mich hier auch nicht: ein tolles, kräftiges, fast ins Kastanienbraun übergehendes Rostrot, herrlich opalisierend, leicht trüb da unfiltriert, mit schön kontrastreichem Schaum, der als Blume auf dem Bier liegt. Er sackt zügig in sich zusammen, bleibt als feiner Flaum aber dann lange liegen.

Bei einem klassischen Bierstil wie diesem erwarte ich keine dramatische Nase. Leicht malzig, mit Anklängen von verrosteten Stahlträgern, minimal getreidig, das war es eigentlich auch schon. Da muss man sich nichts zusammenfantasieren: klassisch und sauber.

Schanzenbräu Rotbier

Im Mund ist von Anfang an deutliche Süße da, die die getreidigen und malzigen Aromen trägt. Das Bier ist aromatisch sehr zurückhaltend, im Mund ähnlich, wie es die Nase schon angekündigt hat, doch es lebt von der Textur: schön cremig, dabei immer frisch und klar, eine hübsche Kombination, die mit toller Rezenz punktet, ohne das Mundgefühl zu vergessen. Extrem süffig, das trinkt sich einfach super angenehm, auch wenn man seinen Sensorikapparat für dieses Bier nicht überanstrengen muss, und mit 4,9% Alkoholgehalt ist es auch nicht zu stark. Im kurzen Abgang wird es dann deutlich malzig, schöne leichte Röstaromen kommen auf, hier kulminiert das Bier zu seinem Höhepunkt. Kein Genussbier, das man explorieren soll, sondern einfach ein Bier zum Trinken, erfrischend, sauber, unterhaltsam, das macht mir echt Spaß zwischendurch.


Auch beim Hellen von Schanzenbräu erwarte ich keine Geschmacksexplosion – ähnlich wie ein Rotbier lebt ein Helles von anderen Elementen als verrückte Hopfennoten oder extreme Effekte. Farblich ist es schonmal typisch, wie der Stilname schon andeutet, hell und leuchtend, leicht opalisierend, mit beinahe blassem Gelbgold. Der Schaum ist beim Eingießen kräftig dick, nach kurzer Stehzeit dann aber, wie schon beim Rotbier, dünn und feinblasig.

Geruchlich bleibt es ähnlich klar, deutlich herb und getreidig, praktisch ohne jede aromahopfige Komponente, ein Bitterhopfen kommt hier zum Einsatz. Würzig, feinherb, eine sehr gefällige, aber nicht uncharaktervolle Nase. Ganz vorsichtig nur malzig, trocken und sauber ist das, das schnuppert sich angenehm und klassisch.

Schanzenbräu Helles

Das ganze Schema setzt sich im Mund fort, eine leicht cremige Textur legt sich an den Gaumen, deutlich getreidige, herbwürzige Aromen mit klar bitterhopfiger Charakteristik. Gelungene Süßsauerbalance, keine der beiden Eindrücke übernimmt, beide sind aber da. Die Rezenz spürt man, doch eine gewisse Stumpfheit sorgt dafür, dass das Schanzenbräu Helle nicht spritzig oder knackig wird, es bleibt weich und rund, voll und saftig. Ein sehr kurzer Abgang schließlich, bei dem eine leichte Adstringenz Spucke aus den Backen saugt, und höchst vorsichtige Salzigkeit beenden das Bier.

Ein wunderbarer Essensbegleiter, klar, stringent, ohne Aufregung, ohne Höhepunkt oder großen Tiefgang – so wie ein Helles sein soll. Kalt getrunken ein wunderbarer Erfrischer in der Sommerhitze, einfach gut gemacht: Handwerk ohne Angeberei.


Beide Biere mag ich wegen ihrer Bodenständigkeit, ihrer herausragenden Drinkability, und ihrer Einfachheit. Endlich mal ein Bier, das man einfach so trinken kann, das trotzdem Niveau hat und bei dem man das Handwerk spürt. Deutsche, fränkische Biertradition vom Feinsten.

Stößchen! Mauritius Sundowner Aperitif

Ein Rum Tonic ist für mich ein besserer Drink als ein Gin Tonic. Punkt. Das habe ich schon vor mehreren Jahren entdeckt, und in einer Zeit, in der es immer beliebter wird, dass Premixes auch für den Endandwender auf dem Markt sind, freue ich mich sehr, dass mein persönlicher Geschmack nun auch in diesem neuen Sektor zufrieden gestellt wird. Mit dem Mauritius Sundowner findet sich ein fertiger Longdrink in der großen Sektflasche, bestehend zu einem guten Anteil aus Oaks & Âmes Gold Rum aus der Oxenham Distillery, verortet natürlich auf der namensgebenden Insel im indischen Ozean. Mit 10% Alkoholgehalt ist er nicht zu stark auch für allerlei Anstoßgelegenheiten im Büro oder zuhause und damit nicht nur was für Hardcore-Rumfreunde. Plopp, weg ist der Korken, und entspannt gieße ich mir ein Glas ein!

Mauritius Sundowner Aperitif

Die Trinkempfehlung ist, einfach den Aperitif über einen großen Eiswürfel zu gießen und zu servieren. Da sieht man dann auch die Cremefarbe, nur einen Ticken über kristallklar. Es zischt beim Eingießen, und es bildet sich dann auch kurz wie bei Sekt etwas Schaum, der aber direkt verschwindet. Ein Anflug von Mousseux ist sichtbar.

Für die Nase ist erstmal wirklich der Rum zu erschnuppern, darunter kommt direkt etwas Piment, Kardamom und Sternanis, Orangenzeste und leichte Limette. Die Kombination aus Gewürzen und Frucht gefällt mir sehr, auch wenn der Duft natürlich insgesamt zurückgenommen ist, macht sich die Verbindung aus Rum und Tonic Water richtig gut.

Mauritius Sundowner Aperitif Glas

Auch im Mund setzt sich das so fort – süßliche Orange, erkennbare Rumaromen, kräuteriges Tonic, eine sehr süffige Mischung, die ein richtig angenehmes Süßsauerbitterspiel aufweist, sehr balanciert und ausgewogen zusammengestellt. Das Mundgefühl ist frisch und trocken, lässt aber noch genug Volumen zu, und wird nie astringierend. Ein überraschend langer Nachklang holt dann den Rum nochmal klar hervor, mit Rosinen, Vanille und Grapefruit.

Ein leichter Aperitif, sehr trinkig, rund und klar, frisch und aromatisch. Eine tolle Rezeptur, bei der einfach alles passt. Auch wenn gerade nicht die Jahreszeit für so einen erfrischenden Drink ist, rate ich, ein paar Flaschen davon mal als Alternative zu Sekt oder Wein für die nächste Gesellschaft zuhause vorzukühlen – die Gäste werden erfreut nachfragen, was das denn ist, was sie da im Glas haben. Und ich weiß, dass ich für die ersten schönen Tage im hoffentlich bald kommenden Frühling auch den Mauritius Sundowner im Keller liegen haben werde.


Mauritius Sundowner #2

Zusatz 22.08.2023: Ich habe nun noch den direkt hier daneben abgebildeten Mauritius Sundowner #2 Mediterrane Bergamot probiert. Statt gereiftem Rum wird hier ungereifter verwendet, genauer gesagt der Oaks & Âmes White Rum, und man spürt direkt die erhöhte Direktheit, die dadurch entsteht. Grasig, grün, mit sehr präsenter Zuckerrohrsaftnote, die vom Tonic aufgenommen und betont wird. Die Zitrusfrüchte, besonders Bergamotte, sind dezent aber wirksam vorhanden. Schöne Trockenheit begleitet den langen, zestigen und würzigen Abgang. Toller Körper, mit ordentlich Wumms, da wurde auch nicht am Rum gespart. Wirklich gut gemacht und extrem süffig. Die Flasche zieht man weg wie nix, versprochen – persönlich gefällt mir Version #2 sogar noch besser als #1!


Mauritius Sundowner #3 Elderflower

Zusatz 27.04.2025: Und der dritte im Bunde, der Mauritius Sundowner #3 Elderflower, hat inzwischen auch seinen Weg in mein Glas gefunden. Gerade jetzt Ende April, wo es im Saarland plötzlich wieder frühsommerlich schön geworden ist, macht so ein Drink natürlich viel Spaß, insbesondere, wenn man die Flasche mit netter Gesellschaft teilt. Ein ganz anderes Geschmackserlebnis als die zwei Vorgänger bietet die Nummer 3, als Basis kommt der Bougainville Lemongras Rum zum Einsatz, der schon eine deutlich andere Aromatik von sich aus mitliefert. Süßlicher, weicher, mit vielen Gewürznoten von Vanille, Sternanis, Zimt und Muskatnuss, vielleicht sogar etwas Nelke; die süßfloralen Noten der Holunderblüte ergänzen das ganze auf eine sehr aparte und runde Art und Weise. Das Tonic hält das ganze dennoch weiterhin frisch und herb, so dass es nicht pappig wird und dennoch weich im Mund liegt. Eine sehr unterhaltsame Kombination und eine tolle Ergänzung für das Dreierset – ich bin mir gar nicht mehr sicher, welcher mir am Ende am Besten gefällt.

Offenlegung: Ich danke FFL -RUM Brands- für die kosten- und bedingungslose Zusendung je einer Flasche des Mauritius Sundowner.

Bier am Freitag – Val-Dieu Bière d’Abbaye Triple

Kurz vor Weihnachten war ich bei meinem Freund Dimitri in Belgien eingeladen. Wir kennen uns seit 6 Jahren, sehen uns jedes Jahr als Juroren bei Spirits Selection by Concours Mondial de Bruxelles, haben es aber nie geschafft, das schon seit langem gewünschte private Treffen außerhalb des Wettbewerbs auch mal durchzuführen – bis eben diesmal, und es war ein langer, toller Abend mit vielen Spirituosen, Zigarren, Gesprächen und Bier. Von diesem Tag in Belgien brachte ich ein großzügiges Geschenk von Dimitri mit: eine ganze Kiste voll mit belgischen Bieren, rund 30 Flaschen unterschiedlicher Marken. Stück für Stück trinke ich die nun gemütlich weg. Ich fange an mit dem Val-Dieu Bière d’Abbaye Triple. Das Bier ist ein echtes Abteibier, das in der Brasserie de l’abbaye du Val-Dieu in Aubel also tatsächlich noch in der Zisterzienserabtei gebraut wird, mit Flaschengärung und 9% Alkoholgehalt.

Val-Dieu Bière d'Abbaye Triple

Deutlich trüb, mit klar erkennbaren Hefepartikeln, die im Bier schweben. Safrangelb, mit feinem Schaum, der als dünne Schicht lange erhalten bleibt, und mit kleinen Blaseninseln gefällt. Perlage ist nur in einzelnen Bläschen sichtbar. Die Nase ist sehr malzig und getreidig, mit einem leichten Eisenton, und nur Anflügen von Hopfenfrucht. Pfirsich vielleicht, aber wie gesagt, nur höchst dezent, das Getreide dominiert klar.

Im Mund wirkt es viel süßer, als man das vermutet hätte, mit einem sehr cremigen, superfluffigen Mundgefühl. Hier ist dann auch viel deutlicher Frucht vorhanden, Pfirsich, ja, und getrocknete Aprikosen, und auch etwas Backgewürz. Das wirkt im Vergleich zur Nase sehr aromatisch und voll, wartet dabei gleichzeitig mit knackiger Säure auf, die die Süße im Verlauf dann etwas kontert und für angenehme Rezenz sorgt. Im Nachhall wechselt es zu leicht blumigen Noten, mit Jasmin und Veilchen, während ein kühles, frisches Gefühl lange am Gaumen bleibt und deftige Bittere am Ende übernimmt.

Ein wohlgestaltetes Bier, mit vollem Körper und gleichzeitig Eleganz, schöner Frische und wunderbarer Aromatik. Großartig gemacht, komplex und vielschichtig, erneut ein Beispiel dafür, warum ich belgische Biere so liebe.

Nationalrecycling – Trois Rivières Ambré Finish Whisky Fûts Single Malt

Etwas, was viele gar nicht auf dem Schirm haben: Frankreich ist heutzutage ein großer Produzent von Whisky. Man verbindet Frankreich eher mit Cognac und Champagner, doch die Franzosen selbst trinken einfach gern Whisky; und mit ihrem Selbstverständnis bezüglich Qualität und Nationalstolz ist es eigentlich kein Wunder, dass sie den Stoff dann selbst herstellen wollen, statt ihn von woanders zu importieren. Zumindest zusätzlich. Ein Beispiel für einen französischen Whiskybrenner ist die Familienbrennerei Grallet-Dupic im Örtchen Rozelieures bei Nancy, die den Ortsnamen als Markennamen für sich nutzen. Und wie es dann so ist, geht von hier eine Kette innerhalb der Spirituosenwelt los – die Fässer, die in Rozelieures zur Reifung des französischen Single Malts genutzt wurden, werden dann irgendwann abgegeben und für andere Zwecke benutzt. Zum Beispiel, um Rum den letzten aromatischen Twist zu geben in einem Fassfinish.

Hier kommt dann die karibische Insel Martinique ins Spiel, wo der Brenner Trois Rivières sich diese Fässer von seinen lothringischen Landsleuten gesichert hat, und darin seinen Trois Rivières Ambré Finish Whisky Fûts Single Malt nachreift. Der Rum wird nach dem Destillieren in typischer AOC-Art 12 bis 18 Monate in Großfässern aus Eiche („foudres“) gereift, und bekommt dann das angesprochene Finish für 6 Monate in den viel kleineren Rozelieures-Fässern („fûts“). Er wird noch auf gemütliche 40% Alkoholgehalt herabgesetzt, und landet als „Rhum Ambré“, wie man diese nur leicht gereiften Rums im frankophonen Umfeld nennt, bei uns in der Heimbar!

Trois Rivières Ambré Finish Whisky Fûts Single Malt

Ein recht junger Rum wie dieser hat durch den zweifachen Holzkontakt trotzdem schön Farbe angenommen, ich würde das helles, blasses Gelbgold beschreiben, mit einem Anflug von Trübung, aber ohne Partikel. Lebendigkeit zeigt sich beim Schwenken, nur minimale Öligkeit, klar separierte Beinchen laufen schnell ab.

Im Geruch beherrscht die Agricole-Typizität erstmal alles – und zwar die noch junge, fruchtige Variante. Guave, Aprikose, Ananas, und ganz viel frisch gepresster Zuckerrohrsaft, mit einer leicht karamelligen Beinote. Der Rum wirkt dabei leicht und luftig, vielleicht sogar etwas dünn, wenn man nach etwas hinter diesem Fruchtvordergrund sucht. Weder die Normalreifung noch das Whiskyfassfinish ist wirklich dramatisch erkennbar, leichte Vanillenoten sind eigentlich alles, was darauf hindeuten könnte. Eine milde Floralität klingt in der Kopfnote noch nach.

Trois Rivières Ambré Finish Whisky Fûts Single Malt Glas

Der Antrunk ist sehr weich, süßlich, und wirkt etwas schmal. Initial ist außer der Frucht und der Zuckerrohraromatik kaum etwas da, und sogar diese ist deutlich dünner als in der Nase. Das Mundgefühl ist zunächst zart, eher schon wässrig, nimmt im Verlauf etwas Feurigkeit auf, die unrund und etwas eckig wirkt. Leichte Säure baut sich auf, und unterstützt die undefinierte Würze, während sich gleichzeitig eine unsaubere Trockenheit in Stellung bringt. Das passt alles irgendwie nicht so recht zusammen, und ist im Endeffekt dann im Gesamtbild eher schlampig konstruiert und wenig aufregend; der kurze, eisenhaltige und nur im Anflug florale Abgang passt dazu. Ganz am Schluss klingt noch Zuckerrohrsaft nach, das ist dann ganz schön, aber einfach nicht genug.

Ein, meiner Meinung nach, fehlgeschlagener Versuch, in einen zu stark verdünnten Rum etwas Spannung mit einem Whiskyfassfinish zu bringen; der Rum ist zu gelangweilt von sich aus, das Finish kaum erkennbar und damit dann letztlich unnötig. Mit deutlich höherem Alkoholgehalt wäre vielleicht etwas zu retten; so bleibt ein Rum, den man getrost im Regal stehen lassen kann.


Was es auch schwer macht, so etwas in einem Cocktail unterzubringen; da macht selbst eine mittelstarke Konkurrenzzutat ihm schnell endgültig den garaus. Wir orientieren uns daher an einem leichten Drink, in dem der Trois Rivières Ambré Whisky Finish noch eine Chance hat, und vielleicht sogar seine einzige Stärke ausspielen kann: Die ausgeprägten Zuckerrohraromen. Ich habe mich hier für den La Cola Nostra entschieden, in dem das tatsächlich funktioniert.

La Cola Nostra Cocktail

La Cola Nostra
2oz / 60ml gereifter Rhum Agricole
1oz / 30ml Amaro
¼oz / 7ml Allspice Dram
¾oz / 23ml Limettensaft
¼oz / 7ml Zuckersirup
Auf Eis shaken.

In ein Glas geben, das mit Eis und 1½oz / 45ml Prosecco vorgefüllt ist.
[Rezept nach Don Lee]


Die Flasche hat eine schöne, geschwungene Form, das Etikett ist hübsch gestaltet – für mich war diese Präsentation der Grund, den Rum in einem französischen Supermarkt mitzunehmen, teuer war er nicht, da fällt einem so ein Spontankauf dann halt leicht. Ich denke nicht, dass er erneut den Weg in meine Heimbar schafft, wie man auf dem Bild mit dem Glas sieht, ist er aber immerhin doch leer geworden. Für den, der einen einfachen, sehr leicht trinkbaren Rum sucht, der einem am Abend eine gewisse schöne Aromatik zur Verfügung stellt, ohne dass man über irgendetwas nachdenken muss, der kann hier mal reinschauen; ansonsten würde ich eher dazu raten, die kräftigeren, expressiveren Ausprägungen von Trois Rivières in Betracht zu ziehen – der Brenner kann das viel besser, als er hier zeigt.

Bier am Freitag – La Goudale Bière Blonde à la Ancienne und La G de Goudale Bière Grand Cru Rhum Finish

Im Hochmittelalter waren England und Frankreich eng verbunden. Normannische Invasoren, das angevinische Reich der Plantagenets, der Hundertjährige Krieg, die Beziehung war nicht immer ganz freundlich geartet und mündete dann in eine lange Rivalität, die bis heute andauert, zum Glück nur noch auf der humoristischen und nicht mehr der kriegsführenden Ebene. Sprachlich hat sich das so geäußert, dass Englisch extrem viele Lehnwörter und -konstrukte aus dem Französischen übernommen hat, das wiederum sich aus seiner fränkisch-germanischen Wurzel bediente. So erklärt sich der Name des Biers, das ich heute vorstelle – im 14. Jahrhundert war es üblich, gutes Bier als „Goudale“ oder „Goudalle“ (die Verwandschaft zum modernen „good ale“ ist unverkennbar!) zu bezeichnen; und „le goudalier“ war der Bierhändler. Die Brasserie Goudale in Arques nahe des Ärmelkanals bezieht sich darauf, wenn es seine Brauprodukte La Goudale Bière Blonde à la Ancienne und La G de Goudale Bière Grand Cru Rhum Finish tauft.

La Goudale Bière Blonde à la Ancienne und La G de Goudale Rhum Finish

Flandrischer Hopfen und obergärig arbeitende Hefe sowie 7,2% Alkoholgehalt sind die Eckdaten des La Goudale Bière Blonde à la Ancienne. „Blond“ passt, auch wenn es schon ein leichtes Dunkelblond ist. Kristallklar, man sieht ganz leicht Perlage aufsteigen. Der Schaum ist zunächst sehr dick, bleibt dann aber auch lange erhalten und steht schön auch einige Minuten nach dem Einschenken als Blume auf dem Bier. Die Nase ist dezent, eine Mischung aus Blumigkeit und Hopfenfrucht, beides aber zart. Darunter findet man etwas Gerstenwürze, insgesamt drängt sich hier nichts auf, aber es stößt mich auch keineswegs ab – das gefällt in seiner zurückhaltenden, aber wirksamen Art schon.

La Goudale Bière Blonde à la Ancienne

Im Mund fällt dann erstmal die fettcremige Textur auf, zusammen mit einer sauberen Grundsüße liegt das Bier sehr flauschig am Gaumen. Mittlere Rezenz wirkt dagegen, nicht superfrisch, aber doch mit leisem Kitzeln und mildherber Kante im Verlauf, so dass das Bier nicht zu bequem und gemütlich wird. Schöne Hopfenaromen, eher blumig als tropenfruchtig, gehen mit den Getreidetönen zusammen und bilden ein attraktives Gesamtbild.

Der Abgang ist mittellang, die Floralität kommt dann immer stärker zum Vorschein, die Karbonisierung sorgt für Aufstoßpotenzial, und es bleibt ein sehr angenehmes Gefühl von süßer Frische zurück. Sehr hübsch gemacht, handwerklich ohne Mängel, mit einem klaren Stil. Die Franzosen können also doch Bier!


Da ist man direkt aufgeschlossen, wenn ein Brauer mit derartigem Vorschuss auch ein Bier mit einer ungewöhnlichen Veredlung anbietet. La G de Goudale Bière Grand Cru Rhum Finish hat eine lange Zutatenliste, die dem RHG-Fanatiker die Tränen in die Augen treibt, mir aber aufgrund der obigen Erfahrung eher Freudenspannung verursacht: Gerste, Hopfen, Weizen, Reis, Zucker, Glucosesirup, Eichenholzchips, Koriander und Orangenschale. 25% der erwähnten Holzchips sind für 30 Tage in Martinique-Rum eingelegt.

La G de Goudale Rhum Finish

Kristallklar, mit einer Bernsteinfärbung, die fast ins Hennarot übergeht. Man sieht sehr hübsch die Perlage, der Schaum ist sehr attraktiv gemischtblasig, vom feinsten Schäumchen zur großen Blubber, beides in der Blume vereint. Optisch sehr ansprechend. Die Nase ist dafür recht zurückhaltend, man riecht etwas Malz, etwas Gerste, ein Anflug von Bitterhopfenaromen. Der Rum scheint nur minimalst im Geruch durch, wenn ich es nicht wüsste, würde ich nicht darauf tippen. Eher schon riecht man etwas Holz, etwas Rauch, aber beides auch nur sehr dezent.

Im Mund kommen plötzlich viele Aromen auf, die man so gar nicht erwartet hätte. Erstmal wirkt es sehr süß, ein bisschen pappig fast schon, dann taucht der Rum ganz vorsichtig auf. Sehr viel deutlicher drängt sich dann aber der Koriander auf, sehr viel mehr, als zum Beispiel in einem typischen Witbier, und die Bittere und freche Frucht von Orangenschale. Gegen Ende wird das Bier dann doch etwas trockener, herber, mit Gewürznoten in Richtung Nelke, bleibt aber vom Grundcharakter eigentlich süß. Die Textur ist cremig, die Rezenz eher mäßig, die 7,9% Alkoholgehalt fallen nicht auf. Interessant, sehr ungewöhnlich, und gar nicht schlecht durch diese ungewöhnliche Kräuter-Rum-Würze. Manchem wird es zu süß sein, für mich und für hin und wieder wird das sicherlich seinen Platz in meinem Kühlschrank finden.


Zwei Biere, sehr unterschiedlich, beide haben mir auf ihre eigene Art sehr gefallen. Nach vielen Reinfällen, was französisches Bier angeht, hier nun zwei Volltreffer, die mich darin bestätigen, dass meine Suche in Frankreich nicht umsonst ist.

Schwarze Orchidee – Dendrobe Black Liquor Tianyun (石斛黑酒天韵) und Xianniang (石斛黑酒仙酿)

Die traditionelle chinesische Medizin (TCM) hat den Ruf, durch den starken Einsatz natürlicher Ingredienzien, insbesondere Pflanzen- und Tierbestandteile, sanfter zu wirken als die moderne Labormedizin. Persönlich bin ich dem nur mäßig aufgeschlossen, mir sind wissenschaftlich belegte Wirkungen lieber als oft durch Placebo-Effekte ausgelöste Heilungen in vielen alternativen Medizinansätzen. Grundsätzlich ist die TCM immerhin dadurch für mich besser gestellt als zum Beispiel Homöopathie oder Geistheilung, weil hier wenigstens echte Wirkstoffe zum Einsatz kommen, und nicht der Glaube allein heilen soll. Schließlich sind auch in vielen Produkten der pharmakologischen Industrie auch Pflanzeninhaltsstoffe als Grundlage verwendet; der Unterschied ist für mich aber trotzdem noch der, dass bei der TCM immer noch eher in mittelalterlichen Ursache-Wirkung-Konzepten gedacht wird, hauptsächlich dem Yinyang-Prinzip, bei dem bei Krankheit zwei Kräfte im Ungleichgewicht sind und ausgeglichen werden müssen.

Auch bei Genussmitteln greifen die Chinesen gern auf den Zusatz von Pflanzen zurück, denen man heilsame Wirkung unterstellt (ich verweise diesbezüglich auf meine Besprechung des Zhuyeqing Jiu). Beim Dendrobe Black Liquor Tianyun (石斛黑酒天韵) und Xianniang (石斛黑酒仙酿) des südchinesischen Brenners Hunan Black Liquor Industry CO.,LTD wird einem Baijiu Dendrobium zugesetzt, eine Orchideenart, auf chinesisch „shihu“ (石斛) genannt. Ihr wird zugeschrieben, Körperflüssigkeiten auffüllen zu können, den Magen und die Lunge zu befeuchten, als Tee getrunken fehlendes Yin in der Niere zu ersetzen. Trockener Mund, Magenschmerzen, Mundentzündungen, Hitzschlag und andere Symptome sind Einsatzgebiete für Dendrobium. Inwieweit diese Heilkräfte dann auch in hochprozentigem Lösemittel noch wirken (sowohl der Tianyun als auch der Xianniang sind mit 52% Alkoholgehalt durchaus im Rahmen dessen, was Baijiu im Üblichen aufzuweisen hat), lasse ich mal dahingestellt, aber persönlich trinke ich Baijiu ja nicht, um gesundheitliche Effekte zu erreichen, sondern zum Genuss, und da erhoffe ich mir eine spannende Erfahrung – insbesondere, wie sich Orchideen als Zusatz in Spirituosen sensorisch äußern, das ist etwas komplett neues für mich.

Dendrobe Black Liquor Tianyun (石斛黑酒天韵) und Xianniang (石斛黑酒仙酿)

Fangen wir mit dem Dendrobe Black Liquor Tianyun (石斛黑酒天韵) an. Mit meinem radebrechenden Chinesisch übersetze ich den Beinamen Tianyun als „Himmlischer Klang“. Optisch fällt natürlich erstmal das gebrannte Siena auf, das ich als Farbwert angeben würde. Beim Schwenken sieht man dann noch ordentliche Viskosität, die Flüssigkeit schwappt schwer hin und her, und lässt einen Fransenteppich an der Glaswand, der in Beinen abläuft.

Geruchlich ist initial definitiv der typische Starkaroma-Baijiu-Duft da, mit viel überreifer Frucht, verrottender Ananas und matschigem Pfirsich. Ein Anflug von Teer und angekokeltem Gummi gehört mit dazu. Etwas Blumigkeit klingt mit, aber nur in Anflügen.

Dendrobe Black Liquor Tianyun (石斛黑酒天韵)

Der Antrunk ist definiert vom verbrannten Kabel und Gummi, eine schwere Süße liegt mit im Mund. Schnell kommen dann weiße Gummibärchen und zerlaufende Aprikosen dazu, mit einer gewissen Zitruskante und feuriger Chiliwürze. Das Mundgefühl ist passend dazu sehr trocken und astringierend, im Verlauf sogar immer stärker. Gegen Ende klingt das dann ab, eine Ahornsirup- und Aniswürze entsteht, und diese verflüchtigt sich schließlich langsam aber effektiv.

Außer anhand der Farbe spürt man den Orchideenzusatz nicht, das ist sensorisch ein klassischer Starkaroma-Baijiu, vielleicht einen Ticken süßer als viele andere.


Ich bin gespannt, wie sich der Dendrobe Black Liquor Xianniang (石斛黑酒仙酿) im Vergleich dazu präsentiert. Auch hier versuche ich, frei den Namen zu übersetzen: Getränk der Unsterblichen, zumindest ansatzweise ist klar, in welche Richtung die Namensgebung des Brenners geht. Die Farbe ist fast identisch zum Tianyun, auch hier ein dunkles, beinahe ins rötliche übergehendes, leuchtendes Braun. Der Xianniang wirkt einen Hauch lebendiger im Glas, etwas eleganter vielleicht, das ist aber vielleicht nur eine Einbildung.

Dendrobe Black Liquor Xianniang (石斛黑酒仙酿)

Definitiv milder und feiner ist der Geruch, da ist fast nichts von dem etwas stinkigen Plastikschmoren, und entsprechend können sich die Ananas- und Pfirsicharomen zusammen mit etwas grüner Banane, frischem Anis und grünem Blattschnitt besser entfalten. Da ist auch ein schwer fassbarer dunkler Seitenaspekt, den ich vielleicht der Dendobrium zuschreiben möchte.

Im Mund denkt man zunächst auch, dass der Xianniang feiner und zurückhaltender ist, doch schnell wird klar, dass sich der Gummi und der Teer nur vor der Nase versteckt hatten, um dann im Verlauf um so massiver aufzutreten. Hier verdrängen diese Schmornoten dann fast die ganze Frucht, etwas Komposthaufen bleibt mit besonders alter Ananas. Im Nachklang entsteht dann aber ein sehr angenehmes Mundgefühl und ein richtig schönes, fruchtig-würziges Geschmacksbild, mit Anklängen von Kaffee und Kakao, an denen ich gerne noch etwas herumlutsche.

Wie bei vielen Baijius sollte man sich hier nicht zu lange mit einem Geschmacksbild aufhalten, während der Brand im Mund ist – guter Baijiu zeigt sich meist erst im Nachklang von seiner besten Seite, und der Xianniang ist ein perfektes Beispiel dafür.


Da die Aromatik gar nicht so exotisch im Vergleich zum Benchmark-Starkaroma-Baijiu ist, sehe ich keinen Grund, mit dem Atomic Dog nicht einen Cocktail hier zu präsentieren, der mit vielen Varianten dieses chinesischen Brands gut funktioniert; vielleicht eher mit dem Xianniang als dem Tianyun. Jedenfalls scheint sich Baijiu eine kleine Nische in der Tiki-Welt zu erkämpfen, in der starke Aromen gesucht werden, um sich gegen viel Saft und Likör durchzusetzen.

Atomic Dog Cocktail

Atomic Dog
1oz / 30ml Starkaroma-Baijiu
1oz / 30ml Blackstrap Rum
½oz / 15ml Jamaica-Rum
¾oz / 23ml Limettensaft
1oz / 30ml Ananassaft
½oz / 15ml Zimtsirup
½oz / 15ml Orangenlikör
2 Spritzer Angostura
2 Spritzer Absinthe
Auf Eis shaken. Auf frisches Eis abseihen.

[Rezept nach Erick Castro]


Wie üblich ist die Gestaltung der Flaschen üppig und opulent, da wird sich nicht zurückgehalten in China. Die Flaschen haben, trotz ihrer unterschiedlichen Form, dasselbe Design mit dem Farbverlauf auf der Flasche von Schwarz nach Transparent und goldenen Schriftzeichen. Der zweite Blick ist, auch dies ist nicht ungewöhnlich, dann ernüchtert von viel billigem Plastik am Schraubverschluss und dem Nachfüllstop. Dennoch, das gefällt dem westlichen Auge sicherlich aufgrund der Exotik.

Beide Brände haben 2021 bei Spirits Selection by Concours Mondial de Bruxelles Medaillen gewonnen – der Tianyun eine goldene, der Xianniang eine silberne. Was nicht heißen soll, dass die Erhältlichkeit hierzulande gegeben ist, selbst Details über die Herstellung sind nur äußerst schwer zu recherchieren, sogar auf chinesischen Seiten wird darüber praktisch nichts erzählt. Wer Starkaroma-Baijiu mag, dem würde ich persönlich sicher den Xianniang als interessante Variante empfehlen. Und vielleicht hilft es auch gegen kleine Zipperlein, wenn man mit dem Flüssigkeitshaushalt kämpfen muss!